[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft das Formen und Behandeln von extrudierten Kunstfasern
vor und im Zuge ihrer Verfestigung.
Hintergrund der Erfindung
[0002] Zellulose kann in wässrigen Lösungen von Aminoxiden, insbesondere von Lösungen von
N-Methyl-Morpholin-N-oxid (NMMO) gelöst werden, um aus der erhaltenen Spinnlösung
Spinnprodukte, wie zum Beispiel Filamente, Stapelfasern, Folien, etc. herzustellen.
Dies geschieht durch Ausfällen der Extrudate im Wasser oder verdünnten Aminoxidlösungen
nachdem die Extrudate vom Extruder über einen Gasspalt in das Fällbad geführt werden.
Üblicherweise werden Zelluloselösungen im Bereich von 4% bis 23% für die Verarbeitung
zu Extrusionsprodukten eingesetzt. Dieses Verfahren wird auch Lyocellverfahren bzw.
die erhaltenen Zellulosefilamente Lyocellfilamente bezeichnet.
[0004] Eine industrielle NMMO-Multifilamentanlage wird in
US 4,246,221 beschrieben und besteht aus einem Extruder mit einer Extrusionsplatte mit mehreren
Extrusionsöffnungen, einem Gasspalt und einem Auffangbehälter mit einem Erstattungsmedium.
[0005] EP 0 430 926 B1 beschreibt Extrusionsöffnungen mit Kapillaren, welche eine höhere Lochdichte der
Extrusionsöffnungen erlaubt.
[0007] In
WO 94/28210 und
WO 98/18983 werden Spinndüsen für die Herstellung von Lyocell-Faser beschrieben, wobei die Extrusionsöffnungen
in mehreren in eine Rahmenkonstruktion eingeschweißten Platten vorgesehen. Die Gesamtheit
der Platten ergibt eine Clusterförmige Anordnung der Extrusionsdüsen entsprechend
den jeweiligen Platten.
[0008] DE 10 200 405 A1 beschreibt ein Lyocellverfahren, worin ein Filamentvorhang mit einer Breitdüse in
einem Luftspalt mit einem breit aufgefächerten Gasstrom gekühlt wird.
[0009] WO 2013/030399 A1 beschreibt ein Lyocellverfahren, worin der Gasstrom in einen Heizteilstrom und einen
Kühlteilstrom unterteilt ist.
[0010] WO 02/12600 beschreibt ein Lyocellverfahren, welches im Hinblick auf die Abzugsgeschwindigkeit
der Lyocellfilamente eingestellt wurde.
[0011] Im vom Lyocellprozess entfernten Gebiet des Schmelzspinnens, worin direkt nach dem
Extrudieren einer Schmelze die Filamente im Gasbereich verfestigt werden, ist gemäß
der
US 4,283,364 eine Extrusionsplatte für kleine Anlagen mit Kanälen bekannt. Die Kanäle sollen bei
dieser Anlage die Garnfeinheit mit weniger Unebenheiten verbessern. Die Prozesse im
Gasbereich nach Extrusion sind zwischen Schmelzspinnen und Lyocellspinnen jedoch nicht
vergleichbar: Während beim Schmelzspinnen verfestigt wird, geschieht dies im Lyocellverfahren
erst im Erstarrungsmedium, z.B. in einem Fällbad, während im Gasspalt die fluiden
Filamente vorbehandelt werden z.B. um sie zu Strecken, eine bestimmte Luftfeuchte
einzustellen (
US 4,246,221), sie vorzukühlen oder um schädliche Partikel zu entfernen (
WO 2013/030399 A1).
[0012] JP 05044104 A2 beschreibt ein Dry-Jet-Wet-Spinnverfahren zur Herstellung von Filamenten wobei ein
Gas dazu gebracht wird, durch den Luftspalt unter der Spinndüse in senkrechter Richtung
zur Filamentlaufrichtung zu strömen, um verbleibenden Lösungsmitteldampf aus den extrudierten
Filamenten zu entfernen. Infolgedessen wird verhindert, dass Filamentbruch, anhaftende
Filamente, ungewöhnlich dicke Teile und Größenungleichmäßigkeiten auftreten, was die
Qualität und Produktivität der Fasern merklich verbessert. Zusätzlich wird das Gas
nach Durchlaufen des Luftspalts von einer Absaugeinrichtung erfasst, das Gas wird
um 90° umgelenkt, sodass der Abluftstrom in etwa parallel und entgegensetzt der Laufrichtung
der Filamente abgeführt wird.
[0013] WO 03/014436 A1 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von zellulosischen Formkörpern, bei dem
eine Lösung von Zellulose in einem tertiären Amin-N-oxid und gegebenenfalls Wasser
in heißem Zustand geformt wird und die geformte Lösung vor dem Einbringen in ein Koagulationsbad
durch ein gasförmiges Medium in einem Gasspalt abgekühlt wird, wobei das gasförmige
Medium die geformte Lösung von einer Gaseinlassseite zu einer Gasauslassseite durchströmt.
Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass das gasförmige Medium gasaustrittsseitig
in einer Richtung im Wesentlichen parallel oder im Wesentlichen entgegengesetzt zur
Bewegungsrichtung der Formlösung abgesaugt wird
Zusammenfassung der Erfindung
[0014] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Filamentspinnverfahren bzw. ein Nassspinnverfahren,
worin in einem Erstarrungsmedium extrudierte Filamente verfestigt werden, nachdem
sie in einem Gasspalt vorbehandelt wurden. Es ist ein Ziel der Erfindung möglichst
hohe Materialdurchsätze mit optimaler Behandlung im Gasspalt und guter Qualität der
erhaltenen Filamente umzusetzen. Die Qualitäten eines Monofilamentverfahrens werden
für Multifilamentverfahren angestrebt.
[0015] Ein weiteres Ziel ist die Produktivität möglichst hoch zu halten. Zusätzlich ist
es ein Erfindungsziel, möglichst hohe Spinngeschwindigkeiten bei entsprechender Spinnsicherheit
und Produktqualität (keine Verklebungen, gleichmäßige Faserfeinheit) zu realisieren.
[0016] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung, geeignet zum Herstellen von
Materialfilamenten durch Extrusion eines Materialfluids und Verfestigen des Materialfluids.
Die Vorrichtung hat einen Extrusionskopf 1 mit einer Vielzahl von Extrusionsöffnungen,
ein Auffangbad 2 zur Aufnahme von extrudierten fluiden Filamenten 5 aus den Extrusionsöffnungen,
einen Gasspalt A zwischen den Extrusionsöffnungen und dem Auffangbad, wodurch ein
Gasbehandlungsbereich 4' für extrudiertes Materialfluid gebildet wird, eine Gasströmungsvorrichtung
3, 6 zum Erzeugen eines Gasstroms im Gasspalt, wobei seitlich des Gasbehandlungsbereichs
und in Richtung des Gasstroms mindestens eine Gasströmungsbegrenzung 4 vorgesehen
wird.
[0017] Weiters betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung von festen Materialfilamenten
aus einem Materialfluid durch Extrudieren des Materialfluids durch mehrere Extrusionsöffnungen,
wodurch fluide Filamente 5 entstehen, Passieren der fluiden Filamente durch einen
Gasspalt A, und Verfestigen der Filamente in einer Koagulationsflüssigkeit in einem
Auffangbad 2, wobei im Gasspalt A ein Gasstrom 6, 7 durch strömt, wobei der Gasstrom
mit mindestens einer Gasströmungsbegrenzung 4 geleitet wird, wobei die Gasströmungsbegrenzung
einen Gasbehandlungsbereich 4', in dem die Filamente mit dem Gasstrom behandelt werden,
seitlich begrenzt. Aufgrund der zur Umgebung teilweise offen gestalteten Ausführung
des Spinnsystems werden sogenannte "Falschluftströme" 8 in das Spinnsystem eingebracht.
[0018] Alle hierin beschriebenen Details und Ausführungsformen betreffen alle Aspekte der
Erfindung, die Vorrichtung und das Verfahren, gleichermaßen. Die Vorrichtung oder
Teile davon können im Verfahren eingesetzt werden. Details zum Verfahren können vorzugsweise
Eignungen der Vorrichtung zur Durchführung dieser Verfahren sein.
Figurenbeschreibung
[0019]
In Fig.1 wird eine Extrusionsvorrichtung zum Herstellen von Materialfilamenten durch
Extrusion eines Materialfluids und Verfestigen des Materialfluids mit einer Gasströmungsbegrenzung
4, 4', 4" in der Seitenansicht dargestellt.
In Fig. 2 wird eine Anordnung der Extrusionsvorrichtung aus Fig. 1 in der Vorderansicht
(Ansicht auf Fig. 1 von links) dargestellt. Der Filamentvorhang 5 wird durch einzelne
Filamente gebildet. Seitlich befindet sich die Gasströmungsbegrenzung 4.
Fig. 3 stellt eine erfindungsgemäße Ausführung einer Gasströmungsbegrenzung 4 im Detail
dar. Die Gasströmungsbegrenzung 4 weist in einem Teilbereich eine Perforation, hier
Schlitze, auf.
Fig. 4 stellt eine alternative Ausführung einer Gasströmungsbegrenzung 4 dar. Die
Gasströmungsbegrenzung 4 ist grundsätzlich gleich der Ausführung in Fig. 3. Anstatt
der Schlitze wird die Perforation mit einem Siebgeflecht oder Gitter gestaltet.
Fig. 5 stellt eine weitere alternative Ausführung einer Gasströmungsbegrenzung 4 dar.
Die Gasströmungsbegrenzung 4 ist grundsätzlich gleich der Ausführung in Fig. 3. Anstatt
der Schlitze wird die Perforation mit regelmäßig angeordneten Ausnehmungen. Die Ausnehmungen
können rund, quadratisch, rechteckig, rhombisch, dreieckig oder in jeder beliebigen
Form ausgestaltet sein.
Fig. 6 stellt eine weitere Alternative dar. Die Gasströmungsbegrenzung 4 ist in diesem
Fall nicht durchgängig als ebene Fläche ausgestaltet, sondern weist zumindest in einem
Teilbereich eine dreidimensional strukturierte Oberfläche, insbesondere eine gerillte
Riblet-Oberfläche, (in Fig. 6 gestrichelt dargestellt) auf.
Fig. 7 stellt eine Schnittdarstellung von oben (Draufsicht) des Randbereichs dar.
Der Filamentvorhang 5 wird vom Gasstrom 6 durchströmt. In der Randzone wird durch
den Primärgasstrom 6 zusätzlich "Sekundärgas" 8' angesaugt, welche aufgrund der dreidimensional
strukturierten Oberfläche der Gasströmungsbegrenzung 4 verwirbelt wird.
Fig. 8 beschreibt ein ähnliches System wie Fig. 7. Der Unterschied zu Fig.7 ist, dass
die dreidimensional strukturierte Oberfläche der Gasströmungsbegrenzung 4 teilweise
perforiert ausgeführt ist, sodass durch die Sogwirkung des im Randbereich angesaugten
Sekundärgases 8' auch noch weiter "Sekundärgas" 8"' in das System eingebracht wird.
Fig. 9 ist ident mit Fig. 8 allerdings ist die Gasströmungsbegrenzung 4 als Strömungskammer
ausgeführt wodurch die "Sekundärgas" 8"' als Zwangsströmung mengendosiert eingebracht
wird.
Fig. 10 stellt eine Sonderform der Ausführung im Vergleich zu Fig. 6 dar. Die Gasströmungsbegrenzung
4 ist in diesem Fall eine Begrenzung, welche in regelmäßigen Abständen Einbuchtungen
aufweist, die in Luftströmungsrichtung Öffnungen beinhalten, welche einen Luftstrom
von außen nach innen in den Gasbehandlungsbereich zulassen.
Fig. 11 stellt eine Schnittdarstellung von oben (Draufsicht) des Randbereichs von
Fig. 10 dar. Der Filamentvorhang 5 wird vom Gasstrom 6 durchströmt. In der Randzone
wird durch den Gasstrom 6 zusätzlich "Sekundärgas" 8' angesaugt, welcher aufgrund
der dreidimensional strukturierten Oberfläche der Gasströmungsbegrenzung 4 verwirbelt
wird. Durch die Sogwirkung des im Randbereich angesaugten Sekundärgases 8' wird zusätzlich
noch "Sekundärgas" 8"' von außen durch die Gasströmungsbegrenzung 4 hindurch in das
System eingebracht.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0020] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung mit einem Extrusionskopf 1 mit einer Vielzahl
von Extrusionsöffnungen, einem Auffangbad 2 zur Aufnahme von extrudierten fluiden
Filamenten 5 aus den Extrusionsöffnungen, einem Gasspalt A zwischen den Extrusionsöffnungen
und dem Auffangbad, wodurch ein Gasbehandlungsbereich 4' für extrudiertes Materialfluid
gebildet wird, einer Gasströmungsvorrichtung 3, 6 zum Erzeugen eines Gasstroms im
Gasspalt, wobei seitlich des Gasbehandlungsbereichs und in Richtung des Gasstroms
mindestens eine Gasströmungsbegrenzung 4 vorgesehen wird. Die Vorrichtung kann zum
Herstellen von Materialfilamenten durch Extrusion eines Materialfluids und Verfestigen
des Materialfluids eingesetzt werden. Zum Verfestigen wird üblicherweise eine Koagulationsflüssigkeit
im Auffangbad (dem Behälter dafür) vorgesehen. Diese Koagulationsflüssigkeit ist in
ihrer Zusammensetzung kein Lösungsmittel für das Materialfluid, womit dieses koaguliert
und koagulierte Filamente bildet, welche im Wesentlichen fest sind.
[0021] Der Gasspalt ist eine wesentliche Behandlungszone der extrudierten Filamente, in
der die noch fluiden Filamente z.B. gestreckt oder oberflächenbehandelt (Verflüchtigen
von Lösungsmittelbestandteilen) werden. Die Behandlungszone im Gasspalt wird durch
den Abstand zwischen den Extrusionsöffnungen und der Oberfläche des Koagulationsbades
festgelegt. In der erfindungsgemäßen Vorrichtung kann dieses Oberflächenniveau im
Auffangbad, welches im Wesentlichen eine Wanne ist, markiert werden, insbesondere
wird dieses Oberflächenniveau durch einen Überlauf festgelegt, über den bei Betrieb
das Niveau der Koagulationsflüssigkeit nicht steigen kann. Das Auffangbad hat daher
in bevorzugten Ausführungsformen ein vorgesehenes Flüssigkeitsniveau für eine im Auffangbad
aufnehmbare Koagulationsflüssigkeit.
[0022] Weiters betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Herstellung von festen Materialfilamenten
aus einem Materialfluid durch Extrudieren des Materialfluids durch mehrere Extrusionsöffnungen,
wodurch fluide Filamente 5 entstehen, Passieren der fluiden Filamente durch einen
Gasspalt A, und Verfestigen der Filamente in einer Koagulationsflüssigkeit in einem
Auffangbad 2, wobei im Gasspalt A ein Gasstrom 6, 7 durch strömt, wobei der Gasstrom
mit mindestens einer Gasströmungsbegrenzung 4 geleitet wird, wobei die Gasströmungsbegrenzung
einen Gasbehandlungsbereich (4'), in dem die Filamente mit dem Gasstrom behandelt
werden, seitlich begrenzt.
[0023] Die Erfindung betrifft die Herstellung von Materialfilamenten, z.B. als Endlosformkörpern,
aus einer Formmasse, wie einer Spinnlösung. Bevorzugt ist das Verfahren ein Lyocellverfahren,
also ein Spinnverfahren einer Zelluloselösung, wie eine Spinnlösung enthaltend Zellulose,
Wasser und tertiäres Aminoxid. Lyocell ist ein von der BISFA (The International Bureau
for the Standardization of Man-Made Fibres) vergebener generischer Gattungsname für
Zellulosefasern, welche aus Zellulose ohne Ausbildung eines Derivates hergestellt
werden. Extrudiert wird aus einer Vielzahl von Extrusionsöffnungen, durch die die
Formmasse (Materialfluid) zu den fluiden Filamenten extrudiert wird. Die fluiden Filamente
werden in der Koagulationsflüssigkeit, welche auch als Erstarrungsmedium oder Fällbad
bezeichnet wird, verfestigt. Im Gasspalt zwischen Extrusionsöffnungen und Koagulationsflüssigkeit
befindet sich ein Gasbehandlungsbereich für die Filamente.
[0024] Der Gasbehandlungsbereich wird räumlich durch die Höhe des Gasspaltes (Abstand zwischen
Extrusionsöffnungen und Koagulationsflüssigkeit, insbesondere vorgesehenes Flüssigkeitsniveau
im Auffangbad) sowie seitlich durch die Dimension der angeordneten Extrusionsöffnungen
festgelegt. Aus diesen Extrusionsöffnungen strömen die extrudierten Filamente in die
Koagulationsflüssigkeit (das Auffangbad) bei Betrieb. Der Bereich, der durch die (äußeren)
extrudierten Filamente begrenzt wird, wird als Gasbehandlungsbereich bezeichnet, da
darin die Filamente durch den Gasstrom behandelt werden. Es ist also der Raum, der
durch die Fläche der Anordnung der Extrusionsöffnungen (begrenzt durch die Extrusionsöffnungen
am Rand der Anordnung) mal der Höhe des Gasspaltes an der Stelle der Extrusionsöffnungen
gebildet wird. Die Vielzahl an Filamenten im Gasspalt wird auch als Extrudatvorhang
bezeichnet. Dieser bestimmt den Gasbehandlungsbereich.
[0025] Durch den Gasspalt wird ein Gasstrom bewegt, üblicherweise zumindest in Draufsicht
in linearer Weise. Der Gasstrom tritt in den Gasbehandlungsbereich an einer Eintrittsseite
ein und an einer gegenüberliegenden Austrittsseite wieder aus. Im Gasbehandlungsbereich
selbst werden die Filamente durch den Gasstrom umströmt.
[0026] Erfindungsgemäß werden seitlich des Gasbehandlungsbereichs mindestens eine Gasströmungsbegrenzung
vorgesehen. "Seitlich" bedeutet üblicherweise im Wesentlichen normal zur Extrusionsrichtung
bzw. im Wesentlichen parallel zur Oberfläche des Koagulationsbades und zudem seitlich
am Gasbehandlungsbereich im Hinblick auf die durchgehende Gasströmung, also im Wesentlichen
parallel zu dieser verlaufend, jedoch an den Rand des Gasbehandlungsbereichs versetzt.
Die Gasströmungsbegrenzung ist eine physische Barriere, die eine Fläche zwischen Extrusionsöffnungen
und Koagulationsbad und entlang der in Richtung der Gasströmung verlaufenden Begrenzung
des Gasbehandlungsbereichs liegt. Die Gasströmungsbegrenzung ist beispielsweise eine
seitlich am Gasbehandlungsbereich anliegende Wand. Sie liegt üblicherweise mit nur
geringem Abstand an. Selbstverständlich darf die Gasströmungsbegrenzung die extrudierten
Filamente nicht berühren um deren Strömung von den Extrusionsöffnungen in das Auffangbad
nicht zu behindern. Durch die Gasströmungsbegrenzung wird bloß die Gasströmung, insbesondere
in den Randbereichen des Gasbehandlungsbereichs verändert. Diese Veränderungen betreffen
ansonsten auftretende Verwirbelungen und/oder allfällige seitliche Zu- oder Abströmungen
zum/vom Gasstrom.
[0027] Insbesondere werden für die Führung des Gases durch die Filamente im Gasspalt durch
den Einsatz der erfindungsgemäßen Gasströmungsbegrenzung Bedingungen geschaffen, die
sowohl hinsichtlich Qualität der Filamente, Produktivität und Erhaltung eines störungsfreien
Betriebs eine erhebliche Weiterentwicklung im Vergleich zu bisherigen Spinnanlagen
darstellen.
[0028] Die erfindungsgemäße Gasströmungsbegrenzung bewirkt eine Beeinflussung des Gasstroms
in den Randzonen des Gasbehandlungsbereichs. Durch die erfindungsgemäße Gasströmungsbegrenzung
werden die Stromlinien des Gasstromes beeinflusst, sie können, je nach Ausgestaltung
der Begrenzung, umgelenkt, verdichtet, verwirbelt und/oder mit Sekundärgas vermischt
werden. Gas, welches in direkter Line von der Eintrittsseite zur Austrittseite zum
und durch den Gasbehandlungsbereich strömt, wird Primärgas bezeichnet. Es wird üblicherweise
durch ein Gebläse in den Gasbehandlungsbereich eingeblasen. Sekundärgas ist indirekt
eingebrachtes Gas, welches z.B. durch das Primärgas mitgerissen wird. Erfindungsgemäß
wurde festgestellt, dass dieses Sekundärgas an den Randbereichen des Gasbehandlungsbereichs
zu Störungen des Spinnprozesses führen kann, wie beispielsweise Verklebungen oder
Abrisse der Filamente. Ebenfalls störend ist Rezirkulationsgas. Dieses ist Gas, welches
schon einmal den Filamentvorhang durchlaufen hat. Dadurch hat es bereits Lösungsmittel
durch den ersten Kontakt mit den Filamenten oder dem Koagulationsbad aufgenommen und/oder
ist erwärmt worden (die Extrusion erfolgt üblicherweise unter Hitze, z.B. 80°C oder
mehr), womit es für eine weitere Behandlung der Filamente schlechter geeignet ist
und destabilisierend auf den Spinnprozess wirkt. Durch die Gasströmungsbegrenzung
wird der Anteil an Sekundärluft sowie die Zufuhr von Rezirkulationsgas minimiert.
Zweck der Gasströmungsbegrenzung ist es, dass einerseits der Gasstrom über die gesamte
Länge und Breite des Gasbehandlungsbereichs unter möglichst gleichen Verhältnissen
durch die Filamente durchgeleitet werden kann. Zusätzlich bewirkt die Gasströmungsbegrenzung
auch eine Beruhigung der Erstarrungsbadoberfläche.
[0029] Bei geschlossenen, über den Umfang nicht sektionierten Runddüsen/Ringdüsen, d.h.
in einem Ring angeordnete Extrusionsöffnungen, erreichen durch deren immanente "Unendlichkeit"
über den gesamten Umfang gleiche Gasstrombedingungen. Ein Spezifikum bei Ringdüsen
ist allerdings, dass im Erstarrungsbad im Inneren des geschlossenen Filamentvorhanges
Bad-Wirbel oder Bad-Rückströmungen entstehen, welche erhebliche Turbulenzen an der
Erstarrungsbadoberfläche hervorrufen. Bei Ringdüsen ist daher die maximale Abzugsgeschwindigkeit
gering zu halten, da höhere Abzugsgeschwindigkeiten (wie bei "offenen" Filamentvorhängen
gebräuchlich) zu massiven Spinnstörungen aufgrund der Badturbulenzen führen.
[0030] Bevorzugt werden daher Rechteckdüsen (in einem Rechteck angeordnete Extrusionsöffnungen)
oder Sektionaldüsen, geteilte Ringdüsen oder sonstige Extrusionsvorrichtungen die
"offene" (nicht geschlossene) Filamentvorhänge bilden. Diese Anordnungen erlauben
einen rascheren Betrieb und hier können die erfindungsgemäßen Gasströmungsbegrenzungen
zu erheblichen Vorteilen beitragen, da dadurch die "Randgängigkeit" des Gasstromes
und Turbulenzen an der Erstarrungsbadoberfläche minimiert oder verhindert werden.
Vorzugsweise sind die Extrusionsöffnungen in einer Rechteckform angeordnet, wobei
die Schmalseite der Rechteckform der Gasströmungsbegrenzung zugewandt ist. Die Längsseite
wird vom Gasstrom angeströmt, bzw. ist einem Gebläse zugewandt. Mögliche Formen der
Anordnung der Extrusionsöffnungen sind Rechteckform, eine gekrümmte Form, Ring- oder
Ringsegmentform. Die längliche Form kann ein Verhältnis Länge zu Breite von 100:1
bis 2:1, vorzugsweise von 60:1 bis 5:1 oder von 40:1 bis 10:1 haben. Vorzugsweise
wird beidseitig des Gasbehandlungsbereichs (links, und rechts, gesehen vom Gasstrom)
jeweils eine Gasströmungsbegrenzung wie hierin beschrieben eingesetzt.
[0031] Bei einer Rechteckform kann die seitliche Gasströmungsbegrenzung an der Seite der
Gasströmungszuführung (üblicherweise die Längsseite - wie oben beschrieben, Seite
des Gebläses bzw. Seite gegen die Gasströmungsrichtung) verbunden werden. Bei beidseitig
des Gasbehandlungsbereichs angebrachten Gasströmungsbegrenzungen entsteht somit eine
U-förmige Begrenzung, zusammen auch Blasluftkasten bezeichnet. Der Verbindungsteil
(auf der Seite der Gasströmungsvorrichtung) kann dabei gleichartig wie die seitlichen
Gasströmungsbegrenzungen ausgeführt sein und z.B. zur Vermeidung von einem Sekundärlufteinzug
in die Koagulationsflüssigkeit im Auffangbad (bzw. in das dafür vorgesehene Niveau
in der erfindungsgemäßen Vorrichtung) hineinragen. Auch möglich ist ein Ende des Verbindungsteils
(so wie der seitlichen Gasströmungsbegrenzung) ohne hineinragen in die Koagulationsflüssigkeit
im Auffangbad (bzw. in das dafür vorgesehene Niveau in der erfindungsgemäßen Vorrichtung),
also einem Ende über diesem Niveau.
[0032] Gasströmungsbegrenzung (und/oder das Verbindungsteil) kann senkrecht zu dem Auffangbad
(Koagulationsflüssigkeitsniveau) angeordnet sein oder in einem von der Senkrechten
abweichenden Winkel, z.B. 0° bis 30°. Die Neigung ist vorzugsweise nach unten (in
Richtung Auffangbad) breiter werdend (also weg vom extrudierten Materialfluid) oder
schmäler werdend (hin zum extrudierten Materialfluid). Hierin angegebene Abstände
der Gasströmungsbegrenzung zum extrudierten Materialfluid/Gasbehandlungsbereich betreffen
den Abstand and der engsten Stelle.
[0033] Vorteile der Erfindung sind im Gasbehandlungsbereich gleichmäßige Gasstromtemperatur
und Gasstromfeuchte; gleichmäßige Gasstromgeschwindigkeit; gleichmäßiger Gasstromgeschwindigkeitsgradient
entlang den Filamenten in Extrusionsrichtung (von den Extrusionsöffnungen zum Auffangbad);
gleichmäßige Belastung der Filamente durch den strömenden Gasstrom; Reduzierung oder
Vermeidung von Turbulenzen an der Erstarrungsbadoberfläche.
[0034] Die Gasströmungsbegrenzung begrenzt zumindest teilweise den Gasstrom über die Gasspalthöhe
seitlich. Die Gasströmungsbegrenzung kann vom Extrusionskopf ausgehend in Richtung
Oberfläche der Koagulationsflüssigkeit über die gesamte Höhe des Gasspalts geführt
sein oder sich aber über die Gasspalthöhe nur teilweise erstrecken, sodass ein Teil
der Gasspalthöhe nicht begrenzt ist. Der über die Gasspalthöhe nicht begrenzte Bereich
kann unmittelbar über der Oberfläche der Koagulationsflüssigkeit, im Bereich unmittelbar
unterhalb der Extrusionsöffnungen oder aber auch zwischen Koagulationsflüssigkeitsoberfläche
und Extrusionsöffnungen liegen. Die Gasströmungsbegrenzung kann erfindungsgemäß auch
in die Koagulationsflüssigkeit eintauchen und gemäß einer Eintauchtiefe unterhalb
der Oberfläche der Koagulationsflüssigkeit enden.
[0035] Die Gasströmungsbegrenzung kann direkt am Extrusionskopf, am Auffangbad oder an der
Gasströmungsvorrichtung (Absaugung, Gebläse) montiert sein. Eine Kombination von mehreren
Gasströmungsbegrenzungen ist ebenfalls möglich; diese können separat, ggf. mit Spalt
(eine vollflächige Absperrung ist nicht nötig und wird in vorzugsweisen Ausführungsformen,
insb. in den Beispielen auch nicht gemacht) oder miteinander verbunden sein.
[0036] Vorzugsweise erstreckt sich die Gasströmungsbegrenzung über die gesamte Länge B des
Gasbehandlungsbereichs, d.h. in der Länge werden alle in Längsrichtung (Gasstromrichtung,
zu der die Gasströmungsbegrenzung entlang verläuft, bzw. im Wesentlichen parallel
ist) angeordneten Extrusionsöffnungen. Die Erstreckung über die gesamte Länge B des
Gasbehandlungsbereichs bedeutet, dass die Fläche der Gasströmungsbegrenzung diesen
Bereich abdeckt, insbesondere die Ränder der Gasströmungsbegrenzung erreichen zumindest
diese Dimensionen. Sie können auch darüber hinaus gehen. Weiters kann, wie erwähnt,
die Gasströmungsbegrenzung perforiert sein, d.h. Abdeckung und Erstreckung bedeutet
nicht notwendigerweise eine komplette Verschließung dieser Fläche. Sie kann ach teilweise
die Fläche versperren.
[0037] Vorzugsweise erstreckt sich die Gasströmungsbegrenzung über einen Bereich L, 4" in
Gasströmungsrichtung nach dem Gasbehandlungsbereich. Die Gasströmungsbegrenzung kann
also über den Bereich der Gasbehandlung hinaus gehen, gemäß diesem Merkmal in Richtung
der Gasströmung bzw. in Richtung Absaugvorrichtung, sofern vorhanden. Dabei ist es
bevorzugt, wenn die Länge L dieses nachherigen Bereichs in Gasströmungsrichtung mindestes
die Hälfte der Länge B des Gasbehandlungsbereichs aller in Längsrichtung angeordneten
Extrusionsöffnungen ist. Vorzugsweise ist die Länge L größer oder gleich der Länge
B.
[0038] Weiters ist es bevorzugt, dass sich die Gasströmungsbegrenzung über einen Bereich
K gegen die Gasströmungsrichtung vor dem Gasbehandlungsbereich erstreckt, also in
Richtung eines Gebläses, sofern vorhanden. Dabei ist vorzugsweise die Länge K dieses
vorherigen Bereichs gegen die Gasströmungsrichtung mindestes die Hälfte der Länge
B des Gasbehandlungsbereichs aller in Längsrichtung angeordneten Extrusionsöffnungen.
[0039] Durch eine Gasströmungsvorrichtung kann der Gasstrom im Gasspalt bewirkt bzw. erzwungen
werden. Die Gasströmungsvorrichtung kann dazu beispielsweise ein Gebläse oder eine
Absaugvorrichtung oder beides umfassen. Vorzugsweise wird beides vorgesehen. In beiden
Vorrichtungen können unterschiedliche Strömungen eingestellt werden. Üblicherweise
wird bei der Absaugvorrichtung eine höhere Strömung eingestellt als beim Gebläse,
da Sekundarluft zusätzlich zur Primärluft angesaugt wird. Erfindungsgemäß kann aufgrund
der Sekundärluftreduzierung diese Ungleichheit reduziert werden.
[0040] In bevorzugten Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. im erfindungsgemäßen
Verfahren wird als Gasströmungsvorrichtung bzw. für den Gasstrom ein Gebläse und/oder
eine Absaugvorrichtung 3 vorgesehen. Die Absaugvorrichtung kann einen Abzugskanal
aufweisen, der vorzugsweise in einem Winkel X von 0° bis 45° zur Horizontalen (Auffangbad-/Koagulationsbadoberfläche)
orientiert ist. Ebenso bevorzugt ist die Absaugvorrichtung oberhalb des Gasspalts
angeordnet, sodass der Gasbehandlungsbereich in einer Horizontalen zugänglich ist.
Durch diese Zugänglichkeit ist der Filamentvorhang einsehbar bzw. kann ein Benutzer
der Vorrichtung korrigierend eingreifen. Der Winkel X ist vorzugsweise 10° bis 40°,
z.B. 20° bis 35°. 0° entspricht der Horizontalen bzw. der Koagulationsbadoberfläche.
Somit wird bevorzugt, dass die Absaugvorrichtung eine ungestörte direkte Einsehbarkeit
der Filamente im Gasspalt erlaubt, das Abgas beim Entfernen aus dem Gasspalt möglichst
wenig umgelenkt wird, wodurch eine besonders effiziente Absaugung erzielt wird; die
Menge an Umgebungsluft (Sekundärluft), die überschüssig mit abgesaugt wird, möglichst
gering gehalten werden kann. Weiters kann dadurch in Kombination mit der Gasströmungsbegrenzung
das Erstarrungsbad möglichst turbulenzfrei gehalten werden. Aufgrund des relativ geringen
Abstandes zur Ansaugöffnung der Absaugvorrichtung besteht nämlich die Gefahr, dass
der Abgasstrom auch Erstarrungsbad mitreißt und so zu Turbulenzen im Erstarrungsbad
beitragen kann. Dies wird mit der Erfindung reduziert.
[0041] Im Verfahren kann daher der Gasstrom durch Einblasen 6 und Absaugen 7 erreicht werden,
wobei vorzugsweise ein abgesaugter Gasstrom größer ist als ein eingeblasener Gasstrom.
Vorzugsweise ist das Verhältnis von abgesaugtem Gasstrom zu eingeblasenem Gasstrom
größer als 1,2 : 1, z.B. größer als 1,4 : 1 oder größer als 1,6 : 1. Durch die Erfindung
kann diese Ungleichheit auch begrenzt werden; somit ist das Verhältnis bevorzugt kleiner
als 2:1, vorzugsweise kleiner als 1,8 : 1, kleiner als 1,6 : 1: oder kleiner als 1,5
: 1 oder auch kleiner als 1,4 : 1.
[0042] Im Gasspalt kann optional (und vorzugsweise wird, insbesondere bei großen, industriell
relevanten Anlagen) ein Gasstrom eingeblasen und oder abgesaugt werden. Der in die
Behandlungszone eintretende Gasstrom (unmittelbar vor der Behandlungszone, z.B. beim
Gebläse) hat vorzugsweise eine Temperatur von 5°C bis 65°C, vorzugsweise von 10°C
bis 40°C, insbesondere Raumtemperatur, z.B. 20°C bis 25°C. Das Materialfluid kann
bei einer Temperatur von 75°C bis 160°C extrudiert werden. Vorzugsweise weist der
Gasspalt eine niedrigere Temperatur auf als jene des extrudierten Materialfluids.
Insbesondere wird ein Gasstrom im Gasspalt bei einer niedrigeren Temperatur als des
extrudierten Materialfluids geführt.
[0043] Mögliche Längen des Gasspalts, also die Distanz zwischen Extrusionsöffnungen und
Koagulationsbadsoberfläche sind vorzugsweise zwischen 10 mm und 200 mm, insbesondere
zwischen 15 mm und 100 mm, oder zwischen 20 mm und 80 mm. Vorzugsweise ist er mindestens
15 mm. Das Gas im Gasspalt ist vorzugsweise Luft. Der Gasstrom ist vorzugsweise ein
Luftstrom. Andere Inertgase sind ebenso möglich. Als Inertgas wird ein Gas bezeichnet,
das nicht mit den fluiden Filamenten im Gasspalt und vorzugsweise auch nicht mit dem
Erstarrungsmedium, wie Wasser oder einer verdünnten NMMO in Wasserlösung oder anderen
Lösungsmittelbestandteilen - je nach verwendetem Extrusionsmedium -, chemisch reagiert.
[0044] Der Zustrom in den Gasbehandlungsbereich (Einblasen, Gebläse) wird vorzugsweise so
eingestellt, dass eine gewünschte Abkühlung des Gases im Gasspalt im Gasbehandlungsbereich
(insbesondere am Gausaustrittsende) erzielt wird. Vorzugsweise, insbesondere bei einem
Lyocellverfahren, wird der Zustrom derart eingestellt, sodass die Temperatur im Gasbehandlungsbereich
auf 40°C bis 80°C abgekühlt wird, vorzugsweise 50°C bis 70°C oder 55°C bis 65°C.
[0045] Durch die Wahl des Gasstroms und der Gasströmungsbegrenzung können zudem Turbulenzen
des Gasstroms am seitlichen Rand des Gasbehandlungsbereichs vermieden werden.
[0046] Um die Vorteile der Erfindung zu erzielen, insbesondere das Gasströmungsverhalten
zu beeinflussen, muss die Gasströmungsbegrenzung nicht die gesamte seitliche Fläche
abdecken. Vorzugsweise weist die Gasströmungsbegrenzung eine Höhe im Gasbehandlungsbereich
in Extrusionsrichtung von mindestens 70% der Höhe des Gasspaltes auf. Die Höhe der
Gasströmungsbegrenzung entspricht ihrer Dimension in Richtung der Extrusionsrichtung,
also im Wesentlichen vertikal bzw. normal zur Koagulationsflüssigkeitsoberfläche;
insbesondere im Gasbehandlungsbereich, also zwischen Extrusionsöffnungen und Koagulationsbad,
soll sie sich in vorzugsweisen Ausführungsformen über mindestens 70%, insbesondere
bevorzugt mindestens 80% oder mindestens 90%, dieser Höhe erstrecken.
[0047] Die Gasströmungsbegrenzung kann vollständig geschlossen, geschlitzt oder aber auch
perforiert ausgeführt sein, d.h. sie kann Öffnungen aufweisen, die einen Gasstrom
hindurch zulassen. Die Perforation kann auf der ganzen Fläche oder nur auf Teilflächen
ausgeführt sein. Die Perforation kann mit Sieben, Schlitzen oder Bohrungen oder sonstigen
Öffnungen in der Fläche verwirklicht werden. Vorzugsweise weist die Gasströmungsbegrenzung
im Bereich des Gasbehandlungsbereichs Perforationen auf. Dabei ist in diesem Bereich
mit Perforationen vorzugsweise mindestens 25% der Fläche der Gasströmungsbegrenzung
im Bereich des Gasbehandlungsbereichs geschlossen, d.h. nicht gasstromdurchlässig.
Also 75% oder weniger der Fläche können geöffnet sein. Insbesondere bevorzugt sind
in diesem Bereich mindestens 35% geschlossen, vorzugsweise mindestens 45%, oder mindestens
55%, mindestens 65% oder mindestens 75% oder mindestens 85% der Fläche in dem Bereich
mit den Perforationen können geschlossen sein.
[0048] Die Gasströmungsbegrenzung kann eben, gebogen, einfach oder mehrfach gewellt oder
gekantet sein. Die Biege-, Well- oder Kantrichtung kann horizontal, vertikal oder
auch schräg zwischen einer horizontalen und vertikalen Ausrichtung ausgerichtet sein.
[0049] Vorzugsweise sind die Perforationen Löcher oder Streifen, vorzugsweise Streifen in
Extrusionsrichtung. Insbesondere bevorzugt wird mindestens ein Streifen auf alle 4
cm, vorzugsweise alle 2 cm oder alle 3 cm, Länge der Gasströmungsbegrenzung im Bereich
des Gasbehandlungsbereichs in Gasströmungsrichtung vorgesehen.
[0050] In weiteren bevorzugten Ausführungsformen weist die Gasströmungsbegrenzung im Bereich
des Gasbehandlungsbereichs eine gewellte, gerillte oder gerippte Oberfläche auf. Eine
derartige Oberfläche ist beispielsweise eine Riblet- oder Wellenleitoberfläche. Die
gewellte, gerillte, gerippte oder Riblet-Oberfläche wird vorzugsweise mit den oben
genannten Perforationen kombiniert. So kann die gewellte, gerillte oder gerippte oder
Riblet-Oberfläche weiters die genannten Perforationen aufweisen. Eine Riblet-Oberfläche
ist eine Oberflächengeometrie mit Rippen, die einen Strömungsabriss bewirken. Die
Rippen sind vorzugsweise derart ausgeführt, sodass in Strömungsrichtung die Rippen
stetig vermehrt in den Gasbehandlungsbereich hineinragen, um dann abzubrechen und
wieder zum Wandniveau der Zurückzukehren. Sie sind im wesentlichen Zacken oder gezackte
Einbuchtungen. Die Perforationen können im stetigen Bereich oder im Abbruchbereich
der Zacken sein. Die Gasströmungsbegrenzung kann als Platte ausgeführt sein, welche
in regelmäßigen Abständen eingeprägte Öffnungen aufweist, die nach Durchströmen der
Platte ein Umlenken des Gasstromes bewirken. Je nach Ausführung der Prägungen kann
der Gasstrom, verglichen zur senkrechten Durchströmung bei "offenen" Löchern, um 15°
bis 90° umgelenkt sein. Durch die Wellungen, Rillen, Rippen, Riblets, Zacken und dgl.
werden vorzugsweise Turbulenzen bewirkt and der Oberfläche dieser Rille, Rippen, Riblets,
Zacken und dgl. erzeugt. Insbesondere werden diese Oberflächen eingesetzt, um einen
geringen Luftwiderstand zu erzeugen. Alternativ dazu kann die Gasströmungsbegrenzung
auch glatt sein.
[0051] Die Gasströmungsbegrenzung 4 kann als Strömungskammer ausgeführt sein. Dies bedeutet
im Wesentlichen, dass die Gasströmungsbegrenzung doppelwandig ausgeführt ist, wodurch
die Kammer gebildet wird. Hierbei hat die zum Gasbehandlungsbereich zeigende Wand
Perforationen, wobei durch die doppelwandige Ausführung ein Gasstrom (Sekundärgas)
durch die Kammer und somit durch die Perforationen begrenzt, gesteuert oder kontrolliert
werden kann.
[0052] Vorzugsweise wird die Gasströmungsbegrenzung temperiert. Die kann einerseits bei
einem durch die Gasströmungsbegrenzung durchströmtes Gas geschehen und/oder durch
vom Gas unterschiedliche Kühl- oder Heizmittel, z.B. eine elektrische Heizung oder
ein Wärmeträgerfluid, das die Gasströmungsbegrenzung temperieren kann.
[0053] Die Gasströmungsbegrenzung liegt seitlich an am Gasbehandlungsbereich und hat zu
diesem einen Abstand (Abstand zu den Filamenten). Dieser Abstand ist z.B. das 2-20-fache
des Abstandes der Filamente (bzw. der Extrusionsöffnungen) zueinander. Somit liegt
vorzugsweise die Gasströmungsbegrenzung zum Gasbehandlungsbereich in einem Abstand
J von mindestens dem doppelten des Abstandes C der Extrusionsöffnungen zueinander
in Richtung quer zur Gasströmungsrichtung vor. Vorzugsweise liegt die Gasströmungsbegrenzung
zum Gasbehandlungsbereich in einem Abstand J von maximal dem 30-fachen des Abstandes
C der Extrusionsöffnungen zueinander in Richtung quer zur Gasströmungsrichtung vor.
[0054] Geeignete und optimale Abstände und Größen der Gasströmungsbegrenzung vom Gasbehandlungsbereich
(extrudiertem Material) können in Versuchen ermittelt werden, indem die Spinninstabilitäten
in den Randzonen aufgezeichnet werden. Eine Aufzeichnung kann typischerweise durch
Augenschein oder per Videoaufzeichnung und Strömungssimulation erfolgen, wenn die
Strömung mit oder ohne Vorhandensein bestimmten Gasströmungsbegrenzungen (wie Riblet-Oberflächen
und dergleichen, und/oder Perforationen) bei einer gewählten Gasströmungsgeschwindigkeiten
untersucht wird. Die Visualisierung von Gasströmungen kann mit künstlich erzeugtem
Rauchnebel erfolgen, damit die Strömung verstanden, nachvollzogen und das Spinnsystem
als Gesamtheit konstruiert werden kann.
[0055] Die Gasströmungsbegrenzung kann aus verschiedenen Materialien gewählt werden, wie
z.B. Metall oder Kunststoff, z.B. thermogeformter Kunststoff.
[0056] Als Fluid im erfindungsgemäßen Verfahren kommt ein Extrusionsmedium zum Einsatz.
Dieses ist vorzugsweise eine Lösung oder Mischung von Zellulose und anderen Mediumsbestandteilen,
wie Lösungsmitteln. Die Zellulosekonzentration wird in für Lyocellverfahren üblichen
Größen gewählt. So kann die Zellulosekonzentration des extrudierten Fluids 4% bis
23%, vorzugsweise 6% bis 20%, insbesondere 8% bis 18% oder 10% bis 16%, sein (alle
%-Angaben in Masse-%). Das Extrusionsmedium ist im Lyocellverfahren üblicherweise
eine Zelluloselösung oder - schmelze mit NMMO (N-Methylmorpholin-N-oxid) und Wasser,
wie einleitend beschrieben. Andere Lösungen von Zellulose, insbesondere ionische Lösungsmittel
von Zellulose, können ebenso verwendet werden. Es kann alternativ oder zusätzlich
ein ionisches Lösungsmittel sein. Derartige ionische Lösungsmittel sind beispielsweise
in
WO 03/029329;
WO 2006/000197 A1;
Parviainen et al., RSC Adv., 2015, 5, 69728-69737;
Liu et al., Green Chem. 2017, DOI: 10.1039/c7gc02880f;
Hauru et al., Zellulose (2014) 21:4471-4481;
Fernández et al. J Membra Sci Technol 2011, S:4; etc. beschrieben und enthalten vorzugsweise organische Kationen, wie z.B. Ammonium-,
Pyrimidium- oder Imidazoliumkationen, vorzugsweise 1,3-Dialkyl-imidazolium Salze,
wie Halogenide. Wasser wird auch hier vorzugsweise als Nicht-Lösungsmittel von Zellulose
verwendet. Besonders bevorzugt ist eine Lösung von Zellulose und Butyl-3-methyl-imidazolium
(BMIM), z.B. mit Chlorid als Gegenion (BMIMC1), oder 1-Ethyl-3-methyl-imidazolium
(auch vorzugsweise als Chlorid, Acetat oder Diethylphosphat) oder 1-hexyl-3-methylimidazolium
oder 1-hexyl-1-methylpyrrolidinium (vorzugsweise mit einem bis(trifluoromethylsulfonyl)amid
Anion), und Wasser. Weitere ionische Lösungsmittel sind 1,5-Diazabicyclo[4.3.0]non-5-enium,
vorzugsweise als Acetat; 1-Ethyl-3-methylimidazoliumacetat, 1,3-Dimethylimidazolium-acetat,
1-Ethyl-3-methylirnidazolium-chlorid, 1-Butyl3-methylimidazolium-acetat, 1-Ethyl-3-methylimidazolium-diethylphosphat,
1-Methyl-3-methylimidazolium-dimethylphosphat, 1-Ethyl-3-methylimidazolium-formiat,
1-Ethyl-3-methylimidazolium-octanoat, 1,3-Diethylimidazolium-acetat und 1-Ethyl-3-methylimidazolium-propionat.
Das Materialfluid enthält vorzugsweise Zellulose, vorzugsweise eine Lösung oder Schmelze
von Zellulose, einem Lösungsmittel von Zellulose, vorzugsweise einem Aminoxid, und
Wasser.
[0057] Beim Trocken-Nassspinnen besteht die Behandlungszone im Wesentlichen aus einem Gas-
bzw. Luftspalt und nachgelagerten Flüssigkeitsbehältern, Flüssigkeitstrichtern oder
Flüssigkeitsrinnen. Die aus den Extrusionsöffnungen austretenden Extrudate durchlaufen
einen Gasspalt und in weiterer Folge ein Koagulationsbad, auch Spinnbad bezeichnet.
Die feuchten (gefällten und/oder gekühlten) Extrudate werden durch ein oder mehrere
Waschbäder und/oder durch einen Gas- bzw. Luftraum dem Abzugswerk zugeführt.
[0058] Beim Nass- bzw. Trocken-Nass-Spinnverfahren treten aufgrund von Verdrängungs- und
Schleppvorgängen zwischen Koagulationsbadflüssigkeit und Extrudaten bei höheren Geschwindigkeiten
Turbulenzen, Wirbel auf. Zusätzlich besteht bei Umlenkstellen mit starren Umlenkungen
auch die Gefahr des Trockenlaufens an den Berührungsstellen zwischen Extrudat und
Umlenker. Die Gefahr des Trockenlaufens wird umso größer je höher die Abzugsgeschwindigkeit
ist und je stärker die Extrudatvorhänge oder Bündel davon an die Umlenkvorrichtung
gepresst werden. Vorzugsweise werden die Filamente im Auffangbad umgelenkt. Dazu kann
eine Umlenkvorrichtung vorgesehen werden.
[0059] Vorzugsweise taucht die Gasströmungsbegrenzung in das Koagulationsbad ein bzw. erstreckt
sich bis unter das Oberflächenniveau des Koagulationsbades (bzw. des vorgesehenen
Niveaus dazu im Auffangbad). Dieses Eintauchen kann Turbulenzen im Bad reduzieren.
Diese Eintauchtiefe ist vorzugsweise 1 mm bis 50 mm.
[0060] Die Extrusionsöffnungen haben vorzugsweise einen Durchmesser von 30 µm bis 200 µm,
vorzugsweise von 50 µm bis 150 µm oder von 60 µm bis 100 µm. Hiermit lassen sich für
Textilien (woven und non-wovens) geeignete Filamente erzeugen.
[0061] Vorzugsweise wird der Extrusionsdurchsatz so eingestellt, dass sich bei der gegebenen
Abzugsgeschwindigkeit eine Faserfeinheit der Einzelfasern von 1,3 dtex +/-50%, vorzugsweise
+/-25% oder +/-10%, ergibt. Der Extrusionsdurchsatz kann durch den Druck der extrudierten
Masse, also der Zelluloselösung, eingestellt werden. Mögliche Drücke sind beispielsweise
5 bis 100 bar, vorzugsweise 8 bis 40 bar.
[0062] Die vorliegende Erfindung wird weiters durch die folgenden Figuren und Beispiele
beschrieben, ohne auf diese Ausführungsformen der Erfindung beschränkt zu sein.
[0063] In Fig.1 wird eine typische Anordnung einer Spinnvorrichtung in der Seitenansicht
dargestellt. Der aus dem Extrusionskopf 1 bzw. den Extrusionsöffnungen austretende
Filamentvorhang 5 durchläuft den Gasspalt A um in weiterer Folge in das Koagulationsbad
2 einzutauchen. Eine Gasstromzufuhr 6 versorgt den Gasspalt A mit einem Gasstrom,
welcher den Filamentvorhang 5 durchläuft um anschließend, um den Umlenkwinkel X abgelenkt,
durch die Absaugvorrichtung 3 als abgeführter Gasstrom 7 den Spinnbereich zu verlassen.
[0064] Zusätzlich zum zugeführten Gas 6, wird Sekundärgas 8', dem Gasspalt A zugeführt.
Das Sekundärgas 8' tritt sowohl aus der Richtung des zugeführten Gases 6 als auch
aus seitlicher Richtung über die perforierte Gasströmungsbegrenzung 4 in den Gasspalt
A ein. Wesentliches Merkmal der Erfindung ist es, durch die erfindungsgemäße Ausgestaltung
der Gasströmungsbegrenzung 4 und die Ausgestaltung der Perforation der Gasströmungsbegrenzung
4 derartige Verhältnisse zu schaffen, dass ein störungsfreier Spinnbetrieb und hohe
Abzugsgeschwindigkeiten der Filamente erreicht werden können. Eine bevorzugte Ausgestaltung
wurde durch Versuchsreihen ermittelt, wobei die Spinnstabilität und der Turbulenzgrad
der Koagulationsbadoberfläche 2 bewertet wurden.
[0065] Der durch die Absaugvorrichtung 3 abgezogene Gasstrom 7 ist die Summe aus zugeführtem
Gasstrom 6, Sekundärgas 8' und Umgebungsgas 8" die aufgrund der offenen Konstruktion
von der Umgebung angesaugt werden.
[0066] Die Gasströmungsbegrenzung 4 ist als flächiges zumindest teilweise ebenes Konstrukt
mit einer Höhe M ausgestaltet. Die Gasströmungsbegrenzung 4 deckt den Gasspalt A zumindest
teilweise in vertikaler Richtung seitlich ab. Die in der Figur dargestellte Gasströmungsbegrenzung
taucht zusätzlich um das Maß der Tauchtiefe O in das Koagulationsbad 2 ein. Ebenfalls
dargestellt ist der vertikale Abstand N, welcher den Vertikalabstand zwischen der
Austrittsebene des Filamentvorhanges und der oberen Kante der Gasströmungsbegrenzung
4 wiedergibt. Dieser Abstand beträgt vorzugsweise 0 mm bis 20 mm.
[0067] Die Gasströmungsbegrenzung 4 erstreckt sich vorzugsweise in horizontaler Richtung
über die Breite des Filamentvorhangs B (Dimension in Gasströmungsrichtung, z.B. 5
mm bis 100 mm) sowie zusätzlich über einen Überstand zum Gasbehandlungsbereich auf
der Gaseinlaufseite K und zusätzlich über einen Überstand zum Gasbehandlungsbereich
an der Gasauslaufseite L. Der Überstand der Gasströmungsbegrenzung auf Gaseinlaufseite
K ist z.B. 0 mm bis 200 mm. Überstand der Gasströmungsbegrenzung auf Gasauslaufseite
L ist vorzugsweise 0 mm bis 400 mm.
[0068] Die Gasströmungsbegrenzung 4 ist in Figur 1 einteilig dargestellt. Mögliche Ausführungsformen
der Gasströmungsbegrenzung 4 sind aber auch mehrteilig gestaltet, z.B. kann die Gasströmungsbegrenzung
in horizontaler, vertikaler aber auch in jeder anderen Richtung geteilt ausgeführt
sein.
[0069] In Fig. 2 wird eine typische Anordnung einer Spinnvorrichtung in der Vorderansicht
dargestellt. Der Filamentvorhang 5 wird durch einzelne Filamente gebildet, welcher
sich über die Filamentvorhanglänge T (Dimension quer zur Gasstromrichtung) erstreckt.
Die Filamente sind untereinander über die Länge T des Filamentvorhangs 5 mit dem Abstand
C beabstandet. Dieser Abstand der Filamente zueinander ist z.B. 0,4 mm bis 10 mm.
Die Gasströmungsbegrenzung 4 ist in Verlängerung der Filamentvorhanglänge T um das
Maß des Seitenabstandes der Gasströmungsbegrenzung J vom Filamentvorhang beabstandet.
Dieser Abstand ist z.B. 1 mm bis 20 mm.
[0070] Fig. 3 stellt eine erfindungsgemäße Ausführung einer Gasströmungsbegrenzung 4 im
Detail dar. Die Gasströmungsbegrenzung 4 weist in einem Teilbereich eine Perforation
auf. Die Lage der Perforation ist in horizontaler Richtung über den Horizontalabstand
vom gaszustromseitigen Ende der Gasströmungsbegrenzung zur Perforation P und die Horizontallänge
der Perforation Q bestimmt. P ist beispielsweise 1 mm bis 50 mm. Die Perforation ist
hier gezeigt für einen Gasbehandlungsbereich und einen Überhang in Richtung Gasstromeinlass
vorgesehen. Sie kann auch nur in einem Teil des Gasbehandlungsbereichs vorliegen.
Q kann ein Bruchteil der Breite des Gasbehandlungsbereichs sein. Die Länge L eines
Bereichs mit Perforation kann je nach beabsichtigter Gasströmung, Filamentabzugsgeschwindigkeit
und Anzahl der Filamente gewählt werden; z.B. kann Q zwischen 20 mm und 200 mm liegen.
[0071] Die Perforation taucht vorzugsweise nicht in die Koagulationsflüssigkeit ein. Die
Lage der Perforation ist in vertikaler Ausrichtung über den Vertikalabstand vom spinndüsenseitigen
Ende der Gasströmungsbegrenzung zur Perforation R und der Höhe des Bereichs mit Perforation
S bestimmt. Die vertikale Lage des Bereichs mit Perforation ist so gestaltet, dass
zumindest in einem Teilbereich des Gasspaltes A die Perforation vorhanden ist. Die
Perforation kann sich in vertikaler Ausrichtung aber auch über den gesamten Gasspalt
A und auch zusätzlich in das Koagulationsbad 2 hinein erstrecken.
[0072] In Fig. 3 ist die Perforation beispielhaft mit senkrechten Schlitzen ausgestaltet.
Schlitze in horizontaler oder schräger Ausrichtung sind ebenfalls möglich aber auch
Schlitze in geschwungener oder sonstiger nicht gerader Form sind möglich. R ist beispielsweise
1 mm bis 15 mm; S ist vorzugsweise 10 mm bis 40 mm.
[0073] Fig. 4 stellt eine alternative Ausführung einer Gasströmungsbegrenzung 4 dar. Die
Gasströmungsbegrenzung 4 ist grundsätzlich gleich der Ausführung in Fig. 3. Anstatt
der Schlitze wird die Perforation mit einem Siebgeflecht oder Gitter gestaltet.
[0074] Fig. 5 stellt eine weitere alternative Ausführung einer Gasströmungsbegrenzung 4
dar. Die Gasströmungsbegrenzung 4 ist grundsätzlich gleich der Ausführung in Fig.
3. Anstatt der Schlitze wird die Perforation mit einer Vielzahl von Öffnungen gestaltet.
Neben Rundlöchern können auch Quadratlöcher, Rechtecklöcher, rhombische Löcher aber
auch alle anderen möglichen geometrischen Formen zur Gestaltung der Perforation verwendet
werden.
[0075] Fig. 6 zeigt in Abwandlung von Fig. 3 eine Gasströmungsbegrenzung, welche 3-dimensional
strukturiert aufgebaut ist. Der gestrichelt dargestellte Bereich ist darin mit einer
vertikal orientierten 3-dimensionalen Struktur (Rillen, Rippen, Riblets, Zacken) versehen,
welche sich in Gasströmrichtung wiederholt.
[0076] Fig. 7 ist eine vergrößerte Schnittdarstellung (Draufsicht) der 3-dimensionalen Struktur.
Der Gasstrom 6 durchläuft den Behandlungsbereich 5. Der Zwischenraum zwischen der
Randzone des Gasbehandlungsbereichs 5 und der Gasströmungsbegrenzung 4 wird durch
aus der Umgebung mitgerissenes Sekundärgas 8' durchströmt. Die schuppenförmig angeordnete
3-dimensionale Struktur der Gasströmungsbegrenzung 4 sorgt für eine Verwirbelung des
Sekundärgasstromes 8. Die hier dargestellte Struktur ist beispielhaft. Sie kann, wie
dargestellt vertikal durchgängig sein aber auch vertikal unterteilt oder versetzt
ausgeführt sein.
[0077] Fig. 8 zeigt eine idente Ausführung zu Fig. 7 allerdings sind hier zusätzlich Öffnungen
in die 3-dimensionale Struktur eingearbeitet. Die zusätzliche Perforation bewirkt,
dass neben dem Sekundärgasstrom 8' auch noch zusätzlich Sekundärgas 8"' von außen
angesaugt wird. Je nach Ausgestaltung der 3-dimensionalen Struktur und den gewählten
Gasstrommengen 6 kann entweder Sekundärgas 8"' nach innen gesaugt oder aber Sekundärgas
8' nach außen gedrückt werden. Es kann auch in Teilbereichen der Gasleiteinrichtung
4 gesaugt und in anderen Teilbereichen der Gasströmungsbegrenzung 4 gedrückt werden.
[0078] Fig. 9 zeigt eine idente Ausführung zu Fig. 8 allerdings wird in diesem Fall der
Gasstrom 8"' als erzwungener Gasstrom zugeführt. In einer alternativen Fahrweise kann
der Gasstrom 8"' auch abgesaugt sein. Ausführungen nach Fig. 9 sind nicht allein auf
3-dimensionale Strukturen beschränkt, sondern können auch bei "ebenen" Gasleiteinrichtungen
gemäß Fig. 2 bis 5 eingesetzt sein.
[0079] Fig. 10 stellt eine alternative Ausführung zu den vorgenannten 3-dimensionalen Strukturen
dar. Die Gasströmungsbegrenzung 4 ist in diesem Fall ein flächiges Gebilde, welches
in regelmäßigen Abständen Einbuchtungen (Dellen) aufweist. Die Einbuchtungen können,
wie hier dargestellt in 3-eckiger Form aber auch beliebig in Größe und Gestalt ausgeführt
sein. Die durch die Einbuchtungen erhaltene Prägung der Oberfläche führt zu einer
Durchmischung bzw. Verwirbelung der Sekundärluft. Alternativ können die Einbuchtungen
zusätzlich eine Öffnung aufweisen um einen Sekundärgasstromaustausch zu ermöglichen.
[0080] Fig. 11 stellt eine Schnittdarstellung von oben (Draufsicht) des Randbereichs von
Fig. 10 dar. In diesem Fall weisen die Einbuchtungen eine Öffnung auf, welche einen
Sekundärgasstromaustausch ermöglichen. Der Filamentvorhang 5 wird vom Gasstrom 6 durchströmt.
In der Randzone wird durch den Gasstrom 6 zusätzlich "Sekundärgas" 8' angesaugt, welcher
aufgrund der dreidimensional strukturierten Oberfläche der Gasströmungsbegrenzung
4 verwirbelt wird. Durch die Sogwirkung des im Randbereich angesaugten Sekundärgases
8' wird zusätzlich noch "Sekundärgas" 8"' von außen durch die Gasströmungsbegrenzung
4 hindurch in das System eingebracht.
Beispiele:
Beispiel 1 (Vergleichsbeispiel): Einfache Vorrichtung
[0081] Eine NMMO-Spinnmasse bestehend aus 12,8% Zellulose Typ MoDo Crown Dissolving-DP 510-550,
76% NMMO und 11% Wasser wurde mit einer Temperatur von 91°C stabilisiert mit Gallussäurepropylester
einer rechteckigen Spinndüse mit einer bebohrten Länge L von ca. 250 mm zugeführt.
Die Extrusionsöffnungen der Spinndüse waren in versetzten entlang der Längsseite der
Düse orientierten Reihen (Zick-Zack Anordnung) angeordnet. Die Spinndüse wies eine
Lochzahl von insgesamt 10.384 Extrusionsöffnungen auf.
[0082] Die Spinndüse war in ein Gehäuse eingesetzt, welches während des Versuchs auf eine
Temperatur von ca. 95°C beheizt wurde. Der Raum zwischen der Erstarrungsbadoberfläche
und der Spinndüsenaustrittsfläche wurde von einem Gasspalt von ca. 25 mm Höhe gebildet.
Der gebildete Filamentvorhang durchlief den Gasspalt unter Gasstromzufuhr im Wesentlichen
entlang der bebohrten Breite der Spinndüse. Der Gasstrom wurde mittels mehrerer, in
einer Reihe nebeneinander angeordneter Mehrkanal-Druckluftdüsen erzeugt. Der Durchmesser
einer jeden Druckluftdüse betrug ca. 0,8 mm. Die Luftmenge wurde derart reguliert,
dass sich eine Abgastemperatur nach Durchströmung der Filamentreihen zwischen 50 und
60°C einstellt. Eine Gasabsaugvorrichtung war bei dieser Versuchsanordnung nicht im
Einsatz. Auch eine seitliche Gasströmungsbegrenzung war nicht montiert.
[0083] Die Koagulation der einzelnen Filamente zu zellulosischen Formkörpern erfolgte in
einem Koagulationsbad, in dem unterhalb der Extrusionsöffnungen durch den Gasspalt
beabstandet, ein Auffangbad angeordnet war.
[0084] Die Beurteilung der Spinnstabilität ergab einen Wert von "2 bis 3", wobei der Wert
1 sehr gut und 5 schlecht, also nicht betreibbar bedeutet.
[0085] Im Gasspalt, insbesondere in den Randzonen des Filamentvorhangs kam es zu wiederkehrenden
Störungen, die zwar durch manuelles Eingreifen beseitigt werden konnten, die aber
nach kurzer Zeit wieder auftraten. Die Störungen manifestierten sich im Auftreten
von Mehrfachverklebungen der Filamente im Gasspalt, wodurch auch eine Störung des
Gasstroms hervorgerufen wurde, die ihrerseits eine weitere Verschlechterung der Spinnstabilität
erwirkte. Die derart aufgetretenen Störungen konnten nur durch manuelles Eingreifen
behoben werden, wobei nach kurzer Zeit dieselbe Störung wieder auftrat.
[0086] Beobachtungen an der Koagulationsbadoberfläche zeigten zudem, dass deutliche Badturbulenzen
vorhanden waren, die eine unkontrollierte Bewegung des Filamentvorhangs bewirkten.
Vor allem in den Randzonen wurde durch den Gasstrom das Koagulationsbad aufgewühlt.
Die beschriebenen Turbulenzen im Koagulationsbad waren zumindest teilweise für die
Verklebungen im Gasspalt verantwortlich.
Beispiel 2 (Vergleichsbeispiel): Vorrichtung mit Gasabsaugung
[0087] Die Anordnung bei diesem Versuch war grundsätzlich gleich wie bei Beispiel 1 allerdings
wurde zusätzlich eine Gasabsaugvorrichtung vorgesehen, welche an der Gasabstromseite
des Gasspaltes als Saugleiste, wie in Fig.1 dargestellt, ausgestaltet war. Der Sauggasstrom
wurde mittels eines drehzahlgeregelten Saugventilators erzeugt. Der Gasstrom wurde
derart geregelt, dass an der, dem Filamentvorhang abgewandten Seite der Gasabsaugvorrichtung
keine erhöhte Gasstromtemperatur mehr gemessen wurde. Durch diese Maßnahme konnte
sichergestellt werden, dass die gesamte Gasstromzufuhr durch die Gasabsaugvorrichtung
erfasst wurde.
[0088] Die Beurteilung der Spinnstabilität ergab einen Wert von "2 bis 3", wobei im Vergleich
zu Beispiel 1 die Häufigkeit der auftretenden Spinnfehler leicht abnahm, ein störungsfreier
Betrieb konnte allerdings nicht erreicht werden. Durch den Einsatz der Gasabsaugung
entstanden im Erstarrungsbad zusätzliche Turbulenzen.
Beispiel 3: Vorrichtung mit Gasströmungsbegrenzung beim Gasbehandlungsbereich
[0089] Die Anordnung bei diesem Versuch war grundsätzlich gleich dem Beispiel 2, allerdings
wurde zusätzlich eine Gasströmungsbegrenzung vorgesehen, welche erfindungsgemäß an
den Seitenrändern des Filamentvorhangs im Gasspalt angebracht war. Die "kurze" Gasströmungsbegrenzung
erstreckte sich im Wesentlichen nur unterhalb der Extrusionsdüsen, sie war nicht perforiert.
Die Gasströmungsbegrenzung erstreckte sich vertikal über den gesamten Gasspalt und
tauchte zudem in das Koagulationsbad ein. Die Gasabsaugung wurde, wie in Beispiel
2 beschrieben, eingestellt.
[0090] Die Beurteilung der Spinnstabilität ergab einen verbesserten Wert von "2". Die Häufigkeit
der auftretenden Spinnfehler nahm merklich ab. Im Koagulationsbad zeigten sich nach
wie vor Turbulenzen, die zum einen durch die Gasstromzufuhr an den Rändern des Filamentvorhangs
und zum anderen durch die Gasstromabfuhr im Bereich der Gasabsaugung verursacht wurden.
Beispiel 3': verlängerte Gasströmungsbegrenzung
[0091] Die Anordnung bei diesem Versuch war grundsätzlich gleich wie bei Beispiel 3, zusätzlich
wurde bei diesem Versuch die seitliche Gasströmungsbegrenzung derart modifiziert,
dass sich die Gasströmungsbegrenzung nicht nur unterhalb der Extrusionsöffnungen,
sondern auch seitlich unterhalb der Absaugvorrichtung erstreckte. Die nicht perforierte
Gasströmungsbegrenzung erstreckte sich vertikal über den gesamten Gasspalt und tauchte
zudem in das Koagulationsbad ein. Die Gasabsaugung wurde, wie in Beispiel 2 beschrieben,
eingestellt.
[0092] Die Beurteilung der Spinnstabilität ergab einen weiter verbesserten Wert von "1 bis
2". Die Häufigkeit der auftretenden Spinnfehler nahm nochmals ab, wobei nach wie vor
leichte Störungen auftraten. Die Turbulenzen im Koagulationsbad waren gegenüber den
Vorversuchen reduziert aber nicht eliminiert.
Beispiel 4: Gasströmungsbegrenzung mit Perforation
[0093] Im Vergleich zu Beispiel 3' wurden bei diesem Beispiel zusätzlich vertikale Schlitze
in die seitliche Gasströmungsbegrenzung eingebracht. Die Schlitze waren im Bereich
unterhalb der Extrusionsöffnungen angebracht. Im Bereich unterhalb der Absaugvorrichtung
waren keine Schlitze vorgesehen. Der Perforationsgrad (Verhältnis von offener Fläche
zu Gesamtfläche) betrug bei dieser Anordnung 30%.
[0094] Durch diese Maßnahme konnte das Spinnverhalten auf ein stabiles Niveau gehoben werden,
da weder im Gasspalt, noch an der Koagulationsbadoberfäche nennenswerte Turbulenzen
erkennbar waren. Der Filamentvorhang war im Wesentlichen ruhig, stabil und ohne Verklebungen.
Beispiel 4': Gasströmungsbegrenzung mit Rundlöchern
[0095] Verglichen zu Beispiel 4 wurden bei diesem Beispiel anstatt der vertikalen Schlitze
Bohrungen, wie in Fig. 5 dargestellt, in die seitliche Gasströmungsbegrenzung eingebracht.
Die Bohrungen waren im Bereich unterhalb der Extrusionsöffnungen angebracht. Im Bereich
unterhalb der Absaugvorrichtung waren keine Bohrungen vorgesehen. Der Perforationsgrad
(Verhältnis von offener Fläche zu Gesamtfläche) betrug bei dieser Anordnung 7%.
[0096] Diese Anordnung brachte verglichen zu Beispiel 4 eine Reduktion der Spinnstabilität
welche mit "1 bis 2" bewertet wurde.
Tabelle 1: Zusammenfassung der Beispiele 1-4
| Beispiel |
1 |
2 |
3 |
3' |
4 |
4' |
| |
Rechteckdüse |
Rechteckdüse |
Rechteckdüse |
Rechteckdüse |
Rechteckdüse |
Rechteckdüse |
| Gasströmungsbegrenzung |
ohne Gasströmungsbegrenzung |
ohne Gasströmungsbegrenzung |
mit "kurzer" Gasströmungsbegrenzung |
mit "langer" Gasströmungsbegrenzung |
mit "langer" Gasströmungsbegrenzung |
mit "langer" Gasströmungsbegrenzung |
| Gasströmungsbegrenzung - horizontale Lage |
nein |
nein |
4' unterhalb Extrusionsvorrichtung |
4' + 4" unterhalb Extrusions- und Absaugvorrichtung |
4' + 4" unterhalb Extrusions- und Absaugvorrichtung |
4' + 4" unterhalb Extrusions- und Absaugvorrichtung |
| Gasströmungsbegrenzung - vertikale Lage |
nein |
nein |
taucht in Koagulationsbad ein |
taucht in Koagulationsbad ein |
taucht in Koagulationsbad ein |
taucht in Koagulationsbad ein |
| Perforation |
- |
- |
keine |
keine |
Schlitze vertikal |
Bohrungen vertikal |
| Perforationsgrad |
- |
- |
- |
- |
30% |
7% |
| |
ohne Absaugung |
mit Absaugung |
mit Absaugung |
mit Absaugung |
mit Absaugung |
mit Absaugung |
| Fasertiter [dtex] |
1,33 |
1,36 |
1,38 |
1,32 |
1,35 |
1,31 |
| Spinnlösungsdurchsatz je Kapillare [g/min] |
0,038 |
0,039 |
0,040 |
0,043 |
0,049 |
0,047 |
| Gasspalt (4) [mm] |
25 |
25 |
25 |
25 |
25 |
25 |
| Spinnstabilität gesamt (1... gut, 5... schlecht) |
2 bis 3 |
2 bis 3 |
2 bis 3 |
2 |
1 bis 2 |
2 |
| Störung im Gasspalt 0...keine 1...sehr selten 2...wiederkehrend 3...Irreparabel |
2 |
1 bis 2 |
1 bis 2 |
2 |
0 bis 1 |
2 |
| Koagulationsbadturbulenzen (visuelle Beurteilung) 0...keine 1...leicht - nicht störend
2...mittel - bewirken Filamentbewegung 3...schwer - bewirken Verkleben der Filamente
im Gasspalt |
2 bis 3 |
2 bis 3 |
2 bis 3 |
2 |
1 |
2 |
1. Vorrichtung geeignet zum Herstellen von Materialfilamenten durch Extrusion eines Materialfluids
und Verfestigen des Materialfluids, mit einem Extrusionskopf (1) mit einer Vielzahl
von Extrusionsöffnungen, einem Auffangbad (2) zur Aufnahme von extrudierten fluiden
Filamenten (5) aus den Extrusionsöffnungen, einem Gasspalt (A) zwischen den Extrusionsöffnungen
und dem Auffangbad, wodurch ein Gasbehandlungsbereich (4') für extrudiertes Materialfluid
gebildet wird, einer Gasströmungsvorrichtung (3,6) zum Erzeugen eines Gasstroms im
Gasspalt, dadurch gekennzeichnet, dass seitlich des Gasbehandlungsbereichs und in Richtung des Gasstroms mindestens eine
Gasströmungsbegrenzung (4) vorgesehen wird.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Gasströmungsbegrenzung über die gesamte Länge (B) des Gasbehandlungsbereichs
aller in Längsrichtung angeordneten Extrusionsöffnungen erstreckt.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Gasströmungsbegrenzung über einen Bereich (L, 4") in Gasströmungsrichtung
nach dem Gasbehandlungsbereich erstreckt, wobei die Länge dieses nachherigen Bereichs
in Gasströmungsrichtung mindestes die Hälfte der Länge (B) des Gasbehandlungsbereichs
aller in Längsrichtung angeordneten Extrusionsöffnungen ist.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Gasströmungsbegrenzung über einen Bereich (K) gegen die Gasströmungsrichtung
vor dem Gasbehandlungsbereich erstreckt, wobei die Länge dieses vorherigen Bereichs
gegen die Gasströmungsrichtung mindestes die Hälfte der Länge (B) des Gasbehandlungsbereichs
aller in Längsrichtung angeordneten Extrusionsöffnungen ist.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Gasströmungsvorrichtung ein Gebläse und/oder eine Absaugvorrichtung (3) enthält,
vorzugsweise wobei die Absaugvorrichtung einen Abzugskanal aufweist, der in einem
Winkel (X) von 0° bis 45° zur Horizontalen orientiert ist, und/oder vorzugsweise wobei
die Absaugvorrichtung oberhalb des Gasspalts angeordnet ist, sodass der Gasbehandlungsbereich
in einer Horizontalen zugänglich ist.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Gasströmungsbegrenzung eine Höhe im Gasbehandlungsbereich in Extrusionsrichtung
von mindestens 70% der Höhe des Gasspaltes aufweist.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass Gasströmungsbegrenzungen beidseitig des Gasbehandlungsbereich seitens der Gasströmungsvorrichtung
verbunden sind, insbesondere U-förmig verbunden sind.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Gasströmungsbegrenzung im Bereich des Gasbehandlungsbereichs eine gerillte, gewellte
oder gerippte Oberfläche, vorzugsweise eine Riblet-Oberfläche, und/oder Perforationen
aufweist, wobei vorzugsweise mindestens 25% der Fläche der Gasströmungsbegrenzung
im Bereich des Gasbehandlungsbereichs geschlossen ist; und/oder wobei vorzugsweise
die Perforationen Löcher oder Streifen sind, insbesondere bevorzugt Streifen in Extrusionsrichtung,
besonders bevorzugt wobei mindestens ein Streifen auf alle 4 cm Länge der Gasströmungsbegrenzung
im Bereich des Gasbehandlungsbereichs in Gasströmungsrichtung vorgesehen wird.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Gasströmungsbegrenzung zum Gasbehandlungsbereich in einem Abstand (J) von mindestens
dem doppelten des Abstandes (C) der Extrusionsöffnungen zueinander in Richtung quer
zur Gasströmungsrichtung vorliegt und/oder dass die Gasströmungsbegrenzung zum Gasbehandlungsbereich
in einem Abstand (J) von maximal dem 20-fachen des Abstandes (C) der Extrusionsöffnungen
zueinander in Richtung quer zur Gasströmungsrichtung vorliegt.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Extrusionsöffnungen in einer Rechteckform angeordnet sind, wobei die Schmalseite
der Rechteckform der Gasströmungsbegrenzung zugewandt ist.
11. Verfahren zur Herstellung von festen Materialfilamenten aus einem Materialfluid durch
Extrudieren des Materialfluids durch mehrere Extrusionsöffnungen, wodurch fluide Filamente
(5) entstehen, Passieren der fluiden Filamente durch einen Gasspalt (A), und Verfestigen
der Filamente in einer Koagulationsflüssigkeit in einem Auffangbad (2), wobei im Gasspalt
(8') ein Gasstrom (6,7) durch strömt, dadurch gekennzeichnet, dass der Gasstrom mit mindestens einer Gasströmungsbegrenzung (4) geleitet wird, wobei
die Gasströmungsbegrenzung einen Gasbehandlungsbereich (4), in dem die Filamente mit
dem Gasstrom behandelt werden, seitlich begrenzt.
12. Verfahren nach Anspruch 11 mit einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 10.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass das Materialfluid Zellulose enthält, vorzugsweise eine Lösung oder Schmelze von Zellulose,
einem Lösungsmittel von Zellulose, vorzugsweise einem Aminoxid, und Wasser.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass der Gasstrom durch Einblasen (6) und Absaugen (7) erreicht wird, wobei vorzugsweise
ein abgesaugter Gasstrom größer ist als ein eingeblasener Gasstrom, insbesondere bevorzugt
wobei das Verhältnis von abgesaugtem Gasstrom zu eingeblasenem Gasstrom größer als
1,2 : 1 ist.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 11 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass durch die Wahl des Gasstroms und der Gasströmungsbegrenzung Turbulenzen des Gasstroms
am seitlichen Rand des Gasbehandlungsbereichs vermieden werden.