[0001] Die Erfindung betrifft eine Gießvorrichtung zur Herstellung eines Bauteils aus einer
Schmelze, mit einem Gießkolben, mit einem Gießkanal, mit einem Formhohlraum, wobei
die Schmelze über den Gießkanal dem Formhohlraum zuführbar ist, wobei der Gießkolben
in dem Gießkanal axial bewegbar ist, wobei der Gießkolben von einer ersten Position
in eine zweite Position verfahrbar ist, wobei beim Verbringen des Gießkolbens von
der ersten Position in die zweite Position die Schmelze in den Formhohlraum eingebracht
wird und wobei das Volumen, das der Gießkolben beim Verbringen von der ersten Position
in die zweite Position innerhalb des Gießkanals verdrängt, dem Volumen des Formhohlraums
entspricht, der Formhohlraum in der zweiten Position des Gießkolbens vollständig mit
Schmelze gefüllt ist.
[0002] Daneben betrifft die Erfindung ein Verfahren zum Herstellen eines Bauteils aus einer
Schmelze mit einer Gießvorrichtung, mit einem Gießkanal, mit einem Gießkolben und
mit einem Formhohlraum zum Formen des Bauteils, wobei der Gießkolben in dem Gießkanal
axial von einer ersten Position in eine zweite Position bewegt wird, wobei durch die
Bewegung des Gießkolbens ein Volumen verdrängt wird, das dem Volumen des Formhohlraums
entspricht, wobei durch die Verdrängung des Volumens Schmelze aus dem Gießkanal in
den Formhohlraum gefördert wird.
[0003] Bei Gießvorrichtungen, beispielsweise bei Metallgießvorrichtungen, wird flüssiges
Metall in Form einer Schmelze in einen Formhohlraum eingebracht. In dem Formhohlraum
kann das Metall erstarren und nimmt als fertiges Bauteil die vorgegebene Form des
Formhohlraums an. Bei Druckgussverfahren wird die flüssige Schmelze mittels eines
Gießkolbens unter hohem Druck und mit einer hohen Formfüllgeschwindigkeit in den Formhohlraum
einer Druckgussform eingebracht.
[0004] Die
DE 10 2012 010 923 A1 zeigt beispielsweise eine Fördervorrichtung für eine Metallschmelze in einem Spritzdruckaggregat.
Die Fördervorrichtung weist einen Vorratsbehälter für die Metallschmelze und einen
Förderkanal auf. Durch den Förderkanal wird die Metallschmelze einem Formhohlraum
zugeführt. Der Förderkanal beinhaltet einen Kolben, der axial in dem Förderkanal bewegbar
ist. In dem Förderkanal ist außerdem eine Zulaufkanal ausgebildet, der mit einer Vorratsbehälter
verbunden ist, aus der flüssige Schmelze in den Förderkanal geführt werden kann.
[0005] Die
DE 10 2014 018 795 A1 offenbart ebenfalls eine Fördervorrichtung für eine Metallschmelze in einem Spritzdruckaggregat.
Die Metallschmelze wird mittels eines Kolbens über einen Förderkanal in einen Formhohlraum
gedrückt. Der Kolben ist in einer zylindrischen Bohrung angeordnet. In der zylindrischen
Bohrung ist ein auswechselbares Passstück angeordnet. Das Passstück, das über die
Zeit einer hohen thermischen Belastung ausgesetzt ist, kann somit einfach getauscht
werden.
[0006] Aufgrund dieser Belastung und den relativ hohen Drücken sind Prozessschwankungen
während des Gießens nicht unüblich. Gerade bei Warmkammerdruckgießverfahren gibt es
Prozessschwankungen, die in der Regel durch gezielte Überläufe im Bereich des Formhohlraums
ausgeglichen werden sollen. Dies führt aber dazu, dass entsprechende Abfallanbteile
entstehen und Nacharbeiten am Artikel notwendig werden.
[0007] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Gießvorrichtung
und ein Verfahren zum Herstellen eines Bauteils aus einer Schmelze anzugeben, die
effizienter mit minimalem Zeitaufwand betrieben werden können.
[0008] Diese Aufgabe ist bei der vorgenannten Gießvorrichtung, nämlich mit den Merkmalsinhalten
des Patentanspruchs 1 dadurch gelöst, dass der Gießkolben von der zweiten Position
in eine dritte Position verfahrbar ist, dass das Volumen, das der Gießkolben beim
Verbringen von der ersten Position in die zweite Position und von der zweiten Position
in die dritte Position innerhalb des Gießkanals verdrängt, größer ist, als das Volumen
des Formhohlraums und dass im Bereich des Gießkanals eine Auslasseinrichtung vorgesehen
ist, durch die Schmelze aus dem Formhohlraum austreten kann, wenn sich der Gießkolben
in der dritten Position befindet.
[0009] Wenn die Gießvorrichtung mit Schmelze gefüllt ist, dann wird durch das Verbringen
des Gießkolbens, von der ersten Position in die zweite Position, die Schmelze in den
Formhohlraum befördert. Das von dem Gießkolben verdrängte Volumen entspricht genau
der Füllmenge des Formhohlraums. Wird der Gießkolben weiter bewegt, das heißt von
der zweiten Position in die dritte Position, überfährt er den Wegpunkt, an dem das
verdrängte Volumen des Gießkolbens im Gießkanal dem Volumen des Formhohlraums entspricht.
Dadurch steigt der Druck des Systems an, da der Gießkolben gegen ein inkompressibles
Medium fährt. Um diesen Druck auszugleichen, ist erfindungsgemäß im Bereich des Gießkanals
eine Auslasseinrichtung vorgesehen. Aufgrund der Kontinuität wird die Schmelze folglich
aus der Auslasseinrichtung heraus befördert, wodurch auch der Druck auf einem geringeren
Niveau gehalten werden kann.
[0010] Der Teil der Schmelze, der aus der Auslasseinrichtung heraustritt entspricht dem
Volumen, das der Gießkolben beim Verbringen von der zweiten Position in die dritte
Position im Gießkanal verdrängt. Somit besteht ein Vorteil der Erfindung darin, dass
an dem fertigen Bauteil keine Nacharbeiten ausgeführt werden müssen, da die gewünschte
geometrische Form des Bauteils in nur einem Verfahrensschritt erreicht werden kann.
Somit ist eine abfalllose Herstellung möglich. Darüber hinaus kann der Druck des Systems
gering gehalten werden, da der aufgebaute Druck des Gießkolbens, der die Schmelze
in den Formhohlraum presst, durch die Auslasseinrichtung abgebaut werden kann. Die
Auslasseinrichtung stellt den schwächsten Dichtbereich der Gießvorrichtung dar.
[0011] Der Gießkanal kann direkt in den Formhohlraum münden. Es kann aber auch vorgesehen
sein, dass der Gießkanal und der Formhohlräum über eine oder mehrere Zuführleitungen
miteinander verbunden sind. Die Schmelze wird dann über den Gießkanal in die Zuführleitung
befördert und von dort in den Formhohlraum.
[0012] Bei einer ersten Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Gießvorrichtung ist vorgesehen,
dass die Auslasseinrichtung durch Leckagespalte zwischen dem Gießkolben und dem Gießkanal
gebildet ist. Auf diese Weise ist keine Weitere Bohrung oder ähnliches innerhalb des
Gießkolbens notwendig. Normalerweise unerwünschte Leckagespalte zwischen dem Gießkolben
und dem Gießkanal können so gezielt ausgelegt werden, sodass ein bestimmter Rückfluss
der Schmelze, vorbei an dem Gießkolben und zurück in den Gießkanal möglich ist.
[0013] Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass die Auslasseinrichtung durch
ein Überdruckventil im Gießkanal gebildet ist. Das Überdruckventil kann zwischen dem
Gießkolben und dem Formhohlraum angeordnet werden. Auf diese Weise strömt die Schmelze
durch den Strömungskanal des Überdruckventils, ohne an dem Gießkolben vorbei zu strömen,
wenn kein oder nur ein geringer Leckagespalt zwischen dem Gießkolben und dem Gießkanal
vorgesehen ist.
[0014] Um die Schmelze im flüssigen Zustand in den Formhohlraum zu fördern ist bei einer
weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Gießvorrichtung vorgesehen, dass der
Gießkanal beheizbar ist. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die Schmelze nicht
bereits anfängt zu erstarren, wenn sie durch den Gießkanal in den Formhohlraum befördert
wird.
[0015] Um eine große Flexibilität der zu gießenden Bauteile zu realisieren, ist bei einer
weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Gießvorrichtung im Formhohlraum ein umgießbares
Einlegeteil vorgesehen. Gerade Leichtmetall-Gussbauteile profitieren durch das Einlegeteil,
welches durch Umgießen in das Bauteil integriert wird. Auf diese Weise können lokale
Werkstoffverbesserungen erreicht werden wie beispielsweise eine bessere Verschleißbeständigkeit,
eine höhere mechanische Festigkeit sowie eine thermische Beständigkeit.
[0016] Die erfindungsgemäße Gießvorrichtung kann auch automatisiert betrieben werden. Dafür
ist bei einer weiteren Ausgestaltung ein Antrieb, vorzugsweise ein elektrischer Antrieb,
zum Verfahren des Gießkolbens vorgesehen ist. Durch die geringe Viskosität der Schmelze
kann der Prozess in jedem Zyklus so eingestellt werden, dass mehr Volumen dosiert
wird, als für die vollständige Füllung des Formhohlraums notwendig ist. Dieses Mehrvolumen
baut sich dann wiederum nach der vollständigen Formüllung vergleichsweise druckarm
über die Auslasseinrichtung ab. Der Antrieb kann auch hydraulisch, mechanisch oder
mittels einer anderen gängigen Methode betrieben werden. Bei entsprechender Systemauslegung
kann wie beschrieben durch die gezielte Nutzung der Auslasseinrichtung und durch die
Auslegung des Antriebs eine sinnvolle Limitierung der Systemdrücke vorgenommen werden,
um z.B. Einlegeteile und Systemkomponenten vor hohen Belastungen zu schützen.
[0017] Um die Prozessführung der Gießvorrichtung weiter zu vereinfachen, ist bei einer weiteren
Ausgestaltung der Erfindung ein beheizbarer Vorratsbehälter vorgesehen, der mit dem
Gießkanal verbunden ist, sodass Schmelze aus dem Vorratsbehälter in den Gießkanal
gefördert werden kann. In dem Vorratsbehälter wird das Material vollständig aufgeschmolzen.
Die Schmelze kann direkt oder über eine entsprechende Füllleitung in den Gießkanal
einströmen. Dazu kann in dem Gießkanal eine Bohrung vorgesehen sein.
[0018] Denkbar ist auch, dass an dem Übergang vom Vorratsbehälter zum Gießkanal ein Rückschlagventil
vorgesehen ist. Das Rückschlagventil bleibt in der Sperrstellung, wenn der Gießkolben
von der ersten Position in die zweite Position bzw. dritte Position bewegt wird. In
der Zeit wird der Formhohlraum mit Schmelze gefüllt. Beim Verbringen des Gießkolbens
von der dritten Position bzw. zweiten Position in die erste Position öffnet das Sperrventil,
sodass Schmelze aus dem Vorratsbehälter in den Gießkanal gelangen kann. In den Vorratsbehälter
können weitere Zuführungen münden. Beispielsweise ist es denkbar, dass für den Fall,
dass die Auslasseinrichtung durch ein Überdruckventil gebildet ist, eine Ablaufleitung
zurück in den Vorratsbehälter vorgesehen ist. Die Ablaufleitung kann ebenfalls beheizt
sein, sodass die verflüssigte Schmelze problemlos in den Vorratsbehälter gepumpt werden
und der nächste Gießvorgang ohne Wartezeiten fortgesetzt werden kann.
[0019] Gemäß einer zweiten Lehre bezieht sich die Erfindung auf ein Verfahren zum Betreiben
einer Gießvorrichtung zum Herstellen eines Bauteils aus einer Schmelze, bei dem die
zuvor hergeleitete Aufgabe gelöst ist. Das erfindungsgemäße Verfahren ist zunächst
und im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass dass der Gießkolben von der zweiten
Position in eine dritte Position verfahren wird, dass das Volumen, das von dem Gießkolben
beim Verbringen von der ersten Position in die zweite Position und von der zweiten
Position in die dritte Position innerhalb des Gießkanals verdrängt wird, größer ist,
als das Volumen des Formhohlraums und dass das Volumen der Schmelze, welches beim
Verbringen von der zweiten Position in die dritte Position verdrängt wird, durch eine,
im Bereich des Gießkanals vorgesehene Auslasseinrichtung, aus dem Formhohlraum befördert
wird.
[0020] Das Verfahren kann mit einer vorbeschriebenen Gießvorrichtung durchgeführt werden.
Die Ausführungen zu der erfindungsgemäßen Gießvorrichtung gelten entsprechend auch
für das erfindungsgemäße Verfahren. Sämtliche in Bezug auf die Gießvorrichtung gemachten
Ausführen sind ebenfalls für das erfindungsgemäße Verfahren gültig und umgekehrt.
[0021] In einer bevorzugten Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird überschüssige
Schmelze über die Auslasseinrichtung vorbei an dem Gießkolben in den Gießkanal zurückgeführt.
Durch diesen Verfahrensschritt ergibt sich der Vorteil, dass keine Schmelze im System
verlorengeht, sondern die überschüssige Schmelze direkt wieder in den Gießkanal zurückgeführt
wird und für den nächsten Gießvorgang weiter verwendet werden kann. Dadurch, dass
die Schmelze an dem Gießkolben vorbei in den Gießkanal fließt, ergibt sich der Vorteil
einer sehr einfachen Handhabung.
[0022] In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der Gießkanal
beheizt. Die Beheizung des Gießkanals kann vor dem eigentlichen Gießvorgang erfolgen,
während des Gießvorgangs erfolgen und auch noch nach dem Gießvorgang anhalten. Auch
eine Beheizung vor und während oder vor und während und nach oder während und nach
dem Gießvorgang ist möglich. Durch das Beheizen wird erreicht, dass die Schmelze nicht
in dem Gießkanal erstarrt, sodass sich keine Rückstände an den Gießkanalwänden absetzen.
[0023] In einer weiteren Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens wird ein umgießbares
Einlegeteil in den Formhohraum eingebracht. Dieses Einlegeteil wird dann während des
Gießvorgangs umgossen.
[0024] Im Einzelnen gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die erfindungsgemäße Gießvorrichtung
sowie das erfindungsgemäße Verfahren auszugestalten und weiterzubilden. Dazu wird
verwiesen sowohl auf die den Patentansprüchen 1 und 9 nachgeordneten Patentansprüche
als auch auf die nachfolgende Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels
in Verbindung mit der Zeichnung. In der Zeichnung zeigen
- Fig. 1a
- eine schematische Darstellung eines Ausführungsbeispiels einer Gießvorrichtung zum
Herstellen eines Bauteils aus einer Schmelze mit einem Gießkolben,
- Fig. 1b
- das Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1a mit eingefüllter Schmelze,
- Fig. 1c
- die Gießvorrichtung gemäß Fig. 1b mit dem Gießkolben in einer dritten Position,
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung einer Gießvorrichtung mit einem Überdruckventil und
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung einer Gießvorrichtung mit einem Rückschlagventil.
[0025] Fig. 1a bis Fig. 1c zeigen eine Gießvorrichtung 1 mit einem Gießkolben 2 der in einem
Gießkanal 3 angeordnet ist. Ein Bauteil wird in einem Formhohlraum 4 gegossen. Die
Gießvorrichtung weist zusätzlich eine Auslasseinrichtung 5 auf, aus der Schmelze 6
heraustreten kann. Darüber hinaus ist ein Antrieb 7 zum Verschieben des Gießkolbens
2 vorgesehen. Die Schmelze 6 kann aus einem Vorratsbehälter 8 gefördert werden.
[0026] Der Gießkolben 2 ist axial verschiebbar in dem Gießkanal 3 angeordnet. Durch den
elektrischen Antrieb 7 kann der Gießkolben 2 von einer ersten Position in Richtung
auf den Formhohlraum 4 in eine zweite Position und weiter in Richtung des Formhohlraums
4 in eine dritte Position bewegt werden. Der Formhohlraum 4 ist in einem Werkzeug
9 ausgebildet, das über einen Zulaufkanal 10 mit dem Gießkanal 3 verbunden ist. Das
Werkzeug 9 ist dabei auswechselbar, sodass unterschiedlichste geometrische Formen
für entsprechend gegossene Bauteile möglich sind.
[0027] Fig. 1b zeigt die Gießvorrichtung 1 mit dem Gießkolben 2 in der zweiten Position.
Beim Verschieben des Gießkolbens 2 von der ersten Position in die zweite Position
innerhalb des Gießkanals wird von dem Gießkolben 2 ein bestimmtes Volumen verdrängt.
Das Volumen, das der Gießkolben 2 beim Verbringen von der ersten Position in die zweite
Positon verdrängt, entspricht genau dem Volumen des Formhohlraums 4, sodass der Formhohlraum
4 vollständig mit Schmelze 6 gefüllt ist. Bei unterschiedlichen Werkzeugen 9 mit unterschiedlichen
Formhohlräumen 4 kann der zurück zu legende Weg des Gießkolbens 2 von der ersten Position
in die zweite Position von dem Bediener eingestellt werden, sodass das das verdrängte
Volumen des Gießkolbens 2 immer dem Volumen des Formhohlraums 4 entspricht.
[0028] Fig. 1c zeigt den Gießkolben 2 in der dritten Position. Das Volumen, das der Gießkolben
2 zwischen der ersten Position und der dritten Position verdrängt, ist größer, als
das Volumen des Formhohlraums 4. Beim Verbringen des Gießkolbens 2 von der zweiten
Position in die dritte Position steigt der Druck im System an. Dieser Druck wird durch
die Auslasseinrichtung 5 abgebaut. Die Auslasseinrichtung ist in diesem Ausführungsbeispiel
mittels Leckagespalt zwischen dem Gießkolben 2 und dem Gießkanal 3 ausgebildet. Der
Leckagespalt kann so ausgelegt werden, dass ein bestimmte Druckerhöhung bei einer
entsprechenden Antriebsleistung erreicht wird. Denkbar ist auch, dass der Gießkolben
2 auswechselbar ist und der Leckagespalt der unterschiedlichen Gießkolben 2 auf unterschiedliche
Materialien angepasst sind, sodass andere Parameter des Prozesses angepasst bzw. gleichbleibend
sind. Die Auslasseinrichtung 5 stellt die geringste Dichtigkeit des Systems dar. Bei
erhöhtem Druck wird die flüssige, inkompressible Schmelze 6 also durch die Auslasseinrichtung
gedrückt. Die Schmelze 6 kann somit unter Druck in dem Formhohlraum 4 erstarren.
[0029] Beim Zurückbewegen des Gießkolbens 2 von der dritten Position in die zweite Position
oder in die erste Position entsteht zwischen dem Formhohlraum 4 und dem Gießkanal
3 ein weiteres freies Volumen. Die Schmelze 6 wird erfährt einen Schmelzerückfluss
in Richtung des Gießkanals 3. Das weitere freie Volumen ist in der ersten Position
des Gießkolbens 2 zwischen dem Gießkolben 2 und dem Formhohlraum 4 vorhanden, was
zur gezielten Beschleunigung des elektrischen Antriebs 7 genutzt werden kann. Die
Füllung des Formhohlraums 4 muss vor dem Erstarren des eingespritzen/eingegossenen
Materials abgeschlossen sein, um bei den geringen möglichen Gießdrücken eine prozesssichere
Füllung zu gewährleisten.
[0030] Der Vorratsbehälter 8 ist ebenfalls beheizt. Er kann beispielsweise ein beheizbarer
Schmelztiegel sein, in dem das zu gießende Material vollständig aufgeschmolzen wird.
Der Vorratsbehälter 8 ist mittels einer Bohrung 11 mit dem Gießkanal 3 verbunden.
Die Bohrung 11 ist derart im Gießkanal 3 angeordnet, dass sich der Formhohlraum 4
und der Gießkolben 2 zwischen der Bohrung 11 befinden, wenn sich der Gießkolben 2
in der ersten Position befindet. In der zweiten Position oder in der dritten Position
des Gießkolbens 2 ist die Bohrung 11 von dem Gießkolben 2 abgedeckt, sodass keine
Schmelze 6 aus dem Vorratsbehälter 8 in den Gießkanal 3 gefördert werden kann.
[0031] Fig. 3 zeigt eine ähnliche Gießvorrichtung 1 wie gezeigten Ausführungsbeispiel in
den Fig. 1a bis Fig. 1c. Mittels des Antriebs 7 wird der Gießkolben 2 angetrieben,
der in dem Gießkanal 3 translatorisch beweglich ist. Der Gießkanal 3 ist beheizbar,
sodass es möglich ist verschiedene Materialien, vornehmlich metallische Legierungen,
vollständig aufzuschmelzen. Der Gießkanal 3 ist mit dem Werkzeug 9 verbunden, welches
den Formhohlraum 4 aufweist.
[0032] Im Unterschied zum Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 1a bis Fig. 1c ist die Auslasseinrichtung
5 in Form eines Überdruckventils zwischen dem Formhohlraum 4 und dem Gießkanal 3 angeordnet.
Die Auslasseinrichtung 5 lässt die flüssige Schmelze 6 über einen Ablaufkanal 12 zurück
in den Vorratsbehälter 8 fließen. Der Ablaufkanal 12 ist zusätzlich beheizt, sodass
die Schmelze 6 weiterhin verflüssigt bleibt und der nächste Gießprozess gestartet
werden kann.
[0033] Fig. 3 zeigt das Ausführungsbeispiel gemäß Fig. 2. Im Unterschied zu Figur 2 wird
die Bohrung 11 nicht durch den Gießkolben 2 abgedeckt, wenn sich der Gießkolben 2
in der zweiten Position bzw. in der dritten Position befindet. Die Bohrung 11 ist
mit einem Rückschlagventil 13 ausgestattet. Das Rückschlagventil 13 bleibt in der
Sperrstellung, wenn der Gießkolben 2 von der ersten Position in die zweite Position
bzw. dritte Position bewegt wird. In der Zeit wird der Formhohlraum 4 mit Schmelze
6 gefüllt. Beim Verbringen des Gießkolbens 2 von der dritten Position bzw. zweiten
Position in die erste Position öffnet das Rückschlagventil 13, sodass Schmelze 6 aus
dem Vorratsbehälter 8 in den Gießkanal 3 gelangen kann.
Bezugszeichen
[0034]
- 1
- Gießvorrichtung
- 2
- Gießkolben
- 3
- Gießkanal
- 4
- Formhohlraum
- 5
- Auslasseinrichtung
- 6
- Schmelze
- 7
- Antrieb
- 8
- Vorratsbehälter
- 9
- Werkzeug
- 10
- Zulaufkanal
- 11
- Borhung
- 12
- Ablaufkanal
- 13
- Rückschlagventil
1. Gießvorrichtung (1) zur Herstellung eines Bauteils aus einer Schmelze, mit einem Gießkolben
(2), mit einem Gießkanal (3), mit einem Formhohlraum (4), wobei die Schmelze über
den Gießkanal (3) dem Formhohlraum (3) zuführbar ist, wobei der Gießkolben (2) in
dem Gießkanal (3) axial bewegbar ist, wobei der Gießkolben (2) von einer ersten Position
in eine zweite Position verfahrbar ist, wobei beim Verbringen des Gießkolbens (2)
von der ersten Position in die zweite Position die Schmelze in den Formhohlraum (4)
eingebracht wird und wobei das Volumen, das der Gießkolben (2) beim Verbringen von
der ersten Position in die zweite Position innerhalb des Gießkanals (3) verdrängt,
dem Volumen des Formhohlraums (4) entspricht,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Gießkolben (2) von der zweiten Position in eine dritte Position verfahrbar ist,
dass das Volumen, das der Gießkolben (2) beim Verbringen von der ersten Position in
die zweite Position und von der zweiten Position in die dritte Position innerhalb
des Gießkanals (3) verdrängt, größer ist, als das Volumen des Formhohlraums (4) und
dass im Bereich des Gießkanals (3) eine Auslasseinrichtung (5) vorgesehen ist, durch
die Schmelze aus dem Formhohlraum (4) austreten kann, wenn sich der Gießkolben in
der dritten Position befindet.
2. Gießvorrichtung (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Auslasseinrichtung (5) durch Leckagespalte zwischen dem Gießkolben (2) und dem
Gießkanal (3) gebildet ist.
3. Gießvorrichtung (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Auslasseinrichtung (5) durch ein Überdruckventil im Gießkanal gebildet ist.
4. Gießvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Gießkanal (3) beheizbar ist.
5. Gießvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass im Formhohlraum (4) ein umgießbares Einlegeteil vorgesehen ist.
6. Gießvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein Antrieb (7), vorzugsweise ein elektrischer Antrieb (7), zum Verfahren des Gießkolbens
(2) vorgesehen ist.
7. Gießvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Gießkanal (3) derart mit dem Formhohlraum (4) verbunden ist, dass beim Verbringen
von der zweiten Position oder dritten Position des Gießkolbens (2) in die erste Position
ein freies Volumen zwischen dem Gießkanal (3) und dem Formhohlraum (4) entsteht.
8. Gießvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass ein beheizbarer Vorratsbehälter (8) vorgesehen ist, der mit dem Gießkanal (3) verbunden
ist, sodass Schmelze aus dem Vorratsbehälter (8) in den Gießkanal (3) gefördert werden
kann.
9. Verfahren zum Betreiben einer Gießvorrichtung zum Herstellen eines Bauteils aus einer
Schmelze, wobei die Gießvorrichtung (1) einen Gießkolben (2), einen Gießkanal (3)
und einen Formhohlraum (4) zum Formen des Bauteils aufweist, wobei der Gießkolben
(2) in dem Gießkanal (3) axial von einer ersten Position in eine zweite Position bewegt
wird, wobei durch die Bewegung des Gießkolbens (2) ein Volumen verdrängt wird, das
dem Volumen des Formhohlraums (4) entspricht, wobei durch die Verdrängung des Volumens
Schmelze aus dem Gießkanal (3) in den Formhohlraum (4) gefördert wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Gießkolben (2) von der zweiten Position in eine dritte Position verfahren wird,
dass das Volumen, das von dem Gießkolben (2) beim Verbringen von der ersten Position
in die zweite Position und von der zweiten Position in die dritte Position innerhalb
des Gießkanals (3) verdrängt wird, größer ist, als das Volumen des Formhohlraums (4)
und dass das Volumen der Schmelze, welches beim Verbringen von der zweiten Position
in die dritte Position verdrängt wird, durch eine, im Bereich des Gießkanals (3) vorgesehene
Auslasseinrichtung (5), aus dem Formhohlraum (4) befördert wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass überschüssige Schmelze über die Auslasseinrichtung vorbei an dem Gießkolben in den
Gießkanal zurückgeführt wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Gießkanal vor, während und/oder nach dem Gießvorgang beheizt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass ein umgießbares Einlegeteil ind en Formhohraum eingebracht wird.