Gebiet der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung geht aus von einem Betriebsverfahren für eine Walzanlage,
- wobei einem Walzgerüst der Walzanlage von einer dem Walzgerüst vorgeordneten Zuführeinrichtung
mit einer Einlaufgeschwindigkeit ein Metallband zugeführt wird,
- wobei das Metallband in dem Walzgerüst gewalzt wird,
- wobei mittels einer zwischen der Zuführeinrichtung und dem Walzgerüst angeordneten
Messeinrichtung für aufeinanderfolgende Abschnitte des Metallbandes jeweils ein Dickenwert
für die Dicke des Metallbandes erfasst wird,
- wobei die erfassten Dickenwerte einer Steuereinrichtung der Walzanlage zugeführt werden,
- wobei die Steuereinrichtung anhand der Abweichung des jeweiligen Dickenwertes von
einer Solldicke für den jeweiligen Abschnitt des Metallbandes eine jeweilige vorläufige
Dickenabweichung ermittelt,
- wobei die Steuereinrichtung anhand der vorläufigen Dickenabweichungen endgültige Dickenabweichungen
ermittelt,
- wobei die Steuereinrichtung für die Abschnitte des Metallbandes jeweils einen Ansteuerwert
für das Walzgerüst und/oder die Zuführeinrichtung ermittelt und den jeweiligen Ansteuerwert
zeitrichtig an das Walzgerüst und/oder die Zuführeinrichtung ausgibt.
[0002] Die vorliegende Erfindung geht weiterhin aus von einem Steuerprogramm, das Maschinencode
umfasst, der von einer Steuereinrichtung für eine Walzanlage abarbeitbar ist, wobei
die Abarbeitung des Maschinencodes durch die Steuereinrichtung bewirkt, dass die Steuereinrichtung
die Walzanlage gemäß einem derartigen Betriebsverfahren betreibt.
[0003] Die vorliegende Erfindung geht weiterhin aus von einer Steuereinrichtung für eine
Walzanlage, wobei die Steuereinrichtung mit einem derartigen Steuerprogramm programmiert
ist, so dass die Steuereinrichtung die Walzanlage gemäß einem derartigen Betriebsverfahren
betreibt.
[0004] Die vorliegende Erfindung geht weiterhin aus von einer Walzanlage zum Walzen eines
Metallbandes,
- wobei die Walzanlage zumindest ein Walzgerüst, eine dem Walzgerüst vorgeordnete Zuführeinrichtung,
eine zwischen der Zuführeinrichtung und dem Walzgerüst angeordnete Messeinrichtung
und eine Steuereinrichtung aufweist,
- wobei das Metallband dem Walzgerüst von der Zuführeinrichtung mit einer Einlaufgeschwindigkeit
zugeführt wird,
- wobei das Metallband in dem Walzgerüst gewalzt wird,
- wobei von der Messeinrichtung für aufeinanderfolgende Abschnitte des Metallbandes
jeweils ein Dickenwert für die Dicke des Metallbandes erfasst wird,
- wobei die erfassten Dickenwerte der Steuereinrichtung zugeführt werden,
- wobei die Steuereinrichtung die Walzanlage gemäß einem derartigen Betriebsverfahren
betreibt.
[0005] Beim Herstellen von Metallband wird nach dem Gießen einer Bramme die Bramme zunächst
warmgewalzt, so dass ein Warmband entsteht. Die Dicke des Warmbandes liegt meist im
Bereich von wenigen Millimetern, je nach Herstellungsverfahren manchmal auch etwas
darüber oder darunter, beispielsweise zwischen 1,0 mm und 20 mm bei einer normalen
Warmwalzanlage und zwischen 0,6 mm und 6 mm bei einer sogenannten ESP-Anlage. In manchen
Fällen wird das Warmband ohne weitere Dickenreduzierung weiter verarbeitet. In anderen
Fällen wird die Banddicke nach dem Warmwalzen in einem Kaltwalzwerk noch weiter reduziert.
Ziel des Kaltwalzens ist die Herstellung eines kaltgewalzten Metallbandes, dessen
finale Dicke so gut wie möglich und mit möglichst geringer Abweichung mit einer Zieldicke
übereinstimmt.
[0006] In der Regel weist das fertige Warmband - also nach dem Warmwalzen, aber vor dem
Walzen in dem Kaltwalzwerk - Dickenabweichungen auf. Die Dickenabweichungen weisen
oftmals sowohl periodische Anteile als auch stochastische Anteile auf. Werden diese
Abweichungen nicht kompensiert, weist das Metallband auch nach dem Kaltwalzen derartige
Abweichungen auf. Das absolute Ausmaß der Abweichungen ist zwar geringer als beim
Warmband, die relative Abweichung bleibt jedoch erhalten. Wenn also - beispielsweise
- das Metallband vor dem Kaltwalzen eine Dicke von 3,0 mm und Dickenabweichungen im
Bereich von 30 µm aufweist und weiterhin das Metallband nach dem Kaltwalzen eine Dicke
von 1,0 mm aufweist, so weist das Metallband ohne Kompensation der Dickenabweichungen
nach dem Kaltwalzen Dickenabweichungen im Bereich von 10 µm auf.
Stand der Technik
[0007] Zum Kompensieren derartiger Abweichungen sind im Stand der Technik verschiedene Vorgehensweisen
bekannt.
[0008] So ist beispielsweise aus der
EP 0 435 595 A2 bekannt, auslaufseitig eines Walzgerüsts die Dicke des gewalzten Metallbandes zu
erfassen und eine Dickenregelung des Walzgerüsts vorzunehmen. Weiterhin werden Zugschwankungen
kompensiert, da auch diese die Dicke des gewalzten Metallbandes beeinflussen. Um eine
relativ hochdynamische Regelung des Zuges zu erreichen, sind zwischen der Zuführeinrichtung
und dem Walzgerüst einerseits sowie zwischen dem Walzgerüst und einer dem Walzgerüst
nachgeordneten Aufnahmeeinrichtung andererseits Rollen oder ähnliche Elemente vorhanden,
mittels derer das Metallband vor und/oder nach dem Walzen in dem Walzgerüst ausgelenkt
werden kann. Die Vorgehensweise der
EP 0 435 595 A2 basiert auf dem Gedanken, dass die Regelung durch die Zuführeinrichtung selbst und
die Aufnahmeeinrichtung selbst sehr träge ist und durch die zusätzlichen Rollen die
Dynamik der Regelung erhöht werden kann. In der
EP 0 435 595 A2 wird auch eine Vorgehensweise beschrieben, bei welcher einlaufseitig des Walzgerüsts
die Dicke und die Geschwindigkeit des Metallbandes erfasst und im Rahmen der Ermittlung
der Anstellung des Walzgerüsts verwertet werden.
[0009] Aus der
EP 3 332 883 A1 ist ebenfalls bekannt, auslaufseitig eines Walzgerüsts die Dicke des gewalzten Metallbandes
zu erfassen und eine Dickenregelung des Walzgerüsts vorzunehmen. Periodische Abweichungen
werden von stochastischen Abweichungen separiert. Periodische Abweichungen werden
als durch Exzentrizitäten der Walzen des Walzgerüsts verursacht angesehen. Entsprechend
erfolgt die Korrektur der Anstellung des Walzgerüsts.
[0010] Bei der
JP 58 068 414 A wird einlaufseitig des Walzgerüsts die Dicke des noch ungewalzten Metallbandes erfasst
und über gewisse Längeneinheiten gemittelt. Der Mittelwert wird für die Ansteuerung
der Anstellung des Walzgerüsts verwertet.
Zusammenfassung der Erfindung
[0011] Mittels der Vorgehensweisen des Standes der Technik lassen sich Abweichungen der
Eingangsdicke bereits in gewissem Umfang kompensieren. Die Vorgehensweisen des Standes
der Technik sind aber noch verbesserungsfähig.
[0012] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, Möglichkeiten zu schaffen,
mittels derer eine exzellente Kompensation von einlaufseitigen Dickenabweichungen
des Metallbandes erreicht werden kann.
[0013] Die Aufgabe wird durch ein Betriebsverfahren für eine Walzanlage mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen des Betriebsverfahrens sind Gegenstand
der abhängigen Ansprüche 2 bis 8.
[0014] Erfindungsgemäß wird ein Betriebsverfahren der eingangs genannten Art dadurch ausgestaltet,
dass die Steuereinrichtung den jeweiligen Ansteuerwert anhand der endgültigen Dickenabweichung
des jeweiligen Abschnitts des Metallbandes sowie der endgültigen Dickenabweichungen
einer Mehrzahl von dem jeweiligen Abschnitt des Metallbandes vorhergehenden und/oder
nachfolgenden Abschnitten des Metallbandes unter Berücksichtigung einer Beschreibung
des inversen Frequenzverhaltens des Walzgerüsts und/oder der Zuführeinrichtung und/oder
der Messeinrichtung ermittelt.
[0015] Von den Erfindern wurde erkannt, dass das Ausmaß, in dem eine bestimmte Dickenabweichung
korrigiert wird, nicht nur von der Dickenabweichung selbst abhängt, sondern auch von
dem Spektrum der Dickenabweichungen. Insbesondere werden in der Regel höherfrequente
Dickenabweichungen nur in geringerem Umfang und mit einem größeren Phasenverzug kompensiert
als Dickenabweichungen mit einer niedrigeren Frequenz. Um auch höherfrequente Dickenabweichungen
in vollem Umfang und ohne Phasenverzug kompensieren zu können, muss daher das Frequenzverhalten
der geregelten Einrichtung - in der Regel sind dies die Anstellung des Walzgerüsts
für die Größe des Walzspaltes und die Zuführeinrichtung für die Einlaufgeschwindigkeit
und/oder die Größe des einlaufseitigen Zuges - berücksichtigt werden. Gegebenenfalls
weist auch die Messwerterfassung ein Frequenzverhalten auf, das in diesem Fall ebenfalls
mit berücksichtigt werden kann. Die Berücksichtigung erfolgt anhand einer Beschreibung
des inversen Frequenzverhaltens des Walzgerüsts und/oder der Zuführeinrichtung und/oder
der Messeinrichtung.
[0016] Für die Art und Weise der Berücksichtigung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Der
derzeit bevorzugte Weg besteht darin,
- dass die Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens des Walzgerüsts und/oder der
Zuführeinrichtung und/oder der Messeinrichtung der Steuereinrichtung durch ein inverses
Modell vorgegeben ist,
- dass dem inversen Modell jeweils die endgültige Dickenabweichung eines Abschnitts
des Metallbandes zugeführt wird und
- dass die Steuereinrichtung unter Verwertung der jeweiligen endgültigen Dickenabweichung
mittels des inversen Modells zum einen einen internen Zustand des inversen Modells
nachführt und zum anderen den jeweiligen Ansteuerwert ermittelt.
[0017] Diese Vorgehensweise ist mit dem geringsten Rechenaufwand verbunden.
[0018] Alternativ ist es möglich, dass die Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens
des Walzgerüsts und/oder der Zuführeinrichtung und/oder der Messeinrichtung der Steuereinrichtung
als Frequenzgang vorgegeben ist und dass die Steuereinrichtung den jeweiligen Ansteuerwert
durch eine Transformation des Verlaufs der endgültigen Dickenabweichungen in den Frequenzbereich,
eine nachfolgende Multiplikation des transformierten Verlaufs der endgültigen Dickenabweichung
mit dem Frequenzgang und eine nachfolgende Rücktransformation in den Zeitbereich ermittelt.
Diese Vorgehensweise führt zu besonders hochwertigen Ergebnissen.
[0019] Es ist allgemein bekannt, dass eine Multiplikation im Frequenzbereich einer Faltung
im Zeitbereich entspricht. Es ist daher alternativ möglich und völlig gleichwertig,
dass die Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens des Walzgerüsts und/oder der
Zuführeinrichtung und/oder der Messeinrichtung der Steuereinrichtung als Faltungskern
vorgegeben ist und dass die Steuereinrichtung den jeweiligen Ansteuerwert durch eine
Faltung des Verlaufs der endgültigen Dickenabweichungen mit dem Faltungskern ermittelt.
[0020] Die Erfassung des Frequenzgangs und hierauf aufbauend die Ermittlung bzw. Parametrierung
des inversen Modells oder die Ermittlung der Verstärkungen für die einzelnen Frequenzbereiche
oder die Ermittlung des Faltungskerns können automatisiert erfolgen. Insbesondere
können im laufenden Betrieb der Walzanlage dem Walzspaltsollwert des Walzgerüsts definierte
kleine Störungen eingeprägt werden. Diese Störungen spiegeln sich auslaufseitig des
Walzgerüsts in korrespondierenden Schwankungen der auslaufseitigen Dicke des Metallbandes
wider. Sofern dem Walzgerüst eine Messeinrichtung nachgeordnet ist, mittels derer
diese auslaufseitige Dicke erfasst wird, kann durch eine kombinierte Auswertung der
eingeprägten Störungen einerseits und der Schwankungen der auslaufseitigen Dicke andererseits
in automatisierter Weise der Frequenzgang ermittelt werden. Dies ist Fachleuten prinzipiell
bekannt.
[0021] Vorzugsweise verwertet die Steuereinrichtung zur Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes
sowohl endgültige Dickenabweichungen von dem jeweiligen Abschnitt des Metallbandes
vorhergehenden Abschnitten des Metallbandes als auch endgültige Dickenabweichungen
von dem jeweiligen Abschnitt des Metallbandes nachfolgenden Abschnitten des Metallbandes.
Dadurch ist die Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes besonders zuverlässig. Dies
gilt ganz besonders dann, wenn die Anzahl an dem jeweiligen Abschnitt des Metallbandes
vorhergehenden Abschnitten des Metallbandes, deren endgültige Dickenabweichungen die
Steuereinrichtung zur Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes verwertet, im wesentlichen
gleich der Anzahl an dem jeweiligen Abschnitt des Metallbandes nachfolgenden Abschnitten
des Metallbandes ist, deren endgültige Dickenabweichungen die Steuereinrichtung zur
Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes verwertet.
[0022] Im einfachsten Fall übernimmt die Steuereinrichtung die vorläufigen Dickenabweichungen
1:1 als endgültige Dickenabweichungen. Vorzugsweise jedoch ermittelt die Steuereinrichtung
die endgültigen Dickenabweichungen aus den vorläufigen Dickenabweichungen mittels
einer Nullphasenfilterung. Diese Vorgehensweise führt zu einem stabileren und robusteren
Betrieb des Walzgerüsts und/oder der Zuführeinrichtung. Dies gilt ganz besonders dann,
wenn mittels derer Nullphasenfilterung eine Tiefpassfilterung der vorläufigen Dickenabweichungen
durchgeführt wird.
[0023] Die Aufgabe wird weiterhin durch ein Steuerprogramm mit den Merkmalen des Anspruchs
9 gelöst. Erfindungsgemäß bewirkt die Abarbeitung des Computerprogramms, dass die
Steuereinrichtung die Walzanlage gemäß einem erfindungsgemäßen Betriebsverfahren betreibt.
[0024] Die Aufgabe wird weiterhin durch eine Steuereinrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs
10 gelöst. Erfindungsgemäß ist die Steuereinrichtung mit einem erfindungsgemäßen Steuerprogramm
programmiert, so dass die Steuereinrichtung die Walzanlage gemäß einem erfindungsgemäßen
Betriebsverfahren betreibt.
[0025] Die Aufgabe wird weiterhin durch eine Walzanlage mit den Merkmalen des Anspruchs
11 gelöst. Erfindungsgemäß betreibt die Steuereinrichtung die Walzanlage gemäß einem
erfindungsgemäßen Betriebsverfahren.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0026] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung der Ausführungsbeispiele, die in Verbindung
mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Hierbei zeigen in schematischer Darstellung:
- FIG 1
- eine Walzanlage,
- FIG 2
- ein Ablaufdiagramm,
- FIG 3
- ein Metallband,
- FIG 4
- ein Ablaufdiagramm,
- FIG 5
- einen strukturellen Aufbau einer Steuereinrichtung,
- FIG 6
- einen weiteren strukturellen Aufbau einer Steuereinrichtung,
- FIG 7
- einen Frequenzgang,
- FIG 8
- einen weiteren strukturellen Aufbau einer Steuereinrichtung,
- FIG 9
- einen Faltungskern und
- FIG 10
- einen weiteren strukturellen Aufbau einer Steuereinrichtung.
Beschreibung der Ausführungsformen
[0027] Gemäß FIG 1 weist eine Walzanlage zum Walzen eines Metallbandes 1 ein Walzgerüst
2 auf. In dem Walzgerüst 2 wird das Metallband 1 gewalzt. Das Walzgerüst 2 kann insbesondere
ein Kaltwalzgerüst sein, in dem folglich ein Kaltwalzen des Metallbandes 1 erfolgt.
Von dem Walzgerüst 2 sind in FIG 1 nur die Arbeitswalzen dargestellt. In der Regel
umfasst das Walzgerüst 2 zusätzlich zumindest zwei Stützwalzen (Quartogerüst), in
manchen Fällen auch noch mehr Walzen. Beispielsweise kann das Walzgerüst 2 als Sextogerüst
(zwei Arbeitswalzen, zwei Zwischenwalzen, zwei Stützwalzen) oder als 12-Rollen-Walzgerüst
oder als 20-Rollen-Walzgerüst ausgebildet sein. Das Metallband 1 kann aus Stahl, aus
Aluminium oder aus einem anderen Metall bestehen, beispielsweise aus Kupfer oder aus
Messing.
[0028] Die Walzanlage weist weiterhin eine Zuführeinrichtung 3 auf. Die Zuführeinrichtung
3 ist dem Walzgerüst 2 vorgeordnet. Von der Zuführeinrichtung 3 wird das Metallband
1 dem Walzgerüst 2 mit einer Einlaufgeschwindigkeit v zugeführt. Die Zuführeinrichtung
3 ist gemäß FIG 1 als Haspel ausgebildet. Sie könnte aber auch anders ausgebildet
sein, beispielsweise als Treiber oder als weiteres, vom Walzgerüst 2 verschiedenes
Walzgerüst. Die Zuführeinrichtung 3 kann auch als sogenannte S-Rolle ausgebildet sein,
also mehrere Rollen, über welche das Metallband 1 im Ergebnis S-förmig geführt wird.
[0029] Genau genommen müssten die Geschwindigkeit, mit der das Metallband 1 in das Walzgerüst
2 einläuft, und die Geschwindigkeit, mit der das Metallband 1 von der Zuführeinrichtung
3 ausgegeben wird (beispielsweise abgehaspelt wird) voneinander unterschieden werden.
Die Geschwindigkeit, mit der das Metallband 1 in das Walzgerüst 2 einläuft, ist durch
die Umfangsgeschwindigkeit der Arbeitswalzen des Walzgerüsts 2 und die Nacheilung
im Walzgerüst 2 bestimmt. Die Geschwindigkeit, mit der das Metallband 1 von der Zuführeinrichtung
3 ausgegeben wird, ist beispielsweise im Falle eines Haspels durch die Drehzahl, mit
welcher der Haspel das Coil rotiert, und den aktuellen, sich zeitlich ändernden Durchmesser
des Coils bestimmt. Kurzzeitig können geringfügige Unterschiede zwischen diesen beiden
Geschwindigkeiten bestehen. Sofern derartige kurzzeitige Unterschiede bestehen, ändert
sich der Zug, der im Metallband 1 zwischen der Zuführeinrichtung 3 und dem Walzgerüst
2 herrscht. Nachfolgend wird jedoch nur von der Einlaufgeschwindigkeit v gesprochen.
Sofern nicht explizit erwähnt, ist nachstehend im Zweifelsfall die Geschwindigkeit
gemeint, mit der das Metallband 1 von der Zuführeinrichtung 3 ausgegeben wird.
[0030] Zwischen der Zuführeinrichtung 3 und dem Walzgerüst 2 ist eine Messeinrichtung 4
angeordnet. Mittels der Messeinrichtung 4 wird iterativ immer wieder ein Dickenwert
d für die Dicke des Metallbandes 1 erfasst. Weiterhin kann zusätzlich eine weitere
Messeinrichtung 5 vorhanden sein, mittels derer immer wieder ein Messwert für die
Einlaufgeschwindigkeit v erfasst wird.
[0031] Der jeweils erfasste Dickenwert d und gegebenenfalls auch der jeweils erfasste Wert
für die Einlaufgeschwindigkeit v werden einer Steuereinrichtung 6 zugeführt, die ebenfalls
Bestandteil der Walzanlage ist. Die Steuereinrichtung 6 ermittelt immer wieder einen
Ansteuerwert A2, A3 für das Walzgerüst 2 und/oder die Zuführeinrichtung 3. In der
Regel ermittelt die Steuereinrichtung 6 beide Ansteuerwerte A2, A3.
[0032] Der Ansteuerwert A2 für das Walzgerüst 2 wirkt in aller Regel zumindest auf die Anstellung
des Walzgerüsts 2, also die Einstellung des Walzspalts. Beispielsweise kann der jeweilige
Ansteuerwert A2 an eine sogenannte HGC (= hydraulic gap control) ausgegeben werden.
Alternativ kann der Ansteuerwert A2 auf den Hauptantrieb des Walzgerüsts 2 wirken,
also das Walzmoment oder die Walzgeschwindigkeit ändern. Oftmals wirkt der Ansteuerwert
A2 sowohl auf die Anstellung des Walzgerüsts 2 als auch auf dessen Hauptantrieb. In
diesem Fall kann der Ansteuerwert A2 für das Walzgerüst 2 als Vektorgröße angesehen
werden, der jeweils eine Komponente für die Anstellung des Walzgerüsts 2 und für den
Hauptantrieb des Walzgerüsts 2 aufweist.
[0033] Der Ansteuerwert A3 wird einer Drehzahl- oder Drehmomentregelung für die Zuführeinrichtung
3 zugeführt und wirkt auf die Einlaufgeschwindigkeit v und/oder auf den Zug, der einlaufseitig
des Walzgerüsts 2 im Metallband 1 herrscht. Soweit erforderlich, müssen im Rahmen
der Ansteuerung der Zuführeinrichtung 3 auch weitere, der Zuführeinrichtung 3 vorgeordnete
Einrichtungen mit angesteuert werden. Die Berücksichtigung derartiger weiterer Einrichtungen
macht die Berechnung des Ansteuerwertes A3 zwar komplexer, ändert aber nichts am Prinzip
der vorliegenden Erfindung.
[0034] Die Steuereinrichtung 6 ist mit einem Steuerprogramm 7 programmiert. Das Steuerprogramm
7 umfasst Maschinencode 8, der von der Steuereinrichtung 6 abarbeitbar ist. Die Programmierung
der Steuereinrichtung 6 mit dem Steuerprogramm 7 bzw. die Abarbeitung des Maschinencodes
8 durch die Steuereinrichtung 6 bewirkt, dass die Steuereinrichtung 6 die Walzanlage
gemäß einem Betriebsverfahren betreibt, das nachstehend näher erläutert wird. Hierbei
wird zunächst auf FIG 2 und sodann auf die FIG 3 und 4 Bezug genommen.
[0035] Gemäß FIG 2 nimmt die Steuereinrichtung 6 in einem Schritt S1 den jeweils erfassten
Dickenwert d und gegebenenfalls auch den jeweils erfassten Wert für die Einlaufgeschwindigkeit
v entgegen. In einem Schritt S2 ermittelt die Steuereinrichtung 6 die Abweichung δd
des erfassten Dickenwertes d von einer Solldicke d*, nachfolgend kurz als Dickenabweichung
δd bezeichnet.
[0036] Die im Schritt S2 ermittelte Dickenabweichung δd ist nur eine vorläufige Dickenabweichung
δd. In einem Schritt S3 ermittelt die Steuereinrichtung 6 anhand der vorläufigen Dickenabweichung
δd eine jeweilige endgültige Dickenabweichung δd'. Im einfachsten Fall ist der Schritt
S3 trivialer Natur. In diesem Fall übernimmt die Steuereinrichtung 6 die vorläufigen
Dickenabweichungen δd 1:1 als endgültige Dickenabweichungen δd'.
[0037] Vorzugsweise erfolgt jedoch eine echte Ermittlung, so dass die endgültigen Dickenabweichungen
δd' aus den vorläufigen Dickenabweichungen δd mittels einer nicht trivialen Ermittlungsvorschrift
ermittelt werden. Beispielsweise kann die Steuereinrichtung 6 zur Ermittlung der endgültigen
Dickenabweichungen δd' im Schritt S3 eine Nullphasenfilterung durchführen. Mittels
einer Nullphasenfilterung wird aus einem ursprünglichen Verlauf von Werten (hier dem
zeitlichen Verlauf der vorläufigen Dickenabweichungen δd) ein gefilterter Verlauf
von Werten (hier der zeitliche Verlauf der endgültigen Dickenabweichungen δd') ermittelt,
wobei zwischen dem ursprünglichen Verlauf und dem gefilterten Verlauf kein systematischer
Phasenversatz auftritt. In der Regel und auch im Rahmen der vorliegenden Erfindung
ist die Nullphasenfilterung eine Tiefpassfilterung, so dass also hochfrequente Schwankungen
ausgefiltert werden. Insbesondere die Tiefpassfilterung verbessert deutlich die Stabilität
der inversen Modellierung des Walzgerüsts 2, der Zuführeinrichtung 3 und/oder der
Messeinrichtung 4.
[0038] Für eine Nullphasenfilterung müssen auch die vorläufigen Dickenabweichungen δd von
Abschnitten 9 bekannt sein, die demjenigen Abschnitt 9, dessen endgültige Dickenabweichung
δd' ermittelt werden soll, nachfolgen. Im Falle einer Nullphasenfilterung wird der
Schritt S3 daher für einen anderen Abschnitt 9 ausgeführt, dessen vorläufige Dickenabweichung
δd bereits erfasst ist.
[0039] Nullphasenfilterungen sind Fachleuten allgemein bekannt. Rein beispielhaft kann die
sogenannte IIR (= infinite impulse response) genannt werden. Eine andere Möglichkeit
zur Implementierung einer Nullphasenfilterung ist eine Faltung der vorläufigen Dickenabweichungen
δd mit einer symmetrischen Impulsantwort eines FIR-Filters (FIR = finite impuls response).
In einem Schritt S4 ermittelt die Steuereinrichtung 6 unter Verwertung der endgültigen
Dickenabweichungen δd' die Ansteuerwerte A2, A3. In einem Schritt S5 gibt die Steuereinrichtung
6 die Ansteuerwerte A2, A3 an das Walzgerüst 2 und/oder die Zuführeinrichtung 3 aus.
Danach geht die Steuereinrichtung 6 zum Schritt S1 zurück.
[0040] Die obenstehend in Verbindung mit FIG 2 erläuterten Vorgehensweise wird also zyklisch
immer wieder ausgeführt. Meist wird sie sogar streng getaktet ausgeführt, also mit
einer festen Zykluszeit T von beispielsweise 8 ms.
[0041] Nachstehend wird die erfindungsgemäße Vorgehensweise in Verbindung mit den FIG 3
und 4 nochmals detaillierter erläutert.
[0042] FIG 3 zeigt das Metallband 1 von oben. Das Metallband 1 ist virtuell in Abschnitte
9 unterteilt. Manche der Abschnitte 9 sind in FIG 3 zusätzlich zum Bezugszeichen 9
mit einem kleinen Buchstaben (beispielsweise a, b usw.) ergänzt, um individuell auf
sie referenzieren zu können.
[0043] Bei jedem Zyklus, also bei jeder Abarbeitung des Schrittes S1, wird für einen bestimmten
Abschnitt 9 - beispielsweise den Abschnitt 9a - dessen Dickenwert d erfasst und der
Steuereinrichtung 6 zugeführt. Der erfasste Dickenwert d, die zugehörige vorläufige
Dickenabweichung δd und die zugehörige endgültige Dickenabweichung δd' sind also auf
diesen Abschnitt 9a bezogen.
[0044] Während desselben Zyklus wird ein anderer Abschnitt 9 - beispielsweise der Abschnitt
9b - in dem Walzgerüst 2 gewalzt. Der geometrische Abstand der Abschnitte 9a und 9b
auf dem Metallband 1 entspricht dem geometrischen Abstand a der Messeinrichtung 4
vom Walzgerüst 2.
[0045] Zum Fördern des Abschnitts 9a von der Messeinrichtung 4 zum Walzgerüst 2 wird eine
bestimmte Zeitspanne T' benötigt. Diese Zeitspanne T' wird meist als Transportzeit
bezeichnet. Sie ist durch die Einlaufgeschwindigkeit v des Metallbandes 1 und den
Abstand a der Messeinrichtung 4 vom Walzgerüst 2 bestimmt. Bei konstanter Einlaufgeschwindigkeit
v gilt die Beziehung T' = a/v.
[0046] Die Zeitspanne T' ist in aller Regel erheblich größer als die Zykluszeit T. Zwischen
den Abschnitten 9a und 9b befindet sich daher eine Anzahl weiterer Abschnitte 9, beispielsweise
der Abschnitt 9c. Für diese Abschnitte 9 wurde der jeweilige Dickenwert d bereits
vor dem Walzen des Abschnitts 9b erfasst. Weiterhin weist das Metallband 1 Abschnitte
9 auf, die bereits in dem Walzgerüst 2 gewalzt wurden, beispielsweise den Abschnitt
9d.
[0047] Aufgrund des Umstands, dass zum Fördern eines jeweiligen Abschnitts 9 von der Messeinrichtung
4 zum Walzgerüst 2 die Zeitspanne T' benötigt wird, ist es möglich, in einem bestimmten
Zyklus im Schritt S1 zwar den Dickenwert d für den Abschnitt 9a zu erfassen und für
diesen Abschnitt 9a die vorläufige Dickenabweichung δd ermitteln, im Schritt S4 jedoch
die Ansteuerwerte A2, A3 für beispielsweise den Abschnitt 9c zu ermitteln und weiterhin
im Schritt S5 die im Schritt S4 ermittelten Ansteuerwerte A2, A3 an das Walzgerüst
2 und/oder die Zuführeinrichtung 3 auszugeben. Gegebenenfalls können auch Ansteuerwerte
A2, A3 an das Walzgerüst 2 und/oder die Zuführeinrichtung 3 ausgegeben werden, die
bereits zuvor für einen Abschnitt 9 zwischen dem Abschnitt 9c und dem Abschnitt 9b
ermittelt wurden. Im letztgenannten Fall ist lediglich erforderlich, die im jeweiligen
Zyklus erfassten Dickenwerte d, die im jeweiligen Zyklus ermittelten Dickenabweichungen
δd, δd' und die im jeweiligen Zyklus ermittelten Ansteuerwerte A2, A3 dem jeweiligen
Abschnitt 9 zuzuordnen und eine Wegverfolgung der Abschnitte 9 durchzuführen. Die
entsprechende Vorgehensweise ist in FIG 4 dadurch angedeutet, dass in den Schritten
S1 bis S5 der jeweilige Abschnitt 9a, 9b, 9c mit angegeben ist, für den der jeweilige
Schritt S1 bis S5 ausgeführt wird. Der Grund dafür, dass die von der Steuereinrichtung
6 ausgegebenen Ansteuerwerte A2, A3 nicht auf den Abschnitt 9b, sondern auf den Abschnitt
9c oder einen Abschnitt 9 zwischen dem Abschnitt 9b und dem Abschnitt 9c bezogen sind,
besteht darin, dass gewisse Totzeiten des Walzgerüsts 2 und/oder der Zuführeinrichtung
3 berücksichtigt werden müssen.
[0048] Die Implementierung einer Wegverfolgung ist Fachleuten allgemein bekannt. Dadurch
ist es somit möglich, die Ansteuerwerte A2, A3 zeitrichtig an das Walzgerüst 2 und/oder
die Zuführeinrichtung 3 auszugeben. Zeitrichtig bedeutet im Rahmen der vorliegenden
Erfindung, dass an das Walzgerüst 2 und/oder die Zuführeinrichtung 3 ausgegebene Ansteuerwerte
A2, A3 zu einem Zeitpunkt auf das Metallband 1 wirken, zu dem der jeweilige Abschnitt
9 des Metallbandes 1 in dem Walzgerüst 2 gewalzt wird. Hierbei können nach Bedarf
die Zeitspanne T' und gegebenenfalls auch Reaktionszeiten (Totzeiten) des Walzgerüsts
2 und/oder der Zuführeinrichtung 3 berücksichtigt werden. Die Reaktionszeiten sind
Zeiten, die das Walzgerüst 2 und/oder die Zuführeinrichtung 3 zum Reagieren auf einen
neu zugeführten Ansteuerwert A2, A3 benötigen. Weiterhin können auch Totzeiten berücksichtigt
werden, die in der Kommunikation verschiedener Einrichtungen miteinander oder in der
Automatisierung auftreten. Die Ermittlung der Ansteuerwerte A2, A3 muss selbstverständlich
vor dem Ausgeben abgeschlossen sein.
[0049] Aufgrund des Umstands, dass für die Abschnitte 9 zwischen dem Abschnitt 9a und dem
Abschnitt 9c bereits der jeweilige Dickenwert d erfasst ist und demzufolge auch die
jeweilige vorläufige Dickenabweichung δd bekannt ist und weiterhin zumindest für die
an den Abschnitt 9c in Richtung auf den Abschnitt 9a angrenzenden Abschnitte 9 auch
die endgültigen Dickenabweichungen δd' bekannt sind, ist es möglich, beispielsweise
für die Ermittlung der Ansteuerwerte A2, A3 für den Abschnitt 9c nicht nur die endgültige
Dickenabweichung δd' des Abschnitts 9c zu berücksichtigen, sondern zusätzlich auch
beliebige der anderen endgültigen Dickenabweichungen δd', sofern sie nur bereits ermittelt
sind. Beispielsweise kann die Steuereinrichtung 6 zusätzlich zur Dickenabweichung
δd' des Abschnitts 9c die endgültigen Dickenabweichungen δd' von mehreren benachbarten
Abschnitten 9 zum Abschnitt 9a hin berücksichtigen. Alternativ oder zusätzlich kann
die Steuereinrichtung 6 zusätzlich zur Dickenabweichung δd' des Abschnitts 9c die
endgültigen Dickenabweichungen δd' von mehreren benachbarten Abschnitten 9 zum Abschnitt
9b hin und gegebenenfalls auch über den Abschnitt 9b hinaus berücksichtigen.
[0050] Im Rahmen der Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes A2, A3 berücksichtigt die
Steuereinrichtung 6 weiterhin eine Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens des
Walzgerüsts 2 und/oder der Zuführeinrichtung 3 und/oder der Messeinrichtung 4. Der
Steuereinrichtung 6 ist also eine Beschreibung vorgegeben, die das entsprechende Frequenzverhalten
als solches direkt charakterisiert. Anders ausgedrückt: Anhand der genannten Beschreibung
kann das Frequenzverhalten ermittelt werden. Möglichkeiten für die Vorgabe der Beschreibung
des Frequenzverhaltens werden nachstehend näher erläutert. Die Steuereinrichtung 6
ermittelt also nicht nur den jeweiligen Ansteuerwert A2, A3 auf eine Art und Weise,
mittels derer das entsprechende inverse Frequenzverhalten berücksichtigt wird. Vielmehr
kennt die Steuereinrichtung 6 explizit das entsprechende inverse Frequenzverhalten
als solches. Der Steuereinrichtung 6 sind also Kenngrößen bekannt, die das inverse
Frequenzverhalten definieren. Dies wird nachstehend in Verbindung mit dem Walzgerüst
2 näher erläutert. Für die Zuführeinrichtung 3 und gegebenenfalls auch die Messeinrichtung
4 gelten jeweils analoge Ausführungen.
[0051] Das Walzgerüst 2 kann auf verschiedene Art und Weise modelliert werden. Im einfachsten
Fall wird das Walzgerüst 2 als PT1-Glied modelliert. Alternativ kommt eine Modellierung
höherer Ordnung in Frage. Die Modellierung beschreibt das Walzgerüst 2 als solches,
gegebenenfalls einschließlich seiner Steuerung. Die Transportzeit, also die Zeitspanne
T', ist hingegen nicht Bestandteil der Modellierung.
[0052] Das Frequenzverhalten des Walzgerüsts 2 kann beispielsweise durch eine Übertragungsfunktion
beschrieben werden. Wenn - wie allgemein üblich - mit G die Übertragungsfunktion als
solche und mit Buchstabe s der Laplace-Operator bezeichnet wird, lässt sich die Übertragungsfunktion
G(s) schreiben als

[0053] Hierbei sind b
i (mit i = 1,2...m) und c
j (mit j = 1,2...n) konstante Koeffizienten. Der Grad m des Zählerpolynoms ist maximal
so groß wie der Grad n des Nennerpolynoms. Wenn das Walzgerüst 2 als PT1-Glied modelliert
wird, ergibt sich die Übertragungsfunktion G(s) beispielsweise als

wobei T2 eine charakteristische Zeitkonstante des Walzgerüsts 2 ist.
[0054] Für die zugehörige inverse Übertragungsfunktion G
-1(s) gilt im allgemeinen Fall

[0055] Das inverse Übertragungsverhalten G
-1(s) ist somit eindeutig definiert. Wenn das Walzgerüst 2 als PT1-Glied modelliert
wird, ergibt sich die zugehörige inverse Übertragungsfunktion G
-1(s) exakt zu

[0056] Wenn die inverse Übertragungsfunktion G
-1(s) exakt modelliert wird, wird das modellierte Verhalten des Walzgerüsts 2 jedoch
oftmals instabil. In manchen Fällen kann sogar das Verhalten des realen Walzgerüsts
2 instabil werden. Beispielsweise ergibt die Inverse eines PT1-Gliedes ein PD-Glied.
Ein PD-Glied verstärkt hohe Frequenzen extrem. Auch kann das theoretisch ermittelbare
Ausgangssignal eines PD-Gliedes in der Realität nicht umgesetzt werden. Die Ursache
hierfür sind Stellbegrenzungen der Stellglieder, hier des Walzgerüsts 2. Zur Gewährleistung
der Stabilität und Realisierbarkeit erweitert man das Nennerpolynom der inversen Übertragungsfunktion
G
-1(s) um einen Anteil, der proportional der höchsten Potenz von s im Zähler der inversen
Übertragungsfunktion G
-1(s) ist. Dies ist Fachleuten vom Ansatz her bekannt. Es kann diesbezüglich auf das
Fachbuch "Stabile Neuronale Online Identifikation und Kompensation statischer Nichtlinearitäten"
von Thomas Frenz verwiesen werden. Die tatsächlich verwendete inverse Modellierung
des Frequenzverhalten des Walzgerüsts 2 wird somit durch eine modifizierte inverse
Übertragungsfunktion G
-1(s) beschrieben, welche die Form

aufweist. TC ist eine kleine Zeit, also eine Zeit, die erheblich kleiner als die
charakteristische Zeitkonstante T2 des Walzgerüsts 2 ist. Je kleiner die Zeit TC gewählt
werden kann, desto besser ist die Modellierung des inversen Frequenzverhaltens des
Walzgerüsts 2. In der Praxis wird die Zeit TC gleich der Zykluszeit T oder in etwa
gleich der Zykluszeit T gewählt werden.
[0057] Analoge Ausführungen gelten, wie bereits erwähnt, für die Zuführeinrichtung 3. Wenn,
analog zum Walzgerüst 2, die Zuführeinrichtung 3 durch ein PT1-Glied modelliert wird,
ergibt sich die inverse Übertragungsfunktion G
-1(s) für die Zuführeinrichtung 3 durch eine modifizierte inverse Übertragungsfunktion
G
-1(s) beschrieben, welche die Form

wobei T3 eine charakteristische Zeitkonstante der Zuführeinrichtung 3 ist.
[0058] Aufgrund obiger Sachverhalte ist es möglich, der Steuereinrichtung 6 entsprechend
der Darstellung in FIG 5 ein entsprechendes inverses Modell 10 des Walzgerüsts 2 vorzugeben.
Das inverse Modell 10 beschreibt, wie zuvor erläutert, das inverse Frequenzverhalten
des Walzgerüsts 2, gegebenenfalls einschließlich des inversen Frequenzverhaltens der
Messeinrichtung 4. Konstante Totzeiten und dergleichen können nach Bedarf innerhalb
des inversen Modells 10 oder außerhalb des inversen Modells 10 im Rahmen der Vorhaltezeit
T2' berücksichtigt werden. Das inverse Modell 10 kann beispielsweise entsprechend
der Darstellung in FIG 5 eine inverse Übertragungsfunktion G
-1(s) der Form

implementieren.
[0059] Dem inversen Modell 10 wird - getaktet mit der Zykluszeit T - jeweils die endgültige
Dickenabweichung δd' eines Abschnitts 9 des Metallbandes 1 zugeführt. Die Steuereinrichtung
6 ermittelt mittels des inversen Modells 10 unter zusätzlicher Berücksichtigung eines
internen Zustands Z2 des inversen Modells 10 den jeweiligen Ansteuerwert A2 für das
Walzgerüst 2 und gibt den Ansteuerwert A2 an das Walzgerüst 2 aus. Weiterhin führt
die Steuereinrichtung 6 den internen Zustand Z2 unter Verwertung der jeweiligen endgültigen
Dickenabweichung δd' und des vorherigen internen Zustands Z2 des inversen Modells
10 nach. Die Berücksichtigung des internen Zustands Z2 und das Nachführen des internen
Zustands Z2 sind erforderlich, da anderenfalls das inverse Modell 10 des Walzgerüsts
2 keine Kenntnis des bisherigen Verlaufs der endgültigen Dickenabweichung δd' speichern
könnte und somit kein Frequenzverhalten modellieren könnte, sondern lediglich eine
rein proportionales Verhalten.
[0060] Dem inversen Modell 10 ist ein Transportmodell 11 vorgeordnet. Dem Transportmodell
11 werden - getaktet mit der Zykluszeit T - die jeweilige endgültige Dickenabweichung
δd' und die Einlaufgeschwindigkeit v zugeführt. Das Transportmodell 11 modelliert
die Wegverfolgung des jeweiligen Abschnitts 9, dem die jeweilige endgültige Dickenabweichung
δd' zugeordnet ist. Weiterhin wird dem Transportmodell 11 eine Vorhaltezeit T2' zugeführt.
Das Transportmodell 11 gibt die jeweilige endgültige Dickenabweichung δd' gegenüber
dem Zeitpunkt, zu dem die jeweilige endgültige Dickenabweichung δd' dem Transportmodell
11 zugeführt wurde, zeitverzögert aus. Die Zeitverzögerung ist, wie bereits erwähnt,
derart gewählt, dass der für einen bestimmten Abschnitt 9 ausgegebene Ansteuerwert
A2 zu dem Zeitpunkt Wirkung entfaltet, zu dem der entsprechende Abschnitt 9 des Metallbandes
1 in dem Walzgerüst 2 gewalzt wird.
[0061] Die Modellierung und Implementierung einer Wegverfolgung ist Fachleuten allgemein
bekannt. Sie muss daher nicht im Detail erläutert werden.
[0062] In der Regel wird weiterhin die jeweilige endgültige Dickenabweichung δd' von dem
Transportmodell 11 nicht direkt dem inversen Modell 10 des Walzgerüsts 2 zugeführt,
sondern zuvor noch in einem Multiplizierer 12 mit einem statischen Verstärkungsfaktor
V2 multipliziert. Mittels des Multiplizierers 12 wird die jeweilige endgültige Dickenabweichung
δd' in einen Zusatzsollwert beispielsweise für den Walzspalt des Walzgerüsts 2 oder
den Hauptantrieb des Walzgerüsts 2 umgerechnet. Prinzipiell ist es aber auch möglich,
den Verstärkungsfaktor V2 mit in das inverse Modell 10 des Walzgerüsts 2 zu integrieren.
[0063] In völlig analoger Weise kann, wie bereits erwähnt, auch die Modellierung des inversen
Frequenzverhaltens der Zuführeinrichtung 3 erfolgen, gegebenenfalls einschließlich
des inversen Frequenzverhaltens der Messeinrichtung 4. Es ergibt sich entsprechend
der Darstellung in FIG 5 ein völlig analoger Aufbau mit einem inversen Modell 13,
einem Transportmodell 14 und einem Multiplizierer 15. T3' ist eine Vorhaltezeit für
die Zuführeinrichtung, V3 ein Verstärkungsfaktor. Mittels des Multiplizierers 15 wird
die jeweilige endgültige Dickenabweichung δd' in einen Zusatzsollwert für die Einlaufgeschwindigkeit
v des Metallbandes 1 umgerechnet. Falls die Zuführeinrichtung 3 nicht die Einlaufgeschwindigkeit
v, sondern den einlaufseitig des Walzgerüsts 2 im Metallband 1 herrschenden Zug regelt,
muss gegebenenfalls zusätzlich das Trägheitsmoment der Zuführeinrichtung 3 mit berücksichtigt
werden.
[0064] Sofern der Ansteuerwert A2 eine Vektorgröße ist, die jeweils eine Komponente für
die Anstellung des Walzgerüsts 2 und für den Hauptantrieb des Walzgerüsts 2 aufweist,
müssen die obenstehend erläuterten Modellierungen für das Walzgerüst 2 separat für
jede Komponente der Vektorgröße ausgeführt werden. Gegebenenfalls sind also für das
Walzgerüst 2 mehrere inverse Teilmodelle vorhanden. Dies ändert aber nichts am Prinzip.
[0065] Mittels der Ansteuerwerte A2 erfolgt die entsprechende Ansteuerung des Walzgerüsts
2, so dass auslaufseitig des Walzgerüsts 2 nur noch möglichst geringe Schwankungen
der Dicke des Metallbandes 2 vorliegen. Mittels der Ansteuerwerte A3 erfolgt die entsprechende
Ansteuerung der Zuführeinrichtung 3, so dass die Einlaufgeschwindigkeit v und/oder
der einlaufseitige Zug im Metallband 1 möglichst konstant gehalten wird. Insbesondere
hat der Zug Einfluss auf die Stichabnahme im Walzgerüst 2. Damit Änderungen im Zug,
der im Metallband 1 herrscht, keinen unerwünschten Einfluss auf die Stichabnahme hat,
muss die Einlaufgeschwindigkeit v synchron zu den Änderungen der Anstellung des Walzgerüsts
2 und der Änderungen der Umfangsgeschwindigkeit der Arbeitswalzen des Walzgerüsts
2 angepasst werden.
[0066] Wie bereits erwähnt, werden die endgültigen Dickenabweichungen δd mittels einer Nullphasenfilterung
der vorläufigen Dickenabweichungen δd ermittelt. Den Transportmodellen 11, 14 kann
daher ein jeweiliges Nullphasenfilter 16, 17 vorgeordnet oder nachgeordnet sein. Es
ist auch möglich, die Nullphasenfilterung in das jeweilige Transportmodell 11, 14
zu integrieren.
[0067] Die Transportmodelle 11, 14 sind im wesentlichen gleichartig ausgebildet. Die Struktur
der Steuereinrichtung 6 von FIG 5 kann daher gemäß der Struktur von FIG 6 modifiziert
werden. Im Ergebnis kann in der Ausgestaltung gemäß FIG 6 eines der Transportmodelle
11, 14 entfallen. Stattdessen ist ein Verzögerungsglied 18 vorhanden, mittels dessen
die Differenz zwischen den Vorhaltezeiten T2' und T3' ausgeglichen wird. Meist wird
die Vorhaltezeit T3' größer als die Vorhaltezeit T2' sein. In diesem Fall, der in
FIG 6 dargestellt ist, entfällt das Transportmodell 14 und ist weiterhin das Verzögerungsglied
18 in dem Pfad für den Ansteuerwert A2 angeordnet.
[0068] Die obenstehend in Verbindung mit den FIG 5 und 6 erläuterten Strukturen der Steuereinrichtung
6 sind in der Steuereinrichtung 6 als Softwareblöcke ausgebildet. Sie werden also
aufgrund der Programmierung mit dem Steuerprogramm 7 und die Abarbeitung des Maschinencodes
8 gebildet.
[0069] Eine alternative Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung besteht darin, dass die
Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens des Walzgerüsts 2 - gegebenenfalls als
kombinierte Beschreibung auch des inversen Frequenzgangs der Messeinrichtung 4 - als
Frequenzgang FG vorgegeben ist. Der Frequenzgang FG gibt entsprechend der Darstellung
in FIG 7 für verschiedene Frequenzbereiche FBk (mit k = 1,2...) die jeweilige komplexe
Verstärkung V an, mit welcher eine zeitvariable Dickenabweichung, die eine Frequenz
im jeweiligen im jeweiligen Frequenzbereich FB aufweist, verstärkt werden muss, um
vollständig kompensiert zu werden.
[0070] Der Frequenzgang FG beruht auf folgender Überlegung: Wird dem Walzgerüst 2 ein Metallband
1 konstanter Dicke zugeführt und wird weiterhin der dem Walzgerüst 2 zugeführte Ansteuerwert
A2 mit einer bestimmten Amplitude und einer bestimmten Frequenz variiert, so zeigt
sich, dass bei gleicher Amplitude des Ansteuerwertes A2 (= Eingangsgröße) sich das
Ausmaß, in welchem dem Metallband 1 durch das Walzgerüst 2 auslaufseitig eine Dickenänderung
eingeprägt wird, (= Ausgangsgröße) von der Frequenz abhängt. Konkret ändern sich sowohl
die Amplitude als auch die Phasenlage der auslaufseitigen Dickenänderung. Insbesondere
zeigt sich in der Praxis, dass mit steigender Frequenz die Amplitude der auslaufseitigen
Dickenabweichung abnimmt und die Phasenverzögerung zunimmt. Je nach Frequenz der einlaufseitigen
endgültigen Dickenabweichung δd' muss die Korrekturgröße "Positionsänderung des Walzgerüsts
2" und/oder "Änderung des Drehmoments der Arbeitswalzen" bzw. "Änderung der Drehzahl
der Arbeitswalzen" daher in Amplitude und Phasenlage dynamisch angepasst werden, um
ein optimales Korrektursignal zu generieren. Um eine einlaufseitig des Walzgerüsts
2 mit einer höheren Frequenz auftretende endgültige Dickenabweichung δd' zu kompensieren,
muss das Walzgerüst 2 somit stärker angesteuert werden.
[0071] Amplitude und Phasenlage der Reaktion des Walzgerüsts 2 auf den jeweiligen Ansteuerwert
A2 können für die jeweilige Frequenz zu einem komplexen Faktor zusammengefasst werden.
Das Inverse des jeweiligen komplexen Faktors entspricht für die jeweilige Frequenz
einem - komplexen - Verstärkungsfaktor V, mit dem eine Dickenabweichung der jeweiligen
Frequenz skaliert werden muss, damit sie ausgangsseitig des Walzgerüsts 2 vollständig
kompensiert wird. Die Gesamtheit dieser Verstärkungsfaktoren V, also die Verstärkungsfaktoren
V für verschiedene Frequenzen bzw. Frequenzbereiche FB, bilden den Frequenzgang FG,
welcher der Steuereinrichtung 6 vorgegeben wird.
[0072] Sofern die Beschreibung des Frequenzverhaltens der Steuereinrichtung 6 als derartiger
Frequenzgang FG vorgegeben ist, kann für die Ermittlung eines jeweiligen Ansteuerwertes
A2 entsprechend der Darstellung in FIG 8 vorgegangen werden. Die Vorgehensweise von
FIG 8 muss gegebenenfalls separat für jede Komponente des jeweiligen Ansteuerwertes
A2 durchgeführt werden.
[0073] Der Steuereinrichtung 8 wird gemäß FIG 8 für den jeweiligen Abschnitt 9 und eine
Mehrzahl von weiteren Abschnitten 9 die jeweilige endgültige Dickenabweichung δd'
vorgegeben. Die endgültigen Dickenabweichungen δd' bilden einen zeitlichen Verlauf.
Die Steuereinrichtung 6 transformiert den zeitlichen Verlauf in einem Transformationsblock
19 in den Frequenzbereich. Beispielsweise kann die Steuereinrichtung 6 in dem Transformationsblock
19 eine Fouriertransformation (FT) durchführen, insbesondere eine STFT (= short time
Fourier transformation = Kurzzeit-Fouriertransformation). Die Fouriertransformation
kann nach Bedarf kontinuierlich oder diskret sein. Ebenso kann sie nach Bedarf analog
oder digital sein. Weiterhin kommen alternativ zu einer Fouriertransformation auch
andere Transformationen in Frage, beispielsweise eine diskrete Kosinustransformation.
[0074] Unabhängig von der konkreten Vorgehensweise ermittelt die Steuereinrichtung 6 mittels
des Transformationsblocks 19 die Frequenzanteile FA des genannten Verlaufs. In einem
nachfolgenden Ermittlungsblock 20 erfolgt - separat für die einzelnen Frequenzbereiche
FB - eine Multiplikation des jeweiligen Frequenzanteils FA mit dem Verstärkungsfaktor
V für den jeweiligen Frequenzbereich FB. Der transformierte Verlauf wird also mit
dem Frequenzgang FG multipliziert. Aufgrund der Multiplikation im komplexen Frequenzbereich
werden im Ergebnis sowohl Amplituden skaliert als auch Phasen verschoben. Durch diese
Multiplikation wird im Frequenzraum ein korrigiertes Spektrum der endgültigen Dickenabweichungen
δd' erzeugt, welches das frequenzabhängige Übertragungsverhalten des Walzgerüsts 2
optimal kompensiert.
[0075] In einem weiteren Transformationsblock 21 transformiert die Steuereinrichtung 6 das
Ausgangssignal des Ermittlungsblocks 20 - also den frequenzweise skalierten Frequenzverlauf
- zurück in den Zeitbereich. Die Transformation des Transformationsblocks 21 ist invers
zur Transformation des Transformationsblocks 19. Von den Ausgangssignalen des Transformationsblocks
21 greift die Steuereinrichtung 6 schließlich denjenigen heraus, der für den jeweiligen
Abschnitt 9 ermittelt wurde.
[0076] Die Anzahl an endgültigen Dickenabweichungen δd', die im Rahmen der Vorgehensweise
gemäß FIG 8 verwertet wird, kann nach Bedarf bestimmt sein. Es bietet sich besonders
an, die Anzahl derart zu wählen, dass sie gleich einer Zweierpotenz ist. Denn dann
kann die Fouriertransformation als schnelle Fouriertransformation implementiert werden.
[0077] Fachleuten ist allgemein bekannt, dass eine Multiplikation im Frequenzbereich mit
einer Faltung im Zeitbereich korrespondiert. Alternativ zur Vorgabe eines Frequenzgangs
FG ist es daher möglich, der Steuereinrichtung 6 entsprechend der Darstellung in FIG
9 einen Faltungskern FK vorzugeben. Der Faltungskern FK kann beispielsweise durch
eine isolierte Transformation des Frequenzgangs FG der FIG 7 und 8 in den Zeitbereich
ermittelt werden.
[0078] Sofern die Beschreibung des Frequenzverhaltens der Steuereinrichtung 6 als derartiger
Faltungskern FK vorgegeben ist, kann für die Ermittlung eines jeweiligen Ansteuerwertes
A2 entsprechend der Darstellung in FIG 10 wie folgt vorgegangen werden:
Der Steuereinrichtung 8 wird - wie bei FIG 8 auch - für den jeweiligen Abschnitt 9
und eine Mehrzahl von weiteren Abschnitten 9 die jeweilige endgültige Dickenabweichung
δd' vorgegeben. Die endgültigen Dickenabweichungen δd' bilden - wie bei FIG 8 auch
- einen zeitlichen Verlauf. In einem Ermittlungsblock 22 führt die Steuereinrichtung
6 eine Faltung dieses Verlaufs mit dem Faltungskern FK durch. Von den Ausgangssignalen
des Ermittlungsblocks 22 greift die Steuereinrichtung 6 als Ansteuerwert A2 denjenigen
heraus, der für den jeweiligen Abschnitt 9 ermittelt wurde.
[0079] Auch im Rahmen der Vorgehensweisen gemäß den FIG 8 und 10 wird der Steuereinrichtung
6 jeweils nur eine einzelne endgültige Dickenabweichung δd' explizit neu zugeführt.
Die anderen benötigten endgültigen Dickenabweichungen δd' sind der Steuereinrichtung
6 bereits im Rahmen der Ausführung vorheriger Zyklen zugeführt worden. Sie müssen
dort also nur zwischengespeichert und erneut abgerufen und verwendet werden.
[0080] Die Vorgehensweisen der FIG 8 und 10 wurden obenstehend in Verbindung mit der Ermittlung
des Ansteuerwertes A2 für das Walzgerüst 2 erläutert. Für die Ermittlung des Ansteuerwertes
A3 für die Zuführeinrichtung 3 sind völlig analoge Vorgehensweisen möglich. In beiden
Fällen kann nach Bedarf zusätzlich zum Frequenzverhalten der jeweiligen Einrichtung
2, 3 auch das Frequenzverhalten der Messeinrichtung 4 mit berücksichtigt werden.
[0081] Die obenstehend in Verbindung mit den FIG 8 und 10 erläuterten Strukturen der Steuereinrichtung
6 sind - ebenso wie die Strukturen der Steuereinrichtung 6 gemäß den FIG 5 und 6 -
in der Steuereinrichtung 6 als Softwareblöcke ausgebildet. Sie werden also aufgrund
der Programmierung mit dem Steuerprogramm 7 und die Abarbeitung des Maschinencodes
8 gebildet.
[0082] In jeder der Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung ist es möglich, dass die
weiteren Abschnitte 9, deren endgültige Dickenabweichung δd' im Rahmen der Ermittlung
des jeweiligen Ansteuerwertes A2, A3 berücksichtigt wird, ausschließlich Abschnitte
9 sind, die dem jeweiligen Abschnitt 9 des Metallbandes 1 vorhergehen. Ebenso ist
es in den Ausgestaltungen der FIG 8 und 10 möglich, dass die weiteren Abschnitte 9
ausschließlich Abschnitte 9 sind, die dem jeweiligen Abschnitt 9 des Metallbandes
1 nachfolgen. In der Regel führt es im Falle der Ausgestaltungen der FIG 8 und 10
jedoch zu besseren Ergebnis, wenn eine gemischte Vorgehensweise ergriffen wird, wenn
also ein Teil der weiteren Abschnitte 9 dem jeweiligen Abschnitt 9 des Metallbandes
1 vorhergehen und ein weiterer Teil der weiteren Abschnitte 9 dem jeweiligen Abschnitt
9 des Metallbandes 1 nachfolgen. Beispielsweise können stets diejenigen Abschnitte
9 verwertet werden, die sich - bezogen auf denjenigen Abschnitt 9, dessen Dicke d
im jeweiligen Zyklus erfasst wird - in dem in FIG 3 mit 23 bezeichneten Bereich befinden.
[0083] FIG 3 zeigt zugleich auch noch eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung. Denn wenn
jeweils die Ansteuerwerte A2, A3 für den Abschnitt 9c ermittelt werden, ist entsprechend
der Darstellung in FIG 3 die Anzahl an dem jeweiligen Abschnitt 9 des Metallbandes
1 vorhergehenden Abschnitten 9 des Metallbandes 1, deren endgültige Dickenabweichungen
δd' die Steuereinrichtung 6 zur Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes A2 verwertet,
im wesentlichen gleich der Anzahl an dem jeweiligen Abschnitt 9 des Metallbandes 1
nachfolgenden Abschnitten 9 des Metallbandes 1, deren endgültige Dickenabweichungen
δd' die Steuereinrichtung 6 zur Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes A2, A3 verwertet.
Eine geringfügige Abweichung (beispielsweise bis zu zwei Abschnitte 9 mehr oder weniger)
ist in der Regel jedoch unproblematisch. Es bietet sich weiterhin oftmals an, insgesamt
2
n Abschnitte zu verwerten. In diesem Fall ist die Anzahl an Abschnitten 9, die dem
jeweiligen Abschnitt 9 des Metallbandes 1 vorhergehen, vorzugsweise um exakt 1 größer
oder um 1 kleiner als die Anzahl an Abschnitten 9 des Metallbandes 1, die dem jeweiligen
Abschnitt 9 des Metallbandes 1 nachfolgen.
[0084] Die vorliegende Erfindung weist viele Vorteile auf. Insbesondere ergibt sich auf
einfache Weise eine nahezu vollständige Korrektur von einlaufseitigen Dickenabweichungen
δd. Dies gilt ganz besonders, wenn sowohl der Ansteuerwert A2 als auch der Ansteuerwert
A3 auf die erfindungsgemäße Art und Weise ermittelt werden. Es ist weiterhin ohne
weiteres möglich, bestehende Walzanlagen erfindungsgemäß nachzurüsten. Denn die Hardware
als solche, d.h. das Walzgerüst 2, die Zuführeinrichtung 3, die Messeinrichtungen
4, 5 und die Steuereinrichtung 6 müssen nicht verändert werden. Lediglich das Steuerprogramm
7 für die Steuereinrichtung 6 muss geändert werden.
[0085] Obwohl die Erfindung im Detail durch das bevorzugte Ausführungsbeispiel näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Varianten können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0086]
- 1
- Metallband
- 2
- Walzgerüst
- 3
- Zuführeinrichtung
- 4, 5
- Messeinrichtungen
- 6
- Steuereinrichtung
- 7
- Steuerprogramm
- 8
- Maschinencode
- 9
- Abschnitte
- 10, 13
- inverse Modelle
- 11, 14
- Transportmodelle
- 12, 15
- Multiplizierer
- 16, 17
- Nullphasenfilter
- 18
- Verzögerungsglied
- 19, 21
- Transformationsblöcke
- 20, 22
- Ermittlungsblöcke
- 23
- Bereich
- a
- Abstand
- A2, A3
- Ansteuerwerte
- d
- Dickenwert
- d*
- Solldicke
- FA
- Frequenzanteile
- FB
- Frequenzbereiche
- FG
- Frequenzgang
- FK
- Faltungskern
- G
- Übertragungsfunktion
- s
- Laplace-Operator
- S1 bis S5
- Schritte
- T
- Zykluszeit
- T2, T3
- charakteristische Zeitkonstanten
- T2', T3'
- Vorhaltezeiten
- v
- Einlaufgeschwindigkeit
- V, V2, V3
- Verstärkungsfaktoren
- Z2, Z3
- interne Zustände
- δd, δd'
- Dickenabweichungen
1. Betriebsverfahren für eine Walzanlage,
- wobei einem Walzgerüst (2) der Walzanlage von einer dem Walzgerüst (2) vorgeordneten
Zuführeinrichtung (3) mit einer Einlaufgeschwindigkeit (v) ein Metallband (1) zugeführt
wird,
- wobei das Metallband (1) in dem Walzgerüst (2) gewalzt wird,
- wobei mittels einer zwischen der Zuführeinrichtung (3) und dem Walzgerüst (2) angeordneten
Messeinrichtung (4) für aufeinanderfolgende Abschnitte (9) des Metallbandes (1) jeweils
ein Dickenwert (d) für die Dicke des Metallbandes (1) erfasst wird,
- wobei die erfassten Dickenwerte (d) einer Steuereinrichtung (6) der Walzanlage zugeführt
werden,
- wobei die Steuereinrichtung (6) anhand der Abweichung des jeweiligen Dickenwertes
(d) von einer Solldicke (d*) für den jeweiligen Abschnitt (9) des Metallbandes (1)
eine jeweilige vorläufige Dickenabweichung (δd) ermittelt,
- wobei die Steuereinrichtung (6) anhand der vorläufigen Dickenabweichungen (δd) endgültige
Dickenabweichungen (δd') ermittelt,
- wobei die Steuereinrichtung (6) für die Abschnitte (9) des Metallbandes (1) jeweils
einen Ansteuerwert (A2, A3) für das Walzgerüst (2) und/oder die Zuführeinrichtung
(3) ermittelt und den jeweiligen Ansteuerwert (A2, A3) zeitrichtig an das Walzgerüst
(2) und/oder die Zuführeinrichtung (3) ausgibt,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung (6) den jeweiligen Ansteuerwert (A2, A3) anhand der endgültigen
Dickenabweichung (δd') des jeweiligen Abschnitts (9) des Metallbandes (1) sowie der
endgültigen Dickenabweichungen (δd') einer Mehrzahl von dem jeweiligen Abschnitt (9)
des Metallbandes (1) vorhergehenden und/oder nachfolgenden Abschnitten (9) des Metallbandes
(1) unter Berücksichtigung einer Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens des
Walzgerüsts (2) und/oder der Zuführeinrichtung (3) und/oder der Messeinrichtung (4)
ermittelt.
2. Betriebsverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
- dass die Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens des Walzgerüsts (2) und/oder der
Zuführeinrichtung (3) und/oder der Messeinrichtung (4) der Steuereinrichtung (6) durch
ein inverses Modell (10, 13) vorgegeben ist,
- dass dem inversen Modell (10, 13) jeweils die endgültige Dickenabweichung (δd') eines
Abschnitts des Metallbandes (1) zugeführt wird und
- dass die Steuereinrichtung (6) unter Verwertung der jeweiligen endgültigen Dickenabweichung
(δd') mittels des inversen Modells (10, 13) zum einen einen internen Zustand (Z2,
Z3) des inversen Modells (10, 13) nachführt und zum anderen den jeweiligen Ansteuerwert
(A2, A3) ermittelt.
3. Betriebsverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens des Walzgerüsts (2) und/oder der
Zuführeinrichtung (3) und/oder der Messeinrichtung (4) der Steuereinrichtung (6) als
Frequenzgang (FG) vorgegeben ist und dass die Steuereinrichtung (6) den jeweiligen
Ansteuerwert (A2, A3) durch eine Transformation des Verlaufs der endgültigen Dickenabweichungen
(δd') in den Frequenzbereich, eine nachfolgende Multiplikation des transformierten
Verlaufs der endgültigen Dickenabweichung (δd') mit dem Frequenzgang (FG) und eine
nachfolgende Rücktransformation in den Zeitbereich ermittelt.
4. Betriebsverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Beschreibung des inversen Frequenzverhaltens des Walzgerüsts (2) und/oder der
Zuführeinrichtung (3) und/oder der Messeinrichtung (4) der Steuereinrichtung (6) als
Faltungskern (FK) vorgegeben ist und dass die Steuereinrichtung (6) den jeweiligen
Ansteuerwert (A2, A3) durch eine Faltung des Verlaufs der endgültigen Dickenabweichungen
(δd') mit dem Faltungskern (FK) ermittelt.
5. Betriebsverfahren nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung (6) zur Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes (A2, A3) sowohl
endgültige Dickenabweichungen (δd') von dem jeweiligen Abschnitt (9) des Metallbandes
(1) vorhergehenden Abschnitten (9) des Metallbandes (1) als auch endgültige Dickenabweichungen
(δd') von dem jeweiligen Abschnitt (9) des Metallbandes (1) nachfolgenden Abschnitten
(9) des Metallbandes (1) verwertet.
6. Betriebsverfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Anzahl an dem jeweiligen Abschnitt (9) des Metallbandes (1) vorhergehenden Abschnitten
(9) des Metallbandes (1), deren endgültige Dickenabweichungen (δd') die Steuereinrichtung
(6) zur Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes (A2, A3) verwertet, im wesentlichen
gleich der Anzahl an dem jeweiligen Abschnitt (9) des Metallbandes (1) nachfolgenden
Abschnitten (9) des Metallbandes (1) ist, deren endgültige Dickenabweichungen (δd')
die Steuereinrichtung (6) zur Ermittlung des jeweiligen Ansteuerwertes (A2, A3) verwertet.
7. Betriebsverfahren nach einem der obigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Steuereinrichtung (6) die vorläufigen Dickenabweichungen (δd) 1:1 als endgültige
Dickenabweichungen (δd') übernimmt oder dass die Steuereinrichtung (6) die endgültigen
Dickenabweichungen (δd') aus den vorläufigen Dickenabweichungen (δd) mittels einer
Nullphasenfilterung ermittelt.
8. Betriebsverfahren nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass mittels der Nullphasenfilterung eine Tiefpassfilterung der vorläufigen Dickenabweichungen
(δd) durchgeführt wird.
9. Steuerprogramm, das Maschinencode (8) umfasst, der von einer Steuereinrichtung (6)
für eine Walzanlage abarbeitbar ist, wobei die Abarbeitung des Maschinencodes (8)
durch die Steuereinrichtung (6) bewirkt, dass die Steuereinrichtung (6) die Walzanlage
gemäß einem Betriebsverfahren nach einem der obigen Ansprüche betreibt.
10. Steuereinrichtung für eine Walzanlage, wobei die Steuereinrichtung mit einem Steuerprogramm
(7) nach Anspruch 9 programmiert ist, so dass die Steuereinrichtung die Walzanlage
gemäß einem Betriebsverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8 betreibt.
11. Walzanlage zum Walzen eines Metallbandes (1),
- wobei die Walzanlage zumindest ein Walzgerüst (2), eine dem Walzgerüst (2) vorgeordnete
Zuführeinrichtung (3), eine zwischen der Zuführeinrichtung (3) und dem Walzgerüst
(2) angeordnete Messeinrichtung (4) und eine Steuereinrichtung (6) aufweist,
- wobei das Metallband (1) dem Walzgerüst (2) von der Zuführeinrichtung (3) mit einer
Einlaufgeschwindigkeit (v) zugeführt wird,
- wobei das Metallband (1) in dem Walzgerüst (2) gewalzt wird,
- wobei von der Messeinrichtung (4) für aufeinanderfolgende Abschnitte (9) des Metallbandes
(1) jeweils ein Dickenwert (d) für die Dicke des Metallbandes (1) erfasst wird,
- wobei die erfassten Dickenwerte (d) der Steuereinrichtung (6) zugeführt werden,
- wobei die Steuereinrichtung (6) die Walzanlage gemäß einem Betriebsverfahren nach
einem der Ansprüche 1 bis 8 betreibt.