[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Schließzylinder mit einem Zylindergehäuse
und einem in dem Zylindergehäuse um eine Zylinderachse drehbar gelagerten Zylinderkern,
der mittels eines Sprengrings gegen eine axiale Bewegung relativ zu dem Zylindergehäuse
gesichert ist, wobei der Zylinderkern einen Schlüsselkanal zum Einführen eines zugeordneten
Schlüssels aufweist, wobei der Zylinderkern mittels des eingeführten Schlüssels zwischen
einer Verriegelungsstellung und einer Öffnungsstellung gedreht werden kann, und wobei
der Schließzylinder mehrere mittels des zugeordneten Schlüssels betätigbare Zuhaltungen
aufweist.
[0002] Derartige Schließzylinder sind allgemein bekannt und werden in vielen verschiedenen
Bauformen von Schlössern eingesetzt, beispielsweise in Türschlössern, Hangschlössern
oder Zweiradschlössern, um nur einige Anwendungsbeispiele zu nennen. Es existieren
verschiedene Bauformen wie Profilzylinder, Rundzylinder, Ovalzylinder, Halbzylinder,
Doppelzylinder oder Knaufzylinder.
[0003] Je nach Art des Schlosses kann die Verriegelungsstellung des Zylinderkerns auch als
Nullstellung bezeichnet werden und die Öffnungsstellung als Betätigungsstellung. So
kann beispielsweise bei einem Türschloss, welches eine durch eine Feder vorgespannte
Falle aufweist, in der Verriegelungs- oder Nullstellung des Zylinderkerns die Falle
in ihrer durch die Vorspannung definierten Ruheposition sein und in der Öffnungs-
oder Betätigungsstellung des Zylinderkerns in das Schlossgehäuse entgegen der Vorspannung
zurückgezogen sein, so dass die Türe geöffnet werden kann. Bei Hangschlossern und
Zweiradschlössern ist oftmals eine prinzipiell ähnliche Wirkweise gegeben. Hier wird
zum Öffnen des Schlosses durch den Schließzylinder ein Riegel in eine Freigabe- oder
Öffnungsstellung versetzt, so dass ein zuvor durch den Riegel verriegelter Schließbügel
oder Kloben zur Entnahme aus einem Schlosskörper des Schlosses freigegeben wird. Nach
erfolgter Öffnung muss der Zylinderkern in die Verriegelungs- oder Nullstellung zurückgedreht
werden, um den Schlüssel aus dem Schlüsselkanal abziehen zu können. Bei manchen derartigen
Schlössern kann der Riegel durch Federkraft in Richtung der Verriegelungsstellung
vorgespannt sein. Insbesondere kann eine sogenannte Automatikfunktion vorgesehen sein,
bei der ein erneutes Schließen des Schlosses ohne Schlüsselbetätigung durch Einstecken
des Schließbügels oder Klobens in den Schlosskörper erfolgt, wodurch der Schließbügel
oder Kloben mit dem Riegel verrastet. Auch bei solchen Schlössern, und generell im
Zusammenhang mit der vorliegenden Erfindung, kann vorgesehen sein, dass eine Entnahme
des Schlüssels aus dem Zylinderkern lediglich in der Verriegelungsstellung bzw. Nullstellung
des Zylinderkerns möglich ist, oder lediglich in der Verriegelungsstellung bzw. Nullstellung
des Zylinderkerns und in einer hierzu um 180° verdrehten Stellung des Zylinderkerns.
[0004] Herkömmliche Schließzylinder weisen die Eigenschaft auf, dass der Zylinderkern bei
eingeführtem Schlüssel frei gedreht werden kann, d.h. um beliebig viele (volle) Umdrehungen.
Eine Begrenzung des Drehwinkels des Zylinderkerns erfolgt erst durch eine nachgeordnete
Schließmechanik eines Schlosses, in welche der Schließzylinder angeordnet ist. Die
Begrenzung des Drehwinkels erfolgt insbesondere durch eine drehwirksame Kupplung des
Zylinderkerns mit der nachgeordneten Schließmechanik, etwa durch Kopplung eines Schließbarts
mit einem Riegel und der Falle bei einem Türschloss der vorstehend erläuterten Art,
oder durch Kopplung eines Antriebsfortsatzes des Zylinderkerns mit einem Ringbügel
eines Hangschlosses. In Abhängigkeit von den Fertigungstoleranzen der beteiligten
Komponenten, welche ein Bewegungsspiel der nachgeordneten Schließmechanik oder ein
Spiel zwischen dem Zylinderkern und der nachgeordneten Schließmechanik zur Folge haben,
kann es vorkommen, dass der vorgesehene Drehwinkelbereich des Zylinderkerns nicht
exakt eingehalten wird.
[0005] Insbesondere beim Zurückdrehen des Zylinderkerns in die Verriegelungsstellung oder
Nullstellung, in welcher eine Entnahme des Schlüssels aus dem Schließzylinder möglich
ist, kann es passieren, dass der Zylinderkern geringfügig überdreht wird. Bei einem
Schließzylinder mit Stiftzuhaltungen zum Beispiel kann dies dazu führen, dass die
Kernbohrungen im Zylinderkern nicht mehr genau mit den Gehäusebohrungen im Zylindergehäuse
fluchten, so dass die jeweils darin beweglich aufgenommenen Stiftzuhaltungen blockiert
sind und nicht bewegt werden können. Insbesondere können die Kernstifte, d.h. die
im Zylinderkern aufgenommenen Zuhaltungsstifte, nicht in die Gehäusebohrungen eintauchen,
und somit kann auch der Schlüssel nicht aus dem Zylinderkern bzw. dem Schlüsselkanal
abgezogen werden.
[0006] Hierdurch ist der Bedienungskomfort eingeschränkt, da der Schlüssel erst wieder geringfügig
in Richtung der Nullstellung verdreht werden muss, bevor er abgezogen werden kann.
[0007] Bei Zylinderschlössern mit anders ausgebildeten Zuhaltungen, wie etwa Plättchenzuhaltungen
oder Scheibenzuhaltungen, kann eine vergleichbare Problematik auftreten.
[0008] Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Schließzylinder anzugeben,
welcher eine komfortable Bedienung ermöglicht.
[0009] Die Lösung der Aufgabe erfolgt durch einen Schließzylinder mit den Merkmalen des
Anspruchs 1.
[0010] Bei dem erfindungsgemäßen Schließzylinder ist vorgesehen, dass der Sprengring zusammen
mit dem Zylindergehäuse einen Drehanschlag zum Begrenzen eines Drehwinkels des Zylinderkerns
auf einen vorbestimmten Drehwinkelbereich bildet. Der Drehwinkelanschlag kann den
Drehwinkel des Zylinderkerns relativ zu dem Zylindergehäuse insbesondere in zwei Anschlagpositionen
begrenzen.
[0011] Im Zusammenhang mit der Erfindung genannte Richtungsangaben, wie etwa "radial", "axial",
"tangential" oder "Umfangsrichtung", beziehen sich generell auf die Zylinderachse
des Schließzylinders. Die Begriffe "in tangentialer Richtung" und "in Umfangsrichtung"
werden gleichbedeutend verwendet.
[0012] Die Erfindung nutzt in überraschend einfacher Weise den zur axialen Festlegung des
Zylinderkerns am Zylindergehäuse ohnehin vorgesehenen Sprengring zusätzlich dazu,
in Zusammenwirken mit dem Zylindergehäuse einen Drehanschlag zur Begrenzung eines
vorbestimmten Drehwinkelbereichs des Zylinders bilden. Dies kann fertigungstechnisch
auf einfache Weise und insbesondere ohne zusätzliche Bauteile verwirklicht werden.
[0013] Gemäß einigen Ausführungsformen ist vorgesehen, dass der Sprengring an dem Zylinderkern
drehfest gehalten ist. Somit dreht sich der Sprengring gemeinsam mit dem Zylinderkern.
[0014] Gemäß einer weiteren Ausführungsform weist der Sprengring einen in radialer und/oder
axialer Richtung abstehenden Anschlagabschnitt auf, welcher in einen am Zylindergehäuse
vorgesehenen, in tangentialer Richtung begrenzten Freiraum eingreift. Der Anschlagabschnitt
des Sprengrings kann (bezüglich der Zylinderachse des Schließzylinders) insbesondere
in radialer Richtung, oder in axialer Richtung, oder in einer Kombination aus radialer
und axialer Richtung in den zugeordneten Freiraum des Zylindergehäuses hineinragen.
[0015] Der Anschlagabschnitt kann gemäß einer Ausführungsform ausgehend von einem Basisabschnitt
des Sprengrings, der im Wesentlichen kreisförmig oder kreissektorförmig sein kann
(z.B. im Wesentlichen C-förmig), entweder unmittelbar oder über einen sich radial
nach außen erstreckenden Teil axial in Richtung der Vorderseite des Zylinderkerns
bzw. des Zylindergehäuses abstehen.
[0016] Der Sprengring und der Anschlagabschnitt des Sprengrings sind bei dieser und insbesondere
auch bei den nachstehend genannten Ausführungsformen vorzugsweise als ein originär
einstückiges Teil gebildet, d.h. der Anschlagabschnitt des Sprengrings ist an dem
restlichen Sprengring integral stoffschlüssig ausgebildet.
[0017] Der Anschlagabschnitt kann hierbei bezüglich des restlichen Sprengrings abgewinkelt
sein, insbesondere um einen Winkel von ungefähr 90°, wobei diese Abwinklung vorzugsweise
durch eine Krümmung - und nicht etwa eine Kante - gebildet ist. Der Verbindungsbereich
des (insbesondere axial ausgerichteten) Anschlagabschnitts mit dem (insbesondere radial
ausgerichteten) restlichen Sprengring kann insbesondere eine teilkreisförmige oder
teilelliptische Kontur aufweisen, wobei jedoch auch andere Krümmungen möglich sind.
Aufgrund einer derartigen Krümmung ergibt sich eine erhöhte Stabilität gegenüber Torsionskräften,
insbesondere im Vergleich zu einer 90°-Kantung.
[0018] Der Anschlagabschnitt kann sich in axialer Richtung über einen Teil der Dicke des
Sprengrings erstrecken. Die Länge des Anschlagabschnitts in axialer Richtung ist bevorzugt
größer als die Dicke des Sprengrings und beträgt bei einigen Ausführungsformen das
1,5- bis 4-fache der Dicke des Sprengrings. Alternativ oder zusätzlich kann die Länge
des Anschlagabschnitts in axialer Richtung größer als die lichte Weite eines umfänglichen
Nutabschnitts des Zylinderkerns sein, in dem der Sprengring aufgenommen ist, und beträgt
bei einigen Ausführungsformen das 1,5-bis 2-fache der axialen lichten Weite des umfänglichen
Nutabschnitts des Zylinderkerns.
[0019] Gemäß einer Ausführungsform kann der Sprengring mit Anschlagabschnitt durch einen
Stanzbiegeprozess gefertigt sein, in dem zunächst der Sprengring mit Anschlagabschnitt
gestanzt und sodann der Anschlagabschnitt gebogen wird (so dass der Anschlagabschnitt
in der späteren Einbaulage in axialer Richtung bezüglich der Zylinderachse ausgerichtet
ist). Der Sprengring mit Anschlagabschnitt kann jedoch auch in einem Gussverfahren
(Metallguss oder Kunststoffspritzguss) hergestellt sein oder aus Draht gebogen sein.
[0020] Der Freiraum des Zylindergehäuses kann insbesondere eine in tangentialer Richtung
begrenzte Umfangsbahn bilden, wobei der Freiraum bzw. die Umfangsbahn des Zylindergehäuses
sich über einen vorgegebenen Umfangswinkel erstreckt und zusammen mit dem tangentialen
Erstreckungswinkel des Anschlagabschnitts den möglichen Drehwinkelbereich des Zylinderkerns
definiert. Der Freiraum bzw. die Umfangsbahn kann bei einigen Ausführungsformen insbesondere
einem Sektorabschnitt eines Hohlzylinders entsprechen.
[0021] Der Freiraum bzw. die Umfangsbahn des Zylindergehäuses kann an jedem tangentialen
Ende einen jeweiligen Gegenanschlagabschnitt oder Gegenanschlag aufweisen, welcher
in einer jeweiligen Endstellung, insbesondere einerseits in einer Verriegelungsstellung
oder Nullstellung und andererseits in einer Öffnungsstellung oder Betätigungsstellung
des Zylinderkerns, mit dem Anschlagabschnitt des Sprengrings zusammenwirkt. Entlang
des tangentialen Freiraums schlägt der Anschlagabschnitt des Sprengrings also je nach
Drehrichtung an dem einen oder dem anderen Gegenanschlag des Zylindergehäuses an.
[0022] Bei einigen Ausführungsformen erstreckt sich der Freiraum des Zylindergehäuses somit
zwischen zwei in tangentialer Richtung voneinander beabstandeten Gegenanschlägen des
Zylindergehäuses. Diese Gegenanschläge können integral mit einer Stirnseite des Zylindergehäuses
ausgebildet sein. Bei einigen Ausführungsformen können die Gegenschläge Erhebungen
bezüglich einer generellen Erstreckungsebene der Stirnseite des Zylindergehäuses bilden.
[0023] Gemäß einer weiteren Ausführungsform ist der Freiraum des Zylindergehäuses als eine
an einer Stirnseite des Zylindergehäuses vorgesehene, sich in axialer und tangentialer
Richtung erstreckende Vertiefung relativ zu einer generellen Ertstreckungsebene der
Stirnseite ausgebildet. Beispielsweise kann der Freiraum durch eine in das Zylindergehäuse
eingebrachte Ausnehmung ausgebildet sein. Bei dem Abschnitt des Zylindergehäuses,
welcher die Vertiefung oder Ausnehmung aufweist, kann es sich beispielsweise um eine
Wandung des Zylindergehäuses handeln, wobei sich die Vertiefung insbesondere über
die gesamte radiale Ausdehnung dieser Wandung erstrecken kann.
[0024] Alternativ kann der Freiraum bzw. die Umfangsbahn durch einen oder zwei axial und/oder
radial hervorstehende Gegenanschlagabschnitte des Zylindergehäuses definiert sein.
[0025] Alternativ zu einer integralen Ausbildung am Sprengring kann der Anschlagabschnitt
auch als ein bewegliches, insbesondere rückfederndes oder verschiebbares, Element
am Sprengring ausgeführt sein. Hierdurch kann bei einigen Ausführungsformen auch eine
Zwischenrastung während einer Drehbewegung in Richtung des Gegenanschlags vorgesehen
sein, wobei entsprechende Rastelemente wie zum Beispiel Ausnehmungen vorgesehen sein
können.
[0026] Bei anderen Ausführungsformen weist das Zylindergehäuse einen in radialer und/oder
axialer Richtung abstehenden Anschlagabschnitt auf, welcher in einen am Sprengring
vorgesehenen, in tangentialer Richtung begrenzten Freiraum eingreift. Der Anschlagabschnitt
des Zylindergehäuses kann insbesondere in radialer Richtung, oder in axialer Richtung,
oder in einer Kombination aus radialer und axialer Richtung in den zugeordneten Freiraum
des Sprengrings hineinragen.
[0027] Der in tangentialer Richtung begrenzte Freiraum kann insbesondere durch einen sich
über einen Teil des Umfangs erstreckenden Freistellungsabschnitt des Sprengrings gebildet
sein. Der Freiraum bzw. der Freistellungsabschnitt des Sprengrings erstreckt sich
über einen vorgegebenen Umfangswinkel und definiert zusammen mit dem tangentialen
Erstreckungswinkel des Anschlagabschnitts des Zylindergehäuses den möglichen Drehwinkelbereich
des Zylinderkerns. Der Freiraum bzw. der Freistellungsabschnitt des Sprengrings kann
an jedem Ende einen jeweiligen Gegenanschlagabschnitt aufweisen, welcher in einer
jeweiligen Endstellung des Zylinderkerns, d.h. einer Verriegelungsstellung oder Nullstellung
bzw. in einer Öffnungsstellung oder Betätigungsstellung, mit dem Anschlagabschnitt
des Zylindergehäuses zusammenwirkt. Der Freiraum bzw. der Freistellungsabschnitt des
Sprengrings kann beispielsweise durch eine seitliche, d.h. im Umfangsbereich des Sprengrings
vorgesehene schlitzartige Öffnung gebildet sein, welche es zugleich ermöglicht, den
Sprengring in radialer Richtung auf den Zylinderkern aufzustecken. Diese ohnehin vorhandene
schlitzartige Öffnung im Sprengring kann gegebenenfalls im Umfangsbereich des Sprengrings
etwas erweitert sein, so dass ein ausreichend großer Drehwinkelbereich definiert werden
kann.
[0028] Bei einigen Ausführungsformen weist der Sprengring einen Sekantenabschnitt auf, der
an einer Abflachung eines Antriebsfortsatzes des Zylinderkerns anliegt, um den Sprengring
an dem Zylinderkern drehfest zu halten. Hierdurch wird ein Formschluss zwischen dem
Zylinderkern und dem Sprengring gewährleistet, so dass auch größere, in den jeweiligen
Anschlagpositionen durch Drehbetätigung des Zylinderkerns entstehende Kräfte bzw.
Drehmomente zuverlässig vom Zylinderkern auf das Zylindergehäuse abgeleitet werden
können und auch ein spielfreier Sitz gewährleistet ist.
[0029] Gemäß einer Ausführungsform ist der Drehanschlag derart ausgebildet, dass eine von
zwei den Drehwinkel begrenzenden Anschlagpositionen des Zylinderkerns mit der Verriegelungsstellung
des Zylinderkerns zusammenfällt. In dieser Verriegelungs- oder Nullstellung, und insbesondere
nur in dieser Verriegelungs- oder Nullstellung, kann der Schlüssel aus dem Schlüsselkanal
entfernt werden. Durch diese Ausgestaltung wird gewährleistet, dass die Zuhaltungen,
insbesondere die Zuhaltungsstifte, in entsprechende Gehäusebohrungen oder -ausnehmungen
eintauchen können, um eine Entnahme des Schlüssels zu ermöglichen. Es wird also eine
definierte Endposition für den Zylinderkern geschaffen, so dass das eingangs erwähnte
Überdrehen des Zylinderkerns zuverlässig verhindert werden kann.
[0030] Vorteilhafterweise kann der vorbestimmte Drehwinkelbereich des Zylinderkerns mehr
als 180°, oder 180°, oder weniger als 180°, insbesondere 120°, betragen. Für viele
Anwendungen ist ein Winkelbereich von weniger als 180° ausreichend. Falls ein Drehwinkelbereich
von 180° oder mehr vorgesehen wird, kann der Schließzylinder als ein sogenannter umcodierbarer
Schließzylinder ausgebildet sein. Bei derartigen Schließzylindern ist es auch nach
der erstmaligen Bestückung mit Zuhaltungen möglich, durch Austauschen der Zuhaltungen
den Schließzylinder an einen Schlüssel mit einem anderen Schließprofil anzupassen.
Insbesondere kann vorgesehen sein, dass die ursprünglich im Zylinderkern vorgesehenen
Zuhaltungsstifte oder Kernstifte durch Zuhaltungsstifte oder Kernstifte anderer Länge
ersetzt werden. Dieser Vorgang wird auch als Rekeying bezeichnet. Ein umcodierbares
Schloss ist beispielhaft in der Druckschrift
US 6 425 274 B1 beschrieben. Bei derartigen umcodierbaren Schließzylindern weist das Zylindergehäuse
an der Oberseite, d.h. an der den Gehäusebohrungen gegenüberliegenden Seite, eine
schlitzförmige Ausnehmung oder mehrere Einzelbohrungen auf, welche es ermöglichen,
die Kernstifte aus den Zylinderkern zu entfernen, wenn sich der Zylinderkern in einer
gegenüber der Verriegelungs- oder Nullstellung um 180° verdrehten Position befindet.
Wenn der vorbestimmte Drehwinkelbereich des Zylinderkerns genau 180° beträgt und insbesondere
diese Drehwinkelposition mit einer den Drehwinkel begrenzenden Anschlagpositionen
zusammenfällt, wird dieser Umcodierungs- oder Rekeying-Prozess deutlich vereinfacht,
da ein exaktes Verdrehen des Zylinderkerns in die Entnahmeposition für die Kernstifte
ermöglicht wird.
[0031] Bei einigen Ausführungsformen sind die Zuhaltungen als Stiftzuhaltungen, Plättchenzuhaltungen
oder Scheibenzuhaltungen ausgebildet.
[0032] Vorteilhafterweise kann der Sprengring ein Stanzbiegeteil und/oder aus Federstahl
gefertigt sein. Wie bereits erwähnt, kann der Sprengring jedoch zumindest teilweise
auch als Gussteil ausgebildet, aus Kunststoff gegossen oder aus Draht gebogen sein.
[0033] Bei einigen Ausführungsformen kann vorgesehen sein, dass der Sprengring an einem
einer Schlüsseleinführöffnung des Schlüsselkanals abgewandten Ende des Zylinderkerns,
insbesondere an einer Rückseite des Zylinderkerns, angeordnet ist.
[0034] Bei einigen Ausführungsformen kann vorgesehen sein, dass der Sprengring an einem
aus dem Zylindergehäuse axial hervorstehenden Antriebsfortsatz des Zylinderkerns angeordnet
ist.
[0035] Bei einigen Ausführungsformen kann vorgesehen sein, dass der Zylinderkern wenigstens
einen umfänglichen Nutabschnitt aufweist, in den der Sprengring eingreift, um den
Zylinderkern gegen eine axiale Bewegung relativ zu dem Zylindergehäuse zu sichern.
[0036] Bei einigen Ausführungsformen kann vorgesehen sein, dass der Sprengring in axialer
Richtung außerhalb des Zylindergehäuses angeordnet ist.
[0037] Bei einigen Ausführungsformen kann auch vorgesehen sein, dass der Sprengring einen
radialen Schlitz aufweist, entlang dessen der Sprengring elastisch aufweitbar ist,
um den Sprengring in radialer Richtung auf den Zylinderkern aufzusetzen.
[0038] Bei einigen Ausführungsformen kann vorgesehen sein, dass der Sprengring eine Breitseite
aufweist, mit der der Sprengring an einer axialen Stirnseite des Zylindergehäuses
anliegt.
[0039] Weitere Ausführungsformen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen, der
Beschreibung und der Zeichnung. Hierbei können vorteilhafterweise auch solche Merkmale
miteinander kombiniert werden, für die eine Kombination nicht ausdrücklich beschrieben
wurde.
[0040] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels mit Bezug auf die
Zeichnungen beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine perspektivische Ansicht eines Schließzylinders gemäß einem Ausführungsbeispiel
in einer Verriegelungsstellung;
- Fig. 2
- eine perspektivische Darstellung des Schließzylinders in einer Öffnungsstellung;
- Fig. 3
- eine perspektivische Explosionsdarstellung des Schließzylinders;
- Fig. 4
- eine Seitenansicht des Schließzylinders; und
- Fig. 5
- eine Draufsicht auf die Oberseite des Schließzylinders.
[0041] Die Fig. 1 bis 5 zeigen einen Schließzylinder 10 gemäß einem Ausführungsbeispiel
der Erfindung in verschiedenen Ansichten. Der Schließzylinder 10 umfasst ein Zylindergehäuse
12 mit einem hohlzylindrischen Abschnitt 20 und einem sich integral daran anschließenden
seitlichen Ansatzabschnitt 18.
[0042] Im Ansatzabschnitt 18 sind mehrere Gehäusebohrungen 14 vorgesehen, welche sich bis
zum Inneren des zylindrischen Abschnitts 20 erstrecken (Fig. 3).
[0043] Der hohlzylindrische Abschnitt 20 weist mehrere Zugangsbohrungen 16 auf, welche den
Gehäusebohrungen 14 gegenüberliegend in Form von radialen Durchgangsbohrungen in die
Wandung des hohlzylindrischen Abschnitts 20 eingebracht sind.
[0044] Im hohlzylindrischen Abschnitt 20 ist ein Zylinderkern 30 aufgenommen, der hierdurch
in dem Zylindergehäuse 12 um eine Zylinderachse drehbar gelagert ist. Der Zylinderkern
30 ist in seiner Montageposition vorderseitig durch einen umlaufenden Kragenabschnitt
37 und rückseitig durch einen flachen Sprengring 40 in axialer Richtung fixiert. Der
Sprengring 40 ist in einem am Umfang des Zylinderkerns 30 eingebrachten Nutabschnitt
36 aufgenommen. Der Zylinderkern 30 weist ferner einen sich entlang der Zylinderachse
erstreckenden Schlüsselkanal 32 zur Aufnahme eines Schlüssels auf (nicht gezeigt).
[0045] Ein rückseitiger Endabschnitt des Zylinderkerns 30 ist als ein Antriebsfortsatz 34
ausgebildet, der eine Kopplung des Schließzylinders 10 mit einer nachgeordneten Schließmechanik
eines Schlosses ermöglicht. In der Montageposition ragt der Antriebsfortsatz 34 aus
dem Zylindergehäuse 12 heraus, d.h. der Antriebsfortsatz 34 steht über eine rückseitige
axiale Stirnseite des Zylindergehäuses 12 über.
[0046] Der Sprengring 40 weist einen breiten radialen Schlitz 44 auf, der ein radiales Aufstecken
des Sprengrings 40 auf den Zylinderkern 30 ermöglicht. Nach erfolgtem Einsetzen des
Zylinderkerns 30 in den hohlzylindrischen Abschnitt 20 kann der Sprengring 40 radial
in den Nutabschnitt 36 eingeführt und dort verrastet werden. Hierdurch ist der Zylinderkern
30 gegen eine axiale Bewegung relativ zu dem Zylindergehäuse 12 in Richtung dessen
Vorderseite gesichert.
[0047] Am Sprengring 40 ist im Bereich des radialen Schlitzes 44 ein Sekantenabschnitt 48
ausgebildet, welcher an einer am Antriebsfortsatz 34 ausgebildeten Abflachung 38 anliegt
und den Sprengring 40 somit drehfest mit dem Zylinderkern 30 koppelt.
[0048] Der Nutabschnitt 36 des Zylinderkerns 30 muss nicht genau kreisrund sein, sondern
kann radial nach innen gerichtete Vertiefungen aufweisen, in die radial nach innen
gerichtete Erhebungen des Sprengrings 40 eingreifen, um den Sprengring 40 gegen ein
unbeabsichtigtes radiales Entfernen von dem Zylinderkern 30 zu sichern.
[0049] An der dem Antriebsfortsatz 34 zugewandten Stirnseite des Zylindergehäuses 12 ist
im Bereich des hohlzylindrischen Abschnitts 20 ein tangential verlaufender Freiraum
24 vorgesehen, welcher durch eine in das Zylindergehäuse 12 eingebrachte radiale Vertiefung
gebildet ist.
[0050] An dem Sprengring 40 ist integral ein Anschlagabschnitt 42 ausgebildet, welcher sich
geringfügig in radialer Richtung und hieran anschließend vorwiegend in axialer Richtung
von dem restlichen Sprengring 40 weg erstreckt. Der Verbindungsbereich bzw. Übergang
des Anschlagabschnitts von der radialen in die axiale Erstreckungsrichtung weist vorzugsweise
eine teilkreisförmige oder viertelelliptische Kontur auf. Die Außenseite der gebildeten
Krümmung kann somit abgerundet sein, ohne eine scharfe Kante zu bilden.
[0051] Der Anschlagabschnitt 42 steht somit in axialer Richtung von dem restlichen Sprengring
40 ab und greift in den Freiraum 24 des Zylindergehäuses 12 ein. Der Anschlagabschnitt
42 bewegt sich bei einer Verdrehung des Zylinderkerns 30 innerhalb des Freiraums 24
des Zylindergehäuses 12, wobei zwei Gegenanschläge 26a, 26b, welche den Freiraum 24
in Umfangsrichtung begrenzen, zusammen mit dem Anschlagabschnitt 42 des Sprengrings
40 einen Drehanschlag bilden und somit den möglichen Drehwinkelbereich des mit dem
Sprengring 40 drehfest gekoppelten Zylinderkerns 30 begrenzen.
[0052] Die beiden Anschlagpositionen, die durch den Anschlagabschnitt 42 des Sprengrings
40 und die Gegenanschläge 26a, 26b des Zylindergehäuses 12 definiert sind, sind so
gewählt, dass sich der Zylinderkern 30 in einer Verriegelungs- oder Nullstellung befindet,
wenn der Anschlagabschnitt 42 an dem einen Gegenanschlag 26a anschlägt. In dieser
Verriegelungs- oder Nullstellung des Zylinderkerns 30 ist ein Abziehen des Schlüssels
aus dem Schlüsselkanal 32 möglich. Die beiden Anschlagpositionen sind ferner so gewählt,
dass sich der Zylinderkern 30 in einer Öffnungs- oder Betätigungsposition befindet,
wenn der Anschlagabschnitt 42 des Sprengrings 40 an dem anderen Gegenanschlag 26b
des Zylindergehäuses 12 anschlägt. Im gezeigten Ausführungsbeispiel ist der Drehwinkelbereich
auf ungefähr 120° begrenzt.
[0053] Wenn der Sprengring 40 von dem Zylinderkern 30 gelöst wird oder der Anschlagabschnitt
42 des Sprengrings 40 aus dem Freiraum 24 des Zylindergehäuses 12 zurückgedrängt wird
(bei hinreichend elastischer Ausbildung), ist es möglich, den Zylinderkern 30 über
den durch den Drehanschlag begrenzten Drehwinkelbereich hinaus zu drehen und insbesondere
den Zylinderkern 30 in eine gegenüber der Verriegelungs- oder Nullstellung um 180°
verdrehte Position zu bringen, so dass gemäß einer Ausführungsform zum Zweck einer
Umcodierung im Zylinderkern 30 aufgenommene Zuhaltungs- oder Kernstifte (nicht dargestellt)
durch die Zugangsbohrungen 16 hindurch entnommen werden können und durch Zuhaltungs-
oder Kernstifte mit abweichender Länge ersetzt werden können.
[0054] Wenn gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erstreckungswinkelbereich des Freiraums
24 entsprechend erweitert wird (auf 180° oder mehr), kann die vorstehend beschriebene
Position zur Umcodierung des Schließzylinders 10 auch ohne ein Entfernen des Sprengrings
40 angefahren werden. Bei einer derartigen Abwandlung sollte jedoch durch eine nachgeordnete
Schließmechanik eines zugeordneten Schlosses sichergestellt werden, dass diese Umcodierposition
nicht unbeabsichtigt angefahren wird, da ansonsten (abhängig von der Einbauposition
des Schließzylinders 10) ein unbeabsichtigtes Herausfallen der Zuhaltungsstifte nicht
ausgeschlossen werden kann.
Bezugszeichenliste
[0055]
- 10
- Schließzylinder
- 12
- Zylindergehäuse
- 14
- Gehäusebohrung
- 16
- Zugangsbohrung
- 18
- Ansatzabschnitt
- 22
- zylindrischer Abschnitt
- 24
- Freiraum
- 26a, 26b
- Gegenanschlag
- 30
- Zylinderkern
- 32
- Schlüsselkanal
- 34
- Antriebsfortsatz
- 36
- Nutabschnitt
- 37
- Kragenabschnitt
- 38
- Abflachung
- 40
- Sprengring
- 42
- Anschlagabschnitt
- 44
- radialer Schlitz
- 48
- Sekantenabschnitt
1. Schließzylinder (10) mit einem Zylindergehäuse (12) und einem in dem Zylindergehäuse
(12) um eine Zylinderachse drehbar gelagerten Zylinderkern (30), der mittels eines
Sprengrings (40) gegen eine axiale Bewegung relativ zu dem Zylindergehäuse (12) gesichert
ist, wobei der Zylinderkern (30) einen Schlüsselkanal (32) zum Einführen eines zugeordneten
Schlüssels aufweist, wobei der Zylinderkern (30) mittels des eingeführten Schlüssels
zwischen einer Verriegelungsstellung und einer Öffnungsstellung gedreht werden kann,
und wobei der Schließzylinder (10) mehrere mittels des zugeordneten Schlüssels betätigbare
Zuhaltungen aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Sprengring (40) zusammen mit dem Zylindergehäuse (12) einen Drehanschlag zum
Begrenzen eines Drehwinkels des Zylinderkerns (30) auf einen vorbestimmten Drehwinkelbereich
bildet.
2. Schließzylinder (10) nach Anspruch 1,
wobei der Sprengring (40) an dem Zylinderkern (30) drehfest gehalten ist.
3. Schließzylinder (10) nach Anspruch 1 oder 2,
wobei der Sprengring (40) einen in radialer und/oder axialer Richtung abstehenden
Anschlagabschnitt (42) aufweist, welcher in einen am Zylindergehäuse (12) vorgesehenen,
in tangentialer Richtung begrenzten Freiraum (24) eingreift.
4. Schließzylinder (10) nach Anspruch 3,
wobei der Anschlagabschnitt (42) sich in axialer Richtung über zumindest einen Teil
der Dicke des Sprengrings (40) erstreckt; und/oder wobei die Länge des Anschlagabschnitts
(42) in axialer Richtung größer als die Dicke des Sprengrings (40) ist; und/oder
wobei der Zylinderkern (30) wenigstens einen umfänglichen Nutabschnitt (36) aufweist,
in den der Sprengring (40) eingreift, um den Zylinderkern (30) gegen eine axiale Bewegung
relativ zu dem Zylindergehäuse (12) zu sichern, wobei die Länge des Anschlagabschnitts
(42) in axialer Richtung größer als die lichte Weite des Nutabschnitts (36) ist.
5. Schließzylinder (10) nach Anspruch 3 oder 4,
wobei der Freiraum (24) des Zylindergehäuses (12) sich zwischen zwei in tangentialer
Richtung voneinander beabstandeten Gegenanschlägen des Zylindergehäuses (12) erstreckt;
und/oder
wobei der Freiraum (24) des Zylindergehäuses (12) als eine an einer Stirnseite des
Zylindergehäuses (12) vorgesehene, sich in axialer und tangentialer Richtung erstreckende
Vertiefung relativ zu der Stirnseite ausgebildet ist.
6. Schließzylinder (10) nach Anspruch 1 oder 2,
wobei das Zylindergehäuse (12) einen in radialer und/oder axialer Richtung abstehenden
Anschlagabschnitt (12) aufweist, welcher in einen am Sprengring (40) vorgesehenen,
in tangentialer Richtung begrenzten Freiraum (24) eingreift.
7. Schließzylinder (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Sprengring (40) einen Sekantenabschnitt (48) aufweist, der an einer Abflachung
(38) eines Antriebsfortsatzes (34) des Zylinderkerns (30) anliegt, um den Sprengring
(40) an dem Zylinderkern (30) drehfest zu halten.
8. Schließzylinder (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Drehanschlag derart ausgebildet ist, dass eine von zwei den Drehwinkel begrenzenden
Anschlagpositionen mit der Verriegelungsstellung des Zylinderkerns (30) zusammenfällt.
9. Schließzylinder (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der vorbestimmte Drehwinkelbereich des Zylinderkerns (30) mehr als 180°, oder
180°, oder weniger als 180°, insbesondere 120°, beträgt.
10. Schließzylinder (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei die Zuhaltungen als Stiftzuhaltungen, Plättchenzuhaltungen oder Scheibenzuhaltungen
ausgebildet sind.
11. Schließzylinder (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Sprengring (40) ein Stanzbiegeteil und/oder aus Federstahl gefertigt ist.
12. Schließzylinder (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Sprengring (40) an einem einer Schlüsseleinführöffnung des Schlüsselkanals
(32) abgewandten Ende des Zylinderkerns (30) angeordnet ist; und/der
wobei der Sprengring (40) an einem aus dem Zylindergehäuse (12) axial hervorstehenden
Antriebsfortsatz (34) des Zylinderkerns (30) angeordnet ist; und/oder
wobei der Sprengring (40) außerhalb des Zylindergehäuses (12) angeordnet ist.
13. Schließzylinder (10) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der Sprengring (40) einen radialen Schlitz (44) aufweist, entlang dessen der
Sprengring (40) elastisch aufweitbar ist, um den Sprengring (40) in radialer Richtung
auf den Zylinderkern (30) aufzusetzen; und/oder
wobei der Sprengring (40) eine Breitseite aufweist, mit der der Sprengring (40) an
einer axialen Stirnseite des Zylindergehäuses (12) anliegt.