[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur direktionalen Signalverarbeitung für ein
Hörgerät, wobei durch einen ersten Eingangswandler des Hörgerätes aus einem Schallsignal
der Umgebung ein erstes Eingangssignal erzeugt wird, wobei durch einen zweiten Eingangswandler
des Hörgerätes aus dem Schallsignal der Umgebung ein zweites Eingangssignal erzeugt
wird, wobei anhand des ersten Eingangssignals und des zweiten Eingangssignals jeweils
ein erstes Richtsignal sowie ein zweites Richtsignal gebildet werden, wobei das zweite
Richtsignal in Richtung einer ersten Nutzsignalquelle eine relative Abschwächung aufweist,
wobei das erste Richtsignal in Richtung einer zweiten Nutzsignalquelle eine relative
Abschwächung aufweist, und wobei ein erster Verstärkungsparameter für eine Verstärkung
eines ersten Nutzsignals der ersten Nutzsignalquelle sowie ein zweiter Verstärkungsparameter
für eine Verstärkung eines zweiten Nutzsignals der zweiten Nutzsignalquelle ermittelt
werden.
[0002] In einem Hörgerät wird ein Umgebungsschall mittels wenigstens eines Eingangswandlers
in ein Eingangssignal umgewandelt, welches in Abhängigkeit einer zu korrigierenden
Hörschwäche des Trägers frequenzbandspezifisch und hierbei insbesondere individuell
auf den Träger abgestimmt verarbeitet und dabei auch verstärkt wird. Das verarbeitete
Signal wird über einen Ausgangswandler des Hörgerätes in ein Ausgangsschallsignal
umgewandelt, welches zum Gehör des Trägers geleitet wird. Im Rahmen der Signalverarbeitung
wird dabei auf das Eingangssignal oder auf ein bereits vorverarbeitetes Zwischensignal
oftmals eine automatische Lautstärkenregelung ("automatic gain control", AGC) und
oftmals auch eine Dynamik-Kompression angewandt, bei welcher das Eingangssignal meist
nur bis zu einem bestimmten Grenzwert linear verstärkt wird, und oberhalb des Grenzwertes
eine geringere Verstärkung angewandt wird, um dadurch Pegelspitzen des Eingangssignals
auszugleichen. Dies soll insbesondere verhindern, dass plötzliche, laute Schallereignisse
durch die zusätzliche Verstärkung im Hörgerät zu einem zu für den Träger lauten Ausgangsschallsignal
führen.
[0003] Eine derartige AGC mit integrierter Dynamik-Kompression reagiert hierbei jedoch zunächst
auf Schallereignisse unabhängig von ihrer Richtung. Befindet sich der Träger eines
Hörgerätes in einer komplexen Hörsituation, z.B. in einem Gespräch mit mehreren Gesprächspartnern,
kann ein Gesprächspartner z.B. durch einen kurzen Aufschrei oder lautes Lachen die
Kompression auslösen, wodurch die Gesprächsbeiträge eines anderen Gesprächsteilnehmers
merklich abgesenkt werden, worunter für den Träger die Verständlichkeit leiden kann.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur direktionalen Signalverarbeitung
in einem Hörgerät anzugeben, welches insbesondere in Verbindung mit AGC und/oder Dynamik-Kompression
auch für komplexe Hörsituationen mit mehr als einer Nutzsignalquelle geeignet ist.
[0005] Die genannte Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zur direktionalen
Signalverarbeitung für ein Hörgerät, wobei durch einen ersten Eingangswandler des
Hörgerätes aus einem Schallsignal der Umgebung ein erstes Eingangssignal erzeugt wird,
wobei durch einen zweiten Eingangswandler des Hörgerätes aus dem Schallsignal der
Umgebung ein zweites Eingangssignal erzeugt wird, wobei anhand des ersten Eingangssignals
und des zweiten Eingangssignals jeweils ein erstes Richtsignal sowie ein zweites Richtsignal
gebildet werden, wobei das zweite Richtsignal in Richtung einer ersten Nutzsignalquelle
eine relative Abschwächung aufweist, wobei das erste Richtsignal in Richtung einer
zweiten Nutzsignalquelle eine relative Abschwächung aufweist, und wobei ein erster
Verstärkungsparameter für eine Verstärkung eines ersten Nutzsignals der ersten Nutzsignalquelle
sowie ein zweiter Verstärkungsparameter für eine Verstärkung eines zweiten Nutzsignals
der zweiten Nutzsignalquelle ermittelt werden. Erfindungsgemäß ist hierbei vorgesehen,
dass eine Referenz-Richtcharakteristik für ein Referenz-Richtsignal, welches insbesondere
als eine Überlagerung des ersten Richtsignals und des zweiten Richtsignals darstellbar
ist, definiert wird, wobei anhand des ersten Verstärkungsparameters und/oder des zweiten
Verstärkungsparameters in Abhängigkeit der Referenz-Richtcharakteristik ein korrigierter
erster Verstärkungsparameter und ein korrigierter zweiter Verstärkungsparameter derart
ermittelt werden, dass ein Ausgangs-Richtsignal, welches als Summe des mit dem korrigierten
ersten Verstärkungsparameter gewichteten ersten Richtsignals und dem mit dem korrigierten
zweiten Verstärkungsparameter gewichteten zweiten Richtsignals gebildet wird, in ein
linear skaliertes Referenz-Richtsignal übergeht, wenn der erste Verstärkungsparameter
gleich dem zweiten Verstärkungsparameter ist, und wobei wenigstens einer der beiden
besagten korrigierten Verstärkungsparameter vom entsprechenden, zugrunde liegenden
Verstärkungsparameter verschieden ist. Vorteilhafte und teils für sich gesehen erfinderische
Ausgestaltungen sind Gegenstand der Unteransprüche und der nachfolgenden Beschreibung.
[0006] Das Ausgangs-Richtsignal mit der geforderten Eigenschaft kann entweder als die entsprechend
beschriebene Überlagerung gebildet werden, oder anhand wenigstens eines geeigneten
Zwischensignals, wobei die Bildung des Ausgangs-Richtsignal derart erfolgt, dass die
geforderte Eigenschaft bei Gleichheit der beiden Verstärkungsparameter erfüllt ist.
[0007] Das erste Richtsignal kann hierbei einerseits zur weiteren Signalverarbeitung gebildet
werden, sodass dabei insbesondere die Signalanteile des ersten Richtsignals entsprechend
in das Ausgangs-Richtsignal eingehen. Für den Fall, dass das Ausgangs-Richtsignal
aus den Signalanteilen von wenigstens einem geeigneten Zwischensignal gebildet wird
- also z.B. eine Bildung des ersten und zweiten Richtsignals sowie des Ausgangs-Richtsignals
jeweils anhand vorwärts- und rückwärtsgerichteter Kardioid-Signale - wird das erste
Richtsignal insbesondere dazu gebildet, den korrigierten ersten und/oder korrigierten
zweiten Verstärkungsparameter zu bestimmen, da die direktionale Information insbesondere
über die zweite Nutzsignalquelle, welche dem ersten Richtsignal entnehmbar ist, hierfür
von maßgeblichem Vorteil ist.
[0008] Bevorzugt wird anhand des Ausgangs-Richtsignals ein Ausgangssignal erzeugt, welches
durch einen Ausgangswandler des Hörgerätes in ein Ausgangsschallsignal umgewandelt
wird. Hierbei können noch eine insbesondere frequenzbandabhängige Unterdrückung von
Störgeräuschen und/oder Rückkopplung und/oder weitere Signalverarbeitungsschritte
bei der Erzeugung des Ausgangssignals aus dem Ausgangs-Richtsignal erfolgen. Insbesondere
kann das Verfahren frequenzbandweise durchgeführt werden, sodass der erste und der
zweite Verstärkungsparameter, das erste und das zweite Richtsignal sowie das Referenz-Richtsignal
und schließlich der korrigierte erste und zweite Verstärkungsparameter und das Ausgangs-Richtsignal
gesondert für jedes Frequenzband oder für Gruppen einzelner Frequenzbänder ermittelt
bzw. definiert werden.
[0009] Unter einem Eingangswandler ist hierbei insbesondere ein elektroakustischer Wandler
umfasst, welcher dazu eingerichtet ist, aus einem Schallsignal ein entsprechendes
elektrisches Signal zu erzeugen. Insbesondere kann bei der Erzeugung des ersten bzw.
zweiten Eingangssignals durch den jeweiligen Eingangswandler auch eine Vorverarbeitung
erfolgen, z.B. in Form einer linearen Vorverstärkung und/oder einer A/D-Konvertierung.
Das entsprechend erzeugte Eingangssignal ist dabei insbesondere durch ein elektrisches
Signal gegeben, dessen Strom- und/oder Spannungsschwankungen im Wesentlichen die Schalldruck-Schwankungen
der Luft repräsentieren.
[0010] Bevorzugt ist hierbei die Richtung der ersten Nutzsignalquelle bezüglich einer durch
den bestimmungsgemäßen Gebrauch des Hörgerätes definierten Frontalrichtung eines Benutzers
des Hörgerätes in den vorderen Halbraum gerichtet. Besonders bevorzugt liegt dabei
die erste Nutzsignalquelle zumindest näherungsweise in Frontalrichtung, sodass für
die Signalverarbeitung insbesondere entsprechende Näherungen einer frontalen Quelle
vorgenommen werden können. Bevorzugt ist die Richtung der zweiten Nutzsignalquelle
außerhalb eines Winkelbereichs von +/- 45°, besonders bevorzugt von +/- 60° um die
Frontalrichtung gerichtet. Insbesondere ist die Richtung der zweiten Nutzsignalquelle
in den hinteren Halbraum gerichtet.
[0011] Unter einer relativen Abschwächung des ersten Richtsignals ist hierbei insbesondere
zu verstehen, dass die betreffende Richtcharakteristik in Richtung des zweiten Nutzsignals
eine Empfindlichkeit aufweist, welche gegenüber der über alle Richtungen gemittelten
Empfindlichkeit verringert ist, und insbesondere ein lokales, bevorzugt ein globales
Minimum aufweist. Bevorzugt weisen das erste und das zweite Richtsignal in Richtung
der zweiten bzw. der ersten Nutzsignalquelle eine möglichst vollständige Abschwächung
auf.
[0012] Die vorliegende Erfindung löst hierbei insbesondere folgendes Problem: Wird ein Ausgangs-Richtsignal
anhand zweier Richtsignale gebildet, welche jeweils in Richtung einer anderen Nutzsignalquelle
eine relative, vorzugsweise vollständige Abschwächung aufweisen, so hängt z.B. die
Verstärkung des zweiten Nutzsignals durch das so entstehende Ausgangs-Richtsignal
nicht nur vom entsprechenden Verstärkungsparameter ab, mit welchem das zweite Richtsignal
gewichtet wird, sondern auch von der Richtung der zweiten Nutzsignalquelle, da das
zweite Richtsignal diesbezüglich eine nicht-triviale Richtungsabhängigkeit aufweist.
Weist das erste Richtsignal in Richtung der zweiten Nutzsignalquelle dann eine vollständige
oder näherungsweise vollständige Abschwächung auf, kann die besagte Richtungsabhängigkeit
durch einen Korrekturterm des ersten Richtsignals nicht kompensiert werden. Vergleichbares
kann für eine Verstärkung des ersten Nutzsignals durch das erste Richtsignal gelten.
[0013] Eine entsprechende Korrektur hat deswegen über die Beiträge des jeweiligen Richtsignals
selbst zu erfolgen. Im Rahmen der Erfindung wird dies über eine Korrektur der "Skalierung"
des jeweiligen Richtsignals, also eine Anpassung des jeweiligen Verstärkungsparameters
gelöst, sodass der korrigierte Verstärkungsparameter zum einen eine Berücksichtigung
dieser Richtungsabhängigkeit des entsprechenden Richtsignals erlaubt.
[0014] Andererseits wird die Referenz-Richtcharakteristik als der "Normalzustand" vorgegeben,
welcher erreicht werden soll, wenn beide Nutzsignale mit gleichen Verstärkungsparametern
verstärkt werden sollen (die Annahme ist hierbei, dass dies u.a. insbesondere für
identische Nutzsignale gilt, welche lediglich aus unterschiedlichen Richtungen auftreffen).
In diesem Fall soll die Verstärkung der einzelnen, "gleich lauten" Nutzsignale zum
Referenz-Zustand führen, also bspw. zu einer omnidirektionalen oder einer eine Filterung
durch eine Pinna modellierenden Richtcharakteristik.
[0015] Es kann somit erreicht werden, dass nicht nur Nutzsignale von frontalen Nutzsignalquellen,
sondern z.B. auch aus dem hinteren Halbraum unabhängig von ihrer konkreten Richtung
verstärkt werden, indem der Einfluss der Richtwirkung eines das betreffende Nutzsignal
aufnehmenden Richtsignals durch eine entsprechende Korrektur der Verstärkung kompensiert
wird. Dabei ist ebenso eine äquivalente Formulierung auf der Ebene von die Richtsignale
ggf. bildenden Zwischensignalen möglich.
[0016] Das Referenz-Richtsignal wird hierfür bevorzugt in der Basis der beiden Richtsignale
dargestellt, sodass die korrigierten Verstärkungsparameter anhand der entsprechenden
Koeffizienten in dieser Darstellung ermittelt werden können. Hierbei ist insbesondere
möglich, dass z.B. nur der zweite korrigierte Verstärkungsparameter eine echte nicht-triviale
Korrektur zum zweiten Verstärkungsparameter aufweist, während der erste korrigierte
Verstärkungsparameter zum ersten Verstärkungsparameter identisch ist. Es können jedoch
auch beide korrigierten Verstärkungsparameter, also der erste und der zweite, sich
jeweils von ihrem zugrunde liegenden ersten bzw. zweiten Verstärkungsparameter unterscheiden.
Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn keine der beiden Nutzsignalquellen
in einer Vorzugsrichtung (z.B. der Frontalrichtung) bzgl. des Hörgerätes belegen ist.
[0017] Günstigerweise wird der korrigierte zweite Verstärkungsparameter derart ermittelt,
dass das zweite Nutzsignal gegenüber der Referenz-Richtcharakteristik durch das Ausgangs-Richtsignal
um den zweiten Verstärkungsparameter verstärkt wird, und/oder wobei der korrigierte
erste Verstärkungsparameter derart ermittelt wird, dass das erste Nutzsignal durch
das Ausgangs-Richtsignal gegenüber der Referenz-Richtcharakteristik um den ersten
Verstärkungsparameter verstärkt wird. Hierdurch wird erreicht, dass durch das Ausgangs-Richtsignal
jedes der beiden Nutzsignale undabhängig von der Richtung der jeweiligen Nutzsignalquelle
mit dem jeweils für das einzelne Nutzsignal "korrekten" Verstärkungsparameter verstärkt
wird.
[0018] Dies wird nun überhaupt erst dadurch möglich, dass diejenigen Signalbeiträge im Ausgangs-Richtsignal,
welche z.B. vom zweiten Nutzsignal stammen - also z.B. ein entsprechendes zweites
Richtsignal - anhand des korrigierten zweiten Verstärkungsparameters so gewichtet
werden können, dass eine Richtungsabhängigkeit des zweiten Richtsignals (oder eines
vergleichbaren, anhand wenigstens eines geeigneten Zwischensignals gebildeten Signals
mit einer relativen Abschwächung in Richtung der ersten Nutzsignalquelle) über die
Korrektur im korrigierten zweiten Verstärkungsparameter kompensierbar ist. Vergleichbares
gilt für die Signalbeiträge des ersten Nutzsignals im Ausgangs-Richtsignal. Insbesondere
kann der erste korrigierte Verstärkungsparameter zum ersten Verstärkungsparameter
identisch sein.
[0019] Zweckmäßigerweise wird der korrigierte zweite Verstärkungsparameter gebildet als
ein Produkt aus dem zweiten Verstärkungsfaktor und einem Korrekturfaktor, wobei der
Korrekturfaktor einem Linearkoeffizienten des zweiten Richtsignals in einer Darstellung
des Referenz-Richtsignals als eine Linearkombination des ersten Richtsignals und des
zweiten Richtsignals entspricht.
[0020] Eine mathematische Formulierung lässt sich dabei wie folgt erreichen: Fasst man die
Eingangssignale E1 und E2 zu einem Vektor E = [E1, E2]
T zusammen, so lässt sich ein anhand der beiden Eingangssignale gebildetes erstes Richtsignal
Xr1 wenigstens näherungsweise darstellen anhand der Gewichte w = [w1, w2]
T der beiden Eingangssignale, also Xr1 = E
T · w (sofern die akustische Laufzeit zwischen den beiden Eingangswandlern weniger
als ein Sample beträgt, was meist gegeben ist). In vergleichbarer Weise lässt sich
das zweite Richtsignal Xr2 darstellen als Xr2 = E
T · u mit den Gewichten u = [u1, u2]
T.
[0021] Das Ausgangs-Richtsignal Xout lässt sich dann darstellen als

mit dem (skalaren!) korrigierten ersten und zweiten Verstärkungsparameter G1', G2'.
Stellt man das Referenz-Richtsignal Xref ebenfalls in der Basis E1, E2 dar, so erhält
man auch hier einen entsprechenden Gewichtungsvektor wref = [wr1, wr2]
T: Xref = E
T · wref. Anhand des ersten und des zweiten Richtsignals Xr1, Xr2 lässt sich nun infolge
deren linearer Unabhängigkeit (da die relative Abschwächung jeweils auf eine andere
Nutzsignalquelle gerichtet ist) das Referenz-Richtsignal darstellen zu

und somit

[0022] Es wird nun eine Linksmultiplikation der Gleichung (ii') mit h
T(α) durchgeführt, wobei h(α) = [h1(α), h2(α)]
T eine (gemessene, geschätzte oder modellierte) Übertragungsfunktion am Hörgerät darstellt,
welche z.B. eine Propagation eines Schalls von einer Schallquelle zum ersten Eingangswandler
bzw. zum zweiten Eingangswandler berücksichtigt, und für α = 0° in eine relative Übertragungsfunktion
vom ersten Eingangswandler zum zweiten Eingangswandler bezüglich einer frontalen Schallquelle
übergeht, und α der Winkel ist, für welchen vorzugsweise h
T(α) · u = 0 gilt (also der Winkel derjenigen Richtung, für welche das zweite Richtsignal
bevorzugt eine wenigstens näherungsweise totale Abschwächung aufweist, nämlich die
Richtung der ersten Nutzsignalquelle). Hieraus kann man in Abhängigkeit der Kenntnis
von h
T(α) · wref und h
T(α) · w einen Wert von a bestimmen (die beiden Skalarprodukte sind insbesondere für
verschiedene Werte von w1, w2 und α tabellierbar). Anhand des Wertes von a lässt sich
in einer der beiden Komponenten von (ii') auch ein Wert für b bestimmen.
[0023] Es lässt sich dann zeigen, dass die korrigierten Verstärkungsparameter

die gewünschte Eigenschaft erfüllen, im Ausgangs-Richtsignal Xout nach Gleichung
(i) für G1 = G2 in das mit G1 skalierte Referenz-Richtsignal Xref überzugehen.
[0024] Als vorteilhaft erweist es sich, wenn der korrigierte erste Verstärkungsparameter
als der erste Verstärkungsparameter ermittelt wird, wenn das zweite Richtsignal in
Richtung der ersten Nutzsignalquelle seine minimale Empfindlichkeit und bevorzugt
eine möglichst vollständige Abschwächung in dieser Richtung aufweist, und besonders
bevorzugt das erste Richtsignal seine maximale Empfindlichkeit aufweist. Wenn für
das erste Richtsignal Xr1 die Richtung maximaler Empfindlichkeit in der Richtung des
ersten Nutzsignals liegt, in welcher ja das zweite Richtsignal seine minimale Empfindlichkeit
aufweist, kann dies insbesondere für eine Normierung des ersten Richtsignals dahingehend
verwendet werden, dass die Empfindlichkeit in dieser Richtung zu 1 gesetzt wird, und
somit h
T(α) · w = 1 gilt. Ist zusätzlich in dieser Richtung die Abschwächung durch das zweite
Richtsignal wenigstens näherungsweise vollständig, also h
T(α) · u ≈ 0, so lässt sich in Gleichung (ii) a = 1 setzen, wodurch sich in Gleichung
(iii) G1' = G1, also Identität von erstem und korrigiertem ersten Verstärkungsparameter
ergibt.
[0025] Bevorzugt wird anhand des ersten Eingangssignals und des zweiten Eingangssignals
ein erstes Zwischensignal und ein zweites Zwischensignal gebildet, wobei das erste
Richtsignal als eine Überlagerung des ersten Zwischensignals und des zweiten Zwischensignals
gebildet wird, und dabei ein zugehöriger erster Überlagerungsparameter ermittelt wird
und/oder das zweite Richtsignal als eine Überlagerung des zweiten Zwischensignals
mit dem ersten Zwischensignal gebildet wird, und dabei ein zugehöriger zweiter Überlagerungsparameter
ermittelt wird. Als erstes Zwischensignal und zweites Zwischensignal werden dabei
insbesondere ein vorwärts- und ein rückwärtsgerichtetes Kardioid-Signal Xc, Xa verwendet.
Der erste Überlagerungsparameter a1 bzw. der zweite Überlagerungsparameter a2 ergeben
sich dann aus der Darstellung

und können insbesondere adaptiv ermittelt werden. In einem wichtigen Spezialfall
ist a2 = 0, d.h., das zweite Richtsignal Xr2 ist durch das rückwärtsgerichtete Kardioid-Signal
Xa, und damit durch das zweite Zwischensignal Z2 gegeben. Dies ist z.B. der Fall,
wenn die erste Nutzsignalquelle, für welche das zweite Richtsignal eine relative,
bevorzugt maximale, und besonders bevorzugt totale Abschwächung aufweist, im Bereich
der Kerbe des rückwärtsgerichteten Kardioid-Signals liegt oder dort angenommen wird.
[0026] In einer vorteilhaften Ausgestaltung werden der korrigierte erste Verstärkungsparameter
G1' gebildet als ein Produkt aus dem ersten Verstärkungsfaktor G1 und einem ersten
Korrekturfaktor a sowie der korrigierte zweite Verstärkungsparameter G2' als ein Produkt
aus dem zweiten Verstärkungsfaktor G2 und einem zweiten Korrekturfaktor b.
[0027] Bevorzugt wird ein erster Referenz-Überlagerungsparameter aref1 und ein zweiter Referenz-Überlagerungsparameter
aref2 für eine Überlagerung des ersten Zwischensignals Z1 und des zweiten Zwischensignals
Z2 definiert werden, welche das Referenz-Richtsignal Xref bildet, wobei der erste
Korrekturfaktor a anhand eines Produktes des zweiten Überlagerungsparameters a2 mit
dem zweiten Referenz-Überlagerungsparameter aref2 und insbesondere anhand einer Abweichung
des Produktes vom ersten Referenz-Überlagerungsparameters aref1 gebildet wird, und/oder
wobei der zweite Korrekturfaktor b anhand einer Abweichung eines Produktes des ersten
Überlagerungsparameters a1 mit dem ersten Referenz-Überlagerungsparameter aref1 vom
zweiten Referenz-Überlagerungsparameter aref2 gebildet wird. Bevorzugt wird dabei
das Ausgangs-Richtsignal Xout anhand des mit dem korrigierten ersten Verstärkungsparameter
G1' gewichteten ersten Richtsignals Xr1 und anhand des mit dem korrigierten zweiten
Verstärkungsparameters G2' gewichteten zweiten Richtsignals Xr2 nach Gleichung (iii)
gebildet wird als

[0028] Anhand der Gleichungen (iv) und (ii) lässt sich Xref in Abhängigkeit des vorwärts-
und. rückwärtsgerichteten Kardioid-Signals Xc bzw. Xa (also in Abhängigkeit der beiden
Zwischensignale Z1 und Z2 und vorliegend mit Z1 = Xc und Z2 = Xa) angeben:

[0029] Die Linearfaktoren in Gleichung (ii"), welche dem vorwärts- bzw. rückwärtsgerichteten
Kardioid-Signal Xc bzw. Xa zugeordnet sind, können hierbei als ein erster bzw. zweiter
Referenz-Überlagerungsparameter aref1 bzw. aref2 interpretiert werden, also

[0030] Die Korrekturfaktoren a, b in Gleichung (v') ergeben sich dann in Abhängigkeit der
beiden Refeernz-Überlagerungsparameter aref1, aref2 zu

[0031] Für den Spezialfall aref1 =1 geht Gleichung (vii) über in

[0032] In einer weiter vorteilhaften Ausgestaltung wird anhand des ersten und des zweiten
Überlagerungsparameters a1, a2, anhand des ersten und des zweiten Referenz-Überlagerungsparameters
aref1, aref2 sowie anhand des ersten Verstärkungsparameters G1 und anhand des zweiten
Verstärkungsparameters G2 ein effektiver erster Überlagerungsparameter aeff1 und ein
effektiver zweiter Überlagerungsparameter aeff2 ermittelt, wobei das Ausgangs-Richtsignal
Xout anhand einer Überlagerung des mit dem ersten effektiven Überlagerungsparameter
aeff1 gewichteten ersten Zwischensignals Z1 und des mit dem zweiten effektiven Überlagerungsparameter
aeff2 gewichteten zweiten Zwischensignals Z2 gebildet wird, also insbesondere als
Xout ∝ aeff1 · Z1 + aeff2 · Z2.
[0033] Mit den Definitionen der Gleichungen (iv) und (iii) lässt sich zudem aus Gleichung
(v) die folgende Darstellung ableiten:

[0034] Eine vergleichbare Darstellung lässt sich durch ein Ausklammern des zweiten Verstärkungsparameters
G2 gewinnen, wobei die in Gleichung (viii) gewählte Darstellung (Ausklammern von G1)
insbesondere für den Fall G1 ≥ G2 vorteilhaft ist. Die Linearfaktoren in Gleichung
(viii), welche dem vorwärts- bzw. rückwärtsgerichteten Kardioid-Signal Xc bzw. Xa
zugeordnet sind, können hierbei als ein erster bzw. zweiter effektiver Überlagerungsparameter
aeff1 bzw. aeff2 interpretiert werden, also

mit a, b gegeben durch die Darstellung gemäß Gleichung (vii) (bzw. für den Spezialfall
aref1 = 1 durch die Gleichung vii'), sodass Gleichung (viii) übergeht in

[0035] Für G1 = G2 gehen der erste und der zweite effektiver Überlagerungsparameter aeff1,
aeff2 in den ersten bzw. zweiten Referenz-Überlagerungsparameter aref1, aref2 gemäß
Gleichung (vi) über. Dies lässt sich nun dazu verwenden, zunächst die beiden Korrekturparameter
a, b, welche gemäß Gleichung (iii) den beiden Verstärkungsparametern G1, G2 zugeordnet
sind, und schließlich die beiden effektiven Überlagerungsparameter aeff1, aeff2 in
Abhängigkeit der Referenz-Überlagerungsparameter aref1, aref2 darzustellen.
[0036] Die konkret zu wählende Form von Xout, also gemäß Gleichung (v) oder Gleichung (viii'),
erfolgt dann bevorzugt in Abhängigkeit davon, welche der beiden Darstellungen (ii),
(ii") tatsächlich für Xref verwendet wird. Insbesondere kann für Gleichung (ii") der
Wert aref1 = 1 vorgegeben werden.
[0037] Im Fall, dass das zweite Richtsignal Xr2 durch das zweite Zwischensignal Z2, also
insbesondere durch das rückwärtsgewandte Kardioid-Signal Xa gegeben ist (und somit
a2 = 0 in Gleichung iii gilt), wird der erste effektive Überlagerungsparameter aeff1
gebildet aus dem ersten Referenz-Überlagerungsparameter aref1, also aeff1 = aref1.
[0038] Aus Gleichung (v) lässt sich für Z1 = Xc, Z2 = Xa nach einigem Umformen zudem folgende
Darstellung herleiten:

mit einem effektiven Verstärkungsparameter Geff = (G1' + G2' · a2) und dem Verhältnis
der effektiven Überlagerungsparameter aeff2/aeff1 = (G1' · a1 + G2')/Geff. Anhand
der Forderungen, dass für G1 = G2 das Ausgangssignal Xout in ein skaliertes Referenzsignal
Xref, und somit die effektiven Überlagerungsparameter aeff1, aeff2 in die zugehörigen
Referenz-Überlagerungsparameter aref1, aref2 übergehen sollen, sowie aus der zusätzlichen
Forderung, dass in diesem Fall das Ausgangssignal Xout mit dem ersten Verstärkungsparameter
G1 zu verstärken ist, also Geff = G1, ergeben sich die Gleichungen

[0039] Für den o.g. Spezialfall, dass das zweite Richtsignal Xr2 durch das zweite Zwischensignal
Z2 (insbesondere in Form eines rückwärtsgerichteten Kardioid-Signals Xa) gegeben ist,
und somit a2 = 0 gilt, sowie der erste Referenz-Überlagerungsparameter aref1 = 1 gesetzt
wird, ist der erste Korrekturfaktor a = 1 (vgl. Gleichung vii'). Somit ist der korrigierte
erste Verstärkungsparameter G1' zum ersten Verstärkungsparameter G1' identisch. Für
den zweiten Korrekturfaktor b gilt b = aref2 - 1.
[0040] Hieraus ergibt sich für das Ausgangssignal

[0041] Für G1 = G2 ist offensichtlich, dass (xii) in das mit G1 skalierte Referenz-Richtsignal
Xref = Z1 + aref2 · Z2 mit dem zweiten Referenz-Überlagerungsparameter aref2 übergeht.
[0042] Günstigerweise wird dabei für den Fall, dass das zweite Richtsignal Xr2 durch das
zweite Zwischensignal Z2 gegeben ist, der zweite effektive Überlagerungsparameter
gebildet aus dem ersten Überlagerungsparameter a1 und einem Verhältnis des korrigierten
zweiten Verstärkungsparameters G2' und des ersten Verstärkungsparameters G2'/G1.
[0043] Anhand des ersten Richtsignals Xr1 = Z1 + a1 · Z2 kann dann im genannten Spezialfall
(aref1 = 1, a2 = 0 und somit aeff1 = 1 in Gleichung ix) anhand von Gleichung (x) insbesondere
eine zu Gleichung (xii) äquivalente Formulierung gewonnen werden, wenn das zweite
Nutzsignal weitgehend ausschließlich durch das zweite Zwischensignal angehoben werden
soll:

wobei der Term (aref2 - a1) · G2 in aeff2 den korrigierten zweiten Verstärkungsparameter
G2' bildet. Man beachte, dass für den genannten Fall das zweite Richtsignal Xr2 durch
das zweite Zwischensignal Z2 gegeben ist, und somit der zweite Überlagerungsparameter
a2 = 0 gesetzt wurde. Hierdurch wird in Gleichung (x) der effektive Verstärkungsparameter
Geff zu G1 (a = 1), was in Gleichung (xiii) berücksichtigt wurde.
[0044] Als weiter vorteilhaft erweist es sich, wenn die Referenz-Richtcharakteristik des
Referenz-Richtsignals als eine omni-direktionale Richtcharakteristik gewählt wird,
oder derart gewählt wird, dass eine Abschattungswirkung von menschlichen Ohren nachgebildet
wird.
[0045] Falls als Zwischensignale der Signalverarbeitung, z.B. zur Bildung wenigstens des
ersten Richtsignals, jeweils ein vorwärtsgerichtetes und ein rückwärtsgerichtetes
Kardioid-Signal Xc, Xa verwendet werden, gilt im Fall der omni-direktionalen Referenz-Richtcharakteristik
für diee beiden Referenz-Überlagerungsparameter aref1, aref2 im Referenz-Richtsignal
Xref = aref1 · Xc + aref2 · Xa die Werte aref1 = 1, aref2 = - 1. In vielen Situationen
ist ein möglichst omnidirektionales Hörempfinden als Ausgangslage erwünscht.
[0046] Für den Fall, dass durch die Referenz-Richtcharakteristik eine Abschattungswirkung
von menschlichen Ohren nachgebildet werden soll, werden die Referenz-Überlagerungsparameter
aref1, aref2 bevorzugt vorab derart ermittelt, dass das Referenz-Richtsignal Xref
= aref1 · Xc + aref2 · Xa die gewünschte räumliche Empfindlichkeit, wie sie durch
die Abschattungen der Pinna an einem menschlichen Ohr entsteht, nachbildet. Hierbei
kann das Ermitteln von aref1, aref2 an einem generischen Ohrmodell (z.B. eines KEMAR)
erfolgen, oder auch auf den Träger des Hörgerätes individuell durch entsprechende
Messungen abgestimmt werden.
[0047] Bevorzugt weist das erste Richtsignal in Richtung der ersten Nutzsignalquelle eine
maximale Abschwächung auf und/oder das zweite Richtsignal in Richtung der zweiten
Nutzsignalquelle eine maximale, insbesondere totale Abschwächung auf. Hierdurch lassen
sich die Einflüsse der jeweiligen Nutzsignale auf das jeweils andere Richtsignal und
somit auf den relativen Verstärkungsparameter besonders effektiv minimieren.
[0048] Vorteilhafterweise wird das erste Richtsignal mittels adaptiver Richtmikrofonie insbesondere
anhand eines ersten Zwischensignals und eines zweiten Zwischensignals erzeugt, und/oder
das zweite Richtsignal mittels adaptiver Richtmikrofonie insbesondere anhand des ersten
und des zweiten Zwischensignals erzeugt wird. Hierdurch kann erreicht werden, dass
das betreffende Richtsignal einerseits in Richtung einer der beiden Nutzsignalquellen
eine möglichst geringe, bevorzugt minimale Empfindlichkeit aufweist, sodass in dieser
Richtung eine hohe, bevorzugt maximale Abschwächung erfolgt, und in Richtung der jeweils
anderen Nutzsignalquelle eine möglichst hohe, bevorzugt maximale Empfindlichkeit.
[0049] Als weiter vorteilhaft erweist sich dabei, wenn das erste Zwischensignal anhand einer
mittels eines ersten Verzögerungsparameters implementierten zeitverzögerten Überlagerung
des ersten Eingangssignals mit dem zweiten Eingangssignal erzeugt wird, und/oder das
zweite Zwischensignal anhand einer mittels eines zweiten Verzögerungsparameters implementierten
zeitverzögerten Überlagerung des zweiten Eingangssignals mit dem ersten Eingangssignal
erzeugt wird. Insbesondere können dabei der erste und der zweite Verzögerungsparameter
identisch zueinander gewählt werden, und insbesondere kann das erste Zwischensignal
bzgl. einer Vorzugsebene des Hörgerätes symmetrisch zum zweiten Zwischensignal erzeugt
werden, wobei die Vorzugsebene der Frontalebene des Trägers bevorzugt beim Tragen
des Hörgerätes zugeordnet ist. Eine Ausrichtung der Richtsignale an der Frontalrichtung
des Trägers erleichtert die Signalverarbeitung, da hierdurch die natürliche Blickrichtung
des Trägers berücksichtigt wird.
[0050] Bevorzugt wird dabei das erste Zwischensignal als ein vorwärtsgerichtetes Kardioid-Richtsignal
und/oder das zweite Zwischensignal als ein rückwärtsgerichtetes Kardioid-Richtsignal
erzeugt. Ein Kardioid-Richtsignal lässt sich bilden, indem die beiden Eingangssignale
zueinander mit der dem Abstand der Eingangswandler entsprechenden akustischen Laufzeitverzögerung
überlagert werden. Hierdurch liegt - je nach Vorzeichen dieser Laufzeitverzögerung
bei der Überlagerung - die Richtung der maximalen Abschwächung in Frontalrichtung
(rückwärtsgerichtetes Kardioid-Richtsignal) oder in der Gegenrichtung dazu (vorwärtsgerichtetes
Kardioid-Richtsignal). Die Richtung maximaler Empfindlichkeit ist der Richtung der
maximalen Abschwächung entgegengesetzt. Dies erleichtert die weitere Signalverarbeitung,
da sich ein derartiges Zwischensignal besonders für adaptive Richtmikrofonie eignet.
[0051] Die Erfindung nennt weiter ein Hörsystem mit einem Hörgerät, welches einen ersten
Eingangswandler zur Erzeugung eines ersten Eingangssignals aus einem Schallsignal
der Umgebung sowie einen zweiten Eingangswandler zur Erzeugung eines zweiten Eingangssignals
aus dem Schallsignal der Umgebung aufweist, und einer Steuereinheit, welche dazu eingerichtet
ist, das vorbeschriebene Verfahren durchzuführen. Insbesondere kann die Steuereinheit
im Hörgerät integriert sein. In diesem Fall ist das Hörsystem direkt durch das Hörgerät
gegeben. Die für das Verfahren und für seine Weiterbildungen genannten Vorteile können
sinngemäß auf das Hörsystem übertragen werden.
[0052] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand von Zeichnungen näher
erläutert. Hierbei zeigen jeweils schematisch:
- Fig. 1
- eine Gesprächssituation eines Trägers eines Hörgerätes mit zwei Gesprächspartnern,
und
- Fig. 2
- eine bevorzugte, direktionale Signalverarbeitung für das Hörgerät in der Gesprächssituation
nach Fig. 1,
- Fig. 3a
- eine Richtcharakteristik eines aus der direktionalen Signalverarbeitung nach Fig.
2 resultierenden Ausgangssignals, und
- Fig. 3b
- eine Richtcharakteristik eines alternativen, aus der direktionalen Signalverarbeitung
nach Fig. 2 resultierenden Ausgangssignals.
[0053] Einander entsprechende Teile und Größen sind in allen Figuren jeweils mit denselben
Bezugszeichen versehen.
[0054] In Figur 1 ist schematisch in einer Draufsicht ein Träger 1 eines Hörgerätes 2 dargestellt,
welcher sich in einer Gesprächssituation mit einem ersten Gesprächspartner 4 und einem
zweiten Gesprächspartner 8 befindet. Der erste Gesprächspartner 4 ist bezüglich dem
Träger 1 in einer ersten Richtung 6 positioniert, der zweite Gesprächspartner 8 in
einer zweiten Richtung 10 relativ zum Träger 1. Der erste Gesprächspartner 4 ist hierbei
der Hauptgesprächspartner des Trägers 1, der zweite Gesprächspartner 8 nimmt an diesem
Gespräch lediglich durch vereinzelte Sprachbeiträge teil. Die beschriebene Gesprächssituation
ist hierbei für das obere und das untere Bild von Figur 1 identisch. Die Sprachbeiträge
des ersten Gesprächspartners 4 bilden hierbei das erste Nutzsignal S1, die Sprachbeiträge
des zweiten Gesprächspartners 8 das zweite Nutzsignal S2.
[0055] Um nun die Pegelspitzen des ersten Nutzsignals S1 und des zweiten Nutzsignals S2
für den Träger 1 des Hörgerätes 2 in einem Ausgangsschallsignal des Hörgerätes 2 abzumildern,
wird nun, wie im oberen Bild von Figur 1 dargestellt, zunächst mittels adaptiver Richtmikrofonie
ein erstes Richtsignal Xr1 derart erzeugt, dass selbiges in der zweiten Richtung 10,
in welcher der zweite Gesprächspartner 8 positioniert ist, eine maximale und bevorzugt
vollständige Abschwächung aufweist. Dies bedeutet, dass das Nutzsignal S2 vom ersten
Richtsignal Xr1 nicht erfasst wird. Ein Kompressionsfaktor, welcher also anhand des
ersten Richtsignals Xr1 berechnet wird, reagiert infolgedessen hinsichtlich der beiden
Nutzsignalquellen 14, 18, welche durch den ersten bzw. zweiten Gesprächspartner 4
und 8 gegeben sind, lediglich auf ersteren. Hierbei wird ein erster Verstärkungsparameter
G1 ermittelt, welcher hinsichtlich des ersten Nutzsignals S1 der ersten Nutzsignalquelle
14 (also des ersten Gesprächspartners 4) für jeden Moment die optimale Signalverstärkung
und somit implizit auch ein entsprechendes Kompressionsverhältnis bestimmt.
[0056] Im unteren Bild von Figur 1 ist, analog zum oberen Bild, ein zweites Richtsignal
Xr2 in derselben Hörsituation gezeigt, welches in der ersten Richtung 6, also der
Richtung des ersten Gesprächspartners 4, eine maximale und bevorzugt vollständige
Abschwächung aufweist. Da die erste Richtung 6 mit der Frontalrichtung des Trägers
1 zusammenfällt, ist das zweite Richtsignal Xr2 als ein rückwärtsgerichtetes Kardioid-Richtsignal
Xa ausgestaltet. Der anhand des zweiten Richtsignals Xr2 ermittelte und diesem zugeordnete
zweite Verstärkungsparameter G2 stellt also in jedem Moment die hinsichtlich des zweiten
Nutzsignals S2 optimale Verstärkung und insbesondere ein zugehöriges Kompressionsverhältnis
dar.
[0057] Um nun in einem Ausgangsschallsignal des Hörgerätes 2 für dessen Träger 1 die Pegelspitzen
durch die Gesprächsbeiträge sowohl des ersten Gesprächspartners 4 als auch des zweiten
Gesprächspartners 8 auf ein für den Träger 1 angenehmes Niveau mittels Kompression
absenken zu können, könnte nun einerseits ein solches Ausgangsschallsignal gebildet
werden aus einer Linearkombination des ersten und des zweiten Richtsignals Xr1, Xr2,
welche jeweils mit ihrem entsprechenden Verstärkungsparametern G1, G2 gewichtet werden.
Da auch das erste Richtsignal Xr1 mittels adaptiver Richtmikrofonie anhand eines vorwärtsgerichteten
Kardioid-Richtsignals und anhand des rückwärts gerichteten Kardioid-Richtsignals Xa
gebildet wird, würde eine derartige Linearkombination zu einem Ausgangsschallsignal
führen, dessen Richtcharakteristik der Form nach der des ersten Richtsignals Xr1 ähnelt,
wobei jedoch die Kerbe 22 der maximalen Abschwächung von der zweiten Richtung 10 weg
verschoben wird. Dies führt einerseits zu einem möglicherweise unerwünschten, völlig
"tauben" Bereich abseits der zweiten Nutzsignalquelle 18, welcher andererseits infolge
der Abhängigkeit einer derartigen Linearkombination von den Sprachbeiträgen des ersten
Gesprächspartners 4 auch noch in seiner Ausrichtung fluktuieren kann.
[0058] In Figur 2 ist schematisch in einem Blockdiagramm ein Verfahren zur direktionalen
Signalverarbeitung für das Hörgerät 2 nach Figur 1 in der dort beschriebenen Situation
dargestellt, welches insbesondere die Pegelspitzen der beiden Nutzsignale S1, S2 der
durch die jeweiligen Gesprächspartner 4, 8 gegebenen Nutzsignalquellen 14, 18 abmildern
soll. Im Hörgerät 2 sind ein erster Eingangswandler 24 und ein zweiter Eingangswandler
26 angeordnet, welche aus einem Schallsignal 28 jeweils ein erstes Eingangssignal
E1 bzw. ein zweites Eingangssignal E2 erzeugen. Das Schallsignal 28 ist dabei der
Umgebungsschall, welcher also auch das erste und das zweite Nutzsignal S1, S2 beinhaltet.
Eine mögliche Vorverarbeitung wie zum Beispiel eine A/D-, Wandlung oder Vergleichbares
soll hierbei bereits in den Eingangswandlern 24, 26 enthalten sein, welche zudem jeweils
ein vorzugsweise omnidirektionales Mikrofon aufweisen.
[0059] Das erste Eingangssignal E1 wird nun mit dem zweiten Eingangssignal E2, welches um
eine ersten Verzögerungsparameter T1 verzögert wurde, überlagert, und hieraus ein
erstes Zwischensignal Z1 gebildet. Analog dazu wird das zweite Eingangssignal E2 mit
dem ersten Eingangssignal E1, welches um eine zweiten Verzögerungsparameter T2 verzögert
wurde, überlagert und hierdurch ein zweites Zwischensignal Z2 gebildet. Vorliegend
und ohne Beschränkung der Allgemeinheit werden der erste und der zweite Verzögerungsparameter
T1, T2 jeweils identisch (T1 = T2) und überdies derart gewählt, dass das erste Zwischensignal
Z1 durch ein vorwärtsgerichtetes Kardioid-Richtsignal Xc gegeben ist, und das zweite
Zwischensignal 36 durch das rückwärtsgerichtete Kardioid-Richtsignal Xa. Anhand des
ersten Zwischensignals Z1 und des zweiten Zwischensignals Z2 wird nun das erste Richtsignal
Xr1 = Z1 + a1 · Z2 nach Figur 1 mittels einer adaptiven Richtmikrofonie 40 unter Bestimmung
eines ersten Überlagerungsparameters a1 derart erzeugt, dass die Beiträge des zweiten
Gesprächspartners 8, also das zweite Nutzsignal S2, im ersten Richtsignal Xr1 maximal
unterdrückt sind. Anhand des ersten Richtsignals Xr1 wird für das erste Nutzsignal
S1 der erste Verstärkungsparameter G1 ermittelt. Der ermittelte erste Verstärkungsparameter
G1 repräsentiert also die optimale Verstärkung und Kompression der Signalbeiträge
des ersten Gesprächspartners 4 durch das erste Richtsignal Xr1.
[0060] Mittels adaptiver Richtmikrofonie 42 kann aus dem ersten Zwischensignal Z1 und dem
zweiten Zwischensignal Z2 das zweite Richtsignal Xr2 erzeugt werden, welches die Beiträge
des ersten Gesprächspartners 4, also das zweite Nutzsignal S2, maximal unterdrückt.
Da selbiger vorliegend in Frontalrichtung zum Träger 1 steht, ist, wie bereits erwähnt,
dass zweite Richtsignal Xr2 durch das rückwärtsgerichtete Kardioid-Richtsignal Xa
gegeben. Das zweite Richtsignal Xr2 kann hierbei einerseits dauerhaft als das rückwärtsgerichtete
Kardioid-Richtsignal Xa angenommen werden. Andererseits kann mittels der adaptiven
Richtmikrofonie 42 auch eine Positionsänderung des ersten Gesprächspartners 4 für
die Bildung des zweiten Richtsignals Xr2 aus dem ersten und dem zweiten Zwischensignal
Z1, Z2 berücksichtigt werden.
[0061] Analog zum ersten Verstärkungsparameter G1 wird ferner anhand des zweiten Richtsignals
Xr2 der zweite Verstärkungsparameter G2 bestimmt. Dieser repräsentiert dabei die optimale
Verstärkung und Kompression des zweiten Nutzsignals S2 durch das zweite Richtsignal
Xr2.
[0062] Überdies wird eine Referenz-Richtcharakteristik 63 für ein Referenz-Richtsignal Xref
definiert. Das Referenz-Richtsignal Xref ergibt sich dabei als eine Überlagerung aus
den beiden Zwischensignalen Z1, Z2 als

mit einem zugehörigen ersten Referenz-Überlagerungsparameter aref1 und einem zweiten
Referenz-Überlagerungsparameter aref2, welche so gewählt werden, dass das Referenz-Richtsignal
Xref die gewünschte Referenz-Richtcharakteristik 63 aufweist, also z.B. die räumliche
Filterwirkung der Pinna an einem menschlichen Ohr, insbesondere frequenzbandweise,
nachbildet. Auch kann für einige oder alle Frequenzbänder eine omnidirektionale Richtcharakteristik
für das Referenz-Richtsignal Xref gewählt werden (welches hierdurch seine Richtwirkung
verliert). Das Referenz-Richtsignal Xref dient dabei der Definition der Referenz-Richtcharakteristik
63 und der Referenz-Überlagerungsparameter aref1, aref2, und muss vorliegend nicht
zwingend als eigenständiges Signal aus den beiden Zwischensignalen Z1 und Z2 erzeugt
werden (entsprechen durch gestrichelte Linien dargestellt); die Referenz-Überlagerungsparameter
aref1, aref2 können vielmehr vorab festgelegt werden. Insbesondere kann aref1 = 1
festgelegt werden, sodass die Referenz-Richtcharakteristik 63 des Referenz-Richtsignals
Xref in Frontalrichtung keine Abschwächung aufweist.
[0063] Für die nachfolgenden Berechnungen wird nun berücksichtigt, dass Xr2 = Z2 = Xa und
somit a2 = 0 gilt, wobei zudem aref1 = 1 gesetzt wird.
[0064] Anhand des zweiten Verstärkungsparameters G2, des ersten Überlagerungsparameters
a1 und des Referenz-Überlagerungsparameters aref2 wird nun ein korrigierter zweiter
Verstärkungsparameter G2' ermittelt als

[0065] Es wird nun anhand des ersten Richtsignals Xr1 = Z1 + a1 · Z2, gewichtet mit dem
ersten Verstärkungsparameter G1, und anhand des zweiten Richtsignals Xr2, welches
vorliegend dem zweiten Zwischensignal Z2 entspricht, gewichtet mit dem korrigierten
zweiten Verstärkungsparameter G2' ein Ausgangs-Richtsignal Xout gebildet als

[0066] Sind nun beispielsweise das erste Nutzsignal S1 und das zweite Nutzsignal S2 in einem
Frequenzbereich gleich laut, so wird ihnen für diesen Frequenzbereich jeweils derselbe
Verstärkungsparameter G1 = G2 zugewiesen. In diesem Fall heben sich im Ausgangs-Richtsignal
Xout die Beiträge proportional zum ersten Überlagerungsparameter a1 gegenseitig auf,
und das Ausgangs-Richtsignal Xout geht in Xout = G1 · (Z1 + aref2 · Z2), als in das
mit G1 verstärkte ("skalierte") Referenz-Richtsignal Xref über.
[0067] Anstelle der dargestellten Erzeugung des Ausgangs-Richtsignals Xout anhand des ersten
Richtsignals Xr1 und des rückwärtsgerichteten Kardioid-Signals Xa als zweitem Zwischensignal
Z2 lässt sich das Ausgangs-Richtsignal Xout auch erzeugen, indem anhand des ersten
Überlagerungsparameters a1, anhand des korrigierten zweiten Verstärkungsparameters
G2' und anhand des ersten Verstärkungsparameters G1 ein erster effektiver Überlagerungsparameter
aeff1 und ein zweiter effektiver Überlagerungsparameter aeff2 gebildet wird als

[0068] Der erste effektive Überlagerungsparameter aeff1 weist im vorliegenden Spezialfall
den Wert aeff1 = 1 auf, kann jedoch insbesondere für a2 ≠ 0 auch nichttriviale Werte
annehmen. Das entsprechend gebildete Ausgangs-Richtsignal

mit aeff2 nach Gleichung (xiv) und aeff1 = 1 nimmt dann die in Gleichung (xii') dargelegte
Form an. Das Ausgangs-Richtsignal Xout weist dabei infolge der vorliegenden Erzeugung
eine Richtcharakteristik auf, welche in Richtung der ersten Nutzsignalquelle 14 (also
der Richtung des ersten Nutzsignals S1) gegenüber dem Referenz-Richtsignal Xref eine
Verstärkung oder Abschwächung um einen Faktor G1 aufweist, und in Richtung der zweiten
Nutzsignalquelle 18 (also der Richtung des zweiten Nutzsignals S2) gegenüber dem Referenz-Richtsignal
Xref eine Verstärkung oder Abschwächung um einen Faktor G2 aufweist (siehe hierzu
auch Fig. 3a und Fig. 3b).
[0069] Anhand des Ausgangs-Richtsignals Xout wird abschließend über Signalverarbeitungsschritte
50, welche insbesondere eine zusätzliche frequenzbandabhängige Rauschunterdrückung
umfassen können, ein Ausgangssignal Yout erzeugt, welches von einem Ausgangswandler
52 des Hörgerätes 2 in ein Ausgangsschallsignal 54 umgewandelt werden.
[0070] In Fig. 3a ist für die in Fig. 1 dargestellte Hörsituation des Trägers 1 eine Richtcharakteristik
60 des wie in Fig. 2 beschrieben erzeugten Ausgangs-Richtsignals Xout dargestellt.
Die Referenz-Richtcharakteristik 62 (gestrichelte Linie) ist hierbei als eine onmidirektionale
Richtcharakteristik gegeben. Für eine bessere Übersichtlichkeit ist der erste Verstärkungsparameter
G1 hierbei als 0 dB gewählt, während der zweite Verstärkungsparameter G2 als -6 dB
gewählt wird. Die entstehende Richtcharakteristik 60 des Ausgangs-Richtsignals Xout
weist in der zweiten Richtung 10 (also der Richtung der zweiten Nutzsignalquelle 18)
eine merkliche Abweichung von der omnidirektionalen Referenz-Richtcharakteristik 62
auf.
[0071] In Fig. 3b wird statt der omnidirektionalen Referenz-Richtcharakteristik 62 eine
Referenz-Richtsignal Xref mit einer Referenz-Richtcharakteristik 64 gewählt (gestrichelte
Linie), welches die Filterung des Umgebungsschalls durch die Pinna und entsprechende
Abschattungseffekte modelliert. Erneut ist der erste Verstärkungsparameter G1 hierbei
als 0 dB gewählt, während der zweite Verstärkungsparameter G2 als -6 dB gewählt wird.
Die entstehende Richtcharakteristik 66 des Ausgangs-Richtsignals Xout weist in Richtung
der zweiten Nutzsignalquelle 18 erneut eine merkliche Abweichung von der omnidirektionalen
Referenz-Richtcharakteristik 64 auf, wobei in dieser Richtung durch die Definition
des Referenz-Richtsignals Xref nun eine zusätzliche Abschwächung erfolgt, welche infolge
der Abschattungseffekte der Pinna in die Referenz-Richtcharakteristik 64 eingehen.
[0072] Obwohl die Erfindung im Detail durch das bevorzugte Ausführungsbeispiel näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0073]
- 1
- Träger
- 2
- Hörgerät
- 4
- erster Gesprächspartner
- 6
- erste Richtung
- 8
- zweiter Gesprächspartner
- 10
- zweite Richtung
- 14
- erste Nutzsignalquelle
- 18
- zweite Nutzsignalquelle
- 22
- Kerbe
- 24
- erster Eingangswandler
- 26
- zweiter Eingangswandler
- 28
- Schallsignal
- 40
- adaptive Richtmikrofonie
- 42
- adaptive Richtmikrofonie
- 50
- Signalverarbeitungsschritte
- 52
- Ausgangswandler
- 54
- Ausgangsschallsignal
- 60
- Richtcharakteristik
- 62
- (omnidirektionale) Referenz-Richtcharakteristik
- 63
- Referenz-Richtcharakteristik
- 64
- Referenz-Richtcharakteristik
- 66
- Richtcharakteristik
- a1
- erster Überlagerungsparameter
- aeff1
- erster effektiver Überlagerungsparameter
- aeff2
- zweiter effektiver Überlagerungsparameter
- aref1
- erster Referenz-Überlagerungsparameter
- aref2
- zweiter Referenz-Überlagerungsparameter
- E1
- erstes Eingangssignal
- E2
- zweites Eingangssignal
- G1
- erster Verstärkungsparameter
- G2
- zweiter Verstärkungsparameter
- G2'
- korrigierter zweiter Verstärkungsparameter
- S1
- erstes Nutzsignal
- S2
- zweites Nutzsignal
- T1
- erster Verzögerungsparameter
- T2
- zweiter Verzögerungsparameter
- Xa
- rückwärtsgerichtetes Kardioid-Signal
- Xc
- vorwärtsgerichtetes Kardioid-Signal
- Xout
- Ausgangs-Richtsignal
- Xr1
- erstes Richtsignal
- Xr2
- zweites Richtsigna
- Yout
- Ausgangssignal
- Z1
- erstes Zwischensignal
- Z2
- zweites Zwischensignal
1. Verfahren zur direktionalen Signalverarbeitung für ein Hörgerät (2),
- wobei durch einen ersten Eingangswandler (24) des Hörgerätes (2) aus einem Schallsignal
(28) der Umgebung ein erstes Eingangssignal (E1) erzeugt wird,
- wobei durch einen zweiten Eingangswandler (26) des Hörgerätes (2) aus dem Schallsignal
(28) der Umgebung ein zweites Eingangssignal (E2) erzeugt wird,
- wobei anhand des ersten Eingangssignals (E1) und des zweiten Eingangssignals (E2)
jeweils ein erstes Richtsignal (Xr1) sowie ein zweites Richtsignal (Xr2) gebildet
werden,
- wobei das zweite Richtsignal (Xr2) in Richtung einer ersten Nutzsignalquelle (14)
eine relative Abschwächung aufweist,
- wobei das erste Richtsignal (Xr1) in Richtung einer zweiten Nutzsignalquelle (18)
eine relative Abschwächung aufweist,
- wobei ein erster Verstärkungsparameter (G1) für eine Verstärkung eines ersten Nutzsignals
(S1) der ersten Nutzsignalquelle (14) sowie ein zweiter Verstärkungsparameter (G2)
für eine Verstärkung eines zweiten Nutzsignals (S2) der zweiten Nutzsignalquelle (18)
ermittelt werden,
- wobei eine Referenz-Richtcharakteristik (62, 63, 64) für ein Referenz-Richtsignal
(Xref) definiert wird,
- wobei anhand des ersten Verstärkungsparameters (G1) und/oder des zweiten Verstärkungsparameters
(G2) in Abhängigkeit der Referenz-Richtcharakteristik (62, 63, 64) ein korrigierter
erster Verstärkungsparameter und ein korrigierter zweiter Verstärkungsparameter (G2')
derart ermittelt werden, dass ein Ausgangs-Richtsignal (Xout), welches als Summe des
mit dem ersten korrigierten ersten Verstärkungsparameter gewichteten ersten Richtsignals
(Xr1) und dem mit dem korrigierten zweiten Verstärkungsparameter (G2') gewichteten
zweiten Richtsignals (Xr2) gebildet wird, in ein linear skaliertes Referenz-Richtsignal
(Xref) übergeht, wenn der erste Verstärkungsparameter (G1) gleich dem zweiten Verstärkungsparameter
(G2) ist, und
- wobei wenigstens einer der beiden besagten korrigierten Verstärkungsparameter (G2')
vom entsprechenden, zugrunde liegenden Verstärkungsparameter (G2) verschieden ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
wobei der korrigierte zweite Verstärkungsparameter (G2') derart ermittelt wird, dass
das zweite Nutzsignal (S2) gegenüber der Referenz-Richtcharakteristik (62, 63, 64)
durch das Ausgangs-Richtsignal (Xout) um den zweiten Verstärkungsparameter (G2) verstärkt
wird, und/oder
wobei der korrigierte erste Verstärkungsparameter derart ermittelt wird, dass das
erste Nutzsignal (S1) durch das Ausgangs-Richtsignal (Xout) gegenüber der Referenz-Richtcharakteristik
(62, 63, 64) um den ersten Verstärkungsparameter (G1) verstärkt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder Anspruch 2,
wobei der korrigierte zweite Verstärkungsparameter (G2') gebildet wird als ein Produkt
aus dem zweiten Verstärkungsfaktor (G2) und einem Korrekturfaktor, wobei der Korrekturfaktor
einem Linearkoeffizienten des zweiten Richtsignals (Xr2) in einer Darstellung des
Referenz-Richtsignals (Xref) als eine Linearkombination des ersten Richtsignals (Xr1)
und des zweiten Richtsignals (Xr2) entspricht.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der korrigierte erste Verstärkungsparameter als der erste Verstärkungsparameter
(G1) ermittelt wird, wenn das erste Richtsignal (Xr1) in Richtung der zweiten Nutzsignalquelle
(14) seine minimale Empfindlichkeit aufweist.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei anhand des ersten Eingangssignals (E1) und des zweiten Eingangssignals (E2)
ein erstes Zwischensignal (Z1) und ein zweites Zwischensignal (Z2) gebildet werden,
wobei das erste Richtsignal (Xr1) als eine Überlagerung des ersten Zwischensignals
(Z1) mit dem zweiten Zwischensignal (Z2) gebildet wird, und dabei ein zugehöriger
erster Überlagerungsparameter (a1) ermittelt wird, und/oder wobei das zweite Richtsignal
(Xr2) als eine Überlagerung des zweiten Zwischensignals (Z2) mit dem ersten Zwischensignal
(Z1) gebildet wird, und dabei ein zugehöriger zweiter Überlagerungsparameter (a2)
ermittelt wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei der korrigierte erste Verstärkungsparameter (G1') gebildet wird als ein Produkt
aus dem ersten Verstärkungsfaktor (G1) und einem ersten Korrekturfaktor, wobei der
korrigierte zweite Verstärkungsparameter (G2') gebildet wird als ein Produkt aus dem
zweiten Verstärkungsfaktor (G2) und einem zweiten Korrekturfaktor.
7. Verfahren nach Anspruch 5 mit Anspruch 6,
wobei ein erster Referenz-Überlagerungsparameter (aref1) und ein zweiter Referenz-Überlagerungsparameter
(aref2) für eine Überlagerung des ersten Zwischensignals (Z1) und des zweiten Zwischensignals
(Z2) definiert werden, welche das Referenz-Richtsignal (Xref) bildet,
wobei der erste Korrekturfaktor anhand eines Produktes des zweiten Überlagerungsparameters
(a2) mit dem zweiten Referenz-Überlagerungsparameter (aref2) gebildet wird, und/oder
wobei der zweite Korrekturfaktor anhand einer Abweichung eines Produktes des ersten
Überlagerungsparameters (a1) mit dem ersten Referenz-Überlagerungsparameter (aref1)
vom zweiten Referenz-Überlagerungsparameter (aref2) gebildet wird.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder Anspruch 7,
wobei das Ausgangs-Richtsignal (Xout) anhand des mit dem korrigierten ersten Verstärkungsparameter
(G1') gewichteten ersten Richtsignals (Xr1) und anhand des mit dem korrigierten zweiten
Verstärkungsparameters (G2') gewichteten zweiten Richtsignals (Xr2) gebildet wird.
9. Verfahren nach Anspruch 6 oder Anspruch 7,
wobei anhand des ersten und des zweiten Überlagerungsparameters (a1, a2), des ersten
und des zweiten Referenz-Überlagerungsparameters (aref1, aref2), sowie anhand des
ersten und zweiten Verstärkungsparameters (G1, G2)ein erster effektiver Überlagerungsparameter
(aeff1) und ein zweiter effektiver Überlagerungsparameter (aeff2) ermittelt werden,
und
wobei das Ausgangs-Richtsignal (Xout) anhand einer Überlagerung des mit dem ersten
effektiven Überlagerungsparameter (aeff1) gewichteten ersten Zwischensignals (Z1)
und des mit dem zweiten effektiven Überlagerungsparameter (aeff2) gewichteten zweiten
Zwischensignals (Z2) gebildet wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
wobei für den Fall, dass das zweite Richtsignal (Xr2) durch das zweite Zwischensignal
(Z2) gegeben ist,
der erste effektive Überlagerungsparameter (aeff1) gebildet wird aus dem ersten Referenz-Überlagerungsparameter
(aref1).
11. Verfahren nach Anspruch 6 oder Anspruch 7,
wobei anhand des ersten Überlagerungsparameters (a1), anhand des korrigierten ersten
Verstärkungsparameters (G1') und anhand des korrigierten zweiten Verstärkungsparameters
(G2') ein zweiter effektiver Überlagerungsparameter (aeff2) ermittelt wird, und
wobei das Ausgangs-Richtsignal (Xout) anhand einer Überlagerung des mit dem ersten
Zwischensignals (Z1) und des mit dem zweiten effektiven Überlagerungsparameter (aeff2)
gewichteten zweiten Zwischensignals (Z2) gebildet wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11,
wobei für den Fall, dass das zweite Richtsignal (Xr2) durch das zweite Zwischensignal
(Z2) gegeben ist, der zweite effektive Überlagerungsparameter (aeff2) gebildet wird
aus dem ersten Überlagerungsparameter (a1) und einem Verhältnis des korrigierten zweiten
Verstärkungsparameters (G2') und des ersten Verstärkungsparameters (G1).
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
wobei die Referenz-Richtcharakteristik (63) des Referenz-Richtsignals (Xref) als eine
omni-direktionale Richtcharakteristik (62) gewählt wird, oder derart gewählt wird,
dass eine Abschattungswirkung von menschlichen Ohren nachgebildet wird.
14. Hörsystem mit
- einem Hörgerät (2), welches einen ersten Eingangswandler (24) zur Erzeugung eines
ersten Eingangssignals (E1) aus einem Schallsignal (28) der Umgebung sowie einen zweiten
Eingangswandler (26) zur Erzeugung eines zweiten Eingangssignals (E2) aus dem Schallsignal
(28) der Umgebung aufweist, und
- einer Steuereinheit, welche dazu eingerichtet ist, das Verfahren nach einem der
vorhergehenden Ansprüche durchzuführen.