[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Überprüfen eines smartphone-verifizierbaren
Sicherheitsmerkmals, ein smartphone-verifizierbares Sicherheitsmerkmal sowie ein Wert-
oder Sicherheitsdokument.
Hintergrund
[0002] Aus dem Stand der Technik ist bekannt, mit lumineszierenden Substanzen (Leuchtstoffen)
ausgestattete Sicherheitsmerkmale zum Schutz und zum Echtheitsnachweis von Wert- und
Sicherheitsdokumenten einzusetzen. Sie werden zumeist als sogenannte Level-2-Merkmale
verwendet. Ihre Anwesenheit kann über die mit einfachen Handgeräten (UV- oder IR-Strahlungsquellen)
anregbare und zumeist im sichtbaren Spektralbereich erfolgende Emission der Leuchtstoffe
nachgewiesen werden. Darüber hinaus dienen solche Sicherheitsmerkmale dem Kopierschutz.
Andererseits finden mit besonders hoher Fälschungssicherheit ausgestattete lumineszierende
Sicherheitsmerkmale aber auch als maschinell auslesbare Level-3-Merkmale Anwendung.
Die Echtheitsverifikation derartiger Merkmale ist in der Regel mit einem hohen technischen
Aufwand verbunden.
[0003] Sowohl im Bereich der Sicherheits- und Wertdokumente als auch im Bereich des Produktschutzes
gibt es ein zunehmendes Interesse an der Anwendung von Echtheitsmerkmalen, die eine
hohe Sicherheitsstufe (Level-2+- bzw. Level-3-Charakteristik) aufweisen, sich aber
mit geringem technischen Aufwand prüfen lassen.
[0004] Aus dem Dokument
WO 2012 / 083469 A1 ist eine Vorrichtung zum Authentifizieren von mit fotochromen Systemen markierten
Dokumenten bekannt. Das fotochrome Sicherheitsmerkmal zeigt unter Einwirkung einer
Blitzlichtanregung eine Farbänderung und / oder eine Formänderung. Es wird weiterhin
beschrieben, dass das Sicherheitsmerkmal auf Basis eines Retinalproteins ausgebildet
ist.
[0005] Das Dokument
WO 2013 / 034471 A1 beschreibt eine Vorrichtung zum Erkennen eines Dokuments, das ein Leuchtstoff basiertes
Sicherheitsmerkmal mit so bezeichneten Wellenlängen-Konversionseigenschaften aufweist.
Hierzu sind eine Lichterzeugungseinrichtung (beispielsweise eine LED- Blitzlichteinheit),
welche das Sicherheitsmerkmal mit Anregungslicht bestrahlt, sowie eine Bildaufnahmeeinrichtung
vorgesehen (beispielsweise eine Digitalkamera eines mobilen Kommunikationsgerätes),
welche das vom Sicherheitsmerkmal emittierte Licht aufnehmen soll. Es hat sich aber
gezeigt, dass die verwendeten Leuchtstoffe regelmäßig Abklingzeiten aufweisen, die
eine Auswertung der Emission mit weit verbreiteten Geräten, insbesondere eine Echtheitsprüfung
mit der Hilfe handelsüblicher Smartphones nicht gestatten.
[0006] Das Dokument
WO 2013 / 034603 A1 beschreibt ein Verfahren zur Verifikation eines Sicherheitsdokuments mit einem Sicherheitsmerkmal
in Form eines fluoreszierenden Druckelements. Das Verfahren sieht vor, das Druckelement
mittels einer Lichtquelle anzuregen, so dass dieses in Folge dieser Anregung eine
elektro- magnetische Strahlung emittiert, welche in einem weiteren Schritt mittels
eines Sensors erfasst werden kann. Mittels Vergleich mit vorgegebenen Daten werden
die erfassten Daten ausgewertet. Das Verifikationsergebnis wird in einem weiteren
Schritt in Abhängigkeit vom Ergebnis des Vergleichs ausgegeben. Insbesondere soll
das Verfahren mit einem Smartphone ausgeführt werden, wobei das Blitzlichtmodul des
Smartphones als Anregungsquelle und der Fotosensor der Kamera des Smartphones als
Detektionseinheit zur Anwendung kommen. Als Leuchtstoffe für das pigmentartige fluoreszierende
Druckelement werden anorganische Leuchtstoffe genannt, nämlich nitridische Leuchtstoffe,
Europium-dotierte Erdalkaliorthosilikat- und Erdalkalioxyorthosilikatleuchtstoffe,
Cer-dotierte Seltenerdmetall-Aluminium-Gallium-Granat-Leuchtstoffe, rotes Licht emittierendes
(Ca,Sr)S:Eu
2+ und grünes Licht emittierendes SrGa2S4:Eu
2+. Bei den vorgeschlagenen Leuchtstoffen handelt es sich um äußerst schnell abklingende
sogenannte LED-Konversionsleuchtstoffe. Es hat sich aber gezeigt, dass es praktisch
nicht möglich ist, die Lumineszenzsignale dieser schnell abklingenden Leuchtstoffe
direkt während der Blitzlichtanregung sicher zu detektieren, weil die Lumineszenzsignale
im Vergleich zum Anregungslicht eine viel zu geringe Intensität aufweisen und von
dem intensitätsstarken anregenden Blitzlicht des Smartphones überdeckt werden.
[0007] Bei der praktischen Anwendung der im vorgenannten Stand der Technik beschriebenen
Leuchtstoffe haben sich zwei bislang ungelöste Probleme gezeigt. Diese vorbekannten
Leuchtstoffe werden regelmäßig als sogenannte Konversionsleuchtstoffe zur Herstellung
weißer LEDs verwendet, sodass diese Leuchtstoffe regelmäßig auch als strahlungswandelnde
Bestandteile in den Blitzlicht-LEDs der handelsüblichen Smartphones enthalten sind.
Das bedeutet, dass die Anregungsstrahlung der als Anregungsquelle verwendeten Blitzlichteinheiten
der Smartphones mit hoher Wahrscheinlichkeit dieselbe Lumineszenzsignale aufweist,
wie sie von dem zu untersuchenden Sicherheitsmerkmal erwartet werden. Ein sicherer
Echtheitsnachweis der mit derartigen Sicherheitsmerkmalen ausgestatteten Wert- und
Sicherheitsdokumente ist bereits aus diesem Grund ausgeschlossen.
[0008] Ein zweites Problem resultiert aus dem Umstand, dass die im Stand der Technik für
die Verwendung als Sicherheitsmerkmale benannten Leuchtstoffe in aller Regel ebenso
kurze Abklingzeiten im ns- bis µs-Bereich aufweisen, wie sie aus den genannten Gründen
auch für die Blitzlicht-LED zutreffend sind. Bei einer Anregung mit dem Blitzlicht
eines Smartphones werden die vom dem Sicherheitsmerkmal stammenden Emissionen entweder
durch das Blitzlicht vollständig überlagert oder sie sind bereits abgeklungen, bevor
die Bildaufnahme erfolgt.
Zusammenfassung
[0009] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zum Überprüfen eines smartphone-verifizierbaren
Sicherheitsmerkmals, ein smartphone-verifizierbares Sicherheitsmerkmal sowie ein Wert-
oder Sicherheitsdokument zu schaffen, die ein Sicherheitsmerkmal mit erweiterter Funktionalität
aufweisen.
[0010] Zur Lösung ist ein Verfahren zum Überprüfen eines smartphone-verifizierbaren Sicherheitsmerkmals
nach dem unabhängigen Anspruch 1 geschaffen. Weiterhin sind ein smartphoneverifzierbares
Sicherheitsmerkmal sowie ein Wert- oder Sicherheitsdokument nach den unabhängigen
Ansprüchen 13 und 14 geschaffen. Ausgestaltungen sind Gegenstand von abhängigen Unteransprüchen.
[0011] Nach einem Aspekt ist ein Verfahren zum Überprüfen eines smartphone-verifizierbaren
Sicherheitsmerkmals geschaffen, bei dem Folgendes vorgesehen ist: optisches Anregen
eines Leuchtstoffs eines Sicherheitsmerkmals, welches zumindest teilweise aus dem
Leuchtstoff besteht, mittels einer Lichtquelle eines Smartphones; Detektieren einer
Lumineszenz des Leuchtstoffs, welche der Leuchtstoff auf die optische Anregung abgibt,
mittels einer Bilderfassungseinrichtung des Smartphones; und Auswerten von Bildaufnahmen
des Sicherheitsmerkmals, die während der Abklingzeit mittels der Bilderfassungseinrichtung
erfasst werden, mittels einer Auswerteeinrichtung des Smartphones und unter Verwendung
einer oder mehrerer Software-Applikationen, die auf dem Smartphone lauffähig installiert
sind. Das Auswerten der Bildaufnahmen des Sicherheitsmerkmals umfasst hierbei Folgendes:
Bestimmen von elektronischen Informationen, die in einem maschinenlesbaren Code codiert
sind, welcher Teil des Sicherheitsmerkmals ist und wenigstens teilweise aus dem Leuchtstoff
besteht; Bestimmen eines optischen Parameters für die Lumineszenz in der Frequenz-
und / oder der Zeitdomäne; und Vergleichen des optischen Parameters mit einem Referenzparameter,
um die Echtheit des Sicherheitsmerkmals zu prüfen.
[0012] Nach einem weiteren Aspekt ist ein smartphone-verifizierbares Sicherheitsmerkmal
geschaffen, welches Folgendes aufweist: einen Leuchtstoff, der mittels einer Lichtquelle
eines Smartphones zum Abgeben einer Lumineszenz optisch anregbar ist, wobei die Lumineszenz
von einer Bilderfassungseinrichtung des Smartphones mittels Bildaufnahmen erfassbar
ist; und einen maschinenlesbaren Code, die zumindest teilweise aus dem Leuchtstoff
besteht.
[0013] Weiterhin ist ein Wert- oder Sicherheitsdokument mit einem solchen smartphone-verifizierbaren
Sicherheitsmerkmal vorgesehen.
[0014] Die vorgeschlagene Technologie ermöglicht einerseits eine Echtheitsprüfung für das
Sicherheitsmerkmal mittels eines handelsüblichen Smartphones. Darüber hinaus ist mit
dem von dem Sicherheitsmerkmal umfassten maschinenlesbaren Code die Möglichkeit geschaffen,
(zusätzliche) elektronische Informationen bereitzustellen, die ebenso unter Nutzung
der Funktionalitäten des Smartphones ausgelesen werden können. Die elektronischen
Informationen können einer erweiterten Echtheitsprüfung beim Überprüfen des Sicherheitsmerkmals
dienen. Aber auch die alternative oder zusätzliche Bereitstellung elektronischer Informationen,
die nur zum Teil oder gar nicht der Echtheitsprüfung dienen, kann vorgesehen sein.
[0015] Zum Ausführen des Verfahrens werden die mit dem (handelsüblichen) Smartphone bereitgestellten
technischen Komponenten genutzt. Der Leuchtstoff ist hergerichtet, um mit seinen optischen
Eigenschaften die Überprüfung des Sicherheitsmerkmals mittels Smartphone zu ermöglichen.
Hierzu gehört insbesondere das Abklingverhalten der vom Leuchtstoff abgegebenen Lumineszenz
(Lichtemission), wenn dieser mittels der Lichtquelle des Smartphones optische angeregt
wird. Die vorgesehene Abklingzeit erlaubt es dem Smartphone, in ausreichender Anzahl
Bildaufnahmen mittels der Bilderfassungseinrichtung zu detektieren, um das Sicherheitsmerkmal
für die Verizifizierung zu bestimmen, was insbesondere anhand des optischen Parameters
der Lumineszenz erfolgt. Hierbei kann es sich um einen optischen Parameter in der
Frequenz- und / oder der Zeitdomäne handeln. Die Frequenzdomäne bezieht sich auf frequenzabhängige
Eigenschaften der Lumineszenz. Demgegenüber sind zeitabhängige optische Eigenschaften
der Lumineszenz der Zeitdomäne zuzuordnen.
[0016] Das Smartphone kann als Bilderfassungseinrichtung eine Kamera aufweisen. Die Lichtquelle
ist eingerichtet, Lichtimpulse abzugeben, wozu beispielsweise eine Blitzlicht-LED
(lichtemittierende Diode) nutzbar ist. Die für die Lumineszenz des Leuchtstoffs bereitgestellte
Abklingzeit erlaubt es, trotz der wegen der kleinen Bauform einfachen oder beschränkten
optischen Bildaufnahmefähigkeit des Smartphones Bildaufnahmen in ausreichender Qualität
zu erfassen, so dass der optische Parameter der Lumineszenz für die Prüfung der Echtheit
des Sicherheitsmerkmals bestimmt und ausgewertet werden kann.
[0017] Ein Lösungsaspekt besteht weiterhin darin, dass ein Sicherheitsmerkmal mit einem
spezifischen Leuchtstoff ausgerüstet wird, der die oben beschriebenen Probleme umgeht.
Der Leuchtstoff ist konfiguriert, einerseits mit einer Lichtquelle des Smartphones
bzw. eines gleichartigen mobilen Datenverarbeitungsgerätes, also insbesondere einer
Blitzlicht-LED eines Smartphones, anregbar zu sein. Gleichzeitig weist der Leuchtstoff
eine solche Lumineszenzcharakteristik auf, die es ermöglicht, die Lumineszenzsignale
auch nach Beendigung des Anregungsprozesses noch mit hoher Sicherheit mit der Hilfe
der Bilderfassungseinheit desselben Smartphones (mobilen Datenverarbeitungsgerätes)
zu detektieren. Dies erfordert neben einer hohen Effizient der spektralen Anregbarkeit
und einer hohen Lumineszenzausbeute vor allem eine an die Ausnahmegeschwindigkeit
der Bilderfassungseinheit des Smartphones angepasste Abklingzeit des Leuchtstoffes.
[0018] Es wird ein zuverlässig auswertbares Sicherheitsmerkmal bereitgestellt, welches es
gestattet, exklusive Lumineszenzeigenschaften wie die spektrale Emissions- und Abklingcharakteristik
der zur Erstellung des Sicherheitsmerkmals verwendeten Spezialleuchtstoffe als Echtheitskriterien
in die Prüfung einzubeziehen. Zudem kann vorgesehen sein, dass die abklingenden Lumineszenzsignale
des Sicherheitsmerkmals weder während noch nach Beendigung der Anregung für das menschliche
Auge sichtbar sind. Es hat sich gezeigt, dass die Auswahlmöglichkeiten für die Bereitstellung
geeigneter Leuchtstoffe für die Realisierung der aufgezeigten Lösung eher eingeschränkt
sind. Dies trifft insbesondere auf die geforderte Abklingcharakteristik zu.
[0019] Die auf die optische Anregung abgegeben Lumineszenz des Leuchtstoffs kann eine Abklingzeit
im Bereich von 1 ms bis 100 ms aufweisen.
[0020] Es kann vorgesehen sein, elektronische Informationen zu bestimmen, die in einem mehrdimensionalen
maschinenlesbaren Code codiert sind, bei dem die Lumineszenz einen ersten optischen
Parameter und einen zweiten optischen Parameter aufweisen, welcher von dem ersten
optischen Parameter verschieden ist. Die Mehrdimensionalität des maschinenlesbaren
Codes kann beispielsweise dadurch bereitgestellt und ausgebildet sein, dass die Lumineszenz
in unterschiedlichen Bereichen oder Bestandteilen des maschinenlesbaren Codes des
Sicherheitsmerkmals farblich verschieden ist. Alternativ oder ergänzend können sich
die Abklingzeiten für die Lumineszenz in unterschiedlichen Bereichen oder Bestandteilen
des maschinenlesbaren Codes unterscheiden. Hierzu kann vorgesehen sein, dass der Leuchtstoff
eine Mischung mehrerer Emittermaterialien (lumineszierender Materialien) ist. Auch
können unterschiedliche Bereiche des maschinenlesbaren Codes aus verschiedenen Emittermaterialien
bestehen, die jeweils Abklingzeiten im Bereich von 1 ms bis 100 ms aufweisen. Derartige
maschinenlesbare Codes werden auch als dreidimensionale Codes bezeichnet.
[0021] Die elektronischen Informationen können in einem ein- oder mehrdimensionalen QR-Code
codiert sein, mit dem der maschinenlesbare Code des Sicherheitsmerkmals gebildet ist.
Der QR-Code kann ein zwei- oder ein dreidimensionaler QR-Code sein. In Verbindung
mit dem dreidimensionalen QR-Code geltend die vorangehend im Zusammenhang mit dem
mehrdimensionalen maschinenlesbaren Code betreffend unterschiedliche optische Parameter
gemachten Erläuterungen entsprechend.
[0022] Beim Auswerten der Bildaufnahmen können die elektronischen Informationen mit elektronischen
Referenzinformationen verglichen werden, um die Echtheit des Sicherheitsmerkmals zu
prüfen. Bei dieser Ausführungsform werden die elektronischen Informationen, die aus
dem maschinenlesbaren Code im Rahmen der Auswertung der Bildaufnahmen ausgelesen werden,
in Ergänzung des optischen Parameters (oder mehrerer optischer Parameter) zur Echtheitsprüfung
des Sicherheitsmerkmals herangezogen. Die elektronischen Informationen können bei
dieser oder anderen Ausgestaltungen zum Beispiel personenbezogene Informationen umfassen,
insbesondere dann, wenn mittels der Überprüfung des Sicherheitsmerkmals die Echtheit
eines Identifikationsdokuments geprüft wird.
[0023] Das Smartphone kann eine lauffähig installierte Software-Applikation aufweisen, die
eingerichtet ist, aus den Bildaufnahmen eine Abklingzeit für die Lumineszenz zu bestimmen
und als optischen Parameter für die Lumineszenz in der Zeitdomäne die Abklingzeit
der Lumineszenz und mit einer Referenzabklingzeit zu vergleichen. Das Smartphone ist
hier mittels der Software-Applikation eingerichtet, zeitaufgelöst das Abklingverhalten
der Lumineszenz zu untersuchen und hieraus die Abklingzeit der Lumineszenz zu bestimmen.
Das Abklingverhalten von Materialien (Leuchtstoffen), also der Abfall der Intensität
des auf einer Anregung abgegebenen Lumineszenz, wird häufig mittels einer einfachen
Exponentialfunktion beschrieben: I = I
0 e
-(t/τ). Die darin enthaltene Abklingkonstante τ bezeichnete diejenige Zeitdauer, bis zu
der die Intensität der Lumineszenz nach dem Abschalten der Anregungsquelle auf etwa
37% der Ausgangsintensität abgefallen ist. Das Abklingverhalten des Leuchtstoffs kann
auch mehrfach exponentiell sein, wobei hierbei mehrere Zeitkonstanten τ zur Abklingkurve
beitragen.
[0024] Das Smartphone kann eine lauffähig installierte Software-Applikation aufweisen, die
eingerichtet ist, aus den Bildaufnahmen einen spektralen Parameter für die Lumineszenz
zu bestimmen und als optischen Parameter in der Frequenzdomäne den spektralen Parameter
für die Lumineszenz und mit einem spektralen Referenzparameter zu vergleichen. Bei
dieser Ausführungsform betrifft der optische Parameter eine spektrale (frequenzabhängige)
Eigenschaft der Lumineszenz, also zum Beispiel Lumineszenzanteile unterschiedlicher
Wellenlänge. Der spektrale Parameter kann zum Beispiel eine Lichtemission bei einer
oder mehreren verschiedenen Wellenlängen betreffen.
[0025] Die elektronischen Informationen können den optischen Parameter für die Lumineszenz
anzeigend bestimmt werden. Bei dieser Ausgestaltung zeigen die elektronischen Informationen,
die beim Auslesen des maschinenlesbaren Codes des Sicherheitsmerkmals bestimmt werden,
den oder die optischen Parameter der Lumineszenz an, welche zur Echtheitsprüfung herangezogen
werden, also zum Beispiel eine Abklingzeit des Leuchtstoffs. Zum Beispiel kann vorgesehen
sein, dass mittels des maschinenlesbaren Codes die Abklingzeit für die Lumineszenz
des Leuchtstoffs in dem sicherheitsmerkmale codiert hinterlegt ist. Alternativ oder
ergänzend kann der maschinenlesbare Code einen oder mehrere spektrale Parameter für
die Lumineszenz des Leuchtstoffs codiert enthalten.
[0026] Die elektronischen Informationen können kryptografische Informationen anzeigend bestimmt
werden. Kryptografische Informationen können zum Beispiel einen oder mehrere kryptografische
Schlüssel umfassen, die beispielsweise für eine asymmetrische Kryptographie nutzbar
sind, zum Beispiel für eine anschließende Datenkommunikation unter Verwendung des
Smartphones. Alternativ oder ergänzend kann die elektronische Information eine Seriennummer
eines Produkts umfassen, auf dem das Sicherheitsmerkmal angeordnet ist. Auch eine
signierte Identifikationsnummer kann Teil der elektronischen Informationen sein, die
mittels Auswerten des maschinenlesbaren Codes bestimmt werden.
[0027] Beim Auswerten Bildaufnahmen kann bestimmt werden, ob eine letzte der Bildaufnahmen
frei von Lumineszenz des Leuchtstoffs des Sicherheitsmerkmals ist, und es kann vorgesehen
sein, dass das Sicherheitsmerkmal nur dann als echt bestimmt wird, wenn die letzte
der Bildaufnahmen frei von Lumineszenz des Leuchtstoffs ist. Sollte beim Auswerten
der Bildaufnahmen festgestellt werden, dass die letzte der Bildaufnahmen doch (einen
Rest der) Lumineszenz des Leuchtstoffs zeigt, wird das Sicherheitsmerkmal als nicht
echt bestimmt.
[0028] Für das Auslesen oder Bestimmen der elektronischen Informationen können ausschließlich
ein oder mehrere Bildaufnahmen ausgewertet werden, für die eine Präsenz der Lumineszenz
des Leuchtstoffs des Sicherheitsmerkmals festgestellt wurde. Alternativ oder ergänzend
können die elektronischen Informationen aus einer oder mehreren Bildaufnahmen bestimmt
werden, die frei von der Lumineszenz des Leuchtstoffs des Sicherheitsmerkmals sind.
[0029] Es kann vorgesehen sein, ein Sicherheitsmerkmal zu prüfen, welches als Leuchtstoff
wenigstens ein Material aus der folgenden Gruppe aufweist: (Ca
1-x-yCexMn
y)
3(Sc
1-z/ Mn
z)
2Si
3O
12; mit 0< x ≤ 0,1; 0 < y ≤ 0,8; und 0< z ≤ 0,8; und y / z ≈ 2; und Ca
3Sc
2Si
3O
12:Ce
3+, Mn
2+.
[0030] Als eine besonders geeignete Leuchtstoffklasse für das Sicherheitsmerkmal haben sich
Ce
3+- und Mn
2+- codotierte Silikat-Granat-Leuchtstoffe (CSS) erwiesen, die mit der Formel: Ca
aSc
2Si3O
12:Ce
3+, Mn
2+ beschrieben werden können. Derartige Leuchtstoffe zeichnen sich durch eine hohe Absorptionsstärke
bei 450 nm, eine hohe Lumineszenzintensität und durch einen effizienten Energietransfer
zwischen den Ce
3+ und den Mn
2+ Ionen aus. Gemäß einer alternativen Schreibweise kann der Leuchtstoff mit der Formel:
(Ca
1-x-Ce
x)
3(Sc
1-zMn
z)
2Si
3O
12 beschrieben werden, wobei auf der Grundlage der bekannten lonenradien in der Fachliteratur
häufig davon ausgegangen wird, dass die Ce
3+ Ionen bevorzugt auf Ca
2+ und die Mn
2+ Ionen bevorzugt auf Sc
3+ Gitterpositionen eingebaut werden.
[0031] Bei experimentellen Untersuchungen wurde überraschenderweise festgestellt, dass phasenreine,
hocheffiziente und besonders stabile Ca
3Sc
2Si
3O
12:Ce
3+,Mn
2+ Leuchtstoffe vor allem dann gebildet werden, wenn bei der Berechnung der Einwaagen
der Ausgangsstoffe davon ausgegangen wird, dass die Mn
2+ Ionen sowohl auf Ca
2+ als auch auf Sc
3+ Plätzen in das Gitter eingebaut werden. Besonders gute Ergebnisse werden erzielt,
wenn die Einwaage-Berechnungen unter der Annahme erfolgen, dass etwa 75% der Mn
2+ Coaktivatoren die Ca
2+ und etwa 25% die Sc
3+ Ionen als Gitterbestandteile ersetzen.
[0032] Besonders bevorzugt ist der Leuchtstoff durch folgende allgemeine chemische Formel
beschreibbar: (Ca
1-x-yCe
xMn
y)
3(Sc
1-zMn
z)
2Si
3O
12 mit 0<x≤0,1; 0<y≤0,8; 0<z≤0,8; wobei ein y / z Verhältnis von ≈ 2 bevorzugt ist.
Unter Beachtung der stöchiometrischen Faktoren entspricht dies dem angegebenen Verhältnis
für die Besetzung der Ca
2+ bzw. Sc
3+ Gitterplätze durch Mn
2+ Coaktivatorionen.
[0033] Mit den beschriebenen Ca
3Sc
2Si
3O
12:Ce
3+,Mn
2+ Materialien werden besonders vorteilhafte Leuchtstoffe bereitgestellt, die Emissionen
mit Abklingzeiten zwischen 5 ms und 30 ms aufweisen und deren Lumineszenzsignale auch
nach Beendigung der Blitzlichtanregung mit hoher Sicherheit unter Verwendung der Kameramodule
handelsüblicher Smartphones detektiert werden können.
[0034] Die Emissionsspektren der vorgeschlagenen Leuchtstoffe bestehen aus jeweils drei
Banden, die der direkten Lumineszenz der Ce
3+ Aktivatorionen (Bande mit einem λ
max von etwa 505 nm), sowie den über den Ce
3+ - Mn
2+ Energietransfer ermöglichten Emissionen der auf den unterschiedlichen Gitterplätzen
positionierten Mn
2+ Coaktivatoren zugeordnet werden können. Die Maxima der zuletzt genannten Emissionsbanden
liegen in etwa bei 570 nm (Mn
2+ auf Ca
2+ Platz) und bei etwa 700 nm (Mn
2+ auf Sc
3+ Platz).
[0035] Die relativen Intensitäten der unterschiedlichen Emissionsbanden können über die
Konzentrationen der Aktivator- und Coaktivatorionen sowie über die jeweiligen Konzentrationsverhältnisse
variiert und eingestellt werden. Zudem weisen die einzelnen Emissionen unterschiedliche
spektrale Abklingzeiten auf. Während die Abklingzeit der quantenmechanisch erlaubten
Ce
3+ Emission im Nanosekunden-Bereich liegt, werden für die beiden aus quantenmechanisch
verbotenen optischen Übergängen resultierenden Mn
2+ Emissionsbanden Abklingzeiten im einstelligen (Mn
2+ auf Ca
2+ Platz) bzw. im zweistelligen Millisekunden-Bereich (Mn
2+ auf Sc
3+ Platz) erreicht.
[0036] Die Tatsache, dass sich die im grünen Spektralbereich anzutreffenden Emissionsbanden
mit Maxima bei etwa 505 nm und 570 nm aufgrund ihrer vergleichsweise großen Halbwertbreiten
in einem ausgeprägten Maße überlagern, führt auch zu einer Überlagerung der Abklingkurven
dieser Emissionen. Dennoch sind die modifizierten CSS-Leuchtstoffe durch unterschiedliche
spektrale Abklingkurven mit unterscheidbaren Abklingzeiten charakterisiert. Andererseits
ergibt sich aus dieser Konstellation, dass sich für den Fall, dass bei den Abklingmessungen
der gesamte sichtbare Spektralbereich detektiert wird, eine signifikante Farbverschiebung
der abklingenden Lumineszenz der Leuchtstoffe ergibt. Weiterhin hat sich gezeigt,
dass die einzelnen Emissionsbanden auf Grund ihrer charakteristischen Überlagerungen
keine monoexponentiellen Abklingkurven aufweisen. Charakteristisch sind vielmehr bi-
bzw. triexponentielle Abklingkurven.
[0037] Das beschriebene spezielle Abklingverhalten trägt in hohem Maße zur Exklusivität
der Ca
3Sc
2Si
3O
12:Ce
3+,Mn
2+ Leuchtstoffe bei. Hinzu kommen weitere Eigenschaften, die diese Leuchtstoffe für
die Anwendung in lumineszierenden Sicherheitsmerkmalen, deren Anwesenheit und Echtheit
mit der Hilfe handelsüblicher Smartphones verifiziert werden kann, empfehlen. Zum
einen sind die Leuchtstoffe im ultravioletten Spektralbereich praktisch nicht anregbar
und zum anderen ist die Körperfarbe der entsprechenden Lumineszenzpigmente so beschaffen,
dass sie leicht an die Farbdesigns der zu schützenden Sicherheits- und Wertdokumente
(Banknoten, Ausweise, Reisepässe, Führerscheine etc.) angepasst bzw. von den zur Herstellung
dieser Dokumente verwendetet Druckfarben überdeckt werden kann. Das bedeutet, dass
die Anwesenheit der als Sicherheitsmerkmal in die Sicherheitsdokumente eingebrachten
CSS:Ce
3+,Mn
2+ Leuchtstoffe vom Betrachter weder mit dem bloßen Auge noch unter Zuhilfenahme üblicher
UV-Anregungsquellen erkannt werden kann.
[0038] Es kann vorgesehen sein, dass bei UV-Anregung wirkungsvoll lumineszierende, schnell
abklingende Leuchtstoffe zu den nahezu ausschließlich im sichtbaren Spektralbereich
emittierenden, vorzugsweise bei 450 nm anregbaren Leuchtstoffen mit verzögertem Abklingverhalten
hinzugefügt werden. Die bei UV-Anregung deutlich wahrnehmbare stationäre Photolumineszenz
der entsprechenden Zusatzkomponenten kann als eine sicherheitserhöhende Maskierung
der in die Sicherheitsdokumente integrierten Sicherheitsmerkmale dienen.
[0039] Auch wenn die Auswahlmöglichkeiten für die Bereitstellung der für die Realisierung
der aufgezeigten Lösung benötigten Leuchtstoffe stark eingeschränkt sind, gibt es
neben den Ca
3Sc
2Si
3O
12:Ce
3+,Mn
2+ Leuchtstoffen doch einige weitere Materialien, die auf Grund ihres Abklingverhaltens
zur Herstellung des vorgeschlagenen Sicherheitsmerkmals eingesetzt werden könnten.
[0040] In der nachfolgenden Tabelle sind einige der auf ihre Eignung getesteten Leuchtstoffkompositionen
einschließlich der für die Anwendung relevanten Lumineszenzeigenschaften zusammengestellt.
| Verbindung |
λem [nm] |
Abklingzeit τ [ms] |
Lumineszenzausbeute |
Anregbarkeit bei 450 nm |
| Ce3+/Eu3+-,Mn3+- coaktivierte Verbindungen |
|
|
hoch |
|
| |
|
|
|
|
| Ca3Sc2Si3O12: Ce3+,Mn3+ |
470 - 900 |
5-30 |
|
stark |
| Ca3Sc2Ge3O12: Ce3+,Mn3+ |
470 - 850 |
5- 15 |
|
schwach |
| Sr3SC2Ge3O12: Ce3+,Mn3+ |
470 - 800 |
3- 15 |
|
moderat |
| Ca9MgNa(PO4)7: Eu3+,Mn3+ |
500 - 750 |
∼ 26 |
|
schwach - moderat |
| BaMg2Si2O7: Ce3+,Mn3+,Dy3+ |
570 - 800 |
5- 10 |
|
schwach - moderat |
| BaMg2Si2O7: Mn3+,Dy3+ |
570 - 800 |
∼ 5 |
|
schwach |
| CaSiO3: Eu3+,Mn3+ |
550 - 700 |
10 - 20 |
|
schwach - moderat |
| Ca2P2O7: Eu3+,Mn3+ |
400 - 660 |
10 - 20 |
|
schwach |
| Cr3+- aktivierte Verbindungen |
|
|
hoch |
|
| |
|
|
|
|
| ZnGa2O4: Cr3+,Bi3+ |
650 - 770 |
5 - 10 |
|
moderat |
| Zn3Ga2SnO8: Cr3+, Bi3+ |
660 - 820 |
1 - 5 |
|
moderat |
| Mn4+-aktivierte Verbindungen |
|
|
hoch |
|
| |
|
|
|
|
| BaGeF6: Mn4+ |
∼ 634 |
∼ 6 |
|
moderat |
| K2SiF6: Mn4+ |
∼ 631 |
∼ 8 |
|
moderat - stark |
[0041] Insbesondere enthält die Tabelle Angaben zu den gemessenen Maxima der jeweiligen
Emissionsbanden und zu den Abklingzeiten. Zur Bewertung der Lumineszenzausbeute und
der spektralen Anregbarkeit bei 450 nm wurde eine verbale Skalierung verwendet.
[0042] Bei den aufgeführten Leuchtstoffen handelt es sich im Wesentlichen um Ce
3+- und Mn
2+- codotierte Silikat-Granate bzw. Germanat-Granate, um mit Mn
2+- Ionen aktivierte und gegebenenfalls zusätzlich mit bestimmten Seltenerdionen (Ce
3+, Eu
2+, Dy
3+) coaktivierte komplexe silikatische oder phosphatisch Grundgitter, um Cr
3+- aktivierte Gallatverbindungen sowie um die Mn4+- aktivierten Leuchtstoffe BaGeF6:Mn4+
und K2SiF6:Mn4+. Diese Auflistung besitzt keinen abschließenden Charakter. Es ist
davon auszugehen, dass darüber hinaus auch weitere geeignete Leuchtstoffe zur Realisierung
des Sicherheitsmerkmals in seinen verschiedenen Ausgestaltungen zur Verfügung stehen.
[0043] In diesem Zusammenhang ist es als äußerst vorteilhaft zu betrachten, als geeignet
erscheinende Leuchtstoffe durch gezielte Veränderung ihrer chemischen Zusammensetzung,
d.h. durch gezielt vorgenommene Substitutionen im Kationen- und / oder Anionenteilgitter,
so zu modifizieren, dass sich ihre Lumineszenzeigenschaften, insbesondere ihre charakteristischen
Abklingzeiten, deutlich von den in der Fachliteratur beschriebenen Daten unterscheiden.
Auf diese Weise können die Exklusivität der verzögert abklingenden lumineszierenden
Materialien und die Fälschungssicherheit der entsprechenden Sicherheitsmerkmale deutlich
erhöht werden.
[0044] Mittels des Überprüfens des Sicherheitsmerkmals kann die Echtheit eines Wert- oder
Sicherheitsdokuments geprüft werden, auf dem das smartphone-verifizierbare Sicherheitsmerkmal
angeordnet ist.
[0045] Die vorangehend im Zusammenhang mit dem Verfahren zum Überprüfen des smartphone-verifizierbaren
Sicherheitsmerkmals erläuterten Ausgestaltungen gelten in Verbindung mit dem smartphone-verifizierbaren
Sicherheitsmerkmal sowie dem Wert- oder Sicherheitsdokument entsprechend.
[0046] In einem anderen Beispiel ist ein Verfahren zum Überprüfen eines Sicherheitsmerkmals
auf einem Artikel oder einem Objekt, insbesondere einem Wert- oder Sicherheitsdokument,
vorgesehen, wobei das Verfahren die folgenden Schritte aufweist: optisches Anregen
eines Leuchtstoffs eines Sicherheitsmerkmals, welches auf einem Artikel oder Objekt
angeordnet ist und zumindest teilweise aus dem Leuchtstoff besteht, mittels einer
Lichtquelle eines Smartphones; Detektieren einer Lumineszenz des Leuchtstoffs, welche
der Leuchtstoff auf die optische Anregung abgibt, mittels einer Bilderfassungseinrichtung
eines tragbaren Prüfgeräts, wobei die Lumineszenz zum Beispiel eine Abklingzeit im
Bereich von 1 ms bis 100 ms aufweisen kann; und Auswerten von Bildaufnahmen des Sicherheitsmerkmals,
die während der Abklingzeit mittels der Bilderfassungseinrichtung erfasst werden,
mittels einer Auswerteeinrichtung des tragbaren Prüfgeräts und unter Verwendung einer
oder mehrerer Software-Applikationen, die auf dem tragbaren Prüfgerät lauffähig installiert
sind. Das Auswerten umfasst hierbei Folgendes: Bestimmen von elektronischen Informationen,
die in einem maschinenlesbaren Code codiert sind, welcher Teil des Sicherheitsmerkmals
ist und wenigstens teilweise aus dem Leuchtstoff besteht; Bestimmen eines optischen
Parameters für die Lumineszenz in der Frequenz- und / oder der Zeitdomäne; und Vergleichen
des optischen Parameters mit einem Referenzparameter, um die Echtheit des Sicherheitsmerkmals
zu prüfen. Das tragbare Prüfgerät kann eine beliebiges Handgerät sein, welches eingerichtet
ist, Licht für die optische Anregung des Leuchtstoffs bereitzustellen und die Bildaufnahmen
zu erfassen. Nicht nur Wert- und Sicherheitsdokumente können mittels Verifizieren
des Sicherheitsmerkmals so auf Echtheit geprüft werden, sondern auch beliebige andere
Artikel oder Objekte, auf denen das Sicherheitsmerkmal mit dem maschinenlesbaren Code
aufgebracht ist. Das Prüfgerät erlaubt dann auch das Auslesen der (zusätzlichen) elektronischen
Informationen, die im maschinenlesbaren Code codiert sind, welcher seinerseits Teil
des Sicherheitsmerkmals ist.
Beschreibung von Ausführungsbeispielen
[0047] Im Folgenden werden weitere Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme auf Figuren einer
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung einer Ausführungsform eines Sicherheitsmerkmals auf
einem Sicherheitsdokument in Gestalt einer Banknote;
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung von Komponenten einer Anordnung zur Verifikation des
Sicherheitsmerkmals;
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung des An- und Abklingverhaltens eines Leuchtstoffes des
Sicherheitsmerkmals bei Blitzlichtanregung;
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung für ein Verfahren zum Überprüfen eines smartphoneverifizierbaren
Sicherheitsmerkmals der Verifikation des Sicherheitsmerkmals;
- Fig. 5
- ein Anregungsspektrum der 700 nm Emissionsbande eines Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel
1;
- Fig. 6
- ein Emissionsspektrum der bei 450 nm angeregten stationären Photolumineszenz des Leuchtstoffes
gemäß Ausführungsbeispiel 1;
- Fig. 7
- spektrale Abklingkurven der unterschiedlichen Emissionsbanden eines im Ausführungsbeispiel
1 beschriebenen Leuchtstoffes;
- Fig. 8
- eine Farbverschiebung der über den gesamten sichtbaren Spektralbereich detektierten,
abklingenden Lumineszenz des Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel 1, dargestellt
anhand des zeitlichen Verlaufes der x-y-Farbkoordinaten in der CIE-Normfarbtafel;
- Fig. 9
- Emissionsspektren der stationären Photolumineszenz der bei 450 nm angeregten Leuchtstoffe
gemäß der Ausführungsbeispiele 2 und 3; und
- Fig. 10
- Abklingkurven der Hauptemissionsbanden der bei 450 nm angeregten Leuchtstoffe gemäß
der Ausführungsbeispiele 2 und 3;
[0048] Fig. 1 zeigt ein Sicherheitsmerkmal 1, welches auf einem Wertdokument, nämlich einem
symbolisiert dargestellten Sicherheitsdokument 2 in Form einer Banknote aufgebracht
ist. Das Sicherheitsmerkmal dient dem Echtheitsnachweis des Sicherheitsdokuments 2.
Das Sicherheitsmerkmal 1 weist hier eine Sternform auf. Es ist unterhalb eines sichtbaren
Merkmals 3, in diesem Fall des Nominalwertes der Banknote, positioniert. Das Sicherheitsmerkmal
1 besteht aus einem mittels der Beleuchtungseinheit eines Smartphones vorzugsweise
im blauen Spektralbereich zur im ms-Bereich abklingenden Lumineszenz anregbaren Leuchtstoff,
wie er vorangehend beschrieben wurde.
[0049] Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung einer Anordnung zur Verifikation des Sicherheitsmerkmals
1, wobei das Sicherheitsmerkmal 1 mittels einer Beleuchtungseinheit 4 einer Bildaufnahmeeinheit
6 eines mobilen Endgerätes, nämlich eines Smartphones 7, zur Lumineszenz angeregt
wird, indem die Beleuchtungseinheit 4 Anregungslicht, insbesondere weißes LED-Blitzlicht
8 mit einem spektralen Maximum von etwa 450 nm erzeugt. Das Blitzlicht 08 besitzt
eine Intensität IA. Während der Anregung emittiert der Leuchtstoff des Sicherheitsmerkmals
1 eine stationäre elektromagnetische Strahlung im sichtbaren Spektralbereich, welche
nach dem Ende der Anregung im ms- Bereich abklingt. Die abklingende Emission IE des
Leuchtstoffes wird mit einer Kamera 9 der Bildaufnahmeeinheit 06 des Smartphones 7
durch Auslösen einer Serien- oder Videoaufnahme detektiert. Weiterhin detektiert die
als Detektor arbeitende Kamera 9 eine auf das Sicherheitsmerkmal 1 und die Banknote
2 auftreffende und dort reflektierte Umgebungsstrahlung I0 des Tages- oder Raumlichtes.
Der Einfluss der Umgebungsstrahlung I0 kann beim Verfahren dadurch gering gehalten
werden, dass ein Abstand
d zwischen dem Sicherheitsmerkmal 1 und dem Smartphone 7 gering gehalten wird. Durch
den geringen Abstand
d, der vorzugsweise unterhalb des Scharfstellungsbereichs der Bildaufnahmeeinheit 6
liegt, schirmt das Smartphone 7 die Umgebungsstrahlung I0 größtenteils ab. Für die
sichere Verifizierung der diffusen Lumineszenzsignale des Sicherheitsmerkmals werden
nämlich keine scharfen Bildaufnahmen benötigt.
[0050] Fig. 3 zeigt eine schematische Darstellung des An- und Abklingverhaltens des Leuchtstoffes,
der im Sicherheitsmerkmal 1 verwendet wird. Im Diagramm ist eine Emissionskurve 11
des zur Lumineszenz angeregten Sicherheitsmerkmals 1 entlang einer Zeitachse
t dargestellt. Weiterhin ist eine Blitzlicht- Anregungskurve 12 entlang der Zeitachse
aufgetragen. Wird der Einzelblitz mittels des Smartphones 7 (Fig. 2) erzeugt, steigt
die LED-Blitzlicht-Anregungskurve 12 steil an, hält ihr Niveau für kurze Zeit und
sinkt dann im ns- bis µs-Bereich auf null ab. Durch die elektromagnetische Strahlung
des Blitz- lichtes wird der Leuchtstoff des Sicherheitsmerkmals 1 zur Lumineszenz
angeregt, wobei dessen Emissionskurve 11 nahezu zeitgleich mit der Blitzlicht-Anregungskurve
12 ansteigt. Die Emission des Leuchtstoffes 11 klingt nach Beendigung der Blitzlichtanregung
12 deutlich langsamer als die anregende Strahlung der vorzugsweise mit weiß emittierenden
LED ausgestatteten Beleuchtungseinheit des Smartphones ab. Die Abklingzeit des Leuchtstoffes
liegt im ms- Bereich.
[0051] Unterhalb der Zeitachse sind in Fig. 3 einzelne durch den Detektor 9 des Smartphones
7 (Fig. 2) erfasste Bilder 13 des Sicherheitsmerkmals 1 dargestellt. Die Bildaufnahmen
13 zeigen die abklingende Emissionsintensität des Sicherheitsmerkmals 1 anhand der
mit der Zeit geringer werdenden Helligkeit des beispielhaft verwendeten Stern-Musters.
Nach dem im Wesentlichen vollständigen Abklingen der Emission des Leuchtstoffes kann
als letztes Bild der aufgenommenen Bildfolge ein Referenzbild 14b erfasst werden.
Je nach Auswerteverfahren kann ein zusätzliches Referenzbild 14a (Startbild)auch vor
der Aktivierung der Anregungsstrahlung (Auslösen des Blitzes) aufgenommen werden.
Optional kann zur Absicherung der Verfügbarkeit eines für die Berechnung der Bilddifferenzen
erforderlichen Referenzbildes gegebenenfalls bereits vor dem Auslösen der für die
Detektion der abklingenden Lumineszenzsignale des Sicherheitsmerkmals entscheidenden
Serien- oder Videoaufnahmen als ein zusätzliches Referenzbild ein Startbild 14a aufgenommen
werden.
[0052] Fig. 4 zeigt eine schematische Darstellung für ein Verfahren zum Überprüfen eines
smartphone-verifizierbaren Sicherheitsmerkmals, zum Beispiel unter Verwendung der
Anordnung aus Fig. 2. Im Schritt 40 wird ein Leuchtstoff des Sicherheitsmerkmals 1,
welches zumindest teilweise aus dem Leuchtstoff besteht, mittels einer Lichtquelle
des Smartphones 1 optisch angeregt, wobei hierbei das von der Beleuchtungseinheit
4 abgegebene Licht auf das Sicherheitsmerkmal 1 eingestrahlt wird, zum Beispiel in
Form von eines oder mehrerer Blitzlichtimpulse. Der Leuchtstoff reagiert auf diese
Anregung mittels Lumineszenz (Schritt 41). Im Schritt 42 werden ein oder mehrere Bildaufnahmen
mittels der Kamera 9 des Smartphones 7 erfasst oder aufgenommen. Die Lumineszenz des
Leuchtstoffs klingt mit einer Abklingzeit entsprechend ab. In einer Ausführung umfassen
die Bildaufnahmen wenigstens eine Bildaufnahme, die im Wesentlichen frei von der Lumineszenz
des Leuchtstoffs ist.
[0053] Im Schritt 43 werden die Bildaufnahmen des Sicherheitsmerkmals 1, die während der
Abklingzeit mittels der eine Bilderfassungseinrichtung bildenden Kamera 9 erfasst
werden, mit Hilfe einer Auswerteeinrichtung des Smartphones 7 und unter Verwendung
einer oder mehrerer Software-Applikationen, die auf dem Smartphone 7 lauffähig installiert
sind, ausgewertet. Hierzu weist die Auswerteeinrichtung des Smartphones 7 wenigstens
einen Prozessor auf, dem ein lokaler Datenspeicher zugeordnet sein kann. Das Auswerten
der Bildaufnahmen kann vollständig lokal im Smartphone 7 stattfinden oder alternativ
Teilschritte zur Datenverarbeitung umfassen, die auf einer externen Recheneinrichtung
(nicht dargestellt) ausgeführt werden, zum Beispiel einem entfernten Server. Hierzu
kann das Smartphone mit der externen Recheneinrichtung Daten austauschen, insbesondere
über eine kabellose Datenkommunikationsverbindung.
[0054] Beim Auswerten der Bildaufnahmen werden elektronische Informationen bestimmt, die
in einem maschinenlesbaren Code codiert sind, welcher Teil des Sicherheitsmerkmals
1 ist und wenigstens teilweise aus dem Leuchtstoff besteht. Die elektronischen Informationen
können in einem ein- oder mehrdimensionalen QR-Code codiert sein, mit dem der maschinenlesbare
Code des Sicherheitsmerkmals 1 gebildet ist. Der QR-Code kann ein zwei- oder ein dreidimensionaler
QR-Code sein. Software-Applikation zum Auswerten (Auslesen) solcher maschinenlesbarer
Codes sind als solche in verschiedenen Ausführungen bekannt.
[0055] Die elektronischen Informationen können dann im lokalen Speicher des Smartphones
1 und / oder einem externen Speicher (nicht dargestellt) gespeichert werden.
[0056] Das Auswerten der Bildaufnahmen umfasst weiterhin ein Bestimmen eines optischen Parameters
für die Lumineszenz des Leuchtstoffs in der Frequenz- und / oder der Zeitdomäne. Zum
Beispiel wird aus den Bildaufnahmen die Abklingzeit des Leuchtstoffs bestimmt. Dieses
kann anhand der Bildaufnahmen ausgeführt werden, die eine zeitliche Abfolge von Bildaufnahmen
nach der optischen Anregung darstellen, so dass der zeitliche Verlauf der Lumineszenz
in den elektronischen Bilddaten auswertbar dokumentiert ist. Der so bestimmte optische
Parameter wird dann mit einem Referenzparameter verglichen, um die Echtheit des Sicherheitsmerkmals
1 zu prüfen. Der Referenzparameter ist zu diesem Zweck zum Beispiel im lokalen Speicher
des Smartphones gespeichert.
[0057] Das Bestimmen des optischen Parameters kann im Rahmen einer Emissions-Analyse ausgeführt
werden. Hierbei können die aufgenommenen Bildserien mit Referenzaufnahmen verglichen
werden, zum Beispiel zum Bestimmen von Differenzbildern. Neben der Berechnung der
Bilddifferenzen und ihrer Analyse, können hierbei Methoden der Bildverarbeitung wie
beispielsweise die Kontrastanpassung und die Histogrammanalyse der unterschiedlichen
Farbkanäle zur Anwendung kommen, um so wahlweise sowohl die spektrale Emissions- als
auch die exklusive Abklingcharakteristik des verwendeten Leuchtstoffes zu verifizieren.
Mittels Vergleich der berechneten / bestimmten optischen Parameter mit den vorzugsweise
im Datenspeicher des Smartphones 7 hinterlegten Echtheits- / Vergleichsparametern
des Sicherheitsmerkmals 1 kann die Echtheit des geprüften Sicherheitsdokuments in
einem Schritt 44 bestätigt werden. Insbesondere kann durch die Verifikation des Sicherheitsmerkmals
1 auf dem Sicherheitsdokument die Authentizität und Integrität des Sicherheitsdokuments
bestätigt werden.
[0058] Fig. 5 zeigt ein Anregungsspektrum 121 der 700 nm Emissionsbande eines Leuchtstoffes
gemäß Ausführungsbeispiel 1. Zur Herstellung dieses Leuchtstoffs werden 0,2822 g CaCO
3, 0,5335 g Sc
2(C
2O
4)
3·10,723H
2O, 0,1803 g SiO
2, 0,0052 g CeO
2, und 0,0358 g MnC
2O
4·2H
2O durch Mörsern unter Zugabe von Aceton vollständig homogenisiert. Nach dem Verdampfen
des Lösungsmittels wird das trockene Pulvergemisch in einen Korundtiegel überführt.
Die Probe wird zuerst in einem Kammerofen bei 500 °C für 2 h in Luftatmosphäre vorkalziniert
und anschließend in einem Rohrofen bei 1400 °C für 4 h in 5% H
2/ 95%N
2 Atmosphäre geglüht. Das resultierende Produkt wird anschließend gesiebt. Dieser Leuchtstoff
weist die Formel (Ca
2,82Ce
0,03Mn
0,15)(Sc
1,95Mn
0,05)Si
3O
12 auf. Das Anregungsspektrum verdeutlicht, dass der beispiel- hafte erfinderische Leuchtstoff
eine maximale spektrale Anregbarkeit im Bereich von 440 bis 450 nm aufweist.
[0059] Fig. 6 zeigt ein entsprechendes Emissionsspektrum 111 des Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel
1 bei 450 nm Anregung. Es zeigt sich, dass der über die Leuchtstoffzusammensetzung
und die gewählten Präparationsbedingungen speziell konfigurierte Leuchtstoff breitbandige
Emissionen über den gesamten sichtbaren Spektralbereich aufweist. Es werden drei Emissionsbanden
mit Maxima bei etwa 505 nm, 570 nm und etwa 700 nm sichtbar, wobei die Bande mit einem
Maximum von etwa 700 nm die höchste relative Intensität aufweist. Wie bereits beschrieben,
lassen sich diese Banden der direkten Lumineszenz der Ce
3+ Aktivatorionen (Ce
3+ auf Ca
2+-Platz), sowie den über den Ce
3+ - Mn
2+ Energietransfer ermöglichten Emissionen der auf den unterschiedlichen Gitterplätzen
positionierten Mn
2+ Coaktivatoren (Mn
2+ auf Ca
2+-Platz bzw. Mn
2+ auf Sc
3+-Platz) zuordnen.
[0060] Fig. 7 zeigt die spektralen Abklingkurven der einzelnen Emissionsbanden. Die Kurve
1311 ist die Abklingkurve für die 505 nm Emission, die Kurve 1312 ist die Abklingkurve
für die 570 nm Emission, und die Kurve 1313 ist die Abklingkurve für die 700 nm Emission.
Es ist deutlich erkennbar, dass sich die spektralen Abklingkurven für die einzelnen
Emissionen signifikant unterscheiden. Wie bereits erläutert, wird für die Emission
mit einem Maximum von etwa 505 nm ein Abklingen im Nanosekunden-Bereich festgestellt,
während die Lumineszenzbanden mit Maxima von etwa 570 bzw. etwa 700 nm Abklingzeiten
im einstelligen bzw. im zweistelligen Millisekunden-Bereich aufweisen. Für den Fachmann
wird darüber hinaus sichtbar, dass die einzelnen Abklingkurven mit großer Wahrscheinlichkeit
nicht exponentiell verlaufen. Vielmehr scheinen die gemessenen Kurven multiexponentielle
Abklingcharakteristika aufzuweisen.
[0061] Fig. 8 veranschaulicht den Farbshift, der resultiert, wenn die abklingende Lumineszenz
über den gesamten sichtbaren Spektralbereich detektiert wird. Dabei zeigt die Fig.
8 zunächst eine schematische Darstellung einer CIE-Normfarbtafel des CIE-Normvalenzsystems.
Das CIE-Normvalenzsystem wurde 1931 definiert, um eine Relation zwischen der menschlichen
Farbwahrnehmung und den physikalischen Ursachen des Farbreizes herzustellen und erfasst
typischerweise die Gesamtheit aller wahrnehmbaren Farben, wobei sich die Farbwahrnehmung
auf die eines definierten Normalbeobachters bezieht. Jede Farbe oder jedwedes Emissionsspektrum
eines Selbstleuchters wird in der CIE-Normwerttafel durch eine einzige x-y- Koordinate
abgebildet. Die Farbkoordinaten der in Abhängigkeit von der Zeit des Abklingens integral
gemessenen Lumineszenzsignale sind in der Fig. 8 anhand der mit den Bezugszeichen
140 bis 147 Elemente dargestellt. Gleichzeitig können die für einen Leuchtstoff gemäß
Ausführungsbeispiel 1 ermittelten Daten der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.
| Bezugszeichen |
Abklingzeit in ms |
Farbkoordinaten |
| x |
y |
| 140 |
0 |
0,385 |
0,528 |
| 141 |
1 |
0,515 |
0,472 |
| 142 |
10 |
0,521 |
0,465 |
| 143 |
20 |
0,534 |
0,453 |
| 144 |
30 |
0,554 |
0,432 |
| 145 |
40 |
0,577 |
0,407 |
| 146 |
50 |
0,595 |
0,385 |
| 147 |
60 |
0,603 |
0,374 |
[0062] Der tendenziell vom grünen in den roten Spektralbereich führende Farbshift resultiert
aus der Überlagerung der in der Fig. 6 dargestellten Emissionsbanden sowie aus den
Unterschieden und der Überlagerung der entsprechenden in der Fig. 7 dargestellten
Abklingkurven des Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel 1. Das beschriebene spezielle
Abklingverhalten trägt in hohem Maße zur Exklusivität des Ca
3Sc
2Si
3O
12:Ce
3+, Mn
2+- Leuchtstoffes bei.
[0063] Fig. 9 zeigt die Emissionsspektren 1123, 113 der stationären Photolumineszenz der
bei 450 nm angeregten Leuchtstoffe gemäß den Ausführungsbeispielen 2 und 3. Fig. 10
zeigt die zugehörigen Abklingkurven 132, 133 der Hauptemissionsbanden der bei 450
nm angeregten Leuchtstoffe gemäß der Ausführungsbeispiele 2 und 3.
[0064] Zur Herstellung des Leuchtstoffs nach Ausführungsbeispiel 2 werden 0,2898 g CaCO
3, 0,1362 g Sc
2O
3, 0,1803 g SiO
2, 0,0130 g Ce(NO
3)
3·6H
2O, 0,0179 g MnC
2O
4·2H
2O und 1,8170 g Tris(hydroxymethyl)aminomethan unter Rühren und Erhitzen auf einer
Heizplatte in einem Gemisch aus 10 ml Salpetersäure und 100 ml Wasser vollständig
gelöst. Anschließend wird die Flüssigkeit solange eingedampft, bis sich das übrig
bleibende Gel entzündet und ein schwarzer Schaum entsteht. Dieser Schaum wird zuerst
bei 150 °C in einem Trockenschrank getrocknet, danach fein gemörsert und in einen
Porzellantiegel überführt. In einem ersten Heizschritt wird das Gemisch zum Zwecke
der Zersetzung verbliebener organischer Restbestandteile für 2 h bei 1000 °C in der
Luftatmosphäre eines Kammerofens geglüht. Anschließend wird das nunmehr eine weiße
Körperfarbe aufweisende Glühgut mit zwei Massenprozent Borsäure vermengt und erneut
diesmal für 4 h bei 1300 °C in einer 5 %-igen Formiergas-Atmosphäre geglüht. Der resultierende
Leuchtstoff weist die Zusammensetzung (Ca
2,895Ce
0,03Mn
0,075)(Sc
1,975Mn
0,025)Si
3O
12 auf. Die Kurve 112 in der Fig. 9 zeigt das Emissionsspektrum dieses Leuchtstoffes.
In der Fig. 10 bezeichnet die Kurve 132 die Abklingkurve für diesen bevorzugt im grünen
Spektralbereich emittierenden Leuchtstoff.
[0065] Zur Herstellung des Leuchtstoffs gemäß Ausführungsbeispiel 3 mit der Zusammensetzung
(Ca
2,745Ce
0,03Mn
0,225)(Sc
1,925Mn
0,075)Si
3O
12 werden 0,2747 g CaCO
3, 0,1327 g Sc
2O
3, 0,1803 g SiO
2, 0,0130 g Ce(NO
3)
3·6H
2O, 0,0537 g MnC
2O
4·2H
2O und 1,8170 g Tris(hydroxymethyl)aminomethan unter Rühren und Erhitzen in einem Gemisch
aus 10 ml Salpetersäure und 100 ml Wasser gelöst. Anschließend wird die Flüssigkeit
eingedampft, bis ich das entstehende Gel entzündet. Der entstehende schwarze Schaum
wird bei 150 °C in einem Trockenschrank getrocknet, danach fein gemörsert und in einen
Porzellantiegel überführt. Nach einer ersten zweistündigen Glühung bei 1000 °C in
der Luftatmosphäre eines Kammerofens sowie dem anschließenden Hinzumischen von zwei
Massenprozent Borsäure zu dem abgekühlten Glühgut erfolgt eine erneute vierstündige
thermische Behandlung bei 1100 °C in einer 5 %-igen Formiergas-Atmosphäre. Das bei
450 nm Anregung gemessenen Emissionsspektrum des erhaltenen Leuchtstoffes ist in der
Kurve 113 der Fig. 9 dargestellt, die zugehörige Abklingkurve ist der Kurve 133 der
Fig. 10 zu entnehmen.
[0066] Die beiden Ausführungsbeispiele und die dazugehörigen Figuren zeigen noch einmal
mit aller Deutlichkeit, dass es sich bei den Ca
3Sc
2Si
3O
12:Ce
3+, Mn
2+- Leuchtstoffen um eine besonders geeignete Leuchtstoffklasse für die Ausbildung eines
Sicherheitsmerkmals handelt. Durch Variation der Leuchtstoffzusammensetzung und der
Präparationsbedingungen lassen sich zahlreiche exklusive Leuchtstoffkompositionen
mit unterschiedlichem Abklingverhalten und unterscheidbarer Emissionsspektren und
mit einer aus diesem Grunde ausgeprägt hohem Sicherheits- und Echtheitsniveau erstellen.
Die exklusiven Eigenschaften der zum Schutze von Wert- und Sicherheitsdokumenten in
der Form von Sicherheitsmerkmalen anwendbaren Leuchtstoffe können mit der Hilfe handelsüblicher
Smartphones sicher verifiziert werden.
[0067] Die in der vorstehenden Beschreibung, den Ansprüchen sowie der Zeichnung offenbarten
Merkmale können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination für die Verwirklichung
der verschiedenen Ausführungen von Bedeutung sein.
Bezugszeichenliste
[0068]
- 1
- Sicherheitsmerkmal
- 2
- Sicherheitsdokument / Banknote
- 3
- Nominalwert
- 4
- Beleuchtungseinheit
- 6
- Bildaufnahmeeinheit
- 7
- Smartphone
- 8
- Blitzlicht
- 9
- Kamera / Detektor
- 11
- Emissionskurve
- 12
- Blitzlicht-Anregungskurve
- 13
- Bildaufnahme des Sicherheitsmerkmals 01
- 14a
- Startbild
- 14b
- Referenzbild
- 15
- CIE- Normalfarbtafel
- 40 - 43
- Verfahrensschritte
- 111
- Emissionsspektrum des Leuchtstoffs gemäß Ausführungsbeispiel 1
- 112
- Emissionsspektrum des Leuchtstoffs gemäß Ausführungsbeispiel 2
- 113
- Emissionsspektrum des Leuchtstoffs gemäß Ausführungsbeispiel 3
- 121
- Anregungsspektrum des Leuchtstoffs gemäß Ausführungsbeispiel 1
- 1311
- Abklingkurve für die 505 nm-Emission des Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel 1
- 1312
- Abklingkurve für die 570 nm-Emission des Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel 1
- 1313
- Abklingkurve für die 700 nm-Emission des Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel 1
- 132
- Abklingkurve der vorwiegend grünen Emission des Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel
2
- 133
- Abklingkurve der vorwiegend grünen Emission des Leuchtstoffes gemäß Ausführungsbeispiel
3
- 140 - 147
- x-y-Farbkoordinaten der abklingenden integralen Lumineszenz des Leuchtstoffes gemäß
Ausführungsbeispiel 1
1. Verfahren zum Überprüfen eines smartphone-verifizierbaren Sicherheitsmerkmals, mit
- optischem Anregen eines Leuchtstoffs eines Sicherheitsmerkmals (1), welches zumindest
teilweise aus dem Leuchtstoff besteht, mittels einer Lichtquelle eines Smartphones
(7);
- Detektieren einer Lumineszenz des Leuchtstoffs, welche der Leuchtstoff auf die optische
Anregung abgibt, mittels einer Bilderfassungseinrichtung (9) des Smartphones (7);
und
- Auswerten von Bildaufnahmen des Sicherheitsmerkmals (1), die während der Abklingzeit
mittels der Bilderfassungseinrichtung (9) erfasst werden, mittels einer Auswerteeinrichtung
des Smartphones (7) und unter Verwendung einer oder mehrerer Software-Applikationen,
die auf dem Smartphone (7) lauffähig installiert sind, umfassend:
- Bestimmen von elektronischen Informationen, die in einem maschinenlesbaren Code
codiert sind, welcher Teil des Sicherheitsmerkmals (1) ist und wenigstens teilweise
aus dem Leuchtstoff besteht;
- Bestimmen eines optischen Parameters für die Lumineszenz in der Frequenz- und /
oder der Zeitdomäne; und
- Vergleichen des optischen Parameters mit einem Referenzparameter, um die Echtheit
des Sicherheitsmerkmals (1) zu prüfen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass elektronische Informationen bestimmt werden, die in einem mehrdimensionalen maschinenlesbaren
Code codiert sind, bei dem die Lumineszenz einen ersten optischen Parameter und einen
zweiten optischen Parameter aufweist, welcher von dem ersten optischen Parameter verschieden
ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die elektronischen Informationen in einem ein- oder mehrdimensionalen QR-Code codiert
sind, mit dem der maschinenlesbare Code des Sicherheitsmerkmals (1) gebildet ist.
4. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass beim Auswerten der Bildaufnahmen die elektronischen Informationen mit elektronischen
Referenzinformationen verglichen werden, um die Echtheit des Sicherheitsmerkmals (1)
zu prüfen.
5. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Smartphone (7) eine lauffähig installierte Software-Applikation aufweist, die
eingerichtet ist, aus den Bildaufnahmen eine Abklingzeit für die Lumineszenz zu bestimmen
und als optischen Parameter für die Lumineszenz in der Zeitdomäne die Abklingzeit
der Lumineszenz und mit einer Referenzabklingzeit zu vergleichen.
6. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Smartphone (7) eine lauffähig installierte Software-Applikation aufweist, die
eingerichtet ist, aus den Bildaufnahmen einen spektralen Parameter für die Lumineszenz
zu bestimmen und als optischen Parameter in der Frequenzdomäne den spektralen Parameter
für die Lumineszenz und mit einem spektralen Referenzparameter zu vergleichen.
7. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die elektronischen Informationen den optischen Parameter für die Lumineszenz anzeigend
bestimmt werden.
8. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die elektronischen Informationen kryptografische Informationen anzeigend bestimmt
werden.
9. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass beim Auswerten der Bildaufnahmen bestimmt wird, ob eine letzte der Bildaufnahmen
frei von Lumineszenz des Leuchtstoffs des Sicherheitsmerkmals (1) ist und das Sicherheitsmerkmal
(1) nur dann als echt bestimmt wird, wenn die letzte der Bildaufnahmen frei von Lumineszenz
des Leuchtstoffs ist.
10. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass ein Sicherheitsmerkmal (1) geprüft wird, welches als Leuchtstoff wenigstens ein Material
aus der folgenden Gruppe aufweist:
- (Ca1-x-yCexMny)3(Sc1-z/Mnz)2Si3O12; mit 0 < x ≤ 0,1; 0 < y ≤ 0,8; und 0< z ≤ 0,8; und y / z ≈ 2; und
- Ca3Sc2Si3O12:Ce3+, Mn2+.
11. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass mittels des Überprüfens des Sicherheitsmerkmals (1) die Echtheit eines Wert- oder
Sicherheitsdokuments geprüft wird, auf dem das smartphone-verifizierbare Sicherheitsmerkmal
(1) angeordnet ist.
12. Verfahren nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die auf die optische Anregung abgegeben Lumineszenz des Leuchtstoffs eine Abklingzeit
im Bereich von 1 ms bis 100 ms aufweist.
13. Smartphone-verifizierbares Sicherheitsmerkmal, mit
- einem Leuchtstoff, der mittels einer Lichtquelle (4) eines Smartphones (7) zum Abgeben
einer Lumineszenz optisch anregbar ist, wobei die Lumineszenz von einer Bilderfassungseinrichtung
(9) des Smartphones (7) mittels Bildaufnahmen erfassbar ist; und
- einem maschinenlesbaren Code, die zumindest teilweise aus dem Leuchtstoff besteht.
14. Wert- oder Sicherheitsdokument, mit einem smartphone-verifizierbaren Sicherheitsmerkmal
nach Anspruch 13.