Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur adaptiven Raumfilterung bei der Array-Signalverarbeitung
von z.B. Gruppenantennen mit dem Ziel der verbesserten Detektion von Signalen mit
bekannten Autokorrelationseigenschaften. Daher werden im Rahmen dieser Erfindung einerseits
das Gebiet der Array-Signalverarbeitung und insbesondere der adaptiven Raumfilterung
sowie andererseits das Gebiet der Detektion von Signalen mit bekannten Signaleigenschaften
miteinander verknüpft.
Hintergrund
[0002] Bei dem Stand der Technik entsprechenden Verfahren zur Detektion von Nutzsignalen
innerhalb eines Quellsignals wird die Tatsache ausgenutzt, dass die Autokorrelationsfunktion
des zu detektierenden Signals bekannte Muster aufweist. Dieser Ansatz zur Detektion
von schwachen Signalen gehört schon seit langer Zeit zum Stand der Technik, siehe
z.B. die Arbeit von
Y. W. Lee, T. P. Cheatham, Jr. und J. B. Wiesner, "The application of correlation
functions in the detection of small signals in noise", Tech. Rep. of Massachusetts
Inst. of Technology, October 1949. Weitere Ausführungen finden sich in den Druckschriften
EP-B-1 543 665 und
DE-A-10 2009 035 524. Damit lassen sich selbst solche Signale noch sicher detektieren, deren Leistung
deutlich kleiner als die Leistung des überlagerten Rauschens ist. Der Grund dafür
liegt darin, dass das überlagerte Rauschen typischerweise zeitlich unkorreliert ist
und damit zwar das Gesamtsignal stört, dagegen aber asymptotisch keinen Beitrag zur
Autokorrelation für zeitliche Verschiebungen ungleich Null liefert.
[0003] Allerdings liefern die bekannten Verfahren nur mangelhafte Ergebnisse, sobald andere
Signale mit komplementären Autokorrelationseigenschaften überlagert sind, insbesondere
wenn deren Leistung die des Nutzsignals übertrifft. Eine gemäß dem Stand der Technik
naheliegende Lösung dieses Problems wäre es, das Signal mit einer Gruppenantenne zu
empfangen und das zu detektierende Signal mittels adaptiver Raumfilterung herauszufiltern.
Der bekannteste adaptive Raumfilter wird nach dem MVDR (Minimum Variance Distortionless
Response)-Verfahren berechnet, welches versucht, die Summe der Leistungen der Störsignale
sowie die Rauschleistung am Ausgang des Raumfilters zu minimieren. Im Folgenden wird
dieses grundlegende Verfahren kurz skizziert, da dies zum Verständnis der Erläuterungen
des erfindungsgemäßen Verfahrens beiträgt.
[0004] Ein M-elementiges Empfangssignal
x(
t) = [
x1(
t),...,
xM(
t)]
T einer Gruppenantenne mit M Antennenelementen (d.h. M Antennenkanälen) bestehe aus
den folgenden drei Anteilen:

[0005] Dabei bezeichnet
t den Abtastzeitpunkt und (·)
T bezeichnet die Transposition eines Vektors bzw. einer Matrix. Weiterhin bezeichnet
s(
t) das zu detektierende Zielsignal und i(t) das Störsignal bzw. die Summe der Störsignale.
n(
t) bezeichnet das additive Rauschen, welches zeitlich unkorreliert ist, d.h.
E[
n(
t)
nH(
t')] =
σ2δt,t' . Dabei bezeichnet E den Erwartungswert, (·)
H bezeichnet das hermitesch transponierte eines Vektors bzw. einer Matrix und
δt,t' ist das Kronecker-Delta.
[0006] Es wird im Allgemeinen angenommen, dass das Zielsignal unkorreliert mit den Störsignalen
und dem Rauschsignal ist und durch

ausgedrückt werden kann. Hierbei bezeichnet
s(
t) die Wellenform des Zielsignals und
a(ϑ) ist der Steuerungsvektor in Richtung
ϑ des Zielsignals.
[0007] Das Signal
y(
t) am Ausgang des Raumfilters mit Raumfilterkoeffizientenvektor
w (d.h. die Komponenten von
w sind die Gewichtungsfaktoren für die einzelnen Antennenelemente bzw. Antennenkanäle)
ist durch

gegeben.
[0008] Für den Fall, dass der Steuerungsvektor des Zielsignals, welches als Punktquelle
angenommen wird, genau bekannt ist, ist der optimale Raumfilterkoeffizientenvektor
w durch

gegeben. Dies setzt eine genaue Kalibrierung der Antenne sowie eine genaue Ermittlung
der Einfallsrichtung voraus. Ferner bedeutet "optimal", dass das Signal-zu-Stör-plus-RauschVerhältnis
(engl. Signal-to-Interference-plus-Noise-Ratio, SINR) maximiert wird:

[0009] Dabei bezeichnet

die Signalleistung und

die Stör-plus-Rausch-Kovarianz-Matrix.
[0010] Das Ergebnis für das MVDR-Raumfilter ergibt sich durch Minimierung des Nenners in
dem Ausdruck für das SINR unter der Nebenbedingung, dass die Antwort des Filters in
Richtung des Zielsignals gleich eins ist, also
wHa(
ϑ) = 1 gilt.
[0011] Das korrespondierende Minimierungsproblem lautet also:

[0012] In Praxis wird die Stör-plus-Rausch-Kovarianz-Matrix
Ri+n durch die Sample-Kovarianz-Matrix

ersetzt.
[0014] Alle diese Verbesserungen befassen sich aber nicht mit dem speziellen Fall, dass
man nach der Raumfilterung Zielsignale mittels bekannter Autokorrelationseigenschaften
detektieren möchte.
[0015] Der Nachteil der bekannten adaptiven Raumfilterungs-Verfahren besteht dann darin,
dass das überlagerte Rauschen und die Störsignale nur entsprechend ihrer jeweiligen
Leistung gewichtet unterdrückt werden. Aufgrund der endlichen Anzahl an Antennenelementen
ist die Raumfilterung nicht beliebig flexibel, um alle Rausch- und Störkomponenten
perfekt zu unterdrücken. Dies kann dazu führen, dass bei sehr starkem Rauschen die
Störkomponenten nicht ausreichend unterdrückt werden, um das Zielsignal sicher detektieren
zu können. Die zweite Schwierigkeit bei der Anwendung bekannter Raumfilterungs-Verfahren
ergibt sich aus dem Umstand, dass man Signale anhand bekannter Muster in ihrer Autokorrelation
noch tief verborgen im Rauschen detektieren kann, aber eine genau Ermittlung ihres
Peilwerts, der in die Berechnung des herkömmlichen Raumfilters einfließt, nicht mehr
möglich ist, so dass es zur Selbstauslöschung des Zielsignals kommt.
[0016] Es ist daher eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Möglichkeit bereitzustellen,
um Störsignale mit Autokorrelationseigenschaften deutlich stärker als unkorreliertes
Rauschen unterdrücken zu können, damit Zielsignale bzw. Nutzsignale sicher mittels
bekannter Merkmale in ihrer Autokorrelation detektiert werden können.
Darstellung der Erfindung
[0017] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird durch ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Raumfilterung
zumindest eines autokorrelierten Nutzsignals aus einem Empfangssignal einer Gruppenantenne
gemäß den unabhängigen Ansprüchen gelöst. Weitere Aspekte sowie Weiterbildungen der
Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen, der folgenden Beschreibung sowie in den
Figuren beschrieben.
[0018] Ein erstes Ausführungsbeispiel betrifft ein Verfahren zur Raumfilterung zumindest
eines autokorrelierten Nutzsignals aus einem Empfangssignal einer Gruppenantenne in
Form von linear oder zweidimensional verteilt angeordneten (z.B. Einzel-)Antennen
oder Antennenelementen. Das Verfahren umfasst das Empfangen des Empfangssignals der
Gruppenantenne. Die Gruppenantenne umfasst eine Mehrzahl an Antennenkanälen. Ferner
umfasst das Verfahren das Berechnen von Gewichten eines adaptiven Raumfilters für
die einzelnen Antennenkanäle der Mehrzahl an Antennenkanälen. Weiterhin umfasst das
Verfahren das Filtern des Empfangssignals mit dem adaptiven Raumfilter, um das zumindest
eine autokorrelierte Nutzsignal aus dem Empfangssignal zu extrahieren. Das Verfahren
ist dadurch gekennzeichnet, dass das Berechnen der Gewichte des adaptiven Raumfilters
das Optimieren einer Bewertungsfunktion umfasst, bei der es sich um die Summe von
Betragsquadraten von Autokorrelationen eines Ausgangssignals des adaptiven Raumfilters
für eine Mehrzahl an Zeitverzögerungen unter der Nebenbedingung einer konstanten Filterantwort
des adaptiven Raumfilters bezüglich des Steuerungsvektors der Gruppenantenne für das
zumindest eine autokorrelierte Nutzsignal handelt. Die Summe sollte so klein wie möglich
sein.
[0019] Ein zweites Ausführungsbeispiel betrifft eine Vorrichtung zur Raumfilterung zumindest
eines autokorrelierten Nutzsignals aus einem Empfangssignal einer Gruppenantenne.
Die Vorrichtung umfasst eine Eingangsschnittstelle, die dazu eingerichtet ist, das
Empfangssignal der Gruppenantenne zu empfangen. Die Gruppenantenne umfasst eine Mehrzahl
an Antennenkanälen. Ferner umfasst die Vorrichtung eine Prozessierschaltung, die dazu
eingerichtet ist, Gewichte eines adaptiven Raumfilters für die einzelnen Antennenkanäle
der Mehrzahl an Antennenkanälen zu berechnen und das Empfangssignal mit dem adaptiven
Raumfilter zu filtern, um das zumindest eine autokorrelierte Nutzsignal aus dem Empfangssignal
zu extrahieren. Die Vorrichtung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Prozessierschaltung
dazu eingerichtet ist, die Gewichte des adaptiven Raumfilters durch ein Optimieren
einer Summe von Betragsquadraten von Autokorrelationen eines Ausgangssignals des adaptiven
Raumfilters für eine Mehrzahl an Zeitverzögerungen unter der Nebenbedingung einer
konstanten Filterantwort des adaptiven Raumfilters bezüglich eines Steuerungsvektors
des zumindest einen autokorrelierten Nutzsignals zu berechnen.
[0020] Ein drittes Ausführungsbeispiel betrifft ein nicht-flüchtiges maschinenlesbares Medium,
auf dem ein Programm gespeichert ist, mit einem Programmcode zum Durchführen des hierin
vorgeschlagen Verfahrens, wenn das Programm auf einem Prozessor oder einer programmierbaren
Hardwarekomponente ausgeführt wird. Das nicht-flüchtige maschinenlesbare Medium kann
beispielsweise als Nurlesespeicher (ROM = Read Only Memory), programmierbarer Nurlesespeicher
(PROM = Programmable Read-Only Memory), löschbarer programmierbarer Nurlesespeicher
(EPROM = Erasable Programmable Read-Only Memory), elektrisch löschbarer programmierbarer
Nurlesespeicher (EEPROM = Electrically Erasable Programmable Read-Only Memory), FLASH-Speicher
oder als ein anderer magnetischer oder elektrischer Speichers ausgeführt sein, auf
dem elektronisch lesbare Kontrollsignale gespeichert sind, die mit dem Prozessor oder
der programmierbaren Hardwarekomponente derart zusammenwirken können oder zusammenwirken,
dass das jeweilige Verfahren durchgeführt wird. Eine programmierbare Hardwarekomponente
kann durch einen Prozessor, einen Computerprozessor (CPU = Central Processing Unit),
einen anwendungsspezifischen integrierten Schaltkreis (ASIC = Application-Specific
Integrated Circuit), einen integrierten Schaltkreis (IC = Integrated Circuit), ein
Ein-Chip-System (SOC = System on Chip), ein programmierbares Logikelement oder ein
feldprogrammierbares Gatterarray mit einem Mikroprozessor (FPGA = Field Programmable
Gate Array) gebildet sein. Der Programmcode kann unter anderem als Quellcode, Maschinencode
oder Bytecode sowie als anderer Zwischencode vorliegen.
[0021] Ferner betrifft ein viertes Ausführungsbeispiel ein Programm mit einem Programmcode
zum Durchführen des hierin vorgeschlagen Verfahrens, wenn das Programm auf einem Prozessor
oder einer programmierbaren Hardwarekomponente ausgeführt wird.
[0022] Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens können gezielt Störsignale mit Autokorrelationseigenschaften
aus einer festen Einfallsrichtung ausgeblendet werden. Diffuse oder sogar räumlich
korrelierte Rauschsignale (aus einer bestimmten Einfallsrichtung) werden dabei nur
geringfügig unterdrückt. Allgemein können aufgrund der endlichen Freiheitsgrade eines
Raumfilters bedingt durch eine endliche Anzahl an Antennenelementen (bzw. Antennenkanälen)
der Gruppenantenne nicht alle Störsignale perfekt ausgeblendet werden. Bei den Verfahren,
die zum Stand der Technik gehören, wird nur die Leistung eines Störsignals in Betracht
gezogen und die Störsignale mit größerer Leistung entsprechend stärker unterdrückt.
Verfahren, die unter dem Begriff "diagonal loading" bekannt sind, können dabei allenfalls
inkohärente Rauschsignale unterschiedlich gewichten. Daher kann bei bekannten Verfahren
der Fall eintreten, dass Störsignale mit zeitlichen Korrelationen nicht ausreichend
unterdrückt werden, da leistungsstärkere Rauschsignale vorhanden sind, die auf Kosten
der Störunterdrückung der zeitlich korrelierten Signale stärker ausgeblendet werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt es, gezielt Störsignale, die zeitliche Korrelationen
besitzen, stärker auszublenden als zeitlich unkorrelierte Rauschsignale. Insbesondere
können mit dem erfindungsgemäßen Verfahren gezielt die Zeitverzögerungen ausgewählt
werden, zu denen die Leistung des zeitlich korrelierten Störsignals bei der Filterberechnung
in Betracht gezogen wird.
Figurenkurzbeschreibung
[0023] Einige Beispiele von Vorrichtungen und Verfahren werden nachfolgend bezugnehmend
auf die beiliegenden Figuren lediglich beispielhaft näher erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- ein Ablaufdiagramm eines Ausführungsbeispiels eines Verfahrens zur Raumfilterung zumindest
eines autokorrelierten Nutzsignals aus einem Empfangssignal einer Gruppenantenne;
- Fig. 2
- ein Ausführungsbeispiel eines Musters eines autokorrelierten Nutzsignals;
- Fig. 3
- ein Ausführungsbeispiel eines Musters eines autokorrelierten Störsignals;
- Fig. 4
- ein Ausführungsbeispiel einer Überlagerung der in Figs. 2 und 3 gezeigten Signale;
- Fig. 5
- einen beispielhaften Vergleich der Richtungsabhängigkeit eines Raumfilters gemäß dem
vorgeschlagenen Verfahren und eines Raumfilters gemäß dem MVDR-Verfahren;
- Fig. 6
- ein gemäß dem MVDR-Verfahren gefiltertes Nutzsignal;
- Fig. 7
- ein gemäß dem vorgeschlagenen Verfahren gefiltertes Nutzsignal; und
- Fig. 8
- ein Ausführungsbeispiel einer Vorrichtung zur Raumfilterung zumindest eines autokorrelierten
Nutzsignals aus einem Empfangssignal einer Gruppenantenne.
Beschreibung
[0024] Verschiedene Ausführungsbeispiele werden nun ausführlicher und bezugnehmend auf die
beiliegenden Figuren näher beschrieben.
[0025] Fig. 1 zeigt ein Ablaufdiagramm eines Verfahrens 100 zur Raumfilterung zumindest
eines autokorrelierten Nutzsignals (Zielsignals) aus einem Empfangssignal einer Gruppenantenne
(d.h. gemäß Verfahren 100 können auch mehrere autokorrelierte Nutzsignale aus dem
Empfangssignal gefiltert werden). Die Gruppenantenne umfasst eine Mehrzahl an Antennenkanälen
(d.h. eine Mehrzahl an Antennenelementen).
[0026] Das Verfahren 100 umfasst das Empfangen 102 des Empfangssignals der Gruppenantenne.
Das Empfangssignal kann dabei allgemein auch als Empfangsdaten der Gruppenantenne
aufgefasst werden.
[0027] Ferner umfasst das Verfahren 100 das Berechnen 104 von Gewichten eines adaptiven
Raumfilters für die einzelnen Antennenkanäle der Mehrzahl an Antennenkanälen.
[0028] Weiterhin umfasst das Verfahren 100 das Filtern 106 des Empfangssignals mit dem adaptiven
Raumfilter, um das zumindest eine autokorrelierte Nutzsignal aus dem Empfangssignal
zu extrahieren.
[0029] Erfindungsgemäß umfasst das Berechnen 104 der Gewichte des adaptiven Raumfilters
ein Optimieren der Summe der Betragsquadrate der Autokorrelationen des Ausgangssignals
des adaptiven Raumfilters (d.h. des gefilterten Signals) für eine Mehrzahl an Zeitverzögerungen
unter der Nebenbedingung einer konstanten Filterantwort des adaptiven Raumfilters
bezüglich des Steuerungsvektors für das zumindest eine autokorrelierte Nutzsignal,
das aus dem Empfangssignal gefiltert werden soll. Explizit lautet das erfindungsgemäße
Optimierungsproblem somit wie folgt:

[0030] Das Optimierungsproblem beinhaltet die Berechnung der zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen
Rx(
τ) zu frei wählbaren Zeitverzögerungen
τ. Diese ergeben sich, wenn man den Erwartungswert der Kreuzkorrelationen der Antennenausgänge
(d.h. der Antennenkanäle) zu unterschiedlichen Zeitpunkten berechnet:

[0031] In der Literatur wird die zeitverzögerte Kreuz-Kovarianz-Matrix auch als "space-time
covariance matrix" oder "auto-cross-covariance matrix" bezeichnet. In der Praxis werden
die Erwartungswerte durch den Mittelwert

ersetzt.
[0032] Das erfindungsgemäße Optimierungsproblem ist quartisch in den Raumfiltergewichten
und kann prinzipiell mit einem beliebigen numerischen Optimierungsverfahren mit beliebigem
Startvektor
w0 gelöst werden, der, wie bei der iterativen Lösung eines Optimierungsproblems üblich,
als Anfangsgröße angenommen werden muss.
[0033] Eine spezielle Wahl des Startvektors ergibt sich gemäß Ausführungsbeispielen aus
der Beobachtung, dass unter dem Standard-Datenmodell für das Empfangssignal

folgendes Datenmodell für die zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz Matrizen gilt:

[0034] Dabei bezeichnet
A die Steuerungsmatrix, deren Spalten die Steuerungsvektoren des Zielsignals (d.h.
des zu filternden autokorrelierten Nutzsignals) sowie der Störsignale enthält. Ferner
ist
Rs(
τ) =
E[
s(
t +
τ)
sH(
t)] die zeitverzögerte Kreuz-Kovarianz-Matrix der Ziel-und Störsignale.
[0035] Für
τ = 0 ergibt sich die übliche Kovarianz-Matrix, die bei dem MVDR-Raumfilter in Form
der Sample-Kovarianz-Matrix Verwendung findet. Wie man anhand der Gleichung (11) sieht,
existiert für
τ > 0 auf der rechten Seite kein Rauschterm, weil das Rauschen zu unterschiedlichen
Zeiten nicht korreliert ist. Das Signal selber besitzt dagegen zeitliche Korrelationen,
die bei der Signalklassifikation mittels bekannter Autokorrelationseigenschaften ausgenutzt
werden.
[0036] Die zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen für
τ > 0 enthalten damit keinen durch unkorreliertes Rauschen verursachten Anteil oder
bei Näherung durch Mittelwertbildung einen deutlich geringeren durch unkorreliertes
Rauschen verursachten Anteil.
[0037] Ferner macht das erfindungsgemäße Verfahren in einigen Ausführungsbeispielen von
einer sogenannten PARAFAC-Zerlegung der zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen Gebrauch.
[0038] Die zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen können unter der Annahme, dass die einzelnen
Signale unkorreliert sind, in einer sogenannten PARAFAC (PARAllel FACtor) Zerlegung
dargestellt werden. Dafür arrangiert man alle zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen
in einem dreidimensionalen Array

(im Folgenden mit 'Kovarianz-Tensor' bezeichnet), welcher die Elemente

besitzt, wobei * die komplexe Konjugation bezeichnet.
[0039] Unter der Annahme, dass die Quellen für alle Verzögerungen
l unkorreliert sind, nehmen die Signal-Kovarianz-Matrizen Diagonalgestalt an:

[0040] Wird diese Annahme in Gleichung (12) genutzt, so erhält man eine trilineare Zerlegung
des Kovarianz-Tensors:

[0041] Gebräuchlich ist auch eine Schreibweise, in der die Loading-Vektoren
ap = [
A]
:,p und

enthalten sind, wobei [
A]
:,p die p-te Spalte von
A und [
D]
:,p die p-te Spalte von
D bezeichnet:

[0042] Dabei bezeichnet ∘ das äußere Produkt.
[0044] Man erhält mittels der PARAFAC-Zerlegung eine gute Näherung für die Steuerungsvektoren
der Ziel-und Störsignale und kann so ein angenähertes adaptives Raumfilter konstruieren,
indem man zuerst eine Pseudo-Kovarianz-Matrix

mit Gewichten berechnet, die die Stärke der Signalkomponenten widerspiegeln, und
damit das adaptive Raumfilter

erhält.
[0045] Der Effekt der vorliegenden Erfindung wird im Folgenden mit Bezug auf die Figs. 2
bis 7 anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert.
[0046] Als Beispiel einer Gruppenantenne sei ein uniformes lineares Array mit sechs Antennenelementen
(d.h. eine Gruppenantenne mit sechs Antennenkanälen) verwendet. Das sechskanalige
Empfangssignal wurde synthetisch aus den folgenden vier Anteilen zusammengesetzt:
Die erste Komponente besteht aus dem zu detektierenden Zielsignal (Nutzsignal), welches
in diesem Beispiel ein Vieltonsignal ist. Die Fouriertransformierte 200 der Autokorrelationsfunktion
dieses Signals ist in Fig. 2 dargestellt und zeigt die für dieses Signal charakteristischen
Peaks anhand derer dieses Signal detektiert werden kann. Dieses zu detektierende Signal
besitzt die Einfallsrichtung
u = 0.0.
[0047] Die zweite Komponente ist ein Störsignal mit Frequenz-Shift-Modulation. Die Fouriertransformierte
300 der Autokorrelationsfunktion dieses Signals ist in Fig. 3 dargestellt und ist
durch starke Peaks charakterisiert, die an anderen Stellen als denen des Zielsignals
liegen. Die Einfallsrichtung des Störsignals wurde auf
u = 0.45 voreingestellt. Die Leistung des Störsignals ist neunmal so groß wie die des
Zielsignals.
[0048] Daraus ergibt sich die in Fig. 4 dargestellte Fouriertransformierte 400 der Autokorrelationsfunktion
des Summensignals. Die überlagerte Störung ist dabei so stark, dass das Muster des
Zielsignals nicht mehr erkennbar ist.
[0049] Die dritte Komponente besteht aus einem normalverteilten Rauschsignal aus der Einfallsrichtung
u = 0.3 mit einer Signalleistung, die sechszehnmal so groß wie die des Störsignals
ist. Man beachte, dass die Rauschleistung über den ganzen Frequenzbereich gleichverteilt
ist, während die Leistungen des Ziel- und Störsignals in ausgewählten Frequenzbereichen
deutlich erhöht sind. Die vierte Komponente besteht aus normalverteiltem, räumlich
inkohärentem Rauschen, welches allen Antennenkanälen überlagert ist. Die Leistung
des Rauschens ist an jedem Antennenelement viermal so groß wie die Leistung des Störsignals.
Die Bandbreite des Rauschens ist ungefähr viermal so groß wie die des Zielsignals.
[0050] Die Anzahl der Abtastwerte beträgt
N = 10000.
[0051] Auf Basis dieses Empfangssignals wurde einerseits das bekannte MVDR-Raumfilter
wMVDR und andererseits das Raumfilter
w nach dem erfindungsgemäßen Verfahren berechnet. Bei der Berechung des erfindungsgemäßen
Raumfilters wurden
L = 100 Zeitverzögerungen im Kovarianz-Tensor in Betracht gezogen und es wurde die
Initialisierung nach Gleichung (17) mit
p = 6 Komponenten verwendet.
[0052] In Fig. 5 sind die Richtungsabhängigkeit des Raumfilters nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren (Linie 510) sowie des Raumfilters nach dem MVDR Verfahren (Linie 520) dargestellt.
Die Linien 530, 540 und 550 geben die Richtungen des Zielsignals (
u = 0.0), des räumlich korrelierten Rauschsignals (
u = 0.3) sowie des Störsignals (
u = 0.45) an. Zunächst sieht man, dass beide Raumfilter die Hauptkeule recht gut in
Richtung des Zielsignals ausgerichtet haben, wobei die Hauptkeule des erfindungsgemäßen
Verfahrens einen etwas größeren Bias aufweist und das Maximum nach links verschoben
bei
u ≈ -0.1 liegt. Die Nebenbedingung, dass der Filterausgang in Richtung des Zielsignals
bei
u = 0.0 genau eins ist, ist bei beiden Verfahren erfüllt.
[0053] Man erkennt die folgenden vorteilhaften Effekte des erfindungsgemäßen Verfahrens:
Das Störsignal mit Einfallsrichtung
u = 0.45 wird mit dem erfindungsgemäßen Verfahren deutlich stärker unterdrückt als
mit dem MVDR-Filter. Der MVDR-Filter erreicht zwar auch eine wahrnehmbare Störunterdrückung,
was mittels Vergleich der beiden Kurven 510 und 520 an der spiegelsymmetrischen Stelle
u = -0.45 deutlich wird. Aber das erfindungsgemäße Verfahren erreicht eine um fast
30 dB stärkere Störunterdrückung. Dies liegt daran, dass der MVDR-Filter eher versucht,
dass leistungsstärkere Signal aus der Einfallsrichtung
u = 0.3 zu unterdrücken. Das erfindungsgemäße Verfahren versucht nur in geringem Ausmaß,
dieses zeitlich unkorrelierte Störsignal zu unterdrücken, da es kaum einen Einfluss
auf die nachfolgende Berechnung des Musters basierend auf der Autokorrelation des
Signals hat.
[0054] Die Muster der jeweiligen gefilterten Signale sind in Figs. 6 und 7 dargestellt (dargestellt
sind jeweils die Beträge der Fouriertransformierten der Autokorrelation der Signale).
Das in Fig. 6 dargestellte Muster 600 des mit dem MVDR-Verfahren raumgefilterten Zielsignals
zeigt unverändert die störenden Maxima bei ≈ ±50 Hz. Dagegen sind diese Maxima im
in Fig. 7 dargestellten Muster 700 des mit dem erfindungsgemäßen Verfahren raumgefilterten
Zielsignals deutlich unterdrückt.
[0055] In Fig. 8 ist weiterhin noch ein Ausführungsbeispiel einer Vorrichtung 800 zur Raumfilterung
zumindest eines autokorrelierten Nutzsignals aus einem von einer Gruppenantenne 830
bereitgestellten Empfangssignal 801 gezeigt. Die Gruppenantenne 830 umfasst eine Mehrzahl
an Antennenkanälen, so dass das Empfangssignal 801 mehrelementig ist.
[0056] Die Vorrichtung 800 umfasst eine Eingangsschnittstelle 810 (z.B. als Hardware-Schaltung
oder als Software-Schnittstelle implementiert), die dazu eingerichtet ist, das Empfangssignal
801 der Gruppenantenne 830 zu empfangen.
[0057] Ferner umfasst die Vorrichtung 800 eine Prozessierschaltung 820, die mit der Eingangsschnittstelle
810 gekoppelt ist.
[0058] Beispielsweise kann die Prozessierschaltung 820 ein einzelner dedizierter Prozessor,
ein einzelner gemeinsam genutzter Prozessor oder eine Vielzahl von einzelnen Prozessoren,
von denen einige oder alle gemeinsam genutzt werden können, eine Digitalsignalprozessor
(DSP)-Hardware, ein ASIC oder ein FPGA sein. Die Prozessierschaltung 820 kann optional
mit z.B. einem Nurlesespeicher zum Speichern von Software, Direktzugriffsspeicher
(RAM = Random Access Memory) und/oder einem nichtflüchtigen Speicher gekoppelt sein.
Die Vorrichtung 800 kann ferner andere Hardware umfassen, und zwar konventionelle
und/oder kundenspezifische.
[0059] Die Prozessierschaltung 820 verarbeitet das Empfangssignal 801 der Gruppenantenne
830 gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren, um zumindest ein autokorreliertes Nutzsignal
802 aus dem Empfangssignal 801 zu extrahieren.
[0060] Wie bereits oben für das erfindungsgemäße Verfahren ausführlich beschrieben, können
mittels der Vorrichtung 800 gezielt Störsignale mit Autokorrelationseigenschaften
aus einer festen Einfallsrichtung ausgeblendet werden. Ferner können gezielt Störsignale,
die zeitliche Korrelationen besitzen, stärker ausgeblendet werden als zeitlich unkorrelierte
Rauschsignale.
[0061] Die Anwendungsgebiete der Erfindung erstrecken sich vom Bereich der Funkaufklärung
über die Überwachung und dem Monitoring von Funkverkehr bis hin zum nicht autorisierten
beziehungsweise nicht kooperativen Empfang. Das erfindungsgemäße Verfahren ist einerseits
zur Detektion beziehungsweise Erkennung von vorhandenen Nutzsignalen als auch zur
Entdeckung unbekannter Nutzsignale einsetzbar.
1. Verfahren (100) zur Raumfilterung zumindest eines autokorrelierten Nutzsignals aus
einem Empfangssignal einer Gruppenantenne, das Verfahren (100) umfassend:
- Empfangen (102) des Empfangssignals der Gruppenantenne, wobei die Gruppenantenne
eine Mehrzahl an Antennenkanälen umfasst;
- Berechnen (104) von Gewichten eines adaptiven Raumfilters für die einzelnen Antennenkanäle
der Mehrzahl an Antennenkanälen; und
- Filtern (106) des Empfangssignals mit dem adaptiven Raumfilter, um das zumindest
eine autokorrelierte Nutzsignal aus dem Empfangssignal zu extrahieren,
dadurch gekennzeichnet, dass
- das Berechnen (104) der Gewichte des adaptiven Raumfilters ein Optimieren einer
Summe von Betragsquadraten von Autokorrelationen eines Ausgangssignals des adaptiven
Raumfilters für eine Mehrzahl an Zeitverzögerungen unter der Nebenbedingung einer
konstanten Filterantwort des adaptiven Raumfilters bezüglich eines das zumindest eine
autokorrelierte Nutzsignal beschreibenden Steuerungsvektors umfasst.
2. Verfahren (100) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mehrzahl an Zeitverzögerungen frei wählbar sind.
3. Verfahren (100) nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Optimieren der Summe der Betragsquadraten der Autokorrelationen des Ausgangssignals
des adaptiven Raumfilters für die Mehrzahl an Zeitverzögerungen mit einem frei wählbaren
Startvektor initialisiert wird.
4. Verfahren (100) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Optimieren der Summe der Betragsquadraten der Autokorrelationen des Ausgangssignals
des adaptiven Raumfilters für die Mehrzahl an Zeitverzögerungen ein Berechnen zeitverzögerter
Kreuz-Kovarianz-Matrizen für die Mehrzahl an Zeitverzögerungen umfasst, und dass das
Optimieren der Summe der Betragsquadraten der Autokorrelationen des Ausgangssignals
des adaptiven Raumfilters für die Mehrzahl an Zeitverzögerungen mit einem Startvektor
initialisiert wird, der durch das Produkt eines Loading-Vektors einer PARAFAC-Zerlegung
der zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen und einer inversen Matrix einer gewichteten
Summe eines äußeren Produkts jeweils zweier Loading-Vektoren der PARAFAC-Zerlegung
der zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen bestimmt ist.
5. Programm mit einem Programmcode zum Durchführen des Verfahrens (100) gemäß einem der
Ansprüche 1 bis 4, wenn das Programm auf einem Prozessor oder einer programmierbaren
Hardwarekomponente ausgeführt wird.
6. Nicht-flüchtiges maschinenlesbares Medium, auf dem ein Programm gespeichert ist mit
einem Programmcode zum Durchführen des Verfahrens (100) gemäß einem der Ansprüche
1 bis 4, wenn das Programm auf einem Prozessor oder einer programmierbaren Hardwarekomponente
ausgeführt wird.
7. Vorrichtung (800) zur Raumfilterung zumindest eines autokorrelierten Nutzsignals (802)
aus einem Empfangssignal (801) einer Gruppenantenne (830), die Vorrichtung (800) umfassend
- eine Eingangsschnittstelle (810), die dazu eingerichtet ist, das Empfangssignal
(801) der Gruppenantenne (830) zu empfangen, wobei die Gruppenantenne (830) eine Mehrzahl
an Antennenkanälen umfasst; und
- eine Prozessierschaltung (820), die dazu eingerichtet ist:
- Gewichte eines adaptiven Raumfilters für die einzelnen Antennenkanäle der Mehrzahl
an Antennenkanälen zu berechnen; und
- das Empfangssignal (801) mit dem adaptiven Raumfilter zu filtern, um das zumindest
eine autokorrelierte Nutzsignal (802) aus dem Empfangssignal (801) zu extrahieren,
dadurch gekennzeichnet, dass
- die Prozessierschaltung (820) dazu eingerichtet ist, die Gewichte des adaptiven
Raumfilters durch ein Optimieren einer Summe von Betragsquadraten von Autokorrelationen
eines Ausgangssignals des adaptiven Raumfilters für eine Mehrzahl an Zeitverzögerungen
unter der Nebenbedingung einer konstanten Filterantwort des adaptiven Raumfilters
bezüglich eines das zumindest eine autokorrelierte Nutzsignal beschreibenden Steuerungsvektor
zu berechnen.
8. Vorrichtung (800) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Mehrzahl an Zeitverzögerungen frei wählbar sind.
9. Vorrichtung (800) nach Anspruch 7 oder Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Prozessierschaltung (820) dazu eingerichtet ist, das Optimieren der Summe der
Betragsquadraten der Autokorrelationen des Ausgangssignals des adaptiven Raumfilters
für die Mehrzahl an Zeitverzögerungen mit einem frei wählbaren Startvektor zu initialisieren.
10. Vorrichtung (800) nach einem der Ansprüche 7 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, dass die Prozessierschaltung (820) dazu eingerichtet ist:
- zeitverzögerte Kreuz-Kovarianz-Matrizen für die Mehrzahl an Zeitverzögerungen zu
berechnen beim Optimieren der Summe der Betragsquadraten der Autokorrelationen des
Ausgangssignals des adaptiven Raumfilters für die Mehrzahl an Zeitverzögerungen; und
- das Optimieren der Summe der Betragsquadraten der Autokorrelationen des Ausgangssignals
des adaptiven Raumfilters für die Mehrzahl an Zeitverzögerungen mit einem Startvektor
zu initialisieren, der durch das Produkt eines Loading-Vektors einer PARAFAC-Zerlegung
der zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen und einer inversen Matrix einer gewichteten
Summe eines äußeren Produkts jeweils zweier Loading-Vektoren der PARAFAC-Zerlegung
der zeitverzögerten Kreuz-Kovarianz-Matrizen bestimmt ist.