[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum umgebungsabhängigen Betrieb eines Hörsystems,
wobei in einer Trainingsphase zu einer Mehrzahl an Erhebungszeitpunkten jeweils Werte
für eine erste Mehrzahl an Umgebungsdaten eines ersten Benutzers des Hörsystems ermittelt
wird, und anhand der Werte der Umgebungsdaten für jeden der Erhebungszeitpunkte jeweils
ein Merkmalsvektor in einem Merkmalsraum gebildet wird, wobei für eine erste Umgebungssituation
wenigstens ein Wert einer Einstellung für eine Signalverarbeitung des Hörsystems vorgegeben
wird, und wobei in einer Anwendungsphase zu einem Anwendungszeitpunkt Werte für die
erste Mehrzahl an Umgebungsdaten des ersten Benutzers oder eines zweiten Benutzers
des Hörsystems ermittelt werden und anhand der Werte der Umgebungsdaten ein entsprechender
Merkmalsvektor für den Anwendungszeitpunkt gebildet wird, und der wenigstens eine
Wert der Signalverarbeitung des Hörsystems entsprechend seiner Vorgabe für die erste
Umgebungssituation eingestellt wird, und das Hörsystem mit dem so eingestellten wenigstens
einen Wert betrieben wird.
[0002] In Hörsystemen wird einem Benutzer ein Schallsignal zum Hören bereitgestellt, welches
auf der Basis eines elektrischen Audiosignals erzeugt wird, das seinerseits eine akustische
Umgebung des Benutzers repräsentiert. Ein wichtiger Fall eines Hörsystems ist hierbei
ein Hörgerät, mittels dessen eine Hörschwäche des Benutzers durch eine insbesondere
frequenzbandabhängige Signalverarbeitung des Audiosignals möglichst korrigiert werden
soll, um so bevorzugt Nutzsignale in einem Umgebungsschall für den Benutzer besser
hörbar zu machen. Hörgeräte können dabei in verschiedenen Bauformen, z.B. BTE, ITE,
CIC, RIC oder weiteren Formen, gegeben sein. Eine hierzu ähnliche Art von Hörsystem
ist durch ein Hörhilfegerät wie z.B. ein Cochlea-Implantat oder Knochenleithörer gegeben.
Weitere Hörsysteme können aber auch durch PSADs (Personal Sound Amplification Devices:
Hörhilfesysteme, die von normal hörenden Personen genutzt werden) sowie Headsets oder
Kopfhörer, insbesondere mit aktiver Rauschunterdrückung ("active noise cancelling")
gegeben sein.
[0003] Ein Betrieb eines Hörsystems in Abhängigkeit der Umgebung ist insbesondere für Hörgeräte
bekannt. Hierbei wird eine Einstellung der Signalverarbeitung des Audiosignals in
Abhängigkeit einer Hörsituation festgelegt, wobei Hörsituationen durch standardisierte
Gruppen von akustischen Umgebungen mit bestimmten vergleichbaren akustischen Merkmalen
gegeben sind. Wird anhand des Audiosignals erkannt, dass eine der standardisierten
Gruppen vorliegt, so wird das Audiosignal mit den entsprechenden, vorab für diese
Gruppe von akustischen Umgebungen festgelegten Einstellungen verarbeitet.
[0004] Die Definition der Hörsituationen erfolgt dabei oftmals vorab nach fest für einzelne
akustisch messbare Merkmale vorgegebenen Kriterien, z.B. werksseitig. Für die vorgegebenen
Hörsituationen werden oftmals Voreinstellungen der jeweils zugehörigen Signalverarbeitung
vorgegeben, welche durch den Benutzer noch individuell angepasst werden können.
[0005] Das akustische Erkennen der einzelnen Hörsituationen ist jedoch zum einen eine komplexe
und ggf. fehlerbehaftete Angelegenheit, da eine akustische Umgebung ggf. nicht exakt
die akustischen Merkmale aufweist, welche die entsprechende Hörsituation eigentlich
erfordern würde (z.B. eine "Cocktail Party" im Freien in der Nähe einer Straße o.ä.).
Zum anderen ist es für einen Benutzer infolge der Vielzahl an Merkmalen, welche zur
Unterscheidung einzelner akustischer Umgebungen voneinander und zu einer entsprechenden
Zuordnung der Hörsituationen ausgewertet werden, schlicht kaum möglich, sinnvoll selbst
Definitionen von Hörsituationen vorzunehmen, welche auf seinen Alltag ideal abgestimmt
sind. Infolgedessen ist der Benutzer diesbezüglich meist auf die vorgegebenen Definitionen
von Hörsituationen angewiesen.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, mittels
dessen ein Benutzer ein Hörsystem einerseits umgebungsabhängig betreiben kann, die
Umgebungen aber möglichst individuell auf den Benutzer abgestimmt werden können.
[0007] Die genannte Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zum umgebungsabhängigen
Betrieb eines Hörsystems, wobei in einer Trainingsphase zu einer Mehrzahl an Erhebungszeitpunkten
jeweils Werte für eine erste Mehrzahl an Umgebungsdaten eines ersten Benutzers des
Hörsystems ermittelt wird, und anhand der Werte der Umgebungsdaten für jeden der Erhebungszeitpunkte
jeweils ein Merkmalsvektor in einem wenigstes vierdimensionalen, insbesondere mindestens
sechsdimensionalen Merkmalsraum gebildet wird, jeder der Merkmalsvektoren jeweils
auf einen zugehörigen Repräsentantenvektor in einem maximal dreidimensionalen, insbesondere
zweidimensionalen Darstellungsraum abgebildet wird, und anhand einer räumlichen Verteilung
einer Untergruppe von Repräsentantenvektoren eine erste Region im Darstellungsraum
für eine erste Umgebungssituation des Hörsystems definiert wird, wobei für die erste
Umgebungssituation wenigstens ein Wert einer Einstellung für eine Signalverarbeitung
des Hörsystems vorgegeben wird.
[0008] Hierbei ist vorgesehen, dass in einer Anwendungsphase zu einem Anwendungszeitpunkt
Werte für die erste Mehrzahl an Umgebungsdaten des ersten Benutzers oder eines zweiten
Benutzers des Hörsystems ermittelt werden und anhand der Werte der Umgebungsdaten
ein entsprechender Merkmalsvektor für den Anwendungszeitpunkt gebildet wird, anhand
der ersten Region des Darstellungsraumes und anhand des Merkmalsvektors für den Anwendungszeitpunkt
ein Vorliegen der ersten Umgebungssituation, insbesondere automatisch, erkannt wird,
und der wenigstens eine Wert der Signalverarbeitung des Hörsystems entsprechend seiner
Vorgabe für die erste Umgebungssituation, insbesondere automatsch, eingestellt wird,
und das Hörsystem mit dem so eingestellten wenigstens einen Wert betrieben wird. Vorteilhafte
und teils für sich gesehen erfinderische Ausgestaltungen sind Gegenstad der Unteransprüche
und der nachfolgenden Beschreibung.
[0009] In der Trainingsphase wird somit einerseits die erste Umgebungssituation anhand der
Umgebungsdaten festgelegt, sowie ermittelt, wie sich die erste Umgebungssituation
anhand der Umgebungsdaten von anderen Umgebungssituationen unterscheiden lässt. Des
Weiteren wird eine Einstellung der Signalverarbeitung vorgegeben, welche für die erste
Umgebungssituation auf ein Audiosignal des Hörsystems anzuwenden ist. In der Anwendungsphase
werden die aktuell vorliegenden Werte für die entsprechenden Umgebungsdaten ermittelt,
und es kann nun anhand dieser Werte der Umgebungsdaten festgestellt werden, ob die
erste Umgebungssituation vorliegt. Ist dies der Fall, wird das Hörsystem mit der diesbezüglich
vorgegebenen Einstellung der Signalverarbeitung betrieben.
[0010] In der Trainingsphase werden dabei die Werte der Umgebungsdaten zu verschiedenen
Erhebungszeitpunkten ermittelt, sodass die Merkmalsvektoren, welche anhand der zu
den einzelnen Erhebungszeitpunkten ermittelten Werte an Umgebungsdaten gebildet werden,
repräsentativ für möglichst viele akustische Umgebungen sind. Als Umgebungsdaten sind
hierbei bevorzugt akustische Umgebungsdaten zu akustischen Umgebungsgrößen wie z.B.
Frequenzen eines Grundrauschens, Stationarität eines Schallsignals, Schallpegel, Modulationsfrequenzen,
und dergleichen umfasst. Weiter können als Umgebungsdaten auch im weiteren Sinne "nicht-akustische"
Daten z.B. zu Beschleunigungen oder sonstigen Bewegungsgrößen eines Bewegungssensors
des Hörsystems, aber auch biometrische Daten, welche z.B. anhand von EEG, EMG, PPG
(Photoplethysmogram), EKG o.ä. erfasst werden können, umfasst sein.
[0011] Die genannten Größen können dabei durch eine Hörvorrichtung des Hörsystems, also
z.B. durch ein Hörgerät, und/oder durch ein weiteres Gerät des Hörsystems, z.B. ein
Smartphone oder eine Smartwatch oder ein sonstiges geeignetes Gerät mit entsprechender
Sensorik, gemessen werden. Das Ermitteln der Werte der Umgebungsdaten aus den gemessenen
Größen kann im jeweiligen Gerät selbst - also im Hörgerät oder im Smartphone o.ä.
- erfolgen, oder nach einer Übertragung z.B. vom Hörgerät bzw. von einem Headset auf
das Smartphone oder ein vergleichbares Gerät des Hörsystems erfolgen. Das Messen der
Größen erfolgt dabei vorzugsweise kontinuierlich bzw. quasi-kontinuierlich (also in
sehr kurzen Zeitabständen, bspw. im Bereich von Sekunden), bevorzugt über einen längeren
Zeitraum von z.B. einer Woche o.ä., sodass die für den Benutzer üblicherweise auftretenden
Umgebungen möglichst vollständig erfasst und hierdurch quasi "kartographiert" werden.
[0012] Als Werte der Umgebungsdaten können die ermittelten Werte der genannten oder anderer
entsprechender Größen entweder direkt in die jeweiligen Merkmalsvektoren eingehen,
oder die in die Merkmalsvektoren eingehenden Werte werden durch Bildung von Mittelwert
und/oder Mittelwert-Durchgangsrate und/oder Varianz oder vergleichbarer statistischer
Verfahren anhand der jeweiligen Größen gebildet. Im letztgenannten Fall besteht ein
Merkmalsektor vorzugsweise aus einzelnen Einträgen, welche jeweils in beschriebener
Weise mittels statistischer Methoden aus den genannten akustischen Umgebungsgrößen,
Bewegungsgrößen und/oder biometrischen Daten gewonnen werden. Hierbei kann zu einem
Erhebungszeitpunkt jeweils der zeitliche Mittelwert bzw. die Mittelwert-Durchgangsratte
bzw. die Varianz einzelner Werte einer Größe seit dem vorangegangenen Erhebungszeitpunkt
gebildet werden, und als entsprechender Wert der Umgebungsdaten in den Merkmalsvektor
eingehen.
[0013] Hierbei werden zu jedem Erhebungszeitpunkt insgesamt Werte für wenigstens vier verschiedene
Merkmale, also einzelne statistische Ausprägungen verschiedener Umgebungs- und/oder
Bewegungs- und/oder biometrischer Größen ermittelt. Bevorzugt werden Werte für wenigstens
sechs Merkmale ermittelt. Besonders bevorzugt werden für jede einzelne Größe dieselben
statistischen Ausprägungen, wie oben z.B. als Mittelwert, Mittelwert-Durchgangsrate
und Varianz, als Werte der Umgebungsdaten ermittelt.
[0014] Um nun einem Benutzer die Möglichkeit zu geben, individuell einzelne Umgebungssituationen
anhand der ermittelten "Merkmale", also der entsprechenden Merkmalsvektoren festzulegen,
werden die einzelnen Merkmalsvektoren, welche ja die "Merkmale" zu einzelnen Erhebungszeitpunkten
beinhalten, zunächst auf den jeweils zugehörigen Repräsentantenvektor im Darstellungsraum
abgebildet. Der Darstellungsraum ist hierbei maximal dreidimensional, bevorzugt zweidimensional,
sodass die Repräsentantenvektoren für eine Definition der ersten Umgebungssituation
über die erste Region für den Benutzer insbesondere visualisiert werden können. Eine
derartige Visualisierung des Darstellungsraumes kann dabei insbesondere auf einer
geeigneten Visualisierungseinrichtung des Hörsystems erfolgen, z.B. auf einem Bildschirm
eines Smartphones, welches in diesem Fall durch seine Einbindung in das Verfahren
ein Teil des Hörsystems wird. Ein zweidimensionaler Darstellungsraum lässt sich dabei
unmittelbar als "Karte" darstellen, ein dreidimensionaler Darstellungsraum bspw. durch
zweidimensionale Schnittebenen oder dreidimensionalen "Punktewolken" o.ä., zwischen
denen der Benutzer wechseln oder zoomen bzw. sich bewegen kann.
[0015] Die Abbildung der Merkmalsvektoren des Merkmalraumes auf die Repräsentantenvektoren
des Darstellungsraumes erfolgt dabei vorzugsweise derart, dass "ähnliche Merkmalsvektoren",
also Merkmalsvektoren, welche infolge einer relativen Ähnlichkeit ihrer Merkmale im
Merkmalsraum vergleichsweise nahe beieinander liegen, auch im Darstellungsraum vergleichsweise
nahe beieinander liegen (bezogen z.B. auf die gesamte Größe des jeweils verwendeten
Raumes). Voneinander deutlich separierte Repräsentantenvektoren (oder Gruppen von
Repräsentantenvektoren) im Darstellungsraum lassen dabei bevorzugt einen Rückschluss
auf voneinander separierte Merkmalsvektoren (oder entsprechende Gruppen von Merkmalsvektoren)
im Merkmalsraum zu, wodurch eine Unterscheidung möglich wird. Umgekehrt wird eine
Unterscheidung von Gruppen von Merkmalsvektoren, mit zunehmendem Überlapp der zugehörigen,
entsprechende Gruppen ihrer jeweiligen Repräsentantenvektoren im Darstellungsraum
schwieriger.
[0016] Anhand einzelner, möglichst nahe beieinander liegender Repräsentantenvektoren kann
nun im Darstellungsraum eine erste Region definiert werden. Diese Definition kann
insbesondere durch den Benutzer des Hörsystems vorgenommen werden, oder auch durch
eine Hilfsperson des Benutzers (z.B. einen Betreuer, Krankenpfleger etc.) erfolgen.
Für die Definition wird dabei bevorzugt eine Visualisierung des Darstellungsraumes
herangezogen. Insbesondere können einzelne Repräsentantenvektoren dabei noch mittels
einer zusätzlichen Markierung, bspw.
[0017] über eine Farbdarstellung, versehen sein, welcher bevorzugt einer zusätzlichen Markierung
des jeweiligen Erhebungszeitpunktes je nach Alltags-/Tagessituation o.ä. für den zugrunde
liegenden Merkmalsvektor durch den Benutzer entsprechen kann. Dies kann für den Benutzer
die Zuordnung der Repräsentantenvektoren vereinfachen. Die Markierung des Erhebungszeitpunktes
kann dabei beispielsweise durch eine Eingabe des Benutzers erfolgen, welche global
eine bestimmte Situation in seinem Tagesablauf festlegt, also z.B. zu Hause, im Auto
(auf dem Weg zur Arbeit/nach Hause), im Büro, in der Kantine, beim Sport, im Garten
etc.
[0018] Es wird nun also eine Untergruppe von Repräsentantenvektoren herangezogen, um anhand
ihrer räumlichen Verteilung, insbesondere anhand des von ihnen (also von ihren entsprechenden
Endpunkten im Darstellungsraum) eingeschlossenen Bereiches die erste Region zu definieren.
Dieser Untergruppe von Repräsentatnenvektoren entspricht eine Gruppe von Merkmalsvektoren
im Merkmalsraum, sodass hierdurch über die entsprechenden Wertebereiche der Merkmale
die erste Umgebungssituation festgelegt ist.
[0019] Für die so definierte erste Umgebungssituation, welche vorzugsweise in Beziehung
zu einer Situation im Tagesablauf des Benutzers steht, aber noch durch weitere Merkmale,
insbesondere akustische Merkmale charakterisiert sein kann (z.B. unterschiedliche
akustische Umgebungen im Büro oder zu Hause etc.), wird nun der wenigstens eine Wert
der Einstellung für die Signalverarbeitung des Hörsystems vorgegeben. Dies erfolgt
bevorzugt durch den Benutzer des Hörsystems (oder z.B. auch durch eine technisch versierte
Begleit- oder Betreuungsperson). Der Benutzer begibt sich hierfür bevorzugt in die
entsprechende Umgebung (z.B. in ein fahrendes Auto, drinnen zu Hause, draußen im Garten,
im Büro/am Arbeitsplatz etc.) und modifiziert daraufhin, insbesondere "nach Gehör",
die Signalverarbeitungseinstellungen, z.B. mittels einer Klangwaage die Höhen- oder
Tiefenbetonung oder sogenannte adaptive Parameter für Wind- oder Störgeräuschunterdrückung.
Grundsätzlich kommt aber auch eine Feinjustierung jedweder Parameter in Betracht,
welche ein voll oder semiprofessionell ausgebildeter Akustiker typischerweise nutzt.
Ebenso ist es möglich, dass die umgebungsspezifische Signalverarbeitungseinstellung,
und somit die Definition der Einstellung für die erste Umgebungssituation, von einem
solchen Akustiker in einer Fernanpassungssitzung vorgenommen wird.
[0020] Die Trainingsphase kann somit der Systematik nach in eine Analysephase und eine Definitionsphase
eingeteilt werden, wobei die Analysephase das kontinuierliche Messen der betreffenden
Größen, das Ermitteln der einzelnen entsprechenden Merkmalswerte zu den jeweiligen
Erhebungszeitpunkten sowie eine Abbildung der Merkmalsvektoren in den Darstellungsraum
umfasst, während in der Definitionsphase anhand der Repräsentantenvektoren die erste
Umgebungssituation sowie der zugehörige wenigstens eine Wert der Einstellung für die
Signalverarbeitung definiert wird.
[0021] Während einer Anwendungsphase werden die vorgenommenen Definitionen der ersten Umgebungssituation
und der zugehörigen wenigstens einen Einstellung der Signalverarbeitung des Hörsystems
in den Betrieb des Hörsystems eingebunden. Hierfür werden zu einem Anwendungszeitpunkt
der Anwendungsphase zunächst durch das Hörsystem, insbesondere auch durch eine Hörvorrichtung
des Hörsystems, dieselben Umgebungs- und/oder Bewegungs- und/oder biometrischer Größen
gemessen, welche auch in der Trainingsphase zum Ermitteln der Werte an Umgebungsdaten
gemessen werden. In dazu analoger Weise werden aus den gemessenen Grüßen die Werte
für dieselben Arten an Umgebungsdaten und ein entsprechender Merkmalsvektor gebildet,
wie in der Trainingsphase.
[0022] Der Merkmalsvektor für den Anwendungszeitpunkt wird nun in den Darstellungsraum abgebildet.
Dies erfolgt bevorzugt mittels desselben Algorithmus wie die entsprechenden Abbildungen
der Trainingsphase, oder durch ein zu dem besagten Algorithmus möglichst konsistentes
Näherungsverfahren, welches insbesondere den Merkmalsvektor des Anwendungszeitpunktes
auf einen Repräsentantenvektor im Darstellungsraum abbildet, für welchen Repräsentantenvektoren
seiner unmittelbaren Umgebung auf solchen Merkmalsvektoren der Trainingsphase basieren,
welche im Merkmalsraum auch die unmittelbare Umgebung des Merkmalsvektors des Anwendungszeitpunktes
bilden.
[0023] Liegt nun der für den Anwendungszeitpunkt so gebildete Repräsentantenvektor in der
ersten Region des Darstellungsraumes, kann darauf geschlossen werden, dass die erste
Umgebungssituation vorliegt, und entsprechend die hierfür vorab definierte wenigstens
Einstellung der Signalverarbeitung im Betrieb des Hörsystems verwendet werden, also
z.B. auf ein Audiosignal des Hörsystems eine entsprechende, ggf. frequenzbandabhängige
Verstärkung und/oder Dynamik-Kompression, Sprachsignalanhebung etc. angewandt werden.
[0024] Alternativ dazu können im Merkmalsraum diejenigen Bereiche identifiziert werden,
welche den Merkmalsvektoren entsprechen, deren Repräsentantenvektoren im Darstellungsraum
von der ersten Region umfasst sind. Die Erkennung der ersten Umgebungssituation kann
dann auch anhand der besagten Bereiche im Merkmalsraum erfolgen, wenn der Merkmalsvektor
für den Anwendungszeitpunkt in einem solchen Bereich liegt.
[0025] Insbesondere kann für die Bildung des Merkmalsvektors des Anwendungszeitpunktes eine
kurzfristige zeitliche Mitteilung (etwa im Bereich von wenigen Sekunden bis einigen
Minuten) oder sonstige statistische Bearbeitung erfolgen, bevorzugt derselben Art
wie bei der Bildung der Merkmalsvektoren der Trainingsphase.
[0026] Das beschriebene Verfahren erlaubt es, die Definitionen einzelner Umgebungssitationen
spezifisch auf Individuen oder spezielle Gruppen von Hörhilfeträgern anzupassen, und
diese Definition zudem auch von (technisch versierten) Personen ohne audiologische
oder wissenschaftliche Ausbildung vornehmen zu lassen, wobei für die Definitionen
der Umgebungssituationen nur ein vergleichsweise geringer Aufwand des Hörsystems (oder
einer assistierenden Begleitperson) erforderlich ist, da dies unmittelbar über die
Visualisierung des vorzugsweise zweidimensionalen Darstellungsraumes erfolgen kann.
[0027] Hierdurch kann insbesondere der Bedarf von kleinen Benutzergruppen adressiert werden,
für welche seitens eines Herstellers (oder eines anderen Lösungsanbieters) eine spezifische
Definition von Umgebungssituationen zur automatischen Einstellung des Hörsystems einen
zu hohen Aufwand bedeuten würde. Dadurch können Hörsysteme Klassifikatoren für die
Umgebung bereitstellen, die einen Bedarf für solche Benutzergruppen gezielter zufrieden
stellen, als die bislang bekannten 'stereotypischen' Klassen von Umgebungssituationen,
da universalisierte Klassen wie z.B. ,im Auto', ,vor dem Fernseher' eben deswegen
definiert wurden, weil überwältigend viele Benutzer von Hörsystemen sich in solchen
Situation wiederfinden.
[0028] Da das Verfahren darüber hinaus auch geeignet ist, von technisch versierten Personen,
ohne audiologische oder wissenschaftliche Ausbildung genutzt zu werden, eröffnet es
die Möglichkeit, dass nicht nur ein Hersteller eines Hörsystems (wie z.B. Hörgerätehersteller),
sondern andere Marktteilnehmer oder Benutzer eigene Definitionen vornehmen, z.B. auch
Hörgeräteakustiker o.ä., Begleiter von Personen spezieller Berufsgruppen (z.B. von
Zahnärzten, Musikern, Jägern) oder auch einzelne technisch versierte Benutzer. Somit
wird der Einsatz des Verfahrens für eine größere Anzahl von Benutzern relevant, da
es anteilig meist wenige Benutzer von Hörsystemen gibt, die zu umfangreichen Angaben
(Eingaben z.B. in Smartphone-Apps) bereit sind, dagegen viele Benutzer, die am möglichst
wenige Angaben über das Anwählen einer konkreten Funktion hinaus machen möchten, und
allenfalls eine Eingabe vornehmen, wenn ihnen ein Höreindruck unangenehm oder verbesserungswürdig
erscheint.
[0029] Insbesondere ist es insofern auch möglich, dass in der Trainingsphase die Definition
der ersten Umgebungssituation durch einen ersten Benutzer des Hörsystems durchgeführt
wird, während diese Definition in der Anwendungsphase durch einen zweiten Benutzer
verwendet wird. Somit kann ein erster Benutzer die von ihm definierten Umgebungssituationen
für entsprechende Merkmalsvektoren anderen Benutzern zum Gebrauch zur Verfügung stellen.
Die Definition der zur ersten Umgebungssituation zugehörigen Einstellung der Signalverarbeitung
wird bevorzugt durch denjenigen Benutzer durchgeführt, welcher das Hörsystem in der
Anwendungsphase verwendet.
[0030] Bevorzugt wird in der Trainingsphase durch eine Benutzereingabe jeweils eine Information
zu einer aktuellen Nutzungssituation des Hörsystems, insbesondere in Abhängigkeit
einer abgegrenzten Situation einer Tagesroutine des ersten Benutzers des Hörsystems
hinterlegt, wobei die jeweilige Information zur Nutzungssituation mit den Merkmalsvektoren
und/oder den zugehörigen Repräsentantenvektoren verknüpft wird, welche anhand der
während einer bestimmten Nutzersituation erhobenen Werte der Umgebungsdaten gebildet
werden. Die Nutzungssituation beschreibt dabei bevorzugt eine bestimmte Situation
im Tagesablauf des Benutzers, also z.B. zu Hause, im Auto (auf dem Weg zur Arbeit/nach
Hause), im Büro, in der Kantine, beim Sport, im Garten etc. Durch eine zusätzliche
Markierung des Merkmalsvektors bzw. des zugehörigen Repräsentantenvektors kann der
Benutzer eine Zuordnung der ersten Umgebungssituation auch hinsichtlich der Nutzungssituation
vornehmen.
[0031] Günstigerweise wird wenigstens ein Teilbereich des Darstellungsraums, insbesondere
mittels eines Bildschirms visualisiert und dabei wenigstens eine Teilmenge der Repräsentantenvektoren
angezeigt, wobei die erste Region im Darstellungsraum anhand einer Benutzereingabe,
insbesondere hinsichtlich einer Gruppierung von visualisierten Repräsentantenvektoren,
definiert wird. Der Bildschirm ist hierbei insbesondere in eine entsprechende Hilfsvorrichtung
des Hörsystems integriert, wie z.B. in ein mit der Hörvorrichtung insbesondere drahtlos
verbindbares Smartphone, Tablet o.ä. Der Benutzer kann dann direkt auf dem Touchscreen
die einzelnen Repräsentantenvektoren in einer zwei- oder ggf. auch dreidimensionalen
Darstellung (im 3D-Fall über entsprechende Schnitteben) ansehen und entsprechend zur
ersten Region gruppieren.
[0032] Hierbei wird insbesondere für wenigstens einige der Repräsentantenvektoren, wenigstens
auf eine Aktion des ersten Benutzers hin, die jeweilige Information zur Nutzungssituation
visualisiert. Dies kann über eine entsprechende Farbdarstellung oder über eine Einblendung
eines Labels am jeweiligen Repräsenantenvektor erfolgen.
[0033] Günstigerweise erfolgt zumindest in der Trainingsphase die Abbildung der Merkmalsvektoren
auf die jeweils zugehörigen Repräsentantenvektoren derart, dass Abstandsrelationen
von jeweils wenigstens drei Merkmalsvektoren im Merkmalsraum infolge der Abbildung
wenigstens näherungsweise für Abstandsrelationen der zugehörigen drei Repräsentantenvektoren
im Darstellungsraum erhalten bleiben. Dies bedeutet insbesondere, dass für jeweils
drei Merkmalsvektoren mv1, mv2, mv3 mit folgender Abstandsrelation im Merkmalsraum:

die zugehörigen Repräsentantenvektoren rv1 (zu mv1), rv2 (zu mv2), rv3 (zu mv3) im
Darstellungsraum die Abstandsrelation

erfüllen. Hierdurch werden Gruppen "ähnlicher" Merkmalsvektoren, welche sich bezogen
auf den gesamten im Merkmalsraum abgedeckten Bereich nur wenig voneinander unterscheiden,
auf "ähnliche" Repräsentantenvektoren abgebildet, welche sich bezogen auf den gesamten
im Darstellungsraum abgedeckten Bereich ebenfalls nur wenig voneinander unterscheiden.
[0034] Bevorzugt erfolgt die Abbildung der Merkmalsvektoren auf die jeweils zugehörigen
Repräsentantenvektoren anhand einer Hauptkomponentenanalyse (PCA) und/oder einer lokal
linearen Einbettung (LLE) und/oder einer Isomap-Abbildung und/oder einer Sammon-Abbildung
und/oder bevorzugt anhand eines t-SNE-Algorithmus und/oder bevorzugt anhand eines
selbstorganisierenden Kohonen-Netzwerks und/oder bevorzugt anhand einer UMAP-Abbildung.
Die genannten Verfahren erfüllen die genannte Eigenschaft hinsichtlich der Abstandsrelationen
und sind effizient implementierbar.
[0035] Vorteilhafterweise werden in der Anwendungsphase zu einer Mehrzahl an aufeinanderfolgenden
Anwendungszeitpunkten jeweils Werte für die erste Mehrzahl an Umgebungsdaten ermittelt
und anhand der Werte der Umgebungsdaten jeweils entsprechende Merkmalsvektoren für
die aufeinanderfolgenden Anwendungszeitpunkte gebildet, wobei ein Vorliegen der ersten
Umgebungssituation anhand der ersten Region und anhand der besagten Merkmalsvektoren
für die aufeinanderfolgenden Anwendungszeitpunkte, insbesondere anhand eines Polygonzugs
aus den besagten Merkmalsvektoren oder eines Polygonzugs aus den Repräsentantenvektoren,
welche im Darstellungsraum den besagten Merkmalsvektoren entsprechen, erkannt wird.
Insbesondere können hierbei mittels Machine Learning auch Bereiche für Merkmals- bzw.
Repräsentantenvektoren außerhalb des betreffenden Polygonzugs identifiziert werden,
in welchen für einen Anwendungszeitpunkt ein entsprechender Merkmals- bzw. Repräsentantenvektor
zu einem Vorliegen der ersten Umgebungssituation führt.
[0036] Es werden z.B. immer die aktuellsten fünf Repräsentantenvektoren (der vergangenen
Anwendungszeitpunkte) genommen und ein Polygonzug konstruiert, der alle Repräsentantenvektoren
umfasst (einige oder alle Repräsentantenvektoren bzw. deren Endpunkte stellen dann
Eckpunkte des Polygonzuges dar). Das Hörsystem wird erst dann der ersten Umgebungssituation
zugeordnet und die entsprechende Einstellung der Signalverarbeitung aktiviert, wenn
mindestens ein vorab definierbarer Prozentsatz der Fläche des Polygonzuges (z.B. 80%)
innerhalb der ersten Region im Darstellungsraum liegt. Dadurch kann vermieden werden,
dass ein einzelner "Ausreißer" eines Einzelmerkmals, der auf ein zufälliges, aber
für eine Umgebung ggf. untypisches Vorkommen zurückzuführen ist, bereits zu einer
geänderten Klassifikation hinsichtlich der Umgebungssituation führt.
[0037] Günstigerweise werden für die erste Mehrzahl an Umgebungsdaten akustische Umgebungsdaten
anhand eines Signals wenigstens eines elektroakustischen Eingangswandlers, insbesondere
eines Mikrofons ermittelt, und/oder bewegungsbezogene Umgebungsdaten anhand wenigstens
eines Signals eines insbesondere mehrdimensional auflösenden Beschleunigungssensors
und/oder eines Gyroskops und/oder eines GPS-Sensors ermittelt. Bevorzugt werden für
die erste Mehrzahl an Umgebungsdaten weiter orstbezogene Umgebungsdaten anhand wenigstens
eines Signals eines GPS-Sensors und/oder einer WLAN-Verbindung und/oder biometrische
Umgebungsdaten anhand eines EKG-Sensors und/oder eines EEG-Sensors und/oder eines
PPG-Sensors und/oder eines EMG-Sensors ermittelt. Insbesondere kann ein Sensor zur
Erzeugung biometrischer Umgebungsdaten auf einer als Smartwatch ausgestalteten Hilfsvorrichtung
angeordnet sein. Die genannten Sensoren sind für eine möglichst umfassende Charakterisierung
einer Umgebungssituation eines Hörsystems besonders geeignet.
[0038] Bevorzugt wird dabei für die akustischen Umgebungsdaten das Signal des wenigstens
einen elektroakustischen Eingangswandlers hinsichtlich einer Sprachaktivität des ersten
bzw. zweiten Benutzers des Hörsystems und/oder hinsichtlich eines Auftretens von Wind
am elektroakustischen Eingangswandler und/oder hinsichtlich eines spektralen Schwerpunkts
eines Rauschhintergrundes und/oder - hinsichtlich eines Rauschhintergrundes in wenigstens
einem Frequenzband und/oder hinsichtlich einer Stationarität eines Schallsignals der
Umgebung und/oder hinsichtlich einer Autokorrelationsfunktion und/oder hinsichtlich
einer Modulationstiefe bei einer gegebenen Modulationsfrequenz, welche bevorzugt 4
Hz und maximal 10 Hz beträgt, und/oder hinsichtlich eines Einsetzens einer Sprachaktivität,
insbesondere einer eigenen Sprachaktivität des Benutzers, analysiert.
[0039] Günstigerweise werden als Werte der Umgebungsdaten für einen Erhebungszeitpunkt und/oder
den Anwendungszeitpunkt jeweils ein Mittelwert und/oder eine Varianz und/oder eine
Mittelwert-Durchgangsrate und/oder ein Wertebereich und/oder ein Median der jeweiligen
Umgebungsdaten, insbesondere bezogen auf einen Zeitraum zwischen dem jeweiligen Erhebungszeitpunkt
und einem unmittelbar vorangehenden Erhebungszeitpunkt bzw. auf einen Zeitraum zwischen
dem Anwendungszeitpunkt und einem unmittelbar vorangehenden Anwendungszeitpunkt, ermittelt.
Mittels dieser Daten lässt sich eine Umgebungssituation eines Hörsystems besonders
umfassend charakterisieren.
[0040] Bevorzugt wird während eines Erhebungszeitpunktes mittels des wenigstens einen elektroakustischen
Eingangswandlers ein Mittschnitt eines Schallsignals der Umgebung erfolgt, und dem
Merkmalsvektor sowie dem entsprechenden Repräsentantenvektor für den Erhebungszeitpunkt
zugeordnet, wobei auf eine Benutzereingabe hin der Mittschnitt über wenigstens einen
Ausgangswandler des Hörsystems, insbesondere über einen Lautsprecher, wiedergegeben
wird. So kann der Benutzer zusätzlich erkennen, welches konkrete akustische Ereignis
- also welches Geräusch - einem Repräsentantenvektor zugrunde liegt, und dies für
die Definition der ersten Region heranziehen.
[0041] Günstigerweise werden anhand der akustischen Umgebungsdaten jeweils einzelne Vektorprojektionen
der Merkmalsvektoren der Erhebungszeitpunkte in einen akustischen Merkmalsraum gebildet,
wobei die Vektorprojektionen des akustischen Merkmalsraumes jeweils auf akustische
Repräsentantenvektoren in einem maximal dreidimensionalen, insbesondere zweidimensionalen
akustischen Darstellungsraum abgebildet werden, wobei im akustischen Darstellungsraum
eine zweite Region für die erste Umgebungssituation des Hörsystems definiert wird,
und wobei ein Vorliegen der ersten Umgebungssituation zusätzlich anhand der zweiten
Region des akustischen Darstellungsraumes, insbesondere durch einen Vergleich mit
einer Abbildung des Merkmalsvektors des Anwendungszeitpunktes in den akustischen Darstellungsraum,
erkannt wird.
[0042] Es mag sein, dass sich der Benutzer des Hörsystems in einer Umgebung aufhält, in
der ihn bestimmte kurze Geräusche stören, so dass er für diese Umgebung Signalverarbeitungseinstellungen
bevorzugt, die diese Geräusche dämpfen. Ein typisches Beispiel ist das Schlagen eines
Löffels an eine Kaffeetasse oder, vergleichbar, das schrille Klappern von Geschirr.
Es gibt hierfür unterschiedliche Möglichkeiten, etwa, die Verstärkung hoher Frequenzen
etwas zu reduzieren, die Dynamikkompression im hohen Frequenzbereich zu erhöhen oder
eine Signalverarbeitung zu aktivieren, die gezielt plötzlich auftretende Schallspitzen
abmildert.
[0043] Wenn nun der Benutzer exemplarisch einmal einen Repräsentantensvektor markiert, welcher
auf der plötzlich eintretenden Schallspitze des an die Kaffeetasse schlagenden Löffels
beruht, dann kann der Benutzer in einer visualisierten Darstellung die Markierung
des entsprechenden Repräsentantenvektors auffinden.
[0044] Dieser ist in jenem Bereich des Darstellungsraumes zu erwarten, in dem die Repräsentantenvektoren
einer Nutzungssituation ,zu Hause' liegen, nicht aber in Nutzungssituationen wie ,Büro'
oder ,im Auto'. Der Benutzer könnte nun für die Nutzungssituation ,zu Hause' eine
der genannten Änderungen festlegen, z.B. eine erhöhte Dynamikkompression im hohen
Frequenzbereich. Bevor er dies vornimmt, ist eine Überprüfung sinnvoll, ob es andere,
ähnliche Geräusche gibt, die sich auf Grund der geänderten Signalverarbeitungseinstellungen
ebenfalls anders anhören könnten.
[0045] Hierbei kann der Benutzer von einer Darstellung des entsprechenden akustischen Repräsentantenvektors,
welcher eine Projektion des entsprechenden akustischen Merkmalsvektors der akustischen
Merkmale darstellt, im akustischen Darstellungsraum profitieren, um so die erste Umgebungssituation
zusätzlich oder auch allein anhand der Darstellung der rein akustischen Umgebung im
akustischen Darstellungsraum den entsprechenden zweiten Bereich vornehmen zu können.
[0046] Bevorzugt können dazu der Darstellungsraum unter entsprechender Hervorhebung des
für das Schallereignis relevanten Repräsentantenvektors sowie der akustische Darstellungsraum
mit dem entsprechenden akustischen Repräsentantenvektor zeitgleich, z.B. nebeneinander,
visualisiert werden.
[0047] Diese Darstellung bietet für den Benutzer den Vorteil, dass in der Darstellung der
akustischen Repräsentantenvektoren Schallereignisse (also Geräusche) erkannt werden
können, die dem markierten Merkmal sehr ähnlich sind ("Türglocke") - eben furch eine
relative Nähe der entsprechenden akustischenRepräsentantenvektoren. Auch die "vollen"
Repräsentantenvektoren (welche zusätzlich auf nichtakustischen Daten beruhen) beider
Schallereignisse ("Löffel an Kaffeetasse" und "Türglocke") sind dabei mutmaßlich in
der gleichen Region des Darstellungsraumes zu finden sind und insbesondere derselben
Nutzungssituation zugeordnet ("zu Hause").
[0048] Wenn nun der Benutzer für den ersten zweiten Bereich des Darstellungsraumes bzw.
des akustischen Darstellungsraumes und somit für die so definierte erste Umgebungssituation
eine Einstellung der Signalverarbeitung vornimmt, wodurch spontan auftretende, hell
klingende Töne ("Kaffeetasse") z.B. gedämpft werden, dann kann er infolge des akustischen
Darstellungsraumes erkennen, dass ähnliche Geräusche ("Türglocke" oder auch "Rauchmelder")
ebenfalls gedämpft werden, wodurch er ggf. eine Abwägungsentscheidung treffen kann,
eine Dämpfung evtl. nicht vollständig durchzuführen, um derartige Geräusche nicht
zu überhören.
[0049] Als weiter vorteilhaft erweist es sich, wenn die erste Umgebungssituation zusätzlich
anhand einer ersten Nutzungssituation definiert wird, und für die erste Umgebungssituation
ein erster Wert der Einstellung für die Signalverarbeitung des Hörsystems vorgegeben
wird, und eine zweite Umgebungssituation anhand einer zweiten Nutzungssituation definiert
wird, und ein entsprechender zweiter Wert der besagten Einstellung vorgegeben wird,
wobei insbesondere die zweite Region, welche im akustischen Darstellungsraum der ersten
Umgebungssituation entspricht, mit der zweiten Region, welche im akustischen Darstellungsraum
der zweiten Umgebungssituation entspricht, zumindest teilweise überlappt, wobei ein
Vorliegen der ersten oder der zweiten Umgebungssituation anhand einem Vorliegen der
ersten bzw. zweiten Nutzungssituation erkannt wird, und daraufhin der erste bzw. zweite
Wert der Signalverarbeitung des Hörsystems entsprechend seiner Vorgabe für die erste
bzw. zweite Umgebungssituation eingestellt wird.
[0050] Dies bedeutet insbesondere, dass der Benutzer in die Lage versetzt wird, ähnliche
Geräusche zu identifizieren, welche aber in unterschiedlichen Umgebungen und insbesondere
unterschiedlichen Nutzungssituationen entstanden sind. Abhängig von der Nutzungssituation
kann der Benutzer des Hörsystems für bestimmte, ähnliche Geräusche unterschiedliche
Signalverarbeitungseinstellung bevorzugen.
[0051] Als Beispiel sei hier ein Jäger genannt, welcher das Rascheln einer Zeitung möglicherweise
als unangenehm laut empfindet, wogegen er auf der Jagd jedes Rascheln im Laub gerne
hören möchte. In der Trainingsphase wird das Rascheln der Zeitung als unangenehm markiert,
das Rascheln im Laub ist aber nicht markiert. Sofern die Geräusche zwar akustisch
sehr ähnlich sind, jedoch sonst unterscheidbar sind, kann der Benutzer unterschiedliche
Umgebungssituationen und somit unterschiedliche Einstellungen der Signalverarbeitung
definieren. Ein Wunsch nach unterschiedlicher Behandlung von verschiedenem "Rascheln"
kann z.B. bei den verschiedenen Nutzungssituationen "zu Hause" (z.B. Zeitung lesen)
bzw. "Arbeit/Büro" (Kollege blättert in Dokumenten) vs. "im Freien" (Entspannen im
Wald) entstehen.
[0052] Die Möglichkeit nach unterschiedlicher Behandlung wird dann insbesondere bereitgestellt,
in dem in der Trainingsphase aus allen Sensoren des Hörgerätes, d.h. anhand der aufgenommenen
Audiosignale (Mikrofone) und auch anderen Sensorsignalen Merkmalsvektoren ermittelt
werden, welche in den Darstellungsraum abgebildet werden; aus den aufgenommenen Audiosignalen
werden akustische Merkmalsvektoren ermittelt, welche in den akustischen Darstellungsraum
abgebildet werden.
[0053] Anhand eines markierten akustischen Repräsentantenvektors kann der Benutzer erkennen,
dass er eine geänderte Signalverarbeitung wünscht (z.B. ist "Zeitungsrascheln" markiert),
aber erhält über den akustischen Darstellungsraum, die Information, dass es noch sehr
ähnliche Geräusche (hier: Rascheln im Laub). Der markierte akustische Repräsentantenvektor
zum Geräusch "Zeitungsrascheln" kann dabei insbesondere eine erste Untergruppe der
akustischer Repräsentantenvektoren und somit einen ersten Bereich im akustischen Darstellungsraum
bilden, ein anderer akustischer Repräsentantenvektor zum Geräusch "Rascheln im Laub"
den zweiten Bereich.
[0054] Der Benutzer kann nun ein solches ähnliches Geräusch in der Visualisierung selektieren
und erhält daraufhin im ("vollen") Darstellungsraum den markierten Repräsentantenvektor
wie auch den entsprechenden, akustisch ähnlichen Repräsentantenvektor angezeigt und
kann anhand ihrer Positionen erkennen, ob sie dort in unterscheidbaren Regionen liegen.
Die eine Region repräsentiert dann die Situation ,zu Hause ', die andere z.B. ,im
Wald'. Wenn diese Unterscheidbarkeit über die akustische Ähnlichkeit hinaus gegeben
ist, dann wird gezielt die Signalverarbeitung für die eine Umgebungssituation (,zu
Hause'), aber nicht die der anderen Umgebungsituation (,im Wald') angepasst.
[0055] Vorzugsweise wird ein Hörsystem verwendet, welches eine Hörvorrichtung, insbesondere
ein Hörgerät und/oder ein Hörhilfegerät und/oder einen Kopfhörer sowie eine Recheneinheit
und insbesondere eine Visualisierungseinrichtung aufweist.
[0056] Bevorzugt wird dabei die Definition der ersten Region für die erste Umgebungssituation
in der Trainingsphase durch den ersten Benutzer eines Hörsystems erfolgt und in einem
Cloud-Server gespeichert, wobei für die Anwendungsphase die besagte Definition durch
den zweiten Benutzer eines für die Anwendung vergleichbaren, insbesondere hinsichtlich
der Hörvorrichtung baugleichen Hörsystems aus dem Cloud-Server in das Hörsystem heruntergeladen
wird. Hierdurch werden einzelner Umgebungssituationen, welche Benutzer treffen, für
andere Benutzer verwendbar.
[0057] Bevorzugt wird in der Anwendungsphase durch eine Benutzereingabe eine Korrektur an
der Definition der ersten Region und/oder an der Vorgabe für den wenigstens einen
Wert einer Einstellung der Signalverarbeitung des Hörsystems vorgenommen, wobei daraufhin
in der Anwendungsphase die korrigierte erste Region bzw. der korrigierte Wert der
Einstellung der Signalverarbeitung verwendet wird. Hierdurch kann der Benutzer einerseits
die für eine erste Umgebungssituation vorab getroffene Definition der wenigstens einen
Einstellung der Signalverarbeitung nachträglich anpassen, und andererseits auch die
Zuordnung z.B. eines Geräusches zu einer Umgebungssituation noch nachträglich vornehmen
bzw. eine solche Zuordnung auch nachträglich löschen.
[0058] Günstigerweise wird jeder der Merkmalsvektoren jeweils auf einen zugehörigen Repräsentantenvektor
in einem eindimensionalen Darstellungsraum abgebildet, wobei anhand einer räumlichen
Verteilung der Endpunkte einer Untergruppe von Repräsentantenvektoren ein erstes Intervall
im Darstellungsraum als erste Region für die erste Umgebungssituation des Hörsystems
definiert wird. Ein eindimensionaler Darstellungsraum kann insbesondere für eine vergleichsweise
niedrige Anzahl an Merkmalen (z.B. einem sechsdimensionalen Merkmalsraum) von Vorteil
sein.
[0059] Die Erfindung nennt weiter ein Hörsystem, umfassend eine Hörvorrichtung, insbesondere
ein Hörgerät, Hörhilfegerät oder einen Kopfhörer, und eine Hilfsvorrichtung mit einer
Rechnereinheit, insbesondere einer Prozessoreinheit eines Smartphones oder Tablets,
wobei das Hörsystem zur Durchführung des vorbeschriebenen Verfahrens eingerichtet
ist. Das erfindungsgemäße Hörsystem teilt die Vorzüge des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Die für das Verfahren und für seine Weiterbildungen angegebenen Vorteile können sinngemäß
auf das Hörsystem übertragen werden.
[0060] Bevorzugt umfasst das Hörsystem eine Visualisierungseinrichtung und/oder eine Eingabeeinrichtung
für eine Benutzereingabe. Insbesondere sind dabei die Visualisierungseinrichtung und
die Eingabeeinrichtung durch einen Touchscreen eines Smartphones oder Tablets implementiert,
welches mit der Hörvorrichtung zur Datenübertragung verbindbar ist.
[0061] Das Hörsystem umfasst in einer bevorzugten Ausgestaltung folgende Teile:
- Eine Hörvorrichtung, vorzugsweise gegeben durch ein Hörgerät, insbesondere eingerichtet
zur Aufnahme eines Audiosignals mittels wenigstens eines eingebauten Mikrofons, sowie
bevorzugt mit einem oder mehreren Sensoren wie z.B. einem Beschleunigungssensor und/oder
Gyroskop, welche "nicht-akustische" Umgebungsdaten aufnehmen. Die Hörvorrichtung ist
bevorzugt zur Erstellung des Merkmalsvektors aus den Umgebungsdaten und insbesondere
zur Erstellung eines akustischen Merkmalsvektors aus den akustischen Umgebungsdaten
eingerichtet.
- Eine Hilfsvorrichtung, welche die Visualisierungseinrichtung und die Eingabeeinrichtung
umfasst, und bevorzugt durch ein Smartphone oder ein Tablet gegeben ist. Insbesondere
umfasst die Hilfsvorrichtung weitere Sensoren zur Ermittlung von Umgebungsdaten (z.B.
Lokalisierungsdaten basierend auf GPS), wobei die Hilfsvorrichtung bevorzugt mittels
einer drahtlosen Verbindung zur Übertragung dieser Umgebungsdaten an die Hörvorrichtung
oder zum Empfang der Umgebungsdaten des Hörgerätes sowie zum Erstellen der genannten
Merkmalsvektoren eingerichtet ist.
[0062] Des Weiteren sind im Hörsystem bevorzugt einzelne modulare Funktionen bzw. Bestandteile
implementiert, welche die Durchführung des vorbeschriebenen Verfahrens ermöglichen.
Diese modularen Funktionen umfassen insbesondere
- Ein Software-Eingabemodul, welches ein User-Interface zur Verfügung stellt, an dem
der Benutzer konkrete Umgebungssituationen, aber auch Nutzungssituationen anlegen
und mit einer entsprechenden Markierung versehen kann ("zu Hause", "im Auto", "im
Büro", "in der Kantine", "Fernsehen", "Fahrrad fahren", "im Musikzimmer"), angeben
kann, dass er sich nun in einer der angelegten Nutzungssituationen befindet oder eine
solche verlässt, konkrete Ereignisse anlegen und mit einer Markierung versehen kann
("Zahnarztbohrer", "Sauger", "Zeitungsrascheln", "Musikinstrumente spielen"), sowie
angeben kann, ob ein angelegtes Ereignis soeben eintritt;
- ein Dimensionsreduktionsmodul, welches die in der Trainingsphase gesammelten Merkmalsvektoren
in den 2-dimensionalen (oder 3-dimentionalen oder auch eindimensionalen) Darstellungsraum
abbildet. Das Dimensionsreduktionsmodul kann dabei insbesondere in unterschiedlichen
Varianten implementiert werden, nämlich über eine Implementierung des t-SNE- Optimierungsverfahren,
als UMAP, PCA, oder als Kohonen-Netz, welches Eingangsseitig die hochdimensionalen
Merkmalsvektoren entgegennimmt und Ausgangsseitig 2-dimensionale (oder 3-dimensionale)
Repräsentantenvektoren ausgibt. Das Dimensionsreduktionsmodul kann auf der Hörvorrichtung,
auf einem Smartphone als Hilfsvorrichtung, oder auf einem zusätzlichen Rechner wie
einem PC/Laptop implementiert sein.
[0063] Wenn das Optimierungsverfahren t-SNE eingesetzt wird, ist es vorteilhaft, das Dimensionsreduktionsmodul
bevorzugt auf dem Smartphone als Hilfsvorrichtung oder auf einem PC/Laptop zu implementieren,
da dort leistungsfähige Prozessoren für die Berechnung bereitstehen. Das Kohonen-Netz
kann entweder als spezialisierte Hardware auf einer ASIC der Hörvorrichtung implementiert
sein, oder auf einem neuromorphen Chip der Hörvorrichtung, welcher als Kohonen-Netz
konfiguriert ist, aber auch für andre Aufgaben konfiguriert werden kann. Das Kohonen-netz
kann auch auf der Hilfsvorrichtung implementiert sein;
- ein Merkmalseditor zur Darstellung von Vektoren eines insbesondere 2-dimensionalen
Raumes als Punkte oder auch Pfeile in einer Fläche auf einem Display oder Bildschirm,
zur Hervorhebung von Punkten entsprechend einer Markierung des dargestellten Vektors,
z.B. durch eine entsprechende Einfärbung, zur Textdarstellung von Eigenschaften einzelner
Punkte, z.B. durch entsprechende Textfelder direkt neben einem Punkt, und zur Darstellung
von zwei insbesondere 2-dimensionalen Räumen nebeneinander (einem Darstellungsraum
und einem akustischen Darstellungsraum der entsprechenden Repräsentantenvektoren).
[0064] Eine Einfärbung von Punkten kann dabei Markierungen entsprechen, mit denen einzelne
Merkmalsvektoren versehen wurden. Wenn die Markierungen eine Nutzungssituation oder
eine Umgebungsituation angeben, spiegelt die Einfärbung dies entsprechend wider.
[0065] Sobald der Benutzer einen Punkt (Repräsentantenvektor) des akustischen Darstellungsraumes
selektiert, kann der korrespondierende Punkt des ("vollen" Darstellungsraumes optisch
hervorgehoben werden. Der Benutzer kann so erkennen, ob zwei einander ähnliche akustische
Ereignisse, z.B. Zeitungsrascheln und Rascheln im Laub, welche im akustischen Merkmalsraum
nahe beieinander liegen, durch die Dimensionsreduktion unter Einbeziehung von weiteren
Umgebungsmerkmalen voneinander unterscheidbaren Umgebungsituationen zugeordnet werden
können, z.B. ,zu Hause' oder ,im Wald', denn dann liegen die korrespondierenden Repräsentantenvektoren
des Darstellungsraumes in unterschiedlichen Regionen. Der Merkmalseditor kann insbesondere
auf der Hilfsvorrichtung implementiert sein.
- ein Abbildungsmodul, welches in der Anwendungsphase Merkmalsvektoren in den 2- bzw.
3-dimensionalen Darstellungsraum abbildet. Das Abbildungsmodul ist bevorzugt in der
Hörvorrichtung selbst implementiert, kann aber auch auf der Hilfsvorrichtung (bevorzugt
als Smartphone gegeben) implementiert sein, und das Resultat der besagten Abbildung
an die Hörvorrichtung übertragen. Sofern das Dimensionsreduktionsmodul ein t-SNE-Verfahren
einsetzt, wird ein Merkmalsvektor mit einer Näherungsfunktion in den Darstellungsraum
abgebildet, sofern die Dimensionsreduktion mittels eines Kohonen-Netzes arbeitet,
kann die Abbildung von eben demselben Kohonen-Netz vorgenommen werden.
[0066] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand einer Zeichnung näher
erläutert. Hierbei zeigt schematisch:
- Fig. 1
- in einem Blockdiagramm ein Verfahren zum Umgebungsabhängigen Betrieb eines Hörsystems
[0067] In Fig. 1 ist schematisch in einem Blockdiagramm ein Verfahren zum Umgebungsabhängigen
Betrieb eines Hörsystems 1 dargestellt, wobei das Hörsystem vorliegend gebildet wird
durch eine als Hörgerät 2 ausgestaltete Hörvorrichtung 3 sowie eine als Smartphone
4 ausgestaltete Hilfsvorrichtung 5. Die Hörvorrichtung 3 weist wenigstens einen elektro-akustischen
Eingangswandler 6 auf, welcher vorliegend als ein Mikrofon ausgestaltet ist und aus
einem Umgebungsschall ein Audiosignal 7 erzeugt. Des Weiteren weist die Hörvorrichtung
3 weitere Sensoren 8 auf, welche zusätzliche Sensorsignale 9 erzeugt. Die Sensoren
8 können dabei z.B. einen Beschleunigungssensor oder auch einen Temperatursensor umfassen.
[0068] In einer Trainingsphase 10 des Verfahrens werden nun für eine Mehrzahl an Erhebungszeitpunkten
T1, T2, T3 jeweils anhand des Audiosignals 7 und des Sensorsignals 9 Umgebungsdaten
ermittelt. Dies geschieht vorliegend, indem für das zunächst aus dem Audiosignal 7
laufend akustische Umgebungsdaten 12 erzeugt werden. Die akustischen Umgebungsdaten
12 umfassen hierbei: Eine 4-Hz-Modulation; einen Onset-Mean; eine Autokorrelationsfunktion;
einen Pegel für tiefe und mittlere Frequenzen eines Rauschhintergrundes sowie ein
Zentroid des Rauschhintergrundes; eine Stationarität; eine Windaktivität; einen Breitband-Maximalpegel;
eine eigene Stimmaktivität. Ebenso werden aus dem Sensorsignal 9 laufen bewegungsbezogene
Umgebungsdaten 14 erzeugt, welche hierbei die gemessenen instantanen Beschleunigungen
in den drei Raumrichtungen umfassen.
[0069] Weitere Arten von akustischen Umgebungsdaten 12 und/oder bewegungsbezogenen Umgebungsdaten
14 oder sonstigen, insbesondere ortsbezogenen und/oder biometrischen Umgebungsdaten
können allgemein als Umgebungsdaten 15 mit einbezogen werden, beispielsweise Magnetfeldsensoren,
sonstige Handy- und/oder Smartwatchsensoren, ein Gyroskop, eine Pulsmessung, eine
PPG-Messung (Photoplethysmogram), ein Elektrokardiogramm (EKG), eine Erkennung von
Stress über die Messung des Herzschlags und seiner Variation, ein Lichtsensor, ein
Barometer, ein Höraufwand bzw. eine Höraktivität (beispielsweise über eine "auditory
attention"mittels einer EEG-Messung), eine Messung von Augen- bzw. Kopfbewegungen
durch Muskelaktivität (EMG), Standort-Information über GPS, WLAN-Information, Geo-Fencing
oder Bluetooth-Beacons für den aktuellen Standort bzw. Bereich.
[0070] Für die akustischen Umgebungsdaten 12 (vorliegend zehn verschiedene Arten an Daten)
und die (vorliegend) drei bewegungsbezogenen Umgebungsdaten 14 erfolgt jeweils für
den Zeitraum zwischen zwei Erhebungszeitpunkten T1, T2, T3 eine Pufferung 16 (für
eine Erhebung zum Erhebungszeitpunkt T1 werden die genannten Signale ab einem Startzeitpunkt
T0 gepuffert). Anschließend werden zu jeder einzelnen Art der akustischen Umgebungsdaten
12 und der bewegungsbezogenen Umgebungsdaten 14 jeweils ein Mittelwert Mn, eine Varianz
Var und eine Mittelwert-Durchgangsrate MCR gebildet. Die genannten statistischen Größen
Mn, Var, MCR der einzelnen akustischen Umgebungsdaten 12 und der bewegungsbezogenen
Umgebungsdaten 14 über den gepufferten Zeitraum zwischen zwei Erhebungszeitpunkten
T1, T2, T3 hinweg bilden hierbei für den Erhebungszeitpunkt T1, T2, T3 am Ende des
Zeitraums der Pufferung jeweils Umgebungsmerkmale 16, und jeweils zu einem hochdimensionalen
Merkmalsvektor M1, M2, M3 in einem hochdimensionalen Merkmalsraum 18 abgebildet. Die
hohe Dimensionalität, z.B. 39D für jeweils drei statistische Merkmale aus zehn akustischen
und drei bewegungsbezogenen Umgebungsdaten, ist hier nur durch die Anzahl der Achsen
an den Diagrammen des Merkmalsraums 18 für die einzelnen Merkmalsvektoren M1, M2,
M3 angedeutet.
[0071] Jeder der Merkmalsvektoren M1, M2, M3 wird nun aus dem Merkmalsraum 18 auf einen
entsprechenden Repräsentantenvektor R1, R2, R3 in einem zweidimensionalen Darstellungsraum
20 abgebildet. Die Abbildung erfolgt hierbei bspw. mittels eines t-SNE-Optimierungsverfahrens
(t-Distributed Stochastic Neighbor Embedding).
[0072] Nachfolgend wird der Ablauf des Optimierungsverfahrens kurz beschrieben (siehe z.B.
"Visualizing Data using t-SNE", 2008, Laurens van der Maaten and Geoffrey Hinton).
[0073] Ein sog. Perplexity-Paramater definiert eine Anzahl der effektiven Nachbarn der Merkmalsvektoren,
d.h., der Perplexity-Parameter bestimmt, wieviele Nachbarn einen Einfluss auf eine
endgültige Lage des entsprechenden Repräsentantenvektors im zweidimensionalen Darstellungsraum
20 haben (dieser Parameter kann vorliegend z.B. auf einen Wert von 50 oder in der
Größenordnung von 1/100 der Anzahl an Merkmalsvektoren gesetzt werden). Danach werden
für alle Paare von hochdimensionalen Merkmalsvektoren einmalig Wahrscheinlichkeitsmaße
dafür berechnet, dass zwei betreffende Merkmalsvektoren als nächste Nachbarn im hochdimensionalen
Merkmalsraum zu identifizieren sind. Dies bildet eine Ausgangssituation ab.
[0074] Für den zweidimensionalen Darstellungsraum werden als Startwert zufällige, Gauß-verteilte
Zufallszahlen Y angenommen. Danach werden in einzelnen Iterationen die aktuellen Ähnlichkeitsbeziehungen
in Y berechnet. Zur Optimierung der Abbildung der Ähnlichkeitsbeziehungen wird nun
eine Ähnlichkeit zwischen dem Merkmalsraum und dem Darstellungsraum anhand einer Kullback-Leibler-Divergenz
festgestellt. Mit Hilfe eines Gradienten der besagten Divergenz werden die Repräsentantenvektoren
(bzw. ihre Endpunkte) im Darstellungsraum über T Iterationen hinweg verschoben.
[0075] Eine mögliche Darstellung des Algorithmus lautet:
- Merkmalsraum der hochdimensionalen Merkmalsvektoren X = {x1; x2; ... ; xn}, mit n als der Anzahl aller vorliegenden Merkmalsvektoren (vorliegend z.B. n = 4016)
- Kostenfunktionsparameter: "perplexity" Perp: bestimmt die Anzahl der effektiven Nachbarn, mittels Wahl der
Varianz σi für jeden Punkt durch eine binäre Suche (starker Einfluss auf Y)
- Optimierungsparameter: Festlegung einer Anzahl an Iterationen t von T (z.B. 500), einer Lernrate h (z.B.
1000), und eines Momentums a(t) (z.B. 0.5 für t < 250, sonst a(t) = 0.8)
- Ergebnis: zweidimensionaler Darstellungsraum Y = {y1; y2; ... ; yn},
- Start des Verfahrens:
- Berechnung des Wahrscheinlichkeitsmaßes für alle Merkmalsvektoren-Paare pij im hochdimensionalen Raum:

- Setze

- "Zufälliges Ziehen" von n zweidimensional Gauß-verteilten Zufallszahlen zur Initialisierung
von Y
- Optimierung des r Abbildung in den Darstellungsraum:
∘ Zählschleife der Optimierung für t=1 bis T:
▪ Berechne das aktuelle Wahrscheinlichkeitsmaß im zweidimensionalen Raum:

▪ Messe die Ähnlichkeit zwischen X und Y (Kullback-Leibler-Divergenz)

▪ Berechne den Gradienten:

▪ Verschiebe die zweidimensionalen Repräsentantenvektoren:

o Ende der Optimierung
- Ende des Verfahrens
[0076] Auf das vorliegende Verfahren bezogen werden durch die oben beschriebene Abbildungsvorschrift
somit Repräsentantenvektoren R1, R2, R3 im zweidimensionalen Darstellungsraum 20 aus
den Merkmalsvektoren M1, M2, M3 des Merkmalsraumes 18 erzeugt.
[0077] Ein Benutzer des Hörsystems 1 kann sich den Darstellungsraum 20 nun auf seiner Hilfsvorrichtung
5 (auf dem Bildschirm 21 des Smartphones 4) darstellen lassen, und z.B. einen zusammenhängenden
Bereich 22 als erste Region 24 definieren, welche einer konkreten ersten Umgebungssituation
25 in seiner Anwendung des Hörsystems 1 entspricht. Der besagten ersten Region 24
kann der Benutzer nun eine konkrete Einstellung 26 einer Signalverarbeitung des Audiosignals
7 in der Hörvorrichtung 3 zuordnen, beispielsweise frequenzbandweise Verstärkungs-
und/oder Kompressionswerte und -parameter, oder Steuerparameter einer Rauschunterdrückung
o.ä. Mit der Zuordnung der Einstellung 26 der Signalverarbeitung zur ersten Region
24 (und somit zur vorliegenden ersten Umgebungssituation 25, wie sie durch die Werte
der Umgebungsdaten 15 in den einzelnen Merkmalsvektoren M1, M2, M3 charakterisiert
ist), kann die Trainingsphase 10 für eine bestimmte Umgebungssituation as abgeschlossen
betrachtet werden. Bevorzugt erfolgen dabei mehrere Trainingsphasen 10 für verschiedene
Umgebungssituationen.
[0078] In einer Anwendungsphase 30 werden nun aus dem Audiosignal 7 der Hörvorrichtung 3
und aus dem Sensorsignal 9 zu einem Anwendungszeitpunkt T4 dieselben Umgebungsdaten
15 erhoben, wie in der Trainingsphase, und hieraus auf dieselbe Weise anhand der zum
Anwendungszeitpunkt T4 ermittelten Werte auf entsprechende Weise ein Merkmalsvektor
M4 im hochdimensionalen Merkmalsraum 18 gebildet. Hierbei können die Werte beispielsweise
aus dem Mittelwert Mn, der Varianz Var und der Mittelwert-Durchgangsrate MCR der über
einen kurzen Zeitraum (z.B. 60 Sekunden o.ä.) vor dem Anwendungszeitpunkt T4 erhobenen
akustischen und bewegungsbezogenen Daten 12, 14 gebildet werden.
[0079] Der Merkmalsvektor M4 für den Anwendungszeitpunkt T4 wird nun auf einen Repräsentantenvektor
R4 im Darstellungsraum 20 abgebildet.
[0080] Da das in der Trainingsphase 10 des vorliegenden Beispiels verwendete t-SNE-Verfahren
zur Abbildung der Merkmalsvektoren M1, M2, M3 des Merkmalsraums 18 auf die Repräsentanten-vektoren
R1, R2, R3 im Darstellungsraum 20 ein Optimierungsverfahren ist, welches das Wissen
für alle verwendeten Merkmalsvektoren benötigt, erfolgt eine entsprechende Abbildung
in der Anwendungsphase 30 mittels einer Näherungsabbildung (z.B. einer sog. "out-of-sample
extension", OOS-Kernel). Dies kann über eine Regression erfolgen, mittels derer eine
Abbildung anhand einer Vielzahl an Merkmalsvektoren des Merkmalsraumes 18 (z.B. 80%
der Merkmalsvektoren) auf entsprechende Repräsentantenvektoren des Darstellungsraumes
20 "gelernt" wird, und verbleibende Merkmalsvektoren (also dann z.B. 20%) dazu verwendet
werden, die Qualität der resultierenden Abbildung zu "testen". Mit der Abbildung der
"Lernvektoren", also der zum Lernen der Abbildung verwendeten Merkmalsvektoren auf
entsprechende Repräsentantenvektoren, kann dann eine Kernelfunktion bestimmt werden,
welche lokale Abstandsbeziehungen zwischen den besagten Merkmals- und Represäntantenvektoren
in ihren jeweiligen Räumen (Merkmals- bzw. Darstellungsraum) erhält. Damit kann ein
neuer, unbekannter Merkmalsvektor vom Merkmalsraum 18 auf einen zugehörigen Repräsentantenvektor
im Darstellungsraum 20 abgebildet werden, indem man die lokalen Abstandsbeziehungen
zwischen den bekannten "Lernvektoren" erhält.
[0081] Eine detaillierte Erklärung hierzu findet sich z.B. in "
Out-of-Sample Kernel and Extensions for Nonparametric Dimensionality Reduction", Andrej
Gisbrecht, Wouter Lueks, Bassam Mokbel und Barbara Hammer, ESANN 2012 proceedings,
European Symposium on Artificial Neural Networks, Computational Intelligence and Machine
Learning, Brügge (Belgien), 25.-27. April 2012, sowie in "Parametric nonlinear dimensionality reduction using kernel t-SNE",
Andrej Gisbrecht, Alexander Schulz und Barbara Hammer, Neurocomputing, Vol. 147, 71
- 82, Januar 2015.
[0082] Liegt nun der für den Anwendungszeitpunkt T4 wie beschrieben bestimmte Repräsentantenvektor
R4 in der ersten Region 24, so wird erkannt, dass für das Hörsystem 1 die erste Umgebungssituation
25 vorliegt, und entsprechend die Hörvorrichtung 3 mit den Einstellungen 26 für die
Signalverarbeitung des Audiosignals 26 betrieben, und die vorab definierten Verstärkungs-
und/oder Kompressionswerte und -parameter, oder Steuerparameter einer Rauschunterdrückung
auf das Audiosignal 7 angewandt.
[0083] Obwohl die Erfindung im Detail durch das bevorzugte Ausführungsbeispiel näher illustriert
und beschrieben wurde, ist die Erfindung nicht durch dieses Ausführungsbeispiel eingeschränkt.
Andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden, ohne den Schutzumfang
der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0084]
- 1
- Hörsystem
- 2
- Hörgerät
- 3
- Hörvorrichtung
- 4
- Smartphone
- 5
- Hilfsvorrichtung
- 6
- Eingangswandler
- 7
- Audiosignal
- 8
- Sensor
- 9
- Sensorsignal
- 10
- Trainingsphase
- 12
- akustische Umgebungsdaten
- 14
- bewegungsbezogene Umgebungsdaten
- 16
- Pufferung
- 18
- Merkmalsraum
- 20
- Darstellungsraum
- 21
- Bildschirm
- 22
- Bereich
- 24
- erste Region
- 25
- erste Umgebungssituation
- 26
- Einstellung (einer Signalverarbeitung)
- 30
- Anwendungsphase
- M1, M2, M3
- Merkmalsvektor (in der Trainingsphase)
- M4
- Merkmalsvektor (in der Anwendungsphase)
- MCR
- Mittelwert-Durchgangsrate
- Mn
- Mittelwert
- R1, R2, R3
- Repräsentantenvektor (in der Trainingsphase)
- R4
- Repräsentantenvektor (in der Anwendungsphase)
- T0
- Startzeitpunkt
- T1, T2, T3
- Erhebungszeitpunkt
- T4
- Anwendungszeitpunkt
- Var
- Varianz
1. Verfahren zum umgebungsabhängigen Betrieb eines Hörsystems (1), wobei in einer Trainingsphase
(10)
- zu einer Mehrzahl an Erhebungszeitpunkten (T1, T2, T3) jeweils Werte für eine erste
Mehrzahl an Umgebungsdaten (15) eines ersten Benutzers des Hörsystems (1) ermittelt
wird, und anhand der Werte der Umgebungsdaten (15) für jeden der Erhebungszeitpunkte
(T1, T2, T3) jeweils ein Merkmalsvektor (M1, M2, M3) in einem wenigstes vierdimensionalen,
insbesondere mindestens sechsdimensionalen Merkmalsraum (18) gebildet wird,
- jeder der Merkmalsvektoren (M1, M2, M3) jeweils auf einen zugehörigen Repräsentantenvektor
(R1, R2, R3) in einem maximal dreidimensionalen, insbesondere zweidimensionalen Darstellungsraum
(20) abgebildet wird, und
- anhand einer räumlichen Verteilung einer Untergruppe von Repräsentantenvektoren
(R1, R2, R3) eine erste Region (24) im Darstellungsraum (20) für eine erste Umgebungssituation
(25) des Hörsystems (1) definiert wird,
wobei für die erste Umgebungssituation (25) wenigstens ein Wert einer Einstellung
(26) für eine Signalverarbeitung des Hörsystems (1) vorgegeben wird, und
wobei in einer Anwendungsphase (30)
- zu einem Anwendungszeitpunkt (T4) Werte für die erste Mehrzahl an Umgebungsdaten
(15) des ersten Benutzers oder eines zweiten Benutzers des Hörsystems (1) ermittelt
werden und anhand der Werte der Umgebungsdaten (15) ein entsprechender Merkmalsvektor
(M4) für den Anwendungszeitpunkt (T4) gebildet wird,
- anhand der ersten Region (24) des Darstellungsraumes (20) und anhand des Merkmalsvektors
(T4) für den Anwendungszeitpunkt (T4) ein Vorliegen der ersten Umgebungssituation
(25) erkannt wird, und der wenigstens eine Wert der Signalverarbeitung des Hörsystems
(1) entsprechend seiner Vorgabe für die erste Umgebungssituation (25), insbesondere
automatsch, eingestellt wird, und
- das Hörsystem (1) mit dem so eingestellten wenigstens einen Wert betrieben wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
wobei in der Trainingsphase (10) durch eine Benutzereingabe jeweils eine Information
zu einer aktuellen Nutzungssituation des Hörsystems (1), insbesondere in Abhängigkeit
einer abgegrenzten Situation einer Tagesroutine des ersten Benutzers des Hörsystems
(1) hinterlegt wird, und
wobei die jeweilige Information zur Nutzungssituation mit den Merkmalsvektoren (T1,
T2, T3) und/oder den zugehörigen Repräsentantenvektoren (R1, R2, R3) verknüpft wird,
welche anhand der während einer bestimmten Nutzersituation erhobenen Werte der Umgebungsdaten
(15) gebildet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder Anspruch 2,
wobei wenigstens ein Teilbereich des Darstellungsraums (20), insbesondere mittels
eines Bildschirms (21), visualisiert wird, und dabei wenigstens eine Teilmenge der
Repräsentantenvektoren (R1, R2, R3) angezeigt wird, und
wobei die erste Region (24) im Darstellungsraum (20) anhand einer Benutzereingabe,
insbesondere hinsichtlich einer Gruppierung von visualisierten Repräsentantenvektoren
(R1, R2, R3), definiert wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei zumindest in der Trainingsphase (10) die Abbildung der Merkmalsvektoren (M1,
M2, M3) auf die jeweils zugehörigen Repräsentantenvektoren (R1, R2, R3) derart erfolgt,
dass Abstandsrelationen von jeweils wenigstens drei Merkmalsvektoren (M1, M2, M3)
im Merkmalsraum (18) infolge der Abbildung wenigstens näherungsweise für Abstandsrelationen
der zugehörigen drei Repräsentantenvektoren (R1, R2, R3) im Darstellungsraum (20)
erhalten bleiben.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei in der Anwendungsphase (30) ein Vorliegen der ersten Umgebungssituation erkannt
(25) wird, indem der Merkmalsvektor (M4) für den Anwendungszeitpunkt (T4), in den
Darstellungsraum (20) abgebildet wird, und eine Position des hierdurch gebildeten
Repräsentantenvektors (R4) relativ zur ersten Region (24) bewertet wird, und insbesondere
der Repräsentantenvektor (R4) als innerhalb der ersten Region (24) liegend erkannt
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
wobei in der Anwendungsphase (30) ein Vorliegen der ersten Umgebungssituation (25)
anhand des Merkmalsvektors (M4) für den Anwendungszeitpunkt (T4) und anhand wenigstens
einiger der Merkmalsvektoren (M1, M2, M3) im Merkmalsraum (18), welche im Darstellungsraum
(20) auf die Repräsentantenvektoren (R1, R2, R3) der ersten Region (24) abgebildet
werden, erkannt wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei in der Anwendungsphase (30) zu einer Mehrzahl an aufeinanderfolgenden Anwendungszeitpunkten
(T4) jeweils Werte für die erste Mehrzahl an Umgebungsdaten (15) ermittelt werden
und anhand der Werte der Umgebungsdaten (15) jeweils entsprechende Merkmalsvektoren
(M4) für die aufeinanderfolgenden Anwendungszeitpunkte (T4) gebildet werden, und
wobei ein Vorliegen der ersten Umgebungssituation (25) anhand der ersten Region (24)
und anhand der besagten Merkmalsvektoren (M4) für die aufeinanderfolgenden Anwendungszeitpunkte
(T4), insbesondere anhand eines Polygonzugs aus den besagten Merkmalsvektoren (M4)
oder eines Polygonzugs aus den Repräsentantenvektoren (R4), welche im Darstellungsraum
(20) den besagten Merkmalsvektoren (M4) entsprechen, erkannt wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei für die erste Mehrzahl an Umgebungsdaten (15) akustische Umgebungsdaten (12)
anhand eines Signals (7) wenigstens eines elektroakustischen Eingangswandlers, und/oder
bewegungsbezogene Umgebungsdaten (14) anhand wenigstens eines Signals eines Beschleunigungssensors
(8) und/oder eines Gyroskops und/oder ortsbezogene Umgebungsdaten anhand wenigstens
eines Signals eines GPS-Sensors und/oder einer WLAN-Verbindung und/oder biometrische
Umgebungsdaten anhand eines EKG-Sensors und/oder eines EEG-Sensors und/oder eines
PPG-Sensors und/oder eines EMG-Sensors ermittelt werden.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
wobei für die akustischen Umgebungsdaten (12) das Signal (7) des wenigstens einen
elektroakustischen Eingangswandlers
- hinsichtlich einer Sprachaktivität des ersten bzw. zweiten Benutzers des Hörsystems
(1) und/oder
- hinsichtlich eines Auftretens von Wind am elektroakustischen Eingangswandler und/oder
- hinsichtlich eines spektralen Schwerpunkts eines Rauschhintergrundes und/oder
- hinsichtlich eines Rauschhintergrundes in wenigstens einem Frequenzband und/oder
- hinsichtlich einer Stationarität eines Schallsignals der Umgebung und/oder
- hinsichtlich einer Autokorrelationsfunktion und/oder
- hinsichtlich einer Modulationstiefe bei einer gegebenen Modulationsfrequenz, welche
maximal 10 Hz beträgt, und/oder
- hinsichtlich eines Einsetzens einer Sprachaktivität
analysiert wird.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder Anspruch 9,
wobei als Werte der Umgebungsdaten (15) für einen Erhebungszeitpunkt (T1, T2, T3)
und/oder den Anwendungszeitpunkt (T4) jeweils ein Mittelwert (Mn) und/oder eine Varianz
(Var) und/oder eine Mittelwert-Durchgangsrate (MCR) und/oder ein Wertebereich und/oder
ein Median der jeweiligen Umgebungsdaten, insbesondere bezogen auf einen Zeitraum
zwischen dem jeweiligen Erhebungszeitpunkt (T2, T3) und einem unmittelbar vorangehenden
Erhebungszeitpunkt (T1, T2) bzw. auf einen Zeitraum zwischen dem Anwendungszeitpunkt
(T4) und einem unmittelbar vorangehenden Anwendungszeitpunkt, ermittelt werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 10,
wobei anhand der akustischen Umgebungsdaten (12) jeweils einzelne Vektorprojektionen
der Merkmalsvektoren (M1, M2, M3) der Erhebungszeitpunkte (T1, T2, T3) in einen akustischen
Merkmalsraum gebildet werden,
wobei die Vektorprojektionen des akustischen Merkmalsraumes jeweils auf akustische
Repräsentantenvektoren in einem maximal dreidimensionalen, insbesondere zweidimensionalen
akustischen Darstellungsraum abgebildet werden,
wobei im akustischen Darstellungsraum eine zweite Region für die erste Umgebungssituation
(25) des Hörsystems (1) definiert wird, und
wobei ein Vorliegen der ersten Umgebungssituation (25) zusätzlich anhand der zweiten
Region des akustischen Darstellungsraumes, insbesondere durch einen Vergleich mit
einer Abbildung des Merkmalsvektors (M4) des Anwendungszeitpunktes (T4) in den akustischen
Darstellungsraum, erkannt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 11 in Verbindung mit Anspruch 2,
wobei die erste Umgebungssituation (25) zusätzlich anhand einer ersten Nutzungssituation
definiert wird, und für die erste Umgebungssituation (25) ein erster Wert der Einstellung
(26) für die Signalverarbeitung des Hörsystems (1) vorgegeben wird,
wobei eine zweite Umgebungssituation anhand einer zweiten Nutzungssituation definiert
wird, und ein entsprechender zweiter Wert der besagten Einstellung (26) vorgegeben
wird,
wobei ein Vorliegen der ersten oder der zweiten Umgebungssituation anhand einem Vorliegen
der ersten bzw. zweiten Nutzungssituation erkannt wird, und daraufhin der erste bzw.
zweite Wert der Signalverarbeitung des Hörsystems (1) entsprechend seiner Vorgabe
für die erste bzw. zweite Umgebungssituation eingestellt wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei die Definition der ersten Region (24) für die erste Umgebungssituation (25)
in der Trainingsphase (10) durch den ersten Benutzer eines Hörsystems (1) mit einer
Hörvorrichtung (3) erfolgt und in einem Cloud-Server gespeichert wird, und wobei für
die Anwendungsphase (30) die besagte Definition durch den zweiten Benutzer eines für
die Anwendung vergleichbaren Hörsystems (1) aus dem Cloud-Server in das Hörsystem
(1) heruntergeladen wird.
14. Hörsystem (1), umfassend eine Hörvorrichtung (3), insbesondere ein Hörgerät (2), Hörhilfegerät
oder einen Kopfhörer, und eine Hilfsvorrichtung (5) mit einer Rechnereinheit, insbesondere
einer Prozessoreinheit eines Smartphones (4) oder Tablets, wobei das Hörsystem (1)
zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche eingerichtet
ist.