[0001] Die Erfindung betrifft eine Entriegelungsvorrichtung für eine Tür oder ein Tor, mit
einem Kraftübertragungsteil, das in Längsrichtung der Entriegelungsvorrichtung verstellbar
ist und dabei auf ein Schloss wirken und dieses entriegeln kann, sowie einem Betätigungselement,
das mittels mindestens einem Getriebe das Kraftübertragungsteil verstellen kann, und
einem Antrieb, der das Kraftübertragungsteil verstellen kann, wobei der Antrieb einen
Rotationsmotor und ein Antriebsgetriebe mit mindestens einem Rotationselement aufweist,
und wobei das Antriebsgetriebe die rotatorische Bewegung des Rotationsmotors in eine
lineare Bewegung des Kraftübertragungsteils übersetzt.
[0002] Solche Entriegelungsvorrichtungen sind bekannt und werden insbesondere an Türen eingesetzt,
die Auflagen zur Entfluchtbarkeit eines Gebäudes genügen müssen. Die Entriegelungsvorrichtungen
weisen üblicherweise ein längliches Gehäuse mit einer Druckstange als Betätigungselement
auf, welches sich meist über die gesamte Breite der Tür oder des Tores erstreckt.
Die Druckstange ist dabei über das Getriebe in das Gehäuse eindrückbar, um das Schloss
mittels des Kraftübertragungsteils zu entriegeln. Dabei führt auch eine unkoordinierte
Bewegung gegen die Tür mit der darauf angeordneten Entriegelungsvorrichtung, wie im
Falle einer panischen Flucht, zum Entriegeln und Öffnen der Tür.
[0003] Bei Türen, an denen solche Entriegelungsvorrichtungen verbaut werden, muss oft auch
eine automatische Entriegelung möglich sein. Dafür sind an der Tür Antriebe, etwa
in einem Motorschloss, vorgesehen, um die Tür aus der Ferne zu entriegeln. So kann
eine Tür, die auf der Gegenseite zur Entriegelungsvorrichtung keine weitere Entriegelungsvorrichtung,
zum Beispiel einen Drücker, aufweist und somit manuell nicht ohne Schlüssel zu entriegeln
ist, kurzzeitig für die Benutzung von dieser Seite aus freigegeben werden. Ein solches
System ist etwa von Haustüren von Mehrfamilienhäusern bekannt und wird beispielsweise
auch bei Eingangstüren von Veranstaltungsstätten eingesetzt.
[0004] Es sind solche Entriegelungsvorrichtungen mit einem integrierten Schloss bekannt,
wobei dann kein Schloss in dem Türblatt selbst angeordnet ist und in Ausführungsformen,
die mit einem in der Tür eingebauten Schloss zusammenwirken. Bei ersteren ist es bekannt,
einen Antrieb in der Entriegelungsvorrichtung vorzusehen, der das Kraftübertragungsteil
verstellen kann, wobei der Antrieb einen Rotationsmotor und ein Antriebsgetriebe mit
mindestens einem Rotationselement aufweist, und wobei das Antriebsgetriebe die rotatorische
Bewegung des Rotationsmotors in eine lineare Bewegung des Kraftübertragungsteils übersetzt.
So etwa aus
US 2011/0047874 A1,
US 4,976,479 und
US 4,785,286. Nachteilig sind diese sehr aufwändig gestaltet und benötigen viel Bauraum innerhalb
der Entriegelungsvorrichtung.
[0005] Bei solchen Entriegelungsvorrichtungen, die mit einem Türschloss zusammenwirken,
ist es bekannt, dass der automatische Antrieb schlossseitig umgesetzt wird und ein
Motorschloss in die Tür eingebaut wird. Nachteilig sind dabei sowohl die Entriegelungsvorrichtung
als auch das Motorschloss vergleichsweise teuer. Es ist grundsätzlich nachteilig,
für jede gewünschte Funktion an der Tür, ein eigenes Funktionsbauteil vorzusehen.
Soweit ein vorhandenes Schloss ohne Antrieb durch ein Motorschloss ersetzt werden
soll, muss gegebenenfalls auch die Entriegelungsvorrichtung ersetzt werden. Gegebenenfalls
müssen Entriegelungsvorrichtungen passend sowohl für normale Schlösser als auch für
Motorschlösser vom Hersteller vorgehalten werden.
[0006] Die Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine Entriegelungsvorrichtung mit einem einfachen,
kompakten Antrieb bereitzustellen.
[0007] Gelöst wird die Aufgabe durch eine Entriegelungsvorrichtung nach Anspruch 1. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen angegeben.
[0008] Erfindungsgemäß weist das Antriebsgetriebe mindestens eine Pleuelstange auf, die
auf das Kraftübertragungsteil wirkt und an einem Koppelpunkt verdrehbar an dem Rotationselement
gelagert ist. Bei in der Entriegelungsvorrichtung angeordneten Antrieben ist der durch
den Antrieb auf das Kraftübertragungsteil zur Entriegelung aufzubringende Kraftverlauf
über den Entriegelungsvorgang nicht linear. Das Schloss wird üblicherweise gegen eine
Rückstellfeder geöffnet, die einen progressiven Widerstand erzeugt. Zwischen dem Schloss
und dem Kraftübertragungsteil ist zudem oft ein Getriebe angeordnet, das ebenfalls
einen nichtlinearen Kraftverlauf bei der Umsetzung der linearen Bewegung des Kraftübertragungsteils
in eine Drehbewegung eines Teils des Schlosses aufweist. Die gesamte Kraft, die von
dem Kraftübertragungsteil auf das Schloss übertragen werden muss, ist daher in Summe
ansteigend über den Entriegelungsvorgang.
[0009] Eine erfindungsgemäße Gestaltung kann eine derartig ansteigende Kraft bei gleichbleibender
Belastung des Rotationsmotors mittels der Pleuelstange bereitstellen, denn deren Ausrichtung
zum Kraftübertragungsteil bzw. der Winkel zwischen Längsachse der Pleuelstange und
der Bewegungsachse des Kraftübertragungsteils verändert sich während der Entriegelung
derart, dass sich die Übersetzung zwischen Rotationsmotor und Kraftübertragungsteil
verändert. Die Rotationsachse des Rotationselements, an dem die Pleuelstange antriebsseitig
angekoppelt ist, liegt orthogonal zur Bewegungsachse der linearen Bewegung des Kraftübertragungsteils,
an dem das abtriebsseitige Ende der Pleuelstange angreift. Somit verändert sich während
der Entriegelung der Stellwinkel zwischen der Verbindungslinie zwischen dem Mittelpunkt
der Rotationselements und dem Koppelpunkt und der Bewegungsachse des Kraftübertragungsteils.
Die Pleuelstange wird daher verschwenkt. In einer Ausgangsstellung kann der vorbeschriebene
Stellwinkel etwa 90° betragen, von wo aus das Rotationselement zum Entriegeln bis
zu einem Stellwinkel von 0° verdreht wird. Eine Verdrehung des Rotationselements um
mehr als 90° ist dann nicht vorgesehen.
[0010] Als Übersetzungsverhältnis wird das Verhältnis v
k/ω
R der Bewegungsgeschwindigkeit v
K des Kraftübertragungsteils zu der Winkelgeschwindigkeit ω
R des Rotationsteils verstanden, wenn sich die Teile in Bewegung befinden. Bei einem
kleineren Übersetzungsverhältnis wird folglich bei gleicher Motorkraft eine größere
Kraft auf das Kraftübertragungsteil erzeugt. Es kann somit vorteilhaft im Verlauf
des Entriegelungsvorgangs eine größere Kraft auf das Kraftübertragungsteil bei gleichbleibender
Motorleistung wirken. Der Rotationsmotor kann damit vorteilhaft klein ausgelegt, kompakt
angeordnet und über den gesamten Entriegelungsvorgang nahezu gleichmäßig belastet
werden.
[0011] Mit der vorbeschriebenen Anordnung wird der durch das Betätigungselement auf das
Kraftübertragungsteil mittels Scherengetrieben übertragene Kraftverlauf nachempfunden.
Bei Scherengetrieben verändert sich durch die Drehung der Scherenschenkel bei einer
manuellen Betätigung des Betätigungselements ebenfalls die Übersetzung zwischen dem
Betätigungselement und dem Kraftübertragungsteil im Verlauf des Entriegelungsvorgangs
hin zu einer größeren Kraft auf das Kraftübertragungsteil.
[0012] Die Pleuelstange kann antriebsseitig an einem Rad, insbesondere einem Zahnrad, in
einem Koppelpunkt beabstandet von dem drehbar gelagerten Mittelpunkt des Rades angelagert
sein, wobei sich der Mittelpunkt des Rads in der Nähe und besonders bevorzugt auf
der Bewegungsachse des Kraftübertragungsteils befinden kann. An dem Kraftübertragungsteil
greift dabei das Pleuel in einem Angriffspunkt an, der besonders bevorzugt auf dessen
Bewegungsachse liegt. In einer Ausgangsstellung des Antriebs kann dann das Rad in
einer Stellung stehen, bei der der Koppelpunkt maximal von der Bewegungsachse des
Kraftübertragungsteils beabstandet ist. Der Winkel zwischen Pleuelstange und Bewegungsrichtung
des Kraftübertragungsteils ist dann maximal, so dass der Kraftanteil, den die Pleuelstange
in Bewegungsrichtung des Kraftübertragungsteils überträgt, minimal ist. Wird das Rad
beim Entriegeln mittels des Rotationsmotors gedreht, so verändert sich der Abstand
des Koppelpunkts zu einem Angriffspunkt der Pleuelstange an dem Kraftübertragungsteil
beim Verstellen des Kraftübertragungsteils mittels des Antriebs quer zur Längsrichtung
der Entriegelungsvorrichtung, so dass sich die auf das Kraftübertragungsteil übertragene
Kraft über den Verstellweg des Rotationselements verändert. Insbesondere vergrößert
sich diese Kraft, denn der Kraftanteil in Bewegungsrichtung des Kraftübertragungsteils
wird mit kleiner werdendem Winkel größer.
[0013] Der Antrieb kann an einem Gehäuse der Entriegelungsvorrichtung befestigt sein, er
kann aber auch an dem Kraftübertragungsteil befestigt sein. In erstem Fall kann die
Pleuelstange an dem Kraftübertragungsteil angreifen, etwa an einem an diesem angeformten
Stift, um diese zu verstellen, während der Antrieb sich gegen das Gehäuse abstützt.
In zweitem Fall kann die Pleuelstange an dem Gehäuse oder einem damit verbundenen
Teil angreifen, etwa an einen an dem Gehäuse angeformten Stift, und der Antrieb wird
mit dem Kraftübertragungsteil zusammen verstellt.
[0014] In jedem Falle ist es vorteilhaft, wenn der Antrieb nicht das Kraftübertragungsteil
blockieren kann, wenn die Entriegelungsvorrichtung manuell über das Betätigungselement
bedient werden soll. Zu diesem Zweck sollte ein entsprechender Freilauf zwischen Rotationsmotor
und Kraftübertragungsteil vorgesehen sein. Grundsätzlich kann ein solcher Freilauf
an jeder Stelle des Antriebsgetriebes zwischen Rotationsmotor und Kraftübertragungsteil
vorgesehen sein. Es wird bei einer Pleuelstange, die an einem Stift angreift, bevorzugt,
dass zwischen diesen Teilen der Freilauf vorgesehen ist und sich Pleuelstange und
Stift frei gegeneinander bewegen können. Dafür kann etwa die Pleuelstange eine Ausnehmung,
insbesondere ein Langloch, aufweisen, in der sich der Stift bewegen kann, ohne eine
Kraft auf die Pleuelstange auszuüben, bzw. ohne die Pleuelstange so zu bewegen, dass
sie gegen einen Widerstand des Antriebsgetriebes und des Rotationsmotors Arbeit verrichten
muss. Vorteilhaft muss ein Benutzer so nur die zum Entriegeln der Tür notwendige Kraft
auf das Betätigungselement aufbringen. In die andere Richtung, in der die Pleuelstange
bei Betätigung des Antriebs auf das Kraftübertragungsteil wirkt, muss dabei eine Kopplung
bestehen.
[0015] In einer Ausführungsform weist das Antriebsgetriebe mehrere Rotationselemente auf.
So kann das Antriebsgetriebe insbesondere ein Zahnradgetriebe sein. Vorteilhaft kann
so eine besonders günstige Übersetzung eingestellt werden, so dass der Rotationsmotor
möglichst klein ausgelegt werden kann. Der Rotationsmotor sowie das Antriebsgetriebe
lassen sich dann auf einem kleinen Bauraum unterbringen und sehr kompakt gestalten.
Als Rotationselemente sind neben Zahnrädern auch Wellen, Hebel, Spindeln oder Schnecken
mit Schneckenrädern möglich.
[0016] In einer Ausführungsform weist das Antriebsgetriebe mehrere verschiedene Rotationselemente
auf, etwa eine Motorwelle und mindestens ein Zahnrad, dass von der Motorwelle angetrieben
wird. Die Auswahl der Rotationselemente und der genauen Bauweise des Getriebes hängt
dabei maßgeblich von der benötigten Kraft an dem Kraftübertragungsteil sowie von der
Geometrie der Entriegelungsvorrichtung ab und kann für verschiedene Entriegelungsvorrichtungen
entsprechend angepasst werden.
[0017] Als Rotationsmotor kommt insbesondere ein Elektromotor in Betracht, da dieser sich
sehr klein ausführen lässt.
[0018] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist an dem Kraftübertragungsteil neben
dem Antrieb auch eine Sperrvorrichtung angeordnet, die auf das Kraftübertragungsteil
wirken kann. So lassen sich mehrere Funktionen in einer Entriegelungsvorrichtung kombinieren.
Etwa kann die Tür gegen unberechtigte Benutzung durch die Sperrvorrichtung gesperrt
werden, während durch den Antrieb die Tür automatisch entriegelt werden kann, etwa
um einen Zutritt von der Außenseite kurzzeitig zu gewähren. Eine solche Entriegelungsvorrichtung
kann dann an einer Tür eingesetzt werden, die im Alltag versperrt sein muss, von innen
entfluchtbar sein muss und von außen nicht über ein Betätigungselement bedienbar ist,
jedoch im Rahmen eines Zugangssystems entriegelbar für das Öffnen von außen sein muss.
Vorteilhaft müssen dann an der Tür neben der Entriegelungsvorrichtung keine weiteren
Funktionsbauteile angeordnet und/oder eingebaut werden.
[0019] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Zeichnungen näher erläutert, in denen
eine bevorzugte Ausführungsform dargestellt ist. Es zeigen:
- Fig. 1:
- eine Entriegelungsvorrichtung in Außenansicht;
- Fig. 2:
- eine Detailansicht einer erfindungsgemäßen Entriegelungsvorrichtung mit Antrieb, bei
der die Betätigungseinheit nicht mit dargestellt ist;
- Fig. 3:
- einen erfindungsgemäßen Antrieb in Ausgangsstellung, bei der die Tür verriegelt ist,
in Draufsicht, wobei das Gehäuse des Antriebs nicht dargestellt ist;
- Fig. 4:
- einen erfindungsgemäßen Antrieb in entriegelter Stellung, bei der die Tür durch den
Antrieb entriegelt ist, in Draufsicht, wobei das Gehäuse des Antriebs nicht dargestellt
ist;
- Fig. 5:
- einen erfindungsgemäßen Antrieb in Ausgangsstellung, bei der die Tür mittels des Betätigungsmittels
entriegelt ist, in Draufsicht, wobei das Gehäuse des Antriebs nicht dargestellt ist;
- Fig. 6:
- ein Diagramm, in dem das Übersetzungsverhältnis zwischen Antrieb und Kraftübertragungsteil
in Abhängigkeit des Drehwinkels des Rotationsteils dargestellt ist.
[0020] Figur 1 zeigt eine Entriegelungsvorrichtung 1 mit einem Gehäuse 2 und einem Betätigungselement
3 in Form einer Druckstange. Weiterhin weist die Entriegelungsvorrichtung 1 Endkappen
4 mit jeweils einem feststehenden, an dem Gehäuse 2 angeformten unteren Teil 4a und
einem mit dem Betätigungselement 3 gemeinsam beweglichen oberen Teil 4b. Das Betätigungselement
und die oberen Teile 4b der Endkappen 4 können zur Entriegelung einer nicht dargestellten
Tür in das Gehäuse 2 eingedrückt werden.
[0021] Aus der in Figur 2 dargestellten Detailansicht ist zu erkennen, dass im Inneren der
Entriegelungsvorrichtung 1 ein Getriebe 5 angeordnet ist, mittels dem die Bewegung
eines nicht dargestellte Betätigungselements 3 beim Eindrücken in das Gehäuse 2 auf
ein Kraftübertragungsteil 6 übertragen wird, welches sich in Längsrichtung LR der
Entriegelungsvorrichtung 1 bewegen kann und dabei mittelbar oder unmittelbar auf ein
Schloss, etwa auf eine Schlossnuss, zum Entriegeln des Schlosses wirkt. Weiterhin
koppelt das Kraftübertragungsteil 6 auch das dargestellte Getriebe 5 mit einem weiteren,
nicht dargestellten gleichartigen Getriebe 5 auf der nicht in Figur 2 dargestellten
Seite der Entriegelungsvorrichtung 1, welches ebenfalls das Betätigungselement 3 trägt
und mit dem Kraftübertragungsteils 6 verbindet.
[0022] An dem Kraftübertragungsteil 6 greift ein Antrieb 7 an, der eine Pleuelstange 8 aufweist,
die an einem Stift 9 angreift, der an dem Kraftübertragungsteil 6 befestigt ist, etwa
mittels Schrauben 10. Die Pleuelstange 8 weist zudem ein Langloch 11 auf, mittels
dem der Antrieb 7 und das Kraftübertragungsteil 6 voneinander entkoppelt sind. Mittels
des Antriebs 7 kann das Kraftübertragungsteil 6 in Längsrichtung LR verstellt werden,
wobei die Getriebe 5 ebenfalls betätigt werden, falls diese fest mit dem Kraftübertragungsteil
6 verbundenen sind, so dass das Betätigungselement 3 in das Gehäuse 2 hineingezogen
wird. Es ist jedoch auch möglich, eine Entkopplung zwischen dem Kraftübertragungsteil
6 und den Getrieben 5 vorzusehen, so dass das Betätigungselement 3 nicht mit eingezogen
wird, wenn der Antrieb 7 das Kraftübertragungsteil 6 verstellt. Wird das Betätigungselement
3 manuell in das Gehäuse 2 eingedrückt, ohne dass der Antrieb 7 betätigt wird, so
kann sich das Kraftübertragungsteil 6 frei gegenüber dem Antrieb 7 in Längsrichtung
LR bewegen. Der Stift 9 gleitet dann in dem Langloch 11 entlang, ohne die Pleuelstange
8 mit einer Zugkraft zu beaufschlagen. Die Pleuelstange 8 wird dabei lediglich verdreht.
[0023] Die Figuren 3, 4 und 5 zeigen Detailansichten des Antriebs 7 von innen. In Figur
3 ist dabei die Ausgangstellung dargestellt, die Antrieb 7 und Kraftübertragungsteil
6 einnehmen, wenn das Betätigungselement 3 nicht eingedrückt ist und der Antrieb 7
nicht betätigt wird. Figur 4 zeigt die Stellung, die Antrieb 7 und Kraftübertragungsteil
6 einnehmen, wenn das Kraftübertragungsteil 6 mittels des Antriebs 7 in Längsrichtung
LR verstellt wurde, um das Schloss zu entriegeln. Figur 5 zeigt die Stellung, in der
sich Antrieb 7 und Kraftübertragungsteil 6 befinden, wenn das Betätigungselement 3
manuell betätigt wird, der Antrieb 7 jedoch nicht betätigt wird.
[0024] Der Antrieb 7 weist einen Rotationsmotor 12 sowie ein Antriebsgetriebe 13 auf, das
die Motorwelle 13a sowie mehrere Zahnräder 13b, 13c, 13d und 13e umfasst. An dem Zahnrad
13e ist an einem Koppelpunkt KP, der von dem Mittelpunkt M des Zahnrads 13e beabstandet
ist, die Pleuelstange 8 drehbar gelagert. Der Mittelpunkt M des Zahnrades 13e schneidet
die Bewegungsachse BA des Kraftübertragungsteils 6. Die Pleuelstange 8 greift weiterhin
an einem Angriffspunkt AP, der durch den Stift 9 gebildet ist, an dem Kraftübertragungsteil
6 an. Zum Entriegeln des Schlosses verdreht der Rotationsmotor 12 die Motorwelle 13a,
wobei die Motorwelle 13a die Zahnräder 13b, 13c, 13d und 13e des Antriebsgetriebes
13 bewegt, woraufhin der Koppelpunkt KP der Pleuelstange 8 an dem Zahnrad 13e verdreht
wird. Durch die Rotation des Zahnrades 13e verändert sich der Winkel α zwischen der
Längsachse PA der Pleuelstange 8 und der Bewegungsachse BA des Kraftübertragungsteils
6. Durch die Verringerung des Winkels α bis hin zu einer 0°-Stellung in der komplett
ausgefahrenen Stellung der Pleuelstange 8 gemäß Figur 4, steigt der Kraftanteil, der
von der Pleuelstange 8 in Längsrichtung LR, die die Bewegungsrichtung des Kraftübertragungsteils
6 ist, von dem Antrieb 7 auf das Kraftübertragungsteil 6 aufgebracht werden kann.
Im Verlaufe der Entriegelung sinkt daher das Übersetzungsverhältnis, wie es auch in
Figur 6 in einem Diagramm dargestellt ist. Der in Figur 6 aufgetragen Drehwinkel ist
dabei der Drehwinkel des Zahnrades 13e, wobei die Ausgangstellung gemäß Figur 3 0°
entspricht und die Stellung gemäß Figur 4 90°. Weiterhin verringert sich während der
Entriegelung der Abstand A zwischen dem Kopplungspunkt KP und dem Angriffspunkt AP.
Der Kopplungspunkt KP bewegt sich in Querrichtung QR auf den Angriffspunkt AP zu,
wobei die Pleuelstange 8 verdreht wird.
[0025] Der Rotationsmotor 12 weist eine Anschlusseinheit 14 auf, an der Strom- und Signalleitungen
angeschlossen werden können.
1. Entriegelungsvorrichtung (1) für eine Tür oder ein Tor, mit einem Kraftübertragungsteil
(6), das in Längsrichtung (LR) der Entriegelungsvorrichtung (1) verstellbar ist und
dabei auf ein Schloss wirken und dieses entriegeln kann, sowie einem Betätigungselement
(3), das mittels mindestens einem Getriebe (5) das Kraftübertragungsteil (6) verstellen
kann, und einem Antrieb (7), der das Kraftübertragungsteil (6) verstellen kann, wobei
der Antrieb (7) einen Rotationsmotor (12) und ein Antriebsgetriebe (13) mit mindestens
einem Rotationselement (13a, 13b, 13c, 13d, 13e) aufweist, und wobei das Antriebsgetriebe
(13) die rotatorische Bewegung des Rotationsmotors (12) in eine lineare Bewegung des
Kraftübertragungsteils (6) übersetzt, dadurch gekennzeichnet, dass das Antriebsgetriebe (13) mindestens eine Pleuelstange (8) aufweist, die auf das
Kraftübertragungsteil (6) wirkt und an einem Koppelpunkt (KP) verdrehbar an dem Rotationselement
(13a, 13b, 13c, 13d, 13e) gelagert ist.
2. Entriegelungsvorrichtung (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sich der Abstand des Koppelpunkts (KP) zu einem Angriffspunkt (AP) der Pleuelstange
(8) an dem Kraftübertragungsteil (6) beim Verstellen des Kraftübertragungsteils (6)
mittels des Antriebs (7) quer zur Längsrichtung (LR) der Entriegelungsvorrichtung
(1) verändert, so dass sich die auf das Kraftübertragungsteil (6) übertragene Kraft
über den Verstellweg des Rotationselements (13a, 13b, 13c, 13d, 13e) verändert.
3. Entriegelungsvorrichtung (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb (7) an einem Gehäuse der Entriegelungsvorrichtung (1) befestigt ist.
4. Entriegelungsvorrichtung (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb (7) an dem Kraftübertragungsteil (6) befestigt ist.
5. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Rotationsmotor (12) und Kraftübertragungsteil (6) ein Freilauf vorgesehen
ist, mittels dem sich das Kraftübertragungsteil (6) frei gegenüber dem Antrieb (7)
bewegen kann.
6. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Pleuelstange (8) abtriebsseitig an einem Stift (9) angreift, der an dem Kraftübertragungsteil
(6) oder an dem Gehäuse (2) der Entriegelungsvorrichtung (1) angeordnet ist, wobei
sich Stift (9) und Pleuelstange (8) bei Betätigung des Betätigungselements (3) frei
gegeneinander bewegen können.
7. Entriegelungsvorrichtung (1) nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Pleuelstange (8) eine Ausnehmung (11) aufweist, in die der Stift (9) eingreift.
8. Entriegelungsvorrichtung (1) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausnehmung (11) ein Langloch ist.
9. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Antriebsgetriebe (13) mehrere Rotationselemente (13a, 13b, 13c, 13d, 13e) aufweist.
10. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens ein Rotationselement (13a, 13b, 13c, 13d, 13e) ein Zahnrad ist.
11. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Antrieb (7) mehrere verschiedene Rotationselemente (13a, 13b, 13c, 13d, 13e)
aufweist, die miteinander zusammenwirken, insbesondere mindestens ein Zahnrad und
mindestens eine Welle.
12. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Rotationsachse mindestens eines Rotationselementes (13a, 13b, 13c, 13d, 13e),
mit dem die Pleuelstange (8) verbunden ist, die Bewegungsachse (BA) des Kraftübertragungsteils
(6) schneidet.
13. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Pleuelstange (8) an einem Rotationelement (13a, 13b, 13c, 13d, 13e) beabstandet
von dessen Rotationsachse drehbar gelagert ist.
14. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Rotationsmotor (12) ein Elektromotor ist.
15. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass an dem Kraftübertragungsteil (6) eine Sperrvorrichtung angeordnet ist, die auf das
Kraftübertragungsteil (6) wirken kann.
16. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mittels des Antriebs (7) das Kraftübertragungsteil (6) zum Entriegeln eines Schlosses
und insbesondere zum Öffnen der Tür oder des Tores verstellbar ist.
17. Entriegelungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Stellwinkel zwischen der Verbindungslinie zwischen Koppelpunkt (KP) und einem
Mittelpunkt (M) und der Bewegungsachse (BA) des Kraftübertragungsteils (6) in einer
Ausgangsstellung zwischen 60 und 110°, insbesondere zwischen 80 und 90°, besonders
bevorzugt ca. 90° beträgt und in einer Maximalstellung 0° beträgt.
18. Entriegelungsvorrichtung (1) nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass in der Ausgangsstellung das Kraftübertragungsteil (6) nicht durch den Antrieb (7)
verstellt ist und in der Maximalstellung das Kraftübertragungsteil (6) maximal durch
den Antrieb (7) verstellt ist und in der Maximalstellung das Schloss entriegelt ist.