[0001] Münzen und Medaillen werden seit jeher, neben der Verwendung als Zahlungsmittel,
auch in Gedenken an Personen der Zeitgeschichte sowie besondere Ereignisse benutzt.
[0002] Die klassische, Methode Münzen oder Medaillen mit geprägten Reliefs herzustellen,
ist das Kaltumformen von Rohlingen, oder auch Ronden genannt. Eine solche Ronde und
ein Verfahren zur Kaltumformung ist zum Beispiel aus der
DE 199 59 500 A1 bekannt. Hierbei wird ein Rohling mit einer erhabenen Kern- sowie einer erhabenen
Randzone auf mindestens einer Seite der Münze mittels Kaltumformung bereitgestellt.
Dieses Verfahren erlaubt jedoch nur die Herstellung von Münzen im kleinen Maßstab,
da für die Kaltumformung der Ronde ausgesprochen hohe Drücke über eine zu lange Zeit
aufgewendet werden müssen. Es ist nicht ein Relief mit einer besonders erhabenen Struktur,
ein sogenanntes Hochrelief, also ein Relief mit einer maximalen Höhe von mehr als
30% der Rohlingstärke, zu fertigen, und die relieffreien Oberflächen sind bei dieser
Münze nicht besonders glatt.
[0003] Ein weiteres Verfahren zur Herstellung von Münzen oder Medaillen ist ein pulvermetallurgisches
Verfahren, welches aus der
DE 26 33 323 bekannt ist. Mittels des pulvermetallurgischem Verfahren ist es möglich, spezielle
Werkstoffkennzeichnungen der Münze zum Zwecke der Kennzeichnung gegenüber Fälschungen
zu erreichen. Dies wird entweder mittels inhomogener Verteilung der Werkstoffe im
Rohling oder durch Zusetzen eines nicht legierungsfähigen Fremdstoffes erreicht. In
der Industrie sind jedoch solche Verfahren bisher jedoch ohne Bedeutung.
[0004] Münzen oder Medaillen mit einem Hochrelief und ein pulvermetallurgisches Herstellungsverfahren
eines Rohlings einer solchen Münze oder Medaille sind aus der
WO 2016/020234 A1 bekannt. Hierbei wird ein Metallpulver zu einem plattenförmigen oder scheibenförmigen
Grünling mit zwei entgegengesetzt zueinander liegenden Stirnseiten von Pressstempeln
gepresst. Anschließend wird der Grünling unter Bildung des Prägerohlings mit einer
zum Grünling passenden Form gesintert, wobei mindestens eine Seite des Rohlings wenigstens
teilweise mit einem Profil versehen wird. Dieses Profil kann eine Profilhöhe von über
100% der Ausgangsmaterialstärke des Grünlings aufweisen. In der Praxis jedoch, ist
eine Ausbildung eines Hochreliefs auf beiden Seiten der Münze mittels eines pulvermetallurgischen
Verfahrens nicht realisierbar. Es sind sehr hohe Drücke nötig, um sämtliche Feinheiten
eines Reliefs mit dem Pulver auszufüllen, was nur erreicht werden kann, wenn die Oberfläche
auf einer Seite glatt ist und mittels eines flachen Pressstempels das Pulver in das
dreidimensionale Relief der anderen Seite verdichtet wird. Befinden sich auf beiden
Seiten Reliefs sind diese Drücke nicht an allen Stellen erreichbar.
[0005] Bisher ist es jedoch nicht möglich, eine Hochrelief-Münze oder -Medaille in Kombination
mit einer sehr ebenen Oberfläche, dem sogenannten Spiegelglanz zu schaffen.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Münze oder Medaille gemäß dem
Oberbegriff von Anspruch 1 zu schaffen, um ein außergewöhnliches Erinnerungsstück
zu gestalten.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch Anspruch 1 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen
ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0008] Dies wird gelöst, indem eine Münze oder Medaille gemäß dem Oberbegriff von Anspruch
1 geschaffen wird, die derart ausgestaltet ist, dass die Münze oder Medaille mindestens
ein dreidimensionales Relief aufweist, das sich auf mindestens einer Seite der Münze
oder Medaille erstreckt und dieses mit dem sogenannten Spiegelglanz an den relieffreien
Stellen verbindet. Hierbei weisen die hochglatten Oberflächen eine Rauheit R
a von unter 0,1 µm. Der Rauheitswert R
z liegt bei unter 1,0 µm . Besonders günstig ist es, wenn die Rauheit R
a unter 0,03 µm und R
z unter 0,3 µm liegt und somit ein möglichst hoher Glanzgrad (GU) erreicht wird.
[0009] In vorteilhafter Weiterbildung ist es vorgesehen, dass die Münze oder Medaille mit
dem (Hoch-)Relief aus massivem Metall besteht, insbesondere aus einem Edelmetall.
Ein solches Metall ist widerstandsfähig und auch ästhetisch ansprechend. Bevorzugt
sind vor allem die Metalle Gold (Au), Silber (Ag), Platin (Pt), Palladium (Pd), Kupfer
(Cu) und Nickel (Ni) sowie vergoldete oder versilberte Metallrohlinge. Auch plattierte
Rohlinge können in einer weiteren Ausgestaltungsform Anwendung finden. Des Weiteren
eignen sich Legierungen wie Messing, Bronze und sämtliche CuNi-Legierungen.
[0010] Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Münze oder Medaille mit Hochrelief ist,
dass durch die Verwendung von massiven Metallen eine hohe Stabilität des Reliefs,
insbesondere bei sehr feinen Strukturen, erreicht wird.
[0011] In weiterer vorteilhafter Weiterbildung ist es für Ausgangsmaterialien (Reinmetalle
und Legierungen) aus der Gruppe Silber (Ag), Kupfer (Cu), Messing, Bronze sowie aller
CuNi-Legierungen möglich, Reliefhöhen von über 125% der Ausgangsmaterialstärke zu
erreichen, für Ausgangsmaterialien (Reinmetalle und Legierungen) der Gruppe Gold (Au),
Platin (Pt) und Palladium (Pd) von über 100% der Ausgangsmaterialstärke. Dies entspricht
Reliefhöhen, die um das 10-20-fache höher sind als die herkömmlichen Reliefs und sogar
Höhen von bereits bekannten, mittels pulvermetallurischen Verfahren hergestellten,
Hochreliefs übertreffen. Erfindungsgemäß können die Reliefs nicht nur auf einer, sondern
auch auf beiden Seiten der Münze oder Medaille in Kombination mit dem sogenannten
"Spiegelglanz" erreicht werden.
[0012] In vorteilhafter Ausgestaltung ist das Relief auf beiden Seiten im Verhältnis x:y
= 1:1 (mit x = Reliefhöhe am höchsten Punkt der einen Seite, y = Reliefhöhe am höchsten
Punkt der gegenüberliegenden Seite) verteilt. Des Weiteren sind auch andere Verteilungen,
wie beispielsweise von bis zu 3:1, denkbar. Die Möglichkeit der Variation der Höhenverteilung
der Reliefs ermöglicht die Herstellung einer Mehrzahl unterschiedlicher, alternativer
Ausführungsformen. Damit bestimmte Münzen oder Medaillen als Erinnerungsstücke eine
hohe Individualität zeigen und auf den ersten Blick außergewöhnlich sind, kann eine
Verteilung der Reliefhöhen auf den beiden Münzseiten vorgenommen werden. Die menschliche
Wahrnehmung ist vor allem haptisch sehr ausgeprägt und eine ungleichmäßige Verteilung
der Reliefhöhen wird sofort als ungewöhnlich und daher als individuell im Gedächtnis
behalten. Ein so gestltetes Hochrelief in Kombination mit einer hochglatten Oberfläche
der relieffreien Stellen (Spiegelglanz) ermöglicht eine besonders hochwertige Anmutung
der Münze oder Medaille.
[0013] In weiterer vorteilhafter Weiterbildung ist es vorgesehen einer hochglatte Oberfläche
mit einem Glanzmesswert bei einem Messwinkel von 20° von über 1400 GU, insbesondere
von über 1200 GU zu erzielen. Die Ebenheit liegt bevorzugt über 750 Rspec, insbesondere
über 900 Rspec. Dieser Werte stellen sicher, dass die Oberfläche der Münze oder Medaille
an ihren glatten, relieffreien Stellen hochglatt erscheint und den sogenannten "Spiegelglanz"
aufweist.
[0014] In einem beispielhaften Herstellungsverfahren einer erfindungsgemäßen Münze oder
Medaille wird der Rohling (Ronde) in einem Pressraum, der aus dem Prägering mit einander
gegenüberliegenden, aufgesetzten ersten und zweiten Prägestempeln aufgebaut ist, vorgelegt.
Der Prägering sowie die beiden Prägestempel bestehen aus sehr druckfestem Material.
Der erhitzte Rohling wird unter einem Druck von > 50 to gesetzt und über mindestens
1 min auf diesem Druck gehalten, wobei er abkühlt.
[0015] Die starke Umformung des Rohlings (Ronde) kann hierbei durch zwischenzeitliches Glühen
erleichtert werden. Der erste und zweite Prägestempel weisen an den flachen, also
relieffreien Stellen, eine sehr glatte Oberfläche in Richtung der Prägekammer auf.
Dies ermöglicht eine optimale Verdichtung und das Ausgleichen jeglicher Unebenheiten
an der Oberfläche des Rohlings. Dies ermöglicht eine Kombination eines Höhenreliefs
mit dem sogenannten Spiegelglanz, einer sehr glatten Oberfläche (Glanzmesswerte >
900 GU (bei einem Messwinkel von 20°), Ebenheit > 750 Rspec) mit einer Rauheit von
R
a < 0,1 µm, bevorzugt < 0,03 µm und Rz < 1,0 µm, bevorzugt < 0,3 µm.
[0016] Besonders günstig ist die Verwendung einer Prägekammer, bei der zwischen Prägestempel
und Prägering ein sehr kleiner Spalt, insbesondere ein Spalt von etwa 0,02 mm, liegt.
Dies stellt sicher, dass so wenig Material wie möglich verloren geht.
[0017] Weitere Vorteile, Einzelheiten und Merkmale ergeben sich aus der nachfolgende Beschreibung
mehrerer Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnung.
[0018] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine perspektivische Darstellung einer erfindungsgemäßen Münze oder Medaille mit dreidimensionalem
Relief eines beispielhaften Motives, in einer ersten Ausführungsform;
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung der Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Münze oder
Medaille mit zwei dreidimensionalen Reliefs eines beispielhaften Motives auf je einer
Seite der Münze oder Medaille, in einer weiteren Ausführungsform; und
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung des Querschnittes der Prägekammer mit Prägering mit
Heizelement, erstem und zweitem hochglattem Prägestempel sowie dem Rohling der erfindungsgemäßen
Münze oder Medaille.
[0019] Fig.1 zeigt eine perspektivische Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Münze oder Medaille
2 mit einem umlaufenden Außenrand
4. Eine erfindungsgemäße Münze oder Medaille weist einen Durchmesser von etwa 10 mm
bis 100 mm auf. Auf der hochglatten Oberfläche
6 (Spiegelglanz) der Münze oder Medaille
2 befindet sich ein dreidimensionales Relief
8. Das Relief besitzt eine Höhe von über 100% der Ausgangsmaterialstärke, in dem Ausführungsbeispiel
von 2 mm, und der Spiegelglanz eine Rauheit R
a von unter 0,03 µm. Die Oberfläche
4 der Münze besteht erfindungsgemäß aus einem widerstandsfähigen und ästhetischem Material.
Gemäß den obigen Ausführungen werden unter anderem vor allem die Metalle Gold (Au),
Silber (Ag), Platin (Pt), Palladium (Pd), Kupfer (Cu) und Nickel (Ni) sowie vergoldete
oder versilberte Metallrohlinge als vorteilhaft vorgeschlagen. In dem vorliegendem
Ausführungsbeispiel wird ein Edelmetall, nämlich Silber (Ag) verwendet.
[0020] Fig. 2 zeigt eine Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Münze oder Medaille
2 mit einem umlaufenden Außenrand
4. Es ist wiederum die hochglatten Oberfläche
6 (Spiegelglanz) der Münze oder Medaille
2 sowie je ein dreidimensionales Relief
8 auf jeder Seite der Münze oder Medaille dargestellt.
[0021] In
Fig. 3 ist ein Querschnitt durch die Prägekammer
10 mit Prägering
12 mit Heizelement
20, erstem
14a und zweitem
14b Prägestempel
14 mit Hochreliefnegativ
22 sowie dem Rohling
16 der Münze oder Medaille
2 dargestellt. Besonders günstig es, wenn in der Prägekammer
10 zwischen Prägestempel
14 und Prägering
12 ein sehr kleiner Spalt
18, insbesondere ein Spalt von 0,02 mm, verwirklicht ist. Dies stellt sicher, dass so
wenig Material des Rohlings
16 wie möglich verloren geht. Optimalerweise liegt der Prägering
12 sehr nahe am Rohling
16 der Münze oder Medaille
2 an, um eine Verformung des Rohlings
16 der Münze oder Medaille
2 während des Präge-Vorgangs zu vermeiden. Mittels dieses Aufbaus und der sehr glatten
Oberfläche der flachen, also relieffreien Stellen des ersten
14a und zweiten
14b Prägestempels
14 ist es möglich, eine optimale Verdichtung und das Ausgleichen jeglicher Unebenheiten
an der Oberfläche des Rohlings
16 zu erreichen.
1. Münze oder Medaille, mit einem umlaufenden Außenrand (4), wobei die Münze oder Medaille (2) mindestens ein dreidimensionales Relief (8) aufweist, das sich auf mindestens einer Seite der Münze oder Medaille (2) erhaben aus einer Oberfläche (6) heraustretend erstreckt, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberfläche (6), soweit sie flach und relieffrei ist, hochglatt (Spiegelglanz) ist und insbesondere
eine Rauheit Ra von < 0,1 µm, insbesondere von < 0,03 µm aufweist.
2. Münze oder Medaille nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Münze oder Medaille (2) aus einer Scheibe massiven Metalls besteht.
3. Münze oder Medaille nach Anspruch 1 und Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das dreidimensionale Relief (8) als Hochrelief ausgebildet ist und sich auf beiden Seite der Münze oder Medaille
(2) erstreckt.
4. Münze oder Medaille nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden sich gegenüber liegenden dreidimensionalen Reliefs (8) eine aufsummierte Höhe von mindestens 100% der Dicke des Rohlings (Ronde) (16), insbesondere mindestens 125% der Dicke des Rohlings (Ronde) (16), aufweisen.
5. Münze oder Medaille nach Anspruch 1 und Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das dreidimensionale Relief (8) als Hochrelief ausgebildet ist und sich auf einer Seite der Münze oder Medaille
(2) erstreckt.
6. Münze oder Medaille nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das dreidimensionale Hochrelief (8) eine Höhe von mindestens 100% der Dicke des Rohlings (Ronde) (16), insbesondere mindestens 125% der Dicke des Rohlings (Ronde) (16), aufweist.
7. Münze oder Medaille nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden einander gegenüber liegenden dreidimensionalen Hochreliefs (8) unterschiedliche Höhen, insbesondere im Verhältnis zwischen x:y = 1,3:1 und x:y
= 3:1 (mit x = Reliefhöhe am höchsten Punkt der einen Seite, y = Reliefhöhe am höchsten
Punkt der gegenüberliegenden Seite), aufweisen.
8. Münze oder Medaille nach Anspruch 1 bis Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden einander gegenüber liegenden dreidimensionalen Hochreliefs (8) ein Höhenverhältnis von x:y = 1,3:1, insbesondere von x:y = 1,2:1 und bevorzugt
x:y = 1:1, aufweisen.
9. Münze oder Medaille nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Rauheit Ra der relieffreien Oberfläche (6) im Bereich zwischen 5 nm und 30 nm liegt.
10. Münze oder Medaille nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Rauheit Rz der relieffreien Oberfläche (6) unter 1,0 µm, insbesondere unter 0,3 µm, liegt.
11. Münze oder Medaille nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die relieffreie Oberfläche (6) einen Glanzgrad bei einem Messwinkel von 20° von über 900 GU, insbesondere von über
1200 GU, aufweist.
12. Münze oder Medaille nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die relieffreie Oberfläche (6) eine Ebenheit von über 750 Rspec, insbesondere von über 900 Rspec, aufweist.
13. Münze oder Medaille nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Münze oder Medaille (2) aus Stahl, Edelmetall, einer Edelmetalllegierung oder einem Buntmetall besteht oder
versilbert oder vergoldet oder mit Edelmetall plattiert ist.