(19)
(11) EP 3 901 374 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
27.10.2021  Patentblatt  2021/43

(21) Anmeldenummer: 20171277.5

(22) Anmeldetag:  24.04.2020
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
E02D 1/08(2006.01)
E02D 1/02(2006.01)
(52) Gemeinsame Patentklassifikation (CPC) :
E02D 1/022; E02D 1/08
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
BA ME
Benannte Validierungsstaaten:
KH MA MD TN

(71) Anmelder: BAUER Spezialtiefbau GmbH
86529 Schrobenhausen (DE)

(72) Erfinder:
  • HADDAD, Fadi
    86529 Schrobenhausen (DE)
  • NGUYEN, Luan
    86529 Schrobenhausen (DE)

(74) Vertreter: Wunderlich & Heim Patentanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB 
Irmgardstraße 3
81479 München
81479 München (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
   
       


    (54) VERFAHREN UND ANORDNUNG ZUM ÜBERWACHEN EINER BAUWERKSGRÜNDUNG


    (57) Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Anordnung zum Überwachen einer Bauwerksgründung in einem Boden für ein Bauwerk, wobei zu dem Boden Bodenparameter bestimmt werden, basierend auf den bestimmten Bodenparametern mittels einer Rechnereinheit ein vorausgehendes Bodenmodell errechnet wird, auf welchem eine Ausbildung der Bauwerksgründung unter Berücksichtigung von Vorgabedaten des zu errichtenden Bauwerks ausgelegt wird, beim und/oder nach dem Erstellen der Bauwerksgründung mittels Messeinrichtungen Messwerte zu Setzungen, Verformungen und/oder Kräften an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk erfasst werden, die Messwerte der Rechnereinheit zugeführt werden, welche überprüft, ob die Messwerte im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, und, fass die Messwerte nicht im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, durch die Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechnet wird, bei welchem die Messwerte im Einklang mit dem neuen Bodenmodell stehen.




    Beschreibung


    [0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Überwachen einer Bauwerksgründung in einem Boden für ein Bauwerk, gemäß dem Anspruch 1.

    [0002] Die Erfindung betrifft weiterhin eine Anordnung zum Überwachen einer Bauwerksgründung in einem Boden für ein Bauwerk gemäß dem Anspruch 11.

    [0003] Zur Überwachung von Bauwerksgründungen ist es grundsätzlich bekannt, verschiedene Sensoren in der Gründung eines Bauwerkes oder an dieser vorzusehen, durch welche der Zustand der Bauwerksgründung überwacht werden kann. Mit derartigen Sensoren können Verformungen, Risse, Setzungen oder Kräfte in der Bauwerksgründung gemessen werden. Dabei ist es weiterhin bekannt, die Messdaten einer Zentrale zuzuführen, welche die gemessenen Werte mit hinterlegten Grenzwerten vergleicht, um so frühzeitig zu ermitteln, wenn übermäßige oder unzulässige Änderungen an der Bauwerksgründung auftreten. Dies erlaubt beispielsweise die Möglichkeit, frühzeitig Sanierungsmaßnahmen an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk durchzuführen, um größere Schäden zu vermeiden.

    [0004] Ein derartiges System einer Bauwerküberwachung im Zusammenhang mit einer Brücke wird beispielsweise in der US 8,990,027 B2 oder der hierzu korrespondierenden EP 2 391 776 B1 beschrieben.

    [0005] Für die Bestimmung der Tragfähigkeit einer Bauwerksgründung sind die Bodenverhältnisse des Bodens von maßgeblicher Bedeutung, in welchem die Bauwerksgründung zu erstellen ist. In Abhängigkeit von der Tragfähigkeit des Bodens ist die Bauwerksgründung auszulegen. Insbesondere bei größeren Bauwerken ist eine möglichst wirklichkeitsgetreue Bestimmung der Bodenverhältnisse von maßgeblicher Bedeutung. So ist eine Bauwerksgründung auf weichen oder sandigen Böden erheblich anders auszulegen als auf felsigen Böden. Allerdings sind an vielen Bauplätzen die Bodenverhältnisse unklar, da etwa der Boden aus verschiedenen Schichten mit variierenden Schichtdicken aufgebaut ist oder unterschiedliche Bodenbereiche mit Fels, Kies, Sand, Lehm und Hohlräumen vorhanden sind.

    [0006] Bei der Erstellung größerer Bauwerke ist es daher üblich, Probebohrungen an mehreren Stellen eines Bauplatzes durchzuführen, um nähere Kenntnisse zum genauen Bodenaufbau zu erlangen. Basierend auf den einzelnen Probebohrungen wird dann ein Bodenmodell errechnet, welches der Auslegung der Bauwerksgründung mit vorsorglichen Sicherheitszuschlägen zugrunde gelegt wird. Insbesondere an Baustellen mit einem nicht-homogenen Boden kann das so bestimmte Bodenmodell teilweise stark von den tatsächlichen Bodenverhältnissen abweichen. In einem solchen Fall sind grundsätzlich erhöhte Sicherheitszuschläge bei der Gründungsauslegung vorzusehen, welche jedoch zu erheblich erhöhten Kosten führen können, etwa durch Erhöhung der Anzahl und/oder Größe von Gründungspfählen, Verankerungen, Bewehrungseisen und erhöhten Massen an Beton.

    [0007] Zudem besteht ein Problem dahingehend, dass trotz entsprechender Sicherheitszuschläge bei unerwartet großen Abweichungen zwischen dem Bodenmodell und den tatsächlichen Bodenverhältnissen langfristig Schäden an dem Bauwerk auftreten und auch die Lebensdauer eines Bauwerkes verkürzen können.

    [0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Anordnung anzugeben, mit welchen eine besonders zuverlässige Überwachung eines Zustandes einer Bauwerksgründung ermöglicht werden.

    [0009] Die Aufgabe wird zum einen durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 und zum anderen durch eine Anordnung mit den Merkmalen des Anspruchs 11 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.

    [0010] Gemäß der Erfindung ist ein Verfahren zum Überwachen einer Bauwerksgründung im Boden für ein Bauwerk vorgesehen, wobei zu dem Boden Bodenparameter bestimmt werden, basierend auf den bestimmten Bodenparametern mittels einer Rechnereinheit ein vorausgehendes Bodenmodell errechnet wird, auf welchem eine Ausbildung der Bauwerksgründung unter Berücksichtigung von Vorgabedaten des zu errichtenden Bauwerks ausgelegt wird, beim und/oder nach dem Erstellen der Bauwerksgründung mittels Messeinrichtungen Messwerte zu Setzungen, Verformungen und/oder Kräften an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk erfasst werden, die Messwerte der Rechnereinheit zugeführt werden, welche überprüft, ob die Messwerte im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, und, falls die Messwerte nicht im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, durch die Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechnet wird, bei welchem die Messwerte im Einklang mit dem neuen Bodenmodell stehen.

    [0011] Die Erfindung beschränkt sich dabei nicht - wie bei den klassischen Überwachungsverfahren - auf eine Erfassung von Messdaten an einer Bauwerksgründung mit einem Bauwerk und einem Vergleich der Messdaten mit Grenzwerten, ob sich eine Bauwerksgründung oder ein Bauwerk noch in erwarteter und zulässiger Weise verhält oder Veränderungen auftreten, welche die Einleitung von Maßnahmen zur Sicherung erforderlich machen.

    [0012] Das erfindungsgemäße Verfahren geht hinsichtlich der Überwachung über bisher bekannte Verfahren deutlich hinaus. Es wird durch das erfindungsgemäße Verfahren überprüft, ob die Messwerte der Sensoren an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk im Einklang mit dem Bodenmodell stehen, welches der Auslegung der Bauwerksgründung zugrunde gelegt worden ist. Liegen diese Messwerte in dem erwarteten Wertebereich, welcher anhand des vorausgehenden Bodenmodells bestimmt worden ist, so wird ein korrekter Zustand des Bauwerks festgestellt. Weisen einzelne oder mehrere Messwerte an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk nicht erwartete oder übermäßige Abweichungen auf, selbst wenn die einzelnen Werte für das Bauwerk nicht kritisch oder problematisch sein sollten, so kann nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ein neues nachfolgendes Bodenmodell errechnet werden, bei welchem die aktuellen Messwerte im Einklang mit den rechnerisch zu erwartenden Werten oder innerhalb des erwartenden Wertebereichs sind. Basierend auf diesem neuen nachfolgenden Bodenmodell kann dann eine Rückrechnung oder wiederholte Berechnung der Bauwerksgründung erfolgen und geprüft werden, ob diese noch den Vorgabedaten für das Bauwerk entspricht.

    [0013] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden also Messwerte an der Bauwerksgründung oder einem Bauwerk herangezogen, um ein verfeinertes Bodenmodell zu bestimmen. Dieses verfeinerte und damit wirklichkeitsnähere Bodenmodell kann dann herangezogen werden, um zu prüfen, inwieweit die Bauwerksgründung anforderungsgemäß ist.

    [0014] Es kann somit als eine Grundidee der Erfindung angesehen werden, Messdaten an einer Bauwerksgründung und eventuell einem Bauwerk heranzuziehen, um Rückschlüsse auf die Bodenbeschaffenheit zu ziehen und ein ursprüngliches oder vorausgehendes Bodenmodell zu verfeinern und näher an der Wirklichkeit auszurichten.

    [0015] Besonders vorteilhaft ist es nach einer Weiterbildung der Erfindung, dass das vorausgehende Bodenmodell mit dem nachfolgenden Bodenmodell verglichen wird, inwieweit Vorgabedaten der Gründung erreicht sind. Insbesondere können durch die Rechnereinheit hierauf bauliche Maßnahmen ermittelt oder vorgeschlagen werden, um ein Erreichen der Vorgabedaten oder Anforderungen bei dem neuen Bodenmodell zu erreichen oder sicherzustellen.

    [0016] Besonders zweckmäßig ist es, dass die Vorgabedaten eine Tragfähigkeit und/oder Lebensdauer der Bauwerksgründung oder des Bauwerks umfassen. Insbesondere die Tragfähigkeit einer Bauwerksgründung ist eine maßgebliche Vorgabe, die zur Errichtung eines Bauwerkes auf der Bauwerksgründung einzuhalten ist. Insbesondere bei Staudämmen, welche auch häufig mit Umfassungswänden im Boden versehen sind, ist eine Lebensdauer sowohl des Staudamms als auch der Umfassungswände im Boden, welche im Sinne der Erfindung auch als eine Bauwerksgründung anzusehen sind, ein maßgeblicher Vorgabefaktor. Besonders bei derartigen Bauwerken oder Bauprojekten können genauere Kenntnisse über den Boden zu erheblichen Verlängerungen oder Verkürzungen der Lebensdauer führen. Insbesondere bei Staudämmen können gesicherte Angaben zur erwartenden Lebensdauer einen Einfluss auf Art und Anzahl von Wartungs- und/oder Sanierungsmaßnahmen sowie zur Prämienhöhe notwendiger Bauwerksversicherungen haben.

    [0017] Grundsätzlich können die Bodenparameter zur Bestimmung des ersten Bodenmodells in jeder geeigneten Weise ermittelt werden, so etwa durch Erfahrungswerte zu der Gegend, in welcher der Bauplatz liegt, oder durch Erkenntnisse aus anderen vergleichbaren Bauprojekten in der Gegend. Besonders vorteilhaft ist es nach einer Ausführungsvariante der Erfindung, dass die Bodenparameter durch Bodenuntersuchungen, insbesondere Probebohrungen, bestimmt werden. Insbesondere können Kernbohrungen durchgeführt werden, wobei anhand der gewonnenen Bohrkerne ein Aufbau des Bodens ermittelt werden kann. Weiter können auch Bohrungen mit Sonden oder Sondierungen von der Bodenoberfläche aus durchgeführt werden, um Bodenparameter zu ermitteln.

    [0018] Besonders zweckmäßig ist es weiterhin, dass die Bodenparameter Art, Aufbau und Größe von Bodenschichten sowie eine Bodentragfähigkeit umfassen. Dies kann auch eine Erfassung eines Felshorizontes im Boden beinhalten. So kann schon für das erste zu errechnende Bodenmodell eine besonders gute und realitätsnahe Bestimmung erreicht werden.

    [0019] Zur Erfassung von Änderungen an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk können jede Art von geeigneten Messeinrichtungen eingesetzt werden. Besonders zweckmäßig ist es nach einer Weiterbildung der Erfindung, dass als Messeinrichtungen Sensoren, insbesondere Dehnungsmessstreifen und/oder Kraftmessdosen, an oder in der Bauwerksgründung und/oder dem Bauwerk angebracht werden. Diese Sensoren können dabei vom Zeitpunkt des Einbaus an und über eine lange Zeitdauer von mehreren Jahren oder Jahrzehnten Messdaten erfassen, welche einen zuverlässigen Rückschluss auf den Zustand der Bauwerksgründung oder des Bauwerks zulassen.

    [0020] Abhängig von der Einbausituation können die Messeinrichtungen drahtgebunden mit der Rechnereinheit oder einer Sendeeinheit in Verbindung stehen. Eine besonders flexibel einsetzbare Anordnung nach einer Ausführungsvariante der Erfindung besteht darin, dass die Messeinrichtungen drahtlos mit der Rechnereinheit in Verbindung stehen. Die Messeinrichtungen können so beständig oder in vorgegebenen Zeitabständen durch eine zentrale Rechnereinheit oder eine mobile Rechnereinheit abgefragt werden. Besonders zweckmäßig kann es dabei sein, dass die Messeinrichtungen vollständig oder weitgehend energieautark, etwa mit einer Lebensdauerbatterie, versehen sind. Weiterhin kann es vorteilhaft sein, dass die Messeinrichtungen mit einem Transponder versehen sind, welcher auf ein eingehendes Signal, welches gleichzeitig die notwendige Energie überträgt, eine Messung durchführt und/oder Messdaten über eine Sendeeinheit zur Rechnereinheit abgibt.

    [0021] Eine besonders zuverlässige Überwachung eines Bauwerks oder einer Bauwerksgründung wird dadurch erzielt, dass das Verfahren wiederholt, insbesondere in regelmäßigen Zeitabständen, ausgeführt wird. Werden dabei Messwerte erhalten, welche keine oder basierend auf dem vorausgehenden Bodenmodell zu erwartende Änderungen anzeigen, so bedarf es keiner weiteren Berechnungen, da sich das Bauwerk oder die Bauwerksgründung in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden. Ergeben die übermittelten Messwerte jedoch Änderungen außerhalb eines zulässigen Rahmens, wird durch die Rechnereinheit überprüft, ob und inwieweit das vorausgehende Bodenmodell zu verfeinern oder zu korrigieren ist. Hieraus ergibt sich dann ein nachfolgendes Bodenmodell, anhand dem nochmals die Auslegung des Bauwerks überprüft und berechnet wird, inwieweit alle maßgeblichen Vorgabedaten auch unter Berücksichtigung des neuen Bodenmodells eingehalten sind.

    [0022] Grundsätzlich kann das erfindungsgemäße Verfahren so eingesetzt werden, dass die nachfolgenden Bodenmodelle erst nach Abschluss einer Bauwerksgründung oder des Bauwerkes insgesamt durchgeführt werden. Nach einer Weiterbildung der Erfindung kann es jedoch besonders wirtschaftlich sein, dass beim Erfassen der Messwerte noch beim Erstellen der Bauwerksgründung das nachfolgende Bodenmodell für die Auslegung der Bauwerksgründung in nachfolgenden Bauabschnitten berücksichtigt wird. Insbesondere bei größeren Bauwerken, welche in einzelnen Bauabschnitten erstellt werden, können so bereits Erkenntnisse und Messergebnisse zu einem ersten abgeschlossenen Bauabschnitt mit dem erfindungsgemäßen Verfahren verarbeitet werden, ob und inwieweit das vorausgehende zugrunde gelegte Bodenmodell realitätsentsprechend ermittelt ist. Auf diese Weise können gegebenenfalls verfeinerte Bodenmodelle bei der Berücksichtigung nachfolgender Bauabschnitte, etwa zur Auslegung von Gründungspfählen, Stützwänden, Rückverankerungen etc., berücksichtigt werden.

    [0023] Eine Verbesserung der Bauwerkssicherheit wird insbesondere dadurch erzielt, dass durch die Rechnereinheit eine Warnung ausgegeben wird, wenn bei dem nachfolgenden Bodenmodell Vorgabedaten zur Bauwerksgründung nicht mehr erreicht sind. In einem solchen Fall können Sanierungs- oder Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit des Bauwerkes und gegebenenfalls von Nutzern zu gewährleisten. Beispielsweise können nötigenfalls zusätzliche Gründungspfähle oder Versteifungen eingebracht werden. Auch könnte durch Entlastungsmaßnahmen das Bauwerk entlastet werden, so dass einer Gefahr einer Überbeanspruchung entgegengewirkt wird.

    [0024] Die Erfindung betrifft weiterhin eine Anordnung zur Überwachung einer Bauwerksgründung in einem Boden für ein Bauwerk mit einer Rechnereinheit, durch welche basierend auf bestimmten Bodenparametern ein vorausgehendes Bodenmodell ermittelbar ist, basierend auf welchem eine Auslegung der Bauwerksgründung unter Berücksichtigung von Vorgabedaten erfolgt, und Messeinrichtungen an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk, wobei die Messeinrichtungen Setzungen, Verformungen und/oder Kräfte an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk erfassen, wobei die Rechnereinheit mit den Messeinrichtungen zur Übertragung von Messdaten in Datenverbindung steht und durch die Rechnereinheit überprüfbar ist, ob die Messwerte im Einklang mit dem ersten Bodenmodell stehen, und durch die Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechenbar ist, bei welchem die Messwerte im Einklang mit dem nachfolgenden Bodenmodell stehen falls die Messwerte nicht im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen.

    [0025] Mit dieser Anordnung kann insbesondere das zuvor beschriebene erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt werden. Es können dabei die zuvor dargelegten Vorteile erzielt werden.

    [0026] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ablaufdiagrammen zu bevorzugten Ausführungsbeispielen weiter erläutert. In den Zeichnungen zeigen:
    Fig. 1
    ein erstes schematisches Ablaufdiagramm zu dem erfindungsgemäßen Verfahren; und
    Fig. 2
    ein weiteres schematische Ablaufdiagramm zu einer Weiterbildung zu dem erfindungsgemäßen Verfahren.


    [0027] In Fig. 1 ist die Bestimmung des Bodenmodells, welches hier als Berechnungsmodell bezeichnet ist, weiter verdeutlicht. Basierend auf vorgegebenen Bodenparametern, welche ein Steifmodul oder eine Wichte des Bodens und Bodenscheerparameter sowie Lasten aus der Umgebung und geometrische Gegebenheiten, etwa die Mächtigkeit von Bodenschichten, umfassen können, wird ein erstes Bodenmodell berechnet.

    [0028] Weiterhin können an der Bauwerksgründung und dem Bauwerk, welche auch die Baustelle und den Baugrund miteinschließen können, Messdaten oder Messwerte zum Beispiel zu Verformungen, Setzungen, Anker- und Seitenkräften, durch entsprechende Sensoreinrichtungen erfasst werden. Diese Messdaten oder Messwerte, welche als d0 angegeben sind, werden gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren mit den zu erwartenden Messwerte d, welche sich theoretisch aus dem Rechnungsmodel ergeben, verglichen. Liegt eine Differenz zwischen den theoretisch ermittelten Sollwerten d und den tatsächlich gemessenen Messwerten d0 innerhalb einer Toleranz eps, sind die Eingangsbodenparameter bestätigt. In diesem Fall erfolgt keine Neuberechnung des Boden- oder Berechnungsmodells.

    [0029] Überschreitet der Differenzwert zwischen den Sollwerten und den Istwerten jedoch den vorgegebenen Toleranzbereich eps, werden durch eine Rechnereinheit Optimierungsalgorithmen durchgeführt, bei denen die vorausgegangenen unterstellten Bodenparameter geändert werden, bis ein nachfolgendes Bodenmodell oder Berechnungsmodell basierend auf geänderten Bodenparametern mi erstellt sind, welche die tatsächlichen Verhältnisse des Bodens realitätsnäher wiedergeben.

    [0030] Das so ermittelte neue Bodenmodell oder Berechnungsmodell kann dann gemäß Fig. 2 für eine Rückrechnung oder Neuberechnung der Auslegung der Bauwerksgründung oder des Bauwerkes herangezogen werden. Dabei werden zunächst die ursprünglichen Designvariablen betreffend die Auslegung, welche beispielsweise für eine Baugrubensicherung eine Einbautiefe, Anzahl, Länge und Lage der Anker, Durchmesser und Abstand einer Pfahlwand und Dicke einer Schlitzwand sein können, auf Grundlage des neuen Berechnungsmodells nochmals überprüft und neu berechnet.

    [0031] Dabei kann durch die Rechnereinheit eine Minimierung etwa von Setzungen und Schnittkräften in Wand, Bodenplatte und Gründungselementen und der Gesamtkosten sowie eine Maximierung etwa der Bauwerkssicherheit vorgegeben sein. Basierend auf diesen Vorgaben kann die Rechnereinheit über multikriterielle Optimierungsalgorithmen etwa für weitere Bauabschnitte berechnen, ob Designvariablen unter den vorgegebenen Kriterien geändert werden können oder müssen. Hierdurch kann beispielsweise eine materialoptimierte, kostengünstige und/oder besonders sichere Bauwerksauslegung erzielt werden.


    Ansprüche

    1. Verfahren zum Überwachen einer Bauwerksgründung in einem Boden für ein Bauwerk, wobei

    - zu dem Boden Bodenparameter bestimmt werden,

    - basierend auf den bestimmten Bodenparametern mittels einer Rechnereinheit ein vorausgehendes Bodenmodell errechnet wird, auf welchem eine Ausbildung der Bauwerksgründung unter Berücksichtigung von Vorgabedaten des zu errichtenden Bauwerks ausgelegt wird,

    - beim und/oder nach dem Erstellen der Bauwerksgründung mittels Messeinrichtungen Messwerte zu Setzungen, Verformungen und/oder Kräften an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk erfasst werden,

    - die Messwerte der Rechnereinheit zugeführt werden, welche überprüft, ob die Messwerte im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, und

    - falls die Messwerte nicht im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, durch die Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechnet wird, bei welchem die Messwerte im Einklang mit dem neuen Bodenmodellstehen.


     
    2. Verfahren nach Anspruch 1,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass das vorausgehende Bodenmodell mit dem nachfolgenden Bodenmodell verglichen wird, inwieweit Vorgabedaten der Gründung erreicht sind.
     
    3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass die Vorgabedaten eine Tragfähigkeit und/oder Lebensdauer der Bauwerksgründung oder des Bauwerks umfassen.
     
    4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass die Bodenparameter durch Bodenuntersuchungen, insbesondere Probebohrungen, bestimmt werden.
     
    5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass die Bodenparameter Art, Aufbau und Größe von Bodenschichten sowie eine Bodentragfähigkeit umfassen.
     
    6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass als Messeinrichtungen Sensoren, insbesondere Dehnungsmessstreifen und/oder Kraftmessdosen, an oder in der Bauwerksgründung und/oder dem Bauwerk angebracht werden.
     
    7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass die Messeinrichtungen drahtlos mit der Rechnereinheit in Verbindung stehen.
     
    8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass das Verfahren wiederholt, insbesondere in regelmäßigen Zeitabständen, ausgeführt wird.
     
    9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass beim Erfassen der Messwerte noch beim Erstellen der Bauwerksgründung das nachfolgende Bodenmodell für die Auslegung der Bauwerksgründung in nachfolgenden Bauabschnitten berücksichtigt wird.
     
    10. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 9,
    dadurch gekennzeichnet,
    dass durch die Rechnereinheit eine Warnung ausgegeben wird, wenn bei dem nachfolgenden Bodenmodell Vorgabedaten zur Bauwerksgründung nicht mehr erreicht sind.
     
    11. Anordnung zum Überwachen einer Bauwerksgründung in einem Boden für ein Bauwerk, insbesondere zum Durchführen des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 10, mit

    - einer Rechnereinheit, durch welche basierend auf bestimmten Bodenparametern ein vorausgehendes Bodenmodell ermittelbar ist, basierend auf welchem eine Auslegung der Bauwerksgründung unter Berücksichtigung von Vorgabedaten erfolgt, und

    - Messeinrichtungen an der Bauwerksgründung oder einem Bauwerk, wobei durch die Messeinrichtungen Setzungen, Verformungen und/oder Kräfte an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk erfassbar sind,
    wobei

    - die Rechnereinheit mit den Messeinrichtungen zur Übertragung von Messdaten in Datenverbindung stehen und durch die Rechnereinheit überprüfbar ist, ob die Messwerte im Einklang mit dem ersten Bodenmodell stehen, und

    - durch die Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechenbar ist, bei welchem die Messwerte im Einklang mit dem nachfolgenden Bodenmodell stehen, falls die Messwerte nicht im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen.


     




    Zeichnung










    Recherchenbericht









    Recherchenbericht




    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



    Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente