[0001] Die Erfindung betrifft eine Handhabungsvorrichtung und ein Verfahren zum Handhaben
eines Schattenrohrs im Bereich einer Gießpfanne.
[0002] Beim Stranggießen wird eine metallische Schmelze aus einer Gießpfanne in einen Verteiler,
der auch als Tundish (engl.) bezeichnet wird, und anschließend aus dem Verteiler in
eine Kokille oder direkt aus einer Gießpfanne in eine Kokille gegossen. An den gekühlten
Kokillenwänden der Kokille erstarrt die Schmelze, so dass von der Kokille ein teilerstarrter
Gießstrang mit einer erstarrten Strangschale und einem in der Regel noch flüssigen
Kern ausgegeben wird, der anschließend weiter abgekühlt wird.
[0003] Aus der Gießpfanne wird die Schmelze dabei durch ein so genanntes Schattenrohr, das
auch als Shroud (engl.) bezeichnet wird, in den Verteiler oder direkt in die Kokille
geleitet, um zu verhindern, dass die Schmelze nach dem Verlassen der Gießpfanne mit
dem Luftsauerstoff reagiert. Das Schattenrohr wird dabei in der Regel an einem so
genannten Schattenrohrmanipulator, der auch als Ladle Shroud Manipulator (engl., abgekürzt
LSM) bezeichnet wird, geführt. Ein Schattenrohrmanipulator wird häufig manuell bedient.
Das manuelle Bedienen des Schattenrohrmanipulators ist eine teure und für den Bediener
gefährliche Tätigkeit.
[0004] CN 110653365 A und
CN 110625106 A offenbaren Vorrichtungen und Verfahren, bei denen jeweils die räumliche Position
eines Ausgusses zum Ausgeben einer metallischen Schmelze aus einem metallurgischen
Gefäß von einem auf einer Gießbühne angeordneten Roboter ermittelt wird und ein Schattenrohrmanipulator
von dem Roboter kabelgebunden oder kabellos gesteuert wird, um ein Schattenrohr mittels
des Schattenrohrmanipulators an den Ausguss anzustellen beziehungsweise von diesem
zu entfernen.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Handhaben eines Schattenrohrs zu automatisieren,
insbesondere unter Verwendung eines manuell bedienbaren Schattenrohrmanipulators.
[0006] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch eine Handhabungsvorrichtung mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 und ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 15 gelöst.
[0007] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0008] Eine erfindungsgemäße Handhabungsvorrichtung zum Handhaben eines Schattenrohrs im
Bereich einer Gießpfanne mit einem zu dem Schattenrohr korrespondierenden Gießpfannenauslass
umfasst
- einen Schattenrohrmanipulator, an dem das Schattenrohr anordenbar ist und mit dem
das Schattenrohr bewegbar und an die Gießpfanne drückbar ist,
- ein Positionsmesssystem, das eingerichtet ist, eine Position des Gießpfannenauslasses
zu erfassen, und
- einen Roboter, der eingerichtet ist, den Schattenrohrmanipulator durch direkten mechanischen
Kontakt derart zu führen, dass das an dem Schattenrohrmanipulator angeordnete Schattenrohr
an den Gießpfannenauslass angestellt wird oder von dem Gießpfannenauslass abgezogen
wird.
[0009] Die erfindungsgemäße Handhabungsvorrichtung ermöglicht eine mechanische Führung eines
Schattenrohrmanipulators durch einen Roboter zum Anstellen des Schattenrohrs an einen
Gießpfannenauslass vor einem Ausgießen metallischer Schmelze aus der Gießpfanne und
Abziehen des Schattenrohrs von dem Gießpfannenauslass nach dem Ausgießen der Schmelze.
Ein optisches Positionsmesssystem liefert dabei die von dem Roboter zum Führen des
Schattenrohrmanipulators benötigte Position des Gießpfannenauslasses. Insbesondere
kann die Handhabungsvorrichtung mit einem herkömmlichen, manuell bedienbaren Schattenrohrmanipulator
realisiert werden.
[0010] Dadurch kann ein derartiger Schattenrohrmanipulator kostengünstig und mit wenig Installationsaufwand
zu einer erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung mit einer automatisierten Bedienung
des Schattenrohrmanipulators durch einen Roboter erweitert werden, da neben dem Roboter
selbst lediglich das optische Positionsmesssystem sowie gegebenenfalls eine signaltechnische
Verbindung zum Schattenrohrmanipulator, über die ein Antrieb des Schattenrohrmanipulators
durch den Roboter steuerbar ist, und/oder ein Kuppelelement, an dem der Roboter den
Schattenrohrmanipulator führen kann, installiert werden müssen.
[0011] Bei einer Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung weist der Schattenrohrmanipulator
einen Tragarm auf, der durch einen Antrieb um eine Querachse schwenkbar ist und eine
Schattenrohrhalterung für das Schattenrohr aufweist. Der Antrieb weist beispielsweise
einen Hydraulikzylinder auf. Bei einer Weitergestaltung der vorgenannten Ausgestaltung
der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung ist der Roboter eingerichtet, den Antrieb
nach dem Anstellen des Schattenrohrs an den Gießpfannenauslass zu aktivieren und vor
dem Abziehen des Schattenrohrs von dem Gießpfannenauslass zu deaktivieren.
[0012] Durch die Schwenkbarkeit des Tragarms um die Querachse mittels des Antriebs kann
das in der Schattenrohrhalterung angeordnete Schattenrohr bewegt und an den Gießpfannenauslass
gedrückt werden. Das Andrücken des Schattenrohrs an den Gießpfannenauslass während
des Ausgießens von Schmelze aus der Gießpfanne hat den Vorteil, dass das Schattenrohr
in einfacher Weise nach dem Ausgießen der Schmelze von dem Gießpfannenauslass wieder
abgezogen werden kann, und dass zum Halten des Schattenrohrs an dem Gießpfannenauslass
keine störungs- und verschmutzungsanfällige Verschlussvorrichtung erforderlich ist.
Zum Heben und Senken des Schattenrohrs und zum Andrücken des Schattenrohrs an den
Gießpfannenauslass eignet sich aufgrund der dafür erforderlichen Hebekraft und Anstellkraft
insbesondere ein Antrieb des Tragarms mit einem Hydraulikzylinder. Die Steuerung des
Antriebs durch den Roboter ermöglicht eine vollständig automatisierte Handhabung des
Schattenrohrs vor, während und nach dem Ausgießen von Schmelze aus der Gießpfanne.
[0013] Bei einer weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung ist
der Roboter eingerichtet, das Schattenrohr in die Schattenrohrhalterung einzusetzen
und/oder aus der Schattenrohrhalterung zu entnehmen.
[0014] Gemäß der vorgenannten Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung
wird der Roboter also vorteilhaft auch zum Bestücken des Schattenrohrmanipulators
mit dem Schattenrohr und Entfernen des Schattenrohrs aus dem Schattenrohrmanipulator
eingesetzt und kann mithin auch zum Austausch des Schattenrohrs verwendet werden.
[0015] Bei einer weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung ist
der Tragarm des Schattenrohrmanipulators über ein Doppelgelenk mit zwei voneinander
beabstandeten, zueinander parallelen Drehachsen bewegbar an einem Tragarmträger des
Schattenrohrmanipulators gelagert. Insbesondere sind die Drehachsen vertikal ausgerichtet.
[0016] Durch das Doppelgelenk mit den beiden Drehachsen ist der Tragarm des Schattenrohrmanipulators
durch den Roboter frei in einem durch die Länge des Tragarms definierten Bereich einer
Ebene, die senkrecht zu den Drehachsen ist, insbesondere in einer horizontalen Ebene,
verschiebbar.
[0017] Bei einer weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung ist
der Tragarm des Schattenrohrmanipulators durch einen Motor um seine Längsachse drehbar.
[0018] Durch die motorisch antreibbare Drehbarkeit des Tragarms um dessen Längsachse kann
das Schattenrohr an dem Tragarm verkippt werden. Diese Verkippbarkeit ist vorteilhaft,
damit gegebenenfalls durch entsprechende Verkippungen verhindert wird, dass das Schattenrohr
beim Anstellen an die Gießpfanne beziehungsweise beim Abziehen von der Gießpfanne
mit mechanischen Hindernissen im Bereich der Gießpfanne kollidiert.
[0019] Bei einer weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung ist
an dem Schattenrohrmanipulator, beispielsweise an dessen Tragarm, ein Kuppelelement
angeordnet, an dem der Roboter den Schattenrohrmanipulator kontaktiert. Beispielsweise
ist das Kuppelelement kugelförmig ausgebildet und der Roboter weist ein Greifwerkzeug
auf, das zum Greifen des Kuppelelements ausgebildet ist. Vorzugsweise greift das Greifwerkzeug
das Kuppelelement mit einem Spiel im Bereich von 0,1 mm bis 0,5 mm. Das Kuppelelement
ist beispielsweise aus einem gehärteten Metall gefertigt.
[0020] Das Kuppelelement definiert den Angriffspunkt des Roboters an dem Schattenrohrmanipulator.
Ein kugelförmiges Kuppelelement, das von einem Greifwerkzeug des Roboters mit einem
Spiel greifbar ist, ermöglicht eine relative Verdrehbarkeit des Greifwerkzeugs gegenüber
dem Kuppelelement beim Führen des Tragarms. Ein Spiel im Bereich von 0,1 mm bis 0,5
mm ermöglicht eine Positioniergenauigkeit von weniger als 1 mm beim Positionieren
des an dem Schattenrohrmanipulator angeordneten Schattenrohrs an dem Gießpfannenauslass
durch den Roboter. Diese Genauigkeit wird benötigt, um das Schattenrohr präzise genug
an dem Gießpfannenauslass anzustellen.
[0021] Bei einer weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung ist
der Schattenrohrmanipulator auf einem verfahrbaren Verfahrwagen angeordnet. Dadurch
kann der Schattenrohrmanipulator mit dem Verfahrwagen erforderlichenfalls verschoben
werden.
[0022] Bei einer weiteren Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung ist
der Roboter als ein sechsachsiger Industrieroboter ausgebildet. Derartige Roboter
sind heute relativ kostengünstig verfügbar und insbesondere in Verbindung mit dem
oben genannten kugelförmigen Kuppelelement zum Führen des Schattenrohrmanipulators
an dem Kuppelelement geeignet und ausreichend.
[0023] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Handhaben eines Schattenrohrs im Bereich
einer Gießpfanne mit einer erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung wird der Schattenrohrmanipulator
dementsprechend von dem Roboter durch direkten mechanischen Kontakt derart gesteuert,
dass das an dem Schattenrohrmanipulator angeordnete Schattenrohr vor einem Ausgießen
von Schmelze aus der Gießpfanne an einen Gießpfannenauslass der Gießpfanne angestellt
wird und nach dem Ausgießen der Schmelze von dem Gießpfannenauslass abgezogen wird.
[0024] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen, die im Zusammenhang
mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Dabei zeigen:
FIG 1 eine perspektivische Darstellung eines ersten Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen
Handhabungsvorrichtung zum Handhaben eines Schattenrohrs,
FIG 2 eine perspektivische Darstellung des Schattenrohrmanipulators der in Figur 1
gezeigten Handhabungsvorrichtung,
FIG 3 eine perspektivische Darstellung eines zweiten Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen
Handhabungsvorrichtung zum Handhaben eines Schattenrohrs.
[0025] Einander entsprechende Teile sind in den Figuren mit denselben Bezugszeichen versehen.
[0026] Figur 1 (FIG 1) zeigt eine perspektivische Darstellung eines Ausführungsbeispiels
einer erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung 1 zum Handhaben eines Schattenrohrs
2 im Bereich einer Gießpfanne 3 mit einem zu dem Schattenrohr 2 korrespondierenden
Gießpfannenauslass 4. Die Handhabungsvorrichtung 1 umfasst einen Schattenrohrmanipulator
5, ein Positionsmesssystem 6 und einen Roboter 7. Der Roboter 7 ist eingerichtet,
den Schattenrohrmanipulator 5 in unter näher beschriebener Weise durch direkten mechanischen
Kontakt derart zu führen, dass das an dem Schattenrohrmanipulator 5 angeordnete Schattenrohr
2 vor dem Ausgießen metallische Schmelze aus der Gießpfanne 3 an den Gießpfannenauslass
4 angestellt wird und nach dem Ausgießen der Schmelze von dem Gießpfannenauslass 4
abgezogen wird.
[0027] Figur 2 (FIG 2) zeigt eine perspektivische Darstellung des Schattenrohrmanipulators
5 der in Figur 1 gezeigten Handhabungsvorrichtung 1. Der Schattenrohrmanipulator 5
weist einen Tragarm 9 auf, der durch einen Antrieb 10 um eine horizontale Querachse
H schwenkbar ist. Der Antrieb 10 weist einen Hydraulikzylinder 11 auf, der über dem
Tragarm 9 angeordnet ist.
[0028] Der Tragarm 9 weist eine Schattenrohrhalterung 13 auf, in die das Schattenrohr 2
einsetzbar ist. Die Schattenrohrhalterung 13 bildet ein Ende des Tragarms 9. Der Tragarm
9 ist über ein Doppelgelenk 15 mit zwei voneinander beabstandeten vertikalen Drehachsen
V1, V2, die zueinander parallel und senkrecht zu der Querachse H sind, bewegbar an
einem Tragarmträger 17 des Schattenrohrmanipulators 5 gelagert.
[0029] Ferner ist der Tragarm 9 durch einen (nicht dargestellten) Motor um seine Längsachse
L drehbar.
[0030] An dem Tragarm 9 ist ein Kuppelelement 19 montiert, an dem der Roboter 7 den Schattenrohrmanipulator
5 kontaktiert, um den Tragarm 9 zu bewegen. Das Kuppelelement 19 ist an einem Kuppelelementträger
21 angeordnet, der an dem Tragarm 9 befestigt ist. Das Kuppelelement 19 ist kugelförmig
ausgebildet und aus einem gehärteten Metall gefertigt.
[0031] Der Schattenrohrmanipulator 5 ist auf einem verschiebbaren Verfahrwagen 22 angeordnet
und somit mit dem Verfahrwagen 22 verfahrbar.
[0032] Ferner weist der Schattenrohrmanipulator 5 eine (in Figur 2 nicht dargestellte) galgenförmige
Haltevorrichtung 23 auf, in die eine mechanischen Einrastvorrichtung 24 an dem Tragarm
9 eingeklinkt werden kann, um den Tragarm 9 in einer definierten Parkposition zu arretieren.
[0033] Der Schattenrohrmanipulator 5 kann ferner eine Argonzuführung zur Schattenrohrhalterung
13 aufweisen, mittels welcher während des Ausgießens von Schmelze aus der Gießpfanne
3 Argon automatisch aus einer ringförmig um eine Kontaktstelle des Schattenrohrs mit
dem Gießpfannenauslass 4 verlaufenden Ringdüse abgegeben wird, um an diesem mechanischen
Übergang mögliche Oxidationsvorgänge (beispielsweise durch eine unvollständige Abdichtung)
zu unterbinden und Verstopfungen des Schattenrohrs 2 vorzubeugen. Beispielsweise ist
ein mechanischer Klappmechanismus an dem Tragarm 9 angeordnet, der beim Einsetzen
des Schattenrohrs 2 in die Schattenrohrhalterung 13 die Ringdüse automatisch in eine
Arbeitsposition klappt.
[0034] Der Roboter 7 ist als ein sechsachsiger Industrieroboter ausgebildet und ortsfest
auf einem Pfannengießerpodest 25 (engl. Ladle Operator Platform) angeordnet. Beispielsweise
weist der Roboter 7 eine Hebekraft von wenigstens 3 kN auf.
[0035] Der Roboter 7 weist ein auswechselbares Greifwerkzeug 27 auf, das zum Greifen des
Kuppelelements 19 ausgebildet ist, um den Tragarm 9 des Schattenrohrmanipulators 5
an dem Kuppelelement 19 zu führen. Das Greifwerkzeug 27 greift das Kuppelelement 19
mit einem Spiel im Bereich von 0,1 mm bis 0,5 mm. Dadurch wird einerseits eine relative
Verdrehbarkeit des Greifwerkzeugs 27 gegenüber dem Kuppelelement 19 beim Führen des
Tragarms 9 ermöglicht, andererseits aber auch eine Positioniergenauigkeit von weniger
als 1 mm beim Positionieren des in der Schattenrohrhalterung 13 angeordneten Schattenrohrs
2 an dem Gießpfannenauslass 4 durch den Roboter 7 erreicht, wenn der Roboter 7 den
Tragarm 9 an dem Kuppelelement 19 zu dem Gießpfannenauslass 4 führt. Figur 1 zeigt
den Roboter 7 beim Führen des Tragarms 9, wobei das Greifwerkzeug 27 das Kuppelelement
19 greift.
[0036] Das Positionsmesssystem 6 ist eingerichtet, eine Position des Gießpfannenauslasses
4 zu erfassen und dem Roboter 7 bereitzustellen. Zu diesem Zweck weist das Positionsmesssystem
6 ein Stereokamerasystem auf, aus dessen Kamerabildern die Position ermittelt wird.
Insbesondere ist eine Bestimmung der Position des Gießpfannenauslasses 4 mit einer
Genauigkeit von weniger als 1 mm erforderlich. Um die Position des Gießpfannenauslasses
4 mit dieser Genauigkeit zu bestimmen, werden in der Nähe des Gießpfannenauslasses
4 beispielsweise so genannte Targetplatten mit optischen Markierungen montiert. Die
genaue Bestimmung der Position des Gießpfannenauslasses 4 bei jedem Ausgießen von
Schmelze aus der Gießpfanne 3 ist erforderlich, da die Gießpfanne 3 und der Verfahrwagen
22 zwar für jeden Ausgießvorgang jeweils in definierte Positionen gefahren werden,
die Positionierung dieser Gewerke jedoch aufgrund deren bewegten Massen von beispielsweise
mehreren hundert Tonnen nicht mit der genannten Genauigkeit möglich ist. Zum Anstellen
des Schattenrohrs 2 an den Gießpfannenauslass 4 durch den Roboter 7, werden diese
sich wiederholende Grobposition des Gießpfannenauslasses 4 und der Verfahrweg dorthin
von einer Anfangsposition dem Roboter 7 in bekannter Weise eingelernt (so genanntes
Teaching), wenn der Roboter 7 auf dem Pfannengießerpodest 25 installiert wird beziehungsweise
wenn eine neue räumliche Gießbühnenkonfiguration festgelegt wird. Durch eine Feinjustierung
anhand der mittels des Positionsmesssystems 6 ermittelten Position des Gießpfannenauslasses
4 kann das Schattenrohr 2 dann durch den Roboter 7 bei jedem Ausgießvorgang zuverlässig
mit der erforderlichen Genauigkeit an den Gießpfannenauslass 4 angestellt werden.
[0037] Durch das Doppelgelenk 15 mit den beiden vertikalen Drehachsen V1, V2 ist der Tragarm
9 des Schattenrohrmanipulators 5 frei in einem durch die Länge des Tragarms 9 definierten
Bereich einer horizontalen Ebene verschiebbar. Durch die Schwenkbarkeit des Tragarms
9 um die Querachse H mittels des Antriebs 10 mit dem Hydraulikzylinder 11 kann das
in der Schattenrohrhalterung 13 angeordnete Schattenrohr 2 vertikal bewegt und an
den Gießpfannenauslass 4 gedrückt werden. Durch die motorisch antreibbare Drehbarkeit
des Tragarms 9 um dessen Längsachse L kann das Schattenrohr 2 außerdem gegen die vertikale
Richtung verkippt werden. Diese Verkippbarkeit ist vorteilhaft, damit gegebenenfalls
durch entsprechende Verkippungen verhindert wird, dass das Schattenrohr 2 beim Anstellen
an die Gießpfanne 3 beziehungsweise beim Abziehen von der Gießpfanne 3 mit mechanischen
Hindernissen im Bereich der Gießpfanne 3 kollidiert. Der Schattenrohrmanipulator 5
kann prinzipiell auch manuell von einem menschlichen Bediener bedient werden. Dabei
erfordert die Verschiebung des Tragarms 9 in der horizontalen Ebene nur minimalen
Kraftaufwand und kann manuell von dem Bediener bewirkt werden, während das Schwenken
des Tragarms 9 um die Querachse H durch den Antrieb 10 mit dem Hydraulikzylinder 11
und das Drehen des Tragarms 9 um dessen Längsachse L durch den Motor bewirkt werden,
wobei der Antrieb 10 und der Motor von dem Bediener aktiviert werden.
[0038] Durch den Roboter 7 wird der Tragarm 9 an dem Kuppelelement 19 lediglich zu dem Gießpfannenauslass
4 hin beziehungsweise von dem Gießpfannenauslass 4 weg geführt. Beim Ausgießen von
Schmelze aus der Gießpfanne 3 wird das Schattenrohr 2 permanent durch den Antrieb
10 mit dem Hydraulikzylinder 11 mit einer Anstellkraft an den Gießpfannenauslass 4
gedrückt. Der Roboter 7 aktiviert dazu nach dem Anstellen des Schattenrohrs 2 an den
Gießpfannenauslass 4 den Antrieb 10 und deaktiviert den Antrieb 10 vor dem Abziehen
des Schattenrohrs 2 von dem Gießpfannenauslass 4. Während des Ausgießens der Schmelze
kann der Roboter 7 von dem Schattenrohrmanipulator 5 entkoppelt werden, um mit dem
Roboter 7 gegebenenfalls andere Aufgaben zu verrichten. Das permanente Andrücken des
Schattenrohrs 2 an den Gießpfannenauslass 4 während des Ausgießens von Schmelze aus
der Gießpfanne 3 hat den Vorteil, dass das Schattenrohr 2 in einfacher Weise von dem
Gießpfannenauslass 4 wieder abgezogen werden kann und zum Halten des Schattenrohrs
2 an dem Gießpfannenauslass 4 keine mechanische Verschlussvorrichtung erforderlich
ist, die störungs- und verschmutzungsanfällig ist.
[0039] Ferner kann der Roboter 7 erforderlichenfalls den Motor zum Drehen des Tragarms 9
um dessen Längsachse L aktivieren. Zum Aktivieren und Deaktivieren des Antriebs 10
und des Motors weist der Roboter 7 eine kabelgebundene oder kabellose signaltechnische
Verbindung mit Steuerungen des Antriebs 10 und des Motors auf, um entsprechende Steuersignale
an die Steuerungen zu senden.
[0040] Der Hydraulikzylinder 11 ist in allgemeinen, aus dem Stand der Technik bekannten
manuell bedienbaren Installationen sowie in einer bevorzugten Ausführung der Erfindung
nicht geregelt, um den Tragarm 9 auszubalancieren. Daher muss ein menschlicher Bediener
in dieser Konfiguration manuell Gegengewichte anbringen beziehungsweise entfernen,
wenn sich die Last am Tragarm 9 nennenswert ändert, beispielsweise wenn das Schattenrohr
2 nach einem Ausgießvorgang aufgrund von Verstopfungen schwerer geworden ist oder
ein neues Schattenrohr 2 eingehängt wurde, oder nachdem ein verbrauchtes Schattenrohr
2 in eine Abfallsenke entsorgt wurde. Durch den Roboter 7 können derartige Laständerungen
jedoch problemlos ohne Gegengewichte abgefangen werden. Vorteilhaft an der erfindungsgemäßen
robotergestützten Führung des Schattenrohrmanipulators 2 ist somit auch, dass auf
eine aufwändige Regelung des Hydraulikzylinders 11 verzichtet werden kann, welche
beispielsweise auch die Verwendung von Proportionalventilen und Positionssensoren
zur Erfassung der momentanen Lage des Tragarms 9 erfordern könnte.
[0041] Der Roboter 7 ist ferner eingerichtet, das Schattenrohr 2 in die Schattenrohrhalterung
13 einzusetzen und/oder aus der Schattenrohrhalterung 13 zu entnehmen.
[0042] Das Schattenrohr 2 ist aus hochtemperaturbeständigem, feuerfestem Material gefertigt.
Das Schattenrohr 2 dient der Ausleitung einer metallischen Schmelze aus der Gießpfanne
3 in eine darunter liegende metallurgische Verarbeitungsvorrichtung, insbesondere
in einen Verteiler oder eine Kokille. Um das spröde Material des Schattenrohrs 2 durch
das Greifwerkzeug 27 des Roboters 7 beim Einsetzen in die Schattenrohrhalterung 13
oder Entfernen aus der Schattenrohrhalterung 13 nicht zu beschädigen, kann das Schattenrohr
2 selbst in einer Schattenrohrmanschette 29 (siehe Figur 3) aus Metall gelagert sein,
an welcher das Greifwerkzeug 27 das Schattenrohr 2 erfasst.
[0043] Figur 3 (FIG 3) zeigt eine perspektivische Darstellung eines zweiten Ausführungsbeispiels
einer erfindungsgemäßen Handhabungsvorrichtung 1 zum Handhaben eines Schattenrohrs
2. Dieses Ausführungsbeispiel unterscheidet sich von dem in Figur 1 gezeigten Ausführungsbeispiel
lediglich durch die Ausführung der Schattenrohrhalterung 13 des Tragarms 9 des Schattenrohrmanipulators
5. Die Schattenrohrhalterung 13 ist in diesem Fall nicht ringförmig ausgeführt, sondern
als eine Aufhängung für eine Schattenrohrmanschette 29 des Schattenrohrs 2 ausgebildet.
Die Schattenrohrmanschette 29 wird zum Einsetzen des Schattenrohrs 2 in diesem Fall
seitlich in die Schattenrohrhalterung 13 eingeschoben, wobei die Schattenrohrmanschette
29 von dem Greifwerkzeug 27 des Roboters 7 wie in Figur 3 dargestellt erfasst wird.
[0044] Bei alternativen Ausführungen der Handhabungsvorrichtung 1 wird der Roboter 7 starr
mit dem Schattenrohrmanipulator 5 gekoppelt oder der Roboter 7 greift direkt an dem
Schattenrohr 2 an, wenn dieses an dem Schattenrohrmanipulator 5 angeordnet ist. Bei
derartigen Ausführungen kann das Kuppelelement 19 entfallen. Jedoch wird dann ein
Roboter 7 mit einer komplexeren Steuersoftware benötigt.
[0045] Die erfinderische Führung eines Schattenmanipulators 5 durch einen Roboter 7 ist
eine kostengünstige und mit wenig Installationsaufwand verbundene Nachrüstlösung für
bestehende, manuell bedienbare Schattenrohrmanipulatoren 5, da neben dem Roboter 7
selbst lediglich eine signaltechnische Verbindung zum Schattenrohrmanipulator 5, sowie
das optische Positionsmesssystem 6 und gegebenenfalls ein Kuppelelement 11 an dem
Schattenrohrmanipulator 5 installiert werden müssen.
Bezugszeichenliste
[0046]
- 1
- Handhabungsvorrichtung
- 2
- Schattenrohr
- 3
- Gießpfanne
- 4
- Gießpfannenauslass
- 5
- Schattenrohrmanipulator
- 6
- Positionsmesssystem
- 7
- Roboter
- 9
- Tragarm
- 10
- Antrieb
- 11
- Hydraulikzylinder
- 13
- Schattenrohrhalterung
- 15
- Doppelgelenk
- 17
- Tragarmträger
- 19
- Kuppelelement
- 21
- Kuppelelementträger
- 22
- Verfahrwagen
- 23
- Haltevorrichtung
- 24
- Einrastvorrichtung
- 25
- Pfannengießerpodest
- 27
- Greifwerkzeug
- 29
- Schattenrohrmanschette
- H
- Querachse
- L
- Längsachse
- V1, V2
- Drehachse
1. Handhabungsvorrichtung (1) zum Handhaben eines Schattenrohrs (2) im Bereich einer
Gießpfanne (3) mit einem zu dem Schattenrohr (2) korrespondierenden Gießpfannenauslass
(4), die Handhabungsvorrichtung (1) umfassend
- einen Schattenrohrmanipulator (5), an dem das Schattenrohr (2) anordenbar ist und
mit dem das Schattenrohr (2) bewegbar und an die Gießpfanne (3) drückbar ist,
- ein Positionsmesssystem (6), das eingerichtet ist, eine Position des Gießpfannenauslasses
(4) zu erfassen, und
- einen Roboter (7), der eingerichtet ist, den Schattenrohrmanipulator (5) durch direkten
mechanischen Kontakt derart zu führen, dass das an dem
Schattenrohrmanipulator (5) angeordnete Schattenrohr (2) an den Gießpfannenauslass
(4) angestellt wird oder von dem Gießpfannenauslass (4) abgezogen wird.
2. Handhabungsvorrichtung (1) nach Anspruch 1, wobei der Schattenrohrmanipulator (5)
einen Tragarm (9) aufweist, der durch einen Antrieb (10) um eine Querachse (H) schwenkbar
ist, und der Tragarm (9) eine Schattenrohrhalterung (13) für das Schattenrohr (2)
aufweist.
3. Handhabungsvorrichtung (1) nach Anspruch 2, wobei der Antrieb (10) einen Hydraulikzylinder
(11) aufweist.
4. Handhabungsvorrichtung (1) nach Anspruch 2 oder 3, wobei der Roboter (7) eingerichtet
ist, den Antrieb (10) nach dem Anstellen des Schattenrohrs (2) an den Gießpfannenauslass
(4) zu aktivieren und vor dem Abziehen des Schattenrohrs (2) von dem Gießpfannenauslass
(4) zu deaktivieren.
5. Handhabungsvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 2 bis 4, wobei der Roboter (7)
eingerichtet ist, das Schattenrohr (2) in die Schattenrohrhalterung (13) einzusetzen
und/oder aus der Schattenrohrhalterung (13) zu entnehmen.
6. Handhabungsvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 2 bis 5, wobei der Tragarm (9)
über ein Doppelgelenk (15) mit zwei voneinander beabstandeten, zueinander parallelen
Drehachsen (V1, V2) bewegbar an einem Tragarmträger (17) des Schattenrohrmanipulators
(5) gelagert ist.
7. Handhabungsvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 2 bis 6, wobei der Tragarm (9)
durch einen Motor um seine Längsachse (L) drehbar ist.
8. Handhabungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche mit einem an dem
Schattenrohrmanipulator (5) angeordneten Kuppelelement (19), an dem der Roboter (7)
den Schattenrohrmanipulator (5) kontaktiert.
9. Handhabungsvorrichtung (1) nach Anspruch 8 und einem der Ansprüche 2 bis 7, wobei
das Kuppelelement (19) an dem Tragarm (9) angeordnet ist.
10. Handhabungsvorrichtung (1) nach Anspruch 8 oder 9, wobei das Kuppelelement (19) kugelförmig
ausgebildet ist und der Roboter (7) ein Greifwerkzeug (27) aufweist, das zum Greifen
des Kuppelelements (19) ausgebildet ist.
11. Handhabungsvorrichtung (1) nach Anspruch 10, wobei das Greifwerkzeug (27) das Kuppelelement
(19) mit einem Spiel im Bereich von 0,1 mm bis 0,5 mm greift.
12. Handhabungsvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 8 bis 11, wobei das Kuppelelement
(19) aus einem gehärteten Metall gefertigt ist.
13. Handhabungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Schattenrohrmanipulator
(5) auf einem verfahrbaren Verfahrwagen (22) angeordnet ist.
14. Handhabungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Roboter
(7) als ein sechsachsiger Industrieroboter ausgebildet ist.
15. Verfahren zum Handhaben eines Schattenrohrs (2) im Bereich einer Gießpfanne (3) mit
einer Handhabungsvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der
Schattenrohrmanipulator (5) von dem Roboter (7) durch direkten mechanischen Kontakt
derart gesteuert wird, dass das an dem Schattenrohrmanipulator (5) angeordnete Schattenrohr
(2) vor einem Ausgießen von Schmelze aus der Gießpfanne (3) an einen Gießpfannenauslass
(4) der Gießpfanne (3) angestellt wird und nach dem Ausgießen der Schmelze von dem
Gießpfannenauslass (4) abgezogen wird.