Gebiet der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft das technische Gebiet der Gieß-Walz-Verbundanlagen.
Bei Gieß-Walz-Verbundanlagen ist eine Stranggießanlage inline mit zumindest einem
Walzwerk, meist jedoch zwei Walzwerken, verbunden. Auf der Stranggießanlage wird typischerweise
flüssiger Stahl zu einem Strang mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt vergossen.
Der stranggegossene Strang wird in dem zumindest einen Walzwerk durch Warmwalzen zu
einem Fertigband fertiggewalzt. Durch die inline Verbindung der Stranggießanlage mit
dem Walzwerk können Gieß-Walz-Verbundanlagen äußerst kompakt gebaut werden. Da die
Stranggießanlage hohe Gießgeschwindigkeiten erreichen kann, hat die Gieß-Walz-Verbundanlage
eine hohe Produktivität.
Stand der Technik
[0002] Bei Gieß-Walz-Verbundanlagen nach dem Stand der Technik wird das Fertigband auf mehrere,
z.B. zwei oder drei, Haspeln (engl.
coiler) aufgewickelt. Die Haspeln sind nach einer Kühlstrecke hintereinander angeordnet;
die Haspeldorne der Haspeln befinden sich unterhalb der sog. Passline des Fertigbands.
Während des Betriebs der Gieß-Walz-Verbundanlage wird ein erstes Fertigband auf der
ersten Haspel aufgewickelt. Kurz bevor die erste Haspel ihre Kapazität erreicht hat,
wird das Fertigband quergeteilt und der nachlaufende Fertigbandabschnitt zu einer
weiteren Haspel umgeleitet, die entweder vor oder nach der ersten Haspel angeordnet
ist. Der vorlaufende Fertigbandabschnitt wird auf der ersten Haspel aufgewickelt.
Insbesondere bei einem hohen Massenfluss in Kombination mit einem dünnen Fertigband
kommt es zu hohen Transportgeschwindigkeiten des Fertigbands auf dem Rollgang der
Gieß-Walz-Verbundanlage. Nach dem Querteilen des Fertigbands ist der Bandkopf des
Fertigbands zwischen der Schere und der weiteren Haspel nicht eingespannt, sodass
es insbesondere bei hohen Transportgeschwindigkeiten dazu kommen kann, dass der Bandkopf
vom Haspeldorn nicht aufgenommen wird. In diesem Fall muss das Warmwalzen sofort gestoppt
werden, was die Zuverlässigkeit und die Produktivität der Gieß-Walz-Verbundanlage
stark reduziert.
[0003] Wie die Zuverlässigkeit einer Gieß-Walz-Verbundanlage zur Herstellung eines dünnen
warmgewalzten Fertigbands bei hohen Massenflüssen gesteigert werden kann, geht aus
dem Stand der Technik nicht hervor. Außerdem soll die Gieß-Walz-Verbundanlage das
Aufhaspeln von sehr dünnen Bändern, d.h. Fertigbänder mit einer Dicke ≤ 1 mm, bevorzugt
≤ 0,8 mm, bevorzugt sogar ≤ 0,6 mm, und sehr schnellen Bändern ermöglichen.
Zusammenfassung der Erfindung
[0004] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, die Zuverlässigkeit einer Gieß-Walz-Verbundanlage,
insbesondere vom Typ Arvedi ESP, bei der Herstellung eines sehr dünnen (Dicke ≤ 1
mm) warmgewalzten Fertigbands bei einem hohen Massenfluss zu erhöhen.
[0005] Diese Aufgabe wird vorrichtungsseitig durch eine Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch
1 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0006] Konkret weist die Gieß-Walz-Verbundanlage zur Herstellung eines warmgewalzten Fertigbands
folgende Bauteile auf:
- eine Stranggießanlage mit einer bogenförmigen Strangführung zum Stranggießen eines
stranggegossenen Strangs mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt aus einer Stahlschmelze,
- eine mehrgerüstige Vorwalzstraße zum Vorwalzen des Strangs zu einem Vorband,
- eine mehrgerüstige Fertigwalzstraße zum Fertigwalzen des Vorbands zu einem Fertigband,
- eine Kühlstrecke zum Abkühlen des Fertigbands,
- eine Schere zum Querteilen des Fertigbands, wobei die Schere in Materialflussrichtung
hinter der Kühlstrecke angeordnet ist. Diese Gieß-Walz-Verbundanlage wird hinsichtlich
der technischen Aufgabe dahingehend weitergebildet, dass in Materialflussrichtung
hinter der Schere ein Karussellhaspel zum Aufwickeln des Fertigbands auf einen ersten
und einen zweiten Haspeldorn angeordnet ist, wobei jeder Haspeldorn einen separaten
Drehantrieb zum Drehen des Haspeldorns um dessen Drehachse aufweist und der Karussellhaspel
einen Schwenkantrieb zum gemeinsamen Verschwenken der Haspeldorne um eine gemeinsame
Schwenkachse auf einer elliptischen, vorzugsweise einer kreisförmigen, Bahn aufweist.
[0007] Der Karussellhaspel mit zumindest zwei Haspeldornen wird anstatt von mehreren, in
Transportrichtung des Fertigbands hintereinander angeordneten Haspeln verwendet. Jeder
Haspeldorn der Karussellhaspel weist einen separaten Antrieb (z.B. einen Hydraulik-
oder Elektromotor) zum Drehen des Haspeldorns um dessen Drehachse auf. Die Drehachsen
der Haspeldorne sind typischerweise horizontal. Der Karussellhaspel weist zudem einen
Schwenkantrieb zum gemeinsamen Verschwenken der Haspeldorne um eine gemeinsame Schwenkachse
auf einer elliptischen, vorzugsweise einer kreisförmigen, Bahn auf. Auch die Drehachse
des Schwenkantriebs ist typischerweise horizontal. Die Antriebe der Haspeldorne sind
schnelldrehende Antriebe (Schnellläufer) mit bis zu 800 1/min. Demgegenüber ist der
Schwenkantrieb langsamdrehend (Langsamläufer) mit typischerweise bis zu 0,1 1/min.
[0008] Nach einer bevorzugten Ausführungsform sind die separaten Drehantriebe für die Haspeldorne
drehzahlvariable Antriebe. Die Antriebe sind somit entweder hydraulische Drehantriebe,
die im offenen oder geschlossenen Kreis betrieben werden, oder sie sind elektrische
Drehantriebe, mit einem Synchron- oder Asynchronmotor, der von einem Frequenzumrichter
angesteuert bzw. drehzahlgeregelt wird.
[0009] Um das Fertigband möglichst zugfrei schneiden zu können, ist es vorteilhaft, wenn
unmittelbar vor und vorzugsweise auch unmittelbar nach der Schere zumindest ein Treiberrollenpaar
angeordnet sind. Durch die Treiberrollenpaare kann der Zug im Fertigband vor dem Schneiden
auf ein Mindestmaß reduziert werden. Dadurch wird die Zuverlässigkeit des Querteilens
sowie die Schnittqualität erhöht.
[0010] Außerdem ist es vorteilhaft, wenn der Karussellhaspel in horizontaler Richtung relativ
zur Schere derart angeordnet ist, dass der Abstand beim Beginn des Aufhaspelns zwischen
der Schere und einem Haspeldorn der Karussellhaspel < 6 m, bevorzugt < 3 m, beträgt.
Der Abstand wird von den Schneiden der Schere bis zur Drehachse des ersten Haspeldorns
gemessen.
[0011] An der erfindungsgemäßen Gieß-Walz-Verbundanlage ist weiterhin vorteilhaft, wenn
der Karussellhaspel in vertikaler Richtung relativ zur Schere derart angeordnet ist,
dass sich die Oberkante eines Haspeldorns auf der Passline des Fertigbands befindet.
[0012] Beide vorgenannten Ausführungsformen sind jeweils für sich und besonders in Kombination
miteinander sehr vorteilhaft. Zum einen ist der Abstand zwischen der Schere und dem
Haspeldorn sehr viel kürzer als bei anderen Haspelkonzepten, bei denen der Abstand
> 14 m betragen kann. Zum anderen ist auch die Anordnung des Haspeldorns auf der Passline
des Fertigbands sehr vorteilhaft, da das Band nicht mehr unter die Passline umgeleitet
werden muss.
[0013] Der Karussellhaspel kann besonders kompakt gebaut werden, wenn der erste Drehantrieb
über eine Welle mit dem ersten Haspeldorn und der zweite Drehantrieb über eine Hohlwelle
mit dem zweiten Haspeldorn verbunden ist, wobei die Hohlwelle die Welle zumindest
abschnittsweise umschließt.
[0014] Vorzugsweise ist der erste Drehantrieb über ein erstes Getriebe mit der Welle verbunden
und die Welle über ein drittes Getriebe mit dem ersten Haspeldorn verbunden.
[0015] Bevorzugt ist weiters, dass der zweite Drehantrieb über zweites Getriebe mit der
Hohlwelle und die Hohlwelle über ein drittes Getriebe mit dem zweiten Haspeldorn verbunden
ist.
[0016] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird verfahrensseitig durch ein Verfahren zum endlosen
Betrieb einer Gieß-Walz-Verbundanlage zur Herstellung eines warmgewalztem Fertigbands
nach Anspruch 9 gelöst. Bevorzugte Ausführungsformen sind Gegenstand der abhängigen
Ansprüche.
[0017] Konkret erfolgt die Lösung durch ein Verfahren zum endlosen Betrieb einer Gieß-Walz-Verbundanlage
zur Herstellung eines warmgewalztem Fertigbands, aufweisend die Verfahrensschritte:
- Stranggießen eines endlosen Strangs mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt aus einer
Stahlschmelze in einer Stranggießanlage mit einer bogenförmigen Strangführung,
- Vorwalzen des Strangs zu einem endlosen Vorband in einer mehrgerüstigen Vorwalzstraße,
- Fertigwalzen des Vorbands zu einem endlosen Fertigband in einer mehrgerüstige Fertigwalzstraße,
- Abkühlen des endlosen Fertigbands auf Wickeltemperatur in einer Kühlstrecke,
- Aufwickeln des endlosen Fertigbands in einer Karussellhaspel mit einem ersten und
einem zweiten Haspeldorn,
wobei das Verfahren dahingehend weitergebildet wird, dass das endlose Fertigband mittels
einer Schere in einen vorlaufenden und einen nachlaufenden Fertigbandabschnitt quergeteilt
wird, wobei der vorlaufende Fertigbandabschnitt auf den ersten Haspeldorn gewickelt
wird und der nachlaufende Fertigbandabschnitt auf den zweiten Haspeldorn gewickelt
wird.
[0018] Vorzugsweise befindet sich die Oberkante jedes Haspeldorns beim Beginn des Aufwickelns
(d.h. beim sog. Anwickeln) auf der Passline des Fertigbands. Dadurch kann auf das
Umlenken des Fertigbands verzichtet werden.
[0019] Außerdem ist es vorteilhaft, dass die Haspeldorne der Karussellhaspel während des
Aufwickelns auf einer elliptischen, vorzugsweise einer kreisförmigen, Bahn verschwenkt
werden. Typischerweise wird der erste Haspeldorn während des Wickelns von der Stellung
180° im Uhrzeigersinn in Richtung 0° verschwenkt, während der zweite Haspeldorn von
der Stellung 0° im Uhrzeigersinn in Richtung 180° verschwenkt wird.
[0020] Eine Karussellhaspel eignet sich besonders gut für das Aufwickeln von sehr dünnen
und sehr schnellen Fertigbändern, sodass es vorteilhaft ist, wenn die Dicke des Fertigbands
< 1 mm, bevorzugt < 0,8 mm, besonders bevorzugt ≤ 0,6 mm beträgt. Bei einer Dicke
< 1 mm ist es vorteilhaft, wenn die Transportgeschwindigkeit des Fertigbands > 8,4
m/s beträgt; bei einer Dicke < 0,8 mm beträgt die bevorzugte Transportgeschwindigkeit
> 10,5 m/s; bei einer Dicke ≤ 0,6 mm beträgt die besonders bevorzugte Transportgeschwindigkeit
≥ 14 m/s.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0021] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels, das im
Zusammenhang mit den Zeichnungen näher erläutert wird. Dabei zeigen:
Fig 1 ein Schema einer Gieß-Walz-Verbundanlage mit einer Karussellhaspel,
Fig 2 eine Detaildarstellung der Karussellhaspel von Fig 1, und
Fig 3a, 3b eine Aufriss- und eine Grundrissdarstellung der Karussellhaspel mit ihren
Antrieben.
Beschreibung der Ausführungsformen
[0022] Die Fig 1 zeigt ein Schema einer Gieß-Walz-Verbundanlage vom Typ Arvedi ESP mit einer
Karussellhaspel 18. Während des Betriebs der Gieß-Walz-Verbundanlage wird der Gießverteiler
2 der Stranggießanlage 1 mit flüssigem Stahl beschickt. In der Kokille 3 bildet sich
aus der Stahlschmelze ein teilerstarrter Strang 4 mit einer erstarrten Strangschale
aus. Der Strang 4 wird aus der Kokille 3 kontinuierlich ausgezogen und in der bogenförmigen
Strangführung weiter abgekühlt, sodass der Strang 4 schließlich im durcherstarrten
Zustand in die Vorwalzstraße 5 eintritt. In der dreigerüstigen Vorwalzstraße wird
der Strang 4 mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt zu einem Vorband vorgewalzt.
[0023] Das ungeschnittene Vorband wird anschließend durch mehrere Induktoren eines Induktionsofens
8 erhitzt und im erhitzten Zustand unmittelbar vor der Fertigwalzstraße 11 entzundert.
Durch das Erhitzen und das nachfolgende Entzundern des Vorbands wird eine gute Entzunderungswirkung
erreicht. Das entzunderte Vorband tritt in die fünfgerüstige Fertigwalzstraße 11 ein
und wird dort zu einem Fertigband fertiggewalzt. Das Fertigband hat typischerweise
eine Dicke zwischen 0,8 und 6 mm.
[0024] Insbesondere bei der Produktion von sehr dünnem Fertigband mit einer Dicke < 1 mm,
< 0,8 mm oder sogar ≤ 0,6 mm können mit existierenden Warmbandhaspeln Probleme auftreten,
da sich das Fertigband sehr schnell auf dem Rollgang 14 bewegt und insbesondere nach
dem Querteilen des Fertigbands durch die Schere 16 im Bereich hinter der Schere 16
zum Abheben bzw. zum (Weg-)Fliegen neigt. Diesem Problem wirkt die Erfindung wirkungsvoll
entgegen, und zwar durch die Verwendung einer Karussellhaspel 18.
[0025] Nach dem Fertigwalzen in der Fertigwalzstraße 11 wird das Fertigband in der Kühlstrecke
13 auf Wickeltemperatur abgekühlt und durch die Schere 16 auf Bundlängen abgelängt.
[0026] Die Fig 2 zeigt eine vergrößerte Darstellung des Auslaufbereichs der Gieß-Walz-Verbundanlage
von Fig 1. Um das auf dem Rollgang 14 von der Kühlstrecke kommende Fertigband möglichst
zugfrei schneiden zu können, befinden sich jeweils vor und nach der Schere 19 Treiberrollenpaare
15, 17. Durch die Treiberrollenpaare kann ein Zug- bzw. ein Druck auf das Fertigband
aufgebracht werden. Dazu ist zumindest eine Rolle eines Treiberrollenpaares angetrieben
ausgeführt und über eine Anstelleinrichtung gegen die andere Rolle des Treiberrollenpaares
anpressbar. Sowohl vor dem ersten Treiberrollenpaar 15, zwischen dem ersten Treiberrollenpaar
15 und der Schere 16, zwischen der Schere 16 und dem zweiten Treiberrollenpaar 17
als auch zwischen dem zweiten Treiberrollenpaar 17 und der Karussellhaspel 18 sind
Führungsbleche 19 angeordnet, die ein Abheben des Fertigbands vom Rollgang 14 verhindern.
[0027] Im Unterschied zu "gewöhnlichen" Haspeleinrichtungen sind die Haspeldorne des Karussellhapsels
in vertikaler Richtung beim Beginn des Aufwickelns auf der Passline des Fertigbands
30 angeordnet. Dadurch entfällt das Umlenken des Fertigbands in eine Richtung schräg
unterhalb des Rollgangs 14.
[0028] Beim Anwickeln des Fertigbands auf den ersten Haspeldorn 21a wird das Fertigband
durch vier (üblicherweise drei, vier oder fünf) am Umfang des Haspeldorns 21a angeordnete
Führungsrollen gegen den Haspeldorn gepresst. Die Führungsrollen sind über hydraulische,
pneumatische oder elektromechanische Aktuatoren druck- bzw. kraftgesteuert oder -geregelt
anpressbar. Nach dem Anwickeln des Fertigbands werden die Haspeldorne 21a, 21b durch
einen in Fig 3a, 3b dargestellten Schenkantrieb 27 auf der kreisförmigen Bahn 29 verschenkt.
Dabei wird der erste Haspeldorn 21a um die horizontale Schwenkachse 28 nach hinten
verschenkt und der zweite Haspeldorn 21b um dieselbe Schwenkachse 28 nach vorne verschenkt.
Die Begriffe vorne und hinten beziehen sich auf die Materialflussrichtung des Fertigbands.
[0029] Kurz bevor der Haspel ihr Endgewicht erreicht hat, wird das Fertigband durch die
Schere 16 in einen vorlaufenden und einen nachlaufenden Fertigbandabschnitt quergeteilt.
Der vorlaufende Fertigbandabschnitt wird - so wie in Fig 2 dargestellt - auf den zweiten
Haspeldorn 21b aufgewickelt. Der zweite Haspeldorn 21b befindet sich "hinter" dem
ersten Haspeldorn 21a. Der nachlaufende Fertigbandabschnitt wird hingegen auf den
ersten Haspeldorn 21a aufgewickelt, der sich "vor" dem zweiten Haspeldorn 21b befindet
und dessen Haspeldorn sich in vertikaler Richtung auf der Passline des Fertigbands
befindet.
[0030] In den Fig 3a und 3b sind die Antriebe, Getriebe und Haspeldorne der Karussellhaspel
der Fig 1 und 2 dargestellt. Konkret weist der Karussellhaspel 18 drei Antriebe auf,
nämlich je einen drehzahlvariablen Drehantrieb 20a, 20b für den ersten und den zweiten
Haspeldorn 21a, 21b und einen Schwenkantrieb 27 für das Verschwenken der Haspeldorne
21a, 21b auf einer kreisförmigen Bahn 29. Die beiden Drehantriebe 20a, 20b sind Schnellläufer
mit einer max. Drehzahl von 800 1/min; der Schwenkantrieb 27 ist hingegen ein Langsamläufer
mit einer max. Drehzahl von bis zu 0,1 1/min.
[0031] In Fig 3b sind außerdem die Drehmomentenflüsse von den Drehantrieben 20a, 20b zu
den Haspeldornen 21a, 21b eingezeichnet. Das Drehmoment des ersten Drehantriebs 20a
wird über ein erstes Getriebe 24a auf die Welle 25 und von der Welle 25 über ein drittes
Getriebe 24c auf den ersten Haspeldorn 21a übertragen. Das Drehmoment des zweiten
Drehantriebs 20b wird über ein zweites Getriebe 24b auf die Hohlwelle 26 und von der
Hohlwelle 26 über ein drittes Getriebe 24c auf den zweiten Haspeldorn 21b übertragen.
Die Hohlwelle 26 umschließt die Welle 25 zumindest abschnittsweise im Bereich zwischen
dem zweiten Getriebe 24b und dem dritten Getriebe 24c.
[0032] Obwohl die Erfindung im Detail durch die bevorzugten Ausführungsbeispiele näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0033]
- 1
- Stranggießanlage
- 2
- Gießverteiler
- 3
- Kokille
- 4
- Strang
- 5
- Vorwalzstraße
- 6
- Messgeräte für Temperaturprofil, Breite und Dicke des Vorbands
- 7
- Ein- und Ausschleußeeinrichtung
- 8
- Induktionsofen
- 9
- Entzunderer
- 11
- Fertigwalzstraße
- 12
- Messgeräte für Temperaturprofil, Breite, Dicke und Planheit des Fertigbands
- 13
- Kühlstrecke
- 14
- Rollgang
- 15, 17
- Treiberrollenpaar
- 16
- Schere
- 18
- Karussellhaspel
- 19
- Führungsblech
- 20a, 20b
- Drehantrieb
- 21a, 21b
- Haspeldorn
- 22a, 22b
- Drehachse des Haspeldorns
- 23a...23h
- Führungsrolle
- 24a...24c
- Getriebe
- 25
- Welle
- 26
- Hohlwelle
- 27
- Schwenkantrieb
- 28
- Schwenkachse
- 29
- Bahn
- 30
- Passline des Fertigbands
- 31
- Karussellgetriebe
- 32
- Karusselldrehlagerung
1. Gieß-Walz-Verbundanlage zur Herstellung eines warmgewalzten Fertigbands, wobei die
Gieß-Walz-Verbundanlage aufweist:
- eine Stranggießanlage (1) mit einer bogenförmigen Strangführung zum Stranggießen
eines Strangs (4) mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt aus einer Stahlschmelze,
- eine mehrgerüstige Vorwalzstraße (5) zum Vorwalzen des Strangs (4) zu einem Vorband,
- eine mehrgerüstige Fertigwalzstraße (11) zum Fertigwalzen des Vorbands zu einem
Fertigband,
- eine Kühlstrecke (13) zum Abkühlen des Fertigbands,
- eine Schere (16) zum Querteilen des Fertigbands, wobei die Schere (16) in Materialflussrichtung
hinter der Kühlstrecke (13) angeordnet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass in Materialflussrichtung hinter der Schere (16) ein Karussellhaspel (18) zum Aufwickeln
des Fertigbands auf einen ersten und einen zweiten Haspeldorn (21a, 21b) angeordnet
ist, wobei jeder Haspeldorn (21a, 21b) einen separaten Drehantrieb (20a, 20b) zum
Drehen des Haspeldorns (21a, 21b) um dessen Drehachse (22a, 22b) aufweist und der
Karussellhaspel (18) einen Schwenkantrieb zum gemeinsamen Verschwenken der Haspeldorne
(21a, 21b) um eine gemeinsame Schwenkachse (28) auf einer elliptischen, vorzugsweise
einer kreisförmigen, Bahn (29) aufweist.
2. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die separaten Drehantriebe (20a, 20b) drehzahlvariable Antriebe sind.
3. Gieß-Walz-Verbundanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass unmittelbar vor und vorzugsweise auch unmittelbar nach der Schere (16) ein Treiberrollenpaar
(15, 17) angeordnet sind.
4. Gieß-Walz-Verbundanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Karussellhaspel (18) in horizontaler Richtung relativ zur Schere (16) derart
angeordnet ist, dass der Abstand beim Beginn des Aufhaspelns zwischen der Schere und
einem Haspeldorn der Karussellhaspel < 6 m, bevorzugt < 3 m, beträgt.
5. Gieß-Walz-Verbundanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Karussellhaspel (18) in vertikaler Richtung relativ zur Schere (16) derart angeordnet
ist, dass sich die Oberkante eines Haspeldorns (21a) auf der Passline des Fertigbands
(30) befindet.
6. Gieß-Walz-Verbundanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Drehantrieb (20a) über eine Welle (25) mit dem ersten Haspeldorn (21a)
und der zweite Drehantrieb (20b) über eine Hohlwelle (26) mit dem zweiten Haspeldorn
(21b) verbunden ist, wobei die Hohlwelle (26) die Welle (25) zumindest abschnittsweise
umschließt.
7. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Drehantrieb (20a) über ein erstes Getriebe (24a) mit der Welle (25) verbunden
ist und die Welle (25) über ein dritte Getriebe (24c) mit dem ersten Haspeldorn (21a)
verbunden ist.
8. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass der zweite Drehantrieb (20b) über zweites Getriebe (24b) mit der Hohlwelle (26) verbunden
ist und die Hohlwelle (26) über ein dritte Getriebe (24c) mit dem zweiten Haspeldorn
(21b) verbunden ist.
9. Verfahren zum endlosen Betrieb einer Gieß-Walz-Verbundanlage, insbesondere nach einem
der vorhergehenden Ansprüche, zur Herstellung eines warmgewalztem Fertigbands, aufweisend
die Verfahrensschritte:
- Stranggießen eines endlosen Strangs (4) mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt
aus einer Stahlschmelze in einer Stranggießanlage (1) mit einer bogenförmigen Strangführung,
- Vorwalzen des Strangs zu einem endlosen Vorband in einer mehrgerüstigen Vorwalzstraße
(5),
- Fertigwalzen des Vorbands zu einem endlosen Fertigband in einer mehrgerüstige Fertigwalzstraße
(11),
- Abkühlen des endlosen Fertigbands auf Wickeltemperatur in einer Kühlstrecke (13),
- Aufwickeln des endlosen Fertigbands in einer Karussellhaspel (18) mit einem ersten
und einem zweien Haspeldorn (21a, 21b),
dadurch gekennzeichnet, dass das endlose Fertigband mittels einer Schere (16) in einen vorlaufenden und einen
nachlaufenden Fertigbandabschnitt quergeteilt wird, wobei der vorlaufende Fertigbandabschnitt
auf den ersten Haspeldorn (21a) gewickelt wird und der nachlaufende Fertigbandabschnitt
auf den zweiten Haspeldorn (21b) gewickelt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Oberkante jedes Haspeldorns (21a, 21b) beim Anwickeln auf der Passline des
Fertigbands (30) befindet.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Haspeldorne (21a, 21b) während des Aufwickelns auf einer elliptischen,
vorzugsweise einer kreisförmigen, Bahn (29) verschwenkt werden.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Dicke des Fertigbands < 1 mm, bevorzugt < 0,8 mm, besonders bevorzugt ≤ 0,6 mm
beträgt.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Transportgeschwindigkeit des Fertigbands > 8,4 m/s, bevorzugt > 10,5 m/s, besonders
bevorzugt ≥ 14 m/s beträgt.