[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Reibungsbeeinflussung zwischen Rad und Schiene,
bei welchem eine Ausbringung eines Reibungsbeeinflussungsmittels auf zumindest ein
erstes Rad eines Schienenfahrzeugs und/oder zumindest eine Schiene eines Gleises mittels
zumindest eines ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspenders des Schienenfahrzeugs
in Abhängigkeit von mittels zumindest einer Ortungseinrichtung des Schienenfahrzeugs
erfassten Ortsinformationen des Schienenfahrzeugs ausgelöst wird.
[0002] Bei Schienenfahrzeugen sind Reibungs- oder Haftungseigenschaften in Kontakten zwischen
Rädern und Schienen bedeutsam. Einerseits müssen Spurkränze der Räder geschmiert werden,
um störende Fahrgeräusche sowie Räder- und Schienenverschleiß zu reduzieren. Insbesondere
ist eine Reduktion von Spurkranzverschleiß erstrebenswert, da dieser aufwendige Wartungs-
und Instandhaltungsmaßnahmen erfordert, welche Lebensdauern der Räder verringern (Reprofilierungsvorgänge
mit starkem Spanabtrag an den Rädern). Zur Reduktion von Spurkranzverschleiß werden
bei Schienenfahrzeugen häufig Spurkranzschmiereinrichtungen eingesetzt. Ein Ausbringen
eines Reibungsbeeinflussungsmittels (z.B. Schmierfett) erfolgt häufig über Schmiermitteldüsen
eines Schienenfahrzeugs in einem konstanten Zeitintervall, wobei sich das Schienenfahrzeug
als Auslösekriterium für einen Schmierimpuls üblicherweise bewegen muss.
Andererseits ist die Ausbringung von reibungsbeeinflussenden Mitteln auf Laufflächen
der Räder bzw. in die Kontakte zwischen den Rädern und den Schienen wichtig, um eine
Kraftübertragung zwischen den Rädern und den Schienen zu verbessern, d.h. um beispielsweise
Gleitvorgänge der Räder zu vermeiden, oder um einen Energieverbrauch des Schienenfahrzeugs
durch Verringerung einer Rollreibung zu reduzieren etc.
Zur Optimierung der Kraftübertragung zwischen den Rädern und den Schienen werden bei
Schienenfahrzeugen häufig Gleit- und Schleuderschutzeinrichtungen eingesetzt bzw.
werden in die Kontakte zwischen den Rädern und den Schienen häufig kraftschlussbeeinflussende
Mittel (wie z.B. Sand etc.) eingebracht.
[0003] Aus dem Stand der Technik ist die
EP 3 461 675 A1 bekannt, in welcher ein Verfahren und eine Vorrichtung für Fahrzeuge beschrieben
ist, mittels welchen zeitabhängige Kraftschluss-Schlupfkennlinien gebildet und Sollschlüpfe
ermittelt werden. Die Sollschlüpfe werden in eine Fahrregelung eingesetzt.
[0004] Weiterhin ist die
EP 2 868 546 A1 bekannt, in welcher eine Spurkranzschmiereinrichtung eines Schienenfahrzeugs beschrieben
ist. Zur Auswertung von Bildinformationen bezüglich einer Kontaktzone zwischen einer
Radkranzflanke und einer Schienenkopfflanke ist eine Bilderfassungs- und Auswerteeinrichtung
vorgesehen. Auf Grundlage dieser Auswertung, d.h. über eine Bewertung von Abständen
zwischen der Radkranzflanke und der Schienenkopfflanke, wird eine Ausbringung eines
Schmiermittels zeitlich gesteuert.
[0005] Ferner ist die
WO 2019/068561 A1 bekannt, welche eine Spurkranzschmiereinrichtung eines Schienenfahrzeugs zeigt, die
einen verschieblich gelagerten, ein- und ausfahrbaren Schmierstift umfasst. Entsprechende
Ein- und Ausfahrvorgänge des Schmierstifts können beispielsweise auf Grundlage von
Ortsinformationen des Schienenfahrzeugs auf einer Strecke gesteuert werden.
[0006] Die genannten Ansätze weisen in ihren bekannten Formen den Nachteil einer hohen technischen
Komplexität (beispielsweise aufgrund eines Einsatzes von Bilderfassungseinrichtungen)
oder eines geringen Detailgrads der zur Steuerung der Spurkranzschmiereinrichtung
eingesetzten Ortsinformationen auf.
[0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein gegenüber dem Stand der Technik
weiterentwickeltes, einfaches Verfahren anzugeben, welches eine zeitlich und örtlich
besonders präzise, bedarfs- und vorratsorientierte Ausbringung von Reibungsbeeinflussungsmitteln
(z.B. von Schmiermitteln, Sand etc.) auf Räder und/oder Schienen ermöglicht.
[0008] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst mit einem Verfahren der eingangs genannten
Art, bei dem die Ausbringung des Reibungsbeeinflussungsmittels auf Grundlage von Vergleichen
der Ortsinformationen mit Infrastrukturinformationen in Abhängigkeit einer Gleisgeometrie,
wobei insbesondere eine Gleisbogenlänge berücksichtigt wird, in Abhängigkeit einer
Trassierung, wobei insbesondere eine Gleisneigung berücksichtigt wird, und/oder in
Abhängigkeit einer Annäherung des Schienenfahrzeugs an eine vor dem Reibungsbeeinflussungsmittel
zu schützende Infrastruktur ausgelöst wird, wobei die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
in Abhängigkeit eines Reibungsbeeinflussungsmittelverbrauchs eingestellt wird. Dadurch
wird die Ausbringung des Reibungsbeeinflussungsmittels an konkrete Eigenschaften eines
Gleises, einer Trasse und/oder der Infrastruktur angepasst, wodurch ein Verbrauch
des Reibungsbeeinflussungsmittels reduziert wird.
In Bezug auf die konkreten Eigenschaften eines Gleises wird beispielsweise ein Ausbringimpuls
bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels nicht auf Basis einer bloßen Annäherung
des Schienenfahrzeugs an einen im Detail nicht erfassten Gleisbogen eingestellt, sondern
es werden für eine Einstellung des Ausbringimpulses sowohl die Annäherung an den Gleisbogen,
als auch Eigenschaften des Gleisbogens berücksichtigt (wie z.B. die Gleisbogenlänge).
In dem erfindungsgemäßen Verfahren können jedoch nicht nur Eigenschaften einer Gleisgeometrie,
sondern auch Trassierungseigenschaften (wie z.B. eine Gleisneigung bzw. eine Steigung
oder ein Gefälle) oder Eigenschaften der Infrastruktur (z.B. Weichenzungen, Brücken
etc.) berücksichtigt und ausgewertet werden. Dadurch wird ein ortsspezifischer Einsatz
des Reibungsbeeinflussungsmittels erzielt. Eine unnötige Verschmutzung des Schienenfahrzeugs,
der Infrastruktur oder von deren Umgebung wird vermieden. Weiterhin werden durch das
erfindungsgemäße Verfahren, je nach Art des eingesetzten Reibungsbeeinflussungsmittels
(z.B. ein Schmiermittel oder Sand etc.), Verschleiß an den Rädern und/oder an den
Schienen reduziert, Lärmemissionen verringert, ein Energieverbrauch gesenkt oder fahrdynamische
Eigenschaften des Schienenfahrzeugs verbessert.
Durch Einstellung der auszubringenden Reibungsbeeinflussungsmittelmenge in Abhängigkeit
eines Reibungsbeeinflussungsmittelverbrauchs kann beispielsweise bei geringem Vorrat
des Reibungsbeeinflussungsmittels die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
gedrosselt werden.
Es ist jedoch auch möglich, Sollverbräuche des Reibungsbeeinflussungsmittels in Abhängigkeit
bestimmter Gleisgeometrien, Trassierungseigenschaften oder Infrastruktureigenschaften
in dem Schienenfahrzeug abzuspeichern und diese zur Einstellung der Ausbringimpulse
bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels in Abhängigkeit aktueller, entsprechend
korrelierender Ortsinformationen und Infrastrukturinformationen abzurufen.
[0009] Eine günstige Ausgestaltung erhält man, wenn eine auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
mittels zeitlicher Staffelung von Ausbringimpulsen bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels
eingestellt wird.
Durch diese Maßnahme wird es beispielsweise bei einem Befahren eines Gleisbogens durch
das Schienenfahrzeug möglich, nicht nur vor dem Gleisbogen einen Spurkranzschmierimpuls
zu setzen, sondern je nach Bedarf, zusätzliche Spurkranzschmierimpulse während einer
Bogenfahrt. Es kann auch hilfreich sein, wenn die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
mittels Einstellung von Ausbringimpulsdauern bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels
eingestellt wird.
Dadurch wird eine flexible Anpassung der auszubringenden Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
an örtliche Gegebenheiten erreicht, wobei die Einstellung der Ausbringimpulsdauern
alternativ oder zusätzlich zu deren zeitlicher Staffelung durchgeführt werden kann.
[0010] Um ein rechtzeitiges Wirken des Reibungsbeeinflussungsmittels zu erreichen, ist es
hilfreich, wenn zumindest ein Ausbringimpuls bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels
ausgelöst und das Reibungsbeeinflussungsmittel ausgebracht werden, bevor das Schienenfahrzeug
einen Streckenabschnitt befährt, in welchem das Reibungsbeeinflussungsmittel ausgebracht
werden soll. Dieser Streckenabschnitt kann beispielsweise ein Gleisbogen sein.
[0011] Ein besonders effektiver und effizienter Einsatz des Reibungsbeeinflussungsmittels
wird erzielt, wenn die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge in Abhängigkeit
von Gleisbogenradien eingestellt wird.
[0012] In diesem Zusammenhang kann es auch hilfreich sein, wenn die Ausbringung des Reibungsbeeinflussungsmittels
auf zwei einander gegenüberliegenden Seiten des Schienenfahrzeugs ausgelöst wird,
wobei auf einer Gleisbogeninnenseite eine kleinere oder größere Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
ausgebracht wird als auf einer Gleisbogenaußenseite.
Dadurch wird eine seitenspezifische Reibungsbeeinflussung erzielt und es wird eine
Verbrauchsreduktion des Reibungsbeeinflussungsmittels ermöglicht.
[0013] Eine günstige Ausgestaltung erhält man, wenn die Ausbringung des Reibungsbeeinflussungsmittels
in Abhängigkeit eines Rad-Schiene-Kraftschlusses ausgelöst wird.
Durch diese Maßnahme wird die Kraftübertragung zwischen den Rädern und den Schienen
optimiert. So kann beispielsweise bei einer festgestellten Verringerung des Rad-Schiene-Kraftschlusses
die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge erhöht werden, wodurch der Rad-Schiene-Kraftschluss
gesteigert wird.
Bei einem festgestellten ausreichenden oder erhöhten Rad-Schiene-Kraftschluss kann
beispielsweise die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge verringert werden
oder es kann ein den Rad-Schiene-Kraftschluss reduzierendes Reibungsbeeinflussungsmittel
ausgebracht werden.
[0014] Zur Erreichung einer hohen Fahrsicherheit ist es weiterhin zweckmäßig, wenn vor oder
auf einer Gefällestrecke eine Auslösung zumindest eines Ausbringimpulses bezüglich
des Reibungsbeeinflussungsmittels mit einer Einleitung einer Bremsung des Schienenfahrzeugs
gekoppelt wird.
Wird als Reibungsbeeinflussungsmittel beispielsweise ein den Rad-Schiene-Kraftschluss
steigerndes Mittel eingesetzt, so werden durch diese Maßnahme Gleitphasen der Räder
reduziert oder verhindert und eine Bremswegreduktion des Schienenfahrzeugs erzielt.
[0015] Eine günstige Lösung wird erzielt, wenn zumindest ein definierter Bereich der Infrastruktur
von der Ausbringung des Reibungsbeeinflussungsmittels ausgenommen wird.
Durch diese Maßnahme werden eine Verschmutzung dieser Bereiche (z.B. Weichenzungen
oder Gleitplatten von Weichen, Brückenabschnitte etc.) und etwaige, damit einhergehende
Funktionsstörungen oder Umweltbelastungen vermieden.
[0016] Eine bordbasierte Steuerung oder Regelung der Reibungsbeeinflussung zwischen Rad
und Schiene wird realisiert, wenn eine Recheneinrichtung mit dem zumindest ersten
Reibungsbeeinflussungsmittelspender und mit der zumindest einen Ortungseinrichtung
signalleitend verbunden ist.
Dadurch werden die Vergleiche der Ortsinformationen (z.B. eine aktuelle Position des
Schienenfahrzeugs auf einer Strecke) mit den Infrastrukturinformationen (z.B. Koordinaten
von Ausgangspunkten von Gleisbögen, Gleisbogenlängen, Gleisbogenradien, Streckenneigungen,
Koordinaten von Weichenzungen, Gleisbögen und/oder Streckenneigungen zugeordnete Sollverbräuche
des Reibungsbeeinflussungsmittels etc.) ermöglicht und es können ortsspezifische Ausbringimpulse
bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels eingestellt und ausgelöst werden.
[0017] Eine vorteilhafte Ausgestaltung erhält man, wenn zumindest zwischen dem ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspender
und der Recheneinrichtung eine Funkverbindung vorgesehen ist. Durch diese Maßnahme
kann auf Kabelverbindungen verzichtet werden. Dies ist insbesondere dann hilfreich,
wenn der erste Reibungsbeeinflussungsmittelspender in oder an einem Fahrwerk des Schienenfahrzeugs
angeordnet ist und die Recheneinrichtung in einem Wagenkasten des Schienenfahrzeugs
vorgesehen ist.
[0018] Zur Ortung des Schienenfahrzeugs ist es hilfreich, wenn die zumindest eine Ortungseinrichtung
als Teil eines satellitenbasierten Ortungssystems ausgebildet ist.
Es ist jedoch auch günstig, wenn die zumindest eine Ortungseinrichtung für einen Signalempfang
von ortsfesten leit- oder sicherungstechnischen Einrichtungen oder ortsfesten Ortungssystemen
ausgebildet ist.
In diesem Zusammenhang können beispielsweise ein erster Empfänger zum Empfang von
Signalen des satellitenbasierten Ortungssystems und ein zweiter Empfänger zum Signalempfang
von Balisen, ortsfesten Anlagen von Radarsystemen, Linien- oder Leckwellenleitern
etc. vorgesehen sein, wodurch eine Redundanz erreicht wird.
[0019] Nachfolgend wird die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen näher erläutert.
[0020] Es zeigen beispielhaft:
- Fig. 1:
- Ein erstes Flussdiagramm einer beispielhaften ersten Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen
Verfahrens für ein Schienenfahrzeug, bei welchem eine Reibungsbeeinflussung zwischen
Rad und Schiene unter Berücksichtigung von Gleisgeometrieinformationen in Bezug auf
Gleisbögen durchgeführt wird,
- Fig. 2:
- Ein zweites Flussdiagramm einer beispielhaften zweiten Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen
Verfahrens für ein Schienenfahrzeug, bei welchem eine Reibungsbeeinflussung zwischen
Rad und Schiene unter Berücksichtigung von Trassierungsinformationen in Bezug auf
Streckenneigungen und Infrastrukturinformationen durchgeführt wird,
- Fig. 3:
- Einen schematischen Seitenriss eines Ausschnitts aus einem beispielhaften Schienenfahrzeug
mit einer beispielhaften Ausführungsvariante einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur
Reibungsbeeinflussung, und
- Fig. 4
- Einen schematischen Grundriss eines Ausschnitts aus einem beispielhaften Fahrwerk
eines Schienenfahrzeugs, welches auf einem Gleis abrollt, wobei eine erfindungsgemäße
Reibungsbeeinflussung zwischen Rädern und Schienen durchgeführt wird.
[0021] Fig. 1 zeigt ein erstes Flussdiagramm einer beispielhaften ersten Ausführungsvariante
eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur Reibungsbeeinflussung zwischen Rad und Schiene.
Eine Ausbringung 1 eines beispielhaft in Fig. 4 gezeigten Reibungsbeeinflussungsmittels
2, wobei es sich in dieser beispielhaften ersten Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen
Verfahrens um ein fettbasierendes Spurkranzschmiermittel handelt, auf Spurkränze von
Rädern eines Schienenfahrzeugs mittels Reibungsbeeinflussungsmittelspendern (in Fig.
4 sind beispielhaft ein erster Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 und ein zweiter
Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 dargestellt) wird in Abhängigkeit von Ortsinformationen
des Schienenfahrzeugs sowie in Abhängigkeit von Gleisgeometrieinformationen einer
Strecke, welche das Schienenfahrzeug befährt, ausgelöst (Auslösung 5).
[0022] Die Ortsinformationen werden über eine beispielhaft in Fig. 3 gezeigte Ortungseinrichtung
6, welche einen ersten Empfänger 7 eines satellitenbasierten Ortungssystems auf einem
Dach des Schienenfahrzeugs aufweist, laufend erfasst (Ortung 9) und als Fahrzeugpositionsdaten
in einer Recheneinrichtung 10, welche ebenfalls beispielhaft in Fig. 3 dargestellt
ist, verarbeitet. Dabei werden laufend Vergleiche 11 der Fahrzeugpositionsdaten mit
in einer Datenbank 12 der Recheneinrichtung 10 gespeicherten Streckendaten vorgenommen,
welche hierzu aus der Datenbank 12 ausgelesen werden (Auslesevorgang 13).
Erfindungsgemäß ist es jedoch auch denkbar, dass gewisse Streckendaten (z.B. Gleisbogenradien
r) nicht aus der Datenbank 12 ausgelesen, sondern beispielsweise über einen Zusammenhang
zwischen einer Querbeschleunigung des Schienenfahrzeugs, einer Fahrgeschwindigkeit
des Schienenfahrzeugs und einem Gleisbogenradius r in der Recheneinrichtung 10 ermittelt
werden.
Die Querbeschleunigung wird hierbei beispielsweise mittels eines Querbeschleunigungssensors
des Schienenfahrzeugs erfasst, die Fahrgeschwindigkeit aus einem in Fig. 3 beispielhaft
dargestellten Datenbus 14 des Schienenfahrzeugs ausgelesen.
[0023] Die Streckendaten werden vorab mittels Messfahrten mit einem Referenzfahrzeug über
ein Streckennetz aufgezeichnet. Sie umfassen Gleisbogenpositionen (insbesondere Positionen
von Bogeneingängen), Gleisbogenlängen b sowie die Gleisbogenradien r (Innenbogenradien
und Außenbogenradien) einer Strecke oder mehrerer Strecken bzw. des Streckennetzes.
Die Reibungsbeeinflussung wird also in Abhängigkeit von Gleisgeometrien durchgeführt.
[0024] Mittels eines Vergleichs 11 wird über Differenzenbildung festgestellt, wie groß eine
Distanz zwischen einer aktuellen Fahrzeugposition des Schienenfahrzeugs und einer
Gleisbogenposition des nächsten Bogeneingangs ist.
Unterschreitet die Distanz einen definierten Distanzgrenzwert, welcher von einer Auslösezeit
eines Ausbringimpulses bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 und von einer
Latenzzeit bis zum vollen Wirken der Reibungsbeeinflussung, welche empirisch mittels
der Messfahrten ermittelt werden, abhängt, so gilt eine Einfahrt des Schienenfahrzeugs
in einen Gleisbogen 15, wie er beispielhaft in Fig. 4 dargestellt ist, als detektiert
(Bogeneinfahrtsdetektion 16) und es wird eine Bedarfsermittlung 17 bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels
2 durchgeführt.
[0025] Bei der Bedarfsermittlung 17 wird anhand einer Gleisbogenlänge b und des Gleisbogenradius
r des nächsten Gleisbogens 15, welchem sich das Schienenfahrzeug annähert, über folgende,
lineare Bildungsvorschrift eine auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V
ermittelt:

[0026] Die Konstante C ist zum Einheitenausgleich zwischen der Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
V, welche als Volumen angegeben ist, sowie der Gleisbogenlänge b und dem Gleisbogenradius
r im Bogenmaß sowie als Proportionalitätsfaktor vorgesehen und wird empirisch auf
Basis eines während der Messfahrten gemessenen Reibungsbeeinflussungsmittelverbrauchs,
d.h. einer tatsächlich ausgebrachten Menge des Reibungsbeeinflussungsmittels 2, über
eine Parametrisierung der Bildungsvorschrift ermittelt.
In die Bildungsvorschrift werden für den Gleisbogenradius r ein Innenbogenradius und
ein Außenbogenradius eingesetzt, um sowohl für eine Gleisbogeninnenseite 18, welche
beispielhaft in Fig. 4 gezeigt ist, als auch für eine Gleisbogenaußenseite 19, welche
ebenfalls beispielhaft in Fig. 4 dargestellt ist, die jeweils erforderliche Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
V zu ermitteln. Die Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V wird demnach seitenspezifisch
ermittelt und auf die Spurkränze ausgebracht.
[0027] Nach der Bedarfsermittlung 17 wird der Ausbringimpuls über ein entsprechendes Signal
von der Recheneinrichtung 10 an die Reibungsbeeinflussungsmittelspender ausgelöst
(Auslösung 5). Der Ausbringimpuls wird also noch vor Einfahrt des Schienenfahrzeugs
in den Gleisbogen 15 ausgelöst.
[0028] Aus der ermittelten Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V und einer vordefinierten
und konstanten Impulsausbringungsmenge des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 je Ausbringimpuls
wird im Verfahrensschritt der Bedarfsermittlung 17 eine Anzahl für den Gleisbogen
15 insgesamt erforderlicher Ausbringimpulse ermittelt.
Entsprechend dieser Anzahl werden, beginnend mit jenem Ausbringimpuls, welcher vor
Einfahrt des Schienenfahrzeugs in den Gleisbogen 15 ausgelöst wird, in gleichen Zeitintervallen
Ausbringimpulse bis zur Bogenausfahrt des Schienenfahrzeugs ausgelöst und ausgebracht.
Entsprechende Verfahrensschritte der Auslösung 5 und der Ausbringung 1 werden also
entsprechend der ermittelten Anzahl an erforderlichen Ausbringimpulsen wiederholt.
Die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V wird also mittels zeitlicher
Staffelung der Ausbringimpulse eingestellt.
[0029] Die Zeitintervalle werden im Verfahrensschritt der Bedarfsermittlung 17 aus der Anzahl
der erforderlichen Ausbringimpulse, einer konstanten, von der Impulsausbringungsmenge
sowie von einem Reibungsbeeinflussungsmittelvolumenstrom, welcher von vorgegebenen
Spezifikationseigenschaften der Reibungsbeeinflussungsmittelspender abhängt, abhängigen
Ausbringimpulsdauer sowie aus einer Bogenfahrtdauer des Schienenfahrzeugs durch den
Gleisbogen 15 ermittelt.
Die Bogenfahrtdauer wird hierbei aus der Gleisbogenlänge b und der Fahrgeschwindigkeit
des Schienenfahrzeugs, welche aus dem als Zugbus ausgebildeten Datenbus 14 des Schienenfahrzeugs
ausgelesen wird, ermittelt.
[0030] Erfindungsgemäß ist es jedoch auch denkbar, dass
die Ausbringimpulsdauer nicht konstant ist, sondern beispielsweise gleich der Bogenfahrtdauer
gesetzt wird, wobei je Gleisbogen 15 nur ein einziger Ausbringimpuls ausgelöst wird
und demnach keine Wiederholungen der Verfahrensschritte der Auslösung 5 und der Ausbringung
1 vorgenommen werden. Hierfür ist der Reibungsbeeinflussungsmittelvolumenstrom über
die Recheneinrichtung 10 einstellbar und wird im Verfahrensschritt der Bedarfsermittlung
17 aus der Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V und der Ausbringimpulsdauer bzw. der
Bogenfahrtdauer ermittelt.
[0031] Die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V wird weiterhin in Abhängigkeit
eines beispielsweise vorab an den Reibungsbeeinflussungsmittelspendern oder einem
beispielhaft in Fig. 3 und Fig. 4 gezeigten ersten Behälter 20 gemessenen Reibungsbeeinflussungsmittelverbrauchs
eingestellt. Entsprechende Verbrauchsinformationen, welche beispielsweise während
der Messfahrten oder auch im Regelbetrieb des Schienenfahrzeugs in Abhängigkeit konkreter
Gleisgeometrieeigenschaften der Strecke oder des Streckennetzes (z.B. in Abhängigkeit
der Gleisbogenlängen b und der Gleisbogenradien r) gebildet werden, werden, den jeweiligen
Gleisgeometrieeigenschaften auf Basis von Streckenpositionen zugeordnet, in die Datenbank
12 eingelesen und mittels des der Bedarfsermittlung 17 vorgeschalteten Auslesevorgangs
13 ausgelesen. Im Verfahrensschritt der Bedarfsermittlung 17 wird folglich die Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
V gleich einem mit dem nächsten Gleisbogen 15, an den sich das Schienenfahrzeug annähert,
korrelierenden, d.h. diesem Gleisbogen 15 über Positionsdaten in der Datenbank 12
zugeordneten Reibungsbeeinflussungsmittelverbrauch gesetzt.
[0032] In Fig. 2 ist ein zweites Flussdiagramm einer beispielhaften zweiten Ausführungsvariante
eines erfindungsgemäßen Verfahrens für ein Schienenfahrzeug dargestellt, bei welchem
eine Reibungsbeeinflussung zwischen Rad und Schiene unter Berücksichtigung von Trassierungsinformationen
in Bezug auf Streckenneigungen und von Infrastrukturinformationen in Bezug auf Positionen
von Weichenzungen durchgeführt wird.
Auf Grundlage der Trassierungsinformationen und der Infrastrukturinformationen wird
eine Ausbringung 1 eines Reibungsbeeinflussungsmittels 2 ausgelöst, wobei auch Informationen
in Bezug auf einen ermittelten Rad-Schiene-Kraftschluss berücksichtigt werden.
Abweichend von jenem beispielhaft in Fig. 4 gezeigten Reibungsbeeinflussungsmittel
2 ist das Reibungsbeeinflussungsmittel 2 für diese beispielhafte zweite Ausführungsvariante
eines erfindungsgemäßen Verfahrens Sand. Erfindungsgemäß ist es jedoch auch vorstellbar,
andere Mittel zur Reibungsbeeinflussung einzusetzen (z.B. metallisches Granulat, Klebstoffe
oder Öle, Schmierpasten etc.), welche, je nach Bedarf und Auswahl, eine Steigerung
oder eine Verringerung des Rad-Schiene-Kraftschlusses ermöglichen.
[0033] Die Ausbringung 1 des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 in Kontakte zwischen Rädern
des Schienenfahrzeugs und Schienen mittels eines Reibungsbeeinflussungsmittelspenders
wird in Abhängigkeit von Ortsinformationen des Schienenfahrzeugs auf einer Strecke
ausgelöst.
Diese Ortsinformationen werden über eine beispielhaft in Fig. 3 gezeigte Ortungseinrichtung
6, welche Signale von ortsfesten, streckenseitigen Balisen 22 (Fig. 3 zeigt eine beispielhafte
Balise 22) empfängt, erfasst (Ortung 9).
Aus den Signalen der Balisen 22, aus einer Fahrgeschwindigkeit des Schienenfahrzeugs,
welche aus einem beispielhaft in Fig. 3 dargestellten Datenbus 14 des Schienenfahrzeugs
ausgelesen wird, sowie aus einer laufenden Zeit werden in einer beispielhaft in Fig.
3 gezeigten Recheneinrichtung 10 des Schienenfahrzeugs laufend Fahrzeugpositionsdaten
gebildet.
[0034] In der Recheneinrichtung 10 werden laufend Vergleiche 11 der Fahrzeugpositionsdaten
mit in einer Datenbank 12 der Recheneinrichtung 10 gespeicherten und mittels Auslesevorgängen
13 ausgelesenen Streckendaten vorgenommen. Die Streckendaten werden vorab mittels
Messfahrten mit einem Referenzfahrzeug über ein Streckennetz aufgezeichnet. Sie umfassen
Informationen bezüglich einer Trassierung (Gleisneigungen) und bezüglich einer Infrastruktur
(Positionen von Weichenzungen).
[0035] Mittels eines Vergleichs 11 wird über Differenzenbildung festgestellt, wie groß eine
erste Distanz zwischen einer aktuellen Fahrzeugposition des Schienenfahrzeugs und
einem Beginn eines nächsten Gefälleabschnitts der Strecke ist, an welchen sich das
Schienenfahrzeug annähert. Der nächste Gefälleabschnitt wird anhand der Informationen
bezüglich der Gleisneigung aus den Streckendaten detektiert, welche für Gefälleabschnitte
negative Werte, d.h. Werte kleiner als 0 aufweisen.
Weiterhin wird über die Differenzenbildung ermittelt, wie groß eine zweite Distanz
zwischen der aktuellen Fahrzeugposition und einer nächsten Weichenzunge, welcher sich
das Schienenfahrzeug annähert, ist.
Erfindungsgemäß ist es möglich, dass als Infrastrukturinformationen nicht oder nicht
nur Positionsinformationen über Weichenzungen, sondern beispielsweise Positionen von
Gleitplatten, Gleitstühlen oder Zungenrollvorrichtungen von Weichen, Brücken oder
leit- und sicherungstechnischen Einrichtungen etc. berücksichtigt werden.
[0036] Unterschreitet die erste Distanz einen definierten ersten Distanzgrenzwert, so gilt
eine Annäherung des Schienenfahrzeugs an den Gefälleabschnitt als detektiert (Gleisneigungsdetektion
23) und es wird zeitgleich mit einer Einleitung einer Bremsung 24 des Schienenfahrzeugs
ein Ausbringimpuls bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 ausgelöst (Auslösung
5). Unmittelbar danach wird das Reibungsbeeinflussungsmittel 2 über den Reibungsbeeinflussungsmittelspender
in die Kontakte zwischen den Rädern und den Schienen ausgebracht (Ausbringung 1).
Erfindungsgemäß ist es auch vorstellbar, dass der erste Distanzgrenzwert nach dem
Zufallsprinzip variiert wird, um eine Ansammlung des Reibungsbeeinflussungsmittels
2 an bestimmten Stellen zu vermeiden.
[0037] Sofern erforderlich, werden nach Einfahrt des Schienenfahrzeugs in den Gefälleabschnitt
weitere Ausbringimpulse bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 ausgelöst, solange
die Bremsung 24 des Schienenfahrzeugs durchgeführt wird.
Die Auslösung 5 von Ausbringimpulsen wird also vor bzw. auf einer Gefällestrecke mit
der Einleitung der Bremsung 24 bzw. mit der Bremsung 24 des Schienenfahrzeugs gekoppelt,
wofür die Recheneinrichtung 10 mit einem beispielhaft in Fig. 3 gezeigten Bremssteuergerät
25 des Schienenfahrzeugs verbunden ist.
[0038] Unterschreitet die zweite Distanz einen definierten zweiten Distanzgrenzwert, so
gilt eine Annäherung des Schienenfahrzeugs an eine Weichenzunge, d.h. eine vor dem
Reibungsbeeinflussungsmittel 2 zu schützende Infrastruktur, als detektiert (Infrastrukturdetektion
26). Die Weichenzunge, d.h. ein definierter Bereich der Infrastruktur, wird somit
von der Ausbringung 1 des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 ausgenommen. Es wird entweder
kein Ausbringimpuls bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 ausgelöst oder es
wird eine bereits aktive Ausbringung 1 unterbrochen (Verhinderung 27), bis das Schienenfahrzeug
die Weichenzunge passiert hat. Hierzu ist eine Weichenzungenlänge, in welcher auch
ein Toleranzweg berücksichtigt ist, in der Datenbank 12, einer Position der Weichenzunge
in den Streckendaten zugeordnet, gespeichert.
Erfindungsgemäß ist es möglich, dass die Infrastrukturdetektion 26 und damit die Verhinderung
27 der Auslösung 5 von Ausbringimpulsen auch unabhängig von der Gleisneigungsdetektion
23 durchgeführt wird oder beispielsweise als Verfahrensschritt in jener beispielhaften
ersten Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur Reibungsbeeinflussung,
welche in Fig. 1 gezeigt ist, mit einer Bogeneinfahrtsdetektion 16 gemäß Fig. 1 gekoppelt
wird.
[0039] Die Ausbringung 1 des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 wird in Abhängigkeit eines
Rad-Schiene-Kraftschlusses ausgelöst. Eine benötigte Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
V wird in Abhängigkeit des Rad-Schiene-Kraftschlusses ermittelt (Bedarfsermittlung
17). Der Rad-Schiene-Kraftschluss wird mittels eines in der Recheneinrichtung 10 implementierten,
aus dem Stand der Technik bekannten Extended-Creep-Force-Modell (ECF-Modell) aus Fahrgeschwindigkeiten,
Radumfangsgeschwindigkeiten, Antriebs- und Bremskräften sowie Radaufstandskräften
des Schienenfahrzeugs bestimmt (Kraftschlussermittlung 28).
Die Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V wird, abweichend von jener beispielhaften
ersten Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens, die in Fig. 1 gezeigt
ist, über eine lineare Funktion aus dem ermittelten Rad-Schiene-Kraftschluss und einem
Proportionalitätsfaktor ermittelt, wobei der ermittelte Rad-Schiene-Kraftschluss in
einen Nenner dieser Funktion eingesetzt wird, wodurch die Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
V mit abnehmenden Rad-Schiene-Kraftschluss steigt.
Wird ein Reibungsbeeinflussungsmittel 2 eingesetzt, welches eine Verringerung des
Rad-Schiene-Kraftschlusses bewirken soll, so wird der mittels des ECF-Modells ermittelte
Rad-Schiene-Kraftschluss in einen Zähler der Funktion zur Bestimmung der Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
V eingesetzt, wodurch die Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V mit zunehmenden Rad-Schiene-Kraftschluss
steigt.
[0040] Fig. 3 zeigt einen Seitenriss eines Ausschnitts aus einem beispielhaften Schienenfahrzeug
mit einer beispielhaften Ausführungsvariante einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur
Reibungsbeeinflussung.
Die Vorrichtung ist an Bord des Schienenfahrzeugs vorgesehen und umfasst eine Recheneinrichtung
10 in einem Wagenkasten 29 des Schienenfahrzeugs, welche mit einem ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspender
3 und einem zweiten Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 sowie mit einer Ortungseinrichtung
6 signalleitend verbunden ist.
[0041] Der erste Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 und der zweite Reibungsbeeinflussungsmittelspender
4 sind mit einem Fahrwerksrahmen 30 eines Fahrwerks 31 des Schienenfahrzeugs, welches
mit dem Wagenkasten 29 gekoppelt ist, verbunden.
Der erste Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 ist als elektronische Spurkranzschmierdüse
ausgebildet und über eine Batterie mit Elektrizität versorgt. Zwischen dem ersten
Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 und der Recheneinrichtung 10 ist zur Signalübertragung
eine Funkverbindung vorgesehen. Auf dem ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspender
3 ist daher eine erste Antenne 32, auf der Recheneinrichtung 10 eine zweite Antenne
33 vorgesehen.
Erfindungsgemäß ist es jedoch auch möglich, zwischen dem ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspender
3 und der Recheneinrichtung 10 eine Kabelverbindung vorzusehen.
[0042] Mittels des ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspenders 3 wird ein Spurkranzschmiermittel
auf einen ersten Spurkranz 34 eines ersten Rads 36 des Fahrwerks 31 gemäß einer im
Zusammenhang mit Fig. 1 beschriebenen, beispielhaften ersten Ausführungsvariante eines
erfindungsgemäßen Verfahrens zur Reibungsbeeinflussung ausgebracht. Der erste Reibungsbeeinflussungsmittelspender
3 ist daher in einem Nahbereich des ersten Spurkranzes 34 angeordnet.
Der erste Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 wird über einen ersten Behälter 20,
welcher in dem Wagenkasten 29 angeordnet ist, mit dem Spurkranzschmiermittel versorgt.
[0043] Der zweite Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 ist als elektronisches Sandungsrohr
ausgebildet. Zwischen dem zweiten Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 und der Recheneinrichtung
10 ist zur Signalübertragung und zur Versorgung des zweiten Reibungsbeeinflussungsmittelspenders
4 mit Elektrizität ein erstes Kabel 38 vorgesehen.
Mittels des zweiten Reibungsbeeinflussungsmittelspenders 4 wird Sand in einen Kontakt
zwischen dem ersten Rad 36 und einer Schiene eines Gleises 43, auf welchem das Schienenfahrzeug
fährt, gemäß einer im Zusammenhang mit Fig. 2 beschriebenen, beispielhaften zweiten
Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens zur Reibungsbeeinflussung ausgebracht.
Der zweite Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 ist daher in einem Nahbereich des
Kontakts zwischen dem ersten Rad 36 und der Schiene angeordnet.
[0044] Der zweite Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 wird über einen zweiten Behälter
21, welcher in dem Wagenkasten 29 angeordnet ist, mit Sand versorgt.
[0045] In der Recheneinrichtung 10, welche über ein Bordnetz des Schienenfahrzeugs mit Elektrizität
versorgt ist und ihrerseits den zweiten Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 sowie
die Ortungseinrichtung 6 mit Elektrizität versorgt, ist eine Datenbank 12 mit Streckendaten
(Gleisgeometrie-, Trassierungs- und Infrastrukturdaten etc.) zur Durchführung der
Verfahren gemäß Fig. 1 und Fig. 2 vorgesehen.
Die Recheneinrichtung 10 ist weiterhin über ein zweites Kabel 39 mit einem als Zugbus
ausgebildeten Datenbus 14 des Schienenfahrzeugs verbunden. Aus dem Datenbus 14 werden
Parameter (z.B. eine Fahrgeschwindigkeit des Schienenfahrzeugs) zur Durchführung der
Verfahren zur Reibungsbeeinflussung gemäß Fig. 1 und Fig. 2 ausgelesen, welche in
der Recheneinrichtung 10 verarbeitet werden.
Über den Datenbus 14 und ein drittes Kabel 40 ist die Rechenrichtung 10 mit einem
ersten Empfänger 7 eines satellitenbasierten Ortungssystems, welches als Global Positioning
System (GPS) ausgebildet ist, verbunden.
Über den Datenbus 14 und ein viertes Kabel 41 ist die Rechenrichtung 10 mit einem
zweiten Empfänger 8, welcher für einen Signalempfang von ortsfesten Balisen 22 in
dem Gleis 43 ausgebildet ist, gekoppelt.
Der erste Empfänger 7 und der zweite Empfänger 8 sind Teile der Ortungseinrichtung
6 und zur Bildung von
Fahrzeugpositionsinformationen, d.h. von Ortsinformationen des Schienenfahrzeugs vorgesehen,
welche zur Durchführung der Verfahren gemäß Fig. 1 und Fig. 2 zusammen mit den Streckendaten
in der Recheneinrichtung 10 verarbeitet werden.
[0046] Zur Koppelung der Reibungsbeeinflussung mit Bremsungen 24 des Schienenfahrzeugs gemäß
dem Verfahren laut Fig. 2 ist ein in dem Wagenkasten 29 angeordnetes Bremssteuergerät
25 über ein fünftes Kabel 42 mit der Recheneinrichtung 10 verbunden.
In Fig. 4 ist ein Grundriss eines Ausschnitts aus einem beispielhaften Fahrwerk 31
eines Schienenfahrzeugs, welches auf einem Gleis 43 abrollt, dargestellt, wobei eine
erfindungsgemäße Reibungsbeeinflussung zwischen Rädern und Schienen gemäß einer beispielhaften
ersten Ausführungsvariante eines erfindungsgemäßen Verfahrens laut Fig. 1 durchgeführt
wird.
[0047] Das Fahrwerk 31 weist einen Radsatz 44 mit einem ersten Rad 36 und einem zweiten
Rad 37 auf. Der Radsatz 44 ist mit einem Fahrwerksrahmen 30 gekoppelt. Auf dem Fahrwerksrahmen
30 sind ein erster Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 und ein zweiter Reibungsbeeinflussungsmittelspender
4 angeordnet, welche als elektronische Spurkranzschmiermitteldüsen ausgebildet sind.
Erfindungsgemäß ist es jedoch auch vorstellbar, dass der erste Reibungsbeeinflussungsmittelspender
3 und der zweite Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 beispielsweise auf Radsatzlagergehäusen
des Fahrwerks 31 vorgesehen sind.
[0048] Über den ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 und den zweiten Reibungsbeeinflussungsmittelspender
4 wird ein fettbasierendes, als Spurkranzschmiermittel ausgeführtes Reibungsbeeinflussungsmittel
2 auf einen ersten Spurkranz 34 des ersten Rads 36 und einen zweiten Spurkranz 35
des zweiten Rads 37 ausgebracht. Der erste Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 und
der zweite Reibungsbeeinflussungsmittelspender 4 sind über einen ersten Behälter 20,
welcher mit dem Fahrwerksrahmen 30 verbunden ist, mit dem Reibungsbeeinflussungsmittel
2 versorgt.
Der erste Reibungsbeeinflussungsmittelspender 3 und der zweite Reibungsbeeinflussungsmittelspender
4 sind über in Fig. 4 nicht gezeigte Kabelverbindungen mit einer beispielhaft in Fig.
3 dargestellten Recheneinrichtung 10 verbunden. In der Recheneinrichtung 10 werden
Zeitpunkte und Orte einer im Zusammenhang mit Fig. 1 beschriebenen Auslösung 5 von
Ausbringimpulsen bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 auf Grundlage von Fahrzeugpositionen
und Streckendaten ermittelt. Hierzu ist die Recheneinrichtung 10 mit einer ebenfalls
beispielhaft in Fig. 3 gezeigten Ortungseinrichtung 6 des Schienenfahrzeugs verbunden.
[0049] Ein erster Ausbringimpuls 45 des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 wird an einer ersten
Fahrzeugposition 47 auf einer Geraden 49 vor Einfahrt des Schienenfahrzeugs in einen
Gleisbogen 15 ausgelöst, ein zweiter Ausbringimpuls 46 auf einer zukünftigen zweiten
Fahrzeugposition 48 in dem Gleisbogen 15, d.h. während einer Bogenfahrt des Schienenfahrzeugs.
Eine auszubringende, gemäß dem Verfahren laut Fig. 1 ermittelte Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
V wird also mittels zeitlicher Staffelung von Ausbringimpulsen eingestellt.
[0050] Eine im Zusammenhang mit Fig. 1 beschriebene Ausbringung 1 des Reibungsbeeinflussungsmittels
2 wird auf zwei einander gegenüberliegenden Seiten des Radsatzes 44 des Schienenfahrzeugs
ausgelöst. Auf einer Gleisbogeninnenseite 18 wird mittels des ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspenders
3 eine größere Reibungsbeeinflussungsmittelmenge V auf das erste Rad 36 ausgebracht
als mittels des zweiten Reibungsbeeinflussungsmittelspenders 4 auf einer Gleisbogenaußenseite
19 auf das zweite Rad 37.
[0051] Soll mittels des Reibungsbeeinflussungsmittels 2 ein Rad-Schiene-Kraftschluss vergrößert
werden, so ist es erfindungsgemäß auch denkbar, als Reibungsbeeinflussungsmittel 2
beispielsweise Sand einzusetzen.
Liste der Bezeichnungen
[0052]
- 1
- Ausbringung
- 2
- Reibungsbeeinflussungsmittel
- 3
- Erster Reibungsbeeinflussungsmittelspender
- 4
- Zweiter Reibungsbeeinflussungsmittelspender
- 5
- Auslösung
- 6
- Ortungseinrichtung
- 7
- Erster Empfänger
- 8
- Zweiter Empfänger
- 9
- Ortung
- 10
- Recheneinrichtung
- 11
- Vergleich
- 12
- Datenbank
- 13
- Auslesevorgang
- 14
- Datenbus
- 15
- Gleisbogen
- 16
- Bogeneinfahrtsdetektion
- 17
- Bedarfsermittlung
- 18
- Gleisbogeninnenseite
- 19
- Gleisbogenaußenseite
- 20
- Erster Behälter
- 21
- Zweiter Behälter
- 22
- Balise
- 23
- Gleisneigungsdetektion
- 24
- Bremsung
- 25
- Bremssteuergerät
- 26
- Infrastrukturdetektion
- 27
- Verhinderung
- 28
- Kraftschlussermittlung
- 29
- Wagenkasten
- 30
- Fahrwerksrahmen
- 31
- Fahrwerk
- 32
- Erste Antenne
- 33
- Zweite Antenne
- 34
- Erster Spurkranz
- 35
- Zweiter Spurkranz
- 36
- Erstes Rad
- 37
- Zweites Rad
- 38
- Erstes Kabel
- 39
- Zweites Kabel
- 40
- Drittes Kabel
- 41
- Viertes Kabel
- 42
- Fünftes Kabel
- 43
- Gleis
- 44
- Radsatz
- 45
- Erster Ausbringimpuls
- 46
- Zweiter Ausbringimpuls
- 47
- Erste Fahrzeugposition
- 48
- Zweite Fahrzeugposition
- 49
- Gerade
- r
- Gleisbogenradius
- b
- Gleisbogenlänge
- V
- Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
- C
- Konstante
1. Verfahren zur Reibungsbeeinflussung zwischen Rad und Schiene, bei welchem eine Ausbringung
eines Reibungsbeeinflussungsmittels auf zumindest ein erstes Rad eines Schienenfahrzeugs
und/oder zumindest eine Schiene eines Gleises mittels zumindest eines ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspenders
des Schienenfahrzeugs in Abhängigkeit von mittels zumindest einer Ortungseinrichtung
des Schienenfahrzeugs erfassten Ortsinformationen des Schienenfahrzeugs ausgelöst
wird, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausbringung (1) des Reibungsbeeinflussungsmittels (2) auf Grundlage von Vergleichen
(11) der Ortsinformationen mit Infrastrukturinformationen in Abhängigkeit einer Gleisgeometrie,
wobei insbesondere eine Gleisbogenlänge (b) berücksichtigt wird, in Abhängigkeit einer
Trassierung, wobei insbesondere eine Gleisneigung berücksichtigt wird, und/oder in
Abhängigkeit einer Annäherung des Schienenfahrzeugs an eine vor dem Reibungsbeeinflussungsmittel
(2) zu schützende Infrastruktur ausgelöst wird, wobei die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge
(V) in Abhängigkeit eines Reibungsbeeinflussungsmittelverbrauchs eingestellt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass eine auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge (V) mittels zeitlicher Staffelung
von Ausbringimpulsen bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels (2) eingestellt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge (V) mittels Einstellung von
Ausbringimpulsdauern bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels (2) eingestellt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Ausbringimpuls bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels (2) ausgelöst
und das Reibungsbeeinflussungsmittel (2) ausgebracht werden, bevor das Schienenfahrzeug
einen Streckenabschnitt befährt, in welchem das Reibungsbeeinflussungsmittel (2) ausgebracht
werden soll.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die auszubringende Reibungsbeeinflussungsmittelmenge (V) in Abhängigkeit von Gleisbogenradien
(r) eingestellt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausbringung (1) des Reibungsbeeinflussungsmittels (2) auf zwei einander gegenüberliegenden
Seiten des Schienenfahrzeugs ausgelöst wird, wobei auf einer Gleisbogeninnenseite
(18) eine kleinere oder größere Reibungsbeeinflussungsmittelmenge (V) ausgebracht
wird als auf einer Gleisbogenaußenseite (19).
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausbringung (1) des Reibungsbeeinflussungsmittels (2) in Abhängigkeit eines Rad-Schiene-Kraftschlusses
ausgelöst wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass vor oder auf einer Gefällestrecke eine Auslösung (5) zumindest eines Ausbringimpulses
bezüglich des Reibungsbeeinflussungsmittels (2) mit einer Einleitung einer Bremsung
(24) des Schienenfahrzeugs gekoppelt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein definierter Bereich der Infrastruktur von der Ausbringung (1) des Reibungsbeeinflussungsmittels
(2) ausgenommen wird.
10. Vorrichtung zur Reibungsbeeinflussung zwischen Rad und Schiene, welche an Bord des
Schienenfahrzeugs vorgesehen ist und mittels welcher ein Verfahren nach einem der
Ansprüche 1 bis 9 durchgeführt wird, dadurch gekennzeichnet, dass eine Recheneinrichtung (10) mit dem zumindest ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspender
(3) und mit der zumindest einen Ortungseinrichtung (6) signalleitend verbunden ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest zwischen dem ersten Reibungsbeeinflussungsmittelspender (3) und der Recheneinrichtung
(10) eine Funkverbindung vorgesehen ist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass die zumindest eine Ortungseinrichtung (6) als Teil eines satellitenbasierten Ortungssystems
ausgebildet ist.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die zumindest eine Ortungseinrichtung (6) für einen Signalempfang von ortsfesten
leit- oder sicherungstechnischen Einrichtungen oder ortsfesten Ortungssystemen ausgebildet
ist.
14. Schienenfahrzeug mit einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 10 bis 13.