[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren, ein Computerprogramm und ein System
zum Betreiben einer handgehaltenen, computergesteuerten Kolbenhubpipette sowie eine
entsprechende Kolbenhubpipette und ein mit dieser zusammenwirkendes Datenverarbeitungsgerät.
[0002] Solche handgehaltenen Kolbenhubpipetten werden üblicherweise in medizinischen, biologischen,
biochemischen, chemischen und anderen Laboratorien verwendet. Sie dienen im Labor
zum Transport und Übertragen von fluiden Proben mit kleinen Volumina, insbesondere
zur präzisen Dosierung der Proben. Bei Kolbenhubpipetten werden z.B. flüssige Proben
mittels Unterdruck in Pipettenspitzen eingesaugt, dort gelagert, und am Zielort wieder
aus diesen abgegeben. Eine elektrisch betriebene handgehaltene Kolbenhubpipette ist
oftmals durch mindestens ein Pipettierprogramm steuerbar, um mindestens eine Art von
Pipettiervorgang automatisiert durchzuführen.
[0003] Zu Pipettiervorrichtungen im allgemeinen Sinne gehören z.B. handgehaltene Pipetten
und Dispenser. Handgehaltene Pipetten sind für die einhändige Benutzung durch menschliche
Nutzer ausgebildet. Es gibt aber auch Laborautomaten mit roboterisierten Greifarmen,
deren Greifwerkzeuge die Tätigkeiten einer menschlichen Hand zur Bedienung einer handgehaltenen
Pipette nachbilden und die zum Hantieren und Betreiben einer handgehaltenen Pipette
eingerichtet sind.
[0004] Unter einer Pipette wird ein Gerät verstanden, bei dem mittels einer Bewegungseinrichtung,
die dem Gerät zugeordnet ist und die insbesondere einen Kolben aufweisen kann, eine
zu pipettierende Probe in einen mit der Pipette verbundenen Pipettierbehälter eingesaugt
werden kann. Bei einer Kolbenhubpipette, auch bezeichnet als "Luftpolsterpipette",
ist der Kolben dem Gerät zugeordnet. Zwischen der in der Pipettenspitze angeordneten,
pipettierten Probe und dem Kolbenende befindet sich ein Luftpolster, das beim Aufnehmen
der Probe in die Pipettenspitze ausgedehnt wird, wodurch die Probe mittels Unterdruck
in die Pipettenspitze gesaugt wird. Unter einem Dispenser wird ein Gerät verstanden,
bei dem mittels einer Bewegungseinrichtung, die insbesondere einen Kolben aufweisen
kann, ein zu pipettierendes Volumen in einen mit dem Dispenser verbundenen Pipettierbehälter
eingesaugt werden kann, wobei die Bewegungseinrichtung zumindest teilweise dem Pipettierbehälter
zugeordnet ist, indem z.B. der Kolben im Pipettierbehälter angeordnet ist. Beim Dispenser
befindet sich das Kolbenende sehr nahe an der zu pipettierenden Probe oder in Kontakt
mit dieser, weshalb man den Dispenser auch als Direktverdrängerpipette bezeichnet.
[0005] Bei einer Pipettiervorrichtung kann die durch eine einzelne Betätigung abgegebene
Probenmenge der in das Gerät aufgesaugten Probenmenge entsprechen. Es kann aber auch
vorgesehen sein, dass eine mehreren Abgabemengen entsprechende aufgenommene Probenmenge
schrittweise wieder abgegeben wird. Zudem wird zwischen Einkanal-Pipettiervorrichtungen
und Mehrkanal- Pipettiervorrichtungen unterschieden, wobei Einkanal-Pipettiervorrichtungen
nur einen einzigen Abgabe-/Aufnahmekanal enthalten und Mehrkanal-Pipettiervorrichtungen
mehrere Abgabe-/Aufnahmekanäle enthalten, die insbesondere das parallele Abgeben oder
Aufnehmen mehrerer Proben erlauben. Pipettiervorrichtungen können insbesondere handbetrieben
sein, d.h. ein durch den Benutzer erzeugtes Antreiben der Bewegungseinrichtung implizieren,
und/oder können insbesondere elektronisch betrieben sein. Auch im Falle des Handbetriebs
der Bewegungseinrichtung kann eine Pipettiervorrichtung eine elektrische Pipettiervorrichtung
sein, indem z.B. das aktuelle Ausgabevolumen oder mindestens ein anderer Betriebsparameter
elektrisch eingestellt wird. Die im Rahmen der vorliegenden Erfindung beschriebenen
Pipettiervorrichtungen sind handgehaltene computergesteuerte Kolbenhubpipetten mit
elektrischem Kolbenantrieb, auch bezeichnet als handgehaltene, elektronische Pipette.
[0006] Ein Beispiel für eine handgehaltene, elektronische Pipette des Stands der Technik
ist die Eppendorf Xplorer® und Xplorer® plus der Eppendorf AG, Deutschland, Hamburg;
Beispiele für handgehaltene, elektronische Dispenser sind die Multipette® E3 und Multipette®
E3x der Eppendorf AG, Deutschland, Hamburg.
[0007] Elektrische Pipettiervorrichtungen bieten zahlreiche Vorteile gegenüber nichtelektrischen
Pipettiervorrichtungen, da eine Vielzahl von Funktionen in einfacher Weise implementiert
werden kann. Insbesondere lässt sich bei elektrischen Pipettiervorrichtungen die Durchführung
von bestimmten, programmgesteuerten Pipettiervorgängen vereinfachen, indem diese automatisiert
oder teil-automatisiert werden. Typische Betriebsparameter zum Steuern solcher Pipettiervorgänge
mittels entsprechender Pipettierprogramme betreffen das Volumen beim Ansaugen oder
Abgeben von Flüssigkeit, deren Reihenfolge und Wiederholungen, und gegebenenfalls
deren zeitliche Parameter bei der zeitlichen Verteilung dieser Vorgänge. Eine elektrische
Pipettiervorrichtung kann dazu ausgebildet sein, in einem Betriebsmodus oder mehreren
Betriebsmodi betrieben zu werden. Ein Betriebsmodus kann vorsehen, dass ein Satz mit
einem oder mehreren Betriebsparametern der Pipettiervorrichtung, die einen Pipettiervorgang
der Pipettiervorrichtung beeinflussen oder steuern, automatisch abgefragt, eingestellt
und/oder angewandt wird.
[0008] In der Praxis werden Kolbenhubpipetten oftmals zum Pipettieren von wässrigen Proben
eingesetzt, bei denen also Wasser die Basis der flüssigen Probe bildet. Nach dem Ansaugen
der wässrigen Flüssigkeit in die Pipettenspitze liegt im Luftraum (dem Bereich des
genannten "Luftpolsters") zwischen der innerhalb der Pipettenspitze und dem Kolbenende
ein im Wesentlichen konstanter Luftdruck vor. Veränderungen des Luftdrucks können
sich insbesondere ergeben, wenn sich die Temperatur der Flüssigkeit ändert, da der
Dampfdruck temperaturabhängig ist. Nachfolgend wird, wenn nicht anders beschrieben,
von einem Zustand in Raumtemperatur ausgegangen. Der Dampfdruck von Wasser und somit
der pipettierten Probe ist in diesem Fall auch unmittelbar nach Einsaugen der wässrigen
Probe in die Pipettenspitze im Wesentlichen konstant. Der Dampfdruck ist der Druck,
der sich einstellt, wenn sich in einem abgeschlossenen System ein Dampf mit der zugehörigen
flüssigen Phase im thermodynamischen Gleichgewicht befindet.
[0009] Anders als bei wässrigen Proben ergibt sich bei Flüssigkeiten mit einem höheren Dampfdruck
das Problem, dass die Probe nach dem erstmaligen Einsaugen in die Pipettenspitze abtropft.
Dies liegt daran, dass sich bei diesen Flüssigkeiten der Dampf im genannten Luftraum
mit der eingesaugten Flüssigkeit nach dem ersten Einsaugen noch nicht im thermodynamischen
Gleichgewicht befindet, vielmehr steigt der Druck nach dem ersten Einsaugen während
eines Zeitraums, bis erst bei einem deutlich höheren Dampfdruck als bei Wasser das
thermodynamische Gleichgewicht erreicht ist, was zum Abtropfen der flüssigen Probe
führt.
[0010] In den der Erfindung zugrunde liegenden Experimenten wurden Flüssigkeiten mit einem
höheren Dampfdruck in drei Klassen unterteilt, die sich durch ihren Dampfdruck unterscheiden.
In die erste Klasse fällt das Lösungsmittel Ethanol, in die zweite Klasse Methanol,
und in die dritte Klasse Aceton. In allen drei Klassen handelt es sich um Flüssigkeiten,
die einen deutlich höheren Dampfdruck als Wasser aufweisen, wobei Aceton den höchsten
Dampfdruck aufweist.
[0011] Die genannten Flüssigkeiten mit einem höheren Dampfdruck lassen sich aufgrund der
genannten Probleme des Abtropfens schwieriger pipettieren als Wasser.
[0012] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren, ein System und ein Computerprogramm
bzw. eine Kolbenhubpipette anzugeben, mit dem sich auch Flüssigkeiten mit einem höheren
Dampfdruck als Wasser komfortabel und präzise pipettieren lassen.
[0013] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch das Verfahren nach Anspruch 1, die handgehaltene
Kolbenhubpipette nach Anspruch 12, das System nach Anspruch 15, das Computerprogramm
gemäß Anspruch 16 und das Datenverarbeitungsgerät gemäß Anspruch 17. Bevorzugte Ausgestaltungen
sind insbesondere Gegenstände der Unteransprüche.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren ist ein Verfahren zum Betreiben einer handgehaltenen,
computergesteuerten Kolbenhubpipette, die der computergesteuerten Durchführung eines
Pipettiervorgangs mit einer flüssigen Probe dient, insbesondere zur automatischen
Vorbenetzung der Innenseite einer Pipettenspitze, die am Arbeitskonus der Kolbenhubpipette
angeordnet ist, aufweisend die computergesteuerten Schritte: • Bereitstellen einer
Funktion n_vb(x), die eine Anzahl n_vb von einem oder mehreren Vorbenetzungsschritten
in Abhängigkeit von einer den Pipettiervorgang charakterisierenden Variablen x angibt,
• Erfassen des mindestens einen Parameterwertes der den Pipettiervorgang charakterisierenden
Variablen x; • Ermitteln der der Variablen x zugeordneten Anzahl n_vb von Vorbenetzungsschritten
aus der Funktion n_vb(x); • Ausführen eines Vorbenetzungsschritts oder einer Sequenz
der Anzahl n_vb von mehreren Vorbenetzungsschritten, wobei n_vb > 0 und wobei ein
Vorbenetzungsschritt jeweils beinhaltet, dass von der Kolbenhubpipette eine elektrisch
getriebene Kolbenbewegung durchgeführt wird, um ein Probenvolumen in die Pipettenspitze
aufzunehmen, und anschließend eine inverse Kolbenbewegung durchgeführt wird, um das
in der Pipettenspitze enthaltene Probenvolumen zumindest teilweise oder vollständig
wieder aus der Pipettenspitze abzugeben.
[0015] Die Funktion n_vb(x) ordnet den Werten einer ein- oder mehrdimensionalen Variablen
x einen Wert n_vb zu. Der Wertebereich der Funktion n_vb(x) enthält mindestens zwei
unterschiedliche Werte.
[0016] Die Variable x kann eindimensional sein, also nur einen Parameter beinhalten, z.B.
ein Volumen. Die Variable x kann mehrdimensional sein, also mehrere Parameter beinhalten,
z.B. Flüssigkeitstyp und Volumen. Durch die Auswahlmöglichkeit unterschiedlicher Werte
n_vb in Abhängigkeit der Variablen x kann für verschiedene Pipettierbedingungen eine
individuelle Anzahl von Vorbenetzungsschritten ausgewählt werden. Auf diese Weise
ist es insbesondere möglich, den aus den Vorbenetzungsschritten resultierenden Zeitaufwand
zu minimieren, der notwendig ist, um die gewünschten Pipettiervorgänge bei einer einen
höheren Dampfdruck als Wasser aufweisenden Flüssigkeit auch ohne Abtropfen der Flüssigkeit
präzise durchführen zu können. Als Maßstab für eine zeitliche Optimierung kann beispielsweise
einfach herangezogen werden, dass durch die Anzahl der Vorbenetzungsschritte ein Abtropfen
der mit der Flüssigkeit befüllten Pipettenspitze für eine Zeitspanne Δt gemessen ab
der vollständigen Aufnahme der Probe in die Pipettenspitze verhindert sein soll.
[0017] Der Erfindung liegt die Beobachtung zugrunde, dass die Zeit bis zum Erreichen des
durch die Vorbenetzungsschritte einstellbaren thermodynamischen Gleichgewichts im
Raum zwischen Flüssigkeit und Kolben bei einer in die Pipettenspitze aufgenommenen
Flüssigkeit von verschiedensten Faktoren abhängen kann. Berücksichtigt man diese leicht
zu ermittelnden Faktoren bzw. Parameter, erhält man eine optimale Pipettierstrategie
für die betreffende Flüssigkeitsprobe.
[0018] Beim Vorbenetzen einer Pipettenspitze vergrößert man die Flüssigkeitsgrenzfläche,
die in der beladenen Pipettenspitze zwischen der Flüssigkeit und dem oberhalb der
Flüssigkeit gelegenen Luftvolumen gebildet wird. Nach dem Ansaugen der Flüssigkeit
in die Pipettenspitze wird diese Flüssigkeitsgrenzfläche zunächst vom Meniskus gebildet,
dessen Oberfläche bei einer vertikal gehaltenen Pipettenspitze eine etwas größere
Fläche haben wird als der in Höhe des Meniskus vorliegende kreisförmige Querschnitt
durch den von der Pipettenspitze gebildeten konus- oder zylinderförmige Gefäßinnenraum
der Pipettenspitze. Gibt man die Flüssigkeit aus der Pipettenspitze nahezu komplett
ab, so verbleibt an der Innenseite der Pipettenspitze ein Flüssigkeitsfilm, der -
in erster Näherung - der zuvor maximal benetzten Innenfläche der Pipettenspitze entspricht.
Da diese Benetzungsfläche deutlich größer ist als der Meniskus, ist - bis zum vollständigen
Verdampfen des Flüssigkeitsfilms - auch die pro Zeit verdampfende Flüssigkeit entsprechend
größer. Der im Luftvolumen für ein Gleichgewicht erforderliche Dampfdruck kann sich
dadurch schneller ausbilden. Ein Gleichgewicht zwischen Gravitationskraft und dem
im Luftraum vorhandenen Unterdruck liegt nach Durchführung der erforderlichen Vorbenetzungsschritte
unmittelbar vor, so dass ein Abtropfen zumindest für den betrachteten Testzeitraum
Δt verhindert wird. Entsprechende, für alle Flüssigkeiten, Pipettenspitzen und Gerätetypen
von Kolbenhubpipetten einfach und reproduzierbar durchführbare Messungen sind in Zusammenhang
mit den Figuren erläutert.
[0019] Die Funktion n_vb(x) optimiert vorzugsweise eine Anzahl n_vb von einem oder mehreren
Vorbenetzungsschritten in Abhängigkeit von einer den Pipettiervorgang charakterisierenden
Variablen x in der Weise, dass der im Luftpolster zwischen flüssiger Probe und unbewegtem
Kolben der Kolbenhubpipette mittels der Vorbenetzungen erzielte Luftdruck ausreichend
konstant ist, um ein Austropfen der im Pipettiervorgang in die Pipettenspitze anzusaugenden
Probe zu verhindern. Der Luftdruck wird insbesondere dann als ausreichend konstant
angenommen, wenn ein Abtropfen unter Standardbedingungen für einen Zeitraum Δt verhindert
wird. Für das manuelle Pipettieren geeignete Zeiträume sind z.B., jeweils vorzugsweise,
Δt = 10 Sekunden, Δt = 15 s, Δt = 20 s, Δt = 25 s, Δt = 30 s, Δt = 40 s, Δt = 50 s,
Δt = 60 s. Die Standardbedingungen beinhalten eine Situation bei Raumtemperatur, die
Kolbenhubpipette soll ab dem Ansaugen des Volumens V der zu pipettierenden Probe in
die Pipettenspitze erschütterungsfrei und unbewegt gelagert sein, z.B. durch Platzierung
der Kolbenhubpipette in einem Pipettenständer, wobei die Pipettenspitze insbesondere
vertikal, also parallel zur Gravitationskraft, gelagert ist. Es wird die Zeit ab Ende
des Ansaugens erfasst, bis ein erster Flüssigkeitstropfen vom unteren Ende der Pipettenspitze
abtropft.
[0020] Als wichtiger Faktor bei der Ermittlung der Anzahl n_vb von Vorbenetzungen erwies
sich der Flüssigkeitstyp, d.h. insbesondere der unter Standardbedingungen anzugebende
Dampfdruck der Flüssigkeit. Für Ethanol ist dieser Dampfdruck 58 hPa, für Methanol
129 hPa und für Aceton 246 hPa. Der Flüssigkeitstyp kann beschrieben werden durch
einen den Hauptflüssigkeitsbestandteil der zu pipettierenden flüssigen Probe chemisch
identifizierenden Parameter ID_LM.
[0021] Bei Mischungen von Flüssigkeiten mit bekanntem Dampfdruck kann das Mischverhältnis
als Faktor bei der Ermittlung der Anzahl n_vb von Vorbenetzungen herangezogen werden.
Verwendet man eine Flüssigkeit, die insbesondere aufgrund eines niedrigen Dampfdrucks
nicht zum Abtropfen neigt, z.B. Wasser, als Verdünnungsmittel für eine Flüssigkeit
mit höherem Dampfdruck, so lässt sich auch die Verdünnung als Faktor bei der Ermittlung
der Anzahl n_vb von Vorbenetzungen verwenden, insbesondere durch Benennung der Menge,
des Volumen- oder Gewichtsanteils des in der zu pipettierenden flüssigen Probe enthaltenen
Verdünnungsmittels, identifizierbar durch einen Parameter ID_VM.
[0022] Als weiterer wichtiger Faktor bei der Ermittlung der Anzahl n_vb von Vorbenetzungen
erwies sich der Füllstand in einer Pipettenspitze, bezogen auf das Nennvolumen (nominelle
Maximalfüllung) der Pipettenspitze, der z.B. bei 100%, 50 und 10% des Nennvolumens
betrachtet werden kann. Analog dazu ist das in die Pipettenspitze bei einem Pipettiervorgang
aufgenommene Volumen V ein wichtiger Faktor bei der Ermittlung der Anzahl n_vb von
Vorbenetzungen.
[0023] Als weiterer wichtiger Faktor bei der Ermittlung der Anzahl n_vb von Vorbenetzungen
erwies sich der Gerätetyp der Kolbenhubpipette. Dies lässt sich unter anderem dadurch
erklären, dass das Volumen des Luftraums zwischen dem Ausgang eines Arbeitskonus und
dem Kolben der Kolbenhubpipette von Gerät zu Gerät unterschiedlich ist. Der genannte
Luftraum trägt maßgeblich zu dem gesamten Luftraum zwischen Flüssigkeit und Kolbenende
bei, in dem sich zur Ausbildung eines Gleichgewichts ein Dampfdruck einstellen muss.
Als Faktor bzw. Parameter herangezogen werden kann daher auch ein den Gerätetyp der
den Pipettiervorgang durchführenden Kolbenhubpipette identifizierenden Parameter ID_GT.
Gleichwertig zu einem solchen Parameter ist bei einem Satz bekannter Kolbenhubpipetten,
bei denen jeweils ein bestimmter Gerätetyp ein bestimmtes Nennvolumen aufweist (z.B.
der Pipettensatz: 10 µl-Pipette, 100 µl-Pipette, 300 µl-Pipette, 1000 µl-Pipette,
1200 µl-Pipette, 5 ml-Pipette, 10 ml-Pipette), die Verwendung eines Parameters V_nom,
der das Nennvolumen der Pipette enthält und damit die Pipette eindeutig identifiziert.
[0024] Auch der Pipettenspitzentyp ist ein Parameter, der bei der Ermittlung der Anzahl
n_vb von Vorbenetzungen verwendet werden kann. Einerseits kann die Benetzbarkeit durch
das Material der Pipettenspitze variieren. Andererseits weisen die Pipettenspitzen
unterschiedliche, das Einstellen des Dampfdrucks bestimmende Innenflächengrößen, auf,
sowie variierende Nennvolumina und Luftraumvolumina oberhalb der Flüssigkeit. Als
Faktor bzw. Parameter herangezogen werden kann daher auch ein die im Pipettiervorgang
verwendete Pipettenspitze identifizierender Parameter ID_ST.
[0025] Ein weiterer bei der Ermittlung der Anzahl n_vb von Vorbenetzungen verwendbarer Parameter
kann die Geschwindigkeit v_K sein, mit welcher der Kolben der Kolbenhubpipette bei
der Durchführung des mindestens einen Vorbenetzungsschrittes bewegt wird. Besonders
bevorzugt ist aber in diesem Zusammenhang, die maximale, bei einer bestimmten Kolbenhubpipette
einstellbare Geschwindigkeit zu verwenden, da hierdurch unmittelbar die für die Durchführung
des mindestens einen Vorbenetzungsschritts erforderliche Zeitspanne bestimmt wird,
die es zu minimieren gilt.
[0026] Da der Dampfdruck, und somit auch die Anzahl n_vb von Vorbenetzungen auch von Umgebungsparametern
p_u abhängt, kann dieser auch als Faktor herangezogen werden. Ein relevanter Parameter
zur Ermittlung der Anzahl n_vb von Vorbenetzungen ist die zum Pipettiervorgang vorliegende
Temperatur T der Umgebung der Kolbenhubpipette oder der im Pipettiervorgang zu pipettierenden
flüssigen Probe, und/oder ein zum Pipettiervorgang vorliegender Luftdruck oder Dampfdruck
P der Umgebung der Kolbenhubpipette.
[0027] Die Funktion n_vb(x) ordnet den Werten einer ein- oder mehrdimensionalen Variablen
x einen Wert n_vb zu. Der Wertebereich der Funktion n_vb(x) enthält mindestens zwei
unterschiedliche Werte. Eine in der Praxis für verschiedenste Pipettiersituationen
gültige Funktion n_vb(x) enthält eine Vielzahl unterschiedlicher Zuordnungen eines
Wertes n_vb zu den Komponenten bzw. Parametern einer mehrdimensionalen Variablen x,
der Wertebereich enthält dann eine Vielzahl unterschiedlicher Werte der Anzahl n_vb.
Die Zuordnungen können in Form einer Datenzuordnungstabelle vorliegen, welche die
Funktion n_vb(x) repräsentieren kann. Die Funktion kann die Datenzuordnungstabelle
enthalten, um der Variablen x eine Anzahl n_vb zuzuordnen.
[0028] Vorzugsweise enthält die Variable x die folgende Kombination von Parametern:
- einen den Hauptflüssigkeitsbestandteil der zu pipettierenden flüssigen Probe chemisch
identifizierenden Parameter ID_LM,
- einen den Gerätetyp der Kolbenhubpipette identifizierenden Parameter ID_GT oder V_nom,
- mindestens ein oder zwei unterschiedliche Füllstände FV_nom, oder genau zwei oder
genau drei unterschiedliche Füllstände FV_nom der zur Kolbenhubpipette passenden Pipettenspitze,
insbesondere Füllstände FV_nom bei 10%, 50% und/oder 100% des Nennvolumens.
Diese Kombination x=(ID_LM; ID_GT oder V_nom; FV_nom) erwies sich in der Praxis als
geeignet, um für fast alle Pipettiersituationen geeignete Anzahl n_vb von Vorbenutzungen
anzugeben. Insbesondere lässt sich für zu pipettierende bzw. in die Pipettenspitze
aufzunehmende Flüssigkeitsprobenvolumina, die nicht den Werten FV_nom entsprechen,
die geeignete Anzahl aus einem Algorithmus bzw. einer Näherungsgleichung angeben,
die sich aus den Wertepaaren (n_vb; FV_nom) ermitteln lässt. Als eine geeignete Näherungsgleichung
erwies sich hierbei insbesondere eine Gerade oder eine Kombination aus zwei Geradenabschnitten.
Dies wird nachfolgend noch erläutert.
[0029] In der Praxis hat es sich zudem als vorteilhaft erwiesen, auch wenn dies technisch
nicht zwingend ist, die Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte auf eine Maximalzahl
n_max zu beschränken. Besonders sinnvoll erweist sich die Anzahl n_max = 99, n_max
= 50; n_max=20; n_max=10. Bei solchen Werten lässt sich mit den meisten Flüssigkeiten
optimal arbeiten, mit einem Fokus entweder auf der Maximierung der Abtropfsicherheit
oder auf der Minimierung der für die Vorbenetzungen aufgewendeten Zeitspanne (Zeitoptimierung).
Falls sich bei einer zu pipettierenden Probe unter bestimmten Parametern von x kein
Abtropfen zeigt, wird von der Funktion n_vb(x) bei den entsprechenden Parametern x
in der Praxis der Wert N_vb=0 (Null) zugewiesen, dort ist kein Vorbenetzen notwendig.
Die Erfindung beinhaltet, dass die Funktion n_vb(x) mindestens einen Wert n_vb >0
beinhaltet, der bei mindestens einer Variablen, also Parameterkombination x, zugeordnet
wird.
[0030] Aufgrund der gewünschten Zeitoptimierung erwies es sich zudem als vorteilhaft, die
maximale Geschwindigkeit v_K_max der Kolbenbewegung zu verwenden. Die maximale Kolbengeschwindigkeit
betrug in den der Erfindung zugrunde liegenden Experimenten bei Kolbenhubpipetten
mit einem Nennvolumen V_nom = 10 µl, 100 µl, 300 µl, 1000 µl jeweils v_K_max = V_nom
/ 1,8 s, bei V_nom = 1200 µl ist v_K_max = V_nom / 2,0 s, bei V_nom = 5 ml, 10 ml
ist v_K_max = 5,2 s.
[0031] Die Funktion n_vb(x) kann auch teilweise oder vollständig mindestens einen Rechenalgorithmus
enthalten oder durch diesen repräsentiert sein, um der Variablen x die Anzahl n_vb
zuzuordnen. Eine solche algorithmische Zuordnung ist insbesondere geeignet, um ausgehend
von bekannten, da experimentell bestimmten, Wertzuordnungen von n_vb(x) weitere Werte
per Interpolation oder Extrapolation zu bestimmen. Beispielsweise können einige der
Parameter der Variablen x experimentell bestimmt sein, und für einen ausgewählten
Parameter xi, also eine Komponente aus x, kann mittels des Algorithmus eine Zuordnung
getroffen werden, die einer Variation von xi die gewünschten Werte n_vb(xi) zuordnet.
Insbesondere kann im Fall eines insbesondere zuvor bestimmten Gerätetyp einer Kolbenhubpipette,
bei insbesondere zuvor bestimmtem Pipettenspitzentyp und insbesondere zuvor bestimmtem
Flüssigkeitstyp eine Reihe von Wertzuordnungen n_vb(xi) über einen Algorithmus vorgenommen
sein, wobei xi insbesondere das bei einem geplanten Pipettiervorgang zu pipettierende,
insbesondere in die Pipettenspitze anzusaugende Volumen V sein kann.
[0032] Die Variable x beinhaltet in einer bevorzugten Ausführungsform den Parameterwert
V des Volumens des in dem Pipettiervorgang in die Pipettenspitze anzusaugenden Pipettiervolumens
V oder wird durch diesen Parameterwert V gebildet, wobei die Funktion n_vb(V), insbesondere
in Abhängigkeit vom Lösungsmittel der beim Pipettiervorgang angesaugten Probe, als
linearer Zusammenhang zwischen n_vb und V beschrieben wird, also n_vb = a
∗ V + b. Dabei sind a und b reelle Zahlen. Dabei ist vorzugsweise der Bereich der pipettierbaren
Volumina V in zwei Abschnitte unterteilt, in denen jeweils ein charakteristischer
Parametersatz a, b gilt, so dass im ersten Abschnitt V1 bis V2 von möglichen Volumina
die Beziehung n_vb = a1
∗ V + b1 und im zweiten Abschnitt V2 bis V3 von möglichen Volumina die Beziehung n_vb
= a2
∗ V + b2 gilt, und insbesondere a1 <> a2 und b1<>b2 ist. Diese Darstellung führt in
Experimenten zu einer ausreichend präzisen Beschreibung der optimalen Anzahl n_vb
von Vorbenetzungen in Abhängigkeit vom Pipettiervolumen V.
[0033] Das erfindungsgemäße Verfahren ist insbesondere ein Verfahren zur automatischen Vorbenetzung
der Innenseite einer Pipettenspitze, die am Arbeitskonus der Kolbenhubpipette angeordnet
ist, aufweisend die im Anspruch genannten, computergesteuerten Schritte. Da das Vorbenetzen
die Durchführung eines präzisen Pipettierschritts bewirkt, ist das erfindungsgemäße
Verfahren insbesondere ein Verfahren zur Durchführung eines computergesteuerten Pipettiervorgangs
mittels einer handgehaltenen computergesteuerten Kolbenhubpipette, aufweisend die
Schritte des erfindungsgemäßen Verfahrens zur automatischen Vorbenetzung, und aufweisend
den Schritt, dass im Anschluss an das Ausführen der Sequenz der Anzahl n (n >= 1)
von einem oder mehreren Vorbenetzungsschritten automatisch der folgende computergesteuerte
Schritt ausgeführt wird: • Ansaugen eines Probenvolumens V der flüssigen Probe in
die Pipettenspitze und insbesondere Halten dieses Probenvolumens V der flüssigen Probe
in der Pipettenspitze, insbesondere für eine unbestimmte Zeitspanne oder eine bestimmte
Zeitspanne Δt.
[0034] Das Bereitstellen der Funktion n_vb(x), die eine Anzahl n_vb von einem oder mehreren
Vorbenetzungsschritten in Abhängigkeit von einer den Pipettiervorgang charakterisierenden
Variablen x angibt, kann in unterschiedlicher Weise gerätetechnisch implementiert
sein:
Vorzugsweise ist ein externes Datenverarbeitungsgerät vorgesehen, das insbesondere
eine Datenschnittstelleneinrichtung, insbesondere eine Benutzerschnittstelleneinrichtung
(z.B. Touchscreen) und insbesondere eine elektronische Steuereinrichtung aufweist.
Es kann eine Kolbenhubpipette vorgesehen sein oder mehrere Kolbenhubpipetten vorgesehen
sein, wobei eine Kolbenhubpipette jeweils eine elektronische Steuereinrichtung aufweisen
kann. Die Steuereinrichtungen des externen Datenverarbeitungsgeräts und der Kolbenhubpipette
können jeweils dazu eingerichtet sein, über eine drahtgebundene oder vorzugsweise
drahtlose Datenverbindung Daten miteinander auszutauschen.
[0035] Die Datenverbindung kann insbesondere eine Datenfernverbindung sein, die vorzugsweise
ein Funknetz, insbesondere WLAN verwendet. Dazu weisen das externe Datenverarbeitungsgerät
und die Kolbenhubpipette vorzugsweise jeweils eine Funkeinrichtung für den Datenaustausch
auf, insbesondere ein Funkmodul, z.B. einen WLAN-Netzwerkadapter.
[0036] Die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts ist vorzugsweise eingerichtet,
um mittels der Datenschnittstelleneinrichtung, insbesondere Benutzerschnittstelleneinrichtung
mindestens einen oder alle der genannten Parameter der Variablen x zu erfassen, insbesondere
einen oder mehrere der Parameter ID_LM, ID_VM, ID_GT, ID_ST, v_K, pu, T oder P. Die
Datenschnittstelleneinrichtung kann dazu eingerichtet sein, die genannten Parameter
teilweise oder alle über die Datenverbindung, insbesondere Datenfernverbindung, z.B.
WLAN, mit einem weiteren externen Datenverarbeitungsgerät zu erfassen, das z.B. ein
PC, Smartphone oder Tabletcomputer sein kann. Die Steuereinrichtung und/oder die Datenschnittstelleneinrichtung
kann dazu eingerichtet sein, Parameter, insbesondere die der Variablen x, teilweise
oder alle aus einem Datenspeicher, insbesondere einem Datenspeicher des externen Datenverarbeitungsgeräts
zu erfassen.
[0037] Die Benutzerschnittstelleneinrichtung beinhaltet vorzugsweise mindestens ein Eingabemittel,
z.B. eine Tastatur, ein Computermausgerät, ein Mikrofon zur Sprachsteuerung, eine
Kamera zur Gestenerfassung, und/oder einen Touchscreen, über das ein Benutzer Eingaben
am externen Datenverarbeitungsgerät vornehmen kann, und beinhaltet vorzugsweise mindestens
ein Ausgabemittel, z.B. einen Bildschirm, Lautsprecher, über das der Benutzer Informationen
vom externen Datenverarbeitungsgerät erhalten kann. Ein Touchscreen kann als kombiniertes
Ein- und Ausgabemittel dienen. Die Variable x kann aber auch über eine weitere Datenverbindung
zwischen dem externen Datenverarbeitungsgerät und einem weiteren externen Datenverarbeitungsgerät,
insbesondere einem Computer, Tabletcomputer oder Smartphone, von der Steuereinrichtung
des externen Datenverarbeitungsgeräts erfasst werden.
[0038] Die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts bzw. das externe Datenverarbeitungsgerät
und/oder die Kolbenhubpipette bzw. deren Steuereinrichtung weist vorzugsweise einen
Datenspeicher auf, auf dem die Funktion n_vb(x) gespeichert ist oder speicherbar ist.
[0039] Die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts oder die Steuereinrichtung
der Kolbenhubpipette ist vorzugsweise dazu eingerichtet bzw. programmiert, aus dem
mindestens einen oder allen der genannten Parameter der Variablen x anhand der Funktion
n_vb(x) den Wert der Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte zu ermitteln. Das externen
Datenverarbeitungsgerät kann insbesondere eine -insbesondere in einem Datenspeicher
gespeicherte- Steuerungssoftware verwenden, die die Funktionen des externen Datenverarbeitungsgeräts
steuert, insbesondere die Funktion zur Erfassung der Variablen x, die Funktion zur
Ermittlung des Wertes n_vb aus der Funktion n_vb(x) und/oder die Funktion des Datenaustauschs
mit einer Kolbenhubpipette, um insbesondere mindestens einen Wert, vorzugsweise den
zuvor ermittelten Wert n_vb, an die Kolbenhubpipette bzw. deren Steuereinrichtung
zu übertragen.
[0040] Insbesondere wenn die Funktion n_vb(x) in der Kolbenhubpipette gespeichert ist und
von der Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette ausgewertet wird, ist das externe Datenverarbeitungsgerät
zur Ausführung der Erfindung nicht essentiell. Es ist möglich, dass die Steuereinrichtung
des externen Datenverarbeitungsgeräts dazu eingerichtet bzw. programmiert ist, die
Parameter der Variablen x all oder teilweise mittels der Datenschnittstelleneinrichtung
zu erfassen und mittels der Datenverbindung an die Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette
zu übertragen. Die Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette kann eingerichtet sein,
die so erfassten Parameter der Variablen x zu verwenden, um aus der Funktion n_vb(x)
den zugeordneten Wert n_vb zu bestimmen, wobei insbesondere die Funktion n_vb(x) in
einem Datenspeicher der Kolbenhubpipette gespeichert sein kann.
[0041] Die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts ist vorzugsweise dazu
eingerichtet bzw. programmiert, nach dem Übertragen zumindest des Wertes n_vb oder
dem Übertragen von Parametern der Variablen x an die Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette
von der Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette ein Antwortsignal, insbesondere Antwortdaten
zu erhalten. Durch Empfangen dieses Antwortsignals ist die Steuereinrichtung des externen
Datenverarbeitungsgeräts vorzugsweise dazu eingerichtet, die erfolgreiche Übertragung
der gesendeten Parameter zu registrieren und/oder einen Übertragungsfehler zu registrieren.
Eine den Erfolg oder den Misserfolg der Übertragung beinhaltende Information kann
über die Benutzerschnittstelleneinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts an
den Benutzer ausgegeben werden,
[0042] Die Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette ist vorzugsweise dazu eingerichtet bzw.
programmiert, nach dem Erfassen zumindest des Wertes n_vb oder dem Erfassen von Parametern
der Variablen x von der Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts an
die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts ein Antwortsignal, insbesondere
Antwortdaten zu übertragen.
[0043] Vorzugsweise erfasst die Steuereinrichtung der mindestens einen Kolbenhubpipette
den Wert n_vb über die Datenverbindung und speichert diesen insbesondere temporär
in einem Datenspeicher der Kolbenhubpipette. Es ist auch bevorzugt, dass die Steuereinrichtung
der mindestens einen Kolbenhubpipette zusätzlich zu dem Wert n_vb über die Datenverbindung
auch noch weitere Werte erfasst, insbesondere das im gewünschten Pipettiervorgang
zu pipettierende Flüssigkeitsvolumen V, und oder eine Geschwindigkeit v_K der beim
Pipettiervorgang zu verwendenden Kolbengeschwindigkeit(en), und speichert diese Werte
insbesondere temporär in einem Datenspeicher der Kolbenhubpipette. Auf diese Weise
können alle Werte, die zur automatisierten Durchführung eines ein- oder mehrschrittigen
Pipettiervorgangs erforderlich sind, von dem externen Datenverarbeitungsgerät an die
Kolbenhubpipette übertragen werden, welche insbesondere diese Werte verwendet, um
den genannten Pipettiervorgang auszuführen.
[0044] Das externe Datenverarbeitungsgerät ist vorzugsweise ein handgehaltener Computer.
Das externe Datenverarbeitungsgerät ist nicht Bestandteil der handgehaltenen Kolbenhubpipette
und wird deshalb als "extern" bezeichnet. Es weist vorzugsweise eine Gehäuse auf,
in dem die weiteren Komponenten des externen Datenverarbeitungsgeräts enthalten sind,
insbesondere: die Steuereinrichtung, eine Datenschnittstelleneinrichtung, insbesondere
eine Benutzerschnittstelleneinrichtung, insbesondere ein Bildschirm, insbesondere
ein Touchscreen, bzw. ein Eingabegerät für die Benutzereingabe, eine Datenschnittstelle,
insbesondere eine Funkeinrichtung für den Datenaustausch, und/oder ein Netzteilanschluss
und/oder ein Akku.
[0045] Die erfindungsgemäße handgehaltene Kolbenhubpipette zur computergesteuerten Durchführung
eines Pipettiervorgangs mit einer flüssigen Probe, weist auf: eine elektronische Steuereinrichtung,
eine Kolbenkammer und einen darin beweglichen Kolben, einen elektrischen Kolbenantrieb
zum Bewegen des Kolbens, insbesondere einen Elektromotor, einen Arbeitskonus, an dem
eine Pipettenspitze befestigbar ist. Die Steuereinrichtung ist dazu eingerichtet,
den Kolbenantrieb zu steuern und ein Pipettierprogramm auszuführen, das die folgenden
Schritte umfasst: • Ausführen einer Sequenz der Anzahl n_vb von einem oder mehreren
Vorbenetzungsschritten, wobei ein Vorbenetzungsschritt jeweils insbesondere beinhaltet,
dass von der Kolbenhubpipette eine elektrisch getriebene Kolbenbewegung durchgeführt
wird, um ein Probenvolumen in die Pipettenspitze aufzunehmen, und anschließend eine
inverse Kolbenbewegung durchgeführt wird, um das Probenvolumen zumindest teilweise
oder vollständig aus der Pipettenspitze abzugeben, • im Anschluss an den mindestens
einen Vorbenetzungsschritt: Ausführen eines Pipettiervorgangs, beinhaltend das Ansaugen
eines Probenvolumens V der flüssigen Probe in die Pipettenspitze und insbesondere
Halten dieses Probenvolumens V der flüssigen Probe in der Pipettenspitze, insbesondere
für eine unbestimmte Zeitspanne oder eine bestimmte Zeitspanne Δt.
[0046] Die Steuereinrichtung der erfindungsgemäßen handgehaltenen Kolbenhubpipette ist vorzugsweise
dazu eingerichtet, den Wert des in dem Pipettiervorgang in die Pipettenspitze anzusaugenden
Pipettiervolumens V und/oder den Wert n_vb über eine Datenverbindung von einem externen
Datenverarbeitungsgerät zu erhalten, und die einen Datenspeicher aufweist, in der
der Wert V und/oder der Wert n_vb speicherbar sind.
[0047] Die Kolbenhubpipette kann eine Einkanalpipette oder eine Mehrkanalpipette sein. Einkanal-Pipetten
enthalten nur einen einzigen Abgabe-/Aufnahmekanal bzw. nur einen einzigen Arbeitskonus,
und Mehrkanal-Pipetten enthalten mehrere Abgabe-/Aufnahmekanäle bzw. Arbeitskoni,
die insbesondere das parallele Abgeben oder Aufnehmen mehrerer Proben erlauben.
[0048] Die Erfindung betrifft auch ein System zur automatischen Vorbenetzung der Innenseite
einer Pipettenspitze, die am Arbeitskonus einer handgehaltenen, computergesteuerten
Kolbenhubpipette angeordnet ist, die der computergesteuerten Durchführung eines Pipettiervorgangs
mit einer flüssigen Probe dient, aufweisend mindestens eine erfindungsgemäße handgehaltene
Kolbenhubpipette, ein externes Datenverarbeitungsgerät, das eine Benutzerschnittstelleneinrichtung
(z.B. Touchscreen) und eine elektronische Steuereinrichtung aufweist, wobei die Steuereinrichtungen
des externen Datenverarbeitungsgeräts und der Kolbenhubpipette dazu eingerichtet sind,
über eine Datenverbindung, vorzugsweise eine Datenfernverbindung, z.B. WLAN, Daten
miteinander auszutauschen, wobei die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts
eingerichtet ist, mittels der Benutzerschnittstelleneinrichtung eine Variable x zu
erfassen, insbesondere den Parameterwert V des Volumens des in dem Pipettiervorgang
in die Pipettenspitze anzusaugenden Pipettiervolumens V, einen das Lösungsmittel der
zu pipettierenden flüssigen Probe identifizierenden Parameter ID_LM, einen den Gerätetyp
der den Pipettiervorgang durchführenden Kolbenhubpipette identifizierenden Parameter
ID_GT oder V_nom, und/oder insbesondere einen den Pipettenspitzentyp der im Pipettiervorgang
verwendeten Pipettenspitze identifizierenden Parameter ID_ST, wobei insbesondere das
System mindestens einen Datenspeicher aufweist, der die Funktion n_vb(x) enthält,
über die die Steuereinrichtung aus dem mindestens einen oder allen der genannten Parameter
der Variablen x den Wert der Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte ermittelt, und
das System dazu eingerichtet ist, aus dem mindestens einen oder allen der genannten
Parameter der Variablen x mittels der Funktion n_vb(x) den Wert der Anzahl n_vb der
Vorbenetzungsschritte zu ermitteln, wobei die Steuereinrichtung der mindestens einen
Kolbenhubpipette dazu eingerichtet ist, die Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte
zu erfassen, insbesondere über eine Datenverbindung mit dem externen Datenverarbeitungsgerät.
Die Kolbenhubpipette ist vorzugsweise ein netzunabhängig betriebenes Gerät und weist
insbesondere einen Akku als Energiequelle für elektrische Funktionen der Kolbenhubpipette
auf.
[0049] Die Erfindung betrifft auch ein Datenverarbeitungsgerät, das insbesondere das genannte
externe Datenverarbeitungsgerät ist, aufweisend:
eine Datenschnittstelleneinrichtung, insbesondere Benutzerschnittstelleneinrichtung,
z.B. Touchscreen, und
eine elektronische Steuereinrichtung,
wobei die Steuereinrichtung des Datenverarbeitungsgeräts dazu eingerichtet, insbesondere
programmiert ist - also ein dazu geeignetes Computerprogramm aufweist, insbesondere
das erfindungsgemäße Computerprogramm - über eine Datenverbindung, z.B. eine Datenfernverbindung,
z.B. WLAN, Daten mit der Steuereinrichtung einer Kolbenhubpipette auszutauschen, insbesondere
der erfindungsgemäßen Kolbenhubpipette, die der computergesteuerten Durchführung eines
Pipettiervorgangs mit einer flüssigen Probe dient,
wobei die Steuereinrichtung des Datenverarbeitungsgeräts eingerichtet ist, insbesondere
programmiert ist, mittels der Datenschnittstelleneinrichtung eine Variable x zu erfassen,
insbesondere den Parameterwert V des Volumens des in dem Pipettiervorgang in die Pipettenspitze
anzusaugenden Pipettiervolumens V, einen das Lösungsmittel der zu pipettierenden flüssigen
Probe identifizierenden Parameter ID_LM, einen den Gerätetyp der den Pipettiervorgang
durchführenden Kolbenhubpipette identifizierenden Parameter ID_GT, und/oder einen
den Pipettenspitzentyp der im Pipettiervorgang verwendeten Pipettenspitze identifizierenden
Parameter ID_ST, und
wobei die Steuereinrichtung des Datenverarbeitungsgeräts dazu eingerichtet ist, insbesondere
programmiert ist, aus dem mindestens einen oder allen der genannten Parameter der
Variablen x den Wert der Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte zu ermitteln und für
die Datenverarbeitung durch die Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette bereitszustellen
und/oder über die Datenverbindung an die Kolbenhubpipette zu übertragen. Das Datenverarbeitungsgerät,
insbesondere dessen Steuereinrichtung, kann einen Datenspeicher aufweisen, der die
Funktion n_vb(x) enthält, über die die Steuereinrichtung aus dem mindestens einen
oder allen der genannten Parameter der Variablen x den Wert der Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte
ermittelt. Dieser Datenspeicher kann aber auch auf einem weiteren Datenverarbeitungsgerät
außerhalb des Datenverarbeitungsgeräts angeordnet sein, und die Parameter der Variablen
x bzw. der daraus ermittelte Wert n_vb können über die Datenschnittstelleneinrichtung,
die z.B. eine drahtlose oder drahtgebundene Datenverbindung realisieren kann, zwischen
der Steuereinrichtung des Datenverarbeitungsgeräts und dem weiteren Datenverarbeitungsgerät
ausgetauscht werden.
[0050] Die Erfindung betrifft auch ein Computerprogramm, insbesondere ein Computerprogramm
zum Betreiben einer handgehaltenen, computergesteuerten Kolbenhubpipette, die der
computergesteuerten Durchführung eines Pipettiervorgangs mit einer flüssigen Probe
dient, insbesondere zur automatischen Vorbenetzung der Innenseite einer Pipettenspitze,
die am Arbeitskonus der Kolbenhubpipette angeordnet ist, wobei das Computerprogramm
Befehle umfasst, die bei der Ausführung des Computerprogramms durch den Zentralprozessor
mindestens einer elektrischen Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette oder einer externen
Datenverarbeitungsvorrichtung diesen Zentralprozessor veranlassen, die folgenden Schritte
auszuführen, • Erfassen des mindestens einen Parameterwertes der den Pipettiervorgang
charakterisierenden Variablen x; • Zugriff auf einen Datenspeicher, in dem eine Funktion
n_vb(x) gespeichert ist, die eine Anzahl n_vb von einem oder mehreren Vorbenetzungsschritten
in Abhängigkeit von einer den Pipettiervorgang charakterisierenden Variablen x angibt,
• Ermitteln der der Variablen x zugeordneten Anzahl n_vb von Vorbenetzungsschritten
aus der Funktion n_vb(x); Bereitstellen zumindest des Wertes n_vb, damit dieser von
der Steuereinrichtung einer Kolbenhubpipette verwendbar ist, um mindestens einen Vorbenetzungsschritt
der Anzahl n_vb durchzuführen; optional: • Ausführen eines Vorbenetzungsschritts oder
einer Sequenz der Anzahl n_vb von mehreren Vorbenetzungsschritten, wobei ein Vorbenetzungsschritt
jeweils beinhaltet, dass von der Kolbenhubpipette eine elektrisch getriebene Kolbenbewegung
durchgeführt wird, um ein Probenvolumen in die Pipettenspitze aufzunehmen, und anschließend
eine inverse Kolbenbewegung durchgeführt wird, um das Probenvolumen zumindest teilweise
oder vollständig aus der Pipettenspitze abzugeben; • optional: im Anschluss an den
mindestens einen Vorbenetzungsschritt: Ausführen eines Pipettiervorgangs, beinhaltend
das Ansaugen eines Probenvolumens V der flüssigen Probe in die Pipettenspitze und
insbesondere Halten dieses Proben-volumens V der flüssigen Probe in der Pipettenspitze,
insbesondere für eine unbestimmte Zeitspanne oder eine bestimmte Zeitspanne Δt von
insbesondere 30 Sekunden.
[0051] Die Kolbenhubpipette oder ein externes Datenverarbeitungsgerät weisen vorzugsweise
eine Speichereinrichtung auf. Diese weist vorzugsweise einen Datenspeicher auf, insbesondere
einen Hardware-Datenspeicher, insbesondere nicht-flüchtigen Datenspeicher, insbesondere
einen EPROM oder FLASH Speicher. Sie kann auch einen flüchtigen Datenspeicher aufweisen.
[0052] Die erfindungsgemäße handgehaltene Kolbenhubpipette, insbesondere deren Steuerungseinrichtung,
ist vorzugsweise dazu ausgebildet, zur Durchführung mindestens eines Pipettiervorgangs
mindestens einen Betriebsparameter zu verwenden, der zur Steuerung eines Pipettiervorgangs
dient.
[0053] Die elektrische Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette bzw. eines externen Datenverarbeitungsgeräts,
auch abgekürzt bezeichnet als Steuerungseinrichtung oder Steuereinrichtung, weist
vorzugsweise eine Datenverarbeitungseinrichtung auf, die insbesondere mindestens einen
Zentralprozessor (CPU) aufweist. Die Steuereinrichtung weist vorzugsweise einen Microcontroller
auf. Die Steuereinrichtung weist vorzugsweise mindestens eine Speichereinrichtung
bzw. einen Datenspeicher zur Speicherung von Daten, insbesondere von Betriebsparametern
und/oder eines oder mehrerer Computerprogramme bzw. Computerprogrammcodes auf.
[0054] Die Steuereinrichtung beinhaltet vorzugsweise mindestens eine Steuerungssoftware
bzw. ein Steuerungsprogramm, welches diesen mindestens einen Betriebsparameter verwendet,
um mindestens eine Funktion des Pipettiervorgangs oder einen Teil des Pipettiervorgangs
oder den Pipettiervorgang automatisch auszuführen, insbesondere um den mindestens
einen Vorbenetzungsschritt auszuführen, insbesondere unter Verwendung des für den
Pipettiervorgang ausgewählten Parameters n_vb, der so einen Betriebsparameter bildet.
Die Steuerungssoftware bzw. das Steuerungsprogramm wird insbesondere von der Datenverarbeitungseinrichtung
der Steuereinrichtung ausgeführt, insbesondere von einer CPU der Datenverarbeitungseinrichtung.
Die Steuerungssoftware bzw. das Steuerungsprogramm ist insbesondere in einer Speichereinrichtung
des Geräts gespeichert. Diese Speichereinrichtung ist vorzugsweise ein nicht-flüchtiger
Speicher.
[0055] Die erfindungsgemäße handgehaltene Kolbenhubpipette ist vorzugsweise dazu ausgebildet,
zur Durchführung mindestens eines Pipettiervorgangs gemäß mindestens einem Betriebsmodus
(ID_OM) der Pipettiervorrichtung verwendet zu werden. In einem Betriebsmodus ist vorzugsweise
jeweils ein Betriebsparameter (Betriebsparametersatz) vorgesehen, der zur Steuerung
eines Pipettiervorgangs dient, der in diesem Betriebsmodus durchgeführt wird.
[0056] Ein Pipettiervorgang sieht typischer Weise vor, dass gemäß einem Pipettierprogramm
eine bestimmte Probenmenge aus einem Startbehälter in einen mit der Kolbenhubpipette
verbundenen Pipettierbehälter, insbesondere Pipettenspitze, aufgenommen wird und/oder
in einen Zielbehälter abgegeben wird, insbesondere dosiert abgegeben wird. Ein Pipettiervorgang
lässt sich vorzugsweise durch mindestens einen, vorzugsweise mehrere, oder einen Satz
von Betriebsparametern steuern, mit dem der genannte Pipettiervorgang, oder eine Funktion
bzw. Bestandteil desselben in der gewünschten Weise beeinflussbar sind.
[0057] Betriebsparameter zum Steuern eines Pipettiervorgangs betreffen bzw. quantifizieren
vorzugsweise das zu pipettierende Volumen, beim Schritt des Ansaugens der Probe in
einen mit der Kolbenhubpipette verbundenen Pipettierbehälter oder beim Schritt des
Abgebens der Probe aus diesem Pipettierbehälter, gegebenenfalls die Reihenfolge und
Wiederholungen dieser Schritte, und gegebenenfalls zeitliche Parameter bei der zeitlichen
Verteilung dieser Vorgänge, insbesondere auch die zeitliche Veränderung solcher Vorgänge,
insbesondere die Geschwindigkeit und/oder Beschleunigung des Ansaugens oder Abgebens
der Probe.
[0058] Diese Betriebsparameter werden vorzugsweise zumindest teilweise und vorzugsweise
vollständig vom Benutzer ausgewählt und/oder eingegeben, insbesondere über das mindestens
eine Bedienelement der Benutzerschnittstelleneinrichtung einer Kolbenhubpipette oder
eines externen Datenverarbeitungsgeräts.
[0059] Der Pipettiervorgang ist vorzugsweise durch den Betriebsparametersatz eindeutig festgelegt.
Dieser Betriebsparametersatz wird vorzugsweise zumindest teilweise und vorzugsweise
vollständig vom Benutzer ausgewählt und/oder eingegeben, insbesondere über die Bedieneinrichtung
der Kolbenhubpipette oder des externen Datenverarbeitungsgeräts.
[0060] Es ist jedoch möglich, dass ein Pipettiervorgang durch den Betriebsparametersatz
nicht eindeutig festgelegt ist. Es ist auch möglich und bevorzugt, dass mindestens
ein Betriebsparameter nicht vom Benutzer festgelegt wird, sondern z.B. von der Pipettiervorrichtung
vorgegeben wird, indem er dort z.B. als vorbekannt gespeichert ist. Die Pipettiervorrichtung
kann dazu ausgebildet sein, mindestens einen Betriebsparameter automatisch zu bestimmen.
[0061] Die Kolbenhubpipette oder ein externes Datenverarbeitungsgerät kann eine Sensoreinrichtung
aufweisen, z.B. einen Sensor zur Erfassung eines Umgebungsparameters, insbesondere
der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit oder des Drucks, der für den Kolbenantrieb der
Kolbenhubpipette verwendete Motorstrom. Der Motorstrom kann insbesondere zur Bestimmung
der Viskosität der pipettierten Flüssigkeit verwendet werden, und somit zur Identifizierung
der Flüssigkeit bzw. zur Bestimmung von ID_LM. Die Sensoreinrichtung kann auch zur
Durchführung einer Messung ausgebildet sein, mit dem der Typ eines mit der Pipettiervorrichtung
verbundenen Pipettierbehälters, insbesondere das maximale Füllvolumen des Pipettierbehälters,
insbesondere einer Pipettenspitze, ermittelbar ist. Die Kolbenhubpipette oder ein
externes Datenverarbeitungsgerät kann dazu ausgebildet sein, mindestens einen Betriebsparameter,
insbesondere einen zur Bestimmung der Variable x verwendeten Parameter, automatisch
in Abhängigkeit vom Messwert der Sensoreinrichtung zu bestimmen. Dadurch lässt sich
die Optimierung der für ein präzises Pipettieren erforderlichen Pipettierparameter
weiter verbessern.
[0062] Nachfolgend werden Betriebsmodi und die Ihnen vorzugsweise zugeordneten Betriebsparameter
beschrieben, die jeweils vorzugsweise bei der Pipettiervorrichtung vorgesehen sind:
Vorzugsweise ist ein Betriebsparameter vorgesehen, mit dem ein zu pipettierendes Pipettiervolumen
definiert wird. Es kann ein Betriebsparameter vorgesehen sein, mit dem ein während
eines Ansaugschrittes anzusaugendes Ansaugvolumen definiert wird und/oder es kann
ein Betriebsparameter vorgesehen sein, mit dem ein während eines Abgabeschrittes abzugebendes
Abgabevolumen definiert wird.
[0063] Vorzugsweise ist mindestens ein Betriebsparameter vorgesehen, mit dem die Zahl von
unmittelbar aufeinander folgenden oder mittelbar aufeinander folgenden Pipettiervolumina
festgelegt wird, vorzugsweise mindestens ein Betriebsparameter, mit dem die Zahl der
Ansaugschritte und/oder der Abgabeschritte und jeweils vorzugsweise auch die jeweils
zugehörigen Pipettiervolumina, die jeweils zugehörigen Pipettiergeschwindigkeiten
und/oder -beschleunigungen, und/oder die jeweils zugehörigen Zeitabstände zwischen
den Schritten festgelegt wird.
[0064] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus das "Dispensieren" (DIS) einer Probe. Zugeordnete
Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: das Volumen der Einzelprobe, betreffend
das Pipettiervolumen während eines von mehreren Abgabeschritten; die Anzahl der Abgabeschritte;
die Geschwindigkeit bei der Aufnahme der Probe(n); die Geschwindigkeit bei der Abgabe
der Probe(n). Die Dispensierfunktion eignet sich insbesondere zum schnellen Befüllen
einer Mikrotiterplatte mit einer Reagenzflüssigkeit und kann z.B. zur Durchführung
eines ELISA verwendet werden .
[0065] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus das "Automatische Dispensieren" (ADS) einer
Probe. Zugeordnete Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: das Volumen der Einzelprobe,
betreffend das Pipettiervolumen während eines von mehreren Abgabeschritten; die Anzahl
der Abgabeschritte; die Dauer des Zeitintervalls, gemäß dem die Abgabeschritte automatisch
in konstanten Zeitabständen nacheinander durchgeführt werden - das Zeitintervall kann
diese Zeitabstände festlegen oder z.B. die Verzögerung zwischen Ende und Beginn aufeinander
folgender Abgabeschritte; die Geschwindigkeit bei der Aufnahme der Probe(n); die Geschwindigkeit
bei der Abgabe der Probe(n). Diese Dispensierfunktion eignet sich noch komfortabler
zum Befüllen einer Mikrotiterplatte, da der Anwender nicht immer wieder einen Abgabeschritt
durch Betätigung, z.B. Tastendruck, auslösen muss, sondern die Abgabe nach dem Starten
des automatischen Dispensierens zeitgesteuert erfolgt. Wie jedes andere Betriebsprogramm
eines Betriebsmodus auch, kann das automatische Dispensieren unter der Bedingung erfolgen,
dass das entsprechende Programm zumindest bei ununterbrochener Betätigung eines Betätigungselementes
erfolgt, z.B. bei ununterbrochen gedrückt gehaltener Taste. Dies ist zum Beispiel
bei langen Dispensierserien oder Reaktionen, bei denen eine genaue Beachtung eines
Zeitfensters erforderlich ist, vorteilhaft. Die automatische Dispensierfunktion eignet
sich noch komfortabler zum Befüllen einer Mikrotiterplatte, da der Benutzer einen
einzelnen Abgabeschritt hier nicht selbst auslösen muss, sondern dies automatisch
erfolgt, was z.B. zur Durchführung eines ELISA verwendet werden kann.
[0066] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus das "Pipettieren" (Pip) einer Probe. Zugeordnete
Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: das Volumen der zu pipettierenden Probe;
die Geschwindigkeit bei der Aufnahme der Probe; die Geschwindigkeit bei der Abgabe
der Probe.
[0067] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus das "Pipettieren mit anschließendem Mischen"
(P/Mix) einer Probe. Zugeordnete Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: das
Volumen der anzusaugenden und/oder der abzugebenden Probe; das Mischvolumen; die Anzahl
der Mischzyklen; die Geschwindigkeit bei der Aufnahme der Probe; die Geschwindigkeit
bei der Abgabe der Probe. Die Funktion "Pipettieren mit anschließendem Mischen" empfiehlt
sich beispielsweise für das Pipettieren von sehr kleinen Volumina. Wird ein Dosiervolumen
< 10 µL gewählt, empfiehlt es sich, dieses in die jeweilige Reaktionsflüssigkeit einzuspülen.
Dies ist möglich durch das automatische Starten einer Mischbewegung nach Abgabe der
Flüssigkeit. Das Mischvolumen sowie die Mischzyklen werden zuvor definiert. Eine Anwendung
für diesen Betriebsmodus ist z.B. die Abgabe einer aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften
schwerer als Wasser zu dosierenden Flüssigkeit, deren Reste im Pipettierbehälter,
insbesondere der Pipettenspitze, dann mit Hilfe der bereits vorgelegten Flüssigkeit
aus dem Pipettierbehälter, bzw. der Pipettenspitze, gespült wird. Eine weitere Anwendung
wäre das sofortige Mischen der abgegebenen Flüssigkeit mit der vorgelegten Flüssigkeit.
Vorteilhaft ist dieser Betriebsmodus z.B. beim Zugeben von DNA zu einer PCR-Mischlösung.
[0068] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus die "Mehrfachaufnahme" einer Probe, auch
bezeichnet als "Umgekehrtes Dispensieren" oder als "ASP" für Aspirating. Zugeordnete
Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: das Volumen der anzusaugenden Probe(n);
die Anzahl der Proben; die Geschwindigkeit bei Aufnahme; die Geschwindigkeit bei Abgabe.
Die Funktion dient der Mehrfachaufnahme einer Flüssigkeitsmenge und Abgabe der Gesamtmenge.
Hierbei ist eine Mehrfachbefüllung des Pipettierbehälters in einem Vorgang nicht vorgesehen.
Die Geschwindigkeit ist für alle Proben gleich. In der Ausführung geschieht vorzugsweise
folgendes: Ausgehend von der Grundposition nimmt die Pipettiervorrichtung durch Betätigen
erster Art der Bedieneinrichtung jeweils ein Teilvolumen auf. Nach Aufnahme des letzten
Teilvolumens gibt die Pipettiervorrichtung vorzugsweise eine Warnmeldung aus, die
vorzugsweise durch ein Betätigen zweiter Art der Bedieneinrichtung durch den Anwender
bestätigt werden muss. Bei der nächsten Betätigung zweiter Art der Bedieneinrichtung
wird das Gesamtvolumen wieder abgegeben. Zur Betätigung erster oder zweiter Art weist
die Bedieneinrichtung vorzugsweise mindestens zwei Bedienknöpfe auf, einen zum Eingeben
eines Bedienungssignals "erster Art" an die Steuereinrichtung, und einen um Eingeben
eines Bedienungssignals "zweiter Art" an die Steuereinrichtung. Die Bedieneinrichtung
kann insbesondere eine Wippe aufweisen, die insbesondere um eine Achse senkrecht zur
Längsachse der Pipettiervorrichtung schwenkbar ist, zwischen einer ersten Signal-Auslöse-Position
("Wippe up") zur Betätigung erster Art und einer zweiten Signal-Auslöse-Position ("Wippe
down") zur Betätigung zweiter Art.
[0069] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus das "Diluting" (Dil) einer Probe, auch bezeichnet
als "Verdünnung". Zugeordnete Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: das Probenvolumen;
das Luftblasenvolumen; das Diluentvolumen; die Geschwindigkeit der Aufnahme; die Geschwindigkeit
der Abgabe. Das maximale Diluentvolumen = Nennvolumen - (Probe + Luftblase)). Diese
Funktion dient der Aufnahme einer Probe und eines Diluents mit Trennung durch eine
Luftblase und Abgabe der Gesamtmenge. Die Geschwindigkeit ist für alle Teilvolumina
gleich. In der Ausführung geschieht vorzugsweise folgendes: Ausgehend von der Grundposition
nimmt die Pipettiervorrichtung zuerst das Diluentvolumen, dann die Luftblase und zum
Schluss die Probe auf. Jede Aufnahme wird vorzugsweise separat durch eine Betätigung
der Bedieneinrichtung erster Art ausgelöst. Danach wird die Gesamtmenge in Einem abgegeben.
[0070] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus das "Sequentielle Dispensieren" (SeqD) von
Proben. Zugeordnete Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: Anzahl der Proben
(vorzugsweise bis zu einer fest vorgegebenen Maximalanzahl Nmax von vorzugsweise 5
<= Nmax <= 15, vorzugsweise Nmax = 10); Einzelvolumen der Einzelproben; Geschwindigkeit
der Aufnahme; Geschwindigkeit der Abgabe. Diese Funktion dient dem sequentiellen Dispensieren
von Nmax frei wählbaren Volumina, hierbei ist vorzugsweise eine mehrfache Befüllung
des Pipettierbehälters nicht vorgesehen. Die Geschwindigkeit ist für alle Proben gleich.
Die Anzahl der Proben ist vorzugsweise der führende Parameter für die Eingabe der
Einzelvolumen. Die Pipette muss vorzugsweise bei Eingabe der Volumina immer überprüfen,
ob das Maximalvolumen der Pipettiervorrichtungen nicht überschritten wird, ggf. wird
eine Warnmeldung ausgegeben. Nach Eingabe aller Parameter nimmt die Pipettiervorrichtung
nach Betätigen erster Art der Bedieneinrichtung das Gesamtvolumen auf und nach Betätigen
zweiter Art der Bedieneinrichtung jeweils ein Einzelvolumen ab. Alle weiteren Abläufe
verhalten sich vorzugsweise wie das normale Dispensieren.
[0071] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus das "Sequentielle Pipettieren" (SeqP) von
Proben. Zugeordnete Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: Anzahl der Proben
(vorzugsweise bis zu einer fest vorgegebenen Maximalanzahl Nmax von vorzugsweise 5
<= Nmax <= 15, vorzugsweise Nmax = 10); Einzelvolumen der Einzelproben; Geschwindigkeit
der Aufnahme; Geschwindigkeit der Abgabe. Diese Funktion dient dem Pipettieren von
maximal Nmax frei wählbaren Volumina, die vor dem Start programmiert werden und in
Ihrer Abfolge feststehen. Die Geschwindigkeit ist für alle Proben vorzugsweise gleich,
um eine einfache Bedienung dieses Betriebsmodus zu ermöglichen Die Geschwindigkeit
kann aber auch unterschiedlich einstellbar sein. Der Ablauf der Funktion entspricht
dem Ablauf des Pipettierens. Es werden die vorher eingegebenen Volumina in der programmierten
Reihenfolge abgearbeitet. Nach Abgabe wird über die Betätigung eines Betätigungselementes,
z.B. Tastendruck, entschieden, ob die nächste Probe aufgenommen werden soll oder vor
der nächsten erst ein "Blowout", also ein vollständiges, sicheres Ausblasen der im
Pipettierbehälter noch enthaltenen Probe mittels Überhub, und/oder ob ein Wechsel
des Pipettierbehälters erfolgen soll.
[0072] Vorzugsweise betrifft ein Betriebsmodus das "Reverse Pipettieren" (rPip) von Proben.
Zugeordnete Betriebsparameter sind jeweils vorzugsweise: das Volumen der Einzelprobe;
die Geschwindigkeit der Aufnahme; die Geschwindigkeit der Abgabe; Aktivierung des
Counters. Bei dieser Funktion "rPip" wird mehr als das zu dosierende Volumen aufgenommen.
Dies wird erreicht, indem der Kolben vor der Flüssigkeitsaufnahme, nämlich durch Betätigung
zweiter Art, d.h., z.B. mittels Tastendruck oder "Wippe nach unten", nach unten gefahren
wird, bis in die untere Position eines Blowouts, also eines Überhubs des Kolbens,
der über die Stellung des Kolbens bei einem Pipettierhub hinausgeht. Bei Start der
Volumenaufnahme nimmt die Pipettiervorrichtung das Volumen des Blowout's und das eingestellte
Volumen auf. Um das Spiel im Antrieb in Abgaberichtung heraus zu nehmen, vollzieht
die Pipettiervorrichtung einen zusätzlichen Hub, der sofort wieder abgegeben wird.
Dies ist dem Dispensieren ähnlich, erfolgt jedoch vorzugsweise unter automatischer
Abgabe des Verwerfhubes mit maximaler Geschwindigkeit.
[0073] In der Ausführung des Betriebsmodus "rPip" geschieht vorzugsweise Folgendes: der
Kolben der Pipettiervorrichtung fährt automatisch zum Blowout und bleibt in der unteren
Position stehen. Zweitens erfolgt eine Betätigung erster Art der Bedieneinrichtung:
Kolben fährt um die Blowout-Strecke und um den Hub für das Pipettiervolumen nach oben.
Drittens erfolgt eine Betätigung zweiter Art der Bedieneinrichtung: Kolben fährt den
Hub für das Pipettiervolumen nach unten und bleibt vor dem Blowout stehen. Viertens
erfolgen zwei Betätigungen zweiter Art der Bedieneinrichtung: Kolben führt den Blowout
aus und bleibt in der unteren Position stehen. Alternativ zu "viertens" erfolgt eine
Betätigung erster Art der Bedieneinrichtung: Kolben fährt den Pipettierhub nach oben.
Der Modus "rPip" eignet sich insbesondere zum Pipettieren von Plasma, Seren und anderen
Flüssigkeiten mit hohem Proteingehalt. Für wässrige Lösungen eignet sich insbesondere
der Modus "Pipettieren". Der Modus "rPip" eignet sich insbesondere für netzmittelhaltige
Lösungen, um die Schaumbildung bei der Abgabe in das Zielgefäß zu minimieren. Die
Flüssigkeit wird insbesondere mit Überhub (Blowout-Volumen) aufgenommen. Der Überhub
gehört hierbei typischer Weise nicht zum Abgabevolumen und wird vorzugsweise nicht
in das Zielgefäß abgegeben. Insbesondere wenn dieselbe Probe erneut verwendet wird,
kann der Überhub in der Spitze verbleiben. Wenn eine andere Flüssigkeit verwendet
wird, wird vorzugsweise der Überhub und/oder vorzugsweise der Pipettierbehälter verworfen.
[0074] Durch einen Betriebsparametersatz wird vorzugsweise ein Steuerprogramm zur Durchführung
des gewünschten Pipettiervorgangs gesteuert. Das Steuerprogramm kann jeweils in Form
von elektrischen Schaltkreisen der Steuereinrichtung ausgebildet sein, und/oder durch
einen ausführbaren Programmcode ausgebildet sein, der geeignet ist zum Steuern einer
Steuereinrichtung, die programmcode-steuerbar ist und vorzugsweise programmierbar
ist.
[0075] Die Kolbenhubpipette oder ein externes Datenverarbeitungsgerät ist vorzugsweise dazu
ausgebildet, die vom Benutzer eingegebenen Parameterwerte automatisch zu überprüfen
und mit einem erlaubten Bereich des jeweiligen Betriebsparameters zu vergleichen.
Liegt der vom Benutzer eingegebene Parameterwert außerhalb des zulässigen Bereichs,
wird die Eingabe entweder nicht akzeptiert oder auf eine Default-Wert gesetzt, der
z.B. der Minimalwert oder der Maximalwert oder der zuletzt zulässig eingegebene Wert
sein kann.
[0076] Die Kolbenhubpipette und/oder ein externes Datenverarbeitungsgerät wird vorzugsweise
netzunabhängig betrieben. Insbesondere kann das jeweilige Gerät mit einer aufladbaren
Spannungsquelle versehen sein, beispielsweise einem oder mehreren Akkus. Für diesen
Fall kann das Gerät eine mit der aufladbaren Spannungsquelle verbundene Ladeschnittstelle
aufweisen.
[0077] Pipettenspitzen sind insbesondere Einwegprodukte und bestehen vorzugsweise aus Kunststoff.
Je nach benötigtem maximalem Flüssigkeitsvolumen werden unterschiedliche Pipettenspitzen
mit der Kolbenhubpipette verwendet. Typische Nennvolumina von handelsüblichen Pipettenspitzen
sind z.B. 10 µL, 20 µL, 100 µL, 200 µL, 300 µL, 1000 µL, 1250 µL, 2500 µL, 5 mL, 10
mL (µL: Mikroliter; mL: Milliliter). Eine Pipettenspitze weist in der Regel einen
entlang einer Längsachse langgestreckten konusförmigen Behälter auf, der am unteren
Ende eine Flüssigkeitsaustauschöffnung aufweist, und der am oberen Ende einen konus-
und rohrförmigen, nach oben geöffneten Endabschnitt aufweist. Das Einsaugen der Flüssigkeit
in die Pipettenspitze erfolgt über einen Unterdruck im Innenraum der Pipettenspitze.
Der Innenraum der Pipettenspitze ist in einer Pipettierposition, auch als Aufsteckposition
bezeichnet, in der die Pipettenspitze -in der Regel durch Aufstecken- mit dem Verbindungsabschnitt
der Kolbenhubpipette verbunden ist, fluidisch mit dem Pipettierkanal der Kolbenhubpipette
verbunden, der über einen in einer hohlzylinderförmigen Kolbenkammer elektrisch bewegbaren
Zylinderkolben der Kolbenhubpipette mit dem Unterdruck/Überdruck beaufschlagt wird.
[0078] Die Erfindung betrifft ein Verfahren, eine handgehaltene Kolbenhubpipette, ein mit
dieser zusammenwirkendes Datenverarbeitungsgerät, ein System und ein Computerprogramm.
Die möglichen und bevorzugten Ausgestaltungen jedes dieser Gegenstände ergeben sich
aus der Beschreibung aller Ausgestaltungen der jeweils anderen Gegenstände, insbesondere
ergeben sich Ausgestaltungsmöglichkeiten der handgehaltenen Kolbenhubpipette aus der
Beschreibung des Verfahrens, des -insbesondere externen-Datenverarbeitungsgeräts,
des Systems und des Computerprogramms.
[0079] Weitere bevorzugte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens, der handgehaltenen
Kolbenhubpipette, des mit diesem zusammenwirkenden Datenverarbeitungsgeräts, des Systems
und des Computerprogramms ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung der Ausführungsbeispiele
in Zusammenhang mit den Figuren und deren Beschreibung. Gleiche Bauteile der Ausführungsbeispiele
werden im Wesentlichen durch gleiche Bezugszeichen gekennzeichnet, falls dies nicht
anders beschrieben wird oder sich nicht anders aus dem Kontext ergibt. Es zeigen:
Fig. 1 zeigt in einer perspektivischen Schrägansicht schematisch ein Ausführungsbeispiel
einer erfindungsgemäßen Kolbenhubpipette.
Fig. 2 zeigt in einer perspektivischen Schrägansicht schematisch ein Ausführungsbeispiel
eines externen Datenverarbeitungsgeräts, das zur Implementierung des erfindungsgemäßen
Verfahrens verwendbar ist.
Fig. 3 zeigt in einer perspektivischen Schrägansicht schematisch ein Ausführungsbeispiel
eines Systems, das zur Implementierung des erfindungsgemäßen Verfahrens verwendbar
ist.
Fig. 4 zeigt exemplarisch eine Anzeigenseite zur Erfassung von Benutzerparametern
und Wiedergabe von Informationen, die im Display des externen Datenverarbeitungsgeräts
aus Fig. 2 anzeigbar ist.
Fig. 5 zeigt schematisch den Ablauf des erfindungsgemäßen Verfahrens in einem Ausführungsbeispiel.
Fig. 6 zeigt ein Diagramm mit der algorithmischen Darstellung der Anzahl n_vb von
Vorbenetzungsschritten in Abhängigkeit vom Volumen V, wobei diese Funktion v_vb(V)
im erfindungsgemäßen Verfahren gemäß einem Ausführungsbeispiel verwendbar ist.
[0080] Fig. 1 zeigt in einer Perspektivansicht die handgehaltene elektrische Kolbenhubpipette
1, die Pipette 1. Bei der Pipette 1 wird der Hub des Kolbens elektrisch angetrieben.
Die Ansteuerung des Hubs in den verschiedenen Betriebsmodi der Pipette erfolgt elektrisch
gesteuert durch eine elektrische Steuereinrichtung 17 mit angeschlossener Speichereinrichtung
18, im Inneren der Pipette 1. Die Steuereinrichtung 17 kann ein Funkmodul aufweisen,
um mit einem externen Datenverarbeitungsgerät 2.1 (siehe Fig. 2) einen Datenaustausch
durchzuführen.
[0081] Die Betriebsparameter und sonstigen Einstellungen der Pipette lassen sich vom Benutzer
über die Benutzerschnittstelleneinrichtung, bzw. Bedieneinrichtung und das Display
der Pipette kontrollieren. In der Pipette sind mehrere, elektrisch gesteuerte Pipettierprogramme
gespeichert, wobei vorzugsweise jedem Betriebsmodus ein Pipettierprogramm zugeordnet
ist. Ein Pipettierprogramm lässt sich durch einen Betriebsparametersatz eindeutig
festlegen. Einmal festgelegt, lässt sich das Pipettierprogramm vom Benutzer auslösen
und wird von der Pipette automatisch gestartet. Das Pipettierprogramm umfasst insbesondere,
dass das erfindungsgemäße Verfahren 100 zum Vorbenetzen der Pipettenspitze 10 durchgeführt
wird. Falls der Parameter ID_LM<>0 ist, wird mindestens ein Schritt zum Vorbenetzen
durchgeführt, falls der Parameter ID_LM = 0 ist, wird kein Schritt zum Vorbenetzen
durchgeführt. Statt des Wertes 0 kann auch jeder andere Defaultwert vereinbart werden.
Der Wert ID_LM = 0 kann insbesondere Wasser als Hauptflüssigkeitsbestandteil der zu
pipttierenden Probe kennzeichnen.
[0082] Die Pipette 1 weist einen Grundkörper 2 auf, der einen unteren Schaftabschnitt 3
aufweist und einen oberen Abschnitt 4, der insbesondere das Display 5 und Bedienelemente
aufweist. Der Schaftabschnitt 3 erstreckt sich parallel der Längsachse A der Pipettiervorrichtung,
während der obere Abschnitt 4 gegenüber der Achse A geneigt angeordnet ist und sich
parallel der Achse B erstreckt. Durch die geneigte Anordnung des oberen Abschnitts
4 lässt sich das Display 5 besonders ergonomisch verwenden.
[0083] Die Pipette 1 weist einen Griffbereich 7 mit der Haltelasche 6 auf, die sich bei
bestimmungsgemäßem Halten der Pipette 1 durch den Benutzer auf dem Zeigefinger des
Benutzers abstützt, während der Griffbereich 7 in der Handfläche des Benutzers liegt.
Mit dem Daumen erreichbar ist insbesondere der Abwurfknopf 8, durch dessen Drücken
entlang der Achse A nach unten die gefedert gelagerte Abwurfhülse 9 nach unten bewegt
wird und die Pipettenspitze 10 vom Verbindungskonus 11 der Pipettiervorrichtung abwirft,
auf dem sie aufgesteckt ist. Der Abwurfmechanismus kann aber auch elektronisch getrieben
sein. Die Pipette 1 weist an den Seitenflächen des oberen Abschnitts 4 jeweils einen
metallischen Kontaktvorsprung 19 auf, der dem Aufladen des integrierten Akkumulators
dient, der den Energiespeicher der elektrischen Pipette bildet.
[0084] Die Bedieneinrichtung (12; 13; 14a; 14b) weist ein Wahlrad 12 auf, eine Wippe 13
und einen ersten Bedienknopf 14a und einen zweiten Bedienknopf 14b.
[0085] Das scheibenartige Wahlrad 12 ist drehbar am Grundkörper 2, insbesondere parallel
der im Wesentlichen planaren Vorderseite des oberen Abschnitts 4 gelagert. Es ist
eine Einrichtung zur Erkennung der Stellung des Wahlrads 12 vorgesehen, die vorliegend
einen Hallsensor aufweist, mit dem die relative Stellung des Wahlrads 12 bezüglich
des Grundkörpers berührungslos gemessen wird. Das Wahlrad 12 weist eine Anzahl von
Arretierungen auf, die der Anzahl von einstellbaren Positionen des Wahlrads entsprechen.
Insbesondere ist die Arretierung derart, dass eine Markierung 12a zur Bezeichnung
der eingestellten Position des Wahlrads 12 an der Markierung 15 ausgerichtet werden
kann, die fest am Grundkörper 2 auf der Vorderseite des oberen Abschnitts 4 angeordnet
ist.
[0086] Das Farbdisplay 5 dient als zentrales Informationselement für den Benutzer. Dort
werden insbesondere die verschiedenen Betriebsmodi der Pipette 1 angezeigt und die
Parameterwerte der Betriebsparameter angezeigt. In den zwei Bereichen 5a und 5b wird
jeweils eine Information angezeigt, die in den Benutzer mitteilt, welche Funktion
auf der gerade angezeigten Anzeigeseite mit dem ersten Bedienknopf 14a bzw. dem zweiten
Bedienknopf 14b verknüpft ist, falls auch in der jeweiligen Anzeigeseite eine Funktion
damit verknüpft ist. Jeder der Bedienknöpfe ist somit als Bedienelement mit variabler
Funktion ausgebildet und wird in Kombination mit seiner angezeigten Funktion als "Softkey"
bezeichnet. Dies wird unten noch erläutert.
[0087] Vorzugsweise ist die Pipettiervorrichtung dazu ausgebildet, zwischen den verschiedenen
Funktionen eines Softkeys zu wechseln, wenn ein bestimmter Betriebsmodus der Pipette
1 eingestellt ist. Dies kann zum Beispiel durch einen Doppelklick des Softkeys oder
ein längeres Drücken des Softkeys für einen Mindestzeitraum, von zum Beispiel 2 Sekunden,
erreicht werden.
[0088] Vorzugsweise ist für jeden Betriebsmodus der Pipette 1 eine Anzeigenseite, die auf
dem Display dargestellt wird, mit Betriebsmodus-spezifischem Layout vorgesehen. Auch
für die Definition von mindestens einem Vorbenetzungsschritt kann eine Anzeigenseite
vorgesehen sein. Falls einstellbare Betriebsparameter oder sonstige änderbare Einträge
auf der Anzeigenseite vorgesehen sind, lassen sich diese über die Bedienwippe 13 markieren
und insbesondere mit dem Bedienknopf 14a auswählen, wobei in diesem Fall der Bedienknopf
14a die Funktion "Auswahl" hat und im Display an der Position 5a der Text "Wählen"
angezeigt wird. Das Ändern der Parameterwerte eines Betriebsparameters oder das Ändern
einer Auswahl oder eines Eintrags erfolgt durch Betätigung der Wippe 13.
[0089] Die Wippe 13 ist um eine senkrecht zur Längsachse A angeordnete Schwenkachse schwenkbar
am Grundkörper angeordnet. Drückt der Benutzer den oberen Bereich 13a, so wird eine
erste Funktion der Wippe 13 aktiviert, drückt der Benutzer den unteren Bereich 13b,
so wird eine zweite Funktion der Wippe 13 aktiviert. Die Wippe ist so gelagert, dass
keine Funktion ausgelöst wird, wenn sie nicht betätigt wird. Die Wippe 13 dient insbesondere
in einem manuellen Betriebsmodus der Pipette zum Ansaugen der zu pipettierenden Probe
in die Pipettenspitze 10, solange der obere Bereich 13a vom Benutzer gedrückt wird
und dient ferner den Abgeben der Probe aus der Pipettenspitze 10, solange der untere
Bereich 13b vom Benutzer gedrückt wird.
[0090] Die Pipette 1 kann in verschiedenen Betriebsmodi betrieben werden, die im Einzelnen
zuvor bereits erläutert wurden. Eine erste Anzahl von Betriebsmodi ist direkt über
das Wahlrad 12 einstellbar, eine zweite Anzahl von Betriebsmodi ist über eine Anzeigeseite,
die mit "Special" bzw. "Spc" bezeichnet wird, mit mehreren auswählbaren Einträgen
einstellbar, wobei ein Eintrag jeweils einen Betriebsmodus beschreibt. Über das Wahlrad
kann auch ein Betriebsmodus einstellbar sein, in dem der mindestens eine Vorbenetzungsschritt
definiert wird, insbesondere n_vb oder x definiert wird.
[0091] Die Pipette 1 weist eine Speichereinrichtung mit einem Datenspeicher auf, in dem
geeignete Speicherbereiche für mindestens einen Betriebsparameter bzw. Parameter der
Variablen x und den Wert n_vb vorgesehen sind. In anderen Ausführungsformen der Pipette
kann der Datenspeicher auch die komplette Funktion Funktion n_vb(x) oder den für die
Pipette relevanten Datenbereich in Bezug auf den betreffenden Parameter ID_GT enthalten.
[0092] Fig. 2 zeigt das externe Datenverarbeitungsgerät 21, das ein portabler handgehaltener
Computer ist, mit einem Touchscreen 22, einem Netzkabelanschluss 23 zum Betreiben
des Computers 21 und einem USB Anschluss 24. Die elektrische Steuereinrichtung 25
weist ein Datenverarbeitungsgerät auf, um ein Steuerungsprogramm (Betriebssystem)
auszuführen, das die Funktionen des Computers 21 steuert, insbesondere die Anzeige
des Displayinhalts, wie z.B. der Anzeigenseite in Fig. 4, den Datenaustausch mit der
Pipette 1 über ein in der Steuerungseinrichtung enthaltenes Funkmodul, einen WLAN-Netzwerkadapter.
Die Steuereinrichtung 25 weist einen Datenspeicher auf, in dem hier die Funktion n_vb(x)
gespeichert ist. Diese wird aus einer Datenzuordnungstabelle, bestehend aus Daten
und Datenkorrelationen gebildet, und mindestens einem Datenalgorithmus, um aus bekannten
Zuordnungen n_vb(x) weitere Zuordnungen n_vb(x) zu interpolieren oder extrapolieren.
Die Ermittlung des Inhalts der Funktion n_vb(x) wird nachfolgend noch exemplarisch
gezeigt. Der Computer ist dazu eingerichtet, die Parameter der Variablen x durch Benutzereingaben
zu ermitteln, aus den Parameterwerten der Variablen x aus der Funktion n_vb(x) den
zugeordneten Wert n_vb zu ermitteln, und den Wert n_vb soweit weitere als Betriebsparameter
dienende Parameter x über den WLAN-Netzwerkadapter drahtlos an die Pipette 1 zu übertragen.
[0093] Fig. 3 zeigt das System 200, das die Pipette 1 und das externe Datenverarbeitungsgerät
21 aufweisen, die über eine Funkverbindung 201, 250', 250" bzw. über ein Netzwerk
250 Daten austauschen, insbesondere über WLAN.
[0094] Fig. 4 zeigt eine Anzeigenseite 40 zur Anzeige im Touchscreen-Display 22 des portablen
Computers 21, der als Eingabegerät zur Eingabe von Parametern der Variablen x bzw.
von Betriebsparametern der Pipette 1 verwendet wird:
Darin zeigen:
41 Informations- und Eingabefeld zur Eingabe des Parameters V
42 Informations- und Eingabefeld zur Eingabe des Parameters v_k
43 Informations- und Eingabefeld zur Eingabe des Parameters p betreffend eine weitere
Eigenschaft eines Pipettiervorgangs
44 Informations- und Eingabefeld zur Eingabe des Parameters ID_OM zur Auswahl des
Betriebsmodus bzw. Pipettiermodus der Pipette
45 Informations- und Eingabefeld zur Eingabe des Parameters ID_ST betreffend den Pipettenspitzentyp
46 Informations- und Eingabefeld zur Eingabe des Parameters ID_LM betreffend den im
Pipettiervorgang verwendeten Flüssigkeitstyp der Probe
47 Anzeigebereich zur Anzeige insbesondere von dem in Abhängigkeit der anderen Parameter
x ermittelten Anzahl n_vb
48 Eingabefeld zum Starten der Übertragung der Daten, insbesondere n_vb, an die mit
dem Computer 21 in Datenverbindung stehende Pipette 1
49 Eingabefeld zum Abbrechen der Eingaben
[0095] Fig. 5 zeigt ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens 100. Das Verfahren
100 dient dem Betreiben einer handgehaltenen, computergesteuerten Kolbenhubpipette
1, die der computergesteuerten Durchführung eines Pipettiervorgangs mit einer flüssigen
Probe dient, insbesondere zur automatischen Vorbenetzung der Innenseite einer Pipettenspitze
10, die am Arbeitskonus 11 der Kolbenhubpipette 1 angeordnet ist, aufweisend die computergesteuerten
Schritte:
Schritt 101: Bereitstellen einer Funktion n_vb(x) im Datenspeicher des externen Computers
21, die eine Anzahl n_vb von einem oder mehreren Vorbenetzungsschritten n_vb in Abhängigkeit
von einer den Pipettiervorgang charakterisierenden Variablen x angibt.
Schritt 102: Erfassen des mindestens einen Parameterwertes (V; ID_LM) der den Pipettiervorgang
charakterisierenden Variablen x über den Touchscreen 22, an dem der Benutzer diese
Werte eingibt bzw. auswählt;
Schritt 103: Ermitteln der der Variablen x zugeordneten Anzahl n_vb von Vorbenetzungsschritten
aus der Funktion n_vb(x) durch die Steuereinrichtung 25 des externen Computers 21;
die Steuereinrichtung 25 weist einen WLAN-Netzwerkadapter aus und ist hier dazu eingerichtet,
automatisch die in Reichweite der Funkverbindung gefundenen WLAN-Netzwerkadapter geeigneter
Kolbenhubpipetten, insbesondere den der Kolbenhubpipette 1, zu finden, insbesondere
deren Identifikationsparameter ID_GT zu bestimmen, insbesondere in Abhängigkeit von
ID_GT und den vom Benutzer festgelegten Werten von x (V, ID_LM) den -oder die- zutreffenden
Werte n_vb aus der Funktion n_vb(x) zu ermitteln, wobei beachtet wird, dass nur die
zum Pipettieren des gewünschten Probenvolumens V geeigneten Pipetten berücksichtigt
werden, eine Datenverbindung zu diesen gefundenen WLAN-Netzwerkadaptern herzustellen
und insbesondere die zutreffenden Werte n_vb, insbesondere auch V und andere Parameter,
wie beispielsweise in Fig. 4 beschrieben, in Abhängigkeit von ID_GT an die jeweils
betreffende Kolbenhubpipette ID_GT zu übertragen, insbesondere an die Kolbenhubpipette
1. Der Computer 21 überträgt in diesem Fall somit automatisch an alle in Reichweite
befindlichen Pipetten die gewünschten Parameter, ohne dass der Benutzer die Pipette
bei der Bedienung des Computers 21 gesondert auswählen muss. Es werden am Computer
21 vorzugsweise alle für den gewünschten Pipettiervorgang erforderlichen Betriebsparameter
der Pipette 1 ermittelt und an die Pipette übertragen, so dass der Benutzer die Eingabeeinrichtung
der Pipette 1 nicht nutzen muss, um den Pipettiervorgang zuzüglich vorgeschalteten
Vorbenetzungsschritten sofort zu starten.
Schritt 104: nachdem der Benutzer den automatischen Pipettiervorgang an der Pipette
1 durch Knopfdruck bzw. Eingabe gestartet hat: Ausführen einer Sequenz der Anzahl
n_vb von Vorbenetzungsschritten in der Pipette 1, die diesen Wert und insbesondere
auch V vom Computer 21 über das WLAN erfasst hat, wobei n_vb > 0 und wobei ein Vorbenetzungsschritt
jeweils beinhaltet, dass von der Kolbenhubpipette eine elektrisch getriebene Kolbenbewegung
durchgeführt wird, um ein Probenvolumen der Flüssigkeit mit der ID_LM in die Pipettenspitze
aufzunehmen, und anschließend eine inverse Kolbenbewegung durchgeführt wird, um das
in der Pipettenspitze enthaltene Probenvolumen vollständig wieder abzugeben. Indem
für das Ansaugen während der Vorbenetzungsschritte nur das Volumen V (und nicht das
komplette Nennvolumen der Pipette bzw. Pipettenspitze) verwendet wird, wird sichergestellt,
dass die entsprechende Flüssigkeitsmenge auch zur Verfügung steht. Mit Auswahl von
V legt der Benutzer fest, dass diese Menge verfügbar ist.
Schritt 105: Ansaugen des Volumens V der flüssigen Probe (ID_LM) in die Pipettenspitze
10 und Halten dieser Flüssigkeitsmenge V für eine geeignete Zeitspanne Δt in der Pipettenspitze
10, insbesondere um die Probe in ein Zielgefäß abzugeben bzw. schrittweise in mehrere
Zielgefäße abzugeben, bzw. den jeweils gewünschten Pipettiervorgang durchzuführen.
[0096] Fig. 6 zeigt eine algorithmische Funktion n_vb(V), in der die Anzahl n_vb der Vorbenetzungen
(hier: "prewetting steps") in Abhängigkeit vom gewünschten Volumen V angegeben wird.
Die Funktion weist einen ersten Geradenabschnitt auf, der die Volumenwerte V zwischen
10% und 50% des Nennvolumens V_nom der betreffenden Pipette (ID_GT) für die betreffende
Flüssigkeit (ID_LM) angibt, und eine zweiten Geradenabschnitt, der die Volumenwerte
V zwischen 50% und 100% des Nennvolumens V_nom der betreffenden Pipette (ID_GT) für
die betreffende Flüssigkeit (ID_LM) angibt. Diese Interpolation von Werten n_vb(V)
hat sich in der Praxis als geeignet erwiesen, um auch die vorher nicht experimentell
bestimmten Werte n_vb(V) mit hinreichender Genauigkeit zu bestimmen. Die algorithmische
Funktion n_vb(V) und andere ähnliche Funktionen sind Bestandteil der Funktion n_vb(x)
bzw. ergänzen diese.
Bestimmung der Funktion n vb(x)
[0097] Um die Funktion n_vb(x) zu bestimmen, ist folgende Vorgehensweise geeignet.
[0098] Um ein Heraustropfen der organischen Lösungsmittel aus der Pipettenspitze 10 zu verhindern,
wurden die verwendeten Pipettenspitzen teilweise mehrfach vorbenetzt. Es zeigt sich,
dass die benötigte Anzahl der Vorbenetzungsschritte (die Vorbenetzungszeit) einer
Pipette von verschiedenen Faktoren der Variablen x abhängig ist:
- Dampfdruck der Flüssigkeit
- Volumen des Luftpolsters der verwendeten Pipette
- Prozentualer Füllstand der Pipettenspitze
- Geschwindigkeit der Vorbenetzungsschritte
[0099] Jeweils 100 %, 50 % und 10 % des Nennvolumens wurden mit jeder Volumenvariante der
Kolbenhubpipette Xplorer® plus, Eppendorf AG, Deutschland getestet. Es wurde die nötige
Anzahl n_vb an Vorbenetzungsschritten ermittelt, bis die Pipette δt = 30 Sekunden
lang kein Tropfverhalten zeigte. Diese Mindestanzahl n_vb an Vorbenetzungsschritten
wurde gezählt, um eine algorithmische Funktion zu berechnen, die vorhersagt, wie viele
Schritte zum Pipettieren eines bestimmten Volumens und einer bestimmten Flüssigkeit
benötigt werden. Gravimetrische Tests wurden ebenfalls zur Kontrolle durchgeführt.
[0100] Aufgrund der ermittelten Daten konnten für alle getesteten Pipetten lineare Funktionen
gebildet werden (Füllstand 10%-50% und 50% bis 100%), die den Zusammenhang zwischen
dem Füllstand FV_nom der Pipettenspitze und der Anzahl der Vorbenetzungschritte n_vb
beschreibt. Die so entstehenden Flüssigkeitsklassen können verwendet werden, um jede
Art von Flüssigkeit mit höherem Dampfdruck als Wasser und insbesondere niedrigerem
Dampfdruck als 250 hPa unter Verwendung mindestens eines Vorbenetzungsschrittes zu
pipettieren.
[0101] Für die organischen Lösungsmittel Ethanol, Methanol und Aceton konnte die minimale
Anzahl für Vorbenetzungsschritte n_vb für die getesteten Pipetten-Varianten ermittelt
werden. Aufgrund der Daten lässt sich der Zusammenhang zwischen dem Pipettenspitzenfüllstand
und der Anzahl der Vorbenetzungschritte berechnen. Es wurden drei Flüssigkeiten in
Reinform zur Untersuchung ausgewählt:
| Dampfdruck |
[hPa] |
| Ethanol |
58 |
| Methanol |
129 |
| Aceton |
246 |
[0102] Diese Flüssigkeiten wurden mit 100 %, 50 % und 10 % des Nennvolumens mit jeder Volumenvariante
der Pipette "Xplorer Plus" getestet. Um diese Flüssigkeiten pipettieren zu können,
müssen eine bestimmte Anzahl von Vorbenetzungsschritten durchgeführt werden, so dass
die Flüssigkeit für mindestens 30 Sekunden (Δt) nicht aus der Pipettenspitze heraustropft.
[0103] Diese Mindestanzahl an Vorbenetzungsschritten wurde gezählt, um eine Funktion n_vb(V)
zu berechnen, die vorhersagt, wie viele Schritte zum Pipettieren eines bestimmten
Volumens V und einer bestimmten Flüssigkeit benötigt werden.
[0104] Je kleiner das zu pipettierende Volumen V bzw. FV_nom gewählt wird, desto mehr Vorbenetzungsschritte
müssen durchgeführt werden. Entsprechend erhöht sich auch die Dauer der Vorbenetzungsphase.
[0105] Bei allen Pipetten mit einem Nennvolumen von mehr als 100 µl konnte bei einer Einstellung
von 10 % des Nennvolumens das Heraustropfen der Flüssigkeiten auch nach 99 Vorbenetzungsschritte
nicht für mehr als 30 Sekunden verhindert werden.
[0106] Zwischen den betrachteten Vorbenetzungsschritten, von 100 % bis 50 % und von 50 %
bis 10 % können lineare Funktionen gebildet werden, die in hinreichender Näherung
die ausreichenden Vorbenetzungsschritte für diese Bereiche bestimmen. Aus der nachfolgenden
Auswertung können Achsenabschnitt und Steigung der Funktionen für alle Volumenvarianten
entnommen werden. Mit diesen Funktionen können dann die gewünschten Flüssigkeitsklassen
gebildet werden.
[0107] Es besteht anscheinend kein Unterschied zwischen Einkanal- und den entsprechenden
Mehrkanalpipetten. Für zukünftige Tests zur Bestimmung von Vorbenetzungschritten müssen
vermutlich nicht alle Varianten einer Pipette einzeln getestet werden. Von verschiedenen
Varianten mit gleichem Luftpolstervolumen muss jeweils nur eine getestet werden.
[0108] Je höher die Geschwindigkeitsstufe gewählt wird, desto kürzer wird die Vorbenetzungszeit.
Aus diesem Grund wird für alle Vorbenetzungsschritte die Geschwindigkeitsstufe 8 ausgewählt.
[0109] Die Versuche wurden mit der Xplorer Plus® und mit den in der Auswertung genannten
Volumenvarianten durchgeführt. Bei mehr als einem Vorbenetzungsschritt wurde mit dem
Modus "Pipettieren und Mixen" gearbeitet. Dadurch lässt sich die anwenderbedingte
Zeit zwischen Auf- und Abgabe verringern. Bei weniger Vorbenetzungsschritten wurde
der Modus "Pipettieren" gewählt.
[0110] Während des Tests wurde die Zeit gestoppt, bis sich der erste Tropfen von der Pipettenspitze
löst. Lag die Zeit unter Δt= 30 Sekunden, wurden die Vorbenetzungsschritte so lange
erhöht, bis dieser Wert erreicht wurde (bis maximal 99 Schritte). Alle Ergebnisse
dieser Testreihe sind der Auswertung zu entnehmen.
Ablauf der Durchführung
[0111] Wurden mehrere Flüssigkeiten getestet, wurde mit derjenigen angefangen, die den niedrigsten
Dampfdruck aufweist. Dadurch konnte sich der Tester beim Testen der nächsten Flüssigkeit,
bezüglich der Vorbenetzungsschritte, an der vorherigen orientieren. Die Ergebnisse
wurden in einer Tabelle nach dem folgenden Schema eintragen:
| Pipette |
Volumenanteil |
Benötigte VorbenetzungsSchritte (steps) |
| Flüssigkeit / Dampfdruck |
100 % |
|
| 50 % |
|
| 10 % |
|
[0112] Aufbau der Versuchsdurchführung: Ein Ladeständer wurde auf eine Erhöhung gestellt,
so dass die Pipette inklusive Pipettenspitze über das mit der Flüssigkeit gefüllte
Becherglas gehängt werden konnte. Außerdem wurde eine Stoppuhr bereitgestellt. Der
gesamte Test wurde mit der Geschwindigkeitsstufe "8" durchgeführt. Beim ersten Durchlauf
wurde die Flüssigkeit mit 100 % des Nennvolumens aufgenommen und ohne Vorbenetzungsschritt
überprüft, ob die Pipette nach 30 Sekunden zu tropfen begann. Falls dies nicht der
Fall war, wurde der Wert "0" eintragen. Ansonsten wurden die Vorbenetzungsschritte
schrittweise so lange erhöht, bis die Zeit von 30 Sekunden eingehalten wurde oder
bis der maximale Wert von 99 Vorbenetzungsschritten erreicht wurde. Die Werte wurden
entsprechend eintragen. Diese Vorgehensweise wurde entsprechend auch bei 50 % und
anschließend bei 10 % des Nennvolumens angewendet. Bei dem jeweils ersten Durchgang
konnte mit der Anzahl der Vorbenetzungsschritte vom vorherigen Volumenanteil begonnen
werden. Nach dem Vorbenetzen wurde die Pipette an einen erhöhten Ladeständer gehängt
und die Stoppuhr gestartet.
[0113] Es können die linearen Funktionen wie im folgenden Beispiel der 100µl-Pipette bestimmt
werden: Berechnung Achsenabschnitt 100% bis 50%; und 50% bis 10%:
| 100 µl Pipette |
Volumenanteil |
Benötigte Vorbenetzungsschritte |
Achsenabschnitt b |
Steigung a |
Ausgewähltes Volumen V |
Steps berechnet |
| Ethanol 58 hPa |
100 % |
1 |
3 |
-0,02 |
100 |
1 |
| 50 % |
2 |
|
|
|
|
| 10 % |
4 |
4,5 |
-0,05 |
10 |
4 |
[0114] Die zweite lineare Funktion wurde entsprechend mit den Werten von 50 % bis 10 % bestimmt.
Die berechneten Vorbenetzungsschritte dienen der Kontrolle. Achsenabschnitt und Steigung
sind die benötigten Werte.
[0115] Ergebnisse der Testreihe für die 10µl-Pipette und die 100µl-Pipette eines Pipettensatzes
in Form einer Datenzuordnungstabelle der Funktion n_vb(x):
Pipette
| 10 µl |
Volumenanteil [%] |
Benötigte Schritte |
Time |
Speed |
Speed Time at 100% |
Multiplikator |
| Ethanol 58 hPa |
100 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
1 |
| 50 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
0,5 |
| 10 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
0,1 |
| Aceton 246 hPa |
100 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
1 |
| 50 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
0,5 |
| 10 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
0,1 |
| Methanol 129 hPa |
100 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
1 |
| 50 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
0,5 |
| 10 |
0 |
0 |
8 |
1,8 |
0,1 |
| 100 µl |
Volumenanteil [%] |
Benötigte Schritte |
Time |
Speed |
Speed Time at 100% |
Multiplikator |
| Ethanol 58 hPa |
100 |
1 |
1,8 |
8 |
1,8 |
1 |
| 50 |
2 |
1,8 |
8 |
1,8 |
0,5 |
| 10 |
4 |
0,72 |
8 |
1,8 |
0,1 |
| Aceton 246 hPa |
100 |
2 |
3,6 |
8 |
1,8 |
1 |
| 50 |
14 |
12,6 |
8 |
1,8 |
0,5 |
| 10 |
20 |
3,6 |
8 |
1,8 |
0,1 |
| Methanol 129 hPa |
100 |
2 |
3,6 |
8 |
1,8 |
1 |
| 50 |
9 |
8,1 |
8 |
1,8 |
0,5 |
| 10 |
70 |
12,6 |
8 |
1,8 |
0,1 |
| Achsenabschnitt |
Steigung |
Ausgewähltes Volumen |
Schritte berechnet |
Volumenanteil |
Time |
| 0 |
0 |
100 |
0 |
1 |
0,0 |
| |
| 0 |
0 |
10 |
0 |
0,1 |
0 |
| 0 |
0 |
100 |
0 |
1 |
0,0 |
| |
| 0 |
0 |
10 |
0 |
0,1 |
0 |
| 0 |
0 |
100 |
0 |
1 |
0,0 |
| |
| 0 |
0 |
10 |
0 |
0,1 |
0 |
| Achsenabschnitt |
Steigung |
Ausgewähltes Volumen |
Schritte berechnet |
Volumenanteil |
Time |
| 3 |
-0,02 |
100 |
1 |
1 |
1,8 |
| |
| 4,5 |
-0,05 |
10 |
4 |
0,1 |
0,72 |
| 26 |
-0,24 |
100 |
2 |
1 |
3,6 |
| |
| 21,5 |
-0,15 |
10 |
20 |
0,1 |
3,6 |
| 16 |
-0,14 |
100 |
2 |
1 |
3,6 |
| |
| 85,25 |
-1,525 |
10 |
70 |
0,1 |
12,6 |
1. Verfahren (100) zum Betreiben einer handgehaltenen, computergesteuerten Kolbenhubpipette
(1), die der computergesteuerten Durchführung eines Pipettiervorgangs mit einer flüssigen
Probe dient, insbesondere zur automatischen Vorbenetzung der Innenseite einer Pipettenspitze
(10), die am Arbeitskonus (11) der Kolbenhubpipette angeordnet ist, aufweisend die
computergesteuerten Schritte:
• Bereitstellen einer Funktion n_vb(x), die eine Anzahl n_vb von einem oder mehreren
Vorbenetzungsschritten in Abhängigkeit von einer den Pipettiervorgang charakterisierenden
Variablen x angibt, (101)
• Erfassen des mindestens einen Parameterwertes der den Pipettiervorgang charakterisierenden
Variablen x; (102)
• Ermitteln der der Variablen x zugeordneten Anzahl n_vb von Vorbenetzungsschritten
aus der Funktion n_vb(x); (103)
• Ausführen einer Sequenz der Anzahl n_vb von Vorbenetzungsschritten, (104)
wobei n_vb > 0 und wobei ein Vorbenetzungsschritt jeweils beinhaltet, dass von der
Kolbenhubpipette eine elektrisch getriebene Kolbenbewegung durchgeführt wird, um ein
Probenvolumen in die Pipettenspitze aufzunehmen, und anschließend eine inverse Kolbenbewegung
durchgeführt wird, um das in der Pipettenspitze enthaltene Probenvolumen zumindest
teilweise oder vollständig wieder abzugeben.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, wobei die Variable x den Parameterwert V des Volumens
des in dem Pipettiervorgang in die Pipettenspitze anzusaugenden Pipettiervolumens
V beinhaltet oder durch diesen Parameterwert V gebildet ist.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, wobei die Variable x mindestens einen der Parameterwerte
der folgenden Parameter beinhaltet oder durch diesen gebildet wird, oder durch Parameter,
die aus den nachfolgend genannten Parametern ermittelbar sind: einen den Hauptflüssigkeitsbestandteil
der zu pipettierenden flüssigen Probe chemisch identifizierenden Parameter ID_LM,
ein in der zu pipettierenden flüssigen Probe enthaltenes Verdünnungsmittel identifizierenden
Parameter ID_VM, einen den Gerätetyp der den Pipettiervorgang durchführenden Kolbenhubpipette
identifizierenden Parameter ID_GT, ein den Gerätetyp der den Pipettiervorgang durchführenden
Kolbenhubpipette über deren Nennvolumen identifizierenden Parameter V_nom, einen den
Pipettenspitzentyp der im Pipettiervorgang verwendeten Pipettenspitze identifizierenden
Parameter ID_ST, eine Geschwindigkeit v_K der bei diesem Pipettiervorgang oder bei
dem mindestens einen Vorbenetzungsschritt durchgeführten Kolbenbewegung der Kolbenhubpipette,
eine zum Pipettiervorgang vorliegende Temperatur T der Umgebung der Kolbenhubpipette
oder der im Pipettiervorgang zu pipettierenden flüssigen Probe, ein zum Pipettiervorgang
vorliegender Luftdruck oder Dampfdruck P der Umgebung der Kolbenhubpipette.
4. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei die Funktion n_vb(x) mindestens
einen Rechenalgorithmus enthält, um der Variablen x die Anzahl n_vb zuzuordnen und/oder
eine Datenzuordnungstabelle enthält, um der Variablen x die Anzahl n_vb zuzuordnen.
5. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die Funktion n_vb(x) eine Anzahl
n_vb von einem oder mehreren Vorbenetzungsschritten in Abhängigkeit von einer den
Pipettiervorgang charakterisierenden Variablen x in der Weise optimiert, dass der
im Luftpolster zwischen flüssiger Probe und unbewegtem Kolben der Kolbenhubpipette
mittels der Vorbenetzungen erzielte Luftdruck ausreichend konstant ist, um ein Austropfen
der im Pipettiervorgang in die Pipettenspitze anzusaugenden Probe zu verhindern.
6. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Variable x den Parameterwert
V des Volumens des in dem Pipettiervorgang in die Pipettenspitze anzusaugenden Pipettiervolumens
V beinhaltet oder durch diesen Parameterwert V gebildet ist, und wobei die Funktion
n_vb(V), insbesondere in Abhängigkeit vom Lösungsmittel der beim Pipettiervorgang
angesaugten Probe, als linearer Zusammenhang zwischen n_vb und V beschrieben wird,
also n_vb = a * V + b, a und b sind reelle Zahlen, wobei vorzugsweise der Bereich
der pipettierbaren Volumina V in zwei Abschnitte unterteilt ist, in denen jeweils
ein charakteristischer Parametersatz a, b gilt, so dass im ersten Abschnitt V1 bis
V2 von möglichen Volumina die Beziehung n_vb = a1 * V + b1 und im zweiten Abschnitt
V2 bis V3 von möglichen Volumina die Beziehung n_vb = a2 * V + b2 gilt, und insbesondere
a1 <> a2 und b1<>b2 ist.
7. Verfahren zur Durchführung eines computergesteuerten Pipettiervorgangs mittels einer
handgehaltenen computergesteuerten Kolbenhubpipette, aufweisend das Verfahren gemäß
einem der vorangehenden Ansprüche, und aufweisend den Schritt, dass im Anschluss an
das Ausführen der Sequenz der Anzahl n von einem oder mehreren Vorbenetzungsschritten
automatisch der folgende computergesteuerte Schritt ausgeführt wird:
• Ansaugen eines Probenvolumens V der flüssigen Probe in die Pipettenspitze und insbesondere
Halten dieses Probenvolumens V der flüssigen Probe in der Pipettenspitze, insbesondere
für eine unbestimmte Zeitspanne oder eine bestimmte Zeitspanne. (205)
8. Verfahren gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, wobei ein externes Datenverarbeitungsgerät
vorgesehen ist, das eine Benutzerschnittstelleneinrichtung (z.B. Touchscreen) und
eine elektronische Steuereinrichtung aufweist, und wobei die Kolbenhubpipette vorgesehen
ist oder mehrere Kolbenhubpipetten vorgesehen sind, wobei eine Kolbenhubpipette jeweils
eine elektronische Steuereinrichtung aufweist, wobei die Steuereinrichtungen des externen
Datenverarbeitungsgeräts und der Kolbenhubpipette dazu eingerichtet sind, über eine
Datenverbindung (z.B. eine Datenfernverbindung, z.B. WLAN) Daten miteinander auszutauschen,
wobei die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts eingerichtet ist,
mittels der Benutzerschnittstelleneinrichtung mindestens einen oder alle der genannten
Parameter der Variablen x zu erfassen, insbesondere den Parameterwert V des Volumens
des in dem Pipettiervorgang in die Pipettenspitze anzusaugenden Pipettiervolumens
V, einen das Lösungsmittel der zu pipettierenden flüssigen Probe identifizierenden
Parameter ID_LM, einen den Gerätetyp der den Pipettiervorgang durchführenden Kolbenhubpipette
identifizierenden Parameter ID_GT, und/oder einen den Pipettenspitzentyp der im Pipettiervorgang
verwendeten Pipettenspitze identifizierenden Parameter ID_ST.
9. Verfahren gemäß Anspruch 8, wobei die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts
dazu eingerichtet ist, aus dem mindestens einen oder allen der genannten Parameter
der Variablen x anhand der Funktion n_vb(x) den Wert der Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte
zu ermitteln.
10. Verfahren gemäß Anspruch 8 oder 9, wobei das externe Datenverarbeitungsgerät und/oder
die mindestens eine Kolbenhubpipette einen Datenspeicher aufweisen, in dem die Funktion
n_vb(x) gespeichert ist und/oder der Wert n_vb speicherbar ist.
11. Verfahren gemäß Anspruch 10, wobei die Steuereinrichtung der mindestens einen Kolbenhubpipette
den Wert n_vb über die Datenverbindung erfasst und in einem Datenspeicher der Kolbenhubpipette
abspeichert.
12. Handgehaltene Kolbenhubpipette (1) zur computergesteuerten Durchführung eines Pipettiervorgangs
mit einer flüssigen Probe, aufweisend
eine elektronische Steuereinrichtung,
eine Kolbenkammer und einen darin beweglichen Kolben,
einen elektrischen Kolbenantrieb zum Bewegen des Kolbens,
einen Arbeitskonus, an dem eine Pipettenspitze befestigbar ist,
wobei die Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist, den Kolbenantrieb zu steuern und
ein Pipettierprogramm auszuführen, das die folgenden Schritte umfasst:
• Ausführen einer Sequenz der Anzahl n_vb von einem oder mehreren Vorbenetzungsschritten,
wobei ein Vorbenetzungsschritt jeweils beinhaltet, dass von der Kolbenhubpipette eine
elektrisch getriebene Kolbenbewegung durchgeführt wird, um ein Probenvolumen in die
Pipettenspitze aufzunehmen, und anschließend eine inverse Kolbenbewegung durchgeführt
wird, um das Probenvolumen zumindest teilweise oder vollständig aus der Pipettenspitze
abzugeben,
• im Anschluss an den mindestens einen Vorbenetzungsschritt: Ausführen eines Pipettiervorgangs,
beinhaltend das Ansaugen eines Probenvolumens V der flüssigen Probe in die Pipettenspitze
und insbesondere Halten dieses Probenvolumens V der flüssigen Probe in der Pipettenspitze.
13. Handgehaltene Kolbenhubpipette gemäß Anspruch 12, deren Steuereinrichtung dazu eingerichtet
ist, den Wert des in dem Pipettiervorgang in die Pipettenspitze anzusaugenden Pipettiervolumens
V und/oder den Wert n_vb über eine Datenverbindung von einem externen Datenverarbeitungsgerät
(21) zu erhalten, und die einen Datenspeicher aufweist, in der der Wert V und/oder
der Wert n_vb speicherbar sind.
14. Handgehaltene Kolbenhubpipette gemäß Anspruch 12 oder 13, die eine Einkanalpipette
oder eine Mehrkanalpipette ist.
15. System (200) zur automatischen Vorbenetzung der Innenseite einer Pipettenspitze, die
am Arbeitskonus einer handgehaltenen, computergesteuerten Kolbenhubpipette angeordnet
ist, die der computergesteuerten Durchführung eines Pipettiervorgangs mit einer flüssigen
Probe dient, aufweisend
mindestens eine handgehaltene Kolbenhubpipette (1) gemäß einem der Ansprüche 12 bis
14,
ein externes Datenverarbeitungsgerät (21), das eine Datenschnittstelleneinrichtung
und eine elektronische Steuereinrichtung aufweist,
wobei die Steuereinrichtungen des externen Datenverarbeitungsgeräts und der Kolbenhubpipette
dazu eingerichtet sind, über eine Datenverbindung Daten miteinander auszutauschen,
wobei die Steuereinrichtung des externen Datenverarbeitungsgeräts eingerichtet ist,
mittels der Datenschnittstelleneinrichtung eine Variable x zu erfassen, insbesondere
den Parameterwert V des Volumens des in dem Pipettiervorgang in die Pipettenspitze
anzusaugenden Pipettiervolumens V, einen das Lösungsmittel der zu pipettierenden flüssigen
Probe identifizierenden Parameter ID_LM, einen den Gerätetyp der den Pipettiervorgang
durchführenden Kolbenhubpipette identifizierenden Parameter ID_GT, und/oder einen
den Pipettenspitzentyp der im Pipettiervorgang verwendeten Pipettenspitze identifizierenden
Parameter ID_ST, und
das System dazu eingerichtet ist, aus dem mindestens einen oder allen der genannten
Parameter der Variablen x unter Verwendung einer Funktion n_vb(x) den Wert der Anzahl
n_vb der Vorbenetzungsschritte zu ermitteln,
wobei die Steuereinrichtung der mindestens einen Kolbenhubpipette dazu eingerichtet
ist, die Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte über die Datenverbindung zu erfassen.
16. Computerprogramm, insbesondere zum Betreiben einer handgehaltenen, computergesteuerten
Kolbenhubpipette, die der computergesteuerten Durchführung eines Pipettiervorgangs
mit einer flüssigen Probe dient, insbesondere zur automatischen Vorbenetzung der Innenseite
einer Pipettenspitze, die am Arbeitskonus der Kolbenhubpipette angeordnet ist, wobei
das Computerprogramm Befehle umfasst, die bei der Ausführung des Computerprogramms
durch den Zentralprozessor mindestens einer elektrischen Steuereinrichtung diesen
Zentralprozessor veranlassen, die folgenden Schritte auszuführen,
• Erfassen des mindestens eines Parameterwertes der den Pipettiervorgang charakterisierenden
Variablen x;
• Zugriff auf einen Datenspeicher, in dem eine Funktion n_vb(x) gespeichert ist, die
eine Anzahl n_vb von einem oder mehreren Vorbenetzungsschritten in Abhängigkeit von
einer den Pipettiervorgang charakterisierenden Variablen x angibt,
• Ermitteln der der Variablen x zugeordneten Anzahl n_vb von Vorbenetzungsschritten
aus der Funktion n_vb(x);
• Bereitstellen zumindest des Wertes n_vb für die Datenverarbeitung durch die Steuereinrichtung
der Kolbenhubpipette, insbesondere Übertragen zumindest des Wertes n_vb an die Steuereinrichtung
der Kolbenhubpipette;
• optional: Ausführen eines Vorbenetzungsschritts oder einer Sequenz der Anzahl n_vb
von mehreren Vorbenetzungsschritten,
wobei ein Vorbenetzungsschritt jeweils beinhaltet, dass von der Kolbenhubpipette eine
elektrisch getriebene Kolbenbewegung durchgeführt wird, um ein Probenvolumen in die
Pipettenspitze aufzunehmen, und anschließend eine inverse Kolbenbewegung durchgeführt
wird, um das Probenvolumen zumindest teilweise oder vollständig aus der Pipettenspitze
abzugeben;
• optional: im Anschluss an den mindestens einen Vorbenetzungsschritt: Ausführen eines
Pipettiervorgangs, beinhaltend das Ansaugen eines Probenvolumens V der flüssigen Probe
in die Pipettenspitze und insbesondere Halten dieses Probenvolumens V der flüssigen
Probe in der Pipettenspitze, insbesondere für eine unbestimmte Zeitspanne oder eine
bestimmte Zeitspanne von insbesondere mindestens 30 Sekunden.
17. Datenverarbeitungsgerät, das insbesondere das genannte externe Datenverarbeitungsgerät
ist, aufweisend:
• eine Datenschnittstelleneinrichtung, insbesondere Benutzerschnittstelleneinrichtung,
und
• eine elektronische Steuereinrichtung,
wobei die Steuereinrichtung des Datenverarbeitungsgeräts dazu eingerichtet ist, über
eine Datenverbindung Daten mit der Steuereinrichtung einer Kolbenhubpipette auszutauschen,
insbesondere der handgehaltenen Kolbenhubpipette gemäß einem der Ansprüche 12 bis
14, die der computergesteuerten Durchführung eines Pipettiervorgangs mit einer flüssigen
Probe dient,
wobei die Steuereinrichtung des Datenverarbeitungsgeräts eingerichtet ist, mittels
der Datenschnittstelleneinrichtung mindestens einen Parameter einer Variablen x zu
erfassen, und
wobei die Steuereinrichtung des Datenverarbeitungsgeräts dazu eingerichtet ist, aus
dem mindestens einen oder allen der genannten Parameter der Variablen x den Wert der
Anzahl n_vb der Vorbenetzungsschritte zu ermitteln und für die Datenverarbeitung durch
die Steuereinrichtung der Kolbenhubpipette bereitszustellen und/oder über die Datenverbindung
an die Kolbenhubpipette zu übertragen.