[0001] Alle in der vorliegenden Anmeldung zitierten Dokumente sind durch Verweis vollumfänglich
in die vorliegende Offenbarung einbezogen (= incorporated by reference in their entirety).
[0002] Die vorliegende Erfindung betrifft Verfahren und Anlagen zur Herstellung normgerechter
Kraftstoffe, wie beispielsweise Diesel oder Kerosin, durch eine integrierte Aufbereitung
der Fischer-Tropsch Rohprodukte (insbesondere Öl und Wachs) durch verschiedene Verfahrensschritte
und entsprechende Anlagen.
Stand der Technik:
[0003] Das zur Herstellung von Kohlenwasserstoffen verwendete Verfahren der Fischer-Tropsch-Synthese
(FTS) ist seit vielen Jahrzehnten bekannt. Bei diesem Verfahren wird ein Synthesegas,
das überwiegend aus Kohlenmonoxid (CO) und Wasserstoff (H
2) besteht, durch heterogene Katalyse in einem Synthesereaktor zu Kohlenwasserstoffen
umgesetzt. Im Auslassstrom von Fischer-Tropsch-Syntheseeinheiten, in denen nach dem
Fischer-Tropsch-Verfahren Synthesegas zu Kohlenwasserstoffen synthetisiert wird, lassen
sich meist vier Fraktionen unterscheiden:
Eine Gasphase, bestehend aus nicht umgesetztem Synthesegas (hauptsächlich CO, H
2), kurzkettigen Kohlenwasserstoffen und flüchtigen Komponenten der Nebenprodukte sowie
CO
2.
Eine bei Umgebungstemperatur und Umgebungsdruck feste, wachsartige Phase langkettiger
Kohlenwasserstoffe (Wachsphase).
Eine bei Umgebungstemperatur und Umgebungsdruck flüssige, hydrophobe Phase kürzerkettiger
Kohlenwasserstoffe (Ölphase).
Eine wässrige Phase aus sich bildendem Reaktionswasser und darin gelösten organischen
Verbindungen.
Es sind Verfahren bekannt, die denen die durch die Fischer-Tropsch-Synthese produzierten
Wachs- und Ölphasen durch Wasserstoffbehandlung mittels sogenanntem Hydrotreatment
in Raffinerien zu normgerechten Kraftstoffprodukten wie Benzin, Diesel oder Kerosin
aufbereitet werden.
[0004] WO 2007/031668 A1 beschreibt eine Rückführung von Gasen aus der Upgrading-Einheit in den Fischer-Tropsch-Reaktor,
die rezyklierten Gase werden direkt in die Fischer-Tropsch-Stufe gefahren.
US 6,306,917 B1 beschreibt die Rückführung der Hydrotreatment-Gase in die Synthesegas-Herstellung,
wobei eine Aufreinigung der Gase vorgesehen ist.
US 8,106,102 B2 beschreibt die Rückführung des Wasserstoffs aus dem Hydrotreatment in die Fischer-Tropsch-Stufe.
WO 2004/096952 A1 beschreibt die Rezyklierung der Gase aus der Aufbereitung, unter Einsatz von Abtrennungs-Stufen.
[0005] Ein Problem des bisherigen Standes der Technik ist, dass dezentrale, klimaneutrale
Energieerzeugungskonzepte häufig auf der direkten Vor-Ort-Umwandlung zu flüssigen
und/oder festen Energieträgern hoher Energiedichten zum verlustmindernden Transport
oder Zwischenspeicherung dieser erneuerbaren Energien basieren. Eine kraftstofforientierte
Nutzung dieser klimaneutralen Energieträger erfordert im Anschluss eine Aufbereitung
hin zu normgerechten Kraftstoffen, die zumeist in Raffinerien erfolgt. Eine konventionelle
Aufbereitung in Raffinerien basiert jedoch auf sehr hohen Durchsätzen, wodurch lediglich
ein so genanntes Co-Processing der im Durchsatz limitierten dezentral erzeugten Fischer-Tropsch-Produkte
möglich ist. Dies führt lediglich zur Möglichkeit einer klimaneutralen Beimischungsquote
des Raffinerieproduktes. Zur Produktion eines vollständig klimaneutralen Kraftstoffes
gemäß bisherigem Stand der Technik ist somit entweder die Errichtung einer der Produktionsleistung
der Fischer-Tropsch-Synthese angepassten Raffinerie notwendig oder eine direkte, dezentrale
Aufbereitung der Fischer-Tropsch-Rohprodukte zu normgerechten Kraftstoffen.
Weiterhin ist gemäß bisherigem Stand der Technik problematisch, dass konventionelle
und bereits detailliert erforschte Aufbereitungsverfahren wie Hydrocracking, Hydrierung
und Isomerisierung einen sehr hohen Einsatz von Wasserstoff erfordern, wodurch diese
Verfahren aus wirtschaftlichen Gründen in konventionellen Erdöl-Raffinerien häufig
mit Prozessen gekoppelt werden, in denen Wasserstoff produziert wird. Die Errichtung
einer eigenständigen Aufbereitungsanlage für Fischer-Tropsch-Produkte zu normgerechten
Kraftstoffen würde durch den hohen Wasserstoffbedarf einen wirtschaftlichen Betrieb
zunehmend erschweren.
[0006] Insofern existieren ausgehend von dem bisherigen Stand der Technik noch erhebliche
Verbesserungspotentiale.
Aufgabe:
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung war es demgemäß, Verfahren und Vorrichtungen zur
Verfügung zu stellen, welche die Probleme des Standes der Technik nicht mehr oder
zumindest nur noch in stark vermindertem Maße aufweisen bzw. neue vorteilhafte Effekte
aufweisen.
[0008] Weitere Aufgabenstellungen ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung.
Lösung:
[0009] Gelöst werden diese und andere Aufgaben im Rahmen der vorliegenden Erfindung durch
die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche.
Bevorzugte Ausgestaltungen ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen sowie der nachfolgenden
Beschreibung.
Begriffsdefinitionen:
[0010] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung sind alle Mengenangaben, sofern nicht anders
angegeben, als Gewichtsangaben zu verstehen.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung bedeutet der Begriff "Umgebungstemperatur" eine
Temperatur von 20°C. Temperaturangaben sind, soweit nicht anders angegeben, in Grad
Celsius (°C).
Sofern nichts anderes angegeben wird, werden die angeführten Reaktionen bzw. Verfahrensschritte
bei Umgebungsdruck (=Normaldruck/Atmosphärendruck), d.h. bei 1013 mbar
a, durchgeführt.
[0011] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden unter dem Begriff "langkettige Kohlenwasserstoffe"
Kohlenwasserstoffe mit mindestens 25 Kohlenstoffatomen (C
25) verstanden. Die langkettigen Kohlenwasserstoffe mit mindestens 25 Kohlenstoffatomen
können dabei linear oder verzweigt sein. Üblicherweise erreichen die langkettigen
Kohlenwasserstoffe Ketten mit etwa 100 Kohlenstoffatomen. Bei besonderen Reaktionsbedingungen
können noch längere Ketten gebildeten werden. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung
werden unter dem Begriff "kürzerkettige Kohlenwasserstoffe" Kohlenwasserstoffe mit
5 bis 24 Kohlenstoffatomen (C
5-C
24) verstanden. Die kürzerkettigen Kohlenwasserstoffe mit 5 bis 24 Kohlenstoffatomen
können dabei linear oder verzweigt sein.
[0012] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden unter dem Begriff "kurzkettige Kohlenwasserstoffe"
Kohlenwasserstoffe mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen (C
1-C
4) verstanden. Die kurzkettigen Kohlenwasserstoffe mit 4 Kohlenstoffatomen können dabei
linear oder verzweigt sein.
[0013] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird unter dem Begriff "Wachsphase" diejenige
Produktphase der Fischer-Tropsch-Synthese verstanden, die durch langkettige Kohlenwasserstoffe
gekennzeichnet ist. Es können in einzelnen Fällen untergeordnete Mengen anderer Verbindungen
in weniger als 10 Gew.-%, insbesondere weniger als 5 Gew.-% enthalten sein. Dies ist
dem Fachmann bekannt und bedarf keiner weiteren Erläuterung.
[0014] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird unter dem Begriff "Ölphase" diejenige Produktphase
der Fischer-Tropsch-Synthese verstanden, die durch kürzerkettige Kohlenwasserstoffe
gekennzeichnet ist. Es können in einzelnen Fällen untergeordnete Mengen anderer Verbindungen
in weniger als 10 Gew.-%, insbesondere weniger als 5 Gew.-% enthalten sein. Dies ist
dem Fachmann bekannt und bedarf keiner weiteren Erläuterung.
[0015] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden unter normgerechten Kraftstoffen solche
Kraftstoffe verstanden, die unter Einhaltung der jeweiligen gesetzlichen Normen eingesetzt
werden können, d.h. die Parameter der jeweiligen Normen erfüllen. Abhängig von den
aktuell geltenden gesetzlichen Bestimmungen kann sich dies verschieben. Insbesondere
sind solche Normen für Benzin die EN 228, für Diesel die EN 590 oder die EN 15940
und für Kerosin die ASTM D7566 oder die ASTM D1566.
[0016] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird "Fischer-Tropsch" der Einfachheit halber
gelegentlich mit "FT abgekürzt.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird "Reverse Wassergasshift-Reaktion" der Einfachheit
halber gelegentlich mit "RWGS" abgekürzt.
[0017] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird "Hydrotreatmenteinheit" der Einfachheit
halber gelegentlich mit "HTE" abgekürzt.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden die Begriffe "Anlage" und "Vorrichtung"
gelegentlich synonym benutzt.
[0018] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird unter einer Power-to-Liquid- (PtL-)Anlage
bzw. einem Power-to-Liquid-Verfahren im engeren Sinne, eine Anlage bzw. ein Verfahren
verstanden, worin CO
2 zusammen mit Wasserstoff, insbesondere elektrolytisch gewonnenem Wasserstoff, in
die Zielprodukte Ölphase und Wachsphase umgewandelt wird, wobei zusätzlich zu den
Zielprodukten noch eine Gasfraktion mit leichten, kurzkettigen Kohlenwasserstoffen
(C
1-C
4) und Restgasen (CO, CO
2, H
2) sowie eine wässrige Phase mit gelösten sauerstoffhaltigen Kohlenwasserstoffen (Nebenprodukte
unter anderem Alkohole, org. Säuren) entstehen können.
Im weiteren Sinne wird noch die anschließende Aufarbeitung beziehungsweise Aufarbeitungseinheit
der Wachs- und/oder Ölphase zu normgerechten Kraftstoffen darunter verstanden.
[0019] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist der Begriff "bestehend aus" derart auszulegen,
dass er sich auf wesentliche Teile einer Vorrichtung oder wesentliche Schritte eines
Verfahrens bezieht. Es versteht sich dabei von selbst, dass übliche Teile wie Schrauben,
Rohrverbinder, Muffen und so weiter zugegen sein können (oder müssen), selbst wenn
sie nicht explizit angeführt werden.
Detaillierte Beschreibung:
[0020] Die vorliegende Erfindung betrifft Verfahren und Vorrichtungen zur Herstellung normgerechter
Kraftstoffe, bevorzugt Benzin (gemäß EN 228), Diesel (gemäß EN 590 oder EN 15940)
und Kerosin (gemäß ASTM D7566 oder ASTM D1566), besonders bevorzugt Diesel oder Kerosin,
durch eine integrierte Aufbereitung der Fischer-Tropsch Rohprodukte (Öl und Wachs)
über verschiedene Verfahrensschritte.
[0021] Das Synthesegas als Ausgangspunkt der Fischer-Tropsch-Synthese stammt in einigen
Varianten der vorliegenden Erfindung aus Vergasung von Biomasse, aus Synthesegaserzeugung
aus fossilen Edukten (Erdgas, Erdöl, Kohle) oder aus strombasierten Verfahren (Umwandlung
von elektrolytisch erzeugtem H
2 sowie CO
2 in speicherbare Produkte).
[0022] Die in der vorliegenden Erfindung einzusetzende FT-Syntheseeinheit beruht in der
Regel auf zwei nacheinander angeordneten Stufen: in der ersten Stufe erfolgt eine
RWGS (Reverse-WasserGas-Shift-Reaktion) und in der zweiten die eigentliche FT-Umsetzung.
[0023] Bei der RWGS wird Kohlendioxid (CO
2) mit Wasserstoff (H
2) zu Kohlenmonoxid (CO) und Wasser (H
2O) umgesetzt. Dabei wird in bevorzugten Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung
der enthaltene Wasserstoff nicht vollständig umgesetzt, um ihn als Reaktant in der
nachfolgenden FT-Einheit einsetzen zu können. Daher wird bevorzugt H
2 im Überschuss in die RWGS geführt.
[0024] Das in der RWGS erhaltene Synthesegas kann im Rahmen der vorliegenden Erfindung neben
CO und H
2 beziehungsweise CO, H
2O und H
2 noch CO
2 und CH
4, sowie unter Umständen weitere Verunreinigungen, umfassen. Insbesondere dann, wenn
das aus der Aufarbeitung rückgeführte Gas neben Wasserstoff noch C1- bis C4-Kohlenwassersoffe
enthält.
[0025] Das bei der RWGS entstehende Gemisch umfassend CO und H
2 bzw. CO, H
2O und H
2 wird dann als Eduktstrom in die FT-Einheit geführt.
[0026] Durch eine Erweiterung der Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit mit einer zusätzlichen,
eigenständigen Aufbereitungsstufe, die in einigen Ausführungsformen der vorliegenden
Erfindung konventionelle Aufbereitungsschritte wie Hydrocracking, Hydrierung, Isomerisierung
und Fraktionierung beinhaltet, kann direkt am Standort der FT-Syntheseeinheit das
FT-Produkt direkt zu normgerechten Kraftstoffen verarbeitet und so eine direkte Nutzung
realisiert werden.
[0027] Um den hohen Wasserstoffbedarf in der Aufbereitungsstufe zu minimieren, wird diese
Einheit im Rahmen der vorliegenden Erfindung verfahrenstechnisch mit der Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit
gekoppelt und eine stoffliche Nutzung des Aufbereitungsabgases in der Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit
realisiert. Durch diese Verfahrensführung kann der Wasserstofffeed der Fischer-Tropsch-Einheit
gesenkt werden, da nicht umgesetzter Wasserstoff der Aufbereitungsanlage über einen
Recycle zum Einlass der FT-Einheit gelangt. Somit lässt sich problemlos der für die
Aufbereitungsreaktionen notwendige Wasserstoffüberschuss realisieren. Es findet somit
teilweise eine Feedgasdosierung der FT-Einheit über die gekoppelte Aufbereitungseinheit
statt.
[0028] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung werden bei dieser Verschaltung
die Abgase der Aufbereitungseinheit in den Synthesegasherstellungsprozess gegeben.
Dies begegnet dem Problem, dass auch hierbei ein hoher H
2-Anteil vonnöten ist, um aus dem zugeführten CO
2 Kohlenmonoxid zu machen.
[0029] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung wird diese Synthesegasherstellung
durch eine Reverse Wassergasshift-Reaktion (RWGS) bewirkt.
[0030] Im Unterschied zum Stand der Technik wird im Rahmen der vorliegenden Erfindung der
Wasserstoff verwendet, um in einer RWGS Synthesegas herzustellen.
[0031] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden rezyklierte Gase in die Synthesegasherstellung
gegeben.
[0032] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist eine Aufreinigung bei der Rückführung der
Hydrotreatment-Gase in die Synthesegas-Herstellung nicht notwendig, insbesondere sind
keine Abtrennungsstufen notwendig.
[0033] Besonderes Merkmal der vorliegenden Erfindung ist das direkte Einführen des Abgases
aus dem Hydrotreatment in die RWGS.
[0034] Durch das direkte Einleiten des Abgases können im Rahmen der vorliegenden Erfindung
verschiedene Gasseparations-Apparate vermieden werden. Gleichzeitig kann der Einsatz
an Wasserstoff in der RWGS wesentlich reduziert werden, da die Konzentration von Wasserstoff
in der Hydrotreatment-Einheit sehr hoch und der Umsatz verhältnismäßig gering ist.
[0035] Es konnte im Rahmen der vorliegenden Erfindung gezeigt werden, dass die erfindungsgemäße
Verschaltung und das erfindungsgemäße Verfahren besonders vorteilhafte Ergebnisse
hervorrufen.
[0036] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung umfasst die Hydrotreatmenteinheit als verschiedene
Aufbereitungsschritte in einigen Ausführungsformen zumindest Hydrocracking, Hydrierung
und Isomerisierung. Dadurch wird die Produktion normgerechter Kraftstoffe wie Diesel
oder Kerosin aus den aus einer Fischer-Tropsch-Anlage ausgeschleusten Produkte ermöglicht.
[0037] Eine bevorzugte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung lässt sich wie folgt beschreiben:
Die aus der FT-Synthese ausgeschleuste Wachsphase wird in einen Vorlagetank der Hydrotreatment-Einheit
(HTE) gefördert und von dort gemeinsam mit zudosiertem Wasserstoff in einem Hydrocracking-Reaktor
zu kürzerkettigen Kohlenwasserstoffen umgesetzt. In einer Abscheideranordnung, die
in bevorzugten Varianten mehrstufig sein kann, wird in einem ersten Heißabscheider
nicht umgesetztes Wachs abgeschieden. Dies kann in bevorzugten Varianten in Form eines
Wachsrecycles in den Vorlagetank zurückgeführt werden, wodurch eine vollständige Eliminierung
der Wachsfraktion erfolgen kann. In einem Kaltabscheider werden die produzierten kürzerkettigen
Kohlenwasserstoffe aus dem restlichen Gasstrom abgeschieden und in einen Öl-Vorlagetank
der HTE gefördert. Der verbleibende Gasstrom, umfassend nicht umgesetzten Wasserstoff
und Nebenprodukte der Crackreaktion, hauptsächlich kurzkettige Kohlenwasserstoffe
wie Methan und Ethan, wird dem Abgas der HTE zugeführt.
Die aus der FT-Syntheseeinheit ausgeschleuste Ölphase wird ebenfalls in einen Öl-Vorlagetank
der HTE gefördert und dort mit den kürzerkettigen Produkten der Hydrocracking-Reaktion
gemischt. Die gemischte Ölphase wird anschließend in einer Separationseinheit in die
gewünschten Fraktionen aufgetrennt. In einer Variante der vorliegenden Erfindung erfolgt
diese Auftrennung per Destillation. Durch eine interne Rückführung zum Wachsvorlagetank
der HTE kann der durch das obere Siedeende der Produktfraktionen resultierende langkettige
Anteil der Ölphase dem Hydrocracker zugeführt und dadurch ebenfalls eliminiert werden.
Die aus der Separationseinheit resultierende Leichtölfraktion, die bevorzugt aus C5-bis
C10-Kohlenwasserstoffen zusammengesetzt ist, kann als Rohbenzin, sogenanntes Naphtha,
der HTE entnommen werden oder innerhalb der HTE, bevorzugt durch zusätzliche Aufbereitungsschritte,
wie beispielsweise und daher bevorzugt Isomerisierung, zu höheroktanigem Naphtha aufbereitet
werden. Eine durch die Separationseinheit aufgetrennte Zielfraktion kann ebenfalls
in einer Isomerisierungs- und Hydriereinheit zu normgerechtem Kraftstoff aufbereitet
werden. Für diesen Zweck ist reaktionsbedingt ein hoher Einsatz an Wasserstoff notwendig.
In Varianten kann in mindestens einem nachgeschalteten Abscheider der Kraftstoff aus
der Gasphase separiert werden und der verbleibende Gasstrom, umfassend nicht umgesetzten
Wasserstoff und Nebenprodukte der Isomerisierungs- und Hydriereinheit, dem Abgas der
HTE zugeführt werden.
Das Abgas der gesamten HTE, umfassend nicht umgesetzten Wasserstoff aus der Hydrocracking-Einheit
und der Isomerisierungs- und Hydrierungseinheit und kurzkettige Kohlenwasserstoffe
aus Nebenreaktionen der genannten Aufbereitungseinheiten, wird im Rahmen der vorliegenden
Erfindung in Form einer Gasrückführung der Synthesegasproduktion zugegeben.
[0038] In bevorzugten Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung umfassen die Prozesse innerhalb
der HTE Temperaturen zwischen 50 und 350°C, bevorzugt zwischen 100 und 300°C, Drücke
bis 70 bar, insbesondere bis 50 bar und werden mit Edelmetall, insbesondere Platin
und/oder Palladium geträgert auf Aluminiumoxid, oder Zeolithen durchgeführt. Dem Fachmann
ist dabei bekannt, dass in den Prozessen selbst eine breite Bandbreite an Temperaturen
und Drücken möglich ist, die sich an den gewünschten Produkten orientieren.
In bevorzugten Ausgestaltungen sind die Prozessbedingungen für eine Isomerisierung:
Katalysator = Pt/gamma-Al
2O
3, Verhältnis H
2/CH
2 = 2, Isomerisierungstemperatur 240°C, Druck = 20 bar.
[0039] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist insbesondere eine Vorrichtung zur Herstellung
normgerechter Kraftstoffe umfassend
A) eine optionale Einheit zur Bereitstellung eines CO2/H2-Gemisches
B) eine Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit umfassend oder bestehend aus:
- mindestens einer RWGS-Stufe konfiguriert zur Umsetzung von CO2 und H2 zu Synthesegas, wobei das Synthesegas CO und H2 beziehungsweise CO und H2 und H2O, sowie gegebenenfalls CO2 und CH4 umfasst,
- mindestens einer Fischer-Tropsch-Stufe konfiguriert zur Umsetzung von Synthesegas,
umfassend CO und H2, in einer Fischer-Tropsch-Synthese
C0) optional mindestens einer Ableitungsvorrichtung für aus der Fischer-Tropsch-Synthese
stammende Produktströme,
C) Aufarbeitungs-Einheit konfiguriert zur Aufnahme und Aufarbeitung aus der Syntheseeinheit
ausgeleiteter Fischer-Tropsch-Produkte, insbesondere der Wachsphase und der Ölphase,
umfassend oder bestehend aus
- mindestens einer der folgenden drei Untereinheiten:
- i) Isomerisierungseinheit,
- ii) Crackingeinheit, bevorzugt Hydrocrackingeinheit,
- iii) Hydrierungseinheit,
- optional, aber bevorzugt, mindestens eine Separationseinheit,
- mindestens einer Zuleitung für Wasserstoff,
- einer oder mehrerer Ableitungen, jeweils konfiguriert zur Ableitung von einer Fraktion
enthaltend jeweils einen normgerechten Kraftstoff,
- optional einer Ableitung für eine wässrige Phase, bevorzugt einer Ableitung für eine
wässrige Phase, und
- mindestens eine Ableitung für anfallende Gase, umfassend Wasserstoff und C1-bis C4-Kohlenwasserstoffe,
dadurch gekennzeichnet, dass die Ableitung für die anfallenden Gase, als Rückführungsleitung
für die Gase in die die Syntheseeinheit, insbesondere in die RWGS, ausgestaltet ist.
[0040] Wesentlich für die vorliegende Erfindung ist es dabei, dass sich die Syntheseeinheit
und die Aufarbeitungs-Einheit in relativer örtlicher Nähe zueinander befinden, damit
die Rückführung der in der Aufarbeitungs-Einheit anfallenden Wasserstoff enthaltenden
Gase in die Syntheseeinheit apparativ zu bewerkstelligen ist.
Zwar wäre im Prinzip auch eine Pipeline für diese Gasrückführung geeignet, jedoch
würde dies zwar den Wasserstoffeinsparungseffekt der vorliegenden Erfindung nicht
negativ beeinflussen, jedoch durch erhöhten Energieaufwand die Vorteile wieder zunichtemachen.
Insofern ist es im Rahmen der vorliegenden Erfindung bevorzugt, wenn sich Syntheseeinheit
und Aufarbeitungs-Einheit auf dem gleichen Gelände befinden, bevorzugt derart, dass
die Rückführungsleitung weniger als 10 m lang sein müssen. Insbesondere bevorzugt
ist es, wen sich die Syntheseeinheit und die AufarbeitungsEinheit direkt nebeneinander
mit einem Abstand von weniger als 1 m, beziehungsweise sogar in einem Gehäuse befinden.
[0041] Die Ableitungsvorrichtung für aus der Fischer-Tropsch-Synthese stammende Produktströme
C0) kann dabei auf verschiedene Art und Weise konfiguriert beziehungsweise ausgestaltet
sein. Es ist möglich diese so zu gestalten, dass alle Produktströme abgeleitet werden
können. Es ist auch möglich, dass nur einzelne Produktströme abgeleitet werden können.
Und es ist ebenso möglich, dass ein Teil der jeweiligen Produktströme abgeleitet wird
und der Rest in die Aufarbeitungs-Einheit weitergeleitet wird. Insofern kann die Ableitungsvorrichtung
beispielsweise als Strömungsweiche oder als mehrere Strömungsweichen konfiguriert
sein. Welcher Anteil von welchem FT-Produkt in die Aufarbeitungs-Einheit geleitet
wird ergibt sich daraus, welcher Kraftstoff das Ziel ist. Es ist durchaus möglich,
dass beispielsweise bereits die Ölphase die Erfordernisse einer Norm als Kraftstoff
erfordert.
[0042] Die genaue Konfiguration der Syntheseeinheit und der Aufarbeitungs-Einheit sind durch
den Fachmann aufgrund der genau gewünschten Produkte auszuwählen. Da dem Fachmann
die Einheiten bekannt sind, ist dies für den Fachmann ohne weiteres möglich. Insbesondere
kann also die genaue Reihenfolge der Aufarbeitungsuntereinheiten und deren Verschaltung
verschieden erfolgen. es ist lediglich erforderlich, dass sich die Syntheseeinheit
und die Aufarbeitungs-Einheit sowie die Untereinheiten in entsprechenden Wirkverbindungen
zueinander befinden.
[0043] In bevorzugten Ausführungen ist die Vorrichtung der vorliegenden Erfindung demgemäß
auf einem Gelände angeordnet, bevorzugt in einem Apparatekomplex, insbesondere in
einem Gehäuse.
[0044] In bevorzugten Ausführungsformen umfasst die Aufarbeitungs-Einheit mindestens zwei,
bevorzugt mindestens drei, insbesondere alle vier der genannten Untereinheiten.
[0045] In bevorzugten Ausführungsformen umfasst die Vorrichtung der vorliegenden Erfindung
keine Aufreinigungsvorrichtung für die in der Aufarbeitungs-Einheit anfallenden Gase,
die in die Syntheseeinheit zurückgeführt werden.
[0046] In bevorzugten Ausführungsformen der vorliegende Erfindung umfasst die Aufarbeitungs-Einheit
C) für die Aufarbeitung von Wachsphase und Ölphase, die folgenden Anlagenteile, wobei
die jeweiligen Anlagenteile miteinander in Wirkverbindung stehen, oder besteht aus
diesen:
C-A) Zuleitungen für eine Wachsphase, eine Ölphase, Wasserstoff;
C-B) eine Hydrocracking-Reaktor-Einheit, die aus einer oder mehreren Untereinheiten
bestehen kann, konfiguriert zur Umsetzung von Wachsphase mit Wasserstoff;
C-C) eine oder mehrere Abscheidereinheiten, konfiguriert zum Auftrennen aus des Produkts
aus Einheit C-B) in
C-Ca) eine langkettige, wachsartige Fraktion C-3a),
C-Cc) eine kurzkettige, ölige Fraktion C-3c), und
C-Cd) Wasserstoff C-3d);
C-D) eine Mischeinheit konfiguriert zur Mischung von Ölphase mit der kurzkettigen,
öligen Fraktion C-3c),
C-E) eine oder mehrere Separationseinheiten, konfiguriert zur Auftrennung der in der
Mischeinheit C-D) erhaltenen Mischung in
5a) eine langkettige, wachsartige Fraktion,
5c) eine kurzkettige, Fraktion, die als Produkt, insbesondere Naphtha, ausgeschleust
werden kann,
5d) eine mittelkettige Fraktion,
umfassend
Ea) eine Rückleitung für die Fraktion C-5a) in die Wachsphase,
Ec) eine Ableitung für C-5c)
Ed) eine Ableitung für die Fraktion C-5d);
C-F) eine Isomerisierungs- und Hydriereinheit konfiguriert zur Umsetzung von Fraktion
C-5d) unter Zugabe von Wasserstoff,
C-G) ein oder mehrere Abscheidereinheiten konfiguriert zur Auftrennung von Fraktion
C-5d) in
C-Ga) Kraftstoff und
C-Gb) Wasserstoff,
wobei die Anlage konfiguriert ist, den in C-C) und C-G) anfallenden Wasserstoff in
die Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit B) zurückzuführen.
[0047] Zu berücksichtigen ist, dass die in dieser Variante der vorliegenden Erfindung angegebenen
relativen Bezeichnungen wie kürzerkettig etc. innerhalb dieser Ausführungsform zueinander
in Relation stehen. Dies bedeutet, dass deren Relation zu anderen Ausführungsformen
nicht zwangsläufig die Gleiche ist; beispielsweise könnte eine kürzerkettige Fraktion
dieser Ausführungsform in Relation zu einer anderen Ausführungsform kurzkettig oder
auch langkettig sein.
[0048] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist weiterhin ein Verfahren zur Herstellung
normgerechter Kraftstoffe, umfassend
A) Bereitstellung eines CO2/H2-Gemisches
B) Einleiten des CO2/H2-Gemisches in eine Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit,
- Umsetzung von CO2 und H2 zu CO und H2, bevorzugt in einer RWGS-Reaktion, wobei H2O und CO2 als Nebenprodukte vorliegen können.
- Umsetzung von CO und H2 in einer Fischer-Tropsch-Synthese,
C0) optional Ableiten eines oder mehrere Produktströme aus der Fischer-Tropsch-Synthese,
und
C) Aufnahme und Aufarbeitung aus der Fischer-Tropsch-Synthese ausgeleiteter Fischer-Tropsch-Produkte,
die nicht in C0) abgeleitet wurden, insbesondere der Wachsphase und der Ölphase,
dadurch gekennzeichnet, dass die Ableitung der anfallenden Gase, als Rückführung in
die die Syntheseeinheit, insbesondere in die RWGS, ausgeführt wird.
[0049] In bevorzugten Ausführungsformen umfasst die Aufarbeitung der aus der Fischer-Tropsch-Synthese
als Fischer-Tropsch-produkte ausgeleiteter Wachs- und Ölphase in Schritt C) die folgenden
Schritte oder besteht aus diesen:
Ia) Bereitstellen der Wachsphase, optional in einem Vorlagegefäß,
II) Einleiten der Wachsphase zusammen mit Wasserstoff in einen Hydrocracking-Reaktor
und umsetzen zu kürzerkettigen Kohlenwasserstoffen
III) Auftrennung des in Schritt II) erhaltenen Produktes in
3a) langkettige, wachsartige Fraktion, die in Ia) zurückgeleitet wird,
3c) kurzkettige, ölige Fraktion,
3d) Wasserstoff,
IV) Bereitstellen einer Ölphase, optional in einem Vorlagegefäß, und Vermischen der
Ölphase mit der kurzkettigen, öligen Fraktion aus 3c), gegebenenfalls unter simultaner,
zumindest teilweiser, Entgasung,
V) Auftrennung des Gemisches aus IV) in
5a) langkettige, wachsartige Fraktion, die in Ia) zurückgeleitet wird,
5c) kurzkettige, Fraktion, die als Produkt, insbesondere Naphtha, ausgeschleust werden
kann,
5d) mittelkettige Fraktion,
VI) Umsetzung der Fraktion 5c) oder der Fraktionen 5b) und 5c) unter Zugabe von Wasserstoff
in einer Isomerisierungs- und Hydriereinheit,
VII) Auftrennung des Produktes aus VI) in
7a) Kraftstoff, insbesondere Kerosin,
7b) Wasserstoff,
wobei der in den Schritten III) und VII) anfallende Wasserstoff zurückgeführt wird.
Zu berücksichtigen ist, dass die in dieser Variante der vorliegenden Erfindung angegebenen
relativen Bezeichnungen wie kürzerkettig etc. innerhalb dieser Ausführungsform zueinander
in Relation stehen. Dies bedeutet, dass deren Relation zu anderen Ausführungsformen
nicht zwangsläufig die Gleiche ist; beispielsweise könnte eine kürzerkettige Fraktion
dieser Ausführungsform in Relation zu einer anderen Ausführungsform kurzkettig oder
auch langkettig sein.
[0050] In einer Variante betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Herstellung
normgerechter Kraftstoffe aus einer Wachsphase, einer Ölphase, welche in dieser Ausführungsform
zwar bevorzugt FT-Produkte sind aber auch aus anderen Quellen stammen können, und
Wasserstoff, umfassend die folgenden Schritte oder bestehend aus diesen:
Ia) Bereitstellen einer Wachsphase, optional in einem Vorlagegefäß, wobei dies einer
direkten Umsetzung aus dem Produktstrom einer PtL oder Einleiten in einen Vorlagetank
entspricht,
II) Einleiten der Wachsphase zusammen mit Wasserstoff in einen Hydrocracking-Reaktor
und umsetzen zu kürzerkettigen Kohlenwasserstoffen
III) Auftrennung des in Schritt II) erhaltenen Produktes in
3a) langkettige, wachsartige Fraktion, die in Ia) zurückgeleitet wird,
3c) kurzkettige, ölige Fraktion,
3d) Wasserstoff,
IV) Bereitstellen einer Ölphase, optional in einem Vorlagegefäß, wobei dies einer
direkten Umsetzung aus dem Produktstrom einer PtL oder Einleiten in einen Öl-Vorlagetank
entspricht und Vermischen der Ölphase mit der kurzkettigen, öligen Fraktion aus 3c),
gegebenenfalls unter simultaner, zumindest teilweiser, Entgasung,
V) Auftrennung des Gemisches aus IV) in
5a) langkettige, wachsartige Fraktion, die in Ia) zurückgeleitet wird,
5c) kurzkettige, Fraktion, die als Produkt, insbesondere Naphtha, ausgeschleust werden
kann,
5d) mittelkettige Fraktion,
VI) Umsetzung der Fraktion 5c) oder der Fraktionen 5b) und 5c) unter Zugabe von Wasserstoff
in einer Isomerisierungs- und Hydriereinheit,
VII) Auftrennung des Produktes aus VI) in
7a) Kraftstoff, insbesondere Kerosin,
7b) Wasserstoff,
wobei der in den Schritten III) und VII) anfallende Wasserstoff zurückgeführt und
dem Eduktwasserstoffstrom beigemengt wird.
Zu berücksichtigen ist, dass die in dieser Variante der vorliegenden Erfindung angegebenen
relativen Bezeichnungen wie kürzerkettig etc. innerhalb dieser Ausführungsform zueinander
in Relation stehen. Dies bedeutet, dass deren Relation zu anderen Ausführungsformen
nicht zwangsläufig die Gleiche ist; beispielsweise könnte eine kürzerkettige Fraktion
dieser Ausführungsform in Relation zu einer anderen Ausführungsform kurzkettig oder
auch langkettig sein.
[0051] In dieser Variante der vorliegenden Erfindung kann Schritt III) die Auftrennung des
in Schritt II) erhaltenen Produktes in einem Heißabscheider in eine langkettige, wachsartige
Fraktion, die in Ia) zurückgeleitet wird, und eine kürzerkettige, öligere Fraktion,
umfassen und gegebenenfalls noch ein weiteres Auftrennen der kürzerkettigen Fraktion
in einem Kaltabscheider in eine kurzkettige, ölige Fraktion, und Wasserstoff, der
zurückgewonnen wird.
[0052] In dieser Variante der vorliegenden Erfindung kann zudem Schritt V) die Auftrennung
des in Schritt IV) erhaltenen Produktes in einer ersten Separationseinheit in eine
langkettige, wachsartige Fraktion, die in Ia) zurückgeleitet wird, und eine kürzerkettige,
öligere Fraktion, umfassen, sowie gegebenenfalls ein weiteres Auftrennen der kürzerkettigen
Fraktion in einer zweiten Separationseinheit in eine kurzkettige, ölige Produktfraktion,
insbesondere Naphtha, und eine mittelkettige Fraktion.
[0053] Ebenfalls in dieser Variante der vorliegenden Erfindung kann die Auftrennung in Schritt
VII) in einem Kaltabscheider erfolgen.
[0054] Weiterhin in dieser Variante der vorliegenden Erfindung kann der in den Schritten
III) und VII) anfallende Wasserstoff ohne weitere Aufarbeitung, insbesondere ohne
Aufreinigung, zurückgeführt und dem Eduktwasserstoffstrom beigemengt werden. Dies
bedeutet, dass der zurückgeleitete Gasstrom auch kurzkettige Kohlenwasserstoffe, insbesondere
C
1- bis C4-Kohelnwasserstoffe umfassen kann.
[0055] Genauso können in dieser Variante der vorliegenden Erfindung die Ölphase und die
Wachsphase Produkte aus einer Fischer-Tropsch-Synthese sein.
[0056] In dieser Variante der vorliegenden Erfindung können außerdem die Wachsphase und
die Ölphase aus einem Power-to-Liquid-Verfahren stammen, bevorzugt aus einem auf einer
Fischer-Tropsch-Synthese basierenden Power-to-Liquid-Verfahren.
[0057] In einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung kann die Aufarbeitungs-Einheit
C) zur Aufnahme und Verarbeitung der aus der Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit kommenden
Produkte die folgenden Anlagenteile, wobei die jeweiligen Anlagenteile miteinander
in Wirkverbindung stehen, umfassen oder aus diesen bestehen:
C-A) Zuleitungen für
C-Aa) eine Wachsphase,
C-Ab) eine Ölphase,
C-Ac) Wasserstoff;
C-B) eine Hydrocracking-Reaktor-Einheit, die aus einer oder mehreren Untereinheiten
bestehen kann, konfiguriert zur Umsetzung von Wachsphase mit Wasserstoff;
C-C) eine oder mehrere Abscheidereinheiten, konfiguriert zum Auftrennen aus des Produkts
aus Einheit C-B) in
C-Ca) eine langkettige, wachsartige Fraktion C-3a),
C-Cc) eine kurzkettige, ölige Fraktion C-3c), und
C-Cd) Wasserstoff C-3d);
C-D) eine Mischeinheit konfiguriert zur Mischung von Ölphase mit der kurzkettigen,
öligen Fraktion C-3c),
C-E) eine oder mehrere Separationseinheiten, konfiguriert zur Auftrennung der in der
Mischeinheit C-D) erhaltenen Mischung in
C-5a) eine langkettige, wachsartige Fraktion,
C-5c) eine kurzkettige, Fraktion, die als Produkt, insbesondere Naphtha, ausgeschleust
werden kann,
C-5d) eine mittelkettige Fraktion,
umfassend
C-Ea) eine Rückleitung für die Fraktion C-5a) in die Wachsphase,
C-Ec) eine Ableitung für C-5c)
C-Ed) eine Ableitung für die Fraktion C-5d);
C-F) eine Isomerisierungs- und Hydriereinheit konfiguriert zur Umsetzung von Fraktion
C-5d) unter Zugabe von Wasserstoff,
C-G) ein oder mehrere Abscheidereinheiten konfiguriert zur Auftrennung von Fraktion
C-5d) in
C-Ga) Kraftstoff und
C-Gb) Wasserstoff,
wobei die Anlage konfiguriert ist, den in C-C) und C-G) anfallenden Wasserstoff zurückzuführen
und dem Eduktwasserstoffstrom oder direkt der RWGS ohne weitere Aufarbeitung beizumengen.
Zu berücksichtigen ist, dass die in dieser Ausführungsform der vorliegenden Erfindung
angegebenen relativen Bezeichnungen wie kürzerkettig etc. innerhalb dieser Ausführungsform
zueinander in Relation stehen. Dies bedeutet, dass deren Relation zu anderen Ausführungsformen
nicht zwangsläufig die Gleiche ist; beispielsweise könnte eine kürzerkettige Fraktion
dieser Ausführungsform in Relation zu einer anderen Ausführungsform kurzkettig oder
auch langkettig sein.
[0058] Ferner ist zu berücksichtigen, dass die Aufarbeitungs-Einheit dieser Ausführungsform
diejenige der weiter oben mit den Untermerkmalen C1), C2), C3) und C4) beschriebenen
ersetzen kann
[0059] In dieser Ausführungsform der vorliegenden Erfindung kann C-C) zwei Abscheidereinheiten
umfassen oder aus diesen bestehen, wobei die erste Abscheidereinheit, bevorzugt eine
Heißabscheidereinheit, konfiguriert ist zur Auftrennung des Produkts aus Einheit C-B)
in eine langkettige, wachsartige Fraktion, und eine kürzerkettige, öligere Fraktion,
und wobei die zweite Abscheidereinheit, bevorzugt eine Kaltabscheidereinheit, konfiguriert
ist zur Auftrennung der kürzerkettigen Fraktion aus der ersten Abscheidereinheit in
eine kurzkettige, ölige Fraktion, und Wasserstoff. Dabei sind die Abscheidereinheiten
so konfiguriert, dass die langkettige, wachsartige Fraktion aus der ersten Abscheidereinheit
in die Wachsphase zurückgeführt wird.
[0060] In dieser Ausführungsform der vorliegenden Erfindung kann zudem C-E) zwei Separationseinheiten
umfassen oder aus diesen bestehen, wobei eine erste Separationseinheit zur Auftrennung
des in Mischeinheit C-D) erhaltenen Mischung in eine langkettige, wachsartige Fraktion,
und eine kürzerkettige, öligere Fraktion konfiguriert ist, und eine zweite Separationseinheit
zur weiteren Auftrennung der Fraktion C-Eb) in eine kurzkettige, ölige Produktfraktion,
insbesondere Naphtha, und eine mittelkettige Fraktion konfiguriert ist. Dabei sind
die Separationseinheiten so konfiguriert, dass die langkettige, wachsartige Fraktion
aus der ersten Separationseinheit in die Wachsphase zurückgeführt wird.
[0061] In dieser und allen weiteren Variationen der erfindungsgemäßen Aufarbeitungs-Einheiten
kann C-G) als Abscheider, bevorzugt Kaltabscheider, ausgestaltet sein.
[0062] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung sind die Aufarbeitungs-Einheiten bevorzugt derart
konfiguriert, dass der in C-C) und C-G) anfallende Wasserstoff ohne weitere Aufarbeitung,
insbesondere ohne Aufreinigung, zurückgeführt und entweder dem Eduktwasserstoffstrom
oder einer RWGS-Anlage ohne weitere Aufarbeitung beigemengt werden kann bzw. wird.
[0063] In Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung kann bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung
in der Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit zwischen der RWGS-Stufe und der Fischer-Tropsch-Stufe
eine Wasserstoffzuleitung angeordnet sein.
In Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung kann entsprechend bei dem erfindungsgemäßen
Verfahren zwischen der Umsetzung von CO
2 und H
2 zu CO und H
2, die bevorzugt in einer RWGS-Reaktion erfolgt, und der Umsetzung von CO und H
2 in einer Fischer-Tropsch-Synthese, eine Wasserstoffzuleitung erfolgen.
[0064] Insbesondere ist die erfindungsgemäße Aufarbeitungs-Einheit an eine Power-to-Liquid-Anlage,
insbesondere an eine auf einer Fischer-Tropsch-Synthese basierenden Power-to-Liquid-Anlage,
derart gekoppelt, dass die Wachsphase und die Ölphase aus den Produkten aus der Power-to-Liquid-Anlage
stammen.
[0065] Ein Vorteil der vorliegenden Erfindung ist, dass keine Aufreinigung des Gases benötigt
wird, um das Gasgemisch in die Synthesegasherstellung zu geben.
[0066] Ein Vorteil der vorliegenden Erfindung ist es, dass der für eine PtL-Anlage notwendige
Wasserstoffbedarf und der in Summe für beide Verfahrensschritte, d.h. beim PtL-Prozess
und der Raffinierung notwendige Bedarf an Wasserstoff, gesenkt werden.
[0067] Ein besonderer Vorteil der vorliegenden Erfindung ist es, dass durch die gezielte
Einstellung der Parameter in den einzelnen Verfahrensschritten bzw. in den einzelnen
Vorrichtungsteilen ermöglicht wird jeweils normgerechte Kraftstoffe herzustellen.
Wie genau die Parameter dabei jeweils einzustellen sind ist dem Fachmann aufgrund
seines allgemeinen Fachwissens bekannt und wird anhand der gewünschten Zielprodukte
vorgenommen.
Dabei ist insbesondere vorteilhaft, dass man im Rahmen der vorliegenden Erfindung
nicht an existierende Normen, beispielsweise aber nicht ausschließlich die oben genannten,
gebunden ist, sondern flexibel auf sich ändernde Normen reagieren und die Verfahrens-
und Vorrichtungsparameter anpassen kann, um auch die geänderten Normen und deren Vorgaben
zu erfüllen.
[0068] Sofern bei der Beschreibung der erfindungsgemäßen Anlage Teile oder die ganze Anlage
als "bestehend aus" gekennzeichnet sind, ist darunter zu verstehen, dass sich dies
auf die genannten wesentlichen Bestandteile bezieht. Selbstverständliche oder inhärente
Teile wie Leitungen, Ventile, Schrauben, Gehäuse, Messeinrichtungen, Vorratsbehälter
für Edukte/Produkte etc. sind dadurch nicht ausgeschlossen. Bevorzugt aber sind andere
wesentliche Bestandteile, wie dies weitere Reaktoren, o.ä. wären, die den Verfahrensablauf
ändern würden, ausgeschlossen.
[0069] Die verschiedenen Ausgestaltungen der vorliegenden Erfindung, z.B. - aber nicht ausschließlich
- diejenigen der verschiedenen abhängigen Ansprüche, können dabei in beliebiger Art
und Weise miteinander kombiniert werden, sofern solche Kombinationen sich nicht widersprechen.
Beispiele:
[0070] Die Erfindung wird nun noch unter Bezugnahme auf die folgenden nicht-limitierenden
Beispiele weiter erläutert.
Beispiel 1:
[0071] Bei einer räumlichen Trennung von Produktion der bei Raumtemperatur flüssigen (FT-Öl)
und festen Kohlenwasserstoffe (FT-Wachs) fällt sowohl am PtL-Standort, als auch im
nachgelagerten Aufbereitungsstandort (z.B. einer Raffinerie) ein Bedarf an Wasserstoff
an.
Exemplarisch wurde der Bedarf auf einen Eingangsstrom von einer Tonne CO
2 pro Stunde normiert.
Die Syntheseeinheit am PtL-Standort benötigt dann einen stündlichen Wasserstofffeed
von 127 kg, um die FT-Produkte herzustellen. Die Aufarbeitung auf Raffinerieseite
erfordert dann weitere 36,6 kg pro Stunde, in Summe also 163,6 kg Wasserstoff pro
Stunde.
Bei räumlicher Trennung von PtL-Standort und Raffinerie wie im Stand der Technik sind
diese Wasserstoffmengen immer erforderlich, weil auf Raffinerieseite bei der Aufarbeitung
anfallender Wasserstoff ausgeleitet und entsorgt wird, mit einer Menge von 27,3 kg
pro Stunde.
Abweichend davon liegt bei der vorliegenden Erfindung keine räumliche Trennung vor,
und der bei der Aufarbeitung anfallende Wasserstoff wird in die Syntheseeinheit zurückgeführt.
Die genannten 27,3 kg pro Stunde aus der Aufarbeitungs-Einheit gehen bei der vorliegenden
Erfindung also nicht verloren, so dass der kontinuierliche Feed an frischem (neuen)
Wasserstoff in die Syntheseeinheit nur noch 99,7 kg pro Stunde betragen muss.
[0072] Bei gleicher Produktionsleistung der PtL-Anlage kann demnach durch die vorliegende
Erfindung eine Integration der Aufbereitungsschritte an den PtL-Standort erfolgen,
um so den Gesamtbedarf an Wasserstoff zu senken und am PtL-Standort eine direkte Produktion
von normgerechten Kraftstoffen zu ermöglichen.
Durch das dieser Erfindung zugrundeliegende H
2-Management kann somit der für die PtL-Anlage notwendige Wasserstoffbedarf gesenkt
und der in Summe für beide Verfahrensschritte notwendige Bedarf an Wasserstoff gesenkt
werden.
Ein Vergleich dieser Daten zeigt dabei, dass von einem Gesamtwasserstoffbedarf von
163,6 kg/h Wasserstoff (127 + 36.6) pro 1000 kg/h CO
2 beim Stand der Technik 27,3 kg/h ungenutzt abgeleitet und entsorgt werden müssen,
welche bei der vorliegenden Erfindung zurückgeführt und weiterverwendet werden. Insofern
wird durch die vorliegende Erfindung eine Wasserstoff-Einsparung von rund 17% erreicht.
Beispiel 2:
[0073] Es wurde ein erfindungsgemäßes Verfahren durchgeführt, wobei die Folgenden Kenndaten
zur Anwendung kamen:
- Temperatur bei der RWGS: 740°C
- Temperatur bei der FT-Synthese: 240°C
- Temperatur bei der Abscheidung: 190°C
- Druck 20 bar
- Anteil rezyklierter Gase (im stationären Betrieb): 18 Vol.-%
[0074] Es wurde demgemäß ein CO
2/H
2-Gemisch bereitgestellt und in eine Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit eingeleitet, worin
zunächst in einer RWGS-Reaktion eine Umsetzung von CO
2 und H
2 zu CO und H
2 erfolgte und anschließend eine Umsetzung von CO und H2 in einer Fischer-Tropsch-Synthese.
Die nach der Aufarbeitung der aus Fischer-Tropsch-Synthese erhaltenen Produkte anfallenden
Gase umfassend C
1- bis C
4-Kohlenwasserstoffe wurden als Recylingstrom ohne Aufreinigung direkt in die RWGS
zurückgeführt (die genaue Art der Aufarbeitung der FT-Produkte ist nicht angeführt,
da sie für dieses Beispiel nicht relevant ist; in diesem Beispiel kommt es nur auf
die anfallenden Gase an).
[0075] Die Zufuhr von Wasserstoff wurde dabei im Laufe des Betriebs in Abhängigkeit des
Anteils an Recyclinggas gesteuert; d.h. mit zunehmender Menge an Recyclinggas wird
entsprechend weniger Wasserstoff zudosiert. Die entsprechenden Mengen sind in Figur
4 dargestellt, wobei die Wasserstoffzufuhr durch eine gestrichelte Linie repräsentiert
wird und der Recyclingstrom durch Strichpunkt-Linie (siehe auch die Legende der Figur
4).
Da das rezyklierte Gas einen Anteil an C
1- bis C
4-Kohlenwasserstoffe enthält, wurde auch die Kohlendioxidzufuhr entsprechend in Abhängigkeit
von der Menge des rezyklierten Gases geändert. Die Menge der Kohlendioxidzufuhr wird
in Figur 4 durch eine gepunktete Linie dargestellt.
[0076] Das Verhältnis von H
2 zu CO wurde ermittelt, indem gaschromatographische Messungen des Produktstroms der
RWGS vorgenommen wurden. Die erhaltenen Messwerte für das Verhältnis von H
2 zu CO sind dabei in Figur 4 als Punkte dargestellt.
[0077] Im Ergebnis wurde bei diesem Beispiel festgestellt, dass ein steigender Anteil an
Recycle-Gas das H2/CO-Verhältnis nicht signifikant ändert.
Figurenbeschreibung:
[0078] Die vorliegende Erfindung wird im Folgenden mit Bezugnahme auf die Zeichnungen näher
erläutert. Die Zeichnungen sind dabei nicht limitierend auszulegen und nicht maßstabsgetreu.
Weiterhin enthalten die Zeichnungen nicht alle Merkmale, die übliche Anlagen aufweisen,
sondern sind auf die für die vorliegende Erfindung und ihr Verständnis wesentlichen
Merkmale reduziert.
[0079] Figur 1 zeigt schematisch die vorliegende Erfindung. CO
2 und H
2 als Feedgas A werden in einer Syntheseeinheit 1 in Fischer-Tropsch-Produkte umgesetzt.
In dem gezeigten Beispiel besteht die Syntheseeinheit 1 dabei schematisch aus einer
RWGS 2 und der eigentlichen Fischer-Tropsch-Anlage 3. In der RWGS 2 werden CO
2 und H
2 zu Synthesegas umgesetzt, d.h. zu CO und H
2, wobei auch noch die Nebenprodukte CO
2 und H
2O im Produktgas vorliegen können. CO und H
2 wiederum werden dann in der FT-Anlage 3 zu einem Produktgemisch B aus Gasphase bestehend
aus nicht umgesetztem Synthesegas (hauptsächlich CO, H2), kurzkettigen Kohlenwasserstoffen
und flüchtigen Komponenten der Nebenprodukte sowie CO
2, einer bei Umgebungstemperatur und Umgebungsdruck festen, wachsartigen Phase langkettiger
Kohlenwasserstoffe (Wachsphase), einer bei Umgebungstemperatur und Umgebungsdruck
flüssigen, hydrophoben Phase kürzerkettiger Kohlenwasserstoffe (Ölphase) und einer
wässrigen Phase aus sich bildendem Reaktionswasser und darin gelösten organischen
Verbindungen umgesetzt. Dieses Produktgemisch B (FT-Produkt) wird dann in die Aufarbeitungs-Einheit
4 geführt. Wie in der Figur angedeutet, ist es möglich dabei einen Teil des FT-Produkts
B abzuzweigen. Dieser abgezweigte Teil C kann dabei Ganze der vier genannten Phasen
umfassen oder auch Teile. Es ist beispielsweise möglich, einen Teil der Ölphase oder
die ganze Ölphase abzuzweigen, sofern diese Phase einer bestimmten Verwendung zugedacht
ist, und den Rest in die Aufarbeitungs-Einheit 4 zu führen. In der Aufarbeitungseinheit
4 kann dann das FT-Produkt B unter Durchführung von Isomerisierung, Cracking, Hydrierung
und Auftrennung/Separierung aufgearbeitet werden. Dazu wird der Aufarbeitungseinheit
4 Wasserstoff zugeführt F. Aus der Aufarbeitungs-Einheit 4 wird dann mindestens ein
normgerechter flüssiger Kraftstoff D abgeführt. Der in der Aufarbeitungs-Einheit 4
anfallende Wasserstoff enthaltende Gasstrom E, der noch C
1-bis C
4-Kohlenwasserstoffe enthalten kann, wird ohne weitere Aufreinigung wieder in die Syntheseeinheit
1, dort insbesondere die RWGS-Einheit 2 zurückgeführt. Durch die Rückführung des Wasserstoff
enthaltenden Stroms E wird erheblich weniger Wasserstoff benötigt, als bei einem Vorgehen
gemäß Stand der Technik.
[0080] Figur 2a zeigt den bisherigen Stand der Technik. Dabei sind, im Gegensatz zu der
vorliegenden Erfindung der PtL-Standort und die Raffinerie örtlich voneinander getrennt
(symbolisiert durch zwei gestrichelte Kästen, wobei der obere den PtL-Standort, der
untere die Raffinerie repräsentiert). In dem oberen Kasten ist der PtL-Standort dargestellt,
an welche sich eine Syntheseeinheit 1 entsprechend Figur 1 befindet, und in dem oberen
Kasten die Raffinerie, wo sich eine Aufarbeitungseinheit 4 entsprechend Figur 1 befindet.
In die Syntheseeinheit werden dabei Wasserstoff A1 und Kohlendioxid A2 eingeleitet
und als Produkte (unter anderem) Ölphase B1 und Wachsphase B2 erhalten. Diese beiden
Phasen B1 und B2 werden in der Aufarbeitungseinheit 4 aufgearbeitet und man erhält
das Produkt D. Gemäß Stand der Technik, wie dies Figur 2a illustriert, gibt es durch
die räumliche Trennung von PtL-Standort und Raffinerie keine apparative Verbindung
zwischen Syntheseeinheit 1 und Aufbereitungseinheit 4. Als Folge dessen muss der gesamte
für die Syntheseeinheit 1 benötigte Wasserstoff A1 vor Ort am PtL-Standort zur Verfügung
gestellt werden und zusätzlich der für die Aufarbeitung benötigte Wasserstoff A1-II
vollständig am Ort der Raffinerie. Weiterhin muss der bei der Aufarbeitung anfallende
Wasserstoff über eine Ableitung G am Ort der Raffinerie abgeleitet und entsorgt (z.B.
verbrannt werden). Figur 2b zeigt den prinzipiell gleichen Aufbau wie Figur 2a, jedoch
in der Ausgestaltung gemäß vorliegender Erfindung. Die Grundlegenden Reaktionen, die
in den Einheiten ablaufen sind im Wesentlichen gleich, ebenso wie die zu- und abgeführten
Gasströme der jeweiligen Einheiten. Unterschied zum Stand der Technik ist aber, dass
der PtL-Standort neben der Syntheseeinheit 1 auch die AufbereitungsEinheit 4 umfasst,
und diese nicht an einem anderen Ort, der Raffinerie, ist (symbolisiert durch einen
großen gestrichelten Kasten umfassend beide Einheiten). Dies ermöglicht es, den in
der Aufarbeitungseinheit 4 anfallenden Wasserstoff direkt als Recyclingstrom E in
die Syntheseeinheit zurückzuführen. Dies hat zwei enorme Vorteile: zum einen wird
dadurch die benötigte Wasserstoffmenge verringert und zum anderen muss der bei der
Aufarbeitung anfallende Wasserstoff nicht entsorgt werden. Man erreicht mithin enorme
ökologische, ökonomische und apparative Vorteile.
[0081] Ein Vergleich der Figuren 2a und 2b zeigt dabei, dass von einem Gesamtwasserstoffbedarf
von 163,6 kg/h Wasserstoff (127 + 36.6) pro 1000 kg/h CO
2 beim Stand der Technik 27,3 kg/h ungenutzt abgeleitet und entsorgt werden müssen,
die bei der vorliegenden Erfindung zurückgeführt und weiterverwendet werden. Insofern
wird durch die vorliegende Erfindung eine Wasserstoff-Einsparung von rund 17% erreicht.
[0082] Figur 3 zeigt eine mögliche Variante der Aufarbeitung der FT-Produkte.
Sowohl die Wachsphase B2 als auch die Ölphase B1 werden in diesem Beispiel in Vorratstanks
ST2/ST1 zwischengelagert. Die Ölphase B1 kann in dem Vorratsbehälter ST1dabei (jederzeit)
einer Entgasung unterworfen werden, falls dies nötig wird (nicht gezeigt). Die Wachsphase
B2, oder ein gewisser Anteil davon, wird dann in einen Hydrocrackingreaktor HC geleitet
und dort unter Zufuhr von Wasserstoff aus der Wasserstoffzufuhr A1-II umgesetzt. Das
Produkt gelangt anschließend in einen Warmabscheider HT, wo eine Auftrennung erfolgt
und eine Phase zurück in den Vorratsbehälter ST2 und die andere weiter in einen Kaltabscheider
CT1 geleitet wird. In dem Kaltabscheider CT1 erfolgt eine Auftrennung in einen Gasstrom
enthaltend Wasserstoff, der als Recyclingstrom E zurückgeführt wird, und eine Fraktion,
die in den genannten Vorratsbehälter ST1 der Ölphase B1 geleitet wird. Aus diesem
Vorratsbehälter ST1 wird das Stoffgemisch in eine Separationseinheit S1 geleitet.
Das dort erhaltene Sumpfprodukt wird in den Vorratsbehälter ST2 für die Wachsphase
zurückgeleitet und das Kopfprodukt wird weiter in eine weitere Separationseinheit
S2 geleitet. Deren Kopfprodukt wird in diesem Beispiel als Naphtha, also als Produkt,
D1 ausgeleitet. Das Sumpfprodukt der zweiten Separationseinheit S2 wird in diesem
Beispiel weiter in einen Isomerisierungsreaktor I geleitet, wo es unter Zugabe von
Wasserstoff aus der Wasserstoffzufuhr A1-II umgesetzt wird. Das so erhaltene Produkt
wird in einen Kaltabscheider CT2 geleitet, wo eine Auftrennung in Wasserstoff enthaltendes
Gas - das als Recyclingstrom E zurückgeführt wird - und in Kraftstoff, der als Produkt
D2 ausgeleitet wird, erfolgt.
Es ist zu berücksichtigen, dass die in Figur 3 gezeigte Anordnung der Anlagenteile
lediglich eine Möglichkeit ist, die aber nicht die einzige ist.
[0083] Figur 4 zeigt eine grafische Auftragung der Stoffströme gemäß Beispiel 2.
Bezugszeichenliste:
[0084]
- 1
- Syntheseeinheit
- 2
- RWGS-Einheit
- 3
- FT-Anlage
- 4
- Aufarbeitungseinheit
- A
- Gaszufuhr enthaltend Wasserstoff und Kohlendioxidgas
- A1
- Wasserstoffzufuhr
- A2
- Kohlendioxidzufuhr
- A1-II
- Wasserstoffzufuhr für Aufarbeitung
- B
- FT-Produkt
- B1
- Ölphase
- B2
- Wachsphase
- C
- fertiges FT-Produkt (direkt aus 1)
- D
- Produkt (normgerechter Kraftstoff)
- D1
- Naphtha
- D2
- JetFuel
- E
- Recyclingstrom enthaltend Wasserstoff und C1- bis C4-Kohlenwasserstoffe
- G
- Wasserstoffableitung
- I
- Isomerisierungseinheit
- S1
- Separationseinheit 1
- S2
- Separationseinheit 2
- CT1
- Kaltabscheider 1
- CT2
- Kaltabscheider 2
- HC
- Hydrocrackingreaktor
- HT
- Warmabscheider
- ST1
- Vorratstank 1
- ST2
- Vorratstank 2
1. Vorrichtung zur Herstellung normgerechter Kraftstoffe umfassend
A) eine optionale Einheit zur Bereitstellung eines CO2/H2-Gemisches
B) eine Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit umfassend oder bestehend aus:
- mindestens einer RWGS-Stufe konfiguriert zur Umsetzung von CO2 und H2 zu Synthesegas,
- mindestens einer Fischer-Tropsch-Stufe konfiguriert zur Umsetzung von CO und H2 in einer Fischer-Tropsch-Synthese,
C0) optional mindestens einer Ableitungsvorrichtung für aus der Fischer-Tropsch-Synthese
stammende Produktströme,
C) Aufarbeitungs-Einheit konfiguriert zur Aufnahme und Aufarbeitung aus der Syntheseeinheit
ausgeleiteter Fischer-Tropsch-Produkte, insbesondere der Wachsphase und der Ölphase,
umfassend oder bestehend aus
- mindestens einer der drei Untereinheiten:
i) Isomerisierungseinheit,
ii) Crackingeinheit, bevorzugt Hydrocrackingeinheit,
iii) Hydrierungseinheit,
- optional mindestens eine Separationseinheit,
- mindestens einer Zuleitung für Wasserstoff,
- einer oder mehrerer Ableitungen, jeweils konfiguriert zur Ableitung von einer Fraktion
enthaltend jeweils einen normgerechten Kraftstoff,
- optional einer Ableitung für eine wässrige Phase, und
- mindestens einer Ableitung für anfallende Gase, umfassend Wasserstoff und C1-bis C4-Kohlenwasserstoffe,
dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Ableitung für die anfallenden Gase, als Rückführungsleitung für
die Gase in die die Syntheseeinheit, insbesondere in die RWGS, ausgestaltet ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie keine Aufreinigungsvorrichtung für die in der Aufarbeitungs-Einheit anfallenden
Gase, die in die Syntheseeinheit zurückgeführt werden, aufweist
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie auf einem Gelände angeordnet ist, bevorzugt in einem Apparatekomplex, insbesondere
in einem Gehäuse.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Aufarbeitungs-Einheit mindestens zwei, bevorzugt alle drei Untereinheiten i),
ii) und iii) umfasst.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, konfiguriert zur Herstellung
mindestens eines der Kraftstoffe Kerosin, Diesel oder Benzin als Produkt.
6. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Aufarbeitungs-Einheit C) für die Aufarbeitung von Wachsphase und Ölphase, die
folgenden Anlagenteile, wobei die jeweiligen Anlagenteile miteinander in Wirkverbindung
stehen, umfasst oder aus diesen besteht:
C-A) Zuleitungen für
C-Aa) eine Wachsphase,
C-Ab) eine Ölphase,
C-Ac) Wasserstoff;
C-B) eine Hydrocracking-Reaktor-Einheit, die aus einer oder mehreren Untereinheiten
bestehen kann, konfiguriert zur Umsetzung von Wachsphase mit Wasserstoff;
C-C) eine oder mehrere Abscheidereinheiten, konfiguriert zum Auftrennen aus des Produkts
aus Einheit C-B) in
C-Ca) eine langkettige, wachsartige Fraktion C-3a),
C-Cc) eine kurzkettige, ölige Fraktion C-3c), und
C-Cd) Wasserstoff C-3d);
C-D) eine Mischeinheit konfiguriert zur Mischung von Ölphase mit der kurzkettigen,
öligen Fraktion C-3c),
C-E) eine oder mehrere Separationseinheiten, konfiguriert zur Auftrennung der in der
Mischeinheit C-D) erhaltenen Mischung in
5a) eine langkettige, wachsartige Fraktion,
5c) eine kurzkettige, Fraktion, die als Produkt, insbesondere Naphtha, ausgeschleust
werden kann,
5d) eine mittelkettige Fraktion,
umfassend
Ea) eine Rückleitung für die Fraktion C-5a) in die Wachsphase,
Ec) eine Ableitung für C-5c)
Ed) eine Ableitung für die Fraktion C-5d);
C-F) eine Isomerisierungs- und Hydriereinheit konfiguriert zur Umsetzung von Fraktion
C-5d) unter Zugabe von Wasserstoff,
C-G) ein oder mehrere Abscheidereinheiten konfiguriert zur Auftrennung von Fraktion
C-5d) in
C-Ga) Kraftstoff und
C-Gb) Wasserstoff,
wobei die Anlage konfiguriert ist, den in C-C) und C-G) anfallenden Wasserstoff in
die Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit B) zurückzuführen.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in der Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit B) zwischen der RWGS-Stufe und der Fischer-Tropsch-Stufe
eine Wasserstoffzuleitung angeordnet ist.
8. Verfahren zur Herstellung normgerechter Kraftstoffe, umfassend
A) Bereitstellung eines CO2/H2-Gemisches
B) Einleiten des CO2/H2-Gemisches in eine Fischer-Tropsch-Syntheseeinheit,
- Umsetzung von CO2 und H2 zu CO und H2, bevorzugt in einer RWGS-Reaktion,
- Umsetzung von CO und H2 in einer Fischer-Tropsch-Synthese,
C0) optional Ableiten eines oder mehrere Produktströme aus der Fischer-Tropsch-Synthese,
und
C) Aufnahme und Aufarbeitung aus der Fischer-Tropsch-Synthese ausgeleiteter Fischer-Tropsch-Produkte,
die nicht in CO) abgeleitet wurden, insbesondere der Wachsphase und der Ölphase,
- unter Zuleitung von Wasserstoff
durch
- mindestens eine der folgenden drei Umsetzungen:
i) Isomerisierung,
ii) Cracking, bevorzugt Hydrocracking,
iii) Hydrierung,
- optional Separation,
- Ableitung von mindestens einer Fraktion enthaltend einen normgerechten Kraftstoff,
- optional Ableitung von wässriger Phase, und
- Ableitung von in der Aufarbeitung anfallender Gase, umfassend Wasserstoff und C1-bis C4-Kohlenwasserstoffe,
dadurch gekennzeichnet, dass die Ableitung der anfallenden Gase, als Rückführung in die die Syntheseeinheit, insbesondere
in die RWGS, ausgeführt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass die Aufarbeitung der aus der Fischer-Tropsch-Synthese als Fischer-Tropsch-produkte
ausgeleiteter Wachs- und Ölphase in Schritt C) die folgenden Schritte umfasst oder
aus diesen besteht:
Ia) Bereitstellen der Wachsphase, optional in einem Vorlagegefäß,
II) Einleiten der Wachsphase zusammen mit Wasserstoff in einen Hydrocracking-Reaktor
und umsetzen zu kürzerkettigen Kohlenwasserstoffen
III) Auftrennung des in Schritt II) erhaltenen Produktes in
3a) langkettige, wachsartige Fraktion, die in Ia) zurückgeleitet wird,
3c) kurzkettige, ölige Fraktion,
3d) Wasserstoff,
IV) Bereitstellen einer Ölphase, optional in einem Vorlagegefäß, und Vermischen der
Ölphase mit der kurzkettigen, öligen Fraktion aus 3c), gegebenenfalls unter simultaner,
zumindest teilweiser, Entgasung,
V) Auftrennung des Gemisches aus IV) in
5a) langkettige, wachsartige Fraktion, die in Ia) zurückgeleitet wird,
5c) kurzkettige, Fraktion, die als Produkt, insbesondere Naphtha, ausgeschleust werden
kann,
5d) mittelkettige Fraktion,
VI) Umsetzung der Fraktion 5c) oder der Fraktionen 5b) und 5c) unter Zugabe von Wasserstoff
in einer Isomerisierungs- und Hydriereinheit,
VII) Auftrennung des Produktes aus VI) in
7a) Kraftstoff, insbesondere Kerosin,
7b) Wasserstoff,
wobei der in den Schritten III) und VII) anfallende Wasserstoff zurückgeführt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die in der Aufarbeitungs-Einheit anfallenden Gase ohne Aufreinigung in die Syntheseeinheit
zurückgeführt werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass alle Verfahrensschritte auf einem Gelände durchgeführt werden, bevorzugt in einem
Apparatekomplex, insbesondere in einem Gehäuse.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass Schritt C) mindestens zwei, bevorzugt alle drei Umsetzungen i), ii) und iii) umfasst.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 12, worin die Schritte derart ausgeführt
werden, dass mindestens einer der Kraftstoffe Kerosin, Diesel oder Benzin als Produkt
anfällt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass in Schritt B) zwischen der Umsetzung von CO2 und H2 zu CO und H2, bevorzugt in einer RWGS-Reaktion, und der Umsetzung von CO und H2 in einer Fischer-Tropsch-Synthese eine Wasserstoffzuleitung erfolgt.