Gebiet der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung geht aus von einem Betriebsverfahren für einen Abschnitt
einer Warmwalzstraße,
- wobei einer Steuereinrichtung für den Abschnitt der Warmwalzstraße für eine Vielzahl
von Walzgütern jeweilige Primärdaten und jeweilige vorläufige Sollwerte für Zielgrößen
des jeweiligen Walzguts zugeführt werden,
- wobei die jeweiligen Primärdaten das jeweilige Walzgut vor dem Zuführen zu dem Abschnitt
der Warmwalzstraße beschreiben und die jeweiligen vorläufigen Sollwerte der Zielgrößen
einen nach dem Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße angestrebten Sollzustand
des jeweiligen Walzguts beschreiben,
- wobei die Steuereinrichtung Betriebswerte für den Abschnitt der Warmwalzstraße derart
ermittelt, dass das jeweilige Walzgut nach dem Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße
endgültige Sollwerte der Zielgrößen so gut wie möglich erreicht,
- wobei die Steuereinrichtung den Abschnitt der Warmwalzstraße beim Behandeln des jeweiligen
Walzguts entsprechend den ermittelten Betriebswerten betreibt.
[0002] Die vorliegende Erfindung geht weiterhin aus von einem Computerprogramm für eine
Steuereinrichtung eines Abschnitts einer Warmwalzstraße zum Behandeln einer Vielzahl
von Walzgütern, wobei das Computerprogramm Maschinencode umfasst, der von der Steuereinrichtung
abarbeitbar ist, wobei die Abarbeitung des Maschinencodes durch die Steuereinrichtung
bewirkt, dass die Steuereinrichtung ein derartiges Betriebsverfahren ausführt.
[0003] Die vorliegende Erfindung geht weiterhin aus von einer Steuereinrichtung eines Abschnitts
einer Warmwalzstraße zum Behandeln einer Vielzahl von Walzgütern, wobei die Steuereinrichtung
mit einem derartigen Computerprogramm programmiert ist, so dass die Steuereinrichtung
im Betrieb ein derartiges Betriebsverfahren ausführt.
[0004] Die vorliegende Erfindung geht weiterhin aus von einem Abschnitt einer Warmwalzstraße
zum Behandeln einer Vielzahl von Walzgütern, wobei der Abschnitt der Warmwalzstraße
von einer derartigen Steuereinrichtung gesteuert wird.
Stand der Technik
[0005] In dem Abschnitt der Warmwalzstraße wird nacheinander eine Vielzahl von flachen Walzgütern
behandelt. Die Primärdaten und die Sollwerte für die Zielgrößen des jeweiligen Walzguts
werden einem Modell des Abschnitts der Warmwalzstraße zugeführt. Mittels des Modells
werden Betriebswerte für den Abschnitt der Warmwalzstraße derart ermittelt, dass das
jeweilige Walzgut nach dem Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße die Sollwerte
der Zielgrößen so gut wie möglich erreicht.
[0006] Beispielsweise kann eine Warmwalzstraße eine Fertigstraße aufweisen, der eine Kühlstrecke
nachgeordnet ist. Wenn die Kühlstrecke als Abschnitt der Warmwalzstraße betrachtet
wird, kann beispielsweise eine der Zielgrößen die Haspeltemperatur sein, welche das
flache Walzgut nach dem Durchlaufen der Kühlstrecke aufweisen soll. Der zugehörige
Sollwert kann beispielsweise 600 °C sein. Der zugehörige Betriebswert kann die Anzahl
an Ventilen sein, die geschaltet werden muss, um die erforderliche Abkühlung des flachen
Walzguts zu bewirken. Die Anzahl an geschalteten Ventilen ist in diesem Fall das Stellglied.
Der entsprechende Betriebswert kann beispielsweise bei 10 Ventilen liegen.
[0007] Es kann auch eine andere Zielgröße vorgegeben sein, beispielsweise eine bestimmte
Materialeigenschaft des flachen Walzguts. Beispiele derartiger Materialeigenschaften
sind die Dehngrenze, die Streckgrenze, die Bruchfestigkeit und andere mehr. In diesem
Fall sind völlig analoge Vorgehensweisen möglich, wobei jedoch ergänzend in diesem
Fall auch die Haspeltemperatur als Betriebswert des Abschnitts der Warmwalzstraße
angesehen werden kann.
[0008] Während des Durchlaufs des jeweiligen flachen Walzguts durch den Abschnitt der Warmwalzstraße
werden Messungen vorgenommen. Anhand der Messungen werden Stellgrößen des Abschnitts
der Warmwalzstraße nachgeführt. Wenn beispielsweise als Zielgröße eine Haspeltemperatur
von 600 °C vorgegeben ist und die Stellgröße die Anzahl an geschalteten Ventilen ist,
kann ab dem Zeitpunkt, zu dem der Anfang des jeweiligen flachen Walzguts einen der
Kühlstrecke nachgeordneten Temperaturmessplatz erreicht, die Haspeltemperatur erfasst
werden. Ergibt sich in diesem Fall eine Abweichung, wird die Ansteuerung der Ventile
der Kühlstrecke nachgeführt. Weist die entsprechende Stelle des flachen Walzguts beispielsweise
nicht 600 °C auf, sondern 610 °C, wird ein weiteres Ventil zugeschaltet, so dass das
flache Walzgut über 11 Ventile gekühlt wird. Weist die entsprechende Stelle des flachen
Walzguts umgekehrt nicht 600 °C auf, sondern 590 °C, wird ein Ventil abgeschaltet,
so dass das flache Walzgut nur über 9 Ventile gekühlt wird.
[0009] Nach dem Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße kann weiterhin eine Beprobung
des nunmehr behandelten flachen Walzguts erfolgen. Beispielsweise kann eine Materialprobe
entnommen werden und hinsichtlich mikroskopischer Materialeigenschaften wie beispielsweise
Gefüge oder Korngröße und makroskopischer Materialeigenschaften wie beispielsweise
Zugfestigkeit, Streckgrenze und Bruchdehnung untersucht werden.
[0010] Es wird nun versucht, anhand der erfassten tatsächlichen Haspeltemperatur oder anhand
der Materialeigenschaften in Verbindung mit den tatsächlichen Betriebswerten Korrekturwerte
für Primärdaten und Korrekturwerte für Betriebswerte zu ermitteln. Primärdaten werden
korrigiert, wenn angenommen werden muss, dass das eigentlich gewünschte Material,
wie es durch die Sollwerte der Zielgrößen definiert ist, auch durch Anpassung der
Betriebswerte nicht hergestellt werden kann. Korrekturwerte für Betriebswerte werden
ermittelt, wenn angenommen werden kann, dass das eigentlich gewünschte Material, wie
es durch die Sollwerte der Zielgrößen definiert ist, zwar hergestellt werden kann,
hierfür aber eine Anpassung der Betriebswerte erforderlich ist. Eine Anpassung der
Betriebswerte kann beispielsweise erforderlich sein, wenn sich die Primärdaten geändert
haben, aber dennoch weiterhin die Sollwerte der Zielgrößen erreicht werden sollen.
[0011] Um die erforderlichen Anpassungen der Betriebswerte zielführend ermitteln zu können,
ist es erforderlich, die Sensitivitäten zu kennen, mit denen bestimmte Betriebsgrößen
bestimmte Zielgrößen beeinflussen. Es muss also bekannt sein, in welchem Ausmaß sich
ein Wert einer bestimmten Zielgröße ändert, wenn ein Betriebswert einer bestimmten
Betriebsgröße um einen bestimmten Wert geändert wird.
[0012] Im Stand der Technik wurde versucht, derartige Beziehungen zu ermitteln. Beispielsweise
wurde versucht, ein Modell der Kühlstrecke einer Warmwalzstraße zu erstellen, mittels
dessen bei gegebenen Primärdaten und gegebenen Betriebswerten die sich ergebenden
Zielgrößen ermittelt werden können. Die Zielgrößen waren beispielsweise makroskopische
Materialeigenschaften wie Zugfestigkeit, Streckgrenze und Bruchdehnung. Durch entsprechendes
Variieren der Betriebswerte konnten dann "korrekte" Betriebswerte ermittelt werden,
um die gewünschten Zielgrößen zu erreichen. Das Modell der Kühlstrecke war in manchen
Fällen ein analytisches Modell, das auf mathematischphysikalischen Gleichungen basierte.
In anderen Fällen wurde ein derartiges analytisches Modell durch ein neuronales Netz
korrigiert, ergänzt oder ersetzt. Das neuronale Netz musste natürlich entsprechend
trainiert werden.
[0013] Das Modell wurde beispielsweise verwendet, um vor dem Durchlauf des jeweiligen flachen
Walzguts durch die Kühlstrecke eine Haspeltemperatur zu berechnen, die das jeweilige
flache Walzgut aufweisen sollte, um die gewünschten makroskopischen Materialeigenschaften
aufzuweisen. Das jeweilige flache Walzgut wurde sodann in der Kühlstrecke derart gekühlt,
dass es die ermittelte Haspeltemperatur aufwies.
[0014] Die Vorgehensweise des Standes der Technik weist erhebliche systematische Fehler
auf. Insbesondere werden bereits während des Durchlaufs des jeweiligen flachen Walzguts
durch den Abschnitt der Warmwalzstraße ständig über Regelkreise Stellgrößen nachgeführt.
Beispielsweise wird im Falle einer Kühlstrecke die Haspeltemperatur erfasst und die
Menge an Kühlwasser nachgeführt, die auf das jeweilige flache Walzgut aufgebracht
wird. Dadurch wird der ermittelte Sollwert der Haspeltemperatur so gut wie möglich
eingehalten. Im Ergebnis fallen dadurch im Stand der Technik nur sehr wenige Datensätze
an, bei denen (beispielsweise) die Haspeltemperatur von ihrem Sollwert abweicht. Dadurch
können zwar die Sollwerte für die Zielgröße für den einen gegebenen Zielpunkt recht
genau ermittelt werden. Das Modell wird jedoch sehr schnell ungenau und fehlerhaft,
wenn andere Sollwerte für die Zielgrößen vorgegeben werden und/oder andere Primärdaten
vorliegen. Es kann sogar vorkommen, dass Korrekturen in die falsche Richtung vorgenommen
werden, dass also beispielsweise bei einem Erhöhen der gewünschten Zugfestigkeit das
Modell ein Verringern der Haspeltemperatur ermittelt, obwohl die Haspeltemperatur
erhöht werden müsste. Die Berechnung der Korrektur ist damit sehr schwierig. Eine
Reduktion einer etwaigen Streuung lässt sich nicht oder nur sehr schwer erreichen.
[0015] Die Problematik des Standes der Technik wird nachstehend anhand eines Beispiels verdeutlicht.
[0016] Man nehme im Falle einer Kühlstrecke an, alle flachen Walzgüter bestehen aus Stahl,
weisen dieselben Primärdaten auf (beispielsweise gleiche chemische Zusammensetzung,
Endwalzdicke 3 mm, Endwalztemperatur 900 °C, Endwalzgeschwindigkeit 10 m/s usw.) und
sollen auf die gleiche Haspeltemperatur von 600 °C gekühlt werden. Die Kühlung wird
dann so eingestellt, dass sich diese 600 °C ergeben. Rein beispielhaft wird nachfolgend
angenommen, dass hierfür die ersten 10 Ventile der Kühlstrecke angeschaltet werden
müssen. Die tatsächliche Haspeltemperatur wird auslaufseitig der Kühlstrecke messtechnisch
erfasst.
[0017] Wenn nun - egal aus welchen Gründen - bei einem Abschnitt des flachen Walzguts eine
unerwartete Abweichung der erfassten Haspeltemperatur von der gewünschten Haspeltemperatur
auftritt, wird korrigierend in die Kühlung eingegriffen, so dass für nachfolgende
Abschnitte des flachen Walzguts die erfasste Haspeltemperatur auf die gewünschte Haspeltemperatur
geregelt wird. Ist die erfasste Haspeltemperatur zu hoch, wird also (mindestens) ein
Ventil zugeschaltet oder weiter ausgesteuert. Ist die Haspeltemperatur umgekehrt zu
niedrig, wird (mindestens) ein Ventil abgeschaltet oder weniger ausgesteuert.
[0018] Im Rahmen einer nachgelagerten statistischen Analyse trägt man das Ausmaß an Kühlung
(beispielsweise die Anzahl der geschalteten Ventile) und die jeweils gemessene Haspeltemperatur
in ein Diagramm ein. In dem Diagramm zeigt beispielsweise das Ausmaß an Kühlung in
Richtung der x-Achse, die Haspeltemperatur in die Richtung der y-Achse. Sodann ermittelt
man eine Regressionsgerade.
[0019] Wenn - beispielsweise - nur Datenpunkte mit 9, 10 und 11 geschalteten Ventilen auftreten,
kann zunächst nicht ohne weiteres ermittelt werden, welche Kühlwirkung auftritt, wenn
beispielsweise 8 oder weniger Ventile einerseits oder 12 oder mehr Ventile andererseits
geschaltet sind. Aber auch die statistische Analyse für 9, 10 und 11 geschaltete Ventile
führt zu einem falschen und irreführenden Ergebnis. Denn aufgrund der Regelung der
Kühlung in der Kühlstrecke weisen die Datenpunkte im wesentlichen alle eine Haspeltemperatur
von 600 °C auf. Aus dem Diagramm ist daher nicht erkennbar, dass ein Zuschalten oder
Abschalten von Ventilen überhaupt einen Einfluss auf die Kühlwirkung hat. Im Gegenteil
vermittelt das Diagramm den Eindruck, dass ein Zuschalten oder Abschalten von Ventilen
keinen Einfluss auf die Kühlwirkung hat. Dies ist offensichtlich falsch. Denn der
Einfluss ist selbstverständlich gegeben. Aus dem Diagramm ist er jedoch nicht erkennbar.
Zusammenfassung der Erfindung
[0020] Im Vorfeld der vorliegenden Erfindung wurde erkannt, dass die Problematik des Standes
der Technik darin besteht, dass das Zuschalten und das Abschalten von Ventilen nicht
statistisch unabhängig vom tatsächlichen Zustand des jeweiligen flachen Walzguts vor
dem Durchlaufen der Kühlstrecke ist. Dies wird nachstehend näher erläutert.
[0021] Wenn die Primärdaten vollständig korrekt sind und das Modell vollständig korrekt
ist, wären die Modellrechnung und die hierauf basierende Ansteuerung der Ventile der
Kühlstrecke korrekt. Da jedoch Korrekturen auftreten, muss an irgendeiner Stelle eine
Störung aufgetreten sein. Die Störung als solche muss nicht bekannt sein. Sie ist
aber vorhanden. Diese Störung wird durch das Nachführen der Kühlung in der Kühlstrecke
ausgeregelt. Damit aber ist das Nachführen der Kühlung stochastisch von der Störung
abhängig. Die in dem Diagramm ersichtliche Korrelation zeigt daher die Korrelation
zwischen der Haspeltemperatur einerseits und dem Ausmaß an Kühlung einschließlich
der aufgetretenen Störung andererseits. Um die Sensitivität der Haspeltemperatur vom
Ausmaß an Kühlung zu ermitteln, müsste die Störung jedoch eliminiert werden. Es müsste
also die Korrelation zwischen der Haspeltemperatur einerseits und dem Ausmaß an Kühlung
ohne die aufgetretene Störung andererseits ermittelt werden.
[0022] Um die Störung zu eliminieren, ist es theoretisch denkbar, die Regelung abzuschalten,
die tatsächliche Haspeltemperatur also hinzunehmen, wie sie ist. Dies ist in der Praxis
jedoch nicht ohne weiteres möglich, da durch das Abschalten derartiger Regelungen
erhebliche Abweichungen von den gewünschten Zielgrößen - direkt der Haspeltemperatur
und in der Folge von Materialeigenschaften - entstehen können. Es wird minderwertiges
und eventuell sogar nicht verkaufsfähiges Material produziert. In der Praxis müssen
daher andere Wege gefunden werden, um die Sensitivität zu ermitteln.
[0023] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, Möglichkeiten zu schaffen,
mittels derer die Sensitivität einer besonderen Zielgröße flacher Walzgüter von Betriebsgrößen
eines Abschnitts einer Warmwalzstraße ermittelt werden kann.
[0024] Die Aufgabe wird durch ein Betriebsverfahren für einen Abschnitt einer Warmwalzstraße
mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen des Betriebsverfahrens
sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche 2 bis 6.
[0025] Erfindungsgemäß wird ein Betriebsverfahren der eingangs genannten Art dadurch ausgestaltet,
- dass mindestens eine der Zielgrößen eine besondere Zielgröße ist und die verbleibenden
Zielgrößen normale Zielgrößen sind,
- dass die Steuereinrichtung für die besonderen Zielgrößen den jeweiligen endgültigen
Sollwert dadurch ermittelt, dass sie den jeweiligen vorläufigen Sollwert um einen
jeweiligen Offset verändert, der unabhängig von den Primärdaten, den anderen besonderen
Zielgrößen und den normalen Zielgrößen für das jeweilige Walzgut bestimmt ist,
- dass die Offsets, bezogen auf die jeweilige besondere Zielgröße, über die Gesamtheit
von Walzgütern gesehen mehrere verschiedene Werte aufweisen und
- dass die Steuereinrichtung für die normalen Zielgrößen den jeweiligen vorläufigen
Sollwert unverändert als jeweiligen endgültigen Sollwert übernimmt.
[0026] Im Gegensatz zum Stand der Technik, bei dem die Steuereinrichtung die vorläufigen
Sollwerte aller Zielgrößen 1:1 als endgültige Sollwerte übernimmt, wird diese Vorgehensweise
im Rahmen der vorliegenden Erfindung nur für die normalen Zielgrößen ergriffen. Für
die besonderen Zielgrößen hingegen werden die vorläufigen Sollwerte um Offsets verändert.
Dadurch ergeben sich über mehrere gleichartige Walzgüter gesehen für die jeweilige
Zielgröße mehrere Sollwerte, die stochastisch sowohl von den Sollwerten der anderen
Zielgrößen als auch von den anderen Primärdaten unabhängig sind. Auch bei gleichem
vorläufigem Sollwert einer bestimmten besonderen Zielgröße ergeben sich somit mehrere
endgültige Sollwerte.
[0027] Dadurch, dass die endgültigen Sollwerte der jeweiligen besonderen Zielgröße stochastisch
unabhängig von den Primärdaten und den anderen Zielgrößen sind, wird erzwungen, dass
auch die Variation der zugehörigen Betriebswerte stochastisch nur noch von dem jeweiligen
endgültigen Sollwert der besonderen Zielgröße abhängig ist.
[0028] Dadurch ergibt sich für den jeweiligen Mittelwert der zugehörigen Betriebswerte eine
funktionale Abhängigkeit nur noch vom jeweiligen endgültigen Sollwert der jeweiligen
besonderen Zielgröße. Erst diese Vorgehensweise führt dazu, dass anhand der Mittelwerte
der Betriebswerte und der jeweils zugehörigen endgültigen Sollwerte der jeweiligen
besonderen Zielgröße ein sinnvoller Wert für die Sensitivität der jeweiligen besonderen
Zielgröße von der jeweiligen Betriebsgröße ermittelt werden kann.
[0029] Während des Durchlaufs des jeweiligen Walzguts durch den Abschnitt der Warmwalzstraße
wird der Steuereinrichtung ein Istwert einer Zustandsgröße des Walzguts zugeführt,
beispielsweise die jeweilige Haspeltemperatur. Es ist möglich, dass die Zustandsgröße
eine der besonderen Zielgrößen ist, so dass ein Sollwert der Zustandsgröße mit dem
endgültigen Sollwert dieser besonderen Zielgröße übereinstimmt. Ein derartiger Fall
liegt beispielsweise vor, wenn direkt ein Sollwert für die Haspeltemperatur vorgegeben
wird. Alternativ ist es möglich, dass die Zustandsgröße mit der mindestens einen besonderen
Zielgröße korreliert ist, so dass ein Sollwert der Zustandsgröße durch den endgültigen
Sollwert der mindestens einen besonderen Zielgröße bestimmt ist. Ein derartiger Fall
liegt beispielsweise vor, wenn der Sollwert für die Haspeltemperatur derart bestimmt
wird, dass das flache Walzgut eine bestimmte Materialeigenschaft (= besondere Zielgröße)
aufweist. Die Steuereinrichtung kann in manchen Fällen bei einer Abweichung des Istwertes
der Zustandsgröße von Sollwert der Zustandsgröße mindestens einen Betriebswert, mit
welchem die Zustandsgröße beeinflusst wird, nachführen, um die Abweichung des Istwertes
der Zustandsgröße von dem Sollwert der Zustandsgröße zu kompensieren. Beispielsweise
kann die Anzahl an geschalteten Ventilen einer Kühlstrecke geändert werden, um eine
bestimmte Haspeltemperatur einzustellen.
[0030] Insbesondere in dem Fall, dass die besondere Zielgröße eine Materialeigenschaft des
jeweiligen flachen Walzguts ist, kann die mit der besonderen Zielgröße korrelierte
Zustandsgröße die Haspeltemperatur ausgangsseitig der Kühlstrecke sein und kann weiterhin
ein Betriebswert die Anzahl an angesteuerten Ventilen der Kühlstrecke und/oder das
Ausmaß der Ansteuerung von Ventilen der Kühlstrecke sein. Dies ist aber nicht zwingend
erforderlich.
[0031] Die Offsets können nach Bedarf bestimmt sein.
[0032] Beispielsweise ist es möglich, den jeweiligen Sollwert der jeweiligen besonderen
Zielgröße dadurch zu ermitteln, dass der jeweilige vorläufige Sollwert bei manchen
der flachen Walzgüter um einen vorbestimmten Wert vergrößert und bei den anderen der
flachen Walzgüter um den denselben Wert verkleinert wird. Gegebenenfalls kann auch
eine Dreiteilung erfolgen, dass also zusätzlich für einen Teil der flachen Walzgüter
der jeweilige vorläufige Sollwert der jeweiligen besonderen Zielgröße unverändert
als jeweiliger endgültiger Sollwert übernommen wird. Hierzu zwei konkrete Beispiele,
bei denen der jeweilige vorläufige Sollwert einheitlich ist und die besondere Zielgröße
die Haspeltemperatur ist:
Man nehme im Rahmen beider Beispiele an, dass zum Produzieren eines eigentlich gewünschten
Materials eine Modellrechnung eine Haspeltemperatur von 600 °C ergibt. Die genannten
600 °C entsprechen in diesem Fall dem vorläufigen Sollwert. Nun produziert man - beispielsweise
- einen Teil der flachen Walzgüter so, dass die Haspeltemperatur 610 °C beträgt. Einen
weiteren Teil der flachen Walzgüter produziert man so, dass die Haspeltemperatur 590
°C beträgt. Diese Vorgehensweise entspräche Offsets von +10 K und -10 K, die additiv
mit dem vorläufigen Sollwert verknüpft werden. Eine alternative Vorgehensweise bestünde
darin, je einen Teil der flachen Walzgüter so zu produzieren, dass die Haspeltemperatur
590 °C, 600 °C und 610 °C beträgt. Diese Vorgehensweise entspräche Offsets von +10
K, 0 K und -10 K, die additiv mit dem vorläufigen Sollwert verknüpft werden.
[0033] Wie bereits erwähnt, können die Betriebswerte während des Durchlaufs des jeweiligen
Walzguts durch den Abschnitt der Warmwalzstraße manchmal nachgeführt werden. Dadurch
entspricht der Istwert der Zustandsgröße exakt oder nur mit einer sehr geringen Streuung
dem Sollwert der Zustandsgröße. Die Betriebswerte variieren in diesem Fall jedoch,
bezogen auf einen bestimmten endgültigen Sollwert einer besonderen Zielgröße, mit
einer jeweiligen statistischen Streuung. Vorzugsweise werden in diesem Fall, bezogen
auf die jeweilige besondere Zielgröße, die Offsets derart gewählt, dass die Mittelwerte
des mindestens einen Betriebswertes für den jeweiligen endgültigen Sollwert dieser
Zielgröße um weniger als die Streuung, insbesondere um weniger als die Hälfte der
Streuung, von demjenigen Mittelwert des mindestens einen Betriebswertes abweichen,
der sich bei Verwendung des jeweiligen vorläufigen Sollwertes als endgültiger Sollwert
dieser besonderen Zielgröße ergibt.
[0034] Wenn die Betriebswerte für das jeweilige Walzgut beim Durchlaufen des Abschnitts
der Warmwalzstraße nicht nachgeführt werden, variiert im Gegenzug, bezogen auf eine
jeweilige besondere Zielgröße, der Istwert, der sich bei Verwendung des jeweiligen
vorläufigen Sollwertes als jeweiliger endgültiger Sollwert ergeben würde, mit einer
statistischen Streuung. Es ist daher alternativ ebenso möglich, dass der jeweilige
Offset für diese besondere Zielgröße kleiner als diese Streuung ist, insbesondere
kleiner als die Hälfte dieser Streuung.
[0035] In einem häufigen Anwendungsfall umfasst der Abschnitt der Warmwalzstraße eine Kühlstrecke
und ist eine der besonderen Zielgrößen die Haspeltemperatur des Walzguts ausgangsseitig
der Kühlstrecke oder mit der Haspeltemperatur des Walzguts ausgangsseitig der Kühlstrecke
korreliert. In diesem Fall kann durch mindestens einen der Betriebswerte insbesondere
die Anzahl an angesteuerten Ventilen der Kühlstrecke und/oder das Ausmaß der Ansteuerung
von Ventilen der Kühlstrecke beeinflusst werden.
[0036] Die besondere Zielgröße selbst kann, wie bereits erwähnt, die Haspeltemperatur ausgangsseitig
der Kühlstrecke sein. Ebenso ist es jedoch möglich, dass mindestens eine der besonderen
Zielgrößen eine mikroskopische oder eine makroskopische Materialeigenschaft des jeweiligen
Walzguts ist. In diesem Fall können durch die Betriebswerte beispielsweise direkt
die Haspeltemperatur oder die Anzahl an angesteuerten Ventilen der Kühlstrecke und/oder
das Ausmaß der Ansteuerung von Ventilen der Kühlstrecke beeinflusst werden. Eine mikroskopische
Materialeigenschaft kann beispielsweise die Gefügestruktur oder die Korngröße sein.
Eine makroskopische Materialeigenschaft kann beispielsweise die Zugfestigkeit, die
Streckgrenze oder die Bruchdehnung sein.
[0037] Die Aufgabe wird weiterhin durch ein Computerprogramm mit den Merkmalen des Anspruchs
7 gelöst. Erfindungsgemäß bewirkt die Abarbeitung des Computerprogramms durch die
Steuereinrichtung, dass die Steuereinrichtung ein erfindungsgemäßes Betriebsverfahren
ausführt.
[0038] Die Aufgabe wird weiterhin durch eine Steuereinrichtung eines Abschnitts einer Warmwalzstraße
zum Behandeln einer Vielzahl von Walzgütern mit den Merkmalen des Anspruchs 8 gelöst.
Erfindungsgemäß ist die Steuereinrichtung mit einem erfindungsgemäßen Computerprogramm
programmiert, so dass die Steuereinrichtung im Betrieb ein erfindungsgemäßes Betriebsverfahren
ausführt.
[0039] Die Aufgabe wird weiterhin durch einen Abschnitt einer Warmwalzstraße zum Behandeln
einer Vielzahl von Walzgütern mit den Merkmalen des Anspruchs 9 gelöst. Erfindungsgemäß
wird der Abschnitt der Warmwalzstraße von einer erfindungsgemäßen Steuereinrichtung
gesteuert.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0040] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung der Ausführungsbeispiele, die in Verbindung
mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Hierbei zeigen in schematischer Darstellung:
- FIG 1
- eine mögliche Ausgestaltung einer Warmwalzstraße von der Seite,
- FIG 2
- die Warmwalzstraße von FIG 1 von oben,
- FIG 3 und 4
- Ablaufdiagramme,
- FIG 5
- ein Temperaturdiagramm,
- FIG 6 bis 9
- Ablaufdiagramme und
- FIG 10 und 11
- Wahrscheinlichkeitsverteilungen.
Beschreibung der Ausführungsformen
[0041] Gemäß den FIG 1 und 2 ist eine Warmwalzstraße zum Behandeln von Walzgütern 1 aus
Metall ausgebildet. Meist bestehen die Walzgüter 1 aus Stahl. In manchen Fällen können
sie aber auch aus Aluminium oder aus einem anderen Metall bestehen. Die Walzgüter
1 sind, wie aus der Darstellung in den FIG 1 und 2 erkennbar ist, flache Walzgüter.
In der Regel sind die Walzgüter 1 Bänder. Es kann sich jedoch alternativ auch um Grobbleche
handeln.
[0042] Die Warmwalzstraße weist mindestens ein Walzgerüst 2 auf. Oftmals sind sogar mehrere
Walzgerüste 2 sequenziell hintereinander angeordnet. Die Walzgerüste 2 können beispielsweise
eine mehrgerüstige Fertigstraße bilden. In vielen Fällen ist weiterhin dem Walzgerüst
2 (bzw. im Falle von mehreren Walzgerüsten 2 dem letzten Walzgerüst 2) eine Kühlstrecke
nachgeordnet. Von den Walzgerüsten 2 sind in den FIG 1 und 2 nur die Arbeitswalzen
dargestellt. Oftmals weisen die Walzgerüste 2 zusätzlich Stützwalzen und gegebenenfalls
auch noch weitere Walzen auf. Die Kühlstrecke weist in der Regel mehrere Kühleinrichtungen
3 auf. Den Kühleinrichtungen 3 wird über Ventile 4 ein flüssiges Kühlmittel zugeführt.
Das Kühlmittel ist meist Wasser. In manchen Fällen handelt es sich auch um Wasser
mit gewissen Zusätzen. In den FIG 1 und 2 sind nur Kühleinrichtungen 3 oberhalb des
Walzguts 1 dargestellt. In der Regel sind jedoch sowohl oberhalb als auch unterhalb
des Walzguts 1 Kühleinrichtungen 3 vorhanden. In der Warmwalzstraße können die Walzgüter
1 in den Walzgerüsten 2 gewalzt und/oder mittels der Kühleinrichtungen 3 der Kühlstrecke
gekühlt werden. Sowohl das Walzen als auch das Kühlen entsprechen einer Behandlung
der Walzgüter 1.
[0043] In vielen Fällen weist die Warmwalzstraße weiterhin eine Haspeleinrichtung mit mindestens
einem Haspel 5 auf. Die Haspeleinrichtung ist in jedem Fall den Walzgerüsten 2 nachgeordnet.
Falls die Kühlstrecke vorhanden ist, ist die Haspeleinrichtung auch der Kühlstrecke
nachgeordnet. In diesem Fall ist also die Kühlstrecke zwischen den Walzgerüsten 2
und der Haspeleinrichtung angeordnet.
[0044] Die Warmwalzstraße kann weiterhin auch Einheiten aufweisen, die den Walzgerüsten
2 vorgeordnet sind. Ein Beispiel einer derartigen Einrichtung ist eine Entzunderungseinrichtung.
[0045] Die Warmwalzstraße weist damit mindestens einen Abschnitt auf. Es ist möglich, dass
die Walzgerüste 2 bzw. die Fertigstraße zusammen mit der Kühlstrecke und/oder mindestens
einer vorgeordneten Einrichtung als Abschnitt der Warmwalzstraße betrachtet werden.
Alternativ ist es möglich, nur die Walzgerüste 2 bzw. die Fertigstraße als Abschnitt
der Warmwalzstraße anzusehen. Ebenso ist es möglich, nur die Kühlstrecke oder nur
die vorgeordnete Einrichtung als Abschnitt der Warmwalzstraße anzusehen. Nachstehend
wird die Kühlstrecke als Abschnitt der Warmwalzstraße betrachtet. Dies ist jedoch
nicht zwingend erforderlich.
[0046] Der Abschnitt der Warmwalzstraße wird von einer Steuereinrichtung 6 gesteuert. Die
Steuereinrichtung 6 steuert im vorliegenden Fall insbesondere die Ventile 4 der Kühleinrichtungen
3. Alternativ oder zusätzlich kann die Steuereinrichtung 6 auch mindestens eine Pumpe
(nicht dargestellt) ansteuern, mittels derer der Arbeitsdruck und/oder der Kühlmittelstrom
eingestellt werden. Gegebenenfalls kann die Steuereinrichtung 6 auch weitere Teile
der Warmwalzstraße steuern wie beispielsweise die Walzgerüste 2 und den Haspel 5 bzw.
die Haspel 5. Die Steuereinrichtung 6 ist mit einem Computerprogramm 7 programmiert.
Das Computerprogramm 7 umfasst Maschinencode 8, der von der Steuereinrichtung 6 abgearbeitet
werden kann. Das Abarbeiten des Maschinencodes 8 durch die Steuereinrichtung 6 bewirkt,
dass die Steuereinrichtung 6 den Abschnitt der Warmwalzstraße gemäß einem Betriebsverfahren
steuert, das nachstehend näher erläutert wird.
[0047] In dem Abschnitt der Warmwalzstraße werden die flachen Walzgüter 1 einzeln nacheinander
behandelt. Soweit es die unmittelbare Steuerung des Abschnitts der Warmwalzstraße
betrifft, wird diese Steuerung somit jeweils individuell für ein einzelnes flaches
Walzgut 1 ausgeführt. Diese Steuerung wird nachstehend in Verbindung mit FIG 3 für
ein einzelnes flaches Walzgut 1 erläutert.
[0048] Gemäß FIG 3 nimmt die Steuereinrichtung 6 in einem Schritt S1 für ein jeweiliges
flaches Walzgut 1 dessen Primärdaten PD entgegen. Die Primärdaten PD beschreiben das
jeweilige Walzgut 1 vor dem Zuführen zu dem Abschnitt der Warmwalzstraße. In dem gegebenen
Beispiel (Abschnitt der Warmwalzstraße = Kühlstrecke) können die Primärdaten PD beispielsweise
die chemische Zusammensetzung des flachen Walzguts 1, dessen Endwalztemperatur T1,
dessen Dicke, dessen Breite und die Endwalzgeschwindigkeit v umfassen. Die Primärdaten
PD beantworten also die Frage, welches Material in dem Abschnitt der Warmwalzstraße
behandelt werden soll und/oder welchen Zustand das Walzgut 1 beim Zuführen zu dem
Abschnitt der Warmwalzstraße aufweist. Die Endwalztemperatur T1 kann beispielsweise
instantan mittels eines entsprechenden Temperaturmessplatzes 9 (siehe die FIG 1 und
2) erfasst werden.
[0049] In einem Schritt S2 nimmt die Steuereinrichtung 6 für das Walzgut 1 vorläufige Sollwerte
Z* für Zielgrößen entgegen. Die vorläufigen Sollwerte Z* der Zielgrößen beschreiben
Eigenschaften des jeweiligen Walzguts 1, die dieses nach dem Durchlaufen des Abschnitts
der Warmwalzstraße aufweisen soll. Diese Eigenschaften werden also angestrebt. Die
Zielgrößen bzw. deren vorläufige Sollwerte Z* beantworten also die Frage, welche Eigenschaften
das Walzgut 1 nach dem Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße aufweisen soll
und/oder welchen Zustand das jeweilige Walzgut 1 dann aufweisen soll. Die Zielgrößen
können beispielsweise makroskopische oder mikroskopische Materialeigenschaften des
flachen Walzguts 1 sein. Eine makroskopische Materialeigenschaft kann beispielsweise
die Zugfestigkeit, die Streckgrenze oder die Bruchdehnung sein. Eine mikroskopische
Materialeigenschaft kann beispielsweise die Gefügestruktur oder die Korngröße sein.
Es kann auch ein Sollwert T2* für die Haspeltemperatur T2, welche das flache Walzgut
1 hinter der Kühlstrecke aufweisen soll, vorgegeben werden. In diesem Fall ist die
Haspeltemperatur T2 eine Zielgröße.
[0050] Mindestens eine der Zielgrößen ist eine besondere Zielgröße. Es ist denkbar, dass
die Steuereinrichtung 6 selbst bestimmt, welche der Zielgrößen besondere Zielgrößen
sind. In der Regel wird der Steuereinrichtung 6 jedoch vorgegeben, welche der Zielgrößen
besondere Zielgrößen sind. Die Vorgabe kann beispielsweise im Rahmen des Computerprogramms
7 oder durch eine Bedienperson (nicht dargestellt) erfolgen.
[0051] Für die besonderen Zielgrößen verändert die Steuereinrichtung 6 in einem Schritt
S3 den jeweiligen vorläufigen Sollwert Z* um einen Offset δZ und ermittelt so einen
jeweiligen endgültigen Sollwert Z'*. Der endgültige Sollwert Z'* für die jeweilige
besondere Zielgröße ergibt sich somit zu Z'* = Z*+δZ.
[0052] Es ist möglich, dass die Steuereinrichtung 6 den jeweiligen Offset δZ selbst bestimmt.
In diesem Fall ist der Steuereinrichtung 6 - beispielsweise im Rahmen des Computerprogramms
7 oder durch die Bedienperson - jedoch in der Regel ein Rahmen vorgegeben, innerhalb
dessen die Steuereinrichtung 6 den jeweiligen Offset δZ selbst bestimmt. Beispielsweise
kann der Steuereinrichtung 6 ein maximaler Betrag des Offsets δZ vorgegeben sein,
innerhalb dessen die Steuereinrichtung 6 zufällig einen Wert festlegt. Auch ist es
möglich, dass der Steuereinrichtung 6 mehrere konkrete mögliche Werte für den Offset
δZ vorgegeben sind und die Steuereinrichtung 6 einen dieser Werte auswählt. Auch ist
es möglich, dass der jeweilige Offset δZ der Steuereinrichtung 6 von der Bedienperson
vorgegeben wird. Unabhängig von der Art der Festlegung des Offsets δZ ist der Offset
δZ jedoch unabhängig von den Primärdaten PD und auch unabhängig von den anderen Zielgrößen
bestimmt.
[0053] Für die anderen Zielgrößen - also diejenigen Zielgrößen, die keine besonderen Zielgrößen
sind - übernimmt die Steuereinrichtung 6 in einem Schritt S4 direkt den jeweiligen
vorläufigen Sollwert Z* als jeweiligen endgültigen Sollwert Z'*.
[0054] Für diese Zielgrößen - nachfolgend als normale Zielgrößen bezeichnet - gilt also
Z'* = Z*.
[0055] Sodann ermittelt die Steuereinrichtung 6 in einem Schritt S5 Betriebswerte A des
Abschnitts der Warmwalzstraße. Die Ermittlung erfolgt derart, dass das jeweilige Walzgut
1 nach dem Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße die endgültigen Sollwerte
Z'* der Zielgrößen so gut wie möglich erreicht. Die Betriebswerte A geben also an,
wie der Abschnitt der Warmwalzstraße angesteuert werden muss, um für das Walzgut 1
bei gegebenen Primärdaten PD die endgültigen Sollwerte Z'* der Zielgrößen zu erreichen.
Zumindest wird dies erwartet. Beispielsweise kann die Steuereinrichtung 6 die Primärdaten
PD und die endgültigen Sollwerte Z* der Zielgrößen entsprechend der Darstellung in
FIG 1 einem Modell 10 des Abschnitts der Warmwalzstraße zuführen. In diesem Fall erfolgt
die Ermittlung der Betriebswerte A mittels des Modells 10. Das Modell 10 ist, sofern
es vorhanden ist, insbesondere aufgrund der Abarbeitung des Maschinencodes 8 innerhalb
der Steuereinrichtung 6 implementiert.
[0056] In einem Schritt S6 steuert die Steuereinrichtung 6 den Abschnitt der Warmwalzstraße.
Diese Steuerung erfolgt beim Behandeln des entsprechenden flachen Walzguts 1, also
insbesondere während des Durchlaufs des jeweiligen Walzguts 1 durch den Abschnitt
der Warmwalzstraße. Die Steuereinrichtung 6 betreibt den Abschnitt der Warmwalzstraße
im Rahmen des Schrittes S6 entsprechend den ermittelten Betriebswerten A. Sie steuert
somit die Stellglieder des Abschnitts der Warmwalzstraße - beispielsweise die Ventile
4 der Kühleinrichtungen 3 - entsprechend den ermittelten Betriebswerten A an.
[0057] Zustände, die das Walzgut 1 nach dem Behandeln in dem Abschnitt der Warmwalzstraße
aufweist, können alternativ Zielgrößen oder Betriebswerte A sein. Diese beiden Sachverhalte
schließen sich aber gegenseitig aus. Ein Zustand, den das Walzgut 1 nach dem Behandeln
in dem Abschnitt der Warmwalzstraße aufweist, kann also nicht gleichzeitig eine Zielgröße
und ein Betriebswert A sein. Beispielsweise kann die Haspeltemperatur T2 alternativ
eine Zielgröße oder ein Betriebswert A sein. Wenn die Haspeltemperatur T2 einer der
Betriebswerte A ist, handelt es sich bei den Zielgrößen in der Regel um mechanische
Eigenschaften des Walzguts 1, die das Walzgut 1 nach der Behandlung in dem Abschnitt
der Warmwalzstraße aufweisen soll.
[0058] Im übrigen können die Betriebswerte A nach Bedarf bestimmt sein. Es kann sich insbesondere
um Werte handeln, die direkt mit Stellgrößen für die Stellglieder der Warmwalzstraße
korrespondieren. Beispielsweise kann es sich bei einer der Stellgrößen um die Anzahl
an Ventilen 4 handeln, die geöffnet werden, so dass die entsprechenden Kühleinrichtungen
3 das flache Walzgut 1 mit dem Kühlmittel beaufschlagen. Alternativ oder zusätzlich
kann es sich - hierzu ähnlich, aber nicht völlig identisch - um das Ausmaß handeln,
in dem die Ventile 4 geöffnet werden.
[0059] Nach dem Behandeln des Walzguts 1 geht die Steuereinrichtung 6 zum Schritt S1 zurück.
Die Schritte S1 bis S6 werden also iterativ immer wieder für ein neues Walzgut 1 durchgeführt.
Wichtig ist hierbei, dass - bezogen auf die jeweilige besondere Zielgröße - der Offset
δZ, der bei der jeweiligen Ausführung des Schrittes S3 verwendet wird, nicht stets
derselbe ist. Über die Gesamtheit von Walzgütern 1 gesehen weist der Offset δZ für
eine bestimmte besondere Zielgröße also mehrere verschiedene Werte auf. Dies gilt
für jede besondere Zielgröße.
[0060] Im einfachsten Fall weist der Offset δZ stets einen von zwei Werten auf, wobei die
beiden Werte betragsmäßig gleich sind. Wenn beispielsweise eine Zielgröße die Haspeltemperatur
T2 ist, kann der vorläufige Sollwert T2* für die Haspeltemperatur T2 bei manchen der
flachen Walzgüter 1 um ein bestimmtes Ausmaß - beispielsweise 5 K oder 10 K - vergrößert
und bei anderen der flachen Walzgüter 1 um das gleiche Ausmaß verkleinert werden.
In einem weiteren einfachen Fall weist der Offset δZ stets einen von drei Werten auf,
wobei einer der Werte 0 ist und die beiden anderen Werte von 0 verschieden und betragsmäßig
gleich sind. Analog zum vorhergehenden Beispiel kann der vorläufige Sollwert T2* für
die Haspeltemperatur T2 bei manchen der flachen Walzgüter 1 unverändert beibehalten
werden, bei anderen der flachen Walzgüter 1 um ein bestimmtes Ausmaß - beispielsweise
5 K oder 10 K - vergrößert und bei wieder anderen der flachen Walzgüter 1 um das gleiche
Ausmaß verkleinert werden. In einem weiteren einfachen Fall weist der Offset δZ stets
einen von zwei Werten auf, wobei einer der Werte 0 ist und der andere Wert von 0 verschieden
ist. Selbstverständlich sind auch andere Werte für den Offset δZ möglich. Beispielsweise
kann der Offset δZ mittels eines Zufallsgenerators ermittelt werden.
[0061] Nachstehend werden in Verbindung mit FIG 4 der Sinn und Zweck der erfindungsgemäßen
Betriebsweise des Abschnitts der Warmwalzstraße erläutert. Hierbei wird - rein beispielhaft
- angenommen, dass in einer hinreichenden Anzahl von Fällen stets das gleiche Walzgut
1 behandelt wurde und dass die vorläufigen Sollwerte Z* der Zielgrößen stets die gleichen
waren. Es wird also angenommen, dass die Primärdaten PD und die vorläufigen Sollwerte
Z*, die der Steuereinrichtung 6 bei der jeweiligen Ausführung der Schritte S1 und
S2 vorgegeben wurden, stets die gleichen waren. Diese Annahmen dienen jedoch nur der
besseren Erläuterung der vorliegenden Erfindung und sind für den tatsächlichen Betrieb
des Abschnitts der Warmwalzstraße nicht erforderlich. Weiterhin kann die Vorgehensweise
von FIG 4 von der Steuereinrichtung 6 ausgeführt werden. Sie kann aber alternativ
auch von einer separaten Recheneinrichtung ausgeführt werden. Nachfolgend wird angenommen,
dass die Vorgehensweise von FIG 4 von einer separaten Recheneinrichtung ausgeführt
wird. Weiterhin wird nur auf eine einzige besondere Zielgröße und nur einen einzigen
Betriebswert A eingegangen. Die Vorgehensweise von FIG 4 ist jedoch ohne weiteres
auch bei mehreren besonderen Zielgrößen und mehreren Betriebswerten A anwendbar.
[0062] Gemäß FIG 4 werden der Recheneinrichtung 4 in einem Schritt S11 für die behandelten
Walzgüter 1 jeweils ein Wertepaar bekannt. Der eine Wert des jeweiligen Wertepaares
ist der jeweilige endgültige Sollwert Z'* der besonderen Zielgröße. Der andere Wert
des jeweiligen Wertepaares ist der zugehörige Betriebswert A, entsprechend dem der
Abschnitt der Walzstraße beim Behandeln des jeweiligen Walzguts 1 betrieben wurde.
[0063] Gemäß FIG 4 selektiert die Recheneinrichtung in einem Schritt S12 einen der endgültigen
Sollwerte Z'* der besonderen Zielgröße. In einem Schritt S13 selektiert die Recheneinrichtung
diejenigen Wertepaare, deren endgültiger Sollwert mit dem im Schritt S12 selektierten
endgültigen Sollwert Z'* übereinstimmt. In einem Schritt S14 ermittelt die Recheneinrichtung
den Mittelwert AM der Betriebswerte A der im Schritt S13 selektierten Wertepaare.
Sie ermittelt also den Mittelwert AM zu

wobei n die Anzahl an Wertepaaren ist, die im Schritt S13 selektiert wurde.
[0064] In einem Schritt S15 prüft die Recheneinrichtung, ob sie die Schritte S12 bis S14
bereits für alle endgültigen Sollwerte Z'* der besonderen Zielgröße ausgeführt hat.
Wenn dies nicht der Fall ist, geht die Recheneinrichtung zum Schritt S12 zurück. Bei
der erneuten Ausführung des Schrittes S12 selektiert die Recheneinrichtung einen neuen
endgültigen Sollwert Z'* der besonderen Zielgröße, den sie im Rahmen der Vorgehensweise
von FIG 4 bisher noch nicht selektiert hat. Anderenfalls geht die Recheneinrichtung
zu einem Schritt S16 über. Im Schritt S16 ermittelt die Recheneinrichtung anhand der
ermittelten Mittelwerte AM und den jeweils zugehörigen Sollwerten Z'* der besonderen
Zielgröße eine Sensitivität S der besonderen Zielgröße von der Betriebsgröße. Beispielsweise
kann die Recheneinrichtung entsprechend der Darstellung in FIG 5 im Rahmen des Schrittes
S16 eine lineare Regression durchführen und die Steigung der sich ergebenden Geraden
als Sensitivität S ermitteln.
[0065] FIG 6 zeigt eine Alternative zur Vorgehensweise von FIG 4.
[0066] Gemäß FIG 6 werden der Recheneinrichtung in einem Schritt S21 Wertegruppen bekannt.
Der Schritt S21 korrespondiert im Kern mit dem Schritt S11 von FIG 4. Er unterscheidet
sich vom Schritt S11 jedoch dadurch, dass der Recheneinrichtung im Schritt S21 alternativ
oder zusätzlich zu den endgültigen Sollwerten Z'* (auch) die Istwerte Z der besonderen
Zielgröße bekannt werden. Die Istwerte Z können beispielsweise im Falle von Materialeigenschaften
der flachen Walzgüter 1 durch Beprobungen ermittelt und der Recheneinrichtung zugeführt
werden. Im Falle einer Zustandsgröße (beispielsweise der Haspeltemperatur T2) können
sie oftmals direkt durch Messung ermittelt und an die Recheneinrichtung übermittelt
werden.
[0067] In einem Schritt S22 selektiert die Recheneinrichtung einen der endgültigen Sollwerte
Z'* der besonderen Zielgröße (sofern bekannt) oder einen bestimmten, meist relativ
kleinen Wertebereich für den Istwert Z. Der Schritt S22 korrespondiert im Kern mit
dem Schritt S2 von FIG 4.
[0068] In einem Schritt S23 selektiert die Recheneinrichtung diejenigen Wertepaare, deren
endgültiger Sollwert mit dem im Schritt S22 selektierten endgültigen Sollwert Z'*
übereinstimmt bzw. deren Istwert in dem selektierten Wertebereich liegt. Der Schritt
S23 korrespondiert im Kern mit dem Schritt S13 von FIG 4.
[0069] In einem Schritt S24 ermittelt die Recheneinrichtung den Mittelwert AM der Betriebswerte
A der im Schritt S23 selektierten Wertepaare. Sie ermittelt also den Mittelwert AM
zu

wobei n die Anzahl an Wertepaaren ist, die im Schritt S13 selektiert wurde. Der Schritt
S24 korrespondiert mit dem Schritt S14 von FIG 4.
[0070] In einem Schritt S25 ermittelt die Recheneinrichtung analog zur Vorgehensweise im
Schritt S24 für die im Schritt S22 selektierten Wertepaare den Mittelwert ZM der Istwerte
Z der besonderen Zielgröße. Sie ermittelt also den Mittelwert ZM zu

wobei n wie zuvor die Anzahl an Wertepaaren ist, die im Schritt S22 selektiert wurde.
[0071] In einem Schritt S26 prüft die Recheneinrichtung, ob sie die Schritte S22 bis S25
bereits für alle endgültigen Sollwerte Z'* der besonderen Zielgröße bzw. alle Wertebereiche
des zugehörigen Istwertes Z ausgeführt hat. Wenn dies nicht der Fall ist, geht die
Recheneinrichtung zum Schritt S22 zurück. Bei der erneuten Ausführung des Schrittes
S22 selektiert die Recheneinrichtung einen neuen endgültigen Sollwert Z'* der besonderen
Zielgröße, den sie im Rahmen der Vorgehensweise von FIG 6 bisher noch nicht selektiert
hat, oder einen anderen Wertebereich der Istgröße Z, den sie im Rahmen der Vorgehensweise
von FIG 6 bisher noch nicht selektiert hat. Anderenfalls geht die Recheneinrichtung
zu einem Schritt S27 über. Der Schritt S26 korrespondiert im Kern mit dem Schritt
S15 von FIG 4.
[0072] In einem Schritt S27 ermittelt die Recheneinrichtung anhand der ermittelten Mittelwerte
AM der nachgeführten Ansteuerwerte A0 und der jeweils zugehörigen Mittelwerte ZM der
Istwerte Z der besonderen Zielgröße die Sensitivität S der besonderen Zielgröße von
der Betriebsgröße. Beispielsweise kann die Recheneinrichtung im Schritt S27 analog
zum Schritt S16 eine lineare Regression durchführen und die Steigung der sich ergebenden
Geraden als Sensitivität S ermitteln.
[0073] Die Sensitivität S der besonderen Zielgröße von der Betriebsgröße wird also ermittelt
anhand der Sollwerte oder der Mittelwerte der Istwerte der besonderen Zielgröße und
der Mittelwerte der Sollwerte oder Istwerte der Betriebswerte A.
[0074] Die Vorgehensweise gemäß FIG 4 bietet sich insbesondere dann an, wenn der Istwert
Z der besonderen Zielgröße bereits während des Durchlaufs des jeweiligen Walzguts
1 durch den Abschnitt der Warmwalzstraße erfasst und auf den endgültigen Sollwert
Z'* geregelt werden kann oder aus anderen Gründen gewährleistet ist, dass der Istwert
Z vom korrespondierenden endgültigen Sollwert Z'* nicht oder nur sehr geringfügig
abweicht. Bei einer Kühlstrecke ist dies typischerweise der Fall, wenn die besondere
Zielgröße die Haspeltemperatur T2 ist. Die Vorgehensweise von FIG 6 kann stets ergriffen
werden. Sie muss ergriffen werden, wenn der Istwert Z der besonderen Zielgröße während
des Durchlaufs des jeweiligen Walzguts 1 durch den Abschnitt der Warmwalzstraße nicht
nachgeregelt werden kann oder aus anderen Gründen die Gefahr besteht, dass der Istwert
Z vom korrespondierenden endgültigen Sollwert Z'* deutlich abweicht. Sofern möglich,
ist die Vorgehensweise von FIG 4 aber bevorzugt, da sie mit geringerem Aufwand durchführbar
ist.
[0075] In Fällen, in denen die Zielgrößen ihrerseits wiederum anhand von übergeordneten
Größen ermittelt werden, können weiterhin auch die Sensitivitäten S der übergeordneten
Größen von den Betriebsgrößen ermittelt werden. Hierzu ein Beispiel: Übergeordnete
Größe ist eine mechanische Eigenschaft des Walzguts 1, beispielsweise die Zugfestigkeit.
Anhand der Zugfestigkeit wird der Sollwert T2* für die Haspeltemperatur T2 ermittelt.
Die Haspeltemperatur T2 ist die Zielgröße, so dass auf deren Sollwert der Offset addiert
wird. Stellgröße ist die Ansteuerung der Ventile 4. In diesem Fall kann - alternativ
oder zusätzlich zur Ermittlung der Sensitivität der Haspeltemperatur T2 von der Ansteuerung
der Ventile 4 - auch die Sensitivität der mechanischen Eigenschaft des Walzguts 1
von der Ansteuerung der Ventile 4 ermittelt werden.
[0076] Nachfolgend werden in Verbindung mit den FIG 7 und 8 mögliche Ausgestaltungen der
erfindungsgemäßen Vorgehensweise (siehe die FIG 1 bis 3) erläutert. Diese Vorgehensweisen
bauen auf der obenstehend erläuterten Ausgestaltung auf, dass der Abschnitt der Warmwalzstraße
eine Kühlstrecke umfasst.
[0077] FIG 7 umfasst Schritte S31 bis S36. Im Schritt S31 nimmt die Steuereinrichtung 6
- analog zum Schritt S1 von FIG 3 - für ein jeweiliges flaches Walzgut 1 dessen Primärdaten
PD entgegen. Im Schritt S32 nimmt die Steuereinrichtung 6 - analog zum Schritt S2
von FIG 3 - für das Walzgut 1 vorläufige Sollwerte Z* für Zielgrößen entgegen. Im
Rahmen des Schrittes S32 nimmt die Steuereinrichtung 6 als einen der vorläufigen Sollwerte
Z* einen Sollwert T2* für die Haspeltemperatur T2 entgegen. Im Rahmen der Ausgestaltung
gemäß FIG 7 ist also die Haspeltemperatur T2 eine Zielgröße. Weiterhin ist die Haspeltemperatur
T2 im Rahmen der Ausgestaltung von FIG 7 die besondere Zielgröße, so dass im Schritt
S33 der Offset δZ als Temperaturoffset δT zu dem vorläufigen Sollwert T2* addiert
wird und so ein endgültiger Sollwert T2* für die Haspeltemperatur T2 ermittelt wird.
Für die normalen Zielgrößen übernimmt die Steuereinrichtung 6 im Schritt S34 - analog
zum Schritt S4 von FIG 3 - direkt den jeweiligen vorläufigen Sollwert Z* als jeweiligen
endgültigen Sollwert Z'*. Die Ermittlung der Betriebswerte A des Abschnitts der Warmwalzstraße
durch die Steuereinrichtung 6 erfolgt im Schritt S35 analog zum Schritt S5 von FIG
3. Die Ermittlung der Betriebswerte A erfolgt jedoch in Abhängigkeit vom endgültigen
Temperatursollwert T2*. Im Schritt S36 steuert die Steuereinrichtung 6 den Abschnitt
der Warmwalzstraße beim Behandeln des entsprechenden flachen Walzguts 1 entsprechend
den ermittelten Betriebswerten A. Hierbei wird durch mindestens einen der Betriebswerte
A die Anzahl an angesteuerten Ventilen 4 der Kühlstrecke und/oder das Ausmaß der Ansteuerung
von Ventilen 4 der Kühlstrecke bzw. allgemein das Ausmaß an Kühlung beeinflusst.
[0078] FIG 8 umfasst Schritte S41 bis S46. Im Schritt S41 nimmt die Steuereinrichtung 6
- analog zum Schritt S1 von FIG 3 - für ein jeweiliges flaches Walzgut 1 dessen Primärdaten
PD entgegen. Im Schritt S42 nimmt die Steuereinrichtung 6 - analog zum Schritt S2
von FIG 3 - für das Walzgut 1 vorläufige Sollwerte Z* für Zielgrößen entgegen. Im
Schritt S43 verändert die Steuereinrichtung 6 - analog zum Schritt S3 von FIG 3 -
für die besonderen Zielgrößen den jeweiligen vorläufigen Sollwert Z* um einen Offset
δZ und ermittelt so einen jeweiligen endgültigen Sollwert Z'*. Weiterhin ist im Rahmen
der Ausgestaltung von FIG 8 die Haspeltemperatur T2 zwar nicht direkt eine besondere
Zielgröße, sie ist aber mit einer der besonderen Zielgrößen korreliert. Daher ermittelt
die Steuereinrichtung 6 im Schritt S43 nach dem Ermitteln des endgültigen Sollwertes
Z'* für diese besondere Zielgröße unter Verwertung von deren endgültigen Sollwert
Z'* den Sollwert T2* für die Haspeltemperatur T2. Für die normalen Zielgrößen übernimmt
die Steuereinrichtung 6 im Schritt S44 - analog zum Schritt S4 von FIG 3 - direkt
den jeweiligen vorläufigen Sollwert Z* als jeweiligen endgültigen Sollwert Z'*. Sodann
ermittelt die Steuereinrichtung 6 im Schritt S45 Betriebswerte A des Abschnitts der
Warmwalzstraße. Die Ermittlung erfolgt derart, dass das jeweilige Walzgut 1 nach dem
Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße unter anderem den im Schritt S43 ermittelten
Sollwert T2* für die Haspeltemperatur T2 so gut wie möglich erreicht. Im Schritt S46
steuert die Steuereinrichtung 6 den Abschnitt der Warmwalzstraße beim Behandeln des
entsprechenden flachen Walzguts 1 entsprechend den ermittelten Betriebswerten A. Hierbei
wird durch mindestens einen der Betriebswerte A die Anzahl an angesteuerten Ventilen
4 der Kühlstrecke und/oder das Ausmaß der Ansteuerung von Ventilen 4 der Kühlstrecke
bzw. allgemein das Ausmaß an Kühlung beeinflusst. Die Vorgehensweise gemäß FIG 8 baut
also darauf auf, dass die besondere Zielgröße nicht direkt die Haspeltemperatur T2
ist. Die besondere Zielgröße kann in diesem Fall insbesondere eine mikromechanische
oder eine makromechanische Eigenschaft des Walzguts 1 sein, beispielsweise die Zugfestigkeit
oder die Dehngrenze.
[0079] Nachfolgend wird in Verbindung mit FIG 9 eine weitere mögliche Ausgestaltung der
erfindungsgemäßen Vorgehensweise (siehe die FIG 1 bis 3) erläutert. Diese Vorgehensweise
baut vorzugsweise ebenfalls auf der obenstehend erläuterten Ausgestaltung auf, dass
der Abschnitt der Warmwalzstraße eine Kühlstrecke umfasst. Sie ist jedoch nicht zwingend
an eine Kühlstrecke gekoppelt, auch wenn die Ausgestaltung gemäß FIG 9 nachstehend
in Verbindung mit einer Kühlstrecke erläutert wird. Falls der Abschnitt der Warmwalzstraße
eine Kühlstrecke umfasst, kann die Vorgehensweise von FIG 9 mit den Ausgestaltungen
der FIG 7 und 8 kombiniert sein.
[0080] FIG 9 zeigt eine mögliche Ausgestaltung des Schrittes S6 von FIG 3. Im Rahmen der
Ausgestaltung gemäß FIG 9 wird vorausgesetzt, dass bereits während des Durchlaufs
des jeweiligen flachen Walzguts 1 durch den Abschnitt der Warmwalzstraße ein Istwert
einer Zustandsgröße des Walzguts 1 erfasst und der Steuereinrichtung 6 zugeführt wird.
Beispielsweise kann im Falle einer Kühlstrecke ausgangsseitig der Kühlstrecke ein
weiterer Temperaturmessplatz 11 angeordnet sein, mittels dessen die Haspeltemperatur
T2 (also deren Istwert) erfasst wird.
[0081] Gemäß FIG 9 steuert die Steuereinrichtung 6 in einem Schritt S51 zunächst den Abschnitt
der Warmwalzstraße an. Diese Ansteuerung erfolgt mit den aktuellen Betriebswerten
A. Die aktuellen Betriebswerte A entsprechen bei der erstmaligen Ausführung des Schrittes
S51 den im Schritt S5 von FIG 3 ermittelten Betriebswerten A an.
[0082] In einem Schritt S52 nimmt die Steuereinrichtung 6 den erfassten Istwert der Zustandsgröße
(beispielsweise die erfasste Haspeltemperatur T2) entgegen. Die Zustandsgröße kann
- siehe rein beispielhaft die Ausführungen zu FIG 7 - eine der besonderen Zielgrößen
sein. In diesem Fall stimmt somit der korrespondierende Sollwert T2* der Zustandsgröße
T2 mit dem endgültigen Sollwert Z'* dieser besonderen Zielgröße überein.
[0083] Alternativ kann die erfasste Zustandsgröße - siehe rein beispielhaft die Ausführungen
zu FIG 8 - mit einer der der besonderen Zielgrößen korreliert sein. In diesem Fall
ist der Sollwert T2* der Zustandsgröße T2 durch den endgültigen Sollwert Z'* dieser
besonderen Zielgröße bestimmt.
[0084] Unabhängig davon, ob der eine oder der andere Sachverhalt vorliegt, vergleicht die
Steuereinrichtung 6 in einem Schritt S53 den Istwert T2 der Zustandsgröße mit dem
zugehörigen Sollwert T2*. Im Falle einer Abweichung geht die Steuereinrichtung 6 zu
einem Schritt S54 über. Im Schritt S54 führt die Steuereinrichtung 6 mindestens einen
Betriebswert A nach. Mit dem nachgeführten Betriebswert A wird die Zustandsgröße T2
beeinflusst. Das Nachführen erfolgt, um die Abweichung des Istwertes T2 der Zustandsgröße
von dem zugehörigen Sollwert T2* zu kompensieren.
[0085] Sodann prüft die Steuereinrichtung 6 in einem Schritt S55, ob das Behandeln des Walzguts
1 in dem Abschnitt der Warmwalzstraße beendet ist. Wenn dies nicht der Fall ist, geht
die Steuereinrichtung 6 zum Schritt S51 zurück. Bei der erneuten Ausführung des Schrittes
S51 verwendet die Steuereinrichtung 6 jedoch die nunmehr aktuellen Betriebswerte A,
also so, wie sie sich nach einer etwaigen Nachführung im Schritt S54 ergeben haben.
Wenn das Behandeln des Walzguts 1 in dem Abschnitt der Warmwalzstraße beendet ist,
ist auch die Vorgehensweise von FIG 9 beendet. Die Steuereinrichtung 6 geht somit
zum Schritt S1 (siehe FIG 3) zurück.
[0086] Im Rahmen der Vorgehensweise gemäß FIG 9 wird das jeweilige flache Walzgut 1 gedanklich
in eine Vielzahl von Abschnitten unterteilt, die sequenziell aufeinanderfolgen. Wenn
für einen bestimmten Abschnitt des Walzguts 1 die Zustandsgröße erfasst wird, kann
dieser Abschnitt des Walzguts 1 mittels des Abschnitts der Warmwalzstraße nicht mehr
beeinflusst werden. Mittels des Abschnitts der Warmwalzstraße können jedoch nachfolgende
Abschnitte des flachen Walzguts 1 beeinflusst werden, deren Zustandsgröße zu einem
späteren Zeitpunkt erfasst wird. Die Regelung der Zustandsgröße ist damit mit einer
gewissen Totzeit behaftet. Dies ist jedoch unproblematisch und beschränkt lediglich
die Dynamik der Regelung, nicht aber deren Prinzip. Der entsprechende Sachverhalt
ist Fachleuten allgemein bekannt und vertraut.
[0087] Wie bereits erwähnt, ist der Offset δZ frei wählbar, solange sein Absolutwert unterhalb
einer gewissen Schranke bleibt. Nachfolgend werden in Verbindung mit den FIG 10 und
11 Möglichkeiten erläutert, den Offset δZ bzw. einen Maximalwert für den Betrag des
Offsets δZ sinnvoll zu bestimmen.
[0088] Im Rahmen von FIG 10 werden drei Annahmen getroffen. Zum ersten wird angenommen,
dass die behandelten Walzgüter 1 einheitlich sind. Zum zweiten wird angenommen, dass
der vorläufige Sollwert Z* der besonderen Zielgröße direkt als endgültiger Sollwert
Z'* der besonderen Zielgröße verwendet wird, dass also der Schritt S3 von FIG 3 entfällt
und für alle Zielgrößen der Schritt S4 durchgeführt wird. Zum dritten wird angenommen,
dass die Betriebswerte A nicht nachgeführt werden, dass also insbesondere die Vorgehensweise
von FIG 9 nicht realisiert ist.
[0089] Im Falle der oben genannten Annahmen sind die Betriebswerte A von Walzgut 1 zu Walzgut
1 stets dieselben. Denn die Betriebswerte A werden nach ihrer Ermittlung im Schritt
S5 nicht mehr geändert. Der Istwert Z der besonderen Zielgröße - beispielsweise die
Haspeltemperatur T2 - variiert jedoch in diesem Fall von Walzgut 1 zu Walzgut 1. Als
Grund der Streuung kann eine externe Störung angenommen werden. Die Ursache für die
Störung kann bekannt sein, muss aber nicht bekannt sein.
[0090] Die Streuung des Istwertes Z der besonderen Zielgröße weist eine Standardabweichung
σ um den Mittelwert ZM des Istwertes Z der besonderen Zielgröße auf. Die Standardabweichung
σ wird oftmals auch als Varianz bezeichnet. Die Standardabweichung σ ist dadurch definiert,
dass sie einen symmetrischen Bereich um den Mittelwert ZM abdeckt. In dem Bereich
mit dem Einfachen der Standardabweichung σ (also in dem Bereich, der sich von dem
Mittelwert ZM des Istwertes Z der besonderen Zielgröße abzüglich der Standardabweichung
σ bis zum Mittelwert ZM des Istwertes Z der besonderen Zielgröße zuzüglich der Standardabweichung
σ erstreckt) liegen bei einer Normalverteilung rund 2/3 aller Messwerte (genauer:
68,27 %). In dem Bereich mit dem Doppelten der Standardabweichung σ liegen bei einer
Normalverteilung rund 95 % aller Messwerte (genauer: 95,45 %). In dem Bereich mit
dem Dreifachen der Standardabweichung σ liegen bei einer Normalverteilung fast alle
Messwerte (genauer: 99,73 %).
[0091] Der Offset δZ kann entsprechend der Darstellung in FIG 10 beispielsweise derart bestimmt
werden, dass sein Betrag kleiner als die Standardabweichung σ ist. Dadurch weichen
die verschiedenen endgültigen Sollwerte Z'* der besonderen Zielgröße um weniger als
die Streuung (genauer: um weniger als die Standardabweichung σ) von dem korrespondierenden
vorläufigen Sollwert Z* ab. Noch besser ist es natürlich, wenn der Betrag des Offsets
δZ einen noch kleineren Wert aufweist, insbesondere um weniger als die Hälfte der
Streuung von dem korrespondierenden vorläufigen Sollwert Z* abweicht.
[0092] FIG 10 zeigt eine eher hypothetische Situation. Denn der Umstand, dass die Betriebswerte
A nicht nachgeführt werden, kann zu erheblichen Streuungen führen, die sich in dem
Istwert Z der besonderen Zielgröße widerspiegeln. In der Regel erfolgt daher eine
Nachführung der Betriebswerte A. Die Bestimmung des Offsets δZ für diesen Fall - einen
realistischen Fall - wird nachstehend in Verbindung mit FIG 11 erläutert.
[0093] Im Rahmen von FIG 11 wird ebenso wie bei FIG 10 angenommen, dass die behandelten
Walzgüter 1 einheitlich sind und dass der vorläufige Sollwert Z* direkt als endgültiger
Sollwert Z'* der besonderen Zielgröße verwendet wird. Im Gegensatz zu den Erläuterungen
zu FIG 10 werden jedoch die Betriebswerte A nachgeführt, um eine Zustandsgröße - beispielsweise
die Haspeltemperatur T2 - auf ihrem Sollwert T2* zu halten. Die Zustandsgröße ist
entweder eine besondere Zielgröße oder mit einer besonderen Zielgröße korreliert.
Im Rahmen der Nachführung der Betriebswerte A kann insbesondere die Vorgehensweise
von FIG 9 realisiert sein.
[0094] Im Falle von FIG 11 ist der Istwert Z der besonderen Zielgröße - beispielsweise die
Haspeltemperatur T2 - von Walzgut 1 zu Walzgut 1 stets derselbe bzw. zumindest nahezu
derselbe. Hingegen variieren jedoch die Betriebswerte A von Walzgut 1 zu Walzgut 1.
[0095] In diesem Fall weisen die Betriebswerte A eine Standardabweichung σ' um ihren Mittelwert
AM auf. Die Standardabweichung σ' ist analog zu FIG 10 dadurch definiert, dass sie
einen symmetrischen Bereich um den Mittelwert AM der Betriebswerte A abdeckt. In dem
Bereich mit dem Einfachen der Standardabweichung σ' (also in dem Bereich, der sich
von dem Mittelwert AM abzüglich der Standardabweichung σ' bis zum Mittelwert AM zuzüglich
der Standardabweichung σ' erstreckt) liegen im Falle einer Normalverteilung rund 2/3
aller Betriebswerte A (genauer: 68,27 %). In dem Bereich mit dem Doppelten der Standardabweichung
σ' liegen im Falle einer Normalverteilung rund 95 % aller Betriebswerte A (genauer:
95,45 %). In dem Bereich mit dem Dreifachen der Standardabweichung σ' liegen im Falle
einer Normalverteilung fast alle Betriebswerte A (genauer: 99,73 %).
[0096] Der Offset δZ kann beispielsweise derart bestimmt werden, dass - bezogen auf den
jeweiligen Offset δZ - der Mittelwert AM der Betriebswerte A um weniger als die Streuung
von demjenigen Mittelwert AM abweicht, der sich bei Verwendung des vorläufigen Sollwerts
Z* selbst als endgültiger Sollwert Z'* der besonderen Zielgröße ergibt. Noch besser
ist es natürlich, wenn der Betrag des Offsets δZ einen noch kleineren Wert aufweist,
insbesondere einen Wert, der maximal mit der Hälfte der Streuung der Betriebswerte
A korrespondiert.
[0097] Durch die Vorgehensweisen von FIG 10 und insbesondere durch die Vorgehensweise von
FIG 11 wird erreicht, dass sich in der Praxis nur geringfügige Verschiebungen der
Istwerte Z der besonderen Zielgröße ergeben. Dennoch kann die Sensitivität S mit hinreichender
Genauigkeit ermittelt werden. Ein Beispiel soll dies näher erläutern. Im Rahmen dieses
Beispiels wird die Haspeltemperatur T2 als besondere Zielgröße angenommen. Die entsprechenden
Ausführungen sind aber allgemein gültig.
[0098] Man nehme an, eine unbekannte Störung würde, sofern sie nicht durch ein Nachführen
der Betriebswerte A ausgeglichen würde, eine Streuung der Haspeltemperatur T2 um 7
K bewirken (also σ = 7 K). Der vorläufige Sollwert Z* soll 600 °C sein. Im Rahmen
der erfindungsgemäßen Vorgehensweise werden 2500 Walzgüter 1 behandelt, für welche
der endgültige Sollwert Z'* der besonderen Zielgröße 599 °C beträgt, d.h. der Offset
δZ beträgt -1 K. Für weitere 2500 Walzgüter 1 wird ein endgültiger Sollwert Z'* der
besonderen Zielgröße von 601 °C verwendet, d.h. der Offset δZ beträgt +1 K.
[0099] Berechnet man für die Ausgestaltung gemäß FIG 9 den jeweiligen Mittelwert AM der
nachgeführten Betriebswerte A, so kann der Mittelwert AM mit einer Genauigkeit berechnet
werden, die mit einer Streuung der Haspeltemperatur T2 um 0,14 K korrespondiert. Trotz
der nur sehr geringen Veränderung des Sollwertes T2* der Haspeltemperatur T2 kann
daher die Sensitivität S ermittelt werden.
[0100] Zunächst liefert diese Vorgehensweise das richtige Vorzeichen der Sensitivität S.
Bereits dies stellt einen wesentlichen Vorteil gegenüber dem Stand der Technik dar.
Die Ermittlung ist weiterhin zwar nur auf ca. 15 % genau. Diese Genauigkeit ist für
viele Anwendungen jedoch vollauf hinreichend. Ferner kann sie durch entsprechende
Erhöhung der Anzahl an Walzgütern 1 verbessert werden. Andererseits hat die geringe
Variierung des Sollwertes T2* der Haspeltemperatur T2 nahezu keine Auswirkungen auf
die Qualität der tatsächlich behandelten Walzgüter 1. Denn die resultierende Streuung
über alle 5000 Walzgüter 1 wird lediglich von 7 K auf ca. 7,07 K und damit relativ
nur um ca. 1 % erhöht. Alternativ oder zusätzlich ist natürlich auch eine Vergrößerung
des Offsets δZ möglich.
[0101] Die ermittelte Sensitivität S kann insbesondere dazu verwendet werden, das Modell
10 zu aktualisieren. Wenn dann zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen des Modells 10
für mindestens ein weiteres flaches Walzgut 1 die Betriebswerte A ermittelt werden
sollen, kann für die Ermittlung der Betriebswerte A die ermittelte Sensitivität S
verwendet werden. Dies kann insbesondere dann von Vorteil sein, wenn sich der Sollwert
Z0* bzw. der Zielwert Z0' der besonderen Zielgröße geändert hat und/oder wenn sich
die Primärdaten PD geändert haben.
[0102] Die vorliegende Erfindung weist viele Vorteile auf.
[0103] So wird beispielsweise im Gegensatz zum Stand der Technik nicht versucht, durch einen
globalen Ansatz einen direkten Zusammenhang zwischen den gemessenen Materialeigenschaften
der flachen Walzgüter 1 einerseits und Einstellwerten in dem Abschnitt der Warmwalzstraße
andererseits herzustellen. Stattdessen wird ohne weitergehende Annahmen die Sensitivität
S ermittelt bzw. werden zumindest ihr Vorzeichen und ihr ungefährer Wert ermittelt.
Der Vorteil besteht darin, dass der Betreiber des Abschnitts der Warmwalzstraße zwar
in der Regel die Primärdaten PD und die vorläufigen Sollwerte Z* der Zielgrößen sehr
genau kennt, jedoch in der Regel nicht weiß, wie er die Betriebswerte A ändern muss,
um die Istwerte Z der Zielgrößen in deterministischer Weise einzustellen. Mit der
Vorgehensweise der vorliegenden Erfindung wird dies hingegen ermöglicht. Insbesondere
kann der Arbeitspunkt des Abschnitts der Warmwalzstraße gezielt verschoben werden,
so dass sich ein flaches Walzgut 1 mit verbesserten Istwerten Z der Zielgrößen ergibt.
Weiterhin können Störungen in vorgeordneten Verarbeitungsprozessen, also in Prozessen,
welche die Primärdaten PD beeinflussen, vollständig oder zumindest teilweise ausgeglichen
werden.
[0104] Die vorliegende Erfindung wurde obenstehend über weite Strecken für den Fall erläutert,
dass der Abschnitt der Warmwalzstraße einer Kühlstrecke entspricht bzw. zumindest
eine Kühlstrecke umfasst. Als besondere Zielgröße wurde in der Regel die Haspeltemperatur
T2 des Walzguts 1 ausgangsseitig der Kühlstrecke angenommen. Als Betriebswert A wurde
in der Regel die Anzahl an angesteuerten Ventilen 4 der Kühlstrecke und/ oder das
Ausmaß der Ansteuerung von Ventilen 4 der Kühlstrecke angenommen. Die vorliegende
Erfindung ist aber nicht auf diese eine Ausgestaltung beschränkt.
[0105] Beispielsweise ist es möglich, dass zwar der Abschnitt der Warmwalzstraße eine Kühlstrecke
ist bzw. eine Kühlstrecke umfasst, die besondere Zielgröße aber nicht die Haspeltemperatur
T2 ist. In diesem Fall kann völlig analog zu obenstehend erläuterten Vorgehensweise
vorgegangen werden. Es muss lediglich berücksichtigt werden, dass der Sollwert T2*
der Haspeltemperatur T2 (bzw. allgemein der Sollwert der Zustandsgröße, die nachgeregelt
wird) mit der besonderen Zielgröße korreliert ist. Wenn beispielsweise eine bestimmte
Zugfestigkeit als besondere Zielgröße vorgegeben wird, wird die Zugfestigkeit stochastisch
unabhängig von den anderen Zielgrößen und den Primärdaten PD variiert. Es wird jeweils
der zugehörige Sollwert T2* der Haspeltemperatur T2 bestimmt und auf diesen Wert geregelt.
Die zugehörigen Mittelwerte AM der Betriebswerte A werden in diesem Fall bezogen auf
den jeweiligen Mittelwert ZM der Istwerte Z der Zugfestigkeit ermittelt und ausgewertet.
Analoge Vorgehensweisen ergeben sich für andere besondere Zielgrößen.
[0106] Auch ist es möglich, dass die erfindungsgemäße Vorgehensweise für einen Abschnitt
einer Warmwalzstraße durchgeführt wird, der keine Kühlstrecke umfasst. Beispielsweise
kann im Falle einer Fertigstraße als besondere Zielgröße die Endwalztemperatur T1
gegeben sein und als besondere Stellgröße die Endwalzgeschwindigkeit v verwendet werden.
Es können auch eine andere Zielgröße und die Endwalztemperatur T1 als Zustandsgröße
verwendet werden.
[0107] Auch ist es möglich, andere besondere Zielgrößen vorzusehen. Ein Beispiel ist das
Ausmaß, zu dem ausgangsseitig des betrachteten Abschnitts der Warmwalzstraße eine
Phasenumwandlung des Walzguts 1 erfolgt ist. Die Messgröße, aufgrund derer die Betriebswerte
A nachgeführt werden, kann im Falle einer Fertigstraße die Endwalztemperatur T1 sein,
im Falle einer Kühlstrecke die Haspeltemperatur T2.
[0108] Auch andere Ausgestaltungen sind möglich. Beispielsweise können, sofern der Abschnitt
der Warmwalzstraße als mehrgerüstige Fertigstraße ausgebildet ist oder eine mehrgerüstige
Fertigstraße umfasst, als besondere Zielgröße die Dicke, das Profil und/oder die Planheit
des Walzguts 1 herangezogen werden und als Betriebswerte A Größen verwendet werden,
welche den Walzspalt des letzten Walzgerüsts 2 der mehrgerüstigen Fertigstraße und/oder
des vorletzten Walzgerüsts 2 der mehrgerüstigen Fertigstraße und/oder weiterer Walzgerüste
2 der mehrgerüstigen Fertigstraße beeinflussen.
[0109] Die obengenannten Beispiele sind nicht abschließend zu verstehen. Es sind auch andere
Ausgestaltungen möglich.
[0110] Obwohl die Erfindung im Detail durch das bevorzugte Ausführungsbeispiel näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Varianten können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0111]
- 1
- Walzgüter
- 2
- Walzgerüste
- 3
- Kühleinrichtungen
- 4
- Ventile
- 5
- Haspel
- 6
- Steuereinrichtung
- 7
- Computerprogramm
- 8
- Maschinencode
- 9, 11
- Temperaturmessplätze
- 10
- Modell
- A
- Betriebswerte
- AM
- Mittelwert der Ansteuerwerte der besonderen Stellgröße
- PD
- Primärdaten
- S
- Sensitivität
- S1 bis S55
- Schritte
- T1
- Endwalztemperatur
- T2*
- Sollwert der Haspeltemperatur
- T2
- Haspeltemperatur
- v
- Endwalzgeschwindigkeit
- Z*
- vorläufige Sollwerte der Zielgrößen
- Z'*
- endgültige Sollwerte der Zielgrößen
- Z
- Istwert der besonderen Zielgröße
- ZM
- Mittelwert der Istwerte der besonderen Zielgröße
- δT
- Temperaturoffset
- δZ
- Offset
- σ, σ'
- Standardabweichungen
1. Betriebsverfahren für einen Abschnitt einer Warmwalzstraße,
- wobei einer Steuereinrichtung (6) für den Abschnitt der Warmwalzstraße für eine
Vielzahl von Walzgütern (1) jeweilige Primärdaten (PD) und jeweilige vorläufige Sollwerte
(Z*) für Zielgrößen des jeweiligen Walzguts (1) zugeführt werden,
- wobei die jeweiligen Primärdaten (PD) das jeweilige Walzgut (1) vor dem Zuführen
zu dem Abschnitt der Warmwalzstraße beschreiben und die jeweiligen vorläufigen Sollwerte
(Z*) der Zielgrößen einen nach dem Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße angestrebten
Sollzustand des jeweiligen Walzguts (1) beschreiben,
- wobei die Steuereinrichtung (6) Betriebswerte (A) für den Abschnitt der Warmwalzstraße
derart ermittelt, dass das jeweilige Walzgut (1) nach dem Durchlaufen des Abschnitts
der Warmwalzstraße endgültige Sollwerte (Z'*) der Zielgrößen so gut wie möglich erreicht,
- wobei die Steuereinrichtung (6) den Abschnitt der Warmwalzstraße beim Behandeln
des jeweiligen Walzguts (1) entsprechend den ermittelten Betriebswerten (A) betreibt,
dadurch gekennzeichnet,
- dass mindestens eine der Zielgrößen eine besondere Zielgröße ist und die verbleibenden
Zielgrößen normale Zielgrößen sind,
dass die Steuereinrichtung (6) für die besonderen Zielgrößen den jeweiligen endgültigen
Sollwert (Z'*) dadurch ermittelt, dass sie den jeweiligen vorläufigen Sollwert (Z*)
um einen jeweiligen Offset (δZ) verändert, der unabhängig von den Primärdaten (PD),
den anderen besonderen Zielgrößen und den normalen Zielgrößen für das jeweilige Walzgut
(1) bestimmt ist,
- dass die Offsets (δZ), bezogen auf die jeweilige besondere Zielgröße, über die Gesamtheit
von Walzgütern (1) gesehen mehrere verschiedene Werte aufweisen und
- dass die Steuereinrichtung (6) für die normalen Zielgrößen den jeweiligen vorläufigen
Sollwert (Z*) unverändert als jeweiligen endgültigen Sollwert (Z'*) übernimmt.
2. Betriebsverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
- dass der Steuereinrichtung (6) während des Durchlaufs des jeweiligen Walzguts (1) durch
den Abschnitt der Warmwalzstraße ein Istwert (T2) einer Zustandsgröße des Walzguts
(1) zugeführt wird,
- dass die Zustandsgröße eine der besonderen Zielgrößen ist, so dass ein Sollwert (T2*)
der Zustandsgröße mit dem endgültigen Sollwert (Z'*) dieser besonderen Zielgröße übereinstimmt,
oder die Zustandsgröße mit der mindestens einen besonderen Zielgröße korreliert ist,
so dass ein Sollwert (T2*) der Zustandsgröße durch den endgültigen Sollwert (Z'*)
der mindestens einen besonderen Zielgröße bestimmt ist, und
- dass die Steuereinrichtung (6) bei einer Abweichung des Istwertes (T2) der Zustandsgröße
von Sollwert (T2*) der Zustandsgröße mindestens einen Betriebswert (A), mit welchem
die Zustandsgröße beeinflusst wird, während des Durchlaufs des jeweiligen Walzguts
(1) durch den Abschnitt der Warmwalzstraße nachführt, um die Abweichung des Istwertes
(T2) der Zustandsgröße von dem Sollwert (T2*) der Zustandsgröße zu kompensieren.
3. Betriebsverfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass, bezogen auf einen bestimmten endgültigen Sollwert (Z'*) einer besonderen Zielgröße,
der mindestens eine Betriebswert (A) mit einer statistischen Streuung (σ') variiert
und dass, bezogen auf diese besondere Zielgröße, die Offsets (δZ) derart gewählt werden,
dass die Mittelwerte (AM) des mindestens einen Betriebswertes (A) für den jeweiligen
endgültigen Sollwert (Z'*) dieser Zielgröße um weniger als die Streuung (σ'), insbesondere
um weniger als die Hälfte der Streuung (σ'), von demjenigen Mittelwert (AM) des mindestens
einen Betriebswertes (A) abweichen, der sich bei Verwendung des jeweiligen vorläufigen
Sollwertes (Z*) als endgültiger Sollwert (Z'*) dieser besonderen Zielgröße ergibt.
4. Betriebsverfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass, bezogen auf eine jeweilige besondere Zielgröße, der Istwert (T2), der sich bei Verwendung
des jeweiligen vorläufigen Sollwertes (Z*) als jeweiliger endgültiger Sollwert (Z'*)
ergeben würde, unter der Voraussetzung, dass die Betriebswerte (A) für das jeweilige
Walzgut (1) beim Durchlaufen des Abschnitts der Warmwalzstraße nicht nachgeführt würden,
mit einer statistischen Streuung (σ) variieren würde und dass der jeweilige Offset
(δZ) für diese besondere Zielgröße kleiner als die Streuung (σ) ist, insbesondere
kleiner als die Hälfte der Streuung (σ).
5. Betriebsverfahren nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Abschnitt der Warmwalzstraße eine Kühlstrecke umfasst, dass eine der besonderen
Zielgrößen die Haspeltemperatur (T2) des Walzguts (1) ausgangsseitig der Kühlstrecke
ist oder mit der Haspeltemperatur (T2) des Walzguts (1) ausgangsseitig der Kühlstrecke
korreliert ist und dass durch mindestens einen der Betriebswerte (A) die Anzahl an
angesteuerten Ventilen (4) der Kühlstrecke und/oder das Ausmaß der Ansteuerung von
Ventilen (4) der Kühlstrecke beeinflusst wird.
6. Betriebsverfahren nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eine der besonderen Zielgrößen eine mikroskopische oder eine makroskopische
Materialeigenschaft des jeweiligen Walzguts (1) ist.
7. Computerprogramm für eine Steuereinrichtung (6) eines Abschnitts einer Warmwalzstraße
zum Behandeln einer Vielzahl von Walzgütern (1), wobei das Computerprogramm Maschinencode
(8) umfasst, der von der Steuereinrichtung (6) abarbeitbar ist, wobei die Abarbeitung
des Maschinencodes (8) durch die Steuereinrichtung (6) bewirkt, dass die Steuereinrichtung
(6) ein Betriebsverfahren nach einem der obigen Ansprüche ausführt.
8. Steuereinrichtung eines Abschnitts einer Warmwalzstraße zum Behandeln einer Vielzahl
von Walzgütern (1), wobei die Steuereinrichtung mit einem Computerprogramm (7) nach
Anspruch 7 programmiert ist, so dass die Steuereinrichtung im Betrieb ein Betriebsverfahren
nach einem der Ansprüche 1 bis 6 ausführt.
9. Abschnitt einer Warmwalzstraße zum Behandeln einer Vielzahl von Walzgütern (1), wobei
der Abschnitt der Warmwalzstraße von einer Steuereinrichtung (6) nach Anspruch 8 gesteuert
wird.