[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft das Gebiet der optischen Inspektion eines Druckbildes
eines Druckobjekts.
[0002] Nach dem Druck werden Druckbilder auf Druckfehler geprüft. Zur Beurteilung eines
Druckbildes eines Druckobjekts, beispielsweise zur Qualitätskontrolle von Druckprozessen,
werden typischerweise Systeme zur optischen Inspektion eingesetzt. Bestehende Verfahren
und Systeme beruhen häufig auf Differenzbildverfahren. Ihre Ergebnisse hängen stark
von der manuellen Parametrisierung ab und führen zum Teil zu Pseudofehlern.
[0003] Die Druckschrift
DE 10 2017 116 882 A1 betrifft eine Druckinspektionsvorrichtung zur optischen Inspektion eines Druckbildes
eines Druckobjekts, wobei dem Druckobjekt ein Soll-Druckobjekt zugeordnet ist. Die
Druckinspektionsvorrichtung umfasst eine Bildkamera zum optischen Aufnehmen des Druckobjekts
und einen Prozessor zur Weiterverarbeitung des aufgenommenen Druckobjekts.
[0004] Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein effizientes Konzept zur
optischen Inspektion eines Druckbildes eines Druckobjekts zu schaffen.
[0005] Insbesondere ist es eine Aufgabe der Erfindung, ein Konzept zur optischen Inspektion
von Druckbildern zu schaffen, das weniger stark von der manuellen Parametrisierung
abhängig ist und zu weniger Druckfehlern, insbesondere Pseudo-Druckfehlern führt als
herkömmliche Verfahren.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungsformen sind Gegenstand der abhängigen Patentansprüche, der Beschreibung
sowie der Zeichnungen.
[0007] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch das Erkennen von Anomalien im Druckbild, Vermessen
von Fehlergrößen und Klassifikation der Fehler. Insbesondere ermöglicht die Erfindung
eine kundenspezifische Fehlerdetektion im Druckbild mittels maschinellem Lernen. Die
Aufgabe wird insbesondere durch eine Architektur mit mehreren Schichten gelöst, welche
eine kundenspezifische Erkennung von Druckfehlern ermöglicht. Die mehreren Schichten
umfassen Farb-Kalibrierung, Bestimmung des Defektbildes aus einem kalibrierten Delta
E Bild, kundenspezifische Klassifikation durch maschinelles Lernen sowie Erkennung
unterschiedlicher Defektgrade.
[0008] Damit verbunden sind die technischen Vorteile einer Reduktion von Parametern durch
Verwendung des Farbabstandes und von maschinellem Lernen zum Training von kundenspezifischen
Anforderungen. Die Fehlerklassen können effizient durch Grenzmuster trainiert werden.
[0009] Gemäß einem ersten Aspekt betrifft die Erfindung eine Druckinspektionsvorrichtung
zur optischen Inspektion eines Druckbildes eines Druckobjekts, wobei dem Druckobjekt
ein Soll-Druckbild zugeordnet ist, mit: einem Prozessor, der ausgebildet ist, für
das Druckbild und das Soll-Druckbild jeweils eine Mehrzahl von Rasterzellenbildern
basierend auf einer Unterteilung des Druckbilds und des Soll-Druckbilds in Rasterzellen
zu bestimmen; für jede Rasterzelle ein Delta-E Rasterzellenbild basierend auf einem
Farbabstand zwischen einem Rasterzellenbild des Druckbildes und einem Rasterzellenbild
des Soll-Druckbildes zu bestimmen; für jedes Pixel des Delta-E Zellenbildes basierend
auf einer pixelspezifischen Schwellenwertfunktion zu bestimmen ob ein Pixeldefekt
vorliegt, wobei die pixelspezifische Schwellenwertfunktion auf einem vorherigen Training
einer Datenbasis von Delta-E Zellenbildern mit zugehörigen manuell spezifizierten
Ground-Truth Zellenbildern beruht; die zuvor bestimmten Pixeldefekte in den jeweiligen
Delta-E Zellenbildern zu einem Defektbild zusammenzusetzen, welches einen Überblick
über die Pixeldefekte des Druckbildes gibt; und ein Inspektionsergebnis basierend
auf einer benutzerspezifischen Klassifikation des Defektbildes auszugeben.
[0010] Eine solche Druckinspektionsvorrichtung bietet dem Benutzer eine effiziente optische
Inspektion eines Druckbildes eines Druckobjekts. Aufgrund des vorhergehenden Trainings
hängt die optische Inspektion dabei weniger stark von der manuellen Parametrisierung
ab als es bei bisherigen Vorrichtungen der Fall ist und es kommt zu weniger falsch
erkannten Druckfehlern, insbesondere werden Pseudo-Druckfehler als solche erkannt.
[0011] Die Druckinspektionsvorrichtung erkennt Anomalien im Druckbild und gibt dem Benutzer
ein Mittel zum Vermessen von Fehlergrößen und Klassifikation der Fehler zur Hand.
Insbesondere ermöglicht die Druckinspektionsvorrichtung eine kundenspezifische Fehlerdetektion
im Druckbild mittels maschinellem Lernen.
[0012] Das Druckbild bildet ein zu inspizierendes Ist-Druckbild eines Druckobjekts, welches
auf einem Substrat aufgedruckt sein kann. Das Soll-Druckbild kann beispielsweise als
Vektorfont oder als Vektorgrafik oder als digitales Bild vorliegen, und kann beispielsweise
aus einer Druckvorstufe vorbekannt sein.
[0013] Das Raster kann ein äquidistantes Raster sein, es kann aber auch aus beliebigen Polygonen
zusammengesetzt sein. Ferner können einzelne Zellen im Raster deaktiviert sein. Dadurch
wird der Vorteil erzielt, dass Regionen in denen eine Prüfung nicht erwünscht ist,
sehr flexibel angepasst werden können.
[0014] Die Rasterzellen des Rasters überlagern sich und pro Zelle kann eine lokale Ausrichtung
durchgeführt werden. Dadurch wird der Vorteil erzielt, dass im Falle von nicht optimal
gespannter Folie, im Falle von Laminationsverzug oder in ähnlichen Situationen durch
eine lokale Ausrichtung Ist-Druckbild und Soll-Druckbild lokal besser zur Deckung
gebracht werden können.
[0015] Gemäß einer Ausführungsform ist der Prozessor ausgebildet, die Mehrzahl von Rasterzellenbildern
basierend auf farbkalibrierten und aufeinander ausgerichteten Druckbildern und Soll-Druckbildern
zu bestimmen.
[0016] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass es zu weniger falsch erkannten Druckfehlern
kommt, da ein Farbabstand zwischen farbkalibrierten Bildern genauer bestimmt werden
kann. Ferner führt die gegenseitige Ausrichtung der Bilder aufeinander dazu, dass
es zu weniger Streifen bzw. Schraffuren im Defektbild kommt, welche aus einer Fehlausrichtung
zueinander entstehen.
[0017] Gemäß einer Ausführungsform ist der Prozessor ausgebildet, die Mehrzahl von Rasterzellenbildern
für einen jeweiligen Farbkanal einer Mehrzahl von Farbkanälen eines Farbraumes zu
bestimmen.
[0018] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass es zu weniger falsch erkannten Druckfehlern
kommt, da ein auftretender Druckfehler aufgrund eines Farbkanaldefektes des Druckers
im entsprechenden Farbkanal leichter erkennbar ist.
[0019] Gemäß einer Ausführungsform ist der Prozessor ausgebildet, das Delta-E Rasterzellenbild
basierend auf einer Euklidischen Distanz im Farbraum zwischen dem Rasterzellenbild
des Druckbildes und dem entsprechenden Rasterzellenbild des Soll-Druckbildes zu bestimmen.
[0020] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass die Euklidische Distanz sich für
die jeweiligen Rasterzellenbilder genauer bestimmen lässt als im Bild mit Originalgröße.
Es kommt somit zu weniger falsch erkannten Druckfehlern. Das Inspektionsergebnis der
Druckinspektionsvorrichtung ist genauer.
[0021] Gemäß einer Ausführungsform erfolgt das vorhergehende Training der Datenbasis von
Delta-E Zellenbildern mit zugehörigen Ground-Truth Zellenbildern basierend auf Neuronalen
Netzen (NN), Support Vector Machine (SVM) und/oder Multi-Layer Perceptron (MLP) Verfahren.
[0022] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass derartige maschinelle Lernverfahren
einen guten Lernerfolg bieten und außerdem skalierbar sind, d.h. je nachdem mit welcher
Komplexität das Netz modelliert wird, desto genauer wird das Inspektionsergebnis.
[0023] Gemäß einer Ausführungsform spezifiziert die pixelspezifische Schwellenwertfunktion
ein Fragment in dem Delta-E Rasterzellenbild, welches auf einer Unregelmäßigkeit in
einer Ausrichtung des Druckbildes in Bezug auf das Soll-Druckbild basiert, als keinen
Pixelfehler.
[0024] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass die Druckinspektionsvorrichtung fehlertolerant
gegenüber Fehlpositionierungen des Druckbildes gegenüber dem Soll-Druckbild ist, welche
beispielsweise dadurch verursacht werden, dass das Druckbild nicht genau positioniert
ist, z.B. durch eine Fehlpositionierung der aufnehmenden Kamera oder einem schiefen
Einzug beim Einlesen oder Einscannen des Druckbildes.
[0025] Gemäß einer Ausführungsform spezifiziert die pixelspezifische Schwellenwertfunktion
einen zusammenhängenden Bereich von Pixeln in dem Delta-E Rasterzellenbild, der eine
vorgegebene Größe überschreitet, als Pixelfehler.
[0026] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass Druckfehler, welche auf Fehldrucken
basieren, z.B. Punkten, Farbklecksen oder anderen Unregelmäßigkeiten genau erkannt
werden können.
[0027] Gemäß einer Ausführungsform basieren sowohl das Training der Datenbasis von Delta-E
Zellenbildern mit zugehörigen Ground-Truth Zellenbildern als auch die benutzerspezifische
Klassifikation des Defektbildes auf demselben Trainingsvorgang.
[0028] In solch einem Trainingsvorgang werden z.B. einem Benutzer verschiedene Druckbilder
mit zugehörigen Soll-Druckbildern vorgelegt. Der Benutzer erkennt aufgrund seines
subjektiven Eindrucks Fehler in den Druckbildern und kennzeichnet diese (Labeling-Vorgang).
Basierend auf dem gleichen Trainingsvorgang können somit sowohl Rasterzellenbilder,
die einen kleinen Ausschnitt des Bildes anzeigen, als auch das Defektbild, welches
den gesamten Bereich des Bildes darstellt, klassifiziert werden. Dies vereinfacht
die Ausführung der Klassifikation. Die Druckinspektionsvorrichtung ist weniger komplex.
[0029] Gemäß einer Ausführungsform beruht der Trainingsvorgang auf einer Klassifikation
einer Datenbasis von Druckbildern gegenüber zugehörigen Sollwert-Druckbildern basierend
auf einer subjektiven Fehlererkennung eines Benutzers.
[0030] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass menschliches Expertenwissen in die
Klassifikation miteinbezogen werden kann, welches die Fehlererkennungsquote steigert.
[0031] Gemäß einer Ausführungsform ordnet die pixelspezifische Schwellenwertfunktion jedem
Grauwert des Delta-E Rasterzellenbildes einen Binärwert 0 oder 1 zu.
[0032] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass die Schwellenwertfunktion Bereiche
mit hohem Vertrauenslevel von Bereichen mit niedrigem Vertrauenslevel effizient unterscheiden
kann und leicht in Form einer Schwelle darstellen kann.
[0033] Gemäß einer Ausführungsform umfasst die pixelspezifische Schwellenwertfunktion eine
logistische Funktion, z.B. eine Sigmoid-Funktion oder eine Stufenfunktion bezüglich
der Grauwerte des Delta-E Rasterzellenbildes.
[0034] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass eine logistische Funktion oder eine
Stufenfunktion gut dazu geeignet ist, um Farbübergänge, wie sie bei Druckfehlern auftreten,
abzubilden und darzustellen.
[0035] Gemäß einer Ausführungsform basiert die Defektklassifikation auf folgenden Merkmalen:
einer Fläche von zusammenhängenden Komponenten des Delta-E Zellenbildes, einem Innenradius
der zusammenhängenden Komponenten des Delta-E Zellenbildes, einer Korrelation zwischen
dem Ist-Druckbild und dem Soll-Druckbild, einem Kontrast zwischen Hintergrund und
Vordergrund in Bezug auf das Delta-E Zellenbild. Zur Feststellung der Streifigkeit
in horizontaler Richtung wird zusätzlich als Merkmal die Anzahl der Defektpixel pro
Zeile in Betracht gezogen. Analog werden für die vertikale Streifigkeit Spalten betrachtet.
[0036] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass anhand dieser Merkmale zusammenhängende
Komponenten im Delta-E Zellenbild leicht und automatisiert erkannt werden können,
welche auf einen Druckfehler hindeuten. Damit kann die Inspektion auf zuverlässige
Weise Druckfehler erkennen und von Artefakten aufgrund Fehlpositionierung der Druckbilder
unterscheiden.
[0037] Gemäß einer Ausführungsform umfasst die Druckinspektionsvorrichtung eine Kamera,
die ausgebildet ist, das Druckobjekt optisch aufzunehmen, um das Druckbild zu erhalten.
[0038] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass die Kamera das Druckbild leicht bereitstellen
kann. Alternativ kann das Druckbild über einen Scanner oder ein Lesegerät bereitgestellt
werden.
[0039] Gemäß einer Ausführungsform ist der Prozessor ausgebildet, als Inspektionsergebnis
einen Druckfehler beim Druck des Druckbildes mit einem Farbdrucker auszugeben, wobei
der Druckfehler in Form eines Farbpunktes oder Farbstreifens auftritt, der auf einer
Fehlfunktion eines Farbkanals des Farbdruckers basiert.
[0040] Damit wird der technische Vorteil erzielt, dass eine Fehlfunktion des Farbdruckers
leicht erkannt werden kann. Nach einer Reparatur oder Auswechslung des Druckers werden
wieder fehlerfreie Druckbilder erzeugt.
[0041] Gemäß einem zweiten Aspekt betrifft die Erfindung ein Verfahren zur optischen Inspektion
eines Druckbildes eines Druckobjekts, wobei dem Druckobjekt ein Soll-Druckbild zugeordnet
ist, mit folgenden Schritten: Bestimmen einer jeweiligen Mehrzahl von Rasterzellenbildern
für das Druckbild und das Soll-Druckbild basierend auf einer Unterteilung des Druckbilds
und des Soll-Druckbilds in Rasterzellen; Bestimmen eines Delta-E Rasterzellenbilds
für jede Rasterzelle basierend auf einem Farbabstand zwischen einem Rasterzellenbild
des Druckbildes und einem Rasterzellenbild des Soll-Druckbildes; Bestimmen für jedes
Pixel des Delta-E Zellenbildes, basierend auf einer pixelspezifischen Schwellenwertfunktion,
ob ein Pixeldefekt vorliegt, wobei die pixelspezifische Schwellenwertfunktion auf
einem vorherigen Training einer Datenbasis von Delta-E Zellenbildern mit zugehörigen
manuell spezifizierten Ground-Truth Zellenbildern beruht; Zusammensetzen der zuvor
bestimmten Pixeldefekte in den jeweiligen Delta-E Zellenbildern zu einem Defektbild,
welches einen Überblick über die Pixeldefekte des Druckbildes gibt; und Ausgeben eines
Inspektionsergebnisses basierend auf einer benutzerspezifischen Klassifikation des
Defektbildes.
[0042] Ein solches Verfahren bietet dem Benutzer eine effiziente optische Inspektion eines
Druckbildes eines Druckobjekts. Aufgrund des vorhergehenden Trainings hängt die optische
Inspektion dabei weniger stark von der manuellen Parametrisierung ab als es bisher
der Fall war und es kommt zu weniger falsch erkannten Druckfehlern, insbesondere werden
Pseudo-Druckfehler als solche erkannt.
[0043] Gemäß einem dritten Aspekt betrifft die Erfindung ein Computerprogramm mit einem
Programmcode zum Ausführen des Verfahrens gemäß dem zweiten Aspekt der Erfindung.
Dadurch wird der Vorteil erreicht, dass das Verfahren automatisiert ausgeführt werden
kann.
[0044] Die Druckinspektionsvorrichtung kann programmtechnisch eingerichtet sein, um den
Programmcode oder Teile des Programmcodes auszuführen.
[0045] Die Erfindung kann in Hardware und Software realisiert werden.
[0046] Weitere Ausführungsbeispiele werden Bezug nehmend auf die beiliegenden Zeichnungen
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein schematisches Diagramm einer Druckinspektionsvorrichtung 100 zur optischen Inspektion
eines Druckbildes 120 eines Druckobjekts gemäß einer Ausführungsform;
- Fig. 2
- ein Architekturdiagramm einer Druckinspektionsvorrichtung 200 zur optischen Inspektion
eines Druckbildes 250 eines Druckobjekts gemäß einer Ausführungsform;
- Fig. 3
- Druckbilder 301, 302 einer Person, bei denen jeweils ein durch einen Drucker verursachten
Druckfehler auftritt;
- Fig. 4
- drei beispielhafte Serien von Rasterzellenbildern, jeweils mit Eingang 401, 411, 421,
Modell 402, 412, 422 bzw. Sollwert und manuell spezifiziertem Ground-Truth 403, 413,
423;
- Fig. 5
- ein schematisches Diagramm eines pixelbezogenen Trainings 500 eines Delta E Rasterzellenbildes
gemäß einer Ausführungsform;
- Fig. 6
- eine beispielhafte Bildsequenz eines Soll-Druckbildes 601, eines realen Druckbildes
602 und eines zugehörigen Defektbildes 603;
- Fig. 7
- ein schematisches Diagramm eines Trainings 700 der Klassifikationsschicht zum Erzeugen
eines Defekt-Klassifikators gemäß einer Ausführungsform; und
- Fig. 8
- ein schematisches Diagramm eines Verfahrens 800 zur optischen Inspektion eines Druckbildes
eines Druckobjekts gemäß einer Ausführungsform.
[0047] Fig. 1 zeigt ein schematisches Diagramm einer Druckinspektionsvorrichtung 100 zur
optischen Inspektion eines Druckbildes 120 eines Druckobjekts gemäß einer Ausführungsform.
Dem Druckobjekt ist ein Soll-Druckbild 121 zugeordnet, welches die ideale Abbildung
des Druckobjekts darstellt.
[0048] Die Druckinspektionsvorrichtung 100 umfasst einen Prozessor 110, der ausgebildet
ist, für das Druckbild 120 und das Soll-Druckbild 121 jeweils eine Mehrzahl von Rasterzellenbildern
111 basierend auf einer Unterteilung des Druckbildes 120 und des Soll-Druckbilds 121
in Rasterzellen 130 zu bestimmen. Der Prozessor 110 ist ferner ausgebildet, für jede
Rasterzelle 130 ein Delta-E Rasterzellenbild 112 basierend auf einem Farbabstand zwischen
einem Rasterzellenbild des Druckbildes 120 und einem Rasterzellenbild des Soll-Druckbildes
121 zu bestimmen. Der Prozessor 110 ist ferner ausgebildet, für jedes Pixel des Delta-E
Rasterzellenbildes 112 basierend auf einer pixelspezifischen Schwellenwertfunktion
140 zu bestimmen ob ein Pixeldefekt 113 vorliegt. Dabei beruht die pixelspezifische
Schwellenwertfunktion 140 auf einem vorherigen Training 150 einer Datenbasis 160 von
Delta-E Rasterzellenbildern mit zugehörigen manuell spezifizierten Ground-Truth Zellenbildern.
Der Prozessor 110 ist ferner ausgebildet, die zuvor bestimmten Pixeldefekte 113 in
den jeweiligen Delta-E Rasterzellenbildern 112 zu einem Defektbild 114 zusammenzusetzen,
welches einen Überblick über die Pixeldefekte 113 des Druckbildes 120 gibt, und ein
Inspektionsergebnis 116 basierend auf einer benutzerspezifischen Klassifikation 115
des Defektbildes 114 auszugeben.
[0049] Ein Prozessor, wie in dieser Offenbarung beschrieben, ist ein programmierbares Rechenwerk,
also eine Maschine oder eine elektronische Schaltung, die gemäß übergebenen Befehlen
andere Maschinen oder elektrische Schaltungen steuert und dabei einen Algorithmus
oder Prozess ausführt, was meist Datenverarbeitung beinhaltet. Der Prozessor kann
z.B. ein Mikrocontroller oder ein digitaler Signalprozessor oder eine CPU, beispielsweise
in einem eingebetteten System sein. Unter dem Begriff Prozessor wird hier sowohl das
Bauteil verstanden, d.h. der Halbleiter-Chip als auch die datenverarbeitende Logik-Einheit.
Der Begriff Prozessor umfasst auch einen oder eine Mehrzahl von Prozessorkernen, die
heutzutage in vielen Prozessor-Chips enthalten sind, wobei jeder Kern für sich eine
(weitgehend) eigenständige Logik-Einheit darstellt.
[0050] Ground-Truth ist ein Begriff, der in der Statistik und im maschinellen Lernen verwendet
wird. Dies bedeutet, dass die Ergebnisse des maschinellen Lernens auf ihre Richtigkeit
im Vergleich zur realen Welt überprüft werden. Der Begriff stammt aus der Meteorologie,
wobei sich "Grundwahrheit" auf Informationen bezieht, die vor Ort erhalten wurden.
Der Begriff impliziert eine Art Realitätsprüfung für maschinelle Lernalgorithmen.
[0051] Delta E, oft als dE oder ΔE geschrieben, ist ein Maß für den empfundenen Farbabstand,
das möglichst für alle auftretenden Farben "gleichabständig" ist. Das Delta steht
hierbei als Zeichen der Differenz. Damit können Arbeiten, die sich mit Farben befassen,
quantifiziert werden.
[0052] Der L*a*b*-Farbraum (auch: CIELAB) beschreibt alle wahrnehmbaren Farben. Er nutzt
einen dreidimensionalen Farbenraum, bei dem der Helligkeitswert L* senkrecht auf der
Farbebene (a*, b*) steht. Zu den wichtigsten Eigenschaften des L*a*b*-Farbmodells
zählen die Geräteunabhängigkeit und die Wahrnehmungsbezogenheit, das heißt: Farben
werden unabhängig von der Art ihrer Erzeugung oder Wiedergabetechnik so definiert,
wie sie von einem Normalbeobachter bei einer Standard-Lichtbedingung wahrgenommen
werden. Das Farbmodell ist in der EN ISO 11664-4 "Colorimetry -- Part 4: CIE 1976
L*a*b* Colour space" genormt.
[0053] Der Farbabstand wird normalerweise als Delta E angegeben. In EN ISO 11664-4 wird
der Begriff Farbabstand gegenüber dem Begriff Farbdifferenz bevorzugt. Gegenüber Farbunterschied
steht er für die quantifizierte Form. Jeder real auftretenden Farbe, auch jeder von
einem Gerät abgegebenen oder gemessenen Farbe, lässt sich in einem dreidimensionalen
Raum ein Farbort zuordnen. Der Wert von Delta E zwischen den Farborten (L*, a*, b*)
p und (L*, a*, b*)
q wird nach EN ISO 11664-4 als euklidischer Abstand berechnet.
[0054] Das Raster 130 kann ein rechteckförmiges oder quadratisches Raster sein, d.h. ein
Raster mit rechteckförmigen oder quadratischen Gitterelementen. Alternativ kann jede
andere Gitterform genutzt werden, z.B. Hexagon, dreieckförmig, etc.
[0055] Der Prozessor 110 ist in einer Ausführungsform ausgebildet, die Mehrzahl von Rasterzellenbildern
111 basierend auf farbkalibrierten 255 und aufeinander ausgerichteten 256 Druckbildern
120 und Soll-Druckbildern 121 zu bestimmen.
[0056] Das Ziel der Farbkalibrierung 255 besteht darin, das Farbverhalten eines Geräts (Eingabe
oder Ausgabe) in einem bekannten Zustand zu messen und / oder anzupassen. Die Kalibrierung
bezieht sich auf das Herstellen einer bekannten Beziehung zu einem Standardfarbraum.
Eingabedaten können von Gerätequellen wie Digitalkameras, Bildscannern oder anderen
Messgeräten stammen. Diese Eingänge können entweder monochrom oder in mehrdimensionaler
Farbe angegeben werden - am häufigsten im dreikanaligen RGB (Rot/Grün/Blau)-Modell.
[0057] Der Prozessor 110 kann eine Ausrichtung des Druckbildes relativ zum Soll-Druckbild
bestimmen und das Druckbild auf Basis der Ausrichtung drehen. Dadurch wird der Vorteil
erreicht, dass eine Ausrichtung des Druckbildes bezüglich des Soll-Druckbildes bzw.
der Maskierungsschablone korrigiert werden kann.
[0058] Der Prozessor 110 kann in einer Ausführungsform ausgebildet sein, die Mehrzahl von
Rasterzellenbildern 111 für einen jeweiligen Farbkanal einer Mehrzahl von Farbkanälen
246 eines Farbraumes 247 zu bestimmen, wie z.B. zu Figur 2 gezeigt.
[0059] Der Prozessor 110 kann in einer Ausführungsform ausgebildet sein, das Delta-E Rasterzellenbild
112 basierend auf einer Euklidischen Distanz im Farbraum zwischen dem Rasterzellenbild
111 des Druckbildes 120 und dem entsprechenden Rasterzellenbild 111 des Soll-Druckbildes
121 zu bestimmen.
[0060] Jeder real auftretenden Farbe, auch jeder von einem Gerät abgegebenen oder gemessenen
Farbe, lässt sich in einem dreidimensionalen Raum ein Farbort zuordnen. Der Wert von
Delta E zwischen den Farborten (L*, a*, b*)
1 und (L*, a*, b*)
2 wird nach EN ISO 11664-4 als euklidischer Abstand berechnet:

[0061] In einer Ausführungsform erfolgt das vorhergehende Training 150 der Datenbasis 160
von Delta-E Zellenbildern mit zugehörigen Ground-Truth Zellenbildern basierend auf
Neuronalen Netzen (NN), Support Vector Machine (SVM) und/oder Multi-Layer Perceptron
(MLP) Verfahren.
[0062] (Künstliche) neuronale Netze (NNs) basieren meist auf der Vernetzung vieler Neuronen.
Die Topologie eines Netzes, d.h. die Zuordnung von Verbindungen zu Knoten muss abhängig
von seiner Aufgabe gut durchdacht sein. Nach der Konstruktion eines Netzes folgt die
Trainingsphase, in der das Netz "lernt". Ein neuronales Netz durch folgende Methoden
lernen: Entwicklung neuer Verbindungen, Löschen existierender Verbindungen, Ändern
der Gewichtung (der Gewichte von Neuron zu Neuron), Anpassen der Schwellenwerte der
Neuronen, sofern diese Schwellenwerte besitzen, Hinzufügen oder Löschen von Neuronen,
Modifikation von Aktivierungs-, Propagierungs- oder Ausgabefunktion. Außerdem verändert
sich das Lernverhalten bei Veränderung der Aktivierungsfunktion der Neuronen oder
der Lernrate des Netzes. Praktisch gesehen "lernt" ein Netz hauptsächlich durch Modifikation
der Gewichte der Neuronen. Dadurch sind NNs in der Lage, komplizierte nichtlineare
Funktionen über einen "Lern"-Algorithmus, der durch iterative oder rekursive Vorgehensweise
aus vorhandenen Ein- und gewünschten Ausgangswerten alle Parameter der Funktion zu
bestimmen versucht, zu erlernen.
[0063] Eine Support Vector Machine (SVM) dient als Klassifikator und Regressor. Eine Support
Vector Machine unterteilt eine Menge von Objekten so in Klassen, dass um die Klassengrenzen
herum ein möglichst breiter Bereich frei von Objekten bleibt. Ausgangsbasis für den
Bau einer Support Vector Machine ist eine Menge von Trainingsobjekten, für die jeweils
bekannt ist, welcher Klasse sie zugehören. Jedes Objekt wird durch einen Vektor in
einem Vektorraum repräsentiert. Aufgabe der Support Vector Machine ist es, in diesen
Raum eine Hyperebene einzupassen, die als Trennfläche fungiert und die Trainingsobjekte
in zwei Klassen teilt. Der Abstand derjenigen Vektoren, die der Hyperebene am nächsten
liegen, wird dabei maximiert. Dieser breite, leere Rand soll später dafür sorgen,
dass auch Objekte, die nicht genau den Trainingsobjekten entsprechen, möglichst zuverlässig
klassifiziert werden.
[0064] Das Perzeptron ist ein vereinfachtes künstliches neuronales Netz. Es besteht in der
Grundversion (einfaches Perzeptron) aus einem einzelnen künstlichen Neuron mit anpassbaren
Gewichtungen und einem Schwellenwert. Unter diesem Begriff werden heute verschiedene
Kombinationen des ursprünglichen Modells verstanden, dabei wird zwischen
einlagigen und
mehrlagigen Perzeptronen (engl.
multi-layerperceptron, MLP) unterschieden. Perzeptron-Netze wandeln einen Eingabevektor in einen Ausgabevektor
um und stellen damit einen einfachen Assoziativspeicher dar.
[0065] In einer Ausführungsform der Druckinspektionsvorrichtung 100 spezifiziert die pixelspezifische
Schwellenwertfunktion 140 ein Fragment 224, 611 (wie z.B. in Figur 2 oder Figur 6
dargestellt) in dem Delta-E Rasterzellenbild 112, welches auf einer Unregelmäßigkeit
in einer Ausrichtung des Druckbildes 120 in Bezug auf das Soll-Druckbild 121 basiert,
als keinen Pixeldefekt 113. Damit kann vermieden werden, dass Fehlausrichtungen des
Druckbildes in Bezug auf das Soll-Druckbild 121 als Druckfehler bzw. Defekt bestimmt
werden. Solche Fragmente treten meist in Form von Linien oder Schraffuren auf, insbesondere
an Stellen, an denen das Druckbild 120 leicht verschoben ist in Bezug auf das Soll-Druckbild
121.
[0066] In einer Ausführungsform der Druckinspektionsvorrichtung 100 spezifiziert die pixelspezifische
Schwellenwertfunktion 140 einen zusammenhängenden Bereich 214, 610 von Pixeln in dem
Delta-E Rasterzellenbild 112 (z.B. wie in Figur 2 oder Figur 6 dargestellt). Damit
werden Fehldruckstellen, die meist eine gewisse Fläche einnehmen, als Druckfehler
bzw. Defekte erkannt.
[0067] In einer Ausführungsform der Druckinspektionsvorrichtung 100 basiert sowohl das Training
150 der Datenbasis 160 von Delta-E Zellenbildern mit zugehörigen Ground-Truth Zellenbildern
als auch die benutzerspezifische Klassifikation 115 des Defektbildes 114 auf demselben
Trainingsvorgang 150. In solch einem Trainingsvorgang werden z.B. einem Benutzer verschiedene
Druckbilder mit zugehörigen Soll-Druckbildern vorgelegt. Der Benutzer erkennt aufgrund
seines subjektiven Eindrucks Fehler in den Druckbildern und kennzeichnet diese (Labeling-Vorgang).
Die von dem Benutzer fehlermarkierten Druckbilder mit zugehörigen (Ist)-Druckbildern
werden in der Trainingsphase mittels eines maschinellen Lernverfahrens, wie z.B. NN,
MLP oder SVM, gelernt. Damit wird das maschinelle Lernverfahren in die Lage versetzt,
aufgrund des erlernten Musters auch neue Bilder auf Druckfehler zu klassifizieren.
[0068] In einer Ausführungsform der Druckinspektionsvorrichtung 100 beruht der Trainingsvorgang
150 auf einer Klassifikation einer Datenbasis von Druckbildern (siehe z.B. 401, 411,
421 in Figur 4) gegenüber zugehörigen Sollwert-Druckbildern (siehe z.B. 402, 412,
422 in Figur 4) basierend auf einer subjektiven Fehlererkennung eines Benutzers, wie
oben beschrieben.
[0069] In einer Ausführungsform der Druckinspektionsvorrichtung 100 ordnet die pixelspezifische
Schwellenwertfunktion 140, 505 (siehe auch Figur 5) jedem Farbwert des Delta-E Rasterzellenbildes
112 einen Schwellenwert im Bereich von 0 bis 1 zu. Die pixelspezifische Schwellenwertfunktion
140, 505 kann z.B. eine logistische Funktion, z.B. eine Sigmoid-Funktion oder eine
Stufenfunktion bezüglich der Grauwerte des Delta-E Rasterzellenbildes 503 umfassen.
[0070] Insbesondere kann die Klassifikation 115 auf folgenden Merkmalen basieren: einer
Fläche von zusammenhängenden Komponenten des Delta-E Rasterzellenbildes 503 (siehe
Figur 5), einem Innenradius der zusammenhängenden Komponenten des Delta-E Rasterzellenbildes
503, einer Korrelation zwischen Ist-Druckbild und Soll-Druckbild, einem Kontrast des
Delta-E Rasterzellenbildes 503, insbesondere einer Farbdifferenz zwischen Hintergrund
und Vordergrund.
[0071] Die Druckinspektionsvorrichtung 100 kann ferner eine Kamera umfassen, die ausgebildet
ist, das Druckobjekt optisch aufzunehmen, um das Druckbild zu erhalten. Alternativ
kann die Druckinspektionsvorrichtung 100 einen Scanner oder ein Lesegerät umfassen,
um das Druckbild einzuscannen oder einzulesen.
[0072] In einer Ausführungsform ist der Prozessor 110 ausgebildet, als Inspektionsergebnis
116 einen Druckfehler beim Druck des Druckbildes 120 mit einem Farbdrucker auszugeben,
wobei der Druckfehler in Form eines Farbpunktes oder Farbstreifens auftritt, der auf
einer Fehlfunktion eines Farbkanals 246 (siehe Fig. 2) des Farbdruckers basiert.
[0073] Fig. 2 zeigt ein Architekturdiagramm einer Druckinspektionsvorrichtung 200 zur optischen
Inspektion eines Druckbildes 250 eines Druckobjekts gemäß einer Ausführungsform. Die
Druckinspektionsvorrichtung 200 ist eine spezielle Ausführungsform der oben zu Figur
1 beschriebenen Druckinspektionsvorrichtung 100.
[0074] Ein Eingangsbild 250 entspricht dem Druckbild 120 aus Figur 1. Das Eingangsbild 250
ist einem Soll-Druckbild 241 eines Modells 240 zugeordnet, welches dem idealen Bild
des Druckobjekts entspricht, d.h. dem Bild ohne Druckfehler. In einer Farbkalibrierungsstufe
255 werden Eingangsbild 250 und Soll-Druckbild 241 farblich kalibriert.
[0075] Wie bereits oben zu Figur 1 beschrieben, besteht das Ziel der Farbkalibrierung 255
darin, das Farbverhalten des Eingangsbildes 250 an das Farbverhalten des Soll-Druckbildes
241 anzupassen. Die Kalibrierung bezieht sich auf das Herstellen einer bekannten Beziehung
zu einem Standardfarbraum. Eingänge sind das Eingangsbild 250 und das Soll-Druckbild
241. Diese Eingänge können entweder monochrom oder in mehrdimensionaler Farbe angegeben
werden - am häufigsten im dreikanaligen RGB (Rot/Grün/Blau)-Modell. Nach der Farbkalibrierung
255 wird ein farbkalibriertes Eingangsbild 251 erzeugt, z.B. mit Weiß-Abgleich, wie
in Fig. 2 dargestellt. Auch das Soll-Druckbild 241 kann als farbkalibriertes Soll-Druckbild
dargestellt werden.
[0076] Nach der Farbkalibrierung 255 werden Soll-Druckbild 241 bzw. farbkalibriertes Soll-Druckbild
und farbkalibriertes (Ist)-Druckbild 251 aufeinander ausgerichtet 256. Dabei werden
die Bilder zueinander verschoben bzw. gedreht, so dass beide Bilder schließlich aufeinander
aufliegend ausgerichtet sind. D.h. der Prozessor 110 rechnet die Positionsdaten beider
Bilder entsprechend um, so dass die Positionsdaten aufeinander ausgerichtet sind.
Nach der Ausrichtung 256 liegen ein Soll-Druckbild 242 und ein Ist-Druckbild 252 vor,
die zueinander bzw. aufeinander ausgerichtet sind.
[0077] Beide Bilder (Soll-Druckbild 242 und ein Ist-Druckbild 252) werden dann im vorliegenden
Farbraum 247, z.B. RGB, in jeweilige Farbkanäle 246 aufgespalten, so dass ein Ist-Druckbild
253 und ein entsprechendes Soll-Druckbild pro Farbkanal 246 erzeugt wird.
[0078] Über das Druckbild 253 und das zugehörige Soll-Druckbild 242 wird ein Gitter 244
bzw. Raster gelegt, um das Druckbild 253 und das zugehörige Soll-Druckbild 242 in
eine Mehrzahl von Rasterzellenbildern 254 aufzuteilen, welche jeweils Teilausschnitte
des jeweiligen Druckbildes darstellen. Die Gittergröße ist vorgegeben oder frei wählbar.
Über die Gitterschicht kann eine lokale Positionskorrektur 245 vorgenommen werden.
Jede Zelle bzw. Rasterzelle des Gitters 244 wird in der Druckinspektionsvorrichtung
200 als eigenständige Schicht 210, 220, 230 behandelt, in Figur 2 sind beispielhaft
die drei Schichten 210, 220, 230 dargestellt.
[0079] Für jede Schicht 210, 220, 230 wird ein Delta E Rasterzellenbild 201 bestimmt anhand
eines Vergleichs zwischen Modell und Bild. So kann das Delta-E Rasterzellenbild 215
einer ersten Schicht 210 z.B. basierend auf einer Euklidischen Distanz im Farbraum
zwischen dem Rasterzellenbild 214 des Druckbildes 253 und dem entsprechenden Rasterzellenbild
213 des Soll-Druckbildes 242 bestimmt werden. Das Delta E Rasterzellenbild 201 bzw.
215 kann beispielsweise nach der folgenden Formel bestimmt werden:

[0080] Dabei wird der Wert von Delta E als euklidischer Abstand zwischen den Farborten (L*,
a*, b*), und (L*, a*, b*)
2 berechnet.
[0081] Entsprechend kann das Delta-E Rasterzellenbild 225 einer zweiten Schicht 220 z.B.
basierend auf der Euklidischen Distanz im Farbraum zwischen dem Rasterzellenbild 224
des Druckbildes 253 und dem entsprechenden Rasterzellenbild 223 des Soll-Druckbildes
242 bestimmt werden. Entsprechend kann das Delta-E Rasterzellenbild 235 einer n-ten
Schicht 230 z.B. basierend auf der Euklidischen Distanz im Farbraum zwischen dem Rasterzellenbild
234 des Druckbildes 253 und dem entsprechenden Rasterzellenbild 233 des Soll-Druckbildes
242 bestimmt werden.
[0082] Für jede Schicht 210, 220, 230 wird eine Datenbasis anhand einer Aktivierungsfunktion
202 pro Pixel trainiert. Die Aktivierungsfunktion 202 kann z.B. auf dem folgenden
Zusammenhang basieren:

wobei p
l eine Wahrscheinlichkeitsgröße angibt, µ deren Mittelwert und σ deren Varianz. Die
Wahrscheinlichkeitsverteilung ist folglich durch eine Sigmoidfunktion charakterisiert.
[0083] Es folgt eine Klassifikation in einer Klassifikationsschicht 203 einer Trainingsdatenbank,
z.B. der Trainingsdatenbank 160 mit Delta-E und Ground-Truth Bildern, wie in Figur
1 beschrieben, um eine Detektion auf einen Fehler bzw. auf keinen Fehler vorzunehmen.
[0084] Für jede Schicht 210, 220, 230 werden so Zusammenhangskomponenten im Delta E Rasterzellenbild
201 detektiert und als fehlerhaft oder nicht fehlerhaft klassifiziert. So wird z.B.
eine Zusammenhangskomponente 216 des Delta E Rasterzellenbilds 215 der ersten Schicht
210 als nicht fehlerhaft klassifiziert und eine Zusammenhangskomponente 217 des Delta
E Rasterzellenbildes 215 der ersten Schicht 210 als fehlerhaft klassifiziert.
[0085] Für die zweite Schicht 220 wird eine Zusammenhangskomponente 226 des Delta E Rasterzellenbildes
225 als nicht fehlerhaft klassifiziert und eine Zusammenhangskomponente 227 des Delta
E Rasterzellenbildes 225 als nicht fehlerhaft klassifiziert.
[0086] Für die n-te Schicht 230 wird eine Zusammenhangskomponente 236 des Delta E Rasterzellenbilds
235 als nicht fehlerhaft klassifiziert und eine Zusammenhangskomponente 237 des Delta
E Rasterzellenbildes 235 als fehlerhaft klassifiziert.
[0087] Wie oben zu Figur 1 beschrieben, kann eine pixelspezifische Schwellenwertfunktion
so z.B. ein Fragment 224 in dem Delta-E Rasterzellenbild 201, welches auf einer Unregelmäßigkeit
in einer Ausrichtung des Druckbildes 250 in Bezug auf das Soll-Druckbild 242 basiert,
als keinen Pixeldefekt klassifizieren. Damit kann vermieden werden, dass Fehlausrichtungen
des Druckbildes 250 in Bezug auf das Soll-Druckbild 242 als Druckfehler bzw. Defekt
bestimmt werden. Solche Fragmente treten meist in Form von Linien oder Schraffuren
auf, insbesondere an Stellen, an denen das Druckbild 120 leicht verschoben ist in
Bezug auf das Soll-Druckbild 121. Ferner kann die pixelspezifische Schwellenwertfunktion
einen zusammenhängenden Bereich 214 von Pixeln in dem Delta-E Rasterzellenbild 215,
der eine vorgegebene Größe bzw. Ausdehnung überschreitet, als Pixeldefekt klassifizieren.
Damit werden Fehldruckstellen, die meist eine gewisse Fläche einnehmen, als Druckfehler
bzw. Defekte erkannt.
[0088] Beim Training werden z.B. einem Benutzer verschiedene Druckbilder mit zugehörigen
Soll-Druckbildern vorgelegt. Der Benutzer erkennt aufgrund seines subjektiven Eindrucks
Fehler in den Druckbildern und kennzeichnet diese (Labeling-Vorgang). Die von dem
Benutzer fehlermarkierten Druckbilder mit zugehörigen (Ist)-Druckbildern werden in
der Trainingsphase mittels eines maschinellen Lernverfahrens, wie z.B. NN, MLP oder
SVM, gelernt. Damit wird das maschinelle Lernverfahren in die Lage versetzt, aufgrund
des erlernten Musters auch neue Bilder auf Druckfehler zu klassifizieren.
Die Aktivierungsfunktion 202, auch als pixelspezifische Schwellenwertfunktion bezeichnet,
kann dabei auf folgenden Merkmalen basieren: einer Fläche von zusammenhängenden Komponenten
des Delta-E Rasterzellenbildes 215, 225, 235, einem Innenradius der zusammenhängenden
Komponenten des Delta-E Rasterzellenbildes 215, 225, 235, einer Korrelation zwischen
Farbkanälen 246 des Delta-E Rasterzellenbildes 215, 225, 235, einem Kontrast des Delta-E
Rasterzellenbildes 215, 225, 235, insbesondere einer Farbdifferenz zwischen Hintergrund
und Vordergrund. Zur Feststellung der Streifigkeit in horizontaler Richtung wird zusätzlich
als Merkmal die Anzahl der Defektpixel pro Zeile in Betracht gezogen. Analog werden
für die vertikale Streifigkeit Spalten betrachtet.
[0089] Aus den so bestimmten Defekten 212, 232 bzw. Nicht-Defekten 211, 221, 222, 231 wird
ein Fehlerbild 204 erzeugt, welches dem Betrachter einen Überblick über Druckfehler
im Druckbild gibt.
[0090] Schließlich folgt eine kundenspezifische Klassifizierung, in der aus dem Fehlerbild
204 ein Inspektionsergebnis 206 abgeleitet wird.
[0091] In einer Ausführungsform der Druckinspektionsvorrichtung 200 basiert sowohl das Training
der Klassifizierungsschicht 203 mit Aktivierungsfunktion anhand einer Datenbasis als
auch die kundenspezifische Klassifizierung 205 des Defektbildes 204 auf demselben
Trainingsvorgang 150, wie z.B. oben zu Figur 1 beschrieben. In solch einem Trainingsvorgang
werden z.B. einem Benutzer verschiedene Druckbilder mit zugehörigen Soll-Druckbildern
vorgelegt. Der Benutzer erkennt aufgrund seines subjektiven Eindrucks Fehler in den
Druckbildern und kennzeichnet diese (Labeling-Vorgang). Die von dem Benutzer fehlermarkierten
Druckbilder mit zugehörigen (Ist)-Druckbildern werden in der Trainingsphase mittels
eines maschinellen Lernverfahrens, wie z.B. NN, MLP oder SVM, gelernt. Damit wird
das maschinelle Lernverfahren in die Lage versetzt, aufgrund des erlernten Musters
auch neue Bilder auf Druckfehler zu klassifizieren, so dass die Druckinspektionsvorrichtung
200 eine höhere Fehlererkennungsrate aufweist.
[0092] Die Druckinspektionsvorrichtung 200 wurde mit verschiedenen Datensätzen von Portrait-Bildern
getestet. Ein erster Datensatz wies 72 Portrait-Bildern auf, wobei 64 Bilder Farbpunkte
innerhalb des Portraits hatten und 8 Bilder frei von Druckfehlern waren. Ein zweiter
Datensatz wies 600 Portrait-Bilder auf, wobei 480 Bilder Farbpunkte innerhalb des
Portraits hatten, 117 Bilder Streifen hatten und nur 3 Bilder frei von Druckfehlern
waren. Jedes Bild hatte dabei nur einen Druckfehler und zwar in einem Farbkanal. Im
Testdatensatz wurden die Druckfehler über die einzelnen Farbkanäle variiert.
[0093] Die Farbpunkte hatten bei beiden Datensätzen dabei Flächen von 0,4 mm
2, 0,5 mm
2 und 0,6 mm
2. Dabei wurden Nebenfehler, d.h. Druckfehler der Fläche 0,4 mm
2, mit einer Detektionsrate von 85,53 % erkannt und kritische Fehler, d.h. Druckfehler
der Flächen 0,5 mm
2 und 0,6 mm
2, mit einer Detektionsrate von 98,39 % erkannt.
[0094] Fig. 3 zeigt zwei Druckbilder 301, 302 einer weiblichen Person, bei denen jeweils
ein durch einen Drucker verursachter Druckfehler auftritt. In dem Druckbild 301 ist
ein Druckfehler an der Stelle 311, d.h. im Bereich der rechten Wange, durch manuelle
Inspektion erkannt worden. In dem Druckbild 302 sind Druckfehler an den Stellen 312
und 313, d.h. helle horizontal verlaufende Streifen im Gesichtsbereich, durch manuelle
Inspektion erkannt worden.
[0095] Bei den Druckfehlern handelt es sich jeweils um Druckfehler einer zweiten Klasse,
welche aufgrund eines Fehlverhaltens des Druckers entstehen und sich als farbige Punkte
oder Streifen bemerkbar machen. In diesem Fall fehlt entweder ein Farbkanal ganz oder
ein Farbkanal druckt obwohl er nicht drucken sollte. Diese Klasse von Defekten kann
genauer spezifiziert werden. Druckfehler der zweiten Klasse unterscheiden sich von
Druckfehlern einer ersten Klasse, bei denen es sich um Anomalien handelt, wie z.B.
Kratzer, Schmutz, etc. Druckfehler dieser ersten Klasse können nicht weiter spezifiziert
werden.
[0096] Druckfehler der ersten Klasse können mittels statistischer Anomalie-Detektion erkannt
werden, während Druckfehler der zweiten Klasse dazu genutzt werden können, um einen
Klassifikator zu trainieren, wie oben zu den Figuren 1 und 2 beschrieben, der diese
Defekte dann detektieren kann.
[0097] Fig. 4 zeigt drei beispielhafte Serien von Rasterzellenbildern, jeweils mit Eingang
401, 411, 421, Modell 402, 412, 422 bzw. Sollwert und manuell spezifiziertem Ground-Truth
403, 413, 423.
[0098] In der ersten Serie mit dem Ist-Rasterzellenbild 401, bei dem es sich um eine Gitterzelle
eines Ist-Druckbildes handelt, dem Modell 402, welches den Sollwert für das Rasterzellenbild
darstellt, und dem Ground-Truth Rasterzellenbild 403, ist der Druckfehler im Ist-Rasterzellenbild
401, d.h. der punkt- bzw. kreisförmige Bereich, welcher die ganze Mitte des Bildes
401 einnimmt, sehr ausgeprägt und kann daher manuell von einem Benutzer leicht erkannt
werden. Der Benutzer kann damit das Ground-Truth Rasterzellenbild 403 kennzeichnen
bzw. labeln. Weiße Flächen im Ground-Truth Rasterzellenbild 403 stellen Flächen mit
hohem Vertrauenslevel dar, während schwarze Flächen solche mit niedrigem Vertrauenslevel
darstellen. Der Vertrauenslevel im Ground-Truth Rasterzellenbild 403 ist skaliert
von 0 bis 240, wobei 0 den schwarzen Bereich mit niedrigem Vertrauenslevel und 240
den weißen Bereich mit hohem Vertrauenslevel darstellt. Auch wenn im Ground-Truth
Rasterzellenbild 403 keine grauen Bereiche erkennbar sind, kann der Benutzer auch
Vertrauenslevel zwischen 0 und 240 (d.h. Grau-Abstufungen von dunkelgrau bis hellgrau)
labeln.
[0099] In der zweiten Serie mit dem Ist-Rasterzellenbild 411, bei dem es sich um eine Gitterzelle
eines Ist-Druckbildes handelt, dem Modell 412, welches den Sollwert für das Rasterzellenbild
darstellt, und dem Ground-Truth Rasterzellenbild 413, ist der Druckfehler im Ist-Rasterzellenbild
411, d.h. der punkt- bzw. kreisförmige Bereich, welcher die ganze Mitte des Bildes
411 einnimmt, nur wenig ausgeprägt und kann daher manuell von dem Benutzer nur schwer
nach intensiver Prüfung erkannt werden. Nach genauer Inspektion des Benutzers kann
er damit das Ground-Truth Rasterzellenbild 413 kennzeichnen bzw. labeln. Aufgrund
der sorgfältigen Prüfung des Benutzers entspricht das Ground-Truth Rasterzellenbild
413 in etwa dem das Ground-Truth Rasterzellenbild 403 aus der ersten Serie, d.h. trotz
der schlechteren Eingangsdaten 411, ist das Ergebnis das gleiche.
[0100] In der dritten Serie mit dem Ist-Rasterzellenbild 421, bei dem es sich um eine Gitterzelle
eines Ist-Druckbildes handelt, dem Modell 422, welches den Sollwert für das Rasterzellenbild
darstellt, und dem Ground-Truth Rasterzellenbild 423, ist der Druckfehler im Ist-Rasterzellenbild
421, d.h. der punkt- bzw. kreisförmige Bereich, welcher die ganze Mitte des Bildes
421 einnimmt, auch nur wenig ausgeprägt und kann daher manuell von dem Benutzer nur
schwer nach intensiver Prüfung erkannt werden. Während die zweite Serie einen Hellgraufehler
in einem Hellgraubild aufweist, weist die dritte Serie einen Dunkelgraufehler in einem
Dunkelgraubild auf. Auch hier muss der Benutzer das Bild genau inspizieren, um danach
das Ground-Truth Rasterzellenbild 423 labeln zu können. Auch hier entspricht das Ground-Truth
Rasterzellenbild 423 aufgrund der sorgfältigen Prüfung des Benutzers in etwa dem Ground-Truth
Rasterzellenbild 403 aus der ersten Serie, d.h. trotz der schlechteren Eingangsdaten
421, ist das Ergebnis das gleiche.
[0101] Fig. 5 zeigt ein schematisches Diagramm eines pixelbezogenen Trainings 500 eines
Delta E Rasterzellenbildes gemäß einer Ausführungsform.
[0102] Aus dem Eingangsbild, d.h. dem Ist-Rasterzellenbild 502, bei dem es sich um eine
Gitterzelle eines Ist-Druckbildes handelt, und dem Modell 501, welches den Sollwert
für das Rasterzellenbild darstellt, wird das Delta E Rasterzellenbild 503 bestimmt,
wie oben zu den Figuren 1 und 2 beschrieben. Das Ground-Truth Rasterzellenbild 504,
welches aus einem vorherigen Labeling-Prozess wie oben zu Figur 4 beschrieben ist,
zur Verfügung steht, wird zusammen mit dem Delta E Rasterzellenbild 503 als Eingangsgrößen
für das Training 507 genutzt, um eine Schwellenwertfunktion 505 zu trainieren, auf
Basis welcher eine optimale Schwelle 506 bestimmt werden kann.
[0103] Dabei wird eine Helligkeitsskala im Delta E Rasterzellenbild 503, welche von 0 (schwarz)
bis 48 (weiß) reicht in Form einer Schwellenwertfunktion 505 dargestellt. Helligkeitswerte
von 0 bis etwa 25 werden mit dem Schwellenwert 1 gewichtet, was einem hohen Vertrauenslevel
entspricht. Helligkeitswerte von etwa 30 bis 50 werden mit dem Schwellenwert 0 gewichtet,
was einem niedrigen Vertrauenslevel entspricht. Dazwischen, d.h. von etwa 25 bis etwa
30 fällt die Schwelle monoton von 1 auf 0. Solche Werte entsprechen einem mittlerem
Vertrauenslevel, welcher sich im Grenzbereich zwischen einem Bereich, der als Druckfehler
und einem Bereich der als kein Druckfehler erkannt wird, einstellt.
[0104] Der optimale Schwellenwert 506 liegt somit im Bereich zwischen 25 bis 30, z.B. bei
27 oder 28.
[0105] Fig. 6 zeigt eine beispielhafte Bildsequenz eines Soll-Druckbildes 601, eines realen
Druckbildes 602 und eines zugehörigen Defektbildes 603.
[0106] Das Soll-Druckbild 601 stellt ein Portrait einer weiblichen Person dar. Im realen
Druckbild 602 ist auf der rechten Wange der Person ein farblicher Fleck bzw. Punkt
zu erkennen, der einen Druckfehler darstellt. Im zugehörigen Defektbild 603, das beispielsweise
dem zu Figur 1 beschriebenen Defektbild 114 entspricht oder auch dem zu Figur 2 beschriebenen
Fehlerbild 204, sind zwei verschiedene Arten von Druckfehlern zu erkennen. Zum einen
wird der oben besagte farbliche Fleck bzw. Punkt 610 als Druckfehler erkannt, zum
anderen werden Striche bzw. Schraffierungen 611 im Bereich des Haaransatzes als Druckfehler
erkannt, welche aufgrund einer nicht exakten Ausrichtung der beiden Bilder 601, 602
zueinander entstanden sein können.
[0107] Mit Hilfe der oben zu den Figuren 1 und 2 beschriebenen kundenspezifischen Klassifizierung
115, 205 können die Striche bzw. Schraffierungen 611 als Druckfehler ausgeschlossen
werden, so dass nur der farbliche Fleck bzw. Punkt 610 als Druckfehler erkannt wird.
[0108] Fig. 7 zeigt ein schematisches Diagramm eines Trainings 700 der Klassifikationsschicht
zum Erzeugen eines Defekt-Klassifikators gemäß einer Ausführungsform.
[0109] Links in der Figur sind reale Defekte 701 dargestellt, während auf der rechten Seite
Pseudo-Defekte 702 illustriert sind. Bei den realen Defekten 701 handelt es sich um
farbliche Flecken oder Punkte, während es sich bei den Pseudo-Defekten 702 um Striche
oder Schraffuren handelt, welche üblicherweise aufgrund einer Fehlausrichtung von
Ist-Bild zu Soll-Bild entstehen. Beim Training der Klassifikationsschicht 703, z.B.
mit den oben zu Figur 2 beschriebenen Verfahren wie NN, MLP, SVM, etc. wird der Defekt-Klassifikator
bestimmt, welcher eine Unterscheidung der beiden Arten von Defekten 701 und 702 bewirken
kann. Mit diesem Defekt-Klassifikator 704 ist es dann möglich, nur die Flecken 610
im Defektbild 603 der Figur 6 als Druckfehler zu klassifizieren, nicht jedoch die
Streifen 611 bzw. Schraffuren.
[0110] Fig. 8 zeigt ein schematisches Diagramm eines Verfahrens 800 zur optischen Inspektion
eines Druckbildes eines Druckobjekts gemäß einer Ausführungsform. Wie oben zu Figur
1 beschrieben, ist dem Druckobjekt ein Soll-Druckbild 121 zugeordnet. Das Verfahren
führt die Schritte des Prozessors 110 aus, welche oben zu Figur 1 und Figur 2 näher
beschrieben wurden.
[0111] Das Verfahren 800 umfasst ein Bestimmen 801 einer jeweiligen Mehrzahl von Rasterzellenbildern
111 für das Druckbild 120 und das Soll-Druckbild 121 basierend auf einer Unterteilung
des Druckbildes und des Soll-Druckbilds in Rasterzellen 130, wie z.B. oben zu den
Figuren 1 und 2 beschrieben.
[0112] Das Verfahren 800 umfasst ein Bestimmen 802 eines Delta-E Rasterzellenbildes 112
für jede Rasterzelle 130 basierend auf einem Farbabstand zwischen einem Rasterzellenbild
111 des Druckbildes 120 und einem Rasterzellenbild 111 des Soll-Druckbildes 121, wie
z.B. oben zu den Figuren 1 und 2 beschrieben
[0113] Das Verfahren 800 umfasst ein Bestimmen 803 für jedes Pixel des Delta-E Rasterzellenbildes
112, basierend auf einer pixelspezifischen Schwellenwertfunktion 140, ob ein Pixeldefekt
113 vorliegt, wobei die pixelspezifische Schwellenwertfunktion 140 auf einem vorherigen
Training 150 einer Datenbasis 160 von Delta-E Rasterzellenbildern mit zugehörigen
manuell spezifizierten Ground-Truth Rasterzellenbildern beruht, wie z.B. oben zu den
Figuren 1 und 2 beschrieben.
[0114] Das Verfahren umfasst ein Zusammensetzen 804 der zuvor bestimmten Pixeldefekte 113
in den jeweiligen Delta-E Rasterzellenbildern 112 zu einem Defektbild 114, welches
einen Überblick über die Pixeldefekte 113 des Druckbildes 120 gibt, wie z.B. oben
zu den Figuren 1 und 2 beschrieben.
[0115] Ferner umfasst das Verfahren 800 ein Ausgeben 805 eines Inspektionsergebnisses 116
basierend auf einer benutzerspezifischen Klassifikation 115 des Defektbildes 114,
wie z.B. oben zu den Figuren 1 und 2 beschrieben.
[0116] Alle in Verbindung mit einzelnen Ausführungsformen der Erfindung gezeigten oder beschriebenen
Merkmale können in beliebiger Kombination in dem erfindungsgemäßen Gegenstand vorgesehen
sein, um gleichzeitig deren vorteilhafte Wirkungen zu realisieren.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0117]
- 100
- Druckinspektionsvorrichtung
- 110
- Prozessor
- 111
- Rasterzellenbilder
- 112
- Delta-E Rasterzellenbilder
- 113
- Pixeldefekte
- 114
- Defektbild
- 115
- (kundenspezifische) Klassifikation
- 116
- Inspektionsergebnis
- 120
- Druckbild
- 121
- Soll-Druckbild
- 130
- Raster
- 140
- Schwellenwertfunktion
- 150
- Training
- 160
- Datenbasis mit Delta-E Bildern und Ground-Truth Bildern
- 170
- Benutzer
- 200
- Druckinspektionsvorrichtung
- 201
- Delta E Rasterzellenbild
- 202
- Aktivierungsfunktion pro Pixel
- 203
- Klassifizierungsschicht
- 204
- Fehlerbild
- 205
- kundenspezifische Klassifizierung
- 206
- Inspektionsergebnis
- 210
- erste Schicht
- 211
- erster Zweig der ersten Schicht mit keinem Defekt
- 212
- zweiter Zweig der ersten Schicht mit Defekt
- 213
- Rasterzellenbild des Soll-Druckbildes (erste Schicht)
- 214
- Rasterzellenbild des (Ist)-Druckbildes (erste Schicht)
- 215
- Delta E Rasterzellenbild (erste Schicht)
- 216
- Zusammenhangskomponente
- 217
- Zusammenhangskomponente
- 220
- zweite Schicht
- 221
- erster Zweig der zweiten Schicht mit keinem Defekt
- 222
- zweiter Zweig der zweiten Schicht mit keinem Defekt
- 223
- Rasterzellenbild des Soll-Druckbildes (zweite Schicht)
- 224
- Rasterzellenbild des (Ist)-Druckbildes (zweite Schicht)
- 225
- Delta E Rasterzellenbild (zweite Schicht)
- 226
- Zusammenhangskomponente
- 227
- Zusammenhangskomponente
- 230
- n-te Schicht
- 231
- erster Zweig der n-ten Schicht mit keinem Defekt
- 232
- zweiter Zweig der n-ten Schicht mit Defekt
- 233
- Rasterzellenbild des Soll-Druckbildes (n-te Schicht)
- 234
- Rasterzellenbild des (Ist)-Druckbildes (n-te Schicht)
- 235
- Delta E Rasterzellenbild (n-te Schicht)
- 236
- Zusammenhangskomponente
- 237
- Zusammenhangskomponente
- 240
- Modell
- 241
- Soll-Druckbild
- 242
- Soll-Druckbild nach Farbkalibrierung
- 243
- Unterteilung des Soll-Druckbildes in Rasterzellen
- 244
- Gitter bzw. Raster
- 245
- Gitterschicht, lokale Positionskorrektur
- 246
- Farbkanäle
- 247
- Farbraum, hier RGB
- 250
- Eingangsbild bzw. (Ist) Druckbild
- 251
- Eingangsbild nach Weiss-Abgleich
- 252
- Eingangsbild nach Ausrichtung gegenüber Soll-Druckbild
- 253
- Eingangsbild nach Farbkanalaufspaltung
- 254
- Eingangsbild nach Gitterzellenaufspaltung
- 255
- Farbkalibrierung
- 256
- Ausrichtung (Eingangsbild bzgl. Soll-Druckbild)
- 301
- erstes Bild
- 302
- zweites Bild
- 311
- Stelle mit Druckfehler im ersten Bild
- 312
- Stelle mit Druckfehler im zweiten Bild
- 313
- Stelle mit Druckfehler im zweiten Bild
- 401
- Ist-Rasterzellenbild der ersten Serie
- 402
- Modell der ersten Serie
- 403
- Ground-Truth Rasterzellenbild der ersten Serie
- 411
- Ist-Rasterzellenbild der zweiten Serie
- 412
- Modell der zweiten Serie
- 413
- Ground-Truth Rasterzellenbild der zweiten Serie
- 421
- Ist-Rasterzellenbild der dritten Serie
- 422
- Modell der dritten Serie
- 423
- Ground-Truth Rasterzellenbild der dritten Serie
- 500
- Training eines Delta E Rasterzellenbildes
- 501
- Modell, d.h. Sollwert Rasterzellenbild
- 502
- Eingang, d.h. Istwert Rasterzellenbild
- 503
- Delta E Rasterzellenbild
- 504
- Ground-Truth Rasterzellenbild
- 505
- Schwellenwertfunktion
- 506
- optimale Schwelle
- 507
- Training
- 601
- Soll-Druckbild
- 602
- (Ist)-Druckbild
- 603
- Defektbild bzw. Fehlerbild
- 610
- Druckfehler als farblicher Fleck bzw. Punkt
- 611
- Druckfehler als Striche bzw. Schraffierungen
- 700
- Training der Klassifikationsschicht
- 701
- Reale Defekte
- 702
- Pseudo-Defekte
- 703
- Klassifikationsschicht
- 704
- Defekt-Klassifikator
- 800
- Verfahren zur optischen Inspektion eines Druckbildes
- 801
- erster Verfahrensschritt
- 802
- zweiter Verfahrensschritt
- 803
- dritter Verfahrensschritt
- 804
- vierter Verfahrensschritt
- 805
- fünfter Verfahrensschritt
1. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) zur optischen Inspektion eines Druckbildes
(120) eines Druckobjekts, wobei dem Druckobjekt ein Soll-Druckbild (121) zugeordnet
ist, mit:
einem Prozessor (110), der ausgebildet ist,
für das Druckbild (120) und das Soll-Druckbild (121) jeweils eine Mehrzahl von Rasterzellenbildern
(111) basierend auf einer Unterteilung des Druckbilds (120) und des Soll-Druckbilds
(121) in Rasterzellen (130) zu bestimmen;
für jede Rasterzelle (130) ein Delta-E Rasterzellenbild (112) basierend auf einem
Farbabstand zwischen einem Rasterzellenbild des Druckbildes (120) und einem Rasterzellenbild
des Soll-Druckbildes (121) zu bestimmen;
für jedes Pixel des Delta-E Rasterzellenbildes (112) basierend auf einer pixelspezifischen
Schwellenwertfunktion (140) zu bestimmen ob ein Pixeldefekt (113) vorliegt, wobei
die pixelspezifische Schwellenwertfunktion (140) auf einem vorherigen Training (150)
einer Datenbasis (160) von Delta-E Rasterzellenbildern mit zugehörigen manuell spezifizierten
Ground-Truth Zellenbildern beruht;
die zuvor bestimmten Pixeldefekte (113) in den jeweiligen Delta-E Rasterzellenbildern
(112) zu einem Defektbild (114) zusammenzusetzen, welches einen Überblick über die
Pixeldefekte (113) des Druckbildes (120) gibt; und
ein Inspektionsergebnis (116) basierend auf einer benutzerspezifischen Klassifikation
(115) des Defektbildes (114) auszugeben.
2. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach Anspruch 1,
wobei der Prozessor (110) ausgebildet ist, die Mehrzahl von Rasterzellenbildern (111)
basierend auf farbkalibrierten (255) und aufeinander ausgerichteten (256) Druckbildern
(120) und Soll-Druckbildern (121) zu bestimmen.
3. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach Anspruch 1 oder 2,
wobei der Prozessor (110) ausgebildet ist, die Mehrzahl von Rasterzellenbildern (111)
für einen jeweiligen Farbkanal einer Mehrzahl von Farbkanälen (246) eines Farbraumes
(247) zu bestimmen.
4. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei der Prozessor (110) ausgebildet ist, das Delta-E Rasterzellenbild (112) basierend
auf einer Euklidischen Distanz im Farbraum zwischen dem Rasterzellenbild (111) des
Druckbildes (120) und dem entsprechenden Rasterzellenbild (111) des Soll-Druckbildes
(121) zu bestimmen.
5. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei das vorhergehende Training (150) der Datenbasis (160) von Delta-E Zellenbildern
mit zugehörigen Ground-Truth Zellenbildern basierend auf Neuronalen Netzen (NN), Support
Vector Machine (SVM) und/oder Multi-Layer Perceptron (MLP) Verfahren erfolgt.
6. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei die pixelspezifische Schwellenwertfunktion (140) ein Fragment (224, 611) in
dem Delta-E Rasterzellenbild (112), welches auf einer Unregelmäßigkeit in einer Ausrichtung
des Druckbildes (120) in Bezug auf das Soll-Druckbild (121) basiert, als keinen Pixeldefekt
(113) spezifiziert.
7. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei die pixelspezifische Schwellenwertfunktion (140) einen zusammenhängenden Bereich
(214, 610) von Pixeln in dem Delta-E Rasterzellenbild (112), der eine vorgegebene
Größe überschreitet, als Pixeldefekt (113) spezifiziert.
8. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei sowohl das Training (150) der Datenbasis (160) von Delta-E Zellenbildern mit
zugehörigen Ground-Truth Zellenbildern als auch die benutzerspezifische Klassifikation
(115) des Defektbildes (114) auf demselben Trainingsvorgang (150) basieren.
9. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach Anspruch 8,
wobei der Trainingsvorgang (150) auf einer Klassifikation einer Datenbasis von Druckbildern
(401, 411, 421) gegenüber zugehörigen Sollwert-Druckbildern (402, 412, 422) basierend
auf einer subjektiven Fehlererkennung eines Benutzers beruht.
10. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei die pixelspezifische Schwellenwertfunktion (140, 505) jedem Grauwert des Delta-E
Rasterzellenbildes (112) einen Binärwert 0 oder 1 zuordnet.
11. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach Anspruch 10,
wobei die pixelspezifische Schwellenwertfunktion (140, 505) eine logistische Funktion
oder eine Stufenfunktion bezüglich der Grauwerte des Delta-E Rasterzellenbildes (503)
umfasst.
12. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche, wobei
die Klassifikation (115) des Defektbildes (114) auf folgenden Merkmalen basiert:
einer Fläche von zusammenhängenden Komponenten des Delta-E Rasterzellenbildes (503),
einem Innenradius der zusammenhängenden Komponenten des Delta-E Rasterzellenbildes
(503),
einer Korrelation zwischen Ist-Druckbild (120) und Soll-Druckbild (121),
einem Kontrast des Delta-E Rasterzellenbildes (503), insbesondere einer Farbdifferenz
zwischen Hintergrund und Vordergrund.
13. Druckinspektionsvorrichtung nach einem der vorstehenden Ansprüche, mit:
einer Kamera, die ausgebildet ist, das Druckobjekt optisch aufzunehmen, um das Druckbild
zu erhalten.
14. Druckinspektionsvorrichtung (100, 200) nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei der Prozessor (110) ausgebildet ist, als Inspektionsergebnis (116) einen Druckfehler
beim Druck des Druckbildes (120) mit einem Farbdrucker auszugeben, wobei der Druckfehler
in Form eines Farbpunktes oder Farbstreifens auftritt, der auf einer Fehlfunktion
eines Farbkanals (246) des Farbdruckers basiert.
15. Verfahren (800) zur optischen Inspektion eines Druckbildes (120) eines Druckobjekts,
wobei dem Druckobjekt ein Soll-Druckbild (121) zugeordnet ist, mit folgenden Schritten:
Bestimmen (801) einer jeweiligen Mehrzahl von Rasterzellenbildern (111) für das Druckbild
(120) und das Soll-Druckbild (121) basierend auf einer Unterteilung des Druckbildes
und des Soll-Druckbilds in Rasterzellen (130);
Bestimmen (802) eines Delta-E Rasterzellenbildes (112) für jede Rasterzelle (130)
basierend auf einem Farbabstand zwischen einem Rasterzellenbild (111) des Druckbildes
(120) und einem Rasterzellenbild (111) des Soll-Druckbildes (121);
Bestimmen (803) für jedes Pixel des Delta-E Rasterzellenbildes (112), basierend auf
einer pixelspezifischen Schwellenwertfunktion (140), ob ein Pixeldefekt (113) vorliegt,
wobei die pixelspezifische Schwellenwertfunktion (140) auf einem vorherigen Training
(150) einer Datenbasis (160) von Delta-E Rasterzellenbildern mit zugehörigen manuell
spezifizierten Ground-Truth Rasterzellenbildern beruht;
Zusammensetzen (804) der zuvor bestimmten Pixeldefekte (113) in den jeweiligen Delta-E
Rasterzellenbildern (112) zu einem Defektbild (114), welches einen Überblick über
die Pixeldefekte (113) des Druckbildes (120) gibt; und
Ausgeben (805) eines Inspektionsergebnisses (116) basierend auf einer benutzerspezifischen
Klassifikation (115) des Defektbildes (114).