[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Holz-Formteils insbesondere
mit einer dreidimensionalen Bauteilgeometrie nach dem Anspruch 1 sowie ein Holz-Formteil
gemäß Anspruch 10. Mit der Erfindung werden ein holzbasiertes Halbzeug und ein Verfahren
zur Herstellung von Bauteilen daraus bereitgestellt, welches die Herstellung hochfester,
zugleich sehr leichter und ökologisch nachhaltiger Bauteile in dreidimensionalen Bauteil-Geometrien
ermöglicht.
[0002] Im Stand der Technik werden Holz-Bauteile mit hohen mechanischen Anforderungen bislang
nur auf Basis von Furnieren hergestellt, die unter Druck und Temperatur in Formwerkzeugen
verpresst und verklebt werden. Die Furniere sind etwa 0,5 bis 8 mm dicke Blätter aus
Massivholz, die durch verschiedene Säge- und Schneideverfahren vom Holz-Stamm abgetrennt
werden. Im Stand der Technik werden die Holzfurniere in einem Pressschritt verdichtet,
wobei die verbleibenden Hohlräume mit Kunststoff gefüllt werden. Es entsteht ein sogenanntes
Kunstharzpressholz (oder auch "Panzerholz") mit einer Festigkeit von exemplarisch
ca. 160 bis 210 MPa bei einer Dichte von ca. 1,1 bis 1,3 g/cm
3.
[0003] Die Herstellung von Bauteilen aus einem solchen Kunstharzpressholz ist starken geometrischen
Einschränkungen unterworfen, welche aus der geringen Festigkeit der verwendeten Furniere
quer zur Faserrichtung resultieren. Hierdurch können lediglich Bauteile mit relativ
großen Krümmungsradien hergestellt werden. Ferner ist die Kombination mehrerer Krümmungsradien,
zum Beispiel zu sogenannte "Kofferecken", nur in sehr geringem Maße möglich. Komplexe
dreidimensionale Strukturen, wie bspw. flächige Bauteile mit einer rückseitigen Verrippung
können mit diesem Ansatz nicht hergestellt werden. Ein weiterer Nachteil besteht in
der Verwendung von (in der Regel duroplastischen) Kunststoffen, welche den ökologischen
Vorteil des Rohstoffs Holz zumindest teilweise zunichtemachen.
[0004] Aus der
DE 10 2013 111 393 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung von Formteilen aus einem vulkanisierten Fasermaterial
bekannt.
[0005] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, ein Verfahren bereitzustellen, mit dem großserientauglich
holzbasierte Leichtbauteile herstellbar sind, die im Vergleich zum Stand der Technik
eine hohe Bauteil-Festigkeit, eine geringe Dichte sowie hohe geometrische Freiheitsgrade
ermöglichen.
[0006] Die Aufgabe ist durch die Merkmale des Anspruches 1 oder des Anspruches 10 gelöst.
Bevorzugte Weiterbildungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen offenbart.
[0007] Gemäß dem Anspruch 1 wird das Holz-Formteil in einer Prozessabfolge hergestellt,
bei der zunächst Holzspäne bereitgestellt werden. Diese werden in einem Delignifizier-Prozessschritt
zumindest teilweise delignifiziert. In einem anschließenden Umformprozessschritt werden
die delignifizierten Holzspäne in eine Werkzeugkavität eines Umformwerkzeuges eingelegt
und unter Druck, Wärme und gegebenenfalls Feuchtigkeit zu dem Holz-Formteil verpresst.
Bevorzugt ist es, wenn die Holzspäne bei einer thermomechanischen Verdichtung in dem
Umformwerkzeug alleine durch holzeigene Bindungskräfte miteinander verkleben, und
zwar insbesondere ohne Zusatz von Kunststoff-Bindemitteln.
[0008] Ein neuer, erfindungsgemäßer Ansatz besteht also darin, ein Flach-Halbzeug aus sogenannten
Holz-Strands herzustellen. Die Holz-Strands sind in einem vorbereitenden Prozessschritt
zumindest teilweise delignifiziert worden. Das Flach-Halbzeug wird in einem formgebenden
Prozessschritt in die Bauteilgeometrie gebracht und dabei kompaktiert. Unter Holz-Strands
sind großflächige Holzspäne mit optimierter Span-Geometrie (Längen-Breiten-Dicken-Verhältnis)
zu verstehen. Die Herstellung delignifizierter Holz-Strands mit definierter bzw. bewusst
modifizierter Span-Geometrie und einem definierten Verhältnis der Holzbestandteile
Zellulose, Hemizellulose und Lignin ermöglicht einen formgebenden Fertigungsprozess
zur Herstellung komplexer dreidimensionaler Holz-Formteile mit definierter lokaler
Strand-Orientierung und Strand-Länge.
[0009] Auf Prozessebene können mit dem neuen Fertigungsverfahren holzbasierte Bauteile mit
komplexen 3D-Strukturen, wie zum Beispiel Verrippungen und einer hohen Festigkeit,
hergestellt werden. Durch eine mögliche Orientierung der Holz-Strands im umzuformenden
Flach-Halbzeug oder durch die Kombinationen mit anderen Werkstoffen, wie zum Beispiel
Holzfurnieren, faserverstärkten Kunststoffen und Metallen, können auch vielseitige
Bauteilanforderungen erfüllt werden.
[0010] Beispielhaft kann die Halbzeug-Herstellung mittels einer Anzahl von bauteilspezifischen
Halbzeugplatten erfolgen oder aus einer Kombination von Furnieren und Holz-Strands
mit unterschiedlicher Länge und Orientierung in einem Halbzeug. Die Halbzeugplatten
können über prozesswirksame Haftvermittler oder Vorkompaktierung zueinander fixiert
werden.
[0011] Der erfindungsgemäße Umformprozessschritt kann als ein temperierter Formgebungs-
und Konsolidierungsprozess (Fließpressen) realisiert sein, gegebenenfalls in Verbindung
mit überhitztem Dampf (vergleiche Partikelschäumen). Gegebenenfalls können auch holzkompatible
Haftvermittler zu Einsatz kommen.
[0012] Ein wesentlicher Aspekt der Erfindung betrifft den Sachverhalt, dass in der erfindungsgemäßen
Prozessabfolge Holz-Strands verwendet werden. Wird anstelle dessen die erfindungsgemäße
Prozessabfolge unter Verwendung von Holzfurnieren aus Massivholz durchgeführt so ergeben
sich die folgenden Nachteile: Bei der Delignifizierung von Massivholz ist mit sehr
langen Prozesszeiten zu rechnen, da die zu entfernenden Holzbestandteile über weitere
Strecken aus dem Holzgerüst gelöst und herausgespült werden müssen. Zudem sorgt die
unidirektionale Faserorientierung für eine Vorzugsrichtung der mechanischen Eigenschaften
(Anisotropie) im verpressten Verbund und lässt erwarten, dass komplexe Geometrien
hierbei ebenfalls nicht möglich sind.
[0013] Die wesentlichen Vorteile der Erfindung sind nachfolgend stichpunktartig aufgelistet,
nämlich eine hohe geometrische Freiheit durch Verwendung von Holz-Strands, wobei Ausprägung
von Rippen und Kofferecken möglich ist; möglichst kein bzw. absolut minimaler Einsatz
von Kunststoff, so dass das fertige Bauteil im Wesentlichen vollständig aus natürlichen
und nachwachsenden Bestandteilen besteht; keine Hohlräume, die eine Feuchtigkeitsaufnahme
begünstigen würden, wodurch sich eine gute Formstabilität und Beständigkeit gegen
Umgebungseinflüsse ergeben; sehr gute mechanische Eigenschaften sowie Festigkeit,
die etwa vergleichbar mit einfachen Stählen ist, jedoch bei einem Fünftel des Gewichts;
aufgrund der zufälligen Orientierung der Holz-Strands über die Werkstückoberfläche
quasiisotrope mechanische Eigenschaften in der Flächenrichtung; durch Anpassung des
Flach-Halbzeugs und des Fertigungsprozesses ist aber auch definiert Anisotropie, zum
Beispiel bei einfachen Lastpfaden, ermöglicht; zudem ist eine einfache Kombination
mit anderen Halbzeugen und Werkstoffen (zum Beispiel (delignifiziertes) Furnier, faserverstärkte
Kunststoffe (FVK), Metalle) möglich.
[0014] Mittels der Erfindung wird ein ökologisch nachhaltiger Leichtbau auf Basis nachwachsender
Rohstoffe bereitgestellt. Hierzu bietet die Erfindung die Möglichkeit, strukturrelevante
Bauteile mit einer hohen Festigkeit und gleichzeitig geringer Dichte und somit einem
hohen Leichtbaupotenzial vollständig aus nachwachsen und ökologisch nachhaltigen Werkstoffen
zu fertigen. Gleichzeitig ermöglicht die Erfindung eine hohe geometrische Freiheit,
so dass zum Beispiel Verrippungen zur Verbesserung der Bauteilsteifigkeit ausgeprägt
werden können.
[0015] Beispielhaft kann in einem ersten Prozessschritt eine zumindest teilweise Delignifizierung
der Holz-Strands erfolgen. Die Delignifizierung der Holz-Strands ist nach unterschiedlichen
Methoden möglich, etwa nach der Sulfitmethode, die zur Herstellung von Zellulosefasern
bei der Papierherstellung eingesetzt wird. Um die Prozesszeit zu verkürzen als auch
die Prozesstemperatur zu reduzieren, werden im Vergleich mit der Papierherstellung
andere Konzentrationen an Chemikalien eingesetzt (Na
2SO
3 und NaOH). Ein kontinuierliches Verfahren ist hierbei möglich.
[0016] Zur Verringerung von einzusetzenden Chemikalien kann alternativ eine teilweise Delignifizierung
auch mittels Ethanol bei einem Überdruck ermöglicht werden. Dieser Prozess kann nur
teilweise kontinuierlich dargestellt werden. Durch ein günstiges Verhältnis von Fläche
zu Volumen der Holz-Strands kann eine schnelle Vorbehandlung der Holz-Strands erfolgen.
[0017] Die Erfindung nutzt in einem weiteren Erfindungsaspekt den Sachverhalt, dass Holz
holzeigene Bindungskräfte aufweist. Mittels dieser Bindungskräfte können die Holz-Strands
miteinander zu verklebt werden. Durch die teilweise Delignifizierung wird die chemische
Struktur des Holzes in Bezug auf holzeigene Bindungskräfte positiv beeinflusst, so
dass die Menge an zusätzlichen Bindungsmittel reduziert bzw. auf Bindungsmittel komplett
verzichtet werden kann. Hier wird besonders die Verwendung von Feuchtigkeit, Temperatur
und pH-Wert zur Umsetzung der Vernetzung in Betracht gezogen. Von daher ermöglicht
die Vorbehandlung der Holz-Strands im Delignifizier-Prozessschritt eine zumindest
teilweise Delignifizierung des Massivholzes, wodurch sich beim anschließenden thermomechanischen
Verdichten zwischen den zusammengepressten Zellwänden wieder stabile Wasserstoffbrückenbindungen
ausbilden.
[0018] In einem zweiten Prozessschritt erfolgt die Bauteilherstellung durch ein Verpressen.
Zur Schaffung und Verarbeitung des Flach-Halbzeuges sind im zweiten Prozessschritt
vier Prozessvarianten denkbar, die untereinander kombinierbar sind:
Die erste und zweite Variante lehnen sich an konventionelle Fließpressprozesse an.
Hierbei werden Compoundmassen definierter und undefinierter Form und Strands-Orientierung
endkonturnah verpresst. Vertreter von Fließpresshalbzeugen sind das Sheet-Moulding
Compound (SMC) und Bulk-Moulding Compound (BMC).
[0019] Die flexible Handhabung der Flach-Halbzeuge aus den ersten beiden Varianten ermöglicht
die Kombination mit artgleichen und artfremden Materialien. In Anlehnung an die Herstellungsprozesse
für Mehrschichtverbunde sind Kombinationen mit anderen Halbzeugen und mit anderen
Fertigungstechnologien umsetzbar. Deren Kombinationen erzielen Synergieeffekte hinsichtlich
gesteigerten mechanischen Eigenschaften und Funktionsintegration.
[0020] In einer dritten Variante kann eine Kombination mit anderen Halbzeugen erfolgen,
etwa mit Furnieren für Optik, Faserbundkunststoffen, Metallen, Geweben, Gelegen, Vliesen.
Zudem kann eine Funktionsintegration erfolgen (zum Beispiel Einlegen von Kabeln, etc.).
[0021] In einer vierten Variante kann eine Kombination mit anderen Fertigungstechnologien
erfolgen, etwa gleichzeitige Metallumformung.
[0022] Zusammenfassend sind mit dem neuen Prozess die Herstellung hochfester komplexer Bauteile
möglich, die sich potenziell für alle strukturrelevanten Anwendungen im Automobil
und weiteren Branchen (zum Beispiel für Schienenfahrzeuge, Luft- und Raumfahrt, Bauwesen,
Wind- und Energieanlagen), eignen. Dort können sie als Alternative zu heute eingesetzten
Kunststoff- bzw. Kunststoff-Metall-Hybrid-Bauteilen (potenziell auch als Teil von
neuen Holz-Metall-Hybridverbunden) zum Einsatz kommen.
[0023] Nachfolgend werden Erfindungsaspekte nochmals einzeln hervorgehoben: So können die
Holzspäne jeweils eine großflächige Flachprofil-Geometrie mit gegenüberliegenden Flachseiten
sowie mit gegenüberliegenden Schmalseiten aufweisen. Die Flachprofil-Geometrie ist
im Hinblick auf den Delifignizier-Prozessschritt und dem Umformprozessschritt mit
einem günstigen Längen-Breiten-Dicken-Verhältnis ausgelegt.
[0024] Zur Bereitstellung eines Flach-Halbzeugs mit einer unidirektionalen Faserorientierung
können die Holzfasern der, das Halbzeug bildenden Holzspäne zueinander unidirektional
ausgerichtet werden.
[0025] Sollte im Gegensatz dazu das Flach-Halbzeug eine multidirektionale Faserorientierung
aufweisen, so werden die Holzfasern der, das Flach-Halbzeug bildenden Holzspäne unorientiert
in Wirrlage zueinander bereitgestellt.
[0026] In einer bevorzugten Ausführungsvariante kann das Holz-Formteil als ein Mehrschichtverbund
aufgebaut sein. Zur Herstellung des Mehrschichtverbundes kann das Flach-Halbzeug mit
zumindest einem weiteren Einlegerteil in die Werkzeugkavität des Umformwerkzeugs eingelegt
werden. Beispielhaft kann das zusätzliche Einlegerteil zumindest ein weiteres Flach-Halbzeug
sein. Alternativ und/oder zusätzlich kann das zusätzliche Einlegerteil ein Holzfurnier,
ein Faserverbundkunststoff-Einlegerteil, ein Metall-Einlegerteil und/oder ein Gewebe,
ein Gelege oder ein Vlies sein. Alternativ und/oder zusätzlich dazu kann das Einlegerteil
aus losen Holzspänen bestehen.
[0027] In einer weiteren Ausführungsvariante kann das zusätzliche Einlegerteil ein Funktionselement,
zum Beispiel ein Kabel, sein, das in dem zu fertigenden Holz-Formteil zu integrieren
ist.
[0028] Im Hinblick auf eine Prozessvereinfachung kann im Umformprozessschritt nicht nur
das Flach-Halbzeug formgebend verpresst werden, sondern zusätzlich auch eine Umformung
des Einlegerteils erfolgen. Beispielhaft kann ein Metall-Einlegerteil einer Metallumformung
unterworfen werden.
[0029] In einer technischen Umsetzung können die delignifizierten Holzspäne lose in die
Werkzeugkavität des Umformwerkzeugs eingelegt werden, etwa als Schüttgut. Alternativ
dazu können die delignifizierten, noch losen Holzspäne in einem vorbereitenden Prozessschritt
in einem Pressenwerkzeug zu einem Flach-Halbzeug verpresst werden. Das Flach-Halbzeug
kann zur Vorbereitung des Umformprozessschritts in die Werkzeugkavität des Umformwerkzeugs
eingelegt werden.
Nachfolgend sind Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der beigefügten Figuren
beschrieben.
[0030] Es zeigen:
- Figur 1
- in einer Seitenschnittansicht ein fertiggestelltes Holz-Formteil;
- Figur 2
- ein Blockschaltdiagramm, anhand dem Prozessschritte zur Herstellung des in der Figur
1 gezeigten Holz-Formteils veranschaulicht sind; und
- Figur 3 und 4
- in Ansichten entsprechend der Figur 2 weitere Ausführungsbeispiele der Erfindung;
und
- Figur 5
- in einer Ansicht entsprechend der Figur 1 ein Holz-Formteil gemäß einer Ausführungsvariante.
[0031] In der Figur 1 ist ein Holz-Formteil 2 mit einer dreidimensionalen Bauteilgeometrie
gezeigt. Das Holz-Formteil 2 ist aus großflächigen Holzspänen 1 ausgebildet, die durch
holzeigene Bindungskräfte miteinander verklebt sind, und zwar mittels einer thermomechanischen
Verdichtung. Das Holz-Formteil 2 ist in der Figur 1 beispielhaft mit einer unidirektionalen
Faserorientierung ausgebildet.
[0032] Nachfolgend wird anhand der Figur 2 eine Prozessabfolge beschrieben, mittels der
das in der Figur 1 gezeigte Holz-Formteil 2 herstellbar ist: Demzufolge wird zunächst
in einer nicht gezeigten Schneidstation Holz zu den Holzspänen 1 zerkleinert bzw.
auf ein definiertes Span-Maß zugeschnitten. Die Holzspäne 1 sind jeweils mit einem,
für nachfolgende Behandlungsschritte I, II, III günstigen Länge-Breiten-Dicken-Verhältnis
(I, b, d) bemessen, wie es in der Figur 2 gezeigt ist. Demzufolge weisen die Holzspäne
1 jeweils eine großflächige Flachprofil-Geometrie mit gegenüberliegenden Flachseiten
sowie mit gegenüberliegenden Schmalseiten auf. Die Span-Länge I liegt beispielhaft
in einem Bereich von 5 bis 10 mm, während die Span-Breite b in einem Bereich von 4
bis 7 mm liegen kann. Die Span-Dicke d liegt in einem Bereich von 0,5 bis 1,5 mm.
Die Maßangaben sind lediglich exemplarisch zu verstehen und sollen die Erfindung keinesfalls
darauf beschränken.
[0033] Anschließend erfolgt ein Delignifizier-Prozessschritt I, bei dem die Holzspäne 1
zumindest teilweise delignifiziert werden. Die derart vorbehandelten Holzspäne 1 werden
dann in einem vorbereiteten Pressen-Prozessschritt II in ein Pressenwerkzeug 3 eingelegt
und zu einem Flach-Halbzeug 5 verpresst. Im Hinblick auf eine undirektionale Faserorientierung
sind in der Figur 2 die Holzfasern 5 der, das Flach-Halbzeug 5 bildenden Holzspäne
1 zueinander unidirektional ausgerichtet.
[0034] Im Delignifizier-Prozessschritt I erfolgt eine zumindest teilweise Delignifizierung
der Holz-Späne 1. Der Delignifizier-Prozessschritt I ist so ausgelegt, dass sich beim
anschließenden thermomechanischen Verdichten im Pressen-Prozessschritt II und im Umformprozessschritt
III zwischen den Holz-Späne 1 wieder stabile Wasserstoffbrückenbindungen ausbilden.
Von daher können gegebenenfalls die Holzspäne 1 bei einer thermomechanischen Verdichtung
alleine durch holzeigene Bindungskräfte miteinander verkleben, und zwar besonders
bevorzugt ohne Zusatz von Kunststoff-Bindemitteln.
[0035] Das im Pressen-Prozessschritt II erzeugte Flach-Halbzeug 5 wird in die Werkzeugkavität
9 eines Umformwerkzeugs 11 eingelegt. Im Umformwerkzeug 11 erfolgt unter Druck, Wärme
und Feuchtigkeit ebenfalls eine thermomechanische Verdichtung, bei der das Flach-Halbzeug
formgebend zu dem Holz-Formteil 2 verpresst wird.
[0036] Anhand der Figur 3 wird eine alternative Prozessabfolge zur Herstellung des Holz-Formteils
2 beschrieben, deren Prozessschritte im Wesentlichen identisch sind mit den anhand
der Figur 2 erläuterten Prozessschritte. Im Unterschied zur Figur 2 weist das in der
Figur 3 hergestellte Holz-Formteil 2 keine unidirektionale Faserorientierung auf,
sondern eine mehrdirektionale Faserorientierung. Hierzu sind die delignifizierten
Holzspäne 1 im Flach-Halbzeug 5 mit ihren Holzfasern 7 nicht mehr unidirektional ausgerichtet,
sondern unorientiert in Wirrlage im Flach-Halbzeug 5 positioniert. Ansonsten sind
die Prozessschritte I, II, III bis zur Fertigstellung des Holz-Formteils 2 identisch
mit den bereits anhand der Figur 2 erläuterten Prozessschritten I, II, III.
[0037] Anhand der Figur 4 wird eine weitere alternative Prozessabfolge zur Herstellung des
Holz-Formteils 2 beschrieben. Im Unterschied zu den vorangegangenen Ausführungsbeispielen
ist in der Figur 4 der Pressen-Prozessschritt II weggelassen. Von daher werden die
im Delignifizier-Prozessschritt II vorbehandelten Holzspäne 1 nicht mehr zu einem
Flach-Halbzeug 5 vorgepresst, sondern vielmehr als Schüttgut direkt in die Werkzeugkavität
9 des Umformwerkzeugs 11 eingelegt. Auf diese Weise ergibt sich im herzustellenden
Holz-Formteil 2 eine multidirektionale Faserorientierung.
[0038] In der Figur 5 ist ein Holz-Formteil 2 gemäß einer weiteren Ausführungsvariante gezeigt.
In der Figur 5 weist das Holz-Formteil 2 einen Mehrschichtverbund 16 auf, und zwar
mit einer Holzspan-Lage und einer Metalllage. Zur Herstellung des in der Figur 4 gezeigten
Mehrschichtverbunds 16 wird im Umform-Prozessschritt III das Flach-Halbzeug 5 in Kombination
mit einem Metall-Einlegerteil 15 in die Werkzeugkavität 9 des Umformwerkzeugs 11 eingelegt.
Anschließend erfolgt die Umformung, bei dem nicht nur das Flach-Halbzeug 5 formgebend
umgeformt wird, sondern zusätzlich auch eine Metallumformung des Metall-Einlegerteils
15 erfolgt.
Bezugszeichenliste
[0039]
- 1
- Holzspäne
- 2
- Holz-Formteil
- 3
- Pressenwerkzeug
- 5
- Flach-Halbzeug
- 7
- Holzfasern
- 9
- Werkzeugkavität
- 11
- Umformwerkzeug
- 13
- Holzspan-Lage
- 15
- Metall-Einlegerteil
- 16
- Mehrschichtverbund
- I
- Holzspan-Länge
- b
- Holzspan-Breite
- d
- Holzspan-Dicke
- I
- Delignifizier-Prozessschritt
- II
- vorbereitender Prozessschritt
- III
- Umformprozessschritt
1. Verfahren zur Herstellung eines Holz-Formteils (2) insbesondere mit einer dreidimensionalen
Bauteilgeometrie, bei dem Holzspäne (1) bereitgestellt werden, die in einem Delignifizier-Prozessschritt
(I) zumindest teilweise delignifiziert werden, und bei dem in einem Umformprozessschritt
(III) die delignifizierten Holzspäne (1) in eine Werkzeugkavität (9) eines Umformwerkzeugs
(11) eingelegt werden und unter Druck, Wärme und gegebenenfalls Feuchtigkeit, insbesondere
über eine im Wesentlichen komplett thermomechanische Verdichtung, zu dem Holz-Formteil
(2) verpresst werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die delignifizierten Holzspäne (1) lose in die Werkzeugkavität (9) des Umformwerkzeugs
(11) eingelegt werden, insbesondere als Schüttgut, oder dass die delignifizierten
Holzspäne (1) in einem vorbereitenden Prozessschritt (II) in einem Pressenwerkzeug
(3) zu einem Flach-Halbzeug (5) verpresst werden, und dass das Flach-Halbzeug (5)
für den Umformprozessschritt (III) in die Werkzeugkavität (9) des Umformwerkzeugs
(11) eingelegt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Holzspäne (1) bei der thermomechanischen Verdichtung in dem Umformwerkzeug (11)
und/oder in dem Pressenwerkzeug (3) alleine durch holzeigene Bindungskräfte miteinander
verklebt werden, und zwar insbesondere im Wesentlichen ohne Zusatz von Kunststoff-Bindemitteln.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Holzspäne (1) jeweils eine großflächige Flachprofil-Geometrie mit gegenüberliegenden
Flachseiten sowie mit gegenüberliegenden Schmalseiten aufweisen, und dass insbesondere
die Holzspäne (1) ein für den Delignifizier-Prozessschritt (I), für den vorbereitenden
Prozessschritt (II) und/oder für den Umformprozessschritt (III) günstiges Längen-Breiten-Dicken-Verhältnis
aufweisen.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Bereitstellung eines Flach-Halbzeugs (5) mit einer unidirektionalen Faserorientierung
die Holzfasern (7) der, das Halbzeug (5) bildenden Holzspäne (1) zueinander unidirektional
ausgerichtet werden, oder dass zur Bereitstellung eines Flach-Halbzeugs (5) mit einer
multidirektionalen Faserorientierung die Holzfasern (7) der, das Flach-Halbzeug (5)
bildenden Holzspäne (1) unorientiert in Wirrlage zueinander sind.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Holz-Formteil (2) einen Mehrschichtverbund (16) aufweist, und dass zur Herstellung
des Mehrschichtverbunds (16) das Flach-Halbzeug (5) mit zumindest einem weiteren Einlegerteil
(15) in die Werkzeugkavität (9) des Umformwerkzeugs (11) eingelegt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Einlegerteil (15) ein weiteres Flach-Halbzeug (5), ein Holzfurnier, ein Faserverbundkunststoff-Einlegerteil,
ein Metall-Einlegerteil und/oder ein Gewebe, Gelege oder Vlies ist, oder das Einlegerteil
(15) aus losen Holzspänen besteht.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass das zusätzliche Einlegerteil (15) ein Funktionselement, etwa ein Kabel, ist, das
in dem zu fertigenden Holz-Formteil zu integrieren ist.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass im Umformprozessschritt (III) gleichzeitig auch eine Umformung des Einlegerteils
(15) erfolgt, etwa eine Metallumformung eines Metall-Einlegerteils (15).
10. Holz-Formteil, das mit einem Verfahren gemäß den vorhergehenden Ansprüchen hergestellt
ist.