TECHNISCHES GEBIET
[0001] Die Erfindung betrifft das Gebiet der Sattel für Reit- und Lasttiere, insbesondere
für Pferde, Bestandteile davon und Verfahren zu deren Herstellung.
STAND DER TECHNIK
[0002] Sattel und Tragevorrichtungen für Reit- und Lasttiere gibt es in vielen verschiedenen
Ausführungsformen. Aufgrund der individuellen Anatomie der Tiere, an welchem der Sattel
oder die entsprechende Tragevorrichtung angebracht werden soll, können diese entweder
in einer Art gefertigt werden, bei welcher eine Form und Grösse für den Grossteil
der Tiere passt oder leicht daran angepasst werden kann, oder sie werden für jedes
der Tiere individuell massgefertigt. Die Massanfertigung von Satteln und Tragevorrichtungen
hat gegenüber standardisierten Produkten viele Vorteile, insbesondere sind sie für
das Tier angenehmer zu tragen. Der Nachteil von massgefertigten Produkten liegt darin,
dass sie an jedem Tier individuell angepasst werden müssen, was schliesslich bedeutet,
dass der Hersteller des Sattels oder der Tragevorrichtung das Tier sehen, Mass nehmen
und den Sattel oder die Tragevorrichtung daran anpassen muss. Hierfür sind im Stand
der Technik vielerlei Verfahren beschrieben. Ältere Verfahren zur Herstellung massgefertigter
Sattel erfordern dabei besondere Fähigkeiten vom Verarbeiter, neuere Verfahren nutzen
moderne 3D-Scanner und auch 3D-Drucktechnologie. Beide dieser Verfahren und somit
auch die daraus hergestellten Produkte sind daher teuer und nicht verbreitet zugänglich.
[0003] Weiterhin nachteilig ist sowohl bei serienmässig produzierten als auch bei massgefertigten
Satteln, dass sie in der Regel zu steif gebaut werden und somit die Bewegung des Reittiers
nicht optimal abbilden. Besonders im Schulterbereich des Reittiers, also bspw. eines
Pferdes, führt eine starre Bauweise des Sattelbaums bzw. des Sattels dazu, dass die
Trachten nicht in jeder Position des Reittiers optimal auf dessen Rücken aufliegen.
Dies führt zu Instabilität des Sattels auf dem Reittier und wird oft damit kompensiert,
dass der Sattel enger an das Reittier gegurtet wird. Dies wiederum kann zu Druckstellen
und Schürfungen am Rücken oder an der Gurtlage führen, was für das Tier unangenehm
ist und es beeinträchtigen kann.
DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, einen Sattel oder eine Tragevorrichtung
bereitzustellen, welche in einfacher Art und Weise hergestellt werden können und welche
direkt am Reit- oder Lasttier massgefertigt werden. Dadurch wird gewährleistet, dass
die Passform des Sattels oder der Tragevorrichtung, welche(r) typischerweise über
den Sattelbaum auf dem Rücken des Reit- oder Lasttiers aufliegt, optimal an den Rücken
des Tieres angepasst ist. Dies wiederum verhindert, dass bei Belastung, wie z.B. beim
Reiten des Reittiers, sein Rücken falsch belastet wird und Druckstellen daran entstehen,
welche für das Tier unangenehm sind und zu Beeinträchtigungen führen können.
[0005] Weiterhin ist es die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Sattelbaum und schliesslich
einen Sattel oder eine Tragevorrichtung, insbesondere ein Reitsattel, bereitzustellen,
welche(r) im Vergleich zu serienmässig produzierten Satteln oder Tragevorrichtungen
besser am Rücken des Tieres anliegt und für den Reiter bzw. für die Last auf dem Rücken
des Tieres zu mehr Stabilität führt und das Tier somit weniger beeinträchtigt.
[0006] Erfindungsgemäss wird die Aufgabe durch einen Sattel oder eine Tragevorrichtung gelöst,
welcher einen Sattelbaum nach Anspruch 1 bzw. einem Bestandteil eines Sattelbaums
erhältlich aus einem Verfahren nach Anspruch 11 umfasst. Ein solcher Sattel oder Tragevorrichtung
ist im Vergleich mit bekannten massgefertigten Satteln oder Tragevorrichtungen aus
dem Stand der Technik sehr einfach und kostengünstig herzustellen. Weiterhin können
die Trachten des Sattelbaums optimal an den Rücken des Reit- oder Lasttiers angepasst
werden, sodass sie besser auf dem zum Tragen von Lasten geeigneten Bereich des Rückens
des Tieres aufliegen. Dabei können die Trachten in Bezug auf ihre Grundfläche so bemessen
sein, dass die Auflagefläche des Sattels bzw. der Tragevorrichtung auf dem Rücken
des Tieres über die Trachten möglichst gross ist, wodurch die Lastverteilung verbessert
wird. Durch die in bevorzugter Weise biegbaren, bzw. flexiblen oder nachgiebigen Trachten,
welche durch die Auswahl des Materials zu deren Herstellung beeinflusst werden kann,
liegen die Trachten und somit der Sattel oder die Tragevorrichtung auch während der
Bewegung des Reit- oder Lasttiers grösstenteils permanent auf dessen Rücken auf, was
wiederum die Lastverteilung verbessert und weiterhin dazu führt, dass der Sattel oder
die Tragevorrichtung im Gebrauch, z.B. beim Reiten, nicht auf dem Tier verrutscht.
[0007] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist somit ein Sattelbaum für einen Sattel,
insbesondere einen Reitsattel, welcher einen hinteren, einen mittleren und einen vorderen
Abschnitt aufweist. In Bezug auf das Reit- oder Lasttier, für welches der Sattel bzw.
die Tragevorrichtung vorgesehen ist, befinden sich der hintere Abschnitt im hinteren
Bereich des Rückens des Tiers und der vordere Abschnitt im vorderen Bereich, welcher
näher beim Kopf des Tieres ist. Die Abschnitte des Sattelbaums, wie sie hier verwendet
werden, sind nicht scharf begrenzt und nicht zwingend in einem Längenverhältnis zueinander.
Vielmehr dient die Einteilung des Sattelbaums in Abschnitte dem einfacheren Verständnis
der Erfindung.
[0008] Der Sattelbaum umfasst mindestens zwei flächige Trachten mit je einer Innenseite
zur Auflage auf den Rücken eines Tieres und einer Aussenseite, wobei die Trachten
vom hinteren Abschnitt des Sattelbaums durch den mittleren Abschnitt in den vorderen
Abschnitt ragen, sowie eine Rahmenelementekonstruktion, welche mindestens ein hinteres
Brückenelement aufweist, welches die beiden Trachten im hinteren Abschnitt des Sattelbaums
miteinander verbindet, und ein vorderes Brückenelement, welches die beiden Trachten
im vorderen Abschnitt des Sattelbaums miteinander verbindet. Dabei ist die Verbindung
der Trachten über das hintere Brückenelement weitgehend starr ausgebildet. Damit sind
die Trachten im hinteren Abschnitt im Wesentlichen unbeweglich zueinander angeordnet.
Die Verbindung der Trachten über das vordere Brückenelement ist im Vergleich zur Verbindung
über das hintere Brückenelement beweglich ausgebildet, sodass die Trachten im Bereich
des vorderen Abschnitts und gegebenenfalls auch des mittleren Abschnitts des Sattelbaums
aus einer bezüglich des Bereichs der Trachten im hinteren Abschnitts des Sattelbaums
definierten Ruhelage, durch Biegung und/oder Torsion auslenkbar sind.
[0009] Die Ruhelage entspricht der Lage der Trachten im Bereich des vorderen und/oder des
mittleren Abschnitts des Sattelbaums in Bezug auf die Lage der Trachten im Bereich
des weitgehend starren hinteren Abschnitts, wenn keine äusseren Kräfte, beispielweise
verursacht durch die Bewegung des Tieres, auf die Trachten einwirken.
[0010] Die Trachten sind in der Regel weitgehend flächige Körper bzw. weisen zumindest eine
weitgehend flächige Innenseite zur Anlage an den Rücken des Tieres auf. Abhängig von
der Anatomie des Tieres, an welche die Trachten angepasst sind, können diese Innenseiten
weitgehend eben oder auch leicht gekrümmt sein. Als eine Biegebewegung der Trachten
im vorderen und/oder mittleren Abschnitt des Sattelbaums wird vorliegend eine Bewegung
verstanden, in welcher diese Abschnitte derart aus der Ruhelage bewegt werden, dass
eine Flächennormale der Innenseiten in Längsrichtung gesehen im Wesentlichen nach
hinten oder vorne gekippt wird. Die Biegebewegung erfolgt dabei relativ zu den unbeweglichen
Bereichen der Trachten im hinteren Abschnitt des Sattelbaums, welche durch das Brückenelement
starr miteinander verbunden sind.
[0011] Unter einer Torsionsbewegung wird eine Verdrehung der Trachten im Bereich des vorderen
und gegebenenfalls zumindest teilweise des mittleren Abschnitts des Sattelbaums aus
der Ruhelage verstanden, in welcher eine Flächennormale der Innenseiten in diesen
Bereichen zur Seite gekippt wird, d.h. im Wesentlichen um eine parallel zur Längsrichtung
definierten gedachten Achse gekippt wird. Die Verdrehung der Trachten im vorderen
und/oder mittleren Abschnitt erfolgt dabei relativ zu den unbewegten Bereichen der
Trachten im hinteren Abschnitt des Sattelbaums.
[0012] Der Sattelbaum ist im Wesentlichen symmetrisch ausgebildet, wobei dies im Zusammenhang
mit der vorliegenden Erfindung dahingehend zu verstehen ist, dass der Sattelbaum in
benutzungsbereitem Zustand auf dem Reit- oder Lasttier beidseitig einer in Längsrichtung
und senkrecht durch das Tier gedachten Spiegelebene im Wesentlichen einander entsprechende,
spiegelsymmetrisch zueinander ausgebildete Bestandteile aufweist.
[0013] Dies ist zweckmässig, da ein Reit- oder Lasttier auch eine gewisse Symmetrie aufweist,
wenn eine gedachte Spiegelebene senkrecht durch dessen Wirbelsäule gelegt wird. Selbstverständlich
ist dem Fachmann klar, dass kein Rücken eines Reit- oder Lasttiers eine perfekte Symmetrie
aufweist und da der Sattelbaum gemäss vorliegender Erfindung dem Rücken eines Reit-
oder Lasttiers individuell angepasst werden kann, weist auch der Sattelbaum in der
Regel keine perfekte Symmetrie auf.
[0014] Wenn im vorliegenden Dokument von Reittier gesprochen wird, sind sofern nichts anderes
vermerkt ist auch Lasttiere eingeschlossen, welche eine beliebige Last anstelle eines
Reiters tragen können. Weiterhin schliesst der Begriff Sattel sofern nichts anderes
vermerkt ist auch allgemein Tragevorrichtungen für Lasten ein. Sattelbaum, Verfahren
zu dessen Herstellung und Sattel gemäss vorliegender Erfindung, eignen sich insbesondere
für Reittiere wie Pferde, sowie zum Tragen eines Reiters.
TRACHTEN
[0015] Die Trachten sind insbesondere im vorderen Abschnitt des Sattelbaums, d.h. im Schulterbereich
des Reittieres, flexibel, sodass sie bei Bewegungen, welche vom Reittier im Bereich
der Auflagefläche der Trachten am Rücken des Reittiers erzeugt werden, mit diesen
Bewegungen mitgehen und dabei im Wesentlichen in Kontakt mit dem Reittier bleiben.
Eine möglichst grosse Auflagefläche der Trachten auf dem Rücken des Reittiers hat
den Vorteil, dass der Sattelbaum und dadurch schliesslich auch der Sattel einen stabileren
Sitz auf dem Rücken des Reittiers hat und dadurch weniger leicht verrutscht. Da die
Bewegung des Reittiers insbesondere im Schulterbereich ausgeprägt ist, ist es besonders
vorteilhaft, dass die Trachten im Bereich des vorderen Abschnitts des Sattelbaums
flexibel ausgestaltet sind.
[0016] Flexibel bedeutet dabei, dass eine Trachte, welche im Bereich des hinteren Abschnitts
des Sattelbaums festgehalten wird und an welcher am gegenüberliegenden freien Ende,
also im Bereich des vorderen Abschnitts des Sattelbaums, eine Kraft angelegt wird,
um einen Winkel auslenkbar ist, insbesondere so, dass die Trachte beim Wegfall der
Kraft wieder in die Ursprungsform zurückkehrt, bevorzugt ohne dass eine plastische
Deformation auftritt. Insbesondere liegt ein solcher Winkel im Bereich von 0.5 bis
3°, insbesondere 0.7 bis 2°, bevorzugt im Bereich von etwa 1°. Bei einer üblichen
Länge einer Trachte, wie sie beispielsweise bei einem ausgewachsenen Reitpferd eingesetzt
würde, also bei einer Länge im Bereich von 45 bis 65 cm, würde eine solche Bewegung
zu einer Auslenkung des vorderen Endes der Trachte von etwa 1 bis 5 cm, insbesondere
2 bis 3 cm, aus der Ebene der Trachte führen. Diese Beweglichkeit ist beispielsweise
bei Pferden ausreichend, um ihre Bewegung im Bereich des vorderen Abschnitts des Sattelbaums
aufzunehmen.
[0017] Eine Trachte, welche diese Art der Flexibilität aufweist, kann die für die Wirkungsweise
des erfindungsgemässen Sattelbaums wesentliche, zur Fläche der Trachte senkrechte
Biegebewegung und/oder Torsionsbewegung vollziehen. Insbesondere relevant ist diese
Flexibilität im Bereich des vorderen Abschnitts des Sattelbaums. Da die Trachten jedoch
bevorzugt einstückig und insbesondere aus einem einzigen Material bestehen, kann diese
Bewegung bzw. diese Beweglichkeit auch in den mittleren Abschnitt des Sattelbaums
verlaufen. Weiterhin ist es bevorzugt, dass die Trachte sowohl die zu ihrer Fläche
senkrechte Bewegung als auch die Torsionsbewegung vollziehen kann.
[0018] Im hinteren Abschnitt des Sattelbaums können die Trachten gegebenenfalls steifer
oder weitgehend starr gestaltet werden, da in diesem Bereich des Rückens des Reittiers
die relative Bewegung der Trachten zueinander geringer ist als im Schulterbereich.
Zudem sind die Trachten in diesem Bereich durch das hintere Brückenelement starr miteinander
verbunden, was zu einer erhöhten Steifigkeit in diesem Bereich führt. Die Versteifung
der Trachten im hinteren Abschnitt des Sattelbaums kann beispielsweise zusätzlich
durch Einlegen einer Schiene aus einem steiferen Material in den hinteren Bereich
der Trachte erfolgen, also beispielsweise eines Stabs oder einer Lamelle aus einem
Material mit einer geringeren Flexibilität im Vergleich zum Material der Trachten.
Weiterhin kann die Versteifung im hinteren Abschnitt auch dadurch erfolgen, dass die
Schichtdicke der Trachte in diesem Bereich vergrössert wird. Bevorzugt wird die erhöhte
Steifigkeit der Trachten im Bereich des hinteren Abschnitts des Sattelbaums jedoch
ausschließlich durch die Verbindung der beiden Trachten mit dem hinteren Brückenelement
erzeugt.
[0019] Die Trachten können grundsätzlich aus einem beliebigen Material geformt sein, welches
die gewünschte Art der Flexibilität ermöglicht. Im Zusammenhang mit der vorliegenden
Erfindung, welche unter anderem auch ein einfaches Verfahren zur Herstellung eines
individuell an den Rücken eines Reittiers angepassten Sattelbaums umfasst, bestehen
die Trachten aus einem Material, welches am Rücken des Reittiers geformt und dann
ausgehärtet werden kann. Typischerweise ist ein solches Material ein chemisch vernetzendes
oder ein thermoplastisches Material. Handelt es sich beim Material um ein chemisch
vernetzendes Material, so wird dies insbesondere innerhalb der Offenzeit des Materials
am Rücken des Reittiers angelegt und härtet dann in dieser Position aus. Geeignete
chemisch vernetzende Materialien sind typischerweise zweikomponentige Zusammensetzungen
auf Basis von Polyurethan, Polyurethan-Hybriden, Silikon, Acrylat, Epoxid- oder anderen
Harzen. Ebenfalls denkbar wären warm- oder UV-härtende Zusammensetzungen auf der genannten
chemischen Basis.
[0020] Bevorzugt handelt es sich beim Material für die Trachten um ein thermoplastisches
Material, da dieses insbesondere einfach zu verarbeiten ist und im Zusammenhang mit
dem unten beschriebenen Verfahren, welches ebenfalls Gegenstand der vorliegenden Erfindung
ist, wesentliche Vorteile aufweist. Da die Trachten bevorzugt am Rücken des Reittiers
geformt werden, ist ein thermoplastisches Material geeignet, welches sich bei einer
Temperatur formen lässt, bei welcher nicht zu Verbrennungen am Rücken des Reittiers
kommt. Dennoch sollen die Trachten bei Anwendung des Reitsattels stabil bleiben und
sich nicht aufgrund von Wärmeeinwirkung, beispielsweise durch die Körpertemperatur
des Reittiers, Sonneneinstrahlung oder Reibung verformen. Weiterhin ist zu beachten,
dass bei der Anformung der Trachten am Rücken des Reittiers typischerweise oder verfahrensbedingt
eine Unterlage zwischen dem Reittier und dem formbaren Material der Trachten eingesetzt
wird, sodass das Reittier bei der Anformung nicht direkt mit dem warmen oder heissen
Material in Berührung kommt. Somit kann je nach Unterlage, auch ein thermoplastisches
Material verwendet werden kann, welches einen höheren Erweichungspunkt aufweist.
[0021] Besonders geeignet ist ein thermoplastisches Material, welches sich bei Temperaturen
zwischen 40 und 100°C, insbesondere zwischen 50 und 80°C, verformen lässt. Beispielsweise
geeignet sind thermoplastische Materialien wie sie kommerziell erhältlich sind von
Thermoworx unter www.thermoworx.com.
[0022] Bezüglich ihrer Form bzw. ihres Umrisses sind die Trachten so gestaltet, dass sie
im Wesentlichen auf dem zum Tragen von Lasten geeigneten Bereich des Rückens des Reittiers
aufliegen. Dieser Bereich sieht bei jedem Reittier etwas unterschiedlich aus, verläuft
aber in der Regel beidseitig der Wirbelsäule des Reittiers vom mittleren oder hinteren
Rücken hin zur Schulter des Reittiers. Bei einem Pferd wird dieser Bereich vom Fachmann
erkannt und als Sattellage bezeichnet.
[0023] Die beiden Trachten des Sattelbaums sind im hinteren Abschnitt des Sattelbaums miteinander
verbunden. Die Verbindung der Trachten soll dabei im hinteren Abschnitt liegen, da
dort die relative Bewegung der beiden Trachten zueinander am geringsten ist. So kann
die Verbindung der Trachten dort weitgehend steif oder starr erfolgen. Die Verbindung
der Trachten im hinteren Abschnitt erfolgt über ein hinteres Brückenelement. Dieses
hintere Brückenelement kann dabei auf beliebige Art und Weise mit den Trachten verbunden
sein, also beispielsweise verklebt, geschraubt, genietet, geschweisst, geklemmt oder
stoffschlüssig verbunden sein.
[0024] In einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das hintere Brückenelement einen Bereich,
welcher aus einem identischen Material wie die Trachten gebildet ist, oder besteht
daraus, und ist stoffschlüssig mit den Trachten verbunden. Dies ist beispielsweise
möglich, wenn die Trachten und das hintere Brückenelement aus einem identischen thermoplastischen
Material geformt sind und bereits bei der ersten Formgebung miteinander verbunden
werden oder während oder nach dem Härten des thermoplastischen Materials, dieses durch
Erwärmen der Oberfläche, über welche die Trachten mit dem hinteren Brückenelement
verbunden werden sollen, erweicht oder verflüssigt wird und die Einzelteile aneinander
gefügt werden. Eine Fügung des hinteren Brückenelements mit den Trachten bei der ersten
Formgebung ist auch möglich, wenn ein chemisch vernetzendes Material verwendet wird.
Soll das hintere Brückenelement erst nach der ersten Formgebung an die Trachten montiert
werden oder bestehen Trachten und Brückenelement aus unterschiedlichen Materialien,
werden sie typischerweise mechanisch miteinander verbunden oder miteinander verklebt.
[0025] Das hintere Brückenelement kann grundsätzlich beliebig ausgestaltet sein, so lange
es den Zweck erfüllt, die beiden Trachten weitgehend starr miteinander zu verbinden.
Bevorzugt ist das hintere Brückenelement jedoch so ausgestaltet, dass es eine Sitzschale
oder eine Vorrichtung für das Anbringen einer Sitzschale für den Reiter umfasst. Meist
bevorzugt ist das hintere Brückenelement als Sitzschale ausgebildet.
[0026] Weiterhin kann das hintere Brückenelement für die zusätzliche Versteifung und Stabilität
des Sattelbaums, insbesondere wenn es wie die Trachten aus einem thermoplastischen
Material besteht, eine zusätzlich Verstärkung oder Armierung im Inneren oder an seiner
Oberfläche aufweisen. Dies kann typischerweise eine Stange oder eine Lamelle aus Metall
oder aus einem Compositematerial sein.
RAHMENELEMENTE
[0027] Wie oben beschrieben weist der erfindungsgemässe Sattelbaum eine Rahmenelementekonstruktion
mit einem hinteren und einem vorderen Brückenelement auf, welche jeweils die beiden
Trachten miteinander verbinden. Die Rahmenelementekonstruktion umfasst dabei typischerweise
ein oder mehrere Rahmenelemente, über welche das hintere Brückenelement und das vordere
Brückenelement miteinander verbunden sind. Da es für den erfindungsgemässen Sattelbaum
wie vorhergehend beschrieben wesentlich ist, dass die Verbindung der Trachten über
das hintere Brückenelement weitgehend starr ausgebildet ist und die Verbindung der
Trachten über das vordere Brückenelement, im Vergleich zur Verbindung über das hintere
Brückenelement, beweglich ausgebildet ist, sind die Rahmenelemente so ausgestaltet,
dass diese unterschiedliche Beweglichkeit der Trachten im Bereich des hinteren und
des vorderen Brückenelements möglich ist.
[0028] Die gesamte Rahmenelementekonstruktion ist also in einer Art aufgebaut, dass sie
die beiden Trachten so miteinander verbindet, dass die beschriebene Biege- und/oder
Torsionsbewegung der Trachten im Bereich des vorderen und gegebenenfalls auch im mittleren
Abschnitt des Sattelbaums möglich ist. Diese Bewegung der Trachten ist dabei reversibel,
das heisst, dass die Trachten in ihre ursprüngliche Position zurückkehren, wenn die
Kraft, welche die Biege- und/oder Torsionsbewegung verursacht hat, wegfällt. Die Rückstellkraft,
welche die Trachten in ihre ursprüngliche Position zurückdrückt, kann einerseits dadurch
erreicht werden, dass die Trachten aus einem elastisch biegbaren Material gefertigt
sind. Andererseits oder zusätzlich kann die Rückstellkraft von der Rahmenelementekonstruktion
passiv oder aktiv unterstützt oder ausgeübt werden. Dies kann beispielsweise ebenfalls
durch die Wahl des Materials der Rahmenelementekonstruktion, der Materialstärke und
der Geometrie erreicht werden, wird aber insbesondere durch den Einsatz von Gelenken
und/oder Federelementen in der Rahmenkonstruktion erreicht.
[0029] Insbesondere weist die Rahmenelementekonstruktion mindestens sechs Rahmenelemente
auf, wobei diese aufgrund der Symmetrie des Sattelbaums jeweils paarweise im Wesentlichen
identisch gestaltet sind.
[0030] Die Rahmenelemente können starre Stäbe oder Stangen aus Metall, Kunststoff, Holz
oder einem Compositematerial, beispielsweise einem kohle- oder glasfaserverstärkten
Kunststoff darstellen. Bevorzugt sind die Rahmenelemente Metallstäbe, welche zumindest
abschnittsweise Gewinde für den Zusammenbau des Sattelbaums aufweisen, oder sind direkt
Gewindestangen aus Metall.
[0031] Zwei erste Rahmenelemente verlaufen jeweils beidseitig der Spiegelebene vom hinteren
Brückenelement entlang der Trachten hin in den vorderen Abschnitt des Sattelbaums.
Die ersten Rahmenelemente sind dabei im hinteren Abschnitt des Sattelbaums jeweils
an jeder Seite des hinteres Brückenelements mit diesem verbunden, d.h. von oben auf
den Sattelbaum gesehen, sind sie links und rechts von oder im linken und im rechten
Bereich des hinteren Brückenelements mit diesem verbunden. Sie verlaufen insbesondere
vom hinteren Abschnitt des Sattelbaums jeweils entlang der Trachte hin zum vorderen
Abschnitt des Sattelbaums oder darüber hinaus und sind im vorderen Abschnitt des Sattelbaums
auf den Trachten abgestützt.
[0032] Die Verbindung der ersten Rahmenelemente mit dem hinteren Brückenelement erfolgt
insbesondere mechanisch, das heisst, die Rahmenelemente sind z.B. mit dem Brückenelement
verschraubt oder angesteckt. Beispielsweise weisen die ersten Rahmenelemente im Bereich
des hinteren Abschnitts des Sattelbaums ein Gewinde auf und werden dadurch direkt
in zuvor angebrachte Bohrungen im hinteren Brückenelement eingeschraubt. Möglich ist
es auch, die ersten Rahmenelemente direkt bei der Formung des hinteren Brückenelements
in dessen Material einzubetten. Bevorzugt erfolgt die Verbindung der ersten Rahmenelemente
dadurch, dass kurze Stäbe am hinteren Brückenelement angebracht werden, welche nur
knapp aus diesen herausragen und an den herausragenden Enden je eine Kugel oder eine
Kugelpfanne eines Kugelgelenks aufweisen, mit welcher dann die ersten Rahmenelemente
mit jeweils einem entsprechend passenden Gelenkkopf angebracht sind.
[0033] Besonders bevorzugt werden im hinteren Brückenelement bei dessen Formung Gewindehülsen
eingesetzt, an welchen die ersten Rahmenelemente jeweils über ein Gelenk mit diesen
verbunden sind.
[0034] Besteht das hintere Brückenelement beispielsweise aus einem Metall oder weist es
im Inneren oder an der Oberfläche eine Verstärkung oder Armierung aus Metall auf,
können die Gewindehülsen für die Rahmenelemente an dieser Verstärkung angeschweisst
oder mechanisch daran befestigt sein. Dies kann dem gesamten Sattelbaum zusätzliche
Stabilität verleihen und/oder konstruktionsbedingt von Vorteil sein.
[0035] Besonders bevorzugt ist das Gelenk, über welches das erste Rahmenelement mit dem
hinteren Brückenelement verbunden ist, ein Axialkugelgelenk. Dadurch erhalten die
Rahmenelemente etwas Spiel und lassen sich bei der Fertigung des Sattelbaums im später
beschriebenen Verfahren optimal am Rücken des z.B. Reittiers anpassen.
[0036] Möglich sind auch andere Gelenke wie Scharniergelenke oder der Einsatz eines in diesem
Bereich flexiblen Materials.
[0037] Die ersten Rahmenelemente verlaufen insbesondere entlang der Trachten zum vorderen
Abschnitt des Sattelbaums oder darüber hinaus. Die ersten Rahmenelemente sind dabei
auf den Trachten abgestützt. Diese Abstützung sollte nicht starr sein, da die Trachten
die Bewegung am Rücken des Reittiers aufnehmen sollen. Insbesondere erfolgt die Abstützung
über eine oder mehrere Führungselemente, beispielsweise Führungsösen oder Führungshülsen,
welche starr an den Trachten abgebracht sind und durch welche die ersten Rahmenelemente
hindurchlaufen.
[0038] Dadurch erlauben die ersten Rahmenelemente jeweils eine relative Vor- und Rückwärtsbewegung
bzw. die genannte Biege- und/oder Torsionsbewegung der Trachten. Die Führungselemente
können beliebig ausgestaltet sein. Bevorzugt kann direkt bei der Formung der Trachten
eine Hülse aus Metall oder Kunststoff in das formbare Material eingearbeitet werden
oder später mit dem gleichen Material an die Trachte fixiert werden. Dies ist einfach
möglich, wenn das Material ein thermoplastisches Material ist, da es durch erneutes
und nur sehr lokales Erhitzen erweicht und mit einer Halterung für die Hülse ebenso
stoffschlüssig verbunden werden kann.
[0039] Die ersten Rahmenelemente können weiterhin in mindestens einem Bereich Flügel umfassen,
welche eine Verdrehung der Rahmenelemente gegenüber der Trachten verhindert.
[0040] Im Bereich des vorderen Abschnitts der Trachten oder in ihrer Verlängerung sind die
ersten Rahmenelemente jeweils mit einem zweiten Rahmenelement verbunden. Diese zweiten
Rahmenelemente ragen von der Fläche der Trachten ab und sind in dem von der Trachte
abgewandten Bereich über ein vorderes Brückenelement miteinander verbunden. Das Abragen
der zweiten Rahmenelemente ist dabei so zu verstehen, dass die zweiten Rahmenelemente
bevorzugt grundsätzlich von der Fläche der Trachten wegweisen. Meist bevorzugt liegen
die beiden zweiten Rahmenelemente im Bereich der Trachten näher beieinander als im
Bereich des vorderen Brückenelements. Anders gesagt ist die direkte Linie (Luftlinie)
zwischen den Verbindungspunkten der zweiten Rahmenelemente mit den ersten Rahmenelementen
kürzer als die direkte Linie zwischen den Verbindungspunkten der zweiten Rahmenelemente
mit dem vorderen Brückenelement.
[0041] Vom vorderen Brückenelement führt jeweils ein drittes Rahmenelement in das hintere
Brückenelement zurück und ist dort mit diesem verbunden. Die Verbindung der dritten
Rahmenelemente mit dem hinteren Brückenelement kann grundsätzlich gleich erfolgen,
wie oben bei der Verbindung der ersten Rahmenelemente mit dem hinteren Brückenelement
beschrieben, beispielsweise auch in das Material des hinteren Brückenelements eingebettete
oder an einer optionalen Verstärkung oder Armierung befestigt.
[0042] Wichtig für die vorliegende Erfindung ist es, dass alle Rahmenelemente so gewählt
und ausgestaltet sind, dass sie die Bewegungen, welche vom Reittier im Bereich der
Auflagefläche der Trachten am Rücken des Reittiers erzeugt werden, aufnehmen können.
Bei der Bewegung, welche vom Reittier im Bereich der Auflagefläche der Trachten am
Rücken des Reittiers erzeugt werden, soll der Bewegungsradius des Verbindungspunkts
des ersten Rahmenelements mit dem zweiten Rahmenelement typischerweise grösser sein
als der Bewegungsradius des Verbindungspunkts des zweiten Rahmenelements mit dem vorderen
Brückenelement. Dadurch nimmt der Sattelbaum die Bewegung des Reittiers auf und verhindert,
dass sie vollumfänglich auf den Reiter übertragen wird. Um dies zu erreichen müssen
die Rahmenelemente so zusammenspielen, dass es zu einer Federung der Bewegung der
Trachten auf die Rahmenelemente kommt. Grundsätzlich können die zweiten und dritten
Rahmenelemente gleichartig wie das erste ausgebildet sein. Zum Erreichen einer optimalen
Federung der gesamten Rahmenelementekonstruktion, umfassen die zweiten Rahmenelemente
bevorzugt je ein Federelement oder bestehen daraus. Meist bevorzugt stellen die beiden
zweiten Rahmenelemente Federelemente dar. Insbesondere eignen sich dafür Gasdruckfedern,
wie sie im Handel erhältlich sind.
[0043] Eine optimale Beweglichkeit und Federung der gesamten Rahmenelementkonstruktion und
somit des gesamten Sattelbaums, wird auch dadurch erreicht oder unterstützt, dass
die Verbindung des hinteren Brückenelements mit dem ersten Rahmenelement und/oder
die Verbindung des ersten Rahmenelements mit dem zweiten Rahmenelement und/oder die
Verbindung des zweiten Rahmenelements mit dem vorderen Brückenelement jeweils über
Gelenke, insbesondere über Scharnier- oder Kugelgelenke oder funktionsgleiche Alternativen
verläuft.
[0044] Bevorzugt weisen die Verbindungspunkte der ersten Rahmenelemente mit dem hinteren
Brückenelement, die Verbindungspunkte der ersten Rahmenelemente mit den zweiten Rahmenelementen
sowie die Verbindungspunkte der zweiten Rahmenelemente mit dem vorderen Brückenelement
Gelenke, insbesondere Kugelgelenke, auf. Dadurch erhöht sich einerseits die Flexibilität
des gesamten Sattelbaums bei dessen Anwendung, andererseits erleichtern die Gelenke
die Fixierung der Rahmenelementekonstruktion an die Trachten im später beschriebenen
Herstellungsverfahren.
[0045] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung können das hintere Brückenelement,
die dritten Rahmenelemente und das vordere Brückenelement einteilig ausgestaltet sein.
Dies kann beispielsweise dadurch erfolgen, dass diese Bestandteile aus einem identischen
Material gefertigt sind, oder dass sie wie oben beschrieben beschaffen sind und mit
einem Material umschlossen sind, beispielsweise mit einem thermoplastischen Material,
wie es vorhergehend beschrieben wurde. Dies ist einfach möglich, da die beiden Brückenelemente
und die dritten Rahmenelemente typischerweise starr miteinander verbunden sind. Insbesondere
durch das Einpacken des dritten Rahmenelements, bevorzugt in ein thermoplastisches
Material, wie es für die Trachten und insbesondere auch als Bestandteil des hinteren
Brückenelements verwendet wird und wenn das hintere Brückenelement eine Rohform für
einen Sitz umfasst oder daraus besteht, bilden das hintere Brückenelement und das
dritte Rahmenelement eine optimale Rohform für den Sitz des Sattels.
[0046] Sind das hintere Brückenelement, die dritten Rahmenelemente und das vordere Brückenelement
einteilig ausgestaltet hat das den Vorteil, dass dieser Bestandteil des Sattelbaums
typischerweise maschinell vorgefertigt sein kann und dadurch der Herstellungsprozess
für den Sattelbaum erleichtert wird. Beispielsweise könnten das hintere Brückenelement,
die dritten Rahmenelemente und das vordere Brückenelement einteilig durch Spritzguss
hergestellt werden. Wird dabei ein Material mit hoher Festigkeit und guten mechanischen
Eigenschaften, beispielweise Polyamid, verwendet, könnte auf den Einsatz des dritten
Rahmenelements und des vorderen Brückenelements aus Metall verzichtet werden. Der
vorgefertigte Bestandteil müsste also einfach Befestigungspunkte für die ersten und
zweiten Rahmenelementen sowie für weitere optionale Elemente aufweisen und es muss
möglich sein, den vorgefertigten Bestandteil im unten beschriebenen Verfahren an die
Trachten zu befestigen.
OPTIONALE MERKMALE
[0047] Der erfindungsgemässe Sattelbaum kann weitere optionale Merkmale und Bestandteile
aufweisen. Insbesondere umfasst der Sattelbaum mechanische Befestigungselemente für
Gurtung und Steigbügel, insbesondere Halterungen für diese. Die Befestigungselemente
sind zur Gewährleistung einer guten Stabilität der gesamten Konstruktion, bevorzugt
direkt mit dem Sattelbaum und/oder mit der Rahmenelementekonstruktion verbunden. Solche
Befestigungselemente können an verschiedenen Stellen des Sattelbaums mechanisch befestigt
wie z.B. verschraubt, vernietet bzw. angeklebt oder angeschweisst sein.
[0048] Die Halterung der Steigbügel ist bevorzugt mit dem hinteren Brückenelement verbunden,
da dadurch die Kraft, welche der Reiter auf die Steigbügel ausübt, in den hinteren
Abschnitt des Reitsattels eingetragen wird. Dadurch bleibt die optimale Beweglichkeit
der Trachten im Bereich des vorderen oder auch des mittleren Bereichs des Sattelbaums
erhalten. Als Halterung für die Steigbügel umfasst der Sattelbaum bevorzugt Metallstäbe,
welche insbesondere starr mit dem hinteren Brückenelement verbunden sind. Diese können
gleich wie die ersten und dritten Rahmenelement am hinteren Brückenelement angebracht
werden, also typischerweise über Gewindehülsen.
[0049] Für die Gurtung können ebenfalls separate Halterungen am Sattelbaum, also beispielsweise
auch am hinteren Brückenelement, angebracht sein. Bevorzugt wird die Gurtung jedoch
am dritten Rahmenelement befestigt. Meist bevorzugt verläuft sie dabei vom dritten
Rahmenelement ausgehend zwischen den Trachten und einer Polsterung, welche bei der
Verwendung des Sattelbaums zwischen den Trachten und dem Rücken liegt. Dadurch ist
die volle Beweglichkeit der Trachten im Bereich des vorderen und gegebenenfalls des
mittleren Abschnitts des Sattelbaums gewährleistet.
[0050] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin einen Sattel, insbesondere einen Reitsattel
umfassend den vorhergehend beschriebenen Sattelbaum.
[0051] Ein solcher Reitsattel kann neben dem Sattelbaum und den optionalen Elementen, die
oben beschrieben sind, weitere Elemente umfassen, wie sie auch bei Reitsatteln aus
dem Stand der Technik eingesetzt werden und wie sie dem Fachmann bekannt sind. Typischerweise
sind solche weitere Elemente ein Sitz für den Reiter oder eine Vorrichtung zur Befestigung
von anderen Lasten, eine Polsterung in den Bereichen, welche in Berührung mit dem
Reittier und dem Reiter stehen, die beschriebenen mechanischen Befestigungselemente
für Gurtung und Steigbügel und dergleichen sowie eine Verkleidung des Sattels mit
einer Hülle und schliesslich auch dekorative Elemente.
[0052] Der Sitz für den Reiter wird dabei bevorzugt wie oben beschrieben in Zusammenwirkung
mit dem hinteren Brückenelement gebildet. In einer bevorzugten Ausführungsform der
Erfindung umfasst das hintere Brückenelement eine Sitzschale oder ist als Sitzschale
ausgebildet. In jener Ausführungsform, in welcher das hintere Brückenelement, die
dritten Rahmenelemente und das vordere Brückenelement einteilig ausgebildet sind,
können alle diese Elemente zusammen eine Sitzschale bilden. Diese Sitzschale stellt
insbesondere eine Art Rohling oder eine Rohform in einer Einheitsform eines Sitzes
dar, welche dann in einem besonderen Verarbeitungsschritt an die Gesässform und die
bevorzugte Sitzposition des Reiters angepasst werden kann. Dies kann beispielsweise
durch Auskleidung und Polsterung der Sitzschale oder wiederum durch Verwendung eines
formbaren Materials erfolgen. Besteht die Sitzschale aus einem thermoplastischen Material,
kann dieses zur Anpassung an die Gesässform des Reiters erwärmt und frei oder durch
Abdruck geformt werden. Ebenfalls möglich ist das Aufbringen eines zweiten formbaren
Materials, welches sich verfestigen lässt.
[0053] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform weist der Rohling oder die Rohform
der Sitzschale mehrere Öffnungen oder Kanäle auf, welche von der Rück- und/oder Unterseite
der Sitzschale, an deren Oberfläche entlang oder insbesondere durch sie hindurch,
hin zur eigentlichen Sitzfläche führen. Diese können in der Rohform typischerweise
durch Bohren angebracht werden. Bei der Verarbeitung des Sattels kann dann der idealweise
fertig gestellte und gegebenenfalls bereits teilweise eingekleidete Sattelbaum am
Reittier oder an einem Gestell fixiert werden und die Rohform der Sitzschale kann
mit einer am Rand der Rohform befestigt und verschlossen und zur Sitzfläche hin losen
Folie bedeckt werden. Darauf kann sich der Reiter, für welchen der Reitsattel hergestellt
wird, setzen und die Rohform wird von ihrer Rück- oder Unterseite her, durch die Kanäle
oder Bohrungen hindurch mit einem form- und härtbaren Material befüllt. Dieses Material
passt sich dann der Gesässform und der bevorzugten Sitzposition des Reiters an und
härtet in diesem Zustand aus. Als form- und härtbares Material für diesen Verfahrensschritt
eignen sich die oben genannten Materialien. Insbesondere jedoch eignet sich ein ein-
oder zweikomponentiger Polyurethanschaum. Die so an den Reiter angepasste Sitzschale
kann danach gepolstert, kaschiert und/oder eingekleidet werden.
[0054] Die Polsterung des Reitsattels erfolgt typischerweise in den Bereichen, wo der Reitsattel
auf dem Reittier aufliegt, also vor allem im Bereich der Trachten, und erfolgt insbesondere
mittels textilen, vlies- oder filzartigen Materialien, Schaumstoffen, Wolle oder Tierfellen.
[0055] Schliesslich wird der Sattelbaum bzw. der Reitsattel verkleidet. Dies erfolgt auf
dem Fachmann bekannte Art und Weise, typischerweise in Leder oder anderen Materialien
mit ähnlichen Eigenschaften.
VERFAHREN
[0056] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zur Herstellung eines
Sattelbaums als Bestandteil eines Sattels, insbesondere für einen Reitsattel für ein
Reittier, wie er insbesondere vorhergehend beschrieben worden ist, umfassend die Schritte:
- Auflegen eines Kopierelements, insbesondere einer durchsichtigen und flexiblen Folie,
auf den Rücken des Reittiers, sodass mindestens der Bereich des Rückens des Reittiers
mit dem Kopierelement bedeckt ist, auf welchem der Reitsattel zu liegen kommt;
- Markieren von mindestens zwei Fixpunkten auf dem Kopierelement und auf dem Rücken
des Reittiers, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule des Reittiers;
- Markieren der Umrisse von zwei Trachten auf dem Kopierelement, wobei die Umrisse der
Trachten so gewählt sind, dass die Trachten auf den zum Tragen von Lasten geeigneten
Bereichen des Rückens des Reittiers, vom Fachmann auch Sattellage genannt, aufliegen;
- Entfernen des Kopierelements vom Rücken des Reittiers und Auflegen des Kopierelements
auf eine erste Unterlage, deren Fläche so bemessen ist, dass die Markierungen auf
dem Kopierelement auf die erste Unterlage passen;
- Übertragen der Fixpunkte und der Umrisse der Trachten vom Kopierelement auf die erste
Unterlage;
- Aussparen der Bereiche aus der ersten Unterlage entlang der markierten Umrisse der
Trachten;
- Flächiges Anlegen einer zweiten Unterlage ohne ausgesparte Bereiche an die erste Unterlage
mit den ausgesparten Bereichen, wobei die beiden Unterlagen über ihre Flächen zumindest
abschnittweise miteinander verbunden sind;
- Anlegen der zumindest abschnittsweise miteinander verbundenen Unterlagen an den Rücken
des Reittiers und Auffüllen der ausgesparten Bereiche mit einem formbaren Material,
welches sich verfestigen lässt,
ODER
Auffüllen der ausgesparten Bereiche mit einem formbaren Material, welches sich verfestigen
lässt, und Anlegen der zumindest abschnittsweise miteinander verbundenen Unterlagen
mit der mit dem formbaren Material ausgefüllten ausgesparten Bereichen an den Rücken
des Reittiers,
wobei das Anlegen so erfolgt, dass die Fixpunkte auf der ersten Unterlage über den
Fixpunkten auf dem Rücken des Reittiers liegen und die ausgesparten Bereiche entlang
der Umrisse der Trachten so zu liegen kommen, wie sie in einem früheren Schritt des
Verfahrens auf die Folie aufgezeichnet wurden, und wobei die zweite Unterlage ohne
ausgesparte Bereiche zwischen dem Rücken des Reittiers und der ersten Unterlage mit
den ausgesparten Bereichen liegt;
- Andrücken des formbaren Materials in den ausgesparten Bereichen an den Rücken des
Reittiers und Verfestigen des formbaren Materials, wobei das Verfestigen des formbaren
Materials im Wesentlichen am Rücken des Reittiers erfolgt;
- Fixieren der beiden aus dem verfestigten Material gebildeten Trachten in stabiler
Position zueinander am Rücken des Reittiers;
- Typischerweise Entfernen der zueinander fixierten Trachten vom Rücken des Reittiers.
[0057] Das erfindungsgemässe Verfahren ist im Vergleich zu anderen Verfahren, welche aus
dem Stand der Technik für die Anfertigung von massgeschneiderten Sattelbäumen und
Reitsatteln bekannt sind, sehr einfach und dennoch ist eine sehr hohe Passgenauigkeit
des Sattels gewährleistet.
[0058] Die Unterlagen welche im Verfahren eingesetzt werden, bestehen bevorzugt aus Filz,
typischerweise Wollfilz, oder einem anderen Material mit vergleichbaren Eigenschaften
wie beispielsweise einem vlies- oder schaumstoffartigen Material, insbesondere aus
einem synthetischen Vlies, Schaumgummi wie Neopren oder Moosgummi. Die Unterlagen,
insbesondere die erste Unterlage ist bezüglich ihrer Schichtstärke so bemessen, dass
die Trachten, die durch Einbringen und Aushärtung des formbaren Materials gebildet
werden, eine Stärke aufweisen, welche für den vorgesehenen Einsatz im Sattelbaum eines
Reitsattels notwendig ist. Die Stärke der Unterlagen ist demnach auch abhängig davon,
welche mechanischen Eigenschaften das formbare Material im ausgehärteten Zustand aufweist.
Typischerweise liegt die Schichtstärke der Unterlagen, insbesondere der ersten Unterlage
im Bereich von 2 bis 20 mm, insbesondere 4 bis 15 mm, bevorzugt 6 bis 10 mm.
[0059] Typischerweise werden die beiden Unterlagen aus demselben Material gebildet, da dies
einfacher handzuhaben ist.
[0060] Das Aussparen der Bereiche aus der ersten Unterlagen entlang der Umrisse der Trachten
erfolgt beispielsweise mit einem Cutter, einer Schere oder dergleichen.
[0061] Grundsätzlich kann die Aussparung der Bereiche entlang der Umrisse der Trachten auch
erfolgen, wenn die beiden Unterlagen bereits miteinander verbunden worden sind. Hierbei
ist einfach darauf zu achten, dass nur die erste Unterlagen eingeschnitten wird und
nicht beide. Dies kann beispielsweise durch Einstellen der Klingenlänge eines Cutters
erfolgen.
[0062] Die Verbindung der ersten mit der zweiten Unterlage erfolgt beispielsweise durch
Kleben, Nähen, mittels Klettverschluss oder dergleichen.
[0063] Anstelle des Einfüllens des formbaren Materials in die ausgesparten Bereiche ist
es im vorhergehend beschriebenen Verfahren auch möglich, die Negativform, welche aus
den beiden Unterlagen geformt wurde, mit einer Folie oder dergleichen abzudecken und
ein formbares Material in die durch die Aussparung entstandenen Hohlräume zu injizieren.
Diese Variante eignet sich vor allem, wenn als formbares Material ein reaktives Material
verwendet wird, also beispielsweise ein hitzehärtender oder zweikomponentiger Kunststoff.
[0064] Neben ihrer Funktion als Negativform für die Herstellung der Trachten, können die
Unterlagen, auch als Polsterung für die Trachten dienen und verbleiben somit nach
der Herstellung der Trachten bevorzugt als Bestandteil des Sattels. Hierfür können
sie in eine beliebige Form zugeschnitten werden, typischerweise dass sie die Trachten
vollständig einschliessen.
[0065] Bei der Herstellung der Trachten am Rücken des Reittiers kann zwischen die zweite
Unterlage und dem Rücken des Reittiers eine zusätzliche Schicht einer Polsterung eingesetzt
werden, welche insbesondere die Stärke und eine Flexibilität der später eingesetzten
und durch das Gewicht des Reiters oder einer anderen Last zusammengedrückten Polsterung
entspricht. Dadurch wird gewährleistet, dass die Trachten eine möglichst genaue Passform
am Rücken des Reittiers aufweisen.
[0066] Das Andrücken des formbaren Materials in den Unterlagen erfolgt beispielsweise mit
einer Decke, welche direkt am Reittier, wo der Sattel später zu liegen kommt, über
die Unterlagen mit dem formbaren Material gelegt wird und typischerweise um den Bauch
des Reittiers gespannt wird. Um ein besseres Andrücken zu gewährleisten, kann die
Decke mit geeigneten Schnüren oder Bändern versehen sein.
[0067] Um ein besonders optimales Andrücken der Trachten bei deren Herstellung am Rücken
des Reittiers zu gewährleisten, kann eine hierfür speziell hergestellte Vorrichtung
verwendet werden, welche längs zum Rücken des Reittier mit etwas Spielraum aneinander
befestigte Latten, typischerweise Holzlatten, umfasst. Die Latten sind beispielsweise
mit Bändern aneinander befestigt und bilden eine Art Lattenrost. An den aussen liegenden
Latten sind Gurte oder Bänder befestigt, mit welchen die Konstruktion um den Bauch
des Reittiers herum, ähnlich wie ein Sattel, befestigt werden kann. Zwischen dieser
Konstruktion und den Unterlagen mit dem formbaren Material zur Herstellung der Trachten
wird eine Art Kissen eingesetzt, der vor Ort mit Luft, einer Flüssigkeit oder ähnlichem,
gefüllt werden kann. Bevorzugt wird ein Luftkissen eingesetzt, das aufgepumpt werden
kann. Durch eine solche Konstruktion wird das formbare Material bei der Herstellung
der Trachten bestmöglich an das Reittier angedrückt und erhält somit eine optimale
Form.
[0068] Die so am Rücken des Reittiers angedrückten Trachten, werden in dieser Position verfestigt,
bei Verwendung eines thermoplastischen Materials einfach durch Abkühlung dieses Materials
auf Umgebungstemperatur.
[0069] Das Fixieren der beiden aus dem verfestigten Material gebildeten Trachten in stabiler
Position zueinander am Rücken des Reittiers erfolgt typischerweise durch Anbringen
des hinteren und/oder des vorderen Brückenelements. Denkbar ist auch eine temporäre
Fixierung, welche bei der Weiterverarbeitung des Sattelbaums wieder entfernt wird.
[0070] In einer bevorzugten Ausführungsform des Herstellverfahrens für den Sattelbaum, wird
die gesamte Rahmenelementekonstruktion vorgefertigt und wird als solche direkt mit
den beiden Trachten am Rücken des Reittiers verbunden. Die Verbindung kann dabei mechanisch,
z.B. durch Verkleben oder Verschweissen erfolgen. Geeignete Verbindungspunkte sind
dabei beim hinteren Brückenelement und zusätzlich an den Führungselementen. Bei dieser
Ausführungsform sind die Führungselemente bereits um die ersten Rahmenelemente herum
angebracht und stehen so als Verbindungspunkte zur Verfügung. Handelt es sich beim
formbaren Material, aus welchem die Trachten geformt werden, beim Material des hinteren
Brückenelements und beim Material, welches die Führungselemente beinhaltet um ein
thermoplastisches Material, so kann das vorgefertigte hintere Brückenelement mit der
Rahmenelementkonstruktion einfach durch Erhitzen der Oberflächen des thermoplastischen
Materials an den Fügungsstellen und sofortiger Fügung an die Trachten angebracht werden.
KIT OF PARTS
[0071] In der Herstellung des erfindungsgemässe Sattelbaums ist es möglich, dass die einzelnen
Bestandteile des Sattelbaums, Ausgangsmaterialien oder vorgefertigte Bestandteile
als eine Art Bausatz (Kit of parts) bereitgestellt werden und diese dann am Tier in
einem wie oben beschriebenen Verfahren, insbesondere durch eine hierfür geschulte
Person, angepasst und zusammengefügt werden.
[0072] Ein solcher Bausatz beinhaltet dabei insbesondere ein Kopierelement, also bevorzugt
eine durchsichtige und flexible Folie, das Material für die Unterlagen, beispielsweise
zwei Schichten eines Filzmaterials, formbares Material, beispielsweise in Form eines
Granulats eines thermoplastischen Materials, die Einzelteile für oder eine bereits
vorgefertigte Rahmenelementekonstruktion, bevorzugt umfassend eine Sitzschale oder
eine entsprechende Rohform davon, sowie weitere optionale Bestandteile, die für die
Fertigstellung des Sattelbaums bzw. des Sattels erforderlich sind, beispielsweise
Polster, Gurte, Steigbügel, Auskleidungsmaterial etc.
[0073] Bevorzugt wird dabei eine bereits vorgefertigte Rahmenelementekonstruktion bereitgestellt,
welche dann im beschriebenen Verfahren in einem daran anschliessenden Schritt mit
den Trachten verbunden wird. Diese Rahmenelementekonstruktion umfasst dabei wie bereits
beschrieben ein hinteres und ein vorderes Brückenelement sowie Rahmenelemente, welche
die beiden Brückenelemente miteinander verbinden, also typischerweise zwei dritte
Rahmenelemente, welche vom hinteren Brückenelement starr mit dem vorderen Brückenelement
verbinden, und die beiden ersten Rahmenelemente, welche jeweils mit dem hinteren Brückenelement
und jeweils einem zweiten Rahmenelement verbunden sind und die zweiten Rahmenelemente
dann jeweils ebenfalls mit dem vorderen Brückenelement verbunden sind. Dabei sind
die ersten und zweiten Rahmenelemente derart ausgebildet, dass sie in der Anwendung
des Sattels, die oben beschriebene Beweglichkeit der Trachten erlauben. Dies erfolgt
bevorzugt dadurch, dass die zweiten Rahmenelemente jeweils ein Federelement, bevorzugt
eine Gasdruckfeder, umfassen und mindestens die Verbindung der ersten Rahmenelemente
mit den zweiten Rahmenelementen und die Verbindung der zweiten Rahmenelemente mit
dem vorderen Brückenelement über Gelenke erfolgt. Eine Vorgefertigte Rahmenelementekonstruktion
ist beispielsweise gezeigt in Figur 12 und in Figur 15.
BESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0074] Anhand der Zeichnungen werden Ausführungsbeispiele der Erfindung näher erläutert.
Gleiche Elemente sind in den verschiedenen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen
versehen. Selbstverständlich ist die Erfindung nicht auf gezeigte und beschriebene
Ausführungsbeispiele beschränkt. Die in den Figuren dargestellten Merkmale können
sich in verschiedene Ausführungsformen der Erfindung finden und lassen sich miteinander
kombinieren.
Figur 1 zeigt eine Seitenansicht auf einen erfindungsgemässen Sattelbaum bestehend
aus einem hinteren Abschnitt 1, einem mittleren Abschnitt 2 und einem vorderen Abschnitt
3. Die Trachte 4 erstreckt sich über die drei Abschnitte und weist im Bereich des
hinteren Abschnitts 1 ein hinteres Brückenelement 5 auf, welches in dieser Ausführungsform
als Sitzschale ausgebildet ist. Vom hinteren Brückenelement 5 aus verläuft das erste
Rahmenelement 7 entlang der Trachte 4 vom hinteren zum vorderen Abschnitt des Sattelbaums
und ist im Bereich des vorderen Abschnitts 3 mit dem zweiten Rahmenelement 8 verbunden.
Das zweite Rahmenelement 8 ist wiederum direkt oder über ein vorderes Brückenelement
(in der Figur nicht sichtbar) mit dem dritten Rahmenelement 9 verbunden, welches zurück
zum hinteren Brückenelement 5 führt.
Figur 2 zweigt im Wesentlichen die gleiche Ansicht wie Figur 1, wobei hier das erste
Rahmenelement über ein Gelenk 10 mit dem hinteren Brückenelement 5 verbunden ist.
Weiterhin verläuft das erste Rahmenelement 7 im Bereich des mittleren Abschnitts 2
oder des vorderen Abschnitts 3 des Sattelbaums durch ein direkt an der Trachte befestigtes
Führungselement 13 und ist durch dieses Führungselement 13 auf der Trachte 4 abgestützt.
Das zweite Rahmenelement 8 ist hier als Federelement, insbesondere als Gasdruckfeder,
dargestellt und ist ebenfalls über ein Gelenk 11 mit dem ersten Rahmenelement 7 verbunden.
Des Weiteren ist das zweite Rahmenelement 8 über ein Gelenk 12 mit dem vorderen Brückenelement
(in der Figur nicht sichtbar) verbunden und von diesem vorderen Brückenelement führt
das dritte Rahmenelement 9 zurück zum hinteren Brückenelement 5. Weiterhin dargestellt
ist die erste Unterlage 17, die zweite Unterlage liegt darunter und ist somit nicht
sichtbar. Die Unterlagen sind passend zu den Trachten zugeschnitten. Ebenfalls dargestellt
sind die Gurtung 21, welche am hinteren Brückenelement 5 befestigt ist, und die Halterung
für die Steigbügel 22 mit Riemen für die Steigbügel.
Figur 3 zeigt eine Vorderansicht auf den Sattelbaum wie er in Figur 2 dargestellt
ist. Daraus ersichtlich sind die Lage der Trachten 4 und das Abragen der zweiten Rahmenelemente
8, die hier wiederum als Gasdruckfedern dargestellt sind. Weiterhin gezeigt ist das
vordere Brückenelement 6, welches die beiden zweiten Rahmenelemente 8 miteinander
verbindet und von welchem aus die dritten Rahmenelemente zum hinteren Brückenelement
zurückführen (in der Figur nicht eingezeichnet). Ebenfalls zu sehen sind die erste
und die zweite Unterlagen 17, 18, welche die Trachten umschliessen.
Figuren 4 und 5 zeigen die Wirkungsweise des Sattelbaums in einem Ausschnitt der Vorderansicht
(Figur 4) und in der Seitenansicht (Figur 5). Die Bewegung der Trachte 4, wie sie
bei der Anwendung des Sattelbaums in einem Sattel für ein Reittier erfolgt, ist mit
Pfeilen angegeben. Diese Bewegung überträgt sich auf die Rahmenelementekonstruktion
wobei die Rahmenelemente so gewählt und ausgebildet sind, dass der Bewegungsradius
R1 des Verbindungspunkts des ersten Rahmenelements 7 mit dem zweiten Rahmenelement
8 bei Bewegungen, welche vom Reittier im Bereich der Auflagefläche der Trachten 4
am Rücken des Reittiers erzeugt werden, grösser ist als der Bewegungsradius R2 des
Verbindungspunkts des zweiten Rahmenelements 8 mit dem vorderen Brückenelement 6.
Figur 6 zeigt eine Ansicht von oben auf den Sattelbaum, aus welcher zusätzlich zu
den vorhergehend beschriebenen Figuren das vordere Brückenelement 6 und die dritten
Rahmenelemente 9 zu sehen sind. Weiterhin zu sehen ist in dieser Figur eine Verstärkung
26, welche im hinteren Brückenelement 5 integriert ist. Wie oben bereits beschrieben,
sind in der hier gezeigten Ausführungsform die ersten und die dritten Rahmenelemente
7 und 9 direkt oder indirekt, d.h. über Gewindehülsen und/oder Gelenke, mit dieser
Verstärkung 26 verbunden. Grundsätzlich könnte die Verstärkung im dargestellten Fall
auch das hintere Brückenelement als solches darstellen. In diesem Fall würde das dargestellte
hintere Brückenelement einfach eine Sitzschale darstellen.
Figur 7 und Figur 8 zeigen jeweils eine perspektivische Ansicht eines erfindungsgemässen
Sattelbaums, welcher alle wesentlichen Bestandteile umfasst, die für die Weiterverarbeitung
zu einem Reitsattel, typischerweise für ein Pferd, nötig sind. Neben den vorhergehend
beschriebenen Bestandteilen weist der Sattelbaum bereits eine Polsterung 23 auf, welche
bei der Verwendung des Sattelbaums zwischen den Trachten und den Trachten 4 und dem
Rücken des Reittiers liegt.
Beim hier dargestellten Sattelbaum sind das hintere Brückenelement 5 in Form eines
Rohlings für einen Sitz für den Reiter, das dritte Rahmenelement 9 sowie das vordere
Brückenelement 6 einteilig ausgestaltet, bzw. das dritte Rahmenelement 9 und das vordere
Brückenelement 6 sind im Kunststoff, aus welchem das hintere Brückenelement 5 gefertigt
ist, mit eingefasst. Diese Ausführungsform bietet sich an, da diese Bestandteile des
Sattelbaums hierbei starr miteinander verbunden sind und die gesamte Rahmenelementekonstruktion
bevorzugt vorgefertigt wird. Grundsätzlich ist es auch möglich, auf Metallstäbe oder
gleichwertige Verstärkungen, wie sie in diesen Figuren als dritte Rahmenelemente 9
und vorderes Brückenelement 6 in einem Material eingeschlossen angedeutet sind, zu
verzichten, sofern dieses Material es aus mechanischen und verarbeitungstechnischen
Gründen erlaubt. In einem solchen Fall könnte diese aus hinterem und vorderem Brückenelement
sowie aus den dritten Rahmenelementen gebildete Sitzschale aus einem einzigen Material,
bspw. durch Spritzguss, hergestellt werden und müsste lediglich Befestigungspunkte
für die ersten und zweiten Rahmenelemente und für die Trachten umfassen.
Figur 9 zeigt eine Seitenansicht eines Pferdes, an welchem das Verfahren zur Herstellung
eines Sattelbaums durchgeführt wird. Dargestellt ist das Pferd mit der auf seinem
Rücken angelegten, insbesondere durchsichtigen und flexiblen, Folie 14, wobei die
Folie dort platziert ist, wo auch der Reitsattel zu liegen kommen soll. Auf der Folie
14 sind zwei Fixpunkte 15 eingezeichnet, wobei diese auch am Rücken des Pferdes markiert
werden. Dies ist wichtig, damit die später im Verfahren hergestellte Unterlage, welche
eine Art Negativform für die Herstellung der Trachten bildet, korrekt platziert werden
kann. Weiterhin sind die Umrisse 16 der Trachten auf der Folie eingezeichnet. Beim
Einzeichnen dieser Umrisse 16 muss der Hersteller des Sattelbaums darauf achten, dass
diese und daher später die Trachten so gewählt sind, dass sie auf den zum Tragen von
Lasten geeigneten Bereichen des Rückens des Pferdes, typischerweise auf der Sattellage,
zu liegen kommen. Nach dem Einzeichnen der Markierungen wird die Folie 14 vom Rücken
des Pferdes entfernt und auf eine erste Unterlage (in Figur 9 nicht dargestellt) gelegt,
deren Fläche so bemessen ist, dass die Markierungen auf der Folie auf die erste Unterlage
passen, und die Markierungen, also die Fixpunkte 15 und die Umrisse 16, werden auf
diese erste Unterlage übertragen. Dieser Schritt muss nicht am Pferd erfolgen.
Danach werden die Bereiche, welche die Umrisse der Trachten darstellen, aus der ersten
Unterlage ausgespart, beispielsweise mit einem Cutter oder einer Schere.
Figur 10 zeigt die erste Unterlage 17, auf welcher die im vorangehenden Verfahrensschritt
auf die Folie 14 aufgezeichneten Fixpunkte 15 und Umrisse 16 übertragen wurden und
die Aussparungen 19, welche entlang der eingezeichneten Umrisse 16 der Trachten vorgenommen
wurden. Die erste Unterlage 17 ist in diesem Fall im Wesentlichen quadratisch geformt,
kann jedoch jede beliebige Form aufweisen, solange sie die Umrisse der späteren Trachten
einzufassen vermag.
In Figur 10 ist weiterhin eine Schnittlinie 24 eingezeichnet, welche um die Trachten
herum führt. Diese Schnittlinie ist optional und entlang dieser können die Unterlagen
16 und 17 später im Verfahren zugeschnitten werden, damit der Sattel später nicht
eine zu grosse Fläche des Pferdes abgedeckt oder aus ästhetischen Gründen. Bis die
Trachten jedoch geformt in korrekter Position passend zum Rücken des Pferdes zueinander
fixiert wurden, insbesondere mit mindestens einem der beiden Brückenelemente, sollten
die Unterlagen entlang ihrer Spiegelebene nicht durchtrennt werden, da sonst die Fixpunkte
und die korrekte Position der Trachten verloren geht.
In einem nächsten Schritt wird eine zweite Unterlage ohne ausgesparte Bereiche an
die erste Unterlage mit den ausgesparten Bereichen angelegt und zwar typischerweise
unten, also so, dass diese zweite Unterlage am Pferd zwischen dessen Rücken und der
ersten Unterlage zu liegen kommen würde. Die beiden Unterlagen werden über ihre Flächen
zumindest abschnittweise miteinander verbunden. Diese Verbindung kann durch Kleben,
Nähen oder dergleichen erfolgen.
Figur 11 zeigt die eine perspektivische Ansicht eines Querschnitts durch die erste
Unterlage 17 und die zweite Unterlage 18 mit einem Fixpunkt 15 und den Aussparungen
19. Die erste und die zweite Unterlage 17 und 18 sind dabei miteinander verbunden.
Diese Verbindung kann über die gesamte Fläche der Unterlagen erfolgen oder nur punktuell
oder in Teilbereichen. In Figur 11 ist gut zu sehen, dass die beiden Unterlagen 17
und 18 zusammen eine Art Negativform bilden, in welche das formbare Material zur Herstellung
der Trachten eingefüllt werden kann.
Die wie in den Figuren 10 und 11 gezeigt hergestellte Negativform für die Trachten
umfassend die zumindest abschnittsweise miteinander verbundenen Unterlagen 16 und
17 wird dann wieder am Rücken des Pferdes angelegt, wobei darauf zu achten ist, dass
die Fixpunkte wieder in ihrer ursprünglichen Position zu liegen kommen. Hierfür wurden
sie im ersten Verfahrensschritt sowohl auf der Folie, als auch am Rücken des Pferdes
eingezeichnet.
Die ausgesparten Bereiche 19 werden dann mit einem formbaren Material, welches sich
verfestigen lässt aufgefüllt. Alternativ können die ausgesparten Bereiche 19 auch
erst mit einem formbaren Material gefüllt und danach am Rücken des Pferdes angelegt
werden. Wie bereits beschrieben muss auch hier das Anlegen so erfolgen, dass die Fixpunkte
15 auf der ersten Unterlage 16 über den Fixpunkten 15 auf dem Rücken des Reittiers
liegen und die ausgesparten Bereiche 19 entlang der Umrisse 16 der Trachten so zu
liegen kommen, wie sie in einem früheren Schritt des Verfahrens auf die Folie aufgezeichnet
wurden, und wobei die zweite Unterlage 17 ohne ausgesparte Bereiche zwischen dem Rücken
des Reittiers und der ersten Unterlage 16 mit den ausgesparten Bereichen liegt.
Das formbare Material in den ausgesparten Bereichen wird dann am Rücken des Reittiers
angedrückt verfestigt sich im Wesentlichen in dieser Position. Das Verfestigen soll
dabei soweit am Rücken des Pferdes erfolgen, dass die Trachten beim Entfernen formstabil
sind.
Am Rücken des Reittiers werden die beiden aus dem verfestigten Material gebildeten
Trachten in stabiler Position zueinander fixiert und können danach vom Rücken des
Pferdes entfernt werden.
Figur 12 zeigt eine Seitenansicht einer Rahmenelementekonstruktion 20, wie sie typischerweise
als vorgefertigter Bestandteil bei der Herstellung des erfindungsgemässen Sattelbaums
eingesetzt wird. Sie weist dabei alle vorhergehend bereits beschriebenen Bestandteile
auf.
Figur 13 zeigt den Schritt des Fixierens der am Rücken des Pferdes gebildeten Trachten
4 durch anbringen der Rahmenelementekonstruktion 20. Dabei wird diese auf die Trachten
4 und die Unterlagen 16 und 17 und allfällige weitere Bestandteile wie Polsterung
(nicht dargestellt) gelegt, dort ausgerichtet und daran befestigt.
In einer bevorzugten Ausführungsform, in welcher die Trachten 4, das hintere Brückenelement
5 und die Führungsösen 8 aus demselben thermoplastischen Material gebildet werden,
kann dieses zur Befestigung der Rahmenelementekonstruktion 20 an die Trachten 4 punktuell
an diesen Stellen erhitzt werden, bspw. mit einem Heissluftföhn oder einem Lötgerät,
und die Teile lassen sich dann durch Zusammenführen stoffschlüssig verbinden.
Figur 14 zeigt schliesslich den am Pferd fertiggestellten Sattelbaum. Dieser kann
so vom Rücken des Pferdes entfernt werden und weiterverarbeitet werden.
Figur 15 zeigt einen typischerweise vorgefertigten Bestandteil des Sattelbaums umfassend
das hintere Brückenelement 5, die beiden dritten Rahmenelemente 9 und das vordere
Brückenelement 6 in einer einteiligen Ausgestaltung. Dieser vorgefertigte Bestandteil
kann in seinem Inneren Verstärkungselemente, beispielsweise aus Metall, aufweisen,
kann aber auch aus einem einzigen Material gefertigt sein. An den Stellen, an welchen
das erste Rahmenelement 7 mit der Führungsöse 13 und das zweite Rahmenelement 8 am
vorgefertigten Bestandteil angebracht werden sollen, kann dieses Gewindehülsen 25
aufweisen. Die gestrichelten Linien zeigen die Verbindungspunkte an welchen das erste
und zweite Rahmenelement am vorgefertigten Bestandteil befestigt werden.
BEZUGSZEICHEN
[0075]
- 1
- hinterer Abschnitt des Sattelbaums
- 2
- mittlerer Abschnitt des Sattelbaums
- 3
- vorderer Abschnitt des Sattelbaums
- 4
- Trachte
- 5
- hinteres Brückenelement
- 6
- vorderes Brückenelement
- 7
- erstes Rahmenelement
- 8
- zweites Rahmenelement
- 9
- drittes Rahmenelement
- 10
- Gelenk
- 11
- Gelenk
- 12
- Gelenk
- 13
- Führungsöse
- 14
- Folie
- 15
- Fixpunkt
- 16
- Umriss
- 17
- erste Unterlage
- 18
- zweite Unterlage
- 19
- ausgesparte Bereiche
- 20
- Rahmenelementekonstruktion
- 21
- Gurtung
- 22
- Halterung für Steigbügel
- 23
- Polsterung
- 24
- Schnittlinie
- 25
- Gewindehülse
- 26
- Verstärkung
- R1
- Radius
- R2
- Radius
1. Sattelbaum für einen Sattel, insbesondere einen Reitsattel,
mit einem hinteren Abschnitt (1), einem mittleren Abschnitt (2) und einem vorderen
Abschnitt (3), welcher bezüglich einer in Längsrichtung ausgerichteten Symmetrieebene
im Wesentlichen spiegelsymmetrisch ausgebildet ist;
umfassend mindestens zwei flächige Trachten (4) mit je einer Innenseite zur Auflage
auf den Rücken eines Tieres sowie einer Aussenseite, welche vom hinteren Abschnitt
(1) des Sattelbaums durch den mittleren Abschnitt (2) in den vorderen Abschnitt (3)
ragen,
sowie eine Rahmenelementekonstruktion (20), welche mindestens ein hinteres Brückenelement
(5) aufweist, welches die beiden Trachten (4) im hinteren Abschnitt (1) miteinander
verbindet, und ein vorderes Brückenelement (6), welches die beiden Trachten im vorderen
Abschnitt (3) miteinander verbindet,
dadurch gekennzeichnet, dass die Verbindung der Trachten (4) über das hintere Brückenelement (5) weitgehend starr
ausgebildet ist und die Verbindung der Trachten (4) über das vordere Brückenelement
(6) im Vergleich zur Verbindung über das hintere Brückenelement (6) beweglich ausgebildet
ist, sodass die Trachten (4) im Bereich des vorderen Abschnitts (3) und gegebenenfalls
auch des mittleren Abschnitts (2) des Sattelbaums aus einer, bezüglich des im hinteren
Abschnitt (1) des Sattelbaums befindlichen Bereichs der Trachten, definierten Ruhelage,
durch Biegung und/oder Torsion auslenkbar sind.
2. Sattelbaum gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Rahmenelementekonstruktion (20) mehrere Rahmenelemente aufweist, welche das hintere
Brückenelement (5) und das vordere Brückenelement (6) miteinander verbinden.
3. Sattelbaum gemäss Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Rahmenelementekonstruktion (20) mindestens sechs Rahmenelemente aufweist, wobei
im hinteren Abschnitt (1) des Sattelbaums jeweils an jeder Seite des hinteres Brückenelements
(5) zwei erste Rahmenelemente (7) mit dem hinteren Brückenelement (5) verbunden sind
und jeweils entlang der Trachten (4) hin zum vorderen Abschnitt (3) des Sattelbaums
oder darüber hinaus führen und im vorderen Abschnitt (3) des Sattelbaums auf den Trachten
(4) abgestützt sind, und
wobei jedes der ersten Rahmenelemente (7) im vorderen Abschnitt (3) des Sattelbaums
oder in dessen Verlängerung mit einem zweiten Rahmenelement (8) verbunden ist, welches
von der Aussenseite der Trachte (4) abragt und die beiden zweiten Rahmenelemente (8)
über ein vorderes Brückenelement (6) miteinander verbunden sind, und
wobei vom vorderen Brückenelement (6) ausgehend, zwei dritte Rahmenelemente (9) in
das hintere Brückenelement (5) zurückführen und mit diesem verbunden sind.
4. Sattelbaum nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trachten (4) insbesondere im vorderen Abschnitt (3) flexibel sind, sodass sie
bei Bewegungen, welche von einem Tier im Bereich der Auflagefläche der Trachten (4)
am Rücken des Tiers erzeugt werden, im Wesentlichen in Kontakt mit dem Tier bleiben.
5. Sattelbaum nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die zweiten Rahmenelemente (8) Federelemente, insbesondere Gasdruckfedern, umfassen
oder darstellen.
6. Sattelbaum nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trachten (4) aus einem thermoplastischen Material geformt sind.
7. Sattelbaum nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trachten (4) und das hintere Brückenelement (5) aus einem identischen Material
geformt sind und stoffschlüssig miteinander verbunden sind.
8. Sattelbaum nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das hintere Brückenelement (5) eine Sitzschale umfasst oder als Sitzschale ausgebildet
ist.
9. Sattelbaum nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet dass die ersten Rahmenelemente (7) im mittleren und/oder im vorderen Abschnitt des Sattelbaums
von jeweils einer oder mehreren Führungsösen (13), welche insbesondere an den Trachten
(4) angebracht sind, geführt werden.
10. Sattel umfassend einen Sattelbaum gemäss einem der Ansprüche 1 bis 9.
11. Sattel gemäss Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet dass es sich um einen Reitsattel handelt, umfassend zusätzlich insbesondere einen Sitz
für den Reiter oder eine Vorrichtung zur Befestigung von anderen Lasten, eine Polsterung
in den Bereichen, welche in Berührung mit einem Reittier und/oder einem Reiter stehen,
mechanische Befestigungselemente für Gurtung und Steigbügel und/oder eine Verkleidung
des Sattels mit einer Hülle und/oder dekorative Elemente.
12. Verfahren zur Herstellung eines Sattelbaums für einen Sattel für ein Tier, insbesondere
zur Herstellung eines Sattelbaums nach einem der Ansprüche 1 bis 9, umfassend die
Schritte:
- Auflegen eines Kopierelements, insbesondere einer durchsichtigen und flexiblen Folie
(14), auf den Rücken des Tiers, sodass mindestens der Bereich des Rückens des Tiers
mit dem Kopierelement bedeckt ist, auf welchem der Sattel zur Anlage vorgesehen ist;
- Markieren von mindestens zwei Fixpunkten (15) auf das Kopierelement, insbesondere
auf einer durchsichtigen und flexiblen Folie (14), und auf dem Rücken des Tiers;
- Markieren der Umrisse (16) von zwei Trachten auf dem Kopierelement, wobei die Umrisse
(16) der Trachten (4) so gewählt sind, dass die Trachten auf den zum Tragen von Lasten
vorgesehenen Bereichen des Rückens des Tiers aufliegen;
- Entfernen des Kopierelements vom Rücken des Tiers und Auflegen der Folie (14) auf
eine erste Unterlage (17), deren Fläche so bemessen ist, dass die Markierungen auf
der Folie (14) auf die erste Unterlage (17) passen;
- Übertragen der Fixpunkte (15) und der Umrisse (16) der Trachten von des Kopierelements
auf die erste Unterlage (17);
- Aussparen der Bereiche aus der ersten Unterlage (17) entlang der markierten Umrisse
(16) der Trachten;
- Flächiges Anlegen einer zweiten Unterlage (18) ohne ausgesparte Bereiche an die
erste Unterlage (17) mit den ausgesparten Bereichen (19), wobei die beiden Unterlagen
(17, 18) über ihre Flächen zumindest abschnittweise, insbesondere vollflächig, miteinander
verbunden sind;
- Anlegen der zumindest abschnittsweise miteinander verbundenen Unterlagen (17, 18)
an den Rücken des Tiers und Auffüllen der ausgesparten Bereiche (19) mit einem formbaren
Material, welches sich verfestigen lässt,
ODER
Auffüllen der ausgesparten Bereiche (19) mit einem formbaren Material, welches sich
verfestigen lässt, und Anlegen der zumindest abschnittsweise miteinander verbundenen
Unterlagen (17, 18) mit der mit dem formbaren Material ausgefüllten ausgesparten Bereichen
(19) an den Rücken des Tiers,
wobei das Anlegen so erfolgt, dass die Fixpunkte (15) auf der ersten Unterlage (17)
über den Fixpunkten (15) auf dem Rücken des Tiers liegen und die ausgesparten Bereiche
(19) entlang der Umrisse (16) der Trachten so zu liegen kommen, wie sie in einem früheren
Schritt des Verfahrens auf die Folie (14) aufgezeichnet wurden, und wobei die zweite
Unterlage (18) ohne ausgesparte Bereiche zwischen dem Rücken des Tiers und der ersten
Unterlagen (17) mit den ausgesparten (19) Bereichen liegt;
- Andrücken des formbaren Materials in den ausgesparten Bereichen (19) an den Rücken
des Tiers und Verfestigen des formbaren Materials, wobei das Verfestigen des formbaren
Materials im Wesentlichen am Rücken des Tiers erfolgt;
- Fixieren der beiden aus dem verfestigten Material gebildeten Trachten (4) in stabiler
Position zueinander am Rücken des Tiers.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die ausgesparten Bereiche (19) in der ersten Unterlage (17) nach Anlegen dieser an
die zweite Unterlage (18) eine Negativform der Trachten bilden und diese zur Bildung
der Trachten (4) mit dem formbaren Material gefüllt werden, und wobei die Schichtdicke
der ersten Unterlage (17) so gewählt ist, dass die Trachten (4) dem Sattelbaum eine
ausreichende Stabilität und Flexibilität verleihen.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Unterlage (17) eine Schichtdicke im Bereich von 2 bis 20 mm, insbesondere
4 bis 15 mm, bevorzugt 5 bis 10 mm, aufweist.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 12 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass der Schritt des Fixierens der Trachten (4) über das Anbringen eines hinteren Brückenelements
(5) und/oder eines vorderen Brückenelements (6) und/oder der vorgefertigten Rahmenelementekonstruktion
erfolgt.