[0001] Die Erfindung betrifft einen Legierungsprodukt aus einer Kupfer-Zink-Legierung, die
Phasenausscheidungen aufweist. Des Weiteren wird ein Herstellungsverfahren für einen
Legierungsprodukt aus einer solchen Kupfer-Zink-Legierung beschrieben.
[0002] Bleihaltiges Sondermessing mit Nickel, Mangan und Aluminium ist beispielsweise durch
die Normlegierung CuZn35Ni3Mn2AlPb (Werkstoffnummer CW710R nach DIN EN 1412) bekannt,
die 58 bis 60 Gew.-% Kupfer, 2 bis 3 Gew.-% Nickel, 1,5 bis 2,5 Gew.-% Mangan, 0,3
bis 1,3 Gew.-% Aluminium und einen Bleianteil von 0,2 bis 0,8 Gew.-% aufweist. Mögliche
Wahlbestandteile stellen Eisen, Silizium und Zinn dar. Zink bildet den Rest.
[0003] Für gleitbeanspruchte Bauteile wurden bleireduzierte Kupfer-Zink-Legierungen vorgeschlagen,
die Phasenausscheidungen in der Form von Mangansiliziden aufweisen. Diese verleihen
dem Legierungsprodukt eine hohe Beständigkeit gegen abrasiven Verschleiß und verringern
die Neigung zur lokalen Adhäsion an den Gleitflächen. Derartige Legierungen weisen
vielfach ein Gefüge mit überwiegend β-Phase oder eine heterogene Matrix mit α-und
β-Phasen auf.
[0004] Ein hoher β-Phasenanteil wirkt sich jedoch bei einer Kupfer-Zink-Legierung nachteilig
auf die Kaltumformbarkeit aus. Um dem entgegenzuwirken, wird in
DE 10 2007 029 991 B4 vorgeschlagen, das Legierungsprodukt mit einem Gefüge auszubilden, in dem Eisen und
Nickel enthaltende Mangansilizide vorliegen und das eine α-Matrix aufweist, in die
5 Vol.-% bis 50 Vol.-% β-Phase eingelagert ist. Gefordert ist eine Legierungszusammensetzung
mit 28 bis 36 Gew.-% Zink, 0,5 bis 1,5 Gew.-% Silizium, 1,5 bis 2,5 Gew.-% Mangan,
0,2 - 1,0 Gew.-% Nickel, 0,5 - 1,5 Gew.-% Aluminium, 0,1 bis 1,0 Eisen und Rest Kupfer.
[0005] Des Weiteren wird durch
EP 3 272 888 A1 ein Messing-Legierungsprodukt offenbart, das hohe Kaltumformgrade ohne Zwischenglühen
ermöglicht. Mit einer Legierungszusammensetzung von 21 bis 27 Gew.-% Zink, 0,2 - 0,8
Gew.-% Silizium, 1,1 - 1,9 Gew.-% Mangan und 0,005 bis 0,2 Gew.-% Phosphor resultiert
eine α-Matrix, in der manganhaltigen Phosphide mit einer perlenschnurartigen Anordnung
vorliegen.
[0006] DE 36 26 435 A1 offenbart eine Kupfer-Zink-Legierung mit 66 bis 90 Gew.-% Kupfer, 1,5 bis 8,0 Gew.-%
Mangan, 0,3 bis 7,0 Gew.-% Aluminium, 0,3 bis 2,0 Gew.-% Phosphor, Rest Zink. Bei
einem hinreichend hohen Aluminiumanteil liegen innerhalb einer α-Matrix als Verschleißminderer
wirkende Manganphosphide im Wesentlichen in eutektischer Verteilung vor, die kleiner
als primär ausgeschiedene Phosphide sind und aufgrund dessen die Kaltumformbarkeit
nicht negativ beeinflussen.
[0007] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Legierungsprodukt aus einer Kupfer-Zink-Legierung
mit Phasenausscheidungen für eine breite Prozessbandbreite und vereinfachter Einstellbarkeit
anzugeben. Das Legierungsprodukt sollte eine gute Korrosionsbeständigkeit und gleichzeitig
eine gute Spanbarkeit aufweisen. Des Weiteren wird eine bleifreie Kupfer-Zink-Legierung
gefordert, wobei das resultierende Legierungsprodukt zusätzlich eine hohe Festigkeit
und Härte sowie eine verbesserte Recyclingeignung sicherstellen soll. Ferner ist ein
Herstellungsverfahren für das Legierungsprodukt anzugeben.
[0008] Diese Aufgabe wird durch das in Anspruch 1 genannten Legierungsprodukt gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen ergeben sich aus den Unteransprüchen und Anspruch 15 behandelt ein
Herstellungsverfahren für das Legierungsprodukt.
[0009] Die Erfinder haben eine Zusammensetzung für eine Kupfer-Zink-Legierung gefunden,
die zur Herstellung eines Legierungsprodukts unterschiedlichen Herstellungsprozessen
unterzogen werden kann und die Ausbildung verschiedener Phasenausscheidungen ermöglicht.
Dabei ist insbesondere eine hinreichende Warmumformbarkeit und eine gute Kaltumformbarkeit
gegeben, wobei die thermische Behandlung zur Herstellung des Legierungsprodukts bevorzugt
mindestens eine Warmumformung in Kombination mit einem abschließenden Entspannungsglühen
oder eine Kombination aus Warmumformung und Kaltumformung umfasst. Für Letzteres kann
vor der Kaltumformung ein Zwischenglühen ausgeführt werden. Des Weiteren schließt
bevorzugt ein Entspannungsglühen an eine Kaltumformung an.
[0010] Für das erfindungsgemäße Legierungsprodukt wird eine Kupfer-Zink-Legierung verwendet,
die nach einer thermischen Behandlung ein Legierungsgefüge aufweist, das aus überwiegender
feiner α-Phase mit β-Phasenanteilen besteht. Vorliegend wird eine β'-Phase dem β-Phasenanteil
zugerechnet. Für die α-Phase in dem nach der thermischen Behandlung resultierenden
Legierungsprodukt ist ein Gefügeanteil von mehr als 45 Vol.-% und insbesondere mehr
als 50 Vol.-% bevorzugt.
[0011] Die erfindungsgemäße bleifreie Kupfer-Zink-Legierung besteht aus (Angaben in Gew.-%):
| Cu: |
67 bis 71 %, |
| Al: |
1,4 bis 2,6 %, |
| Mn: |
0,8 bis 2,0 %, |
| Ni: |
0,7 bis 1,5 %, |
| Si: max. 1,2 % |
und/oder P: max. 0,2 %, |
| wahlweise Sn: |
max. 1,5 %, |
| Pb: |
max. 0,1 %, |
Rest Zn und unvermeidbare Verunreinigungen.
[0012] Wenn im Rahmen dieser Ausführung von unvermeidbaren Verunreinigungen die Rede ist,
betragen diese pro Element maximal 0,05 Gew.-% und in der Summe der unvermeidbaren
Verunreinigungen nicht mehr als 0,15 Gew.-%.
[0013] Bleifrei wird im Rahmen dieser Ausführung eine Kupfer-Zink-Legierung bezeichnet,
die einen Bleianteil von maximal 0,1 Gew.-% enthält. Insofern wird ein Bleigehalt
bis zu 0,1 Gew.-% in der Legierung toleriert.
[0014] Um ein Gefüge zu erzielen, das nach dem Erstarren so im Mischgebiet liegt, dass überwiegend
feine α-Phase mit darin eingelagerten β-Phasenanteilen vorliegt, wird für die erfindungsgemäße
Kupfer-Zink-Legierung ein Kupfergehalt von 67 bis 71 Gew.- % und besonders bevorzugt
von 68 bis 70 Gew.-% mit ausgewählten Anteilsspannen für Aluminium, Mangan und Nickel
kombiniert. Bei der Betrachtung der jeweiligen Zinkäquivalente gemäß der Faktoren
nach Guillet ist ersichtlich, dass sich Aluminium (Zinkäquivalent 6,0) zu einen und
Mangan (Zinkäquivalent 0,5) sowie Nickel (Zinkäquivalent -0,9 bis -1,5) zum anderen
im Hinblick auf die Phaseneinstellung gegenläufig verhalten. Mit den erfindungsgemäßen
Anteilen für Aluminium von 1,4 bis 2,6 Gew.-% und besonders bevorzugt von 1,5 bis
2,5 Gew.-%, für Mangan von 0,8 bis 2,0 Gew.-% und besonders bevorzugt von 0,9 bis
1,9 Gew.-% sowie für Nickel von 0,7 bis 1,5 Gew.-%, bevorzugt 0,9 bis 1,3 Gew.-% und
besonders bevorzugt von 1,0 bis 1,2 % resultiert das voranstehend genannte Legierungsgefüge,
das besonders gut kaltumformbar ist. Insbesondere sind Ausführungen bevorzugt, die
kein Zwischenglühen vor der Kaltumformung erfordern. Zugleich ist ein noch hinreichende
Warmumformung gegeben, die mit den gewählten Anteilsspannen einstellbar und an die
für die thermische Behandlung typischerweise zur Verfügung stehenden Prozessparameter
anpassbar ist.
[0015] Die Warmumformung wird bevorzugt als Strangpressen nach dem Schmelzen und Gießen
ausgeführt. Eine Alternative stellt Warmwalzen oder ein Schmiedeverfahren dar. Die
erfindungsgemäße Kupfer-Zink-Legierung weist nach dem Gießen einen β-Phasenanteil
von ≥ 30 Vol.-% für eine Temperatur oberhalb von 600°C und bevorzugt oberhalb von
550°C auf, sodass eine noch ausreichende Warmumformbarkeit begeben ist. Der β-Phasenanteil
für die Warmumformung beträgt bevorzugt mindestens 50 Vol.-%. Die genannten Temperaturen
stellen Mindestwerte dar, wobei für die Warmumformung typischerweise höhere Umformtemperaturen
verwendet werden können, beispielsweise Strangpresstemperaturen über 650°.
[0016] Eine Kaltumformung des durch Strangpressen oder Warmwalzen erzeugten Legierungsproduktes
(Halbzeuges) führt zu einer verbesserten Oberflächengüte. Des Weiteren kann damit
eine Anpassung der Abmessungen der Rohlinge, insbesondere auf Geradheit und Rundheit
bei Stangenmaterial, vorgenommen werden, sodass nachfolgende Zerspanungsschritte weniger
aufwendig sind. Ein weiterer wesentlicher Vorteil einer Kaltumformung stellt die Verbesserung
der Materialeigenschaften dar, wobei neben einer Verbesserung der Zugfestigkeit vor
allem eine Erhöhung der Dehngrenze angestrebt wird, die wesentlich die mikroplastische
Verformung und damit die Verschleißfestigkeit beeinflusst. Erreicht werden kann dieses
durch Ziehen des Legierungsproduktes.
[0017] Für die Kaltumformung liegt der α-Phasenanteil der erfindungsgemäßen Kupfer-Zink-Legierung
bevorzugt bei mindestens 45 Vol.-% und besonders bevorzugt bei mindestens 50 Vol.-%.
Auf ein Zwischenglühen vor der Kaltumformung wird vorteilhaft verzichtet. Falls ein
Zwischenglühen zu einer weiteren Verbesserung der Kaltumformbarkeit eingesetzt wird,
sind typischerweise Temperaturen zwischen 400 und 500°C für 3 bis 6 Stunden anzuwenden.
Des Weiteren wird die Kaltumformung bevorzugt mit einer prozentualen Verformung von
5 bis 25 % und besonders bevorzugt von 7 bis 18 % ausgeführt, wodurch insbesondere
die Zugfestigkeit und Härte der Kupfer-Zink-Legierung erhöht wird. Vorliegend ist
die prozentuale Verformung als Querschnittsänderung beim Ziehen in Relation zum Ausgangsquerschnitt
definiert. Durch einen bevorzugt der Kaltumformung nachgeschaltetes Entspannungsglühen
wird zusätzlich zur Verringerung der Neigung zur Spannungsrisskorrosion die Duktilität
gesteigert. Des Weiteren nimmt mit dem Abbau der Spannungen im Legierungsgefüge die
Dehnung etwas zu, wobei die vorteilhaft eingestellte Zugfestigkeit und Härte grundsätzlich
erhalten bleiben. Darüber hinaus dient das Entspannungsglühen auch zur finalen Einstellung
der Phasenanteile im Gefüge und die darin auftretenden Phasenausscheidungen.
[0018] Somit kann mit ein und derselben Legierung allein durch Variation der daran beteiligten
Legierungselemente und die Prozessführung das Gefüge in dem Legierungsprodukt, den
jeweiligen Anforderungen entsprechend eingestellt werden. Steht ein Warmumformen des
Legierungsproduktes im Vordergrund, wird man ein Gefüge mit einem höheren β-Phasenanteil
einstellen. Steht hingegen neben der Warmumformung auch eine Kaltumformung an, wird
man die Legierungszusammensetzung so einstellen, dass in einem primären β-Phasengefüge
α-Phasenanteile ausgeschieden sind. Von Bedeutung ist, dass unterschiedliche Gefüge
mit den ohnehin üblichen Verfahrensschritten eingestellt werden können und bestehende
Anlagen zum Herstellen derartiger Legierungsprodukte nicht geändert werden müssen.
[0019] Der Aluminiumanteil in der Legierung wirkt festigkeitssteigernd, verbessert die Oberflächenqualität
und verringert die Neigung zur Erosionskorrosion, insbesondere in einer Meerwasserumgebung.
Mangan und Nickel sind vorteilhaft für die mechanischen Eigenschaften und verbessern
ebenfalls das Korrosionsverhalten. Ferner verbessert Nickel das Formänderungsvermögen
dieser Kupfer-Zink-Legierung. Für die erfindungsgemäße Legierungszusammensetzung hat
sich zusätzlich und überraschend ergeben, dass für die gewählten Anteile der Begleitelemente
Aluminium, Mangan und Nickel und das ausgewählte Kupfer-Zinkverhältnis unterschiedliche
Phasenausscheidungen in der überwiegenden α-Matrix in einem weiten Bereich gezielt
einstellbar sind. Dabei werden als weiteres Merkmal des erfindungsgemäßen Legierungsprodukts
im Legierungsgefüge Phasenausscheidungen erster Art mit Silizium und Mangan enthaltenden
Verbindungen und/oder Phasenausscheidungen zweiter Art mit Phosphor, Mangan und Nickel
enthaltenden Verbindungen angelegt. Zur Anpassung an den jeweiligen Anwendungszweck
ist innerhalb der Anteilsspannen der erfindungsgemäßen Kupfer-Zink-Legierung eine
Einstellung beider Arten der Phasenausscheidungen möglich. Dabei können Hartphasen
unterschiedlicher Größe und zusätzlich oder alternativ feine Phasenausscheidungen
zur Festigkeitssteigerung eingestellt werden.
[0020] Die Phasenausscheidungen erster Art stellen Primärkristalle dar, die aus manganhaltigen
Siliziden bestehen, wobei mittels der Anteile für Silizium und für die Begleitelemente
die Größe und Form der Silizide einstellbar sind. Bei höheren Anteilen der Begleitelemente
bilden sich größere Silizide aus, die insbesondere Hartphasen bilden. Für eine alternative
Ausführung können die Legierungszusammensetzung und die thermische Behandlung so gewählt
werden, dass Silizide in Form feiner Phasenausscheidungen vorliegen, die insbesondere
die Festigkeit und die thermische Stabilität des Legierungsprodukts steigern. Des
Weiteren können zusätzlich Aluminium und Nickel in die intermetallischen Phasenausscheidungen
erster Art eingelagert sein.
[0021] Diese Phasenausscheidungen erster Art dienen zur Verbesserung der Verschleißbeständigkeit
des Legierungsprodukts und verringern insbesondere abrasiven Materialabtrag und wirken
punktuellen Verschweißungen an Gleitflächen entgegen. Die manganhaltigen Silizide
können im Wesentlichen aus Mn
5Si
3 bestehen und in Form hexagonaler Hohlprismen ausgebildet sein. Neben stängeligen
Formen sind kugelige oder plättchenförmige Strukturen und Mischungen aus den genannten
Formen möglich. Mittels des Siliziumgehalts wird die Menge der Phasenausscheidungen
erster Art gesteuert. Verwendet wird ein Siliziumanteil von maximal 1,2 % und bevorzugt
ist ein Siliziumanteil von 0,05 bis 1,1 Gew.-% und besonders bevorzugt von 0,5 bis
1,0 Gew.-%. Geringere Siliziumanteile vermögen nicht eine hinreichende Menge an Siliziden
bereitzustellen. Höhere Siliziumanteile wirken sich negativ auf die Zerspanbarkeit
aus.
[0022] Die Phasenausscheidungen zweiter Art mit Phosphor, Mangan und Nickel enthaltenden
Verbindungen führen zu im Legierungsgefüge fein ausgebildeten Phosphiden, die bei
dieser Legierung als Spanbrecher dienen. Damit ist eine Legierung zum Herstellen eines
Legierungsproduktes bereitgestellt, welches gut maschinell (zerspanend) bearbeitbar
ist. Die Wirkung des Phosphors reicht damit über die Schmelzverflüssigung und Kornfeinung
hinaus, wobei angenommen wird, dass durch die thermische Behandlung der Kupfer-Zink-Legierung
zusätzliche Phasenausscheidungen zweiter Art entstehen, die besonders fein verteilt
sind und festigkeitssteigernd wirken. Des Weiteren hat sich zu deren Stabilisierung
der gewählte Aluminiumanteil in der Spanne von 1,4 bis 2,6 Gew.-% und bevorzugt von
1,5 bis 2,5 Gew.-% als wirkungsvoll erwiesen. Geringere Aluminiumanteile führen nicht
zu dem gewünschten Zweck. Höhere Aluminiumanteile haben Nachteile hinsichtlich des
Gefüges.
[0023] Untersuchungen des Legierungsgefüges ergaben eine gleichmäßige Verteilung der Phosphide
in der Matrix, wobei die einzelnen Partikel überwiegend klein und kompakt sind. Unter
Annahme einer kugeligen bzw. globularen Form lag die Größe von mindestens 85 Gew.-%
der Phosphidpartikel unterhalb 2 µm. Des Weiteren ergaben Analysen für die Phosphide
eine Massenverhältnis Mangan zu Phosphor von etwa 2,5 bis 3,5. Durch den zusätzlichen
Einbau von Nickel in die Phosphide konnte eine Festigkeitssteigerung des resultierenden
Legierungsprodukts beobachtet werden. Der Phosphoranteil in der Kupfer-Zink-Legierung
beträgt maximal 0,2 Gew.-%, wobei ein Phosphorgehalt von 0,005 bis 0,15 Gew.-% bevorzugt
und von 0,01 bis 0,12 Gew.-% besonders bevorzugt ist. Stehen spanbrechende Eigenschaften
bei dem herzustellenden Legierungsprodukt im Vordergrund, wird man den Phosphorgehalt
mindestens 0,5 Gew.-% einstellen.
[0024] Für eine vorteilhafte Ausführung liegen im Legierungsgefüge die Phasenausscheidungen
erster Art mit Silizium und Mangan enthaltenden Verbindungen und die Phasenausscheidungen
zweiter Art mit Phosphor, Mangan und Nickel enthaltenden Verbindungen vor. Damit lassen
sich insbesondere der Verschleißgrad, die Festigkeit und die maschinelle Bearbeitbarkeit
des Legierungsprodukts gezielt und über einen breiten Bereich unabhängig voneinander
an die jeweilige Anwendung anpassen. Dabei werden die Begleitelemente so aufeinander
abgestimmt, dass der Siliziumanteil nicht zu viel Mangan und Nickel in den Phasenausscheidungen
erster Art bindet und eine genügende Anzahl von Phasenausscheidungen zweiter Art vorliegt.
[0025] Zinn stellt für die Kupfer-Zink-Legierung einen Wahlbestandteil dar, wobei dessen
maximaler Anteil 1,5 Gew.-% nicht überschreitet. Der Vorteil eines Zinnzusatzes wird
in der weiteren Verbesserung des Korrosionswiderstands gesehen. Des Weiteren hat Zinn
einen positiven Einfluss auf die Festigkeits- und Geleiteigenschaften und trägt zu
einer Deckschichtbildung bei. Bevorzugt wird daher einen Zinngehalt von 0,05 bis 1,1
Gew.-% und eine Anteilspanne für Zinn von 0,1 bis 1,0 Gew.-% ist besonders bevorzugt.
Steht bei dem herzustellenden Legierungsprodukt wiederum eine gute Zerspanbarkeit
im Raum, wird man den Zinngehalt mit mehr als 0,5 Gew.-% einstellen.
[0026] Für das erfindungsgemäße Legierungsprodukt hat sich erwiesen, dass die Kombination
aus dem gewählten Kupfer-Zinkverhältnis und den Intervallen für die Begleitelemente
Aluminium, Mangan und Nickel sowie den Elementen für die beiden Phasenausscheidungsarten,
Silizium und/oder Phosphor, zu einer Basislegierung mit einer überraschend guten Einstellbarkeit
über einen weiten Bereich führt. Dies erlaubt eine gute Anpassbarkeit und ermöglicht
ein breites Anwendungsfeld mit hohen Anforderungen an den Korrosionsschutz, den Verschleiß,
die Oberflächengüte und Beschichtbarkeit sowie gute mechanische Eigenschaften im Hinblick
auf die Härte und Festigkeit. Des Weiteren ist das Legierungsprodukt aufgrund seiner
Zusammensetzung gut recyclingfähig.
[0027] Des Weiteren ermöglicht das Legierungsprodukt Variationen innerhalb der vorgegebenen
Zusammensetzung. Dabei werden für eine bevorzugte erste Variante, die neben den voranstehend
genannten Vorteilen insbesondere eine gute Korrosionsbeständigkeit sicherstellt, der
Mangangehalt ≥ 1,8 Gew.-% festgelegt. Für eine bevorzugte zweite Variante, die als
weitere Vorteile eine hohe Zähigkeit und eine verbesserte Steuerbarkeit der Warmumformung
liefert, wird der Mangananteil auf ≤ 1,0 Gew.-% begrenzt.
[0028] Die in nachstehender Tabelle 1 angeführten Ausführungsbeispiele Leg. 1 - Leg. 5 betreffen
die bevorzugte erste Variante und Leg. 6 - Leg. 9 sind Ausgestaltungen der bevorzugten
zweiten Variante.
Tabelle 1 (Angaben in Gew.-%)
| |
Cu |
Al |
Mn |
Ni |
Si |
Sn |
P |
Zn |
| Leg. 1 |
70 |
1,5 |
1,9 |
1 |
1 |
- |
- |
24,6 |
| Leg. 2 |
69 |
2,5 |
1,9 |
1 |
1 |
- |
- |
24,6 |
| Leg. 3 |
68 |
2,5 |
1,9 |
1 |
1 |
0,8 |
- |
24,8 |
| Leg. 4 |
70 |
2,5 |
1,9 |
1 |
1 |
0,8 |
0,12 |
22,68 |
| Leg. 5 |
70 |
2,5 |
1,9 |
1 |
- |
0,8 |
0,12 |
23,68 |
| Leg. 6 |
70 |
1,5 |
0,9 |
1 |
- |
0,8 |
- |
25, 8 |
| Leg. 7 |
70 |
1,5 |
0,9 |
1 |
1 |
0,8 |
- |
24,8 |
| Leg. 8 |
70 |
1,5 |
0,9 |
1,2 |
1 |
1 |
0,12 |
24,28 |
| Leg. 9 |
70 |
1,5 |
0,9 |
1,2 |
- |
1 |
0,12 |
25,28 |
[0029] Des Weiteren weisen die aus Leg. 1 - Leg. 3, Leg. 6 und Leg. 7 resultierenden Legierungsprodukte
die Phasenausscheidungen erster Art auf, während für Leg. 5, Leg. 6 und Leg. 9 die
Phasenausscheidungen zweiter Art im Vordergrund stehen sind. Für Leg. 4 und Leg. 8
liegen beide Phasenausscheidungen vor.
[0030] In der Tabelle 2 sind Temperaturangaben für das Schmelzen der jeweiligen Legierungszusammensetzungen
gelistet, wobei die Liquidustemperaturen bzw. Schmelzintervalle erfasst sind. Nach
dem Schmelzen erfolgte das Gießen mittels Strangguss.
Tabelle 2
| |
Schmelztemperatur [°C] |
| Leg. 1 |
910 |
| Leg. 2 |
930 |
| Leg. 3 |
930 |
| Leg. 4 |
920 |
| Leg. 5 |
960 |
| Leg. 6 |
930 - 950 |
| Leg. 7 |
920 |
| Leg. 8 |
920 |
| Leg. 9 |
950 |
[0031] Aus Tabelle 3 wird noch ausreichende Warmumformbarkeit der erfindungsgemäßen Kupfer-Zink-Legierung
deutlich. Angeführt ist die Temperatur, oberhalb der der β-Phasenanteil ≥ 30 Vol.-%
beträgt. Die Angaben stellen Mindesttemperaturen dar, wobei die für die Warmumformung
angewandten Umformtemperaturen vorteilhafterweise höher gewählt werden können.
Tabelle 3
| |
Mindesttemperatur [°C] für β-Phasenanteil ≥ 30 Vol.-% |
| Leg. 1 |
790 |
| Leg. 2 |
650 |
| Leg. 3 |
580 |
| Leg. 4 |
650 |
| Leg. 5 |
680 |
| Leg. 6 |
800 |
| Leg. 7 |
740 |
| Leg. 8 |
750 |
| Leg. 9 |
820 |
[0032] In der praktischen Anwendung wird man in aller Regel den Warmumformvorgang mit einer
Temperatur durchführen, die oberhalb der in der Tabelle 3 für die einzelnen Legierungen
genannten liegt. Dennoch ist eine hinreichende Warmumformung auch bereits bei diesen
Temperaturen möglich.
[0033] Nach dem Schmelzen der Legierungsbestandteile und dem Gießen, wird die Warmumformung
für die untersuchten Ausführungsbeispiele mittels Strangpressen ausgeführt. Tabelle
4 zeigt die nach dem Abschluss der Warmumformung vorliegenden mechanischen Eigenschaften
des Zwischenprodukts.
Tabelle 4
| |
0,2%-Dehngrenze [Mpa] |
Zugfestigkeit [Mpa] |
Bruchdehnung [%] |
Brinellhärte HBW |
| Leg. 1 |
280 |
610 |
10 |
150 |
| Leg. 2 |
300 |
660 |
10 |
160 |
| Leg. 3 |
260 |
580 |
19 |
140 |
| Leg. 4 |
250 |
570 |
19 |
140 |
| Leg. 5 |
260 |
570 |
19 |
140 |
| Leg. 6 |
240 |
530 |
20 |
130 |
| Leg. 7 |
240 |
530 |
20 |
130 |
| Leg. 8 |
230 |
500 |
22 |
130 |
| Leg. 9 |
230 |
510 |
22 |
130 |
[0034] Für das Kaltumformen wird der in der nachfolgenden Tabelle 5 angeführte α-Phasenanteil
eingestellt.
Tabelle 5
| |
α-Phasenanteil [Vol.-%] für die Kaltumformung |
| Leg. 1 |
70 |
| Leg. 2 |
50 |
| Leg. 3 |
50 |
| Leg. 4 |
50 |
| Leg. 5 |
60 |
| Leg. 6 |
60 - 65 |
| Leg. 7 |
70 |
| Leg. 8 |
70 |
| Leg. 9 |
60 - 65 |
[0035] In Tabelle 6 sind die nach dem Kaltverformen mit der jeweils angegebenen prozentualen
Verformung und einem Entspannungsglühen resultierenden mechanischen Eigenschaften
des Legierungsprodukts aufgelistet. Dabei zeigt der Vergleich zur Normlegierung CuZn35Ni3Mn2AlPb
(Werkstoffnummer CW710R nach DIN EN 1412), dass insbesondere eine verbesserte Zugfestigkeit
und eine Anhebung der Dehngrenze erreicht werden. Letztere ist wesentlich für die
mikroplastische Verformung und damit die Verschleißfestigkeit.
Tabelle 6
| Gew.-% |
prozentuale Verformung [%] |
0,2%-Dehngrenze [Mpa] |
Zugfestigkeit [Mpa] |
Bruchdehnung [%] |
Brinellhärte HBW |
| Leg. 1 |
8 |
440 |
680 |
9 |
180 |
| Leg. 2 |
7 |
450 |
720 |
9 |
190 |
| Leg. 3 |
16 |
500 |
680 |
17 |
180 |
| Leg. 4 |
16 |
510 |
670 |
17 |
180 |
| Leg. 5 |
16 |
510 |
670 |
17 |
180 |
| Leg. 6 |
16 |
480 |
630 |
18 |
170 |
| Leg. 7 |
16 |
480 |
630 |
18 |
170 |
| Leg. 8 |
18 |
480 |
600 |
20 |
160 |
| Leg. 9 |
18 |
480 |
610 |
20 |
160 |
| CW710R |
- |
300 - 400 |
490 - 550 |
10-20 |
190 - 240 |
1. Legierungsprodukt hergestellt aus einer bleifreien Kupfer-Zink-Legierung, bestehend
aus (Angaben in Gew.-%):
| Cu: |
67 bis 71 %, |
| Al: |
1,4 bis 2,6 %, |
| Mn: |
0,8 bis 2,0 %, |
| Ni: |
0,7 bis 1,5 %, |
| Si: max. 1,2 % |
und/oder P: max. 0,2 %, |
| wahlweise Sn: |
max. 1,5 %, |
| Pb: |
max. 0,1 %, |
Rest Zn und unvermeidbare Verunreinigungen,
wobei das Legierungsprodukt nach einer thermischen Behandlung der Kupfer-Zink-Legierung
ein Legierungsgefüge aufweist, das aus überwiegend α-Gefüge mit β-Phasenanteilen besteht,
und
wobei im Legierungsgefüge Phasenausscheidungen erster Art mit Silizium und Mangan
enthaltenden Verbindungen und/oder Phasenausscheidungen zweiter Art mit Phosphor,
Mangan und Nickel enthaltenden Verbindungen vorliegen.
2. Legierungsprodukt nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die thermische Behandlung eine Warmumformung und/oder eine Kaltumformung umfasst.
3. Legierungsprodukt nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die thermische Behandlung ein Zwischenglühen vor einer Kaltumformung und/oder ein
abschließendes Entspannungsglühen umfasst.
4. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Kupfergehalt auf 68 bis 70 Gew.-% beschränkt ist.
5. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Aluminiumgehalt 1,5 bis 2,5 Gew.-% beträgt.
6. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Mangangehalt 0,9 bis 1,9 Gew.-% beträgt.
7. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Mangangehalt ≥ 1,8 Gew.-% beträgt.
8. Legierungsprodukt nach einem der Ansprüche 1 - 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Mangangehalt ≤ 1,0 Gew.-% beträgt.
9. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Nickelgehalt 0,9 bis 1,3 Gew.-% und bevorzugt 1,0 bis 1,2 Gew.-% beträgt.
10. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Siliziumgehalt 0,05 bis 1,1 Gew.-% und bevorzugt 0,5 bis 1,0 Gew.-% beträgt.
11. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Phosphorgehalt 0,005 bis 0,15 Gew.-% und bevorzugt 0,01 bis 0,12 Gew.-%beträgt.
12. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Zinngehalt 0,05 bis 1,1 Gew.-% und bevorzugt 0,1 bis 1,0 Gew.-% beträgt.
13. Legierungsproduktnach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass im Legierungsgefüge sowohl die Phasenausscheidungen erster Art mit Silizium und Mangan
enthaltenden Verbindungen als auch die Phasenausscheidungen zweiter Art mit Phosphor,
Mangan und Nickel enthaltenden Verbindungen vorliegen.
14. Legierungsprodukt nach einem der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kupfer-Zink-Legierung einen β-Phasenanteil von ≥ 30 Vol.-% für eine Temperatur
oberhalb von 600°C und bevorzugt oberhalb von 550°C aufweist.
15. Verfahren zur Herstellung eines Legierungsprodukts nach einem der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Schmelzen der Bestandteile der Kupfer-Zink-Legierung und dem Gießen eine
thermische Behandlung ausgeführt wird, die eine Warmumformung und/oder eine Kaltumformung
umfasst,
wobei die Kupfer-Zink-Legierung für die Warmumformung einen β-Phasenanteil von ≥ 30
Vol.-% für eine Temperatur oberhalb von 600°C und bevorzugt oberhalb von 550°C aufweist,
und
wobei die Kupfer-Zink-Legierung vor der Kaltumformung einen α-Phasenanteil von mindestens
45 % Vol.-% und bevorzugt von mindestens 50 Vol.-% aufweist und die Kaltumformung
mit einer prozentualen Verformung von 5 bis 25 % und bevorzugt von 7 bis 18 % ausgeführt
wird.
16. Verfahren nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass nach der Kaltumformung ein Entspannungsglühen ausgeführt wird.