[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Einstellung einer Nachbarfahrstrasse
für ein Schienenfahrzeug gemäss dem Patentanspruch 1.
[0002] Bewegungen von Schienenfahrzeugen laufen in modernen Eisenbahninfrastrukturen im
Wege der Einstellung von Fahrstrassen ab, die einen Anfangsort und einen Zielort aufweisen.
Bei der Einstellung einer Fahrstrasse werden die zwischen dem Anfangsort und dem Zielort
gelegenen Gleiskomponenten von einer übergeordneten Steuerungsinstanz, wie zB einem
Stellwerk, einer Streckenlogik, einem Leitsystem, für diesen Fahrweg beansprucht und
entsprechend verschlossen. Verschlossen heisst: Die Benutzung für die Erstellung einer
anderen Fahrstrasse ist gesperrt. Gleiskomponenten sind dezentral angeordnete anlagentechnische
Komponenten und typischerweise Fahrzeug beeinflussende und/oder Fahrzeug überwachende
Einheiten. Diese Einheiten werden bezüglich der Funktionalität überwacht und nehmen
Prozessdaten auf und melden diese zurück an eine zentrale Steuerungs- und/oder Überwachungszentrale,
wie zum Beispiel eine Leitstelle oder ein Stellwerk. Als zugbeeinflussende Einheiten,
die also Anweisungen an den Fahrzeugführer geben oder sogar direkt Eingriffe in der
Fahrzeugsteuerung vornehmen oder direkt einen sicheren Fahrweg einstellen, können
beispielsweise Signale, Weichen, Balisen, Linienleiter, Gleismagnete und dergleichen
sowie auch Sensoren zum Erfassen von Prozessgrössen des fahrenden Zuges, wie Leistungsaufnahme,
Geschwindigkeit und dergleichen, betrachtet werden. Als Zug- und Gleisabschnitt überwachende
Einheiten können ebenfalls Balisen und Linienleiter, aber auch Achszähler und Gleisstromkreise
und andere Gleisfreimeldesysteme genannt werden.
[0003] Für die Einstellung von Fahrstrassen sind in vielen Fahrordnungen der nationalen
Eisenbahnunternehmen Sicherheitsstufen mit einem Level von bis zu SIL4 vorgesehen.
Der sogenannte Safety Integrity Level SIL ist ein Verfahren zur Ermittlung des potentiellen
Risikos von Personen, Systemen, Geräten und Prozessen im Falle einer Fehlfunktion.
Die Basis für die Spezifikationen, den Entwurf und Betrieb von sicherheitstechnischen
Systemen bildet der Standard der Internationalen elektrotechnischen Kommission IEC
61508 [2]. Dieser Standard IEC 61508 definiert 4 Stufen: SIL1, ..., SIL4, die hier
im Einzelnen nicht erläutert zu werden brauchen.
[0004] Die vorgenannte Einstellung von konkurrierenden Fahrstrassen benachbarter Züge 30,
32 auf einen Kreuzungsort 10 hin oder über einen Kreuzungsort 10 hinweg ist besonders
beim Vorliegen von kurzen Durchrutschwegen 8 sehr anspruchsvoll. Dies ist schematisch
in der FIG 1 gezeigt. Zum Schutz solcher Kreuzungsorte 10 mit kurzen Durchrutschwegen
8 existiert in der Schweiz das Konstrukt des «Besonderen Verschlusses», das nachfolgend
beschrieben wird. Kurze Durchrutschwege 8 liegen regelmässig in Bahnhöfen 4 vor, wo
meist erst kurz vor den Bahnsteigen gelegene Weichen 10 wenigstens zwei Bahnhofgleise
24 und 26 erschliessen. Dabei kann eine Fahrstrasse 18 für einen ausfahrbereiten Zug
32 beim Vorliegen eines auf denselben Kreuzungsort 10 zufahrenden Zuges 30 mit Haltebefehl
am Signal 14a im Bahnhof 4 erst dann eingestellt werden, wenn eine vorgegebene Zeitspanne
nach der Erfassung dieses Zuges 30 auf dem dem Bahnsteig/Perron zugeordneten Gleisabschnitt
24 abgelaufen ist. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der einfahrende Zug 30
vor dem Kreuzungsort 10 tatsächlich am Bahnsteig angehalten hat und nicht - trotz
allfälliger Zwangsbremsung bei irrtümlichem Überfahren des auf «rot» gestellten Signals
14a - auf den Kreuzungsort 10 oder über diesen hinaus durchgerutscht ist. Auf diese
Weise wird sicher vermieden, dass der ausfahrende Zug 32 mit dem einfahrenden Zug
30 auf dem Kreuzungsort 10 kollidiert.
[0005] Leider hat dieser «Besondere Verschluss» den Nachteil, dass mit der Einstellung der
Fahrstrasse 18 für den ausfahrenden Zug immer erst der Ablauf der vorgegebenen Zeitspanne
abgewartet werden muss. Gerade in Spitzenzeiten auf stark befahrenen S-Bahn-Magistralen,
wie zB München-Pasing bis München-Ost oder Zürich-Altstetten bis Zürich-Stadelhofen,
wird die Einhaltung eines engen Fahrplans oft durch das langwierige Aus- und Einsteigen
der Fahrgäste strapaziert, weshalb ein Zug, der abfahrbereit ist, dann auch eigentlich
schnellstmöglich unter Einhaltung des Sicherheitslevels SIL4 abgefertigt werden sollte.
[0006] Um dieses Problem zu lösen wird in der europäischen Patentanmeldung
EP 3 335 961 A1 [1] anstelle der vorgenannten Mindestzeitspanne folgendes Verfahren vorgeschlagen:
[0007] Zulassen einer zweiten Zugfahrt auf einer zweiten auf den Kreuzungsort zulaufenden
Fahrstrasse mit einer Fahrtfreigabe über den Kreuzungsort hinaus, wenn die Geschwindigkeit
der ersten Zugfahrt mindestens unter einen vorgebbaren Grenzwert gesunken ist und/oder
wenn der Verlauf der Geschwindigkeit der ersten Zugfahrt einen negativen Gradienten
aufweist, wobei die Geschwindigkeit und/oder der Verlaufs der Geschwindigkeit der
ersten Zugfahrt mit mindestens zwei räumlich separierten gleisseitig angeordneten
Geschwindigkeitsradarsensoren gemessen wird.
[0008] Diese Lösung mit den Geschwindigkeitsradarsensoren hat den Nachteil, dass sie bei
einem Bahnhof, dessen Perrons/Geleise in einer Kurve angeordnet sind, nicht eingesetzt
werden kann, da eine bestimmte «Radarsichtweite» geradeaus erforderlich ist. Bei dem
vorerwähnten Streckenabschnitt Zürich Altstetten bis Zürich Stadelhofen sind die Geleisanlagen
der Bahnhöfe Altstetten, Hardbrücke und Hauptbahnhof insoweit gerade, als das in
EP 3 335 961 A1 vorgeschlagene Verfahren einwandfrei einsetzbar ist. Der Bahnhof Stadelhofen weist
jedoch einen deutlichen Bogen von Geleise/Perron auf. Die obgenannte Problemstellung
ist auch bei Privatbahnen anzutreffen und meist in akzentuierter Art: In der Schweiz
weisen sehr viele Privatbahnen eine Spurweite von 1m anstelle der 1465mm auf. Dementsprechend
sind die Kurvenradien deutlich kleiner als jene bei der Normalspur von 1465m. Als
Beispiel sehr hier die Haltestelle Lustmühle der Appenzeller Bahnen AB erwähnt.
[0009] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Freigabe
einer Einstellung einer Nachbar-Zugfahrstrasse für ein Schienenfahrzeug anzugeben,
das auch für in einem Bogen angeordnete Gleise/Perron einsetzbar ist.
[0010] Diese Aufgabe wird durch die im unabhängigen Patentanspruch 1 angegebenen Maßnahmen
gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in weiteren Ansprüchen angegeben.
[0011] Das erfindungsgemässe Verfahren umfasst folgende Verfahrensschritte:
- a) Einstellen einer ersten auf den Kreuzungsort zulaufenden Fahrstrasse mit einem
Haltebefehl vor dem Kreuzungsort;
- b) Einstellen einer Nachbarzugfahrstrasse, wobei die Nachbarzugfahrstrasse eine zweite
über den Kreuzungsort hinaus zulaufende Fahrstrasse ist, wenn die Geschwindigkeit
eines ersten auf der ersten Fahrstrasse fahrenden Zuges mindestens unter einen vorgebbaren
Grenzwert gesunken ist und/oder wenn der Verlauf der Geschwindigkeit des ersten Zuges
einen negativen Gradienten aufweist;
- c) Aussenden einer elektromagnetischen Welle von einer Antenne des ersten Zuges auf
ein längs im Gleis angebrachtes Loopkabel;
- d) Empfangen der ausgesendeten elektromagnetischen Wellen im Loopkabel als hinlaufendes
Trägersignal und als rücklaufendes Trägersignal;
- e) Bestimmen der Signalphase aus hinlaufendem Trägersignal und aus rücklaufendem Trägersignal;
- f) Bestimmen der Geschwindigkeit und/oder des Verlaufs der Geschwindigkeit des ersten
Zuges aus der Signalphase.
[0012] So können sich die folgenden Vorteile zusätzlich ergeben:
- i) Das für den Empfang des ausgesendeten Trägersignals vorgesehene Loopkabel braucht
dann nicht für die Durchführung des Verfahrens installiert zu werden, wenn der betreffende
Streckenabschnitt bereits mit einem Euroloop-Koaxialkabel gemäß den ETCS-Spezifikationen
ausgerüstet ist. Somit entfallen teure Installationsarbeiten im Gleisbereich. Lediglich
die Anschlusstechnik an das Loopkabel und eine Detektionseinheit für die Auswertung
der empfangenen Wellen müssen geleistet werden, um die Erfindung zu implementieren.
- ii) Wenn die vorerwähnte Detektionseinheit zweikanalig ausgeführt ist, lässt sich
ein SIL4 Sicherheitslevel erreichen.
- iii) Das erfindungsgemässe Verfahren kann unabhängig vom ETCS-Level der betreffenden
Bahnhofanlage implementiert werden.
[0013] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung beispielsweise näher erläutert.
Dabei zeigen:
Figur 1 Schematische Darstellung einer Bahnhofsanlage mit zwei Geleisen;
Figur 2 Blockschema für eine im Gleisbereich angeordnete Kabelanordnung und einer
zugehörigen Detektionseinheit;
Figur 3 Blockschema für eine im Gleisbereich angeordnete Kabelanordnung und einer
zugehörigen Detektionseinheit beim vorhanden Sein einer Euro-Loop Applikation;
Figur 4a Vereinfachte Darstellung zweier empfangener Trägersignale S1 und S2 über
zwei Wellenlängen;
Figur 4b Darstellung des Produktes S3 zweier empfangener Trägersignale S1 und S2.
[0014] Wie bereits eingeführt zeigt FIG 1 eine Bahnhofsanlage 4 mit zwei Bahnhofsgeleisen
24 und 26 und der Problemstellung mit dem Durchrutschweg 8 vor dem Kreuzungsort 10.
Anstelle des Begriffs Kreuzungsort 10 werden in äquivalenter Weise auch die Begriffe
Kreuzungspunkt 10 oder Gefahrenpunkt 10 verwendet. Wichtig an der FIG 1 ist für die
weiteren Erläuterungen eine Unterscheidung der Begrifflichkeit zwischen:
- Bahnhofgeleise 24, 26,
- Streckengeleise 12,
- Fahrstrassen 18, 20 und
- Zügen 30 und 32.
[0015] Die Problemstellung braucht an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholt zu werden,
dazu wird auf die vorstehende Beschreibungseinleitung verwiesen. Die Perrons sind
in FIG 1 absichtlich nicht dargestellt, da das vorliegende Verfahren unabhängig von
der Perron Anordnung implementiert werden kann, also unabhängig davon, ob ein Mittelperron
oder zwei Aussenperrons vorgesehen sind.
[0016] Die vorliegende Erfindung kann in zwei verschiedenen Ausführungsformen realisiert
werden:
- 1. Ausführungsform mit einem für die Geschwindigkeitsmessung besonders verlegten Loop-Koaxialkabel.
Die Einzelheiten dazu sind der FIG 2 zu entnehmen.
- 2. Ausführungsform mit einer Nutzung eines bereits vorhandenen Euro-Loop-Koaxialkabels
für die Geschwindigkeitsmessung. Die Einzelheiten dazu sind der FIG 3 zu entnehmen.
[0017] FIG 2 zeigt einen Abschnitt eines Geleises 24 mit Angabe der Fahrrichtung d des Zuges
30 gemäss der FIG 1. Der Zug 30 selber ist nicht dargestellt, lediglich eine am Kopf
des Zuges 30 angebrachte Fahrzeugantenne 34. Unter «Kopf des Zuges» ist entweder ein
Triebfahrzeug oder ein Steuerwagen zu verstehen. Längs einer Schiene 28 ist ein Loop-Koaxialkabel
36, 38 verlegt, kurz als Loopkabel 36, 38 bezeichnet. Das Loopkabel ist aussen an
der Schiene 28 als geschlossenes Koaxialkabel 36 und innen an der Schiene als Schlitzleiterkoaxialkabel
38 ausgeführt. Anstelle von Schlitzleiterkoaxialkabel 38 spricht man auch von Leckkoaxialkabel
38 oder kurz von Leckkabel 38. Die Länge des für diese Anwendung zu verlegenden Loopkabels
richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten des betreffenden Bahnhofs 4, insbesondere
sind die maximale Geschwindigkeit v
max eines Zuges aufgrund der betrieblichen Bedingungen und die Lage von weiteren Sicherungsmassnahmen
wie auch zB der ETCS-Level des betreffenden Streckenabschnittes zu berücksichtigen.
Die Fahrzeugantenne 34 des Zuges 30 sendet auf einer bestimmten Frequenz - aus regulatorischen
Gründen vorzugsweise auf 27.095 MHz - ein Trägersignal aus, das vom Leckkoaxialkabel
38 - als Antenne - empfangen wird. Im Loopkabel 36, 38 breitet sich dadurch eine Welle
in beide Richtungen aus: Diese Richtungen sind in FIG 2 mit w
f als hinlaufende Welle bzw. hinlaufendes Trägersignal S2 und mit w
r als rücklaufende Welle bzw. rücklaufendes Trägersignal S1 bezeichnet. Hinlaufend
deshalb, weil dies der gleichen Richtung d wie jene des betreffenden fahrenden Zuges
(=Zug 30 gemäss der FIG 1) entspricht.
[0018] Die Auswertung dieser Trägersignale erfolgt in einer Detektionseinheit 40. Dazu wird
der Loop mit einem Abschluss 44 beschaltet, der zusätzlich einen Bandpass aufweist.
Der Bandpass unterdrückt die Nutzsignalfrequenz des Zugsicherungssystems (zB Euroloop
im Frequenzbereich von 10 bis 18 MHz) so dass nur die 27.095 MHz Trägerfrequenz ohne
Bedämpfung den Signalmultiplizierern 41.1 / 41.2 weitergeben wird.
[0019] Die beiden Trägersignale S1 und S2 werden je einem Multiplizierer 41.1 und 41.2 zugeführt.
Durch die Bewegung des Zuges 30 sind die beiden Trägersignale verschoben, genau: Das
Trägersignal S1 ist gegenüber dem Trägersignal S2 je nach Fahrrichtung des Zuges 30
vorauseilend oder nacheilend. Die Signalamplituden spielen eine untergeordnete Rolle.
Für Applikationen über 1km Länge des Loopkabels kann ein AGC (automatic gain control)
Baustein vor den Multiplikator geschaltet werden. Die Lage der Trägersignale S1 und
S2 ist in FIG 4b dargestellt, mit S3 ist das Produkt S1 • S2 der beiden Trägersignale
S1 und S2 bezeichnet. Dieses Produkt hat eine Wellenlänge n • λ.
[0020] Das Produkt S3 = S1 • S2 aus den Multiplizier 41.1 und 41.2 wird noch je einem Tiefpass
42.1 und 42.2 von 20Hz zugeführt, um ungewollte höherfrequente Mischprodukte auszufiltern.
Anschliessend wird das so gefilterte Produkt S3' einem Frequenzermittler 43.1 und
43.2 zugeführt. Diese Frequenzermittlung kann durch einen analogen Frequenzzähler
oder mit einem Signal-Pulszähler auch in Digitaltechnik umgesetzt werden. Der Zähler
zählt analoge Signal-Pulse im Intervall von zB 1s und gibt diese danach einer Verarbeitungseinheit
weiter. Diese Verarbeitungseinheit ist in den Figuren nicht dargestellt. Die Verarbeitungseinheit
wertet die Anzahl Pulse aus (Vergleicher mit > und <) und steuert Ausgangskontakte
an. Aus der Anzahl Pulse ergibt sich die Geschwindigkeit des betreffenden Zuges 30.
Die Detektionseinheit 40 ist zweikanalig ausgeführt, um einen SIL4 - Level zu erreichen.
[0021] FIG 3 zeigt eine Ausführungsform mit einer Nutzung eines bereits vorhandenen Euro-Loop-Koaxialkabels.
Am Gleisbereich selber sind keine Unterschiede festzustellen, da es ein besonderer
Vorteil dieser Ausführungsform ist, eine bestehende technische Infrastruktur auch
noch für eine andere Funktion nutzen zu können. Teilweise unterschiedlich ist die
Auswertung der empfangenen Signale S1 und S2. Das Loopkabel 36, 38 wird für das sogenannte
Euro-Loop-Sicherungssystem verwendet; Einzelheiten dazu siehe zB
https://de.wikipedia.org/wiki/Euroloop.
[0022] Das Euroloop-Subsystem dient der Übertragung eines Signalbegriffs an ein Schienenfahrzeug
über einen längeren oder ganzen Bereich des Vorsignalabstands. Es erweitert damit
im ETCS Level 1 das punktförmige Eurobalise-System. Es ist auf europäischer Ebene
durch die ERA standardisiert. Zentrales Element ist die «Euroloop» genannte Leckleitung
am Fuß der Schiene. Die Datenübertragung gelingt über die gesamte Länge des Loops,
die bis 1000 m lang sein darf und am Ende mit einem Abschluss 44 terminiert ist. Gespeist
wird sie von einem Loop-Modem 45. Das Modem sendet im Frequenzbereich von 9 MHz bis
18 MHz und nutzt Direct Sequence Spread Spectrum zur Frequenzspreizung und für das
CDMA-Multiplexing. Für diese zweite Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist
ebenfalls eine Detektionseinheit 40' vorgesehen, die sich von jener gemäss der FIG
2 teilweise unterscheidet. Diese Detektionseinheit 40' enthält gleich wie bei der
Ausführungsform gemäss der FIG 2 einen Abschluss 44 mit einem Bandpass. Da hier eine
Doppelnutzung des Loopkabels 36, 38 vorliegt - nämlich die Trägersignale S1 und S2
und das für das System Euro-loop vorgesehenen Steuersignal - wird das rücklaufende
Trägersignal S1 einem Richtkoppler 46 zugeführt. Die Frequenz des vorerwähnten Steuersignals
ist üblicherweise 13.5 MHz. Der Richtkoppler 46 zweigt das Trägersignal S1 ab in Richtung
zum Multiplizierer 41.2. Die weitere Auswertung des Produktes S3 = S1 • S2 erfolgt
ebenfalls gleich wie vorstehend zu FIG 2 beschrieben. Da wesentliche Sicherungsfunktionen
für den Zug 30 vom System Euro-Loop und den weiteren Komponenten des Systems ETCS
bereits wahrgenommen werden, ist bei dieser Ausführungsform der Level SIL4 nicht erforderlich
und somit ist die Detektionseinheit 40 nicht zweikanalig ausgeführt.
[0023] FIG 4a zeigt in einer vereinfachten Darstellung die beiden empfangenen Trägersignale
S1 und S2. Die dargestellte Wellenlänge λ hat folgende numerische Ausprägung: Aus
der bevorzugten Frequenz von f
E = 27.095MHz ergibt sich die Wellenlänge λ von

zu numerisch λ = 11.07m.
[0024] Aufgrund der Fahrgeschwindigkeit erfahren das hinlaufende Trägersignal S2 und das
rücklaufende Trägersignal S1 eine Laufzeitverzögerung. Dies ist in FIG 4a mit Δt bezeichnet.
Das Diagramm gemäss der FIG 4a ist sowohl in einer Zeitdarstellung t wie auch in einer
Längendarstellung mit der Wellenlänge λ zu lesen. Demzufolge entspricht die Signalphase
ϕ der Laufzeitverzögerung Δt.
[0025] FIG 4b zeigt das Produkt S3 = S1 • S2. Ausgehend von der FIG 4a ist die Wellenlänge
des Produktes S3 ein Vielfaches n der Wellenlänge der empfangenen Trägersignale S1,
S2 (deren geringfügige Ungleichheit wird hier nicht betrachtet).
[0026] Der Zusammenhang zwischen der resultierenden Frequenz am Ausgang der Detektionseinheit
40 und der Geschwindigkeit des Zuges kann durch die Wellenlänge λ der Trägersignalfrequenz
von 27.095MHz und der Ausbreitungsgeschwindigkeit im Kabelsystem 36, 38 errechnet
werden. Bei einer Ausbreitungsgeschwindigkeit im Kabelsystem von V
ph = 85% der Lichtgeschwindigkeit c resultiert eine Wellenlänge bei 27.095 MHz von 9.4m.
Durch die Geschwindigkeit der Antenne 34 (=Sender 34) variiert die Wellenlänge w
f und w
r proportional dazu. Bewegt sich die Antenne 34 in Richtung zur Detektionseinheit 40,
so erhöht sich die Frequenz relativ zur Wellenlänge w
f im die Wellenlängenanteile pro Zeiteinheit. Umgekehrt verkleinert sich die Frequenz
relativ zur Wellenlänge w
r im diese Wellenlängenanteile pro Zeiteinheit da, der Signalpfad länger wird. Folgende
Formel kann dazu angewendet werden:

[0027] Als Beispiel resultiert bei einer Zugsgeschwindigkeit von 20m/s eine Ausgangsfrequenz
von 2 • 20m/s / ((300000000m/s • 0.85 / 270950000s
-1) = 4,25 Hz. Bei einer Zugsgeschwindigkeit von 4.7m/s resultiert somit 1Hz oder 360
Grad Phasenlaufzeit am Ausgang der Detektionseinheit 40. Umgerechnet auf 1 Grad Phasenlage
pro Sekunde bewegt sich der Zug mit 0.0131m/s.
[0028] Die Auswertung des Gradienten (Gradient = Differentialoperator) der Geschwindigkeit
v des ersten Zuges 30 kann vorzugsweise in einem übergeordneten Sicherungssystem erfolgen.
Dabei wird - wie oben angegeben - die festgestellte Geschwindigkeit des Zuges 30 in
einem Takt von 1s an das übergeordnete Sicherungssystem übermittelt. Ergibt sich ein
negativer Gradient, so bedeutet dies, dass die Geschwindigkeit des Zuges abnimmt.
Liste der Bezugszeichen, Glossar
[0029]
- 4
- Bahnhof
- 8
- Durchrutschweg
- 10
- Kreuzungsort, Weiche
- 12
- Streckengeleis
- 14a, 14b
- Signale eines ersten Bahnhofgeleises
- 16a
- Signal zu einem zweiten Bahnhofgeleise
- 18
- über einen Kreuzungspunkt hinaus zulaufende Fahrstrasse
- 20
- auf einen Kreuzungspunkt zulaufende Fahrstrasse
- 24
- Erstes Bahnhofgeleise, erster Bahnhofgeleiseabschnitt
- 26
- Zweites Bahnhofgeleise, zweiter Bahnhofgeleiseabschnitt
- 28
- Schiene
- 30
- Einfahrender Zug
- 32
- Abfahrtsbereiter Zug
- 34
- Fahrzeugantenne
- 36
- Koaxialkabel
- 38
- Leckkabel, koaxiales Schlitzleiterkabel, Leckkoaxialkabel
- 40
- Detektionseinheit
- 41.1, 41.2
- Signalmultiplizierer
- 42.1, 42.2
- Tiefpass
- 43.1, 43.2
- Frequenzermittlung
- 44
- Abschluss Loop mit Bandpass
- 45
- Loop-Modem
- 46
- Richtkoppler
- d
- Fahrrichtung eines Zuges
- fE
- Frequenz der Fahrzeug-Sendeantenne
- ϕ
- Signalphase
- Δt
- Laufzeitverzögerung
- n
- Vielfaches der Wellenlänge des empfangenen Trägersignals
- λ
- Wellenlänge des Trägersignals
- wf, S2
- hinlaufende Welle, hinlaufendes Trägersignal, f=forward
- wr, S1
- rücklaufende Welle, rücklaufendes Trägersignal, r=return
- S3
- Produkt aus den Trägersignalen S1 und S2.
- S3'
- Durch Tiefpass gefiltertes Produkt S3
Liste der zitierten Dokumente
[0030]
- [1] EP 3 335 961 A1
VERFAHREN ZUR FREIGABE DER EINSTELLUNG EINER NACHBARZUGFAHRSTRASSE FÜR EIN SCHIENENFAHRZEUG
Siemens Mobility AG, Hammerweg 1,
CH - 8304 Wallisellen;
Siemens Mobility GmbH, Otto-Hahn-Ring 6,
DE - 81739 München.
- [2] IEC 61508 Functional Safety
International Electrotechnical Commission
https://www.iec.ch/
1. Verfahren zur Einstellung einer Nachbarzugfahrstrasse (18) für einen Zug (32), bei
welchem Verfahren ein Kreuzungsort (10) zur Vermeidung von einer Zugkollision sicherheitstechnisch
geschützt ist, umfassend die folgenden Verfahrensschritte:
a) Einstellen einer ersten auf den Kreuzungsort (10) zulaufenden Fahrstrasse (20)
mit einem Haltebefehl vor dem Kreuzungsort (10);
b) Einstellen einer Nachbarzugfahrstrasse (18), wobei die Nachbarzugfahrstrasse (18)
eine zweite über den Kreuzungsort (10) hinaus zulaufende Fahrstrasse ist, wenn die
Geschwindigkeit eines ersten auf der ersten Fahrstrasse (20) fahrenden Zuges (30)
mindestens unter einen vorgebbaren Grenzwert gesunken ist und/oder wenn der Verlauf
der Geschwindigkeit des ersten Zuges (30) einen negativen Gradienten aufweist;
gekennzeichnet durch die weiteren Verfahrensschritte
c) Aussenden einer elektromagnetischen Welle von einer Antenne (34) des Zuges (30)
auf ein längs im Gleis angebrachtes Loopkabel (36, 38);
d) Empfangen der ausgesendeten elektromagnetischen Wellen im Loopkabel (36, 38) als
hinlaufendes Trägersignal (wf, S2) und als rücklaufendes Trägersignal (wr, S2);
e) Bestimmen einer Signalphase (ϕ) aus dem hinlaufendem Trägersignal (S2) und aus
dem rücklaufendem Trägersignal (S1);
f) Bestimmen der Geschwindigkeit (v) und/oder des Verlaufs der Geschwindigkeit des
ersten Zuges (30) aus der Signalphase (ϕ).
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
im Verfahrensschritt e) die Bestimmung der Signalphase (ϕ) durch eine Multiplikation
(41.1, 41.2; S3) der beiden Trägersignale (S1, S2) erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das angebrachte Loopkabel (36, 38) ein im Sinne der Spezifikation ETCS fungierendes
Euroloopkabel ist.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Detektionseinheit (40) vorgesehen ist, die einen Richtkoppler (46) aufweist um
ein empfangenes Trägersignal (S1) von einem für das System Euroloop vorgesehenen Steuersignal
zu separieren.
5. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Verfahrensschritte d), e) und f) in einer Detektionseinheit (40) ausgeführt werden,
wobei alle Komponenten zu deren Ausführung zweikanalig ausgebildet sind.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
das die im Verfahrensschritt f) bestimmte Geschwindigkeit (v) des ersten Zuges (30)
an ein übergeordnetes Sicherungssystem übermittelt wird, und im übergeordneten Sicherungssystem
der Verlauf der Geschwindigkeit bestimmt wird um eine Einstellung der Nachbarzugfahrstrasse
festzulegen.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Verfahrensschritt c) bei einer Frequenz von 27.095MHz ausgeführt wird.