[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung für die Stahlindustrie sowie ein Verfahren
zum Betreiben dieser Vorrichtung. Genauer gesagt geht es um den Betrieb eines pyrometallurgischen
Behandlungsgefäßes zum Behandeln einer Metallschmelze zum einen unter Vakuum und zum
anderen unter Atmosphärendruck.
[0002] Derartige Verfahren und Vorrichtungen sind im Stand der Technik grundsätzlich bekannt.
So offenbart die deutsche Offenlegungsschrift
DE 44 05 198 A1 ein Verfahren zur Entkohlung von Stahlschmelzen, bei dem die zu behandelnde Schmelze
in einem ersten Verfahrensschritt durch Zufuhr von Sauerstoff unter Atmosphärendruck
und in einem zweiten Verfahrensschritt durch Zufuhr von Sauerstoff unter Vakuum behandelt
wird. Beide Verfahrensschritte werden in demselben Konverter durchgeführt. Während
des Vakuumbetriebs ist auf den Konverter eine Vakuumhaube aufgesetzt; während des
Atmosphärendruck-Betriebs ist oberhalb des Konverters eine Staubschutzhaube angebracht.
Der Konverter kann mit Unterbaddüsen ausgerüstet sein zum Einleiten von Sauerstoff
oder Inertgas oder einer Mischung aus beidem in das Innere des Konverters. Darüber
hinaus ist der Konverter mit einer Sauerstoffblaslanze ausrüstbar.
[0003] Der Betrieb unter Vakuum und der Betrieb unter Atmosphärendruck findet demnach unter
zwei unterschiedlichen Hauben für denselben Konverter statt. Die Hauben auf den Konverter
müssen für die beiden verschiedenen Betriebsmodi gewechselt werden. Dies führt zu
einer Verlängerung der Behandlungszeit für die Schmelze. Gleichzeitig qualmt der Konverter
während des Haubenwechsels weiter aus und der Qualm entweicht entweder in die Halle
oder er muss durch eine zusätzliche Staubschutzhaube abgesaugt werden.
[0004] Die deutsche Offenlegungsschrift
DE 2 239 578 offenbart eine Gassammelhaube zur Erfassung von heißen Abgasen aus einem bodengeblasenen
Sauerstoff-Stahl-Konvertergefäß. Die Haube besitzt einen hebe- oder senkbaren Stellring,
um einen Luftspalt zwischen der Konvertermündung und der Haube auf einen wählbaren
Wert einstellen zu können. Die Haube ist über einen wassergekühlten Abzugsschacht
bzw. eine Abgasleitung an einen ersten Venturi-Gaswäscher angeschlossen zum Löschung
und Vorreinigen des heißen Prozessabgases. Dem Venturi-Wäscher ist ein Absauggebläse
nachgeschaltet zum Absaugen von den Prozessabgasen aus dem Konverter. Die Charakteristik
des Absauggebläses ist innerhalb eines breiten Bereiches einstellbar. Insbesondere
durch Einstellen der Luftspaltbreite kann der Druck bzw. der Unterdruck in dem Konverter
in gewünschter Weise variabel eingestellt werden. Durch den geöffneten Luftspalt wird
während des Atmosphärendruck-Betriebs Frischluft in den Konverter eingesaugt, was
zu einer Nachverbrennung des Prozessabgases führt und die erforderliche Absaugmenge
erhöht. Des Weiteren kann durch den geöffneten Luftspalt staubiges Abgas austreten,
welches dann entweder in die umgebende Halle strömt oder durch zusätzlich Hauben abgesaugt
werden muss.
[0005] Schließlich offenbart die europäische Patentanmeldung
EP 1 431 404 A1 ebenfalls eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Behandeln einer Metallschmelze in
einem Konverter, alternativ entweder mit aufgesetzter Vakuumhaube während eines Vakuumbetriebs
oder unter Atmosphärendruck. Bei dem Vakuumbetrieb wird das Prozessgas aus dem Konverter
mit Hilfe einer von der Vakuumhaube abgehenden Abgasleitung zunächst durch einen Gaskühler
und nachfolgend durch einen Staubfilter geleitet, bevor es weiter nachfolgend eine
Vakuumpumpe durchläuft, bevor es durch einen Kamin in die Umgebungsluft abgegeben
wird.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine bekannte Vorrichtung zum Behandeln
einer Metallschmelze sowie ein bekanntes Verfahren zum Betreiben der Vorrichtung entweder
unter Atmosphärendruck oder unter Vakuum dahingehend weiterzubilden, dass die Gesamtbehandlungszeit
für beide Betriebsmodi verkürzt und die Staub- bzw. Prozessgasemissionen während der
gesamten Behandlungszeit in die Umgebung reduziert bzw. unterbunden werden.
[0007] Diese Aufgabe wird vorrichtungstechnisch durch den Gegenstand des Patentanspruchs
1 gelöst. Dieser ist gekennzeichnet durch ein Absauggebläse zum Absaugen der Prozessgase
aus dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß unter Atmosphärendruck und eine - in
Strömungsrichtung des Abgases gesehen - vor der Vakuumpumpe und dem Absauggebläse
in die Abgasleitung eingebaute Abgasweiche zum Umlenken der Prozessgase aus dem pyrometallurgischen
Behandlungsgefäß wahlweise durch die Vakuumpumpe zum Behandeln der Metallschmelze
in dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß unter Vakuum oder durch das Absauggebläse
zum Behandeln der Metallschmelze in dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß unter
Atmosphärendruck.
[0008] Der Begriff "pyrometallurgischen Behandlungsgefäß" meint insbesondere einen Konverter.
[0009] Bei der beanspruchten Vorrichtung ist die Vakuumhaube nicht nur während eines Vakuumbetriebs,
sondern auch während des Betriebs des pyrometallurgischen Behandlungsgefäßes unter
Atmosphärendruck gasdicht auf das pyrometallurgische Behandlungsgefäß aufgesetzt.
Dadurch wird sichergestellt, dass keine Prozessgase, insbesondere kein Staub und kein
Rauchgas während der beiden Betriebsmodi und in einer Zwischenzeit bzw. während eines
Wechsels zwischen diesen beiden Betriebsmodi aus dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß
in die Umgebung entweichen können. Es entsteht keine Zeitverzögerung bei einem Wechsel
der beiden Betriebsmodi (Atmosphäre-Vakuum) durch einen Wechsel von Vakuumhaube und
Absaughaube, wie dies im Stand der Technik zum Teil erforderlich war. Vorteilhafterweise
ist wegen der permanent aufgesetzten Haube auch keine zusätzliche Haube erforderlich,
um während der beiden Betriebsmodi eventuell austretendes Prozessgas abzusaugen. Beim
Betrieb unter Atmosphärendruck wird die Abgasmenge gegenüber dem Stand der Technik
verringert, weil hinter dem Mund des pyrometallurgischen Behandlungsgefäßes keine
Nachverbrennung mit der Umgebungsluft stattfindet. Die Vakuumdichtung zwischen der
Vakuumhaube und dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß muss während der atmosphärischen
Behandlung nicht separat geschützt werden. Dadurch, dass die Vakuumhaube und das pyrometallurgischen
Behandlungsgefäß erfindungsgemäß quasi ein geschlossenes System bilden, werden ein
Austritt von staubhaltigen Ausschwallungen durch einen vorhandenen bzw. geöffneten
Luftspalt zwischen dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß und der Haube und damit
eine Verschmutzung des pyrometallurgischen Behandlungsgefäßes und der Haube wirkungsvoll
verhindert.
[0010] Gemäß einem ersten Ausführungsbeispiel ist die Vakuumpumpe ausgebildet, den Luftdruck
in dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß für das Behandeln der Schmelze unter Vakuum
auf unter 300 mbar, vorzugsweise zumindest zeitweise auf unter 50 mbar, abzusenken.
Demgegenüber ist die Druckdifferenz des Absauggebläses wesentlich geringer; sie liegt,
wenn überhaupt, dann nur geringfügig unter dem Atmosphärendruck. Das Absauggebläse
nimmt die Prozessgase - vergleichbar einer Dunstabzugshaube über einem Herd - quasi
unter Atmosphärendruck auf und leitet sie an den Kamin oder die Gasgewinnungseinrichtung
weiter. Die gesamte Abgasstrecke vom pyrometallurgischen Behandlungsgefäß bis zum
Kamin bzw. zur Gasgewinnungseinrichtung steht bei Atmosphärendruck-Betrieb im Wesentlichen
unter Atmosphärendruck.
[0011] Bei der beanspruchten Vorrichtung ist lediglich eine Abgasleitung vorhanden, welche
das Prozessabgas aus dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß zu der erfindungsgemäßen
Abgasweiche führt, von wo aus das Prozessgas dann wahlweise durch die Vakuumpumpe
oder durch das Absauggebläse geleitet wird. Vor die Abgasweiche kann ein Abgaskühler
und/oder ein Abgasfilter angeordnet sein. Sowohl der Abgaskühler wie auch der Abgasfilter
werden gegebenenfalls vorteilhafterweise für beide Betriebsmodi genutzt.
[0012] Auch die Benutzung einer Sauerstofflanze ist bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung
für beide Betriebsmodi möglich, wenn die Sauerstofflanze mit einer vakuumdichten Abdichtung
gegenüber der Vakuumhaube, durch welche hindurch sie in das pyrometallurgische Behandlungsgefäß
eintaucht, abgedichtet ist.
[0013] Eine Materialzugabe ist über eine Materialzuführeinrichtung batchweise oder kontinuierlich
möglich, wobei die Materialzuführeinrichtung jedoch über eine Vakuumschleuse gegenüber
dem Innenraum des pyrometallurgischen Behandlungsgefäßes abgedichtet sein muss. Weil
die Haube nicht mehr verfahren oder gewechselt werden muss, kann die Einhausung der
Hauben, d. h. das sogenannte Doghouse, kleiner bzw. platzsparender als im Stand der
Technik ausgebildet sein. Schließlich kann der Vakuumpumpe bzw. dem Abgasgebläse eine
Gasgewinnungseinrichtung nachgeschaltet werden, wodurch die CO
2-Bilanz verbessert wird. Das Vorsehen der Gasgewinnungseinrichtung ist sinnvoll, weil
das aus dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß abgesaugte Prozessgas Kohlenmonoxid
CO enthält.
[0014] Die oben genannte Aufgabe der Erfindung wird weiterhin durch ein Verfahren zum Betreiben
der Vorrichtung gelöst. Die Vorteile dieses Verfahrens entsprechen den oben mit Bezug
auf die Vorrichtung genannten Vorteilen.
[0015] Weitere Vorteile der erfindungsgemäßen Vorrichtung sind Gegenstand der abhängigen
Ansprüche.
[0016] Der Beschreibung ist eine Figur beigefügt, welche die erfindungsgemäße Vorrichtung
zeigt.
[0017] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf diese Figur in Form von Ausführungsbeispielen
detailliert beschrieben.
[0018] Die Figur zeigt die erfindungsgemäße Vorrichtung 100. Sie umfasst im Wesentlichen
ein pyrometallurgisches Behandlungsgefäß 110 mit einer luftdicht aufgesetzten Haube
120 zum Behandeln einer Metallschmelze. Es ist eine Materialzuführeinrichtung 125
erkennbar zum Zuführen von Einsatzmaterial oder Zusätzen in das pyrometallurgische
Behandlungsgefäß. Die Vorrichtung bzw. das pyrometallurgische Behandlungsgefäß kann
wahlweise in einem Betriebsmodus Vakuumbetrieb oder in einem Betriebsmodus Atmosphärendruck-Betrieb
betrieben werden. Die Materialzuführeinrichtung 125 ist an der Stelle, wo sie in das
pyrometallurgische Behandlungsgefäß 110 oder die Haube 120 eintritt abgedichtet, so
dass im Falle des Vakuumbetriebs keine Fremdluft durch diese Eintrittsöffnung angesaugt
werden kann.
[0019] Im Bodenbereich des pyrometallurgischen Behandlungsgefäßes können Bodendüsen 115
vorgesehen sein und/oder es kann eine Sauerstofflanze 118 vorgesehen sein, welche
durch die Haube hindurch in das Innere des pyrometallurgischen Behandlungsgefäßes
führbar ist. Auch die Sauerstofflanze muss gegebenenfalls im Bereich ihres Eintritts
in die Vakuum-Haube 120 luftdicht bzw. vakuumdicht gegen die Haube abgedichtet sein.
Die Prozessgase aus dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß 110 werden über eine
Abgasleitung 130, welche typischerweise an die Haube 120 angeschlossen ist, in Pfeilrichtung
aus dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß 110 abgeleitet. Vorzugsweise durchläuft
das Prozessgas dabei zunächst einen Gaskühler 140 sowie einen Abgasfilter 150. Dem
Filter 150 ist erfindungsgemäß eine Abgasweiche 135 nachgeschaltet zum wahlweisen
Umlenken des Prozessgases entweder durch eine Vakuumpumpe 160 für den besagten Vakuum-Betrieb
oder durch ein Absauggebläse 170 für den besagten Atmosphärendruck-Betrieb. Die Ausgänge
der Vakuumpumpe und des Absauggebläses 170 können wiederum zu einer Abgasleitung zusammengeführt
und einem Kamin 180 und/oder einer Gasgewinnungseinrichtung 190 zugeführt werden.
Bezugszeichenliste
[0020]
- 100
- Vorrichtung
- 110
- pyrometallurgisches Behandlungsgefäß
- 115
- Bodendüsen in dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß
- 118
- Sauerstofflanze
- 120
- Vakuumhaube
- 125
- Materialzuführeinrichtung
- 130
- Abgasleitung
- 135
- Abgasweiche
- 140
- Abgaskühler
- 150
- Abgasfilter
- 160
- Vakuumpumpe
- 170
- Gebläse
- 180
- Kamin
- 190
- Gasgewinnungseinrichtung
1. Vorrichtung (100) für die Stahlindustrie, aufweisend:
ein pyrometallurgisches Behandlungsgefäß (110) mit einer gasdicht aufgesetzten Vakuumhaube
(120) zum Behandeln einer Metallschmelze;
eine von der Vakuumhaube (120) abgehende Abgasleitung (130) zum Ableiten von Prozessgasen
aus dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß (110); und
eine in der Abgasleitung (130) vorgesehene Vakuumpumpe (160) zum Erzeugen des Vakuums
unter der Vakuumhaube (120) in dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß (110);
gekennzeichnet durch
ein Absauggebläse (170) zum Absaugen der Prozessgase aus dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß
(110) unter Atmosphärendruck; und
eine - in Strömungsrichtung des Abgases gesehen - vor der Vakuumpumpe (160) in die
Abgasleitung eingebaute Abgasweiche (135) zum Umlenken der Prozessgase aus dem pyrometallurgischen
Behandlungsgefäß (110) wahlweise durch die Vakuumpumpe (160) zum Behandeln der Metallschmelze
in dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß unter Vakuum oder durch das Absauggebläse
(170) zum Behandeln der Metallschmelze in dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß
unter Atmosphärendruck.
2. Vorrichtung (100) nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Vakuumpumpe (160) ausgebildet ist, den Luftdruck in dem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß
(110) für das Behandeln der Schmelze unter Vakuum auf unter 300mbar, vorzugsweise
auf unter 50mbar abzusenken.
3. Vorrichtung (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
gekennzeichnet durch
einen - in Strömungsrichtung des Abgases gesehen - vor der Abgasweiche (135) angeordneten
Abgaskühler (140).
4. Vorrichtung (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
gekennzeichnet durch
einen - in Strömungsrichtung des Abgases gesehen - vor der Abgasweiche (135) angeordneten
Abgasfilter (150).
5. Vorrichtung (100) nach Anspruch 3 und 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Abgasfilter (150) zwischen den Abgaskühler (140) und die Abgasweiche (135) geschaltet
ist.
6. Vorrichtung (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
gekennzeichnet durch
einen Kamin (180) und/oder eine Gasgewinnungseinrichtung (190) zum Behandeln der Prozessgase
nach Verlassen der Vakuumpumpe (160) oder des Absauggebläses (170).
7. Verfahren zum Betreiben einer Vorrichtung (100) gemäß einem der vorangegangenen Ansprüche,
aufweisend folgende Schritte:
Behandeln einer Metallschmelze in einem pyrometallurgischen Behandlungsgefäß (110)
mit luftdicht aufgesetzter Vakuumhaube (160) wahlweise unter Vakuum oder unter Atmosphärendruck.