(19)
(11) EP 3 797 622 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
31.03.2021  Patentblatt  2021/13

(21) Anmeldenummer: 19199870.7

(22) Anmeldetag:  26.09.2019
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
A41D 31/06(2019.01)
A41D 31/14(2019.01)
A41D 31/08(2019.01)
D03D 1/00(2006.01)
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
KH MA MD TN

(71) Anmelder: IBENA Textilwerke GmbH
46395 Bocholt (DE)

(72) Erfinder:
  • Smeulders, Britta
    7131 WD Lichtenvoorde (NL)

(74) Vertreter: Hoffmann Eitle 
Patent- und Rechtsanwälte PartmbB Arabellastraße 30
81925 München
81925 München (DE)

   


(54) KLEIDUNGSSTÜCK FÜR DEN EINSATZ BEI HOHEN TEMPERATUREN


(57) Die Erfindung betrifft ein Kleidungsstück für den Einsatz bei hohen Temperaturen, wie zum Beispiel einen Feuerwehr-Einsatzanzug, mit einem Außengewebe aus hitzebeständigem Material, das flächig mit einer Keramikbeschichtung versehen ist, die das Gewebe zu maximal 50 % bedeckt.


Beschreibung

TECHNISCHES GEBIET



[0001] Die Erfindung betrifft ein Kleidungsstück für den Einsatz bei hohen Temperaturen, wie zum Beispiel einen Feuerwehr-Einsatzanzug, eine Jacke oder Hose davon.

[0002] Bei derartigen Kleidungsstücken besteht eine wesentliche Anforderung darin, das Außengewebe ausreichend hitzebeständig auszuführen. Zu diesem Zweck werden derartige Außengewebe mit einem hohen Anteil von PBI und/oder Para-Aramid ausgeführt. Derartige Außengewebe sind jedoch nur in Maßen scheuerbeständig, und insbesondere liegt die Scheuerbeständigkeit deutlich unter derjenigen von Außengeweben aus Meta-Aramidfasern.

STAND DER TECHNIK



[0003] Vor diesem Hintergrund sind als Vorbenutzungsgegenstände Kleidungsstücke bekannt, die an exponierten Stellen, wie zum Beispiel den Knien und den Ellenbogen, ein Verstärkungsgewebe aufweisen. Diese Verstärkungsgewebe bestehen entweder aus dem Material des Außengewebes oder aus 100 % Para-Aramid, das einseitig mit einer scheuerbeständigen Beschichtung versehen ist. Derartige Beschichtungen sind häufig vollflächige, flammenhemmende Silikon-Karbon-Beschichtungen oder Compound-Beschichtungen mit Keramik. Die Verstärkungsgewebe sorgen ferner für eine Polsterung. Sie haben jedoch den Nachteil, dass die Atmungsaktivität des Gewebes stark sinkt, so dass es ebenfalls Vorbenutzungsgegenstände gibt, bei denen die stellenweise aufgebrachten Verstärkungsgewebe nicht vollflächig, sondern nur partiell beschichtet sind. Derartige Kleidungsstücke sind jedoch nur stellenweise mit der gewünschten Scheuerbeständigkeit versehen und darüber hinaus aufgrund der getrennt aufgebrachten Verstärkungsgewebe vergleichsweise kostenintensiv herzustellen.

DARSTELLUNG DER ERFINDUNG



[0004] Vor diesem Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, bei einem derartigen Kleidungsstück einen Ausgleich zwischen Scheuerbeständigkeit und Atmungsaktivität zu schaffen.

[0005] Die Lösung dieser Aufgabe erfolgt durch das in Anspruch 1 beschriebene Kleidungsstück, das sich dadurch auszeichnet, dass es ein Außengewebe aus hitzebeständigem Material aufweist, dass flächig mit einer Keramikbeschichtung versehen ist, die das Gewebe zu maximal 50 % bedeckt. Mit anderen Worten sind nicht einzelne Stellen des Kleidungsstücks beschichtet, sondern das Außengewebe, das das Kleidungsstück bildet, insgesamt und weitgehend gleichmäßig. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, einzelne Stellen bei erhöhtem Herstellungsaufwand mit der notwendigen Scheuerbeständigkeit infolge von separat aufgebrachten, beschichteten Verstärkungsgeweben zu versehen. Sofern derartige Verstärkungsgewebe weiterhin zur Polsterung genutzt werden sollen, können sie im Hinblick auf ihre Eigenschaften zu diesem Einsatzzweck angepasst werden und müssen nicht mehr beschichtet werden. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die beschriebene Keramikbeschichtung, auch wenn sie das Gewebe lediglich zu maximal 50 %, aber gleichmäßig bedeckt, für eine deutlich erhöhte Scheuerbeständigkeit sorgt.

[0006] Gleichzeitig ist die Atmungsaktivität nicht übermäßig beeinträchtigt, und das Kleidungsstück weist weiterhin eine "textile" Haptik auf und fühlt sich nicht "starr" oder dergleichen an. Im Unterschied zu den bekannten, stellenweise mit Verstärkungsgewebe versehenen Kleidungsstücken, wird unter dem Außengewebe im Rahmen der vorliegenden Erfindung das gesamte, das Kleidungsstück bildende Außengewebe verstanden. Bezogen auf dessen Fläche ist es zu maximal 50 % beschichtet. Die Keramikbeschichtung kann als Dispersion und/oder mittels eines Druckverfahrens aufgebracht werden.

[0007] Gemäß einer ersten bevorzugten Weiterbildung ist das Gewebe zu mindestens 20 % und insbesondere 30 bis 40 und insbesondere zu etwa 35 % mit der Keramikbeschichtung bedeckt. Mit diesen Werten können, wie erste Untersuchungen zeigen, eine deutlich verbesserte Scheuerbeständigkeit und eine gute Atmungsaktivität kombiniert werden.

[0008] Im Hinblick auf die Keramikbeschichtung wird bevorzugt, dass diese eines oder mehrere der folgenden Bestandteile aufweist: Eine gemahlene Keramik, insbesondere mit Silizium, Polyurethan, Acrylat, insbesondere ein Polyacrylsäurederivat, modifiziertes Polyisocyanat, Phosphor für den Flammschutz und/oder Pigmente für die erwünschte Farbgebung. Die Farbe der Pigmente kann insbesondere auf die Farbe des Außengewebes abgestimmt sein, um die Keramikbeschichtung optisch nicht unnötig zu betonen. Das Polyurethan und das Acrylat können ein Compound oder eine Matrix bilden, das/die die Keramikpartikel aufnimmt. Ferner kann die Matrix vernetzt sein.

[0009] Die gute Atmungsaktivität des erfindungsgemäßen Kleidungsstücks kommt dadurch zum Ausdruck, dass der Wasserdampfdurchgangswiderstand gemäß nach DIN 31092 maximal 10 m2 Pa/W beträgt. Wenngleich gewebte einlagige Textilien deutlich unter diesem Wert liegen, ist der angegebene Wert immer noch akzeptabel und führt zu einem angenehmen Tragegefühl im Rahmen des erfindungsgemäßen Einsatzes bei hohen Temperaturen, beispielsweise als Feuerwehrhose oder - jacke.

[0010] Alternativ kann die gute Atmungsaktivität des erfindungsgemäßen Gewebes durch einen Wasserdampfdurchgangswiderstand Ret nach DIN EN ISO 11092:2014 von maximal 6 m2 Pa/W, insbesondere maximal 5,55 m2 Pa/W beschrieben werden.

[0011] Die verbesserte Scheuerbeständigkeit äußert sich in einer Scheuerbeständigkeit nach DIN EN ISO 12947-2:2015 von mindestens 18.000 Touren insbesondere mindestens 20.000 Touren.

[0012] Für die Menge, mit der die partielle Beschichtung, d. h. die das Gewebe gleichmäßig, aber nicht vollflächig bedeckende Beschichtung, aufgebracht ist, haben sich 20 bis 30 g/m2 als günstig erwiesen. Insbesondere bei einer Kombination mit einer Flächendeckung von 30 bis 50 % kann ein niedriger Wasserdampfdurchgangswiderstand und eine verbesserte Scheuerbeständigkeit mit einem angenehmen textilen "Griff" des Gewebes kombiniert werden.

[0013] Die verbesserte Scheuerbeständigkeit des erfindungsgemäßen Kleidungsstücks kommt dadurch zum Ausdruck, dass die Erhöhung der Scheuerbeständigkeit, beispielsweise gemessen nach EN ISO 12947-2 zumindest 40 %, bevorzugt zumindest 50 % über derjenigen des gleichen, jedoch unbeschichteten Gewebes liegt.

[0014] Eine besonders funktionale Kombination der erfindungsgemäßen Beschichtung mit einem besonders hitzebeständigen Gewebe wird dadurch erreicht, dass dieses zumindest 35 % PBI und/oder zumindest 58 % Para-Aramid aufweist. Diese Werte können mit maximal 40 % PBI und/oder maximal 65 % Para-Ararmid kombiniert werden.

[0015] Die Beschichtung kann hierbei in Form von sich abwechselnden auf einer Linie liegenden Streifen, und dazwischen ausgebildeten, hierzu senkrechten Streifen ausgeführt werden.

[0016] Sämtliche Streifen können gleich dimensioniert sein und insbesondere eine Rechteckform mit einer kurzen Seite aufweisen, die etwa ein Drittel bis ein Viertel der langen Seite beträgt. Der Abstand zwischen den auf einer Linie liegenden Streifen und den dazwischen ausgebildeten, hierzu senkrechten Streifen kann in etwa der kurzen Seite entsprechen. Die zu der angesprochenen Linie senkrecht ausgeführten Streifen können symmetrisch zu dieser Linie sein. Benachbarte Reihen von auf einer Linie liegenden und hierzu senkrechten Streifen können bezüglich einander derart versetzt sein, dass sich zwischen zwei zu der angesprochenen Linie senkrechten Streifen ein hierzu paralleler Streifen der benachbarten Reihe befindet. Hierdurch ergibt sich auch senkrecht zu der angesprochenen Linie eine Abfolge von auf einer Linie befindlichen und hierzu senkrechten Streifen. Die angesprochenen Linien können diagonal, insbesondere unter etwa 45°, zur Kett- und Schussrichtung des Gewebes verlaufen.

[0017] Es sei jedoch betont, dass die erfindungsgemäße partielle Beschichtung in beliebigen anderen Mustern, wie z.B. als Kreise, Dreiecke oder als Wabenmuster aufgebracht sein kann. Innerhalb der "Waben" können sechseckige Flächen beschichtet sein, und Stege können von diesen Flächen zu den Wabenlinien verlaufen. Ferner kann die Beschichtung als Namenszug, Logo oder dergleichen aufgetragen werden.

Beispiele



[0018] Verschiedene Ausführungsformen des im Rahmen der Erfindung verwendeten Gewebes wurden zusammen mit ähnlichen Geweben getestet und verglichen. Hierbei ergeben sich folgende Ergebnisse.
Gewebe Auftrag Wasserdurchgangswiderstand Ret nach DIN EN ISO 11092:2014 [m2Pa/W] Scheuerbeständigkeit nach DIN EN ISO 12947-2:2015 [Touren]
Ohne Beschichtung   4,0132 20.000
Partielle Beschichtung, Flächendeckung ca. 35% 20 g/m2 4,5875 30.000
Partielle Beschichtung, Flächendeckung ca. 35% 30 g/m2 5,5492 30.000
Partielle Beschichtung, Flächendeckung ca. 75% 100 g/m2   > 120.000
Vollflächige Beschichtung (Flächendeckung 100%) > 40 g/m2 nicht messbar, keine Atmungsaktivität > 120.000


[0019] Es zeigt sich somit, dass bei einer Beschichtung von 20 bis 30 g/m2 und einer Flächendeckung von etwa 35% der Wasserdampfdurchgangswiderstand nicht nennenswert erhöht wird. Demgegenüber erhöht sich die Scheuerbeständigkeit verglichen mit einem nicht beschichteten Gewebe um etwa 50%.


Ansprüche

1. Kleidungsstück für den Einsatz bei hohen Temperaturen, wie zum Beispiel Feuerwehr-Einsatzanzug, mit einem Außengewebe aus hitzebeständigem Material, das flächig mit einer Keramikbeschichtung versehen ist, die das Gewebe zu maximal 50 % bedeckt.
 
2. Kleidungsstück nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
dass die Keramikbeschichtung das Gewebe zu mindestens 20 % und insbesondere 30 % bis 40 %, insbesondere etwa 35 % bedeckt.
 
3. Kleidungsstück nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Keramikbeschichtung die Bestandteile eine gemahlene Keramik, insbesondere mit Silizium, Polyurethan, ein Acrylat, insbesondere ein Polyacrylsäurederivat und/oder ein modifiziertes Polyisocyanat, Phosphor und/oder Pigmente aufweist.
 
4. Kleidungsstück nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Wasserdampfdurchgangswiderstand gemessen nach EN 31092 maximal 10 m2 Pa/W beträgt.
 
5. Kleidungsstück nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Wasserdampfdurchgangswiderstand Ret gemessen nach DIN EN ISO 11092:2014 maximal 6 m2Pa/W, und insbesondere maximal 5,55 m2Pa/W beträgt.
 
6. Kleidungsstück nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Scheuerbeständigkeit des Außengewebes gemessen nach DIN EN ISO 12947-2:2015 mindestens 18.000 Touren insbesondere mindestens 20.000 Touren beträgt.
 
7. Kleidungsstück nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die das Gewebe teilweise bedeckende Beschichtung mit 20 bis 30 g/m2 aufgebracht ist.
 
8. Kleidungsstück nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Scheuerbeständigkeit des Außengewebes, verglichen mit demselben, jedoch nicht beschichteten Außengewebe um zumindest 40 %, bevorzugt zumindest 50 % vergrößert ist.
 
9. Kleidungsstück nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Gewebe mindestens 35 % und/oder maximal 40 % PBI und/oder mindestens 58 % und/oder maximal 65 % Para-Aramid aufweist.
 





Recherchenbericht









Recherchenbericht