[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein System zur Drohnenabwehr und insbesondere
einen Störsender, auch Jammer genannt, welcher ein Steuersignal der Drohne stört.
[0002] Systeme zur Drohnenabwehr sind allgemein bekannt. Jammer werden eingesetzt, um die
Steuersignale zwischen einem Sender und einer Drohne zu stören. Dadurch ist die Drohne
zum Landen oder Umkehren gezwungen, je nachdem, wie die Drohne für den Fall einer
Unterbrechung der Steuersignale programmiert ist. Ferner ist es im solchen System
auch wünschenswert, die genaue Position der Drohne laufend zu detektieren und ggf.
Steuersignale zu deren Auswertung abzufangen. Da sich jedoch nicht gleichzeitig ein
Störsignal senden lässt und im selben Frequenzbereich die Drohne angepeilt werden
kann bzw. die Steuersignale abgehört werden können, ist es bereits im Stand der Technik
bekannt, die Störsignale zeitweise zu unterbrechen, um in diesem Zeitfenster eine
Peilung oder Erkennung des Signalinhalts vorzunehmen. Ein entsprechendes System ist
z.B. in der
DE 10 2010 056 268 A1 beschrieben.
[0003] Allerdings weisen derartige Systeme den Nachteil auf, dass der Peilsender und der
Störsender technisch miteinander verbunden werden müssen, um aufeinander abgestimmt
die Störung und die Funküberwachung vorzunehmen. Aufgabe der vorliegenden Erfindung
ist es, ein System bereit zu stellen, welches in einfacher Weise die Überwachung der
Steuersignale und gleichzeitig die Störung der Steuersignale für eine Drohne ermöglicht.
Gelöst wird die Aufgabe durch ein System zur Drohnenabwehr nach Anspruch 1.
[0004] Eine Besonderheit des erfindungsgemäßen Systems zur Drohnenabwehr besteht darin,
dass der Funkdetektor selbständig erkennt, wann der Jammer die Aussendung der Störsignale
unterbricht, um in diesen Zeitfenstern das Steuersignal zu detektieren. Beispielsweise
kann in diesen Zeitfenstern das Steuersignal ausgewertet werden, um die Position der
Drohne festzustellen oder um den Inhalt der Steuersignals abzufangen. Der Jammer und
der Funkdetektor sind zwar aufeinander abgestimmt, weil der Jammer dafür eingerichtet
ist, das Störsignal für definierte Zeiträume zu unterbrechen, um dem Funkdetektor
die Signaldetektion zu ermöglichen. Allerdings brauchen die Geräte nicht miteinander
verbunden zu sein, um das Stören und das Detektieren der Steuersignale der Drohne
vorzunehmen, weil der Funkdetektor selbständig erkennt, wann das Störsignal vom Jammer
unterbrochen wird.
[0005] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform sind der Jammer und der Funkdetektor räumlich
getrennt ohne drahtgebundene Verbindung angeordnet. Da der Funkdetektor die Zeitfenster
der Unterbrechung des Störsignals selbständig erkennt, benötigt er überhaupt keine
Verbindung mit dem Jammer, weder eine drahtgebundene noch eine drahtlose Verbindung.
Ferner kann er räumlich getrennt zum Jammer angeordnet werden, was den Vorteil hat,
dass der Funkdetektor mobil ausgebildet sein kann, um ihn näher zur Drohne zu bringen.
Da die Leistungsaufnahme des Funkdetektors auch geringer als des Störsenders ist,
kann der Störsender beispielsweise stationär angeordnet sein, während der Funkdetektor
nur mit einem portablen Energiespeicher betrieben wird.
[0006] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist der Funkdetektor einen Funkpeilempfänger
auf, welcher eingerichtet ist, um eine Position der Drohne und/oder eine Position
eines Senders, welcher die Funksteuersignale zur Steuerung der Drohne aussendet, zu
ermitteln. Diese Informationen sind zur Drohnenabwehr nützlich. Ferner kann auch vorgesehen
sein, dass die Informationen über der Position der Drohne, vorzugsweise drahtlos,
an den Jammer übermittelt wird damit der Jammer die Aussendung des Störsignals entsprechend
der aktuellen Position der Drohne anpasst.
[0007] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist das Störsignal des Jammers dafür eingerichtet,
ein Protokoll der Steuerdaten der detektierten Drohne zu übernehmen und geänderte
Steuerdaten zum Umlenken der Drohne auszugeben. Die Informationen über das von der
Drohne verwendete Steuersignal erhält der Jammer über den Funkdetektor, welcher dafür
eingerichtet ist, die Steuerdaten der Drohne auszuwerten. Durch das Ändern der Steuerdaten
lässt sich die Drohne vom Kurs abbringen und zur Landung zwingen oder aus einem Gefahrengebiet
herauslenken. Der Funkdetektor kann auch dazu eingerichtet sein, entsprechende Antwortsignale
der Drohne zu simulieren, so dass der Sender der ursprünglichen Steuersignale für
die Drohne einen Response erhält, welcher ihm eine falsche Position der Drohne meldet.
Auf diese Weise lässt sich vollständig die Steuerung der Drohne übernehmen und der
Sender der Steuersignale hat keine Kontrolle mehr über die Drohne. Im Idealfall erfährt
der Bediener an der Steuerung der Drohne nicht einmal, dass die Drohne in Wirklichkeit
umgelenkt wird.
[0008] Gemäß einer weiteren bevorzugten Ausführungsform kann das Störsignal auch ein GPS-Spoofing
umfassen. Dabei wird das GPS-Signal derart geändert, dass die Drohne bei ihrer Positionsbestimmung
eine falsche Position ermittelt. Durch geeignetes Spoofing lässt sich daher die Drohne
ebenfalls umlenken, ohne dass es notwendig ist, die Steuersignale selbst zu ändern.
Da die Drohne subjektiv die falsche Position wahrnimmt, beinhalten auch etwaige Response-Daten,
welche die Drohne an den Sender der Steuerdaten zurücksendet, die falsche Position.
In diesem Fall kann vom Sender der Steuerdaten nicht festgestellt werden, dass die
Drohne tatsächlich auf einen anderen Kurs umgelenkt worden ist.
[0009] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform weist das System mehrere der Funkdetektoren
auf, welche eingerichtet sind, um durch eine Kreuzpeilung die Position der Drohne
und/oder des Senders zu ermitteln. Durch eine Kreuzpeilung lässt sich die Position
der Drohne oder des die Drohne steuernden Sensors besonders präzise ermitteln. Da
die Funkdetektoren räumlich unabhängig von dem Jammer angeordnet werden können, ist
in diesem System die Aufteilung der Funkdetektoren zur Kreuzpeilung besonders einfach
zu realisieren.
[0010] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform umfasst das System mehrere der Jammer, die
räumlich beabstandet angeordnet sind und/oder dazu eingerichtet sind, Störsignale
in unterschiedliche Richtungen abzugeben. Beispielsweise kann eine Vielzahl von Jammern
vorgesehen sein, um ein großes Gebiet zur Drohnenabwehr abdecken zu können. Der Funkdetektor
kann hingegen mobil bewegt werden, um die Drohne präzise orten zu können. Alternativ
oder zusätzlich können die Jammer auch eingerichtet sein, um Störsignale in unterschiedliche
Richtungen abzugeben. Beispielsweise kann eine Vielzahl von festinstallierten Jammern
angesteuert werden, um nur in bestimmten Bereichen eines auf Drohnen zu überwachenden
Raums Störsignale auszusenden.
[0011] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist der Funkdetektor eingerichtet, um Informationen
bzgl. der Position der Drohne und/oder bzgl. eines Frequenzbereichs des detektierten
Steuersignals der Drohne an den Jammer zu übermitteln, vorzugsweise drahtlos zu übermitteln.
In diese Ausführungsform wird die Information über die Drohne zur Nachsteuerung des
Jammers verwendet. Der Jammer kann die räumliche Aussendung des Störsignals und/oder
den Frequenzbereich, über den das Störsignal ausgesendet wird, entsprechend der detektierten
Position bzw. der detektierten Frequenz des Steuersignals der Drohne anpassen. Diese
Ausführungsform lässt sich insbesondere auch mit mehreren Jammern kombinieren. In
einer bevorzugten Ausführungsform ist/sind einer oder mehrere Jammer dazu eingerichtet,
das Störsignal an den Frequenzbereich des detektierten Steuersignals anzupassen, und/oder
die räumliche Aussendung des Störsignals entsprechend der detektierten Position der
Drohne anzupassen.
[0012] Weitere Merkmale und Vorteile der vorliegenden Erfindung werden aus der nachfolgenden
Beschreibung, die in Verbindung mit den beigefügten Figuren gegeben wird, deutlich.
In den Figuren ist Folgendes dargestellt:
- Figur 1
- zeigt schematisch ein System zur Drohnenabwehr gemäß einer Ausführungsform der Erfindung.
- Figur 2
- zeigt schematisch ein Störsignal des Jammers und ein am Funkdetektor empfangenes Steuersignal
in einem System zur Drohnenabwehr gemäß der Erfindung.
[0013] Bezugnehmend auf die Figur 1 wird ein System zur Drohnenabwehr beschrieben, welches
einen Funkdetektor 10 und in dieser Ausführungsform zwei Jammer 20, 21 umfasst. Für
Ausführungsformen der Erfindung genügt aber auch ein einzelner Jammer 20. Es können
alternativ auch noch mehr Jammer und/oder Funkdetektoren vorhanden sein. Die Jammer
sind dazu eingerichtet, ein Störsignal zu senden, welches eine Drohne 30 zum Umkehren
oder Landen zwingt. Das Störsignal kann beispielsweise den Frequenzbereich eines Steuersignals
der Drohne umfassen. Es kann auch ein GPS-Signal gestört werden, so dass die Drohne
nicht mehr über einen weiteren Bereich gelenkt werden kann. Ferner ermöglicht das
System die Position der Drohne zu ermitteln. Dazu ist im Funkdetektor 10 ein Funkpeilempfänger
vorgesehen, welcher die Richtung und Entfernung der Drohne bestimmen kann. Alternative
oder zusätzlich könne auch mehrere Funkdetektoren 10 vorgesehen sein, die beispielsweise
durch eine Kreuzpeilung die Position der Drohne festlegen.
[0014] Da der Funkdetektor 10 jedoch nicht gleichzeitig auf derselben Frequenz arbeiten
kann, wie das ausgesendet Störsignal der Jammer, ist vorgesehen, dass die Jammer die
Aussendung des Störsignals zeitweise unterbrechen. Wie in Figur 2 dargestellt ist,
kann ein Jammer über die Zeit ein Störsignal aussenden (schraffierter Bereich im oberen
Balken) und zeitweise, z.B. in Zeitfenster zwischen 1 µs und 10 ms, die Aussendung
des Störsignals unterbrechen.
[0015] Das Störsignal des Senders kann in einer Ausführungsform einfach das Steuersignal
auf demselben Frequenzband überlagern, so dass die Drohne kein Steuersignal mehr empfängt.
Gemäß weiteren Ausführungsformen ist es aber auch möglich, die Drohne durch Übernahme
des Protokolls der Steuerdaten gezielt mit falschen Sendedaten zu versorgen, um die
Drohne umzulenken oder zur Landung zu zwingen. Ferner ist es auch möglich, durch Verändern
der GPS-Daten (sogenanntes Spoofing) der Drohne eine falsche Position vorzuspielen,
so dass die Drohne, welche ihren Flugweg gemäß dem GPS-Empfang festlegt, auf einen
falschen Kurs gezwungen wird. Dabei kann vom Sender der Steuersignal nicht einmal
festgestellt werden, dass die Drohne umgelenkt worden ist, weil Response-Daten von
der Drohne an den Sender der Steuerdaten auch die falschen Positionsdaten enthalten.
[0016] Der Funkdetektor 10 ist dazu eingerichtet, das Störsignal zu empfangen und die Unterbrechungen
des Störsignals zu ermitteln. In den Zeitfenstern, in denen das Störsignal vom Jammer
20 unterbrochen wird, kann der Funkdetektor das Steuersignal der Drohne detektieren,
um beispielsweise dir Peilung der Drohne vorzunehmen oder den Inhalt des Steuersignals
zu erfassen. Ferner kann der Funkdetektor 10 auch ermitteln, ob sich das Steuersignal
verändert. Diese Information kann ggf. an einen oder mehrere Jammer 20, 21 weitergeleitet
werden, vorzugsweise drahtlos, um den oder die Jammer entsprechend nachzuregeln, so
dass das Störsignal dem geänderten Steuersignal angepasst wird.
[0017] Die Unterbrechung des Störsignals können nur wenige µs, z.B. weniger als 20 µs, betragen,
da die verhältnismäßig kurzen Pausen ausreichen, um die Peilung der Drohne durch den
Funkdetektor 10 vorzunehmen.
[0018] Die Unterbrechungen des Störsignals können auch in unregelmäßigen Abständen erfolgen,
um zu verhindern, dass etwaige Drohnensteuersysteme voraussichtliche Unterbrechungen
erkennen und die Unterbrechungen nutzen, um die Drohne nur in den Unterbrechungsphasen
zu steuern. Der Funkdetektor muss die Länge der Unterbrechungen des Störsignals nicht
von Anfang an kennen, weil er ohnehin selbständig, d.h. ohne direkte Verbindung zum
Jammer, die Unterbrechung des Störsignals erkennt und zur Detektion des Steuersignals
nutzt.
[0019] In Ausführungsformen, in welchen das Störsignal gezielt genutzt wird, um die Drohne
umzulenken (z.B. Übernahme des Protokolls der Steuerdaten oder GPS-Spoofing) empfängt
der Jammer vorzugsweise Daten von dem Funkdetektor, um die Steuerdaten bzw. GPS-Daten
entsprechend der tatsächlichen Position der Drohne bzw. dem abgehörten Protokoll der
Steuerdaten einzustellen. Trotzdem ist der Jammer vorzugsweise drahtlos mit dem Funkdetektor
verbunden, so dass der Funkdetektor unabhängig von dem Jammer betrieben werden kann.
In einfachen Ausführungsformen wäre es jedoch möglich, zwischen dem Jammer und dem
Detektor ein drahtgebundene Verbindung vorzunehmen, jedoch nicht, um die Unterbrechung
der Steuerdaten vorzunehmen, sondern nur um die von dem Funkdetektor empfangenen und
abgehörten Steuersignale an den Jammer weiterzuleiten.
1. System zur Drohnenabwehr, umfassend wenigstens einen Jammer (20) und wenigstens einen
Funkdetektor (10),
wobei der Jammer dazu eingerichtet ist, ein Störsignal über einen Frequenzbereich
zu senden, und
der Funkdetektor (10) dazu eingerichtet ist, ein Funksteuersignal einer Drohne (30)
zu detektieren,
wobei der Frequenzbereich des Störsignals eine Trägerfrequenz des Funksteuersignals
oder ein GPS-Signal umfasst,
dadurch gekennzeichnet, dass der Jammer (20) eingerichtet ist, das Störsignal zeitweise zu unterbrechen und der
Funkdetektor eingerichtet ist, das Störsignal zu empfangen, die Unterbrechungen zu
detektieren und das Funksteuersignal der Drohne (30) innerhalb der Unterbrechungen
des Störsignals zu detektieren.
2. System nach Anspruch 1, wobei der Jammer (20) und der Funkdetektor (10) räumlich getrennt
ohne drahtgebundene Verbindung angeordnet sind.
3. System nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Funkdetektor (10) einen
Funkpeilempfänger aufweist, welcher eingerichtet ist, um eine Position der Drohne
(30) und/oder eine Position eines Senders, welcher die Funksteuersignale zur Steuerung
der Drohne (30) aussendet, zu ermitteln.
4. System nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Störsignal des Jammers (20)
ein Übernehmen eines Protokolls der Steuerdaten der Drohne umfasst, um die Drohne
(30) umzulenken, wobei der Jammer (20) Informationen über das Protokoll der Steuerdaten
von dem Funkdetektor (10), vorzugsweise drahtlos, empfängt.
5. System nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Störsignal ein Spoofing
des GPS-Signals umfasst, um eine von der Drohne (30) über GPS ermittelte Position
zu verfälschen.
6. System nach einem der vorhergehenden Ansprüche, welches mehrere der Funkdetektoren
(10) aufweist, welche eingerichtet sind, um durch eine Kreuzpeilung die Position der
Drohne (30) und/oder des Senders zu ermitteln.
7. System nach einem der vorhergehenden Ansprüche, welches mehrere der Jammer (20, 21)
umfasst, die räumlich beabstandet angeordnet sind und/oder dazu eingerichtet sind,
Störsignale in unterschiedliche Richtungen abzugeben.
8. System nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Funkdetektor (10) eingerichtet
ist, Informationen bzgl. der Position der Drohne (30) und/oder bzgl. eines Frequenzbereichs
des detektierten Steuersignals der Drohne (30) an den Jammer (20) zu übermitteln,
vorzugsweise drahtlos zu übermitteln.
9. System nach einem der vorliegenden Ansprüche, wobei der Jammer (20), bei Rückbezug
auf Anspruch 7 vorzugsweise mehrere Jammer (20, 21), dazu eingerichtet ist/sind, das
Störsignal an den Frequenzbereich des detektierten Steuersignals anzupassen, und/oder
eine räumliche Aussendung des Störsignals entsprechend der detektierten Position der
Drohne (30) anzupassen.