[0001] Die Erfindung betrifft eine Spinnstelle sowie eine Luftspinnmaschine mit mindestens
einer Spinnstelle zum Herstellen eines Fadens aus einem zugeführten Faserband, mit
- einer Luftspinnvorrichtung zur Bildung eines Fadens aus einem über ein Streckwerk
zugeführten Faserband und
- einer Aufspuleinrichtung zur Aufnahme des Fadens auf einer Auflaufspule.
[0002] Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Erfassung einer einen Sollwert unterschreitenden
Fadenfestigkeit eines an einer Spinnstelle einer Luftspinnmaschine hergestellten Fadens.
[0003] Spinnstellen sowie Luftspinnmaschinen mit einer Mehrzahl nebeneinander angeordneter
Spinnstellen sind in vielfältigen Ausgestaltungen aus dem Stand der Technik bekannt.
Luftspinnmaschinen stellen neben Rotor- und Ringspinnmaschinen die am häufigsten verwendeten
Maschinen zur Herstellung eines Fadens aus einem Fasermaterial dar. Beim Luftspinnen
wird typischerweise ein Faserband entsprechend der zu erreichenden Garnfeinheit mittels
eines Streckwerks verzogen und anschließend einer Luftspinnvorrichtung zugeführt.
Innerhalb der Luftspinnvorrichtung werden die äußeren Fasern des Faserverbands mit
Hilfe einer durch eine oder mehrere Spinnluftdüsen erzeugten Wirbelluftströmung um
die innenliegenden Kernfasern des Faserbands gewunden und bilden hierdurch die für
die gewünschte Fadenfestigkeit des Fadens ausschlaggebenden Umwindefasern. Der somit
ausgebildete Faden wird schließlich über einen Abzugskanal der Luftspinnvorrichtung
abgezogen und z.B. auf einer Hülse aufgewickelt.
[0004] Prozessbedingt kann es von Zeit zu Zeit während des Spinnvorgangs zu Verstopfungen
oder Verschmutzungen oder zu Schwankungen des Luft-/Spinndrucks der Luftspinnvorrichtung,
bspw. der Luftspinndüse bzw. eines Bereichs unmittelbar davor, kommen. Die Verstopfungen
bzw. Verschmutzungen resultieren dabei vorrangig aus Fasern des Faserverbands, die
sich vor der Luftspinndüse ansammeln und dazu führen, dass die Umwindefasern nicht
mehr in der vorgegebenen Weise um die Kernfasern gewunden werden. Aufgrund der Bedeutung
der Umwindefasern für die Fadenfestigkeit hat dies zur Folge, dass der aus der Luftspinnvorrichtung
austretende Faden nicht mehr die geforderte Fadenfestigkeit aufweist. Der fehlerhafte
Faden weist sogenannte weak places auf, welche jedoch mittels bekannter Verfahren,
bspw. optischer Verfahren, nicht sicher erkannt werden können.
[0005] Hiervon ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Spinnstelle sowie
eine Luftspinnmaschine bereitzustellen, welche es ermöglicht, aus der Luftspinnvorrichtung
austretende Fäden mit einer zu geringen Fadenfestigkeit zuverlässig zu erkennen. Ferner
liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Erfassung einer einen
vorgegebenen Sollwert unterschreitenden Fadenfestigkeit eines an einer Spinnstelle
einer Luftspinnmaschine hergestellten Fadens bereitzustellen.
[0006] Die Erfindung löst die Aufgabe durch eine Spinnstelle mit den Merkmalen des Anspruchs
1, eine Luftspinnmaschine mit den Merkmalen des Anspruchs 7 sowie ein Verfahren mit
den Merkmalen des Anspruchs 11. Vorteilhafte Weiterbildungen der Spinnstelle und der
Luftspinnmaschine sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0007] Kennzeichnend für die erfindungsgemäße Spinnstelle ist, dass im Bereich zwischen
der Luftspinnvorrichtung und der Aufspuleinrichtung eine mechanisch auf den Faden
wirkende Fadenmanipulationseinheit angeordnet ist, die zur variablen Erhöhung der
Fadenspannung eine einstellbare Fadenspannungsbeeinflussungskraft auf den Faden ausübt.
[0008] Die Fadenmanipulationseinheit der erfindungsgemäßen Spinnstelle ermöglicht es, in
einer definierten Weise die Fadenspannung des aus der Luftspinnvorrichtung austretenden
Fadens im Bereich zwischen der Luftspinnvorrichtung und der Aufspuleinrichtung auf
einen definierten Wert festzulegen. Die einstellbare Fadenspannung richtet sich dabei
nach der zu erwartenden Fadenfestigkeit des gesponnenen Fadens und kann bspw. so gewählt
werden, dass in einem akzeptablen Toleranzbereich liegende Schwankungen der Fadenfestigkeiten
keinen Einfluss auf den Spinnprozess haben. Unterschreitet die Fadenfestigkeit jedoch
einen maximal zulässigen Grenzwert, so resultiert aus der durch die Fadenmanipulationseinheit
erzeugten höheren Fadenspannung ein Fadenbruch, welcher bereits als Indiz für Störungen
während des Spinnprozess gewertet werden kann, welche ursächlich sind für eine reduzierte
Fadenfestigkeit.
[0009] Die Fadenmanipulationseinheit wirkt dabei in mechanischer Weise auf den Faden und
ist derart ausgebildet, dass die Fadenspannung in Abhängigkeit von dem zu spinnenden
Faden über eine einstellbare, auf den Faden wirkende Fadenspannungsbeeinflussungskraft
variabel eingestellt werden kann. Die Fadenspannungsbeeinflussungskraft kann dabei
in bevorzugter Weise durch eine einstellbare Brems-, Druck- und/oder Klemmkraft realisiert
sein.
[0010] Über die Erhöhung der Fadenspannung durch die Fadenmanipulationseinheit können somit
über provozierte Fadenbrüche Fäden mit weak places zuverlässig identifiziert werden,
sodass umgehend Maßnahmen zur Beseitigung der die weak places hervorrufenden Ursachen
an der Spinnstelle vorgenommen werden können. An der erfindungsgemäßen Spinnstelle
kann somit zuverlässig die Herstellung und anschließende Aufwicklung von Fäden mit
einer zu geringen Fadenfestigkeit verhindert werden, nachdem Störungen frühzeitig
erkannt und beseitigt werden können.
[0011] Die Einstellung der die Fadenspannung erhöhenden Fadenspannungsbeeinflussungskraft
über die mechanisch auf den Faden wirkende Fadenmanipulationseinheit kann grundsätzlich
in beliebiger Weise erfolgen. Nach einer vorteilhaften Weiterbildung der Erfindung
ist jedoch vorgesehen, dass die Fadenmanipulationseinheit in Richtung auf den Faden
wenigstens ein verstellbares Klemmmittel aufweist. Mit diesem Klemmmittel, welche
bevorzugt quer zur Fadenlaufrichtung auf den Faden einwirkt, lässt sich in einfacher
und zuverlässiger Weise die auf den Faden wirkende Klemmkraft und damit die Fadenspannung
auf einen vorgegebenen Wert einstellen. Das Klemmmittel kann dabei derart ausgebildet
sein, dass sie punktuell oder - in Richtung des Fadenlaufs betrachtet - über einen
Abschnitt an dem Faden anliegt und so eine ausreichend hohe Fadenspannungsbeeinflussungskraft
bzw. Klemmkraft bewirkt.
[0012] Insbesondere eine flächige Anlage des wenigstens einen Klemmmittels über einen Abschnitt
des Fadens ermöglicht es aufgrund der Kontaktlänge mit dem Klemmmittel die Klemmkraft
in der Weise einzustellen, dass keine Beschädigungen des Fadens aufgrund des Zusammenwirkens
mit dem Klemmmittel zu befürchten sind.
[0013] Neben der vorteilhafterweise vorgesehenen Verwendung wenigstens eines Klemmmittels
zur Erhöhung der Fadenspannung besteht ferner die Möglichkeit, die Fadenspannung alternativ
oder ergänzend durch eine Veränderung des Fadenlaufs zur erhöhen, wobei hierzu die
Fadenmanipulationseinheit entsprechend geeignete Umlenkmittel aufweist, mittels derer
der Fadenlauf variabel einstellbar ist. In Abhängigkeit von der Auslenkung des Fadens
durch die Umlenkmittel kann so die Fadenspannung besonders zuverlässig festgelegt
werden, wobei die Umlenkmittel in Abhängigkeit von ihrer Position auf den Faden eine
Druckkraft ausüben. Die Ausgestaltung der Umlenkmittel ist dabei grundsätzlich frei
wählbar, wobei nach einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen
ist, dass die Fadenmanipulationseinheit eine verstellbare Öse zur variablen Veränderung
des Fadenlaufs aufweist. Gemäß dieser bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung durchläuft
der Faden die verstellbare Öse der Fadenmanipulationseinheit, wobei durch die Positionierung
der mit dem Faden in Eingriff befindlichen Öse der Fadenlauf verändert und eine Druckkraft
auf den Faden ausgeübt wird. Die Druckkraft bestimmt sich dabei über die Position
der Öse gegenüber der Position, in der der Fadenlauf nicht durch die Fadenmanipulationseinheit
beeinflusst ist. Die verstellbare Öse gewährleistet somit in besonders zuverlässiger
Weise ein Zusammenwirken der Fadenmanipulationseinheit mit dem Faden. Gleichzeitig
können über die Ausgestaltung der Öse, bspw. die Oberflächenbeschaffenheit Beschädigungen
des Fadens im Zusammenwirken mit der Öse zuverlässig vermieden werden.
[0014] Auch die Ausgestaltung des vorteilhafterweise vorgesehenen wenigstens einen Klemmmittels
ist grundsätzlich frei wählbar, was grundsätzlich die Möglichkeit eröffnet, auch für
diese eine den Faden schonende Ausgestaltung vorzusehen. Nach einer besonders vorteilhaften
Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Klemmmittel durch einen Teller-
und/oder Rechenspanner ausgebildet ist. Die Verwendung derartiger Spanner weist den
Vorteil auf, dass diese eine besonders genaue Einstellung der Klemmung und damit der
Klemmkraft ermöglichen. Beispielweise können bei der Verwendung von Tellerspannern
diese über eine einstellbare Federspannung auf den Faden wirken, wobei über die Kontaktlänge
der Teller mit dem Faden in zuverlässiger Weise eine Klemmkraft auf den Faden ausgeübt
wird und gleichzeitig aufgrund der Kontaktlänge Beschädigungen des Fadens besonders
zuverlässig vermieden werden.
[0015] Weiterhin kann die Fadenmanipulationseinheit nach einer bevorzugten Ausführungsform
ein Fadenbremsmittel aufweisen, welches einen Fadenkontaktabschnitt zum Kontaktieren
des laufenden Fadens umfasst, das ausgebildet ist, den laufenden Faden mittels einer
auf den Faden einwirkenden Bremskraft definiert abzubremsen. Beispielsweise kann das
Fadenbremsmittel durch das Umlenkmittel ausgebildet sein. Üblicherweise weisen fadenberührende
Mittel solche Oberflächen auf, welche den laufenden Faden so gering wie möglich beeinflussen.
Zur reinen variablen Umlenkung des Fadenlaufes kann das Umlenkmittel nach einer bevorzugten
Ausführungsform mit einer solchen den Faden berührenden Oberflächenbeschichtung ausgebildet
sein, so dass der Faden im Wesentlichen nur eine durch die Umlenkung bewirkte Druckkraft
zur Beeinflussung der Fadenspannung erfährt. Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform
kann die Umlenkung mit einer den Faden berührenden, die Reibung erhöhenden Oberflächenbeschichtung
versehen sein, welche neben der Druckkraft auch eine Bremskraft auf den Faden ausübt.
Nach einer alternativ bevorzugten Ausführungsform kann das Fadenbremsmittel durch
ein der Spinnstelle zugeordnetes oder zuordbares Bauteil ausgebildet sein, welches
einen Oberflächenabschnitt aufweist, der zum Kontaktieren des laufenden Fadens ohne
Umlenken desselbigen vorgesehen ist.
[0016] Die Einstellung der Fadenspannungsbeeinflussungskraft über die Fadenmanipulationseinheit,
bspw. die Verstellung der vorzugsweise vorgesehenen Umlenkmittel und/oder der vorzugsweise
vorgesehenen, auf den Faden wirkenden Klemmmittel, und/oder der vorzugsweise auf den
Faden wirkenden Fadenbremsmittel kann manuell erfolgen, wobei hierzu bspw. ein Maschinenbediener
eine entsprechende Einstellung der Fadenmanipulationseinheit vornimmt. Nach einer
besonders bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist jedoch vorgesehen, dass die
Fadenspannungsbeeinflussungskraft elektrisch einstellbar ist. Eine elektrische Einstellung
der Fadenspannungsbeeinflussungskraft steigert zum einen den Komfort der Einstellung
der Fadenmanipulationseinheit und ermöglicht zum anderen eine besonders exakte Einstellung
der Fadenspannungsbeeinflussungskraft. Zur elektrischen Einstellung der Fadenspannungsbeeinflussungskraft
können bspw. geeignete Stellmotoren verwendet werden, mittels derer die vorteilhafterweise
vorgesehenen Umlenkmittel oder Klemmmittel oder Fadenbremsmittel in ihrer Position
relativ zum Faden exakt verstellt werden können.
[0017] Eine Einstellung der Fadenspannung kann bspw. über die Ausrichtungen an einer geeigneten
Skalierung an den vorteilhafterweise vorgesehenen Umlenk- und/oder Klemmmitteln und/oder
Fadenbremsmitteln erfolgen.
[0018] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist ein Sensor zur Fadenzugkraftmessung
des von der Fadenmanipulationseinheit beeinflussbaren oder beeinflussten Fadenabschnitts
vorgesehen.
[0019] Die Verwendung eines solchen Sensors, welcher zudem die optische Anzeige der durch
die Fadenmanipulationseinheit eingestellten Fadenspannung über eine geeignete, mit
dem Sensor kabellos oder kabelgebunden koppelbare oder gekoppelte Anzeigeneinheit
ermöglicht, erlaubt es, die Fadenspannung in besonders exakter Weise einzustellen.
Darüber hinaus bietet die Verwendung eines solchen Sensors in Kombination mit der
vorteilhafterweise vorgesehenen elektrischen Einstellbarkeit der Fadenspannungsbeeinflussungskraft
die Möglichkeit, die Fadenspannung automatisiert über geeignete Steuer- und Regelungseinheiten
über eine Zentraleinheit einzustellen und zu kontrollieren, ohne dass es hierfür einer
manuellen Verstellung durch einen Maschinenbediener bedarf. Die Verwendung eines solchen
Sensors ermöglicht es somit, dauerhaft eine gleichbleibende Fadenspannung aufrecht
zu erhalten.
[0020] Die Fadenmanipulationseinheit kann grundsätzlich an beliebiger Stelle zwischen der
Luftspinnvorrichtung und der Aufspuleinrichtung an der Spinnstelle angeordnet sein.
Nach einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist jedoch vorgesehen,
dass die Fadenmanipulationseinheit im Bereich zwischen der Luftspinnvorrichtung und
einer sich an die Luftspinnvorrichtung anschließenden Fadenabzugseinheit angeordnet
ist. Bei der Fadenabzugseinheit handelt es sich bspw. um ein angetriebenes Abzugswalzenpaar,
mittels dem der Faden von der Luftspinnvorrichtung abgezogen wird. Nachdem in diesem
Bereich die Fadenspannung ohne ein Einwirken der Fadenmanipulationseinheit in der
Regel konstant ist, eignet sich dieser Bereich in besonders vorteilhafter Weise dazu,
über die Fadenmanipulationseinheit eine Veränderung der Fadenspannung herbeizuführen.
Zudem weist dieser Bereich der Spinnstelle üblicherweise einen ausreichend großen
zur Verfügung stehenden Bauraum zur einfachen Anordnung der Fadenmanipulationseinheit
auf.
[0021] Die Erfindung löst die Aufgabe ferner durch eine Luftspinnmaschine zur Herstellung
eines Fadens aus einem zugeführten Faserband mit mindestens einer vorstehend dargestellten
erfindungsgemäßen oder weitergebildeten Spinnstelle. Die Luftspinnmaschine weist in
der Regel eine Vielzahl nebeneinander angeordneter Spinnstellen auf, an denen gleichzeitig
Fäden aus zugeführten Faserbändern gesponnen werden. Die erfindungsgemäße Luftspinnmaschine
weist den Vorteil auf, dass Fäden mit zu geringen Fadenfestigkeitswerten frühzeitig
erkannt und folglich umgehend Maßnahmen zur Beseitigung eventueller Störungen, welche
zur Reduzierung der Fadenfestigkeit führen, beseitigt werden können.
[0022] Nach einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung weist die Luftspinnmaschine
dabei eine Auswerteinheit zur Erfassung eines Fadenbruchs und/oder einer Fadenbruchrate
an den Spinnstellen auf, welche ferner einen Abgleich der Fadenbruchrate mit vorgebbaren
Sollraten durchführt. Eine gemäß dieser Weiterbildung der Erfindung ausgebildeten
Luftspinnmaschine überwacht über eine Auswerteeinheit in automatisierter Weise die
einzelnen Spinnstellen und erkennt Fadenbrüche und/oder erfasst die Fadenbruchrate
an den einzelnen Spinnstellen. In Abhängigkeit von den auswählbaren Indikatoren besteht
somit die Möglichkeit, dies dem Bedienpersonal anzuzeigen, welches dann Ursachenforschung
und ggf. geeignete Maßnahmen zur Störungsbeseitigung durchführen kann. So kann bspw.
bereits ein Fadenbruch über die Auswerteinheit angezeigt werden und zur Überprüfung
durch das Bedienpersonal führen. Alternativ kann eine Anzeige in Abhängigkeit von
der über die Auswerteinheit, bspw. einen Informator der Luftspinnmaschine, erfassten
Fadenbruchrate erfolgen, nämlich dann, wenn die Fadenbruchrate in vorgegebener Weise
von einem Erwartungswert abweicht.
[0023] Nach einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung weist die Luftspinnmaschine
ferner eine Regeleinheit auf, die zur Erfassung der Fadenzugkraft über an den Spinnstellen
angeordnete Fadenzugkraftsensoren sowie zur Einstellung der Fadenspannungsbeeinflussungskraft
der Fadenmanipulationseinheit dient. Die Verwendung einer Regeleinheit ermöglicht
es in automatisierter Weise an den einzelnen Spinnstellen eine fadenspezifische Fadenspannung
einzustellen, welche im Fall einer zu geringen Fadenfestigkeit des gesponnenen Fadens
zu einem Fadenbruch führt. Die Verwendung einer Regeleinheit ermöglicht eine automatisierte
und besonders komfortable Einstellung und Überwachung der Spinnprozesse der einzelnen
Spinnstellen.
[0024] Die Erfindung löst die Aufgabe ferner durch ein Verfahren zur Erfassung einer einen
Sollwert unterschreitenden Fadenfestigkeit eines an einer Spinnstelle einer Luftspinnmaschine
hergestellten Fadens, wobei gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren vorgesehen ist,
dass über eine im Bereich zwischen einer Luftspinnvorrichtung und einer Aufspuleinrichtung
angeordnete, mechanisch auf den Faden wirkende Fadenmanipulationseinheit eine einstellbare
Fadenspannungsbeeinflussungskraft auf den Faden aufgebracht wird, ein Fadenbruch und/oder
eine Fadenbruchrate erfasst und mit einer vorgegebenen Sollrate abgeglichen wird und
der Fadenbruch und/oder Abweichungen der Fadenbruchrate über einen vorbestimmten Grenzwert
hinaus angezeigt und/oder, insbesondere zur Initialisierung von Maßnahmen, ausgewertet
werden.
[0025] Das erfindungsgemäße Verfahren macht sich den Umstand zu Nutze, dass Störungen im
Spinnprozess der Luftspinnvorrichtung zu einer Reduzierung der Fadenfestigkeit des
gesponnenen Fadens führen. Über die Fadenmanipulationseinheit besteht die Möglichkeit,
die Fadenspannung auf einen Wert festzulegen, welcher der zu erwartenden Fadenfestigkeit
entspricht. Unterschreitet die Fadenfestigkeit aufgrund von Fehlern im Spinnprozess
die zu erwartende Fadenfestigkeit, dann kommt es aufgrund der durch die Fadenmanipulationseinheit
bewirkten erhöhten Fadenspannung zu einem Fadenbruch, welcher als Indiz für eine Störung
des Spinnprozesses gewertet werden kann, bspw. aufgrund von Verschmutzungen an der
Luftspinnvorrichtung.
[0026] Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren wird ein Fadenbruch und/oder die Fadenbruchrate
an den einzelnen Spinnstellen erfasst. In Abhängigkeit von den einzustellenden Prozessparametern
kann bereits ein Fadenbruch als Indiz dafür gewertet werden, dass Störungen im Spinnprozess
vorliegen, so dass bereits ein Fadenbruch dem Bedienpersonal angezeigt wird, welches
dann geeignete Maßnahmen ergreift. Ergänzend oder alternativ kann auch erst bei Überschreiten
einer zu erwartenden Fadenbruchrate dem Bedienpersonal eine mögliche Störung des Spinnprozesses
signalisiert werden, welches dann in analoger Weise einer Überprüfung oder ggf. Beseitigung
einer Störung vornimmt.
[0027] Bei der Spinnstelle bzw. der Luftspinnmaschine kann es sich insbesondere um eine
wie vorstehend beschriebene Spinnstelle oder Luftspinnmaschine nach einer der bevorzugten
Ausführungsformen handeln.
[0028] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird nachstehend mit Bezug auf die Zeichnungen
erläutert. In den Zeichnungen zeigen:
Fig. 1 eine vereinfachte Ansicht einer mehrere Spinnstellen aufweisenden Luftspinnmaschine
nach einem bevorzugten Ausführungsbeispiel;
Fig. 2 eine Spinnstelle der Luftspinnmaschine von Fig. 1 im regulären Spinnbetrieb
und
Fig. 3 eine Klemmmittel aufweisende Fadenmanipulationseinheit der Spinnstelle von
Fig. 2.
[0029] In Figur 1 ist eine eine Vielzahl nebeneinander angeordneter Spinnenstellen 2 aufweisende
Luftspinnmaschine 1 nach einem bevorzugten Ausführungsbeispiel in einer vereinfachten
Darstellung wiedergegeben. Jede Spinnstelle 2 umfasst eine Faserbandquelle 3, welche
bspw. als Spinnkanne ausgebildet sein kann, ein Streckwerk 4, eine Luftspinnvorrichtung
5, ein Abzugswalzenpaar 6a, 6b, einen Fadenreiniger 7, eine Fadenverlegeeinrichtung
8, eine Fadenmanipulationseinheit 17 sowie eine Kreuzspule 9 einer Aufspuleinrichtung.
Ein Bedienwagen 10 ist an sich entlang der Luftspinnmaschine 1 erstreckender Schienen
11, 12 verfahrbar gelagert. An einem längsseitigen Ende der Luftspinnmaschine 1 ist
ein Maschinenendgehäuse 13 zur Anordnung von für den Betrieb der Luftspinnmaschine
1 benötigen Zentraleinrichtungen vorgesehen. Figur 2 zeigt eine Spinnstelle 2 nach
einem bevorzugten Ausführungsbeispiel im regulären Spinnbetrieb. Ein durch eine Faserbandquelle
3 bereitgestelltes Faserband 14 durchläuft ein Streckwerk 4, in dem es verzogen wird.
Das verstreckte Faserband 14 wird anschließend über ein Ausgangswalzenpaar 16a, 16b
des Streckwerks 4 der Luftspinnvorrichtung 5 zugeführt. In der Luftspinnvorrichtung
5 werden die äußeren Fasern des Faserbands 14 aufgrund der innerhalb der Luftspinnvorrichtung
5 erzeugten Luftströmung um die innenliegenden Kernfasern des Faserbands 14 gewunden
und bilden hierdurch die für die gewünschte Festigkeit des Fadens 15 ausschlaggebenden
Umwindefasern. Der gesponnene Faden 15 wird über ein Abzugswalzenpaar 6a, 6b aus der
Luftspinnvorrichtung 5 abgezogen und nach Durchlaufen des Fadenreinigers 7 sowie der
Fadenverlegeeinrichtung 8 auf der Kreuzspule 9 der Aufspulvorrichtung aufgewickelt.
[0030] Im Bereich zwischen der Luftspinnvorrichtung 5 und dem Abzugswalzenpaar 6a, 6b durchläuft
der Faden 15 die Fadenmanipulationseinheit 17, mittels der mechanisch eine Fadenspannungsbeeinflussungskraft
auf den Faden 15 ausgeübt wird, welche eine Erhöhung der Fadenspannung zur Folge hat.
Die über die Fadenspannungsbeeinflussungskraft einstellbare Fadenspannung richtet
sich dabei nach der zu erwartenden Fadenfestigkeit und ist derart bemessen, dass bei
einem Unterschreiten der Fadenfestigkeit unter einen zu erwartenden Wert ein Fadenbruch
aufgrund der erhöhten Fadenspannung auftritt.
[0031] Ein Ausführungsbeispiel einer Fadenmanipulationseinheit 17 zur Aufbringung einer
Fadenspannungsbeeinflussungskraft auf den Faden 15 ist in Figur 3 dargestellt. Die
Fadenmanipulationseinheit 17 weist zwei im Abstand zueinander verstellbare Klemmscheiben
23a, 23b auf, zwischen denen der Faden 15 hindurchgeführt wird. Die auf den Faden
15 wirkende Klemmkraft bestimmt sich dabei über die durch eine Schraubendruckfeder
21 aufgebrachte Federspannung, welche wiederum aus dem Abstand zwischen der Klemmscheibe
23a und einem entlang einer Welle 20 verstellbaren Anschlag 22 resultiert, an welchen
die Schraubendruckfeder 21 mit ihren gegenüberliegenden Enden anliegt. Eine Verstellung
des Anschlags 22 und damit die Einstellung des Abstands zwischen der Klemmscheibe
23a und dem Anschlag 22 erfolgt dabei über einen an einem Träger 19 angeordneten,
die Welle 20 verdrehenden Stellmotor 18, welcher mit einer hier nicht dargestellten
Steuer- und Regelungseinheit der Luftspinnmaschine verbunden ist.
[0032] Gemäß einem hier nicht dargestellten Ausführungsbeispiel weist die Fadenmanipulationseinheit
17 eine von dem Faden 15 durchdrungene Öse auf, welche quer zur Fadenlaufrichtung
verstellbar ist. Durch eine Verlagerung der Öse erfolgt eine Umlenkung des Fadenlaufs,
wobei in Abhängigkeit von der Position der Öse die auf den Faden wirkende Fadenspannungsbeeinflussungskraft
in Form einer Druckkraft, und insbesondere zusätzlich einer Bremskraft, und damit
die Fadenspannung einstellbar ist. Die bevorzugt vorgesehene zusätzliche Bremskraft
kann nach einem bevorzugten Ausführungsbeispiel durch eine entsprechende Oberflächenbeschichtung
des den Faden berührenden bzw. umlenkenden Oberflächenabschnitts der Öse realisiert
sein.
[0033] Nach einem ebenfalls nicht dargestellten Ausführungsbeispiel ist zum Erzeugen einer
solchen Bremskraft ein Fadenbremsmittel vorgesehen, welches einen Fadenkontaktabschnitt
zum Kontaktieren des laufenden Fadens umfasst, das ausgebildet ist, den laufenden
Faden mittels einer auf den Faden einwirkenden Bremskraft definiert abzubremsen.
Bezugszeichenliste
[0034]
- 1
- Luftspinnmaschine
- 2
- Spinnstelle
- 3
- Faserbandquelle
- 4
- Streckwerk
- 5
- Luftspinnvorrichtung
- 6a, 6b
- Abzugswalzenpaar
- 7
- Fadenreiniger
- 8
- Fadenverlegeeinrichtung
- 9
- Kreuzspule
- 10
- Bedienwagen
- 11
- Schiene
- 12
- Schiene
- 13
- Maschinenendgehäuse
- 14
- Faserband
- 15
- Faden
- 16a, 16b
- Ausgangswalzenpaar
- 17
- Fadenmanipulationseinheit
- 18
- Stellmotor
- 19
- Träger
- 20
- Welle
- 21
- Schraubendruckfeder
- 22
- Anschlag
- 23a, 23b
- Klemmscheibe
1. Spinnstelle für eine Luftspinnmaschine zum Herstellen eines Fadens aus einem zugeführten
Faserband, mit
- einer Luftspinnvorrichtung (5) zur Bildung eines Fadens (15) aus wenigstens einem
über ein Streckwerk (4) zugeführten Faserband (14) und
- einer Aufspuleinrichtung zur Aufnahme des Fadens auf einer Auflaufspule (9),
dadurch gekennzeichnet, dass
im Bereich zwischen der Luftspinnvorrichtung (5) und der Aufspuleinrichtung eine mechanisch
auf den Faden (15) wirkende Fadenmanipulationseinheit (17) angeordnet ist, die zur
variablen Erhöhung der Fadenspannung eine einstellbare Fadenspannungsbeeinflussungskraft,
insbesondere eine einstellbare Brems-, Druck- und/oder Klemmkraft, auf den Faden (15)
ausübt.
2. Spinnstelle nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Fadenmanipulationseinheit (17) in Richtung auf den Faden (15) ein verstellbares
Klemmmittel (23a, 23b) aufweist.
3. Spinnstelle nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Klemmmittel (23a, 23b) durch einen Teller- und/oder Rechenspanner zum einstellbaren
Verzug des Fadens ausgebildet ist.
4. Spinnstelle nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Fadenmanipulationseinheit (17) ein verstellbares Umlenkmittel, insbesondere eine
verstellbare Öse zur variablen Veränderung des Fadenlaufs aufweist.
5. Spinnstelle nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die einstellbare Kraft elektrisch einstellbar ist.
6. Spinnstelle nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen Sensor zur Fadenzugkraftmessung des von der Fadenmanipulationseinheit (17)
beeinflussbaren oder beeinflussten Fadenabschnitts.
7. Spinnstelle nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Fadenmanipulationseinheit (17) im Bereich zwischen der Luftspinnvorrichtung (5)
und einer Fadenabzugseinheit (6a, 6b) angeordnet ist.
8. Luftspinnmaschine zur Herstellung eines Fadens aus einem zugeführten Faserband, gekennzeichnet durch mindestens eine Spinnstelle (2) nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7.
9. Luftspinnmaschine nach Anspruch 8, gekennzeichnet durch eine zugeordnete Auswerteinheit zur Erfassung eines Fadenbruchs und/oder Fadenbruchrate
an den Spinnstellen (2) und Abgleich der Fadenbruchrate mit vorgebbaren Soll-Raten.
10. Luftspinnmaschine nach Anspruch 8 oder 9, gekennzeichnet durch eine zugeordnete Regeleinheit zur Erfassung der Fadenzugkraft über an den Spinnstellen
(2) angeordnete Fadenzugkraftsensoren und Einstellung der Fadenspannungsbeeinflussungskraft
der Fadenmanipulationseinheit (17).
11. Verfahren zur Erfassung einer einen Soll-Wert unterschreitenden Fadenfestigkeit eines
an einer Spinnstelle einer Luftspinnmaschine hergestellten Fadens, wobei
- über eine im Bereich zwischen einer Luftspinnvorrichtung (5) und einer Aufspuleinrichtung
angeordnete, mechanisch auf den Faden wirkende Fadenmanipulationseinheit (17) eine
einstellbare Fadenspannungsbeeinflussungskraft auf den Faden (15) aufgebracht wird,
sowie
- ein Fadenbruch und/oder Fadenbruchrate erfasst und mit einer vorgegebenen SollRate
abgeglichen und der Fadenbruch und/oder Abweichungen der Fadenbruchrate über einen
vorbestimmten Grenzwert hinaus angezeigt und/oder ausgewertet werden.