[0001] Die Erfindung betrifft eine Abwasserpumpe mit einem Spiralgehäuse mit einer Einlassöffnung
und einem Laufrad mit wenigstens einer Schaufel, wobei die der jeweiligen Schaufel
zugeordnete Eintrittskante von der Laufradnabe rückwärtsgekrümmt nach außen verläuft.
[0002] Abwasser kann verschiedene Arten von Feststoffen wie Faserstoffen enthalten, deren
Menge und Struktur von der Abwasserquelle als auch von der Jahreszeit abhängen kann.
Bspw. sind in Städten Kunststoffe, Hygieneartikel, Textilien usw. üblich, während
in Industriegebieten Verschleißpartikel enthalten sein können. Erfahrungsgemäß entstehen
die größten Probleme bei Abwasserpumpen durch Faserstoffe wie Lappen, Tücher und dergleichen,
die sich an den Eintrittskanten der Schaufeln festsetzen und sich um die Laufradnabe
wickeln können. Solche Vorfälle führen zu häufigen Serviceintervallen und einem verminderten
Wirkungsgrad der Pumpe.
[0003] Es existieren bereits diverse Lösungsansätze, die sich Schneidwerkzeugen oder auch
Abstreifwerkzeugen bedienen, um die an den Eintrittskanten festgesetzten Schadstoffe
im Pumpenbetrieb entfernen zu können.
[0004] Die vorliegende Erfindung setzt sich zum Ziel bestehende Lösungen zu verbessern.
[0005] Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Abwasserpumpe gemäß den Merkmalen des Anspruchs
1. Vorteilhafte Ausführungen der Abwasserpumpe sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0006] Ausgangsbasis für die Erfindung ist eine Abwasserpumpe zur Förderung von feststoffbeladenem
Abwasser. Die Abwasserpumpe besteht aus einem Laufrad mit wenigstens einer rückwärtsgekrümmten
Laufradschaufel. Das Laufrad ist mit einer rotierenden Welle drehfest verbunden und
sitzt in einem spiralförmigen Pumpengehäuse mit einer Einlassöffnung. Die Einlassöffnung
kann axial ausgerichtet und/oder zylindrisch sein. Die Eintrittskante der wenigstens
einen Laufradschaufel erstreckt sich von der Laufradnabe mit der angesprochenen rückwärtsgekrümmten
Schaufelform radial nach außen. An der Innenwand der Einlassöffnung ist ein Finger
fest mit dem Pumpengehäuse verbunden. Im Bereich des Übergangs des Fingers zur Innenwand
der Einlassöffnung schließt sich eine Nut an, die in der saugseitigen Seitenwand des
Pumpengehäuses ausgebildet ist und in radialer und tangentialer Richtung in der Pumpengehäusewand
nach außen verläuft.
[0007] Der Finger erstreckt sich von der Einlassinnenwand radial nach innen in Richtung
der Drehachse des Laufrades. Eine der Eintrittskante zugewandte obere Fingerfläche
verläuft mit definiertem Abstand zur Eintrittskante und im Wesentlichen parallel zur
Eintrittskante, so dass sich durch die der Eintrittskante zugewandte obere Fingerfläche
bzw. die seitliche Angriffsfläche des Fingers die gewünschte Abstreifwirkung ergibt.
Das Zusammenspiel von rückwärts gekrümmter Eintrittskante und Finger begünstigt das
Entfernen von auf der Laufradeintrittskante festgesetzten Feststoffen. Mit Hilfe des
Fingers werden die abgelagerten Feststoffe der Nut zugeführt und durch die Rotationsbewegung
des Laufrades mitgefördert, so dass diese über die Nut direkt in den Bereich des Gehäusedruckstutzen
gelangen. Das Laufrad und der Finger sind für diese Aufgabe speziell aufeinander abgestimmt.
[0008] Erfindungsgemäß kann vorgesehen sein, dass die Laufradeintrittskante zur senkrechten
Projektionsfläche der Drehachse des Laufrades in einem Winkel α von 5° bis 75° angestellt
ist. Dies bewirkt, dass zum Abstreifen der Feststoffe neben der Rotationsbewegung
und resultierenden Radialkraft zusätzlich eine axiale Komponente auf die Feststoffe
zum Tragen kommt. Dadurch wird das Abfördern der abgestreiften Feststoffe durch die
Nut optimiert. Bevorzugt kann der Winkel α in einem Wertebereich zwischen 10° bis
45° liegen.
[0009] In nahezu gleichem Maße kann auch die obere Fingerfläche des Fingers gegenüber der
senkrechten Projektionsfläche um den Winkel α geneigt sein. Die obere Fingerfläche
und die Eintrittskante müssen jedoch nicht zwingend exakt parallel verlaufen, so dass
hier auch abweichende Winkel α zur Projektionsfläche vorstellbar sind. Insbesondere
kann vorgesehen sein, dass die obere Fingerfläche nicht planar ausgeführt ist, sondern
stattdessen gekrümmt ist, so dass sich hier ein variierender Winkel α für die Fingerfläche
und demzufolge auch ein variierender Abstand zwischen Eintrittskante und oberer Fingerfläche
ergeben kann. Bevorzugt kann die obere Fingerfläche sowohl in Radialals auch in Tangentialrichtung
eine Krümmung vorsehen. Idealerweise weist die obere Fingerfläche eine kegelartige
Krümmung in Radial- und Tangentialrichtung auf.
[0010] Die Abwasserpumpe kann sowohl trocken als auch im Fördermedium untergetaucht in beliebiger
Ausrichtung betrieben werden. Das Spiralgehäuse der Pumpe weist einen Sporn sowie
einen Druckstutzen auf. Ferner kann das Pumpengehäuse im Bereich der Einlassöffnung
einen separaten Gehäuseeinsatz, wie bspw. einen Saugdeckel oder eine Schleißwand aufweisen,
in den die vorgenannte Nut eingebracht bzw. an diesem der Finger angebracht sein kann.
[0011] Während des Pumpenbetriebs bewegt sich die Eintrittskante der wenigstens einen Schaufel
im Winkel β zur seitlichen Angriffsfläche des Fingers an der oberen Fingerfläche vorbei.
Idealerweise sollte dieser Winkel β bei etwa 90° liegen, um eine optimale Abstreifwirkung
zu erzielen. Um die Gefahren des Festklemmens von Feststoffen zwischen Laufradeintrittskante
und Finger zu reduzieren, sollte sich der Winkel β in Radialrichtung nach außen vergrößern.
Dies bedeutet, dass bei größer werdendem Radius (ausgehend von der Laufradnabe) auch
der Winkel β zunehmen sollte. Vorstellbar sind hier Winkelwerte in Radialrichtung
bei r/r
saug=0,2, d.h. im Bereich nahe der Laufradnabe, zwischen 50° bis 120° und bei r/r
saug=1 zwischen 85° bis 160 °. Der Radius r
saug entspricht dem Radius der zylindrischen Einlassöffnung des Gehäuses. Zwischen den
vorgenannten Stützpunkten kann der Winkel im Wesentlichen gleichmäßig variieren, idealerweise
sollte der Winkel zwischen den Stützpunkten stetig ansteigen.
[0012] Besonders vorteilhaft ist es, wenn die obere Fingerfläche des Fingers zur Eintrittskante
der Schaufel zumindest bereichsweise einen Abstand von 0.05 bis 3mm aufweist. Hierdurch
wird ein optimales Abstreifen der Feststoffe von der Laufradeintrittskante gewährleistet.
Ein zu groß gewählter Abstand birgt die Gefahr, dass kleine Feststoffe und Fasern
nicht vom Abstreiffinger erfasst werden.
[0013] Sinnvollerweise sollte die seitliche Angriffsfläche des Fingers bzw. eine Tangente
zur Angriffsfläche im Verhältnis zum tangentialen Verlauf der Nut einen (tangentialen)
Winkel δ mit einem Wert zwischen 120° und 180°, bevorzugt zwischen 140° und 180° und
besonders bevorzugt einen Wert zwischen 160° und 180° aufweisen. Dabei gilt, dass
mit zunehmenden Winkel δ das Abführen der abgestreiften Feststoffe in die Nut erleichtert
wird. Ideal wäre ein Winkel δ von 180°.
[0014] Um die Strömung im Einlass des Laufrades möglichst wenig zu beeinflussen, sollte
der Finger eine strömungsgünstige Form aufweisen. Gute Eigenschaften stellen sich
ein, wenn der Finger als dreiflächige Pyramide mit gekrümmten Seitenflächen ausgebildet
ist. Zur Sicherstellung einer ausreichenden Abstreiffunktion und gegebenenfalls zur
Erzielung einer optionalen Schneidwirkung ist es vorteilhaft, wenn die vordere Fläche,
d.h. die Angriffsfläche des Fingers in einen Winkel γ von 0° bis 30° gegenüber einer
Parallelen der Drehachse des Laufrades angestellt ist. Die hintere Fläche des Fingers
ist weniger kritisch und kann gegebenenfalls auch stärker zur Parallelen geneigt sein.
Hier empfiehlt sich ein Winkel ε der hinteren Fläche des Fingers zur Parallelen der
Drehachse des Laufrades zwischen 0° bis 50°.
[0015] Aufgrund der gekrümmten Seitenflächen des Fingers in Verbindung mit den vorgenannten
definierten Winkelbereichen können sich Feststoffe nur sehr schwer auf der Fingeroberfläche
festsetzen. Idealerweise ist die hintere Fläche doppelt gekrümmt ausgestaltet, insbesondere
doppelt in unterschiedliche Richtungen gekrümmt ausgebildet. Dies reduziert zusätzlich
die strömungsbeeinflussende Fläche des Fingers.
[0016] Die Ausrichtung und die konkrete Anordnung des Fingers innerhalb des Einlasses sind
entscheidend für die Effizienz der Abstreifwirkung. Relevant ist in diesem Zusammenhang
die Relativlage des Fingers zum Sporn des Spiralgehäuses und demzufolge zum Druckstutzen.
Von Vorteil ist es, wenn der Finger in der Nähe des Sporns angeordnet ist, vorzugsweise
in Drehrichtung nach dem Sporn liegt. Ein solche Anordnung hat insbesondere bei horizontal
stehenden Pumpen einen weiteren Vorteil. Festkörper, wie Steine, können sich gegebenenfalls
im unteren Teil des Pumpengehäuses bzw. Laufrades ansammeln. Durch Anordnung des Fingers
30 in der Umgebung des Sporns wird dieser außerhalb dieser Gefahrenstelle positioniert.
[0017] Die exakte Position des Fingers lässt sich beispielsweise durch den Winkel ϕ festlegen.
Der Winkel ϕ entspricht dem Umschlingungswinkel, der sich durch den Schnittwinkel
zwischen der Senkrechten und einer die Drehachse des Laufrades schneidenden Tangente
der Angriffsfläche des Fingers definiert, wobei die Tangente vorzugsweise durch den
in Radialrichtung von der Drehachse am weitesten weg gelegenen Punkt der Angriffsfläche
verläuft. Mögliche Winkelwerte des Winkels ϕ liegen 0° bis 45°, bevorzugt zwischen
15° bis 35° und idealerweise zwischen 20° und 30°.
[0018] In einer weiteren vorteilhaften Ausführung der Abwasserpumpe entspricht die gewählte
Fingerlänge mindestens 30% des Gesamtradius r
saug der zylindrischen Einlassöffnung, bevorzugt mindestens 50% und idealerweise zwischen
70% bis 80%.
[0019] Optional kann weiterhin vorgesehen sein, dass der Finger wenigstens eine als Schneidkante
ausgeführten Abschnitt vorsieht, insbesondere auf der Seite der vorderen Angriffsfläche
des Fingers, wobei sich die Schneidkante jedoch senkrecht zur Abstreifkante, d.h.
parallel zur Drehachse erstreckt. Bevorzugt ist die Schneidkante im Übergangsbereich
des Fingers zum Befestigungselement des Fingers vorgesehen.
[0020] Weitere Vorteile und Eigenschaften der Erfindung ergeben sich aus dem in den Figuren
dargestellten Ausführungsbeispiel. Es zeigen:
- Figur 1:
- eine perspektivische Ansicht der erfindungsgemäßen Abwasserpumpe mit geöffnetem Pumpengehäuse,
- Figur 2:
- ein Vertikalschnitt durch die erfindungsgemäße Abwasserpumpe,
- Figur 3a,3b:
- eine Detailansicht des Gehäuseeinsatzes mit Abstreiffinger für die erfindungsgemäße
Abwasserpumpe
- Figur 4:
- eine Detailansicht des Laufrades der erfindungsgemäßen Abwasserpumpe,
- Figur 5a bis 5d:
- Detailansichten des Abtreiffingers der erfindungsgemäßen Abwasserpumpe
- Figur 6:
- eine saugseitige Ansicht auf den Gehäuseeinsatz der erfindungsgemäßen Abwasserpumpe
mit eingesetztem Laufrad
- Figur 7a, 7b:
- Schnittansichten entlang der Drehachse R durch den Gehäuseeinsatz samt Laufrad gemäß
Figur 6
- Figur 8:
- eine Detailansicht des Abstreiffingers nebst Nut gemäß der Figur 6 und
- Figur 9:
- eine Diagrammdarstellung des normalisierten Radius (r-rsaug) gegenüber dem Winkel β.
[0021] Figur 1 zeigt eine Explosionsdarstellung der erfindungsgemäßen Abwasserpumpe 1. Diese
besteht aus einem Spiralgehäuse 10, einem saugseitigen Gehäuseeinsatz in Form einer
Schieißwand 12 und dem um die Drehachse R rotierenden Laufrad 20. Die Laufrichtung
ist mit dem Bezugszeichen 2 gekennzeichnet. Das Laufrad 20, in Detailaufnahme der
Figur 4 zu entnehmen, umfasst zwei rückwärts gekrümmte Schaufeln 21a, 21b, durch die
das Fördermedium über die zylindrische Einlassöffnung 15 der Schleißwand 12 angesaugt
und über den Förderraum 16 des Spiralgehäuses 10 zum Druckstutzen 13 gefördert und
über diesen abgegeben wird.
[0022] Das zu fördernde Abwasser kann mit einer Vielzahl unterschiedlicher Feststoffe versetzt
sein, beispielsweise Faserstoffe, die sich während des Pumpenbetriebs an gewissen
Teilen der Pumpe festsetzen können. Aus diesem Grund ist der erfindungsgemäße Abstreiffinger
30 vorgesehen, der an der zylindrischen Innenwandung des Einlasses 15 befestigt ist
und sich in Richtung der Drehachse R erstreckt. Das in den Figuren gezeigte Ausführungsbeispiel
besitzt zwar eine separate Schleißwand 12, für die Umsetzung der Erfindung könnte
jedoch genauso gut auf die Schleißwand 12 verzichtet werden und der Finger 30 unmittelbar
an der Gehäusewandung im Bereich des Saugmundes angebracht werden. Auf die Ausgestaltung
und Funktionsweise des Fingers 30 soll später noch näher eingegangen werden, zunächst
soll die Konstruktion des Laufrades 20 beschrieben werden.
[0023] Charakteristisch für das Laufrad 20 ist der Verlauf der in Fig. 4 gezeigten Eintrittskanten
23 der Schaufeln 21a, 21b. Diese beginnen unmittelbar an der Laufradnabe 22, insbesondere
auf Höhe des oberen, freien Nabenendes und erstrecken sich rückwärts gekrümmt radial
nach aussen. Als Eintrittskanten 23 werden die zum Saudeckel gerichteten Stirnflächen
der Schaufeln 21a, 21b bezeichnet, die sich durch den Einlass 15 erstrecken.
[0024] Diese Eintrittskanten 23 sind ferner in einem definierten Winkel α zur senkrechten
Projektionsfläche der Drehachse R ausgerichtet. Zur Verdeutlichung des gewählten Winkels
sei auf die Figuren 7a, 7b verwiesen, die eine Schnittdarstellung durch das Laufrad
20 und die entsprechende Schleißwand 12 zeigen. Eingezeichnet ist hier der Winkel
α der Eintrittskante 23 des Laufrades 20 gegenüber der Horizontalen, die in der gewählten
Darstellungsform einer senkrechten Projektionsfläche zur Drehachse R entspricht. Die
gewählte Neigung ermöglicht es, neben der Radialkraft ergänzend eine axiale Kraftkomponente
auf das Fördermedium aufzubringen, was die Abgabe darin enthaltener Feststoffe, die
durch den Finger 30 erfasst und abgestreift wurden, optimiert. Deren Abgabe erfolgt
über eine speziell dafür vorgesehene spiralförmige Nut 11 innerhalb der saugseitigen
Schleißwand 12. Idealerweise sollte der Winkel α im Bereich zwischen 5° und 75° bzw.
10° bis 45° liegen. Im hier gezeigten Ausführungsbeispiel wird von einem Neigungswinkel
α von etwa 25° ausgegangen (s. Figur 7a, 7b).
[0025] Um die Abstreifwirkung des Fingers 30 zu optimieren, muss dessen Form und Lage innerhalb
des Einlasses 15 an die konkrete Laufrad- und Gehäusekonstruktion angepasst werden.
Der Abstreiffinger 30 wird an der Innenwandung des Einlasses 15 der Schleißwand montiert
und erstreckt sich in Richtung der Drehachse R. Die Länge des Abstreiffingers 30 sollte
mindestens 30%, bevorzugt mindestens 50% bzw. bestenfalls ca. 70% bis 80% des Radius
des zylindrischen Einlasses 15 betragen, der nachfolgend als rsaug bezeichnet wird.
[0026] Um die Strömung im Einlass 15 zum Laufrad 20 möglichst wenig durch den Abstreiffinger
30 zu beeinflussen, ist der Finger 30 pyramidenartig geformt mit insgesamt drei Seitenflächen
33, 35a, 35b und der an der Innenwand des Einlass 15 anliegenden Grundfläche. Die
obere, den Eintrittskanten 23 des Laufrades 20 zugewandte Fingerfläche 33 ist hierbei
nicht planar, sondern mit einer durchgehenden Krümmung versehen, dies sowohl in Fingerlängsrichtung
(Radialrichtung KR siehe Fig. 5b) als auch in Querrichtung (Tangentialrichtung KT
siehe Figur 8). In Summe ergibt sich hier eine Art Kegelfläche 33.
[0027] Auch die übrigen Seitenflächen, d.h. die seitliche Angriffsfläche 35a als auch die
hintere Seitenfläche 35b weisen entsprechende Krümmungen auf, wobei die hintere Seitenfläche
35b sogar eine doppelte Krümmung in unterschiedliche Richtungen vorsieht. Vergleiche
hierzu insbesondere Fig. 5c. Zur Erfüllung der Funktion des Abstreifens von Feststoffen
und des Zerschneidens von Fasern ist die vordere Angriffsfläche 35a des Fingers 30
in einem Winkel γ von 0° bis 30° zur Drehachse R geneigt. In der Fig. 8 ist der Winkel
γ zu einer Parallelen P1 der Drehachse R eingezeichnet. Die hintere Fläche 35b des
Fingers 30 ist weniger kritisch und kann mit einem Winkel ε gegenüber der Drehachse
R bzw. der Parallelen P2 zur Drehachse R von 0° von 50° geneigt sein. Des Weiteren
kann die Fläche 35c tangential zu den angrenzenden Flächen 35a, 35b verrundet sein.
Bei Berücksichtigung dieser Winkeldefinition können sich nur sehr schwer Feststoffe
auf dem Finger 30 festsetzen.
[0028] Bei der Rotation des Laufrades 20 um die Drehachse R in Richtung 2 laufen die Eintrittskanten
23 des Laufrades 20 auf die seitliche Angriffsfläche 35a zu und bewegen sich dann
an der gegenüberliegenden Fingerfläche 33 vorbei. Die Übergangskante zwischen seitlicher
Angriffsfläche 35a und oberen Fläche 33 bildet die sogenannte Abstreifkante, durch
diese auf den Eintrittskanten abgesetzte Feststoffe abgestreift werden und aufgrund
der Radial- und Axialgeschwindigkeit des Fördermediums in die spiralförmige Nut 11
abgegeben werden, über diese sie letztendlich am Laufrad 20 vorbei durch den Förderraum
16 zum Druckstutzen 13 ausgestoßen werden.
[0029] Der Abstand zwischen der Eintrittskante 23 und der Fläche 33 bzw. der Abstreifkante
des Abstreiffingers 30 sollte in einem Bereich zwischen 0,05 bis 3mm liegen, wobei
dieser Abstand in Radialrichtung variieren kann, jedoch möglichst innerhalb des vorgenannten
Werteintervalls bleiben sollte. Ein zu groß gewählter Abstand birgt die Gefahr, dass
kleine Feststoffe nicht vom Abstreiffinger 30 erfasst werden können, wohingegen ein
zu klein gewählter Abstand das Risiko eines Anlaufens von Abstreiffinger 30 und Eintrittskante
23 erhöht.
[0030] Da wie eingangs erläutert die Eintrittskante 23 des Laufrades 20 in einem Winkel
α geneigt zur senkrechten Projektionsfläche der Drehachse R liegt, sollte auch der
Finger 30 bzw. die obere Fläche 33 oder zumindest die Abstreifkante eine entsprechende
Neigung um den Winkel α aufweisen. Erkennbar ist dies auch in Figur 7b. Die Neigungswinkel
von Eintrittskante 23 und Fläche 33 müssen jedoch nicht zwingend exakt identisch sein,
sondern können auch geringfügige Differenzen zeigen. Trotz dieser Winkeldifferenzen
sollte jedoch der zuvor definierte Abstandswert innerhalb des gewünschten Wertebereichs
liegen.
[0031] Die relative Position des Abstreiffingers 30 zum Sporn 17 des Spiralgehäuses 10 beeinflusst
zudem die Abgabe der abgestreiften Feststoffe an den Druckstutzen 13. Insbesondere
bei einer horizontal aufgestellten Pumpe ist es von Vorteil, wenn der Abstreiffinger
30, wie in der Schnittdarstellung der Fig. 2 gezeigt, in Drehrichtung 2, d.h. in der
Darstellung der Fig. 2 im Uhrzeigersinn, unmittelbar hinter dem Sporn 17 liegt. Festkörper,
wie Steine, können sich gegebenenfalls im unteren Teil des Pumpengehäuses bzw. Laufrades
ansammeln. Durch Anordnung des Abstreiffingers 30 in der Umgebung des Sporns wird
dieser ausserhalb dieser Gefahrenstelle positioniert.
[0032] Die Relativposition des Abtreiffingers 30 zum Sporn 17 lässt sich durch den in Fig.
2 eingezeichneten Winkel ϕ definieren. Der Winkel ϕ entspricht dem Umschlingungswinkel,
der sich durch den Schnittwinkel zwischen der Senkrechten und der Geraden G1 definiert.
Die Gerade G1 steht senkrecht auf der Drehachse R und verläuft durch den in Radialrichtung
von der Drehachse R entferntesten Punkt der seitlichen Angriffsfläche 35a des Abstreiffingers
30. Empfohlene Werte für den Winkel ϕ liegen im Bereich zwischen 0° bis 45°, wobei
sich ein Winkel von 20°bis 30° als besonders vorteilhaft herausgestellt hat.
[0033] Während des Pumpenbetriebs bewegt sich die Eintrittskante 23 der Schaufeln 21a, 21b
an der oberen Fläche 33 vorbei. Die Tangente am tiefsten Punkt der oberen Fläche 33
(Punkt des geringersten Abstands zur Eintrittskante 23) bildet mit der Tangente der
Eintrittskante den Winkel β. Zur optimalen Arbeitsweise des Fingers 30 sollte der
Winkel β etwa 90° betragen. Um jedoch ein Festklemmen der Faserstoffe zwischen Laufradeintrittskante
23 und Finger 30 zu reduzieren, kann sich der Winkel β bei zunehmendem Radius r ausgehend
von der Laufradnabe 22 auch vergrößern. Dies bedeutet, dass bei größer werdendem Radius
r sich auch der Winkel β vergrößert. Zur einfacheren Darstellung kann über den normalisierten
Radius (r - r
saug), wobei rsaug den Radius des Einlasses 15 darstellt, der in der Figur 9 abgebildete
Verlauf angenommen werden.
[0034] In dieser Figur ist zu sehen, dass der Winkel β nahe des Zentrums des Laufrades 20
zwischen 50° und 120° liegen kann und an der äußeren Kante zwischen 85° und 160° liegt.
Innerhalb dieses Bereichs ist der Winkelverlauf frei wählbar, jedoch sollte optimalerweise
ein sich stetig anwachsender Winkel β gewählt werden.
[0035] Um die Abstreifwirkung weiter zu optimieren, sollte zudem die seitliche Angriffsfläche
35a des Fingers 30 im Verhältnis zum tangentialen Verlauf der Nut 11 einen Winkel
δ zwischen 180° bis 120° annehmen. Dieser Winkel δ ist in Figur 3 verdeutlicht und
hat dort etwa den Wert 165°.
[0036] Optional kann der Finger 30 mit einer Schneidkante 32 ausgestaltet sein, die sich
senkrecht zur Fläche 33 des Fingers im Bereich des Übergangs zum Befestigungselement
31 erstreckt. Demzufolge verläuft die Schneidkante nahezu parallel zur Drehachse R.
Mittels des Befestigungselementes 31 kann der Abstreiffinger 30 lösbar mit der Schleißwand
12 bzw. dem Gehäuse 10 verbunden werden, wobei hier darauf zu achten ist, dass das
Befestigungselement 31 nicht in den Einlass 15 hineinragt, um so jeden Einfluss auf
die Strömungseigenschaften innerhalb der Pumpe zu vermeiden.
[0037] Die Fig. 9 zeigt den Winkelverlauf β zwischen der Laufeintrittskante 23 des Laufrades
20 und dem Finger 30.
1. Abwasserpumpe (1) zur Förderung von feststoffbeladenem Abwasser mit einem Spiralgehäuse
(10) mit einer Einlassöffnung (15), einem Laufrad (20) mit wenigstens einer Schaufel
(21a, 21b), wobei die der jeweiligen Schaufel (21a, 21b) zugeordnete Eintrittskante
(23) von der Laufradnabe (22) rückwärtsgekrümmt nach außen verläuft, und wenigstens
einem Finger (30) zum Abstreifen von Verschmutzungen von der Eintrittskante (23),
wobei der Finger (30) an der Einlassinnenwand angeordnet ist und sich in Richtung
der Drehachse R des Laufrades (20) erstreckt, und wobei wenigstens eine, in einer
saugseitigen Innenwand des Gehäuses (10, 12) eingebrachte Nut (11) vorgesehen ist,
und die Eintrittskante (23) des Laufrades (20) und die der Eintrittskante (23) zugewandte
obere Fingerfläche (33) einen Winkel α zur senkrechten Projektionsfläche der Drehachse
R von 5° bis 75° aufweisen.
2. Abwasserpumpe (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Eintrittskante (23) des Laufrades (20) in Bezug auf die seitliche Angriffsfläche
(35a) des Fingers (30) einen Winkel β bildet, dessen Wert in Radialrichtung bei r/rsaug=0,2 zwischen 50° bis 120° und bei r/rsaug=1 zwischen 85° bis 160 ° liegt, und vorzugsweise zwischen diesen Radialpunkten im
Wesentlichen gleichmäßig variiert.
3. Abwasserpumpe (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die obere Fingerfläche (33) des Fingers (30) zur Eintrittskante (23) der Schaufel
(20) zumindest bereichsweise einen Abstand von 0.05 bis 3mm aufweist.
4. Abwasserpumpe (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der tangentiale Winkel δ zwischen der in Drehrichtung angeströmten Fläche der Nut
(11) und der seitlichen Angriffsfläche (35a) des Fingers im Bereich zwischen 120°
und 180°, bevorzugt zwischen 140° und 180° und besonders bevorzugt zwischen 160° und
180° liegt.
5. Abwasserpumpe (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Finger (30) die Form einer dreiflächigen Pyramide mit gekrümmten Seitenflächen
(33, 35a, 35b) aufweist, wobei die vordere Fläche (35a) einen Winkel γ von 0° bis
30° gegenüber der Drehachse R bzw. einer Parallelen P1 der Drehachse R und die hintere
Fläche (35b) einen Winkel ε von 0° bis 50° gegenüber der Drehachse R bzw. einer Parallelen
P2 der Drehachse R aufweist.
6. Abwasserpumpe (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die hintere Fläche (35b) des Fingers (30) in Radialrichtung in wenigstens zwei verschiedene
Richtungen doppelt gekrümmt ist.
7. Abwasserpumpe (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Finger (30) in der Nähe des Sporns (17) angeordnet ist, vorzugsweise in Drehrichtung
(2) unmittelbar oder kurz nach dem Sporn (17) liegt.
8. Abwasserpumpe (1) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Finger (30) mit einem Umschlingungswinkel ϕ im Wertebereich von 0° bis 45°, besonders
bevorzugt 15° bis 35° und idealerweise 20° und 30° positioniert ist, wobei der Umschlingungswinkel
ϕ durch den Schnittwinkel der Vertikalen mit einer die Drehachse R schneidenden Tangente
(G1) der Angriffsfläche (35a) des Fingers (30) definiert ist, wobei die Tangente (G1)
vorzugsweise durch den in Radialrichtung am weitest weg liegenden Punkt der Angriffsfläche
(35a) zur Drehachse R verläuft.
9. Abwasserpumpe (1) nach einem der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Fingerlänge wenigstens 30% des Radius r der Einlassöffnung beträgt, bevorzugt
mindestens 50% und idealerweise 70% bis 80%.
10. Abwasserpumpe (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Finger (30) lösbar mit dem Gehäuse (10) bzw. einem saugseitigen Gehäuseeinsatz
(12) verbunden ist, insbesondere mittels eines endseitig am Finger ausgebildeten Befestigungselementes
(31), das mit dem Gehäuse (10) bzw. dem Gehäuseeinsatz (12) verschraubbar ist, wobei
das Befestigungselement (31) und dessen Anordnung am Gehäuse (10) bzw. dem Gehäuseeinsatz
(12) derart ausgeführt ist, so dass dieser nicht in die Einlassöffnung (15) des Gehäuses
(10) hineinragt.
11. Abwasserpumpe (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Finger (30) optional wenigstens einen kleinen, als Schneidkante (32) ausgeführten
Abschnitt vorsieht, insbesondere im Übergangsbereich des Fingers (30) zum Befestigungselement
(31) des Fingers (30), wobei sich die Schneidkante (32) besonders bevorzugt parallel
zur Drehachse R erstreckt