[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines Walzgerüstes zum Stufenwalzen
von Metallband. Der Begriff "Stufenwalzen" meint ein Walzen des Metallbandes mit unterschiedlichen
Dicken in einzelnen Abschnitten des Metallbandes.
[0002] Derartige Verfahren zum Stufenwalzen von Metallband sind im Stand der Technik grundsätzlich
bekannt, so z. B. aus der europäischen Patentanmeldung
EP 1 121 990 A2. Diese Patentanmeldung offenbart ein Walzgerüst mit Arbeitswalzen, welche einen Walzspalt
aufspannen. Dem Walzgerüst sind einlaufseitig ein Abwickelhaspel und ein Bandspeicher
vorgeschaltet zum Zuführen von Metallband mit einer konstanten Ausgangsdicke in das
Walzgerüst. Auslaufseitig sind dem Walzgerüst - in Materialflussrichtung gesehen -
ein Bandspeicher und ein Aufwickelhaspel nachgeschaltet. Insbesondere der Aufwickelhaspel
wird unter Berücksichtigung des jeweils geänderten Coil-Durchmessers auf den Mittelwert
der Auslaufgeschwindigkeit des Metallbandes aus dem Walzgerüst geregelt. Auf diese
Weise wird im Mittel so viel Band auf den Aufhaspel aufgewickelt, wie Band den Walzspalt
verlässt. Die mindestens eine Rolleneinheit in dem auslaufseitigen Bandspeicher, bei
der es sich beispielsweise um eine Tänzerrolle handelt, wird kraftgeregelt, so dass
ein gewollter Bandzug vorliegt.
[0003] Diese Funktion des auslaufseitigen Bandspeichers als Stellglied zur Regelung des
auslaufseitigen Bandzugs hat den Nachteil, dass die Position der Rolleneinheit bzw.
der Tänzerrolle aufgrund der besagten Kraftregelung grundsätzlich unbestimmt ist.
Diese Unbestimmtheit der Position der Rolleneinheit führt in Verbindung mit dem schnell
durchlaufenden Metallband zu Instabilitäten. Dies gilt deshalb, weil insbesondere
der Bandspeicher während seines Betriebes, gegebenenfalls auch in Verbindung mit dem
Aufwickelhaspel als ein FederMasse-System betrachtet werden kann, welches bei Betrieb
im Bereich seiner Resonanzfrequenz zu einem unkontrollierten Aufschaukeln neigt. Im
Ergebnis ist festzustellen, dass die gewünschte Regelung des Bandzugs auf der Auslaufseite
mit Hilfe des auslaufseitigen Bandspeichers als kraftgeregeltem Stellglied lediglich
suboptimal funktioniert.
[0004] Weiterhin ist es im Stand der Technik bekannt, den auslaufseitigen Bandzug des Metallbandes
mit Hilfe des Aufwickelhaspels als Stellglied auf einen vorgegebenen auslaufseitigen
Soll-Bandzug zu regeln.
[0005] Letztere Regelung funktioniert hinreichend gut, solange mit niedriger Walzgeschwindigkeit
gewalzt wird und insbesondere Dickenunterschiede zwischen einzelnen Abschnitten des
Metallbandes lediglich durch langsame Änderungen des Walzspaltes in das Metallband
eingebracht werden.
[0006] Erfolgen diese Änderungen des Walzspaltes und die damit einhergehenden Dickenunterschiede
in dem Metallband jedoch relativ schnell, ist diese Regelung nicht geeignet. Das von
dem Aufwickelhaspel zu einem Coil aufgewickelte Metallband wiegt typischerweise mehrere
Tonnen, beispielsweise 25 t. Deshalb ist die Massenträgheit des auslaufseitigen Aufwickelhaspels,
insbesondere wenn er mit dem besagten Coil beladen ist, zu groß, um schnelle Änderungen
in der Dicke des Metallbandes im Hinblick auf einen konstanten Bandzug auszuregeln.
[0007] Die europäische Patentanmeldung
EP 3 210 681 A1 offenbart alle Merkmale des Oberbegriffs des Verfahrensanspruchs 1.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein bekanntes Verfahren zum Betreiben eines
Walzgerüstes zum Stufenwalzen von Metallband in alternativer Weise dahingehend weiterzubilden,
dass der auslaufseitige Bandzug auch bei schnellen Änderungen der Größe des Walzspaltes
und daraus resultierenden schnellen Dickenänderungen in dem gewalzten Metallband,
hinreichend konstant gehalten werden kann.
[0009] Diese Aufgabe wird durch das in Patentanspruch 1 beanspruchte Verfahren gelöst. Dieses
Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass die Drehzahl des Abwickelhaspels auf eine
konstante Abwickel-Soll-Drehzahl geregelt wird.
[0010] Der Begriff "Stufenwalzen" meint das Walzen eines zusammenhängenden Metallbandes
mit unterschiedlichen Dicken in einzelnen Abschnitten. Insbesondere in einem nachlaufenden
Abschnitt des Metallbandes ist die Dicke anders als in einem dazu benachbarten vorlaufenden
Abschnitt des Metallbandes. Der Unterschied zwischen den Dicken beträgt Δh. Anstelle
des Begriffs "Stufenwalzen" wird auch der Begriff "flexibles Walzen" synonym verwendet.
[0011] Die beanspruchte Regelung des Bandzugs mit Hilfe des Aufwickelhaspels als Stellglied
bildet die Grundlage für das erfindungsgemäße Konstanthalten des auslaufseitigen Bandzugs.
Diese Regelung ist gut geeignet zum Konstanthalten des Bandzugs, wenn sich die Dicke
des Metallbandes im Auslauf des Walzgerüstes nicht oder nur vergleichsweise langsam
ändert. Vergleichsweise langsam bedeutet in diesem Zusammenhang so langsam, dass eine
daraus resultierende Änderung des Bandzugs trotz der großen Massenträgheit des Aufwickelhaspels
mit diesem ausgeregelt werden kann. Um jedoch darüber hinaus auch quasi überlagerte
schnelle Änderungen des Bandzugs ausregeln bzw. kompensieren zu können, ist der besagten
Regelung des Bandzugs mit Hilfe des Aufwickelhaspels eine Positionsregelung der Rolleneinheit
in dem auslaufseitigen Bandspeicher überlagert. Die Rolleneinheit in dem auslaufseitigen
Bandspeicher hat eine wesentlich geringere Massenträgheit als der Aufwickelhaspel
und kann deshalb sehr flexibel, d. h. sehr schnell auf höher frequente Änderungen
des Bandzugs reagieren, wie sie aus schnellen Änderungen der Dicke des Metallbandes
resultieren. Die beanspruchte Positionsregelung der Rolleneinheit des auslaufseitigen
Bandspeichers bietet im Unterschied zu der aus dem Stand der Technik bekannten Kraftregelung
der Rolleneinheit den Vorteil, dass die
[0012] Position der Rolleneinheit während der Regelung jeweils in Form von Soll-Positionen
fest vorgegeben wird. Mit dieser festen Vorgabe der Soll-Positionen ist auch der jeweilige
Bandzug fest eingestellt. Anders als bei einer Kraftregelung der Rolleneinheit bietet
die beanspruchte Positionsregelung der Rolleneinheit den Vorteil einer größeren Stabilität
des auslaufseitigen Bandzugs auch bei dynamischer Änderung des Walzspaltes bzw. der
Dicke des Metallbandes.
[0013] Gemäß einem Ausführungsbeispiel der Erfindung wird die aus dem vorgegebenen Dickenunterschied
resultierende notwendige Änderung der Soll-Position der Rolleneinheit in einem Prozessmodell
für das Stufenwalzen zeitlich vorausberechnet, vorzugsweise bevor oder während der
Dickenunterschied durch eine Änderung des Walzspaltes zwischen den Arbeitswalzen des
Walzgerüstes realisiert wird. Im Falle dieser Vorausberechnung kann die Rolleneinheit
bereits sehr frühzeitig auf ihre neue geänderte Sollposition eingestellt bzw. vorgesteuert
werden. Dies erfolgt vorzugsweise spätestens sobald die Größe des Walzspaltes um den
Dickenunterschied Δh geändert wird. Diese erfindungsgemäße Vorsteuerung bietet den
Vorteil, dass die erforderliche Änderung der Position der Rolleneinheit zeitlich nicht
später als die Dickenänderung erfolgt, wodurch eine ansonsten zwischenzeitlich temporär
entstehende Instabilität des Bandzugs wirkungsvoll verhindert werden kann.
[0014] Das dem Walzgerüst einlaufseitig zugeführte Metallband weist vorzugsweise eine konstante
Ausgangsdicke auf.
[0015] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen Verfahrens betreffend
sowohl die Einlaufseite wie auch die Auslaufseite des Walzgerüstes sind Gegenstand
der abhängigen Ansprüche.
[0016] Der Erfindung sind drei Figuren beigefügt, wobei
- Figur 1
- eine Walzanlage mit einem Walzgerüst zum Stufenwalzen von Metallband;
- Figur 2
- eine Detailansicht von Figur 1 zur Erläuterung des erfindungsgemäßen Verfahrens; und
- Figur 3
- eine Veranschaulichung der veränderten Soll-Position der Rolleneinheit in dem auslaufseitigen
Bandspeicher
zeigt.
[0017] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die genannten Figuren in Form
von Ausführungsbeispielen detailliert beschrieben. In allen Figuren sind gleiche technische
Elemente mit gleichen Bezugszeichen bezeichnet.
[0018] Figur 1 zeigt eine Walzanlage zum Stufenwalzen von Metallband 200. Diese Anlage umfasst
ein Walzgerüst 100 mit Arbeitswalzen 105, welche einen Walzspalt aufspannen. Die Größe
des Walzspaltes ist beim Stufenwalzen veränderlich zum Einbringen von Dickenunterschieden
Δh in das Metallband. In der Konsequenz hat dann ein vorlaufender Abschnitt 220 des
Metallbandes eine andere Dicke als ein nachfolgender Abschnitt 210 des Metallbandes
200. Der Dickenunterschied beträgt Δhi; siehe Figur 2. Dabei bezeichnet der Laufparameter
i mit i=1 ...I einen jeweiligen Abschnitt des Metallbandes.
[0019] Gemäß Figur 1 wird das Metallband mit vorzugsweise konstanter Ausgangsdicke ho einlaufseitig
des Walzgerüstes 100 von einem Abwickelhaspel 80 bereitgestellt. Es durchläuft sodann
optional einen einlaufseitigen Bandspeicher 90 bevor es in den Walzspalt zwischen
den Arbeitswalzen 105 des Walzgerüstes einläuft und dort gewalzt wird. Auslaufseitig
durchläuft das dann gewalzte Metallband 200 zunächst einen auslaufseitigen Bandspeicher
110, bevor es mit Hilfe eines auslaufseitigen Aufwickelhaspels zu einem Coil aufgewickelt
wird.
[0020] Aufgrund von erfolgten Änderungen der Größe des Walzspaltes während des Walzens weist
das zu dem Coil aufgewickelte Metallband in unterschiedlichen Abschnitten unterschiedliche
Dicken auf.
[0021] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Betreiben des Walzgerüstes 100 wird nachfolgend
unter Bezugnahme auf die Figuren detailliert beschrieben. Das Verfahren gilt insbesondere
für das Kaltwalzen von Metallbändern; eine Anwendung des Verfahrens bei Warmband ist
jedoch nicht ausgeschlossen.
[0022] Das erfindungsgemäße Verfahren zielt insbesondere darauf ab, den Bandzug auf der
Auslaufseite des Walzgerüstes 100 auch bei schnellen Änderungen in der Dicke des Metallbandes,
wie sie beim Stufenwalzen vorkommen, konstant zu halten. Zu diesem Zweck wird der
Aufwickelhaspel 120 als Stellglied für eine Bandzugregelung verwendet, bei welcher
der auslaufseitige Bandzug auf einen vorgegebenen auslaufseitigen Soll-Bandzug geregelt
wird.
[0023] Der Bandzug ist bei konstantem Querschnitt des Metallbandes proportional zu einer
auf das Metallband wirkenden Zugkraft in Längsrichtung des Metallbandes. Die Regelung
auf den konstanten Soll-Bandzug kann beispielsweise dadurch realisiert werden, dass
das Soll-Drehmoment des Aufwickelhaspels nach Maßgabe des sich beim Aufwickeln des
Coils kontinuierlich vergrößernden Radiusses des Coils zeitabhängig verändert wird.
Insofern kann die beanspruchte Regelung auf einen konstanten auslaufseitigen Soll-Bandzug
durch eine geeignete Regelung des Drehmomentes des Auslaufhaspels realisiert sein,
wobei dann das vorzusehende Soll-Drehmoment in Abhängigkeit des sich zeitlich verändernden
Coilradiusses verändert werden muss. Die besagte Regelung auf den konstanten Bandzug
entspricht einer Regelung auf einen Mittelwert der Geschwindigkeit des Metallbandes
am Ausgang des Walzgerüstes.
[0024] Um auch schnelle Änderungen des Walzspaltes und daraus resultierende schnelle Änderungen
der Dicke des Metallbandes im Hinblick auf einen angestrebten konstanten Bandzug ausregeln
zu können, ist erfindungsgemäß, wie oben beschrieben, der besagten Regelung des Bandzugs
mit Hilfe des Aufwickelhaspels eine schnelle Positionsregelung für die Rolleneinheit
114 des auslaufseitigen Bandspeichers 110 überlagert. Diese Positionsregelung sieht
vor, dass für jeden Abschnitt i des Metallbandes mit einer unterschiedlichen bzw.
individuellen Dicke die Rolleneinheit in dem auslaufseitigen Bandspeicher auf eine
individuell vorgegebene Soll-Position geregelt wird. Die Notwendigkeit für das Einstellen
dieser individuellen Soll-Positionen für die unterschiedlich dicken Abschnitte des
Metallbandes wird nachfolgend insbesondere unter Bezugnahme auf Figur 2 näher erläutert.
[0025] Es wird davon ausgegangen, dass das Metallband 200 mit einer Ausgangsdicke ho in
den Walzspalt zwischen den Arbeitswalzen 105 des Walzgerüstes 100 einläuft. In dem
Walzspalt erfährt das Metallband 200 zunächst eine Dickenreduzierung um einen Dickenunterschied
Δh
i, wie in Figur 2 gezeigt. Diese Dickenreduktion Δhi des Metallbandes auf der Auslaufseite
des Walzgerüstes 100 führt zu einer Änderung der Auslaufgeschwindigkeit Vex i des
Metallbandes aus dem Walzgerüst um einen Betrag ΔVex i in dem vorlaufenden Abschnitt
220 des Metallbandes, insbesondere gegenüber der vereinfachend als konstant angenommenen
Umfangsgeschwindigkeit VU der Arbeitswalzen 105 des Walzgerüstes 100.
[0026] Die Änderung der Ausgangsgeschwindigkeit ΔVex i ist abhängig von einer Vielzahl von
Parametern, wie sie in der nachfolgenden physikalischen Funktion nicht abschließend
aufgelistet sind.
[0027] ΔVi = f (ho, Δhi, η: Reibwert im Walzspalt, kf: Fließkurve des zu walzenden Materials,
Rauheit -, Durchmesser- und Umfangsgeschwindigkeit VU der Arbeitswalzen, Grad der
Schmierung im Walzspalt, Temperatur, Rauheit des Metallbandes, Zugkraft FZug i auf
Metallband am Ausgang des Walzgerüstes vor dem auslaufseitigen Bandspeicher, Zugkraft
Fzug Hi auf das Metallband am Auslauf des auslaufseitigen Bandspeichers, etc).
[0028] Die Änderung der Ausgangsgeschwindigkeit ΔVex i wird typischerweise von einem Prozessmodell
auf Basis von initialisierten Werten für die einzelnen Parameter vorausberechnet.
Bei den initialisierten Werten handelt es sich vielfach nur um Schätz- bzw. Erfahrungswerte,
weil die Werte von vielen der Parameter nicht genau bekannt bzw. reproduzierbar sind.
Während der Durchführung des Walzprozesses ist es deshalb empfehlenswert, die einzelnen
Parameter mit Hilfe eines Beobachters zu beobachten, d.h. messtechnisch zu erfassen
und ihre beobachteten bzw. gemessenen Werte mit den aktuell im Prozessmodell verwendeten
Werten zu vergleichen. Im Falle einer erkannten Abweichung einzelner Parameterwerte
empfiehlt sich dann eine Anpassung des Prozessmodells, um dieses ständig weiter zu
verbessern.
[0029] Die Gesamtgeschwindigkeit Vex i des Metallbandes am Auslauf des Walzgerüstes in Transportrichtung
des Metallbandes vor dem auslaufseitigen Bandspeicher 110 berechnet sich zu:

[0030] Davon zu unterscheiden ist die Geschwindigkeit des Metallbandes VHi am Auslauf des
auslaufseitigen Bandspeichers 110 bzw. Einlauf des Aufwickelhaspels 120.
[0031] Durch Aufintegrieren der Geschwindigkeitsdifferenz Vex i-VHi über der Zeit lässt
sich die aus der ursprünglichen Dickenänderung Δhi resultierende Längenänderung ΔS
i des Metallbandes auf der Auslaufseite des Walzgerüstes berechnen gemäß folgender
Formel:

[0032] Diese Längenänderung ΔS i muss in dem auslaufseitigen Bandspeicher 110 kompensiert
werden, damit die Aufgabe der Erfindung gelöst und die Längenänderung keinen negativen
Einfluss auf die Konstanz des Bandzugs auf der Auslaufseite des Walzgerüstes hat.
Zu diesem Zweck sieht die vorliegende Erfindung vor, aus dieser berechneten Längenänderung
Δsi eine erforderliche Änderung der Soll-Position Δpi der Rolleneinheit in dem auslaufseitigen
Bandspeicher 110 derart zu berechnen, dass die besagte Längenänderung Δs in dem Bandspeicher
vorzugsweise vollständig kompensiert wird. In Fig. 3 ist die Änderung der Soll-Position
Δpi der Rolleneinheit beispielhaft dargestellt. Die besagte Änderung der Soll-Position
Δpi entspricht beispielhaft in grober Näherung der Hälfte der Längenänderung Δsi des
Metallbandes, wobei jedoch zusätzlich noch Winkelbeziehungen und die Längenabschnitte
des in dem auslaufseitigen Bandspeicher geführten Metallbandes zu berücksichtigen
sind. Die Änderung der Soll-Position Δp i der Rolleneinheit erfolgt erfindungsgemäß
im Rahmen einer Positions-Steuerung oder Positions-Regelung, welche der traditionellen
Bandzugregelung des Metallbandes auf der Auslaufseite des Walzgerüstes überlagert
ist.
[0033] Die Rolleneinheit hat Vergleich zu dem Aufwickelhaspel, insbesondere wenn dieser
das zu einem Coil aufgewickelte Metallband trägt, nur eine wesentlich geringere Masse
und Massenträgheit. Deshalb kann die Rolleneinheit bzw. der Bandspeicher vorteilhafterweise
viel schneller auf schnelle Längenänderungen des Metallbandes, wie sie insbesondere
beim Stufenwalzen auftreten, reagieren als der wesentlich trägere Aufwickelhaspel.
Die Längenänderungen sind proportional zu Änderungen im Bandzug gemäß der folgenden
Proportionalitätsbeziehung:

mit
- ΔFZug
- Änderung des Bandzugs
- Δs
- Längenänderung des Metallbandes aufgrund einer Dickenänderung des Metallbandes
- E
- E-Modul des Metallbandes
- A
- Querschnittsfläche des Metallbandes
- L
- gespannte Länge des Metallbandes.
[0034] Während der auslaufseitige Aufwickelhaspel 120 aufgrund seiner Massenträgheit das
Metallband 200 im Wesentlichen mit einer konstanten Umfangsgeschwindigkeit VHi, welche
einer mittleren Auslaufgeschwindigkeit des Metallbandes aus dem Walzgerüst 100 auch
bei geänderten Dicken entspricht, aufwickelt, kompensiert der erfindungsgemäße positionsgeregelte
Bandspeicher die in Figur 2 dargestellten Schwankungen der auslaufseitigen Bandgeschwindigkeit
Vex i um den besagten Mittelwert VHi. Auf diese Weise wird die erfindungsgemäße Aufgabe,
nämlich den auslaufseitigen Bandzug auch bei hochdynamischen Änderungen des Walzspaltes
und damit der Dicke des auslaufseitigen Bandes konstant zu halten, gewährleistet.
Bezugszeichenliste
[0035]
- 80
- Abwickelhaspel auf der Einlaufseite
- 90
- einlaufseitiger Bandspeicher
- 100
- Walzgerüst
- 105
- Arbeitswalzen des Walzgerüstes
- 110
- auslaufseitiger Bandspeicher
- 114
- Rolleneinheit
- 120
- Aufwickelhaspel
- 200
- Metallband
- 210
- nachlaufender Metallbandabschnitt
- 220
- vorlaufender Metallbandabschnitt
- Δhi
- Dickenunterschied zwischen dem vorlaufenden und dem nachfolgenden Abschnitt des Metallbandes
- Δsi
- Änderung der Sollposition der Rolleneinheit des Bandspeichers
- Δvi
- Änderung der Auslaufgeschwindigkeit des Metallbandes aus dem Walzgerüst aufgrund des
Dickenunterschiedes Δh
- PSoll v
- Sollposition des vorlaufenden Abschnitts des Metallbandes
- PSoll n
- Sollposition des nachlaufenden Abschnitts des Metallbandes
- I bzw. v
- (voreilender ) Abschnitt des Metallbandes
- i+1 bzw. n
- (nacheilender) Abschnitt des Metallbandes
- Vo
- Geschwindigkeit des Metallbandes am Eingang des Walzgerüstes
- Vex i
- Geschwindigkeit des Metallbandes am Auslauf des Walzgerüstes vor dem auslaufseitigen
Bandspeicher
- VHi
- Geschwindigkeit des Metallbandes hinter dem auslaufseitigen Bandspeichers am Einlauf
des Aufwickelhaspels.
- VU
- Umfangsgeschwindigkeit der Arbeitswalzen
1. Verfahren zum Betreiben eines Walzgerüstes (100) zum Stufenwalzen von Metallband (200),
wobei dem Walzgerüst auf der Auslaufseite - in Materialflussrichtung gesehen - ein
auslaufseitiger Bandspeicher (110) mit mindestens einer Rolleneinheit (114) und ein
Aufwickelhaspel (120) nachgeschaltet sind; und
wobei das Verfahren folgende Schritte aufweist:
- Zuführen des Metallbandes (200) einlaufseitig in das Walzgerüst (100);
- Stufenwalzen des Metallbandes in dem Walzgerüst (100) so, dass ein vorlaufender
und ein nachfolgender Abschnitt (220, 210) des Metallbandes unterschiedliche Dicken
mit einem Dickenunterschied Δhi aufweisen;
- Durchlaufen des Metallbandes (200) durch den auslaufseitigen Bandspeicher (110);
und
- Aufhaspeln des Metallbandes mit den unterschiedlichen Dicken hinter dem Bandspeicher
(110) zu einem Coil mit Hilfe des Aufwickelhaspels (120);
- Regeln der Position der Rolleneinheit (114) des auslaufseitigen Bandspeichers (110)
auf jeweils für den vorlaufenden und den nachfolgenden Abschnitt des Metallbandes
(200) individuell vorgegebene Soll-Positionen Psoll v, Psoll n, und
- Regeln des auslaufseitigen Bandzugs des Metallbandes (200) mit Hilfe des Aufwickelhaspels
(120) als Stellglied auf einen vorgegebenen auslaufseitigen Soll-Bandzug
wobei dem Walzgerüst (100) auf seiner Einlaufseite ein Abwickelhaspel (80) zum Bereitstellen
des Metallbandes sowie zwischen dem Abwickelhaspel und dem Walzgerüst mindestens ein
einlaufseitiger Bandspeicher (90) für das Metallband angeordnet sind,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Verfahren weiterhin folgenden Schritt aufweist:
- Regeln der Drehzahl des Abwickelhaspels (80) auf eine vorgegebene Abwickel-Soll-Drehzahl.
2. Verfahren nach Anspruch 1
dadurch gekennzeichnet,
dass sich die für den nachlaufenden Abschnitt (210) des Metallbandes (200) vorgegebene
Soll-Position Psoll n mit n=i+1 aus einer für den vorlaufenden Abschnitt (220) des
Metallbandes vorgegebenen Soll-Position Psoll v mit v=i wie folgt berechnet:

wobei die Änderung der Soll-Position Δp wie folgt berechnet wird:
- Berechnen einer Änderung der Auslaufgeschwindigkeit ΔVexi des Metallbandes aus dem
Walzgerüst insbesondere nach Maßgabe des Dickenunterschieds Δhi; und
- Aufintegrieren der Geschwindigkeitsdifferenz Vex i - Vhi Metallbandes über der Zeit
zu einer daraus resultierenden Längenänderung Δsi des Metallbandes (200) auf der Auslaufseite
des Walzgerüstes (100); und
- Berechnen der erforderlichen Änderung der Soll-Position Δpi der Rolleneinheit (114)
in dem Bandspeicher zur Kompensation der Längenänderung Δsi des Metallbandes beim
Übergang von dem vorlaufenden auf den nachfolgenden Abschnitt (220, 210).
3. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die aus dem vorgegebenen Dickenunterschied Δhi resultierende notwendige Änderung
der Soll-Position Δp der Rolleneinheit (114) in einem Prozessmodell für das Stufenwalzen
zeitlich vorausberechnet wird, bevor oder während der Dickenunterschied Δhi durch
eine Änderung des Walzspaltes zwischen den Arbeitswalzen (105) des Walzgerüstes realisiert
wird, und
dass die Rolleneinheit (114) auf ihre neue geänderte Soll-Position Psoll n mit n=i+1 eingestellt
und insofern vorgesteuert wird, spätestens sobald die Größe des Walzspaltes um den
Dickenunterschied Δhi geändert wird.
4. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Verfahren weiterhin folgenden Schritt aufweist:
- Regeln des einlaufseitigen Bandzugs des Metallbandes (200) mit Hilfe des einlaufseitigen
Bandspeichers (90) als Stellglied auf einen vorgegebenen einlaufseitigen Soll-Bandzug.
5. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das einlaufseitig in das Walzgerüst (100) zugeführte Metallband (200) eine konstante
Ausgangsdicke (h0) aufweist.
6. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Metallband beim Stufenwalzen kaltgewalzt wird.
1. Method of operating a roll stand (100) for stepped rolling of metal strip (200), wherein
an outlet-side strip store (110) with at least one roller unit (114) and winding-up
coiler (120) are downstream of the roll stand on the outlet side as seen in material
flow direction;
and
wherein the method comprises the following steps:
- feeding the metal strip (200) at the inlet side into the roll stand (100);
- stepped rolling of the metal strip in the roll stand (100) so that a leading and
a trailing section (220, 210) of the metal strip have different thicknesses with a
thickness difference Δhi;
- running the metal strip (200) through the outlet-side strip store (110); and
- coiling up the metal strip with the different thicknesses behind the strip store
(110) to form a coil with the help of the winding-up coiler (120);
- regulating the position of the roller unit (114) of the outlet-side strip store
(110) to respective target positions Psoll v, Psoll n individually predetermined for the leading section and the trailing section of the
metal strip (200) and
- regulating the outlet-side strip tension of the metal strip (200) to a predetermined
outlet-side target strip tension with the help of the winding-up coiler (120) as setting
element,
wherein an unwinding coiler (80) for providing the metal strip and at least one outlet
side strip store (90), which is between the unwinding coiler and the roll stand, for
the metal strip are arranged at the roll stand (100) on its inlet side,
characterised in that
the method further comprises the following step:
- regulating the rotational speed of the unwinding coiler (80) to a predetermined
unwinding target rotational speed.
2. Method according to claim 1,
characterised in that the target position P
Soll n, wherein n = i + 1, predetermined for the trailing section (210) of the metal strip
(200) is calculated as follows from a target position P
soll v, wherein v = i, predetermined for the leading section (220) of the metal strip:

wherein the change in the target position Δp is calculated as follows:
- calculating a change in the outlet speed ΔVex i of the metal strip from the roll
stand particularly according to the amount of the thickness difference Δhi; and
- integrating the speed difference Vex i - Vhi of the metal strip over time to form
a length change Δs i resulting therefrom of the metal strip (200) on the outlet side
of the roll stand (100); and
- calculating the required change in the target position Δp i of the roll unit (114)
in the strip store to provide compensation for the length change Δs i of the metal
strip at the transition from the leading section (220) to the trailing section (210).
3. Method according to one of the preceding claims,
characterised in that
the necessary change, which results from the predetermined thickness difference Δhi,
in the target position Δp of the roller unit (114) is calculated in advance in time
in a process model for the stepped rolling, before or while the thickness difference
Δhi is realised by a change in the rolling gap between the work rolls (105) of the
roll stand,
and the roller unit (114) is set to its new changed target position PSoll n, wherein n = i + 1, and in that respect pre-controlled at the latest when the rolling gap is changed by the thickness
difference Δhi.
4. Method according to any one of the preceding claims,
characterised in that the method further comprises the following step:
- regulating the inlet-side strip tension of the metal strip (200) to a predetermined
inlet-side target strip tension with the help of the inlet-side strip store (90) as
setting element.
5. Method according to any one of the preceding claims,
characterised in that
the metal strip (200) fed at the inlet side into the roll stand (100) has a constant
starting thickness (h0).
6. Method according to any one of the preceding claims,
characterised in that
the metal strip is cold-rolled during the stepped rolling.
1. Procédé destiné à l'exploitation d'une cage de laminoir (100) pour le laminage étagé
d'une bande métallique (200), dans lequel un dispositif de stockage de bande du côté
sortie - lorsqu'on regarde dans la direction de défilement de la matière - qui comprend
au moins une unité (114) sous la forme d'un rouleau et un dispositif de bobinage (120)
sont montés à la suite de la cage de laminoir ; et
dans lequel le procédé présente les étapes suivantes dans lesquelles :
- on achemine la bande métallique (200) du côté entrée dans la cage de laminoir (100)
;
- on soumet la bande métallique dans la cage de laminoir (100) à un laminage étagé
d'une manière telle qu'un tronçon de tête et un tronçon qui suit (220, 210) de la
bande métallique présentent des épaisseurs différentes avec une différence d'épaisseur
Δhi ;
- on fait passer la bande métallique (200) à travers le dispositif de stockage de
bande (110) du côté sortie ; et
- on enroule la bande métallique présentant les épaisseurs différentes derrière le
dispositif de stockage de bande (110) afin d'obtenir une bobine à l'aide du dispositif
de bobinage (120) ;
- on règle la position de l'unité (114) sous la forme d'un rouleau, du dispositif
de stockage (110) du côté sortie à des positions de consigne Psoll v, Psoll n, respectivement
prédéfinies de manière individuelle pour le tronçon de tête et le tronçon qui suit
de la bande métallique (200) ; et
- on règle la traction de bande de la bande métallique (200) du côté sortie à l'aide
du dispositif de bobinage (120) à titre d'élément de réglage à une traction de bande
de consigne du côté sortie qui a été prédéfinie ;
dans lequel un dispositif de dévidage (80) est disposé du côté entrée de la cage de
laminoir (100) pour la fourniture de la bande métallique et au moins un dispositif
de stockage de bande (90) pour la bande métallique du côté entrée est disposé entre
le dispositif de dévidage et la cage de laminoir ;
caractérisé en ce que
le procédé présente en outre l'étape suivante dans laquelle :
- on règle la vitesse de rotation du dispositif de dévidage (80) à une vitesse de
rotation de consigne pour le dévidage qui a été prédéfinie.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que l'on calcule la position de consigne Psoll n, dans laquelle n = i + 1, qui a été
prédéfinie pour le tronçon qui suit (210) de la bande métallique (200) à partir d'une
position de consigne Psoll v, dans laquelle v = i, qui a été prédéfinie pour le tronçon
de tête (220) de la bande métallique, comme indiqué ci-après :

dans lequel on calcule la modification de la position de consigne Δp comme indiqué
ci-après, à savoir :
- on calcule une modification de la vitesse de défilement ΔVexi de la bande métallique
à partir de la cage de laminoir, en particulier en fonction de la différence d'épaisseur
Δhi ; et
- on intègre la différence de vitesse Vexi - Vhi de la bande métallique au cours du
temps à une modification de la longueur Δsi de la bande métallique qui en résulte
(200) du côté sortie de la cage de laminoir (100) ; et
- on calcule la modification requise de la position de consigne Δpi de l'unité (114)
sous la forme d'un rouleau dans le dispositif de stockage de bande à des fins de compensation
de la modification de la longueur Δsi de la bande métallique au cours du passage du
tronçon de tête au tronçon qui suit (220, 210).
3. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, caractérisé en ce que l'on calcule de manière préalable dans le temps la modification requise de la position
de consigne Δp de l'unité (114) sous la forme d'un rouleau qui résulte de la différence
d'épaisseur Δhi qui a été prédéfinie, dans un modèle de processus pour le laminage
étagé, avant ou pendant que s'opère la différence d'épaisseur Δhi par l'intermédiaire
d'une modification de l'empoise entre les cylindres de travail (105) de la cage de
laminoir; et en ce que l'on règle et l'on commande au préalable l'unité (114) sous la forme d'un rouleau
(114) à sa nouvelle position de consigne qui a été modifiée Psoll n, dans laquelle
= i + 1, d'une manière telle que ledit réglage ou ladite commande au préalable se
passe au plus tard dès que la modification de la dimension de l'empoise à concurrence
de la différence d'épaisseur Δhi aura eu lieu.
4. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes,
caractérisé en ce que le procédé présente en outre l'étape suivante dans laquelle :
- on règle la traction de bande de la bande métallique (200) du côté entrée à l'aide
du dispositif de stockage de bande (90) du côté entrée, à titre d'élément de réglage,
à une traction de bande de consigne du côté entrée qui a été prédéfinie.
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, caractérisé en ce que la bande métallique (200) acheminée du côté entrée dans la cage de laminoir (100)
présente une épaisseur de départ constante (h0).
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, caractérisé en ce que la bande métallique est soumise à un laminage froid au cours du laminage étagé.