[0001] Vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur korrosionsschützenden Vorbehandlung
einer Vielzahl von Bauteilen in Serie, bei dem jedes Bauteil der Serie zumindest teilweise
Oberflächen der Metalle Zink, Eisen und/oder Aluminium aufweist und einen Verfahrensschritt
zur Zinkphosphatierung durchläuft und dabei mit einer sauren wässrigen Zusammensetzung
in Kontakt gebracht wird, der eine solche Menge eines Aktivierhilfsmittels hinzugesetzt
wurde, die ausreicht, um auf einer lediglich gereinigten und ansonsten unbehandelten
schmelztauchverzinkten Stahloberfläche (Z) ein Schichtgewicht unterhalb von 5,5 g/m
2 zu gewährleisten. Das Aktivierhilfsmittel basiert auf einem in Wasser dispergierten,
partikulären Bestandteil, der zumindest teilweise ausgewählt ist aus Hopeit, Phosphophyllit,
Scholzit und/oder Hureaulith, und mindestens einer polymeren organischen Verbindung.
Weiterhin wird erfindungsgemäß eine saure, wässrige Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung
umfasst, die erhältlich ist durch Zugabe einer bestimmten Menge einer kolloidalen,
wässrigen Lösung enthaltend den dispergierten, partikulären Bestandteil zu einer sauren
wässrigen Zusammensetzung enthaltend Zink-Ionen, Phosphat-Ionen und freies Fluorid.
[0002] Die schichtbildende Phosphatierung ist ein seit Jahrzehnten ausgeübtes und intensiv
untersuchtes Verfahren zur Aufbringung kristalliner korrosionsschützender Überzüge
auf metallischen Oberflächen, insbesondere auf Werkstoffen der Metalle Eisen, Zink
und Aluminium. Die für den Korrosionsschutz besonders etablierte Zinkphosphatierung
erfolgt in einer Schichtdicke von einigen wenigen Mikrometern und beruht auf einer
korrosiven Beize des metallischen Werkstoffes in einer sauren wässrigen Zusammensetzung
enthaltend Zink-Ionen und Phosphate. Im Verlauf der Beize entsteht an der Metalloberfläche
eine alkalische Diffusionsschicht, die sich in Lösungsinnere erstreckt, und innerhalb
der sich schwerlösliche Kristallite bilden, die unmittelbar an der Grenzfläche zum
metallischen Werkstoff präzipitieren und dort weiter aufwachsen. Zur Unterstützung
der Beizreaktion auf Werkstoffen des Metalls Aluminium sowie zur Maskierung des Badgiftes
Aluminium, das in gelöster Form die Schichtbildung auf Werkstoffen des Metalls stört,
werden häufig wasserlösliche Verbindungen hinzugesetzt, die eine Quelle für Fluorid-Ionen
darstellen.
[0003] Standardmäßig wird die Zinkphosphatierung derart eingestellt, dass homogene, geschlossene
und kompakt kristalline Überzüge auf den Oberflächen der Metalle Eisen, Zink und Aluminium
erzielt werden. Anderenfalls können ein guter Korrosionsschutz und Lackhaftgrund nicht
realisiert werden. Homogene, geschlossene Überzüge in der Zinkphosphatierung werden
üblicherweise ab einem Schichtgewicht von 2 g/m
2 zuverlässig erzielt. Je nach zu phosphatierender Metalloberfläche gilt es die zuvor
beschriebene Beize und die Konzentration der Aktivkomponenten in der Stufe der Zinkphosphatierung
entsprechend einzustellen, um entsprechend hohe Schichtgewichte auf den Oberflächen
der Metalle Eisen bzw. Stahl, Zink und Aluminium zu gewährleisten.
[0004] Ein weitere für den Korrosionsschutz und die Lackhaftung, insbesondere für die gute
Elektrotauchlackierbarkeit, wichtige Eigenschaft der Zinkphosphatierung ist, dass
der Prozess der Abscheidung selbstlimitierend ist, d.h. dass die beim dem sauren pH-Wert
der Zinkphosphatierung stattfindende Auflösung der Phosphatschicht mit dem Auf- bzw.
Weiterwachsen der Phosphat-Kristallite in einem stationären Gleichgewicht steht und
das Schichtgewicht somit nicht weiter zunimmt, was ein Anzeichen für das Aufwachsen
eines zwar kristallinen, aber porösen und damit nicht kompakt kristallinen Schichtüberzuges
wäre. Im technischen Prozess der Zinkphosphatierung bedeutet dies, dass bei einer
anlagentechnisch und wirtschaftlich sinnvollen Behandlungsdauer von üblicherweise
etwa 20 Sekunden bis 5 Minuten im nasschemischen Prozessschritt der Zinkphosphatierung
einerseits die Ausbildung des homogenen, geschlossen und kristallinen Zinkphosphatüberzuges
abgeschlossen sein muss und andererseits bereits idealerweise die selbstlimitierende
Dicke des Überzuges erreicht ist. Dies wird technisch dadurch gewährleistet, dass
Überzüge mit möglichst hoher Anzahldichte an Phosphat-Kristalliten aufwachsen, so
dass die Schichtausbildung bei wiederum möglichst niedrigen Schichtgewichten in den
Bereich der Selbstlimitierung und damit einer vorgegebenen Grenzschichtdicke gelangt.
[0005] Um solche homogene, geschlossene Überzüge mit hoher Kompaktheit oder Anzahldichte
an Phosphat-Kristalliten zu erzielen, wird die Zinkphosphatierung im Stand der Technik
stets mit einer Aktivierung der metallischen Oberflächen des zu phosphatierenden Bauteils
eingeleitet. Die Aktivierung ist im Regelfall ein nasschemischer Prozessschritt der
konventionell durch In-Kontakt-Bringen mit kolloidalen, wässrigen Lösungen von Phosphaten
("Aktivierungsstufe") erfolgt, die insofern auf der Metalloberfläche immobilisiert,
in der nachfolgenden Phosphatierung als Wachstumskeim für die Ausbildung des kristallinen
Überzuges innerhalb der alkalischen Diffusionsschicht dienen, so dass eine hohe Anzahldichte
an aufwachsenden Kristallite bewirkt und damit wiederum eine kompakt kristalline Zinkphosphatschicht
generiert wird, die einen hervorragenden Korrosionsschutz und aufgrund ihres hohen
elektrischen Durchtrittswiderstandes auch eine hervorragende Elektrotauchlackierbarkeit
besitzt.
[0006] Geeignete Dispersionen sind dabei kolloidale, zumeist neutrale bis alkalische wässrige
Zusammensetzungen auf Basis von Phosphat-Kristalliten, die in ihrer Kristallstruktur
nur geringe kristallographische Abweichungen von der Art der abzuscheidenden Zinkphosphatschicht
aufweisen. So lehrt die
WO 98/39498 A1 in diesem Zusammenhang insbesondere bi- und trivalente Phosphate der Metalle Zn,
Fe, Mn, Ni, Co, Ca und AI, wobei technisch bevorzugt Phosphate des Metalls Zink zur
Aktivierung für eine nachfolgende Zinkphosphatierung verwendet werden.
[0007] Eine auf Dispersionen von bi- und trivalenten Phosphaten beruhende Aktivierungsstufe
bedarf einer hohen Prozesskontrolle, um die Aktivierleistung insbesondere bei der
Behandlung einer Serie von metallischen Bauteilen konstant auf einem optimalen Niveau
zu halten. Für eine ausreichende Robustheit des Verfahrens dürfen weder durch Einschleppung
von vorhergehenden Behandlungsbädern eingetragene Fremd-Ionen noch Alterungsprozesse
in der kolloidalen, wässrigen Lösung zu einer Verschlechterung der Aktivierungsleistung
führen. Eine Verschlechterung macht sich anfangs in steigenden Schichtgewichten in
der anschließenden Phosphatierung bemerkbar und führt schließlich zur Ausbildung defektreicher
oder inhomogener bzw. weniger kompakter Phosphatschichten. Insgesamt ist die schichtbildende
Zinkphosphatierung mit vorgelagerter Aktivierung daher ein verfahrenstechnisch aufwendig
zu kontrollierender mehrstufiger Prozess, der zudem bislang ressourcenintensiv sowohl
hinsichtlich der Prozesschemikalien als auch der aufzuwendenden Energie geführt wird.
[0008] Die
WO 2019/238573 A1 adressiert ein ressourcenschonendes Verfahren zur Zinkphosphatierung und indirekt
auch eine Reduktion der Komplexität des mehrstufigen Verfahrens, indem dort eine besonders
effektive Aktivierung auf Basis spezifisch dispergierter bi- und trivalenter Phosphate
vorgestellt wird, die eine hervorragend gegenüber Sedimentation stabilisierte kolloidale,
wässrige Lösung auf Basis bi- und trivalenter Phosphate bereitstellt und zudem mit
verhältnismäßig geringem partikulären Anteil in der Aktivierungsstufe bereits homogene,
geschlossene und sehr kompakte Zinkphosphatüberzüge ermöglicht, so dass auch der Materialbedarf
aufgrund der Schichtbildung in der Zinkphosphatierung reduziert ist.
[0009] Es besteht jedoch weiterhin ein Bedarf die Vorbehandlungslinie einer Zinkphosphatierung
umfassend Aktivierungs- und Phosphatierstufe dahingehend zu optimieren, dass der Gesamtprozess
weniger ressourcenintensiv durchgeführt werden kann und dies idealerweise bei zugleich
vereinfachter Verfahrensführung. Ein ressourcenschonender Gesamtprozess darf aber
nicht zu Lasten der Eigenschaften der Zinkphosphatierung gehen, die als homogener,
geschlossener und kompakt kristalliner Überzug mit hohen elektrischen Durchtrittswiderstand
bereitgestellt werden muss, um guten Schutz vor Korrosion und einen entsprechend guten
Umgriff des Lackes in einer nachfolgenden Elektrotauchlackierung zu ermöglichen. Insbesondere
muss dies im häufigsten Anwendungsfall, nämlich der Serienbehandlung von Bauteilen,
stets gewährleistet sein.
[0010] Diesem komplexen Anforderungsprofil kann überraschend entsprochen werden, indem die
Aktivierleistung einer Vorbehandlungslinie zur Zinkphosphatierung mittels Zudosierung
eines Aktivierhilfsmittels zur nasschemischen Behandlungsstufe der Zinkphosphatierung
aufrechterhalten wird. Hierdurch wird es möglich zumindest teilweise oder auch ganz
auf eine der nasschemischen Behandlungsstufe der Zinkphosphatierung vorgelagerte Aktivierungsstufe
zu verzichten und auf diese Weise den Gesamtprozess der Zinkphosphatierung weniger
material- und energieintensiv zu führen und dabei verfahrenstechnische Komplexität
in Gestalt der im Stand der Technik bisher zwingend erforderlichen separaten Aktivierungsstufe
abzubauen.
[0011] Die vorliegende Erfindung betrifft daher ein Verfahren zur korrosionsschützenden
Vorbehandlung einer Vielzahl von Bauteilen in Serie, bei dem jedes Bauteil der Serie
zumindest teilweise Oberflächen der Metalle Zink, Eisen und/oder Aluminium aufweist
und einen Verfahrensschritt zur Zinkphosphatierung durchläuft und dabei mit einer
sauren wässrigen Zusammensetzung in Kontakt gebracht wird, wobei die saure wässrige
Zusammensetzung
- (A) 5-50 g/kg an in Wasser gelösten Phosphaten berechnet als PO4,
- (B) 0,3 - 3 g/kg an Zink-Ionen, und
- (C) freies Fluorid enthält,
sowie eine Freie Säure in Punkten von größer als Null aufweist,
wobei der sauren wässrigen Zusammensetzung im Verfahrensschritt zur Zinkphosphatierung
kontinuierlich oder diskontinuierlich eine solche Menge eines Aktivierhilfsmittels
(D) hinzugegeben wird, die unter den gewählten Bedingungen des Verfahrensschritts
der Zinkphosphatierung ausreicht, die Eigenschaft der sauren wässrigen Zusammensetzung,
auf einer schmelztauchverzinkten Stahloberfläche (Z) eine Zinkphosphatschicht mit
einem Schichtgewicht von weniger als 5,5 g/m
2, vorzugsweise weniger als 5,0 g/m
2, besonders bevorzugt weniger als 4,5 g/m
2 abzuscheiden, aufrecht zu erhalten,
wobei das Aktivierhilfsmittel (D) einen partikulären Bestandteil (a) in Wasser dispergierter
Form enthält, der
- mindestens eine partikuläre anorganische Verbindung (a1), die aus Phosphaten polyvalenter
Metall-Kationen zumindest teilweise ausgewählt aus Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit
und/oder Hureaulith zusammengesetzt ist,
- sowie mindestens eine polymere organische Verbindung (a2) umfasst.
[0012] Eine Vorbehandlung in Serie liegt vor, wenn die Bauteile der Serie jeweils entsprechend
des erfindungsgemäßen Verfahrens einen Verfahrensschritt zur Zinkphosphatierung durchlaufen
und dafür mit zumindest einer in einem Systemtank bereitgestellten Badflüssigkeit
zur Zinkphosphatierung in Kontakt gebracht werden, wobei das In-Kontakt-Bringen der
einzelnen Bauteile nacheinander und damit zeitlich voneinander getrennt erfolgt. Der
Systemtank ist dabei das Behältnis, in dem sich die saure wässrige Zusammensetzung
zum Zwecke der Zinkphosphatierung im Wege einer nasschemischen Vorbehandlung befindet.
Das In-Kontakt-Bringen der Bauteile mit der Badflüssigkeit des Systemtanks kann innerhalb
des Systemtanks, bspw. durch Eintauchen, oder außerhalb des Systemtanks erfolgen,
bspw. durch Besprühen bzw. Aufspritzen der im Systemtank bevorrateten Badlösung.
[0013] Die gemäß der vorliegenden Erfindung behandelten Bauteile können alle beliebig geformten
und gestalteten räumlichen Gebilde sein, die einem Fabrikationsprozess entstammen,
insbesondere auch Halbzeuge wie Bänder, Bleche, Stangen, Rohre, etc. und Verbundkonstruktionen
zusammengefügt aus vorgenannten Halbzeugen, wobei die Halbzeuge vorzugsweise durch
Kleben, Schweißen und/oder Bördeln zur Verbundkonstruktion miteinander verbunden sind.
[0014] Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens weist ein Bauteil dann zumindest eine
Oberfläche der Metalle Zink, Eisen und/oder Aluminium auf, wenn das metallische Gefüge
an dieser Oberfläche bis zu einer Materialeindringtiefe von mindestens einem Mikrometer
zu mehr als 50 At.-% aus einem der zuvor genannten Metalle zusammengesetzt ist. Dies
trifft regelmäßig auf Bauteile aus metallischen Materialien zu, wobei die metallischen
Materialien als einheitliche Werkstoffe zu mehr als 50 At.-% aus Zink, Eisen oder
Aluminium zusammengesetzt sind, aber auch auf Bauteile umfassend Werkstoffe, die mit
metallischen Überzügen versehen sind, wie beispielsweise elektrolytisch verzinkter
oder schmelztauchverzinkter Bandstahl, der zudem mit Eisen (ZF), Aluminium (ZA) und/oder
Magnesium (ZM) legiert sein kann.
[0015] Die erfindungsgemäße Eigenschaft der sauren wässrigen Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung
auf schmelztauchverzinkten Stahloberflächen (Z) das Aufwachsen einer Zinkphosphatschicht
mit einem Schichtgewicht unterhalb von 5,5 g/m
2, vorzugsweise unterhalb von 5,0 g/m
2, besonders bevorzugt unterhalb von 4,5 g/m
2 herbeizuführen (im Folgenden "Phosphatiergüte" genannt) ist auf lediglich gereinigten
und entfetteten (Z) Substraten zu überprüfen, die vor dem In-Kontakt-Bringen mit der
sauren wässrigen Zusammensetzung des erfindungsgemäßen Verfahrens keinem weiteren
nasschemischen Vorbehandlungsschritt unterzogen werden. Zur Überprüfung der Phosphatiergüte
der sauren wässrigen Zusammensetzung wird schmelztauchverzinkter Stahl (Z) also zunächst
mit einem alkalischen Reiniger angesetzt als 2 Gew.-%ige Bonderite
® C-AK 1565 A und 0,2 Gew.%ige Bonderite
® C-AD 1270 in entionisiertem Wasser (κ<1µScm
-1) bei pH 11,0 und 55 °C für 5 Minuten im Tauchen gereinigt. Die derart gereinigten
und entfetteten (Z) Substrate werden bei Raumtemperatur mit entionisiertem Wasser
(κ<1µScm
-1) gespült und sodann dem Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung entsprechend des
gewählten erfindungsgemäßen Verfahrens zugeführt. Entsprechend des gewählten erfindungsgemäßen
Verfahrens bedeutet unter Anwendung exakt derjenigen Verfahrensparameter wie Temperatur,
Dauer und Badumwälzung, für die die Phosphatiergüte der sauren wässrigen Zusammensetzung
gelten soll, d.h. die resultierenden Zielschichtgewichte auf schmelztauchverzinktem
Stahl (Z) unterhalb von 5,5 g/m
2, vorzugsweise unterhalb von 5,0 g/m
2, besonders bevorzugt unterhalb von 4,5 g/m
2 liegen sollen.
[0016] Bevorzugt gilt für die Phosphatiergüte zusätzlich, dass bei Verlängerung des In-Kontakt-Bringens
um eine Minute das Schichtgewicht auf schmelztauchverzinkten Stahl (Z) um nicht mehr
als 0,2 g/m
2 zunimmt und damit die Schichtbildung unter den gewählten Bedingungen bereits im Bereich
der Selbstlimitierung liegt, so dass die Eigenschaft der sauren, wässrigen Zusammensetzung
zur Zinkphosphatierung gewährleistet ist, im erfindungsgemäßen Verfahren kompakte,
kristalline Zinkphosphatschichten zu erzeugen. Dementsprechend ist bevorzugt, dass
im Verfahrensschritt zur Zinkphosphatierung eine solche Menge eines Aktivierhilfsmittels
(D) hinzugegeben wird, die unter den gewählten Bedingungen des Verfahrensschritts
der Zinkphosphatierung im erfindungsgemäßen Verfahren ausreicht, die Eigenschaft der
sauren wässrigen Zusammensetzung, auf einer schmelztauchverzinkten Stahloberfläche
(Z) eine Zinkphosphatschicht mit einem Schichtgewicht von weniger als 5,5 g/m
2, vorzugsweise weniger als 5,0 g/m
2, besonders bevorzugt weniger als 4,5 g/m
2 abzuscheiden, aufrecht zu erhalten, wobei das unter den gewählten Bedingungen des
Verfahrensschritts der Zinkphosphatierung im erfindungsgemäßen Verfahren erzielte
Schichtgewicht bei Verlängerung der Kontaktzeit mit der sauren, wässrigen Zusammensetzung
um 60 Sekunden um nicht mehr als 0,2 g/m
2 ansteigt.
[0017] Üblicherweise wird im erfindungsgemäßen Verfahren die Phosphatiergüte festgestellt
und überwacht, indem während der Serienbehandlung in regelmäßigen Abständen auch schmelztauchverzinkter
Stahl (Z), der wie zuvor beschrieben gereinigt und entfettet wurde den Verfahrensschritt
der Zinkphosphatierung durchläuft und anschließend einer Schichtgewichtsbestimmung
unterzogen wird. Insoweit die Phosphatiergüte der sauren, wässrigen Zusammensetzung
durch Zudosierung des Aktivierungsmittels (D) gewährleistet ist, werden auf den Bauteilen
die Oberflächen der Metalle Zink, Eisen und Aluminium aufweisen in üblichen Behandlungszeiten
von 20 Sekunden bis 5 Minuten homogene, geschlossene und kompakt kristalline Zinkphosphatüberzüge
abgeschieden.
[0018] Das Schichtgewicht an Zinkphosphat wird im Rahmen der vorliegenden Erfindung bestimmt
durch Ablösen der Zinkphosphatschicht mit wässriger 5 Gew.-% CrO
3 als Beizlösung, die unmittelbar nach der Zinkphosphatierung und dem Spülen mit entionisiertem
Wasser (κ<1µScm
-1) bei 25 °C für 5 min mit einer definierten Fläche des phosphatierten Materials bzw.
Bauteils in Kontakt gebracht wird und anschließender Bestimmung des Phosphorgehaltes
in derselben Beizlösung mit ICP-OES. Das Schichtgewicht an Zinkphosphat ergibt sich
aus der Multiplikation der flächenbezogenen Menge an Phosphor mit dem Faktor 6,23.
[0019] Die Zugabe des Aktivierhilfsmittels (D) zur sauren wässrigen Zusammensetzung zur
Zinkphosphatierung erfolgt im erfindungsgemäßen Verfahren zum Zwecke der Aufrechterhaltung
der Phosphatiergüte im Verfahrensschritt zur Zinkphosphatierung. Die Zugabe kann für
die Aufrechterhaltung der Phosphatiergüte im Prozess der Serienbehandlung durch kontinuierliche
oder diskontinuierliche Zudosierung in den Systemtank erfolgen. Die kontinuierliche
Zudosierung ist dann bevorzugt, wenn die Vorbehandlung der Bauteile in Serie unmittelbar
aufeinander folgt und die Abnahme der Phosphatiergüte pro Zeit bestimmbar ist, so
dass wiederum eine kontinuierliche Zudosierung einer Menge des Aktivierungsmittel
pro Zeit vorgenommen werden kann. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass die Phosphatiergüte
nach dem Anfahren der Vorbehandlungslinie und der Bestimmung der Stoffströme für die
Zudosierung des Aktivierhilfsmittels und anderer Aktivkomponenten nicht weiter kontrolliert
werden muss, solange die Serienbehandlung hinsichtlich Taktung und Beschaffenheit
der zu behandelnden Bauteile und die Behandlungsparameter im Verfahrensschritt der
Zinkphosphatierung unverändert bleibt. Ist eine konstante Fahrweise in der Serienbehandlung
jedoch anlagenbedingt nicht gewährleistet oder nicht erwünscht, so ist eine diskontinuierliche
Zudosierung des Aktivierhilfsmittels vorteilhaft und ggf. sogar angezeigt. In diesem
Fall wird die Phosphatiergüte der sauren wässrigen Zusammensetzung vorzugsweise kontinuierlich
oder in definierten Zeitabständen überwacht und dann eine vorgegebene Menge des Aktivierhilfsmittels
hinzudosiert, wenn das Schichtgewicht auf schmelztauchverzinkten Stahl (Z) einen bestimmten
Wert unterhalb von 5,5 g/m
2, vorzugsweise unterhalb von 5,0 g/m
2, besonders bevorzugt unterhalb von 4,5 g/m
2 erreicht. Die kontinuierliche oder quasikontinuierliche, in definierten Zeitabständen
erfolgende Bestimmung der Phosphatiergüte kann dabei auch anhand von Proxy-Daten erfolgen,
die mit dem tatsächlichen Zinkphosphatschichtgewicht korrelieren. So liefert die zerstörungsfreie
Bestimmung der Schichtdicke beispielsweise im Wirbelstrom-Verfahren oder gar kontaktfreie
optische Bestimmungsmethoden wie die Ellipsometrie oder die spektrale Reflektivitätsmessung
geeignete Proxy-Daten für das Schichtgewicht an Zinkphosphat, die in einer Vorbehandlungslinie
auf den Bauteilen zuverlässig gemessen und mit dem tatsächlichen Schichtgewicht auf
schmelztauchverzinkten Stahl (Z) korreliert werden können. Ebenfalls kann die Kristallitgröße
und damit die Bestimmung der Rauigkeit mittels optischer Profilometrie Proxy-Daten
für das Schichtgewicht liefern, da ein höheres Schichtgewicht auf schmelztauchverzinkten
Stahl (Z) mit einer geringen Anzahldichte an Kristalliten einhergeht, die jedoch verhältnismäßig
größer sind, so dass die Rauigkeit mit dem Schichtgewicht zunimmt.
[0020] Es hat sich herausgestellt, dass die Phosphatiergüte in den meisten Fällen bereits
dann ausreichend eingestellt ist, wenn das Aktivierhilfsmittel (D) in einer solchen
Menge kontinuierlich oder diskontinuierlich hinzudosiert wird, die geeignet ist eine
stationäre Menge von vorzugsweise mindestens 0,001 g/kg, besonders bevorzugt mindestens
0,005g/kg, insbesondere bevorzugt mindestens 0,01 g/kg an partikulären Bestandteil
(a) in der sauren wässrigen Zusammensetzung während der Vorbehandlung der Bauteile
in Serie aufrecht zu erhalten. Dies gilt insbesondere für das In-Kontakt-Bringen der
sauren wässrigen Zusammensetzung im Spritzen, wohingegen bei der Tauchapplikation
eine stationäre Menge von vorzugsweise mindestens 0,002 g/kg, besonders bevorzugt
von 0,01 g/kg und insbesondere bevorzugt von 0,02 g/kg an partikulären Bestandteil
(a) in der sauren wässrigen Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung enthalten sein
sollte.
[0021] Die vorliegende Erfindung zeigt also auf überraschende Weise, dass über die Zudosierung
eines Aktivierhilfsmittels, wie es im Stand der Technik bekannt und beispielsweise
in der
WO 98/39498 A1 beschrieben ist, unmittelbar zur sauren, wässrigen Behandlungslösung der Zinkphosphatierung
eine Aktivierung der Metalloberflächen erfolgen kann, so dass auf den Metalloberflächen
homogene, geschlossene und kompakt kristalline Zinkphosphatüberzüge mit hohem elektrischen
Durchtrittswiderstand aufwachsen. Von diesem Effekt macht die vorliegende Erfindung
Gebrauch, indem bei der Serienbehandlung von Bauteilen auf die Aufrechterhaltung der
Phosphatiergüte mittels Zudosierung des Aktivierhilfsmittels zur sauren, wässrigen
Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung abgestellt wird. Für die gewünschte Phosphatiergüte
kann dabei allein auf die Zudosierung des Aktivierhilfsmittels umgestellt werden,
ohne dass die Bauteile der Serie vor dem Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung
eine nasschemische Aktivierungsstufe, bspw. auf Basis eines Aktivierhilfsmittels (D),
durchlaufen müssen. Damit kann ein kompletter Verfahrensschritt, inklusive der notwendigen
Badpflege, Umwälzung, des Temperaturmanagements und der chemischen Additivierung,
bspw. mit wasserlöslichen kondensierten Phosphaten, eingespart werden, so dass ein
überaus ressourcenschonender und ökonomischer Betrieb einer Vorbehandlungslinie zur
Zinkphosphatierung erstmals möglich wird.
[0022] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens werden die
Bauteile der Serie vor dem In-Kontakt-Bringen mit der sauren wässrigen Zusammensetzung
im Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung daher nicht mit einer kolloidalen, wässrigen
Lösung zur Aktivierung enthaltend im partikulären Bestandteil Hopeit, Phosphophyllit,
Scholzit und/oder Hureaulith, vorzugsweise Phosphate polyvalenter Metall-Kationen,
oder schwerlösliche Salze des Elements Ti in Kontakt gebracht. Besonders bevorzugt
werden die Bauteile der Serie vor dem In-Kontakt-Bringen mit der sauren wässrigen
Zusammensetzung im Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung mit keiner kolloidalen,
wässrigen Lösung zur Aktivierung der Oberflächen der Bauteile für eine Zinkphosphatierung
in Kontakt gebracht und ganz besonders bevorzugt durchlaufen die Bauteile der Serie
vor dem In-Kontakt-Bringen keine Aktivierungsstufe zur Aktivierung der Oberflächen
der Bauteile für eine Zinkphosphatierung.
[0023] Allerdings kann als der Zinkphosphatierung vorgelagerter Verfahrensschritt im Regelfall
nicht auf eine Reinigungs- und Entfettungsstufe verzichtet werden. Zur Erzielung reproduzierbarer,
möglichst gleichwertiger Schichtüberzüge werden daher in einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens zumindest die metallischen Oberflächen der Bauteile
vor dem Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung in einer Reinigungsstufe gereinigt
und ggf. entfettet. Bevorzugt erfolgt die Reinigung durch In-Kontakt-Bringen mit einem
wässrigen, vorzugsweise neutralen oder alkalischen Reiniger, wobei der Verfahrensschritt
der Zinkphosphatierung der Reinigungsstufe mit oder ohne dazwischenliegendem Spülschritt
vorzugsweise unmittelbar nachfolgt. Die alkalische Reinigung zeichnet sich dabei dadurch
aus, dass die Metalloberflächen, insbesondere die Oberflächen, die metallisches Aluminium,
sei es als Werkstoff oder als Legierungsbestandteil von schmelztauchverzinktem Stahl,
enthalten, gebeizt werden, was zu einer zusätzlichen Vereinheitlichung der Metalloberflächen
führt und daher vorteilhaft für das Aufwachsen homogener Zinkphosphatüberzüge ist.
Die Reinigungsstufe erfolgt vorzugsweise nicht durch In-Kontakt-Bringen mit einem
wässrigen, vorzugsweise neutralen oder alkalischen Reiniger enthaltend einen partikulären
Bestandteil umfassend Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith oder schwerlösliche
Salze des Elements Ti, da wie zuvor erläutert auf jegliche Aktivierung der Metalloberflächen
vor der Zinkphosphatierung erfindungsgemäß verzichtet werden kann. Ein Spülschritt
nach der Reinigung ist wie bereits erwähnt optional und dient im Rahmen der vorliegenden
Erfindung ausschließlich der vollständigen oder teilweisen Entfernung löslicher Rückstände,
Partikel und Wirkkomponenten, die aus einem vorausgegangenem nasschemischen Behandlungsschritt
- hier der Reinigungs- und Entfettungsstufe - auf dem Bauteil anhaftend verschleppt
werden, vom zu behandelnden Bauteil, ohne dass in der Spülflüssigkeit selbst Wirkkomponenten
auf Basis metallischer oder halbmetallischer Elemente enthalten sind, die sich bereits
durch das bloße In-Kontakt-Bringen der metallischen Oberflächen des Bauteils mit der
Spülflüssigkeit verbrauchen. So kann die Spülflüssigkeit lediglich Stadtwasser oder
entionisiertes Wasser sein oder aber auch im Bedarfsfall eine Spülflüssigkeit darstellen,
die zur Verbesserung der Benetzbarkeit mit der Spülflüssigkeit oberflächenaktive Verbindungen
enthält.
[0024] Da die Phosphatiergüte im erfindungsgemäßen Verfahren auf schmelztauchverzinktem
Stahl verfahrenstechnisch optimiert ist, sind naturgemäß auch Verfahren erfindungsgemäß
bevorzugt, bei dem die Bauteile der Serie zumindest teilweise Oberflächen des Metalls
Zink aufweisen, die insbesondere ausgewählt sind aus Oberflächen von schmelztauchverzinktem
Stahl. Grundsätzlich ist die Phosphatiergüte der sauren, wässrigen Zusammensetzung,
die im erfindungsgemäße Verfahren durch Zugabe des Aktivierhilfsmittels (D) aufrechterhalten
wird, derart, dass auch Bauteile, die in Multimetallbauweise gefertigt sind, wie beispielsweise
Automobilkarosserien, mit sehr guten Eigenschaften zinkphosphatiert werden können
und auch auf den Oberflächen von Eisen und Aluminium sehr homogene, geschlossene und
kompakte Zinkphosphatüberzüge zugänglich sind. Im erfindungsgemäßen Verfahren ist
es daher bevorzugt, wenn die Bauteile der Serie zusätzlich Oberflächen des Metalls
Eisen oder speziell für die Leichtbauweise in der Karosseriefertigung zusätzlich Aluminium
aufweisen. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform speziell in der Karosseriefertigung
weisen die Bauteile Oberflächen der Metalle Zink, Eisen und Aluminium nebeneinander
auf.
[0025] Im erfindungsgemäßen Verfahren ist es bevorzugt, dass das In-Kontakt-Bringen der
Bauteile mit der sauren, wässrigen Zusammensetzung mindestens für eine solche Dauer
erfolgt, die ausreicht, um auf den Oberflächen von Zink ein Schichtgewicht von mindestens
1,0 g/m
2 abzuscheiden, da dann gewährleistet ist, dass ein hinreichend homogener, geschlossener
Zinkphosphatüberzug auf allen Metalloberflächen der Bauteile ausgewählt aus Zink,
Eisen und Aluminium ausgebildet ist. Demgemäß bevorzugt ist ein erfindungsgemäßes
Verfahren, bei dem auf den Oberflächen von Zink eine Zinkphosphatschicht mit einem
Schichtgewicht von mindestens 1,0 g/m
2, vorzugsweise mindestens 1,5 g/m
2 abgeschieden wird. Da im erfindungsgemäßen Verfahren die Phosphatiergüte der sauren,
wässrigen Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung als Regelgröße aufrechterhalten wird
und der sauren, wässrigen Zusammensetzung eine hinreichende Aktivierleistung immanent
ist, ist auch stets gewährleistet, dass die Zinkoberflächen des Bauteils eine homogene,
geschlossene und kompakte kristalline Zinkphosphatschicht aufweisen, deren Schichtdicke
im Bereich der Selbstlimitierung liegt, so dass erfindungsgemäß bevorzugt auch das
Schichtgewicht der Zinkphosphatschicht auf den Zinkoberflächen des Bauteils unterhalb
von 5,5 g/m
2, vorzugsweise unterhalb von 5,0 g/m
2 und besonders bevorzugt unterhalb von 4,5 g/m
2 liegt.
[0026] Aktivierhilfsmittel (D), die erfindungsgemäß eingesetzt werden können, also bei Zudosierung
zur sauren, wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung die Phosphatiergüte aufrecht
erhalten, sind wässrige Dispersionen und enthalten somit einen partikulären Bestandteil
(a) in Wasser dispergierter Form, der mindestens eine partikuläre anorganische Verbindung
(a1), die aus Phosphaten polyvalenter Metall-Kationen zumindest teilweise ausgewählt
aus Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith zusammengesetzt ist, sowie
mindestens eine polymere organische Verbindung (a2) umfasst.
[0027] Für die gute Aktivierungsleistung bzw. Eignung des Aktivierhilfsmittels (D), die
Phosphatiergüte der sauren wässrigen Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung aufrecht
zu erhalten, ist die Verwendung polyvalenter Metall-Kationen in Form von Phosphaten
verantwortlich, die daher im Aktivierhilfsmittel (D) mit einem genügend hohen Anteil
im dispergierten partikulären Bestandteil (a) enthalten sein sollten. Demgemäß ist
der Anteil an Phosphaten enthalten in der mindestens einen partikulären anorganischen
Verbindung (a1) bezogen auf den dispergierten partikulären Bestandteils (a) im Aktivierhilfsmittel
vorzugsweise mindestens 25 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 35 Gew.-%, insbesondere
bevorzugt mindestens 40 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt mindestens 45 Gew.-%. Der
dispergierte partikuläre Bestandteil (a) des Aktivierhilfsmittels (D) ist derjenige
Feststoffanteil, der nach Trocknung des Retentats einer Ultrafiltration eines definierten
Teilvolumens des Aktivierhilfsmittels (D) mit einer nominalen Ausschlussgrenze von
10 kD (NMWC, Nominal Molecular Weight Cut Off) verbleibt. Die Ultrafiltration wird
unter Zuspeisung von entionisiertem Wasser (κ<1µScm
-1) solange durchgeführt, bis im Filtrat eine Leitfähigkeit unterhalb von 10 µScm
-1 gemessen wird. Der anorganische partikuläre Bestandteil im Aktivierhilfsmittel (D)
ist wiederum derjenige, der verbleibt, wenn der aus der Trocknung des Retentats der
Ultrafiltration gewonnene partikuläre Bestandteil (a) in einem Reaktionsofen unter
Zuführung eines CO
2-freien Sauerstoffstromes bei 900 °C ohne Beimischung von Katalysatoren oder anderen
Zuschlagsstoffen solange pyrolysiert wird, bis ein Infrarot-Sensor im Auslass des
Reaktionsofens ein mit dem CO
2-freien Trägergas (Blindwert) identisches Signal liefert. Die im anorganischen partikulären
Bestandteil enthaltenen Phosphate werden nach Säureaufschluss desselben mit wässriger
10 Gew.-% HNO
3 Lösung bei 25 °C für 15 min als Phosphorgehalt mittels Atomemissionsspektrometrie
(ICP-OES) unmittelbar aus dem Säureaufschluss bestimmt.
[0028] Die Aktivkomponenten des Aktivierhilfsmittels (D), die - sobald sie der sauren wässrigen
Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung in ausreichender Menge hinzudosiert sind -
die Bildung eines homogenen, geschlossenen und kompakt kristallinen Phosphatüberzuges
auf den Metalloberflächen fördern und in diesem Sinne die Metalloberflächen aktivieren,
sind wie bereits erwähnt vornehmlich aus Phosphaten zusammengesetzt, die wiederum
zumindest teilweise ausgewählt aus Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith,
vorzugsweise zumindest teilweise ausgewählt aus Hopeit, Phosphophyllit und/oder Scholzit,
besonders bevorzugt zumindest teilweise ausgewählt aus Hopeit und/oder Phosphophyllit
und ganz besonders bevorzugt zumindest teilweise ausgewählt aus Hopeit sind. Die Aufrechterhaltung
der Phosphatiergüte in der sauren wässrigen Zusammensetzung beruht also im Wesentlichen
auf die zudosierten, im Aktivierungshilfsmittel (D) enthaltenen Phosphate in partikulärer
Form. Hopeite umfassen ohne Berücksichtigung von Kristallwasser stöchiometrisch Zn
3(PO
4)
2 sowie die Nickel- und Manganhaltigen Varianten Zn
2Mn(PO
4)
3, Zn
2Ni(PO
4)
3, wohingegen Phosphophyllit aus Zn
2Fe(PO
4)
3, Scholzit aus Zn
2Ca(PO
4)
3 und Hureaulith aus Mn
3(PO
4)
2 besteht. Die Existenz der kristallinen Phasen Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder
Hureaulith im Aktivierhilfsmittel (D) kann nach Abtrennung des partikulären Bestandteils
(a) mittels Ultrafiltration mit einer nominalen Ausschlussgrenze von 10 kD (NMWC,
Nominal Molecular Weight Cut Off) wie oben beschrieben und Trocknung des Retentats
bis zur Massenkonstanz bei 105°C mittels röntgendiffraktometrischer Methoden (XRD)
nachgewiesen werden.
[0029] Aufgrund der Präferenz für die Anwesenheit von Phosphaten, die Zink-Ionen umfassen
und eine bestimmte Kristallinität aufweisen, ist es für die Bildung fest anhaftender
kristalliner Zinkphosphatüberzüge bevorzugt, wenn im erfindungsgemäßen Verfahren im
Aktivierhilfsmittel (D) mindestens 20 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 30 Gew.-%,
insbesondere bevorzugt mindestens 40 Gew.-% an Zink im anorganischen partikulären
Bestandteil bezogen auf den Phosphatanteil des anorganischen partikulären Bestanteils,
berechnet als PO
4, enthalten sind.
[0030] Das Aktivierhilfsmittel (D) soll jedoch vorzugsweise zusätzlich keine Titanphosphate
enthalten, da diese bei Zudosierung keinen positiven Einfluss auf die Phosphatiergüte
ausüben. In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens ist
daher der Anteil an Titan im anorganischen partikulären Bestandteil des Aktivierhilfsmittels
(D) kleiner als 0,01 Gew.-%, besonders bevorzugt kleiner als 0,001 Gew.-% bezogen
auf das Aktivierhilfsmittel (D). In einer besonders bevorzugten Ausführungsform enthält
das Aktivierhilfsmittel (D) insgesamt weniger als 10 mg/kg, besonders bevorzugt weniger
als 1 mg/kg an Titan.
[0031] Einen großen Einfluss auf die Effektivität des über das Aktivierhilfsmittel (D) hinzudosierten
partikulären Bestandteils (a) übt die den partikulären Bestandteil stabilisierende
polymere organische Verbindung (a2) aus. Es zeigt sich, dass die Auswahl der polymeren
organischen Verbindung entscheidend für das Ausmaß der Aktivierung der Metalloberflächen
in der sauren wässrigen Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung ist, die bekanntlich
durch die dispergierten polyvalenten Phosphate herbeigeführt wird und die, wie die
vorliegende Erfindung zeigt, überraschend auch zeitgleich mit der Schichtbildung erfolgen
kann.
[0032] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist eine organische Verbindung dann polymer,
wenn ihre gewichtsmittlere Molmasse größer als 500 g/mol ist. Die Molmasse wird dabei
über die mit Größenausschlußchromatographie mit konzentrationsabhängigem Brechungsindex-Detektor
bei 30 °C experimentell festgestellte und gegen Polyethylenglykol-Standards kalibrierte
Molmassenverteilungskurve einer Probe der jeweiligen Bezugsgröße bestimmt. Die Auswertung
der Molmassenmittelwerte erfolgt rechnergestützt nach der Streifenmethode mit einer
Kalibrierkurve der 3. Ordnung. Als Säulenmaterial eignet sich hydroxyliertes Polymethacrylat
sowie als Eluent eine wässrige Lösung aus 0,2 mol/L Natriumchlorid, 0,02 mol/L Natriumhydroxid,
6,5 mmol/L Ammoniumhydroxyd.
[0033] Es zeigt sich, dass die Aufrechterhaltung der Phosphatiergüte und damit eine Aktivierung
der Metalloberflächen im Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung beim In-Kontakt-Bringen
mit der sauren wässrigen Zusammensetzung dann besonders gut, d.h. unter Einsatz verhältnismäßig
geringer Mengen an Aktivkomponenten des Aktivierhilfsmittels (D), gelingt, wenn die
zur Dispergierung der partikulären anorganischen Verbindung (a1) eingesetzte polymere
organische Verbindung (a2), zumindest zum Teil zusammengesetzt ist aus Styrol und/oder
einem α-Olefin mit nicht mehr als 5 Kohlenstoffatomen, wobei die polymere organische
Verbindung (a2) zusätzlich Einheiten von Maleinsäure, deren Anhydrid und/oder deren
Imid und vorzugsweise zusätzlich Polyoxyalkylen-Einheiten, besonders bevorzugt Polyoxyalkylen-Einheiten
in ihren Seitenketten aufweist. Derartige polymere organische Verbindungen (a2) sind
daher im partikulären Bestandteil (a) des Aktivierhilfsmittels erfindungsgemäß bevorzugt.
[0034] Das α-Olefin ist dabei vorzugsweise ausgewählt aus Ethen, 1-Propen, 1-Buten, Isobutylen,
1-Penten, 2-Methyl-but-1-en und/oder 3-Methyl-but-1-en und besonders bevorzugt ausgewählt
aus Isobutylen. Dem Fachmann ist hierbei klar, dass die polymeren organischen Verbindungen
(a2) diese Monomere als Struktureinheiten in ungesättigter Form untereinander oder
mit anderen Struktureinheiten kovalent verknüpft enthalten.
[0035] Geeignete kommerziell erhältliche Vertreter polymerer organischer Verbindungen (a2)
sind beispielsweise Dispex
® CX 4320 (BASF SE) ein Maleinsäure-Isobutylen-Copolymer mit Polypropylenglykol modifiziert,
Tego
® Dispers 752 W (Evonik Industries AG) ein Maleinsäure-Styrol-Copolymer mit Polyethylenglykol
modifiziert oder Edaplan
® 490 (Münzing Chemie GmbH) ein Maleinsäure-Styrol-Copolymer mit EO/PO- und Imidazol-Einheiten
modifiziert.
[0036] Im Kontext der vorliegenden Erfindung bevorzugt sind solche polymeren organischen
Verbindungen (a2), die zumindest zum Teil aus Styrol zusammengesetzt sind.
[0037] Die zur kolloidalen Stabilisierung des partikulären Bestandteils (a) des Aktivierhilfsmittels
(D) eingesetzten polymeren organischen Verbindungen (a2) weisen bevorzugt Polyoxyalkylen-Einheiten
auf, die wiederum vorzugsweise aufgebaut sind aus 1,2-Ethandiol und/oder 1,2-Propandiol,
besonders bevorzugt sowohl aus 1,2-Ethandiol als auch aus 1,2-Propandiol, wobei der
Anteil von 1,2-Propandiolen an der Gesamtheit der Polyoxyalkylen-Einheiten vorzugsweise
mindestens 15 Gew.-% beträgt, jedoch besonders bevorzugt 40 Gew.-% bezogen auf die
Gesamtheit der Polyoxyalkylen-Einheiten nicht übersteigt. Weiterhin sind die Polyoxyalkylen-Einheiten
vorzugsweise in den Seitenketten der polymeren organischen Verbindungen (a2) enthalten.
Ein Anteil der Polyoxyalkylen-Einheiten an der Gesamtheit der polymeren organischen
Verbindungen (a2) von vorzugsweise mindestens 40 Gew.-%, besonders bevorzugt von mindestens
50 Gew.-%, jedoch von vorzugsweise nicht mehr als 70 Gew.-% ist vorteilhaft für deren
Dispergiervermögen.
[0038] Für die Verankerung der polymeren organischen Verbindung (a2) mit dem anorganischen
partikulären Bestandteil (a1) des Aktivierhilfsmittels, der zumindest teilweise von
polyvalenter Metall-Kationen in Form von Phosphaten ausgewählt aus Hopeit, Phosphophyllit,
Scholzit und/oder Hurealith gebildet wird, und eine erhöhte Stabilität und Fähigkeit
des partikulären Bestandteils (a) zur Aktivierung in der sauren, wässrigen Zusammensetzung
der Zinkphosphatierung besitzen die organischen polymeren Verbindungen (a2) zusätzlich
auch Imidazol-Einheiten, vorzugsweise derart, dass die Polyoxyalkylen-Einheiten der
polymeren organischen Verbindungen (a2) zumindest teilweise mit einer Imidazol-Gruppe
endgruppenverschlossen vorliegen, so dass in der bevorzugten Ausführungsform in der
Polyoxyalkylen-Seitenkette terminale Imidazol-Gruppen vorliegen, wobei die kovalente
Verknüpfung der Polyoxyalkylen-Einheiten mit der Imidazol-Gruppe vorzugsweise über
ein Stickstoffatom des Heterozyklus erfolgt.
[0039] In einer bevorzugten Ausführungsform beträgt die Aminzahl der organischen polymeren
Verbindungen (a2) mindestens 25 mg KOH/g, besonders bevorzugt von mindestens 40 mg
KOH/g, jedoch vorzugsweise von weniger als 125 mg KOH/g, besonders bevorzugt von weniger
als 80 mg KOH/g, so dass in einer bevorzugten Ausführungsform auch die Gesamtheit
der polymeren organischen Verbindungen im partikulären Bestandteil (a) des Aktivierhilfsmittels
diese bevorzugten Aminzahlen aufweist. Die Aminzahl wird jeweils bestimmt anhand einer
Einwaage von in etwa 1 g der jeweiligen Bezugsgröße - organische polymere Verbindungen
(a2) oder Gesamtheit der polymeren organischen Verbindungen im partikulären Bestandteil
(a) - in 100 ml Ethanol, wobei mit 0,1 N HCl-Maßlösung gegen den Indikator Bromphenol-Blau
bis zum Farbumschlag nach gelb bei einer Temperatur der ethanolischen Lösung von 20
°C titriert wird. Die verbrauchte Menge Maßlösung HCl in Millilitern multipliziert
mit dem Faktor 5,61 dividiert durch die exakte Masse der Einwaage in Gramm entspricht
der Aminzahl in Milligramm KOH pro Gramm der jeweiligen Bezugsgröße.
[0040] Auch hat es sich als vorteilhaft herausgestellt, wenn die polymeren organischen Verbindungen
(a2), vorzugsweise auch die Gesamtheit der polymeren organischen Verbindungen im partikulären
Bestandteil (a), eine Säurezahl nach DGF C-V 2 (06) (Stand April 2018) von mindestens
25 mg KOH/g aufweisen, jedoch vorzugsweise von weniger als 100 mg KOH/g, besonders
bevorzugt von weniger als 70 mg KOH/g, um eine ausreichende Anzahl an Polyoxyalkylen-Einheiten
zu gewährleisten. Weiterhin ist bevorzugt, wenn die polymeren organischen Verbindungen
(a2), vorzugsweise auch die Gesamtheit der polymeren organischen Verbindungen im partikulären
Bestandteil (a), eine Hydroxylzahl von weniger als 15 mg KOH/g, besonders bevorzugt
von weniger als 12 mg KOH/g, insbesondere bevorzugt von weniger als 10 mg KOH/g aufweisen,
jeweils bestimmt nach Methode A der 01/2008:20503 aus European Pharmacopoeia 9.0.
[0041] Für eine stabile Dispergierung der anorganischen partikulären Bestandteile im Aktivierhilfsmittel
(D) ist es ausreichend, wenn der Anteil der polymeren organischen Verbindungen (a2),
vorzugsweise die Gesamtheit der polymeren organischen Verbindungen im partikulären
Bestandteil (a), bezogen auf den partikulären Bestandteil (a) mindestens 3 Gew.-%,
besonders bevorzugt mindestens 6 Gew.-% beträgt, jedoch vorzugsweise 15 Gew.-% nicht
übersteigt. Der dispergierte partikuläre Bestandteil (a) des Aktivierhilfsmittels
(D) ist derjenige Feststoffanteil, der nach Trocknung des Retentats einer Ultrafiltration
eines definierten Teilvolumens des Aktivierhilfsmittels (D) mit einer nominalen Ausschlussgrenze
von 10 kD (NMWC, Nominal Molecular Weight Cut Off) verbleibt. Die Ultrafiltration
wird unter Zuspeisung von entionisiertem Wasser (κ < 1µScm
-1) solange durchgeführt, bis im Filtrat eine Leitfähigkeit unterhalb von 10 µScm
-1 gemessen wird.
[0042] Das Aktivierhilfsmittel (D) enthält vorzugsweise nicht mehr 40 Gew.-% an partikulären
Bestandteil (a) bezogen auf das Mittel, da anderenfalls die Stabilität der Dispersion
und die verfahrenstechnische Handhabbarkeit für eine kontinuierliche oder diskontinuierliche
Zudosierung des Mittels zur sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung
mittels Dosierpumpen nicht mehr gewährleistet oder zumindest aufwändig ist. Insbesondere
gilt dies im Hinblick auf die insgesamt niedrigen Mengen an partikulären Bestandteilen
(a), die zur Aufrechterhaltung der Phosphatiergüte einer Bezugsmenge der sauren wässrigen
Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung benötigt werden. Andererseits ist es vorteilhaft,
wenn das Aktivierhilfsmittel als möglichst stabile und zugleich möglichst hochkonzentrierte
Dispersion bereitgestellt wird. Dies kann insbesondere bei Verwendung der bevorzugten
polymeren organischen Verbindungen (a2) zur Dispergierung der partikulären anorganischen
Verbindung (a1) geleistet werden, so dass bevorzugt Aktivierhilfsmittel (D) eingesetzt
werden, die mindestens 5 Gew.-%, jedoch vorzugsweise nicht mehr als 30 Gew.-% an partikulären
Bestandteil (a) bezogen auf das Mittel enthalten.
[0043] In derart konzentrierten wässrigen Dispersionen des Aktivierhilfsmittels (D), also
solchen mit einen Anteil von 5 Gew.-% an partikulären Bestandteil (a) bezogen auf
das Mittel, kann das Aktivierhilfsmittel (D) kann im erfindungsgemäßen Verfahren zusätzlich
über ihren D50-Wert von mehr als 10 µm charakterisiert werden, der entsprechend bevorzugt
ist. Die in der Dispersion enthaltenden Agglomerate der dispergierten Partikel bedingen
die für ihre Handhabbarkeit des Aktivierhilfsmittels (D) günstigen thixotropen Fließeigenschaften.
Die Tendenz der Agglomerate bei geringer Scherung hochviskos zu sein, begünstigt ihre
hohe Lagerfähigkeit, während der Verlust an Viskosität bei Scherung ihre Pumpbarkeit
bedingt. Günstige Fließeigenschaften erhält man auch noch, wenn die Dispersion einen
D90-Wert von 150 µm nicht wesentlich überschreitet, so dass erfindungsgemäß ein D90-Wert
der wässrigen Dispersion von weniger als 150 µm, vorzugsweise weniger als 100 µm,
insbesondere von weniger als 80 µm bevorzugt ist. Der D50-Wert bzw. der D90-Wert bezeichnet
im Rahmen der vorliegenden Erfindung den Teilchendurchmesser den 50 Vol.-% bzw. 90
Vol.-% der in der wässrigen Dispersion enthaltenden partikulären Bestandteile nicht
überschreiten. Der D50-Wert bzw. D90-Wert kann gemäß ISO 13320:2009 mittels Streulichtanalyse
nach der Mie-Theorie aus volumengewichteten kumulativen Partikelgrößenverteilungen
unmittelbar nach Verdünnung des Aktivierhilfsmittels (D) in Gestalt der konzentrierten
wässrigen Dispersion auf einen dispergierten partikulären Bestandteil von 0,05 Gew.-%
mit einer entsprechenden Menge an entionisiertem Wasser (κ < 1µScm
-1) bei 20 °C bestimmt werden, wobei sphärische Partikel und ein Brechungsindex der
streuenden Partikel von nD = 1,52 - i·0,1 zugrunde gelegt werden. Die Verdünnung wird
derart vorgenommen, dass eine entsprechende Menge der konzentrierten Dispersion zu
einem Volumen von 200 ml entionisiertem Wasser in das Probengefäß des Partikelgrößenanalysators
LA-950 V2 des Herstellers Horiba Ltd. hinzugegeben und dort mechanisch in die Messkammer
umgewälzt wird (Einstellung der Umwälzpumpe am LA-950 V2: Stufe 5 =1167 rpm für einen
Volumenstrom von 3,3 Litern/Minute). Die Messung der Partikelgrößenverteilung erfolgt
innerhalb von 120 Sekunden nach der Zugabe der Dispersion in das Verdünnungsvolumen.
[0044] Die Anwesenheit eines Verdickers kann vorteilhaft zur Verhinderung der irreversiblen
Agglomeration von Primärpartikeln des partikulären Bestandteils (a) sein, insbesondere
dann wenn das Aktivierhilfsmittel (D) als zuvor beschriebene konzentrierte Dispersion
vorliegt. In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens enthält
das Aktivierhilfsmittel (D) demnach einen Verdicker, vorzugsweise in einer Menge,
die dem Aktivierhilfsmittel (D) im Scherratenbereich von 0,001 bis 0,25 reziproken
Sekunden eine maximale dynamische Viskosität bei einer Temperatur von 25 °C von mindestens
1000 Pa·s, jedoch vorzugsweise unterhalb von 5000 Pa·s, verleiht und vorzugsweise
dazu führt, dass bei Scherraten oberhalb derjenigen, die bei der maximalen dynamischen
Viskosität vorliegt, bei 25 °C scherverdünnendes Verhalten, also eine Abnahme der
Viskosität mit steigender Scherrate, resultiert, so dass das Aktivierhilfsmittel (D)
insgesamt ein thixotropes Fließverhalten aufweist. Die Viskosität über den angegebenen
Scherratenbereich kann dabei mittels Platte/Kegel-Viskosimeter mit einem Kegeldurchmesser
von 35 mm und einer Spaltbreite von 0,047 mm bestimmt werden.
[0045] Ein Verdicker im Sinne der vorliegenden Erfindung ist eine polymere chemische Verbindung
oder eine definierte Mischung chemischer Verbindungen, die als 0,5 Gew.-%iger Bestandteil
in entionisiertem Wasser (κ < 1µScm
-1) bei einer Temperatur von 25 °C eine Brookfield-Viskosität von mindestens 100 mPa·s
bei einer Scherung von 60 rpm (= rounds per minute) unter Verwendung einer Spindel
der Größe 2 aufweist. Bei der Bestimmung dieser Verdickereigenschaft ist die Mischung
mit Wasser derart anzusetzen, dass die entsprechende Menge der polymeren chemischen
Verbindung unter Rührung bei 25 °C in die Wasserphase gegeben und die homogenisierte
Mischung anschließend im Ultraschallbad von Luftblasen befreit und während 24 Stunden
ruhend stehen gelassen wird.
[0046] Der Messwert der Viskosität wird dann nach Aufbringen einer Scherung von 60 rpm durch
die Spindel Nummer 2 unmittelbar innerhalb von 5 Sekunden abgelesen.
[0047] Vorzugsweise enthält das Aktivierhilfsmittel (D) insgesamt mindestens 0,5 Gew.-%,
jedoch vorzugsweise nicht mehr als 4 Gew.-%, besonders bevorzugt nicht mehr als 3
Gew.-% eines oder mehrerer Verdicker, wobei weiterhin bevorzugt der Gesamtanteil an
polymeren organischen Verbindungen im nicht-partikulären Bestandteil der wässrigen
Dispersion 4 Gew.-% (bezogen auf die Dispersion) nicht überschreitet. Der nicht-partikuläre
Bestandteil ist der Feststoffanteil der wässrigen Dispersion im Permeat der bereits
beschriebenen Ultrafiltration nach dessen Trocknung bis zur Massenkonstanz bei 105°C
- also der Feststoffanteil nach Abtrennung des partikulären Bestandteils mittels Ultrafiltration.
[0048] Bestimmte polymere Verbindungsklassen sind besonders geeignete Verdicker und zudem
kommerziell gut zugänglich. So ist der Verdicker vorzugsweise ausgewählt aus polymeren
organischen Verbindungen, die wiederum vorzugsweise ausgewählt sind aus Polysacchariden,
Cellulosederivaten, Aminoplasten, Polyvinylalkoholen, Polyvinylpyrrolidonen, Polyurethanen
und/oder Harnstoffurethanharzen, und besonders bevorzugt aus Harnstoffurethanharzen,
insbesondere solchen Harnstoffurethanharzen, die eine Mischung polymerer Verbindungen
darstellen, die aus der Reaktion eines mehrwertigen Isocyanats mit einem Polyol und
einem Mono- und/oder Diamin hervorgehen. In einer bevorzugten Ausführungsform geht
das Harnstoffurethanharz aus einem mehrwertigen Isocyanat, vorzugsweise ausgewählt
aus 1,4-Tetramethylendiisocyanat, 1,6-Hexamethylendiisocyanat, 2,2(4),4-Trimethyl-1,6-Hexamethylendiisocyanat,
1,10-Decamethylendiisocyanat, 1,4,-Cyclohexylendiisocyanat, p-Phenylendiisocyanat,
m-Phenylendiisocyanat, 2,6-Toluendiisocyanat, 2,4-Toluendiisocyanat und deren Mischungen,
p- und m-Xylylendiisocyanat, und 4-4',-Diisocyanatodicyclohexylmethan, besonders bevorzugt
ausgewählt aus 2,4-Toluoldiisocyanat und/oder m-Xylylendiisocyanat, hervor. In einer
besonders bevorzugten Ausführungsform geht das Harnstoffurethanharz aus einem Polyol
ausgewählt aus Polyoxyalkylendiolen, insbesondere bevorzugt aus Polyoxyethylenglykolen,
hervor, die wiederum vorzugsweise zusammengesetzt sind aus mindestens 6, besonders
bevorzugt mindestens 8, insbesondere bevorzugt mindestens 10, jedoch vorzugsweise
weniger als 26, besonders bevorzugt weniger als 23 Oxyalkylen-Einheiten.
[0049] Erfindungsgemäß besonders geeignete und daher bevorzugte Harnstoffurethanharze sind
erhältlich durch eine erste Umsetzung eines Diisocyanates, beispielsweise Toluol-2,4-diisocyanat,
mit einem Polyol, beispielsweise einem Polyethylenglykol, unter Bildung NCOterminierter
Urethanpräpolymere, wonach mit einem primären Monoamin und/oder mit einem primären
Diamin, beispielsweise m-Xylylendiamin, weiter umgesetzt wird. Harnstoffurethanharze,
die weder freie noch blockierte Isocyanat-Gruppen aufweisen sind dabei in besonderem
Maße bevorzugt. Derartige Harnstoffurethanharze fördern als Bestandteil des Aktivierungsmittels
(D) die Bildung loser Agglomerate von Primärpartikeln, die gegen weitergehende Agglomeration
geschützt sind und hinzudosiert zur sauren, wässrigen Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung
in Primärpartikel dissozieren. Um dieses Eigenschaftsprofil weiter zu fördern, werden
als Verdicker vorzugsweise Harnstoffurethanharze eingesetzt, die weder freie oder
blockierte Isocyanat-Gruppen noch terminale Amin-Gruppen aufweisen. In einer bevorzugten
Ausführungsform weist der Verdicker, der ein Harnstoffurethanharz darstellt, daher
eine Aminzahl von weniger als 8 mg KOH/g, besonders bevorzugt von weniger als 5 mg
KOH/g, insbesondere bevorzugt von weniger als 2 mg KOH/g auf, jeweils bestimmt nach
der Methode wie zuvor für die organische polymere Verbindung (a2) beschrieben. Da
der Verdicker im Wesentlichen in der wässrigen Phase des Aktivierhilfsmittels gelöst
vorliegt und damit dem nicht-partikulären Bestandteil zugeordnet werden kann, während
die Komponente (a2) im Wesentlichen im partikulären Bestandteil (a) gebunden ist,
ist dementsprechend ein Aktivierhilfsmittel bevorzugt, bei dem die Gesamtheit der
polymeren organischen Verbindungen im nicht-partikulären Bestandteil vorzugsweise
eine Aminzahl von weniger als 16 mg KOH/g, besonders bevorzugt von weniger als 10
mg KOH/g, insbesondere bevorzugt von weniger als 4 mg KOH/g aufweist. Weiterhin ist
bevorzugt, dass das Harnstoffurethanharz eine Hydroxylzahl im Bereich von 10 bis 100
mg KOH/g, besonders bevorzugt im Bereich von 20 bis 60 mg KOH/g, bestimmt nach Methode
A der 01/2008:20503 aus European Pharmacopoeia 9.0.aufweist. Hinsichtlich des Molekulargewichts
ist eine gewichtsmittlere Molmasse des Harnstoffurethanharzes im Bereich von 1000
bis 10000 g/mol, vorzugsweise im Bereich von 2000 bis 6000 g/mol, erfindungsgemäß
vorteilhaft und daher bevorzugt, jeweils experimentell bestimmt wie zuvor im Zusammenhang
mit der erfindungsgemäßen Definition einer polymeren organischen Verbindung beschrieben.
[0050] Das Aktivierhilfsmittel (D) ist eine wässrige Dispersion, die vorzugsweise einen
pH-Wert im Bereich von 6,5-8,0 aufweist und besonders bevorzugt keine pH-regulierenden,
wasserlöslichen Verbindungen mit einem pK
s-Wert weniger als 6 oder pK
B-Wert von weniger als 5 enthält.
[0051] Das Aktivierhilfsmittel (D) kann zudem weitere Hilfsstoffe, beispielsweise ausgewählt
aus Konservierungsmitteln, Benetzungsmitteln und Entschäumern, enthalten, die in der
für die jeweilige Funktion notwendigen Menge enthalten sind. Vorzugsweise ist der
Anteil an Hilfsstoffen, besonders bevorzugt an anderen Verbindungen im nicht-partikulären
Bestandteil, die keine Verdicker darstellen, geringer als 1 Gew.-%.
[0052] Das Aktivierhilfsmittel (D) ist vorzugsweise als konzentrierte wässrige Dispersion
erhältlich durch
- i) Bereitstellen einer Pigmentpaste durch Verreiben von 10 Massenteilen einer anorganischen
partikulären Verbindung (a1) mit 0,5 bis 2 Massenteilen der polymeren organischen
Verbindung (a2) in Gegenwart von 4 bis 7 Massenteilen Wasser und Vermahlen bis zum
Erreichen eines D50-Wert von weniger als 1 µm bestimmt mittels dynamischer Lichtstreuung
nach Verdünnung mit Wasser um den Faktor 1000, bspw. mittels Zetasizer® Nano ZS, Fa. Malvern Panalytical GmbH;
- ii) Verdünnen der Pigmentpaste mit einer solchen Menge an Wasser, vorzugsweise entionisiertem
Wasser (κ<1µScm-1) oder Brauchwasser, und eines Verdickers, dass ein dispergierter partikulärer Bestandteil
(a) von mindestens 5 Gew.-% und eine maximale dynamische Viskosität von mindestens
1000 Pa s bei einer Temperatur von 25 °C im Scherratenbereich von 0,001 bis 0,25 reziproken
Sekunden eingestellt ist,
wobei bevorzugte Ausführungsformen des Aktivierhilfsmittels (D) durch Auswahl entsprechender
Komponenten (a1), (a2) und des Verdickers in der jeweils ggf. vorgesehenen bzw. erforderlichen
Menge auf analoge Weise erhalten werden. Eine solche konzentrierte wässrige Dispersion
weist eine hervorragende Stabilität und aufgrund ihres thixotropen Fließverhaltens
auch eine gute Pumpbarkeit auf, so dass eine kontrollierte Zudosierung der konzentrierten
Dispersion unmittelbar in den Systemtank der Zinkphosphatierung gut erfolgen kann.
[0053] Hinsichtlich der sauren wässrigen Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung ist es zwingend
erforderlich für die Ausbildung homogener, geschlossener Zinkphosphatschichten, dass
diese im erfindungsgemäßen Verfahren zumindest
- (A) 5-50 g/kg an in Wasser gelösten Phosphaten berechnet als PO4,
- (B) 0,3 - 3 g/kg an Zink-Ionen, und
- (C) freies Fluorid enthält,
sowie eine Freie Säure in Punkten von größer als Null aufweist.
[0054] Die Menge an Phosphat-Ionen umfasst in diesem Zusammenhang die Orthophosphorsäure
sowie die in Wasser gelösten Anionen der Salze der Orthophosphorsäure berechnet als
PO
4.
[0055] Der Anteil der freien Säure in Punkten beträgt in der sauren wässrigen Zusammensetzung
der Zinkphosphatierung des erfindungsgemäßen Verfahrens vorzugsweise mindestens 0,4,
jedoch vorzugsweise nicht mehr als 3,0, besonders bevorzugt nicht mehr als 2,0. Der
Anteil der freien Säure in Punkten wird bestimmt, indem 10 ml Probevolumen der sauren
wässrigen Zusammensetzung auf 60 ml verdünnt und mit 0,1 N Natronlauge bis zu einem
pH-Wert von 3,6 titriert werden. Der Verbrauch an ml Natronlauge gibt die Punktzahl
freier Säure an.
[0056] Der bevorzugte pH-Wert der sauren wässrigen Zusammensetzung liegt üblicherweise oberhalb
von 2,5, besonders bevorzugt oberhalb von 2,7, jedoch vorzugsweise unterhalb von 3,5,
besonders bevorzugt unterhalb von 3,3. Der "pH-Wert", wie im Rahmen der vorliegenden
Erfindung verwendet, entspricht dem negativen dekadischen Logarithmus der Hydronium-Ionen
Aktivität bei 20 °C und kann mittels pH-sensitiver Glaselektroden bestimmt werden.
[0057] Eine Menge an freiem Fluorid bzw. eine Quelle für freie Fluorid-Ionen ist essentiell
für den Prozess der schichtbildenden Zinkphosphatierung. Insoweit Bauteile umfassend
neben Oberflächen von Zink auch Oberflächen von Eisen oder Aluminium schichtbildend
zinkphosphatiert werden sollen, wie es beispielsweise bei der Zinkphosphatierung von
Automobilkarossen, die zumindest teilweise auch aus Aluminium gefertigt sind, erforderlich
ist, ist es vorteilhaft, wenn die Menge an freiem Fluorid in der sauren wässrigen
Zusammensetzung mindestens 0,5 mmol/kg, besonders bevorzugt mindestens 2 mmol/kg beträgt.
Die Konzentration an freiem Fluorid sollte keine Werte überschreiten, oberhalb derer
die Phosphatüberzüge lose Anhaftungen aufweisen, die leicht abwischbar sind, da dieser
Defekt auch durch eine erhöhte Zudosierung an Aktivierhilfsmittel (D) bzw. durch eine
erhöhte stationäre Menge an partikulären Bestandteilen (a) in der sauren wässrigen
Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung häufig nicht kompensiert werden kann. Daher
ist vorteilhaft und daher bevorzugt, wenn im erfindungsgemäßen Verfahren die Konzentration
an freiem Fluorid in der sauren wässrigen Zusammensetzung der Zinkphosphatierung unterhalb
von 15 mmol/kg, besonders bevorzugt unterhalb von 10 mmol/kg und insbesondere bevorzugt
unterhalb von 8 mmol/kg liegt.
[0058] Die Menge an freiem Fluorid ist nach Kalibrierung mit Fluorid-haltigen Pufferlösungen
ohne pH-Pufferung mittels einer fluoridsensitiven Messelektrode potentiometrisch bei
20 °C in der jeweiligen sauren wässrigen Zusammensetzung zu bestimmen. Geeignete Quellen
für freie Fluorid-Ionen sind Flusssäure sowie deren wasserlöslichen Salze, wie Ammoniumbifluorid
und Natriumfluorid, sowie komplexe Fluoride der Elemente Zr, Ti und/oder Si, insbesondere
komplexe Fluoride des Elements Si. Vorzugsweise ist die Quelle für freies Fluorid
in einer Phosphatierung gemäß der vorliegenden Erfindung daher ausgewählt aus Flusssäure
sowie deren wasserlöslichen Salzen und/oder komplexen Fluoriden der Elemente Zr, Ti
und/oder Si. Salze der Flusssäure sind dann wasserlöslich im Sinne der vorliegenden
Erfindung, wenn ihre Löslichkeit in entionisiertem Wasser (κ < µScm
-1) bei 60°C mindestens 1 g/L berechnet als F beträgt.
[0059] Zur Unterdrückung der sogenannten Stippenbildung auf den Oberflächen der metallischen
Materialien, die aus Zink gefertigt sind, ist es bevorzugt, wenn in solchen erfindungsgemäßen
Verfahren die Quelle für freies Fluorid zumindest teilweise ausgewählt ist aus komplexen
Fluoriden des Elements Si, insbesondere aus Hexafluorokieselsäure und ihren Salzen.
Unter Stippenbildung versteht der Fachmann in der Phosphatierung das Phänomen der
lokalen Abscheidung von amorphem, weißem Zinkphosphat in einer ansonsten kristallinen
Phosphatschicht auf den behandelten Zinkoberflächen bzw. auf den behandelten verzinkten
oder legierungsverzinkten Stahloberflächen.
[0060] Der sauren wässrigen Zusammensetzung können im erfindungsgemäßen Verfahren zur schnelleren
Schichtausbildung die im Stand der Technik bekannten Beschleuniger hinzugesetzt werden.
Diese sind vorzugsweise ausgewählt aus 2-Hydroxymethyl-2-nitro-1,3-propandiol, Nitroguanidin,
N-Methylmorpholin-N-Oxid, Nitrit, Hydroxylamin und/oder Wasserstoffperoxid. Es zeigt
sich, dass eine im Vergleich geringere Zudosierung an Aktivierhilfsmittel notwendig
ist bzw. eine geringere stationäre Menge an partikulären Bestandteilen (a) in der
sauren wässrigen Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung aufrechterhalten werden muss,
wenn Nitroguanidin oder Hydroxylamin als Beschleuniger eingesetzt wird, so dass Nitroguanidin
oder Hydroxylamin, insbesondere Nitroguanidin hinsichtlich eines besonders niedrigen
Stoffeinsatzes des Aktivierhilfsmittels zur Aufrechterhaltung der Phosphatiergüte,
als Beschleuniger in der sauren wässrigen Zusammensetzung im erfindungsgemäßen Verfahren
besonders bevorzugt sind.
[0061] Aus ökologischen Gesichtspunkten besonders bevorzugt ist eine Ausführungsform, bei
der insgesamt weniger als 10 ppm an Nickel- und/oder Kobalt-Ionen in der sauren wässrigen
Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung im erfindungsgemäßen Verfahren enthalten sind.
[0062] Des Weiteren kann im erfindungsgemäßen Verfahren auch auf die in Verfahren der Zinkphosphatierung
fachnotorisch bekannte Additivierung zurückgegriffen werden.
[0063] Im erfindungsgemäßen Verfahren wird ein guter Lackhaftgrund für eine nachfolgende
Tauchlackierung oder Pulverlackierung, in deren Verlauf eine im Wesentlichen organische
Deckschicht aufgebracht wird, realisiert. Dementsprechend folgt in einer bevorzugten
Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens der Zinkphosphatierung mit oder ohne
dazwischenliegendem Spül- und/oder Trocknungsschritt, jedoch vorzugsweise mit Spülschritt,
aber ohne Trocknungsschritt, eine Tauchlackierung oder Pulverlackierung, besonders
bevorzugt eine Elektrotauchlackierung, insbesondere bevorzugt eine kathodische Elektrotauchlackierung,
die vorzugsweise neben dem dispergierten Harz, das vorzugsweise ein Amin-modifiziertes
Polyepoxid umfasst, wasserlösliche oder wasserdispergierbare Salze von Yttrium und/oder
Bismut enthält.
[0064] In einem weiteren Aspekt betrifft die vorliegende Erfindung eine saure wässrige Zusammensetzung
zur Zinkphosphatierung, die eine Freie Säure in Punkten von größer als Null aufweist,
und
- (A) 5-50 g/kg an in Wasser gelösten Phosphaten berechnet als PO4,
- (B) 0,3 - 3 g/kg an Zink-Ionen,
- (C) freies Fluorid, und
- (D) einen wasserdispergierten partikulären Bestandteil umfassend Phosphate polyvalenter
Metall-Kationen enthält, wobei die Phosphate zumindest teilweise ausgewählt sind aus
Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith,
erhältlich durch Zugabe einer Menge einer wässrigen Dispersion zu einer sauren wässrigen
Zusammensetzung enthaltend die Komponenten (A) - (C),
wobei die wässrige Dispersion einen partikulären Bestandteil (a) in Wasser dispergierter
Form enthält, der
- mindestens eine partikuläre anorganische Verbindung (a1), die aus Phosphaten polyvalenter
Metall-Kationen zumindest teilweise ausgewählt aus Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit
und/oder Hureaulith zusammengesetzt ist,
- sowie mindestens eine polymere organische Verbindung (a2) umfasst,
wobei die Zugabe der wässrigen Dispersion in einer solchen Menge erfolgt, dass der
Gewichtsanteil von Phosphaten aus dem partikulären Bestandteil der wässrigen Dispersion
bezogen auf die saure wässrige Zusammensetzung enthaltend die Komponenten (A) - (C)
mindestens 0,0005 g/kg, vorzugsweise mindestens 0,001 g/kg, besonders bevorzugt mindestens
0,005 g/kg und ganz besonders bevorzugt mindestens 0,01 g/kg beträgt.
[0065] Für den dispergierten partikulären Bestandteil (a) sowie die mindestens eine partikuläre
anorganische Verbindung (a1) bzw. polymere organische Verbindung (a2) gelten dieselben
Definitionen und bevorzugten Spezifikationen wie sie zuvor für das Aktivierhilfsmittel
(D) des erfindungsgemäßen Verfahrens angeführt wurden. Gleiches gilt für die Spezifikation
der der sauren, wässrige Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung, insbesondere hinsichtlich
der Komponenten (A)-(C), der freien Säure sowie weiterer Komponenten wie derjenigen
des Beschleunigers, die jeweils entsprechend der sauren, wässrigen Zusammensetzung
des erfindungsgemäßen Verfahrens ausgestaltet bzw. ausgewählt sein können.
1. Verfahren zur korrosionsschützenden Vorbehandlung einer Vielzahl von Bauteilen in
Serie, bei dem jedes Bauteil der Serie zumindest teilweise Oberflächen der Metalle
Zink, Eisen und/oder Aluminium aufweist und einen Verfahrensschritt zur Zinkphosphatierung
durchläuft und dabei mit einer sauren wässrigen Zusammensetzung in Kontakt gebracht
wird, wobei die saure wässrige Zusammensetzung
(A) 5-50 g/kg an in Wasser gelösten Phosphaten berechnet als PO4,
(B) 0,3 - 3 g/kg an Zink-Ionen, und
(C) freies Fluorid enthält,
sowie eine Freie Säure in Punkten von größer als Null aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass
der sauren wässrigen Zusammensetzung im Verfahrensschritt zur Zinkphosphatierung kontinuierlich
oder diskontinuierlich eine solche Menge eines Aktivierhilfsmittels (D) hinzugegeben
wird, die unter den gewählten Bedingungen des Verfahrensschritts der Zinkphosphatierung
ausreicht, die Eigenschaft der sauren wässrigen Zusammensetzung, auf einer schmelztauchverzinkten
Stahloberfläche (Z) eine Zinkphosphatschicht mit einem Schichtgewicht von weniger
als 5,5 g/m2, vorzugsweise weniger als 5,0 g/m2, besonders bevorzugt weniger als 4,5 g/m2 abzuscheiden, aufrecht zu erhalten,
wobei das Aktivierhilfsmittel (D) einen partikulären Bestandteil (a) in Wasser dispergierter
Form enthält, der
- mindestens eine partikuläre anorganische Verbindung (a1), die aus Phosphaten polyvalenter
Metall-Kationen zumindest teilweise ausgewählt aus Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit
und/oder Hureaulith zusammengesetzt ist,
- sowie mindestens eine polymere organische Verbindung (a2) umfasst.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die polymere organische Verbindung (a2) im partikulären Bestandteil (a) des Aktivierungsmittels
(D) zumindest zum Teil zusammengesetzt ist aus Styrol und/oder einem α-Olefin mit
nicht mehr als 5 Kohlenstoffatomen, wobei die polymere organische Verbindung (a2)
zusätzlich Einheiten von Maleinsäure, deren Anhydrid und/oder deren Imid und vorzugsweise
zusätzlich Polyoxyalkylen-Einheiten besonders bevorzugt Polyoxyalkylen-Einheiten in
ihren Seitenketten aufweist.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die polymere organische Verbindung (a2) im partikulären Bestandteil (a) des Aktivierungsmittels
(D) zusätzlich auch Imidazol-Einheiten aufweisen, vorzugsweise derart, dass die Polyoxyalkylen-Einheiten
der polymeren organischen Verbindungen (a2) zumindest teilweise mit einer Imidazol-Gruppe
endgruppenverschlossen vorliegen.
4. Verfahren nach einem oder beiden der vorherigen Ansprüche 2-3, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Polyoxyalkylen-Einheiten an der Gesamtheit der polymeren organischen
Verbindungen (a2) vorzugsweise mindestens 40 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens
50 Gew.-% beträgt, jedoch insbesondere bevorzugt 70 Gew.-% nicht übersteigt.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil der Phosphate berechnet als PO4 enthalten in der mindestens einen partikulären anorganischen Verbindung (a1) bezogen
auf den dispergierten anorganischen partikulären Bestandteil (a1) des Aktivierungsmittels
(D) mindestens 25 Gew.-%, besonders bevorzugt mindestens 35 Gew.-%, insbesondere bevorzugt
mindestens 40 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt mindestens 45 Gew.-% beträgt.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Aktivierungsmittel (D) mindestens einen Verdicker (b) als weitere Komponente
enthält, der vorzugsweise ausgewählt ist aus Harnstoffurethanharzen, vorzugsweise
aus Harnstoffurethanharzen, die eine Aminzahl von weniger als 8 mg KOH/g, besonders
bevorzugt von weniger als 5 mg KOH/g, ganz besonders bevorzugt von weniger als 2 mg
KOH/g aufweisen.
7. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Gesamtheit an polymeren organischen Verbindungen (a2) im und bezogen auf den
partikulären Bestandteil (a) des Aktivierungsmittels (D) mindestens 3 Gew.-%, vorzugsweise
mindestens 6 Gew.-% beträgt, jedoch vorzugsweise 15 Gew.-% nicht übersteigt.
8. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die saure wässrige Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung einen pH-Wert unterhalb
von 3,6, vorzugsweise unterhalb von 3,4, besonders bevorzugt unterhalb von 3,2 aufweist,
wobei die Freie Säure vorzugsweise größer als 0,5 Punkte, besonders bevorzugt größer
als 0,8 Punkte und insbesondere bevorzugt größer als 1,0 Punkte ist.
9. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die saure wässrige Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung eine Quelle für freies
Fluorid enthält und vorzugsweise mindestens 10 mg/kg, besonders bevorzugt mindestens
40 mg/kg, jedoch vorzugsweise nicht mehr als 200 mg/kg an freiem Fluorid enthalten
sind.
10. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die saure wässrige Zusammensetzung einen Beschleuniger enthält der vorzugsweise ausgewählt
ist aus 2-Hydroxymethyl-2-nitro-1,3-propandiol, Nitroguanidin, N-Methylmorpholin-N-Oxid,
Nitrit, Hydroxylamin und/oder Wasserstoffperoxid, besonders bevorzugt aus Nitroguanidin
oder Hydroxylamin und insbesondere bevorzugt aus Nitroguanidin.
11. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteile der Serie vor dem In-Kontakt-Bringen mit der sauren wässrigen Zusammensetzung
im Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung nicht mit einer kolloidalen, wässrigen
Lösung enthaltend im partikulären Bestandteil Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder
Hureaulith, vorzugsweise Phosphate polyvalenter Metall-Kationen, oder schwerlösliche
Salze des Elements Ti in Kontakt gebracht werden, und vorzugsweise vor dem In-Kontakt-Bringen
mit der sauren wässrigen Zusammensetzung im Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung
mit keiner kolloidalen, wässrigen Lösung zur Aktivierung der Oberflächen der Bauteile
für eine Zinkphosphatierung in Kontakt gebracht werden und besonders bevorzugt keine
Aktivierungsstufe zur Aktivierung der Oberflächen der Bauteile für eine Zinkphosphatierung
durchlaufen.
12. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteile der Serie vor dem In-Kontakt-Bringen mit der sauren wässrigen Zusammensetzung
im Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung in einer Reinigungsstufe gereinigt und
ggf. entfettet werden, insbesondere durch In-Kontakt-Bringen mit einem wässrigen,
vorzugsweise alkalischen Reiniger, wobei der Verfahrensschritt der Zinkphosphatierung
der Reinigungsstufe mit oder ohne dazwischenliegendem Spülschritt vorzugsweise unmittelbar
nachfolgt und die Reinigungsstufe vorzugsweise nicht durch In-Kontakt-Bringen mit
einem wässrigen, vorzugsweise alkalischen Reiniger enthaltend einen partikulären Bestandteil
umfassend Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith oder schwerlösliche
Salze des Elements Ti erfolgt.
13. Verfahren nach einem oder mehreren der vorherigen Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Bauteile der Serie zumindest teilweise Oberflächen des Metalls Zink, insbesondere
ausgewählt aus Oberflächen von schmelztauchverzinktem Stahl, aufweist und die Bauteile
vorzugsweise zusätzlich Oberflächen des Metalls Aluminium, besonders bevorzugt zusätzlich
Oberflächen der Metalle Aluminium und Eisen aufweisen.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass auf den Oberflächen von Zink eine Zinkphosphatschicht mit einem Schichtgewicht von
mindestens 1,0 g/m2, vorzugsweise mindestens 1,5 g/m2 abgeschieden wird.
15. Saure wässrige Zusammensetzung zur Zinkphosphatierung, die eine Freie Säure in Punkten
von größer als Null aufweist, und
(A) 5-50 g/kg an in Wasser gelösten Phosphaten berechnet als PO4,
(B) 0,3 - 3 g/kg an Zink-Ionen,
(C) freies Fluorid, und
(D) einen wasserdispergierten partikulären Bestandteil umfassend Phosphate polyvalenter
Metall-Kationen enthält, wobei die Phosphate zumindest teilweise ausgewählt sind aus
Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit und/oder Hureaulith, erhältlich durch Zugabe einer
Menge einer wässrigen Dispersion zu einer sauren wässrigen Zusammensetzung enthaltend
die Komponenten (A) - (C),
wobei die wässrige Dispersion einen partikulären Bestandteil (a) in Wasser dispergierter
Form enthält, der
- mindestens eine partikuläre anorganische Verbindung (a1), die aus Phosphaten polyvalenter
Metall-Kationen zumindest teilweise ausgewählt aus Hopeit, Phosphophyllit, Scholzit
und/oder Hureaulith zusammengesetzt ist,
- sowie mindestens eine polymere organische Verbindung (a2) umfasst,
wobei die Zugabe der wässrigen Dispersion in einer solchen Menge erfolgt, dass der
Gewichtsanteil von Phosphaten aus dem partikulären Bestandteil der wässrigen Dispersion
bezogen auf die saure wässrige Zusammensetzung enthaltend die Komponenten (A) - (C)
mindestens 0,0005 g/kg, vorzugsweise mindestens 0,001 g/kg, besonders bevorzugt mindestens
0,005 g/kg und ganz besonders bevorzugt mindestens 0,01 g/kg beträgt.