[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung und/oder Veredelung
einer Glasvliesstoffbahn, wobei das Verfahren den folgenden Schritt umfasst: thermisches
Trocknen der Glasvliesstoffbahn mittels Infrarotstrahlung aus einem Infrarotstrahlungstrockner.
Ferner betrifft die vorliegende Erfindung auch eine entsprechende Vorrichtung zum
Durchführen des Verfahrens.
[0002] Bei der Veredelung von Glasvliesen wird häufig ein Strich auf selbige aufgetragen,
analog wie dies beim Streichen von Papier bekannt ist. In der Regel erfolgt die anschließende
Trocknung des Strichs mittels konventioneller Lufttrockner, die nach dem Prallströmprinzip
funktionieren. Da Glasvliese jedoch, anders als Papier, eine hohe Porosität aufweisen,
kann die Blasluft nur mit geringer Strömungsgeschwindigkeit auf die bestrichene Glasvliesoberfläche
geblasen werden, um ein "Verblasen" des Strichs zu vermeiden. Als Folge hieraus ergeben
sich geringe Wärmeübergangskoeffizienten und ein geringer Energieeintrag. Für den
Strich bedeutet dies eine langsamere Immobilisierung.
[0003] Analoges gilt auch für die Herstellung von Glasvliesen. Der bei der Herstellung aufgebrachte
Binder kann ebenfalls durch zu hohe Luftgeschwindigkeiten "verblasen" werden, was
zu einer Begrenzung des spezifischen Energieeintrags und damit zu einer langsamen
Immobilisierung bzw. einer späteren Verfestigung des Glasvlieses führt.
[0004] In der
DE 10 2016 120 933 A1 der Anmelderin wurde bereits vorgeschlagen, die Trocknung des Binders oder Strichs
bei Glasvliesen mittels Infrarotstrahlung aus einem Infrarotstrahlungstrockner zumindest
teilweise durchzuführen. Hierdurch wird die Gefahr des "Verblasens" reduziert und
eine Immobilisierung des Strichs bzw. Verfestigung des Glasvlieses kann schneller
erfolgen.
[0005] Nachteilig bei diesem bekannten Verfahren ist jedoch, dass die Immobilisierung des
Strichs bzw. Verfestigung des Glasvlieses nach wie vor eine gewisse Zeit benötigt,
was sich negativ auf die Produktionsmenge pro Zeit auswirkt.
[0006] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, den zuvor genannten Nachteil aus dem Stand
der Technik zumindest zu reduzieren.
[0007] Gelöst wird diese Aufgabe durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche. Die abhängigen
Ansprüche haben vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung zum Gegenstand.
[0008] So wird erfindungsgemäß ein Verfahren zur Herstellung und/oder Veredelung einer Glasvliesstoffbahn
gelehrt, welches den folgenden Schritt umfasst: thermisches Trocknen der Glasvliesstoffbahn
mittels Infrarotstrahlung aus einem Infrarotstrahlungstrockner, und welches sich besonders
dadurch auszeichnet, dass die dem Infrarotstrahlungstrockner zugewandte Oberfläche
der Glasvliesstoffbahn durch den Infrarotstrahlungstrockner mit einer spezifischen
Leistungsdichte von wenigstens 153 kW/m
2 beaufschlagt wird, und dass die Glasvliesstoffbahn nach der Bestrahlung durch den
Infrarotstrahlungstrockner eine Temperatur an ihrer dem Infrarotstrahlungstrockner
zugewandten Oberfläche von wenigstens 40°C und höchstens 105°C aufweist.
[0009] Die Erfinder haben herausgefunden, dass Glasvliesstoffe die Beaufschlagung mit einer
derart hohen spezifischen Leistungsdichte, die wenigstens 153 kW/m
2 beträgt, wider Erwartet unbeschadet überstehen, sofern dafür Sorge getragen wird,
dass die Temperatur an der Oberfläche in einem moderaten Rahmen von 40°C bis 105°C
bleibt. Die hohe spezifische Leistungsdichte erlaubt es, hohe Prozessgeschwindigkeiten
zu fahren. Die Temperatur an der dem Infrarottrockner zugewandten Oberfläche des Infrarotstrahlungstrockners
hängt maßgeblich ab von der Erstreckungslänge des Infrarotstrahlungstrockners in Prozessrichtung
und von der Geschwindigkeit, mit der die Glasvliesstoffbahn relativ zu dem Infrarotstrahlungstrockner
an diesem vorbeigeführt wird. Beide Faktoren haben einen Einfluss auf die Zeitdauer,
mit welcher ein Flächenabschnitt der Glasvliesstoffbahn der Infrarotstrahlung des
Infrarotstrahlungstrockners ausgesetzt ist.
[0010] Soll die Glasvliesstoffbahn durch das Aufbringen eines Strichs veredelt werden, so
wird dieser vorzugsweise unmittelbar vor dem Trocknen der Glasvliesstoffbahn mittels
Infrarotstrahlung aus dem Infrarotstrahlungstrockner auf die dem Infrarotstrahlungstrockner
zugewandten Oberfläche der Glasvliesstoffbahn aufgebracht. "Unmittelbar" bedeutet
in diesem Zusammenhang, dass keine anderen Maschinenaggregate zwischen dem Auftragswerk
und dem Infrarotstrahlungstrockner vorgesehen sein sollen. Somit kann die Wegstrecke
zwischen Auftragswerk und Infrarotstrahlungstrockner klein gehalten werden und kann
die mit dem Strich beschichtete Glasvliesstoffbahn im freien Zug, also kontaktfrei,
durch den Infrarotstrahlungstrockner geführt werden. Dies ist für die Qualität des
Strichauftrags von Vorteil, welcher vor seinem Durchtrocknen vor Kontakt geschützt
werden muss. Als Auftragswerk für den Strich eignet sich besonders gut ein Vorhangauftragswerk.
[0011] Nach dem Trocknen der Glasvliesstoffbahn mittels Infrarotstrahlung aus dem Infrarotstrahlungstrockner
kann die Glasvliesstoffbahn ferner durch Heißluft in einem Heißlufttrockner getrocknet
werden. Dies kann wirtschaftlich vorteilhaft sein, da Infrarotstrahlungstrockner gegenüber
Heißlufttrocknern in der Regel höhere Betriebskosten aufweisen. Durch den Infrarotstrahlungstrockner
lässt sich jedoch eine schnelle Immobilisierung des Strichs oder des Bindemittels
auf der Glasvliesstoffbahn erzielen, so dass zum anschließenden Durchtrocknen dann
der Heißlufttrockner, welcher in der Regel nach dem Prallströmprinzip arbeitet, verwendet
werden kann, ohne das ein "Verblasen" des aufgetragenen Strichs oder Bindermittels
befürchten zu müssen.
[0012] Besonders wirtschaftlich lassen sich diese beiden Trocknertypen zusammen betreiben,
wenn der Infrarotstrahlungstrockner und der in Laufrichtung der Glasvliesstoffbahn
nachgeschaltete Heißlufttrockner als Kombinationstrocknereinheit ausgebildet sind.
Es können auch mehrere solcher Kombinationstrocknereinheiten hintereinander angeordnet
sein. Dabei wird vorzugsweise heiße Luft aus dem Infrarotstrahlungstrockner abgesaugt
und zumindest teilweise dem Heißlufttrockner zugeführt. Dies macht den Prozess besonders
Energieeffizient.
[0013] Es ist vorteilhaft, wenn zwischen dem Heißlufttrockner und dem Infrarotstrahlungstrockner
ein Abstand von weniger als 50cm, vorzugsweise von weniger als 30cm, vorhanden ist.
Auf diese Weise kann sichergesellt werden, dass die Temperatur der von dem Infrarotstrahlungstrockner
bestrahlten Oberfläche der Glasvliesstoffbahn nicht nennenswert absinkt, ehe die Glasvliesstoffbahn
in den Heißlufttrockner geführt wird.
[0014] Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Herstellung
und/oder Veredelung einer Glasvliesstoffbahn, wobei die Vorrichtung einen Infrarotstrahlungstrockner
zum thermischen Trocknen der Glasvliesstoffbahn mittels Infrarotstrahlung umfasst,
und sich dadurch besonders auszeichnet, dass der Infrarotstrahlungstrockner ausgelegt
ist, die dem Infrarotstrahlungstrockner zugewandten Oberfläche der Glasvliesstoffbahn
mit einer spezifischen Leistungsdichte von wenigstens 153 kW/m
2 zu beaufschlagen, wobei die Vorrichtung so ausgelegt ist, dass die Glasvliesstoffbahn
nach der Bestrahlung durch den Infrarotstrahlungstrockner eine Temperatur an ihrer
dem Infrarotstrahlungstrockner zugewandten Oberfläche von wenigstens 40°C und höchstens
105°C aufweist. Vorzugsweise ist die Vorrichtung ausgelegt, das zuvor beschriebene,
erfindungsgemäße Verfahren durchzuführen.
[0015] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von schematischen und nicht maßstabsgetreuen
Zeichnungen weiter erläutert. Es zeigen:
Figur 1 eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung, und
Figur 2 eine zweite Ausführungsform einer erfindungsgenmäßen Vorrichtung.
[0016] Figur 1 zeigt eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung. Dabei
wird eine mit einem Bindemittel oder einem Strich beschichtete Glasvliesstoffbahn
G durch einen Trockner 10 geführt (von links nach rechts in Figur 1). Das Bindemittel
oder der Strich können unmittelbar vor dem Trocknen der Glasvliesstoffbahn G auf eine
Oberfläche selbiger aufgebracht worden sein, beispielsweise durch ein hier nicht dargestelltes
Vorhangauftragswerk.
[0017] Der Trockner 10 umfasst einen in Prozessrichtung betrachtet stromaufwärts angeordneten
Infrarotstrahlungstrockner 20 und einen stromabwärts angeordneten Heißlufttrockner
30. Der Abstand A zwischen dem Infrarotstrahlungstrockner 20 und dem Heißlufttrockner
30 beträgt hier weniger als 30cm. Der Infrarotstrahlungstrockner 20 kann seinerseits
mehrere Module umfassen, von denen jedes Modul wiederum mehrere Reihen an einzelnen
Infrarotstrahlern aufweisen kann. In dem hier dargestellten Ausführungsbeispiel umfass
der Infrarotstrahlungstrockner zwei Module 21, 22, welche jeweils zwei Reihen von
Infrarotstrahlern aufweisen. Zudem weist jedes der beidem Module 21, 22 auch noch
eine Frischluftzufuhr und eine Gebrauchtluftabfuhr auf, wobei die Luftströme in Figur
1 mit Pfeilen gekennzeichnet sind. Der Trockner erstreckt sich dabei über die gesamte
Breite (orthogonal zur Bildebene in Figur 1) der zur trocknenden Glasvliesstoffbahn
(G).
[0018] Erfindungsgemäß wird die dem Infrarotstrahlungstrockner zugewandten Oberfläche der
Glasvliesstoffbahn G durch den Infrarotstrahlungstrockner 20 mit einer spezifischen
Leistungsdichte von wenigstens 153 kW/m
2 beaufschlagt. Gleichzeitig wird durch geeignete Wahl der Baulänge des Infrarotstrahlungstrockners
20 und der Geschwindigkeit, mit welcher die Glasvliesstoffbahn G durch den Trockner
10 geführt wird, sichergestellt, dass die Glasvliesstoffbahn nach der Bestrahlung
durch den Infrarotstrahlungstrockner 20 eine Temperatur an ihrer dem Infrarotstrahlungstrockner
20 zugewandten Oberfläche von wenigstens 40°C und höchstens 105°C aufweist. Zur Überwachung
der Oberflächentemperatur kann in dem Trockner 10 ein Temperatursensor T installiert
sein, der geeignet ist, kontaktlos, beispielsweise mittels Laser-Technologie, die
Temperatur auf der Oberfläche der Glasvliesstoffbahn am Ende des Infrarotstrahlungstrockners
20 zu bestimmen.
[0019] Der Heißlufttrockner 30 ist ausgebildet, heiße Luft, die er aus einer hier nicht
dargestellten Quelle bezieht, auf die zu trocknende Oberfläche der Glasvliesstoffbahn
G zu blasen. Dabei erfolgt die Trocknung primär durch das Prallströmprinzip.
[0020] Das in Figur 2 dargestellte zweite Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Vorrichtung
unterscheidet sich nur geringfügig von dem in Figur 1 dargestellten ersten Ausführungsbeispiel.
Daher wird im Folgenden nur auf die Unterschiede eingegangen und im Übrigen auf die
obige Beschreibung verwiesen. Der Hauptunterschied liegt darin, dass der Trockner
im zweiten Ausführungsbeispiel als Kombinationstrocknereinheit 12 ausgebildet ist.
Dabei wird warme Luft aus der Gebrauchtluftabfuhr der beiden Module 21, 22 des Infrarotstrahlungstrockners
20 zumindest teilweise dem Heißlufttrockner 30 zugeführt. Dies bedeutet nicht, dass
der Heißlufttrockner 30 mit keiner weiteren Quelle für heiße Luft mehr verbunden ist,
jedoch hilft die Führung von heißer Luft von dem Infrarotstrahlungstrockner 20 zu
dem Heißlufttrockner 30, den Energiebedarf insgesamt zu senken. Der Infrarotstrahlungstrockner
20 und der Heißlufttrockner 30 der Kombinationstrocknereinheit 12 können zudem eine
gemeinsame Einhausung aufweisen.
Bezugszeichenliste:
[0021]
- 10
- Trockner
- 12
- Kombinationstrocknereinheit
- 20
- Infrarotstrahlungstrockner
- 21
- Modul
- 22
- Modul
- 30
- Heißlufttrockner
- G
- Glasvliesstoffbahn
- T
- Temperatursensor
1. Verfahren zur Herstellung und/oder Veredelung einer Glasvliesstoffbahn (G), wobei
das Verfahren den folgenden Schritt umfasst: thermisches Trocknen der Glasvliesstoffbahn
(G) mittels Infrarotstrahlung aus einem Infrarotstrahlungstrockner (20),
dadurch gekennzeichnet, dass die dem Infrarotstrahlungstrockner (20) zugewandte Oberfläche der Glasvliesstoffbahn
(G) durch den Infrarotstrahlungstrockner (20) mit einer spezifischen Leistungsdichte
von wenigstens 153 kW/m2 beaufschlagt wird, und dass die Glasvliesstoffbahn (G) nach der Bestrahlung durch
den Infrarotstrahlungstrockner (20) eine Temperatur an ihrer dem Infrarotstrahlungstrockner
(20) zugewandten Oberfläche von wenigstens 40°C und höchstens 105°C aufweist.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass unmittelbar vor dem Trocknen der Glasvliesstoffbahn (G) mittels Infrarotstrahlung
aus dem Infrarotstrahlungstrockner (20) ein Strich auf die dem Infrarotstrahlungstrockner
(20) zugewandten Oberfläche der Glasvliesstoffbahn (G) aufgebracht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Trocknen der Glasvliesstoffbahn (G) mittels Infrarotstrahlung aus dem Infrarotstrahlungstrockner
(20) die Glasvliesstoffbahn (G) ferner durch Heißluft in einem Heißlufttrockner (30)
getrocknet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass der Infrarotstrahlungstrockner (20) und der in Laufrichtung der Glasvliesstoffbahn
(G) nachgeschaltete Heißlufttrockner (30) als Kombinationstrocknereinheit (12) ausgebildet
sind.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Kombinationstrocknereinheiten (12) in Laufrichtung der Glasvliesstoffbahn
(G) hintereinander angeordnet sind.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 3-5,
dadurch gekennzeichnet, dass heiße Luft aus dem Infrarotstrahlungstrockner (20) abgesaugt und zumindest teilweise
dem Heißlufttrockner (30) zugeführt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 3-6,
dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Heißlufttrockner (30) und dem Infrarotstrahlungstrockner (20) ein Abstand
(A) von weniger als 50cm, vorzugsweise von weniger als 30cm, vorhanden ist.
8. Vorrichtung zur Herstellung und/oder Veredelung einer Glasvliesstoffbahn (G), wobei
die Vorrichtung einen Infrarotstrahlungstrockner (20) zum thermischen Trocknen der
Glasvliesstoffbahn (G) mittels Infrarotstrahlung umfasst,
dadurch gekennzeichnet, dass der Infrarotstrahlungstrockner (20) ausgelegt ist, die dem Infrarotstrahlungstrockner
(20) zugewandten Oberfläche der Glasvliesstoffbahn (G) mit einer spezifischen Leistungsdichte
von wenigstens 153 kW/m2 zu beaufschlagen, und wobei die Vorrichtung so ausgelegt ist, dass die Glasvliesstoffbahn
(G) nach der Bestrahlung durch den Infrarotstrahlungstrockner (20) eine Temperatur
an ihrer dem Infrarotstrahlungstrockner (20) zugewandten Oberfläche von wenigstens
40°C und höchstens 105°C aufweist.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass die Vorrichtung ausgelegt ist, das Verfahren nach einem der Ansprüche 1-7 auszuführen.