[0001] Die Erfindung betrifft eine Falzvorrichtung zur Falzbearbeitung einer Blechbaugruppe,
mit einem Falzbett, an dessen Oberseite eine Falzbettkontur ausgebildet und zur Aufnahme
wenigstens eines Blechbauteils der Blechbaugruppe vorgesehen ist, und mit einem Grundgestell,
auf welchem das Falzbett abgestützt ist.
[0002] Eine derartige Falzvorrichtung ist beispielsweise aus der
DE 10 2015 220 540 A1 bekannt und zur Falzbearbeitung einer Blechbaugruppe einer Fahrzeugkarosserie vorgesehen.
Bei einer solchen Falzbearbeitung wird auf grundsätzlich bekannte Weise eine randseitige,
linienförmige Fügeverbindung zwischen unterschiedlichen Blechbauteilen der Blechbaugruppe
hergestellt. Die bekannte Falzvorrichtung weist ein Falzbett auf, an dessen Oberseite
eine Falzbettkontur ausgebildet ist, welche wenigstens eines der Blechbauteile positionierend
aufnimmt. Die Falzvorrichtung weist zudem ein als Basis bezeichnetes Grundgestell
auf, auf welchem das Falzbett abgestützt ist.
[0003] Jedenfalls im Bereich der Karosseriefertigung ist es gängige Praxis, dass die Falzbettkontur
gemäß einer angestrebten Sollgeometrie des an ihr aufzunehmenden Blechbauteils ausgeformt
ist. Diese Sollgeometrie wird üblicher Weise auch als Nullgeometrie bezeichnet.
[0004] Weiter ist allgemein bekannt, dass bei einer ziehtechnischen Einzelteilfertigung
von Blechbauteilen rückfederungsbedingte Maß- und Formabweichungen von der Nullgeometrie
auftreten können. Solche rückfederungsbedingten Abweichungen auf Ebene der einzelnen
Blechbauteile können zu Problemen bei der Falzbearbeitung und letztlich zu Maß- und
Formabweichungen der mittels der Falzbearbeitung aus den unterschiedlichen Blechbauteilen
zusammengefügten Blechbaugruppe führen.
[0005] Maßnahmen zur Verbesserung der Maß- und Formhaltigkeit der Blechbaugruppe setzen
üblicherweise auf Ebene der Einzelteilfertigung an. Hierfür können beispielsweise
die bei der Einzelteilfertigung verwendeten Ziehwerkzeuge zur Korrektur der rückfederungsbedingten
Abweichungen der Blechbauteile unter Verwendung grundsätzlich bekannter Verfahren
geometrisch angepasst werden. Dies ist zeit- und kostenintensiv.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, eine Falzvorrichtung der eingangs genannten Art bereitzustellen,
die eine verbesserte Falzbearbeitung der Blechbaugruppe hinsichtlich einer zu erreichenden
Maß- und Formhaltigkeit ermöglicht.
[0007] Diese Aufgabe wird dadurch gelöst, dass eine der Falzbettkontur zugeordnete Einstelleinrichtung
vorgesehen ist, die an dem Grundgestell abgestützt ist und wenigstens ein Stellelement
aufweist, das relativ zu dem Grundgestell zwischen unterschiedlichen Stellpositionen
stellbeweglich ist und kraftübertragend an einer Unterseite des Falzbetts angreift,
wobei das Falzbett zur Einstellung der Falzbettkontur mittels einer Stellbewegung
des Stellelements in unterschiedliche Deformationszustände deformierbar ist. Durch
die erfindungsgemäße Lösung wird eine auf Ebene der Falzbearbeitung ansetzende Korrektur
etwaiger rückfederungsbedingter Maß- und/oder Formabweichungen ermöglicht. Hierdurch
kann insbesondere eine zeit- und kostenintensive Korrektur auf Ebene der Einzelteilfertigung
der Blechbaugruppe vermieden werden. Zudem kann durch die erfindungsgemäße Lösung
eine an sich maß- und formgenaue Baugruppe an eine benachbarte Baugruppe angepasst
werden, um bei einem Zusammenführen der Baugruppen eine verbesserte Fugenqualität
zu erhalten. Eine solche Vorgehensweise kommt beispielsweise dann in Frage, wenn eine
Anpassung der benachbarten Baugruppe deutlich teurer wäre. Die Korrektur erfolgt mittels
einer Einstellung der Falzbettkontur, die auch als geometrische Veränderung oder geometrische
Anpassung der Falzbettkontur bezeichnet werden kann. Dabei kann die Falzbettkontur
beispielsweise mit dem Ziel einer verbesserten Aufnahme und/oder Positionierung des
Blechbauteils an dessen tatsächlich vorliegende Ist-Geometrie eingestellt werden.
Die Einstellung der Falzbettkontur erfolgt vorzugsweise gemäß einer im Rahmen dieser
Anmeldung nicht näher beschriebenen Einstellspezifikation, die beispielsweise auf
Grundlage von Erfahrungswerten, Messwerten und/oder Simulationsergebnissen erstellt
sein kann. Die Einstellung der Falzbettkontur erfolgt mittels einer gezielten elastischen
und/oder elastisch-plastischen Deformation des Falzbetts, wobei hierfür erfindungsgemäß
die wenigstens eine Einstelleinrichtung vorgesehen ist. Die Deformation des Falzbetts
erfolgt unter Einwirkung des wenigstens einen Stellelements der Einstelleinrichtung,
das zu diesem Zweck kraftübertragend an der Unterseite des Falzbetts angreift und
relativ zu dem Grundgestell zwischen den unterschiedlichen Stellpositionen verlagerbar
ist. Infolgedessen ist das Falzbett in Abhängigkeit der Stellbewegung des wenigstens
einen Stellelements deformierbar. Hierdurch nimmt das Falzbett beispielsweise in einer
ersten Stellposition des Stellelements einen ersten Deformationszustand ein und nimmt
in einer zweiten Stellposition des wenigstens einen Stellelements einen zweiten Deformationszustand
ein. Je nach Deformationszustand des Falzbetts ändert sich die an der Oberseite des
Falzbetts ausgebildete Falzbettkontur, wodurch letztlich die besagte Einstellbarkeit
derselben erreicht ist. Das Falzbett ist vorzugsweise aus Stahl oder Grauguss gefertigt.
Vorzugsweise ist das Falzbett - im Sinne einer Starrkörperbewegung - relativ zu dem
Grundgestell unverschieblich wenigstens mittelbar an demselben befestigt. Die besagte
Deformation des Falzbetts ist somit nicht etwa mit einer Starrkörperbewegung des Falzbetts
gegenüber dem Grundgestell zu verwechseln, bei welcher eine translatorische und/oder
rotatorische Verlagerung des gesamten Falzbetts stattfindet. Die Falzbettkontur ist
an der Oberseite des Falzbetts ausgebildet und dient einer positionierenden Aufnahme
des wenigstens einen Blechbauteils der Blechbaugruppe. Die Falzbettkontur kann insbesondere
auch als Wirkfläche bezeichnet werden. In einem nicht deformierten Zustand des Falzbetts
entspricht die Falzbettkontur vorzugsweise der Nullgeometrie des aufzunehmenden Blechbauteils.
Die Falzbettkontur ist daher vorzugsweise gemäß der angestrebten Nullgeometrie des
Blechbauteils gefertigt und kann ausgehend von dieser Nullgeometrie geometrisch angepasst,
d. h. eingestellt werden. Das Grundgestell dient der lasttragenden Abstützung des
Falzbetts und der wenigstens einen Einstelleinrichtung und ggf. weiterer Bauteile
und/oder Abschnitte der Falzvorrichtung. Das Grundgestell kann insbesondere als Gussbauteil
oder Stahlplattenkonstruktion gefertigt sein. Das wenigstens eine Stellelement ist
wenigstens mittelbar an dem Grundgestell und andernends wenigstens mittelbar an der
Unterseite des Falzbetts abgestützt, bevorzugt fest an dieselbe angefügt. Das Stellelement
kann translatorisch und/oder rotatorisch stellbeweglich sein. Die Stellbeweglichkeit
kann entlang und/oder um wenigstens eine Stellachse gegeben sein. Die Stellbewegung
des wenigstens einen Stellelements bewirkt - je nach Richtung der Stellbewegung -
eine Zug- und/oder Druckkraftbeaufschlagung des Falzbetts, wodurch die besagte Deformation
hervorgerufen wird. Mit anderen Worten ausgedrückt, wird das Falzbett infolge einer
solchen Kraftbeaufschlagung wenigstens lokal, nämlich in dem Bereich des Falzbetts,
in welchem das wenigstens eine Stellelement angreift, nach oben gedrückt und/oder
nach unten gezogen. Je nach Richtung und/oder Umfang der Stellbewegung sind hierdurch
unterschiedliche Deformationszustände und damit Falzbettkonturen einstellbar.
[0008] In Ausgestaltung der Erfindung greift das wenigstens eine Stellelement druckkraftübertragend
und zugkraftübertragend an der Unterseite des Falzbetts an. Dementsprechend erfolgt
eine Kraftübertragung zum Zwecke der Deformation des Falzbetts nicht lediglich in
eine Richtung der Stellbewegung. Vielmehr kann das Falzbett unter Einwirkung des wenigstens
einen Stellelements sowohl gedrückt als auch gezogen werden.
[0009] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist das wenigstens eine Stellelement wenigstens
entlang einer Stellachse translatorisch stellbeweglich. Eine solche translatorische
Stellbeweglichkeit ist mit konstruktiv einfachen und robusten Mitteln umsetzbar. Die
wenigstens eine Stellachse kann insbesondere senkrecht oder schräg zur Unterseite
und/oder der Falzbettkontur ausgerichtet sein.
[0010] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist die wenigstens eine Stellachse koaxial
zu einer Normalenrichtung der Falzbettkontur ausgerichtet. Die Erfinder haben erkannt,
dass durch eine solche Ausrichtung der wenigstens einen Stellachse eine besonders
vorteilhafte Einstellbarkeit der Falzbettkontur erreicht werden kann. Sofern mehrere
Stellelemente an unterschiedlichen Stellen der Unterseite des Falzbetts angreifen,
sind diese vorzugsweise jeweils koaxial zu der Normalenrichtung der Falzbettkontur
an der jeweiligen Stelle ausgerichtet.
[0011] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung weist die wenigstens eine Einstelleinrichtung
wenigstens ein Gelenklager auf, mittels dessen das wenigstens eine Stellelement um
wenigstens eine Gelenkachse relativ zu dem Grundgestell gelenkbeweglich gelagert ist.
Das wenigstens eine Gelenklager wirkt einem ungewollten Verspannungszustand zwischen
dem Grundgestell und dem Falzbett entgegen. Durch die gelenkbewegliche Lagerung des
wenigstens einen Stellelements kann das Stellelement - hinsichtlich einer Orientierung
der Stellbewegung - gleichsam dem sich einstellenden Deformationszustand des Falzbetts
nachgeführt werden, wodurch die besagten Verspannungszustände vermieden werden. Solche
Verspannungszustände können sich negativ auf eine erreichbare Qualität der Einstellung
der Falzbettkontur auswirken. Die wenigstens eine Gelenkachse ist vorzugsweise senkrecht
zur Stellbewegung des wenigstens einen Stellelements ausgerichtet.
[0012] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist das wenigstens eine Gelenklager als Kugelgelenklager
gestaltet und gestattet eine räumliche Gelenkbeweglichkeit des wenigstens einen Stellelements.
Ein solches Kugelgelenklager weist einen kugelähnlichen Gelenkkopf auf, der mit einer
kugelkalottenförmigen Gelenkpfanne zusammenwirkt. Durch diese Ausgestaltung der Erfindung
können die vorbeschriebenen ungewollten Verspannungszustände in nochmals verbesserter
Weise vermieden werden. Vorzugsweise ist eine Lageranordnung vorgesehen, die sowohl
die Stellbeweglichkeit als auch die Gelenkbeweglichkeit des wenigstens einen Stellelements
in kombinierter Weise gestattet. Eine solche Lageranordnung kann insbesondere als
sphärisches Axiallager gestaltet sein, oder wenigstens ein solches sphärisches Axiallager
aufweisen.
[0013] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung weist die wenigstens eine Einstelleinrichtung
ein fest mit dem Grundgestell verbundenes Lagergehäuse auf, in welchem das wenigstens
eine Stellelement stellbeweglich und/oder gelenkbeweglich gelagert ist. Dies ermöglicht
eine besonders einfache Konstruktion und Montage. Denn das wenigstens eine Stellelement
ist nicht etwa unmittelbar an dem Grundgestell stell- und/oder gelenkbeweglich gelagert.
Stattdessen ist hierfür das Lagergehäuse vorgesehen. Das Lagergehäuse ist vorzugswese
mittels wenigstens einer Schraubverbindung an das Grundgestell angefügt.
[0014] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist das wenigstens eine Stellelement ein
zwischen den unterschiedlichen Stellpositionen schraubbeweglicher Stellzylinder. Der
Stellzylinder greift einends an der Unterseite des Falzbetts an. An einem dem Falzbett
abgewandten Bereich des Stellzylinders ist dieser schraubbeweglich an dem Grundgestell
oder in dem Lagergehäuse gelagert, sofern ein solches vorgesehen ist. Die Stellbewegung
des Stellzylinders erfolgt entlang seiner Längsachse und somit in axialer Richtung.
Durch diese Ausgestaltung der Erfindung kann ein konstruktiv einfacher und besonders
robuster Aufbau erreicht werden.
[0015] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung sind mehrere, insbesondere baugleiche, Einstelleinrichtungen
vorgesehen, wobei die Stellelemente der mehreren Einstelleinrichtungen an unterschiedlichen
Bereichen der Unterseite des Falzbetts angreifen und voneinander unabhängig stellbeweglich
sind. Durch diese Ausgestaltung der Erfindung kann eine verbesserte Einstellbarkeit
der Falzbettkontur erreicht werden. Denn die mehreren Stellelemente greifen an den
unterschiedlichen Bereichen der Unterseite an, so dass das Falzbett nicht lediglich
"lokal" in einem Bereich, sondern vielmehr "regional" und/oder "global" deformierbar
ist. Mit anderen Worten ausgedrückt können im Vergleich zu einer Einstellung mit lediglich
einer Einstelleinrichtung deutlich mehr unterschiedliche Deformationszustände und
damit Falzbettkonturen eingestellt werden. Dabei bildet jedes Stellelement gleichsam
einen "Freiheitsgrad" der Einstellbarkeit. Vorzugsweise sind die mehreren Einstelleinrichtungen
baugleich gestaltet, wodurch eine nochmals vereinfachte Konstruktion und ein besonders
kostengünstiger Aufbau der Falzvorrichtung erreicht werden kann.
[0016] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist das Falzbett ausschließlich über die
mehreren Einstelleinrichtungen auf dem Grundgestell abgestützt. Bei dieser Ausgestaltung
der Erfindung kann auf zusätzliche Last tragende Bauteile zur Abstützung des Falzbetts
an dem Grundgestell verzichtet werden. Vielmehr erfolgt die Abstützung des Falzbetts
allein über die mehreren Einstelleinrichtungen. Hierdurch kann eine besonders einfache
Konstruktion erreicht werden.
[0017] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung sind das Falzbett und die Stellbeweglichkeit
des wenigstens einen Stellelements in einer aufeinander abgestimmten Weise dimensioniert,
so dass in den unterschiedlichen Stellpositionen des wenigstens einen Stellelements
jeweils eine wenigstens weitgehend, vorzugsweise vollständig, reversible Deformation
des Falzbetts erreicht ist. Grundsätzlich können die unter Einwirkung des wenigstens
einen Stellelements hervorgerufenen Deformationen des Falzbetts elastisch und/oder
elastisch-plastisch sein, wobei bei dieser Ausgestaltung der Erfindung eine wenigstens
weitgehend elastische, vorzugsweise vollständig elastische, Deformation vorgesehen
ist. Zu diesem Zweck sind das Falzbett hinsichtlich seiner Nachgiebigkeit zum einen
und zum anderen der Umfang der Stellbeweglichkeit konstruktiv aufeinander abgestimmt.
Hierdurch wird vermieden, dass bei einer maximalen Stellbewegung plastische Deformationen
des Falzbetts auftreten. Infolge solcher plastischer Deformationen ist die Falzbettkontur
praktisch lediglich einmal einstellbar. Zudem können plastische Deformationen der
Falzbettkontur dazu führen, dass eine Abwicklungslänge der Falzbettkontur und eine
Abwicklungslänge des aufzunehmenden Blechbauteils nicht mehr übereinstimmen, was als
grundsätzlich problematisch erachtet werden kann. Da bei dieser Ausgestaltung der
Erfindung eine wenigstens weitgehend, vorzugsweise vollständig, reversible Deformation
des Falzbetts erreicht ist, kann die Falzbettkontur dementsprechend mehrfach und auf
unterschiedliche Weise eingestellt werden, sofern dies notwendig sein sollte. Die
abgestimmte Dimensionierung des Falzbetts und der Stellbeweglichkeit kann beispielsweise
auf der Grundlage von Erfahrungswerten, Messwerten und/oder Simulationsergebnissen
erfolgen. Es versteht sich, dass die konstruktive Auslegung des Falzbetts auch unter
Berücksichtigung der beim Falzen auftretenden Prozesskräfte erfolgt. Insoweit ist
wünschenswert, dass die beim Falzen auftretenden Deformationen des Falzbetts möglichst
gering sind. Dennoch soll eine ausreichende Formnachgiebigkeit für die gewünschte
Einstellbarkeit gegeben sein. Demnach gilt es hier - beispielsweise auf Grundlage
der besagten Erfahrungswerte, Messwerte und/oder Simulationsergebnisse - eine Art
Kompromiss und/oder ein Optimum zu finden.
[0018] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung weist das Falzbett wenigstens eine definierte
Schwächung auf, mittels derer - im Vergleich zu einem gedachten ungeschwächten Zustand
- eine erhöhte Formnachgiebigkeit des Falzbetts unter Einwirkung des wenigstens einen
Stellelements erreicht ist. Durch die erhöhte Formnachgiebigkeit des Falzbetts kann
dasselbe unter Einwirkung vergleichsweise geringerer Stellkräfte des wenigstens einen
Stellelements in die unterschiedlichen Deformationszustände deformiert werden. Hierdurch
kann die Konstruktion weniger massiv und damit Material sparend ausgelegt werden,
wodurch letztlich Kosten eingespart werden können. Die wenigstens eine Schwächung
kann werkstoff- und/oder gestaltungsbedingt sein. Die wenigstens eine Schwächung kann
beispielsweise in Form einer Bohrung, Ausnehmung, Ausklinkung, Querschnittsverjüngung
oder dergleichen gestaltet sein.
[0019] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung ist eine oberhalb des Falzbetts angeordnete
Niederhaltereinrichtung vorgesehen, die einen an dem Grundgestell abgestützten Niederhalterrahmen
und mehrere Niederhalterelemente aufweist, die zum Niederhalten der Blechbaugruppe
vorgesehen und an dem Niederhalterrahmen befestigt sind, wobei die Niederhalterelemente
mittels jeweils eines Führungselements zwischen unterschiedlichen Befestigungspositionen
relativ zu dem Niederhalterrahmen geführt sind. Die Funktion und der grundsätzliche
Aufbau einer solchen Niederhaltereinrichtung sind dem Stand der Technik als solches
bekannt. Allerdings ist bei dieser Ausgestaltung der Erfindung vorgesehen, dass die
Niederhalterelemente in einer auf die mittels der wenigstens einen Einstelleinrichtung
eingestellten Falzbettkontur abgestimmten Weise in unterschiedlichen Positionen an
dem Niederhalterrahmen befestigbar sind. Hierzu ist den Niederhalterelementen jeweils
ein Führungselement zugeordnet. Mittels des Führungselements ist das jeweilige Niederhalterelement
zwischen den unterschiedlichen Befestigungspositionen geführt. Die Führungselemente
können jeweils insbesondere in Form einer Führungsnut, einer Langlochbohrung oder
dergleichen ausgebildet sein.
[0020] Die Erfindung betrifft zudem eine Einstelleinrichtung für eine Falzvorrichtung mit
einem Falzbett und einem Grundgestell, auf welchem das Falzbett abgestützt ist, aufweisend
wenigstens ein Stellelement, das - in einem betriebsfertig an der Falzvorrichtung
montierten Zustand - relativ zu dem Grundgestell zwischen unterschiedlichen Stellpositionen
stellbeweglich ist und kraftübertragend an einer Unterseite des Falzbetts angreift.
Zur Vermeidung von Wiederholungen wird im Hinblick auf die Merkmale der Einstelleinrichtung
sowie weitere Ausgestaltungen auf die diesbezügliche Beschreibung im Zusammenhang
mit der erfindungsgemäßen Falzvorrichtung und deren Ausgestaltung Bezug genommen.
[0021] Weitere Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen sowie
aus der nachfolgenden Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels der Erfindung,
das anhand der Zeichnungen dargestellt ist.
- Fig. 1
- zeigt in schematischer Perspektivdarstellung eine Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Falzvorrichtung,
- Fig. 2
- die Falzvorrichtung nach Fig. 1 in einer perspektivischen Explosionsdarstellung unter
zeichnerischer Ausblendung einzelner Bauteile und/oder Abschnitte,
- Fig. 3
- in perspektivischer Detaildarstellung ein Falzbett der Falzvorrichtung nach den Fig.
1 und 2, wobei das Falzbett zwei unterschiedliche Deformationszustände einnimmt, die
zeichnerisch überlagert und skaliert dargestellt sind,
- Fig. 4
- eine vergrößerte Detaildarstellung des Falzbetts nach Fig. 3 im Bereich einer mechanischen
Schwächung,
- Fig. 5, 6
- jeweils in einer schematischen Längsschnittdarstellung eine Einstelleinrichtung der
Falzvorrichtung nach den Fig. 1 und 2 mit einem stell- und gelenkbeweglichen Stellelement,
wobei das Stellelement unterschiedlich gelenkbeweglich verlagert ist, und
- Fig. 7
- die Falzbettvorrichtung nach den Fig. 1 und 2 in einer weiteren schematischen Perspektivdarstellung
unter zeichnerischer Ausblendung einzelner Bauteile und/oder Abschnitte, wobei eine
oberhalb des Falzbetts angeordneten Niederhaltereinrichtung vorgesehen ist.
[0022] Gemäß Fig. 1 ist eine Falzvorrichtung 1 zur Falzbearbeitung einer zeichnerisch nicht
dargestellten Blechbaugruppe einer Fahrzeugkarosserie vorgesehen und weist ein Falzbett
2 auf, das auf noch näher beschriebene Weise an einem Grundgestell 3 abgestützt ist.
Die Blechbaugruppe ist beispielsweise eine Motorhaube oder eine Fahrzeugtür. Das Falzbett
2 weist eine Oberseite O und eine Unterseite U auf (Fig. 2, 3). An der Oberseite O
des Falzbetts 2 ist eine Falzbettkontur K ausgebildet. Zur Falzbearbeitung der Blechbaugruppe
wird - wie im Stand der Technik üblich - zunächst ein als Außenteil bezeichnetes Blechbauteil
der Blechbaugruppe auf die Oberseite O des Falzbetts 2 aufgelegt. In einem als "Schachteln"
bezeichneten weiteren Schritt wird ein weiteres Blechbauteil, das als Innenteil bezeichnet
werden kann, auf das bereits auf dem Falzbett 2 positionierte Außenteil aufgelegt.
In einem weiteren Schritt wird das Innenteil mittels einer Niederhaltereinrichtung
N (vgl. Fig. 7) auf grundsätzlich bekannte Weise fixiert, wobei die Niederhaltereinrichtung
N vorliegend nicht zwingend Bestandteil der Falzvorrichtung 1 sein muss. Hiernach
werden das Außenteil und das Innenteil mittels Falzens randseitig linienförmig zusammengefügt.
Hierfür geeignete Verfahren sind im Stand der Technik hinlänglich bekannt und werden
daher an dieser Stelle nicht näher beschrieben.
[0023] Weiter weist die Falzvorrichtung 1 wenigstens eine der Falzbettkontur K zugeordnete
Einstelleinrichtung 4 auf. Die wenigstens eine Einstelleinrichtung 4 ist an dem Grundgestell
3 abgestützt und weist wenigstens ein Stellelement 5 auf. Das wenigstens eine Stellelement
5 ist relativ zu dem Grundgestell 3 zwischen unterschiedlichen Stellpositionen stellbeweglich
und greift kraftübertragend an der Unterseite U des Falzbetts 2 an. Hierdurch ist
das Falzbett 2 zur Einstellung der Falzbettkontur K mittels einer Stellbewegung des
wenigstens einen Stellelements 5 in unterschiedliche Deformationszustände D1, D2 deformierbar
(vgl. Fig. 3).
[0024] Bei der gezeigten Ausführungsform sind mehrere Einstelleinrichtungen 4 mit jeweils
einem Stellelement 5 vorgesehen, wobei eine solche Gestaltung nicht zwingend ist.
Bei einer nicht gezeigten Ausführungsform kann stattdessen lediglich eine Einstelleinrichtung,
eine geringere oder eine höhere Anzahl als die hier gezeigte Anzahl an Einstelleinrichtungen
4 vorgesehen sein.
[0025] Durch die anhand Fig. 3 verdeutlichte Deformation des Falzbetts 2 unter Einwirkung
der wenigstens einen Einstelleinrichtung 4 kann die Falzbettkontur K eingestellt werden,
d. h. die Geometrie der Falzbettkontur K wird geändert und/oder angepasst. Eine für
diese Einstellung der Falzbettkontur K notwendige Stellbewegung des wenigstens einen
Stellelements 5 erfolgt vorzugsweise gemäß einer vorgegebenen Einstellspezifikation,
die auf Erfahrungswerten, Messwerten und/oder Simulationsergebnisses basieren kann.
Mittels der Einstellung der Falzbettkontur K kann eine verbesserte Maß- und/oder Formhaltigkeit
der Blechbaugruppe erreicht werden.
[0026] Bei der gezeigten Ausführungsform sind insgesamt 27 baugleiche Einstelleinrichtungen
4 vorgesehen. Zur Vermeidung von Wiederholungen werden die hier gewählte spezifische
Gestaltung und die Funktionsweise der Einstelleinrichtungen 4 lediglich für die anhand
der Fig. 5 und 6 im Detail ersichtliche Einstelleinrichtung 4 beschrieben. Die übrigen
Einstelleinrichtungen 4 weisen eine dementsprechende Gestaltung auf.
[0027] Bei der vorliegenden Ausführungsform weist die Einstelleinrichtung 4 ein Lagergehäuse
6 auf, das fest mit dem Grundgestell 3 verbunden ist. Zu diesem Zweck ist das Lagergehäuse
6 mittels mehrerer Schraubverbindungen S fest mit einer nicht näher bezeichneten Oberseite
des Grundgestells 3 zusammengefügt. Das Lagergehäuse 6 weist eine topfförmige Grundform
mit einem randseitigen umlaufenden Flansch 7 auf, der mit nicht näher bezeichneten
Durchgangsbohrungen für die besagten Schraubverbindungen S versehen ist.
[0028] Das Stellelement 5 ist auf noch näher beschriebene Weise in dem Lagergehäuse 6 beweglich
gelagert. Dabei ist das Stellelement 5 relativ zu dem Grundgestell 3 entlang einer
Stellachse 8 translatorisch zwischen den unterschiedlichen Stellpositionen stellbeweglich.
Die Stellachse 8 ist koaxial zu einer nicht näher bezeichneten Längsachse des Stellelements
5 orientiert, das bei der gezeigten Ausführungsform als Stellzylinder 9 gestaltet
ist. Der Stellzylinder 9 greift an seinem dem Falzbett 2 zugewandten Stirnendbereich
10 kraftübertragend an der Unterseite U der Falzbettkrone 2 an. Bei der gezeigten
Ausführungsform ist vorgesehen, dass das Stellelement 5 bzw. der Stellzylinder 9 sowohl
Zugkraft- als auch druckkraftübertragend an der Unterseite U angreift. Zu diesem Zweck
ist vorliegend eine Schraubverbindung zwischen dem Stellelement 5 und dem Falzbett
2 vorgesehen. Das Falzbett 2 weist hierfür an seiner Unterseite U wenigstens eine
Gewindebohrung 11 auf (Fig. 4), in welche der Stirnendbereich 10 des Stellelements
5 eingeschraubt ist. Der Stirnendbereich 10 ist hierfür mit einem zu der Gewindebohrung
11 komplementären Gewinde G versehen. Bei der gezeigten Ausführungsform weist das
Falzbett 2 eine der Anzahl der insgesamt vorgesehenen Stellelemente 5 entsprechende
Anzahl an Gewindebohrungen 11 auf (Fig. 3). Zum Fixieren des Stellelements 5 kann
beispielsweise eine Kontermutter auf das Gewinde G aufgeschraubt sein, die nach einer
Einstellung der Falzbettkontur K an der Unterseite U gekontert wird. Alternativ kann
der Stirnendbereich 10 an die Unterseite U angeschweißt sein.
[0029] Zur Einstellung der Falzbettkontur K wird das Stellelement 5 entlang der Stellachse
8 verlagert, wodurch das Falzbett 2 unter Einwirkung des Stellelements 5 auf Druck
oder Zug beansprucht wird. Dementsprechend wird das Falzbett 2 im Bereich des jeweiligen
Kraftangriffs des Stellelements 5 entlang der Stellachse 8 nach oben gedrückt oder
nach unten gezogen und hierdurch wenigstens lokal elastisch und/oder elastisch-plastisch
deformiert. Die anhand Fig. 3 exemplarisch verdeutlichten unterschiedlichen Deformationszustände
D1, D2 werden dementsprechend durch eine unterschiedliche und aufeinander abgestimmte
Zustellung der mehreren Stellelemente 5 erreicht. Dabei ist durch die jeweils schraubbewegliche
Verlagerbarkeit der Stellelemente 5 eine insoweit stufenlose Einstellung der unterschiedlichen
Deformationszustände möglich, so dass - anders als Fig. 3 möglicherweise vermuten
lässt - eine beliebige Anzahl unterschiedlicher Deformationszustände und nicht nur
die exemplarischen Deformationszustände D1, D2 einstellbar sind.
[0030] Bei einer solchen Einstellung der Falzbettkontur K ist es vorteilhaft, wenn eine
Art Fixpunkt definiert ist, an welchem das Falzbett 2 relativ zu dem Grundgestell
3 fest positioniert ist. Ein solcher Fixpunkt kann beispielsweise dadurch gebildet
sein, dass das Falzbett 2 an wenigstens einer Stelle fest mit dem Grundgestell 3 verbunden
ist. Bei der gezeigten Ausführungsform ist der besagte Fixpunkt zur Einstellung der
Falzbettkontur K dadurch gebildet, dass eine zu den übrigen Einstelleinrichtungen
4 unterschiedlich gestaltete Einrichtung 4' vorgesehen ist (Fig. 1). Die Einrichtung
4' weist einen als solchen grundsätzlich ähnlichen Aufbau wie die Einstelleinrichtungen
4 auf. Allerdings ist keine Stellbeweglichkeit vorgesehen, so dass das Falzbett 2
mittels der Einrichtung 4' - am Angriffspunkt der Einrichtung 4' - relativ zu dem
Grundgestell 3 fest positioniert und insoweit fixiert ist.
[0031] Zur beweglichen Lagerung des Stellelements 5 weist die Einstelleinrichtung 4 eine
Lageranordnung L auf, die in einer Aufnahmeaussparung 12 des Lagergehäuses 6 aufgenommen
ist. Die Lageranordnung L gewährleistet eine axiale Lagerung des Stellelements 5 zwecks
Stellbeweglichkeit entlang der Stellachse 8. Gleichzeitig gewährleistet die Lageranordnung
L eine relativ zu dem Grundgestell 3 gelenkig verschwenkbare Lagerung (vgl. Fig. 5,
6). Die Lageranordnung L weist zu diesem Zweck ein Gelenklager in Form eines Kugelgelenklagers
13, 14, 15, 16 auf, welches zwei in Axialrichtung des Stellelements 5 zueinander beabstandet
angeordnete und ballig ausgeformte Lagerelemente 13, 15 und zwei hierzu komplementär
ausgestaltete Lagerschalen 14, 16 umfasst. Die Lagerschalen 14, 16 sind in radialer
Richtung in eine zylinderförmige Lagerbuchse 17 eingepasst und an einander gegenüberliegenden
Stirnenden derselben angeordnet. Die Lagerbuchse 17 ist in axialer Richtung in der
Aufnahmeaussparung 12 gehalten. In radialer Richtung der Aufnahmeaussparung 12 ist
die Lagerbuchse 17 begrenzt beweglich in dem Lagergehäuse 6 gehalten. Dementsprechend
ist das Stellelement 5 mittels der Lageranordnung L in radialer Richtung begrenzt
beweglich in dem Lagergehäuse 6 gelagert. Infolge dieser radialbeweglichen Lagerung
sind sowohl die Stellachse 8 als auch die nicht näher bezeichnete Schwenkachse bzw.
die räumlichen Schwenkachsen des Kugelgelenklagers 13, 14, 15, 16 in radialer Richtung
relativ zu dem Lagergehäuse 6 - und damit relativ zu dem Grundgestell 3 - begrenzt
beweglich. Das Stellelement 5 weist einen in Bezug auf seine Längserstreckung in etwa
mittig angeordneten kreiszylinderförmigen Lagerabschnitt 18 auf, auf dessen Außenumfang
die Lagerelemente 13, 15 radial festgelegt sind, wobei der Lagerabschnitt 18 und damit
das Stellelement 5 in Bezug auf die Stellachse 8 gleitbeweglich in den Lagerelementen
13, 15 geführt ist. Zudem ist eine Distanzbuchse 19 vorgesehen, die in axialer Richtung
zwischen den Lagerelementen 13, 15 angeordnet ist. Zur Stellbeweglichkeit des Stellelements
5 wirkt das einends angeordnete Gewinde G mit einer ersten Gewindemutter 20 und einer
zweiten Gewindemutter 21 zusammen. Zudem ist das Stellelement 5 an einem dem Falzbett
2 abgewandten, unteren Stirnendbereich 25 mit einem weiteren Gewinde G' versehen,
das mit einer dritten Gewindemutter 22 und einer vierten Gewindemutter 23 zusammenwirkt.
In axialer Richtung zwischen der zweiten Gewindemutter 21 und dem - in Bezug auf die
Zeichenebene der Fig. 5 - oberen Lagerelement 13 ist eine obere Distanzhülse 24 angeordnet.
Zwischen der dritten Gewindemutter 22 und dem unteren Lagerelement 15 ist dementsprechend
eine untere Distanzhülse 26 angeordnet.
[0032] Ausgehend von dem anhand Fig. 5 ersichtlichen Zustand wird nachfolgend die Stellbeweglichkeit
des Stellelements 5 zur Zugkraft- und Druckkraftbeaufschlagung des Falzbetts 2 zwecks
Einstellung der Falzbettkontur K erläutert.
[0033] Zur Druckkraftbeaufschlagung werden zunächst die dritte Gewindemutter 22 und die
vierte Gewindemutter 23 gelöst. Hiernach wird die zweite Gewindemutter 21 unter Verwendung
eines entsprechenden Schraubwerkzeugs schraubbetätigt, so dass das Stellelement 5
entlang der Stellachse 8 nach oben bewegt wird. Infolge dieser Stellbewegung wirkt
das Stirnende 10 über die Gewindebohrung 11 auf die Unterseite U des Falzbetts 2,
so dass dasselbe im Bereich des Kraftangriffspunkts des Stellelements 5 relativ zu
dem Grundgestell 3 lokal nach oben gedrückt und auf diese Weise elastisch und/oder
elastisch-plastisch deformiert wird. Sobald eine vorgegebene Stellposition des Stellelements
5 erreicht ist, kann diese über ein Anziehen der dritten Gewindemutter 22 und der
vierten Gewindemutter 23 sowie der ersten Gewindemutter 20 fixiert werden.
[0034] Zur Zugkraftbeaufschlagung werden zunächst die erste Gewindemutter 20 und die zweite
Gewindemutter 21 gelöst. Hiernach wird das Stellelement 5 über eine Betätigung der
dritten Gewindemutter 22 entlang der Stellachse 8 nach unten verlagert. Dementsprechend
wird das Falzbett 2 mittels des Stellelements 5 gleichsam entlang der Stellachse 8
nach unten gezogen und elastisch und/oder elastisch-plastisch deformiert. Die hierbei
eingenommene Stellposition des Stellelements 5 kann über ein Anziehen der Gewindemuttern
20, 21, 23 fixiert werden.
[0035] Je nachdem, welche Deformation des Falzbetts 2 zur Einstellung der Falzbettkontur
K erforderlich ist, erfolgt eine solche Stellbetätigung an lediglich einer, mehreren
oder allen insgesamt vorgesehenen Einstelleinrichtungen 4. Die Betätigung der Einstelleinrichtungen
4 kann hierbei nacheinander und/oder wiederholt stattfinden, bis der gewünschte Deformationszustand
erreicht ist. Auf diese Weise ist eine "lokale", "regionale" oder "globale" Deformation
des Falzbetts 2 möglich.
[0036] Wie weiter anhand der Fig. 1 und 2 ersichtlich ist, sind die Stellachsen 8 der Stellelemente
5 jeweils koaxial zu einer Normalenrichtung der Falzbettkontur K orientiert. Dabei
ist die Falzbettkontur K vorliegend nicht etwa eben, sondern räumlich gekrümmt ausgeformt,
so dass die Normalenrichtung örtlich, über der Erstreckung der Falzbettkontur K, veränderlich
ist. Dementsprechend ergeben sich unterschiedliche Ausrichtungen der jeweiligen Stellachsen
8.
[0037] Die Unterseite U ist bei der gezeigten Ausführungsform wenigstens abschnittsweise
flächenparallel zu der Oberseite O ausgeführt, an welcher wiederum die Falzbettkontur
K ausgebildet ist. Dementsprechend greifen die Stellelemente 5 jeweils wenigstens
an einigen Stellen senkrecht an der Unterseite U an. Dabei gewährleistet die vorbeschriebene
gelenkbewegliche Lagerung der Stellelemente 5 gegenüber dem Grundgestell 3, dass die
Stellachsen 8 auch in unterschiedlichen Deformationszuständen stets in Normalenrichtung
zu der Falzbettkontur K ausgerichtet bleiben. Mit anderen Worten ausgedrückt, ermöglicht
die gelenkbewegliche Lagerung, dass die Stellachse 8 der sich einstellenden Deformation
gleichsam nachgeführt wird. Bei der gezeigten Ausführungsform ermöglicht die in radialer
Richtung des Lagergehäuses 6 begrenzt bewegliche Lagerung der Lageranordnung L gleichzeitig
eine translatorische Nachführbewegung.
[0038] Wie weiter anhand der Fig. 1 und 2 ersichtlich ist, ist das Falzbett 2 bei der gezeigten
Ausführungsform ausschließlich mittels der Einstelleinrichtungen 4 und der Einrichtung
4' auf dem Grundgestell 3 abgestützt. Eine solche Gestaltung ist jedoch nicht zwingend.
Bei einer nicht gezeigten Ausführungsform kann das Falzbett 2 lediglich abschnittsweise
mittels einer oder mehrerer Einstelleinrichtungen 4 lasttragend auf dem Grundgestell
3 abgestützt sein, so dass abseits der einen oder mehreren Einstelleinrichtungen 4
eine unmittelbare oder jedenfalls nicht einstellbare, d. h. starr distanzierte, Abstützung
des Falzbetts 2 an dem Grundgestell 3 vorgesehen ist.
[0039] Weiter ist vorliegend vorgesehen, dass das Falzbett 2 und die vorbeschriebene Stellbeweglichkeit
der Stellelemente 5 in einer aufeinander abgestimmten Weise dimensioniert sind, so
dass in den unterschiedlichen Stellpositionen - und damit in den unterschiedlichen
Deformationszuständen D1, D2 - jeweils eine rein elastische Deformation des Falzbetts
2 vorliegt. Hierdurch ist die Falzbettkontur K reversibel und damit - ohne Qualitätseinbußen
bei einer Flächenqualität der Falzkontur und/oder der zu falzenden Blechbaugruppe
- mehrfach einstellbar. Die hierfür erforderliche konstruktive Dimensionierung des
Falzbetts 2 und der Stellbeweglichkeit kann auf Grundlage von Erfahrungswerten, Messwerten
und/oder Simulationsergebnissen erfolgen.
[0040] Wie weiter anhand Fig. 4 gezeigt ist, weist das Falzbett 2 vorliegend wenigstens
eine definierte mechanische Schwächung M auf, die vorliegend in Form einer abschnittsweisen
Querschnittsreduzierung des Falzbetts 2 gestaltet ist. Infolge dieser Schwächung M
weist das Falzbett 2 - im Vergleich zu einem gedachten ungeschwächten Zustand - eine
erhöhte Formnachgiebigkeit unter Einwirkung des wenigstens einen Stellelements 5 auf.
Die vorliegend gezeigte Gestaltung der Schwächung M ist als rein exemplarisch zu verstehen
und kann bei nicht gezeigten Ausführungsformen hierzu unterschiedlich sein.
[0041] Das Falzbett 2 weist bei der gezeigten Ausführungsform eine Gestaltung nach Art eines
umlaufend geschlossenen Rahmens auf, was jedoch nicht zwingend ist. Dabei greifen
die Stellelemente 5 entlang einer nicht näher bezeichneten Umfangsrichtung des Rahmens
zueinander beabstandet an der Unterseite U an.
[0042] Weiter ist bei der gezeigten Ausführungsform vorgesehen, dass die Falzbettkontur
K gemäß einer sogenannten Nullgeometrie des aufzunehmenden Blechbauteils gefertigt
ist. Dementsprechend korrespondiert die Falzbettkontur K - jedenfalls in einem nicht
mittels der Einstelleinrichtungen 4 deformierten Zustand - mit der Nullgeometrie.
Ausgehend von dieser Nullgeometrie erfolgt dann die vorbeschriebene geometrische Anpassung,
d. h. Einstellung mittels der Einstelleinrichtungen 4.
[0043] Bei einer nicht gezeigten Ausführungsform ist die Falzbettkontur in einer von der
Nullgeometrie des aufzunehmenden Blechbauteils abweichenden Geometrie gefertigt und
kann mittels der vorbeschriebenen geometrischen Anpassung insbesondere in Richtung
der Nullgeometrie eingestellt werden.
[0044] Das Grundgestell 3 ist bei der gezeigten Ausführungsform als Gussbauteil gefertigt.
Bei einer nicht gezeigten Ausführungsform kann das Grundgestell 3 als Stahlplattenkonstruktion
oder aus Vollmaterial ausgeführt sein. Das Grundgestell 3 weist eine der Anzahl der
Einstelleinrichtungen 4 entsprechende Anzahl an Flanschflächen 27 auf, die zur Flanschverbindung
mit dem Flansch 7 der jeweiligen Einstelleinrichtung 4 vorgesehen sind. Die Flanschflächen
27 sind in Bezug auf einen undeformierten Zustand des Falzbetts 2 parallel zu dessen
Unterseite U orientiert. Die Flanschflächen 27 weisen jeweils eine mittige Durchgangsbohrung
28 auf, die ausgehend von einer nicht näher bezeichneten Oberseite des Grundgestells
3 in jeweils eine seitliche Aussparung 29 mündet. Dabei ragen die unteren Stirnenden
25 der Stellelemente 5 in betriebsfertig montiertem Zustand durch die Durchgangsbohrungen
28 in die Aussparungen 29. Hierdurch sind insbesondere die dritte Gewindemutter 22
und die vierte Gewindemutter 23 frei zugänglich und ergonomisch mit einem entsprechenden
Schraubwerkzeug erreichbar.
[0045] Wie eingangs erwähnt, weist die Falzvorrichtung 1 bei der gezeigten Ausführungsform
zusätzlich eine Niederhaltereinrichtung N auf (Fig. 7), die zum Niederhalten der Blechbaugruppe
während der Falzbearbeitung auf grundsätzlich bekannte Weise oberhalb des Falzbetts
2 angeordnet ist. Die Niederhaltereinrichtung N weist einen Niederhalterrahmen 30
auf, der mittels mehrerer Stützarme an hierfür vorgesehenen Zentriereinrichtungen
31 des Grundgestells 3 abgestützt ist, wobei anhand Fig. 7 lediglich ein Stützarm
32 zeichnerisch dargestellt ist. Weiter weist die Niederhaltereinrichtung N mehrere
Niederhalterelemente 33 auf, die während der Falzbearbeitung auf der Blechbaugruppe
aufliegen und entlang einer nicht näher bezeichneten Umfangsrichtung des Niederhalterrahmens
30 zueinander beabstandet angeordnet sind.
[0046] Die Niederhalterelemente 33 sind jeweils an dem Niederhalterrahmen 30 befestigt,
wobei vorliegend jedem der Niederhalterelemente 33 ein Führungselement in Form eines
mit Langlöchern versehenen Winkelblechs 34 zugeordnet ist. Die Winkelbleche 34 sind
einends jeweils mit dem betreffenden Niederhalterelement 33 verschraubt. Andernends
sind die Winkelbleche 34 über die besagten Langlöcher mit dem Niederhalterrahmen 30
verschraubt. Hierdurch sind die Niederhalterelemente 33 jeweils in unterschiedlichen
Befestigungspositionen relativ zu dem Niederhalterrahmen 30 zwischen unterschiedlichen
Befestigungspositionen geführt. Mit anderen Worten ausgedrückt, können die Niederhalterelemente
33 aufgrund der vorliegenden Gestaltung in einer auf die eingestellte Falzbettkontur
K abgestimmten Weise an dem Niederhalterrahmen 30 positioniert und befestigt werden.
1. Falzvorrichtung (1) zur Falzbearbeitung einer Blechbaugruppe, mit einem Falzbett (2),
an dessen Oberseite (O) eine Falzbettkontur (K) ausgebildet und zur Aufnahme wenigstens
eines Blechbauteils der Blechbaugruppe vorgesehen ist, und mit einem Grundgestell
(3), auf welchem das Falzbett (2) abgestützt ist, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens eine der Falzbettkontur (K) zugeordnete Einstelleinrichtung (4) vorgesehen
ist, die an dem Grundgestell (3) abgestützt ist und wenigstens ein Stellelement (5)
aufweist, das relativ zu dem Grundgestell (3) zwischen unterschiedlichen Stellpositionen
stellbeweglich ist und kraftübertragend an einer Unterseite (U) des Falzbetts (2)
angreift, wobei das Falzbett (2) zur Einstellung der Falzbettkontur (K) mittels einer
Stellbewegung des Stellelements (5) in unterschiedliche Deformationszustände (D1,
D2) deformierbar ist.
2. Falzvorrichtung (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das wenigstens eine Stellelement (5) druckkraftübertragend und zugkraftübertragend
an der Unterseite (U) des Falzbetts (2) angreift.
3. Falzvorrichtung (1) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das wenigstens eine Stellelement (5) wenigstens entlang einer Stellachse (8) translatorisch
stellbeweglich ist.
4. Falzvorrichtung (1) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens eine Stellachse (8) koaxial zu einer Normalenrichtung der Falzbettkontur
(K) ausgerichtet ist.
5. Falzvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens eine Einstelleinrichtung (4) wenigstens ein Gelenklager (13, 14, 15,
16) aufweist, mittels dessen das wenigstens eine Stellelement (5) um wenigstens eine
Gelenkachse relativ zu dem Grundgestell (3) gelenkbeweglich gelagert ist.
6. Falzvorrichtung (1) nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das wenigstens eine Gelenklager (13, 14, 15, 16) als Kugelgelenklager gestaltet ist
und eine räumliche Gelenkbeweglichkeit des wenigstens einen Stellelements (5) gestattet.
7. Falzvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die wenigstens eine Einstelleinrichtung (4) ein fest mit dem Grundgestell (3) verbundenes
Lagergehäuse (6) aufweist, in welchem das wenigstens eine Stellelement (5) stellbeweglich
und/oder gelenkbeweglich gelagert ist.
8. Falzvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das wenigstens eine Stellelement (5) ein zwischen den unterschiedlichen Stellpositionen
schraubbeweglicher Stellzylinder (9) ist.
9. Falzvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere, insbesondere baugleiche, Einstelleinrichtungen (4) vorgesehen sind, wobei
die Stellelemente (5) der mehreren Einstelleinrichtungen (4) an unterschiedlichen
Bereichen der Unterseite (U) des Falzbetts (2) angreifen und voneinander unabhängig
stellbeweglich sind.
10. Falzvorrichtung (1) nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Falzbett 2 ausschließlich über die mehreren Einstelleinrichtungen (4) auf dem
Grundgestell (3) abgestützt ist.
11. Falzvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Falzbett (2) und die Stellbeweglichkeit des wenigstens einen Stellelements (5)
in einer aufeinander abgestimmten Weise dimensioniert sind, so dass in den unterschiedlichen
Stellpositionen des wenigstens einen Stellelements (5) jeweils eine wenigstens weitgehend,
vorzugsweise vollständig, reversible Deformation des Falzbetts (2) erreicht ist.
12. Falzvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Falzbett (2) wenigstens eine definierte Schwächung (M) aufweist, mittels derer
- im Vergleich zu einem gedachten ungeschwächten Zustand - eine erhöhte Formnachgiebigkeit
des Falzbetts (2) unter Einwirkung des wenigstens einen Stellelements (5) erreicht
ist.
13. Falzvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine oberhalb des Falzbetts (2) angeordnete Niederhaltereinrichtung (N) vorgesehen
ist, die einen an dem Grundgestell (3) abgestützten Niederhalterrahmen (30) und mehrere
Niederhalterelemente (33) aufweist, die zum Niederhalten der Blechbaugruppe vorgesehen
und an dem Niederhalterrahmen (30) befestigt sind, wobei die Niederhalterelemente
(33) mittels jeweils eines Führungselements (34) zwischen unterschiedlichen Befestigungspositionen
relativ zu dem Niederhalterrahmen (30) geführt sind.
14. Einstelleinrichtung (4) für eine Falzvorrichtung (1) zur Falzbearbeitung einer Blechbaugruppe
mit einem Falzbett (2) und einem Grundgestell (3), auf welchem das Falzbett (2) abgestützt
ist, aufweisend wenigstens ein Stellelement (5), das - in einem betriebsfertig an
der Falzvorrichtung (1) montierten Zustand - relativ zu dem Grundgestell (3) zwischen
unterschiedlichen Stellpositionen stellbeweglich ist und kraftübertragend an einer
Unterseite (U) des Falzbetts (2) angreift.