[0001] Die Erfindung betrifft einen Festtreibstoff, enthaltend
- (a) wenigstens einen Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid (ADN);
- (b) wenigstens einen energetischen Binder aus der Gruppe der Glycidyl-Azidpolymere
(GAP), der Poly(3,3-bis-azidomethyl-oxetane) (poly-BAMO), der Poly(glycidyl)-nitrate
(poly-GLYN), der Poly(3-nitratomethyl-3-methyl-oxetane) (poly-NIMMO) und der Poly(3-acidomethyl-3-methyl-oxetane
(poly-AMMO) einschließlich deren Derivaten und Mischungen; und
- (c) wenigstens einen Abbrandmodifikator aus der Gruppe der Metalle und Halbmetalle
einschließlich deren Legierungen und Hydriden,
sowie ein Verfahren zu dessen Herstellung.
[0002] Schnellbrennende Festtreibstoffe mit einem Oxidator und einem energetischen Binder
der vorgenannten Art sind bekannt und werden auch als Komposit-Treibstoffe bezeichnet.
Im Gegensatz zu relativ langsam und insbesondere bei möglichst tiefen Temperaturen
abbrennenden Treibsätzen, wie sie vornehmlich in Gasgeneratoren für Airbags eingesetzt
werden und welchen häufig Kühlmittel zugesetzt sind, zeichnen sich gattungsgemäße
schnellbrennende Festtreibstoffe dadurch aus, dass beim Zünden derselben infolge ihrer
Verbrennung ein großes Gasvolumen spontan freigesetzt wird. Gattungsgemäße Festtreibstoffe
finden sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich vielfältigen Einsatz, wie
insbesondere als Festtreibstoffe für Raumflugkörper (Raketen) und strategische Waffensysteme,
als Treibsätze für Rohrwaffen oder auch als Sprengstoffsysteme. Während sich als energetische
Binder vornehmlich stickstoffreiche und kohlenstoffarme Brennstoffe bewährt haben,
welche größtenteils ungiftige Gase, insbesondere Stickstoff, freisetzen, kommen als
Oxidatoren vornehmlich Oxidatorsalze, wie Ammoniumdinitramid (ADN), aber auch Ammoniumnitrat
(AN), Ammoniumperchlorat (AP), Kaliumdinitramid (KDN), Kaliumnitrat (KN) und Hydroxylammoniumnitrat
(HAN), zum Einsatz.
[0003] Die Herstellung gattungsgemäßer Festtreibstoffe geschieht in der Regel durch Einbringen
der pulver- oder partikelförmigen Oxidatoren in eine zu der energetischen Bindermatrix
aushärtbare, flüssige oder viskose Reaktionsmischung, wonach die Reaktionsmischung
z.B. gegossen und zu dem Binder ausgehärtet wird, wie beispielsweise unter Einsatz
von Di- oder - je nach gewünschtem Vernetzungsgrad des Binders - Tri- und/oder Polyisocyanaten.
Lediglich exemplarisch sei in diesem Zusammenhang für einen energetischen Binder in
Form von Glycidyl-Azidpolymeren (GAP) erwähnt, dass z.B. das entsprechende GAP-Diol
(HO-(CH
2-CH(CH
2N
3)O)
n-H) mit entsprechenden Di- oder Polyisocyanaten zu dem GAP ausgehärtet werden kann.
Gegenüber einem Verpressen, welches einen Binderanteil von bis zu etwa 10 Mass.-%
ermöglicht, erweist sich hierbei im Hinblick auf einen erhöhten Binderanteil insbesondere
ein Gießen der mit den festen Oxidatoren versetzten Bindermatrix als vorteilhaft,
zumal die Oxidatoren verhältnismäßig reib- und schlagempfindlich sind und somit ein
Sicherheitsrisiko während der Verarbeitung darstellen.
[0004] Um bei sogenannten "high-velocity-Anwendungen", wie beispielsweise in Festtreibstoffen
für Raketenantriebssysteme, für eine hohe Abbrandgeschwindigkeit, aber gleichwohl
für einen möglichst umweltfreundlichen, raucharmen Festtreibstoff zu sorgen, ist es
bekannt, dem Festtreibstoff Abbrandmodifikatoren in Form von feinen Metall- und/oder
Halbmetallpulvern zuzusetzen, wie beispielsweise in Form von Aluminium, Magnesium,
Beryllium, Bor, Kupfer, Blei etc. (
US 5 498 303 A,
US 2005/0115651 A1,
RU 2 516 711 C oder
RU 2 582 712 C).
[0005] Die
US 2018/0179119 A1 beschreibt einen Festtreibstoff mit einem in einen Binder eindispergierten Oxidator
mit einem Anion aus der Gruppe der Nitrate, der Perchlorate, der Chlorate, der Permanganate
oder der Peroxide sowie Mischungen hieraus. Das Kation des Oxidators ist insbesondere
aus der Gruppe der Alkalimetalle, wie Lithium, Natrium, Kalium, Rubidium und Cäsium,
der Erdalkalimetalle, wie Beryllium, Magnesium, Calcium, Strontium und Barium, der
Übergangsmetalle, Ammonium und der quartären Amine gewählt, wobei der Oxidator beispielsweise
in Form von Ammoniumperchlorat (AP), Kaliumnitrat (KN) und Ammoniumnitrat (AN) vorliegen
kann. Bei dem Binder kann es sich unter anderem um einen energetischen Binder, z.B.
um einen solchen aus der Gruppe der Glycidyl-Azidpolymere (GAP), handeln. Darüber
hinaus kann der bekannte Festtreibstoff ein Metall, z.B. aus der Gruppe der Alkali-,
Erdalkali- und Übergangsmetalle enthalten. Das Metall, welches mit einem Anteil von
bis zu 20 Mass.-% zugesetzt sein kann und als Elektronendonator und/oder Sauerstoffakzeptor
für die Oxidationsreaktion dient, kann in beliebiger geometrischer Form, wie beispielsweise
in Form von sphärischen, abgerundeten, zylindrischen, würfelförmigen, plättchen- oder
flockenförmigen Partikeln oder in Form von Metallstrukturen, wie Metallfäden, -stäbchen
oder -netzwerken, vorliegen, wobei die Oberfläche der Metallpartikel als für die Abbrandgeschwindigkeit
maßgeblich erachtet wird.
[0006] Als nachteilig erweist sich allerdings einerseits, dass derartige Abbrandmodifikatoren
auf der Basis von Metallen oder Halbmetallen eine sowohl gegenüber dem Oxidator als
auch gegenüber dem Binder hohe Masse besitzen, wohingegen das Treibstoffgewicht insbesondere
im Falle des Einsatzes des Festtreibstoffes für Raketen oder andere Flugkörper möglichst
gering gehalten werden sollte. Andererseits fallen die Abbrandmodifikatoren nach dem
Abbrand des Festtreibstoffes als Feststoffrest - sei es in Form von (Halb)metalloxiden
oder sei es in Form von zumindest teilweise noch elementaren (Halb)metallen - an,
wohingegen die übrigen Treibstoffbestandteile zu gasförmigen und somit flüchtigen
Komponenten umgesetzt werden können. Zudem ist die Wirkung von (Halb)metallen als
Abbrandmodifikator insbesondere im Falle von Ammoniumdinitramid (ADN) als Oxidator
begrenzt, welches aufgrund seiner guten Sauerstoffbilanz und hohen Bildungsenthalpie
und nicht zuletzt aufgrund seiner höheren Umweltverträglichkeit, z.B. gegenüber Perchloraten,
als Oxidationsmittel für Raketenfesttreibstoffe von Vorteil ist.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, unter zumindest weitgehender Vermeidung
der vorgenannten Nachteile einen Festtreibstoff auf der Basis von Ammoniumdinitramid
(ADN) der eingangs genannten Art auf einfache und kostengünstige Weise dahingehend
weiterzubilden, dass seine Abbrandgeschwindigkeit erhöht wird. Sie ist ferner auf
ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Festtreibstoffes gerichtet.
[0008] Der erste Teil dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß bei einem Festtreibstoff auf der
Basis von Ammoniumdinitramid (ADN) der eingangs genannten Art dadurch gelöst, dass
der wenigstens eine Abbrandmodifikator in Form von Fasern vorliegt.
[0009] Überraschenderweise wurde gefunden, dass die erfindungsgemäße Ausgestaltung, bei
welcher der wenigstens eine Abbrandmodifikator aus der Gruppe der Metalle und Halbmetalle
einschließlich deren Legierungen und Hydriden in Form von einer Mehrzahl an Fasern
in die Matrix aus dem wenigstens einen energetischen Binder mit dem hierin eingebrachten,
wenigstens einen Oxidator in Form von ADN eindispergiert ist, zu einer signifikant
erhöhten Abbrandgeschwindigkeit gegenüber derselben Menge an Abbrandmodifikator in
Form von im Wesentlichen sphärischen, kantigen, plättchenförmigen oder andersartigen
Partikeln führt, wobei vermutet wird, dass hierbei einerseits die hohe Wärmeleitfähigkeit
der faserförmigen Abbrandmodifikatoren eine Rolle spielt, welche die anlässlich des
Abbrandes des Festtreibstoffes entstehende Wärme in Erstreckungsrichtung der Fasern
schnell in benachbarte Bereiche des Festtreibstoffes weiterleiten zu vermögen. Andererseits
wird vermutet, dass die gegenüber weitgehend sphärischen Partikeln zwar geringere,
aber immer noch sehr große Oberfläche der (halb)metallischen Faserstrukturen der Abbrandmodifikatoren
infolge bei ihrem Abbrand entstehender Poren mit länglicher Porenform zu der erhöhten
Abbrandgeschwindigkeit beiträgt. Auf diese Weise lässt sich der Anteil an Abbrandmodifikator
gegenüber dem Stand der Technik verringern, oder es kann bei entsprechendem Anteil
an Abbrandmodifikator eine höhere Abbrandgeschwindigkeit erreicht werden, wie sie
andernfalls mit einem gattungsgemäßen Festtreibstoff auf der Basis von ADN gemäß dem
Stand der Technik nicht erzielbar wäre. Der Querschnittsform der Fasern des wenigstens
einen Abbrandmodifikators sind dabei keine Grenzen gesetzt, wobei die Fasern beispielsweise
einen im Wesentlichen runden, z.B. etwa kreisrunden oder ovalen, Querschnitt besitzen
können, oder die Fasern können beispielsweise auch einen flachen, z.B. im Wesentlichen
rechteckförmigen, Querschnitt aufweisen, was zu einer noch größeren Oberfläche und
einer noch besseren Wärmeleitung an die umgebende energetische Bindermatrix, welche
mit dem wenigstens einen Oxidator in Form von ADN versetzt ist, führen kann.
[0010] Hierbei hat sich insbesondere die Fasergeometrie der Abbrandmodifikatoren als entscheidend
erwiesen, wobei die Fasern einerseits nicht zu "kurz" sein dürfen, um ihre erfindungsgemäße
Funktion zu erfüllen, andererseits aber auch nicht zu "lang" sein dürfen, um bei einer
einfachen Verarbeitung einen Faserbruch und somit eine Beeinträchtigung der Reproduzierbarkeit
zu vermeiden und insbesondere für einen geregelten Abbrand des schnellbrennenden Festtreibstoffes
auf der Basis von ADN zu sorgen. Darüber hinaus darf der Querschnitt der Fasern nicht
zu "klein" sein, damit die Fasern ihre erfindungsgemäße Funktion zu erfüllen vermögen,
wohingegen der Querschnitt der Fasern auch nicht zu "groß" sein darf, um wiederum
für eine einfache Verarbeitung des Festtreibstoffes und insbesondere für einen geregelten,
möglichst rückstandsarmen Abbrand zu sorgen.
[0011] In diesem Zusammenhang wurde gefunden, dass die Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators
zweckmäßigerweise
- ein Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt von wenigstens
etwa 5:1, insbesondere von wenigstens etwa 10:1, vorzugsweise von wenigstens etwa
15:1, beispielsweise von wenigstens etwa 20:1; und/oder
- ein Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt von höchstens
etwa 600:1, insbesondere von höchstens etwa 550:1, vorzugsweise von höchstens 500:1,
beispielsweise von höchstens etwa 450:1,
aufweisen. Als besonders bevorzugt hat sich hierbei ein Bereich des Verhältnisses
von mittlerer Faserlänge zu mittlerem Faserquerschnitt von etwa 10:1 bis etwa 500:1,
insbesondere von etwa 10:1 bis etwa 450:1, erwiesen.
[0012] Darüber hinaus wurde in diesem Zusammenhang gefunden, dass die Fasern des wenigstens
einen Abbrandmodifikators zweckmäßigerweise
- einen mittleren Querschnitt von höchstens etwa 200 pm, insbesondere von höchstens
etwa 170 pm, vorzugsweise von höchstens etwa 140 pm, beispielsweise von höchstens
etwa 110 pm; und/oder
- einen mittleren Querschnitt von mindestens etwa 1 pm, insbesondere von mindestens
etwa 5 pm, vorzugsweise von mindestens etwa 10 pm; und/oder
- eine mittlere Länge von wenigstens etwa 250 pm, insbesondere von wenigstens etwa 500
pm, vorzugsweise von wenigstens etwa 750 pm, beispielsweise von wenigstens etwa 1
mm; und/oder
- eine mittlere Länge von höchstens etwa 10 mm, insbesondere von höchstens etwa 7,5
mm, vorzugsweise von höchstens etwa 5 mm,
aufweisen. Auf diese Weise ergibt sich eine für eine signifikante Erhöhung der Abbrandgeschwindigkeit
hinreichende Faserlänge bei gleichwohl homogenem und praktisch vollständigem Abbrand
des schnellbrennenden Festtreibstoffes auf der Basis von ADN unter Gewährleistung
einer einfachen Verarbeitung. Der Faserquerschnitt in den vorgenannten Intervallen
erweist sich dabei einerseits in Bezug auf eine hinreichende Faserstabilität, andererseits
in Bezug auf die Möglichkeit eines nur verhältnismäßig geringen Anteils an Abbrandmodifikatoren
als vorteilhaft.
[0013] Gemäß einer Ausführungsform kann vorgesehen sein, dass die Fasern des wenigstens
einen Abbrandmodifikators in Form von einer Mehrzahl an losen Schnittfasern vorliegen,
so dass sie - ähnlich wie der pulver- bzw. partikelförmige Oxidator auf der Basis
von ADN -, vorzugsweise weitestgehend homogen, in die energetische Bindermatrix eindispergiert
sind. Alternativ oder zusätzlich kann es vorteilhaft sein, wenn die Fasern des wenigstens
einen Abbrandmodifikators in Form eines textilen Flächen- oder Raumgebildes mit einer
Mehrzahl an Fasern, insbesondere aus der Gruppe Vlies, Gewirke, Gelege, Gestricke
oder Gewebe, in der Bindermatrix vorliegen, wobei die mit dem pulver- bzw. partikelförmigen
Oxidator auf der Basis von ADN versetzte energetische Bindermatrix das textile Flächen-
oder Raumgebilde umgibt bzw. letzteres mit der mit dem pulver- bzw. partikelförmigen
Oxidator auf der Basis von ADN versetzten energetischen Bindermatrix imprägniert ist.
[0014] Je nach Einsatzzweck kann der erfindungsgemäße Festtreibstoff vorteilhafterweise
- (a)
- wenigstens etwa 40 Mass.-%, insbesondere wenigstens etwa 50 Mass.-%, beispielsweise
wenigstens etwa 55 Mass.-%, und/oder
- höchstens etwa 90 Mass.-%, insbesondere höchstens etwa 80 Mass.-%, vorzugsweise höchstens
etwa 75 Mass.-%, des wenigstens einen Oxidators in Form von Ammoniumdinitramid (ADN);
- (b)
- wenigstens etwa 5 Mass.-%, insbesondere wenigstens etwa 10 Mass.-%, vorzugsweise wenigstens
etwa 15 Mass.-%, und/oder
- höchstens etwa 40 Mass.-%, insbesondere höchstens etwa 30 Mass.-%, vorzugsweise höchstens
etwa 35 Mass.-%,
des wenigstens einen energetischen Binders; und
- (c)
- wenigstens etwa 0,5 Mass.-%, insbesondere wenigstens etwa 1 Mass.-%, vorzugsweise
wenigstens etwa 1,5 Mass.-%, und/oder
- höchstens etwa 12,5 Mass.-%, insbesondere höchstens etwa 10 Mass.-%, vorzugsweise
höchstens etwa 7,5 Mass.-%,
des wenigstens einen Abbrandmodifikators,
jeweils bezogen auf die Masse des gesamten Festtreibstoffes, enthalten oder im Wesentlichen
gänzlich hieraus bestehen.
[0015] Während als faserförmige Abbrandmodifikatoren des erfindungsgemäßen Festtreibstoffes
grundsätzlich beliebige, aus dem Stand der Technik als solche bekannte Metalle und
Halbmetalle einschließlich deren Legierungen und Hydriden in Betracht kommen, wie
z.B. Aluminium (Al), Magnesium (Mg), Kupfer (Cu), Zink (Zn), Zinn (Sn), Nickel (Ni),
Eisen (Fe), Mangan (Mn), Chrom (Cr), Titan (Ti), Silicium (Si), Blei (Pb) und dergleichen,
kann der Festtreibstoff auf der Basis von ADN vorzugsweise wenigstens einen Abbrandmodifikator
aus der Gruppe Aluminium (Al), Magnesium (Mg), Kupfer (Cu), Zink (Zn) einschließlich
deren Legierungen und Hydriden enthalten.
[0016] Wie ebenfalls bereits erwähnt, kann der wenigstens eine Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid
(ADN) in Pulver- oder Partikelform in die Bindermatrix des schnellbrennenden Festtreibstoffes
eindispergiert sein, wie es als solches aus dem Stand der Technik von Komposit-Treibstoffen
als solches bekannt ist.
[0017] Gemäß einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Festtreibstoffes kann überdies vorgesehen
sein, dass er ferner wenigstens ein energetisches Plastifizierungsmittel enthält,
welches insbesondere aus der Gruppe der Nitratester und der Azido-Weichmacher gewählt
sein kann. Vorteilhafte Vertreter geeigneter energetischer Weichmacher umfassen beispielsweise
Alkylnitratoethylnitramine (NENA), Ethylenglycoldinitrate (EGDN), Metrioltrinitrate
(MTN), Butan-1,2,4-trioltrinitrate (BTTN), Dinitrodiazaalkane (DNDA), Trimethylolethan-Trinitrate
(TMETN), Ethylenglycol-bis-(azidoacetate) (EGBAA, auch als "A17" bezeichnet) sowie
1,2-Bis-(2-azidoethoxy)ethane (TEGDA, auch als Bis-azido-triethylenglycole bzw. BATEG
bezeichnet) einschließlich deren Derivaten und Mischungen.
[0018] Alternativ oder zusätzlich kann bedarfsweise vorgesehen sein, dass der erfindungsgemäße
Festtreibstoff wenigstens einen weiteren Oxidator, beispielsweise aus der Gruppe Ammoniumnitrat
(AN), Ammoniumperchlorat (AP), Kaliumdinitramid (KDN), Kaliumnitrat (KN), Hydroxylammoniumnitrat
(HAN) und dergleichen, enthält, wobei er anstelle einer solchen Mischung aus ADN mit
einem oder mehreren anderen, zweckmäßigerweise gleichfalls etwa pulver- oder partikelförmigen,
Oxidatorsalzen selbstverständlich auch im Wesentlichen ausschließlich ADN als Oxidator
enthalten kann.
[0019] Zur Lösung des der Erfindung zugrundeliegenden Problems sieht die Erfindung neben
einem schnellbrennenden Festtreibstoff der vorbeschriebenen Art ein Verfahren zu dessen
Herstellung vor, welches die folgenden Schritte umfasst:
- (a) Bereitstellen wenigstens eines Oxidators in Form von Ammoniumdinitramid (ADN);
- (b) Bereitstellen einer zu einem energetischen Binder aus der Gruppe der Glycidyl-Azidpolymere
(GAP), der Poly-(3,3-bis-azidomethyl-oxetane) (poly-BAMO), der Poly-(glycidyl)-nitrate
(poly-GLYN), der Poly(3-nitratomethyl-3-methyl-oxetane) (poly-NIMMO) und der Poly(3-acidomethyl-3-methyl-oxetane
(poly-AMMO) einschließlich deren Derivaten und Mischungen aushärtbaren, flüssigen
oder viskosen Reaktionsmischung;
- (c) Bereitstellen wenigstens eines Abbrandmodifikators aus der Gruppe der Metalle
und Halbmetalle einschließlich deren Legierungen und Hydriden in Form von Fasern;
- (d) Eindispergieren des wenigstens einen Oxidators in Form von Ammoniumdinitramid
(ADN) in Pulver- oder Partikelform in die zu dem energetischen Binder aushärtbare,
flüssige oder viskose Reaktionsmischung;
- (e)
- Eindispergieren der Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators in Form loser
Schnittfasern in die mit dem wenigstens einen Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid
(ADN) versetzte, zu dem energetischen Binder aushärtbare, flüssige oder viskose Reaktionsmischung,
oder
- Imprägnieren der Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators in Form eines textilen
Flächen- oder Raumgebildes, insbesondere aus der Gruppe Vlies, Gewirke, Gelege, Gestricke
oder Gewebe, mit der mit dem wenigstens einen Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid
(ADN) versetzten, zu dem energetischen Binder aushärtbaren, flüssigen oder viskosen
Reaktionsmischung; und
- (f) Aushärten der Reaktionsmischung zu dem energetischen Binder unter Erhalt des Festtreibstoffes.
[0020] Aus den weiter oben genannten Gründen erweist es sich hierbei als zweckmäßig, wenn
die Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators gemäß Schritt (c) derart bereitgestellt
werden, dass sie
- ein Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt von wenigstens
etwa 5:1, insbesondere von wenigstens etwa 10:1, vorzugsweise von wenigstens etwa
15:1, beispielsweise von wenigstens etwa 20:1; und/oder
- ein Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt von höchstens
etwa 600:1, insbesondere von höchstens etwa 550:1, vorzugsweise von höchstens etwa
500:1, beispielsweise von höchstens etwa 450:1,
aufweisen.
[0021] Darüber hinaus erweist es sich aus den oben genannten Gründen als zweckmäßig, wenn
die Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators gemäß Schritt (c) derart bereitgestellt
werden, dass sie
- einen mittleren Querschnitt von höchstens etwa 200 pm, insbesondere von höchstens
etwa 170 pm, vorzugsweise von höchstens etwa 140 pm; beispielsweise von höchstens
etwa 110 pm, und/oder
- einen mittleren Querschnitt von mindestens etwa 1 pm, insbesondere von mindestens
etwa 5 pm, vorzugsweise von mindestens etwa 10 pm; und/oder
- eine mittlere Länge von wenigstens etwa 250 pm, insbesondere von wenigstens etwa 500
pm, vorzugsweise von wenigstens etwa 750 pm, beispielsweise von wenigstens etwa 1
mm; und/oder
- eine mittlere Länge von höchstens etwa 10 mm, insbesondere von höchstens etwa 7,5
mm, vorzugsweise von höchstens etwa 5 mm,
aufweisen.
[0022] Je nach Einsatzzweck des erfindungsgemäßen Festtreibstoffes kann vorteilhafterweise
vorgesehen sein, dass
- (a) der wenigstens eine Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid (ADN) gemäß Schritt
(a) mit einem Anteil von
- wenigstens etwa 40 Mass.-%, insbesondere wenigstens etwa 50 Mass.-%, beispielsweise
wenigstens etwa 45 Mass.-%, und/oder
- höchstens etwa 90 Mass.-%, insbesondere höchstens etwa 80 Mass.-%, beispielsweise
höchstens etwa 75 Mass.-%;
- (b) der wenigstens eine energetische Binder gemäß Schritt (b) mit einem Anteil von
- wenigstens etwa 5 Mass.-%, insbesondere wenigstens etwa 10 Mass.-%, beispielsweise
wenigstens etwa 15 Mass.-%, und/oder
- höchstens etwa 40 Mass.-%, insbesondere höchstens etwa 30 Mass.-%, beispielsweise
höchstens etwa 35 Mass.-%; und
- (c) der wenigstens eine Abbrandmodifikator gemäß Schritt (c) mit einem Anteil von
- wenigstens etwa 0,5 Mass.-%, insbesondere wenigstens etwa 1 Mass.-%, beispielsweise
wenigstens etwa 1,5 Mass.-%, und/oder
- höchstens etwa 12,5 Mass.-%, insbesondere höchstens etwa 10 Mass.-%, beispielsweise
höchstens etwa 7,5 Mass.-%,
jeweils bezogen auf die Masse des gesamten Festtreibstoffes, bereitgestellt wird.
[0023] Während als faserförmige Abbrandmodifikatoren des erfindungsgemäßen Festtreibstoffes
auf der Basis von ADN grundsätzlich beliebige Metalle und Halbmetalle einschließlich
deren Legierungen und Hydriden eingesetzt werden können, wie beispielsweise solche
der weiter oben genannten Art, kann vorzugsweise wenigstens ein Abbrandmodifikator
gemäß Schritt (c) aus der Gruppe Aluminium (Al), Magnesium (Mg), Kupfer (Cu), Zink
(Zn) und deren Legierungen und Hydriden bereitgestellt werden.
[0024] Gemäß einer Weiterbildung kann darüber hinaus vorgesehen sein, dass der zu dem energetischen
Binder aushärtbaren Reaktionsmischung ferner wenigstens ein energetisches Plastifizierungsmittel,
insbesondere aus der Gruppe der Alkylnitratoethylnitramine (NENA), der Ethylenglycoldinitrate
(EGDN), der Metrioltrinitrate (MTN), der Butan-1,2,4-trioltrinitrate (BTTN), der Dinitrodiazaalkane
(DNDA), der Trimethylolethan-Trinitrate (TMETN), der Ethylenglycol-bis-(azidoacetate)
(EGBAA, auch als "A17" bezeichnet) sowie der 1,2-Bis-(2-azidoethoxy)ethane (TEGDA,
auch als Bis-azido-triethylenglycole bzw. BATEG bezeichnet) einschließlich deren Derivaten
und Mischungen, zugesetzt wird.
[0025] Während gemäß Schritt (a) im Wesentlichen ausschließlich ADN als Oxidator eingesetzt
werden kann, kann überdies vorgesehen sein, dass wenigstens ein weiterer Oxidator,
zweckmäßigerweise gleichfalls in Pulver- oder Partikelform, zugesetzt wird, wobei
es sich bei dem wenigstens einen weiteren Oxidator beispielsweise um Ammoniumnitrat
(AN), Ammoniumperchlorat (AP), Kaliumdinitramid (KDN), Kaliumnitrat (KN) und Hydroxylammoniumnitrat
(HAN) und dergleichen handeln kann.
[0026] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
von Ausführungsbeispielen unter Bezugnahme auf die Zeichnungen. Dabei zeigen:
- Fig. 1
- ein Schaubild der Abbrandgeschwindigkeit (rb) über den Druck (p) verschiedener Zusammensetzungen eines Festtreibstoffes mit einerseits
- 70 Mass.-% des Oxidators Ammoniumdinitramid (ADN) und 30 Mass.-% eines energetischen
Binders auf der Basis eines Glycidyl-Azidpolymers (GAP), erhalten durch Aushärten
von GAP-Diol mit einem Diisocyanat, ohne Abbrandmodifikator als Referenz (untere Kurve:
"

"), andererseits - jeweils 67 Mass.-% des Oxidators ADN und jeweils 30 Mass.-% desselben
energetischen Binders auf der Basis des GAP, mit jeweils 3 Mass.-% eines erfindungsgemäßen
Abbrandmodifikators in Form von Schnittfasern mit einem mittleren Faserquerschnitt
von 90 µm und einer mittleren Faserlänge von 1 mm aus Kupfer (Cu; zweitunterste Kurve:
"-◆-"), einer Messinglegierung aus 66 bis 68 Mass.-% Kupfer (Cu) und 31 bis 35 Mass.-%
Zink (Zn; zweitoberste Kurve: "

") und einer Aluminium-/Magnesiumlegierung mit 93 Mass.-% Aluminium (Al) und 5 Mass.-%
Magnesium (Mg) sowie Spuren an Silicium (Si), Eisen (Fe) und Kupfer (Cu; obere Kurve:
"-●-");
- Fig. 2
- ein Schaubild der Abbrandgeschwindigkeit (rb) über den Druck (p) verschiedener Zusammensetzungen eines erfindungsgemäßen Festtreibstoffes
mit jeweils 67 Mass.-% des Oxidators ADN, jeweils 30 Mass.-% des energetischen Binders
auf der Basis des GAP gemäß Fig. 1 sowie jeweils 3 Mass.-% eines erfindungsgemäßen
Abbrandmodifikators in Form einer Aluminium-/Magnesiumlegierung mit 93 Mass.-% Aluminium
(Al) und 5 Mass.-% Magnesium (Mg) sowie Spuren an Silicium (Si), Eisen (Fe) und Kupfer
(Cu), jeweils in Form von Schnittfasern mit einem mittleren Faserquerschnitt von 90
µm und einer mittleren Faserlänge von - 0,5 mm (untere Kurve: "-●-"), - 1,0 mm (mittlere
Kurve: "-■-") und - 3,0 mm (obere Kurve: "-▲-") ;
- Fig. 3
- ein Schaubild der Abbrandgeschwindigkeit (rb) über den Druck (p) verschiedener Zusammensetzungen eines Festtreibstoffes mit einerseits
- jeweils 67 Mass.-% des Oxidators ADN und jeweils 30 Mass.-% des energetischen Binders
auf der Basis des GAP gemäß Fig. 1 und 2 sowie jeweils 3 Mass.-% eines Abbrandmodifikators
in Pulverform mit einem mittleren Partikeldurchmesser von 20 µm aus Aluminium (Al;
untere Kurve: "-◆-") sowie aus einer Aluminium-/Magnesiumlegierung mit 93 Mass.-%
Aluminium (Al) und 5 Mass.-% Magnesium (Mg) sowie Spuren an Silicium (Si), Eisen (Fe)
und Kupfer (Cu; mittlere Kurve: "

"), andererseits - 67 Mass.-% des Oxidators ADN und 30 Mass.-% desselben energetischen
Binders auf der Basis des GAP sowie jeweils 3 Mass.-% eines erfindungsgemäßen Abbrandmodifikators
aus derselben Aluminium-/Magnesiumlegierung mit 93 Mass.-% Aluminium (Al) und 5 Mass.-%
Magnesium (Mg) sowie Spuren an Silicium (Si), Eisen (Fe) und Kupfer (Cu), aber in
Form von Schnittfasern mit einem mittleren Faserquerschnitt von 90 µm und einer mittleren
Faserlänge von 1,0 mm (obere Kurve: "-●-"); und
- Fig. 4
- eine rasterelektronenmikroskopische (REM) Aufnahme der in den Ausführungsbeispielen
gemäß den Fig. 1 (obere Kurve: "-●-"), 2 und 3 (obere Kurve: "-●-") eingesetzten Schnittfasern
der Aluminium-/Magnesiumlegierung mit 93 Mass.-% Aluminium (Al) und 5 Mass.-% Magnesium
(Mg) sowie Spuren an Silicium (Si), Eisen (Fe) und Kupfer (Cu) mit einem mittleren
Faserquerschnitt von 90 pm.
Ausführungsbeispiele:
[0027] Zur Herstellung der Festtreibstoffe, deren Abbrandgeschwindigkeiten (r
b) bei einem Druck (p) von jeweils 7 MPa, 10 MPa, 13 MPa, 18 MPa und 25 MPa ermittelt
worden sind, wie es in den Fig. 1 bis 3 dokumentiert ist, wurden jeweils Partikel
aus Ammoniumdinitramid (ADN) in ein flüssiges GAP-Diolharz eindispergiert, wonach
die Mischung gegossen und in Gegenwart eines Diisocyanates zu dem energetischen Binder
auf das Basis eines Glycidyl-Azidpolymers (GAP) ausgehärtet worden ist.
[0028] Während bei dem Referenzbeispiel ohne Abbrandmodifikatoren gemäß der Fig. 1 70 Mass.-%
ADN und 30 Mass.-% GAP eingesetzt worden sind (untere Kurve: "-■-"), sind bei allen
anderen Ausführungsbeispielen zum Zwecke der Vergleichbarkeit jeweils 67 Mass.-% ADN,
30 Mass.-% GAP sowie 3 Mass.-% eines metallischen Abbrandmodifikators verschiedenen
Typs und verschiedener Geometrie verwendet worden, so im Falle der Fig. 1 geometrisch
gleiche Schnittfasern mit einem mittleren Faserquerschnitt von 90 µm und einer mittleren
Faserlänge von 1 mm aus Kupfer (Cu; zweitunterste Kurve: "-◆-"), einer Messinglegierung
aus 66 bis 68 Mass.-% Kupfer (Cu) und 31 bis 35 Mass.-% Zink (Zn; zweitoberste Kurve:
"

" und einer Aluminium-/Magnesiumlegierung mit 93 Mass.-% Aluminium (Al) und 5 Mass.-%
Magnesium (Mg) sowie Spuren an Silicium (Si), Eisen (Fe) und Kupfer (Cu; obere Kurve:
"-●-")
[0029] Der Fig. 1 ist zu entnehmen, dass die in identischer Faserform eingesetzten, metallischen
Abbrandmodifikatoren die Abbrandgeschwindigkeit erhöhen, wie es qualitativ als solches
auch bei pulverförmigen, aber ansonsten identischen Abbrandmodifikatoren bekannt ist,
wobei sich im Falle des als Oxidator eingesetzten ADN bei der faserförmigen Aluminium-/Magnesiumlegierung
eine knappe Verdopplung der Abbrandgeschwindigkeit gegenüber der reinen Mischung aus
GAP mit ADN ergibt (obere Kurve: "-●-"), während die Abbrandgeschwindigkeit bei faserförmigem
Kupfer (zweitunterste Kurve: "-◆-") und bei faserförmigem Messing (zweitoberste Kurve:
"

") bei 7 bar um etwa 30% erhöht wird, im Falle der Messinglegierung bei zunehmendem
Druck aber stärker ansteigt.
[0030] In der Fig. 2 wurde der Einfluss der Länge von ansonsten identischen Fasern aus einem
metallischen Abbrandmodifikator in Form der Aluminium-/Magnesiumlegierung mit 93 Mass.-%
Aluminium (Al) und 5 Mass.-% Magnesium (Mg) sowie Spuren an Silicium (Si), Eisen (Fe)
und Kupfer (Cu), jeweils mit einem mittleren Faserquerschnitt von 90 pm, auf die Abbrandgeschwindigkeit
des Festtreibstoffes untersucht, wobei die Schnittfasern mit einer mittleren Faserlänge
von
- 0,5 mm, entsprechend einem Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt
von etwa 5,6 (untere Kurve: "-●-"),
- 1,0 mm, entsprechend einem Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt
von etwa 11,1 (mittlere Kurve: "-■-"), und
- 3,0 mm, entsprechend einem Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt
von etwa 33,3 (obere Kurve: "-▲-")
dem Festtreibstoff zugesetzt worden sind. Letzteres kann durch Eindispergieren der
Schnittfasern in das GAP-Diolharz gemeinsam mit den ADN-Partikeln und/oder auch separat,
vor oder nach dem Eindispergieren der ADN-Partikel geschehen.
[0031] Aus der Fig. 2 wird deutlich, dass die Fasergeometrie des Abbrandmodifikators einen
signifikanten Einfluss auf die Abbrandgeschwindigkeit über den gesamtem Druckbereich
von 7 MPa bis 25 MPa besitzt, wobei die Abbrandgeschwindigkeit mit zunehmender Faserlänge
bzw. mit zunehmendem Verhältnis von mittlerer Faserlänge zu mittlerem Faserquerschnitt
zunehmend erhöht wird.
[0032] In der Fig. 3 wurden schließlich zur Veranschaulichung des Einflusses der Fasergeometrie
von metallischen Abbrandmodifikatoren gegenüber partikelförmigen, aber ansonsten identischen
Abbrandmodifikatoren des Festtreibstoffes auf die Abbrandgeschwindigkeit wiederum
Festtreibstoffe aus 67 Mass.-% ADN, 30 Mass.-% GAP und einerseits 3 Mass.-% jeweils
eines partikelförmigen Abbrandmodifikators mit einer mittleren Partikelgröße von 20
µm aus
- der Aluminium-/Magnesiumlegierung mit 93 Mass.-% Aluminium (Al) und 5 Mass.-% Magnesium
(Mg) sowie Spuren an Silicium (Si), Eisen (Fe) und Kupfer (Cu; mittlere Kurve: "

"), sowie aus
- im Wesentlichen reinem Aluminium (Al; untere Kurve: "-◆-")
in der obigen Weise hergestellt. In der Fig. 3 ist erkennbar, dass die Abbrandgeschwindigkeit
des Festtreibstoffes im Falle von pulver- bzw. partikelförmigem Aluminium als Abbrandmodifikator
mit der pulver- bzw. partikelförmigen Aluminium-/ Magnesiumlegierung vergleichbar
ist, wobei sie bei geringen Drücken im Bereich von 7 MPa im Falle von Aluminium etwas
geringer ist als im Falle der Aluminium-/Magnesiumlegierung, bei höheren Drücken ab
etwa 25 MPa aufgrund stärkeren Anstieges bei zunehmendem Druck im Falle von Aluminium
aber weitgehend identisch ist.
[0033] Andererseits wurde in der obigen Weise ein Festtreibstoff aus wiederum 67 Mass.-%
ADN, 30 Mass.-% GAP und 3 Mass.-% eines Abbrandmodifikators aus derselben Aluminium-/Magnesiumlegierung
hergestellt, wie sie gemäß der mittleren Kurve der Fig. 3 ("

") in Partikelform eingesetzt worden ist, wobei der Abbrandmodifikator jedoch in
Form von Schnittfasern mit einem mittleren Faserquerschnitt von 90 µm und einer mittleren
Faserlänge von 1 mm, entsprechend einem Verhältnis der mittleren Faserlänge zum mittleren
Faserquerschnitt von etwa 11,1, eingesetzt worden sind (obere Kurve der Fig. 3: "-●-").
[0034] In der Fig. 3 ist dabei erkennbar, dass die Abbrandgeschwindigkeit des Festtreibstoffes
im Falle des faserförmigen Abbrandmodifikators gegenüber demselben Anteil an demselben
partikelförmigen Abbrandmodifikator über den gesamten Druckbereich von hier 7 MPa
bis 25 MPa kant - hier etwa auf das Doppelte - erhöht wird, und dies bereits bei einem
relativ kleinen Verhältnis von mittlerer Faserlänge zu mittlerem Faserquerschnitt
von etwa 11,1.
[0035] Folglich lässt sich bei dem erfindungsgemäßen Festtreibstoff der Anteil an (halb)metallischem
Abbrandmodifikator rein aufgrund der Geometrie seiner Faserform gegenüber partikelförmigen
Abbrandmodifikatoren des Standes der Technik erheblich verringern, was mit einer entsprechenden
Gewichtseinsparung sowie mit einer Verringerung der festen Verbrennungsrückstände
einhergeht, oder es kann bei einem entsprechendem Anteil an faserförmigem Abbrandmodifikator
gegenüber demselben partikelförmigen Abbrandmodifikator des Standes der Technik eine
erheblich höhere Abbrandgeschwindigkeit erreicht werden, wie sie andernfalls mit einem
gattungsgemäßen Festtreibstoff gemäß dem Stand der Technik gar nicht erzielbar wäre.
Eine deutliche Erhöhung der Abbrandgeschwindigkeit des Festtreibstoffes ergibt sich
dabei bereits bei einem Verhältnis von mittlerer Faserlänge zu mittlerem Faserquerschnitt
bzw. -durchmesser von etwa 5:1, wobei die Abbrandgeschwindigkeit mit zunehmendem Verhältnis
von mittlerer Faserlänge zu mittlerem Faserquerschnitt bzw. mit zunehmender Faserlänge
ansteigt.
[0036] In der Fig. 4 ist schließlich eine REM-Aufnahme der faserförmigen Aluminium-/Magnesiumlegierung
gezeigt, wie sie in den obigen Fig. 1 bis 3 zum Einsatz gelangt ist, wobei die Schnittfasern
eine etwa rechteckig/ovale Querschnittsform besitzen, grundsätzlich aber auch einen
beliebigen anderen Querschnitt besitzen, z.B. etwa rund etc. sein können.
1. Festtreibstoff, enthaltend
(a) wenigstens einen Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid (ADN);
(b) wenigstens einen energetischen Binder aus der Gruppe der Glycidyl-Azidpolymere
(GAP), der Poly(3,3-bis-azidomethyl-oxetane) (poly-BAMO), der Poly(glycidyl)-nitrate
(poly-GLYN), der Poly(3-nitratomethyl-3-methyl-oxetane) (poly-NIMMO) und der Poly(3-acidomethyl-3-methyl-oxetane
(poly-AMMO) einschließlich deren Derivaten und Mischungen; und
(c) wenigstens einen Abbrandmodifikator aus der Gruppe der Metalle und Halbmetalle
einschließlich deren Legierungen und Hydriden,
dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Abbrandmodifikator in Form von Fasern vorliegt.
2. Festtreibstoff nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators
- ein Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt von wenigstens
5:1, insbesondere von wenigstens 10:1, vorzugsweise von wenigstens 15:1; und/oder
- ein Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt von höchstens
600:1, insbesondere von höchstens 550:1, vorzugsweise von höchstens 500:1,
aufweisen.
3. Festtreibstoff nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators
- einen mittleren Querschnitt von höchstens 200 pm, insbesondere von höchstens 170
pm, vorzugsweise von höchstens 140 pm; und/oder
- einen mittleren Querschnitt von mindestens 1 pm, insbesondere von mindestens 5 pm,
vorzugsweise von mindestens 10 pm; und/oder
- eine mittlere Länge von wenigstens 250 pm, insbesondere von wenigstens 500 pm, vorzugsweise
von wenigstens 750 pm; und/oder
- eine mittlere Länge von höchstens 10 mm, insbesondere von höchstens 7,5 mm, vorzugsweise
von höchstens 5 mm,
aufweisen.
4. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators in Form loser Schnittfasern oder
in Form eines textilen Flächen- oder Raumgebildes, insbesondere aus der Gruppe Vlies,
Gewirke, Gelege, Gestricke oder Gewebe, in der Bindermatrix vorliegen.
5. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass er
(a)
- wenigstens 40 Mass.-%, insbesondere wenigstens 50 Mass.-%, und/oder
- höchstens 90 Mass.-%, insbesondere höchstens 80 Mass.-%,
des wenigstens einen Oxidators in Form von Ammoniumdinitramid (ADN);
(b)
- wenigstens 5 Mass.-%, insbesondere wenigstens 10 Mass.-%, und/oder
- höchstens 40 Mass.-%, insbesondere höchstens 30 Mass.-%,
des wenigstens einen energetischen Binders; und
(c)
- wenigstens 0,5 Mass.-%, insbesondere wenigstens 1 Mass.-%, und/oder
- höchstens 12,5 Mass.-%, insbesondere höchstens 10 Mass.-%,
des wenigstens einen in Form von Fasern vorliegenden Abbrandmodifikators,
jeweils bezogen auf die Masse des gesamten Festtreibstoffes, enthält.
6. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass er wenigstens einen Abbrandmodifikator aus der Gruppe Aluminium (Al), Magnesium (Mg),
Kupfer (Cu), Zink (Zn) einschließlich deren Legierungen und Hydriden enthält.
7. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid (ADN) in Pulver- oder
Partikelform in die Bindermatrix eindispergiert ist.
8. Festtreibstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, dass er ferner
- wenigstens ein energetisches Plastifizierungsmittel, insbesondere aus der Gruppe
der Alkylnitratoethylnitramine (NENA), der Ethylenglycoldinitrate (EGDN), der Metrioltrinitrate
(MTN), der Butan-1,2,4-trioltrinitrate (BTTN), der Di-nitrodiazaalkane (DNDA), der
Trimethylolethan-Trinitrate (TMETN), der Ethylenglycol-bis-(azidoacetate) (EGBAA)
und der 1,2-Bis-(2-azidoethoxy)ethane (TEGDA) einschließlich deren Derivaten und Mischungen,
und/oder
- wenigstens einen weiteren Oxidator, insbesondere aus der Gruppe Ammoniumnitrat (AN),
Ammoniumperchlorat (AP), Kaliumdinitramid (KDN), Kaliumnitrat (KN) und Hydroxylammoniumnitrat
(HAN),
enthält.
9. Verfahren zur Herstellung eines Festtreibstoffes nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
umfassend die folgenden Schritte:
(a) Bereitstellen wenigstens eines Oxidators in Form von Ammoniumdinitramid (ADN);
(b) Bereitstellen einer zu einem energetischen Binder aus der Gruppe der Glycidyl-Azidpolymere
(GAP), der Poly(3,3-bis-azidomethyl-oxetane) (poly-BAMO), der Poly(glycidyl)-nitrate
(poly-GLYN), der Poly(3-nitratomethyl-3-methyl-oxetane) (poly-NIMMO) und der Poly(3-acidomethyl-3-methyl-oxetane
(poly-AMMO) einschließlich deren Derivaten und Mischungen aushärtbaren, flüssigen
oder viskosen Reaktionsmischung;
(c) Bereitstellen wenigstens eines Abbrandmodifikators aus der Gruppe der Metalle
und Halbmetalle einschließlich deren Legierungen und Hydriden in Form von Fasern;
(d) Eindispergieren des wenigstens einen Oxidators in Form von Ammoniumdinitramid
(ADN) in Pulver- oder Partikelform in die zu dem energetischen Binder aushärtbare,
flüssige oder viskose Reaktionsmischung;
(e)
- Eindispergieren der Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators in Form loser
Schnittfasern in die mit dem wenigstens einen Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid
(ADN) versetzte, zu dem energetischen Binder aushärtbare, flüssige oder viskose Reaktionsmischung,
oder
- Imprägnieren der Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators in Form eines textilen
Flächen- oder Raumgebildes, insbesondere aus der Gruppe Vlies, Gewirke, Gelege, Gestricke
oder Gewebe, mit der mit dem wenigstens einen Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid
(ADN) versetzten, zu dem energetischen Binder aushärtbaren, flüssigen oder viskosen
Reaktionsmischung; und
(f) Aushärten der Reaktionsmischung zu dem energetischen Binder unter Erhalt des Festtreibstoffes.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators gemäß Schritt (c) derart bereitgestellt
werden, dass sie
- ein Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt von wenigstens
5:1, insbesondere von wenigstens 10:1, vorzugsweise von wenigstens 15:1; und/oder
- ein Verhältnis ihrer mittleren Länge zu ihrem mittleren Querschnitt von höchstens
600:1, insbesondere von höchstens 550:1, vorzugsweise von höchstens 500:1, aufweisen.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet, dass die Fasern des wenigstens einen Abbrandmodifikators gemäß Schritt (c) derart bereitgestellt
werden, dass sie
- einen mittleren Querschnitt von höchstens 200 pm, insbesondere von höchstens 170
pm, vorzugsweise von höchstens 140 pm; und/oder
- einen mittleren Querschnitt von mindestens 1 pm, insbesondere von mindestens 5 pm,
vorzugsweise von mindestens 10 pm; und/oder
- eine mittlere Länge von wenigstens 250 pm, insbesondere von wenigstens 500 pm, vorzugsweise
von wenigstens 750 pm; und/oder
- eine mittlere Länge von höchstens 10 mm, insbesondere von höchstens 7,5 mm, vorzugsweise
von höchstens 5 mm,
aufweisen.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
(a) der wenigstens eine Oxidator in Form von Ammoniumdinitramid (ADN) gemäß Schritt
(a) mit einem Anteil von
- wenigstens 40 Mass.-%, insbesondere wenigstens 50 Mass.-%, und/oder
- höchstens 90 Mass.-%, insbesondere höchstens 80 Mass.-%;
(b) der wenigstens eine energetische Binder gemäß Schritt (b) mit einem Anteil von
- wenigstens 5 Mass.-%, insbesondere wenigstens 10 Mass.-%, und/oder
- höchstens 40 Mass.-%, insbesondere höchstens 30 Mass.-%; und
(c) der wenigstens eine Abbrandmodifikator gemäß Schritt (c) mit einem Anteil von
- wenigstens 0,5 Mass.-%, insbesondere wenigstens 1 Mass.-%, und/oder
- höchstens 12,5 Mass.-%, insbesondere höchstens 10 Mass.-%,
jeweils bezogen auf die Masse des gesamten Festtreibstoffes, bereitgestellt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass gemäß Schritt (c) wenigstens ein Abbrandmodifikator aus der Gruppe Aluminium (Al),
Magnesium (Mg), Kupfer (Cu), Zink (Zn) einschließlich deren Legierungen und Hydriden
bereitgestellt wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 13,
dadurch gekennzeichnet, dass der zu dem energetischen Binder aushärtbaren Reaktionsmischung ferner
- wenigstens ein energetisches Plastifizierungsmittel, insbesondere aus der Gruppe
der Alkylnitratoethylnitramine (NENA), der Ethylenglycoldinitrate (EGDN), der Metrioltrinitrate
(MTN), der Butan-1,2,4-trioltrinitrate (BTTN), der Di-nitrodiazaalkane (DNDA), der
Trimethylolethan-Trinitrate (TMETN), der Ethylenglycol-bis-(azidoacetate) (EGBAA)
und der 1,2-Bis-(2azidoethoxy)ethane (TEGDA) einschließlich deren Derivaten und Mischungen,
und/oder
- wenigstens ein weiterer Oxidator in Pulver- oder Partikelform, insbesondere aus
der Gruppe Ammoniumnitrat (AN), Ammoniumperchlorat (AP), Kaliumdinitramid (KDN), Kaliumnitrat
(KN) und Hydroxylammoniumnitrat (HAN),
zugesetzt wird.