[0001] Die Erfindung betrifft das technische Gebiet der Haftklebmassen, wie sie in verschiedensten
Bereichen der Technik zum temporären oder dauerhaften Verbinden zweier Substrate verwendet
werden. Spezifischer wird eine Haftklebmasse mit verbesserten Flammschutzeigenschaften
vorgeschlagen.
[0002] In vielen Bereichen der Technik, beispielsweise im Bauwesen und in der Fahr- sowie
Flugzeugindustrie werden zunehmend anspruchsvolle Anforderungen hinsichtlich des Flammschutzverhaltens
verbauter Teile gestellt. Es sind diesbezüglich verschiedene, auf spezielle Erfordernisse
abgestimmte Testmethoden entwickelt worden. So müssen Bauteile und Hilfsmittel, die
im Flugzeugbau verwendet werden, einen so genannten vertikalen Bunsenbrennertest bestehen.
Dies gilt auch für Klebebänder, die im Flugzeugbau zum Beispiel für die Befestigung
von Isolierpaketen oder Bodenbelägen verwendet werden. Dementsprechend werden für
solche Klebebänder flammgeschützte Haftklebmassen benötigt.
[0003] Wie sich jedoch gezeigt hat, ist die Formulierung von Haftklebmassen mit guten Flammschutzeigenschaften
nicht unproblematisch. Eingesetzte Flammschutzmittel führen häufig zu massiven Verlusten
bei der Klebkraft und/oder zu deutlichen Verschlechterungen der Scherfestigkeiten.
Viele flammgeschützte Haftklebstoffzusammensetzungen zeigen darüber hinaus im Brandfall
eine starke Rußentwicklung, die ebenfalls unerwünscht ist. Es besteht also in der
Regel ein Zielkonflikt zwischen der geforderten klebtechnischen Leistungsfähigkeit
der Haftklebmassen einerseits und den ebenfalls geforderten Flammschutzeigenschaften
andererseits.
[0004] In der Vergangenheit hat es nicht an Versuchen gefehlt, diesen Zielkonflikt zu entschärfen.
[0005] So beschreibt
US 7,501,169 B2 ein Klebefilmkomposit, das ein Substrat, welches frei von Antimon und Halogenen ist,
und ein klebendes Polymer mit einem darauf befindlichen, nicht halogenierten, Phosphat-basierten
Flammschutzmittel umfasst.
[0006] JP 2011148863 A offenbart eine Zusammensetzung umfassend ein Acrylatpolymer mit einer Monomerenbasis
aus Acrylsäure und (Meth)acrylsäureestern mit 1 bis 8 Kohlenstoffatomen in der Alkoholkomponente,
ein Phosphazen-Flammschutzmittel, ein Phosphorsäureester-Flammschutzmittel, einen
Vernetzer und ein Klebharz, wobei Polymer und Flammschutzmittel sowie die Flammschutzmittel
untereinander in bestimmten Relationen vorliegen.
[0007] Einen ähnlichen Ansatz verfolgt
JP 2013018944 A, wobei das Polymer aus Butylacrylat, einem Monomer mit einer reaktiven funktionellen
Gruppe und/oder einem Alkyl(meth)acrylat aufgebaut ist.
[0008] JP 2012031422 A beschreibt eine flammgeschützte Haftklebmasse, die ein Acrylatestercopolymer zu 100
Gew.-Teilen, Ammoniumpolyphosphat zu 50 bis 115 Gew.-Teilen, Aluminiumhydroxid zu
40 bis 85 Gew.-Teilen und aliphatische Polyalkohole enthält.
[0009] JP 2015067653 A offenbart ein Substrat mit einer darauf aufgebrachten klebenden Zusammensetzung,
die ein Klebharz zu 100 Gew.-Teilen, ein Phosphinat-basiertes Flammschutzmittel zu
52 bis 150 Gew.-Teilen und ein Phophatester-basiertes Flammschutzmittel, welches bei
Raumtemperatur flüssig vorliegt, zu 10 bis 50 Gew.-Teilen enthält.
[0010] EP 3 362 531 A1 hat eine halogenfreie, flammgeschützte Klebstoffzusammensetzung zum Gegenstand, welche
einen Klebstoff und eine Flammschutzmittelzusammensetzung umfassend eine Phosphorsäureester-Verbindung
und ein Flammschutzmittel ausgewählt aus Melamincyanurat, Melaminpyrophosphat und
Phosphinatsalz umfasst.
[0011] JP 2017132893 A hat sich eine Haftklebmasse für Bauanwendungen mit guter Klebkraft auf rauen Untergründen
und exzellenten Flammschutzeigenschaften zum Ziel gesetzt. Erreicht werden soll dies
durch Härten einer Zusammensetzung umfassend ein polymerisierbares (Meth)acrylsäurealkylester-Monomer
zu 100 Gew.-Teilen, ein (Meth)acrylsäureester-Polymer mit einem gewichtsmittleren
Molekulargewicht von 800.000 bis 3.000.000 zu 10 bis 50 Gew.-Teilen und ein halogenfreies
Phosphorsäureester-basiertes Flammschutzmittel zu 5 bis 65 Gew.-Teilen, letztere bezogen
auf das Gesamtgewicht der beiden anderen Komponenten, wobei der Anteil des noch nicht
abreagierten Monomers an der Gesamtheit dieser Monomere vor dem Härten maximal 1,5
Gew.-% beträgt. Ein ähnlicher Ansatz wird auch in
JP 2017179329 A verfolgt.
[0012] WO 2018 079853 A1 beschreibt eine Haftklebmasseschicht enthaltend 100 Gew.-Teile eines (Meth)acrylatester-Polymers
und 1 bis 60 Gew.-Teile eines halogenfreien Phosphatester-Flammschutzmittels, wobei
der Anteil an Restmonomeren nicht mehr als 0,5 Gew.-% beträgt.
[0013] CN 108329857 A hat ein einseitiges Klebeband zum Gegenstand, dessen Klebeschicht aus Polyacrylat,
Vernetzern, einem ersten und zweiten Flammschutzmittel und einem Lösemittel hergestellt
wird, wobei das erste Flammschutzmittel bei Raumtemperatur fest und das zweite bei
Raumtemperatur flüssig ist.
[0014] Es besteht ein anhaltender Bedarf an Haftklebmassen mit guten Kleb- und Flammschutzeigenschaften.
Aufgabe der Erfindung war es, eine solche Haftklebmasse zur Verfügung zu stellen,
die insbesondere gute Klebkräfte und Scherfestigkeiten zeigt; zusätzlich war eine
möglichst geringe Rußbildung im Brandfall wünschenswert.
[0015] Ein erster und allgemeiner Gegenstand der Erfindung, mit dem diese Aufgabe gelöst
wird, ist eine Haftklebmasse, die:
- mindestens ein Poly(meth)acrylat und
- mindestens eine Organophosphorverbindung
enthält und dadurch gekennzeichnet ist, dass
die dem Poly(meth)acrylat zugrundeliegende Monomerenzusammensetzung
- mindestens einen (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente mehr als 4 C-Atome
enthält;
- mindestens einen (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente maximal 4 C-Atome
enthält; und
- Acrylsäure und/oder Methacrylsäure zu insgesamt mindestens 5 Gew.-%
umfasst.
[0016] Eine derartige Haftklebmasse zeigt ein ausgewogenes klebtechnisches Profil und gute
flammschützende Wirkung.
[0017] Unter einer Haftklebmasse bzw. einem Haftklebstoff wird erfindungsgemäß, wie im allgemeinen
Sprachgebrauch üblich, ein Stoff verstanden, der zumindest bei Raumtemperatur dauerhaft
klebrig sowie klebfähig ist. Charakteristisch für einen Haftklebstoff ist, dass er
durch Druck auf ein Substrat aufgebracht werden kann und dort haften bleibt, wobei
der aufzuwendende Druck und die Einwirkdauer dieses Drucks nicht näher definiert werden.
Im allgemeinen, grundsätzlich jedoch abhängig von der genauen Art des Haftklebstoffs
sowie des Substrats, der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit, reicht die Einwirkung
eines kurzfristigen, minimalen Drucks, der über eine leichte Berührung für einen kurzen
Moment nicht hinausgeht, um den Haftungseffekt zu erzielen, in anderen Fällen kann
auch eine längerfristige Einwirkdauer eines höheren Drucks notwendig sein.
[0018] Haftklebmassen haben besondere, charakteristische viskoelastische Eigenschaften,
die zu der dauerhaften Klebrigkeit und Klebfähigkeit führen. Kennzeichnend für sie
ist, dass, wenn sie mechanisch deformiert werden, es sowohl zu viskosen Fließprozessen
als auch zum Aufbau elastischer Rückstellkräfte kommt. Beide Prozesse stehen hinsichtlich
ihres jeweiligen Anteils in einem bestimmten Verhältnis zueinander, abhängig sowohl
von der genauen Zusammensetzung, der Struktur und dem Vernetzungsgrad der Haftklebemasse
als auch von der Geschwindigkeit und Dauer der Deformation sowie von der Temperatur.
[0019] Der anteilige viskose Fluss ist zur Erzielung von Adhäsion notwendig. Nur die viskosen
Anteile, häufig hervorgerufen durch Makromoleküle mit relativ großer Beweglichkeit,
ermöglichen eine gute Benetzung und ein gutes Auffließen auf das zu verklebende Substrat.
Ein hoher Anteil an viskosem Fluss führt zu einer hohen Haftklebrigkeit (auch als
Tack oder Oberflächenklebrigkeit bezeichnet) und damit oft auch zu einer hohen Adhäsion.
Stark vernetzte Systeme, kristalline oder glasartig erstarrte Polymere sind mangels
fließfähiger Anteile in der Regel nicht oder zumindest nur wenig haftklebrig.
[0020] Die anteiligen elastischen Rückstellkräfte sind zur Erzielung von Kohäsion notwendig.
Sie werden zum Beispiel durch sehr langkettige und stark verknäuelte sowie durch physikalisch
oder chemisch vernetzte Makromoleküle hervorgerufen und ermöglichen die Übertragung
der auf eine Klebverbindung angreifenden Kräfte. Sie führen dazu, dass eine Klebverbindung
einer auf sie einwirkenden Dauerbelastung, zum Beispiel in Form einer dauerhaften
Scherbelastung, in ausreichendem Maße über einen längeren Zeitraum standhalten kann.
[0021] Zur genaueren Beschreibung und Quantifizierung des Maßes an elastischem und viskosem
Anteil sowie des Verhältnisses der Anteile zueinander werden die mittels Dynamisch
Mechanischer Analyse (DMA) ermittelbaren Größen Speichermodul (G') und Verlustmodul
(G") herangezogen. G' ist ein Maß für den elastischen Anteil, G" ein Maß für den viskosen
Anteil eines Stoffes. Beide Größen sind abhängig von der Deformationsfrequenz und
der Temperatur.
[0022] Die Größen können mit Hilfe eines Rheometers ermittelt werden. Das zu untersuchende
Material wird dabei zum Beispiel in einer Platte-Platte-Anordnung einer sinusförmig
oszillierenden Scherbeanspruchung ausgesetzt. Bei schubspannungsgesteuerten Geräten
werden die Deformation als Funktion der Zeit und der zeitliche Versatz dieser Deformation
gegenüber dem Einbringen der Schubspannung gemessen. Dieser zeitliche Versatz wird
als Phasenwinkel δ bezeichnet.
[0023] Der Speichermodul G' ist wie folgt definiert: G' = (τ/γ) •cos(δ) (τ = Schubspannung,
γ = Deformation, δ = Phasenwinkel = Phasenverschiebung zwischen Schubspannungs- und
Deformationsvektor). Die Definition des Verlustmoduls G" lautet: G" = (τ/γ) • sin(δ)
(τ = Schubspannung, γ = Deformation, δ = Phasenwinkel = Phasenverschiebung zwischen
Schubspannungs- und Deformationsvektor).
[0024] Eine Masse gilt insbesondere dann als Haftklebmasse und wird im Sinne der Erfindung
insbesondere dann als solche definiert, wenn bei 23 °C im Deformationsfrequenzbereich
von 10° bis 10
1 rad/sec sowohl G' als auch G" zumindest zum Teil im Bereich von 10
3 bis 10
7 Pa liegen. "Zum Teil" heißt, dass zumindest ein Abschnitt der G'-Kurve innerhalb
des Fensters liegt, das durch den Deformationsfrequenzbereich von einschließlich 10°
bis einschließlich 10
1 rad/sec (Abszisse) sowie den Bereich der G'-Werte von einschließlich 10
3 bis einschließlich 10
7 Pa (Ordinate) aufgespannt wird, und wenn zumindest ein Abschnitt der G"-Kurve ebenfalls
innerhalb des entsprechenden Fensters liegt.
[0025] Unter einem "Poly(meth)acrylat" wird ein Polymer verstanden, welches durch radikalische
Polymerisation von Acryl- und/oder Methacrylmonomeren sowie gegebenenfalls weiteren,
copolymerisierbaren Monomeren erhältlich ist. Insbesondere wird unter einem "Poly(meth)acrylat"
ein Polymer verstanden, dessen Monomerbasis zu mindestens 50 Gew.-% aus Acrylsäure,
Methacrylsäure, Acrylsäureestern und/oder Methacrylsäureestern besteht, wobei Acrylsäureester
und/oder Methacrylsäureester zumindest anteilig, bevorzugt zu mindestens 30 Gew.-%,
bezogen auf die gesamte Monomerbasis des betreffenden Polymers, enthalten sind.
[0026] Bevorzugt enthält die erfindungsgemäße Haftklebmasse Poly(meth)acrylat zu insgesamt
30 bis 70 Gew.-%, stärker bevorzugt zu insgesamt 35 bis 65 Gew.-%, insbesondere zu
insgesamt 40 bis 60 Gew.-%, wie zum Beispiel zu 45 bis 60 Gew.-%, jeweils bezogen
auf das Gesamtgewicht der Haftklebmasse. Es können ein (einziges) Poly(meth)acrylat
oder mehrere Poly(meth)acrylate enthalten sein; der Pluralausdruck "Poly(meth)acrylate"
schließt also - auch im Fortgang der vorliegenden Beschreibung - in seiner Bedeutung
ebenso wie der Ausdruck "insgesamt" sowohl das Vorliegen eines einzigen Poly(meth)acrylats
als auch das Vorliegen mehrerer Poly(meth)acrylate ein.
[0027] Die Glasübergangstemperatur des Poly(meth)acrylats der erfindungsgemäßen Haftklebmasse
beträgt bevorzugt < 0 °C, stärker bevorzugt zwischen -20 und -50 °C, insbesondere
zwischen -25 und -40 °C, wie zum Beispiel zwischen -28 und -35 °C. Die Glasübergangstemperatur
von Polymeren oder von Polymerblöcken in Blockcopolymeren wird in der vorliegenden
Anmeldung mittels Dynamischer Scanning Kalorimetrie (DSC) bestimmt. Dazu werden ca.
5 mg einer unbehandelten Polymerprobe in ein Aluminiumtiegelchen (Volumen 25 µl) eingewogen
und mit einem gelochten Deckel verschlossen. Zur Messung wird ein DSC 204 F1 der Firma
Netzsch verwendet. Es wird zwecks Inertisierung unter Stickstoff gearbeitet. Die Probe
wird zunächst auf -150 °C abgekühlt, dann mit einer Heizrate von 10 K/min bis +150
°C aufgeheizt und erneut auf -150 °C abgekühlt. Die sich anschließende zweite Heizkurve
wird erneut bei 10 K/min gefahren und die Änderung der Wärmekapazität aufgenommen.
Glasübergänge werden als Stufen im Thermogramm erkannt (Testmethode A).
[0028] Die dem Poly(meth)acrylat zugrundeliegende Monomerenzusammensetzung umfasst erfindungsgemäß
mindestens einen (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente mehr als 4 C-Atome
enthält. Bevorzugt ist der (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente mehr als
4 C-Atome enthält, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Isooctylacrylat, Isooctylmethacrylat,
2-Ethylhexylacrylat, 2-Ethylhexylmethacrylat, 2-Propylheptylacrylat und 2-Propylheptylmethacrylat.
Besonders bevorzugt ist der (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente mehr als
4 C-Atome enthält, 2-Ethylhexylacrylat.
[0029] (Meth)acrylsäureester, deren Alkoholkomponente mehr als 4 C-Atome enthält, sind in
der dem Poly(meth)acrylat der erfindungsgemäßen Haftklebmasse zugrundeliegenden Monomerenzusammensetzung
bevorzugt zu insgesamt 50 bis 90 Gew.-%, besonders bevorzugt zu insgesamt 60 bis 80
Gew.-%, und insbesondere zu insgesamt 65 bis 75 Gew.-% enthalten. Es können ein oder
mehrere (Meth)acrylsäureester, deren Alkoholkomponente mehr als 4 C-Atome enthält,
in der Monomerenzusammensetzung enthalten sein; der Ausdruck "insgesamt" umfasst beide
Varianten.
[0030] Die dem Poly(meth)acrylat zugrundeliegende Monomerenzusammensetzung umfasst erfindungsgemäß
zudem mindestens einen (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente maximal 4 C-Atome
enthält. Bevorzugt ist der (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente maximal
4 C-Atome enthält, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus n-Butylacrylat, n-Butylmethacrylat
und Methylacrylat, insbesondere ist der (Meth)acrylsäureester Methylacrylat.
[0031] (Meth)acrylsäureester, deren Alkoholkomponente maximal 4 C-Atome enthält, sind in
der dem Poly(meth)acrylat der erfindungsgemäßen Haftklebmasse zugrundeliegenden Monomerenzusammensetzung
bevorzugt zu insgesamt 10 bis 40 Gew.-%, besonders bevorzugt zu insgesamt 15 bis 30
Gew.-%, und insbesondere zu insgesamt 20 bis 25 Gew.-% enthalten. Es können ein oder
mehrere (Meth)acrylsäureester, deren Alkoholkomponente maximal 4 C-Atome enthält,
in der Monomerenzusammensetzung enthalten sein; der Ausdruck "insgesamt" umfasst beide
Varianten. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform ist in der dem Poly(meth)acrylat
der erfindungsgemäßen Haftklebmasse zugrundeliegenden Monomerenzusammensetzung zu
mehr als 15 Gew.-%, vorzugsweise mehr als 17%, wie zum Beispiel 20 bis 30 Gew.-% Methylacrylat
enthalten.
[0032] Die Monomerenzusammensetzung umfasst Acrylsäure und/oder Methacrylsäure bevorzugt
zu insgesamt mindestens 6 Gew.-%, insbesondere zu insgesamt mindestens 6,5 Gew.-%.
Besonders bevorzugt umfasst die Monomerenzusammensetzung Acrylsäure zu insgesamt mindestens
6 Gew.-%, stärker bevorzugt zu insgesamt mindestens 6,5 Gew.-%.
[0033] Die Herstellung der Poly(meth)acrylate geschieht bevorzugt durch konventionelle radikalische
Polymerisationen oder kontrollierte radikalische Polymerisationen. Die Poly(meth)acrylate
können durch Copolymerisation der Monomere unter Verwendung üblicher Polymerisationsinitiatoren
sowie gegebenenfalls von Reglern hergestellt werden, wobei bei den üblichen Temperaturen
in Substanz, in Emulsion, zum Beispiel in Wasser oder flüssigen Kohlenwasserstoffen,
oder in Lösung polymerisiert wird.
[0034] Bevorzugt werden die Poly(meth)acrylate durch Copolymerisation der Monomere in Lösungsmitteln,
besonders bevorzugt in Lösungsmitteln mit einem Siedebereich von 50 bis 150 °C, insbesondere
von 60 bis 120 °C, unter Verwendung von 0,01 bis 5 Gew.-%, insbesondere von 0,1 bis
2 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Gesamtgewicht der Monomeren, an Polymerisationsinitiatoren
hergestellt.
[0035] Prinzipiell eignen sich alle üblichen Initiatoren. Beispiele für Radikalquellen sind
Peroxide, Hydroperoxide und Azoverbindungen, zum Beispiel Dibenzoylperoxid, Cumolhydroperoxid,
Cyclohexanonperoxid, Di-t-butylperoxid, Cyclohexylsulfonylacetylperoxid, Diisopropylpercarbonat,
t-Butylperoktoat und Benzpinacol. Bevorzugte radikalische Initiatoren sind 2,2'-Azobis(2-methylbutyronitril)
(Vazo® 67™ der Firma DuPont), 2,2'-Azobis(2-methylpropionitril) (2,2'-Azobisisobutyronitril;
AIBN; Vazo® 64™ der Firma DuPont) und Bis-(4-tert.-Butylcyclohexanyl)-Peroxy-dicarbonat.
[0036] Bevorzugte Lösungsmittel für die Herstellung der Poly(meth)acrylate sind Alkohole
wie Methanol, Ethanol, n- und iso-Propanol, n- und iso-Butanol, insbesondere Isopropanol
und/oder Isobutanol; Kohlenwasserstoffe wie Toluol und insbesondere Benzine eines
Siedebereichs von 60 bis 120 °C; Ketone, insbesondere Aceton, Methylethylketon, Methylisobutylketon;
Ester wie Essigsäureethylester sowie Gemische der vorstehend genannten Lösungsmittel.
Besonders bevorzugte Lösungsmittel sind Gemische, die Isopropanol in Mengen von 2
bis 15 Gew.-%, insbesondere von 3 bis 10 Gew.-%, jeweils bezogen auf das eingesetzte
Lösungsmittelgemisch, enthalten.
[0037] Das Poly(meth)acrylat bzw. die Poly(meth)acrylate der erfindungsgemäßen Haftklebmasse
sind bevorzugt durch Verknüpfungsreaktionen - insbesondere im Sinne von Additions-
oder Substitutionsreaktionen oder auch koordinativen Verknüpfungsreaktionen - der
enthaltenen Carbonsäurefunktionen mit speziellen Verbindungen - sogenannten Vernetzern
- vernetzt. Die Positionen innerhalb der Vernetzermoleküle, von denen aus die Makromoleküle
angegriffen werden, werden auch als "reaktive Zentren" bezeichnet. Vernetzermoleküle
enthalten zwei oder mehr reaktive Zentren und sind daher in der Lage, zwei oder mehr
Makromoleküle miteinander zu verknüpfen. Es kommt dabei gelegentlich auch zu unerwünschten
Nebenreaktionen, bei denen die reaktiven Zentren ein- und desselben Vernetzermoleküls
mit nur einem Makromolekül abreagieren.
[0038] Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Vernetzern unterscheiden:
- 1) Kovalente Vernetzer, deren reaktive Zentren die Poly(meth)acrylat-Makromoleküle
kovalent angreifen und daher eine kovalente Bindung zwischen reaktivem Zentrum des
Vernetzers und der angegriffenen Carbonsäuregruppe des Makromoleküls ausbilden. Grundsätzlich
kommen alle Reaktionstypen zur Ausbildung kovalenter Bindungen in Betracht.
- 2) Koordinative Vernetzer, deren reaktive Zentren die Poly(meth)acrylat-Makromoleküle
koordinativ angreifen und daher eine koordinative Bindung zwischen reaktivem Zentrum
des Vernetzers und der angegriffenen Carbonsäuregruppe des Makromoleküls ausbilden.
Grundsätzlich kommen alle Reaktionstypen zur Ausbildung koordinativer Bindungen in
Betracht.
[0039] In einer Ausführungsform ist das Poly(meth)acrylat der erfindungsgemäßen Haftklebmasse
zumindest kovalent mit einem oder mehreren Vernetzern ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus Glycidylaminen, multifunktionellen Epoxiden, multifunktionellen Aziridinen und
multifunktionellen Isocyanaten vernetzt. Besonders bevorzugt ist das Poly(meth)acrylat
der erfindungsgemäßen Haftklebmasse zumindest kovalent mit einem oder mehreren Vernetzern
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus N,N,N',N'-Tetrakis(2,3-epoxypropyl)cyclohexyl-1,3-dimethylamin,
N,N,N',N'-Tetrakis(2,3-epoxypropyl)-m-xylyl-a,a'-diamin, (3,4-Epoxycyclohexyl)methyl-3,4-epoxycyclohexylcarboxylat,
Trimethylolpropan-tris(2-methyl-1-aziridinpropionat), Tolylendiisocyanat (TDI), 2,4-Tolylendiisocyanat-Dimer,
Naphthylen-1,5-diisocyanate (NDI), o-Tolylendiisocyanate (TODI), Diphenylmethandiisocyanate
(MDI), Triphenylmethantriisocyanate, Tris-(p-isocyanatophenyl)thiophosphat und Polymethylene-polyphenyl-isocyanat
vernetzt.
[0040] Die Poly(meth)acrylate der erfindungsgemäßen Haftklebmasse können mit einem oder
mehreren kovalenten Vernetzern, einem oder mehreren koordinativen Vernetzern oder
mit einem Gemisch aus jeweils einem oder mehreren kovalenten und koordinativen Vernetzern
vernetzt sein.
[0041] Bevorzugt enthält die erfindungsgemäße Haftklebmasse kovalente Vernetzer zu insgesamt
0,015 bis 0,1 Gew.-%, besonders bevorzugt zu insgesamt 0,02 bis 0,075 Gew.-%, jeweils
bezogen auf das Gesamtgewicht der Poly(meth)acrylate.
[0042] Die erfindungsgemäße Haftklebmasse enthält ferner mindestens eine Organophosphorverbindung.
Bevorzugt ist die Organophosphorverbindung halogenfrei. Die Organophosphorverbindung
ist bevorzugt ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Phosphorsäureestern und Iminophosphoranen.
[0043] Besonders bevorzugt ist die Organophosphorverbindung eine aromatische Organophosphorverbindung,
insbesondere ein aromatischer Phosphorsäureester. "Aromatisch" bedeutet dabei, dass
die betreffende Verbindung mindestens eine aromatische Struktureinheit, z.B. einen
aromatischen Substituenten, aufweist. Ganz besonders bevorzugt ist die Organophosphorverbindung
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Triphenylphosphat, Resorcinolbis(diphenylphosphat),
und Bisphenol-A-bis(diphenylphosphat). Beispielsweise ist die Organophosphorverbindung
ausgewählt aus Resorcinolbis(diphenylphosphat), und Bisphenol-A-bis(diphenylphosphat),
insbesondere ist sie Bisphenol-A-bis(diphenylphosphat).
[0044] Die Haftklebmasse kann eine oder mehrere Organophosphorverbindungen enthalten. Bevorzugt
enthält die erfindungsgemäße Haftklebmasse Organophosphorverbindungen zu insgesamt
mindestens 15 Gew.-%, stärker bevorzugt zu mindestens 18 Gew.-%.
[0045] Die erfindungsgemäße Haftklebmasse kann über die bis hierhin aufgeführten Bestandteile
hinaus weitere Bestandteile enthalten. In einer Ausführungsform enthält die erfindungsgemäße
Haftklebmasse mindestens ein Klebharz, auch als Klebkraftverstärker oder Tackifier
bezeichnet. Unter einem "Tackifier" wird entsprechend dem allgemeinem Fachmannverständnis
ein oligomeres oder polymeres Harz verstanden, das die Autohäsion (den Tack, die Eigenklebrigkeit)
der Haftklebmasse im Vergleich zu der keinen Tackifier enthaltenden, ansonsten aber
identischen Haftklebmasse erhöht.
[0046] Es kommen grundsätzlich alle bekannten, mit Poly(meth)acrylaten verträglichen Klebharze
in Frage. Bevorzugt umfasst die Haftklebmasse mindestens ein Klebharz ausgewählt aus
Terpenphenolharzen und Kolophoniumestern, besonders bevorzugt mindestens einen Kolophoniumester.
Der Kolophoniumester ist insbesondere ein Pentaerythritolkolophoniumester. Wie sich
gezeigt hat, lässt sich damit die Flammschutzwirkung weiter verbessern, was sich insbesondere
in minimierten Brennstrecken und einer weiter verminderten Rußbildung ausdrückt.
[0047] Vorzugsweise enthält die erfindungsgemäße Haftklebemasse 18 bis 28 Gew.-% Klebharz,
wie insbesondere 21 bis 24 Gew.-%.
[0048] Ferner kann die erfindungsgemäße Haftklebmasse weitere Additive enthalten, beispielsweise
- Weichmacher, z.B. niedermolekulare Poly(meth)acrylate, Phthalate, wasserlösliche Weichmacher;
- Funktionale Additive, z.B. Initiatoren und Beschleuniger;
- Elektrisch leitfähige Materialien, z.B. konjugierte Polymere, dotierte konjugierte
Polymere, Metallpigmente, Metallpartikel, Metallsalze, metallbeschichtete Partikel,
z.B. silberbeschichtete Kugeln; Graphit, Leitruße, Kohlenstofffasern, ferromagnetische
Additive;
- Schäumungsmittel, Blähmittel, expandierbare Hohlkugeln; letztere aber nur in einer
Menge, welche die Flammschutzwirkung nicht negativ beeinträchtigt;
- Compoundierungsmittel, Keimbildner;
- Alterungsschutzmittel, z.B. primäre und sekundäre Antioxidantien; Lichtschutzmittel,
Ozonschutzmittel;
- pulver- und granulatförmige Füllstoffe, Farbstoffe und Pigmente, z. B. Fasern, Ruße,
Zinkoxide, Titandioxid, Kreiden, Kieselsäuren, Silikate, Voll- oder Hohlglaskugeln,
Voll- oder Hohlpolymerkugeln, keramische Voll- oder Hohlkugeln, Mikrokugeln aus anderen
Materialien; und
- organische Füllstoffe.
[0049] In einer Ausführungsform enthält die Haftklebmasse mindestens ein Iminophosphoran
und/oder mindestens ein Amin. Bevorzugte Iminophosphorane sind Cyclophosphazene. Besonders
bevorzugt enthält die Haftklebmasse mindestens ein Phenoxy-substituiertes Cyclophosphazen
und/oder mindestens ein sterisch gehindertes N-Alkoxyamin. Insbesondere enthält die
Haftklebmasse mindestens ein sterisch gehindertes N-Alkoxyamin, z.B. ein Reaktionsprodukt
von N,N"-1,2-Ethandiylbis(1,3-propandiamin) mit Cyclohexan und peroxidiertem N-Butyl-2,2,6,6-tetramethyl-4-piperidinamin-2,4,6-trichlor-1,3,5-triazin
(CAS-Nr. 191680-81-6).
[0050] Wie sich gezeigt hat, lässt sich mit derartigen Zusatzstoffen die Flammschutzleistung
der Haftklebmasse noch weiter optimieren.
[0051] Vorzugsweise enthält die erfindungsgemäße Haftklebemasse 15 bis 35 Gew.-%, vorzugsweise
20 bis 30 Gew.-% Flammschutzmittel. Vom Begriff "Flammschutzmittel" sind insbesondere
Organophosphorverbindungen, Iminophosphorane und Amine umfasst, ohne dass dies einschränkend
zu verstehen ist.
[0052] Die Herstellung der erfindungsgemäßen Haftklebmasse erfolgt bevorzugt aus Dispersion
bzw. Lösung durch sequenzielles Einmischen der Komponenten, anschließendes Ausformen
der Dispersion bzw. Lösung zu einer Bahn und nachfolgendes Entfernen des verwendeten
Lösemittels. Bevorzugte Lösemittel sind die bereits bei der Herstellung der Poly(meth)acrylate
beschriebenen.
[0053] Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung einer erfindungsgemäßen
Haftklebmasse als flammgeschützte Haftklebmasse, insbesondere als flammgeschützte
Haftklebmasse in der Ausstattung von Flugzeugen, Bahnen, Schiffen, Fahrzeugen und
Gebäuden.
[0054] Die erfindungsgemäße Haftklebmasse wird dabei in einer Ausführungsform zur Herstellung
permanenter Verklebungen in Innenräumen verwendet, besonders bevorzugt zum Fixieren
von Wärmedämmmaterial, insbesondere zwischen Innen- und Außenwand; zum Fixieren nicht
textiler Fußböden in Feuchträumen, z.B. in Küchen und Toiletten; zum Fixieren von
Bodenbelägen allgemein; als Klebmasse für Feuchtigkeits-Barriereanwendungen und/oder
in Korrosionsschutzanwendungen und/oder zum Fixieren von Spiegeln und/oder Leuchten.
[0055] In einer weiteren Ausführungsform wird die erfindungsgemäße Haftklebmasse zur Herstellung
von Verklebungen, bevorzugt von permanenten Verklebungen, in Elektromobilen verwendet.
Besonders bevorzugt wird die Haftklebmasse dabei zur Herstellung von Verklebungen
in der Batterie verwendet, insbesondere zur Herstellung von Montageverklebungen (Mounting),
beispielsweise zur Verklebung von feuerfesten Materialien zwischen Batteriezellen;
zum Verkleben flexibler Leiterplatten; zum Verkleben von Schäumen, insbesondere von
Silikonschäumen; zur Herstellung von Verklebungen zum Zwecke der elektrischen Isolation
von Batteriemodulen und/oder -Bauteilen, insbesondere der elektrischen Isolation von
Batteriezellen (Battery Cell Wrapping) und/oder der Heiz-/Kühlplatte.
Beispiele
Verwendete Rohstoffe:
[0056]
| Butylacrylat: |
CAS-Nummer: 141-32-2 |
| Ethyl hexylacrylat: |
CAS-Nummer: 103-11-7 |
| Methylacrylat: |
CAS-Nummer: 96-33-3 |
| Acrylsäure: |
CAS-Nummer: 79-10-7 |
| Vazo 67: |
2,2'-Azodi(2-methylbutyronitril), CAS-Nummer 13472-08-7, Akzo Nobel |
| Perkadox 16: |
Bis-(4-tert.-Butylcyclohexanyl)-Peroxy-dicarbonat, CAS-Nummer 15520-11-3, Akzo Nobel |
| Dertophene T 105: |
Terpenphenolharz, Erweichungspunkt ca. 105 °C; MW ∼ 850 g/mol; DRT |
| Foral 105 E: |
hydrierter Pentaerythritol-Kolophoniumester, Erweichungspunkt ca. 100 °C; MW ∼ 1.002
g/mol; Eastman |
| Erisys GA 240 : |
N,N,N',N'-Tetrakis(2,3-epoxypropyl)-m-xylen-α,α'-diamin, Emerald Performance Materials |
| GC-BDP: |
Bisphenol-A-bis(diphenylphosphat), CAS-Nummer: 5945-33-5; GREENCHEMICALS SPA |
| GC-TPP: |
Triphenylphosphat, CAS-Nummer 115-86-6; GREENCHEMICALS SPA |
| NORD-MIN RDP: |
Tetraphenyl-m-phenylenbis(phosphat) (Resorcinolbis(diphenylphosphat)), CAS-Nummer
57583-54-7; Nordmann |
| Rabitle FP 110: |
Phenoxyphosphazen; Fushimi pharmaceutical CO., Ltd. |
| Flamestab NOR 116 FF: |
CAS-Nummer: 191680-81-6; BASF SE |
Herstellung der Polyacrylate:
Polyacrylat 1
[0057] Ein für radikalische Polymerisationen unter Siedekühlung geeigneter, konventioneller
2 L-Glasreaktor wurde mit 300 g einer Monomermischung aus 201 g n-Butylacrylat, 90
g 2-Ethylhexylacrylat und 9 g Acrylsäure sowie 200 g Aceton:Siedegrenzenbenzin 60/95
(1:1) befüllt. Nach 45 Minuten Durchleiten von Stickstoffgas unter Rühren wurde der
Reaktor auf 58 °C hochgeheizt und 0,15 g 2,2'-Azodi(2-methylbutyronitril (Vazo 67®,
Akzo Nobel), gelöst in 6 g Aceton, hinzugegeben. Anschließend wurde das äußere Heizbad
auf 75 °C erwärmt und die Reaktion konstant bei dieser Außentemperatur durchgeführt.
Nach 1 h Reaktionszeit wurden wiederum 0,15 g Vazo 67®, gelöst in 6 g Aceton, hinzugegeben.
Nach 3 Stunden wurde mit 90 g Siedegrenzenbenzin 60/95 verdünnt.
[0058] Nach 5 h 30 min Reaktionszeit wurden 0,45 g Bis-(4-tert.-Butylcyclohexanyl)-Peroxy-dicarbonat
(Perkadox 16®, Akzo Nobel), gelöst in 9 g Aceton, hinzugegeben. Nach 7 Stunden Reaktionszeit
wurden weitere 0,45 g Bis-(4-tert.-Butylcyclohexanyl)-Peroxy-dicarbonat (Perkadox
16®, Akzo Nobel), gelöst in 9 g Aceton, hinzugegeben. Nach 10 Stunden Reaktionszeit
wurde mit 90 g Siedegrenzenbenzin 60/95 verdünnt. Die Reaktion wurde nach 24 h Reaktionszeit
abgebrochen und auf Raumtemperatur abgekühlt.
[0059] Das sich ergebende Polyacrylat 1 weist eine Glasübergangstemperatur (T
g) gemäß Testmethode A von -46°C auf.
Polyacrylat 2
[0060] Ein für radikalische Polymerisationen unter Siedekühlung geeigneter, konventioneller
2 L-Glasreaktor wurde mit 300 g einer Monomermischung aus 219 g 2-Ethylhexylacrylat,
60 g Methylacrylat und 21 g Acrylsäure sowie 200 g Aceton: Siedegrenzenbenzin 60/95
(1:1) befüllt. Nach 45 Minuten Durchleiten von Stickstoffgas unter Rühren wurde der
Reaktor auf 58 °C hochgeheizt und 0,15 g 2,2'-Azodi(2-methylbutyronitril (Vazo 67®,
Akzo Nobel), gelöst in 6 g Aceton, hinzugegeben. Anschließend wurde das äußere Heizbad
auf 75 °C erwärmt und die Reaktion konstant bei dieser Außentemperatur durchgeführt.
Nach 1 h Reaktionszeit wurden wiederum 0,15 g Vazo 67®, gelöst in 6 g Aceton, hinzugegeben.
Nach 3 Stunden wurde mit 90 g Siedegrenzenbenzin 60/95 verdünnt.
[0061] Nach 5 h 30 min Reaktionszeit wurden 0,45 g Bis-(4-tert.-Butylcyclohexanyl)-Peroxy-dicarbonat
(Perkadox 16®, Akzo Nobel), gelöst in 9 g Aceton, hinzugegeben. Nach 7 Stunden Reaktionszeit
wurden weitere 0,45 g Bis-(4-tert.-Butylcyclohexanyl)-Peroxy-dicarbonat (Perkadox
16®, Akzo Nobel), gelöst in 9 g Aceton, hinzugegeben. Nach 10 Stunden Reaktionszeit
wurde mit 90 g Siedegrenzenbenzin 60/95 verdünnt. Die Reaktion wurde nach 24 h Reaktionszeit
abgebrochen und auf Raumtemperatur abgekühlt.
[0062] Das sich ergebende Polyacrylat 2 weist eine Glasübergangstemperatur (T
g) gemäß Testmethode A von etwa -34°C auf.
Herstellung der Haftklebmassen:
Beispiel 1
[0063] In der Lösung des Polyacrylats 1 wurde das Terpenphenolharz Dertophene T 105 im Gewichtsverhältnis
70:30, bezogen auf den Feststoffgehalt an Polymer, gelöst. Zu dieser Lösung wurde
Bisphenol-A-diphenylphosphat gegeben, so dass der Masseanteil in der Mischung fest
bei 30% lag. Anschließend wurde mit Aceton verdünnt, so dass ein Endfeststoffgehalt
von 38 % erreicht wurde. Die Mischung wurde auf eine Rollbank gelegt, bis eine homogene
Lösung entstanden war (ca. 12 h). Danach wurde eine Vernetzerlösung (3 Gew.-% Erysis
GA 240 in Aceton) mit einer Dosierung von 0,075 Gewichtsteilen, bezogen auf 100 Gewichtsteile
Polymer, zugegeben und die Klebmasse in einer Dicke von 100 µm mittels eines Streichrakels
auf einem Laborstreichtisch auf einer silikonisierten Folie beschichtet. Die Beschichtungen
wurden anschließend bei 120 °C für 15 min getrocknet.
Beispiele 2-9
[0064] Es wurde jeweils wie in Beispiel 1 vorgegangen. Die Zusammensetzung der Klebmassen
ist in Tabelle 1 angegeben.
Herstellung der Prüfmuster:
[0065] Für die Prüfungen wurde auf die Klebmasse eine 23 µm dicke, mit Trichloressigsäure
geätzte PET-Folie kaschiert. Auf die massefreie Seite der Folie wurde nochmals eine
100 µm dicke Klebmasseschicht kaschiert, so dass ein doppelseitiges Tape entstand.
Prüfmethoden:
Klebkraft
[0066] Die Bestimmung der Klebkraft CRES Stahl erfolgte bei einem Prüfklima von 23 °C +/-
1 °C Temperatur und 50 % +/- 5 % rel. Luftfeuchte.
[0067] Ein 20 mm breiter Streifen des Klebebandmusters wurde auf Stahlplatten aufgebracht,
die zuvor zweimal mit Aceton sowie einmal mit Isopropanol gewaschen und danach 5 Minuten
an der Luft liegen gelassen wurden, damit das Lösungsmittel abdampfen kann. Der Haftklebestreifen
wurde zweimal mit einem Anpressdruck entsprechend einem Gewicht von 2 kg auf das Substrat
aufgedrückt. Das Klebeband wurde anschließend sofort mit einer Geschwindigkeit von
300 mm/min und in einem Winkel von 90° vom Substrat abgezogen. Die Messergebnisse
sind in N/cm angegeben und sind gemittelt aus drei Messungen.
Statischer Schertest
[0068] Die Bestimmung der Scherfestigkeit erfolgte bei einem Prüfklima von 23 °C +/- 1 °C
Temperatur und 50 % +/- 5 % rel. Luftfeuchte.
[0069] Die Prüfmuster wurden auf eine Breite von 13 ± 0,2 mm zugeschnitten und für mindestens
16 h im Klima gelagert. Für die Prüfung wurden 50 x 25 mm ASTM-Stahl Platten mit 2
mm Dicke und einer 20 mm Markierungslinie verwendet, die vor der Verklebung mehrfach
intensiv mit Aceton gereinigt und danach 1 - 10 Min trocknen gelassen wurden. Die
Verklebungsfläche betrug 13 x 20 ± 0,2 mm. Der Prüfstreifen wurde unter Vermeidung
von Lufteinschlüssen durch Überstreichen mit dem Finger oder einem geeigneten Anwischer
in Längsrichtung mittig auf den Haftgrund aufgebracht, so dass die obere Kante des
Prüfmusters genau an der 20 mm Markierungslinie anlag.
[0070] Da die geprüften Muster doppelseitig waren, wurde die Rückseite mit Aluminiumfolie
abgeklebt. Das freie überstehende Ende wurde mit Papier oder einem Kartenblatt abgeklebt.
Sodann wurde der Klebestreifen 2-mal mit einer 2 kg Rolle hin und her überrollt. Nach
dem Anrollen wurde eine Gurtschlaufe (Gewicht 5 - 7 g) am überstehenden Ende des Klebebandes
angebracht.
[0071] Danach wurde mit Schraube und Mutter ein Adapterplättchen auf der Vorderseite der
Schertestplatte befestigt. Um sicherzustellen, dass das Adapterplättchen fest auf
der Platte sitzt, wurde die Schraube kräftig von Hand angezogen.
[0072] Die so vorbereitete Platte wurde über das Adapterplättchen mittels eines Hakens an
einer Zähleruhr befestigt; in die Gurtschlaufe wurde dann ein 1 kg Gewicht ruckfrei
eingehängt.
[0073] Die Aufziehzeit zwischen Anrollen und Belastung betrug 12 min. Gemessen wurde die
Zeit in Minuten bis zum Versagen der Verklebung, die Messergebnisse sind gemittelt
aus drei Messungen.
12s Vertikaler Bunsenbrennertest
[0074] Der 12s vertikale Bunsenbrennertest wird nach der FAR 25.853 (Appendix F Part I (a)(1)(II))
durchgeführt: Die Probe wird in vertikaler Position freihängend, das heißt ohne, dass
sie auf einem Substrat verklebt ist, in einem U-Rahmen gehalten, und eine Bunsenbrennerflamme
wird von unten für 12 s angelegt. Nach Ablauf der Beflammungsdauer von 12 s wird der
Brenner entfernt und das Material beobachtet. Die folgenden Parameter werden dokumentiert:
- a) Durchschnittliche Nachbrenndauer: Zeit in s, während der die Probe brennt, nachdem
die Brennerflamme entfernt wurde;
- b) Durchschnittliche Tropfenbrenndauer: Zeit in s, während der das brennende Material
weiter brennt, nachdem es von der Probe gefallen ist;
- c) Durchschnittliche Brennlänge: Entfernung von der initialen Probenkante zu der am
weitesten entfernten Stelle, an der die Probe beschädigt ist.
[0075] Es wurden mindestens 3 Prüfkörper geprüft.
[0076] Die Muster werden als flammgeschützt angesehen, wenn die nachstehend aufgeführten
Anforderungen nach der Norm FAR 25.853 (Appendix F Part I (a)(1)(II)) erfüllt wurden:
| Durchschnittliche Nachbrenndauer: |
< 15 s |
| Durchschnittliche Tropfenbrenndauer: |
< 5 s |
| Durchschnittliche Brennlänge: |
< 203,2 mm. |
[0077] Die Ergebnisse der Prüfungen sind in Tabelle 1 enthalten.
Tabelle 1: Zusammensetzungen der Beispiele und Ergebnisse
| Beispiel Nr. Zusammensetzung |
1 (Vgl.) |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
| Polyacrylat 1 |
49% |
|
|
|
|
|
|
|
|
| Polyacrylat 2 |
|
49% |
49% |
49% |
55,3% |
55,3% |
55,3% |
55,3% |
55,3% |
| Dertophene T 105 |
21% |
21% |
|
|
|
|
|
|
|
| Foral 105-E |
|
|
21% |
21% |
23,7% |
|
|
23,7% |
23,7% |
| Foral 85-E |
|
|
|
|
|
23,7% |
|
|
|
| Foral AX |
|
|
|
|
|
|
23,7% |
|
|
| Bisphenol-A-bis(diphenylphosphat) |
30% |
30% |
30% |
20% |
20% |
20% |
20% |
|
|
| Resorcinolbis(diphenylphosphat) |
|
|
|
|
|
|
|
20% |
|
| Triphenylphosphat |
|
|
|
|
|
|
|
|
20% |
| Rabitle FP 110 |
|
|
|
10% |
|
|
|
|
|
| Flamestab NOR 116 FF |
|
|
|
|
1% |
1% |
1% |
1% |
1% |
| Erysis GA 240 |
0,04% |
0,04% |
0,04% |
0,04% |
0,04% |
0,04% |
0,04% |
0,04% |
0,04% |
| Beispiel Nr. |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
| Klebkraft 90° CRES [N/cm] |
7,2 |
12,9 |
10,5 |
11,0 |
12,0 |
5,6 |
5,1 |
3 |
4,4 |
| Scherstandzeit RT [min] |
633 |
3312 |
2888 |
4595 |
7213 |
2140 |
1532 |
718 |
6878 |
| Brennstrecke [mm] |
213 |
175 |
165 |
78 |
25 |
75 |
200 |
28 |
62 |
| Nachbrenndauer [s] |
0 |
14 |
7 |
0 |
0 |
0 |
8,4 |
0 |
0 |
| Nachbrenndauer Tropfen [s] |
0 |
0 |
1 |
0 |
0 |
1 |
1 |
0 |
0 |
| Rußbildung |
Ja |
Ja |
Nein |
Nein |
Nein |
Nein |
Nein |
Nein |
Nein |
1. Haftklebmasse, enthaltend:
- mindestens ein Poly(meth)acrylat und
- mindestens eine Organophosphorverbindung;
dadurch gekennzeichnet, dass
die dem Poly(meth)acrylat zugrundeliegende Monomerenzusammensetzung
- mindestens einen (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente mehr als 4 C-Atome
enthält;
- mindestens einen (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente maximal 4 C-Atome
enthält; und
- Acrylsäure und/oder Methacrylsäure zu insgesamt mindestens 5 Gew.-% umfasst.
2. Haftklebmasse gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
die Glasübergangstemperatur des Poly(meth)acrylats gemäß Testmethode A < 0 °C, bevorzugt
zwischen -20 und -50 °C, insbesondere zwischen -25 und -40 °C, wie zum Beispiel zwischen
-28 und -35 °C beträgt.
3. Haftklebmasse gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
der mindestens eine (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente mehr als 4 C-Atome
enthält, in der dem Poly(meth)acrylat zugrundeliegenden Monomerenzusammensetzung zu
insgesamt 50 bis 90 Gew.-%, bevorzugt zu insgesamt 60 bis 80 Gew.-%, und insbesondere
zu insgesamt 65 bis 75 Gew.-% enthalten ist.
4. Haftklebmasse gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
der mindestens eine (Meth)acrylsäureester, dessen Alkoholkomponente maximal 4 C-Atome
enthält, in der dem Poly(meth)acrylat zugrundeliegenden Monomerenzusammensetzung zu
insgesamt 10 bis 40 Gew.-%, bevorzugt zu insgesamt 15 bis 30 Gew.-%, und insbesondere
zu insgesamt 20 bis 25 Gew.-% enthalten ist.
5. Haftklebmasse gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
in der dem Poly(meth)acrylat zugrundeliegenden Monomerenzusammensetzung zu mehr als
15 Gew.-%, vorzugsweise mehr als 17%, wie zum Beispiel 20 bis 30 Gew.-% Methylacrylat
enthalten ist.
6. Haftklebmasse gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
die Haftklebmasse Organophosphorverbindungen zu insgesamt mindestens 15 Gew.-%, bezogen
auf das Gesamtgewicht der Haftklebmasse, enthält.
7. Haftklebmasse gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
die Organophosphorverbindung eine aromatische Organophosphorverbindung ist.
8. Haftklebmasse gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
die Organophosphorverbindung Bisphenol-A-bis(diphenylphosphat) ist.
9. Haftklebmasse gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
die Haftklebmasse mindestens einen Kolophoniumester enthält.
10. Haftklebmasse gemäß Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass
der Kolophoniumester ein Pentaerythritolkolophoniumester ist.
11. Haftklebmasse gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
die Haftklebmasse mindestens ein Iminophosphoran, vorzugsweise mindestens ein Cyclophosphazen
und insbesondere mindestens ein Phenoxy-substituiertes Cyclophosphazen enthält.
12. Haftklebmasse gemäß einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass
die Haftklebmasse mindestens ein Amin enthält, und gegebenenfalls zusätzlich mindestens
ein Iminophosphoran.
13. Verwendung einer Haftklebmasse gemäß einem der vorstehenden Ansprüche als flammgeschützte
Haftklebmasse.