[0001] Die Erfindung betrifft ein Kunststoff-Betriebsmittel für die Fahrzeugherstellung
in einer Fertigungsstraße, mit einem Anschlagteil, welches einen Befestigungsabschnitt
zum reversibel lösbaren Befestigen an einem beweglichen Fahrzeugteil aufweist und
dazu eingerichtet ist, das bewegliche Fahrzeugteil relativ zur Rohkarosse, an der
das bewegliche Fahrzeugteil angeordnet ist, in Stellung zu halten. Ferner bezieht
sich die Erfindung auch auf ein Verfahren zum Herstellen eines Kraftfahrzeuges in
einer Fertigungsstraße unter Verwendung eines oder mehrerer Kunststoff-Betriebsmittel
zum Halten eines beweglichen Fahrzeuges relativ zur Rohkarosse.
[0002] Bei der Fertigung eines Fahrzeuges entlang einer Fertigungsstraße durchläuft die
Rohkarosse nach und nach verschiedene Fertigungsschritte, wie beispielsweise eine
Lackierprozess oder die Herstellung einer Vielzahl von Fahrzeugteilen an der Rohkarosse.
Mithilfe der bekannten Kunststoff-Betriebsmittel werden bewegliche Fahrzeugteile,
wie beispielsweise die Fahrzeugtür oder die Motorraum- oder Kofferraumhaube, die beweglich
an der Rohkarosse angelenkt sind, in einer Stellung zur Rohkarosse gehalten, in dieser
der unmittelbare Kontakt der Oberflächen von Rohkarosse und Fahrzeugteil vermieden
wird.
[0003] Die bekannten Kunststoff-Betriebsmittel dienen somit als eine Art Abstandhalter,
zumindest solange die Schlossteile der Tür- und Haubenschlösser noch nicht montiert
sind. Die bekannten Kunststoff-Betriebsmittel weisen ein Anschlagteil auf, welches
einen Befestigungsabschnitt zum reversibel lösbaren Befestigen an einem beweglichen
Fahrzeugteil der Rohkarosse oder der Rohkarosse selbst aufweist. Das Anschlagteil
hält zudem das bewegliche Fahrzeugteil in einer bestimmten Stellung relativ zur Rohkarosse,
an der das bewegliche Fahrzeugteil angeordnet ist. Während der Herstellung in der
Fertigungsstraße müssen das oder die beweglichen Fahrzeugteile relativ zur Rohkarosse
in unterschiedlichen Stellungen positioniert werden. Darüber hinaus können die Kunststoff-Betriebsmittel
ebenfalls verwendet werden, um zwischen dem beweglichen Fahrzeugteil und der Rohkarosse
eine Haltekraft zu erzeugen. Die erzeugte Haltekraft kann durch Aufbringen einer bestimmten
Ausrückkraft überwunden werden, wodurch sich die beweglichen Fahrzeugteile zur Rohkarosse
bewegen lassen.
[0004] In einigen Anwendungsfällen wird die Haltekraft zwischen dem beweglichen Fahrzeugteil
und der Rohkarosse derart groß gewählt, dass einem ungewollten Bewegen des Fahrzeugteiles
relativ zur Rohkarosse entgegengewirkt wird. Insbesondere kann mittels der Kunststoff-Betriebsmittel
das oder die Fahrzeugteile relativ zur Rohkarosse fixiert werden, was beispielsweise
beim Durchlaufen der kathodischen Tauch-Lackierung notwendig ist. Während des Lackierprozesse
wird die Rohkarosse häufig um ihre Längsachse gedreht, wobei dann eine Bewegung. der
Fahrzeugteile zur Rohkarosse vermieden werden soll.
[0005] Im Stand der Technik sind Stahl-Betriebsmittel bekannt, die zwischen den beweglichen
Fahrzeugteilen und der Rohkarosse montiert werden können. Diese Stahl-Betriebsmittel
sind jedoch bei gesamtökonomischer Betrachtung ungünstig. Zum einen muss bislang für
jede Karossenform ein dediziertes Betriebsmittel eigens konstruiert werden, zum anderen
ist bei Verwendung von Stahl-Betriebsmitteln deren Wiederverwendung notwendig, weil
eine Einmalnutzung aufgrund der Materialaufwendungen kostentechnisch nicht abzubilden
wäre. Hierzu müssen die Stahl-Betriebsmittel jedoch nach ihrer jeweiligen Verwendung
wiederaufbereitet werden, beispielsweise entlackt/gereinigt werden. Dazu ist neben
weiteren Materialaufwendungen auch zusätzliches Personal notwendig.
[0006] Vor dem Hintergrund der Nachteile von Stahl-Betriebsmitteln haben sich daher zunehmend
Kunststoff-Betriebsmittel durchgesetzt, die nach einmaliger Verwendung entsorgt werden
können, und um welche es erfindungsgemäß geht. Bei diesen Kunststoff-Betriebsmitteln
wird jedoch für jede Stellung, die das bewegliche Fahrzeugteil zur Rohkarosse einnimmt
beziehungsweise für jede bestimmte zu überwindende Haltekraft jeweils ein separates
Kunststoff-Betriebsmittel verwendet. Somit sind beim Durchlaufen der Fertigungsstraße
an den Rohkarossen jeweils die für entsprechende Fertigungsschritte benötigten Kunststoff-Betriebsmittel
mehrfach auszutauschen. Das bedeutet zum einen einen hohen Entwicklungsaufwand, da
für jeden Fertigungsschritt entlang der Fertigungsstraße das passende Kunststoff-Betriebsmittel
herzustellen ist. Zum anderen ist das Wechseln der Kunststoff-Betriebsmittel an den
entsprechenden Kunststoff-Betriebsmittel-Wechselstellen stets mit einem entsprechend
zeitlichen und logistischen Aufwand verbunden.
[0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Kunststoff-Betriebsmittel für
die Fahrzeugherstellung in einer Fertigungsstraße beziehungsweise ein Verfahren zum
Herstellen eines Kraftfahrzeuges in einer Fertigungsstraße aufzuzeigen, mit denen
die Fahrzeugherstellung bei gleichzeitig verringertem Arbeits- und Kostenaufwand auf
vereinfachte Weise möglich ist.
[0008] Die Erfindung löst die ihr zugrundeliegende Aufgabe bei einem Kunststoff-Betriebsmittel
der vorbezeichneten Gattung mit den Merkmalen des Gegenstands von Anspruch 1. Insbesondere
weist das Kunststoff-Betriebsmittel erfindungsgemäß ein in verschiedenen Positionen
zum Anschlagteil arretierbares Anschlagteil auf, wobei jede Position des Einstellteiles
relativ zum Anschlagteil (i) eine bestimmte Stellung des beweglichen Fahrzeugteils
relativ zur Rohkarosse und/oder (ii) eine bestimmte Haltekraft des beweglichen Fahrzeugteils
in seiner Stellung zur Rohkarosse definiert.
[0009] Die vorliegende Erfindung verfolgt hierbei den Ansatz, dass bei der Fahrzeugherstellung
entlang einer Fertigungsstraße statt einer Vielzahl verschiedener Kunststoff-Betriebsmittel
nunmehr ein einziges Kunststoff-Betriebsmittel verwendet wird. Das relativ zum Anschlagteil
verstellbare Einstellteil kann dabei so angepasst werden, dass das bewegliche Fahrzeugteil
mittels des Einstellteiles in verschiedenen Stellungen relativ zur Rohkarosse gehalten
werden kann. Alternativ oder optional ist mithilfe des Einstellteils bewirkt, dass
das bewegliche Fahrzeugteil mit unterschiedlich großen Haltekräften in zumindest einer
Stellung zur Rohkarosse gehalten wird. Erfindungsgemäß wird unter verschiedenen Stellungen
des beweglichen Fahrzeugteiles zur Rohkarosse verstanden, dass das bewegliche Fahrzeugteil
mittels des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels in verschiedenen Winkelstellungen
zur Rohkarosse gehalten wird. Unter verschiedenen zwischen dem beweglichen Fahrzeugteil
und der Rohkarosse wirkenden Haltekräften wird verstanden, dass zum Bewegen des beweglichen
Fahrzeugteils aus einer oder mehreren Winkelstellungen relativ zur Rohkarosse unterschiedlich
große Ausrückkräfte nötig sind. Vorliegend ist unter einem beweglichen Fahrzeugteil
unter anderem eine Fahrzeugtür, eine Motorraumhaube oder auch eine Kofferraumhaube
zu verstehen.
[0010] Der Befestigungsabschnitt am erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittel ist in einer
Ausführungsform zum reversibel lösbaren Befestigen am beweglichen Fahrzeugteil eingerichtet.
Wird das bewegliche Fahrzeugteil relativ zur Rohkarosse bewegt, bewegt sich demnach
auch das Kunststoff-Betriebsmittel zusammen mit dem Fahrzeugteil. In einer anderen
Ausführungsform der Erfindung ist der Befestigungsabschnitt zum reversibel lösbaren
Befestigen an der Rohkarosse eingerichtet. Damit ist das Kunststoff-Betriebsmittel
in dieser Ausgestaltung fest an der Rohkarosse montiert. Beim Bewegen des Fahrzeugteiles
wird dieses dann zur Rohkarosse und dem daran befestigten Kunststoff-Betriebsmittel
bewegt.
[0011] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels
ist am Anschlagteil ein Führungsabschnitt für das Einstellteil angeordnet, an dem
das Einstellteil mittels mehrerer in Abständen zueinander ausgebildeter Verrastungen
in den verschiedenen Arretierpositionen zum Anschlagteil fixierbar ist. Mit Hilfe
des Führungsabschnittes am Anschlagteil wird das Einstellteil zum Anschlagteil entlang
einer vorgegebenen Bewegungsbahn geführt. Der Führungsabschnitt ist bevorzugt als
Schiebeführung für das Einstellteil ausgebildet. Das Einstellteil selbst führt in
dem Führungsabschnitt bevorzugt eine Translationsbewegung aus. Zudem sind am Führungsabschnitt
mehrere in Abständen zueinander angeordnete Verrastungen vorgesehen, in denen das
Einstellteil jeweils fest fixiert werden kann. Die Verrastungen am Führungsabschnitt
des Anschlagteils sind derart ausgebildet, dass sich das Einstellteil nicht aus einer
voreingestellten Arretierposition heraus bewegt.
[0012] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das Einstellteil zum Führungsabschnitt
am Anschlagteil alternativ oder zusätzlich mittels einem separaten Fixierelement befestigt.
Als Fixierelement kann beispielsweise ein Sicherungsstift dienen, der mit Materialbereichen
des Einstellteils und des Führungsabschnitts zusammenwirkt.
[0013] Vorzugsweise weist der Führungsabschnitt ein oder mehrere Führungsflächen auf, welche
parallel zu einem Anschlagbereich am Anschlagteil verlaufen. Damit ist bewirkt, dass
mit dem Verstellen des Einstellteils innerhalb des Führungsabschnittes das Einstellteil
in Richtung der oder weg von dem Anschlagbereich am Anschlagteil bewegt werden kann.
Mit dem Bewegen des Einstellteiles in Richtung des Anschlagbereiches wird das Einstellteil
in den Wirkbereich einer Anschlagfläche am Anschlagteil bewegt, um beispielsweise
eine bestimmte Stellung des beweglichen Fahrzeugteiles relativ zur Rohkarosse und/oder
eine bestimmte Haltekraft des beweglichen Fahrzeugteiles in seiner Stellung zur Rohkarosse
zu erzeugen.
[0014] Bevorzugt weist der Führungsabschnitt eine geschlossene rechteckige Kontur mit vier
Führungsflächen auf. Jeweils benachbart zueinander angeordnete Führungsflächen verlaufen
vorzugsweise senkrecht zueinander. In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung
weist der Führungsabschnitt die Form beziehungsweise Kontur eines Rechteckprofils
auf.
[0015] In einer bevorzugten Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass der Führungsabschnitt
für das Einstellteil und der Befestigungsabschnitt an entgegengesetzten Enden des
Anschlagteiles angeordnet sind. Damit ist bewirkt, dass das bewegliche Fahrzeugteil
in einer Grundstellung am Anschlagteiles einen ausreichend großen Abstand zur Rohkarosse
aufweist, wodurch ein unmittelbarer Kontakt zwischen den Oberflächen von Rohkarosse
und Fahrzeugteil vermieden werden kann.
[0016] Vorzugsweise wird das Einstellteil in einem Betriebszustand in einer (ersten) Arretierposition
zum Anschlagteil derart arretiert, dass das bewegliche Fahrzeugteil in seiner Haltestellung
ohne eine Haltekraft zur Rohkarosse gehalten wird. In diesem Betriebszustand des Kunststoff-Betriebsmittels
wird das bewegliche Fahrzeugteil lediglich in einer vorbestimmten Stellung, insbesondere
einer Winkelstellung, zur Rohkarosse gehalten. In der vorliegenden Arretierposition
des Einstellteiles steht das Einstellteil nicht in den Anschlagbereich des Anschlagteiles
und damit nicht in den Bewegungsbereich des relativ zum Kunststoff-Betriebsmittel
bewegten Karosserieteiles vor. Das bewegliche Fahrzeugteil kann demnach ohne nennenswerten
Kraftaufwand von Hand oder automatisiert aus seiner Stellung zur Rohkarosse bewegt
werden. Das Einstellteil ist gemäß den obigen Ausführungen und zur Umsetzung der beschriebenen
Funktion in einer ersten, eingefahrenen Position arretiert.
[0017] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels
wird das Einstellteil in einem Betriebszustand in mindestens einer (vorzugsweise weiteren)
Arretierposition zum Anschlagteil derart arretiert, dass das bewegliche Fahrzeugteil
in seiner Haltestellung mit einer Haltekraft zur Rohkarosse von > 30N (Newton) gehalten
wird. Das Einstellteil steht somit in den Bewegungsbereich des gegen die Anschlagfläche
am Anschlagteil zu bewegenden Karosserieteiles vor. Um das bewegliche Fahrzeugteil
relativ zur Rohkarosse bewegen zu können, ist eine Ausrückkraft am beweglichen Fahrzeugteil
notwendig, die größer als die mittels des Einstellteiles erzeugte Haltekraft ist.
Vorzugsweise werden an dem erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittel mehrere Arretierpositionen
umgesetzt, in denen das bewegliche Fahrzeugteil mittels des Einstellteilles relativ
zur Rohkarosse gehalten wird. Bevorzugt sind die Arretierpositionen des Einstellteiles
am Anschlagteil derart gewählt, dass die Haltekräfte in den verschiedenen Arretierpositionen
unterschiedlich groß sind. Bevorzugt liegt die Haltekraft in einer Arretierposition
im Bereich von 20 bis 50 N, beispielsweise etwa bei 30 N.
[0018] In einer weiteren Arretierposition des Einstellteils liegt die Haltekraft vorzugsweise
in einem Bereich von mehr als 30 N, weiter vorzugsweise mehr als 80 N, besonders bevorzugt
100 N oder mehr. Die letztgenannten Positionen können dann genutzt werden, um das
bewegliche Fahrzeugteil unabhängig von der Lage der Rohrkarosse in Position zu verriegeln.
Je weiter das Einstellteil in den Bewegungsbereich des mit der Anschlagfläche am Anschlagteil
zusammenwirkenden Karosserieteils vorsteht, desto größer ist die von dem erfindungsgemäßen
Kunststoff-Betriebsmittel erzeugte, auf das bewegliche Fahrzeugteil wirkende Haltekraft.
[0019] Vorzugsweise ist es vorgesehen, dass das Einstellteil in einem Betriebszustand in
einer (weiteren) Arretierposition zum Anschlagteil derart arretiert wird, dass das
bewegliche Fahrzeugteil in mindestens einer vorgegebenen Stellung zur Rohkarosse fixiert
wird. In diesem Betriebszustand des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels ist
das Einstellteil vollständig vor den Anschlagbereich am Anschlagteil und damit in
dem Bewegungsbereich des mit dem Anschlagbereich oder dessen Anschlagfläche zusammenwirkenden
Karosserieteils hineinbewegt. Das bewegliche Fahrzeugteil kann nicht mehr aus seiner
Stellung relativ zur Rohkarosse bewegt werden. Damit ist ein sicheres Fixieren des
beweglichen Fahrzeugteiles zur Rohkarosse bewirkt, wenn die entlang der Fertigungsstraße
bewegte Rohkarosse um Ihre Längsachse gedreht wird, beispielsweise im Zusammenhang
mit einen von der Rohkarosse zu durchlaufenden Lackierungsprozess.
[0020] Vorzugsweise wird zum Fixieren des beweglichen Fahrzeugteiles relativ zur Rohkarosse
ein Abschnitt der Karosserie oder des beweglichen Fahrzeugteiles zwischen der Anschlagfläche
beziehungsweise dem Anschlagbereich am Anschlagteil und dem dazu verstellbaren Einstellteil
festgelegt. Das Einstellteil ist in diesem Betriebszustand derart zum Anschlagteil
verschoben, dass das aufgenommene Karosserieteil nicht mehr aus einem zwischen Anschlagfläche
und Einstellteil ausgebildeten Halteabschnitt herausbewegt werden kann.
[0021] Eine Weiterbildung des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels sieht vor, dass
das Einstellteil dazu eingerichtet ist, am Führungsabschnitt in mindestens zwei Ausrichtungen,
bezogen auf das Anschlagteil, aufgenommen zu werden. Der Führungsabschnitt am Anschlagteil
und der geführte Abschnitt des Einstellteiles sind derart kompatibel ausgebildet,
dass das Einstellteil in zwei verschiedenen Ausrichtungen am Führungsabschnitt eingesetzt
und entlang des Führungsabschnittes bewegt werden kann. Bevorzugt wird das Einstellteil
zum Verändern seiner Ausrichtung zum Führungsabschnitt um seine Längsachse um 180°
gedreht, wobei das Einstellteil zumindest eine zur Längsachse des Einstellteiles koaxial
verlaufende Symmetrieachse aufweist.
[0022] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung weist das Einstellteil einen in einen Anschlagbereich
des Anschlagteiles vorstehenden Nocken auf, der in Bewegungsrichtung eines daran entlang
zu führenden Karosserieteiles eine ungleichmäßig geformte Kontur mit bevorzugt einer
Abgleitschräge in Schließrichtung des Fahrzeugteiles aufweist. Zur Verwirklichung
der Haltekraft in ein oder mehreren Arretierpositionen des Einstellteiles relativ
zum Anschlagteil, weist das Einstellteil einen Nocken auf. Der Nocken ist an einem
dem Anschlagbereich des Anschlagteiles zugewandten Ende angeordnet und steht in Richtung
des Anschlagbereiches vor, mit dem das Karosserieteil bei Bewegen des beweglichen
Fahrzeugteiles in Kontakt und über den Nocken hinweg bewegt wird. Mit Hilfe des am
Einstellteil ausgebildeten Nockens wird die Haltekraft zum Halten des mit dem Anschlagteil
korrespondierenden Karosserieteils definiert.
[0023] Vorzugsweise weist der Nocken in Bewegungsrichtung des daran entlang zu führenden
Karosserieteiles eine Abgleitschräge für das in Schließrichtung des beweglichen Fahrzeugteiles
vorbei geführten Karosserieteil auf. Mit der Abgleitschräge ist das Bewegen des beweglichen
Fahrzeugteiles über den Nocken in die bestimmte Haltestellung zum Anschlagbereich
des Anschlagteiles vereinfacht. Mit Hilfe der Abgleitschräge erfolgt ein allmähliches
Auslenken entlang des zu überfahrenden Nocken. Vorzugsweise weist der Nocken an seiner
von der Abgleitfläche abgewandten Kontur eine der Anschlagfläche gegenüberstehende
Haltfläche auf. Das zu haltende Karosserieteil wird zwischen der Anschlagfläche am
Anschlagteil und der Haltefläche am Einstellteil aufgenommen.
[0024] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels
ist zur Ausbildung einer (einzelnen) Verrastung zwischen Führungsabschnitt und Einstellteil
am Führungsabschnitt wenigstens eine Rastelement-Aufnahme angeordnet, mit der ein
am Einstellteil angeordnetes Rastelement in haltende Wirkverbindung bringbar ist.
Bevorzugt ist zwischen der Rastelement-Aufnahme am Führungsabschnitt und dem Rastelement
am Einstellteil eine Formschluss-Verbindung erzeugt. Damit ist eine feste Arretierung
des Einstellteiles relativ zum Führungsabschnitt erzielt. Jede Rastelement-Aufnahme
ist als eine Materialausnehmung auf der dem Einstellteil zugewandten Fläche des Führungsabschnittes
ausgebildet, in die dann jeweils das am Einstellteil angeordnete Rastelement bei Erreichen
einer jeweiligen Arretierposition korrespondierend, insbesondere darin formschlüssig,
eingreift. Bevorzugt ist die Rastelement-Aufnahme am Führungsabschnitt als zylindrische
Ausnehmung und das Rastelement am Einstellteil als zylindrische Materialvorsprung
ausgebildet. Die Rastelement-Aufnahmen und das Rastelement können jeweils beliebige
miteinander korrespondierende, beispielsweise polygonale Formgebungen haben.
[0025] Gemäß einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels ist das
Rastelement am Einstellteil an einem federnd ausgebildeten Ausrückteil angeordnet,
das von Hand betätigbar ist. Mit Hilfe des federnd am Einstellteil angeordneten Ausrückteil
kann der Formschluss zwischen dem Rastelement am Einstellteil und einem jeweiligen
Rastelement-Aufnahme am Führungsabschnitt des Anschlagteiles auf einfache Weise aufgehoben
werden. Darüber hinaus ist das Ausrückteil durch seine federnde Ausgestaltung dazu
eingerichtet, sich selbsttätig in eine Grundstellung zurück zu bewegen. Damit gelangt
Rastelement am Ausrückteil automatisch mit einer jeweiligen Rastelement-Aufnahme am
Führungsabschnitt in Kontakt.
[0026] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels
sind auf einander gegenüberliegenden beziehungsweise auf voneinander abgewandten Seiten
am Führungsabschnitt und am Einstellteil entsprechende Rastelement-Aufnahme beziehungsweise
Rastelemente ausgebildet, wodurch jeweils eine Formschlussverbindung zwischen Führungsabschnitt
und Einstellteil an zwei voneinander unabhängigen Bereichen ausgebildet ist. Vorzugsweise
weist das Einstellteil zwei federnd angeordnete Ausrückteile auf, an denen jeweils
ein Rastelement ausgebildet ist. Jedes der Ausrückteile ist von Hand betätigbar, sodass
die Arretierposition des Einstellteiles am Anschlagteil einfach und damit ohne großen
Aufwand verändert werden kann.
[0027] Vorzugsweise ist am Einstellteil zusätzlich eine in Richtung der Rohkarosse oder
des Fahrzeugsteiles vorstehende Haltestruktur mit mindestens einer Halterung zum Aufnehmen
eines Karosserieteils angeordnet. Die am Einstellteil angeordnete zusätzliche Haltestruktur
dient zum Ausbilden mindestens einer weiteren Haltestellung zum unbeweglichen Fixieren
des Fahrzeugteiles relativ zur Rohkarosse. Bevorzugt wird das bewegliche Fahrzeugteil
mittels der Haltestruktur in einer Winkelstellung zur Rohkarosse fixiert die einen
größeren Öffnungswinkel im Vergleich zu dem Betriebszustand aufweist, in dem das zu
fixierende Karosserieteil von Rohkarosse oder beweglichem Fahrzeugteil am Anschlagbereich
oder dessen Anschlagfläche anliegt und zudem mittels des Einstellteiles fixiert wird.
Bevorzugt ist die Haltestruktur auf der Seite des Einstellteiles angeordnet, die von
dem Anschlagbereich am Anschlagteil abgewandt ist. Dadurch ergibt sich ein deutlich
vergrößerter Verstellbereich für das in verschiedenen Haltestellungen zur Rohkarosse
fixierende bewegliche Fahrzeugteil.
[0028] In einem weiteren Aspekt der Erfindung, der zugleich eine Weiterbildung des erfindungsgemäßen
Kunststoff-Betriebsmittels gemäß den vorstehend bezeichneten Ausführungsformen und
ein eigenständiger Erfindungsaspekt für ein Kunststoff-Betriebsmittel der eingangs
bezeichneten Art ist, weist der Befestigungsabschnitt ein Rast- und/oder Klemmmittel
zum reversibel lösbaren Befestigen an dem beweglichen Fahrzeugteil oder der Rohkarosse
auf. Mit Hilfe eines Rast- und/oder Klemmmittels kann das Anschlagteil vereinfacht
entweder an dem beweglichen Fahrzeugteil oder der Rohkarosse montiert beziehungsweise
befestigt werden. Nach Durchlaufen des kompletten Fertigungsprozesses an der Fertigungsstraße
kann das Kunststoff-Betriebsmittel auch wieder von dem Fahrzeugteil oder der Rohkarosse
demontiert werden. Vorzugsweise weist das Rast- und/oder Klemmmittel mindestens eine
Aufnahme für einen damit korrespondierenden Rahmenabschnitt, insbesondere einen Falz,
am Fahrzeugteil oder Rohkarosse und ein mit der Aufnahme zusammenwirkendes Hakenteil
bevorzugt zum Eingreifen in einer Ausnehmung an dem Rahmenabschnitt von Fahrzeugteil
oder Rohkarosse auf. Die Aufnahme am Rast- und/oder Klemmmittel ist bevorzugt als
Kerbe ausgebildet, in der der Rahmenabschnitt insbesondere ein Falz aufgenommen wird.
Mit der Aufnahme am Befestigungsabschnitt wirkt ein Hakenteil über insbesondere einen
elastisch verformbaren Verbindungssteg zusammen, der am Befestigungsabschnitt der
Aufnahme gegenüberliegend angeordnet ist. Bevorzugt weist die Aufnahme und das Hakenteil
Materialvorsprünge auf, die sich in entgegengesetzte Richtungen strecken. Zwischen
der Aufnahme und dem Hakenteil wird demnach ein Abschnitt des Rahmenteiles nach dem
Montieren des Befestigungsabschnittes am entsprechenden Karosserieteil gehalten. Vorzugsweise
weist das Hakenteil eine Handhabe zum Verstellen des Hakenteiles und damit zum Lösen
des Befestigungsabschnittes an dem Rahmenabschnitt auf. Mit Betätigen der Handhabe
wird das Hakenteil insbesondere aus einer Ausnehmung am Fahrzeugteil oder der Rohkarosse
ausgerückt.
[0029] Gemäß einer erfindungsgemäßen Weiterbildung weist das Rast- und/oder Klemmmittel
eine Abstands-Verstelleinheit zum Anpassen an Rahmenabschnitte von Fahrzeugteilen
unterschiedlicher Baureihen auf, bevorzugt zum Anpassen des Abstandes zwischen relativ
zueinander bewegbaren Kraftübertragungsflächen am Befestigungsabschnitt. Mit Hilfe
der Abstands-Verstelleinheit ist eine individuelle Anpassung des Befestigungsabschnittes
an unterschiedlich große Rahmenteile von Fahrzeugen möglich. Das erfindungsgemäße
Kunststoff-Betriebsmittel kann mit der notwendigen Haltekraft reversibel an einem
entsprechenden Rahmenabschnitt eines beweglichen Fahrzeugteils oder der Rohkarosse
befestigt werden. Zudem ist die Passgenauigkeit des Befestigungsabschnittes des Kunststoff-Betriebsmittels
an dem Fahrzeugteil oder der Rohkarosse verbessert. Mit Hilfe der Abstands-Verstelleinheit
werden vorzugsweise Kraftübertragungsflächen an Hakenteil und Aufnahme am Befestigungsabschnitt
des Kunststoff-Betriebsmittels verstellt, zwischen denen ein korrespondierender Rahmenabschnitt
gehalten wird. Zum reversiblen Lösen des Rast- und/oder Klemmmittels am Rahmenabschnitt
wird vorzugsweise der Abstand zwischen den Kraftübertragungsflächen an Hakenteil und
Aufnahme wieder vergrößert.
[0030] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels
weist das Rast- und/oder Klemmmittel alternativ oder zusätzlich zwei oder mehr verscheiden
tiefe Aufnahmen am Befestigungsabschnitt für Rahmenabschnitte von Fahrzeugteilen unterschiedlicher
Baureihen auf, die bevorzugt benachbart zueinander angeordnet sind und parallel zueinander
verlaufen. Mit Hilfe der unterschiedlich tiefen Aufnahmen am Befestigungsabschnitt
ist erreicht, dass das erfindungsgemäße Kunststoff-Betriebsmittel universell an verschiedenen
Baureihen von Fahrzeugen eines Herstellers verwendet werden kann. Somit müssen nicht
für jede Baureihe eines Fahrzeugherstellers verschiedenartige Kunststoff-Betriebsmittel
entwickelt werden, die zum Arretieren von beweglichen Fahrzeugteilen zur Rohkarosse
verwendet werden. Bevorzugt sind die Aufnahmen als Materialvertiefungen ausgebildet
und unmittelbar benachbart zueinander angeordnet, in denen ein Falz eines Rahmenteiles
von beispielsweise einer Fahrzeugtür oder auch eines Holmes der Rohkarosse aufgenommen
werden kann. Ferner sind die beiden Aufnahmen derart am Befestigungsabschnitt angeordnet,
dass beide mit dem ebenfalls am Befestigungsabschnitt vorgesehenen Hakenteil korrespondieren.
In einer Ausführungsform der Erfindung erstrecken sich die Aufnahmen am Befestigungsabschnitt
im Wesentlichen quer zur Erstreckungsrichtung des Anschlagteiles. Damit steht das
am Fahrzeugteil beziehungsweise der Rohkarosse montierbare und demontierbare erfindungsgemäße
Kunststoff-Betriebsmittel etwa senkrecht daran ab.
[0031] Vorzugsweise weist die Abstands-Verstelleinheit eine in einem Winkel geneigt zu den
Kraftübertragungsflächen verlaufende Schrägführung mit einem Führungselement und einem
am Führungselement verstellbar aufgenommenen Schiebeteil auf. Mittels der Schrägführung
wird die Geometrie des Befestigungsabschnittes verstellt, in dem gegenüberliegende
Endabschnitte relativ zueinander bewegt werden. Je nach Abstand dieser Endabschnitte
wird mittels der Kraftübertragungsflächen am Rahmenabschnitt eine entsprechende Haltekraft
erzeugt. Zudem wird durch die geneigte Ausrichtung der Führung eine Selbsthemmung
innerhalb der Führung bewirkt. Bevorzugt erfolgt mittels der Führung ein Verstellen
des Abstandes zwischen Hakenteil und Aufnahme durch das Verschieben des Schiebeteiles
in der Führungsrichtung. Durch die geneigte Ausrichtung des Führungsteiles zur Aufnahme
am Befestigungsabschnitt wird mit Verschieben des Schiebeteiles das Hakenteil mit
seiner Kraftübertragungsfläche entweder der Aufnahme angenähert oder von der Aufnahme
wegbewegt.
[0032] Bevorzugt verlaufen die Aufnahme und das am Befestigungsabschnitt angeordnete Führungselement
für das Schiebeteil parallel zueinander. In einer Ansicht senkrecht zur Einsetzrichtung
der Aufnahme erstrecken sich der Grund der Aufnahme und die Führungsflächen an der
Führung vorzugsweise in einem Winkel im Bereich zwischen 10 und 30 Grad, besonders
bevorzugt etwa 20 Grad, zueinander. Innerhalb des vorgegebenen Winkelbereiches ist
mit Verschieben des Schiebeteiles innerhalb des Führungselementes ein ausreichend
großer Verstellbereich zur Anpassung des Abstandes zwischen dem Hakenteil und der
Aufnahme erzeugt. Zudem wirken in diesem Winkelbereich ausreichend große Haftkräfte
zwischen den Führungsflächen von Führungselement und Schiebeteil für eine bevorzugte
Selbsthemmung des Rast- und/oder Klemmmittels an dem korrespondierenden Rahmenabschnitt.
[0033] Vorzugsweise weisen das Führungselement und das Schiebeteil miteinander korrespondierende
Verzahnungen auf, welche dazu eingerichtet sind, dass das Schiebeteil und das Führungselement
in stufenweise relativ zu einander verschiebbar sind. Dieser Mechanismus ist (allerdings
dort nur einseitig) beispielsweise von Kabelbindern allgemein bekannt. Insbesondere
wird mittels der Verzahnungen ein ungewolltes Vergrößern des Abstands zwischen der
Aufnahme und dem Hakenteil verhindert. Das Schiebeteil ist in der vorliegenden Ausführung
mit dem Hakenteil verbunden und das Führungselement ist am Befestigungsabschnitt mit
seiner Aufnahme für den darin einzusetzenden Rahmenabschnitt befestigt.
[0034] In einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels ist bevorzugt
vorgesehen, am Anschlagteil, bevorzugt am Führungsabschnitt, einen sich in entgegengesetzte
Richtung zum Befestigungsabschnitt erstreckenden Auflaufabschnitt mit einer vorzugsweise
konvex gekrümmten Auflauffläche anzuordnen. Mit Hilfe des Auflaufabschnittes ist bewirkt,
dass das erfindungsgemäße Kunststoff-Betriebsmittel bei seiner Bewegung relativ zu
dem damit korrespondierenden Karosserieteil über einen Abschnitt der Bewegung der
Teile zueinander geführt wird. Damit ist erreicht, dass das mit dem Anschlagteil in
Kontakt zu bringende Karosserieteil auch tatsächlich in Anlage mit dem Anschlagteil
oder dem am Anschlagteil verstellbar aufgenommen Einstellteil gelangt. Damit ist insbesondere
die Prozesssicherheit im Bereich eines automatisierten Fertigungsabschnittes, bei
dem das maschinelle Öffnen und Schließen der beweglichen Fahrzeugteile vorgenommen
wird, weiter verbessert. Der Auflaufabschnitt ist benachbart zum Anschlagbereich beziehungsweise
der Anschlagfläche am Kunststoff-Betriebsmittel vorgesehen. Vorzugsweise ist der Auflaufabschnitt
zum Befestigungsabschnitt am entgegengesetzten Ende des Anschlagteiles angeordnet,
wobei sich der Auflaufabschnitt mit seiner bevorzugt konvex gekrümmten Auflauffläche
zudem weiter vom Befestigungsabschnitt weg erstreckt.
[0035] Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung ist das Kunststoff-Betriebsmittel aus einem
Kunststoffmaterial mit temperaturbeständigen Eigenschaften ausgebildet, insbesondere
aus einem Thermoplast, vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe: Polyamid, Polyetheretherketon,
Polyphthalamid und Polyphenylensulfid. Mit der Ausgestaltung des Kunststoff-Betriebsmittels
aus Kunststoff ist im Gegensatz zu Kunststoff-Betriebsmitteln aus Metall, wie Stahl
oder dergleichen, ein deutlich geringerer Fertigungsaufwand möglich. Mit der Verwendung
von Thermoplasten zur Ausgestaltung des Kunststoff-Betriebsmittels ist eine bevorzugte
Temperaturbeständigkeit erreicht, sodass die Kunststoff-Betriebsmittel nach dem Durchlaufen
einer Lackieranlage auch dem nachgeschalteten Trocknungsprozess, bei dem Temperaturen
von um die 200° Celsius auftreten, problemlos standhalten können.
[0036] Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum
Herstellen eines Kraftfahrzeuges in einer Fertigungsstraße unter Verwendung eines
oder mehrerer Kunststoff-Betriebsmittel zum Halten eines beweglichen Fahrzeugteiles
zur Rohkarosse mit den Schritten: Bereitstellen von zumindest einer Rohrkarosse eines
Fahrzeuges mit einem oder mehreren zur Rohkarosse beweglichen Fahrzeugteilen und mindestens
eines mit der Rohkarosse und dem Fahrzeugteil zusammenwirkenden Kunststoff-Betriebsmittels;
Bewegen der Rohkarosse entlang eines Abschnittes der Fertigungsstraße; Verstellen
des Kunststoff-Betriebsmittels, sodass (i) die Stellung beweglichen Fahrzeugteiles
zu der Rohkarosse verändert oder fixiert wird, und/oder (ii) die Haltekraft zum Halten
des beweglichen Fahrzeugteiles in seiner Haltestellung relativ zur Rohkarosse angepasst
wird, und Bewegen der Rohkarosse mit dem in seiner Stellung oder der Haltekraft zur
Rohkarosse veränderten Fahrzeugteil entlang eines nachfolgenden Abschnittes der Fertigungsstraße.
Der Erfindung liegt hier der Erkenntnis zugrunde, dass mit Hilfe des erfindungsgemäßen
Kunststoff-Betriebsmittels die Anzahl der zwischen der eigentlichen Herstellung des
Fahrzeuges anfallenden Zwischenschritte reduziert werden kann. Mit Hilfe des einzigen
Kunststoff-Betriebsmittels können nunmehr unterschiedliche Aufgaben bei der Herstellung
bzw. der Umsetzung der Fertigungsschritte am Fahrzeug erfüllt werden. Zur Anpassung
der Aufgabe des Kunststoff-Betriebsmittels kann dieses einfach verstellt werden. Das
aus dem Stand der Technik bekannte aufwendige Austauschen eines Kunststoff-Betriebsmittels
durch ein anderes Kunststoff-Betriebsmittel, mittels dem das bewegliche Fahrzeugteil
dann in einer anderen Winkelstellung zur Rohkarosse oder mit einer bestimmten Haltekraft
zur Rohkarosse gehalten wird, kann somit entfallen. Eine oder mehrere mit der Fertigung
des Fahrzeuges betraute Personen müssen das Kunststoff-Betriebsmittel lediglich entsprechend
verstellen beziehungsweise anpassen, um die Rohkarosse mit den daran montierten beweglichen
Fahrzeugteilen für einen nachfolgenden Fertigungsschritt, beispielsweise einem Lackierprozess,
vorzubereiten. Bevorzugt wird an dem erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittel ein
Einstellteil bewegt beziehungsweise betätigt, mit dem das bewegliche Fahrzeugteil
zur Rohkarosse in verschiedenen Stellungen gehalten beziehungsweise fixiert wird und/oder
die Haltekraft, mit der das bewegliche Fahrzeugteil nun einer entsprechenden Haltestellung
relativ zur Rohkarosse gehalten wird, angepasst beziehungsweise verändert wird.
[0037] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung werden die oben
beschriebenen Verfahrensschritte unter Verwendung eines Kunststoff-Betriebsmittels
nach einem der oben beschriebenen bevorzugten Ausführungsformen ausgeführt. Vorteilhafte
Ausgestaltungen beziehungsweise Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Verfahren ergeben
sich somit aus den zum erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittel beschriebenen,
bevorzugten Ausführungsformen beziehungsweise Weiterbildungen.
[0038] Die Erfindung betrifft mithin auch die Verwendung eines Kunststoffbetriebsmittels
gemäß einer der vorstehend besonders bevorzugten Ausführungsformen zur Herstellung
eines Kraftfahrzeugs in einer Fertigungsstraße.
[0039] Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels unter
Bezugnahme auf die beigefügten Figuren näher beschrieben. Hierbei zeigen:
- Fig. 1 - 2:
- Ansichten eines an einem beweglichen Fahrzeugteil montierten erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels
- Fig. 3:
- Eine perspektivische Ansicht einer ersten Ausführungsform eines Anschlagteiles eines
erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittel;
- Fig. 4:
- Eine perspektivische Ansicht eines Einstellteiles des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels,
dass mit dem in Fig. 3 gezeigten Anschlagteil zusammen wirkt;
- Fig. 5:
- Eine perspektivische Ansicht einer weiteren Ausführungsform eines Anschlagteiles eines
erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels;
- Fig. 6:
- Eine perspektivische Ansicht einer weiteren Ausführungsform eines Einstellteiles eines
erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels, dass mit dem in Fig. 5 gezeigten Anschlagteil
zusammen wirkt;
- Fig. 7 - 8:
- Ansichten des am beweglichen Fahrzeugteil montierten erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels
in verschiedenen Betriebszuständen, und
- Fig. 9 - 11:
- Ansichten einer weiteren Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels.
[0040] Die Fig. 1 und 2 zeigen ein Kunststoff-Betriebsmittel 1 gemäß der vorliegenden Erfindung.
Das in der gezeigten Ausführungsform an einem beweglichen Fahrzeugteil 2, vorliegend
einer Fahrzeugtür, angeordnet ist. Das Fahrzeugteil 2 ist relativ zu einer Rohkarosse
4 eines herzustellenden Fahrzeuges beweglich angeordnet. Das Kunststoff-Betriebsmittel
1 weist ein Anschlagteil 6 auf, welches dazu eingerichtet ist, das bewegliche Fahrzeugteil
relativ zur Rohkarosse 4 in einer bestimmten Stellung zu halten. Das Anschlagteil
6 umfasst einen Befestigungsabschnitt 8, mit dem das Kunststoff-Betriebsmittel 1 in
der gezeigten Ausführung reversibel lösbar an dem beweglichen Fahrzeugteil 2 befestigt
und im Bedarfsfall auch an diesem wieder demontiert werden kann.
[0041] Das Kunststoff-Betriebsmittel 1 umfasst ferner ein Einstellteil 10 welches relativ
zum Anschlagteil 2 bewegbar und in verschiedenen Positionen relativ zum Anschlagteil
2 arretierbar ist. Das in den Fig. 1 und 2 gezeigte Einstellteil 10 ist in der untersten
Arretierstellung am Anschlagteil 6 aufgenommen, sodass das Einstellteil nicht in den
Anschlagbereich 12 oder der Anschlagfläche 12' am Anschlagteil vorsteht und somit
nicht mit diesen zusammenwirkt.
[0042] Wie Fig. 1 weiterhin zeigt, ist am Anschlagteil 6 des Kunststoff-Betriebsmittel 1
zusätzlich ein Auflaufabschnitt 14 angeordnet. Mit dem Auflaufabschnitt 14 ist bewirkt,
dass beim Verbringen des Fahrzeugteiles 2 in die bestimmte Stellung zur Rohkarosse
4 das Kunststoff-Betriebsmittel 1 entlang des damit in Kontakt bringbaren Karosserieteils
von Fahrzeugteil 2 oder Rohkarosse 4 abgleitet und mit dem dafür vorgesehenen Anschlagbereich
12 am Anschlagteil 6 in Anlage gebracht wird. Der Auflaufabschnitt 14 umfasst an der
gezeigten Ausführungsform eine konvex gekrümmte Auflauffläche 14'.
[0043] Wie aus Fig. 2 und Fig. 3 ersichtlich weist der Befestigungsabschnitt 8 am Anschlagteil
6 ein Rast- oder Klemmmittel 16 auf, mittels dem das Anschlagteil 6 an einem entsprechenden
Karosserieteil von Fahrzeugteil 2 oder Rohkarosse 4 befestigt werden kann. In der
gezeigten Ausführung ist das Anschlagteil 6 an dem beweglichen Fahrzeugteil 2 montiert.
Das Rast- oder Klemmmittel 16 umfasst eine Aufnahme 18 für einen damit korrespondierenden
Rahmenabschnitt 20, insbesondere einen Falz, am Fahrzeugteil 2. Zudem umfasst das
Rast- und/oder Klemmmittel 16 ein Hakenteil 22, welches in eine Ausnehmung 21 am Fahrzeugteil
2 eingreift. Mit Hilfe der Aufnahme 18 und dem Hakenteil 22 des Rast- und/oder Klemmmittel
16 ist vorliegend eine Kraft- und/oder Formschlussverbindung mit dem Rahmenabschnitt
20 am Fahrzeugteil 2 erzeugt.
[0044] Die Aufnahme 18 und das Hakenteil 22 sind über einen elastisch verformbaren Verbindungssteg
24 miteinander verbunden. Zudem ist das Hakenteil 22 mechanisch mit einer Handhabe
26 gekoppelt, die zum Auslösen beziehungsweise Ausrücken des Hakenteiles 22 aus der
Ausnehmung 21 eingerichtet ist. Durch Betätigen der Handhabe 26 wird der über den
Verbindungssteg und das Hakenteil erzeugten Haltekraft aufgehoben, wodurch die Verbindung
mit dem Fahrzeugteil gelöst werden kann. Die Verbindung des Befestigungsabschnittes
8 mit dem Rahmenabschnitt 20 des Fahrzeugteiles 2 kann beliebig oft hergestellt und
auch wieder gelöst werden.
[0045] Wie aus Fig. 3 ersichtlich weist das Rast- und/oder Klemmmittel 16 zwei parallel
zueinander versetzt angeordnete Aufnahmen 18, 18' auf, welche vorliegend verschieden
tief ausgebildet und dazu eingerichtet sind, Rahmenabschnitte von Fahrzeugteilen unterschiedlicher
Baureihen aufzunehmen. Ferner ist am Anschlagteil 6 ein Führungsabschnitt 28 für das
in verschiedenen Arretierpositionen relativ zum Anschlagteil arretierbare Einstellteil
10 vorgesehen.
[0046] Der Führungsabschnitt 28 ist, bezogen auf den Befestigungsabschnitt 8, am gegenüberliegenden
Ende des Anschlagteiles 6 angeordnet. Gemäß der vorliegenden Erfindung kann das Einstellteil
10 innerhalb des Führungsabschnittes 28 und damit relativ zum Anschlagteil 6 in verschiedenen
Positionen arretiert werden. Jede Arretierposition des Einstellteiles relativ zum
Anschlagteil definiert eine bestimmte Stellung des beweglichen Fahrzeugteiles relativ
zur Rohkarosse und/oder eine bestimmte Haltekraft des beweglichen Fahrzeugteiles in
seiner Stellung zur Rohkarosse.
[0047] Wie aus Fig. 3 ferner ersichtlich weist der Führungsabschnitt 28 mehrere Führungsflächen
30, 30' auf entlang denen das Einstellteil 10 verschiebbar aufgenommen ist. Die Führungsflächen
30, 30' am Führungsabschnitt 28 verlaufen zu der Anschlagfläche 12' am Anschlagteil
6 parallel. Zudem sind am Führungsabschnitt 28 mehrere Verrastungen 32 ausgebildet,
mittels denen das Einstellteil 10 in seinen verschiedenen Arretierstellung zum Anschlagteil
6 fixiert werden kann.
[0048] Zur Ausbildung der Verrastungen 32 sind am Führungsabschnitt 28 eine entsprechende
Anzahl von Rastelement-Aufnahmen 34 vorgesehen. Am Einstellteil 10 ist ein mit den
Rastelement-Aufnahmen 34 korrespondierendes Rastelement 36 (Fig.4) angeordnet. Das
Rastelement 36 ist mit den Rastelement-Aufnahmen 34 in eine Formschluss-Verbindung
bringbar. In der vorliegenden Ausführungsform ist das Rastelement 36 am Einstellteil
10 an einem als manuell betätigbarer Federarm ausgebildeten Ausrückteil 38 angeordnet.
An dem Ausrückteil 38 ist ein Betätigungsabschnitt 40 vorgesehen, mittels dem das
Rastelement 36 aus seiner Formschlussverbindung mit einer jeweiligen Rastelement-Aufnahme
34 am Führungsabschnitt 28 bringbar ist.
[0049] In der in Fig. 3 gezeigten Ausführungsform ist der Führungsabschnitt 28 als geschlossener
Rechteckkörper 42 ausgebildet, innerhalb dem das Einstellteil 10 mit einer korrespondierend
ausgebildeten rechteckigen Außenkontur aufgenommen ist. Das Einstellteil 10 ist vorliegend
dazu eingerichtet, am Führungsabschnitt 28 in mindestens zwei Ausrichtungen, bezogen
auf das Anschlagteil 6 aufgenommen zu werden. Damit ist gemeint, dass das in Fig.
4 gezeigte Einstellteil 10 jeweils um 180° gedreht in dem Führungsabschnitt 28 eingeführt
und mittels der Verrastungen 32 arretiert werden kann.
[0050] Vorliegend weist das Einstellteil 10 an seinem oberen Ende einen Nocken 44 auf, der
mit Verstellen des Einstellteiles an dem Führungsabschnitt 28 in den Anschlagbereich
12 am Anschlagteil 6, in Abhängigkeit von der gewählten Arretierposition des Einstellteiles
10, in den Anschlagbereich 12 des Anschlagteiles hinein- oder hinaus bewegt wird.
Der Nocken 44 am Einstellteil 10' weist in Bewegungsrichtung des daran entlangzuführenden
Rahmenabschnittes von Fahrzeugteil oder Rohkarosse eine ungleichmäßig geformte Kontur
mit einer Auflaufschräge 44' auf, die in der gezeigten Ausführungsform konkav ausgebildet
ist.
[0051] Die Figuren 5 und 6 zeigen eine weitere Ausführungsform eines Anschlagteils 6, das
einen Befestigungsabschnitt 8 und einen Führungsabschnitt 28' aufweist. Der Befestigungsabschnitt
8 ist identisch zu dem Befestigungsabschnitt der vorher gezeigten Ausführungsform
ausgebildet.
[0052] Der Führungsabschnitt 28' weist im Gegensatz zum Führungsabschnitt 28 der ersten
Ausgestaltung des Anschlagteils 6 einen Rechteckkörper 42' auf, der auf seiner vom
Befestigungsabschnitt 8 abgewandten Seite eine Nut 46 hat. Der Führungsabschnitt 28'
weist damit zwei voneinander unterteilte Führungsschenkel 48, 48' für das darin aufnehmbare
Einstellteil 10 oder ein in Fig. 5 gezeigtes Einstellteil 10' auf. Zudem sind an dem
Führungsabschnitt 28' vier Verrastungen 32 in Form von vier in entsprechenden Abständen
entlang der Führungsschenkel 48, 48' angeordneten Rastelement-Aufnahmen 34 ausgebildet.
[0053] Das Einstellteil 10' in Fig.6 hat zusätzlich eine Haltestruktur 50, die sich in Richtung
der Rohkarosse oder des Fahrzeugteils erstreckt. Die Haltestruktur 50 weist zwei weitere
Halterungen 52 zum Aufnehmen eines Rahmenabschnittes 20 am Fahrzeugteil 2 oder der
Rohkarosse 4 auf. Die Halterungen 52 an der Haltestruktur 50 sind dazu angepasst,
das zur Rohkarosse 4 beweglich angelenkte Fahrzeugteil 2 in verschiedenen Stellungen,
insbesondere Winkelstellungen relativ zur Rohkarosse zu fixieren. Die Halterungen
52 weisen jeweils Halteflächen 54 auf, die parallel zur Anschlagfläche 12' am Anschlagbereich
12 des Anschlagteils 6 ausgerichtet sind. Am Anschlagteil 6 ist an seinem oberen Ende
ein Nocken 44 ausgebildet, dessen Abstand zum Rastelement 36 am Einstellteil 10' größer
ist als der Abstand zwischen dem Nocken 44 und dem Rastelement 36 am Einstellteil
10.
[0054] An dem Einstellteil 10' sind zwei federn ausgebildete Ausrückteile 38 angeordnet,
an denen jeweils ein nach außen vorstehendes Rastelement 36 ausgebildet ist, das mit
den Rastelement-Aufnahmen 34 am Führungsabschnitt 28' zusammenwirken.
[0055] Fig. 7 zeigt das erfindungsgemäße Kunststoff-Betriebsmittel 1 in einem ersten Betriebszustand,
wobei das Anschlagteil 6 mittels des Befestigungsabschnittes 8 am beweglichen Fahrzeugteil
angeordnet ist. Ein Rahmenabschnitt 20 des Fahrzeugteiles 2 ist in der Aufnahme 18
am Befestigungsabschnitt 8 aufgenommen. Das Hakenteil 22 am Befestigungsabschnitt
8 greift eine Formschlussverbindung ausbildend in die Ausnehmung 21 am Fahrzeugteil
ein. Das Einstellteil 10 ist am Führungsabschnitt 28 des Anschlagteils 6 über die
Verrastung 32 in der untersten Arretierstellung so arretiert, dass der Nocken 44 am
Führungsabschnitt 28 nicht hervorsteht. Mittels des Anschlagbereichs 12 am Anschlagteil
6 ist eine reine Anschlagfunktion des Fahrzeugteiles verwirklicht. Das bedeutet, dass
das bewegliche Fahrzeugteil 2 aus seiner Anschlagstellung an der Rohkarosse 4 bewegt
werden kann, ohne dass eine Haltekraft des Fahrzeugteils relativ zur Rohkarosse erzeugt
wird.
[0056] Fig. 8 zeigt das erfindungsgemäße Kunststoff-Betriebsmittel in einem weiteren Betriebszustand.
Das Einstellteil 10 ist mittels der Verrastung 32 am Führungsabschnitt 28 des Anschlagteils
6 in der obersten Arretierposition mittels der obersten am Führungsabschnitt 28 ausgebildeten
Verrastung 32 fixiert. Das Einstellteil 8 steht dabei mit seinem Nocken 44 soweit
in Bewegungsrichtung des daran entlangzuführenden Karosserieteils von Fahrzeugteils
2 oder der Rohkarosse 4 vor, dass es zusammen mit dem Anschlagbereich 12 am Anschlagteil
6 das Karosserieteil dazwischen derart aufnimmt, dass das bewegliche Fahrzeugteil
relativ zur Rohkarosse unverstellbar gehalten wird. Zusätzlich kann in einem Betriebszustand
das Einstellteil 10 in der mittleren Arretierposition zum Anschlagteil derart arretiert
werden, dass mittels des aus dem Führungsabschnitt 28 in den Anschlagbereich 12 am
Anschlagteil vorstehenden Einstellteil 10 eine Haltekraft von >30 N erzeugt wird.
Das bewegliche Fahrzeugteil 2 kann aus der Haltestellung nur dann herausbewegt werden,
wenn die auf das bewegliche Fahrzeugteil 2 wirkende Ausrückkraft größer ist als die
mittels des erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittels 1 erzeugten Haltekraft ist.
[0057] Das aus einem Kunststoffmaterial bestehende erfindungsgemäße Kunststoff-Betriebsmittel
kann über den gesamten Herstellungsprozess des Fahrzeuges verwendet werden, da das
Kunststoffmaterial temperaturbeständige Eigenschaften von über 200° Grad Celsius aufweist.
Insbesondere wird eine Thermoplast Ausbildung des Kunststoff-Betriebsmittels verwendet.
Zudem sind in einer Ausgestaltung der Erfindung das Anschlagteil 6 und das Einstellteil
10, 10' jeweils einteilig ausgebildet. Ähnliche oder identische Bauteile sind mit
den gleichen Bezugszeichen versehen.
[0058] Figur 9 zeigt eine weitere Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Kunststoff-Betriebsmittel
1'. Das Kunststoff-Betriebsmittel 1' umfasst ein Anschlagteil 6' mit einem Anschlagbereich
12, einem Führungsabschnitt 28' und ein entlang des Führungsabschnittes 28' verstellbares
Einstellteil 10, wie zu den obigen Ausführungsformen des Kunststoff-Betriebsmittels
1 beschrieben. Das Anschlagteil 6' umfasst ferner einen Befestigungsabschnitt 8' mit
einem Rast- und/oder Klemmmittel 16' dass eine Abstands-Verstelleinheit 56 aufweist,
die dazu eingerichtet ist, den Abstand A zwischen relativ zueinander bewegbaren Kraftübertragungsflächen
58, 58' am Befestigungsabschnitt 8' für Rahmenabschnitte von Fahrzeugteilen unterschiedlicher
Baureihen anzupassen. Mit Hilfe des entsprechend verstellbaren Befestigungsabschnittes
8', kann das erfindungsgemäße Kunststoff-Betriebsmittel 1' an Rahmenteilen unterschiedlichster
herzustellender Fahrzeuge befestigt werden. Der Abstand A zwischen den Kraftübertragungsflächen
58, 58' an Hakenteil 22 und Aufnahme 18 kann somit individuell angepasst werden.
[0059] Wie aus Fig. 10 und 11 ersichtlich, weist die Abstand-Verstelleinheit 56 eine in
einem Winkel geneigt zur Aufnahme 18 verlaufende Führung 60 auf. Die Führung 60 umfasst
ein fest am Befestigungsabschnitt 8' angeordnetes Führungselement 62 innerhalb dem
ein Schiebeteil 64 bewegbar aufgenommen ist. Das Schiebeteil 64 ist mit dem Hakenteil
22 des Rast- und/oder Klemmmittels 16' verbunden. Durch Verschieben des Schiebeteils
64 in eine jeweilige Richtung entlang des Führungselementes 62 wird das mit dem Schiebeteil
64 einteilig ausgebildete Hakenteil 22 entweder in Richtung der Aufnahme 18 zu bewegt
oder von der Aufnahme 18 wegbewegt. Das Führungselement 62 und die Aufnahme 18 verlaufen
in Einsteckrichtung der Aufnahme 18 betrachtet parallel zueinander. Dadurch wirken
das Hakenteil 22 und die Aufnahme 18 über den gesamten Verstellweg dauerhaft zusammen.
Senkrecht zur Einsteckrichtung der Aufnahme 18 betrachtet weist das Führungselement
62 zum Grund der Aufnahme 18 eine Neigung im Bereich zwischen 10 und 30 Winkelgrad
auf. In der vorliegend Ausführungsform beträgt die Neigung des Führungselementes 62
zur Aufnahme 18 etwa 20 Winkelgrad. Damit ist eine Selbsthemmung des Schiebeteiles
64 innerhalb des Führungselementes 62 bewirkt.
[0060] Um einem ungewollten Verschieben des Schiebeteiles 64 innerhalb des Führungselementes
62 entgegenzuwirken, weisen Führungselement 62 und Schiebeteil 64 eine nur schematisch
dargestellte, miteinander in Verbindung bringbare Verzahnung 66 auf. Die Verzahnung
66 ist dazu eingerichtet, dass das Schiebeteil 64 relativ zum Führungselement 62 in
nur einer Richtung verschiebbar ist. Mit den Verzahnung 66 wird insbesondere eine
Bewegung des Schiebeteils relativ zum Führungselement 60 in die Verstellrichtung behindert,
in die sich der Abstand A zwischen Hakenteil 22 und Aufnahme 18 unbeabsichtigt vergrößern
kann.
[0061] Wie in den Figuren 9 bis 11 gezeigt, ist das Hakenteil 22 einteilig mit dem Schiebeteil
64 ausgebildet. Das Führungselement 62 ist insbesondere einteilig an dem Befestigungsabschnitt
8' des Anschlagteiles 6' angeformt.
[0062] Die Darstellung in den beigefügten Figuren und die vorstehende Beschreibung sind
der Übersichtlichkeit so gegliedert, dass technische Merkmale nicht jeweils in allen
Ausführungsbeispielen zu sehen sind, Gleichwohl können die technischen Merkmale der
jeweiligen Ausführungsbeispiele mit den technischen Merkmalen der jeweils übrigen
Ausführungsbeispiele im Sinne der Erfindung kombiniert werden, soweit nicht technisch
ausgeschlossen.
Bezugszeichenliste:
[0063]
- 1, 1'
- Kunststoff-Betriebsmittel
- 2
- Fahrzeugteil
- 4
- Rohkarosse
- 6, 6'
- Anschlagteil
- 8, 8'
- Befestigungsabschnitt
- 10, 10'
- Einstellteil
- 12
- Anschlagbereich
- 12'
- Anschlagfläche
- 14
- Auflaufabschnitt
- 14'
- Auflauffläche
- 16, 16'
- Rast- und/oder Klemmmittel
- 18, 18'
- Aufnahme
- 20
- Rahmenabschnitt
- 21
- Ausnehmung
- 22
- Hakenteil
- 24
- Verbindungsteg
- 26
- Handhabe
- 28, 28'
- Führungsabschnitt
- 30, 30'
- Führungsfläche
- 32
- Verrastung
- 34
- Rastelement-Aufnahme
- 36
- Rastelement
- 38
- Ausrückteil
- 40
- Betätigungsabschnitt
- 42
- Rechteckkörper
- 44
- Nocken
- 44'
- Auflaufschräge
- 46
- Nut
- 48, 48'
- Führungsschenkel
- 50
- Haltestruktur
- 52
- Halterung
- 54
- Haltefläche
- 56
- Abstands-Verstelleinheit
- 58, 58'
- Kraftübertragungsflächen
- 60
- Führung
- 62
- Führungselement
- 64
- Schiebeteil
- 66
- Verzahnung
- A
- Abstand
1. Kunststoff-Betriebsmittel (1, 1') für die Fahrzeugherstellung in einer Fertigungstrasse,
mit einem Anschlagteil (6, 6'), welches einen Befestigungsabschnitt (8) zum reversibel
lösbaren Befestigen an einem beweglichen Fahrzeugteil (2) oder einer Rohkarosse (4)
aufweist und dazu eingerichtet ist, das bewegliche Fahrzeugteil (2) relativ zur Rohkarosse
(4), an der das bewegliche Fahrzeugteil angeordnet ist, in Stellung zu halten,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Kunststoff-Betriebsmittel (1, 1') ein in verschiedenen Positionen relativ zum
Anschlagteil (6, 6') arretierbares Einstellteil (10, 10') aufweist, wobei jede Position
des Einstellteiles (10, 10') relativ zum Anschlagteil (6, 6')
(i) eine bestimmte Stellung des beweglichen Fahrzeugteiles (2) relativ zur Rohkarosse
(4)
und/oder
(ii) eine bestimmte Haltekraft des beweglichen Fahrzeugteiles (2) in seiner Stellung
zur Rohkarosse (4) definiert.
2. Kunststoff-Betriebsmittel nach Anspruch 1,
wobei am Anschlagteil (6, 6') ein Führungsabschnitt (28, 28') für das Einstellteil
(10, 10') angeordnet ist, an dem das Einstellteil (10, 10') mittels mehrerer in Abständen
zueinander ausgebildeter Verrastungen (32) in den verschiedenen Arretierpositionen
zum Anschlagteil (6, 6') fixierbar ist,
wobei der Führungsabschnitt (28, 28') ein oder mehrere Führungsflächen (30, 30') aufweist,
welche parallel zu einem Anschlagbereich (12) am Anschlagteil (6, 6') verlaufen.
3. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
wobei der Führungsabschnitt (28, 28') für das Einstellteil (10, 10') und der Befestigungsabschnitt
(8) am Anschlagteil (6, 6') an entgegengesetzten Enden des Anschlagteiles (6, 6')
angeordnet sind.
4. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei das Einstellteil (10, 10') in einem Betriebszustand in einer, vorzugsweise ersten,
Arretierposition zum Anschlagteil (6, 6') derart arretiert wird, dass das bewegliche
Fahrzeugteil (2) in seiner Haltestellung ohne eine Haltekraft zur Rohkarosse (4) gehalten
wird, und/oder
wobei das Einstellteil (10, 10') vorzugsweise in einem Betriebszustand in mindestens
einer, vorzugsweise weiteren Arretierposition zum Anschlagteil (6, 6') derart arretiert
wird, dass das bewegliche Fahrzeugteil (2) in seiner Haltestellung mit einer Haltekraft
zur Rohkarosse (4) von größer 30 N gehalten wird, und/oder wobei das Einstellteil
(10, 10') vorzugsweise in einem Betriebszustand in einer, vorzugsweise weiteren, Arretierposition
zum Anschlagteil (6, 6') derart arretiert wird, dass das bewegliche Fahrzeugteil (2)
in mindestens einer vorgegebenen Stellung zur Rohkarosse (4) fixiert wird.
5. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der Ansprüche 2 bis 4,
wobei das Einstellteil (10, 10') dazu eingerichtet ist, am Führungsabschnitt (28,
28') in mindestens zwei Ausrichtungen, bezogen auf das Anschlagteil (6, 6'), aufgenommen
zu werden.
6. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei das Einstellteil (10, 10') einen in einen Anschlagbereich des Anschlagteiles
(6, 6') vorstehenden Nocken (44) aufweist, der in Bewegungsrichtung eines daran entlang
zu führenden Karosserieteiles eine ungleichmäßig geformte Kontur mit bevorzugt einer
Abgleitschräge (44') in Schließrichtung des Fahrzeugteiles (2) aufweist.
7. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der Ansprüche 2 bis 6,
wobei zur Ausbildung einer Verrastung (32) zwischen Führungsabschnitt (28, 28') und
Einstellteil (10, 10') am Führungsabschnitt (28, 28') wenigstens eine Rastelement-Aufnahme
(34) angeordnet ist, mit der ein am Einstellteil (10, 10') angeordnetes Rastelement
(36) in haltende Wirkverbindung bringbar ist,
wobei vorzugsweise das Rastelement (36) am Einstellteil (10, 10') an einem federnd
ausgebildeten Ausrückteil (38) angeordnet ist, das bevorzugt von Hand betätigbar ist.
8. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei am Einstellteil (10') zusätzlich eine in Richtung der Rohkarosse (4) oder des
Fahrzeugteiles (2) vorstehende Haltestruktur (50) mit mindestens einer Halterung (52)
zum Aufnehmen eines Karosserieteils angeordnet ist.
9. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei der Befestigungsabschnitt (8) ein Rast- und/oder Klemmmittel (16, 16') zum reversibel
lösbaren Befestigen an dem beweglichen Fahrzeugteil (2) oder der Rohkarosse aufweist,
wobei vorzugsweise das Rast- und/oder Klemmmittel (16, 16') mindestens eine Aufnahme
(18, 18') für einen damit korrespondierenden Rahmenabschnitt (20), insbesondere Falz,
an Fahrzeugteil (2) oder Rohkarosse (4) und weiter vorzugsweise ein mit der Aufnahme
(18, 18') zusammenwirkendes Hakenteil (22) zum Eingreifen in eine Ausnehmung (21)
an dem Rahmenabschnitt (20) von Fahrzeugteil (2) oder Rohkarosse (4) aufweist.
10. Kunststoff-Betriebsmittel nach Anspruch 9,
wobei das Rast- und/oder Klemmmittel (16') eine Abstands-Verstelleinheit (56) zum
Anpassen des Befestigungsabschnittes (8) an Rahmenabschnitte von Fahrzeugteilen unterschiedlicher
Baureihen aufweist, bevorzugt eines Abstandes zwischen relativ zueinander bewegbaren
Kraftübertragungsflächen am Befestigungsabschnitt (8).
11. Kunststoff-Betriebsmittel nach Anspruch 10,
wobei die Abstands-Verstelleinheit (56) eine in einem Winkel geneigt zu den Kraftübertragungsflächen
(58, 58') am Befestigungsabschnitt (8) verlaufende Schrägführung (60) mit einem Führungselement
(62) und einem am Führungselement (62) verstellbar aufgenommenen Schiebeteil (64)
aufweist,
wobei vorzugsweise das Führungselement (62) und das Schiebeteil (64) miteinander korrespondierende
Verzahnungen (66) aufweisen, welche dazu eingerichtet sind, dass das Schiebeteil (64)
und das Führungselement (62) in nur einer Verstellrichtung relativ zueinander verschiebbar
sind.
12. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der vorstehenden Ansprüche,
dass am Anschlagteil (6, 6'), bevorzugt am Führungsabschnitt (28, 28'), ein sich in
entgegengesetzte Richtung zum Befestigungsabschnitt (8) erstreckender Auflaufabschnitt
(14) mit einer vorzugsweise konvex gekrümmten Auflauffläche (14') angeordnet ist
13. Kunststoff-Betriebsmittel nach einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei das Kunststoff-Betriebsmittel (1, 1') aus einem Kunststoffmaterial mit temperaturbeständigen
Eigenschaften ausgebildet ist, insbesondere aus einem Thermoplast, ausgewählt aus
der Gruppe: Polyamid, Polyetheretherketon, Polyphthalamid und Polyphenylensulfid.
14. Verfahren zum Herstellen eines Kraftfahrzeuges in einer Fertigungstrasse unter Verwendung
eines oder mehrerer Kunststoff-Betriebsmittel zum Halten eines beweglichen Fahrzeugteiles
zur Rohkarosse, mit den Schritten:
- Bereitstellen von zumindest einer Rohkarosse eines Fahrzeuges mit einem oder mehreren
zur Rohkarosse beweglichen Fahrzeugteilen und mindestens eines mit der Rohkarosse
und dem Fahrzeugteil zusammenwirkenden Kunststoff-Betriebsmittels;
- Bewegen der Rohkarosse entlang eines Abschnittes der Fertigungstrasse;
- Verstellen des Kunststoff-Betriebsmittels, sodass (i) die Stellung des beweglichen
Fahrzeugteiles zu der Rohkarosse verändert oder fixiert wird, und/oder (ii) die Haltekraft
zum Halten des beweglichen Fahrzeugteiles in seiner Haltestellung relativ zur Rohkarosse
angepasst wird, und
- Bewegen der Rohkarosse mit dem in seiner Stellung oder der Haltekraft zur Rohkarosse
veränderten Fahrzeugteil entlang eines nachfolgenden Abschnittes der Fertigungstrasse.
15. Verwendung eines Kunststoff-Betriebsmittels (1, 1') nach einem der Ansprüche 1 bis
14 zum Herstellen eines Kraftfahrzeuges in einer Fertigungsstraße, insbesondere in
einem Verfahren nach Anspruch 14.