[0001] Die Erfindung betrifft ein Untergestell eines Schienenfahrzeuges, umfassend zwei
auf Rädern abstützbare Kopfstücke sowie einen die beiden Kopfstücke verbindenden Mittelträger,
wobei jedes Kopfstück und der Mittelträger über jeweils einen aus einer dem Mittelträger
zugeordneten ersten Flanschplatte und einer dem Kopfstück zugeordneten zweiten Flanschplatte
gebildeten Anschlussflansch lösbar miteinander verbindbar sind, wobei erste und zweite
Flanschplatte in verbundenem Zustand eine vertikale Kontaktebene ausbilden, sowie
ein Schienenfahrzeug mit einem solchen Untergestell.
[0002] Schienenfahrzeuge mit gattungsgemäßen Untergestellen sind aus dem Stand der Technik
vorbekannt. In aller Regel handelt es sich hierbei um Tragwagen, auf welche Container
oder andere Aufbauten zum Transport von Nutzlasten, deren Verladung in Containern
nicht sinnvoll bzw. nicht möglich ist (wie z.B. Rundholz), aufgesetzt werden können.
[0003] So offenbaren beispielsweise die
DE 69 30 111 U und die
WO 2018/219955 A1 jeweils ein aus drei vorgefertigten Baugruppen zusammengesetztes Untergestell, wobei
zwei identische Kopfstücke mit jeweils einem Mittelelement unterschiedlicher Länge
verbindbar sind. Auf diese Weise sollen Untergestelle unterschiedlicher Baulänge einfach
und kostengünstig herstellbar sein.
[0004] DE 42 29 481 C1 offenbart ein Untergestell für Schienengüterwagen, dessen Grundkonzeption eine Kombination
aus verschiedenen Modulen bzw. Baugruppen vorsieht, darunter unter anderem auch die
Kombination zweier stirnseitiger Kopfstücke mit einem aus Quer- und Längsträgern aufgebauten
Mittelelement. Durch die weitgehend autonome Vorfertigung einer jeden einzelnen Baugruppe,
insbesondere der Kopfstücke und des Laufwerksrahmens, in eigenständigen Vorrichtungen
soll der Aufwand für Anpassungs- und Ausrichtarbeiten beim Zusammenbau der verschiedenen
Baugruppen reduziert werden.
[0005] Aus
WO 2018/019433 A1 ist ein Untergestell eines Schienenfahrzeuges bekannt, dessen beide Kopfstücke über
jeweils einen Anschlussflansch mit einem Mittelträger verbunden sind, wobei jedes
Kopfstück mittels eines an der Unterkante des Anschlussflanschs angeordneten Schwenklagers
gegen den Mittelträger verkippbar ist. Zudem sollen hierdurch größere Längskräfte
zwischen Mittelträger und Kopfstück übertragbar sein. Die Mittelstücke sollen bei
eventuellen späteren Umbauten der Schienenfahrzeuge bzw. Untergestelle relativ leicht
von den jeweiligen Kopfstücken getrennt und ggf. verschrottet werden können, während
die Kopfstücke mit neuen Mittelstücken zu neuen Untergestellen zusammenfügbar sind.
Allerdings verursacht die passgenaue Fertigung eines solchen Schwenklagers hohe Produktionskosten.
[0006] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Untergestell eines Schienenfahrzeuges,
umfassend zwei auf Rädern abstützbare Kopfstücke sowie einen die beiden Kopfstücke
verbindenden Mittelträger, wobei jedes Kopfstück und der Mittelträger über jeweils
einen aus einer dem Mittelträger zugeordneten ersten Flanschplatte und einer dem Kopfstück
zugeordneten zweiten Flanschplatte gebildeten Anschlussflansch lösbar miteinander
verbindbar sind, wobei erste und zweite Flanschplatte in verbundenem Zustand eine
vertikale Kontaktebene ausbilden, bereitzustellen, welches einfacher und kostengünstiger
herzustellen ist und geringere Lebenszyklus-Kosten aufweist.
[0007] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe in Verbindung mit dem Oberbegriff des Patentanspruches
1 dadurch gelöst, dass die erste Flanschplatte eine über die Kontaktebene hinauskragende
horizontale Aufstandsfläche und die zweite Flanschplatte eine von der Kontaktebene
zurückgesetzte horizontale Stützfläche ausbilden, wobei die Stützfläche zur Abstützung
der Aufstandsfläche in vertikaler Richtung eingerichtet ist. Auf diese Weise ist ein
Schienenfahrzeug-Untergestell realisierbar, dessen Kopfstücke in besonders einfacher
Weise mit dem Mittelträger verbunden werden können. Von besonderem Vorteil ist dabei,
dass die erste Flanschplatte die zweite Flanschplatte in vertikaler Richtung, d.h.
in Richtung der auf den Mittelträger einwirkenden Gewichtskraft, überdeckt. Hierzu
weist die Flanschplatte des Mittelträgers zusätzlich zur herkömmlichen, aus dem Stand
der Technik bekannten vertikal orientierten Kontaktfläche bzw. Kontaktebene zur Übertragung
von Längskräften zwischen Mittelträger und Kopfstück einen oberhalb dieser vertikal
orientierten Kontaktfläche angeordneten und über diese hinausragenden Schenkel auf,
an dessen Unterseite eine ebene und im Wesentlichen horizontal ausgerichtete Aufstandsfläche
ausgebildet ist und der mit der vorgenannten vertikal orientierten Kontaktfläche einen
im wesentlichen rechten Winkel ausbildet. Die Flanschplatte des Mittelträgers bildet
somit ein in etwa L-förmiges Bauteil aus. Unter einer "horizontalen" Aufstandsfläche
ist in diesem Zusammenhang eine solche Fläche zu verstehen, deren räumliche Ausrichtung
in etwa parallel zu der durch die Aufstandspunkte der den Kopfstücken zugeordneten
Drehgestelle auf den Schienen definierten horizontalen Bezugsebene ist. Die Flanschplatte
des Kopfstücks weist hingegen - neben einer ebenfalls aus dem Stand der Technik bekannten
vertikal orientierten Kontaktfläche bzw. Kontaktebene zur Übertragung von Längskräften
zwischen Kopfstück und Mittelträger - eine hierzu rechtwinklig an ihrer Oberseite
angeordnete Stützfläche auf, wobei die Stützfläche von der Kontaktebene zurückgesetzt
ist. Somit ist ein Anschlussflansch realisiert, dessen erste Flanschplatte mittels
eines hervortretenden bzw. L-förmigen Form-Elements vertikal gegen die zweite Flanschplatte
abstützbar ist. Dieses Form-Element ist bevorzugt als L-förmiger Schenkel ausgeführt,
der die Oberseite der Flanschplatte des Kopfstücks übergreift und sich mittels seiner
Aufstandsfläche in vertikaler Richtung gegen die horizontale Stützfläche der Flanschplatte
des Kopfstücks abstützt. Somit können über den Anschlussflansch nicht nur horizontale
Kräfte in Längsrichtung des Untergestells bzw. des Schienenfahrzeuges zwischen Kopfstück
und Mittelträger übertragen werden, sondern auch vertikale Lasten. Die zusätzlich
vorgesehenen Mittel zur horizontalen Verspannung der beiden Flanschplatten gegeneinander
werden somit erheblich von Beeinflussungen durch Querkräfte entlastet. Eine solche
kraft- und formschlüssige Verbindung zwischen den Kopfstücken und dem Mittelträger
eines Schienenfahrzeugs-Untergestell ist kostengünstig zu fertigen und bildet die
Voraussetzung für eine konstruktiv freizügige Kombination unterschiedlicher Mittelstücke
mit konstruktiv einheitlich ausgeführten Drehgestellen. Auf diese Weise können längen-
und typvariable Schienenfahrzeuge, insbesondere solche des Güterverkehrs, kostengünstig
gefertigt und flexibel an geänderte Nutzungsarten angepasst werden.
[0008] Die Erfindung sieht ferner vor, dass erste und zweite Flanschplatte mittels Schließringbolzen
in horizontaler Richtung gegeneinander verspannt sind. Dies ermöglicht eine Übertragung
von hohen Kräften in Längsrichtung des Untergestells, aber zugleich auch eine hohe
Stabilität gegenüber Biegemomenten, die insbesondere im beladenen Zustand des Schienenfahrzeugs
auf den Anschlussflansch einwirken. Die Erfindung bezieht sich ferner auf ein Schienenfahrzeug
mit einem Untergestell, welches gemäß mindestens einem der vorgenannten Patentansprüche
ausgeführt ist. Erfindungsgemäße Schienenfahrzeuge können auch noch während ihrer
Nutzungszeit mit wenig Aufwand durch Austausch und / oder veränderte Anordnung der
Querträger in einfacher Weise an geänderte Transportbedürfnisse angepasst werden.
[0009] Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels und
dazugehöriger Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen
Figur 1: perspektivische Ansicht des aus einem Mittelträger und zwei endseitigen Kopfstücken
gebildeten Untergestells
Figur 2: Seitenansicht des Untergestells
Figur 3: Detailansicht der Verbindung zwischen Kopfstück und Mittelträger
[0010] In Figur 1 ist eine perspektivische Ansicht des aus einem Mittelträger (3) und zwei
endseitigen Kopfstücken (1, 2) gebildeten erfindungsgemäßen Untergestells eines Schienengüterwagens
dargestellt. Die Kupplungen und Drehgestelle des Schienengüterwagens sind in bekannter
Weise an den Kopfstücken angeordnet. Da diese aber keine Bestandteile des erfindungsgemäßen
Untergestells im engeren Sinne sind, sind sie aus Gründen der Übersichtlichkeit in
den Figuren dieses Ausführungsbeispiels nicht dargestellt. Der Mittelträger (3) bildet
das zentrale Bauelement des Untergestells aus und ist im Wesentlichen einteilig ausgeführt;
d.h. ein Mittelträger verbindet beide Kopfstücke des Untergestells. Durch Variation
der Länge des Mittelträgers lassen sich unterschiedlich lange Untergestelle bilden.
In Figur 1 ist ein Mittelträger mit kurzer Längserstreckung entlang der Längsachse
des Schienengüterwagens bzw. des Untergestells dargestellt. Insbesondere bei größerer
Bauteillänge kann der Mittelträger einen zentralen Abschnitt sowie zwei an den distalen
Enden des zentralen Abschnitts anschließende Endabschnitte aufweisen, wobei das Querschnittsprofil
des zentralen Abschnitts größer als das Querschnittsprofil der beiden Endabschnitte
ist.
[0011] In Figur 2 ist eine Seitenansicht dieses Untergestells dargestellt. Die Verbindung
zwischen einem der beiden Kopfstücke (2) und dem Mittelträger (3) ist als Detail "A"
gesondert in Figur 3 dargestellt. Die Verbindung ist gebildet aus einer ersten Flanschplatte
(4) an einer ersten Stirnseite des Mittelträgers (3) sowie einer zweiten Flanschplatte
(5) an einer hierzu korrespondierenden zweiten Stirnseite des Kopfstücks (2). Beide
Flanschplatten (4, 5) berühren einander mit ihren vertikal orientierten Anschlussflächen,
so dass hierdurch im Kontaktbereich beider Flanschplatten (4, 5) eine gemeinsame vertikale
Kontaktebene (E) ausgebildet ist. Die dem Mittelträger (3) zugeordnete erste Flanschplatte
(4) weist in ihrem oberen Bereich einen L-förmigen Schenkel auf, der in Richtung der
Längsachse (L) des Mittelträgers (3) über die vertikal orientierte Anschlussfläche
dieser ersten Flanschplatte (4) hinausragt und an dessen Unterseite eine horizontale
Aufstandsfläche (6) ausgebildet ist. Die dem Kopfstück (2) zugeordnete zweite Flanschplatte
(5) weist an ihrer Oberseite eine ebenfalls rechtwinklig zu ihrer vertikalen Anschlussfläche
orientierte Stützfläche (7) auf, welche in Bezug auf die Kontaktebene (E) zurückgesetzt
ist. In einer mittels einer Mehrzahl von Schließringbolzen (8) gegeneinander axial
(d.h. in Richtung der Längsachse (L)) verspannten Position beider Flanschplatten übergreift
der Schenkel der ersten Flanschplatte (4) die zweite Flanschplatte (5), so dass sich
deren Aufstandsfläche (6) vertikal gegen die Stützfläche (7) der zweiten Flanschplatte
(5) abstützt.
Bezugszeichenliste:
[0012]
- 1, 2
- Kopfstück
- 3
- Mittelträger
- 4
- erste Flanschplatte (dem Mittelträger zugeordnet)
- 5
- zweite Flanschplatte (dem Kopfstück zugeordnet)
- 6
- Aufstandsfläche
- 7
- Stützfläche
- 8
- Schließringbolzen
- L
- Längsachse des Mittelträgers (3)
1. Untergestell eines Schienenfahrzeuges, umfassend zwei auf Rädern abstützbare Kopfstücke
(1, 2) sowie einen die beiden Kopfstücke (1, 2) verbindenden Mittelträger (3), wobei
jedes Kopfstück (1, 2) und der Mittelträger (3) über jeweils einen aus einer dem Mittelträger
zugeordneten ersten Flanschplatte (4) und einer dem Kopfstück zugeordneten zweiten
Flanschplatte (5) gebildeten Anschlussflansch lösbar miteinander verbindbar sind,
wobei erste und zweite Flanschplatte in verbundenem Zustand eine vertikale Kontaktebene
(E) ausbilden,
dadurch gekennzeichnet, dass
die erste Flanschplatte (4) eine über die Kontaktebene (E) hinauskragende horizontale
Aufstandsfläche (6) und die zweite Flanschplatte (5) eine von der Kontaktebene (E)
zurückgesetzte horizontale Stützfläche (7) ausbilden, wobei die Stützfläche (7) zur
Abstützung der Aufstandsfläche (6) in vertikaler Richtung eingerichtet ist.
2. Untergestell eines Schienenfahrzeuges nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass erste und zweite Flanschplatte (4, 5) mittels Schließringbolzen (8) in horizontaler
Richtung gegeneinander verspannt sind.
3. Schienenfahrzeug mit einem Untergestell nach einem der Patentansprüche 1 oder 2.