[0001] Die Erfindung betrifft ein Druckgussbauteil und ein Verfahren zur Herstellung dieses
Druckgussbauteils.
[0002] Um bei einem dünnwandigen Druckgussbauteil, beispielsweise bei Strukturbauteilen
für Kraftfahrzeuge, die Festigkeit (R
p0,2, R
m) und die Duktilität (bzw. Bruchdehnung A
5) in ein gewünschtes Verhältnis zueinander zu bringen - damit beispielsweise crashrelevante
FDI-Werte [FDI=Festigkeits-Duktilitäts-Index, der sich aus Materialkennwerten R
m, R
p0,2 und A
5 berechnet, nämlich FDI = (R
m+3
∗R
p0,2)/4
∗A
5/100] im Automobilbereich zu erfüllen sind -, schlägt die
EP3176275A1 eine Wärmebehandlung einer Al-Si-Aluminiumlegierung mit einem zweistufigen Glühen,
Abschrecken und dreistufigen Warmauslagern vor. Dieses Verfahren führt auch zu einer
guten Stanznieteignung - also einem Fügen durch Umformen -, was im Wesentlichen von
der Duktilität des Druckgussbauteils abhängig ist. Insbesondere bedarf es beim Stanznieten
unter Verwendung einer Dommatrize im Vergleich zu anderen Matrizen (Flachmatrize,
Kugelmatrize etc.) der höchsten Verformungsfähigkeit am Druckgussbauteil. Ist die
Verformungsfähigkeit des Materials nicht ausreichend, entstehen matrizenseitig Risse
im Druckgussbauteil. Eine weitere Verbesserung der Stanznieteignung durch Erhöhung
der Duktilität bedingt wiederum Verluste bei der Festigkeit - was nachteilig crashrelevante
FDI-Werte reduziert.
[0003] Die Erfindung hat sich außerdem ausgehend vom eingangs geschilderten Stand der Technik
die Aufgabe gestellt, ein Druckgussbauteil zu schaffen, das sich im Vergleich zu bekannten
Druckgussbauteilen in einer verbesserten Stanznieteignung bei gleicher Bruchdehnung
und Festigkeit auszeichnet.
[0004] Die Erfindung löst die gestellte Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 1.
[0005] Indem das Druckgussbauteil eine aushärtbare Aluminiumlegierung mit 5,0 bis 9,0 Gew.-%
Silizium (Si) und von 0,25 bis 0,5 Gew.-% Magnesium (Mg) und als Rest Aluminium sowie
herstellungsbedingt unvermeidbare Verunreinigungen mit jeweils maximal 0,05 Gew.-%
und gesamt höchstens 0,15 Gew.-% aufweist, kann eine vergleichsweise hohe Streckgrenze
(R
p0,2) von größer 190 MPa und auch eine Bruchdehnung A
5 von größer gleich 7 % ermöglicht werden.
Si: 5,0 bis 9,0 Gew.-% Silizium (Si), was einen reduzierten Anteil im Vergleich mit
dem Stand der Technik darstellt, kann den Anteil an rissauslösenden Primärphasen (nämlich
eutektischen Siliziumpartikel) deutlich verringern. Damit reduziert sich deren negative
Einfluss beim Fügen durch Umformen.
Mg: 0,25 bis 0,5 Gew.-% Magnesium (Mg) kann eine Streckgrenze (Rp0,2) von größer 190 MPa ermöglichen.
Besonders aber verbessert sich durch die Stanznieteignung des Druckgussbauteils, weil
Gleichmaßdehnung (A
g) und Einschnürdehnung (A
z) die Bedingung A
z ≥ A
g/2 erfüllen. Dadurch kann dieses hochfeste Druckgussbauteil selbst bei dünnwandiger
Ausführung rissfrei einem Fügen durch Umformen, beispielsweise Stanznieten oder Durchsetzfügen,
unterworfen werden.
Zusätzlich zu Si und Mg kann die Aluminiumlegierung optional ein oder mehrere Legierungselemente
der Gruppe aufweisen: bis 0,8 Gew.-% Mangan (Mn), von 0,08 bis 0,35 Gew.-% Zink (Zn),
von 0,08 bis 0,35 Gew.-% Chrom (Cr), bis 0,30 Gew.-% Zirkonium (Zr), bis 0,25 Gew.-%
Eisen (Fe), bis 0,15 Gew.-% Titan (Ti), bis 0,20 Gew.-% Kupfer (Cu), bis 0,025 Gew.-%
Strontium (Sr), bis 0,2 Gew.-% Vanadium (V) und/oder bis 0,2 Gew.-% Molybdän (Mo).
[0006] Vorgenannte Stanznieteignung ist weiter verbesserbar, wenn das Druckgussbauteil eine
Gleichmaßdehnung (A
g) von mindestens 6 % und eine Einschnürdehnung (A
z) von mindestens 4 % aufweist.
[0007] Weiteres sind in der erfindungsgemäßen Aluminiumlegierung für Silizium (Si) und/oder
Zink (Zn) und/oder Magnesium (Mg) und/oder Mangan (Mn) und/oder Kupfer (Cu) und/oder
Eisen (Fe) und/oder Titan (Ti) und/oder Strontium (Sr) folgender Gehalt oder folgende
Gehalte vorstellbar:
- von mehr als 6,5 bis 9,0 Gew.-% Silizium (Si)
insbesondere von mehr als 6,5 bis 8 Gew.-% Silizium (Si)
- von 0,3 bis 0,5 Gew.-% Magnesium (Mg)
- von 0,3 bis 0,6 Gew.-% Mangan (Mn)
- von 0,15 bis 0,3 Gew.-% Zink (Zn)
insbesondere von 0,15 bis 0,25 Gew.-% Zink (Zn)
- von 0,10 bis 0,20 Gew.-% Kupfer (Cu)
- von 0,10 bis 0,25 Gew.-% Eisen (Fe)
insbesondere von 0,15 bis 0,25 Gew.-% Eisen (Fe)
- von 0,05 bis 0,15 Gew.-% Titan (Ti)
- von 0,015 bis 0,025 Gew.-% Strontium (Sr)
[0008] Besonders hohe FDI-Werte sind erreichbar, wenn die aushärtbare Aluminiumlegierung
von mehr als 6,5 bis 9,0 Gew.-% Silizium (Si), insbesondere von mehr als 6,5 bis 8
Gew.-% Silizium (Si), aufweist.
Si: 6,5 < Gew.-% Silizium (Si) ≤ 9,0 können beispielsweise bei ausreichend guter Gießbarkeit
der Legierung auch rissauslösende Primärphasen reduziert werden, was das Fügen durch
Umformen noch weiter verbessern kann - dies um so mehr, wenn die Bedingung 6,5 < Gew.-%
Silizium (Si) ≤ 8,0 erfüllt wird.
[0009] Festigkeit und Duktilität sind weiter zu verbessern, wenn die Aluminiumlegierung
von 0,15 bis 0,3 Gew.-% Zink (Zn) und/oder von 0,3 bis 0,5 Gew.-% Magnesium (Mg) aufweist.
Zn: Ein Gehalt von 0,15 bis 0,3 Gew.-% Zink (Zn) kann die Duktilität des Druckgussbauteils
weiter verbessern. Bevorzugt weist Zink (Zn) einen Gehalt von 0,15 bis 0,25 Gew.-%
auf.
Mg: Ein Gehalt von 0,3 bis 0,5 Gew.-% Magnesium (Mg) kann die Streckgrenze (Rp0,2) weiter erhöhen.
[0010] Die Gießbarkeit der Druckgusslegierung kann weiter verbessert werden, wenn die Aluminiumlegierung
von 0,3 bis 0,6 Gew.-% Mangan (Mn) aufweist.
[0011] Die Festigkeit der Aluminiumlegierung kann mit einem Gehalt an Kupfer (Cu) von 0,10
bis 0,20 Gew.-% weiter erhöht werden.
Zudem kann durch diesen Gehalt an Kupfer die Aluminiumlegierung einen höheren Gehalt
an Sekundäraluminium aufweisen, was weiter erhöht werden kann, wenn die Aluminiumlegierung
0,15 bis 0,25 Gew.-% Eisen (Fe) aufweist. Dies insbesondere, wenn die Aluminiumlegierung
von 0,15 bis 0,25 Gew.-% Eisen (Fe) aufweist.
[0012] Duktilität und Festigkeit der Aluminiumlegierung kann mit 0,05 bis 0,15 Gew.-% Titan
(Ti) verbessert, wobei von 0,015 bis 0,025 Gew.-% Strontium (Sr) die Duktilität weiter
optimieren kann.
[0013] Vorstellbar ist weiter, dass die Aluminiumlegierung bis 0,05 Gew.-% Mangan (Mn) und/oder
bis 0,05 Gew.-% Kupfer (Cu) aufweist.
Mn: Ein Gehalt an Mangan (Mn) bis 0,05 Gew.-% kann zu einer signifikanten Duktilitätssteigerung
führen. Solch eine Beschränkung des Mangangehalts kann nämlich den Anteil an rissauslösenden
Primärphasen (manganhaltigen intermetallischen Phasen) noch weiter reduzieren, welche
das Gussbauteil strukturell schwächen würden, insbesondere beim Fügen durch Umformen.
Cu: Ein Gehalt an Kupfer (Cu) bis 0,05 Gew.-% kann zudem die Rissneigung weiter reduzieren,
was das Fügen durch Umformen weiter erleichtern bzw. das Stanznieten weiter verbessern
kann.
[0014] Das erfindungsgemäße Druckgussbauteil ist insbesondere als Karosseriekomponente für
ein Kraftfahrzeug geeignet. Vorzugsweise ist das Druckgussbauteil mit dem anderen
Bauteil über eine Stanzniete fest verbunden. Das Druckgussbauteil ist vorzugsweise
als Karosseriekomponente Teil eines Kraftfahrzeugs.
[0015] Die Erfindung hat sich ausgehend vom eingangs geschilderten Stand der Technik die
Aufgabe gestellt, das Verfahren zu verändern, um bei nahezu gleichbleibenden FDI-Werten
am Druckgussbauteil, die Stanznieteignung weiter zu verbessern. Zudem soll das Verfahren
einfach handhabbar und reproduzierbar ausgeführt werden können.
[0016] Die Erfindung löst die gestellte Aufgabe hinsichtlich des Verfahrens durch die Merkmale
des Anspruchs 8.
[0017] Wird eine aushärtbare Aluminiumlegierung mit 5,0 bis 9,0 Gew.-% Silizium (Si) und
von 0,25 bis 0,5 Gew.-% Magnesium (Mg) und als Rest Aluminium sowie herstellungsbedingt
unvermeidbare Verunreinigungen mit jeweils maximal 0,05 Gew.-% und gesamt höchstens
0,15 Gew.-% verwendet, kann eine besondere Wärmebehandlung durchgeführt werden.
Si: Mit 5,0 bis 9,0 Gew.-% Silizium (Si) kann zunächst aufgrund der Untergrenze von
5,0 Gew.-% die Gießbarkeit der Aluminiumlegierung auch bei komplexen Konturen sichergestellt
werden. Zudem kann aufgrund der Obergrenze von 9,0 Gew.-% Silizium (Si) die Aluminiumlegierung
auf eine Glühbehandlung bei höheren Temperaturen vorbereitet werden.
Mg: Mit 0,25 bis 0,5 Gew.-% Magnesium (Mg) kann die Aluminiumlegierung zur Erreichung
einer erhöhten Festigkeit, insbesondere Streckgrenze (Rp0,2), vorbereitet werden.
Auf Basis dieser Si- und Mg-Gehalte wird sohin die Al-Si-Legierung für eine erhöhte
Festigkeit bei reduzierter Duktilität vorbereitet - nämlich, indem ein erstes Glühen
bei einer Temperatur im Bereich von 320 °C (Grad Celsius) bis 450 °C über eine Zeitdauer
von 20 bis 75 Minuten und ein zweites Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 510
°C bis 540 °C über eine Zeitdauer von 5 bis 35 Minuten erfolgt, also bei erhöhten
Temperaturen gegenüber dem Stand der Technik. Durch das, dem Glühen anschließende
Abschrecken mit einem Temperaturgradienten im Bereich von größer 4 K/s werden die
Eigenschaften (erhöhte Festigkeit bei reduzierter Duktilität) am Druckgussbauteil
eingestellt.
[0018] Eine Verschiebung der mechanischen Eigenschaften von Duktilität in Richtung Festigkeit
kann in weiterer Folge durch eine Überalterung des Druckgussbauteils mithilfe einer
zumindest dreistufigen Warmauslagerung kompensiert werden.
Hierzu hat sich als vorteilhaft herausgestellt, wenn eine erste Warmauslagerung bei
einer Temperatur im Bereich von 100 °C bis 180 °C über eine Zeitdauer von 40 Minuten
bis 150 Minuten, eine zweite Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 180
°C bis 300 °C über eine Zeitdauer von 30 Minuten bis 100 Minuten und eine dritte Warmauslagerung
bei einer Temperatur im Bereich von 230 °C bis 300 °C über eine Zeitdauer von 5 Minuten
bis 120 Minuten erfolgen. Damit kann ein T7-Zustand am Druckgussbauteil erreicht werden,
welcher nicht nur vorgegebenen FDI-Werte aus Festigkeit (Rp02, Rm) und Duktilität
bzw. Bruchdehnung A
5 erfüllt, sondern überraschend auch eine deutliche Erhöhung der Stanznieteignung aufweist.
Untersuchungen ergaben, dass das erfindungsgemäße Verfahren besonders Einfluss auf
das Verhältnis zwischen Einschnürdehnung (A
z) und Gleichmaßdehnung (A
g) nimmt, welche Einschnürdehnung A
z sich durch die Gleichung A
z=A(bzw.A
5)-A
g bestimmt. Erfindungsgemäß ergibt sich sohin bei einer vergleichsweise hochfesten
Al-Si-Aluminiumlegierung im Zustand T7 eine Einschnürdehnung A
z, welche größer gleich A
g/2 ist - was ein rissfreies Stanznieten sicherstellt, insbesondere auch ein Stanznieten
unter Verwendung einer Dommatrize, was matrizenseitig besonders hohe Verformungsfähigkeit
vom Druckgussbauteil fordert.
Dies ist auch bei einem dünnwandigen Druckgussbauteil erreichbar, beispielsweise für
den Karosseriebau, welche derzeit einem Fügen durch Umformen, vor allem einem Stanznieten,
nicht zuverlässig zugänglich waren.
Zudem bedarf das erfindungsgemäße Verfahren im Vergleich zu bekannten anderen Verfahren
lediglich einer Adaptierung in Temperatur und Haltedauer - was vergleichsweise einfach
handhabbar ist und so die Reproduzierbarkeit des Verfahrens verbessert.
Durch das erfindungsgemäße Verfahren kann sohin die Herstellung eines Druckgussbauteils
sicherstellen, das eine Streckgrenze (R
p0,2) von größer 190 MPa und eine Bruchdehnung (A
5) von größer gleich 7 % aufweist und dessen Gleichmaßdehnung (A
g) und Einschnürdehnung (A
z) die Bedingung A
z ≥ A
g/2 erfüllt.
[0019] Vorzugsweise kann das hergestellte Druckgussbauteil eine Gleichmaßdehnung (A
g) von mindestens 6 % und eine Einschnürdehnung (A
z) von mindestens 4 % aufweisen. Zusätzlich zu Si und Mg kann die Aluminiumlegierung
folgende weitere Legierungselemente optional aufweisen, nämlich bis 0,8 Gew.-% Mangan
(Mn), von 0,08 bis 0,35 Gew.-% Zink (Zn), von 0,08 bis 0,35 Gew.-% Chrom (Cr), bis
0,30 Gew.-% Zirkonium (Zr), bis 0,25 Gew.-% Eisen (Fe), bis 0,15 Gew.-% Titan (Ti),
bis 0,20 Gew.-% Kupfer (Cu), bis 0,025 Gew.-% Strontium (Sr), bis 0,2 Gew.-% Vanadium
(V) und/oder bis 0,2 Gew.-% Molybdän (Mo).
[0020] Die Einschnürdehnung A
z ist weiter verbesserbar, wenn das erste Glühen bei einer Temperatur im Bereich von
390 °C bis 410 °C und/oder über eine Zeitdauer von 50 Minuten bis 70 Minuten erfolgt.
Zudem kann durch diesen vergleichsweise engen Temperatur- und Zeitbereich reproduzierbarer
auf die mechanischen Eigenschaften am fertigen Druckgussbauteil Einfluss genommen
werden.
[0021] Erfolgt das zweite Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 520 °C bis 535 °C,
insbesondere von 525 °C bis 535 °C, und/oder über eine Zeitdauer von 25 bis 30 Minuten,
ist beispielsweise aufgrund der vergleichsweise kurzen Haltedauer ein Verzug am Druckgussbauteil
vermeidbar. Dies verbessert zudem auch die Reproduzierbarkeit des Verfahrens.
[0022] Die Festigkeitswerte können in vergleichsweise engen Grenzen eingestellt werden,
wenn das Abschrecken mit einem Temperaturgradienten im Bereich von 7 K/s bis 20 K/s
erfolgt. Dieses beschleunigte Abkühlen kann beispielsweise durch Abkühlung an bewegter
Luft, etc. erfolgen.
[0023] Vorzugsweise erfolgt die erste Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von
140 °C bis 160 °C und/oder über eine Zeitdauer von 110 Minuten bis 130 Minuten, um
das Druckgussbauteil zunächst in einen T64-Zustand zu versetzen.
[0024] Ein T6-Zustand am Druckgussbauteil wird erreicht, indem die zweite Warmauslagerung
bei einer Temperatur im Bereich von 190 °C bis 210 °C und/oder über eine Zeitdauer
von 50 Minuten bis 70 Minuten erfolgt.
[0025] Erfolgt die dritte Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 230 °C bis
270 °C und/oder über eine Zeitdauer von 10 Minuten bis 30 Minuten, sind am Druckgussbauteil
Festigkeit und Duktilität noch genauer einstellbar. Insbesondere aber ist damit eine
vergleichsweise hohe Einschnürdehnung (A
z) erreichbar, was die Rissgefahr beim Stanznieten des Druckgussbauteils noch weiter
reduzieren kann.
[0026] Zum Nachweis der erzielten Effekte wurden aus verschiedenen Gusslegierungen dünnwandige
Gussbauteile im Druckgussverfahren hergestellt. In den Figuren ist der Erfindungsgegenstand
beispielsweise dargestellt. So zeigen
- Fig. 1
- eine Ansicht zum Ablauf der erfindungsgemäßen Wärmebehandlung,
- Fig. 2a
- abgerissener Querschliff von zwei stanzgenieteten Bauteilen, wobei das untere Bauteil
ein Druckgussbauteil nach dem Stand der Technik ist,
- Fig. 2b
- eine dreidimensionale, matrizenseitige Ansicht der Fig. 2a,
- Fig. 3a
- abgerissener Querschliff von zwei stanzgenieteten Bauteilen, wobei es sich beim unteren
Bauteil um das erfindungsgemäße Druckgussbauteil handelt, und
- Fig. 3b
- eine dreidimensionale, matrizenseitige Ansicht der Fig. 3a.
[0027] Die Zusammensetzungen der untersuchten Legierungen sind in der Tabelle 1 angeführt,
wobei zu den in dieser Tabelle angeführten Legierungselementen als Rest Aluminium
und herstellungsbedingt unvermeidbare Verunreinigungen mit jeweils maximal 0,05 Gew.-%
und gesamt höchstens 0,15 Gew.-% hinzukommen.
Tabelle 1: Übersicht zu den Aluminiumlegierungen
| Legierungen |
Si Gew.-% |
Mg Gew.-% |
Mn Gew.-% |
Fe Gew.-% |
Zn Gew.-% |
Zr Gew.-% |
Ti Gew.-% |
Sr Gew.-% |
| AlSi10Mg0,4Mn |
10,5 |
0,4 |
0,61 |
<0,22 |
0,2 |
0,15 |
0,06 |
0,02 |
| AlSi7Mg0,4 |
7 |
0,4 |
0,05 |
≤0,15 |
0,2 |
0,15 |
0,06 |
0,02 |
[0028] Die Legierungen AlSi7Mg0,4 bewegt sich in den erfindungsgemäßen Gehaltsgrenzen nach
den unabhängigen Ansprüchen. Legierung AlSi10Mg0,4Mn weist im Vergleich zu Legierung
AlSi7Mg0,4 einen wesentlich höheren Si-Gehalt auf - und liegt diesbezüglich sohin
außerhalb der erfindungsgemäßen Gehaltsgrenzen.
[0029] Die Druckgussbauteile P1 (Stand der Technik) und I1 (erfindungsgemäß) mit den diesbezüglichen
Al-Si-Aluminiumlegierungen wurden nach Tabelle 2 folgender Wärmebehandlung unterzogen:
Tabelle 2: Übersicht zur Wärmebehandlung
| Bauteil |
Legierung |
Glühen |
Abschrecken |
Warmauslagern |
| erstes |
zweites |
erstes |
zweites |
drittes |
| P1 |
AlSi10Mg0,4Mn |
400 °C |
510 °C |
3 K/s |
120 °C |
230 °C |
|
| 1 h |
30 min |
2 h |
1 h |
|
| I1 |
AlSi7Mg0,4 |
400 °C |
530 °C |
7 K/s |
150 °C |
200 °C |
250 °C |
| 1 h |
30 min |
2 h |
1 h |
20 min |
[0030] In der Fig. 1 ist der Ablauf der erfindungsgemäßen Wärmebehandlung näher dargestellt:
Zuerst erfolgt ein zweistufiges Glühen, nämlich ein erstes Glühen 1.1 und ein daran
anschließendes zweites Glühen 1.2, darauffolgend ein Abschrecken 2 und nach einer
gewissen Lagerzeit eine dreistufige Warmauslagerung mit einem ersten Erwärmen 3.1,
einem anschließenden zweiten Erwärmen 3.2 und einem anschließenden dritten Erwärmen
3.3. Das Gussbauteil I1 durchschreitet bei dieser Wärmebehandlung verschiedenste Zustände
von T4, T6x, T6 bis zu T7, wie in Fig. 1 zu erkennen.
In Fig. 1 ist auch der Unterschied beim zweiten Glühen 1.2 zwischen der Erfindung
I1 und dem Stand der Technik P1 zu erkennen. So erfolgt das zweite Glühen im Stand
der Technik P1 mit einer deutlich niedrigeren Temperatur als bei der Erfindung I1.
[0031] Im Gegensatz zur Erfindung fehlt dem Gussbauteil P1 ein drittes Warmauslagern. Wesentliche
Unterschiede finden sich auch in den Parametern des zweiten Glühens - diese Unterschiede
führt insgesamt dazu, dass sich nach der Wärmebehandlung das Gussbauteil P1 im Zustand
T6 befindet.
[0032] Die beiden Druckgussteile P1 und I1 wurden schließlich auf ihre mechanischen Eigenschaften
hin untersucht. Hierzu wurden Streckgrenze R
p0,2, Zugfestigkeit R
m, Bruchdehnung A
5 sowie die Gleichmaßdehnung A
g bestimmt. Die erhaltenen Messwerte sind in der Tabelle 3 zusammengefasst. Die Einschnürdehnung
A
z wurde aus Bruchdehnung A
5 und Gleichmaßdehnung A
g errechnet.
Tabelle 3: mechanische Kennwerte
| Bauteil |
Rp0,2 [MPa] |
Rm [MPa] |
A5 [%] |
Ag [%] |
Az [%] =A5-Ag |
| P1 |
195 |
277 |
12,8 |
8,7 |
3,7 |
| I1 |
195 |
250 |
12,4 |
6,7 |
6,1 |
[0033] Gemäß Tabelle 3 weist das erfindungsgemäße Druckgussbauteil I1 eine deutlich höhere
Einschnürdehnung (A
z) auf - womit das Druckgussbauteil I1 eine besonders gute Stanznieteignung aufweist
bzw. generell für ein Fügen durch Umformen besonders geeignet ist.
[0034] Diese Eignung wurde durch ein Stanznieten unter Verwendung einer Dommatrize geprüft
- und zwar wurde ein Aluminiumblech A der 6xxx Reihe matrizenseitig mit dem Druckgussbauteil
P1 bzw. mit dem Druckgussbauteil I1 matrizenseitig unter Verwendung eines Nietelements
N stanzgenietet. Die Ergebnisse dieses Stanznietens sind in den Figuren 2a, 2b bzw.
3a, 3b ersichtlich.
[0035] So sind im Querschliff nach Fig. 2a zur AlSi10Mg0,4Mn im T6-Zustand mehrere Risse
R zu erkennen, wohingegen im Querschliff nach Fig. 3a zur erfindungsgemäßen Al-Si7Mg0,4-Legierung
im hochfesten T7-Zustand keine Risse zu erkennen sind.
Zudem zeigt die AlSi10Mg0,4Mn T6 nach Fig. 2b zahlreiche tiefe Risse matrizenseitig,
wohingegen die Risse bei Al-Si7Mg0,4 T7 deutlich feiner ausgeprägt sind. Deren Anzahl
ist zwar höher, jedoch sind diese aufgrund ihrer geringen Breite und Tiefe unkritisch.
Erfindungsgemäß verbessert sich sohin ein Niet-Ergebnis signifikant gegenüber dem
Stand der Technik.
[0036] Aus diesem Grund weist auch das erfindungsgemäße Druckgussbauteil I1 beispielsweise
eine besonders gute Eignung für dünnwandige Formteile an einer Karosserie eines Fahrzeugs,
vorzugsweise eines Kraftfahrzeugs, auf.
1. Druckgussbauteil aus einer aushärtbaren Aluminiumlegierung mit folgenden Legierungsbestandteilen:
| von 5,0 bis 9,0 |
Gew.-% Silizium (Si), |
| von 0,25 bis 0,5 |
Gew.-% Magnesium (Mg) |
und optional
| bis 0,8 |
Gew.-% Mangan (Mn), |
| von 0,08 bis 0,35 |
Gew.-% Zink (Zn), |
| von 0,08 bis 0,35 |
Gew.-% Chrom (Cr), |
| bis 0,30 |
Gew.-% Zirkonium (Zr), |
| bis 0,25 |
Gew.-% Eisen (Fe), |
| bis 0,15 |
Gew.-% Titan (Ti), |
| bis 0,20 |
Gew.-% Kupfer (Cu), |
| bis 0,025 |
Gew.-% Strontium (Sr), |
| bis 0,2 |
Gew.-% Vanadium (V), |
| bis 0,2 |
Gew.-% Molybdän (Mo), |
und als Rest Aluminium sowie herstellungsbedingt unvermeidbare Verunreinigungen mit
jeweils maximal 0,05 Gew.-% und gesamt höchstens 0,15 Gew.-%,
wobei das Druckgussbauteil
eine Streckgrenze (Rp0,2) von größer 190 MPa und
eine Bruchdehnung (A5) von größer gleich 7 % aufweist und Gleichmaßdehnung (Ag) und Einschnürdehnung (Az) die Bedingung Az ≥ Ag/2 erfüllt.
2. Druckgussbauteil nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass dieses Druckgussbauteil
eine Gleichmaßdehnung (Ag) von mindestens 6 % und
eine Einschnürdehnung (Az) von mindestens 4 % aufweist.
3. Druckgussbauteil nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die aushärtbare Aluminiumlegierung
von mehr als 6,5 bis 9,0 Gew.-% Silizium (Si),
insbesondere von mehr als 6,5 bis 8 Gew.-% Silizium (Si),
und/oder
von 0,3 bis 0,5 Gew.-% Magnesium (Mg),
und/oder
von 0,3 bis 0,6 Gew.-% Mangan (Mn),
und/oder
von 0,15 bis 0,3 Gew.-% Zink (Zn),
insbesondere von 0,15 bis 0,25 Gew.-% Zink (Zn),
und/oder
von 0,10 bis 0,20 Gew.-% Kupfer (Cu),
und/oder
von 0,10 bis 0,25 Gew.-% Eisen (Fe),
insbesondere von 0,15 bis 0,25 Gew.-% Eisen (Fe),
und/oder
von 0,05 bis 0,15 Gew.-% Titan (Ti),
und/oder
von 0,015 bis 0,025 Gew.-% Strontium (Sr)
aufweist.
4. Druckgussbauteil nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die aushärtbare Aluminiumlegierung
| bis 0,05 |
Gew.-% Mangan (Mn) und/oder |
| bis 0,05 |
Gew.-% Kupfer (Cu) |
aufweist.
5. Karosseriekomponente für ein Kraftfahrzeug mit einem Druckgussbauteil (I1) nach einem
der Ansprüche 1 bis 4.
6. Karosseriekomponente nach Anspruch 5, mit mindestens einer Stanzniete (N) und mit
einem anderen Bauteil (A), wobei das Druckgussbauteil (I1) mit dem anderen Bauteil
(A) über die Stanzniete (N) fest verbunden ist.
7. Kraftfahrzeug mit einer Karosseriekomponente nach Anspruch 5 oder 6.
8. Verfahren zur Herstellung eines Druckgussbauteils nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
wobei das Verfahren eine Wärmebehandlung mit folgenden Schritten in der angegebenen
Reihenfolge umfasst:
Zumindest zweistufiges Glühen, umfassend wenigstens
ein erstes Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 320 °C bis 450 °C über eine
Zeitdauer von 20 Minuten bis 75 Minuten, und
ein zweites Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 510 °C bis 540 °C über eine
Zeitdauer von 5 Minuten bis 35 Minuten,
Abschrecken mit einem Temperaturgradienten im Bereich von größer 4 K/s und
zumindest dreistufige Warmauslagerung, umfassend wenigstens eine
erste Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 100 °C bis 180 °C über eine
Zeitdauer von 40 Minuten bis 150 Minuten, eine
zweite Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 180 °C bis 300 °C über
eine Zeitdauer von 30 Minuten bis 100 Minuten und eine
dritte Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 230 °C bis 300 °C über
eine Zeitdauer von 5 Minuten bis 120 Minuten.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 390 °C bis 410 °C und/oder über
eine Zeitdauer von 50 Minuten bis 70 Minuten erfolgt
10. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 520 °C bis 535 °C, insbesondere
von 525 °C bis 535 °C, und/oder über eine Zeitdauer von 25 bis 30 Minuten erfolgt.
11. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Abschrecken mit einem Temperaturgradienten im Bereich von 7 K/s bis 20 K/s erfolgt.
12. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 140 °C bis 160 °C und/oder
über eine Zeitdauer von 110 Minuten bis 130 Minuten erfolgt.
13. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 190 °C bis 210 °C
und/oder über eine Zeitdauer von 50 Minuten bis 70 Minuten erfolgt.
14. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die dritte Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 230 °C bis 270 °C
und/oder über eine Zeitdauer von 10 Minuten bis 30 Minuten erfolgt.