[0001] Die Erfindung betrifft eine Sprühtrocknungsvorrichtung zum Trocknen eines zu trocknenden
Gutes mit einer Zerstäubereinrichtung, wobei die Zerstäubereinrichtung eine drehbare
Zerstäubereinheit zum Zerstäuben des zu trocknenden Gutes in einem Trocknungsraum
der Sprühtrocknungsvorrichtung aufweist, und mit einer Trocknungsgaszufuhr zum Zuführen
eines Trocknungsgases in den Trocknungsraum und zum Trocknen des zerstäubten, zu trocknenden
Gutes zu getrockneten Partikeln. Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Verfahren
zum Sprühtrocknen eines zu trocknenden Gutes und ein getrocknetes Produkt.
[0002] Bei der Zerstäubungstrocknung (auch Sprühtrocknung genannt) wird das zu trocknende
Gut üblicherweise mittels eines Zerstäubers in einen Heißgasstrom eingebracht und
in wenigen Sekunden zu einem feinen Pulver getrocknet. Hierbei sind ein inhomogener
Trocknungsprozess und ein Absetzen von Bestandteilen des zu trocknenden Gutes und/oder
der getrockneten Partikel sowohl am Zerstäuber als auch an den Innenwänden der Trocknungskammer
zu vermeiden. Trotz optimaler Betriebsführung kann nicht verhindert werden, dass sich
das zu trocknende Gut und/oder die angetrockneten Partikel an den Innenwänden der
Trocknungskammer absetzen, wodurch unerwünschte, potentielle Flammenherde (sogenannte
Hotspots) mit einem erhöhten Brand- und Explosionsrisiko auftreten.
[0003] Um abgelagertes zu trocknendes Gut und/oder angetrocknete Partikel an den Innenwänden
eines Trocknungsraums zu entfernen, werden seit über 20 Jahren Blasräumer insbesondere
bei der Herstellung von Caramilk® eingesetzt. Bei einem Blasräumer handelt es sich
beispielsweise um ein innerhalb des Trocknungsraums an der Innenwand entlang rotierendes
Rohr, welches oben geschlossen ist und über seiner vertikalen Länge eine Vielzahl
von vertikalen Schlitzen aufweist. Durch diese Schlitze wird Luft mit einer hohen
Geschwindigkeit an die Innenwand geblasen, um dort abgelagerte Partikel und Verunreinigungen
zu beseitigen.
[0004] Insbesondere bei thermoplastischen und/oder zuckerhaltigen zu trocknenden Gütern,
haben diese eine starke Tendenz, an der Innenwand des Trocknungsraums zu kleben, sodass
diese sich nicht vollständig durch einen Blasräumer entfernen lassen. Somit kommt
es trotz des Einsatzes des Blasräumers zu Ablagerungen an den Innenwänden des Trocknungsraums
und somit Biofouling. Bei derartigen zu trocknenden Gütern tritt mit zunehmender Zeit
eine gleichmäßige, dauerhafte Belegung der Innenwand des Trocknungsraums durch das
nicht vollständig getrocknete Produkt auf, sodass die Laufzeit eines Sprühtrockners
unter Verwendung eines Blasräumers maximal einen Tag beträgt, bevor der Sprühtrockner
außer Betrieb genommen und gereinigt werden muss. Der Einsatz von Blasräumern hat
sich seit Jahrzenten etabliert, ohne dass es eine Entwicklung im Hinblick auf die
Vermeidung von Ablagerungen gegeben hat.
[0005] Zudem verschlechtert sich durch die Ablagerungen an der Innenwand die Qualität des
getrockneten Produktes, weil an den heißen Innenwänden die angetrockneten oder getrockneten
Partikel in den Ablagerungen zu lange einer erhöhten Temperatur ausgesetzt sind, sodass
beim Abräumen dieser Partikel mittels eines Blasräumers und/oder Aufbrechen der Verkrustungen,
zu lange getrocknete Partikel in das aus dem Sprühtrockner abgezogene Produkt gelangen.
Dies führt beispielsweise in einem zuckerhaltigen und/oder karamellisierten Produkt
(z.B. Caramilk®) zu einem unerwünschten bitteren Geschmack.
[0006] Folglich werden mit der derzeit üblichen, seit Jahren etablierten Sprühtrocknung
sowohl nicht optimale Produkteigenschaften, insbesondere bei einem klebrigen, zuckerhaltigen
zu trocknenden Gut, erreicht als auch wird anschließend ein hoher Reinigungsaufwand
im Innenraum des Sprühtrockners erforderlich.
[0007] Aus der
DE 6 92 15 212 T2 ist ein Verfahren zum Reduzieren des Absetzens von Speiseflüssigkeit an Innenwänden
einer Zerstäuberkammer bekannt, bei dem beidseitig der Zerstäubervorrichtung strahlenförmige
Hilfsgasströme mit einer hohen Strömungsgeschwindigkeit und einer geringen Durchströmungsmenge
derart ausgerichtet werden, dass zur mechanischen Abreinigung mittels der eingebrachten
Gasstrahlen eine Strömungsgeschwindigkeit des Trocknungsgases an den Innenwänden erhöht
und dadurch ein Absetzen von Stoffen an den Innenwänden verhindert wird.
[0008] Ebenso ist eine zusätzliche mechanische Abreinigungsvorrichtung für einen Sprühtrockner
in der
DE 25 35 961 A1 beschrieben, bei dem zusätzlich zum Trocknungsgas ein Spülgas im unteren kegelförmigen
Abschnitt des Sprühtrockners eingebracht wird, um eine Strömung entlang der Innenwand
des kegelförmigen Abschnittes zu induzieren und dadurch ein Anhaften von Teilchen
zu verhindern.
[0009] In der
DE 38 07 543 A1 wird eine Sprühtrocknung von wässerigen Dispersionen oder pulverförmigen Emulsionspolymerisaten
beschrieben, bei denen zur Verhinderung der Bildung von Polymerisationsablagerungen
im Sprühaggregat selbst zusätzlich Wasser zerstäubt wird. Die Wasserinjektion dient
lediglich dazu, eine Polymerisatablagerung direkt in der Zerstäubereinheit zu vermeiden.
Zudem ist der Verdünnungseffekt durch die Wasserinjektion prinzipiell nachteilig.
[0010] Aus der
WO 97/21477 A1 ist ein Zerstäubungstrockner zur Herstellung von Wasch- und/oder Reinigungsmitteln
bekannt, bei dem zumindest ein Teil der Innenwand des Trocknungsbehälters mit einem
luftdurchlässigen Textil beabstandet zur Behälterwand ausgekleidet und zwischen der
Behälterwand und dem Textil mindestens ein Auslass für Druckluft angeordnet ist, sodass
auf dem Textil anhaftende Teilchen durch rückseitige Beaufschlagung des Textils mit
Druckluft abgereinigt werden.
[0011] Aufgabe der Erfindung ist es, den Stand der Technik zu verbessern.
[0012] Gelöst wird die Aufgabe durch eine Sprühtrocknungsvorrichtung zum Trocknen eines
zu trocknenden Gutes mit einer Zerstäubereinrichtung, wobei die Zerstäubereinrichtung
eine drehbare Zerstäubereinheit zum Zerstäuben des zu trocknenden Gutes in einem Trocknungsraum
der Sprühtrocknungsvorrichtung aufweist, und mit einer Trocknungsgaszufuhr zum Zuführen
eines Trocknungsgases in den Trocknungsraum und zum Trocknen des zerstäubten, zu trocknenden
Gutes zu getrockneten Partikeln, wobei die Zerstäubereinrichtung derart eingerichtet
ist, dass bei einem Aufprall der Partikel auf eine Innenwand des Trocknungsraums die
Partikel so weit getrocknet sind, dass eine Ablagerung der Partikel an der Innenwand
vermieden wird.
[0013] Dadurch, dass die Zerstäubereinrichtung derart eingerichtet ist, dass zum Zeitpunkt
des Aufpralls der Partikel auf die Innenwand des Trocknungsraums die Partikel bereits
so weitgehend getrocknet sind, dass diese nur noch eine geringe Restfeuchtigkeit und/oder
Klebrigkeit aufweisen, wird eine Ablagerung der Partikel an der Innenwand vermieden
oder es treten gegenüber dem Stand der Technik nur sehr geringe Ablagerungen auf.
[0014] Auch wenn Blasräumer in Sprühtrocknungsvorrichtungen seit Jahrzenten verwendet werden,
hat sich überraschend gezeigt, dass die sich beim Verwenden eines Blasräumers dennoch
ablagernden Partikel und die Ablagerungen relativ feucht sind und insbesondere die
Partikel beim Aufprall auf die Innenwand zwar angetrocknet, jedoch nicht ausreichend
schnell durchgetrocknet sind, sodass es aufgrund der verbliebenen Feuchtigkeit in
den Partikeln zu einem Anhaften und/oder Verkleben an der Innenwand des Trocknungsraums
kommt.
[0015] Beim Aufprall der Partikel auf die Innenwand des Trocknungsraums weisen die Partikel
insbesondere eine Feuchtigkeit von < 10,0 %, insbesondere < 1,0 %, bevorzugt < 4,8
% auf. Dagegen wurden in Ablagerungen in einem Sprühtrockner, welcher mit einem rotierenden
Blasräumer arbeitet, eine Feuchtigkeit in den Ablagerungen von > 3 % gefunden.
[0016] Nachteilig beim bekannten Stand der Technik könnte zusätzlich ein, dass dort häufig
zum Abblasen der Ablagerungen nur leicht erhitzte Luft oder Kaltluft verwendet wird,
um neben dem Abblasen der Ablagerungen auch eine thermische Schädigung der heißen
Innenwand durch anklebende Partikel zu vermeiden. Hierbei kann die nur leicht erhitzte
Luft oder Kaltluft wiederum eine lokal erhöhte Feuchtigkeit der Partikel bedingen.
[0017] Zudem bestehen bei der erfindungsgemäßen Sprühtrocknungsvorrichtung keine Sicherheitsbedenken
im Hinblick auf Brand- und Explosionsgefahr, da es zu keiner Ablagerung von Partikeln
an der Trocknungsrauminnenwand oder im Falle von sehr klebrigen Partikeln lediglich
zu geringen Ablagerungen kommt.
[0018] Da sich die Partikel nicht an der Innenwand anhaften und/oder ablagern, tritt folglich
auch keine thermische Schädigung der Partikel aufgrund zu hoher Verweilzeit an der
heißen Innenwand auf, sodass folglich Qualitätseinbußen beim getrockneten Produkt
verhindert werden.
[0019] Somit wird eine Sprühtrocknungsvorrichtung bereitgestellt, welche eine hohe Laufzeit
und eine geringe Brand- und/oder Explosionsgefahr beim Trocknen sowie eine geringe
Wartungs- und/oder Reinigungsintensität aufweist.
[0020] Ein wesentlicher Gedanke der Erfindung beruht darauf, dass die erfindungsgemäße Sprühtrocknung
gerade keinen Blasräumer oder eine andere mechanische Abreinigungsvorrichtung aufweist,
und mittels der Zerstäubereinrichtung direkt eine optimale Trocknung und Bewegung
der Partikel im Trocknungsgas erreicht, sodass diese beim Aufprall auf die Innenwand
des Trocknungsraums bereits eine so niedrige Feuchtigkeit aufweisen, dass ein Anhaften
und/oder Ablagern der Partikel an der Innenwand nicht stattfindet.
Folgendes Begriffliche sei erläutert:
[0021] Eine "Sprühtrocknungsvorrichtung" (auch "Sprühtrockner" oder "Trockenturm" genannt)
ist insbesondere eine Vorrichtung zum Trocknen von Lösungen, Suspensionen oder Emulsionen.
In einer Sprühtrocknungsvorrichtung wird insbesondere mittels einer Zerstäubereinrichtung
das zu trocknende Gut in einen Trocknungsgasstrom eingebracht, welches in sehr kurzer
Zeit, üblicherweise wenige Sekunden bis Bruchteile einer Sekunde, zu feinen Pulverpartikeln
trocknet. Eine Sprühtrocknungsvorrichtung weist insbesondere mindestens eine Zerstäubereinrichtung,
eine Zufuhr für das zu trocknende Gut und für das Trocknungsgas sowie einen Trocknungsraum
auf.
[0022] Bei einem "zu trocknenden Gut" handelt es sich insbesondere um eine Flüssigkeit,
wie eine Lösung, Suspension oder Emulsion, welche zum Trocknen und Ausbilden von trockenen
Partikeln (Einzelpartikel, Agglomerate und/oder Granulate) in einem Trocknungsgas
versprüht und/oder zerstäubt wird.
[0023] Eine "Zerstäubereinrichtung" ist insbesondere eine Einrichtung zum Zerteilen einer
Flüssigkeit, einer Suspension oder Emulsion in feine Tröpfchen und/oder feine feuchte
Partikel in einem Gas. Durch das "Zerstäuben" (auch "Versprühen" genannt) liegt das
zu trocknende Gut insbesondere als Aerosol (Nebel) vor. Durch das Zerstäuben tritt
insbesondere eine starke Vergrößerung der freien reaktiven Oberfläche des zu trocknenden
Gutes auf. Bei einer Zerstäubereinrichtung handelt es sich insbesondere um einen Drehzerstäuber
(auch Rotationszerstäuber genannt), beispielsweise mit einer Drehzerstäuberscheibe
und/oder - becher. Die Zerstäubereinrichtung kann beispielsweise auch eine oder mehrere
rotierende Sprühdüsen sein. Die drehbare Zerstäubereinheit der Zerstäubereinrichtung
dient insbesondere dazu, durch das Zerstäuben eine sehr große reaktive Flüssigkeitsoberfläche
und/oder feuchte Partikeloberfläche zu erzeugen und eine homogene Verteilung der feinen
Tröpfchen und/oder feuchten Partikel innerhalb des Trocknungsraumes zu gewährleisten.
[0024] Der "Trocknungsraum" ist insbesondere der Raum, in welchem das Trocknen des zu trocknenden
Gutes stattfindet. In dem Trocknungsraum findet insbesondere das Zerstäuben des zu
trocknenden Gutes und das Aufeinandertreffen des zerstäubten, zu trocknenden Gutes
und des zugeführten Trocknungsgases statt.
[0025] Eine "Innenwand" ist insbesondere eine Wand im Inneren des Trocknungsraums. Die Innenwand
ist insbesondere die innere Begrenzung der Wand des Trocknungsraums, welche das Innere
des Trocknungsraums von der äußeren Umgebung trennt. Bei der Innenwand kann es sich
aber auch um die innenliegende Wand eines Mantels als innere Verkleidung des Trocknungsraums,
um die Wand eines Kanals, beispielsweise eines Lüftungs- und/oder Heißkanals, und
ähnliches handeln. Die Innenwand kommt insbesondere sowohl mit dem zu trocknenden
und/oder zerstäubten Gut als auch mit dem Trocknungsgas in physikalischen Kontakt.
[0026] Eine "Trocknungsgaszufuhr" ist insbesondere eine Einrichtung zum Zuführen eines Trocknungsgases
in den Trocknungsraum. Bei der Trocknungsgaszufuhr kann es sich beispielsweise um
eine Zuleitung in den Trocknungsraum handeln. Ebenso kann die Trocknungsgaszufuhr
als Gasverteilerboden, beispielsweise an der Unterseite des Trocknungsraums, angeordnet
sein.
[0027] Ein "Trocknungsgas" ist insbesondere ein Gas, welches ein Verdampfen der Flüssigkeit
in dem zu trocknenden Gut bewirkt und somit das feuchte Gut zu feinen Pulverartikeln
trocknet. Bei einem Trocknungsgas handelt es sich insbesondere um Luft und/oder ein
Inertgas, wie beispielsweise Stickstoff. Das Trocknungsgas wird insbesondere als Gasstrom
durch die Sprühtrocknungsvorrichtung geführt, um das zerstäubte, zu trocknende Gut
zu trocknen. Das Trocknungsgas ist insbesondere ein Heißgas. Das Trocknungsgas weist
insbesondere eine Temperatur in einem Bereich von 100 °C und 350 °C, bevorzugt zwischen
150 °C und 250 °C, auf. Das Trocknungsgas wird im Gegenstrom und/oder Gleichstrom
oder an unterschiedlichen Stellen in die Sprühtrocknungsvorrichtung eingebracht.
[0028] Unter einem "Aufprall" wird insbesondere ein Auftreffen eines durch die Zerstäubereinrichtung
beschleunigtes, getrocknetes Partikel auf die Innenwand des Trocknungsraums verstanden.
Bei einem Aufprall handelt es sich insbesondere um das erste Auftreffen eines Partikels
auf die Innenwand.
[0029] In einer weiteren Ausführungsform ist die Sprühtrocknungsvorrichtung frei von einer
mechanischen Abreinigungseinrichtung, insbesondere von einem Blasräumer, zum Entfernen
von abgelagerten Partikeln.
[0030] Somit wird auf eine mechanische Abreinigungseinrichtung, insbesondere auf einen Blasräumer,
bei der erfindungsgemäßen Sprühtrocknungsvorrichtung und dem entsprechenden Verfahren
gerade gezielt verzichtet.
[0031] Bei einer "mechanischen Abreinigungseinrichtung" handelt es sich insbesondere um
eine Einrichtung, welche auf mechanisch Weise abgelagerte Partikel an einer Innenwand
eines Trocknungsraumes entfernt. Bei einer mechanischen Abreinigungseinrichtung kann
es sich insbesondere um einen Blasräumer, wie dieser bereits oben beschrieben wurde,
um einen pneumatischen Klopfer, um einen gasdurchströmten Mantel und/oder um das gezielte
Aufbringen eines Gasstroms auf und/oder entlang der Innenwand, beispielsweise als
abwärts gerichtete Kaltluftschleier, handeln.
[0032] Um eine ausreichende Trocknung des zu trocknenden Gutes und ein frühzeitiges Ausbilden
der getrockneten Partikel vor dem ersten Aufprall auf die Innenwand zu erzielen, weist
die drehbare Zerstäubereinheit eine Drehzahl in einem Bereich von 15.300 U/min bis
19.000 U/min, insbesondere von 16.000 U/min bis 18.000 U/min, bevorzugt von 16.500
U/min bis 17.000 U/min, auf.
[0033] Hierbei liegt die Drehzahl der drehbaren Zerstäubereinheit bei der erfindungsgemäßen
Sprühtrocknungsvorrichtung deutlich höher als die Drehzahl von 12.000 U/min bis 15.000
U/min eines konventionellen Sprühtrockners mit einem Blasräumer nach dem Stand der
Technik.
[0034] Durch die hohe Drehzahl der drehbaren Zerstäubereinheit wird zum einen eine sehr
große reaktive Oberfläche der erzeugten Tröpfchen und/oder des feuchten Gutes erreicht
und zum anderen werden die Tröpfchen und/oder feuchten Partikel optimal in einem Zerstäuberstrom
mit dem Trocknungsgasstrom in Kontakt gebracht, sodass die sich bildenden getrockneten
Partikel vor dem Aufprall auf die Innenwand bereits so weitgehend getrocknet sind,
dass ein Anhaften und/oder Ablagern der Partikel an der Innenwand nicht stattfindet.
Es hat sich überraschender Weise gezeigt, dass getrocknete Partikel zwar schneller
die Seitenwände kontaktieren, diese jedoch dabei jedoch unerwarteter Weise schon "durchgetrocknet"
waren.
[0035] Die "Drehzahl" gibt insbesondere die Anzahl der Umdrehungen der drehbaren Zerstäubereinheit
pro Zeit an. Die Drehzahl wird insbesondere in U/min angegeben.
[0036] In einer weiteren Ausführungsform der Sprühtrocknungsvorrichtung weist die Trocknungsgaszufuhr
einen Trocknungsgasmengenstrom in einem Bereich von 1.800 kg/(m
2∗h) bis 5.000 kg/(m
2∗h), insbesondere von 2.500 kg/(m
2∗h) bis 4.500 kg/(m
2∗h), bevorzugt von 3.000 kg/ (m
2∗h) bis 4.000 kg/(m
2∗h), auf.
[0037] Hierbei liegt der Mengenstrom des Trocknungsgases bei der erfindungsgemäßen Sprühtrocknungsvorrichtung
deutlich höher als der maximale üblicherweise verwendete Mengenstrom von 1.500 kg/(m
2∗h) für einen herkömmlichen Sprühtrockner mit einem Blasräumer nach dem Stand der Technik.
[0038] Der "Trocknungsgasmengenstrom" gibt insbesondere die Menge an Trocknungsgas an, welche
pro Fläche und Zeiteinheit in den Trocknungsraum geführt wird. Hierbei bezieht sich
die Fläche in Quadratmeter insbesondere auf die maximale Querschnittsfläche des Trocknungsraums.
[0039] Bevorzugt weist der Trocknungsraum der Sprühtrocknungsvorrichtung hierbei ein Volumen
auf, welches um 30 % größer als das Volumen eines üblichen Sprühtrockners mit Blasräumer
ist. Insbesondere weist der erfindungsgemäße Trocknungsraum ein Volumen von 1,5 bis
1000 m
3 auf, während bei einem üblichen Sprühtrockner mit Blasräumer nach dem Stand der Technik
ein Volumen von 1,2 bis 900 m
3 verwendet wird. Um in einem kontinuierlichen Prozess oder einem batchweisen Prozess
zu trocknen, weist die Sprühtrocknungsvorrichtung einen kontinuierlichen oder diskontinuierlichen
Produktabzug auf.
[0040] Bei einem "Produktabzug" handelt es sich insbesondere um einen gezielten Austrag
des getrockneten Produktes und/oder Pulvers aus dem Trocknungsraum der Sprühtrocknungsvorrichtung.
Nach dem Produktaustrag wird das anfallende pulverförmige Trocknungsgut üblicherweise
durch einen Zyklonabscheider vom Trocknungsgasstrom getrennt.
[0041] In einem zusätzlichen Aspekt der Erfindung wird die Aufgabe gelöst durch ein Verfahren
zum Sprühtrocknen eine zu trocknenden Gutes, insbesondere Caramilk®, wobei eine zuvor
beschrieben Sprühtrocknungsvorrichtung verwendet wird, mit folgenden Schritten:
- Zuführen des Trocknungsgases in den Trocknungsraum der Sprühtrocknungsvorrichtung,
- Zerstäuben des zu trocknenden Gutes mittels der drehbaren Zerstäubereinheit, und
- Trocknen des zerstäubten, zu trocknenden Gutes zu getrockneten Partikeln,
wobei die Partikel derart getrocknet werden, dass eine Ablagerung der Partikel auf
einer Innenwand der Sprühtrocknungsvorrichtung vermieden wird.
[0042] Somit wird ein Verfahren bereitgestellt, bei dem alleine durch Zuführen des Trocknungsgases
und Zerstäuben des zu trocknenden Gutes im Trocknungsraum die getrockneten Partikel
derart konditioniert werden, dass diese eine so geringe Restfeuchte beim Auftreffen
auf die Innenwand des Trocknungsraums aufweisen, dass ein Anhaften und/oder Ablagern
der getrockneten Partikel an der Innenwand weitgehend vermieden wird.
[0043] Hierbei ist es insbesondere vorteilhaft, dass das erfindungsgemäße Verfahren frei
von einem Verwenden einer mechanischen Abreinigungseinrichtung, insbesondere eines
Blasräumers, zum Entfernen von abgelagerten Partikeln durchgeführt wird.
[0044] In einer weiteren Ausgestaltung des Verfahrens wird oder werden eine Drehzahl der
drehbaren Zerstäubereinheit in einem Bereich von 15.300 U/min bis 19.000 U/min, insbesondere
von 16.000 U/min bis 18.000 U/min, bevorzugt von 16.500 U/min bis 17.000 U/min, und/oder
ein Trocknungsgasmengenstrom in einem Bereich 1.800 kg/(m
2∗h) bis 5.000 kg/(m
2∗h), insbesondere von 2.500 kg/(m
2∗h) bis 4.500 kg/(m
2∗h), bevorzugt von 3.000 kg/(m
2∗h) bis 4.000 kg/(m
2∗h), verwendet.
[0045] Dadurch wird oder werden beim erfindungsgemäßen Verfahren ein optimales Zerstäuben
des zu trocknenden Gutes und/oder ein optimales Zuführen des Trocknungsgases in den
Trocknungsraum durchgeführt. Folglich werden der Zerstäuberstrom des zerstäubten,
zu trocknenden Gutes und der Trocknungsgasstrom optimal zueinander in Kontakt gebracht,
sodass ein schnelles Trocknen des feuchten Gutes erfolgt, bevor dieses auf die Innenwand
des Trocknungsraums auftreffen kann.
[0046] In einer weiteren Ausführungsform des Verfahrens erfolgt das Zuführen des Trocknungsgases
im Gegenstrom und/oder Gleichstrom zum Zerstäuben.
[0047] Unter "Gegenstrom" wird insbesondere verstanden, dass der Stoffstrom des zerstäubten,
zu trocknenden Gutes und der Stoffstrom des Trocknungsgases in entgegengesetzte Richtung
aufeinander geführt werden und/oder treffen. Unter "Gleichstrom" wird insbesondere
verstanden, dass das Zerstäuben und das Zuführen des Trocknungsgases aus der gleichen
Richtung in den Trocknungsraum erfolgen.
[0048] Um das erfindungsgemäße Verfahren optimal zu nutzen, wird als zu trocknendes Gut
ein zuckerhaltiges Milchprodukt verwendet.
[0049] Somit wird auch ein zuckerhaltiges und/oder karamellisiertes Milchprodukt optimal
zu einem homogenen feinpulvrigen getrockneten Produkt überführt.
[0050] Es ist besonders vorteilhaft, dass die erfindungsgemäße Sprühtrocknungsvorrichtung
und das erfindungsgemäße Verfahren für das Trocknen von thermoplastischen Stoffen
und/oder klebrigen zu trocknenden Gütern geeignet ist und verwendet wird.
[0051] Ein "Milchprodukt" ist insbesondere ein Lebensmittel oder ein Lebensmittelvorprodukt,
dessen Zutaten überwiegend aus Milch oder Milchbestandteilen, wie Milcheiweiß, Milchfett
und/oder Milchzucker, bestehen. Ein "zuckerhaltiges Milchprodukt" ist insbesondere
neben dem bereits enthaltenen Milchzucker zusätzlich mit Milchzucker oder einer anderen
Zuckerart, wie raffinierter Zucker, Saccharoselösung, Invertflüssigkzucker, Glukosesirup,
Traubenzucker und/oder Fruktose oder künstliche Süßstoffe, angereichert.
[0052] In einem weiteren Aspekt der Erfindung wird die Aufgabe gelöst durch ein getrocknetes
Produkt, insbesondere Milchkaramellpulver (Caramilk®), hergestellt nach einem zuvor
beschriebenen Verfahren.
[0053] Dadurch wird ein getrocknetes Produkt, insbesondere ein zuckerhaltiges und/oder karamellisiertes
Milchpulver, bereitgestellt, welches keinen bitteren Geschmack aufgrund von thermischen
Schädigungen des Pulvers aufgrund von Ablagerungen während des Trocknens aufweist.
[0054] Zur Herstellung von Milchkaramellpulver wird insbesondere Milch auf bekannte, traditionelle
Weise karamellisiert und anschließend nach dem erfindungsgemäßen Verfahren und/oder
in der erfindungsgemäßen Sprühtrocknungsvorrichtung getrocknet. Da hierbei keine Hilfseinrichtung
zum Entfernen von Ablagerungen auf der Innenwand des Trocknungsraums, wie beispielsweise
Blasräumer, eingesetzt werden, und keine oder nur sehr geringere Partikelablagerungen
während des Trocknens erfolgen, tritt eine thermische Schädigung beim Trocknen zu
dem Milchkaramellpulver und insbesondere ein bitterer Geschmack des Milchkaramellpulvers
nicht auf.
[0055] "Milchkaramellpulver" ist beispielsweise unter dem Handelsnamen Caramilk® bekannt
und wird unter anderem in Süßwaren, Schokolade, Milchprodukten, Eis und/oder Cerealien
eingesetzt.
[0056] Im Weiteren wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigt die einzige
- Figur 1
- eine stark schematische Schnittdarstellung eines Sprühturms mit einem Drehzerstäuber
und einem Trocknungsraum.
[0057] Ein Sprühturm 101 weist einen Trocknungsraum 103 und einen Drehzerstäuber 107 auf.
Eine Karamellmilchzufuhrleitung 113 führt in den Drehzerstäuber 107. Der Drehzerstäuber
107 weist eine Drehzerstäuberscheibe 109 mit einer Drehrichtung 111 auf, welche innerhalb
des Trocknungsraums 103 angeordnet ist.
[0058] An einer dem Drehzerstäuber 107 gegenüberliegenden Seite ist eine Heißluftzufuhr
117 am Sprühturm 101 angeordnet, mittels welcher ein Heißluftstrom 119 in den Trocknungsraum
103 gleitet wird.
[0059] Des Weiteren weist der Trocknungsraum 103 eine Innenwand 105 und einen Milchkaramellpulver-
und Luftabzug 121 auf.
[0060] Folgende Arbeitsgänge werden mit dem Sprühturm 101 und dem Drehzerstäuber 107 realisiert:
[0061] Eine vorkaramellisierte Milch wird über die Karamellmilchzuführleitung 113 kontinuierlich
dem Drehzerstäuber 107 zugeführt und über die Drehzerstäuberscheibe 109 in feinste
Tröpfchen innerhalb des Trocknungsraums 103 zerstäubt. Dabei dreht die Drehzerstäuberscheibe
109 mit einer Drehzahl von 16.800 U/min in Drehrichtung 111. Zeitgleich wird im Gegenstrom
kontinuierlich über die Heißluftzufuhr 117 Heißluft mit einer Temperatur von 180 °C
als Heißluftstrom 119 mit einer Heißluftmenge von 3.500 kg/(m
2∗h) in den Trocknungsraum 103 eingebracht, wodurch die in feinste Tröpfchen zerstäubte
Karamellmilch getrocknet wird und sich innerhalb von einer Sekunde Milchkaramellpulver
bildet. Das Milchkaramellpulver wird dabei auf eine Temperatur von 50 °C erwärmt.
[0062] Hierbei ist der Zerstäuberstrom 115 der feinsten Tröpfchen derart ausgebildet, dass
die Tröpfchen vollständig in Karamellpulverpartikel überführt werden, bevor diese
zu einem ersten Mal auf die Innenwand 105 des Trocknungsraums 103 auftreffen. Das
getrocknete Milchkaramellpulver wird kontinuierlich über den Milchkaramellpulver-
und Luftabzug 121 aus dem Trocknungsraum 103 herausgeführt und mittels eines nicht
gezeigten Zyklons wird das Milchkaramellpulver vom Luftstrom getrennt.
[0063] Da die Milchkaramellpulverpartikel beim Auftreffen auf der Innenwand 105 bereits
so weit getrocknet sind, dass diese ihre vorgegebene Restfeuchte von 3,8 % erreicht
haben, tritt kein Anhaften und/oder keine Ablagerung der Milchkaramellpulverpartikel
an der Innenwand 105 auf.
Bezugszeichenliste
[0064]
- 101
- Sprühturm
- 103
- Trocknungsraum
- 105
- Innenwand
- 107
- Drehzerstäuber
- 109
- Drehzerstäuberscheibe
- 111
- Drehrichtung
- 113
- Karamellmilchzufuhrleitung
- 115
- Zerstäuberstrom
- 117
- Heißluftzufuhr
- 119
- Heißluftstrom
- 121
- Milchkaramellpulver- und Luftabzug
1. Sprühtrocknungsvorrichtung (101) zum Trocknen eines zu trocknenden Gutes mit einer
Zerstäubereinrichtung (107), wobei die Zerstäubereinrichtung eine drehbare Zerstäubereinheit
(109) zum Zerstäuben des zu trocknenden Gutes in einem Trocknungsraum (103) der Sprühtrocknungsvorrichtung
aufweist, und mit einer Trocknungsgaszufuhr (117) zum Zuführen eines Trocknungsgases
in den Trocknungsraum und zum Trocknen des zerstäubten, zu trocknenden Gutes zu getrockneten
Partikeln, dadurch gekennzeichnet, dass die Zerstäubereinrichtung derart eingerichtet ist, dass bei einem Aufprall der Partikel
auf eine Innenwand (105) des Trocknungsraums die Partikel soweit getrocknet sind,
dass eine Ablagerung der Partikel an der Innenwand vermieden wird.
2. Sprühtrocknungsvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Sprühtrocknungsvorrichtung frei von einer mechanischen Abreinigungseinrichtung,
insbesondere von einem Blasräumer, zum Entfernen von abgelagerten Partikeln ist.
3. Sprühtrocknungsvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die drehbare Zerstäubereinheit eine Drehzahl in einem Bereich von 15.300 U/min bis
19.000 U/min, insbesondere von 16.000 U/min bis 18.000 U/min, bevorzugt von 16.500
U/min bis 17.000 U/min, aufweist.
4. Sprühtrocknungsvorrichtung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Trocknungsgaszufuhr einen Trocknungsgasmengenstrom in einem Bereich von 1.800
kg/(m2∗h) bis 5.000 kg/(m2∗h), insbesondere von 2.500 kg/(m2∗h) bis 4.500 kg/(m2∗h), bevorzugt von 3.000 kg/(m2∗h) bis 4.000 kg/(m2∗h), aufweist.
5. Sprühtrocknungsvorrichtung nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Sprühtrocknungsvorrichtung einen kontinuierlichen oder diskontinuierlichen Produktabzug
(121) aufweist.
6. Verfahren zum Sprühtrocknen eines zu trocknenden Gutes, wobei eine Sprühtrocknungsvorrichtung
(101) nach einem der Ansprüche 1 bis 5 verwendet wird, mit folgenden Schritten:
- Zuführen des Trocknungsgases in den Trocknungsraum (103) der Sprühtrocknungsvorrichtung,
- Zerstäuben des zu trocknenden Gutes mittels der drehbaren Zerstäubereinheit (109),
und
- Trocknen des zerstäubten, zu trocknenden Gutes zu getrockneten Partikeln,
wobei die Partikel derart getrocknet werden, dass eine Ablagerung der Partikel auf
einer Innenwand (105) der Sprühtrocknungsvorrichtung vermieden wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass eine Drehzahl der drehbaren Zerstäubereinheit in einem Bereich von 15.300 U/min bis
19.000 U/min, insbesondere von 16.000 U/min bis 18.000 U/min, bevorzugt von 16.500
U/min bis 17.000 U/min, und/oder ein Trocknungsgasmengenstrom in einem Bereich von
1.800 kg/(m2∗h) bis 5.000 kg/(m2∗h), insbesondere von 2.500 kg/(m2∗h) bis 4.500 kg/(m2∗h), bevorzugt von 3.000 kg/(m2∗h) bis 4.000 kg/(m2∗h), verwendet wird oder werden.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Zuführen des Trocknungsgases im Gegenstrom und/oder Gleichstrom zum Zerstäuben
erfolgt.
9. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als zu trocknendes Gut ein zuckerhaltiges Milchprodukt verwendet wird.
10. Getrocknetes Produkt, insbesondere Milchkaramellpulver, hergestellt nach einem Verfahren
nach einem der Ansprüche 6 bis 9.