Gebiet der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung geht aus von einem Walzwerk mit einem ersten Walzgerüst
zum Walzen eines flachen Walzguts aus Metall,
- wobei vor und/oder hinter dem ersten Walzgerüst eine Sensoreinrichtung angeordnet
ist,
- wobei die Sensoreinrichtung zum Übermitteln der erfassten Messgröße mit einer Steuereinrichtung
für das Walzwerk verbunden ist,
- wobei die Steuereinrichtung derart ausgebildet ist, dass sie die übermittelte Messgröße
im Rahmen der Ermittlung eines Ansteuerwertes für das erste Walzgerüst berücksichtigt.
[0002] Der Begriff "erstes Walzgerüst" ist im Rahmen der vorliegenden Erfindung nicht derart
gemeint, dass das Walzwerk zwangsweise mehrere Walzgerüste aufweist und das erste
Walzgerüst das vorderste, von dem flachen Walzgut zuerst durchlaufene Walzgerüst ist.
Vielmehr soll zunächst der Fall mit umfasst sein, dass das Walzwerk nur das erste
Walzgerüst aufweist. In diesem Fall ist ausschließlich das erste Walzgerüst vorhanden.
Weiterhin dient auch in dem Fall, dass das Walzwerk mehrere Walzgerüste aufweist,
der Begriff "erstes Walzgerüst" lediglich der Unterscheidung von den anderen Walzgerüsten
des Walzwerks. Hingegen soll keine Reihenfolge impliziert sein. Das erste Walzgerüst
kann also auch in diesem Fall in der Abfolge von Walzgerüsten des Walzwerks an beliebiger
Stelle angeordnet sein. Wenn also - rein beispielhaft - das flache Walzgut zuerst
ein Walzgerüst A, dann ein Walzgerüst B, dann ein Walzgerüst C und schließlich ein
Walzgerüst D durchläuft, kann das erste Walzgerüst ein beliebiges der Walzgerüste
A bis D sein, während die anderen Walzgerüste zweite Walzgerüste sind.
[0003] Bei der Herstellung eines flachen Walzguts ist man bestrebt, die geometrischen Eigenschaften
des flachen Walzguts, also insbesondere dessen Breite und dessen Dicke, mit möglichst
hoher Präzision einzustellen. Gleiches gilt auch für das Profil bzw. die Kontur. Auch
die Planheit soll eingehalten werden. Zusätzlich zu diesen und gegebenenfalls auch
anderen geometrischen Eigenschaften sollen weiterhin auch Werkstoffeigenschaften des
flachen Walzguts eingestellt werden. Werkstoffeigenschaften sind Eigenschaften, die
das flache Walzgut beim späteren Einsatz aufweisen soll, beispielsweise eine bestimmte
Streckgrenze, eine bestimmte Materialhärte oder eine bestimmte Magnetisierbarkeit.
Werkstoffeigenschaften sind also Eigenschaften, die das Material unabhängig von seinem
konkreten aktuellen Zustand (wie beispielsweise der Temperatur) und auch unabhängig
von seinen geometrischen Eigenschaften aufweist. Ursache für bestimmte Werkstoffeigenschaften
ist - neben dem Werkstoff als solchem - die Kornstruktur des Metalls.
[0004] Das Einstellen von Werkstoffeigenschaften kann - zumindest teilweise - beim Walzen
des flachen Walzguts erfolgen. Oftmals verbleibt jedoch eine Differenz des tatsächlichen
Wertes einer Werkstoffeigenschaft von einem gewünschten Zielwert. In diesem Fall ist
es erforderlich, das flache Walzgut nach dem Warmwalzen thermisch zu behandeln. Dies
gilt ganz besonders, wenn bei dem Walzgut eine bestimmte sogenannte Goss-Textur eingestellt
werden soll. Ähnliche Probleme stellen sich aber auch bei bestimmten Stählen, insbesondere
bei AHSS (= advanced high strength steel) sowie martensitischen und bainitischen Güten.
Im Falle einer thermischen Behandlung kann das Walzgut zum Einstellen von Werkstoffeigenschaften
beispielsweise nach einem Warmwalzen in einer Kühlstrecke in geeigneter Weise gekühlt
werden oder im Rahmen des Kaltwalzens in einer Glühe behandelt werden. Diese Behandlung
kann alternativ nach dem Kaltwalzen oder zwischen zwei Kaltwalzschritten erfolgen.
Stand der Technik
[0005] Aus dem Fachaufsatz "
Umformtechnik für die Elektromobilität" von Gerhard Hirt et al., abgerufen am 21.01.2020 unter https://publications.rwth-aachen.de/record/762556/files/ 762556.pdf, ist bekannt,
dass zum Einstellen einer für die Magnetisierung günstigen Textur des Walzguts ein
sogenanntes asymmetrisches Walzen von Vorteil sein kann. Beim asymmetrischen Walzen
unterscheiden sich die Umfangsgeschwindigkeit einer oberen und einer unteren Arbeitswalze
eines Walzgerüsts voneinander. Auf das flache Walzgut wirken also beim Walzen Scherkräfte
in Transportrichtung. Aufgrund der Scherkräfte wird eine Umordnung der Kristallorientierung
bewirkt.
Zusammenfassung der Erfindung
[0006] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, Möglichkeiten zu schaffen,
mittels derer auf einfache und zuverlässige Weise eine Werkstoffeigenschaft des flachen
Walzguts gezielt eingestellt werden kann.
[0007] Die Aufgabe wird durch ein Walzwerk mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen des Walzwerks sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche 2 bis 17.
[0008] Erfindungsgemäß ist bei einem Walzwerk der eingangs genannten Art die Sensoreinrichtung
derart ausgebildet, dass mittels der Sensoreinrichtung mindestens eine für eine Werkstoffeigenschaft
des flachen Walzguts charakteristische Messgröße erfassbar ist, und beeinflusst das
Ansteuern des ersten Walzgerüsts mit dem Ansteuerwert die Werkstoffeigenschaft des
flachen Walzguts.
[0009] Es wird also eine Messgröße erfasst, anhand derer direkt die entsprechende Werkstoffeigenschaft
des flachen Walzguts zum Zeitpunkt der Messung ermittelt werden kann. Es gibt also
einen direkten funktionalen Zusammenhang zwischen der Messgröße einerseits und der
Werkstoffeigenschaft andererseits. Hingegen ist es nicht erforderlich, komplizierte
Modellrechnungen durchzuführen, mittels derer beispielsweise eine zeitliche Entwicklung
modelliert wird.
[0010] Die Formulierung "zum Zeitpunkt der Messung" soll hierbei nicht implizieren, dass
sich die Werkstoffeigenschaft im Laufe der Zeit aufgrund der Änderung des Zustands
des flachen Walzguts wie beispielsweise dessen Temperatur automatisch laufend ebenfalls
ändert. Die Werkstoffeigenschaft kann aber durch eine entsprechende Behandlung des
Walzguts - beispielsweise durch das Walzen im ersten Walzgerüst oder ein Walzen in
einem anderen Walzgerüst oder durch eine thermische Behandlung zu einem späteren Zeitpunkt
auf einen anderen Wert eingestellt werden.
[0011] Es ist möglich, dass das Walzwerk ausschließlich das genannte erste Walzgerüst und
demzufolge nur ein einziges Walzgerüst aufweist. In diesem Fall ist die Sensoreinrichtung
ganz von selbst unmittelbar vor oder unmittelbar hinter dem Walzgerüst angeordnet.
Es ist jedoch ebenso möglich, dass das Walzwerk zusätzlich zum ersten Walzgerüst auch
mindestens ein zweites Walzgerüst aufweist. In diesem Fall sind mehrere verschiedene
Ausgestaltungen möglich.
[0012] So ist es beispielsweise möglich, dass die zweiten Walzgerüste nicht zwischen der
Sensoreinrichtung und dem ersten Walzgerüst angeordnet sind. Diese Ausgestaltung ist
beispielsweise dann realisiert, wenn die Sensoreinrichtung vor dem vordersten Walzgerüst
einer mehrgerüstigen Walzstraße angeordnet ist und der von der Steuereinrichtung unter
Berücksichtigung der Messgröße ermittelte Ansteuerwert auf das vorderste Walzgerüst
wirkt oder umgekehrt die Sensoranordnung hinter dem letzten Walzgerüst einer mehrgerüstigen
Walzstraße angeordnet ist und der von der Steuereinrichtung unter Berücksichtigung
der Messgröße ermittelte Ansteuerwert auf das letzte Walzgerüst wirkt. Ebenso ist
diese Ausgestaltung beispielsweise dann realisiert, wenn die Sensoranordnung zwischen
zwei Walzgerüsten einer mehrgerüstigen Walzstraße angeordnet ist und der von der Steuereinrichtung
unter Berücksichtigung der Messgröße ermittelte Ansteuerwert auf eines dieser beiden
Walzgerüste wirkt oder die Steuereinrichtung zwei derartige Ansteuerwerte ermittelt,
von denen je einer auf je eines dieser beiden Walzgerüste wirkt.
[0013] Alternativ ist es möglich, dass mindestens eines der zweiten Walzgerüste zwischen
der Sensoreinrichtung und dem ersten Walzgerüst angeordnet ist. Diese Ausgestaltung
ist beispielsweise dann realisiert, wenn die Sensoreinrichtung vor dem vordersten
Walzgerüst einer mehrgerüstigen Walzstraße angeordnet ist und der von der Steuereinrichtung
unter Berücksichtigung der Messgröße ermittelte Ansteuerwert auf ein anderes als das
vorderste Walzgerüst wirkt oder umgekehrt die Sensoranordnung hinter dem letzten Walzgerüst
einer mehrgerüstigen Walzstraße angeordnet ist und der von der Steuereinrichtung unter
Berücksichtigung der Messgröße ermittelte Ansteuerwert auf ein anderes als das letzte
Walzgerüst wirkt.
[0014] Natürlich sind auch Kombinationen dieser Vorgehensweisen möglich. So kann beispielsweise
die Sensoreinrichtung vor dem vordersten Walzgerüst der mehrgerüstigen Walzstraße
angeordnet sein und können weiterhin von der Steuereinrichtung unter Berücksichtigung
der Messgröße mehrere Ansteuerwerte ermittelt werden, von denen einer auf das vorderste
Walzgerüst und ein anderer auf ein anderes Walzgerüst wirkt. Ebenso kann umgekehrt
die Sensoranordnung hinter dem letzten Walzgerüst der mehrgerüstigen Walzstraße angeordnet
sein und können weiterhin von der Steuereinrichtung unter Berücksichtigung der Messgröße
mehrere Ansteuerwerte ermittelt werden, von denen einer auf das letzte Walzgerüst
und ein anderer auf ein anderes Walzgerüst wirkt.
[0015] Das erste Walzgerüst weist eine obere Arbeitswalze und eine untere Arbeitswalze auf.
Es ist möglich, dass die Steuereinrichtung derart ausgebildet ist, dass der unter
Berücksichtigung der Messgröße ermittelte Ansteuerwert ein Verhältnis einer oberen
Umfangsgeschwindigkeit, mit welcher die obere Arbeitswalze rotiert, zu einer unteren
Umfangsgeschwindigkeit ist, mit welcher die untere Arbeitswalze rotiert. Diese Vorgehensweise
kann beispielsweise zum Einstellen elektrischer oder magnetischer Eigenschaften des
flachen Walzguts von Vorteil sein. Sie kann aber auch zum Einstellen mechanischer
Eigenschaften des flachen Walzguts genutzt werden.
[0016] Vorzugsweise ist die Steuereinrichtung derart ausgebildet, dass sie das Verhältnis
der oberen Umfangsgeschwindigkeit zur unteren Umfangsgeschwindigkeit derart ermittelt,
dass es zwischen 0,5 und 2,0 liegt, insbesondere zwischen 0,9 und 1,1. Dadurch können
alle in der Praxis relevanten Fälle abgedeckt werden.
[0017] Um voneinander verschiedene Umfangsgeschwindigkeiten realisieren zu können, ist es
möglich, dass die obere Arbeitswalze von einem oberen Antrieb angetrieben wird und
die untere Arbeitswalze von einem vom oberen Antrieb verschiedenen unteren Antrieb
angetrieben wird. In diesem Fall können die unterschiedlichen Umfangsgeschwindigkeiten
einfach durch eine entsprechende Einstellung der beiden Antriebe auf unterschiedliche
Drehzahlen realisiert werden.
[0018] Alternativ ist es möglich, dass die obere Arbeitswalze und die untere Arbeitswalze
von einem gemeinsamen Antrieb angetrieben werden. In diesem Fall ist zwischen dem
gemeinsamen Antrieb auf der einen Seite und der oberen Arbeitswalze und der unteren
Arbeitswalze auf der anderen Seite ein Getriebe angeordnet, mittels dessen ein Verhältnis
einer Drehzahl einer mit der oberen Arbeitswalze drehfest verbundenen oberen Ausgangswelle
des Getriebes gegenüber einer Drehzahl einer mit der unteren Arbeitswalze drehfest
verbundenen unteren Ausgangswelle des Getriebes stufenlos einstellbar ist.
[0019] Alternativ oder zusätzlich zu einem Einstellen eines Verhältnisses der Umfangsgeschwindigkeiten
zueinander ist es möglich, dass die Steuereinrichtung derart ausgebildet ist, dass
der unter Berücksichtigung der Messgröße ermittelte Ansteuerwert eine Temperaturbeeinflussung
der oberen Arbeitswalze und/oder der unteren Arbeitswalze des ersten Walzgerüsts und/oder
des flachen Walzguts vor dem Walzen in dem ersten Walzgerüst ist. Beispielsweise kann
durch Aufspritzen von Wasser eine Kühlung oder durch eine Induktionsheizung eine Erwärmung
bewirkt werden.
[0020] Sofern die Sensoreinrichtung vor dem ersten Walzgerüst angeordnet ist, ist die Steuereinrichtung
vorzugsweise derart ausgebildet, dass sie den unter Berücksichtigung der Messgröße
ermittelten Ansteuerwert unter Berücksichtigung einer Wegverfolgung des flachen Walzguts
von der Sensoreinrichtung zum ersten Walzgerüst an das erste Walzgerüst ausgibt. Die
Steuereinrichtung berücksichtigt also beim Ansteuern des ersten Walzgerüsts die Transportzeit,
die zwischen dem Erfassen der Messgröße für einen bestimmten Abschnitt des flachen
Walzguts und dem Walzen desselben Abschnitts des flachen Walzguts im ersten Walzgerüst
vergeht.
[0021] Vorzugsweise umfasst die Steuereinrichtung ein Modell, mittels dessen die Steuereinrichtung
unter Berücksichtigung der Messgröße den Ansteuerwert für das erste Walzgerüst ermittelt
und weiterhin unter Berücksichtigung des unter Berücksichtigung der Messgröße ermittelten
Ansteuerwertes einen Erwartungswert für die Werkstoffeigenschaft des flachen Walzguts
nach dem Walzen in dem ersten Walzgerüst ermittelt. Weiterhin ist vorzugsweise hinter
dem ersten Walzgerüst eine weitere Sensoreinrichtung angeordnet, mittels derer mindestens
eine für die Werkstoffeigenschaft des flachen Walzguts nach dem Walzen in dem ersten
Walzgerüst charakteristische weitere Messgröße erfassbar ist. Die weitere Sensoreinrichtung
ist zum Übermitteln der erfassten weiteren Messgröße mit der Steuereinrichtung verbunden.
Schließlich ist die Steuereinrichtung vorzugsweise derart ausgebildet, dass sie die
weitere Messgröße für einen Zeitpunkt verwertet, den die Steuereinrichtung unter Berücksichtigung
einer Wegverfolgung des flachen Walzguts von dem ersten Walzgerüst zur weiteren Sensoreinrichtung
ermittelt, und das Modell anhand eines Vergleichs der weiteren Messgröße und des Erwartungswertes
der Werkstoffeigenschaft adaptiert. Durch diese Vorgehensweise kann das Modell nach
und nach immer besser an das tatsächliche Verhalten des flachen Walzguts angepasst
werden.
[0022] Vorzugsweise ist die Steuereinrichtung derart ausgebildet, dass sie bei der Ermittlung
des Ansteuerwertes zusätzlich zu der übermittelten Messgröße die Temperatur des flachen
Walzguts vor dem Walzen des flachen Walzguts in dem ersten Walzgerüst und/oder die
Walzkraft beim Walzen des flachen Walzguts in dem ersten Walzgerüst und/oder die Stichabnahme
beim Walzen des flachen Walzguts in dem ersten Walzgerüst berücksichtigt. Dadurch
kann die gewünschte Werkstoffeigenschaft mit höherer Genauigkeit eingestellt werden.
Die erforderlichen Abhängigkeiten können beispielsweise in Form von Kennlinienfeldern
in der Steuereinrichtung hinterlegt sein.
[0023] In einer bevorzugten Ausgestaltung umfasst die Sensoreinrichtung ein Anregungselement
und ein erstes Sensorelement. Mittels des Anregungselements wird in dem flachen Walzgut
ein Basissignal angeregt. Mittels des ersten Sensorelements wird ein auf dem angeregten
Basissignal basierendes erstes Sensorsignal erfasst. Es ist möglich, dass die Sensoreinrichtung
die übermittelte Messgröße unter Berücksichtigung des ersten Sensorsignals ermittelt.
Alternativ ist es möglich, dass die übermittelte Messgröße das erste Sensorsignal
umfasst.
[0024] In Einzelfällen kann es möglich sein, dass ausschließlich das erste Sensorsignal
erfasst wird. In der Regel umfasst die Sensoreinrichtung jedoch zusätzlich eine Anzahl
von zweiten Sensorelementen. In diesem Fall ist vom ersten Sensorelement aus in Transportrichtung
gesehen das jeweilige zweite Sensorelement vor oder hinter dem ersten Sensorelement
und/oder seitlich versetzt angeordnet. Mittels des jeweiligen zweiten Sensorelements
wird ein jeweiliges auf dem angeregten Basissignal basierendes, zum ersten Sensorsignal
gleichartiges zweites Sensorsignal erfasst. Es ist möglich, dass die Sensoreinrichtung
die übermittelte Messgröße unter Berücksichtigung auch des jeweiligen zweiten Sensorsignals
ermittelt. Beispielsweise können die Differenz oder der Quotient der entsprechenden
Sensorsignale gebildet werden. Alternativ ist es möglich, dass die übermittelte Messgröße
auch das jeweilige zweite Sensorsignal umfasst. In diesem Fall können gleichartige
Auswertungen durch die Steuereinrichtung erfolgen.
[0025] Das Basissignal kann beispielsweise ein Wirbelstrom sein. Alternativ kann das Basissignal
ein Schallsignal sein, insbesondere ein Ultraschallsignal.
[0026] Vorzugsweise verläuft eine Verbindungslinie vom Anregungselement zum ersten Sensorelement
parallel zur Transportrichtung. Dadurch ergibt sich eine besonders zuverlässige Auswertung.
[0027] Die Werkstoffeigenschaft kann, wie bereits erwähnt, eine elektromagnetische Eigenschaft
oder eine mechanische Eigenschaft des Walzguts sein.
[0028] In Einzelfällen kann ein Warmwalzen erfolgen. In der Regel erfolgt jedoch ein Kaltwalzen.
Damit ist das Walzwerk in der Regel ein Kaltwalzwerk.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0029] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung der Ausführungsbeispiele, die in Verbindung
mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Hierbei zeigen in schematischer Darstellung:
- FIG 1
- ein Walzwerk mit einem ersten Walzgerüst,
- FIG 2
- eine Draufsicht auf einen Teil des Walzwerks von FIG 1,
- FIG 3 und 4
- Seitenansichten von FIG 3 zu zwei Zeitpunkten,
- FIG 5
- ein Ablaufdiagramm,
- FIG 6
- eine Draufsicht auf einen Teil des Walzwerks von FIG 1,
- FIG 7 und 8
- Seitenansichten von FIG 6 zu zwei Zeitpunkten,
- FIG 9 und 10
- jeweils ein weiteres Walzwerk mit einem ersten Walzgerüst,
- FIG 11
- ein Ablaufdiagramm,
- FIG 12 und 13
- Antriebsstrukturen für Arbeitswalzen,
- FIG 14
- ein Walzgerüst und Temperaturbeeinflussungen und
- FIG 15 bis 20
- verschiedene Ausgestaltungen von Walzstraßen.
Beschreibung der Ausführungsformen
[0030] Gemäß FIG 1 weist ein Walzwerk - wie jedes Walzwerk - zumindest ein erstes Walzgerüst
1 auf. Das erste Walzgerüst 1 dient dem Walzen eines flachen Walzguts 2 aus Metall,
insbesondere eines Bandes. Das Metall, aus dem das flache Walzgut 2 besteht, kann
insbesondere Stahl oder Aluminium sein. Im Falle von Stahl kann es sich bei dem flachen
Walzgut insbesondere um ein Elektroblech mit einem relativ hohen Anteil an Silizium
(meist zwischen 2 % und 4 %) handeln.
[0031] Das Walzen kann ein Warmwalzen sein. In diesem Fall ist das Walzwerk ein Warmwalzwerk.
Im Regelfall handelt es sich jedoch um ein Kaltwalzen. In diesem Fall ist das Walzwerk
ein Kaltwalzwerk.
[0032] Von dem ersten Walzgerüst 1 sind in FIG 1 und auch den weiteren FIG nur die obere
Arbeitswalze 3 und die untere Arbeitswalze 4 dargestellt. In der Regel weist das erste
Walzgerüst 1 jedoch zusätzlich weitere Walzen auf, beispielsweise bei einem Quartogerüst
zusätzlich zu den Arbeitswalzen 3, 4 Stützwalzen und bei einem Sextogerüst zusätzlich
zu den Arbeitswalzen 3, 4 und den Stützwalzen Zwischenwalzen, die zwischen den Arbeitswalzen
3, 4 und den Stützwalzen angeordnet sind. Auch andere Ausgestaltungen sind möglich,
beispielsweise als sogenanntes 20-Rollen-Walzgerüst. Unabhängig von der konkreten
Ausgestaltung rotiert die obere Arbeitswalze 3 mit einer oberen Umfangsgeschwindigkeit
vO, während die untere Arbeitswalze 4 mit einer unteren Umfangsgeschwindigkeit vU
rotiert. Sowohl die obere als auch die untere Umfangsgeschwindigkeit vO, vU sind größer
als 0.
[0033] Entsprechend der Darstellung in FIG 1 ist das Walzwerk als Reversierwalzwerk ausgebildet.
Es weist daher zum Walzen des flachen Walzguts 2 vor und hinter dem ersten Walzgerüst
1 je einen Haspel 5 auf. Die Begriffe "vor" und "hinter" sind in Bezug auf das erste
Walzgerüst 1 stets in Verbindung mit der Transportrichtung x zu sehen, mit welcher
das flache Walzgut 2 im ersten Walzgerüst 1 gewalzt wird. Bei einem Reversierwalzwerk
sind die Begriffe "vor" und "hinter" daher nur während eines jeweiligen Walzstichs
definiert und kehren sich beim jeweils nächsten Walzstich um.
[0034] Hinter dem ersten Walzgerüst 1 ist eine Sensoreinrichtung 6 angeordnet. Mittels der
Sensoreinrichtung 6 kann eine Messgröße M erfasst werden. Die erfasste Messgröße M
ist für eine Werkstoffeigenschaft des flachen Walzguts 2 charakteristisch. Beispiele
derartiger Eigenschaften sind die elektrische Leitfähigkeit, die Permeabilitätszahl
und die magnetische Sättigung bzw. allgemein eine elektromagnetische Eigenschaft des
Walzguts 2. Weitere Beispiele von Werkstoffeigenschaften sind die Dehngrenze, die
Streckgrenze, die Bruchdehnung bzw. allgemein eine mechanische Eigenschaft des Walzguts
2. Die genannten Größen können alternativ richtungsunabhängig (also isotrop) oder
richtungsabhängig (also anisotrop) sein. Sie basieren alle auf der Kornstruktur und
gegebenenfalls auch Ausrichtung der Körner des Metalls, aus dem das Walzgut 2 besteht.
[0035] Nachstehend wird in Verbindung mit den FIG 2 bis 4 eine mögliche Ausgestaltung der
Sensoreinrichtung 6 erläutert. Die vorliegende Erfindung ist aber nicht auf diese
Ausgestaltung der Sensoreinrichtung 6 beschränkt.
[0036] Gemäß den FIG 2 bis 4 umfasst die Sensoreinrichtung 6 ein Anregungselement 7. Mittels
des Anregungselementes 7 kann in dem flachen Walzgut 2 ein Basissignal angeregt werden.
Beispielsweise kann das Anregungselement 7 entsprechend der Darstellung in den FIG
3 und 4 als Spule ausgebildet sein, die intermittierend mit einem Anregungsstrom IA
beaufschlagt wird und dadurch in dem Walzgut 2 als Basissignal einen Wirbelstrom IW
generiert. FIG 3 zeigt die Sensoreinrichtung 4 zu einem Zeitpunkt, zu dem das Anregungselement
7 mit dem Anregungsstrom IA beaufschlagt wird.
[0037] Die Sensoreinrichtung 6 umfasst weiterhin ein erstes Sensorelement 8a. Mittels des
ersten Sensorelements 8a wird ein erstes Sensorsignal Ia erfasst. Das Erfassen des
ersten Sensorsignals Ia erfolgt nach dem Anregen des Basissignals, also zu einem anderen,
späteren Zeitpunkt. Zu diesem späteren Zeitpunkt wird in der Regel kein Basissignal
angeregt. Ein zuvor angeregtes Basissignal ist aber noch nicht vollständig abgeklungen.
Das erste Sensorsignal Ia basiert auf dem angeregten Basissignal. Beispielsweise kann
das erste Sensorelement 8a entsprechend der Darstellung in den FIG 3 und 4 als Spule
ausgebildet sein, so dass in dem ersten Sensorelement 8a aufgrund des Wirbelstroms
IW ein Strom induziert wird, der das erste Sensorsignal Ia bildet.
[0038] Das erste Sensorelement 8a ist in den FIG 2 bis 4 als vom Anregungselement 7 verschiedenes
Element dargestellt. Diese Ausgestaltung stellt den Regelfall dar. In diesem Fall
ist das erste Sensorelement 8a in Transportrichtung x des Walzguts 2 gesehen hinter
dem Anregungselement 7 angeordnet. Eine Verbindungslinie vom Anregungselement 7 zum
ersten Sensorelement 8a verläuft in diesem Fall vorzugsweise parallel zur Transportrichtung
x. Im Einzelfall kann das erste Sensorelement 8a jedoch auch mit dem Anregungselement
7 identisch sein. Diese Ausgestaltung kann insbesondere dann möglich sein, wenn ein
Zeitraum zwischen dem Anregen des Basissignals und dem Erfassen des angeregten Basissignals
hinreichend klein ist.
[0039] Die Sensoreinrichtung 6 ist gemäß FIG 1 mit einer Steuereinrichtung 9 für das Walzwerk
verbunden. Aufgrund der Verbindung der Sensoreinrichtung 6 mit der Steuereinrichtung
9 kann insbesondere eine Übermittlung der erfassten Messgröße M an die Steuereinrichtung
9 erfolgen. Es ist möglich, dass die übermittelte Messgröße M das erste Sensorsignal
Ia umfasst. Falls die übermittelte Messgröße M keine weiteren Anteile enthält, kann
die übermittelte Messgröße M auch mit dem ersten Sensorsignal Ia identisch sein. Alternativ
ist es möglich, dass die Sensoreinrichtung 6 zum Ermitteln der Messgröße M zunächst
das erste Sensorsignal Ia (und gegebenenfalls weitere Signale) auswertet und dass
das Ergebnis dieser Auswertung die Messgröße M ist. Beispielsweise kann die Sensoreinrichtung
6 das erste Sensorsignal Ia in Relation zum Anregungssignal IA setzen und dadurch
die Messgröße M ermitteln.
[0040] Oftmals umfasst die Sensoreinrichtung 6 zusätzlich zum ersten Sensorelement 8a eine
Anzahl von zweiten Sensorelementen 8b bis 8d. Die zweiten Sensorelemente 8b bis 8d
sind vom ersten Sensorelement 8a (und in der Regel auch vom Anregungselement 7) verschiedene
Elemente. Vom Anregungselement 7 aus gesehen sind die zweiten Sensorelemente 8b bis
8d in der Regel hinter dem Anregungselement 7 angeordnet, auch wenn hiervon in Einzelfällen
abgewichen werden kann. Mittels der zweiten Sensorelemente 8b bis 8d können zweite
Sensorsignale Ib bis Id erfasst werden. Die zweiten Sensorsignale Ib bis Id basieren
ebenfalls auf dem angeregten Basissignal IW und sind gleichartig zum ersten Sensorsignal
Ia. Die zweiten Sensorsignale Ib bis Id werden in der Regel gleichzeitig mit dem ersten
Sensorsignal Ia erfasst.
[0041] Wenn zusätzlich auch die zweiten Sensorelemente 8b bis 8d vorhanden ist, kann die
Sensoreinrichtung 6 als Messgröße M beispielsweise die Sensorsignale Ia bis Id insgesamt
übermitteln, also sowohl das erste Sensorsignal Ia als auch die zweiten Sensorsignale
Ib bis Id. Eine entsprechende Auswertung der Sensorsignale Ia bis Id erfolgt in diesem
Fall durch die Steuereinrichtung 9. Alternativ kann eine Auswertung der Sensorsignale
Ia bis Id (vollständig oder teilweise) bereits durch die Sensoreinrichtung 6 vorgenommen
werden und als Messgröße M das Ergebnis dieser Auswertung übermittelt werden.
[0042] Bezüglich der Anordnung der zweiten Sensorelemente 8b bis 8d relativ zum ersten Sensorelement
8a sind verschiedene Anordnungen und Ausgestaltungen möglich.
[0043] Beispielsweise kann die Sensoreinrichtung 6 ein zweites Sensorelement 8b, 8c aufweisen,
das vom ersten Sensorelement 8a aus in Transportrichtung x gesehen seitlich versetzt
angeordnet ist. In diesem Fall kann die Sensoreinrichtung 6 das erste Sensorsignal
Ia in Relation zum zweiten Sensorsignal Ib, Ic setzen und dadurch die Messgröße M
ermitteln. Die Messgröße M kann in diesem Fall insbesondere anhand der Differenz oder
des Quotienten der Sensorsignale Ia, Ib, Ic ermittelt werden. Wenn, wie in FIG 2 dargestellt,
auf beiden Seiten des ersten Sensorelements 8a je ein zweites Sensorelement 8b, 8c
angeordnet ist, kann die Sensoreinrichtung 6 das erste Sensorsignal Ia in Relation
zum Mittelwert dieser beiden zweiten Sensorsignale Ib, Ic setzen.
[0044] Alternativ oder zusätzlich ist es möglich, dass die Sensoreinrichtung 6 ein zweites
Sensorelement 8d aufweist, das vom ersten Sensorelement 8a aus in Transportrichtung
x gesehen vor oder hinter dem ersten Sensorelement 8a angeordnet ist. Eine Anordnung
hinter dem ersten Sensorelement 8a stellt in diesem Fall den Regelfall dar. Auch bei
einer Anordnung des zweiten Sensorelements 8d vor oder hinter dem ersten Sensorelement
8a kann die Sensoreinrichtung 6 das erste Sensorsignal Ia in Relation zum zweiten
Sensorsignal 8d setzen und dadurch die Messgröße M ermitteln. Die Messgröße M kann
auch in diesem Fall insbesondere anhand der Differenz oder des Quotienten der Sensorsignale
Ia, Id ermittelt werden.
[0045] Die Steuereinrichtung 9 nimmt gemäß FIG 5 in einem Schritt S1 die an sie übermittelte
Messgröße M entgegen. In einem Schritt S2 ermittelt die Steuereinrichtung 9 einen
Ansteuerwert A für das erste Walzgerüst 1. Entsprechend der Darstellung in FIG 5 berücksichtigt
die Steuereinrichtung 9 bei der Ermittlung des Ansteuerwertes A zumindest die übermittelte
Messgröße M. Oftmals berücksichtigt die Steuereinrichtung 9 bei der Ermittlung des
Ansteuerwertes A zusätzlich auch weitere variable Daten wie beispielsweise die Temperatur
T des flachen Walzguts 2 vor dem Walzen im ersten Walzgerüst 1 und/oder die Walzkraft
F beim Walzen des flachen Walzguts 2 in dem ersten Walzgerüst 1 und/oder die Stichabnahme
beim Walzen des flachen Walzguts 2 in dem ersten Walzgerüst 1. Die Temperatur T und
die Walzkraft F können mittels entsprechender Sensoren erfasst werden, die Fachleuten
allgemein bekannt sind. Die Stichabnahme, also das Verhältnis von auslaufseitiger
Dicke d2 des flachen Walzguts 2 zu einlaufseitiger Dicke d1 des flachen Walzguts 2
(siehe FIG 1), kann der Steuereinrichtung 9 beispielsweise aufgrund eines Stichplans
bekannt sein. Weiterhin kann die Steuereinrichtung 9 die Geschwindigkeit des flachen
Walzguts 2 im Bereich der Sensoreinrichtung 6 berücksichtigen, insbesondere im Rahmen
der Auswertung der Messgröße M. Soweit erforderlich, können auch die Positionen des
Anregungselement 7 und/oder der Sensorelemente 8a bis 8d mit berücksichtigt werden.
In einem Schritt S3 steuert die Steuereinrichtung 9 das erste Walzgerüst 1 entsprechend
dem ermittelten Ansteuerwert A an.
[0046] Die Steuereinrichtung 9 führt die Schritte S1 bis S3 iterativ immer wieder aus. Eine
Zeitkonstante, mit der die Wiederholung erfolgt, liegt meist im Bereich zwischen 0,1
s und 1,0 s, insbesondere zwischen 0,2 s und 0,5 s.
[0047] Die Steuereinrichtung 9 ist derart ausgebildet, dass sie die Vorgehensweise von FIG
5 ausführt. Die Steuereinrichtung 9 ist weiterhin entsprechend der Darstellung in
FIG 1 in der Regel als softwareprogrammierbare Steuereinrichtung ausgebildet. Die
Steuereinrichtung 9 ist in diesem Fall mit einem Steuerprogramm 10 programmiert. Das
Steuerprogramm 10 umfasst Programmcode 11, der von der Steuereinrichtung 9 abarbeitbar
ist. Im Betrieb arbeitet die Steuereinrichtung 9 den Programmcode 11 ab. Die Abarbeitung
des Programmcodes 11 durch die Steuereinrichtung 9 bewirkt, dass die Steuereinrichtung
9 entsprechend ausgebildet ist.
[0048] Obenstehend wurden in Verbindung mit den FIG 1 bis 5 Ausgestaltungen erläutert, bei
denen das Basissignal ein Wirbelstrom IW und damit eine elektrische Größe ist. Diese
Ausgestaltungen sind insbesondere dann sinnvoll, wenn die Messgröße M für eine elektrische
oder magnetische Werkstoffeigenschaft charakteristisch sein soll. Die Ausgestaltungen
können aber auch Rückschlüsse auf mechanische Werkstoffeigenschaften ermöglichen.
[0049] Nachstehend wird in Verbindung mit den FIG 6 bis 8 eine weitere Ausgestaltung erläutert.
Die FIG 6 bis 8 zeigen hierbei zu den FIG 2 bis 4 völlig analoge Ausgestaltungen.
Der Unterschied besteht darin, dass bei den FIG 6 bis 8 das Anregungselement 7 ein
Schallsignal abgibt, insbesondere ein Ultraschallsignal. Hiermit korrespondierend
sind auch die Sensorelemente 8a bis 8d zur Erfassung eines entsprechenden Schallsignals
ausgelegt. Im übrigen sind die Ausführungen zu den FIG 2 bis 4 in analoger Weise anwendbar.
[0050] FIG 9 zeigt eine Modifikation des Walzwerks von FIG 1. Der Unterschied besteht darin,
dass bei der Ausgestaltung des Walzwerks gemäß FIG 9 die Sensoreinrichtung 6 nun nicht
mehr hinter dem ersten Walzgerüst 1 angeordnet ist, sondern vor dem ersten Walzgerüst
1. Im übrigen sind die Ausführungen zu FIG 1 und auch die darauf aufbauenden Ausführungen
zu den FIG 2 bis 8 - beispielsweise die Ausgestaltung der Steuereinrichtung 9 als
softwareprogrammierbar - weiterhin anwendbar. Im Rahmen der Ausgestaltung gemäß FIG
9 ist es insbesondere möglich, dass die Steuereinrichtung 9 den Ansteuerwert A, den
sie unter Berücksichtigung der Messgröße M ermittelt, unter Berücksichtigung einer
Wegverfolgung des flachen Walzguts 2 von der Sensoreinrichtung 6 zum ersten Walzgerüst
1 an das erste Walzgerüst 1 ausgibt. Die Details hierzu werden in Verbindung mit einer
weiteren Ausgestaltung erläutert, die nachstehend in Verbindung mit FIG 10 erläutert
wird.
[0051] FIG 10 geht aus von FIG 9. Ebenso wie bei FIG 9 ist also bei der Ausgestaltung gemäß
FIG 10 die Sensoreinrichtung 6 vor dem ersten Walzgerüst 1 angeordnet. Die Steuereinrichtung
9 umfasst - beispielsweise aufgrund der Ausführung des Programmcodes 11 - ein Modell
12. Weiterhin ist hinter dem ersten Walzgerüst 1 eine weitere Sensoreinrichtung 13
angeordnet. Mittels der weiteren Sensoreinrichtung 13 kann mindestens eine weitere
Messgröße M' erfasst werden. Die erfasste weitere Messgröße M' ist für die Werkstoffeigenschaft
des flachen Walzguts 2 charakteristisch, wie er nach dem Walzen in dem ersten Walzgerüst
1 vorliegt. Die weitere Messgröße M' ist also für dieselbe Werkstoffeigenschaft charakteristisch
wie die Messgröße M und damit vom Ansatz her gleichartig zur Messgröße M. Der Unterschied
besteht darin, dass die Messgröße M für die Werkstoffeigenschaft des flachen Walzguts
2 vor dem Walzen im ersten Walzgerüst 1 charakteristisch ist, während die Messgröße
M' für die Werkstoffeigenschaft des flachen Walzguts 2 nach dem Walzen im ersten Walzgerüst
1 charakteristisch ist.
[0052] Die weitere Sensoreinrichtung 13 ist ebenfalls mit der Steuereinrichtung 9 für das
Walzwerk verbunden. Aufgrund der Verbindung der weiteren Sensoreinrichtung 13 mit
der Steuereinrichtung 9 kann insbesondere eine Übermittlung der erfassten weiteren
Messgröße M' an die Steuereinrichtung 9 erfolgen.
[0053] Die Betriebsweise des Walzwerks von FIG 10 wird nachstehend in Verbindung mit FIG
11 erläutert. Soweit es die Berücksichtigung der Wegverfolgung des flachen Walzguts
2 von der Sensoreinrichtung 6 zum ersten Walzgerüst 1 an das erste Walzgerüst 1 betrifft,
zeigt FIG 11 auch den Betrieb des Walzwerks von FIG 9.
[0054] Gemäß FIG 11 nimmt die Steuereinrichtung 9 in einem Schritt S11 die an sie übermittelte
Messgröße M entgegen. Der Schritt S11 korrespondiert 1:1 mit dem Schritt S1 von FIG
2. In einem Schritt S12 ermittelt die Steuereinrichtung 9 den Ansteuerwert A für das
erste Walzgerüst 1. Der Schritt S12 korrespondiert im Kern mit dem Schritt S2 von
FIG 2. Der Unterschied besteht darin, dass die Steuereinrichtung 9 im Schritt S12
den Ansteuerwert A mittels des Modells 12 ermittelt. In die Ermittlung des Ansteuerwertes
A geht unter anderem ein Modellparameter k ein.
[0055] In einem Schritt S13 ermittelt die Steuereinrichtung 9 unter Berücksichtigung dieses
Ansteuerwertes A - also des im Schritt S12 ermittelten Ansteuerwertes A - einen Erwartungswert
E für die Werkstoffeigenschaft des flachen Walzguts 2 nach dem Walzen in dem ersten
Walzgerüst 1. Auch diese Ermittlung erfolgt mittels des Modells 12.
[0056] In einem Schritt S14 wartet die Steuereinrichtung 9 eine erste Wartezeit t1 ab. Die
erste Wartezeit t1 entspricht derjenigen Zeit, die ein bestimmter Abschnitt des flachen
Walzguts 2 benötigt, um ausgehend von der Sensoreinrichtung 6 das erste Walzgerüst
1 zu erreichen. Im wesentlichen implementiert die Steuereinrichtung 9 somit eine Wegverfolgung
des flachen Walzguts 2 von der Sensoreinrichtung 6 zum ersten Walzgerüst 1. Im einfachsten
Fall entspricht die erste Wartezeit t1 - siehe FIG 10 - dem Abstand a1 von der Sensoreinrichtung
6 zum ersten Walzgerüst 1, dividiert durch die Transportgeschwindigkeit v1 des flachen
Walzguts 2 vor dem ersten Walzgerüst 1. Falls zwischen der Sensoreinrichtung 6 und
dem ersten Walzgerüst 1 weitere Walzgerüste angeordnet sind, muss die erste Wartezeit
t1 gegebenenfalls durch eine Addition von mehreren Zeiten ermittelt werden, wobei
jede Zeit für einen bestimmten Abschnitt charakteristisch ist und sich durch die Transportgeschwindigkeit
des flachen Walzguts 2 im jeweiligen Abschnitt und die Länge des jeweiligen Abschnitts
ergibt.
[0057] In einem Schritt S15 und damit nach Ablauf der ersten Wartezeit t1 steuert die Steuereinrichtung
9 das erste Walzgerüst 1 entsprechend dem ermittelten Ansteuerwert A an. Der Schritt
S15 korrespondiert im wesentlichen mit dem Schritt S3 von FIG 2. Im Ergebnis gibt
die Steuereinrichtung 9 somit den Ansteuerwert A unter Berücksichtigung der Wegverfolgung
des flachen Walzguts 2 von der Sensoreinrichtung 6 zum ersten Walzgerüst 1 an das
erste Walzgerüst 1 aus.
[0058] In einem Schritt S16 wartet die Steuereinrichtung 9 sodann eine zweite Wartezeit
t2 ab. Die zweite Wartezeit t2 entspricht derjenigen Zeit, die ein bestimmter Abschnitt
des flachen Walzguts 2 benötigt, um ausgehend von dem ersten Walzgerüst 1 die weitere
Sensoreinrichtung 13 zu erreichen. Im wesentlichen implementiert die Steuereinrichtung
9 somit eine Wegverfolgung des flachen Walzguts 2 von dem ersten Walzgerüst 1 zur
weiteren Sensoreinrichtung 13. Im einfachsten Fall t1 - siehe wieder FIG 10 - entspricht
die zweite Wartezeit t2 dem Abstand a2 von dem ersten Walzgerüst 1 zur weiteren Sensoreinrichtung
13, dividiert durch die Transportgeschwindigkeit v2 des flachen Walzguts 2 hinter
dem ersten Walzgerüst 1. Falls zwischen dem ersten Walzgerüst 1 und der weiteren Sensoreinrichtung
13 weitere Walzgerüste angeordnet sind, muss die zweite Wartezeit t2 gegebenenfalls
durch eine Addition von mehreren Zeiten ermittelt werden, wobei jede Zeit für einen
bestimmten Abschnitt charakteristisch ist und sich durch die Transportgeschwindigkeit
des flachen Walzguts 2 im jeweiligen Abschnitt und die Länge des jeweiligen Abschnitts
ergibt.
[0059] In einem Schritt S17 und damit nach Ablauf der zweiten Wartezeit t2 nimmt die Steuereinrichtung
9 von der weiteren Sensoreinrichtung 13 diejenige weitere Messgröße M' entgegen, die
von der weiteren Sensoreinrichtung 13 zu diesem Zeitpunkt erfasst wird. In einem Schritt
S18 führt die Steuereinrichtung 9 den Modellparameter k anhand eines Vergleichs der
weiteren Messgröße M' und des Erwartungswertes E der Werkstoffeigenschaft E nach und
adaptiert dadurch das Modell 12. Im Ergebnis verwertet die Steuereinrichtung 9 somit
im Rahmen der Adaptierung des Modells 12 die weitere Messgröße M' für einen Zeitpunkt,
den die Steuereinrichtung 9 unter Berücksichtigung der Wegverfolgung des flachen Walzguts
2 von dem ersten Walzgerüst 1 zur weiteren Sensoreinrichtung 13 ermittelt hat.
[0060] Die Steuereinrichtung 9 führt die Schritte S11 bis S18 - analog zu den Schritten
S1 bis S3 - iterativ immer wieder aus. Die obigen Ausführungen zu den Schritten S1
bis S3 sind analog anwendbar.
[0061] Weiterhin sind die Schritte S11 bis S18 und deren Abfolge in der Praxis geringfügig
anders implementiert. Beispielsweise können die Schritte S11 bis S18 mehrfach instanziiert
ausgeführt werden. Auch ist es möglich, die Abfolge der Schritte S11 bis S18 in zwei
Teile aufzuteilen, die parallel ausgeführt werden. Der erste Teil umfasst in diesem
Fall die Schritte S11 bis S15, der zweite Teil die Schritte S16 bis S18.
[0062] Auch ist es möglich, die Schritte S14 und S16 als solche entfallen zu lassen. In
diesem Fall kann eine direkte, unsynchronisierte Ausführung der verbleibenden Schritte
S11 bis S13, S15, S17 und S18 erfolgen. In diesem Fall können beispielsweise der im
Schritt S12 ermittelte jeweilige Ansteuerwert A und der im Schritt S13 ermittelte
jeweilige Erwartungswert E in einem Zwischenspeicher (nicht dargestellt) temporär
gepuffert werden. Gegebenenfalls kann auch die im Schritt S17 erfasste jeweilige weitere
Messgröße M' in dem Zwischenspeicher temporär gepuffert werden. Dem jeweiligen Ansteuerwert
A wird in diesem Fall bei der Speicherung ein Ausführungszeitpunkt zugeordnet. In
analoger Weise wird in diesem Fall dem jeweiligen Erwartungswert E ein Verwertungszeitpunkt
zugeordnet. Gegebenenfalls kann weiterhin auch der jeweiligen weiteren Messgröße M'
ein Erfassungszeitpunkt zugeordnet werden. In diesem Fall wird bei der jeweiligen
Ausführung des Schrittes S15 derjenige gespeicherte Ansteuerwert A ausgegeben, dessen
Ausführungszeitpunkt gerade erreicht ist. In analoger Weise wird bei der jeweiligen
Ausführung des Schrittes S18 derjenige gespeicherte Erwartungswert E verwertet, dessen
Verwertungszeitpunkt mit der aktuellen Zeit übereinstimmt. Soweit erforderlich, kann
in diesem Zusammenhang eine Interpolation von gespeicherten Ansteuerwerten A und von
gespeicherten Erwartungswerten E erfolgen. Falls auch die weiteren Messgrößen M' und
deren Erfassungszeitpunkte gespeichert werden, gilt dies in analoger Weise auch für
die weiteren Messgrößen M'.
[0063] Unabhängig von der konkreten Implementierung kommt es aber darauf an, dass die Adaptierung
des Modells 12 des Schrittes S18 auf alle zeitlich nachfolgenden Ausführungen der
Schritte S12 und S13 wirkt.
[0064] Die Art des Ansteuerwertes A kann nach Bedarf bestimmt sein. Entscheidend ist, dass
das Ansteuern des ersten Walzgerüsts 1 mit dem Ansteuerwert A die Werkstoffeigenschaft
des flachen Walzguts 2 beeinflusst. Beispielsweise ist es entsprechend der Darstellung
in den FIG 12 und 13 möglich, dass die Steuereinrichtung 9 als Ansteuerwert A ein
Verhältnis der oberen Umfangsgeschwindigkeit vO zur unteren Umfangsgeschwindigkeit
vU ermittelt. In diesem Fall erfolgt also ein asymmetrisches Walzen, bei welchem die
beiden Arbeitswalzen 3, 4 mit voneinander verschiedenen Umfangsgeschwindigkeiten vO,
vU rotieren. Der Ansteuerwert A kann beispielsweise entsprechend der Darstellung in
den FIG 12 und 13 als Faktor, mit welchem die untere Umfangsgeschwindigkeit vU (bzw.
deren Sollwert vU*) multipliziert werden muss, in die Ermittlung der oberen Umfangsgeschwindigkeit
vO (bzw. deren Sollwert vO*) eingehen.
[0065] In der Regel liegt das Verhältnis der oberen Umfangsgeschwindigkeit vO zur unteren
Umfangsgeschwindigkeit vU zwischen 0,5 und 2,0, insbesondere zwischen 0,9 und 1,1.
Weiterhin ist in der Regel irrelevant, welche der beiden Arbeitswalzen 3, 4 schneller
als die andere Arbeitswalze 4, 3 rotiert.
[0066] FIG 12 zeigt weiterhin eine Ausgestaltung, welche in regelungstechnischer Hinsicht
besonders einfach zu realisieren ist. Konkret wird im Rahmen der Ausgestaltung von
FIG 12 die obere Arbeitswalze 3 von einem oberen Antrieb 14 angetrieben, während die
untere Arbeitswalze 4 von einem unteren Antrieb 15 angetrieben wird. Der untere Antrieb
15 ist im Rahmen der Ausgestaltung gemäß FIG 12 ein vom oberen Antrieb 14 verschiedener
Antrieb. In diesem Fall müssen lediglich dem oberen Antrieb 14 und dem unteren Antrieb
15 die entsprechenden Sollwerte vO*, vU* vorgegeben werden.
[0067] Im Gegensatz hierzu werden die obere Arbeitswalze 3 und die untere Arbeitswalze 4
in der Ausgestaltung von FIG 13 von einem gemeinsamen Antrieb 16 angetrieben. Zwischen
dem gemeinsamen Antrieb 16 auf der einen Seite und der oberen Arbeitswalze 3 und der
unteren Arbeitswalze 4 auf der anderen Seite ist in diesem Fall ein Getriebe 17 angeordnet.
Das Getriebe weist einerseits eine Eingangswelle 18 und andererseits eine obere Ausgangswelle
19 und eine untere Ausgangswelle 20 auf. Die Eingangswelle 18 ist mit dem gemeinsamen
Antrieb 16 drehfest verbunden. Die obere Ausgangswelle 19 ist mit der oberen Arbeitswalze
3 drehfest verbunden, die untere Ausgangswelle 20 mit der unteren Arbeitswalze 4.
Die Eingangswelle 18 wirkt sowohl auf die obere Ausgangswelle 19 als auch auf die
untere Ausgangswelle 20.
[0068] Das Getriebe 17 ist derart ausgestaltet, dass mittels des Getriebes 17 ein Verhältnis
einer Drehzahl der oberen Ausgangswelle 19 gegenüber einer Drehzahl der unteren Ausgangswelle
20 stufenlos einstellbar ist. Beispielsweise kann das Getriebe 17 einerseits einen
Aufteilungsblock 21 aufweisen, in dem eine Aufteilung des Antriebsstrangs auf die
obere und die untere Arbeitswalze 3, 4 erfolgt. Zwischen dem Aufteilungsblock 21 und
der oberen Arbeitswalze 3 kann sodann ein Zwischengetriebe 22 angeordnet sein, mittels
dessen ein stufenloses Variieren der ausgangsseitigen Drehzahl relativ zur eingangsseitigen
Drehzahl des Zwischengetriebes 22 möglich ist. Derartige Zwischengetriebe 22 sind
Fachleuten allgemein bekannt. Beispiele sind ein Planetengetriebe und ein Differenzialgetriebe.
Alternativ oder zusätzlich zu einer Anordnung zwischen dem Aufteilungsblock 21 und
der oberen Arbeitswalze 3 kann auch zwischen dem Aufteilungsblock 21 und der unteren
Arbeitswalze 4 ein Zwischengetriebe (nicht dargestellt) angeordnet sein.
[0069] FIG 14 zeigt eine andere Art des Ansteuerwertes A. Gemäß FIG 14 kann der Ansteuerwert
A eine Temperaturbeeinflussung der oberen Arbeitswalze 3 sein, die über eine entsprechende
Beeinflussungseinrichtung 23 auf die obere Arbeitswalze 3 wirkt. Beispielsweise kann
eine Kühlung der oberen Arbeitswalze 3 durch Aufspritzen von Wasser erfolgen. Alternativ
oder zusätzlich kann der Ansteuerwert A eine Temperaturbeeinflussung der unteren Arbeitswalze
4 sein. Beispielsweise kann analog zur oberen Arbeitswalze 3 über eine entsprechende
Beeinflussungseinrichtung 23' eine Kühlung der unteren Arbeitswalze 4 durch Aufspritzen
von Wasser erfolgen. Alternativ oder zusätzlich kann der Ansteuerwert A eine Temperaturbeeinflussung
des flachen Walzguts 2 vor dem Walzen in dem ersten Walzgerüst 1 sein. Beispielsweise
kann über eine entsprechende Beeinflussungseinrichtung 23" ein Aufheizen des flachen
Walzguts 2 erfolgen, insbesondere ein induktives Aufheizen.
[0070] Vorstehend wurden in Verbindung mit den FIG 1 bis 14 das Grundprinzip und verschiedene
mögliche Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung erläutert. Im Rahmen der FIG 1
bis 14 wurde ein Reversierwalzwerk betrachtet, das nur ein einziges Walzgerüst 1 aufweist,
also das erste Walzgerüst 1. Völlig analoge Ausgestaltungen sind aber auch möglich,
wenn das Walzwerk - mit oder ohne Ausgestaltung als Reversierwalzwerk - zusätzlich
weitere Walzgerüste aufweist, nachfolgend als zweite Walzgerüste 24 bezeichnet.
[0071] So ist es beispielsweise entsprechend der Darstellung in den FIG 15 bis 20 möglich,
dass das Walzwerk mehrere Walzgerüste 1, 24 aufweist, die von dem Walzgut 2 sequenziell
nacheinander durchlaufen werden. In diesem Fall ist das Walzwerk also als mehrgerüstige
Walzstraße ausgebildet. Die jeweils dargestellte Anzahl von insgesamt fünf hintereinander
angeordneten Walzgerüsten 1, 24 ist jedoch nur rein beispielhaft. Auch von den zweiten
Walzgerüsten 24 sind in den FIG 15 bis 20 nur die Arbeitswalzen dargestellt. In der
Regel weisen die zweiten Walzgerüste 24 jedoch - analog zum ersten Walzgerüst 1 -
weitere Walzen auf. Weiterhin sind in den FIG 15 bis 20 nur die Walzgerüste 1, 24,
das Walzgut 2 und die Sensoreinrichtung 6 sowie gegebenenfalls die weitere Sensoreinrichtung
13 dargestellt. Die weiteren Bestandteile des Walzwerks - insbesondere die Steuereinrichtung
9 - sind jedoch vorhanden. Auch wirkt die Steuereinrichtung 9 in der Regel auf alle
Walzgerüste 1, 24 des Walzwerks, auch wenn in den FIG 15 bis 20 nur die Ansteuerung
des ersten Walzgerüsts 1 mit dem Ansteuerwert A dargestellt ist.
[0072] Die Ausgestaltungen der FIG 15 bis 20 sind weitgehend gleichartig. Sie unterscheiden
sich jedoch durch die Anordnung der Sensoreinrichtung 6, durch die Anordnung der zweiten
Walzgerüste 24 relativ zur Sensoreinrichtung 6 und zum ersten Walzgerüst 1 und das
Vorhandensein oder Fehlen der weiteren Sensoreinrichtung 13.
[0073] Konkret ist bei den Ausgestaltungen der FIG 15 und 16 die Sensoreinrichtung 6 hinter
dem letzten Walzgerüst 1, 24 der Walzstraße angeordnet. Bei der Ausgestaltung von
FIG 15 wirkt der Ansteuerwert A - also der unter Berücksichtigung der Messgröße M
ermittelte Ansteuerwert A - auf das letzte Walzgerüst 1 der Walzstraße. In diesem
Fall sind die zweiten Walzgerüste 24 nicht zwischen der Sensoreinrichtung 6 und dem
ersten Walzgerüst 1 angeordnet. Bei der Ausgestaltung von FIG 16 hingegen wirkt der
Ansteuerwert A - also der unter Berücksichtigung der Messgröße M ermittelte Ansteuerwert
A - auf ein anderes Walzgerüst 1 der Walzstraße, beispielsweise das dem letzten Walzgerüst
24 der Walzstraße unmittelbar vorgeordnete vorletzte Walzgerüst der Walzstraße. In
diesem Fall ist mindestens eines der zweiten Walzgerüste 24 - konkret zumindest das
letzte Walzgerüst 24 der Walzstraße - zwischen der Sensoreinrichtung 6 und dem ersten
Walzgerüst 1 angeordnet.
[0074] Bei den Ausgestaltungen der FIG 17 bis 20 ist die Sensoreinrichtung 6 vor dem vordersten
Walzgerüst 1, 24 der Walzstraße angeordnet. Bei den Ausgestaltungen der FIG 17 und
19 wirkt der Ansteuerwert A - also der unter Berücksichtigung der Messgröße M ermittelte
Ansteuerwert A - auf das vorderste Walzgerüst 1 der Walzstraße. In diesem Fall sind
also die zweiten Walzgerüste 24 nicht zwischen der Sensoreinrichtung 6 und dem ersten
Walzgerüst 1 angeordnet. Bei den Ausgestaltungen der FIG 18 und 20 hingegen wirkt
der Ansteuerwert A - also der unter Berücksichtigung der Messgröße M ermittelte Ansteuerwert
A - auf ein anderes Walzgerüst 1 der Walzstraße, beispielsweise auf das dem vordersten
Walzgerüst 24 der Walzstraße unmittelbar nachgeordnete Walzgerüst 1. In diesem Fall
ist mindestens eines der zweiten Walzgerüste 24 - konkret zumindest das vorderste
Walzgerüst 24 der Walzstraße - zwischen der Sensoreinrichtung 6 und dem ersten Walzgerüst
1 angeordnet.
[0075] Bei den Ausgestaltungen der FIG 19 und 20 ist weiterhin hinter dem letzten Walzgerüst
1, 24 der Walzstraße die weitere Sensoreinrichtung 13 angeordnet, so dass die entsprechende
Adaptierung des Modells 12 erfolgen kann. Bei den Ausgestaltungen der FIG 17 und 18
ist die weitere Sensoreinrichtung 13 hingegen nicht vorhanden.
[0076] Die Ausgestaltungen der FIG 15 bis 20 sind nicht die einzig möglichen Ausgestaltungen
einer mehrgerüstigen Walzstraße. Beispielsweise ist es möglich, dass zwischen dem
ersten Walzgerüst 1 und der Sensoreinrichtung 6 mehrere zweite Walzgerüste 24 angeordnet
sind. Im Extremfall kann die Sensoreinrichtung 6 hinter dem letzten Walzgerüst 24
der Walzstraße angeordnet sein und auf das vorderste Walzgerüst 1 der Walzstraße wirken
oder umgekehrt vor dem vordersten Walzgerüst 24 der Walzstraße angeordnet sein und
auf das letzte Walzgerüst 1 der Walzstraße wirken. Auch ist es möglich, mehrere Sensoreinrichtungen
6 und/oder mehrere weitere Sensoreinrichtungen 13 vorzusehen, beispielsweise vor und/oder
hinter jedem einzelnen Walzgerüst 1, 24 der Walzstraße jeweils eine Sensoreinrichtung
6 und/oder eine weitere Sensoreinrichtung 13 anzuordnen. Auch ist es möglich, derartige
Anordnungen zwischen einigen Walzgerüsten 1, 24 vorzunehmen, aber nicht bei allen
Walzgerüsten 1, 24. Auch ist es möglich, dass die Steuereinrichtung 9 aufgrund der
Messgröße M einer einzelnen Sensoreinrichtung mehrere Ansteuerwerte A ermittelt, die
jeweils auf ein anderes erstes Walzgerüst 1 wirken. Welche Ausgestaltung konkret ergriffen
wird, liegt im Belieben des Fachmanns.
[0077] Unabhängig davon welche Ausgestaltung konkret ergriffen wird, ist die Betriebsweise
des jeweiligen Walzwerks der FIG 15 bis 20, soweit es die vorliegende Erfindung betrifft,
die gleiche, wie sie obenstehend in Verbindung mit den FIG 1 bis 14 für das Reversierwalzwerk
mit einem einzigen Walzgerüst 1 - dem ersten Walzgerüst 1 - erläutert wurde.
[0078] Die vorliegende Erfindung weist viele Vorteile auf. Insbesondere ist eine einfache
Integration der erfindungsgemäßen Vorgehensweise in den laufenden Betrieb des Walzwerks
möglich. Bei Elektroblechen und auch bei anderen Stahlsorten ist eine Glühbehandlung
nach dem Kaltwalzen oder zwischen zwei Kaltwalzschritten oftmals nicht mehr erforderlich
oder nur noch in eingeschränktem Umfang erforderlich. Bei AHSS und bei martensitischen
und bainitischen Güten kann die Zeiligkeit von Werkstoffeigenschaften, die ihre Ursache
in der Kühlung in der Kühlstrecke der Warmwalzstraße hat, verringert oder beseitigt
werden. Sofern die Einwirkung auf das flache Walzgut 2 mittels des Ansteuerwertes
A in Breitenrichtung des flachen Walzguts 2 ortsaufgelöst erfolgen kann (dies ist
insbesondere bei einer thermischen Beeinflussung der Fall), können unter Umständen
auch mehrere Sensoreinrichtungen 6 nebeneinander angeordnet sein.
[0079] Obwohl die Erfindung im Detail durch das bevorzugte Ausführungsbeispiel näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Varianten können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0080]
- 1, 24
- Walzgerüste
- 2
- flaches Walzgut
- 3
- obere Arbeitswalze
- 4
- untere Arbeitswalze
- 5
- Haspel
- 6, 13
- Sensoreinrichtungen
- 7
- Anregungselement
- 8a bis 8d
- Sensorelemente
- 9
- Steuereinrichtung
- 10
- Steuerprogramm
- 11
- Programmcode
- 12
- Modell
- 14 bis 16
- Antriebe
- 17
- Getriebe
- 18
- Eingangswelle
- 19, 20
- Ausgangswellen
- 21
- Aufteilungsblock
- 22
- Zwischengetriebe
- 23, 23', 23"
- Beeinflussungseinrichtungen
- A
- Ansteuerwert
- a1, a2
- Abstände
- d1, d2
- Dicken
- E
- Erwartungswert
- F
- Walzkraft
- IA, IW
- Ströme
- Ia bis Id
- Sensorsignale
- k
- Modellparameter
- M, M'
- Messgrößen
- S1 bis S18
- Schritte
- t1, t2
- Wartezeiten
- T
- Temperatur
- v, v1, v2
- Transportgeschwindigkeiten
- vO, vU
- Umfangsgeschwindigkeiten
- vO*, vU*
- Sollwerte
- x
- Transportrichtung
1. Walzwerk mit einem ersten Walzgerüst (1) zum Walzen eines flachen Walzguts (2) aus
Metall,
- wobei vor und/oder hinter dem ersten Walzgerüst (1) eine Sensoreinrichtung (6) angeordnet
ist, mittels derer mindestens eine für eine Werkstoffeigenschaft des flachen Walzguts
(2) charakteristische Messgröße (M) erfassbar ist,
- wobei die Sensoreinrichtung (6) zum Übermitteln der erfassten Messgröße (M) mit
einer Steuereinrichtung (9) für das Walzwerk verbunden ist,
- wobei die Steuereinrichtung (9) derart ausgebildet ist, dass sie die übermittelte
Messgröße (M) im Rahmen der Ermittlung eines Ansteuerwertes (A) für das erste Walzgerüst
(1) berücksichtigt,
- wobei das Ansteuern des ersten Walzgerüsts (1) mit dem Ansteuerwert (A) die Werkstoffeigenschaft
des flachen Walzguts (2) beeinflusst.
2. Walzwerk nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Walzwerk mindestens ein zweites Walzgerüst (24) aufweist und dass die zweiten
Walzgerüste (24) nicht zwischen der Sensoreinrichtung (6) und dem ersten Walzgerüst
(1) angeordnet sind.
3. Walzwerk nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Walzwerk mindestens ein zweites Walzgerüst (24) aufweist und dass mindestens
eines der zweiten Walzgerüste (24) zwischen der Sensoreinrichtung (6) und dem ersten
Walzgerüst (1) angeordnet ist.
4. Walzwerk nach Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass das erste Walzgerüst (1) eine obere Arbeitswalze (3) und eine untere Arbeitswalze
(4) aufweist und dass die Steuereinrichtung (9) derart ausgebildet ist, dass der unter
Berücksichtigung der Messgröße (M) ermittelte Ansteuerwert (A) ein Verhältnis einer
oberen Umfangsgeschwindigkeit (vO), mit welcher die obere Arbeitswalze (3) rotiert,
zu einer unteren Umfangsgeschwindigkeit (vU) ist, mit welcher die untere Arbeitswalze
(4) rotiert.
5. Walzwerk nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung (9) derart ausgebildet ist, dass sie das Verhältnis der oberen
Umfangsgeschwindigkeit (vO) zur unteren Umfangsgeschwindigkeit (vU) derart ermittelt,
dass es zwischen 0,5 und 2,0 liegt, insbesondere zwischen 0,9 und 1,1.
6. Walzwerk nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die obere Arbeitswalze (3) von einem oberen Antrieb (14) angetrieben wird und die
untere Arbeitswalze (4) von einem vom oberen Antrieb (14) verschiedenen unteren Antrieb
(15) angetrieben wird.
7. Walzwerk nach Anspruch 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die obere Arbeitswalze (3) und die untere Arbeitswalze (4) von einem gemeinsamen
Antrieb (16) angetrieben werden und dass zwischen dem gemeinsamen Antrieb (16) auf
der einen Seite und der oberen Arbeitswalze (3) und der unteren Arbeitswalze (4) auf
der anderen Seite ein Getriebe (17) angeordnet ist, mittels dessen ein Verhältnis
einer Drehzahl einer mit der oberen Arbeitswalze (3) drehfest verbundenen oberen Ausgangswelle
(19) des Getriebes (17) gegenüber einer Drehzahl einer mit der unteren Arbeitswalze
(4) drehfest verbundenen unteren Ausgangswelle (20) des Getriebes (17) stufenlos einstellbar
ist.
8. Walzwerk nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das erste Walzgerüst (1) eine obere Arbeitswalze (3) und eine untere Arbeitswalze
(4) aufweist und dass die Steuereinrichtung (9) derart ausgebildet ist, dass der unter
Berücksichtigung der Messgröße (M) ermittelte Ansteuerwert (A) eine Temperaturbeeinflussung
der oberen Arbeitswalze (3) und/oder der unteren Arbeitswalze (4) des ersten Walzgerüsts
(1) und/oder des flachen Walzguts (2) vor dem Walzen in dem ersten Walzgerüst (1)
ist.
9. Walzwerk nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Sensoreinrichtung (6) vor dem ersten Walzgerüst (1) angeordnet ist und dass die
Steuereinrichtung (9) derart ausgebildet ist, dass sie den unter Berücksichtigung
der Messgröße (M) ermittelten Ansteuerwert (A) unter Berücksichtigung einer Wegverfolgung
des flachen Walzguts (2) von der Sensoreinrichtung (6) zum ersten Walzgerüst (1) an
das erste Walzgerüst (1) ausgibt.
10. Walzwerk nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Steuereinrichtung (9) ein Modell (12) umfasst, mittels dessen die Steuereinrichtung
(9) unter Berücksichtigung der Messgröße (M) den Ansteuerwert (A) für das erste Walzgerüst
(1) ermittelt und weiterhin unter Berücksichtigung des unter Berücksichtigung der
Messgröße (M) ermittelten Ansteuerwertes (A) einen Erwartungswert (E) für die Werkstoffeigenschaft
des flachen Walzguts (2) nach dem Walzen in dem ersten Walzgerüst (1) ermittelt,
- dass hinter dem ersten Walzgerüst (1) eine weitere Sensoreinrichtung (13) angeordnet ist,
mittels derer mindestens eine für die Werkstoffeigenschaft des flachen Walzguts (2)
nach dem Walzen in dem ersten Walzgerüst (1) charakteristische weitere Messgröße (M')
erfassbar ist,
- dass die weitere Sensoreinrichtung (13) zum Übermitteln der erfassten weiteren Messgröße
(M') mit der Steuereinrichtung (9) verbunden ist,
- dass die Steuereinrichtung (9) derart ausgebildet ist, dass sie die weitere Messgröße
(M') für einen Zeitpunkt verwertet, den die Steuereinrichtung (9) unter Berücksichtigung
einer Wegverfolgung des flachen Walzguts (2) von dem ersten Walzgerüst (1) zur weiteren
Sensoreinrichtung (13) ermittelt, und
- dass die Steuereinrichtung (9) derart ausgebildet ist, dass sie das Modell (12) anhand
eines Vergleichs der weiteren Messgröße (M') und des Erwartungswertes (E) der Werkstoffeigenschaft
adaptiert.
11. Walzwerk nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung (9) derart ausgebildet ist, dass sie bei der Ermittlung des
Ansteuerwertes (A) zusätzlich zu der übermittelten Messgröße (M) die Temperatur (T)
des flachen Walzguts (2) vor dem Walzen des flachen Walzguts (2) in dem ersten Walzgerüst
(1) und/oder die Walzkraft (F) beim Walzen des flachen Walzguts (2) im ersten Walzgerüst
(1) und/oder die Stichabnahme beim Walzen des flachen Walzguts (2) in dem ersten Walzgerüst
(1) berücksichtigt.
12. Walzwerk nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Sensoreinrichtung (9) ein Anregungselement (7) und ein erstes Sensorelement (8a)
umfasst,
- dass mittels des Anregungselementes (7) in dem flachen Walzgut (2) ein Basissignal angeregt
wird,
- dass mittels des ersten Sensorelements (8a) ein auf dem angeregten Basissignal basierendes
erstes Sensorsignal (Ia) erfasst wird und
- dass die Sensoreinrichtung (6) die übermittelte Messgröße (M) unter Berücksichtigung des
ersten Sensorsignals (Ia) ermittelt oder dass die übermittelte Messgröße (M) das erste
Sensorsignal (Ia) umfasst.
13. Walzwerk nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Sensoreinrichtung (6) zusätzlich eine Anzahl von zweiten Sensorelementen (8b
bis 8d) umfasst,
- dass vom ersten Sensorelement (8a) aus in Transportrichtung (x) gesehen das jeweilige
zweite Sensorelement (8b bis 8d) vor oder hinter dem ersten Sensorelement (8a) und/oder
seitlich versetzt angeordnet ist,
- dass mittels des jeweiligen zweiten Sensorelements (8b bis 8d) ein jeweiliges auf dem
angeregten Basissignal basierendes, zum ersten Sensorsignal (Ia) gleichartiges zweites
Sensorsignal (Ib bis Id) erfasst wird und
- dass die Sensoreinrichtung (6) die übermittelte Messgröße (M) unter Berücksichtigung auch
des jeweiligen zweiten Sensorsignals (Ib bis Id) ermittelt oder dass die übermittelte
Messgröße (M) auch das jeweilige zweite Sensorsignal (Ib bis Id) umfasst.
14. Walzwerk nach Anspruch 12 oder 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Basissignal ein Wirbelstrom (IW) oder ein Schallsignal ist, insbesondere ein
Ultraschallsignal.
15. Walzwerk nach Anspruch 12, 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Verbindungslinie vom Anregungselement (7) zum ersten Sensorelement (8a) parallel
zur Transportrichtung (x) verläuft.
16. Walzwerk nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Werkstoffeigenschaft eine elektromagnetische Eigenschaft oder eine mechanische
Eigenschaft des Walzguts (2) ist.
17. Walzwerk nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Walzwerk ein Kaltwalzwerk ist.