[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Überwachen einer Bauwerksgründung in einem
Boden für ein Bauwerk, gemäß dem Anspruch 1.
[0002] Die Erfindung betrifft weiterhin eine Anordnung zum Überwachen einer Bauwerksgründung
in einem Boden für ein Bauwerk gemäß dem Anspruch 11.
[0003] Zur Überwachung von Bauwerksgründungen ist es grundsätzlich bekannt, verschiedene
Sensoren in der Gründung eines Bauwerkes oder an dieser vorzusehen, durch welche der
Zustand der Bauwerksgründung überwacht werden kann. Mit derartigen Sensoren können
Verformungen, Risse, Setzungen oder Kräfte in der Bauwerksgründung gemessen werden.
Dabei ist es weiterhin bekannt, die Messdaten einer Zentrale zuzuführen, welche die
gemessenen Werte mit hinterlegten Grenzwerten vergleicht, um so frühzeitig zu ermitteln,
wenn übermäßige oder unzulässige Änderungen an der Bauwerksgründung auftreten. Dies
erlaubt beispielsweise die Möglichkeit, frühzeitig Sanierungsmaßnahmen an der Bauwerksgründung
oder dem Bauwerk durchzuführen, um größere Schäden zu vermeiden.
[0004] Ein derartiges System einer Bauwerküberwachung im Zusammenhang mit einer Brücke wird
beispielsweise in der
US 8,990,027 B2 oder der hierzu korrespondierenden
EP 2 391 776 B1 beschrieben.
[0005] Für die Bestimmung der Tragfähigkeit einer Bauwerksgründung sind die Bodenverhältnisse
des Bodens von maßgeblicher Bedeutung, in welchem die Bauwerksgründung zu erstellen
ist. In Abhängigkeit von der Tragfähigkeit des Bodens ist die Bauwerksgründung auszulegen.
Insbesondere bei größeren Bauwerken ist eine möglichst wirklichkeitsgetreue Bestimmung
der Bodenverhältnisse von maßgeblicher Bedeutung. So ist eine Bauwerksgründung auf
weichen oder sandigen Böden erheblich anders auszulegen als auf felsigen Böden. Allerdings
sind an vielen Bauplätzen die Bodenverhältnisse unklar, da etwa der Boden aus verschiedenen
Schichten mit variierenden Schichtdicken aufgebaut ist oder unterschiedliche Bodenbereiche
mit Fels, Kies, Sand, Lehm und Hohlräumen vorhanden sind.
[0006] Bei der Erstellung größerer Bauwerke ist es daher üblich, Probebohrungen an mehreren
Stellen eines Bauplatzes durchzuführen, um nähere Kenntnisse zum genauen Bodenaufbau
zu erlangen. Basierend auf den einzelnen Probebohrungen wird dann ein Bodenmodell
errechnet, welches der Auslegung der Bauwerksgründung mit vorsorglichen Sicherheitszuschlägen
zugrunde gelegt wird. Insbesondere an Baustellen mit einem nicht-homogenen Boden kann
das so bestimmte Bodenmodell teilweise stark von den tatsächlichen Bodenverhältnissen
abweichen. In einem solchen Fall sind grundsätzlich erhöhte Sicherheitszuschläge bei
der Gründungsauslegung vorzusehen, welche jedoch zu erheblich erhöhten Kosten führen
können, etwa durch Erhöhung der Anzahl und/oder Größe von Gründungspfählen, Verankerungen,
Bewehrungseisen und erhöhten Massen an Beton.
[0007] Zudem besteht ein Problem dahingehend, dass trotz entsprechender Sicherheitszuschläge
bei unerwartet großen Abweichungen zwischen dem Bodenmodell und den tatsächlichen
Bodenverhältnissen langfristig Schäden an dem Bauwerk auftreten und auch die Lebensdauer
eines Bauwerkes verkürzen können.
[0008] Der Erfindung liegt die
Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Anordnung anzugeben, mit welchen eine besonders
zuverlässige Überwachung eines Zustandes einer Bauwerksgründung ermöglicht werden.
[0009] Die Aufgabe wird zum einen durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1
und zum anderen durch eine Anordnung mit den Merkmalen des Anspruchs 11 gelöst. Bevorzugte
Ausführungsformen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0010] Gemäß der Erfindung ist ein Verfahren zum Überwachen einer Bauwerksgründung im Boden
für ein Bauwerk vorgesehen, wobei zu dem Boden Bodenparameter bestimmt werden, basierend
auf den bestimmten Bodenparametern mittels einer Rechnereinheit ein vorausgehendes
Bodenmodell errechnet wird, auf welchem eine Ausbildung der Bauwerksgründung unter
Berücksichtigung von Vorgabedaten des zu errichtenden Bauwerks ausgelegt wird, beim
und/oder nach dem Erstellen der Bauwerksgründung mittels Messeinrichtungen Messwerte
zu Setzungen, Verformungen und/oder Kräften an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk
erfasst werden, die Messwerte der Rechnereinheit zugeführt werden, welche überprüft,
ob die Messwerte im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, und, falls
die Messwerte nicht im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, durch die
Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechnet wird, bei welchem die Messwerte
im Einklang mit dem neuen Bodenmodell stehen.
[0011] Die Erfindung beschränkt sich dabei nicht - wie bei den klassischen Überwachungsverfahren
- auf eine Erfassung von Messdaten an einer Bauwerksgründung mit einem Bauwerk und
einem Vergleich der Messdaten mit Grenzwerten, ob sich eine Bauwerksgründung oder
ein Bauwerk noch in erwarteter und zulässiger Weise verhält oder Veränderungen auftreten,
welche die Einleitung von Maßnahmen zur Sicherung erforderlich machen.
[0012] Das erfindungsgemäße Verfahren geht hinsichtlich der Überwachung über bisher bekannte
Verfahren deutlich hinaus. Es wird durch das erfindungsgemäße Verfahren überprüft,
ob die Messwerte der Sensoren an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk im Einklang
mit dem Bodenmodell stehen, welches der Auslegung der Bauwerksgründung zugrunde gelegt
worden ist. Liegen diese Messwerte in dem erwarteten Wertebereich, welcher anhand
des vorausgehenden Bodenmodells bestimmt worden ist, so wird ein korrekter Zustand
des Bauwerks festgestellt. Weisen einzelne oder mehrere Messwerte an der Bauwerksgründung
oder dem Bauwerk nicht erwartete oder übermäßige Abweichungen auf, selbst wenn die
einzelnen Werte für das Bauwerk nicht kritisch oder problematisch sein sollten, so
kann nach dem erfindungsgemäßen Verfahren ein neues nachfolgendes Bodenmodell errechnet
werden, bei welchem die aktuellen Messwerte im Einklang mit den rechnerisch zu erwartenden
Werten oder innerhalb des erwartenden Wertebereichs sind. Basierend auf diesem neuen
nachfolgenden Bodenmodell kann dann eine Rückrechnung oder wiederholte Berechnung
der Bauwerksgründung erfolgen und geprüft werden, ob diese noch den Vorgabedaten für
das Bauwerk entspricht.
[0013] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden also Messwerte an der Bauwerksgründung
oder einem Bauwerk herangezogen, um ein verfeinertes Bodenmodell zu bestimmen. Dieses
verfeinerte und damit wirklichkeitsnähere Bodenmodell kann dann herangezogen werden,
um zu prüfen, inwieweit die Bauwerksgründung anforderungsgemäß ist.
[0014] Es kann somit als eine Grundidee der Erfindung angesehen werden, Messdaten an einer
Bauwerksgründung und eventuell einem Bauwerk heranzuziehen, um Rückschlüsse auf die
Bodenbeschaffenheit zu ziehen und ein ursprüngliches oder vorausgehendes Bodenmodell
zu verfeinern und näher an der Wirklichkeit auszurichten.
[0015] Besonders vorteilhaft ist es nach einer Weiterbildung der Erfindung, dass das vorausgehende
Bodenmodell mit dem nachfolgenden Bodenmodell verglichen wird, inwieweit Vorgabedaten
der Gründung erreicht sind. Insbesondere können durch die Rechnereinheit hierauf bauliche
Maßnahmen ermittelt oder vorgeschlagen werden, um ein Erreichen der Vorgabedaten oder
Anforderungen bei dem neuen Bodenmodell zu erreichen oder sicherzustellen.
[0016] Besonders zweckmäßig ist es, dass die Vorgabedaten eine Tragfähigkeit und/oder Lebensdauer
der Bauwerksgründung oder des Bauwerks umfassen. Insbesondere die Tragfähigkeit einer
Bauwerksgründung ist eine maßgebliche Vorgabe, die zur Errichtung eines Bauwerkes
auf der Bauwerksgründung einzuhalten ist. Insbesondere bei Staudämmen, welche auch
häufig mit Umfassungswänden im Boden versehen sind, ist eine Lebensdauer sowohl des
Staudamms als auch der Umfassungswände im Boden, welche im Sinne der Erfindung auch
als eine Bauwerksgründung anzusehen sind, ein maßgeblicher Vorgabefaktor. Besonders
bei derartigen Bauwerken oder Bauprojekten können genauere Kenntnisse über den Boden
zu erheblichen Verlängerungen oder Verkürzungen der Lebensdauer führen. Insbesondere
bei Staudämmen können gesicherte Angaben zur erwartenden Lebensdauer einen Einfluss
auf Art und Anzahl von Wartungs- und/oder Sanierungsmaßnahmen sowie zur Prämienhöhe
notwendiger Bauwerksversicherungen haben.
[0017] Grundsätzlich können die Bodenparameter zur Bestimmung des ersten Bodenmodells in
jeder geeigneten Weise ermittelt werden, so etwa durch Erfahrungswerte zu der Gegend,
in welcher der Bauplatz liegt, oder durch Erkenntnisse aus anderen vergleichbaren
Bauprojekten in der Gegend. Besonders vorteilhaft ist es nach einer Ausführungsvariante
der Erfindung, dass die Bodenparameter durch Bodenuntersuchungen, insbesondere Probebohrungen,
bestimmt werden. Insbesondere können Kernbohrungen durchgeführt werden, wobei anhand
der gewonnenen Bohrkerne ein Aufbau des Bodens ermittelt werden kann. Weiter können
auch Bohrungen mit Sonden oder Sondierungen von der Bodenoberfläche aus durchgeführt
werden, um Bodenparameter zu ermitteln.
[0018] Besonders zweckmäßig ist es weiterhin, dass die Bodenparameter Art, Aufbau und Größe
von Bodenschichten sowie eine Bodentragfähigkeit umfassen. Dies kann auch eine Erfassung
eines Felshorizontes im Boden beinhalten. So kann schon für das erste zu errechnende
Bodenmodell eine besonders gute und realitätsnahe Bestimmung erreicht werden.
[0019] Zur Erfassung von Änderungen an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk können jede
Art von geeigneten Messeinrichtungen eingesetzt werden. Besonders zweckmäßig ist es
nach einer Weiterbildung der Erfindung, dass als Messeinrichtungen Sensoren, insbesondere
Dehnungsmessstreifen und/oder Kraftmessdosen, an oder in der Bauwerksgründung und/oder
dem Bauwerk angebracht werden. Diese Sensoren können dabei vom Zeitpunkt des Einbaus
an und über eine lange Zeitdauer von mehreren Jahren oder Jahrzehnten Messdaten erfassen,
welche einen zuverlässigen Rückschluss auf den Zustand der Bauwerksgründung oder des
Bauwerks zulassen.
[0020] Abhängig von der Einbausituation können die Messeinrichtungen drahtgebunden mit der
Rechnereinheit oder einer Sendeeinheit in Verbindung stehen. Eine besonders flexibel
einsetzbare Anordnung nach einer Ausführungsvariante der Erfindung besteht darin,
dass die Messeinrichtungen drahtlos mit der Rechnereinheit in Verbindung stehen. Die
Messeinrichtungen können so beständig oder in vorgegebenen Zeitabständen durch eine
zentrale Rechnereinheit oder eine mobile Rechnereinheit abgefragt werden. Besonders
zweckmäßig kann es dabei sein, dass die Messeinrichtungen vollständig oder weitgehend
energieautark, etwa mit einer Lebensdauerbatterie, versehen sind. Weiterhin kann es
vorteilhaft sein, dass die Messeinrichtungen mit einem Transponder versehen sind,
welcher auf ein eingehendes Signal, welches gleichzeitig die notwendige Energie überträgt,
eine Messung durchführt und/oder Messdaten über eine Sendeeinheit zur Rechnereinheit
abgibt.
[0021] Eine besonders zuverlässige Überwachung eines Bauwerks oder einer Bauwerksgründung
wird dadurch erzielt, dass das Verfahren wiederholt, insbesondere in regelmäßigen
Zeitabständen, ausgeführt wird. Werden dabei Messwerte erhalten, welche keine oder
basierend auf dem vorausgehenden Bodenmodell zu erwartende Änderungen anzeigen, so
bedarf es keiner weiteren Berechnungen, da sich das Bauwerk oder die Bauwerksgründung
in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden. Ergeben die übermittelten Messwerte jedoch
Änderungen außerhalb eines zulässigen Rahmens, wird durch die Rechnereinheit überprüft,
ob und inwieweit das vorausgehende Bodenmodell zu verfeinern oder zu korrigieren ist.
Hieraus ergibt sich dann ein nachfolgendes Bodenmodell, anhand dem nochmals die Auslegung
des Bauwerks überprüft und berechnet wird, inwieweit alle maßgeblichen Vorgabedaten
auch unter Berücksichtigung des neuen Bodenmodells eingehalten sind.
[0022] Grundsätzlich kann das erfindungsgemäße Verfahren so eingesetzt werden, dass die
nachfolgenden Bodenmodelle erst nach Abschluss einer Bauwerksgründung oder des Bauwerkes
insgesamt durchgeführt werden. Nach einer Weiterbildung der Erfindung kann es jedoch
besonders wirtschaftlich sein, dass beim Erfassen der Messwerte noch beim Erstellen
der Bauwerksgründung das nachfolgende Bodenmodell für die Auslegung der Bauwerksgründung
in nachfolgenden Bauabschnitten berücksichtigt wird. Insbesondere bei größeren Bauwerken,
welche in einzelnen Bauabschnitten erstellt werden, können so bereits Erkenntnisse
und Messergebnisse zu einem ersten abgeschlossenen Bauabschnitt mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren verarbeitet werden, ob und inwieweit das vorausgehende zugrunde gelegte
Bodenmodell realitätsentsprechend ermittelt ist. Auf diese Weise können gegebenenfalls
verfeinerte Bodenmodelle bei der Berücksichtigung nachfolgender Bauabschnitte, etwa
zur Auslegung von Gründungspfählen, Stützwänden, Rückverankerungen etc., berücksichtigt
werden.
[0023] Eine Verbesserung der Bauwerkssicherheit wird insbesondere dadurch erzielt, dass
durch die Rechnereinheit eine Warnung ausgegeben wird, wenn bei dem nachfolgenden
Bodenmodell Vorgabedaten zur Bauwerksgründung nicht mehr erreicht sind. In einem solchen
Fall können Sanierungs- oder Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit
des Bauwerkes und gegebenenfalls von Nutzern zu gewährleisten. Beispielsweise können
nötigenfalls zusätzliche Gründungspfähle oder Versteifungen eingebracht werden. Auch
könnte durch Entlastungsmaßnahmen das Bauwerk entlastet werden, so dass einer Gefahr
einer Überbeanspruchung entgegengewirkt wird.
[0024] Die Erfindung betrifft weiterhin eine Anordnung zur Überwachung einer Bauwerksgründung
in einem Boden für ein Bauwerk mit einer Rechnereinheit, durch welche basierend auf
bestimmten Bodenparametern ein vorausgehendes Bodenmodell ermittelbar ist, basierend
auf welchem eine Auslegung der Bauwerksgründung unter Berücksichtigung von Vorgabedaten
erfolgt, und Messeinrichtungen an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk, wobei die
Messeinrichtungen Setzungen, Verformungen und/oder Kräfte an der Bauwerksgründung
oder dem Bauwerk erfassen, wobei die Rechnereinheit mit den Messeinrichtungen zur
Übertragung von Messdaten in Datenverbindung steht und durch die Rechnereinheit überprüfbar
ist, ob die Messwerte im Einklang mit dem ersten Bodenmodell stehen, und durch die
Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechenbar ist, bei welchem die Messwerte
im Einklang mit dem nachfolgenden Bodenmodell stehen falls die Messwerte nicht im
Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen.
[0025] Mit dieser Anordnung kann insbesondere das zuvor beschriebene erfindungsgemäße Verfahren
durchgeführt werden. Es können dabei die zuvor dargelegten Vorteile erzielt werden.
[0026] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ablaufdiagrammen zu bevorzugten Ausführungsbeispielen
weiter erläutert. In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- ein erstes schematisches Ablaufdiagramm zu dem erfindungsgemäßen Verfahren; und
- Fig. 2
- ein weiteres schematische Ablaufdiagramm zu einer Weiterbildung zu dem erfindungsgemäßen
Verfahren.
[0027] In Fig. 1 ist die Bestimmung des Bodenmodells, welches hier als Berechnungsmodell
bezeichnet ist, weiter verdeutlicht. Basierend auf vorgegebenen Bodenparametern, welche
ein Steifmodul oder eine Wichte des Bodens und Bodenscheerparameter sowie Lasten aus
der Umgebung und geometrische Gegebenheiten, etwa die Mächtigkeit von Bodenschichten,
umfassen können, wird ein erstes Bodenmodell berechnet.
[0028] Weiterhin können an der Bauwerksgründung und dem Bauwerk, welche auch die Baustelle
und den Baugrund miteinschließen können, Messdaten oder Messwerte zum Beispiel zu
Verformungen, Setzungen, Anker- und Seitenkräften, durch entsprechende Sensoreinrichtungen
erfasst werden. Diese Messdaten oder Messwerte, welche als d0 angegeben sind, werden
gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren mit den zu erwartenden Messwerte d, welche sich
theoretisch aus dem Rechnungsmodel ergeben, verglichen. Liegt eine Differenz zwischen
den theoretisch ermittelten Sollwerten d und den tatsächlich gemessenen Messwerten
d0 innerhalb einer Toleranz eps, sind die Eingangsbodenparameter bestätigt. In diesem
Fall erfolgt keine Neuberechnung des Boden- oder Berechnungsmodells.
[0029] Überschreitet der Differenzwert zwischen den Sollwerten und den Istwerten jedoch
den vorgegebenen Toleranzbereich eps, werden durch eine Rechnereinheit Optimierungsalgorithmen
durchgeführt, bei denen die vorausgegangenen unterstellten Bodenparameter geändert
werden, bis ein nachfolgendes Bodenmodell oder Berechnungsmodell basierend auf geänderten
Bodenparametern m
i erstellt sind, welche die tatsächlichen Verhältnisse des Bodens realitätsnäher wiedergeben.
[0030] Das so ermittelte neue Bodenmodell oder Berechnungsmodell kann dann gemäß Fig. 2
für eine Rückrechnung oder Neuberechnung der Auslegung der Bauwerksgründung oder des
Bauwerkes herangezogen werden. Dabei werden zunächst die ursprünglichen Designvariablen
betreffend die Auslegung, welche beispielsweise für eine Baugrubensicherung eine Einbautiefe,
Anzahl, Länge und Lage der Anker, Durchmesser und Abstand einer Pfahlwand und Dicke
einer Schlitzwand sein können, auf Grundlage des neuen Berechnungsmodells nochmals
überprüft und neu berechnet.
[0031] Dabei kann durch die Rechnereinheit eine Minimierung etwa von Setzungen und Schnittkräften
in Wand, Bodenplatte und Gründungselementen und der Gesamtkosten sowie eine Maximierung
etwa der Bauwerkssicherheit vorgegeben sein. Basierend auf diesen Vorgaben kann die
Rechnereinheit über multikriterielle Optimierungsalgorithmen etwa für weitere Bauabschnitte
berechnen, ob Designvariablen unter den vorgegebenen Kriterien geändert werden können
oder müssen. Hierdurch kann beispielsweise eine materialoptimierte, kostengünstige
und/oder besonders sichere Bauwerksauslegung erzielt werden.
1. Verfahren zum Überwachen einer Bauwerksgründung in einem Boden für ein Bauwerk, wobei
- zu dem Boden Bodenparameter bestimmt werden,
- basierend auf den bestimmten Bodenparametern mittels einer Rechnereinheit ein vorausgehendes
Bodenmodell errechnet wird, auf welchem eine Ausbildung der Bauwerksgründung unter
Berücksichtigung von Vorgabedaten des zu errichtenden Bauwerks ausgelegt wird,
- beim und/oder nach dem Erstellen der Bauwerksgründung mittels Messeinrichtungen
Messwerte zu Setzungen, Verformungen und/oder Kräften an der Bauwerksgründung oder
dem Bauwerk erfasst werden,
- die Messwerte der Rechnereinheit zugeführt werden, welche überprüft, ob die Messwerte
im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen, und
- falls die Messwerte nicht im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen,
durch die Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechnet wird, bei welchem
die Messwerte im Einklang mit dem neuen Bodenmodellstehen.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das vorausgehende Bodenmodell mit dem nachfolgenden Bodenmodell verglichen wird,
inwieweit Vorgabedaten der Gründung erreicht sind.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Vorgabedaten eine Tragfähigkeit und/oder Lebensdauer der Bauwerksgründung oder
des Bauwerks umfassen.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bodenparameter durch Bodenuntersuchungen, insbesondere Probebohrungen, bestimmt
werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bodenparameter Art, Aufbau und Größe von Bodenschichten sowie eine Bodentragfähigkeit
umfassen.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Messeinrichtungen Sensoren, insbesondere Dehnungsmessstreifen und/oder Kraftmessdosen,
an oder in der Bauwerksgründung und/oder dem Bauwerk angebracht werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Messeinrichtungen drahtlos mit der Rechnereinheit in Verbindung stehen.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Verfahren wiederholt, insbesondere in regelmäßigen Zeitabständen, ausgeführt
wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Erfassen der Messwerte noch beim Erstellen der Bauwerksgründung das nachfolgende
Bodenmodell für die Auslegung der Bauwerksgründung in nachfolgenden Bauabschnitten
berücksichtigt wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass durch die Rechnereinheit eine Warnung ausgegeben wird, wenn bei dem nachfolgenden
Bodenmodell Vorgabedaten zur Bauwerksgründung nicht mehr erreicht sind.
11. Anordnung zum Überwachen einer Bauwerksgründung in einem Boden für ein Bauwerk, insbesondere
zum Durchführen des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 10, mit
- einer Rechnereinheit, durch welche basierend auf bestimmten Bodenparametern ein
vorausgehendes Bodenmodell ermittelbar ist, basierend auf welchem eine Auslegung der
Bauwerksgründung unter Berücksichtigung von Vorgabedaten erfolgt, und
- Messeinrichtungen an der Bauwerksgründung oder einem Bauwerk, wobei durch die Messeinrichtungen
Setzungen, Verformungen und/oder Kräfte an der Bauwerksgründung oder dem Bauwerk erfassbar
sind,
wobei
- die Rechnereinheit mit den Messeinrichtungen zur Übertragung von Messdaten in Datenverbindung
stehen und durch die Rechnereinheit überprüfbar ist, ob die Messwerte im Einklang
mit dem ersten Bodenmodell stehen, und
- durch die Rechnereinheit ein nachfolgendes Bodenmodell errechenbar ist, bei welchem
die Messwerte im Einklang mit dem nachfolgenden Bodenmodell stehen, falls die Messwerte
nicht im Einklang mit dem vorausgehenden Bodenmodell stehen.