Gebiet der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft die Metallurgie von Stahlwerkstoffen. Konkret
betrifft die Erfindung eine Gieß-Walz-Verbundanlage zur Herstellung eines warmgewalzten
Fertigbands aus einer Stahlschmelze.
Stand der Technik
[0002] Gieß-Walz-Verbundanlagen sind dem Fachmann grundsätzlich bekannt. Auf einer Gieß-Walz-Verbundanlage
kann kostengünstig und mit hoher Produktivität aus einer Stahlschmelze ein Stahlband
hergestellt werden. Beispielsweise zeigt die
EP 1 662 012 B1 eine Gieß-Walz-Verbundanlage vom Typ Arvedi ESP. Die
EP 1 909 979 B1 zeigt eine Gieß-Walz-Verbundanlage zur Herstellung von Grobblechen. Die
EP 1 940 566 B1 und die
EP 2 19 622 B1 zeigen je eine Gieß-Walz-Verbundanlage vom Typ Arvedi ESP zur Herstellung von Stahlbändern
mit einer Dicke von 1,5 bis 5 mm bzw. von 0,8 bis 12 mm.
[0003] Obwohl sich Gieß-Walz-Verbundanlagen durchgesetzt haben, wird immer noch der Großteil
von dünnen Stahlbändern mit einer Dicke < 0,8 mm durch Warm-, Kaltwalzen und anschließendes
Glühen hergestellt. Dies führt dazu, dass die Produktion von Stahlbändern nach wie
vor zu einem relativ hohen CO
2 Ausstoß führt.
[0004] Wie auf Gieß-Walz-Verbundanlagen ein signifikanter Anteil (> 10% der Jahresproduktion)
von Stahlbändern mit einer Dicke ≤ 0,6 mm, einer hervorragenden Planheit und einem
hervorragenden Profil hergestellt werden kann, ohne dass die Stahlbänder nach dem
Warmwalzen noch kaltgewalzt werden müssen, geht aus dem Stand der Technik nicht hervor.
Zusammenfassung der Erfindung
[0005] Die Aufgabe der Erfindung besteht darin, die existierenden Gieß-Walz-Verbundanlagen
dahingehend weiterzubilden und so eine neuartige Gieß-Walz-Verbundanlage zu finden,
auf der kostengünstig und mit hoher Produktivität Stahlbänder mit einer Dicke ≤ 0,6
mm, einer hervorragenden Planheit und einem hervorragenden Profil hergestellt werden
können, ohne dass die Stahlbänder nach dem Warmwalzen noch kaltgewalzt werden müssten.
[0006] Diese Aufgabe wird durch eine Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 1 gelöst. Vorteilhafte
Ausführungsformen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0007] Konkret erfolgt die Lösung durch eine Gieß-Walz-Verbundanlage zur Herstellung eines
warmgewalzten Fertigbands, aufweisend:
- eine Stranggießanlage mit einer bogenförmigen Strangführung zum Stranggießen einer
Stahlschmelze zu einem endlosen Strang mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt;
- optional einen Brammenentzunderer zum Entzundern des Strangs vor einem Vorwalzen;
- eine Vorstraße mit mehreren, bevorzugt genau drei, Vorwalzgerüsten zum Vorwalzen des
endlosen Strangs zu einem Vorband, wobei zumindest ein, bevorzugt jedes, Vorwalzgerüst,
zumindest einen Aktuator zur Einstellung des Profils und/oder der Planheit des Vorbands
aufweist;
- ein erster Induktionsofen zum Erwärmen des Vorbands auf eine erste Walztemperatur;
- ein erstes Messgerät zur Messung des Ist-Profils des Vorbands, wobei das erste Messgerät
in Materialflussrichtung zwischen dem letzten Vorwalzgerüst der Vorstraße und dem
ersten Induktionsofen angeordnet ist;
- eine erste Entzunderungseinrichtung zum Entzundern des erwärmten Vorbands;
- eine Zwischenstraße mit mehreren, bevorzugt genau drei, Zwischenwalzgerüsten zum Zwischenwalzen
des endlosen Vorbands zu einem Zwischenband, wobei zumindest ein, bevorzugt jedes,
Zwischenwalzgerüst, zumindest einen Aktuator zur Einstellung des Profils und/oder
der Planheit des Zwischenbands aufweist;
- ein zweites Messgerät zur Messung des Ist-Profils des Zwischenbands;
- optional ein zweiter Induktionsofen zum Erwärmen des Zwischenbands auf eine zweite
Walztemperatur und eine zweite Entzunderungseinrichtung zum Entzundern des erwärmten
Zwischenbands;
- eine Fertigstraße mit mehreren, bevorzugt genau drei, Fertigwalzgerüsten zum Fertigwalzen
des endlosen Zwischenbands zu einem Fertigband, wobei zumindest ein, bevorzugt jedes,
Fertigwalzgerüst, zumindest einen Aktuator zur Einstellung des Profils und/oder der
Planheit des Fertigbands aufweist;
- ein drittes Messgerät zur Messung des Ist-Profils des Fertigbands;
- optional eine Kühlstrecke zum Abkühlen des Fertigbands auf eine Wickeltemperatur;
- eine Schere zum Querteilen des Fertigbands; und
- eine Wickeleinrichtung mit zumindest zwei Haspeldornen zum Aufwickeln des Fertigbands
zu Bunden.
[0008] Auf der Stranggießanlage mit einer bogenförmigen Strangführung wird aus einer Stahlschmelze
ein endlosen Strang mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt gegossen. Die Gießgeschwindigkeit
der Stranggießanlage beträgt je nach der chem. Zusammensetzung der Stahlschmelze typischerweise
zwischen 4 und 7,5 m/min, die Strangdicke zwischen 50 und 130 mm sowie die Strangbreite
zwischen 800 und 2200 mm. Vorzugsweise wird die Dicke des teil- oder durcherstarrten
Strangs bereits in der Strangführung reduziert, z.B. durch eine Liquid- oder Soft-Core-Reduction.
Nach der Durcherstarrung wird der ungeschnittene Strang in einer Vorstraße mit mehreren,
bevorzugt genau drei, Vorwalzgerüsten zu einem Vorband warmgewalzt. Zumindest ein,
bevorzugt jedes, Vorwalzgerüst der Vorstraße weist zumindest einen Aktuator zur Einstellung
des Profils und/oder der Planheit des Vorbands auf. Durch den Aktuator bzw. die Aktuatoren
in den Vorwalzgerüsten kann das Profil des Vorbands gezielt eingestellt werden.
Ein erster Induktionsofen, typischerweise mit mehreren Induktionsmodulen, erwärmt
das endlose Vorband auf eine erste Walztemperatur.
Zur Erfassung des Bandprofiles des Vorbands ist in Materialflussrichtung zwischen
dem letzten Vorwalzgerüst der Vorstraße und dem ersten Induktionsofen ein erstes Messgerät
zur Messung des Ist-Profils des Vorbands angeordnet.
Nach dem letzten Induktionsmodul und vor dem ersten Zwischenwalzgerüst der Zwischenstraße
ist eine erste Entzunderungseinrichtung zum Entzundern des erwärmten Vorbands angeordnet.
Dabei werden die Ober- und die Unterseite des Vorbands entzundert, sodass kein Zunder
beim Zwischenwalzen eingewalzt werden kann.
Die Dicke des endlosen Vorbands wird durch ein Warmwalzen in der Zwischenstraße mit
mehreren, bevorzugt genau drei, Zwischenwalzgerüsten zu einem Zwischenband weiter
reduziert. Zumindest ein, bevorzugt jedes, Zwischenwalzgerüst weist zumindest einen
Aktuator zur Einstellung des Profils und/oder der Planheit des Zwischenbands auf.
Durch den Aktuator bzw. die Aktuatoren in den Zwischenwalzgerüsten können das Profil
und die Planheit des Zwischenbands gezielt eingestellt werden.
Nach dem letzten Zwischenwalzgerüst der Zwischenstraße ist ein zweites Messgerät zur
Messung des Ist-Profils des Zwischenbands angeordnet.
Nach der Zwischenstraße sind vorzugsweise ein zweiter Induktionsofen, typischerweise
mit mehreren Induktionsmodulen, zum Erwärmen des Zwischenbands auf eine zweite Walztemperatur
und nach dem zweiten Induktionsofen und vor dem ersten Fertigwalzgerüst der Fertigstraße
eine zweite Entzunderungseinrichtung zum Entzundern des Zwischenbands angeordnet.
Dabei werden die Ober- und die Unterseite des Zwischenbands entzundert, sodass kein
Zunder beim Fertigwalzen eingewalzt werden kann.
Die Dicke des endlosen Zwischenbands wird durch ein Warmwalzen in der Fertigstraße
mit mehreren, bevorzugt genau drei, Fertigwalzgerüsten zu einem Fertigband weiter
reduziert. Zumindest ein, bevorzugt jedes, Fertigwalzgerüst weist zumindest einen
Aktuator zur Einstellung des Profils und/oder der Planheit des Fertigbands auf. Durch
den Aktuator bzw. die Aktuatoren in den Fertigwalzgerüsten können das Profil und die
Planheit des Fertigbands gezielt eingestellt werden.
Nach dem letzten Fertigwalzgerüst der Fertigstraße ist ein drittes Messgerät zur Messung
des Ist-Profils des Fertigbands angeordnet.
Nach der Fertigstraße ist typischerweise eine Kühlstrecke zum Abkühlen des Fertigbands
auf eine Wickeltemperatur angeordnet. Die Ober- und die Unterseite des Fertigbands
werden dabei durch mehrere Kühleinrichtungen, engl.
cooling header, abgekühlt.
Das Fertigband wird durch eine Schere quergeteilt und in der Wickeleinrichtung mit
zumindest zwei Haspeldornen zu Bunden aufgewickelt.
[0009] In Anspruch 1 wurde jeweils zumindest ein Aktuator zur Einstellung des Profils und/oder
der Planheit des Vorbands, des Zwischenbands und des Fertigbands genannt. Dem Fachmann
ist bekannt, dass das Profil und/oder die Planheit eines bandförmigen Walzguts z.B.
durch das Durchbiegen wenigstens einer Arbeitswalze eines Walzgerüsts, eine SmartCrown
Verstellung, eine breitenabhängige Multizonenkühlung oder ein gezieltes Verschieben
der Arbeitswalzen etc. erfolgen kann.
[0010] Durch die Aufteilung der Dickenreduktion auf zumindest drei (Vor-, Zwischen- und
Fertigstraße), bevorzugt vier (z.B. Liquid Core Reduction LCR in der Strangführung,
Vor-, Zwischen- und Fertigstraße) Stufen, die Messung des Ist-Profils nach der Vor-,
Zwischen- und Fertigstraße sowie durch die Ausstattung der Gerüste in der Vor-, Zwischen-
und Fertigstraße mit Aktuatoren zur Beeinflussung des Bandprofils und/oder der Bandplanheit,
kann sichergestellt werden, dass auch ein ultradünnes Fertigband mit einer Dicke ≤
0,8 mm bzw. sogar ≤ 0,6 mm eine hervorragende Planheit und ein hervorragendes Profil
aufweisen. Außerdem können durch die Induktionsöfen die erste Walztemperatur in der
Zwischenstraße, die zweite Walztemperatur in der Fertigstraße sowie die Endwalztemperatur
im letzten Gerüst der Fertigstraße hochgenau eingestellt werden. Die erfindungsgemäße
Gieß-Walz-Verbundanlage kann somit nicht nur ein Band mit hochgenauen geometrischen
Eigenschaften erzeugen, sondern auch den Temperaturverlauf in der Walzstraße entsprechend
dem gewünschten Gefüge des Fertigbands exakt einstellen.
[0011] Um das Profil des Vorbands ausregeln zu können, ist es vorteilhaft, wenn ein erster
Profilregler zumindest einen Aktuator in der Vorstraße in Abhängigkeit des Ist-Profils
des Vorbands derart ansteuern kann, dass das Ist-Profil des Vorbands einem Soll-Profil
möglichst entspricht.
[0012] Es ist vorteilhaft, wenn das zweite Messgerät in Materialflussrichtung zwischen dem
letzten Zwischenwalzgerüst der Zwischenstraße und dem ersten Fertigwalzgerüst der
Fertigwalzstraße, bevorzugt zwischen dem letzten Zwischenwalzgerüst der Zwischenstraße
und dem zweiten Induktionsofen, angeordnet ist.
[0013] Besonders vorteilhaft ist es, wenn das zweite Messgerät auch die Ist-Planheit des
Zwischenbands messen kann. Dies kann dadurch erfolgen, dass das zweite Messgerät eine
Messeinheit zur Messung des Ist-Profils und eine weiteren Messeinheit zur Messung
der Ist-Planheit umfasst.
[0014] Um das Profil des Zwischenbands ausregeln zu können, ist es vorteilhaft, wenn ein
zweiter Profilregler zumindest einen Aktuator in der Zwischenstraße in Abhängigkeit
des Ist-Profils des Zwischenbands derart ansteuern kann, dass das Ist-Profil des Zwischenbands
einem Soll-Profil möglichst entspricht.
[0015] Um die Planheit des Zwischenbands ausregeln zu können, ist es vorteilhaft, wenn ein
erster Planheitsregler zumindest einen Aktuator in der Zwischenstraße in Abhängigkeit
der Ist-Planheit des Zwischenbands derart ansteuern kann, dass die Ist-Planheit des
Zwischenbands einer Soll-Planheit möglichst entspricht.
[0016] Die Regelung des Ist-Profils und der Ist-Planheit in der Zwischenstraße ist möglich,
wenn beide Regelkreise aktiv und einander überlagert ausgeführt werden.
[0017] Um den Verschleiß der Arbeitswalzen in der Fertigstraße kompensieren zu können, ist
es vorteilhaft, wenn zumindest ein Fertigwalzgerüst der Fertigstraße, bevorzugt jedes
Fertigwalzgerüst der Fertigstraße, zwei Verschiebeeinrichtungen zum axialen Verschieben
der Arbeitswalzen in entgegengesetzte Richtungen aufweisen. Bevorzugt erlauben die
Verschiebeeinrichtungen ein sog. "
long stroke" Verschieben der Arbeitswalzen mit einer max. Verschiebung von 200 mm, 500 mm, bzw.
800 mm.
[0018] Es ist vorteilhaft, wenn das dritte Messgerät in Materialflussrichtung zwischen dem
letzten Fertigwalzgerüst der Fertigstraße und der Wickeleinrichtung, bevorzugt zwischen
dem letzten Fertigwalzgerüst der Fertigstraße und der Kühlstrecke, angeordnet ist.
Auch das dritte Messgerät kann bspw. aus zwei Messeinheiten bestehen, einer Einheit
zur Messung des Ist-Profils und einer weiteren zur Messung der Ist-Planheit.
[0019] Um das Profil des Fertigbands ausregeln zu können, ist es vorteilhaft, wenn ein dritter
Profilregler zumindest einen Aktuator in der Fertigstraße in Abhängigkeit des Ist-Profils
des Fertigbands derart ansteuern kann, dass das Ist-Profil des Vorbands einem Soll-Profil
möglichst entspricht.
[0020] Um die Planheit des Fertigbands ausregeln zu können, ist es vorteilhaft, wenn ein
zweiter Planheitsregler zumindest einen Aktuator in der Fertigstraße in Abhängigkeit
der Ist-Planheit des Fertigbands derart ansteuern kann, dass die Ist-Planheit des
Fertigbands einer Soll-Planheit möglichst entspricht.
[0021] Die Regelung des Ist-Profils und der Ist-Planheit in der Fertigstraße ist möglich,
wenn beide Regelkreise aktiv und einander überlagert ausgeführt werden.
[0022] Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung mit Messgeräten jeweils nach
der Vor-, Zwischen- und Fertigstraße kann eine besonders gute Planheit erzielt werden,
weil das relative Bandprofil nach der Vor-, Zwischen- und Fertigstraße konstant gehalten
werden kann und weil etwaige Profilabweichungen nicht erst nach dem Fertigwalzen,
sondern bereits nach dem Vor- und Zwischenwalzen erkannt und ggf. kompensiert werden
können. Dies ist insbesondere bei ultradünnen Bändern vorteilhaft, da das relative
Bandprofil bei jedem Walzstich konstant gehalten werden kann.
Kurze Beschreibung der Zeichnungen
[0023] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung mehrerer Ausführungsbeispiele, die
im Zusammenhang mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Dabei zeigen:
Fig 1 ein Schema einer ersten Gieß-Walz-Verbundanlage,
Fig 2 ein Regelschema für einen ersten Profilregler in der Vorstraße 5 aus Fig 1,
Fig 3 ein Regelschema für einen zweiten Profilregler in der Zwischenstraße 10 aus
Fig 1,
Fig 4 ein Regelschema für einen zweiten Planheitsregler in der Fertigstraße 11 aus
Fig 1,
Fig 5 ein Schema einer zweiten Gieß-Walz-Verbundanlage,
Fig 6 ein Temperaturverlauf bei der Herstellung eines ultradünnen Fertigbands in einer
Gieß-Walz-Verbundanlage, und
Fig 7 ein Dickenverlauf bei der Herstellung eines ultradünnen Fertigbands in einer
Gieß-Walz-Verbundanlage.
Beschreibung der Ausführungsformen
[0024] In der Fig 1 ist eine erste Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Gieß-Walz-Verbundanlage
dargestellt. In der Stranggießanlage 1 wird Stahlschmelze zu einem endlosen Strang
4 mit Brammenformat und einer Enddicke von 100 mm vergossen. Dazu wird die Stahlschmelze
über einen Gießverteiler 2 der Kokille 3 zugeführt. Der Strang 4 verlässt die Kokille
mit einer Dicke von 105 mm. In der bogenförmigen Strangführung der Stranggießanlage
1 wird die Dicke des Strang 4 durch eine LCR auf die Enddicke von 100 mm reduziert.
Anschließend tritt der Strang 4 in das erste Vorwalzgerüst der Vorstraße 5 ein und
wird in der Vorwalzstraße durch drei Walzstiche zu einem Vorband mit einer Dicke von
9 mm reduziert. Der letzte Walzstich in der Vorwalzstraße 5 erfolgt bei 900 °C. Das
Vorband wird im ersten Induktionsofen 8 auf eine Temperatur von 1150 °C erwärmt und
anschließen in der ersten Entzunderungseinrichtung 9 entzundert. Dabei fällt die Temperatur
des Vorbands auf 1050°C ab. In der nachfolgenden Zwischenstraße 10 wird das Vorband
durch drei Walzstiche zu einem Zwischenband mit einer Dicke von 1,3 mm reduziert.
Der letzte Walzstich im letzten Zwischenwalzgerüst der Zwischenstraße 10 erfolgt bei
einer Temperatur von 925 °C. Das Zwischenband wird anschließend im zweiten Induktionsofen
8a auf eine Temperatur von 975 °C erwärmt. Da das Erwärmen im zweiten Induktionsofen
8a sehr rasch und um lediglich 50 °C erfolgt, wird das erwärmte Zwischenband in der
zweiten Entzunderungseinrichtung 9a nicht entzundert und tritt direkt in das erste
Fertigwalzgerüst der Fertigstraße 11 ein. In der Fertigstraße 11 wird das Zwischenband
wiederum durch drei Walzstiche zu einem ultradünnen Fertigband mit einer Dicke von
0,6 mm reduziert. Der letzte Walzstich in der Fertigstraße 11 erfolgt im austenitischen
Temperaturbereich bei einer Temperatur von 875 °C. Nach der Fertigstraße 11 wird das
Fertigband in der Kühlstrecke 12 auf 650 °C abgekühlt, anschließend durch die Schere
13 quergeteilt und in den Wickeleinrichtungen 14 aufgewickelt. Das Verfahren läuft
im Endlosbetrieb ab, d.h. dass das endlose Band erstmals durch die Schere 13 quergeteilt
wird. Die Temperaturverläufe sowie die Dickenverläufe bei der Herstellung des ultradünnen
Fertigbands mit einer Dicke von 0,6 mm sind in den Fig 6 und 7 angegeben.
[0025] Die Funktionsweise eines ersten Profilreglers wird anhand der Fig 2 erläutert. Nach
dem letzten Vorwalzgerüst R3 der Vorstraße 5 und vor dem ersten Induktionsofen 8 ist
ein erstes Messgerät 6 zur Messung des Ist-Profils des Vorbands angeordnet. Die Messwerte
m1 für das Ist-Profil des Vorbands werden an den Regler 15 übermittelt. Der Regler
15 berechnet in Abhängigkeit der Messwerte m1 für das Ist-Profil und in Abhängigkeit
des Soll-Profils des Vorbands drei Stellgrößen u1...u3 aus, die an die Aktuatoren
zur Durchbiegung der Arbeitswalzen in den drei Vorwalzgerüsten R1...R3 der Vorstraße
5 übertragen werden. Die Aktuatoren biegen die Arbeitswalzen der Vorwalzgerüste so
durch, dass das Ist-Profil dem Soll-Profil möglichst entspricht.
[0026] Die Funktionsweise eines zweiten Profilreglers wird anhand der Fig 3 erläutert. Nach
dem letzten Zwischenwalzgerüst I3 der Zwischenstraße 10 und vor dem zweiten Induktionsofen
8a ist ein zweites Messgerät 6a zur Messung des Ist-Profils des Zwischenbands angeordnet.
Die Messwerte m2 für das Ist-Profil werden an den Regler 15 übermittelt. Der Regler
15 berechnet in Abhängigkeit der Messwerte m2 für das Ist-Profil und in Abhängigkeit
des Soll-Profils des Zwischenbands drei Stellgrößen u4...u6 aus, die an die Aktuatoren
zur Durchbiegung der Arbeitswalzen in den drei Zwischenwalzgerüsten I1...I3 der Zwischenstraße
10 übertragen werden. Die Aktuatoren biegen die Arbeitswalzen der Zwischenwalzgerüste
so durch, dass das Ist-Profil dem Soll-Profil möglichst entspricht.
[0027] Die Funktionsweise eines dritten Profilreglers und eines zweiten Planheitsreglers
werden anhand der Fig 4 erläutert. Nach dem letzten Fertigwalzgerüst F3 der Fertigstraße
11 und vor der Kühlstrecke ist ein drittes Messgerät 6b zur Messung des Ist-Profils
m3 und der Ist-Planheit m4 des Fertigbands angeordnet. Die Funktionsweise des dritten
Profilreglers ist analog zu den bereits erklärten Profilreglern. Der zweite Planheitsregler
funktioniert wie folgt: Die Messwerte m4 für die Ist-Planheit werden ebenfalls an
den Regler 15 übermittelt. Der Regler 15 berechnet in Abhängigkeit der Messwerte m4
für die Ist-Planheit und in Abhängigkeit der Soll-Planheit des Fertigbands drei Stellgrößen
u7...u9 aus, die an die Aktuatoren zur Durchbiegung der Arbeitswalzen in den drei
Fertigwalzgerüsten F1...F3 der Fertigstraße 11 übertragen werden. Die Aktuatoren biegen
die Arbeitswalzen der Fertigwalzgerüste so durch, dass die Ist-Planheit der Soll-Planheit
möglichst entspricht.
[0028] Es ist möglich, dass in den Fertigwalzgerüsten der Fertigstraße 11 Aktuatoren zur
Durchbiegung der Arbeitswalzen und zusätzlich eine breitenabhängige Multizonenkühlung
der Arbeits- oder eventuell sogar der Stützwalzen vorhanden sind.
[0029] Die Fig 5 zeigt die Gieß-Walzverbundanlage aus Fig 1 mit drei Profilreglern zur Regelung
des Profils nach der Vor- Zwischen- und Fertigstraße 5, 10, 11 und zwei Planheitsreglern
zur Regelung der Planheit nach der Zwischen- und Fertigstraße 10, 11. Die drei Profilregler
und die zwei Planheitsregler sind zu einem digitalen Regler 15 zusammengefasst.
[0030] Obwohl die Erfindung im Detail durch die bevorzugten Ausführungsbeispiele näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0031]
- 1, CCM
- Stranggießanlage
- 2
- Gießverteiler
- 3
- Kokille
- 4
- Strang
- 5
- Vorstraße
- 6
- Erstes Messgerät
- 6a
- Zweites Messgerät
- 6b
- Drittes Messgerät
- 7
- Rollgang
- 8, IH1
- Erster Induktionsofen
- 8a, IH2
- Zweiter Induktionsofen
- 9, DESC
- Erste Entzunderungseinrichtung
- 9a
- Zweite Entzunderungseinrichtung
- 10
- Zwischenstraße
- 11
- Fertigstraße
- 12
- Kühlstrecke
- 13
- Schere
- 14, DC
- Wickeleinrichtung
- 15
- Regler
- m1...m4
- Messgrößen
- u1...u9
- Stellgrößen
- R1... R3
- Erstes bis drittes Vorwalzgerüst
- I1...I3
- Erstes bis drittes Zwischenwalzgerüst
- F1...F3
- Erstes bis drittes Fertigwalzgerüst
1. Gieß-Walz-Verbundanlage zur Herstellung eines warmgewalzten Fertigbands, aufweisend:
- eine Stranggießanlage (1) mit einer bogenförmigen Strangführung zum Stranggießen
einer Stahlschmelze zu einem endlosen Strang (4) mit Brammen- oder Dünnbrammenquerschnitt;
- optional einen Brammenentzunderer zum Entzundern des Strangs (4) vor einem Vorwalzen;
- eine Vorstraße (5) mit mehreren, bevorzugt genau drei, Vorwalzgerüsten (R1...R3)
zum Vorwalzen des endlosen Strangs (4) zu einem Vorband, wobei zumindest ein, bevorzugt
jedes, Vorwalzgerüst, zumindest einen Aktuator zur Einstellung des Profils und/oder
der Planheit des Vorbands aufweist;
- ein erster Induktionsofen (8) zum Erwärmen des Vorbands auf eine erste Walztemperatur;
- ein erstes Messgerät (6) zur Messung des Ist-Profils des Vorbands, wobei das erste
Messgerät (6) in Materialflussrichtung zwischen dem letzten Vorwalzgerüst (R3) der
Vorstraße (5) und dem ersten Induktionsofen (8) angeordnet ist;
- eine erste Entzunderungseinrichtung (9) zum Entzundern des erwärmten Vorbands;
- eine Zwischenstraße (10) mit mehreren, bevorzugt genau drei, Zwischenwalzgerüsten
(I1...I3) zum Zwischenwalzen des endlosen Vorbands zu einem Zwischenband, wobei zumindest
ein, bevorzugt jedes, Zwischenwalzgerüst, zumindest einen Aktuator zur Einstellung
des Profils und/oder der Planheit des Zwischenbands aufweist;
- ein zweites Messgerät (6a) zur Messung des Ist-Profils des Zwischenbands;
- optional ein zweiter Induktionsofen (8a) zum Erwärmen des Zwischenbands auf eine
zweite Walztemperatur und eine zweite Entzunderungseinrichtung (9a) zum Entzundern
des erwärmten Zwischenbands;
- eine Fertigstraße (11) mit mehreren, bevorzugt genau drei, Fertigwalzgerüsten (F1...F3)
zum Fertigwalzen des endlosen Zwischenbands zu einem Fertigband, wobei zumindest ein,
bevorzugt jedes, Fertigwalzgerüst zumindest einen Aktuator zur Einstellung des Profils
und/oder der Planheit des Fertigbands aufweist;
- ein drittes Messgerät (6b) zur Messung des Ist-Profils des Fertigbands;
- optional eine Kühlstrecke (12) zum Abkühlen des Fertigbands auf eine Wickeltemperatur;
- eine Schere (13) zum Querteilen des Fertigbands; und
- eine Wickeleinrichtung (14) mit zumindest zwei Haspeldornen zum Aufwickeln des Fertigbands
zu Bunden.
2. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein erster Profilregler zumindest einen Aktuator in der Vorstraße (5) in Abhängigkeit
des Ist-Profils des Vorbands derart ansteuern kann, dass das Ist-Profil des Vorbands
einem Soll-Profil möglichst entspricht.
3. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Messgerät (6a) in Materialflussrichtung zwischen dem letzten Zwischenwalzgerüst
(I3) der Zwischenstraße (10) und dem ersten Fertigwalzgerüst (F1) der Fertigwalzstraße
(11), bevorzugt zwischen dem letzten Zwischenwalzgerüst (I3) der Zwischenstraße (10)
und dem zweiten Induktionsofen (8a) angeordnet ist.
4. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das zweite Messgerät (6a) neben der Messung des Ist-Profils auch zur Messung der
Ist-Planheit des Zwischenbands ausgebildet ist.
5. Gieß-Walz-Verbundanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein zweiter Profilregler zumindest einen Aktuator in der Zwischenstraße (10) in Abhängigkeit
des Ist-Profils des Zwischenbands derart ansteuern kann, dass das Ist-Profil des Zwischenbands
einem Soll-Profil möglichst entspricht.
6. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass ein erster Planheitsregler zumindest einen Aktuator in der Zwischenstraße (10) in
Abhängigkeit der Ist-Planheit des Zwischenbands derart ansteuern kann, dass die Ist-Planheit
des Zwischenbands einer Soll-Planheit möglichst entspricht.
7. Gieß-Walz-Verbundanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Fertigwalzgerüst (F1...F3) der Fertigstraße (11), bevorzugt jedes Fertigwalzgerüst
der Fertigstraße (11), zwei Verschiebeeinrichtungen zum axialen Verschieben der Arbeitswalzen
in entgegengesetzte Richtungen aufweisen.
8. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Verschiebeeinrichtungen eine axiale Verschiebung um 200 mm, bevorzugt 500 mm,
besonders bevorzugt um 800 mm, erlauben.
9. Gieß-Walz-Verbundanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das dritte Messgerät (6b) in Materialflussrichtung zwischen dem letzten Fertigwalzgerüst
(F3) der Fertigstraße (11) und der Wickeleinrichtung (14), bevorzugt zwischen dem
letzten Fertigwalzgerüst (F3) der Fertigstraße (11) und der Kühlstrecke (12), angeordnet
ist.
10. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das dritte Messgerät (6b) neben der Messung des Ist-Profils auch zur Messung der
Ist-Planheit des Fertigbands ausgebildet ist.
11. Gieß-Walz-Verbundanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein dritter Profilregler zumindest einen Aktuator in der Fertigstraße (11) in Abhängigkeit
des Ist-Profils des Fertigbands derart ansteuern kann, dass das Ist-Profil des Fertigbands
einem Soll-Profil möglichst entspricht.
12. Gieß-Walz-Verbundanlage nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass ein zweiter Planheitsregler zumindest einen Aktuator in der Fertigstraße (11) in
Abhängigkeit der Ist-Planheit des Fertigbands derart ansteuern kann, dass die Ist-Planheit
des Fertigbands einer Soll-Planheit möglichst entspricht.