[0001] Die Erfindung betrifft ein effizientes Verfahren zur Herstellung eines mit elementarem
Silber und elementarem Ruthenium ausgestatteten partikelförmigen Trägermaterials.
[0002] WO 2007/139735 A2 offenbart eine Methode zur Herstellung von Nano/Mikropartikeln mit Kern-Schale-Aufbau.
Die Partikel umfassen einen nichtmetallischen Kern mit einer Übergangsmetall/Edelmetallhülle.
Die Übergangsmetalle/Edelmetalle sind ausgewählt aus Kupfer, Nickel, Silber, Palladium,
Platin, Ruthenium, Gold, Osmium und Rhodium. Die Herstellung kann erfolgen durch Bereitstellung
einer Übergangsmetallsalz/Edelmetallsalzlösung, Dispergieren von Nano/Mikropartikeln
in der Salzlösung, Verdampfen des Lösemittels unter Erhalt einer Slurry umfassend
beschichtete Nano/Mikropartikel, Zugabe eines Reduktionsmittels zu der Slurry, und
Trocknen der Slurry.
[0003] WO 2007/142579 A1 offenbart eine Polymermatrix umfassend einen Elektronendonator und Metallpartikel
umfassend mindestens ein Metall ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Palladium,
Gold, Ruthenium, Rhodium, Osmium, Iridium und Platin. Der Elektronendonator kann mindestens
ein unedleres Metall sein, beispielsweise Silber. Als Herstellungsverfahren wird die
sequenzielle Abscheidung von Silber und mindestens eines weiteren Metalls ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Palladium, Gold, Ruthenium, Rhodium, Osmium, Iridium
und Platin offenbart. Die Abscheidung erfolgt jeweils aus einer Suspension der betreffenden
Metallpartikel durch in Kontakt bringen mit der Polymermatrix.
[0004] WO 2009/044146 A1 offenbart ein Material umfassend auf einem porösen Polysaccharidderivat geträgerte
metallische Nanopartikel mit einem Durchmesser von 1 bis 30 nm. Das Metall der Nanopartikel
kann ein Edelmetall sein. Das Material kann hergestellt werden durch Zugabe des porösen
Polysaccharids zu einem Lösemittel, Zugabe eines Salzes des betreffenden Metalls,
Rühren der Mischung bei erhöhter Temperatur und Abtrennen der geträgerten Nanopartikel
aus der Mischung.
[0005] Aufgabe der Erfindung war die Bereitstellung eines effizienten und in einen Produktionsmaßstab
skalierbaren Verfahrens zur Herstellung eines mit elementarem Silber und elementarem
Ruthenium ausgestatteten partikelförmigen Trägermaterials. So ausgestattete Trägermaterialien
können als Additive zur antimikrobiellen Ausrüstung verschiedenster Materialien und
Werkstoffe Anwendung finden, beispielsweise in bzw. auf Metalloberflächen, Beschichtungsmitteln,
Putzen, Formmassen, Kunststoffen, Kunstharzprodukten, Silikonprodukten, Schaumstoffen,
Textilien, Kosmetika, Hygieneartikeln und vielem anderen mehr.
[0006] Die Aufgabe kann gelöst werden durch ein Verfahren zur Herstellung eines mit elementarem
Silber und elementarem Ruthenium ausgestatteten partikelförmigen Trägermaterials,
umfassend die aufeinanderfolgenden Schritte:
- a) Bereitstellen eines wasserunlöslichen partikelförmigen Trägermaterials und (i)
einer wässrigen Lösung A umfassend gelöst vorliegenden Silbervorläufer (der Kürze
halber nachfolgend in der Beschreibung und in den Ansprüchen auch nur als "wässrige
Lösung A" bezeichnet) sowie einer wässrigen Lösung B umfassend gelöst vorliegenden
Rutheniumvorläufer (der Kürze halber nachfolgend in der Beschreibung und in den Ansprüchen
auch nur als "wässrige Lösung B" bezeichnet) oder (ii) einer wässrigen Lösung umfassend
sowohl gelöst vorliegenden Silbervorläufer als auch gelöst vorliegenden Rutheniumvorläufer
(der Kürze halber nachfolgend in der Beschreibung und in den Ansprüchen auch nur als
"wässrige Lösung C" bezeichnet),
- b) Inkontaktbringen des wasserunlöslichen partikelförmigen Trägermaterials (i) mit
der wässrigen Lösung A und der wässrigen Lösung B oder bevorzugt (ii) mit der wässrigen
Lösung C unter Ausbildung eines Intermediats, bevorzugt eines Intermediats in Form
eines frei fließfähigen imprägnierten partikulären Materials,
- c) Inkontaktbringen des Intermediats mit einer wässrigen einen pH-Wert im Bereich
von >7 bis 14, bevorzugt von >11 bis 14 aufweisenden und Hydrazin umfassenden Lösung
unter Bildung einer elementares Silber und elementares Ruthenium umfassenden Masse,
- d) gegebenenfalls Waschen der nach Beendigung von Schritt c) erhaltenen Masse, und
- e) Entfernen von Wasser und anderen eventuellen flüchtigen Bestandteilen aus der nach
Beendigung von Schritt c) oder d) erhaltenen Masse.
[0007] Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet kann das erfindungsgemäße Verfahren auch
verstanden werden als Verfahren zur Ausstattung eines partikelförmigen Trägermaterials
mit elementarem Silber und elementarem Ruthenium, umfassend die aufeinanderfolgenden
Schritte a) bis e).
[0008] Bei den Schritten a) bis e) handelt es sich um aufeinanderfolgende Schritte, und
es kann sich dabei um direkt aufeinanderfolgende Schritte ohne Zwischenschritte handeln.
[0009] In Schritt a) des erfindungsgemäßen Verfahrens werden ein wasserunlösliches partikelförmiges
Trägermaterial und (i) besagte wässrige Lösungen A und B oder (ii) besagte wässrige
Lösung C bereitgestellt. Bevorzugt ist die Bereitstellung der wässrigen Lösung C.
Für den Fachmann an sich überflüssig zu erwähnen, das partikelförmige Trägermaterial
liegt im festen Aggregatzustand vor.
[0010] Die Trägermaterialpartikel können verschiedenste Partikelformen aufweisen. Beispielsweise
können sie unregelmäßig geformt sein oder sie können eine definierte Form haben, beispielsweise
kugelig, oval, plättchenförmig oder stäbchenförmig sein. Die Trägermaterialpartikel
können porös sein und/oder Hohlräume aufweisen oder nichts von beiden. Sie können
eine glatte oder raue oder strukturierte äußere Oberfläche besitzen. Die Trägermaterialpartikel
können eine mittlere Partikelgröße (d50) beispielsweise im Bereich von 20 bis 100
µm aufweisen. Der Begriff "mittlere Partikelgröße" bedeutet den mittels Laserbeugung
bestimmbaren mittleren Partikeldurchmesser (d50). Laserbeugungsmessungen können mit
einem entsprechenden Partikelgrößenmessgerät, beispielsweise einem Mastersizer 3000
von Malvern Instruments durchgeführt werden. Die absoluten Partikelgrößen unterschreiten
im Allgemeinen 1 µm nicht und sie überschreiten im Allgemeinen 1000 µm nicht. Das
wasserunlösliche partikelförmige Trägermaterial besitzt eine mehr oder minder große
Wasseraufnahmefähigkeit zwischen den Partikeln und gegebenenfalls auch innerhalb der
Partikel, beispielsweise innerhalb von Poren und/oder in Vertiefungen der Partikeloberfläche.
Das wasserunlösliche partikelförmige Trägermaterial kann mit Wasser quellfähig oder
sogar zur Bildung eines Hydrogels befähigt sein.
[0011] Für den Fachmann folgt schon aus dem Begriff "wasserunlösliches Trägermaterial",
dass das wasserunlösliche eigentliche Trägermaterial nicht nur gegenüber Wasser, sondern
auch gegenüber den im erfindungsgemäßen Verfahren mit ihm in Kontakt kommenden Chemikalien
unempfindlich ist; anderenfalls könnte es die Funktion eines Trägermaterials respektive
die eines wasserunlöslichen Trägermaterials prinzipiell nicht erfolgreich wahrnehmen.
Es wird so ausgewählt, dass es weder durch Wasser noch durch besagte Chemikalien oder
Chemikalienkombination angegriffen, gelöst oder in seiner Eigenschaft als Trägermaterial
beeinträchtigt wird. Das wasserunlösliche eigentliche Trägermaterial als solches ist
bevorzugt ein nicht wasserabstoßendes Material. Bevorzugt ist es hydrophil, jedoch
wie gesagt in jedem Falle wasserunlöslich. Bei dem eigentlichen Trägermaterial kann
es sich um ein aus anorganischen oder organischen Stoffen oder Materialien ausgewähltes
Material handeln, jeweils in Partikelform, beispielsweise als Pulver. Um etwaigen
Missverständnissen vorzubeugen, es handelt sich bei dem Trägermaterial um einen silber-
und rutheniumfreien Stoff bzw. um ein silber- und rutheniumfreies Material. Beispiele
umfassen Glas; Nitride wie beispielsweise Aluminiumnitrid, Titannitrid, Siliziumnitrid;
hochschmelzende Oxide wie beispielsweise Aluminiumoxid, Titandioxid, Siliziumdioxid
beispielsweise als Kieselsäure oder Quarz; Silikate wie beispielsweise Natriumaluminiumsilikat,
Zirkonsilikat, Zeolithe; Kunststoffe wie beispielsweise (Meth)acrylhomo- und -copolymere
und Polyamide; modifizierte oder unmodifizierte Polymere natürlichen Ursprungs wie
beispielsweise Polysaccharide und - derivate, insbesondere Cellulose und Cellulosederivate;
Kohlenstoffsubstrate, insbesondere poröse Kohlenstoffsubstrate; und Holz.
[0012] Cellulosepulver ist ein bevorzugtes partikelförmiges Trägermaterial, insbesondere
in Form linearer Cellulosefasern mit einer Faserlänge im Bereich von beispielsweise
10 bis 1000 µm.
[0013] Die in Schritt a) (i) bereitgestellte wässrige Lösung A umfasst gelöst vorliegenden
Silbervorläufer und die ebenfalls in Schritt a) (i) bereitgestellte wässrige Lösung
B umfasst gelöst vorliegenden Rutheniumvorläufer.
[0014] Für den Fachmann folgt schon aus dem Begriff "wässrige Lösung A", dass es sich um
eine Lösung und nicht etwa um ein disperses System handelt; mit anderen Worten, die
wässrige Lösung A umfasst typischerweise keine ungelösten Stoffe, d.h. auch keine
Ausfällungen oder Niederschläge. Die wässrige Lösung A zeichnet sich dadurch aus,
neben Wasser als Lösemittel zugleich eine oder mehrere darin gelöste Silber(I)verbindungen
zu umfassen. Die Silber(I)verbindungen als auch eventuelle gewollt oder ungewollt
in der wässrigen Lösung A anwesende Substanzen werden typischerweise so ausgewählt,
dass die wässrige Lösung A als solche und bevorzugt auch bei Kombination oder Kontakt
mit der wässrigen Lösung B keine Niederschläge oder Ausfällungen aufweist bzw. dass
es nicht zur Bildung solcher kommt.
[0015] Für den Fachmann folgt schon aus dem Begriff "wässrige Lösung B", dass es sich um
eine Lösung und nicht etwa um ein disperses System handelt; mit anderen Worten, die
wässrige Lösung B umfasst typischerweise keine ungelösten Stoffe, d.h. auch keine
Ausfällungen oder Niederschläge. Die wässrige Lösung B zeichnet sich dadurch aus,
neben Wasser als Lösemittel zugleich eine oder mehrere darin gelöste Rutheniumverbindungen
zu umfassen. Die Rutheniumverbindungen als auch eventuelle gewollt oder ungewollt
in der wässrigen Lösung B anwesende Substanzen werden typischerweise so ausgewählt,
dass die wässrige Lösung B als solche und bevorzugt auch bei Kombination oder Kontakt
mit der wässrigen Lösung A keine Niederschläge oder Ausfällungen aufweist bzw. dass
es nicht zur Bildung solcher kommt.
[0016] Die in Schritt a) (ii) bevorzugt bereitgestellte wässrige Lösung C umfasst sowohl
gelöst vorliegenden Silbervorläufer als auch gelöst vorliegenden Rutheniumvorläufer.
Für den Fachmann folgt schon aus dem Begriff "wässrige Lösung C", dass es sich um
eine Lösung und nicht etwa um ein disperses System handelt; mit anderen Worten, die
wässrige Lösung C umfasst keine ungelösten Stoffe, d.h. auch keine Ausfällungen oder
Niederschläge. Die wässrige Lösung C zeichnet sich dadurch aus, neben Wasser als Lösemittel
zugleich eine oder mehrere darin gelöste Silber(I)verbindungen und eine oder mehrere
darin gelöste Rutheniumverbindungen zu umfassen. Die Silber(I)verbindungen und die
Rutheniumverbindungen als auch eventuelle gewollt oder ungewollt in der wässrigen
Lösung C anwesende Substanzen werden so ausgewählt, dass die wässrige Lösung C keine
Niederschläge oder Ausfällungen aufweist bzw. dass es nicht zur Bildung solcher kommt.
[0017] Bei Silbervorläufer und Rutheniumvorläufer handelt es sich um eine oder mehrere Silber(I)verbindungen
und eine oder mehrere Rutheniumverbindungen. Die eine oder die mehreren Rutheniumverbindungen
sind ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Ruthenium(II)verbindungen, Ruthenium(III)verbindungen
und Ruthenium(IV)verbindungen; insbesondere handelt es sich um Ruthenium(III)verbindungen.
[0018] Bei den als Silbervorläufer und als Rutheniumvorläufer dienenden Silber(I)- und Rutheniumverbindungen
handelt es sich um solche, aus denen mittels des Reduktionsmittels Hydrazin elementares
Silber respektive elementares Ruthenium erzeugt werden kann. Beispiele umfassen Silberacetat,
Silbernitrat, Silbersulfat, Rutheniumacetat und Rutheniumnitrosylnitrat. Rutheniumchlorid
ist als Bestandteil der wässrigen Lösung B geeignet, jedoch auch dort nicht bevorzugt;
es eignet sich nicht als Bestandteil der wässrigen Lösung C. Eine besonders bevorzugte
Kombination besagter Vorläufer ist die von Silbernitrat mit Rutheniumnitrosylnitrat,
sowohl gemeinsam in der wässrigen Lösung C als auch in der Kombination der wässrigen
Lösung A mit der wässrigen Lösung B.
[0019] Die separat bereitgestellten wässrigen Lösungen A und B werden in Schritt b) in Kombination
verwendet, innerhalb dieser Kombination beispielsweise in einem Gewichtsverhältnis
im Bereich von 1 bis 2000 Gewichtsteilen Silber: 1 Gewichtsteil Ruthenium.
[0020] Der Silber-Gewichtsanteil in der wässrigen Lösung A liegt beispielsweise im Bereich
von 0,5 bis 20 Gew.-% (Gewichts-%).
[0021] Der Ruthenium-Gewichtsanteil in der wässrigen Lösung B liegt beispielsweise im Bereich
von 0,5 bis 20 Gew.-%.
[0022] Das Silber: Ruthenium-Gewichtsverhältnis in der wässrigen Lösung C liegt beispielsweise
im Bereich von 1 bis 2000 Gewichtsteilen Silber: 1 Gewichtsteil Ruthenium und dabei
im Allgemeinen deutlich zugunsten des Silbers gelagert. Dieses Silber: Ruthenium-Gewichtsverhältnis
findet sich auch im nach Beendigung von Schritt e) erhaltenen Verfahrensprodukt, d.h.
dem mit elementarem Silber und elementarem Ruthenium ausgestatteten partikelförmigen
Trägermaterial wieder.
[0023] Der Silber-plus-Ruthenium-Gewichtsanteil in der wässrigen Lösung C liegt beispielsweise
im Bereich von 0,5 bis 20 Gew.-%.
[0024] In Schritt b) des erfindungsgemäßen Verfahrens werden das wasserunlösliche partikelförmige
Trägermaterial und (i) die wässrigen Lösungen A und B oder bevorzugt (ii) die wässrige
Lösung C unter Ausbildung eines Intermediats, bevorzugt eines Intermediats in Form
eines frei fließfähigen imprägnierten partikulären Materials miteinander in Kontakt
gebracht.
[0025] Bei dem Intermediat handelt es sich um eine Mischung aus dem wasserunlöslichen partikelförmigen
Trägermaterial und (i) der wässrigen Lösungen A und B oder bevorzugt (ii) der wässrigen
Lösung C. Je nach Mischungsverhältnis kann das Intermediat verschiedene Gestalt aufweisen,
beispielsweise die einer brei-, pasten- oder teigförmigen Masse oder die einer Aufschlämmung
(Slurry). In einer bevorzugten Ausführungsform jedoch handelt es sich bei dem Intermediat
um ein frei fließfähiges imprägniertes partikuläres Material und Schritt b) wird dementsprechend
gestaltet.
[0026] Der hierin verwendete Ausdruck "frei fließfähiges imprägniertes partikuläres Material"
beschreibt ein Material in Gestalt (i) mit den wässrigen Lösungen A und B oder bevorzugt
(ii) mit der wässrigen Lösung C imprägnierter Körner oder Flocken, welche jeweils
ein oder mehrere Partikel des ursprünglichen partikelförmigen Trägermaterials umfassen
oder daraus bestehen können. Das frei fließfähige imprägnierte partikuläre Material
ist nicht flüssig, es handelt sich nicht um eine flüssige Dispersion oder Suspension;
vielmehr handelt es sich um ein frei fließfähiges Material nach der Art von frei fließfähigem
Pulver.
[0027] Die freie Fließfähigkeit des frei fließfähigen imprägnierten partikulären Materials
kann mittels Rotations-Pulver-Analyse untersucht werden. Eine zylindrische Messtrommel
kann dazu mit einem definierten Volumen des frei fließfähigen imprägnierten partikulären
Materials gefüllt werden. Die Messtrommel weist einen definierten Durchmesser und
eine definierte Tiefe auf. Die Messtrommel rotiert um die horizontal orientierte Zylinderachse
mit einer definierten konstanten Geschwindigkeit. Eine der beiden Stirnflächen des
Zylinders, die zusammen das eingefüllte frei fließfähige imprägnierte partikuläre
Material in der zylindrischen Messtrommel einschließen, ist transparent. Vor Beginn
der Messung wird die Messtrommel 60 Sekunden gedreht. Für die eigentliche Messung
werden anschließend entlang der Drehachse der Messtrommel mit einer Kamera mit einer
hohen Bildrate von beispielsweise 5 bis 15 Bildern pro Sekunde Aufnahmen von dem frei
fließfähigen imprägnierten partikulären Material während der Rotation gemacht. Die
Kameraparameter können dabei so gewählt werden, dass ein möglichst hoher Kontrast
an der Material-Luft-Grenzfläche erzielt wird. Während der Rotation der Messtrommel
wird das frei fließfähige imprägnierte partikuläre Material entgegen der Schwerkraft
bis zu einer bestimmten Höhe mitgeschleppt, bevor es wieder in den unteren Teil der
Trommel zurückfließt. Das Zurückfließen erfolgt rutschartig (diskontinuierlich) und
wird auch als Lawine bezeichnet. Eine Messung ist beendet, wenn das Abrutschen einer
statistisch relevanten Anzahl von Lawinen, beispielsweise 200 bis 400 Lawinen, registriert
wurde. Anschließend werden die Kamerabilder des frei fließfähigen imprägnierten partikulären
Materials mittels digitaler Bildanalyse ausgewertet. Bei der Rotations-Pulver-Analyse
können als für die freie Fließfähigkeit charakteristische Parameter der sogenannte
Lawinenwinkel (engl. "avalanche angle") als auch die Zeitdauer zwischen zwei Lawinen
(engl. "avalanche time") bestimmt werden. Der Lawinenwinkel ist der Winkel der Materialoberfläche
beim Ausbrechen der Lawine und stellt so ein Maß für die Höhe der Auftürmung des frei
fließfähigen imprägnierten partikulären Materials dar, bevor diese Auftürmung lawinenartig
einstürzt. Die Zeitdauer zwischen zwei Lawinen entspricht der zwischen dem Auftreten
zweier Lawinen vergehenden Zeit. Ein geeignetes Werkzeug zur Durchführung besagter
Rotations-Pulver-Analyse und zur Bestimmung von Lawinenwinkel und Zeitdauer zwischen
zwei Lawinen ist der Revolution Powder Analyzer der Firma PS Prozesstechnik GmbH,
Neuhausstrasse 36, CH-4057 Basel. Es empfiehlt sich die dem Gerät beigefügten Bedienungsanweisungen
und - empfehlungen zu beachten. Üblicherweise wird die Messung bei Raumtemperatur
oder 20°C durchgeführt. Das in Schritt b) des erfindungsgemäßen Verfahrens gebildete
frei fließfähige imprägnierte partikuläre Material kann einen anhand einer 100 mL-Testmenge
davon mit diesem Gerät bei 0,5 Umdrehungen pro Minute und unter Verwendung eines Zylinders
mit einer inneren Tiefe von 35 mm und einem Innendurchmesser von 100 mm bestimmten
Lawinenwinkel beispielsweise im Bereich von 40 bis 80 Grad aufweisen; die Zeitdauer
zwischen zwei Lawinen kann dabei beispielsweise im Bereich von 2 bis 5 Sekunden liegen
und ein weiteres Charakterisierungsmerkmal für die freie Fließfähigkeit des frei fließfähigen
imprägnierten partikulären Materials darstellen.
[0028] Es kann das partikelförmige Trägermaterial zur wässrigen Lösung A und/oder zur wässrigen
Lösung B zugegeben werden oder umgekehrt. Bevorzugt ist die sequentielle, alternierende
oder gleichzeitige Zugabe der wässrigen Lösungen A und B zum vorgelegten partikelförmigen
Trägermaterial. Im Allgemeinen wird während und auch noch nach der Zugabe vermischt,
beispielsweise durch Rühren.
[0029] Im bevorzugten Fall des Arbeitens mit der wässrigen Lösung C, kann das partikelförmige
Trägermaterial zur wässrigen Lösung C zugegeben werden oder umgekehrt. Bevorzugt ist
dabei die Zugabe der wässrigen Lösung C zum vorgelegten partikelförmigen Trägermaterial.
Im Allgemeinen wird während und auch noch nach der Zugabe vermischt, beispielsweise
durch Rühren.
[0030] Bei der bevorzugten Ausführungsform der Ausbildung eines Intermediats in Form eines
frei fließfähigen imprägnierten partikulären Materials ist es wichtig, in Schritt
b) so vorzugehen, dass nach Beendigung von Schritt b) keine brei-, pasten- oder teigförmige
Masse und auch keine Aufschlämmung erhalten, sondern eben das frei fließfähige imprägnierte
partikuläre Material in Form eines makroskopisch betrachtet homogenen Produktes gebildet
wird. Die freie Fließfähigkeit des frei fließfähigen imprägnierten partikulären Materials
kann beispielsweise abhängig sein von seiner Körnung, der Oberflächenbeschaffenheit
seiner Partikel und dem Gehalt letzterer an wässriger Lösung A plus wässriger Lösung
B oder an wässriger Lösung C.
[0031] Bei der Durchführung von Schritt b) ist es zweckmäßig, dem Vermischen von partikelförmigem
Trägermaterial und (i) wässriger Lösung A und wässriger Lösung B oder (ii) wässriger
Lösung C hinreichend Zeit zu gewähren. Beispielsweise kann es zweckmäßig sein, nach
beendeter Zugabe hinreichend lange zu vermischen, insbesondere zu rühren. Im Falle
der bevorzugten Ausführungsform mit der Ausbildung des Intermediats in Form eines
frei fließfähigen imprägnierten partikulären Materials erfolgt das Vermischen zweckmäßig,
bis besagter makroskopisch betrachtet homogener, insbesondere visuell homogener Zustand
des Mischgutes erreicht ist. Die eigentliche Zugabe kann beispielsweise als Zudosieren
unter Vermischen erfolgen. Allgemeingültige Zeitangaben für Dosiergeschwindigkeiten
und Mischdauern können hier wegen der Abhängigkeit von der jeweiligen Ansatzgröße
und der Art der zu vermischenden Komponenten, insbesondere der Art des partikelförmigen
Trägermaterials, nicht angegeben werden.
[0032] Bei der Durchführung von Schritt b) gemäß der bevorzugten Ausführungsform kann das
Volumen (i) der wässrigen Lösung A und der wässrigen Lösung B oder (ii) der wässrigen
Lösung C über die jeweilige Konzentration an die damit in Kontakt zu bringende Menge
des partikelförmigen Trägermaterials und dessen Aufnahmeverhalten für die wässrige(n)
Lösung(en) angepasst gewählt werden. Eine solche Vorgehensweise kann dazu beitragen,
dass sich das elementare Silber und das elementare Ruthenium im Folgeschritt c) möglichst
vollständig im und/oder am partikelförmigen Trägermaterial anhaftend abscheiden kann.
Bei zu groß gewähltem Volumen respektive zu groß gewählten Volumina entstehen die
vorerwähnten weniger bevorzugten oder sogar unerwünschten Breie, Teige, Pasten oder
Aufschlämmungen und nicht das Intermediat in der bevorzugten Form des frei fließfähigen
imprägnierten partikulären Materials. Der Fachmann kann das Aufnahmeverhalten eines
betreffenden partikelförmigen Trägermaterials für eine betreffende wässrige Lösung
in orientierenden Laborversuchen leicht ermitteln und so die Obergrenze in Liter wässriger
Lösung pro Kilogramm partikelförmigen Trägermaterials bestimmen, ohne dass ein Verlust
der freien Fließfähigkeit eintritt. Allgemeingültige Angaben zum Aufnahmeverhalten
des partikelförmigen Trägermaterials für (i) die wässrigen Lösungen A und B oder (ii)
die wässrige Lösung C lassen sich hier nicht machen wegen der Abhängigkeit von der
Art der zu vermischenden Komponenten, insbesondere dabei abhängig von der Art des
partikelförmigen Trägermaterials.
[0033] Bevorzugt handelt es sich bei den aufeinanderfolgenden Schritten b) und c) um direkt
aufeinanderfolgende Schritte ohne Zwischenschritte, insbesondere ohne eine dazwischen
stattfindende Entfernung von Wasser aus dem Intermediat, welches bevorzugt in Gestalt
des frei fließfähigen imprägnierten partikulären Materials vorliegt.
[0034] In Schritt c) des erfindungsgemäßen Verfahrens wird das nach Beendigung von Schritt
b) erhaltene Intermediat respektive das bevorzugte frei fließfähige imprägnierte partikuläre
Material mit einer wässrigen einen pH-Wert im Bereich von >7 bis 14, bevorzugt von
>11 bis 14 aufweisenden und Hydrazin umfassenden Lösung (der Kürze halber nachfolgend
in der Beschreibung und in den Ansprüchen auch nur als "wässrige Hydrazinlösung" bezeichnet)
unter Bildung einer elementares Silber und elementares Ruthenium umfassenden Masse
in Kontakt gebracht.
[0035] Besonders bevorzugt liegt der pH-Wert der wässrigen Hydrazinlösung im Bereich von
12 bis 14.
[0036] Der basische pH-Wert der wässrigen Hydrazinlösung kann mit einer starken Base, insbesondere
mit einer entsprechenden Menge Alkalihydroxid, speziell Natrium- oder Kaliumhydroxid,
eingestellt werden.
[0037] Das Hydrazin kann als solches, genauer gesagt als Hydrazinhydrat bei der Bereitung
der wässrigen Hydrazinlösung zugegeben werden oder als Hydraziniumsalz, beispielsweise
als Hydraziniumchlorid oder bevorzugt als Hydraziniumsulfat, aus welchem mit der starken
Base Hydrazin freigesetzt wird.
[0038] Die Hydrazinkonzentration der wässrigen Hydrazinlösung liegt im Allgemeinen beispielsweise
im Bereich von 0,1 bis 5 Gew.-%, typischerweise im Bereich von 0,2 bis 1 Gew.-%.
[0039] Im Allgemeinen umfasst die wässrige Hydrazinlösung neben Wasser, Hydrazin und Base
keine weiteren Inhaltstoffe. Falls das Hydrazin einem Hydraziniumsalz entstammt, ist
auch noch das entsprechende aus Base und Hydraziniumsalz gebildete Salz umfasst.
[0040] 1 mol des Reduktionsmittels Hydrazin kann 4 mol reduzierend wirkende Elektronen liefern
und setzt dementsprechend bei einer Reduktion 1 mol N
2 frei. Dementsprechend benötigt man beispielsweise zur Reduktion von 1 mol Ag
+ 0,25 mol Hydrazin und zur Reduktion von 1 mol Ru
3+ 0,75 mol Hydrazin.
[0041] Die wässrige Hydrazinlösung wird in zur vollständigen Reduktion der im Intermediat
respektive der im frei fließfähigen imprägnierten partikulären Material enthaltenen
Silber- und Rutheniumvorläufer stöchiometrisch notwendigen Menge oder mehr, bevorzugt
jedoch in nicht mehr als 110% der stöchiometrisch notwendigen Menge, mit dem Intermediat
respektive mit dem frei fließfähigen imprägnierten partikulären Material in Kontakt
gebracht.
[0042] Dabei kann die wässrige Hydrazinlösung zum Intermediat respektive zum frei fließfähigen
imprägnierten partikulären Material zugegeben werden oder umgekehrt. Bevorzugt ist
die Zugabe der wässrigen Hydrazinlösung zum vorgelegten Intermediat respektive zum
vorgelegten frei fließfähigen imprägnierten partikulären Material. Die Zugabe kann
bei einer Temperatur beispielsweise im Bereich von 15 bis 50 °C erfolgen. Dabei findet
die Reduktion der Silber- und Rutheniumvorläufer zum elementaren Silber und elementaren
Ruthenium unmittelbar beim Kontakt mit dem Hydrazin statt. Die Reduktion der Silber-
und Rutheniumvorläufer findet zugleich statt. Während und bevorzugt auch noch nach
Beendigung der Zugabe, beispielsweise noch bis zu 1 Stunde nach Ende der Zugabe, wird
üblicherweise vermischt, beispielsweise durch Kneten und/oder Rühren. Im Allgemeinen
lässt sich das Ende der Reduktion erkennen am Ausbleiben der Freisetzung von Stickstoff.
[0043] Es kann so gearbeitet werden, dass die in Schritt c) gebildete elementares Silber
und elementares Ruthenium umfassende Masse eine Suspension oder eine Aufschlämmung
ist. Es ist aber auch möglich so zu arbeiten, dass die in Schritt c) gebildete elementares
Silber und elementares Ruthenium umfassende Masse nur wenig freie Flüssigkeit umfasst
oder sogar frei von freier Flüssigkeit ist; beispielsweise kann dazu mit einem über
die Konzentration angepassten Volumen der wässrigen Hydrazinlösung gearbeitet werden.
"Frei von freier Flüssigkeit" bedeutet, dass die elementares Silber und elementares
Ruthenium umfassende Masse im Ruhezustand auch nach 10 Minuten keine Phasentrennung
im Sinne einer sich als Überstand oberhalb der elementares Silber und elementares
Ruthenium umfassenden Masse ausbildenden separaten wässrigen Phase erleidet.
[0044] Im optionalen, jedoch bevorzugt stattfindenden Schritt d) des erfindungsgemäßen Verfahrens
kann die nach Beendigung von Schritt c) erhaltene elementares Silber und elementares
Ruthenium umfassende Masse gewaschen werden, insbesondere durch Waschen mit Wasser.
Dabei können wasserlösliche Bestandteile entfernt werden, beispielsweise Base, gegebenenfalls
überschüssiges Hydrazin und andere wasserlösliche Bestandteile.
[0045] In Schritt e) des erfindungsgemäßen Verfahrens werden Wasser und eventuell vorhandene
andere flüchtige Bestandteile aus der nach Beendigung von Schritt c) erhaltenen Masse
oder aus der nach Beendigung von Schritt d) erhaltenen gewaschenen Masse entfernt.
[0046] Das Entfernen des Wassers kann im Sinne einer praktisch vollständigen Befreiung von
Wasser oder im Sinne einer Wasserentfernung bis zum Erreichen eines gewünschten Restfeuchtegehalts
erfolgen. Dazu kann zunächst der Großteil des Wassers nach üblichen Verfahren wie
Auspressen, Pressfiltration, Abnutschen, Zentrifugieren oder ähnlich wirkenden Verfahren
entfernt werden, bevor man eine gegebenenfalls durch verminderten Druck unterstützte
Trocknung bei Temperaturen beispielsweise im Bereich von 20 bis 150 °C anschließt.
[0047] Als unmittelbares Produkt des erfindungsgemäßen Verfahrens, d.h. nach Beendigung
von Schritt e) erhält man ein mit elementarem Silber und elementarem Ruthenium ausgestattetes
partikelförmiges Material bzw. Trägermaterial. Das Silber und das Ruthenium kann dabei
je nach Art des ursprünglich eingesetzten partikelförmigen Trägermaterials auf inneren
Oberflächen (innerhalb von Poren und/oder Hohlräumen) und/oder auf der äußeren Oberfläche
der ursprünglich silber- und rutheniumfreien Trägermaterialpartikel vorliegen und
dabei beispielsweise eine kontinuierliche oder diskontinuierliche Schicht und/oder
kleine Silberrespektive Rutheniumpartikel ausbilden. Das Silber und das Ruthenium
liegen dabei nicht legiert, sondern statistisch verteilt vor. Der Silber-plus-Ruthenium-Gewichtsanteil
des Verfahrensproduktes kann in weiten Grenzen variieren, beispielsweise im Bereich
von 0,1 bis 50, bevorzugt 1 bis 40 Gew.-% und das Verfahrensprodukt kann dabei zugleich
ein Silber: Ruthenium-Gewichtsverhältnis beispielsweise im Bereich von 1 bis 2000
Gewichtsteilen Silber: 1 Gewichtsteil Ruthenium aufweisen. Der Fachmann wird nach
Lektüre des hierin Offenbarten verstehen, welche variablen Parameter und welche Variationsmöglichkeiten
ihm somit bei der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Verfügung stehen,
um Verfahrensprodukte mit einem gewünschten Silber-plus-Ruthenium-Gewichtsanteil und
dabei mit gewünschtem Silber: Ruthenium-Gewichtsverhältnis in einer gewünschten Ansatzgröße,
beispielsweise im einstelligen Tonnenmaßstab, herzustellen. Am Beispiel des bevorzugten
Arbeitens mit der wässrigen Lösung C umfassen solche variablen Parameter insbesondere:
- Art und Menge des in Schritt b) verwendeten partikelförmigen Trägermaterials,
- Volumen der in Schritt b) verwendeten wässrigen Lösung C,
- Silber: Ruthenium-Gewichtsverhältnis in der wässrigen Lösung C,
- Silber-plus-Ruthenium-Gewichtsanteil in der wässrigen Lösung C, und
- Restfeuchte des nach Beendigung von Schritt e) erhaltenen Verfahrensproduktes. Erster
Schritt des Fachmanns wird daher zunächst die Auswahl der Art des partikelförmigen
Trägermaterials und die Festlegung von Zielwerten für den Silber- und Rutheniumanteil
im Endprodukt sein. Danach wird der Fachmann die Ansatzgröße bestimmen und eine dementsprechende
Menge an partikelförmigem Trägermaterial auswählen, welches gemäß der erfindungsgemäßen
Verfahrensweise mit elementarem Silber und elementarem Ruthenium ausgestattet werden
soll. Sobald diese Auswahlen getroffen sind, kann er die anderen variablen Parameter
entsprechend festlegen und das erfindungsgemäße Verfahren mit der wässrigen
[0048] Lösung C durchführen. Beim Arbeiten mit den wässrigen Lösungen A und B gelten analoge
Überlegungen.
[0049] Beispielsweise bei der Verwendung von Cellulosepulver als partikelförmiges Trägermaterial
können mit dem erfindungsgemäßen Verfahren mit elementarem Silber und elementarem
Ruthenium ausgestattete Cellulosepulver mit einem Silber-plus-Ruthenium-Gewichtsanteil
beispielsweise im Bereich von 0,1 bis 50, bevorzugt 1 bis 40 Gew.-% bei einem Silber:
Ruthenium-Gewichtsverhältnis beispielsweise im Bereich von 1 bis 2000 Gewichtsteilen
Silber: 1 Gewichtsteil Ruthenium effizient und in Ansatzgrößen im Umfang von beispielsweise
bis zu 5 Tonnen erzeugt werden.
[0050] Die Erfindung betrifft auch die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten
Produkte und deren Verwendung als Additive zur antimikrobiellen Ausrüstung von Metalloberflächen,
Beschichtungsmitteln, Putzen, Formmassen, Kunststoffen, Kunstharzprodukten, Ionenaustauscherharzen,
Silikonprodukten, Schaumstoffen, Textilien, Kosmetika, Hygieneartikeln und vielem
anderen mehr.
Ausführungsbeispiel 1 (Herstellung eines mit 18,3 Gew.-% elementarem Silber und 0,2
Gew.-% elementarem Ruthenium ausgestatteten Cellulosepulvers):
[0051] 132,45 g wässrige Silbernitratlösung (Silberanteil 36,24 Gew.-%; 445 mmol Ag) und
2,60 g wässrige Rutheniumnitrosylnitratlösung (Rutheniumanteil 19,0 Gew.-%; 4,9 mmol
Ru) wurden in 364,5 g VE-Wasser gegeben und die so erhaltene wässrige Vorläuferlösung
wurde mit 211,2 g Cellulosepulver (Vitacel® L-600 von J.Rettenmaier und Söhne GmbH
& Co KG) homogen zu einem orangefarbenen, frei fließfähigen imprägnierten partikulären
Material vermischt. 100 mL dieses Materials wurden bei 20°C einer Rotations-Pulver-Analyse
mittels des Revolution Powder Analyzers der Firma PS Prozesstechnik GmbH, Neuhausstrasse
36, CH-4057 Basel bei 0,5 Umdrehungen pro Minute und unter Verwendung eines Zylinders
mit einer inneren Tiefe von 35 mm und einem Innendurchmesser von 100 mm unterworfen;
die Bildrate betrug 10 Bilder pro Sekunde und es wurden 300 Lawinen registriert. Der
so bestimmte Lawinenwinkel betrug 75 Grad und die Zeitdauer zwischen zwei Lawinen
betrug 3,6 Sekunden. Zu dem frei fließfähigen imprägnierten partikulären Material
wurden bei Raumtemperatur 705 mL einer einen pH-Wert von 14 aufweisenden wässrigen
Hydrazinlösung [3,68 g (115 mmol) Hydrazin und 71,82 g einer 32gew.-%igen Natronlauge
(575 mmol NaOH), Rest: Wasser] mit einer Dosiergeschwindigkeit von 30 mL/min unter
Rühren zudosiert. Über die Zeit bildete sich ein immer besser rührbar werdender schwarzer
homogener Brei. Nach Beendigung der Zudosierung wurde 30 Minuten nachgerührt, bis
auch keine Stickstofffreisetzung mehr beobachtet werden konnte. Anschließend wurde
das Material abgenutscht, mit insgesamt 1000 mL Wasser gewaschen und im Trockenschrank
bei 105°C/300 mbar bis auf einen Restfeuchtegehalt von 15 Gew.-% getrocknet. Mittels
ICP-OES wurde ein Silbergehalt von 18,3 Gew.-% und ein Rutheniumgehalt von 0,19 Gew.-%
des Endproduktes (bezogen auf 0 Gew.-% Restfeuchte) bestimmt.
Ausführungsbeispiel 2 (Herstellung eines mit 10,9 Gew.-% elementarem Silber und 0,2
Gew.-% elementarem Ruthenium ausgestatteten Cellulosepulvers):
[0052] 97,96 g wässrige Silbernitratlösung (Silberanteil 36,24 Gew.-%; 329 mmol Ag) und
3,68 g wässrige Rutheniumnitrosylnitratlösung (Rutheniumanteil 19,0 Gew.-%; 6,9 mmol
Ru) wurden in 554,9 g VE-Wasser gegeben und die so erhaltene wässrige Vorläuferlösung
wurde mit 299,2 g Cellulosepulver (Vitacel® L-600 von J.Rettenmaier und Söhne GmbH
& Co KG) homogen zu einem orangefarbenen, frei fließfähigen imprägnierten partikulären
Material vermischt. 100 mL dieses Materials wurden bei 20°C einer Rotations-Pulver-Analyse
mittels des Revolution Powder Analyzers der Firma PS Prozesstechnik GmbH, Neuhausstrasse
36, CH-4057 Basel bei 0,5 Umdrehungen pro Minute und unter Verwendung eines Zylinders
mit einer inneren Tiefe von 35 mm und einem Innendurchmesser von 100 mm unterworfen;
die Bildrate betrug 10 Bilder pro Sekunde und es wurden 300 Lawinen registriert. Der
so bestimmte Lawinenwinkel betrug 68 Grad und die Zeitdauer zwischen zwei Lawinen
betrug 3,0 Sekunden. Zu dem frei fließfähigen imprägnierten partikulären Material
wurden bei Raumtemperatur 999,9 mL einer einen pH-Wert von 13,8 aufweisenden wässrigen
Hydrazinlösung [2,80 g (88 mmol) Hydrazin und 54,66 g einer 32gew.-%igen Natronlauge
(437 mmol NaOH), Rest: Wasser] mit einer Dosiergeschwindigkeit von 30 mL/min unter
Rühren zudosiert. Über die Zeit bildete sich ein immer besser rührbar werdender schwarzer
homogener Brei. Nach Beendigung der Zudosierung wurde 30 Minuten nachgerührt, bis
auch keine Stickstofffreisetzung mehr beobachtet werden konnte. Anschließend wurde
das Material abgenutscht, mit insgesamt 1000 mL Wasser gewaschen und im Trockenschrank
bei 105°C/300 mbar bis auf einen Restfeuchtegehalt von 15 Gew.-% getrocknet. Mittels
ICP-OES wurde ein Silbergehalt von 10,88 Gew.-% und ein Rutheniumgehalt von 0,21 Gew.-%
des Endproduktes (bezogen auf 0 Gew.-% Restfeuchte) bestimmt.
Ausführungsbeispiel 3 (Herstellung eines mit 18,9 Gew.-% elementarem Silber und 1,0
Gew.-% elementarem Ruthenium ausgestatteten Cellulosepulvers):
[0053] 75,6 g (445 mmol) festes Silbernitrat und 13,94 g Rutheniumnitrosylnitrat-Lösung
(Rutheniumanteil 19,0 Gew.-%; 26,2 mmol Ru) wurden in 416,8 g VE-Wasser gelöst und
die so erhaltene wässrige Vorläuferlösung wurde mit 211,2 g Cellulosepulver (Vitacel®
L-600 von J.Rettenmaier und Söhne GmbH & Co KG) homogen zu einem orangefarbenen, frei
fließfähigen imprägnierten partikulären Material vermischt. 100 mL dieses Materials
wurden bei 20°C einer Rotations-Pulver-Analyse mittels des Revolution Powder Analyzers
der Firma PS Prozesstechnik GmbH, Neuhausstrasse 36, CH-4057 Basel bei 0,5 Umdrehungen
pro Minute und unter Verwendung eines Zylinders mit einer inneren Tiefe von 35 mm
und einem Innendurchmesser von 100 mm unterworfen; die Bildrate betrug 10 Bilder pro
Sekunde und es wurden 300 Lawinen registriert. Der so bestimmte Lawinenwinkel betrug
73 Grad und die Zeitdauer zwischen zwei Lawinen betrug 3,5 Sekunden. Zu dem frei fließfähigen
imprägnierten partikulären Material wurden bei Raumtemperatur 705 mL einer einen pH-Wert
von 13,9 aufweisenden wässrigen Hydrazinlösung [4,19 g (131 mmol) Hydrazin und 81,81
g einer 32gew.-%igen Natronlauge (654,51 mmol NaOH), Rest: Wasser] mit einer Dosiergeschwindigkeit
von 30 mL/min unter Rühren zudosiert. Über die Zeit bildete sich ein immer besser
rührbar werdender schwarzer homogener Brei. Nach Beendigung der Zudosierung wurde
30 Minuten nachgerührt, bis auch keine Stickstofffreisetzung mehr beobachtet werden
konnte. Anschließend wurde das Material abgenutscht, mit insgesamt 1000 mL Wasser
gewaschen und im Trockenschrank bei 105°C/300 mbar bis auf einen Restfeuchtegehalt
von 15 Gew.-% getrocknet. Mittels ICP-OES wurde ein Silbergehalt von 18,9 Gew.-% und
ein Rutheniumgehalt von 1,0 Gew.-% des Endproduktes (bezogen auf 0 Gew.-% Restfeuchte)
bestimmt.
1. Verfahren zur Herstellung eines mit elementarem Silber und elementarem Ruthenium ausgestatteten
partikelförmigen Trägermaterials, umfassend die aufeinanderfolgenden Schritte:
a) Bereitstellen eines wasserunlöslichen partikelförmigen Trägermaterials und (i)
einer wässrigen Lösung A umfassend gelöst vorliegenden Silbervorläufer sowie einer
wässrigen Lösung B umfassend gelöst vorliegenden Rutheniumvorläufer oder (ii) einer
wässrigen Lösung C umfassend sowohl gelöst vorliegenden Silbervorläufer als auch gelöst
vorliegenden Rutheniumvorläufer,
b) Inkontaktbringen des wasserunlöslichen partikelförmigen Trägermaterials (i) mit
der wässrigen Lösung A und der wässrigen Lösung B oder bevorzugt (ii) mit der wässrigen
Lösung C unter Ausbildung eines Intermediats, bevorzugt eines Intermediats in Form
eines frei fließfähigen imprägnierten partikulären Materials,
c) Inkontaktbringen des Intermediats mit einer wässrigen einen pH-Wert im Bereich
von >7 bis 14 aufweisenden und Hydrazin umfassenden Lösung unter Bildung einer elementares
Silber und elementares Ruthenium umfassenden Masse,
d) gegebenenfalls Waschen der nach Beendigung von Schritt c) erhaltenen Masse, und
e) Entfernen von Wasser und anderen eventuellen flüchtigen Bestandteilen aus der nach
Beendigung von Schritt c) oder d) erhaltenen Masse.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei das Intermediat ein frei fließfähiges imprägniertes
partikuläres Material ist.
3. Verfahren nach Anspruch 2, wobei das frei fließfähige imprägnierte partikuläre Material
die Gestalt von (i) mit der wässrigen Lösung A und der wässrigen Lösung B oder bevorzugt
(ii) mit der wässrigen Lösung C imprägnierten Körnern oder Flocken hat.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, wobei das frei fließfähige imprägnierte partikuläre
Material einen mittels Rotations-Pulver-Analyse mit 100 mL des frei fließfähigen imprägnierten
partikulären Materials unter Verwendung des Revolution Powder Analyzers der Firma
PS Prozesstechnik GmbH bei 0,5 Umdrehungen pro Minute und unter Verwendung eines Zylinders
mit einer inneren Tiefe von 35 mm und einem Innendurchmesser von 100 mm bei 20°C bestimmten
Lawinenwinkel im Bereich von 40 bis 80 Grad aufweist.
5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei sich das frei fließfähige imprägnierte partikuläre
Material ferner durch eine Zeitdauer zwischen zwei Lawinen im Bereich von 2 bis 5
Sekunden auszeichnet.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das wasserunlösliche partikelförmige
Trägermaterial mit Wasser quellfähig oder zur Bildung eines Hydrogels befähigt ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei das Material des wasserunlöslichen
partikelförmigen Trägermaterials ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Glas,
Nitriden, hochschmelzenden Oxiden, Silikaten, Kunststoffen, modifizierten oder unmodifizierten
Polymeren natürlichen Ursprungs, Kohlenstoffsubstraten und Holz.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei das wasserunlösliche partikelförmige
Trägermaterial Cellulosepulver ist.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei es sich bei Silbervorläufer
und Rutheniumvorläufer um eine oder mehrere Silber(I)verbindungen und eine oder mehrere
Rutheniumverbindungen ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Ruthenium(II)verbindungen,
Ruthenium(III)verbindungen und Ruthenium(IV)verbindungen handelt.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Silber: Ruthenium-Gewichtsverhältnis
in der Kombination der in Schritt b) verwendeten wässrigen Lösungen A und B oder in
der wässrigen Lösung C im Bereich von 1 bis 2000 Gewichtsteilen Silber: 1 Gewichtsteil
Ruthenium liegt.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Silber-plus-Ruthenium-Gewichtsanteil
in der wässrigen Lösung C im Bereich von 0,5 - 20 Gew.-% liegt.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Hydrazinkonzentration
der wässrigen Hydrazinlösung im Bereich von 0,1 bis 5 Gew.-% liegt.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die wässrige Hydrazinlösung
in zur vollständigen Reduktion der im Intermediat enthaltenen Silber- und Rutheniumvorläufer
stöchiometrisch notwendigen Menge oder mehr mit dem Intermediat in Kontakt gebracht
wird.
14. Nach einem Verfahren eines der vorhergehenden Ansprüche hergestelltes mit elementarem
Silber und elementarem Ruthenium ausgestattetes partikelförmiges Trägermaterial.
15. Mit elementarem Silber und elementarem Ruthenium ausgestattetes partikelförmiges Trägermaterial
nach Anspruch 14 mit einem Silber-plus-Ruthenium-Gewichtsanteil im Bereich von 0,1
bis 50 Gew.-% bei einem Silber: Ruthenium-Gewichtsverhältnis im Bereich von 1 bis
2000 Gewichtsteilen Silber: 1 Gewichtsteil Ruthenium.
16. Verwendung eines mit elementarem Silber und elementarem Ruthenium ausgestatteten partikelförmigen
Trägermaterials nach Anspruch 14 oder 15 oder hergestellt nach einem Verfahren eines
der Ansprüche 1 bis 13 als Additiv zur antimikrobiellen Ausrüstung von Metalloberflächen,
Beschichtungsmitteln, Putzen, Formmassen, Kunststoffen, Kunstharzprodukten, Ionenaustauscherharzen,
Silikonprodukten, Schaumstoffen, Textilien, Kosmetika und/oder Hygieneartikeln.