[0001] Die Erfindung betrifft eine Walze für einen Farbroller sowie einen Farbroller.
[0002] Eine solche Walze bzw. ein Farbroller sind beispielsweise aus der
EP 1 705 270 A2 bekannt. Dabei umfasst die Walze einen Walzenkörper und einen an dessen Mantelfläche
angebrachten Belag zum Aufnehmen und Übertragen von Farbe. Nach dem Stand der Technik
ist es allgemein bekannt, dass der Belag aus einem Lammfell, einem Kunstfell, aus
Velours, Schaumstoff oder dgl. hergestellt ist.
[0003] Die bekannten Beläge haben den Nachteil, dass ein Verhältnis einer ersten Menge an
im Belag aufgenommener Farbe und einer nachfolgend vom Belag auf einen zu beschichtenden
Körper übertragenen zweiten Menge an Farbe nicht besonders hoch ist. D.h. beim Übertragen
der Farbe auf den zu beschichtenden Körper verbleibt eine relativ große Menge an Farbe
im Belag. Infolgedessen ist das Auftragen von Farbe mittels eines Farbrollers unter
Verwendung herkömmlicher Beläge nicht besonders effektiv.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es, die Nachteile nach dem Stand der Technik zu beseitigen.
Es sollen insbesondere eine Walze für einen Farbroller sowie ein Farbroller angegeben
werden, mit denen ein Übertragen von im Belag aufgenommener Farbe mit verbesserter
Effizienz möglich ist. Nach einem weiteren Ziel der Erfindung soll die Walze möglichst
einfach und kostengünstig herstellbar sein.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der Patenansprüche 1 und 7 gelöst. Zweckmäßige
Ausgestaltungen ergeben sich aus den Merkmalen der abhängigen Patentansprüche.
[0006] Nach Maßgabe der Erfindung wird vorgeschlagen, dass der Belag zumindest teilweise
aus einem KDK-Garn gebildet ist. - Damit kann überraschenderweise die zweite Menge
an übertragener Farbe im Verhältnis zur ersten Menge an im Belag aufgenommener Farbe
erheblich erhöht werden. Mit der vorgeschlagenen Walze kann Farbe auf einen zu beschichtenden
Gegenstand mit verbesserter Effizienz aufgetragen werden.
[0007] Unter dem Begriff "KDK-Garn" wird ein sogenanntes Knit De-Knit Garn verstanden. Es
handelt sich dabei im Sinne der vorliegenden Erfindung um ein aus einem Polymer hergestelltes
Garn mit einer Textur, welche aus aufeinanderfolgenden U-förmigen oder wellenförmigen
Windungen bzw. Schlaufen gebildet ist. Ein KDK-Garn wird derzeit hergestellt, indem
aus einem Garn zunächst mittels einer Stickmaschine ein Gestrick hergestellt wird.
Das Gestrick kann beispielsweise mittels einer Rundstrickmaschine hergestellt werden.
Anschließend wird die Textur des gestrickten Garns thermisch fixiert. Das kann beispielsweise
durch eine Behandlung mittels Heißdampf erfolgen. Danach wird das Gestrick wieder
aufgelöst. Das so gebildete KDK-Garn zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Vielzahl
aufeinanderfolgender U-förmiger oder wellenförmiger Windungen aufweist.
[0008] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung ist das KDK-Garn aus einem der folgenden Materialien
hergestellt: Polyester, Nylon, Polyamid, Polypropylen. Die vorgenannten Materialien
eignen sich besonders gut zur Herstellung von KDK-Garnen mit einer hohen Formstabilität.
Eine hohe Formstabilität zeichnet sich dadurch aus, dass die aus den aufeinanderfolgenden
U-förmigen Windungen gebildete Textur des KDK-Garns auch bei mechanischer Beanspruchung
langandauernd erhalten bleibt. Abgesehen davon sind die vorgenannten Materialien im
Wesentlichen resistent gegen Lösungsmittel, welche üblicherweise zum Verdünnen von
Farben verwendet werden. Schließlich sind die vorgeschlagenen Materialien kostengünstig
verfügbar.
[0009] Das KDK-Garn ist aus einer Vielzahl von Fasern gebildet, welche aus den vorgenannten
Polymermaterialen hergestellt sein können. Insbesondere kann das KDK-Garn aus sogenannten
Mikrofasern hergestellt werden. Es handelt sich dabei um Fasern mit einem mittleren
Durchmesser im Bereich von 2 bis 10 µm, vorzugsweise 3 bis 9 µm, vorzugsweise 4 bis
6 µm. Derartige Mikrofasern sind vorzugsweise aus Polyester gebildet.
[0010] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung weist das KDK-Garn ein Denier-Gewicht
im Bereich von 20 bis 2400, vorzugsweise 120 bis 1800, besonders bevorzugt 200 bis
800, auf. Der Begriff "Denier-Gewicht" wird zur Bezeichnung des Gewichts von KDK-Garnen
verwendet. Dabei gilt für das Denier-Gewicht (den) 1 den = 1 Gramm pro 9.000 Meter.
[0011] KDK-Garne mit den vorgeschlagenen Denier-Gewichten eigenen sich besonders gut - je
nach Konsistenz und/oder Art der aufzutragen Farbe - zur Herstellung eines Belags
für einen Farbroller.
[0012] Des Weiteren hat es sich als zweckmäßig erwiesen, dass das KDK-Garn 300 bis zu 800
U-förmige Windungen pro Meter aufweist. Der aus dem KDK-Garn gebildete Belag weist
zweckmäßigerweise eine Dicke im Bereich von 3 bis 15 mm auf. Dabei kann das KDK-Garn
zweckmäßigerweise in einer gewebten Schicht, einem Vlies oder dgl. gehalten sein,
welche mit der Mantelfläche des Walzenkörpers verklebt oder verschweißt ist.
[0013] Nach einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung ist der Walzenkörper zum Aufstecken
auf den Bügel ausgebildet. Indem der Walzenkörper zum Aufstecken auf den Bügel ausgebildet
ist, lässt sich schnell und einfach eine verschlissene Walze gegen eine neue Walze
austauschen.
[0014] Nach einem weiteren Aspekt der Erfindung wird die Aufgabe durch einen Farbroller
gelöst, bei dem auf einem Bügel eine erfindungsgemäße Walze drehbar gehalten ist.
Dabei kann die Walze dauerhaft auf dem Bügel fixiert sein. Sie kann aber auch auf
den Bügel aufsteckbar sein.
[0015] Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnungen näher
erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische perspektivische Ansicht eines Farbrollers,
- Fig. 2
- eine Schnittansicht gemäß der Schnittlinie A-A- in Fig. 1,
- Fig. 3
- eine schematische Schnittansicht durch einen Abschnitt eines ersten Belags und,
- Fig. 4
- eine schematische Schnittansicht durch einen Abschnitt eines zweiten Belags.
[0016] Fig. 1 zeigt schematisch einen Farbroller, bei dem auf einem geraden Abschnitt eines
gebogenen Bügels 1 eine allgemein mit dem Bezugszeichen 2 bezeichnete Walze drehbar
aufgenommen ist. Mit dem Bezugszeichen 3 ist ein am Bügel 1 vorgesehener Griff bezeichnet.
[0017] Wie insbesondere aus Fig. 2 ersichtlich ist, weist die Walze 2 einen, vorzugsweise
aus Kunststoff hergestellten, Walzenkörper 4 auf, in dessen Zentrum eine Aufnahme
5 zum drehbaren Befestigen des Walzenkörpers 4 am geraden Abschnitt des Bügels 1 vorgesehen
ist. Auf einer Mantelfläche 6 ist ein allgemein mit Bezugszeichen 7 bezeichneter Belag
befestigt. Der Belag 7 weist KDK-Garn 8 auf, welches sich im Wesentlichen radial von
der Mantelfläche 6 erstreckt. Der Belag weist zweckmäßigerweise eine Dicke D im Bereich
von 3 bis 15 mm auf.
[0018] Die Fig. 3 und 4 zeigen schematisch Ausschnitte aus einem ersten und einem zweiten
Belag. Bei dem in Fig. 3 gezeigten ersten Belag ist das KDK-Garn 8 in einer Trägerschicht
9 gehalten, welche aus einem Gewebe oder einem Vlies gebildet sein kann. Der erste
Belag kann beispielsweise im Tuft-Verfahren hergestellt werden. Bei dem ersten Belag
werden die sich von der Trägerschicht 9 erstreckenden Schlaufen geschnitten, so dass
das KDK-Garn 8 freie Enden aufweist. Bei dem in Fig. 4 gezeigten zweiten Belag sind
die sich von der Trägerschicht 9 erstreckenden Schlaufen aus dem KDK-Garn 8 nicht
geschnitten. Auch der zweite Belag kann im Tuft-Verfahren hergestellt sein.
[0019] Der Belag kann selbstverständlich auch auf andere Weise hergestellt werden. Beispielsweise
ist es denkbar, den Belag, vorzugsweise ausschließlich, aus dem KDK-Garn, z. B. nach
Art eines Schlauchs im Rundstrickverfahren herzustellen. Ferner ist es denkbar, nur
einen Teil des Belags durch ein KDK-Garn zu bilden. Ein anderer Teil des Belags kann
beispielsweise durch langgestreckte Fasern und/oder ein Garn ohne Textur gebildet
sein. Es ist auch denkbar, das KDK-Garn 8 unmittelbar, d.h. ohne das Vorsehen einer
Trägerschicht 9, auf der Mantelfläche 6 zu fixieren. Die Fixierung kann mittels Kleben
oder Schweißen erfolgen.
[0020] Die folgende Tabelle gibt das Ergebnis von Vergleichsversuchen wider. Es sind jeweils
Farbroller mit Walzenkörpern identischer Geometrie verwenden worden. Die Walzenkörper
sind mit unterschiedlichen Belägen versehen gewesen. Es wurden aus KDK-Garnen gebildete
Beläge mit Belägen verglichen, welche aus herkömmlichen Garnen gebildet waren.
| Walze |
Belag |
Gewicht [g] ohne Farbe |
Gewicht [g] mit Farbe |
Gewicht [g] nach Farbübertrag |
Gewicht [g] der übertragenen Farbe |
| black cap 2 |
KDK-Garn |
437,63 |
608,00 |
485,45 |
122,55 |
| black cap |
KDK-Garn |
437,38 |
599,42 |
486,54 |
112,88 |
| white cap |
KDK-Garn |
437,40 |
593,03 |
490,40 |
102,63 |
| beige cap |
KDK-Garn |
435,33 |
575,00 |
477,15 |
97,85 |
| red cap |
KDK-Garn |
436,90 |
565,75 |
486,99 |
78,76 |
| green cap |
KDK-Garn |
435,10 |
555,59 |
481,12 |
74,47 |
| spandauer |
herkömmliches Garn |
422,45 |
572,70 |
500,58 |
72,12 |
| hindu |
herkömmliches Garn |
423,61 |
533,72 |
468,42 |
65,30 |
| ritmo 22 |
herkömmliches Garn |
448,47 |
544,37 |
510,36 |
34,01 |
[0021] Wie aus der obigen Tabelle ersichtlich ist, zeigen sämtliche Beläge, welche unter
Verwendung von KDK-Garn hergestellt worden sind, ein höheres Gewicht an übertragener
Farbe. Im Vergleich zu herkömmlichen Walzen konnte das Gewicht an übertragener Farbe
bis zum 4-Fachen gesteigert werden.
Bezugszeichenliste
[0022]
- 1
- Bügel
- 2
- Walze
- 3
- Griff
- 4
- Walzenkörper
- 5
- Aufnahme
- 6
- Mantelfläche
- 7
- Belag
- 8
- KDK-Garn
- 9
- Trägerschicht
- D
- Dicke
1. Walze (2) für Farbroller, umfassend einen an einem Bügel (1) anbringbaren Walzenkörper
(4), an dessen Mantelfläche (6) ein Belag (7) zum Aufnehmen und Übertragen von Farbe
angebracht ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Belag (7) zumindest teilweise aus einem KDK-Garn (8) gebildet ist.
2. Walze (2) nach Anspruch 1, wobei das KDK-Garn (8) aus einem der folgenden Materialien
hergestellt ist: Polyester, Nylon, Polyamid, Polypropylen.
3. Walze (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das KDK-Garn (8) ein Denier-Gewicht
im Bereich von 20 bis 2400, vorzugsweise 120 bis 1800, besonders bevorzugt 200 bis
800, aufweist.
4. Walze (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das KDK-Garn (8) 300 bis
800 U-förmige oder wellenförmige Windungen pro Meter aufweist.
5. Walze (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Belag (7) eine Dicke
(D) im Bereich von 3 bis 15 mm aufweist.
6. Walze (2) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Walzenkörper (4) zum
Aufstecken auf den Bügel (1) ausgebildet ist.
7. Farbroller, bei dem auf einem Bügel (1) eine Walze (2) nach einem der vorhergehenden
Ansprüche drehbar gehalten ist.