| (19) |
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(11) |
EP 3 921 543 B1 |
| (12) |
EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
| (45) |
Hinweis auf die Patenterteilung: |
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12.07.2023 Patentblatt 2023/28 |
| (22) |
Anmeldetag: 29.12.2020 |
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| (51) |
Internationale Patentklassifikation (IPC):
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| (86) |
Internationale Anmeldenummer: |
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PCT/EP2020/087998 |
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Internationale Veröffentlichungsnummer: |
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WO 2021/140049 (15.07.2021 Gazette 2021/28) |
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| (54) |
KOMPRESSORSYSTEM UND VERFAHREN ZUM BETREIBEN EINES KOMPRESSORSYSTEMS IN ABHÄNGIGKEIT
DES DRUCKLUFTBEDARFS EINES BETRIEBSZUSTANDS DES FAHRZEUGS
COMPRESSOR SYSTEM AND METHOD FOR OPERATING A COMPRESSOR SYSTEM ACCORDING TO THE COMPRESSED-AIR
DEMAND OF AN OPERATING STATE OF THE VEHICLE
SYSTÈME DE COMPRESSEUR ET PROCÉDÉ DE FONCTIONNEMENT D'UN SYSTÈME DE COMPRESSEUR EN
FONCTION DE LA DEMANDE D'AIR COMPRIMÉ D'UN ÉTAT DE FONCTIONNEMENT DU VÉHICULE
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| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
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AL AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HR HU IE IS IT LI LT LU LV MC MK MT NL
NO PL PT RO RS SE SI SK SM TR |
| (30) |
Priorität: |
09.01.2020 DE 102020100296
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| (43) |
Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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15.12.2021 Patentblatt 2021/50 |
| (73) |
Patentinhaber: KNORR-BREMSE
Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH |
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80809 München (DE) |
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| (72) |
Erfinder: |
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- HERDEN, Marc-Oliver
81377 München (DE)
- WINKLER, Michael
80807 München (DE)
- SCHMID, Martin
80639 München (DE)
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| (74) |
Vertreter: Prüfer & Partner mbB
Patentanwälte · Rechtsanwälte |
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Sohnckestraße 12 81479 München 81479 München (DE) |
| (56) |
Entgegenhaltungen: :
DE-A1-102013 113 555 DE-A1-102013 113 557
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DE-A1-102013 113 556 US-A1- 2018 223 832
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| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft ein Kompressorsystem und ein Verfahren zum Betrieb eines Kompressorsystems
in Abhängigkeit des Druckluftbedarfs eines Betriebszustands eines Fahrzeugs. Das Verfahren
betrifft insbesondere den Betrieb eines Kompressorsystems in einem Betriebszustand
in dem ein derart hoher Bedarf an Druckluft herrscht, dass die Gefahr einer Unterversorgung
des Druckluftsystems besteht. Ein derartig hoher Bedarf wird im Folgenden als grenzwertig
hoher Druckluftbedarf bezeichnet.
[0002] An Kompressoren in Schienenfahrzeugen werden vielfältige, teilweise konträre Anforderungen
gestellt, wie beispielsweise eine hohe Lieferleistung, ausreichende Einschaltdauern,
geringe Schallemissionen, ein niedriger Energieverbrauch, ein kleiner Bauraum, flexible
Betriebsstrategien sowie niedrige Anschaffungs- und Life-Cycle-Kosten. Dabei gibt
es je nach Betriebszustand des Schienenfahrzeugs stark unterschiedliche Anforderungsprofile
an den Kompressor. Die typische Problemstellung bei der Auslegung eines Kompressors
ist, den besten Kompromiss zwischen diesen Anforderungen zu finden, der in allen Betriebszuständen
des Schienenfahrzeugs akzeptabel ist. In der Regel werden in Schienenfahrzeugen Kompressoren
eingesetzt, die elektrisch angetrieben werden. Die Kompressoren werden in Ein-/ Ausschaltbetrieb
zwischen einem unteren Einschaltdruck und einem oberen Abschaltdruck mit einer konstanten
Drehzahl, der sogenannten Nenndrehzahl, oder einer variablen Drehzahl betrieben. Der
Kompressor wird so dimensioniert, dass eine vorgegebene Auffüllzeit des Druckluftbehälters
erreicht und eine minimale Einschaltdauer im Betrieb nicht unterschritten wird.
[0003] Die Baugröße und damit die Maximalleistung des Kompressors sind in der Regel so gewählt,
dass im Streckenbetrieb, also bei regulärer Fahrt des Fahrzeugs, eine minimale Einschaltdauer
nicht unterschritten und die maximale Auffüllzeit des Druckluftbehälters nicht überschritten
wird. Zudem spielen weitere Faktoren wie beispielsweise der Wirkungsgrad und die Leistungsaufnahme
bei Nenndrehzahl oder die Schallemission bei verschiedenen Drehzahlen eine Rolle bei
der Kompressordimensionierung. Im Streckenbetrieb wird der Kompressor intermittierend
betrieben. Ein derartiger intermittierender Betrieb und ein dazu geeignetes Kompressorsystem
sind beispielsweise in dem Patentdokument
DE102013113555A1 beschrieben. Bei einem intermittierenden Betrieb wird der Kompressor des Kompressorsystems
gestartet, wenn der Druck im Druckluftbehälter auf den Einschaltdruck abgefallen ist.
Beim Erreichen des Abschaltdrucks wird der Kompressor ausgeschaltet und erst nach
einem Druckabfall bis auf den Einschaltdruck erneut gestartet. Die Förderleistung
des Kompressors wird somit eingestellt. Während eines Stationsbetriebs, bei dem das
Schienenfahrzeug am Bahnhof hält, wird der Kompressor ebenso wie während der Fahrt
intermittierend betrieben. Da im Stillstand kein dominantes Fahrgeräusch vorhanden
ist, sollten Schallemissionen des Kompressors und des Lüfters am Bahnsteig vermieden
werden. Da die Luftfederung im Bahnhof einen erhöhten Luftbedarf wegen dem Ein-/ Aussteigen
der Fahrgäste aufweist, führt dies häufig zum Einschalten des Kompressors und des
Lüfters, falls der Druckluftspeicher bei der Einfahrt in die Haltestelle nicht vollständig
gefüllt ist, und damit zu unerwünschten Schallemissionen während des Halts am Bahnhof.
[0004] Um einen ökonomischen und ökologischen Betrieb des Kompressors sicherzustellen, wurde
der oben beschriebene intermittierende Betrieb dahin gehend weiterentwickelt, dass
der Kompressor derart betrieben wird, dass sich der Luftdruck im Druckluftbehälter
während der Fahrt des Fahrzeugs in einem Bereich knapp über dem Einschaltdruck bewegt.
Die Förderleistung des Kompressors wird erst dann erhöht, wenn Druckluft verbraucht
wird. Auf diese Weise können Luftdruckverluste aufgrund von Leckage minimiert werden
und einen unnötiges Einschalten des Kompressors und ein damit verbundener Energieverbrauch
verhindert werden.
[0005] Eine derartige Strategie birgt allerdings die Gefahr, dass bei einem unvorhergesehenen,
plötzlich stark ansteigenden Druckluftverbrauch zu wenig Druckluft zur Verfügung steht
und es somit eine Unterversorgung kommen kann. Die Unterversorgung kann das Auslösen
einer Traktionssperre zur Folge haben, so lange bis der Druckluftbehälter wieder aufgefüllt
ist, wodurch es zu Verzögerungen im Ablauf des Verkehrs kommen kann.
[0006] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Kompressorsystem und ein Verfahren
zum Betrieb eines Kompressorsystems bereitzustellen, durch welche die Gefahr einer
Unterversorgung minimiert und kurzfristig auf einen außergewöhnlich hohen Bedarf an
Druckluft reagiert werden kann, ohne den Luftdruck im Druckluftbehälter dauerhaft
zu erhöhen.
[0007] Diese Aufgabe wird durch das Kompressorsystem und das Verfahren zum Betrieb eines
Kompressorsystems gemäß den nebengeordneten Ansprüchen gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen
der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen enthalten.
[0008] Erfindungsgemäß weist ein Kompressorsystem für ein Schienenfahrzeug wenigstens einen
Kompressor zur Erzeugung von Druckluft für wenigstens einen Druckluftbehälter auf,
wobei die Förderleistung des wenigstens einen Kompressors zumindest mittelbar über
wenigstens eine Regelungseinrichtung einstellbar ist. Weiterhin ist in einer stromabwärts
vom wenigstens einen Kompressor angeordneten druckluftführenden Leitung optional zumindest
ein Drucksensor angeordnet, wobei anhand des damit gemessenen Drucks die wenigstens
eine Regelungseinrichtung den wenigstens einen Kompressor regelt. Die wenigstens eine
Regelungseinrichtung des wenigstens einen Kompressors ist dabei weiterhin derart konfiguriert,
dass sie in einem besonderen Bedarfsfall die Förderleistung des wenigstens einen Kompressors
über eine festgelegte Betriebsmaximalleistung hinaus erhöhen kann, auch wenn dies
eine Überschreitung der im Normalbetrieb festgelegten Grenzwerte bezüglich Lärm oder
Leistungsaufnahme bedeutet. Vorzugsweise geschieht diese Erhöhung der Förderleistung
lediglich kurzzeitig, um den sicheren Betrieb nicht zu gefährden.
[0009] Unter der Betriebsmaximalleistung wird im Rahmen dieser Anmeldung diejenige Leistung
verstanden, mit der der wenigstens eine Kompressor im normalen Betrieb (also kein
besonderer Bedarfsfall) maximal betrieben wird. Diese muss nicht zwangsweise die Maximalleistung
oder die Nennleistung (maximal im Dauerbetrieb erreichbare Leistung) des wenigstens
einen Kompressors darstellen. Es ist beispielsweise denkbar, dass als Betriebsmaximalleistung
des Kompressors lediglich 80% der Nennleistung des Kompressors festgelegt werden,
um den wenigstens einen Kompressor besonders verbrauchsgünstig und verschleißoptimiert
zu betreiben.
[0010] Durch die Erhöhung über die Betriebsmaximalleistung des Kompressors hinaus kann im
Bedarfsfall eine Förderleistung zur Verfügung gestellt werden, die es erlaubt, den
in diesem Fall erhöhten Druckluftanforderungen gerecht zu werden, sodass eine Unterversorgung
des Systems verhindert werden kann, oder der Druckluftbehälter beim Einfahren in eine
Haltestelle voll befüllt werden kann, obwohl ein erhöhter Verbrauch an Druckluft vorliegt.
Somit kann ein Anspringen des Kompressors während des Aufenthalts im Bahnhof bzw.
während eines Stillstands vermieden und somit die Lärmbelastung reduziert werden.
[0011] In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist in einer stromabwärts vom
wenigstens einen Kompressor angeordneten druckluftführenden Leitung zumindest ein
Drucksensor angeordnet, anhand dessen der Luftdruck bzw. der Luftdruckgradient bestimmt
wird. Durch die Bestimmung des Luftdrucks oder dessen Gradienten kann ein besonderer
Bedarfsfall besonders einfach und effektiv erkannt werden.
[0012] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist der besondere Bedarfsfall
dann gegeben, wenn ein grenzwertig hoher Druckluftverbrauch besteht. Somit wird in
einem Fall, in dem der Druckluftverbrauch einen bestimmten Grenzwert überschreitet,
die Förderleistung des wenigstens einen Kompressors über die festgelegte Betriebsmaximalleistung
hinaus erhöht.
[0013] In einer vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist die wenigstens eine Regelungseinrichtung
dazu konfiguriert, die Förderleistung des wenigstens einen Kompressors insbesondere
über die Drehzahl des Kompressors einzustellen.
[0014] Weiterhin vorteilhaft ist eine Ausführungsform, in der das Kompressorsystem wenigstens
einen Sensor aufweist, der dazu konfiguriert ist, einen Messwert aufzunehmen, der
dafür geeignet ist, das Kompressorsystem im Fall, dass die Förderleistung des wenigstens
einen Kompressors über der festgelegten Betriebsmaximalleistung des Kompressors liegt,
zu überwachen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass der wenigstens eine
Kompressor bei erhöhter Förderleistung keinen Schaden nimmt, um überflüssige und kostenintensive
Wartungsarbeiten zu verhindern.
[0015] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung weist das Kompressorsystem
eine Mensch-Maschine-Schnittstelle auf. Diese ist im Cockpit des Fahrzeugführers angeordnet
und kann von diesem bedient werden. Ist dies der Fall, wird direkt der besondere Bedarfsfall
an die wenigstens eine Regelungseinrichtung (5) übermittelt, sodass diese die Förderleistung
des wenigstens einen Kompressors über die festgelegte Betriebsmaximalleistung hinaus
erhöht.
[0016] In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist die wenigstens
eine Regelungseinrichtung dazu konfiguriert, in einem weiteren besonderen Bedarfsfall
unter Berücksichtigung festgelegter Betriebsparameter das Einschalten des Kompressorsystems
zu unterdrücken. Derartige Betriebsparameter können beispielsweise die Position des
Fahrzeugs in Zusammenhang mit der aktuellen Uhrzeit und dem aktuellen Datum oder der
Druck im Druckluftbehälter sein.
[0017] Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Steuerung eines erfindungsgemäßen Kompressorsystems
wird der wenigstens eine Kompressor im besonderen Bedarfsfall, insbesondere eines
grenzwertig hohen Druckluftverbrauchs, mit einer Drehzahl betrieben, die größer ist
als eine bestimmte Drehzahl, welche zu einer festgelegten Betriebsmaximalleistung
des Kompressors führt.
[0018] In einer vorteilhaften Ausführungsform des Verfahrens wird der besondere Bedarfsfall
vom Fahrzeugführer und/oder der Fahrzeugsteuerung an die wenigstens eine Regelungseinrichtung
gemeldet. Besonders vorteilhaft ist die Ausführungsform dann, wenn der Bedarfsfall
durch die Fahrzeugsteuerung erst dann gemeldet wird, wenn sie vom Zugführer bestätigt
wird, da somit bestmöglich sichergestellt werden kann, dass die überhöhte Förderleistung
auch wirklich als notwendig erachtet werden kann. Im Falle eines autonom operierenden
Fahrzeugs kann die Fahrzeugsteuerung alleine den Bedarfsfall an die Regelungseinrichtung
weiter geben.
[0019] Die Erfindung wird im Folgenden anhand der beigefügten Zeichnungen näher beschrieben.
Die Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- zeigt eine schematische Anordnung eines erfindungsgemäßen Kompressorsystems
- Fig. 2
- zeigt zwei Diagramme welche zum einen die Drehzahl des Kompressors und zum anderen
den Luftdruck im Druckluftbehälter über der Zeit darstellen
[0020] Gemäß
Fig. 1 weist ein Kompressorsystem für ein Schienenfahrzeug einen Kompressor 3 zur Erzeugung
von Druckluft auf. Die vom Kompressor 3 erzeugte Druckluft wird über eine druckluftführende
Leitung 6 zu einer Kühlereinheit 9 mit einem Kühlerlüfter 14 geleitet. Stromabwärts
der Kühlereinheit 9 sind in der Druckluft führenden Leitung 6 ein Drucksensor 7 und
ein Temperatursensor 13b angeordnet. Des Weiteren mündet die druckluftführende Leitung
6 in einen Vorabscheider 11, dem eine Luftaufbereitungsanlage 12 nachgeschaltet ist.
Die getrocknete und von Partikeln gesäuberte Druckluft wird dann in einen Druckluftbehälter
4 gespeist. Ein Temperatursensor 13a, der am Kompressor 3 angeordnet ist, sowie der
Temperatursensor 13b und der Drucksensor 7 senden allesamt die gemessenen Temperaturen
und den gemessenen Druck an eine Regelungseinrichtung 5. Ferner erhält die Regelungseinrichtung
5 auch von einer Fahrzeugsteuerung 2 und dem Fahrzeugführer 1 Signale. Darüber hinaus
ist die Regelungseinrichtung 5 dazu geeignet, sowohl die Drehzahl der Kühlereinheit
9 als auch den Kompressor 3 selbst zu regeln. Weiterhin ist eine elektrische Versorgung
15 vorgesehen, welche den Kompressor 3 über die Regelungseinheit 3 mit Strom versorgt.
Je nach geforderter Kompressordrehzahl ist die Regelungseinrichtung somit in der Lage
die Stromversorgung des Kompressors üblicherweise mittels eines Frequenzumrichters
zu regeln.
[0021] Gemäß
Figur 2 wird ersichtlich, dass über die Drehzahl des Kompressors 3 der Luftdruck in dem Druckluftbehälter
4 einstellbar ist. Das obere Diagramm veranschaulicht den Verlauf der Drehzahl über
der Zeit während das untere Diagramm den Verlauf des Luftdrucks in dem Druckluftbehälter
4 über die Zeit darstellt.
[0022] Der Kompressor 3 wird in einem Auffüllbetrieb A des Schienenfahrzeugs mit einer für
eine Betriebsmaximalleistung des Kompressors erforderlichen Drehzahl m betrieben,
bis der Luftdruck im Druckluftbehälter 4 den Abschaltdruck a erreicht. In einem darauf
folgenden Streckenbetrieb N, in dem das Schienenfahrzeug im Regelbetrieb auf einer
Strecke fährt, wird der Kompressor 3, sobald der Druckluftbehälter gefüllt ist, zunächst
abgeschaltet. Anschließend wird er, nachdem ein erheblicher Teil der Druckluft während
der Fahrt verbraucht wurde, mit einer variablen Drehzahl, geringfügig oberhalb der
minimalen Drehzahl i, betrieben. Der Luftdruck im Druckluftbehälter 4 wird dabei in
einem Bereich gehalten, der geringfügig oberhalb des Einschaltdrucks e eingestellt
wird. Auf diese Weise kann erreicht werden, dass lediglich so viel Druckluft erzeugt
wird, wie auch tatsächlich verbraucht wird und dass somit ein ökonomischer Betrieb
sichergestellt werden kann, da der Druckverlust bei hohem Druck aufgrund von Leckage
höher ist als bei geringerem Druck. Zudem sind auch die energetischen Verluste bei
einem niedrigeren Druckniveau ebenfalls geringer.
[0023] Bewegt sich der Luftdruck in einem Bereich knapp oberhalb des Einschaltdrucks e,
wie im ersten Streckenbetrieb N des unteren Diagramms aus Figur 2 angedeutet, kann
ein kurzzeitig hoher Druckluftbedarf zu einer Unterversorgung des Druckluftsystems
führen. Tritt dieser Fall ein, wird ein "Boost-Mode-Betrieb" BM aktiviert, um den
Druckspeicher möglichst schnell zu füllen. Dabei wird die Drehzahl kurzzeitig über
der beispielsweise aufgrund von Schallemissionen oder Leistungsaufnahme des Kompressors
festgelegten Drehzahl m, welche zur Betriebsmaximalleistung des Kompressors führt,
in einem Bereich "Boost-Mode-Drehzahlbereich" bm betrieben, um eine Druckluftunterversorgung
zu vermeiden. Der "Boost-Mode-Betrieb" BM kann dabei durch den Fahrzeugführer oder
automatisch durch das Zugsteuerungssystem ausgelöst werden. Ein kurzzeitig hoher Druckluftbedarf
kann beispielsweise aufgrund einer notwendigen abrupten Bremsung bei einer hohen Last
des Zuges notwendig werden.
[0024] Ist der Druckluftstand des Systems wieder stabilisiert, wird nach dem "Boost-Mode-Betrieb"
BM in Figur 2 der normale Bremsbetrieb B weitergeführt. Dabei wird der Kompressor
3 mit der Maximaldrehzahl m weiter betrieben und der Druckluftbehälter 4 wird bis
zu einem maximalen Überdruck x gespeist, wobei der Kompressor 3 nach Erreichen des
maximalen Überdrucks x mit einer variablen Drehzahl, zwischen Nenndrehzahl n und minimaler
Drehzahl i, geringfügig oberhalb der minimaler Drehzahl i betrieben wird. Nach Beenden
des Bremsbetriebs B wird der Kompressor 3 abgeschaltet und erst bei Erreichen des
Einschaltdrucks e auf die minimale Drehzahl i eingestellt. Das Schienenfahrzeug befindet
sich somit wieder im Streckenbetrieb N.
[0025] Vor einem Stationsbetrieb S erhält die Regelungseinrichtung 5 von der Fahrzeugsteuerung
10 ein Signal über den bevorstehenden Stationsbetrieb S, wobei die Drehzahl des Kompressors
3 normalerweise auf die maximale Drehzahl m eingestellt wird, um den mindestens einen
Druckluftbehälter 4 bis zum maximalen Überdruck x zu speisen. Reicht die Zeit bis
zum Stillstand des Zuges nicht aus um den Luftdruck im Druckluftbehälter 4 auf den
maximalen Luftdruck x anzuheben, oder tritt während des Bremsvorgangs ein unerwartet
hoher Luftdruckbedarf auf, so wird ebenfalls der "Boost-Mode-Betrieb" BM aktiviert
und die Drehzahl des Kompressors über die festgelegten Maximaldrehzahl m angehoben,
um den Druckluftbehälter 4 vollständig zu füllen. Während des Stationsbetriebs S wird
der Kompressor 3 möglichst über den gesamten Aufenthalt in der Haltestelle abgeschaltet,
um möglichst geringe Geräuschemissionen an der Haltestelle zu verursachen. Aus diesem
Grunde ist es insbesondere bei hohem Druckluftverbrauch im Stand beispielsweise durch
großen Lastwechsel des Fahrzeugs durch ein- und aussteigende Fahrgäste wichtig, dass
der Druckluftbehälter bei der Einfahrt in die Haltestelle maximal gefüllt ist. Bei
Erreichen des Einschaltdrucks e wird der Kompressor 3 auf die minimale Drehzahl i
eingestellt. Das Schienenfahrzeug befindet sich nach dem Stationsbetrieb S wieder
im Streckenbetrieb N. In einem Over-Night-Standby-Betrieb O wird der Kompressor 3
intermittierend zwischen der minimalen Drehzahl i beim Abfallen des Druckes auf den
Einschaltdruck e und der Abschaltung des Kompressors 3 beim Erreichen des Abschaltdrucks
a betrieben.
[0026] Die Erfindung ist nicht beschränkt auf die vorstehend beschriebenen bevorzugten Ausführungsbeispiele.
Es sind vielmehr auch Abwandlungen hiervon denkbar, welche vom Schutzbereich der nachfolgenden
Ansprüche mit umfasst sind. So ist es beispielsweise auch möglich, dass der Kompressor
3 eine Vielzahl von Druckluftbehältern 4 speist. Darüber hinaus ist es auch denkbar,
dass das Stellglied 8 über zwei Ausgänge verfügt und somit sowohl die Drehzahl der
elektrischen Maschine 1 als auch die Drehzahl des Kühlerlüfters 14 durch die Regelungseinrichtung
5 einstellt.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0027]
- 1
- Fahrzeugführer
- 2
- Fahrzeugsteuerung
- 3
- Kompressor
- 4
- Druckbehälter
- 5
- Regeleinrichtung
- 6
- Druckluftführende Leitung
- 7
- Drucksensor
- 9
- Kühlereinheit
- 11
- Vorabscheider
- 12
- Druckluftaufbereitungsanlage
- 13a
- Temperatursensor (Kompressor)
- 13b
- Temperatursensor (Druckluft)
- 14
- Kühlerlüfter
- 15
- elektrische Versorgung
- m
- Drehzahl des Kompressors bei Betriebsmaximalleistung
- n
- Nenndrehzahl des Kompressors
- i
- Minimaldrehzahl des Kompressors
- bm
- Boost-Mode-Drehzahlbereich
- x
- maximaler Luftdruck im Druckluftbehälter
- a
- Ausschaltdruck
- e
- Einschaltdruck
- A
- Auffüllbetrieb
- N
- Streckenbetrieb
- B
- Bremsbetrieb
- S
- Stationsbetrieb
- O
- Übernachbetrieb
- BM
- Boost-Mode-Betrieb
1. Kompressorsystem für ein Schienenfahrzeug, aufweisend
wenigstens einen Kompressor (3) zur Erzeugung von Druckluft für wenigstens
einen Druckluftbehälter (4), wobei
die Förderleistung des wenigstens einen Kompressors (3) zumindest mittelbar über wenigstens
eine Regelungseinrichtung (5) einstellbar ist, und
dadurch gekennzeichnet dass
die wenigstens eine Regelungseinrichtung (5) dazu konfiguriert ist, im besonderen
Bedarfsfall die Förderleistung des Kompressors (3) über eine festgelegte Betriebsmaximalleistung
hinaus erhöhen zu können.
2. Kompressorsystem gemäß dem vorhergehenden Anspruch, wobei wenigstens ein Drucksensor
(7) in einer stromabwärts vom wenigstens einen Kompressor (3) angeordneten druckluftführenden
Leitung (6) zur Bestimmung des Luftdrucks und/oder Luftdruckgradienten angeordnet
ist.
3. Kompressorsystem gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die wenigstens eine
Regelungseinrichtung (5) dazu konfiguriert ist, im besonderen Bedarfsfall eines grenzwertig
hohen Druckluftverbrauchs die Förderleistung des wenigstens einen Kompressors (3)
über die festgelegte Betriebsmaximalleistung hinaus erhöhen zu können.
4. Kompressorsystem gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die wenigstens eine
Regelungseinrichtung (5) dazu konfiguriert ist, die Förderleistung des wenigstens
einen Kompressors (3) insbesondere über die Drehzahl des wenigstens einen Kompressors
(3) einzustellen.
5. Kompressorsystem gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Kompressorsystem
mindestens einen Sensor (7, 13a, 13b) aufweist, der dazu konfiguriert ist einen Messwert
zu messen, der dazu geeignet ist das Kompressorsystem zu überwachen.
6. Kompressorsystem gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Kompressorsystem
eine Mensch-Maschine-Schnittstelle aufweist, die dazu konfiguriert ist, vom Fahrzeugführer
bedient zu werden und der wenigstens einen Regelungseinrichtung (5) einen besonderen
Bedarfsfall signalisiert, sodass diese die Förderleistung des wenigstens einen Kompressors
(3) über die festgelegte Betriebsmaximalleistung hinaus erhöht.
7. Kompressorsystem gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Regelungseinrichtung
(5) ferner dazu konfiguriert ist, in einem weiteren besonderen Bedarfsfall und unter
Berücksichtigung festgelegter Betriebsparameter das Einschalten des Kompressorsystems
zu unterdrücken.
8. Verfahren zur Steuerung eines Kompressorsystems gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
der wenigstens eine Kompressor (3) im besonderen Bedarfsfall mit einer Drehzahl betrieben
wird, die größer ist als eine Drehzahl (m), welche zu einer festgelegten Betriebsmaximalleistung
des Kompressors (3) führt.
9. Verfahren gemäß dem vorangehenden Anspruchs, wobei der wenigstens eine Kompressor
(3) im besonderen Bedarfsfall eines grenzwertig hohen Druckluftverbrauchs mit einer
Drehzahl betrieben wird, die größer ist als eine Drehzahl (m), welche zu einer festgelegten
Betriebsmaximalleistung Kompressors (3) führt.
10. Verfahren gemäß einem der vorangehenden Ansprüche 7 und 8, wobei der besondere Bedarfsfall
vom Fahrzeugführer und/oder der Fahrzeugsteuerung aktiviert wird.
1. A compressor system for a rail vehicle, having
at least one compressor (3) for generating compressed air for at least one compressed-air
vessel (4),
it being possible to adjust the delivery rate of the at least one compressor (3) at
least indirectly via at least one closed-loop control device (5), and
characterised in that
the at least one closed-loop control device (5) is configured to be able to increase
the delivery rate of the compressor (3) beyond a specified maximum operating rate
in case of specific demands.
2. A compressor system according to the preceding claim, at least one pressure sensor
(7) being arranged in a line (6) carrying compressed air that is positioned downstream
of the at least one compressor (3) in order to determine the air pressure and/or the
air-pressure gradient.
3. A compressor system according to any one of the preceding claims, the at least one
closed-loop control device (5) being configured to be able to increase the delivery
rate of the at least one compressor (3) beyond the specified maximum operating rate
in the specific case of borderline high compressed-air consumption.
4. A compressor system according to any one of the preceding claims, the at least one
closed-loop control device (5) being configured to adjust the delivery rate of the
at least one compressor (3), in particular via the speed of the at least one compressor
(3).
5. A compressor system according to any one of the preceding claims, the compressor system
having at least one sensor (7, 13a, 13b) that is configured to measure a measurement
value suitable for monitoring the compressor system.
6. A compressor system according to any one of the preceding claims, the compressor system
having a man/machine interface that is configured to be operated by the vehicle driver
and that signals a case of specific demand to the at least one closed-loop control
device (5) so that this closed-loop control device (5) increases the delivery rate
of the at least one compressor (3) beyond the specified maximum operating rate.
7. A compressor system according to any one of the preceding claims, the closed-loop
control device (5) further being configured to prevent the compressor system from
cutting in in a further case of specific demand taking into account specified operating
parameters.
8. A method for controlling a compressor system according to any one of the preceding
claims,
characterised in that
in case of specific demand the at least one compressor (3) is operated at a speed
that is greater than a speed (m) that results in a specified maximum operating rate
of the compressor (3).
9. A method according to the preceding claim, in the specific case of borderline high
compressed-air consumption the at least one compressor (3) being operated at a speed
that is greater than a speed (m) that results in a specified maximum operating rate
of the compressor (3).
10. A method according to either of preceding claims 7 and 8, the case of specific demand
being activated by the vehicle driver and/or by the vehicle control system.
1. Système de compresseur d'un véhicule ferroviaire, comportant
au moins un compresseur (3) de production d'air comprimé pour au moins un réservoir
(4) à air comprimé, dans lequel
la puissance utile du au moins un compresseur (3) est réglable au moins indirectement
par au moins un dispositif (5) de régulation, et
caractérisé en ce que
le au moins un dispositif (5) de régulation est configuré pour, en cas de besoin particulier,
augmenter la puissance utile du compresseur (3) au-delà d'une puissance maximum de
fonctionnement fixée.
2. Système de compresseur suivant la revendication précédente, dans lequel au moins un
capteur (7) de pression est, pour la détermination de la pression de l'air et/ou de
gradients de la pression de l'air, monté dans un conduit (6) conduisant de l'air comprimé
et monté en aval du au moins un compresseur (3).
3. Système de compresseur suivant l'une des revendications précédentes, dans lequel le
au moins un dispositif (5) de régulation est configuré pour pouvoir, en cas de besoin
particulier d'une grande consommation d'air comprimé en valeur limite, augmenter la
puissance utile du au moins un compresseur (3) au-delà de la puissance maximum de
fonctionnement fixée.
4. Système de compresseur suivant l'une des revendications précédentes, dans lequel le
au moins un dispositif (5) de régulation est configuré pour régler la puissance utile
du au moins un compresseur (3), en particulier par la vitesse de rotation du au moins
un compresseur (3).
5. Système de compresseur suivant l'une des revendications précédentes, dans lequel le
système de compresseur a au moins un capteur (7, 13a, 13b), qui est configuré pour
mesurer une valeur de mesure propre à contrôler le système de compresseur.
6. Système de compresseur suivant l'une des revendications précédentes, dans lequel le
système de compresseur a une interface homme - machine, qui est configurée pour être
commandée par le conducteur du véhicule et qui signale au au moins un dispositif (5)
de régulation un cas de besoin particulier, de manière à ce que celui-ci augmente
la puissance utile du au moins un compresseur (3) au-delà de la puissance maximum
de fonctionnement fixée.
7. Système de compresseur suivant l'une des revendications précédentes, dans lequel le
dispositif (5) de régulation est configuré en outre pour supprimer, dans un autre
cas de besoin particulier et en tenant compte de paramètres de fonctionnement fixés,
la mise en circuit du système de compresseur.
8. Procédé de commande d'un système de compresseur suivant l'une des revendications précédentes,
caractérisé en ce que
l'on fait fonctionner le au moins un compresseur (3) dans un cas de besoin particulier
à une vitesse de rotation, qui est plus grande qu'une vitesse (m) de rotation, qui
donne une puissance maximum de fonctionnement fixée du compresseur (3).
9. Procédé suivant la revendication précédente, dans lequel on fait fonctionner le au
moins un compresseur (3), dans le cas d'un besoin particulier d'une grande consommation
en valeur limite d'air comprimé, à une vitesse de rotation, qui est plus grande qu'une
vitesse (m) de rotation, qui donne une puissance maximum de fonctionnement fixée du
compresseur (3).
10. Procédé suivant l'une des revendications 7 et 8 précédentes, dans lequel on active
le cas de besoin particulier par le conducteur du véhicule et/ou par la commande du
véhicule.

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