[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern eines straßengeführten Oberleitungssystems
sowie eine Steuereinheit.
[0002] Straßengeführte Oberleitungssysteme dienen zum elektrischen Versorgen von straßengeführten
Kraftfahrzeugen wie beispielsweise Lastkraftwagen mit Stromabnehmern. Ein solches
Oberleitungssystem umfasst mindestens ein Segment mit einer Energieeinspeisung. Die
Energieeinspeisung ist beispielsweise ein AC/DC-Wandler, der eine Netzspannung in
eine Gleichspannung für die Oberleitungen wandelt. Die Energieeinspeisung wird dabei
von einer Steuereinheit angesteuert. Eine Steuereinheit kann dabei auch mehrere Segmente
mit deren Energieeinspeisungen steuern.
[0003] Aus der
KR 2015 012 79 45 A ist ein schienengebundenes Oberleitungssystem bekannt, wobei eine Steuereinheit Positionsdaten
von Schienenfahrzeugen erhält und nur die Abschnitte mit elektrischer Energie versorgt,
in denen aktuell ein Schienenfahrzeug sich aufhält. Somit kann Energie eingespart
werden, da die Energieeinspeisungen auch im Leerlauf elektrische Verluste aufweisen.
Durch das Abschalten von Abschnitten wird diese Energie eingespart.
[0004] Der Erfindung liegt das technische Problem zugrunde, ein Verfahren zum Steuern eines
straßengeführten Oberleitungssystems zu verbessern sowie eine zugehörige Steuereinheit
zu schaffen.
[0005] Die Lösung des technischen Problems ergibt sich durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 sowie eine Steuereinheit mit den Merkmalen des Anspruchs 6. Weitere
vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0006] Das Verfahren zum Steuern eines straßengeführten Oberleitungssystems, wobei das Oberleitungssystem
mindestens ein Segment mit einer Energieeinspeisung und mindestens eine Steuereinheit
für das mindestens eine Segment aufweist, wobei die Steuereinheit mindestens eine
Kommunikationsschnittstelle aufweist, erfolgt zunächst dadurch, dass mindestens ein
straßengeführtes Kraftfahrzeug mit Stromabnehmern das Segment befährt und mittels
mindestens einer Sensorik einen Zustand des Oberleitungssystems detektiert, wobei
der Zustand mittels einer fahrzeugseitigen Kommunikationsschnittstelle an die Steuereinheit
direkt oder indirekt über eine Zentrale übermittelt wird, wobei die Steuereinheit
in Abhängigkeit des übermittelten Zustandes die Energieeinspeisung ansteuert. Hierdurch
kann die Steuereinheit das Gesamtverhalten verbessern.
[0007] In einer bevorzugten Ausführungsform wird mittels der Sensorik eine Spannung an den
Oberleitungen erfasst. Mittels dieser Information kann dann die Steuereinheit beispielsweise
bei Unterspannungen die Leistungsabgabe der Energieeinspeisung erhöhen. Erfasst hingegen
die Sensorik keine Spannung, so liegt vermutlich ein Fehler vor, beispielsweise eine
Leitungsunterbrechung. In diesem Fall kann dann die Steuereinheit die Energieeinspeisung
abschalten. Dies gewährleistet Sicherheit und spart Energie.
[0008] In einer weiteren Ausführungsform werden mittels der Sensorik Bilddaten des Oberleitungssystems
und/oder der Umgebung des Oberleitungssystems erfasst. So kann beispielsweise ein
straßengeführtes Kraftfahrzeug erfassen, dass eine Fahrbahn unterhalb der Oberleitungen
durch ein anderes stehendes Fahrzeug blockiert ist. Daraufhin kann dann die Steuereinheit
die Energieeinspeisung beispielsweise abschalten, da keine Kraftfahrzeuge elektrische
Energie von den Oberleitungen beziehen können. Aber auch andere Defekte wie beispielsweise
Leitungsbrüche können durch die Bilddaten erfasst werden.
[0009] In einer weiteren Ausführungsform werden der Steuereinheit Daten übermittelt, aus
denen die Steuereinheit eine aktuelle und zukünftige Nutzung des Segments durch Kraftfahrzeuge
ermittelt und in Abhängigkeit der ermittelten aktuellen und zukünftigen Nutzung wird
dann die Energieeinspeisung angesteuert. Vorzugsweise sind die Daten Positionsdaten
der Kraftfahrzeuge mit Stromabnehmern. Somit kann die Leistungsentnahme an den Bedarf
angepasst werden.
[0010] Vorzugsweise wird die Energieeinspeisung abgeschaltet, wenn die Steuereinheit ermittelt,
dass aktuell kein Kraftfahrzeug das Segment benutzt und für einen vorgegebenen Zeitraum
eine zukünftige Nutzung nicht zu erwarten ist. Somit kann erheblich Energie eingespart
werden Da im allgemeinen es zu Einschaltverlusten kommt, sollte der Zeitraum nicht
zu klein gewählt werden. Dieser beträgt beispielsweise einige Minuten.
[0011] Dabei kann weiter vorgesehen sein, dass die Steuereinheit ihre Daten an eine Zentrale
übermittelt, sodass eine bessere Planung durchgeführt werden kann. So können beispielsweise
Kraftfahrzeuge frühzeitig darüber informiert werden, dass ein Segment aktuell abgeschaltet
ist (z.B. aufgrund eines Leitungsbruchs).
[0012] Die Steuereinheit zum Steuern eines straßengeführten Oberleitungssystems ist derart
ausgebildet, mindestens eine Energieeinspeisung eines Segments eines Oberleitungssystems
anzusteuern, wobei die Steuereinheit mit mindestens einer Kommunikationsschnittstelle
ausgebildet ist, wobei die Steuereinheit weiter derart ausgebildet ist, Daten über
einen Zustand des Oberleitungssystems zu empfangen und in Abhängigkeit des Zustandes
die Steuerung der Energieeinspeisung vorzunehmen.
[0013] Hinsichtlich der weiteren Ausgestaltungen wird auf die vorangegangenen Ausführungen
Bezug genommen.
[0014] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels näher
erläutert. Die Figuren zeigen:
- Fig. 1
- ein Kraftfahrzeug mit Stromabnehmern,
- Fig. 2
- ein schematisches Blockschaltbild eines Oberleitungssystems und
- Fig. 3
- ein schematisches Blockschaltbild eines Teils eines Kraftfahrzeugs.
[0015] In der Fig. 1 ist ein Kraftfahrzeug 1 mit Stromabnehmern 2 dargestellt, wobei die
Stromabnehmer 2 in Kontakt zu Oberleitungen 3 eines Oberleitungssystems 10 stehen
(siehe Fig. 2). Das Oberleitungssystems 10 weist im dargestellten Beispiel zwei Segmente
11, 12 auf, denen jeweils eine eigene Energieeinspeisung 13 zugeordnet ist. Die Energieeinspeisung
13 ist beispielsweise als Gleichrichter ausgebildet, der eine Netzspannung in eine
Hochvolt-Gleichspannung für die Oberleitungen 3 wandelt. Die Oberleitungen 3 der beiden
Segmente 11, 12 sind entweder beabstandet oder durch Isolatoren 14 verbunden, um elektrische
Rückwirkungen zu verhindern. Die beiden Energieeinspeisungen 13 werden durch eine
Steuereinheit 15 angesteuert, die eine Kommunikationsschnittstelle 16 aufweist. Über
die Kommunikationsschnittstelle 16 kann die Steuereinheit 15 entweder direkt mit Kraftfahrzeugen
kommunizieren oder aber indirekt über eine Zentrale 20. In der Fig. 3 ist schließlich
ein Teil eines Kraftfahrzeuges 1 als Blockschaltbild vereinfacht dargestellt. Das
Kraftfahrzeug 1 weist Stromabnehmer 3 auf, die mit einem Wechselrichter 21 verbunden
sind, der eine Elektromaschine 22 bestromt. Aus Übersichtsgründen sind dabei Trennelemente
und Vorladeschaltungen nicht dargestellt. Am Eingang des Wechselrichters 21 ist ein
Zwischenkreiskondensator C angeordnet. An den Stromabnehmern 3 ist eine Spannungsmesseinrichtung
23 angeordnet, die ihre Messdaten an ein Steuergerät 24 liefert. Das Steuergerät 24
ist datentechnisch mit einer Kamera 25 und einer Positionserfassungseinrichtung 26
verbunden. Schließlich weist das Steuergerät 24 eine Kommunikationsschnittstelle 27
auf, um mit der Steuereinheit 15 und/oder der Zentrale 20 zu kommunizieren.
[0016] Fährt nun beispielsweise ein Kraftfahrzeug 1 die Oberleitungen 3 des ersten Segments
11 ab, so wird die Spannung an den Oberleitungen 3 durch die Spannungsmesseinrichtung
23 erfasst. Diese Spannung kann dann regelmäßig oder situativ an die Steuereinheit
15 übertragen werden. Ist beispielsweise die gemessene Spannung unter einer Nennspannung,
so spricht dies für eine starke Belastung des Segments 11 und die Steuereinheit 15
kann die Leistungsabgabe der Energieeinspeisung 13 erhöhen. Erfasst hingegen die Spannungsmesseinrichtung
23 keine Spannung, so spricht dies für einen Fehler. In diesem Fall kann dann die
Steuereinheit 15 die Energieeinspeisung 13 abschalten. Durch die Daten der Positionserfassungseinrichtung
26 kann dabei auch der Fehlerort bestimmt werden. Zusätzlich übermittelt das Kraftfahrzeug
1 auch Bilddaten der Kamera 25, sodass beispielsweise weitere Fehler oder Blockierungen
der Fahrbahnen unter den Oberleitungen 3 erfassbar sind, sodass dann beispielsweise
die Steuereinheit 15 die Energieeinspeisung 13 abschaltet.
[0017] Weiter kann sich ein Kraftfahrzeug 1 über die Kommunikationsschnittstelle 27 bei
der Steuereinheit 15 anmelden. Kennt die Steuereinheit 15 die Position aller Kraftfahrzeuge
1, so kann diese die Leistungsabgabe der Energieeinspeisungen 13 an die Anzahl der
Kraftfahrzeuge 1 sowie deren Leistungsbedarf anpassen. Befindet sich hingegen kein
Kraftfahrzeug 1 in einem Segment 11, 12 und fährt auch kein Kraftfahrzeug 1 kurzfristig
in das Segment 11, 12 ein, so kann dessen Energieeispeisung 13 abgeschaltet werden,
um Energie zu sparen.
Bezugszeichenliste
[0018]
- 1
- Kraftfahrzeug
- 2
- Stromabnehmer
- 3
- Oberleitung
- 10
- Oberleitungssystem
- 11, 12
- Segment
- 13
- Energieeinspeisung
- 14
- Isolator
- 15
- Steuereinheit
- 16
- Kommunikationsschnittstelle
- 20
- Zentrale
- 21
- Wechselrichter
- 22
- Elektromaschine
- 23
- Spannungsmesseinrichtung
- 24
- Steuergerät
- 25
- Kamera
- 26
- Positionserfassungseinrichtung
- 27
- Kommunikationsschnittstelle
1. Verfahren zum Steuern eines straßengeführten Oberleitungssystems (10), wobei das Oberleitungssystem
(10) mindestens ein Segment (11, 12) mit einer Energieeinspeisung (13) und eine Steuereinheit
(15) für das mindestens eine Segment (11, 12) aufweist, wobei die Steuereinheit (15)
mindestens eine Kommunikationsschnittstelle (16) aufweist, wobei mindestens ein straßengeführtes
Kraftfahrzeug (1) mit Stromabnehmern (2) das Segment (11, 12) befährt und mittels
mindestens einer Sensorik einen Zustand des Oberleitungssystems (10) detektiert, wobei
der Zustand mittels einer fahrzeugseitigen Kommunikationsschnittstelle (27) an die
Steuereinheit (15) direkt oder indirekt über eine Zentrale (20) übermittelt wird,
wobei die Steuereinheit (15) in Abhängigkeit des übermittelten Zustandes die Energieeinspeisung
(13) ansteuert.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass mittels der Sensorik eine Spannung an den Oberleitungen (3) erfasst wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass mittels der Sensorik Bilddaten des Oberleitungssystems (10) und/oder der Umgang des
Oberleitungssystems (10) erfasst werden.
4. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Steuereinheit (15) Daten übermittelt werden, aus denen die Steuereinheit (15)
eine aktuelle und zukünftige Nutzung des Segments (11, 12) durch Kraftfahrzeuge (1)
ermittelt und in Abhängigkeit der ermittelten aktuellen und zukünftigen Nutzung die
Energieeinspeisung (13) ansteuert.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Energieeinspeisung (13) abgeschaltet wird, wenn die Steuereinheit (15) ermittelt,
dass aktuell kein Kraftfahrzeug (1) das Segment (11, 12) benutzt und für einen vorgegebenen
Zeitraum eine zukünftige Nutzung nicht zu erwarten ist.
6. Steuereinheit (15) zum Steuern eines straßengeführten Oberleitungssystems (10) wobei
die Steuereinheit (15) derart ausgebildet ist, mindestens eine Energieeinspeisung
(13) eines Segments (11, 12) eines Oberleitungssystems (10) anzusteuern, wobei die
Steuereinheit (15) mit mindestens einer Kommunikationsschnittstelle (16) ausgebildet
ist, wobei die Steuereinheit (15) weiter derart ausgebildet ist, Daten über einen
Zustand des Oberleitungssystems (10) zu empfangen und in Abhängigkeit des Zustandes
die Steuerung der Energieeinspeisung (13) vorzunehmen.
7. Steuereinheit nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Zustand eine Spannungslage der Oberleitungen (3) des mindestens einen Segments
(11, 12) ist.
8. Steuereinheit nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Zustand eine Beschädigung und/oder Blockierung des mindestens einen Segments
(11, 12) ist.
9. Steuereinheit nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinheit (15) derart ausgebildet ist, aus übermittelten Daten eine aktuelle
und zukünftige Nutzung des mindestens einen Segments (11, 12) durch Kraftfahrzeuge
(1) zu ermitteln und in Abhängigkeit der ermittelten Nutzung die Energieeinspeisung
(13) anzusteuern.
10. Steuereinheit nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinheit (15) derart ausgebildet ist, die Energieeinspeisung (13) abzuschalten,
wenn ermittelt wird, dass aktuell kein Kraftfahrzeug (1) das Segment (11, 12) benutzt
und für einen vorgegebenen Zeitraum eine zukünftige Nutzung nicht zu erwarten ist.