Stand der Technik
[0001] Vorrichtungen wie Schienen-Führungen, wie zum Beispiel Vollauszüge oder Teilauszüge
zum Verschieben von Möbelauszügen wie Schubladen und dergleichen an einem Möbel, sind
bekannt. Die Schienen-Führungen dienen zur linearen Führung eines Möbelauszugs relativ
zu einem Korpus des Möbels, wobei die Vorrichtung beispielsweise mehrere verschieblich
verbundene Schienen aufweist, umfassend eine an dem Korpus befestigbare Korpusschiene,
eine an dem Möbelauszug anbringbare Auszugschiene und eine zwischen der Korpusschiene
und der Auszugschiene wirkende Mittelschiene. Die Auszugschiene und die Mittelschiene
sind zum Öffnen und Schließen des Möbelauszugs relativ zueinander und relativ zur
Korpusschiene in eine erste Schieberichtung und in eine der ersten Schieberichtung
entgegengesetzte zweite Schieberichtung verschieblich.
[0002] Nachteilig an solchen Vorrichtungen ohne Synchronisation ist es, dass die Abfolge
bzw. der Ablauf der beiden bewegbaren Schienen beim Öffnen bzw. beim Schließen nicht
definiert ist. Ausgehend vom eingefahrenen bzw. am Möbel geschlossenen Möbelauszug
wird beim Öffnen beispielsweise das eine Mal die Auszugschiene gegenüber der Mittelschiene
zuerst bzw. alleine ausgezogen, dann fährt die Mittelschiene relativ zur Korpusschiene
und damit die Auszugschiene gemeinsam mit der Mittelschiene in die maximale Öffnungsstellung.
Das andere Mal wird zuerst die Mittelschiene gemeinsam mit der Auszugschiene gegenüber
der Korpusschiene ausgezogen. Wenn die Mittelschiene relativ zur Korpusschiene maximal
ausgefahren ist, dann fährt allein die Auszugschiene und mit ihr der Möbelauszug bzw.
die Schublade relativ zur stehenden Mittelschiene aus.
[0003] Die Korpusschiene ist grundsätzlich fest bzw. positionsfest am Korpus des Möbels
befestigt.
[0004] Der Ablauf bzw. die Bewegungsabfolge der Schienen hat Einfluss auf ein Öffnungsprofil
und ein Schließprofil der Schienen-Führung und damit auf eine mechanische Belastung
auf die Führung insbesondere durch die Beladung der Schublade und das Eigengewicht
der Führung. Je nach dem, welcher Ablauf stattfindet, verhalten sich die Öffnungs-
und Schließkräfte unterschiedlich, beispielsweise sind unterschiedliche Kräfte zum
manuellen Öffnen und Schließen der Schublade nötig.
[0005] Außerdem ist es bei Schienen-Führungen möglich, dass zum Beispiel wenn die Auszugschiene
allein zuerst ausfährt, ein Abstand zwischen der Mittelschiene und der Korpusschiene
vergleichsweise sehr gering wird und zum Beispiel bei einer ungünstigem Beladungssituation
der Schublade es beim anschließenden Ausfahren der Mittelschiene relativ zur Korpusschiene
es nachteilig zu einem Berühren der Mittelschiene und der Korpusschiene oder zu einem
Entlangstreifen der Mittelschiene an der Korpusschiene kommt. Dies ist aufgrund von
beispielsweise Abnutzung und Geräuschen nachteilig.
Aufgabe und Vorteile der Erfindung
[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die oben diskutierten Nachteile zu minimieren
bzw. zu vermeiden und eine entsprechende Vorrichtung zur Führung eines Möbelauszugs
und einen Möbelauszug und ein Möbel vorteilhaft bereitzustellen.
[0007] Die Erfindung geht aus von einer Vorrichtung zur Führung eines Möbelauszugs relativ
zu einem Korpus, wobei die Vorrichtung drei Schienen aufweist, umfassend eine an dem
Korpus befestigbare Korpusschiene, eine an dem Möbelauszug anbringbare Auszugschiene
und eine zwischen der Korpusschiene und der Auszugschiene wirkende Mittelschiene,
wobei die Auszugschiene und die Mittelschiene relativ zueinander und relativ zur Korpusschiene
in eine erste Schieberichtung und in eine zweite Schieberichtung verschieblich sind,
so dass die Vorrichtung sich teleskopartig verlängert oder verkürzt bei einer Schiebebewegung
der Mittelschiene und/oder der Auszugschiene in eine Schieberichtung relativ zur Korpusschiene,
wobei eine Steueranordnung zur Vorgabe der Relativbewegung der Schienen zueinander
vorhanden ist. Die Vorrichtung zur Führung eines Möbelauszugs ist nachfolgend auch
als Führungsvorrichtung bezeichnet.
[0008] Der Kern der Erfindung liegt darin, dass die Steueranordnung zwischen zwei benachbarten
Schienen ausgebildet ist, wobei die Steueranordnung einen Eingreifabschnitt an einer
Schiene und ein Koppelorgan an der anderen Schiene derart aufweist, dass abhängig
von der Position der beiden Schienen zueinander ein gekoppelter Zustand des Eingreifabschnitts
und des Koppelorgans existiert und ein entkoppelter Zustand des Eingreifabschnitts
und des Koppelorgans existiert, in welchem der Eingreifabschnitt vollständig vom Koppelorgan
separiert ist, und wobei in einem gekoppelten Zustand von Eingreifabschnitt und Koppelorgan
der Eingreifabschnitt und ein ausweichbar gelagerter Anlageabschnitt des Koppelorgans
aneinandergedrückt sind, so dass eine Schiene bei einer Verschiebebewegung in eine
Schieberichtung die andere Schiene in die Schieberichtung mitnimmt.
[0009] Damit wird vorteilhaft ein Ablauf bzw. eine Steuerung der Bewegungsabfolge der Schienen
selbsttätig und reproduzierbar beeinflussbar. Insbesondere sind ein Öffnungsprofil
und/oder ein Schließprofil der Schienen-Führung vorgebbar. Eine mechanische Belastung
auf die Führung insbesondere durch die Beladung der Schublade und das Eigengewicht
der Führung kann mit der Vorrichtung im Hinblick auf eine gewünschte mechanisch stabile
statische und dynamische Funktion der Schienen-Führung berücksichtigt werden. Damit
lassen sich nötige Öffnungs- und Schließkräfte beeinflussen, so dass die intuitive
Bedienung des Möbelauszugs vorteilhaft möglich ist.
[0010] Mit der Erfindung ist es möglich, dass beim Ausziehen und Einschieben der Auszugschiene
ein Abstand zwischen der Mittelschiene und der Korpusschiene zuverlässig vergleichsweise
konstant bleibt, und eine elastische Verformung der Schienen beim Verschieben des
beladenen Möbelauszugs in einem tolerierbaren bzw. akzeptablen Rahmen bleibt. Damit
kann ein elastisches Verformen der Schienen beim Verschieben minimiert werden. Insbesondere
kann vermieden werden, dass insbesondere bei einer ungünstigen Beladungssituation
der Schublade es zu einem nachteiligen Berühren von normalerweise abstandsbehafteten
Abschnitten der Mittelschiene und der Korpusschiene kommt. Auch wird vermieden, dass
es zu einem unerwünschten gegenseitigem Entlangstreifen dieser Abschnitte an der Mittelschiene
einerseits und der Korpusschiene andererseits kommt. Damit lassen sich vorteilhaft
Abnutzungsvorgänge und unangenehme Schleifgeräusche ausschließen. Die Schienen bewegen
sich demgemäß kontrolliert über entsprechende Lageranordnungen mit zum Beispiel einem
Lagerkäfig und daran aufgenommenen Gleitlagerelementen verschieblich zueinander. Die
Relativbewegung erfolgt vorteilhaft nur im geräuschlosen oder geräuscharmen und reibungsminimierten
Kontakt der dafür vorgesehenen abwälzend sich bewegenden Lagerelemente an den Schienen
und nicht unter einer schleifenden Berührung der anderen Abschnitte der benachbarten
Schienen.
[0011] Die mechanische Kopplung von Eingreifabschnitt und Koppelorgan ist beispielsweise
durch ein lösbares Einklipsen realisiert, wobei die dazu nötige Einkoppelkraft mit
der beim Öffnen oder Schließen des Möbelauszugs auf diesen von außen aufgebrachte
Kraft realisiert. Der Eingreifabschnitt wird dabei gefangen vom Koppelorgan und später
wieder freigegeben, beim Separieren von Eingreifabschnitt und Koppelorgan. Diese Kraft
wird vom Nutzer insbesondere durch Ziehen an dem Möbelauszug oder Eindrücken des Möbelauszugs
bereitgestellt. Umgekehrt wird auch die Entkoppelkraft zum Separieren von Eingreifabschnitt
und Koppelorgan von außen durch Ziehen oder Drücken aufgebracht.
[0012] Das Koppelorgan bzw. der Anlageabschnitt umfasst vorzugsweise ein gefedertes bzw.
elastisch ausweichbares Metall- oder Kunststoffteil. Der Eingreifabschnitt umfasst
vorzugsweise ein erhaben zum Koppelorgan hin vorstehendes Element wie zum Beispiel
ein Zapfen- oder Stiftelement. Die Form des Anlageabschnitts in Längsrichtung der
Vorrichtung kann gerade oder gebogen sein. Vorzugsweise weist ein Anlageabschnitt
in Längsrichtung der Vorrichtung einen ersten geraden flach winklig zur Längsrichtung
einer Schiene ausgerichteten Bereich und einen dazu abgewinkelt stehenden ebenfalls
winklig zur Längsrichtung einer Schiene ausgerichteten zweiten Bereich. Die beiden
Bereiche sind vorzugsweises in Längsrichtung dachförmig und laufen zusammen in einem
weiteren vergleichsweise kurzen Bereich des Anlageabschnitts, der eine Engstelle zwischen
zum Beispiel zwei gegenüberliegenden Anlageabschnitten bildet. Der erste Bereich und
der zweite Bereich unterscheiden sich vorzugsweise in der Länge, zum Beispiel um das
Doppelte, das Dreifache oder um das Vierfache. Der längere Bereich weicht bei einer
geringeren Gegenkraft elastisch aus, als der kürzere Bereich, der untere einer größeren
Gegenkraft ausfedert. Die Gegenkraft wird durch Andrücken des Eingreifabschnitts bereitgestellt.
[0013] Das Prinzip der Erfindung findet Anwendung beim Öffnen und beim Schließen des Möbelauszugs.
Beim Schließen ist die Kraft wie eine Kraftspitze, welche nötig ist, den Koppelzustand
zu lösen, geringer als die Kraft zum Einrichten des Koppelzustands.
[0014] Dies wird vorzugsweise durch eine jeweilige andere räumliche Anstellung von jeweiligen
Bereichen der Anlageabschnitte realisiert. Mit der vorgebbaren Form bzw. der Formanpassung
des Koppelorgans wird erreicht, dass mit dem Koppelorgan bzw. mit dessen Anlageabschnitten
richtungsabhängige Federkräfte bereitstellbar sind, was das Zusammenspiel mit dem
Eingreifabschnitt angeht. Richtungsabhängig ist bezogen auf eine Richtung der Annäherung
des Eingreifabschnitts an das Koppelorgan, also abhängig von einer Bewegungsrichtung
der Auszug- und/oder Mittelschiene in Öffnungsrichtung oder Schließrichtung der Vorrichtung.
[0015] Vorzugsweise sind mehrere Anlageabschnitte im Zusammenspiel vorhanden. Die Anlageabschnitte
besitzen jeweils einen Bereich wie eine Klemmstelle, wobei der Eingreifabschnitt,
zwischen den Anlagestellen von z. B. zwei Anlageabschnitten klemmbar bzw. festhaltbar
ist. Das Koppelorgan umfasst zum Beispiel vorzugsweise zwei bewegliche Anlageabschnitte.
Auch ist es möglich, dass das Koppelorgan einen beweglichen Anlageabschnitt und gegenüberliegend
beabstandet einen am Koppelorgan feststehenden Anlageabschnitt aufweist. Im beabstandeten
Freiraum wird der Eingreifabschnitt dann geklemmt im Koppelzustand von Eingreifabschnitt
und Koppelorgan. Der Eingreifabschnitt ist im gekoppelten Zustand mit dem Koppelorgan
demgemäß vorzugsweise beidseitig zwischen den zwei oder mehr Anlageabschnitten geklemmt.
Zumindest einer oder die z. B. zwei Anlageabschnitte sind ausweichbar hin- und herbeweglich,
insbesondere federnd hin- und herbeweglich ausgebildet.
[0016] Die Bewegung der Auszug- und/oder Mittelschiene in Öffnungsrichtung bedeutet eine
Bewegung bei der grundsätzlich eine teleskopartige Verlängerung der Führungsvorrichtung
stattfindet. Die Verlängerung der Führungsvorrichtung liegt zum Beispiel im Bereich
einer Verdopplung auf die minimale Länge der Führungsvorrichtung bezogen. Umgekehrt
bedeutet eine Bewegung der Auszug- und/oder Mittelschiene in Schließrichtung eine
Bewegung bei der grundsätzlich eine teleskopartige Verkürzung, ein Zusammenschieben,
der Führungsvorrichtung stattfindet.
[0017] Bei zwei gegenüberliegenden Anlageabschnitten, die vorzugsweise zueinander symmetrisch
vorhanden sind am Koppelorgan bzw. der Schiene, weisen jeweils vorzugsweise zumindest
zwei unterschiedlich gewinkelte bzw. dimensionierte Längsabschnitte auf. Die Längsabschnitte
umfassen einerseits einen von der Engstelle in Richtung P1 längeren flacher angewinkelten
Längsabschnitt und andererseits einen von der Engstelle in Richtung P2 kürzeren steiler
angewinkelten Längsabschnitt auf. Die beiden Längsabschnitte sind über die Engstelle
miteinander verbunden.
[0018] Der längere Längsabschnitt ist im Bereich von z. B. 30 Winkelgraden, bezogen auf
die Längsachse der betreffenden Schiene, vom einen Ende des Koppelorgans zur Engstelle
hin nach innen angewinkelt.
[0019] Der kürzere Längsabschnitt ist im Bereich von z. B. 45 Winkelgraden, bezogen auf
die Längsachse der betreffenden Schiene, vom anderen Ende des Koppelorgans zur Engstelle
hin nach innen angewinkelt.
[0020] Der längere Längsabschnitt ist vorzugsweise circa drei- bis viermal länger als der
kürzere Längsabschnitt.
[0021] Durch die spezielle Formgebung des Koppelorgans bzw. der beispielsweise zwei Anlageabschnitte
des Koppelorgans wird beim Öffnen des Möbelauszugs eine z. B. deutlich größere Kraft
zum Überwinden der von den Anlageabschnitten bereitgestellten Federkräfte benötigt
als beim Schließen des Möbelauszugs. Dies ermöglicht vorteilhaft, dass beim Öffnen
des Möbelauszugs die Mittelschiene sicher mitgenommen wird von der Auszugschiene.
Der Möbelauszug weist im normalen Betrieb durch das Öffnen eine hohe Eigendynamik
auf, weshalb der Bediener bzw. Nutzer den Effekt der Mitnahme beim Öffnen kaum spürt.
Da beim Schließen die Kraft zum Überwinden der Federkraft der Anlageabschnitte durch
deren Gestaltung deutlich kleiner ist, wird vermieden, dass es zu Schließfehlern kommt,
insbesondere dass beim Schließen des Möbelauszugs zuerst die Auszugschiene relativ
zur ausgezogen stehenden Mittelschiene verfährt und erst dann, wenn die Auszugschiene
vollständig relativ zur Mittelschiene eingefahren ist, die beiden Schienen, Auszug-
und Mittelschiene, gemeinsam relativ zur Korpusschiene einfahren.
[0022] Vorteilhaft hierfür ist eine asymmetrische Gestaltung der Anlageabschnitte realisiert,
bezogen auf deren Wirkung in Öffnungs- und Schließrichtung des Möbelauszugs, also
insbesondere von welcher Seite der Eingreifabschnitt an dem Koppelorgan bzw. den Anlageabschnitten
in Anlage kommt bzw. sich auf diese zubewegt oder von diesen wegbewegt, was zu einem
Einkoppeln oder Auskoppeln führt. Mit der asymmetrischen Gestaltung der Anlageabschnitte
werden in unterschiedlichen Bewegungsrichtungen der Auszug- bzw. Mittelschiene unterschiedliche
Kraftverhältnisse wirksam, also unterschiedliche Mitnehmerkräfte und unterschiedliche
Kräfte wie Lösekräfte, die zu einem Durchrutschen des Eingreifabschnitts relativ zu
den Anlageabschnitten führt, in die jeweilige Richtung.
[0023] Vorzugsweise wird bei zwei Anlageabschnitten ein von den beiden Anlageabschnitten
jeweils seitlich begrenzten Zwischenbereich gebildet, zum Beispiel kanalartig, der
einen Bewegungsweg für eine Relativbewegung zwischen Eingreifabschnitt und Koppelorgan
darstellt. Der Zwischenbereich bildet eine Führung für den Eingreifabschnitt, leicht
gleitend daran vorbeibewegend oder ohne laterale Berührung bis zu einer Stelle des
Zwischenbereichs, wie vorzugsweise eine Engstelle, bei der durch gegenüberliegende
Teilabschnitte der Anlageabschnitte diese federnd klemmend den Eingreifabschnitt halten
im gekoppelten Zustand von Eingreifabschnitt und Koppelorgan.
[0024] Die Steueranordnung ist vorzugsweise zwischen der Mittelschiene und der Auszugschiene
vorhanden.
[0025] Nach einer anderen vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die Steueranordnung
vorzugsweise zwischen der Mittelschiene und der Korpusschiene vorhanden.
[0026] Wenn die Steueranordnung zwischen der Mittelschiene und der Auszugschiene vorhanden
ist, sind der Eingreifabschnitt vorzugsweise an der Auszugschiene und das Koppelorgan
an der Mittelschiene vorhanden. Es ist aber auch die umgekehrte Anordnung vorteilhaft
möglich, wonach der Eingreifabschnitt vorzugsweise an der Mittelschiene und das Koppelorgan
an der Auszugschiene vorhanden sind.
[0027] Nach einem weiteren Aspekt der Erfindung ist die Steueranordnung zwischen der Korpusschiene
und der Mittelschiene ausgebildet ist, wobei die Steueranordnung einen Eingreifabschnitt
an einer Schiene und ein Koppelorgan an der anderen Schiene derart aufweist, dass
abhängig von der Position der beiden Schienen zueinander ein gekoppelter Zustand des
Eingreifabschnitts und des Koppelorgans existiert und ein entkoppelter Zustand des
Eingreifabschnitts und des Koppelorgans existiert, in welchem der Eingreifabschnitt
vollständig vom Koppelorgan separiert ist, und wobei in einem gekoppelten Zustand
von Eingreifabschnitt und Koppelorgan der Eingreifabschnitt und ein ausweichbar gelagerter
Anlageabschnitt des Koppelorgans aneinandergedrückt sind, so dass die Mittelschiene
positionsfest relativ zur Korpusschiene ist.
[0028] Damit kann bestimmt werden, dass beispielsweise ausgehend vom zusammengeschobenen
Zustand der Vorrichtung, vorzugsweise ausgehend vom vollständig oder nahezu vollständig
zusammengeschobenen Zustand der Vorrichtung, beim Ausziehen der Auszugschiene bzw.
beim Bewegen in die Öffnungsrichtung die Mittelschiene unbewegt an der Korpusschiene
mit dieser über die Steueranordnung gekoppelt verbleibt und erst später bei vorzugsweise
vollständig zur Mittelschiene ausgezogener Auszugschiene die Mittelschien sich von
der Korpusschiene entkoppelt und sich relativ zur Korpusschiene in Öffnungsrichtung
bzw. weiter in die von der Auszugschiene vorige Bewegungsrichtung mitbewegt beim Ausziehen
der Vorrichtung. Die Mittelschiene bleibt daher anfangs einer Öffnungsbewegung des
Möbelkorpus eingefahren an der Korpusschiene bzw. bleibt positionsfest.
[0029] Vorteilhafterweise ist im mechanisch gekoppelten Zustand des Eingreifabschnitts und
des Koppelorgans der Anlageabschnitt des Koppelorgans mit einer vorgegeben Vorspannkraft
vorgespannt in Richtung des Eingreifabschnitts, so dass bei Erreichen einer Lösekraft,
die vom Eingreifabschnitt entgegen der Vorspannkraft am Anlageabschnitt wirkt, der
Anlageabschnitt ausweicht und zu einem Aufheben des Koppelzustands zwischen dem Eingreifabschnitt
und dem Koppelorgan führt, wobei die beiden Schienen voneinander entkoppelt relativ
zueinander verschiebbar sind.
[0030] Damit kann ein Ablauf der Auszugschiene und der Mittelschiene untereinander und/oder
relativ zur Korpusschiene beim Öffnen und Schließen des Möbelauszugs vorbestimmt werden.
Insbesondere ist der Ablauf abhängig von der Vorspannkraft. Die Vorspannkraft und
davon abhängig die Lösekraft ist beispielsweise abhängig von wirkenden Reibkräften
beim Verschieben der Schienen, die beim Verschieben der Schienen zwischen diesen wirken.
Die wirkenden Kräfte wie Reibungskräfte, Haftreibung und/oder Gleit- oder Rollreibung
ist wiederum z. B. abhängig von Faktoren wie Beladung oder Eigengewicht des Möbelauszugs.
[0031] Eine vergleichsweise geringere vorgegebene Vorspannkraft führt bei einer geringeren
Lösekraft zu einem Aufheben des gekoppelten Zustands zwischen dem Eingreifabschnitt
und dem Koppelorgan. Ein aufgehobener Koppelzustand bedeutet z. B., dass die beiden
betreffenden Schienen sich trennen und relativ zueinander sich bewegen bzw. bewegen
können. Unabhängig davon ist die Relativbewegung von zwei Schienen durch beispielsweise
an den Schienen vorhandene Anschläge begrenzt in Bewegungs- bzw. Verschieberichtung
einer Schiene relativ zu einer benachbarten Schiene der Vorrichtung.
[0032] Zwischen benachbarten Schienen sind vorzugsweise lastübertragenden Lagermittel zur
beweglichen Lagerung der Schienen zueinander vorgesehen, wie zum Beispiel Rollenwagen
mit daran aufgenommenen Wälzlagerkörpern wie Wälzlagerkugeln oder Wälzlagerrollen.
Die lastübertragenden Lagermittel dienen zur kontrollierten gleichmäßigen Verschiebebewegung
der Schienen zueinander.
[0033] Ein weiterer Vorteil ergibt sich, wenn die Steueranordnung zwischen der Mittelschiene
und der Auszugschiene ausgebildet ist.
[0034] Diese Anordnung ist im Nutzzustand der Führungsvorrichtung an einem Möbel für die
Öffnungsbewegung und/oder Schließbewegung des Möbelauszugs mit der Führungsvorrichtung
von Bedeutung. Es wird daher in der Erklärung nachfolgend vom Nutzzustand ausgegangen.
Mit der Steueranordnung zwischen der Mittelschiene und der Auszugschiene kann zum
Beispiel beeinflusst bzw. vorgegeben werden, z. B. ausgehend von der vollständig zusammengeschobenen
Führungsvorrichtung bzw. bei am Möbel vollständig eingeschobenem bzw. geschlossenem
Möbelauszug, dass die Mittelschiene zunächst bzw. anfangs relativ zur Korpusschiene
bewegt also die Mittelschiene und die Auszugschiene sich gemeinsam bewegen in Öffnungsrichtung.
In einer ersten Öffnungsphase wird also die Mittelschiene herausbewegt bzw. die Mittelschiene
wird gegenüber der Korpusschiene ausgezogen. Die Mittelschiene wird dabei über die
gekoppelte Steueranordnung bzw. über den Eingreifabschnitt und das Koppelorgan, die
kraftübertragend verbundenen sind, zunächst bzw. anfangs eines Öffnungsvorgangs des
Möbelauszugs von der durch Einwirken von außen bewegten Auszugschiene mitgenommen.
Die Mittelschiene wird demgemäß relativ zur Korpusschiene bewegt. Die Lösekraft, die
vom Eingreifabschnitt entgegen der Vorspannkraft am Anlageabschnitt wirkt, wird dabei
zunächst nicht erreicht oder überschritten, was bedeutet, dass der gekoppelte Zustand
auch nicht aufgehoben wird, sondern erhalten bleibt. Damit bewegen sich Auszug- und
Mittelschiene gemeinsam in der ersten Bewegungsphase beim Öffnen des Möbelauszugs
aus dem geschlossenen Zustand heraus.
[0035] Nach Erreichen einer maximal möglichen Ausfahrposition der Mittelschiene relativ
zur Korpusschiene, was zum Beispiel durch mechanische Anschläge verwirklicht ist,
findet eine Entkopplung von Auszugschien und Mittelschiene statt. Danach bewegt sich
in einer zweiten Bewegungsphase beim Öffnen des Möbelauszugs allein noch die Auszugschiene
z. B. bis in eine maximal mögliche Auszugposition. Die Mittelschiene bleibt in der
zweiten Bewegungsphase dann unbewegt.
[0036] Ohne die erfindungsgemäße Steueranordnung zwischen der Mittelschiene und der Auszugschiene
kann es, insbesondere aufgrund vom Beladungszustand des Möbelkorpus und/oder abhängig
von Reibungseffekten, zu undefinierten Bewegungszuständen von Mittel- und Auszugschiene
kommen, wonach z. B. die Mittelschiene nicht vorhersehbar sich nicht mit der Auszugschien
mitbewegt oder doch zum Beispiel unterbrochen mitbewegt, was z. B. ein ruckartiges
Herausziehen des Möbelauszugs bedeutet, was unerwünscht ist.
[0037] Eine gemeinsame Bewegung von Auszugschiene und Mittelschiene ist insbesondere mit
Beginn der Öffnung des Möbelauszugs am Möbelkorpus in der Regel aus mechanischen Gründen
erwünscht.
[0038] Die Steueranordnung zwischen Mittelschiene und Auszugschiene ist insbesondere dann
von Vorteil, wenn es erwünscht ist, dass beim Öffnen des Möbelauszugs relativ zum
Möbelkorpus zunächst die Auszugschiene mit dem Möbelauszug gemeinsam mit der Mittelschiene
relativ zum verbleibenden Teil der Führungsvorrichtung ausfährt.
[0039] Gemäß einem Vorteil der Erfindung ist die Steueranordnung zwischen der Korpusschiene
und der Mittelschiene ausgebildet.
[0040] Diese Anordnung ist im Nutzzustand der Führungsvorrichtung an einem Möbel für die
Öffnungsbewegung und/oder Schließbewegung des Möbelauszugs mit der Führungsvorrichtung
von Bedeutung. Es wird in der Erklärung nachfolgend vom Nutzzustand also bei am Möbel
montierten Vorrichtung ausgegangen. Mit der Steueranordnung zwischen der Korpusschiene
und der Mittelschiene kann zum Beispiel beeinflusst bzw. vorgegeben werden, z. B.
ausgehend von der vollständig zusammengeschobenen Führungsvorrichtung bzw. bei am
Möbel vollständig eingeschobenem bzw. geschlossenem Möbelauszug, dass die Mittelschiene
zunächst bzw. anfangs in einer erste Öffnungsphase unbewegt bleibt. Dies stellt einen
Ausnahmezustand dar. Die Mittelschiene wird dabei zunächst bzw. anfangs nicht von
der sich allein bewegenden Auszugschiene mitgenommen. Die Mittelschiene verbleibt
vielmehr positionsfest an der Korpusschiene bzw. mit dieser über die Steueranordnung
gekoppelt. Demgemäß wird die Lösekraft, die vom Eingreifabschnitt entgegen der Vorspannkraft
am Anlageabschnitt wirkt, dabei zunächst nicht erreicht oder überschritten, was bedeutet,
dass der gekoppelte Zustand zwischen Mittel- und Korpusschiene nicht aufgehoben wird,
sondern erhalten bleibt.
[0041] Vorteilhaft kann mit der Steueranordnung daher vorgegeben werden, dass erst nach
dem Beginn der Ausziehbewegung der Auszugschiene bzw. später, wenn der Möbelauszug
bereits etwas am Möbel herausbewegt ist, sich die Mittelschiene relativ zur Korpusschiene
bewegt. Dann wird die Auszugschiene gemeinsam mit der Mittelschiene in die Öffnungsrichtung
weiterbewegt bzw. die Auszugschiene relativ zur sich mitbewegenden Mittelschiene unbewegt
ist.
[0042] Ohne die erfindungsgemäße Steueranordnung zwischen der Korpusschiene und der Mittelschiene
kann es, insbesondere aufgrund vom Beladungszustand des Möbelkorpus und/oder abhängig
von Reibungseffekten, zu undefinierten Bewegungszuständen von Mittel- und Auszugschiene
kommen, wonach z. B. die Mittelschiene nicht vorhersehbar sich bewegt oder stehen
bleibt, wenn die Auszugschiene bzw. der Möbelauszug sich in die Öffnungsrichtung bewegt.
[0043] Eine gemeinsame Bewegung von Auszugschiene und Mittelschiene ist insbesondere erst
dann möglich, wenn eine vorher wirkende Koppelkraft zur Kopplung von Mittel- und Korpusschiene,
die mit der Steueranordnung zwischen Mittelschiene und Korpusschiene bereitgestellt
ist, aufgehoben ist bzw. wurde.
[0044] Die Steueranordnung zwischen Mittelschiene und Korpusschiene ist insbesondere dann
von Vorteil, wenn es erwünscht ist, dass beim Öffnen des Möbelauszugs relativ zum
Möbelkorpus zunächst allein die Auszugschiene mit dem Möbelauszug relativ zum verbleibenden
Teil der Führungsvorrichtung ausfährt.
[0045] Gemäß einem anderen Vorteil ist der Anlageabschnitt des Koppelorgans federnd ausweichbar
am Koppelorgan vorhanden. Damit kann zum einen eine definiert vorgebbare Kraft gemäß
einer vom federnden Anlageabschnitt herrührende Federkraft bereitgestellt werden.
Die Federkraft stellt die Vorspannkraft des jeweiligen Anlageabschnitts bereit und
wirkt in Richtung des Eingreifabschnitts. Damit hängt auch die Lösekraft vom federnden
Anlageabschnitt ab. Der federnde Anlageabschnitt ist aufgrund der federnden Ausweichbarkeit
vorzugsweise reversibel federnd hin- und herbewegbar. Nach dem Aufheben des Koppelzustands
zwischen dem Eingreifabschnitt und dem Koppelorgan kehrt der reversibel bewegliche
Anlageabschnitt vorteilhefterweise selbsttätig in eine Warte- bzw. Ausgangsstellung
zurück, aufgrund der federnden Ausweichbarkeit des Anlageabschnitts. Die Warte- bzw.
Ausgangsstellung des Anlageabschnitts, also ein unbelasteter Zustand bzw. ohne Anlage
am Eingreifabschnitt, wird beim nächsten Koppelvorgang von Eingreifabschnitt und Koppelorgan
wieder verlassen, indem der Eingreifabschnitt den Anlageabschnitt oder die beiden
Anlageabschnitte etwas wegdrückt. Dann wird der Eingreifabschnitt von den andrückenden
bzw. klemmend wirkenden Anlageabschnitten festgehalten, was die Kopplung der beiden
betreffenden Schienen bewirkt. Anstelle der Warte- bzw. Ausgangsstellung des Anlageabschnitts
nimmt der Anlageabschnitt dann eine Klemm- bzw. Koppelstellung ein. Die Anlageabschnitte
können über einen gewissen Bereich unterschiedlich weit ausrücken, so dass immer sichergestellt
ist, dass der Eingreifabschnitt festklemmend gehalten wird.
[0046] Wenn zum Beispiel vorzugsweise genau zwei Anlageabschnitte vorhanden sind, ist zumindest
genau ein Anlageabschnitt federnd ausweichbar sein, vorzugsweise sind beide Anlageabschnitte
federnd ausweichbar, vorzugsweise gleichartig. Vorzugsweise sind zwei identische Anlageabschnitte
vorhanden, die identisch federnd ausweichbar sind. Wenn zwei Anlageabschnitte vorgesehen
sind, was bevorzugt ist, lassen diese zwischen ihnen vorzugsweise einen Abstand frei,
in welchem der Eingreifabschnitt passend eintauchen bzw. einklipsen kann bei entsprechender
Relativstellung der beiden Schienen. Das Eintauchen findet vorzugsweise mit etwas
Reibkontakt zwischen dem Eingreifabschnitt und den beiden Anlageabschnitten statt.
Im Koppelzustand befindet sich der Eingreifabschnitt dann in klemmender Anlage zwischen
den Anlageabschnitten. Die Anlageabschnitte weichen beim Eintauchen des Eingreifabschnitts
etwas federnd aus, voneinander weg, so dass der Abstand zwischen den beiden Eingreifabschnitten
sich vergrößert. Der Eingreifabschnitt wird zwischen den beiden Eingreifabschnitten
geklemmt von diesen gehalten. Ein Außendurchmesser des Eingreifabschnitts ist vorteilhaft
etwas größer als ein Abstand der beiden Anlageabschnitte in deren Klemmbereich wie
z. B. einer Engstelle eines Weges, entlang dessen der Eingreifabschnitt relativ zum
Koppelorgan bewegbar ist beim Relativbewegen der beiden Schienen. Der geklemmte Zustand
ist ein gekoppelter Zustand von Koppelorgan und Eingreifabschnitt.
[0047] Nach einem weiteren Vorteil ist der Anlageabschnitt des Koppelorgans in einer Richtung
quer zu einer Längsrichtung der Schienen federnd ausweichbar. Dies ist vorteilhaft,
da die Schienen, deren Längsrichtungen zusammenfallen bzw. gleich räumlich orientiert
sind, sich in ihrer Längsrichtung bewegen. Damit bewegt sich auch der Eingreifabschnitt
in Längsrichtung und damit in Längsrichtung zur anderen Schiene, an welcher die zum
Beispiel beiden Anlageabschnitte vorhanden sind. Damit erfolgt das Klemmen und das
Freigeben durch die z. B. beiden seitlich ausweichbaren Anlageabschnitte besonders
vorteilhaft.
[0048] Der Eingreifabschnitt wird vorteilhaft zum Beispiel seitlich von beispielsweise zwei
gegenüberliegenden und beabstandeten federnden Anlageabschnitten sicher klemmend gehalten
im gekoppelten Zustand von Eingreifabschnitt und Koppelorgan.
[0049] Eine vorteilhafte Abwandlung der Erfindung besteht darin, dass der Eingreifabschnitt
einem separaten Bauteil zugehörig ist, welches mit einer Schiene durch eine Steckverbindung
verbunden ist. Damit kann eine Auszug-, Mittel- und/oder Korpusschiene einfach und
wahlweise z. B. nachträglich mit dem Eingreifabschnitt vorzugsweise lösbar verbunden
werden.
[0050] Vorteilhaft ist das Bauteil mit dem Eingreifabschnitt manuell ansteckbar und entfernbar
an bzw. von der Schiene.
[0051] Alternativ kann der Eingreifabschnitt auch als Ausprägung oder dergleichen an der
jeweiligen Schiene ausgebildet sein, zum Beispiel integral daran vorhanden sein.
[0052] Es ist auch vorteilhaft, wenn das Koppelorgan einem separaten Bauteil zugehörig ist,
welches mit einer Schiene durch eine Steckverbindung verbunden ist. Das Koppelorgan
mit den z. B. beiden beweglichen Anlageabschnitten kann zum Beispiel angesteckt lösbar
an der Schiene angebracht sein. Die Anbringung ist an einer Seite, welcher einer Seite
einer benachbarten Schiene zugewandt ist, an welcher das dazugehörige Bauteil mit
dem Eingreifabschnitt der Steueranordnung vorhanden ist.
[0053] Auch das Koppelorgan kann alternativ als Ausprägung einstückig an der Schiene ausgebildet
sein.
[0054] Der Eingreifabschnitt und/oder das Koppelorgan, wenn nicht einstückig mit der in
der Regel metallischen Schiene ausgebildet, bestehen vorzugsweise aus einem Kunststoffmaterial.
Alternativ ist ein Metallmaterial oder Verbundmaterial möglich.
[0055] Eine alternative vorteilhafte Ausgestaltung zeichnet sich dadurch aus, dass eine
am Anlageabschnitt wirkende Ausweichkraft, die durch Anlage des Eingreifabschnitts
am Anlageabschnitt aufbringbar ist, um den Anlageabschnitt aus seiner Wartestellung
in eine Klemmstellung zu bringen, seitenabhängig in Längsrichtung der Vorrichtung
betrachtet, wobei abhängig davon, von welcher Seite der Eingreifabschnitt sich dem
Anlageabschnitt annähert, eine unterschiedlich große Kraft bzw. ein unterschiedliches
Kraftmaß zum Erreichen der Klemmstellung des Anlageabschnitts notwendig ist. Vorteilhaft
ist das Koppelorgan derart ausgestaltet, dass ein Maß der Vorspannkraft, welche auf
den Eingreifabschnitt wirkt, wenn der Eingreifabschnitt und das Koppelorgan mechanisch
gekoppelt sind, sich bezogen auf die Verschieberichtung der Schienen unterscheidet.
Damit kann ein Ablauf der Schienen-Relativbewegung beim Öffnungsvorgang und/oder beim
Schließvorgang des Möbelauszugs individuell angepasst werden.
[0056] Vorzugsweise ist eine am Anlageabschnitt wirkende Ausweichkraft, die durch Anlage
des Eingreifabschnitts am Anlageabschnitt aufbringbar ist, um den Anlageabschnitt
aus seiner Wartestellung in eine Klemmstellung zu bringen, seitenabhängig in Längsrichtung
der Vorrichtung betrachtet, wobei abhängig davon, von welcher Seite der Eingreifabschnitt
sich dem Anlageabschnitt annähert, eine unterschiedlich große Kraft bzw. ein unterschiedliches
Kraftmaß zum Erreichen der Klemmstellung des Anlageabschnitts notwendig ist. Demgemäß
weist ein Anlageabschnitt zwei unterschiedliche Bereiche mit zum Beispiel unterschiedlicher
Steifigkeit gegen ein Ausfedern auf.
[0057] Die vom Eingreifabschnitt, wie z. B. dem Zapfen, mit Anlage an dem Anlageabschnitt
zu überwindende Vorspannkraft, um den Anlageabschnitt zurückzudrängen, um den gekoppelten
Zustand zwischen Koppelorgan und Eingreifabschnitt zu erreichen, ist auf einer Seite
des Koppelorgans bzw. des Anlageabschnitts größer als auf der anderen Seite des Koppelorgans
bzw. des Anlageabschnitts.
[0058] Ein Vorteil basiert darauf, dass das Koppelorgan derart ausgestaltet ist, dass ein
Maß der Vorspannkraft, welche auf den Eingreifabschnitt wirkt, wenn der Eingreifabschnitt
und das Koppelorgan mechanisch gekoppelt sind, in eine Verschieberichtung der Schienen,
durch welche die Vorrichtung sich teleskopartig verlängert, größer ist als ein Maß
der Vorspannkraft, welche auf den Eingreifabschnitt wirkt, wenn der Eingreifabschnitt
und das Koppelorgan mechanisch gekoppelt sind, in eine Verschieberichtung der Schienen,
durch welche die Vorrichtung sich teleskopartig verkürzt. Damit kann der Ablauf der
Auszugschiene und der Mittelschiene, also gemeinsam oder relativ zueinander, beim
Öffnen und beim Schließen des Möbelauszugs bei der Vorrichtung im Nutzzustand vorgegeben
werden. Damit ist im Nutzzustand der Führungsvorrichtung diese mechanisch vorteilhaft.
Unerwünschte Auszugsituationen von Schienen zueinander werden vermieden und damit
zum Beispiel ein ungewolltes Absenken der Auszug- und/oder Mittelschiene im Belastungsfall
kann vermieden oder minimiert werden.
[0059] Auch vorteilhaft ist es, wenn das Koppelorgan derart ausgestaltet ist, dass ein Maß
der Vorspannkraft, welche auf den Eingreifabschnitt wirkt, wenn der Eingreifabschnitt
und das Koppelorgan mechanisch gekoppelt sind, in eine Verschieberichtung der Schienen,
durch welche die Vorrichtung sich teleskopartig verlängert, kleiner ist als ein Maß
der Vorspannkraft, welche auf den Eingreifabschnitt wirkt, wenn der Eingreifabschnitt
und das Koppelorgan mechanisch gekoppelt sind, in eine Verschieberichtung der Schienen,
durch welche die Vorrichtung sich teleskopartig verkürzt. Damit kann der Ablauf der
Auszugschiene und/oder der Mittelschiene, also eine gemeinsame Schiebebewegung relativ
zur Korpusschiene eine Bewegung relativ zueinander, beim Öffnen und beim Schließen
des Möbelauszugs bei der Vorrichtung im Nutzzustand vorteilhaft vorgegeben werden.
Auch hierbei lassen sich unerwünschte Auszugsituationen von Schienen zueinander vermeiden.
[0060] Vorteilhafterweise weist das Koppelorgan zwei getrennte und voneinander beabstandete
Anlageabschnitte auf, die beide am Eingreifabschnitt in Anlage kommen, wenn der Eingreifabschnitt
und das Koppelorgan mechanisch gekoppelt sind. Die beiden Anlageabschnitte sind vorzugsweise
für eine definierte Klemmung des Eingreifabschnitts vorteilhaft. Die beiden Anlageabschnitte
sind vorzugsweise gegenüberliegend identisch gestaltet. Die Anlageabschnitte sind
vorzugsweise durch bogenförmige Arme gebildet, die z. B. reversibel elastische ausfederbar
sind. Die Arme sind vorzugsweise an beiden Längsenden bzw. beidseitig gelenkig gelagert,
vorzugsweise jeweils mittels eines Filmgelenks.
[0061] Es ist auch darüber hinaus vorteilhaft, dass das Koppelorgan einen Durchlassbereich
des Koppelorgans aufweist, der einen Wegabschnitt vorgibt, den der Eingreifabschnitt
bei einer Relativbewegung des Eingreifabschnitts und des Koppelorgans zurücklegt.
Damit kann die Art des Zustandekommens der Kopplung und Entkopplung und deren Stärke
z. B. deren Klemmkraft beeinflusst werden. Auch das Einkoppelverhalten und das Auskoppelverhalten
zwischen dem Eingreifabschnitt und dem Koppelorgan sind damit vorgebbar.
[0062] Der z. B. kanalartige Durchlassbereich weist vorzugsweise eine sich verändernde Breite
in Längsrichtung des Koppelorgans bzw. der betreffenden Schiene auf, bei unbelasteten
Anlageabschnitten. Der Durchlassbereich bildet vorzugsweise eine Engstelle zwischen
zwei gegenüberliegenden Bereichen der beiden Anlageabschnitte. Dort findet die Kopplung
statt, wobei der Eingreifabschnitt den ansonsten freien Zwischenbereich an der Engstelle
ausfüllt bzw. einnimmt.
[0063] Die Breite bezieht sich quer zur Schieberichtung der Schienen. Vorzugsweise sind
beidseitig des Wegabschnitts über dessen Länge die Anlageabschnitte vorhanden.
[0064] Das Koppelorgan weist demgemäß vorzugsweise einen Durchlassbereich des Koppelorgans
mit gegenüberliegenden Wandungen auf, wobei eine Wandung einen Anlageabschnitt umfasst.
Vorzugsweise bilden beide Wandungen jeweils einen Anlageabschnitt der federnd ausgebildet
ist. Der Eingreifabschnitt wie z. B. ein Zapfen wird im gekoppelten Zustand beidseitig
von je einem Anlageabschnitt beaufschlagt, insbesondere klemmend berührt. Dies erfolgt
vorzugsweise an der Engstelle.
[0065] Die Erfindung betrifft auch einen Möbelauszug mit einer Vorrichtung wie oben beschrieben.
Der Möbelauszug ist z. B. eine Schublade, an der die Führungsvorrichtung seitlich
und/oder unterhalb vorhanden ist. An einem Möbelauszug sind in der Regel zwei gleichartige
Vorrichtungen vorgesehen.
[0066] Schließlich richtet sich die Erfindung auf ein Möbel wie ein Küchen- oder Wohnmöbel
mit einem Korpus und einem Möbelauszug, der wie vorgenannt ausgebildet ist mit einer
erfindungsgemäßen Führungsvorrichtung.
Figurenbeschreibung
[0067] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung sind anhand der in den Figuren dargestellten
Ausführungsbeispiele näher erläutert. Im Einzelnen zeigt:
- Fig. 1
- ein schematisiert dargestelltes Möbel in perspektivischer Ansicht schräg von oben
mit einer daran verschieblich aufgenommenen Schublade in ausgefahrener Stellung,
- Fig. 2
- einen perspektivischen Ausschnitt einer Führungsvorrichtung mit einer transparent
dargestellten Auszugschiene, wobei eine Steueranordnung vorhanden ist,
- Fig. 3
- einen vergrößerten Ausschnitt aus Fig. 2 ohne Auszugschiene,
- Fig. 4
- einen weiteren perspektivischen Ausschnitt der Führungsvorrichtung ohne Auszugschiene
und ohne Eingreifabschnitt der Steueranordnung und
- Fig. 5
- einen perspektivischen Ausschnitt der Auszugschiene gemäß Fig. 2 mit einem Eingreifabschnitt.
[0068] Figur 1 zeigt stark schematisiert ein erfindungsgemäßes Möbel 1 in einem Nutzzustand
mit einem hohlen quaderförmigen Korpus bzw. Möbelkorpus 2 des Möbels und einem als
Schublade 3 ausgebildeten Möbelauszug, wobei die Schublade 3 am Möbelkorpus 2 verschieblich
aufgenommenen ist mit zwei gleichartigen Baueinheiten bzw. mit zwei erfindungsgemäßen
Vorrichtungen 15 zur Führung eines Möbelauszugs. Die Vorrichtungen 15 sind hier beispielhaft
als Schienen Vollauszüge 6-9 ausgebildet. Der Möbelkorpus 2 umfasst zwei gegenüberliegende
vertikale Seitenwände 4 und 5, zwischen denen die Schublade 3 über ein erfindungsgemäßes
Führungssystem mit teleskopierbaren Führungsmitteln bzw. einem ersten Schienen-Vollauszug
6 und einen zweiten Schienen-Vollauszug 7 aus einem im Inneren des Möbelkorpus 2 untergebrachten
Zustand in horizontaler Richtung aus dem Möbelkorpus 2 gemäß P1 herausziehbar und
in entgegengesetzter Richtung gemäß P2 hineinschiebbar ist. In Fig. 1 ist die Schublade
3 im maximal bzw. vollständig aus dem Inneren des Möbelkorpus 2 herausbewegten Zustand
gezeigt. Damit lässt sich nahezu ungehindert von oben auf das Stauvolumen der Schublade
3 zugreifen.
[0069] Wenn die Schublade 3 anstelle der Schienen-Vollauszüge 6, 7 jeweils ein Schienen-Teilauszug
verwendet, lässt sich die Schublade 3 im maximal weit herausbewegten Zustand nicht
so weit aus dem Inneren des Möbelkorpus 2 in Richtung P1 herausbewegen, wie dies mit
den Schienen-Vollauszüge 6, 7 gemäß der Darstellung in Fig. 1 möglich ist.
[0070] Der innen an der Seitenwand 4 angeschraubte Schienen-Vollauszug 6 befindet sich gegenüber
auf gleicher vertikaler Höhe zu dem an der Seitenwand 5 angeschraubten in Figur 1
verdeckten Schienen-Vollauszug 7, welcher gestrichelt angedeutet ist.
[0071] Im Möbelkorpus 2 ist oberhalb der Schublade 3 eine über Schienen-Vollauszüge 8 und
9 entsprechend geführte weitere Schublade unterbringbar, die in Figur 1 nicht dargestellt
ist.
[0072] Die Schublade 3 weist gegenüberliegende Schubladen-Seitenwände 10, 11 auf. Außerdem
umfasst die Schublade 3 ein Frontelement 12, eine dazu in horizontaler Richtung gegenüberliegende
Rückwand 13 und einen horizontal sich erstreckenden Schubladenboden 14, welcher an
die Schubladen-Seitenwände 10, 11, das Frontelement 12 und die Rückwand 13 heranreicht
bzw. mit diesen verbunden ist.
[0073] Fig. 2 zeigt schematisch einen vorderen Ausschnitt eines möglichen bzw. bevorzugten
Ausführungsbeispiels einer erfindungsgemäßen Vorrichtung 15.
[0074] Die Vorrichtung 15 dient zur Führung des Möbelauszugs wie z. B. der Schublade 3 relativ
zum einem Korpus 2, wobei die Vorrichtung 15 drei Schienen aufweist, umfassend eine
an dem Korpus 2 befestigbare Korpusschiene 16, eine an dem Möbelauszug anbringbare
Auszugschiene 17 und eine zwischen der Korpusschiene 16 und der Auszugschiene 17 wirkende
Mittelschiene 18, wobei die Auszugschiene 17 und die Mittelschiene 18 relativ zueinander
und relativ zur Korpusschiene 16 in die erste Schieberichtung P1 und in die zweite
Schieberichtung P2 verschieblich sind, so dass die Vorrichtung 15 sich teleskopartig
verlängert oder verkürzt bei einer Schiebebewegung der Mittelschiene 18 und/oder der
Auszugschiene 17 in eine Schieberichtung P1, P2 relativ zur Korpusschiene 16.
[0075] Eine Steueranordnung 19 ist zur Vorgabe der Relativbewegung der Schienen 16-18 zueinander
vorhanden. Die Vorrichtung 15 zur Führung des Möbelauszugs ist nachfolgend auch als
Führungsvorrichtung 15 bezeichnet.
[0076] Die Steueranordnung 19 ist zwischen den zwei benachbarten Schienen 17 und 18 ausgebildet.
Die Steueranordnung 19 weist einen Eingreifabschnitt 20 an der Auszugschiene 17 und
ein Koppelorgan 21 an der Mittelschiene 18 auf.
[0077] Mit der Steueranordnung 19 wird erreicht, dass abhängig von der Position der beiden
Schienen 17 und 18 zueinander ein gekoppelter Zustand des Eingreifabschnitts 20 und
des Koppelorgans 21 existiert. Außerdem existiert ein entkoppelter Zustand des Eingreifabschnitts
20 und des Koppelorgans 21, in welchem der Eingreifabschnitt 20 vollständig vom Koppelorgan
21 separiert ist. Im gekoppelten Zustand von Eingreifabschnitt 20 und Koppelorgan
21 sind der Eingreifabschnitt 20 und ausweichbar gelagerte Anlageabschnitte 22, 23
des Koppelorgans 21 aneinandergedrückt, so dass eine der Schienen 17, 18 bei einer
Verschiebebewegung in eine Schieberichtung die andere Schiene in die Schieberichtung
mitnimmt. Die Anlageabschnitte 22, 23 sind gegenüberliegend und lassen einen kanalförmigen
Bereich 24 als Abstand zwischen sich frei. Damit wird der Eingreifabschnitt 20, der
hier beispielhaft zapfenförmig zum Beispiel mit zylindrischer Außenform ausgebildet
ist, im gekoppelten Zustand von Eingreifabschnitt 20 und Koppelorgan 21 geklemmt gehalten
von den beiden Anlageabschnitten 22, 23. Die Figuren 2 und 3 zeigen keinen gekoppelten
Zustand von Eingreifabschnitt 20 und Koppelorgan 21, sondern einen entkoppelten Zustand
von Eingreifabschnitt 20 und Koppelorgan 21, wobei der Eingreifabschnitt 20 geringfügig
vom geklemmten bzw. gekoppelten Zustand entfernt ist. Die Anlageabschnitte 22, 23
befinden sich in einer vom Eingreifabschnitt 20 unbeaufschlagten Wartestellung. Der
Abstand der ausweichbaren Anlageabschnitte 22, 23 an einer Engstelle 28 des Bereichs
24, also zwischen einem jeweils zum anderen Anlageabschnitt vorstehenden Teilstück
der Anlageabschnitte 22, 23, ist etwas geringer als ein Außenmaß bzw. ein Außendurchmesser
des hier beispielhaft zylindrischen Eingreifabschnitts 20.
[0078] Die beiden Anlageabschnitten 22, 23 sind hier vorzugsweise gleichartig federnd ausweichbar
ausgestaltet, vorzugsweise beide in eine Richtung P3, P4 quer zur Richtung P1 federnd
ausweichbar (s. Fig. 3).
[0079] Das Koppelorgan 21 kann alternativ auch z. B. genau einen feststehenden Anlageabschnitt
und nur genau einen gegenüberliegenden federnd ausweichbaren Anlageabschnitt aufweisen.
[0080] Demgemäß wird im gekoppelten Zustand von Eingreifabschnitt 20 und Koppelorgan 21
beim Herausbewegen der Auszugschiene 17 aus dem zusammengeschobenen Zustand der Schienen
16-18 in Richtung P1, also wenn vorher der Möbelauszug am Möbelkorpus 2 eingefahren
bzw. im Inneren des Möbelkorpus 2 vollständig untergebracht ist, die Mittelschiene
18 von der Auszugschiene 17 mitgenommen. Die Mittelschiene 18 löst sich von der Korpusschiene
16 bzw. bewegt sich relativ zur Korpusschiene 16, wobei die Führungsvorrichtung 15
sich teleskopartig verlängert. Am Ende der Herausziehbewegung des Möbelauszugs 3,
wenn dessen am Möbelkorpus 2 vollständig geöffneter Zustand gemäß Fig. 1 erreicht
wird, ist ein oben offenes Stauvolumen des Möbelauszugs 3 zugänglich für den Nutzer.
[0081] Im mechanisch gekoppelten Zustand des Eingreifabschnitts 20 und des Koppelorgans
21 sind die Anlageabschnitt 22, 23 des Koppelorgans 21 mit einer vorgegebenen Vorspannkraft
vorgespannt in Richtung des Eingreifabschnitts 20. Die Vorspannkraft wirkt entgegen
der Richtung P3 durch den Anlageabschnitt 22 und entgegen der Richtung P4 durch den
Anlageabschnitt 23 (s. Fig. 3). Der Eingreifabschnitt 20 ist an der Engstelle 28 zwischen
den Anlageabschnitten 22, 23 geklemmt gehalten gemäß dem gekoppelten Zustand.
[0082] Wenn die von der Auszugschiene 17 in Richtung P1 mitgenommene Mittelschiene 18 vollständig
relativ zur Korpusschiene 16 ausgezogen ist, anstehend an zum Beispiel einem Anschlag
an der Korpusschiene 16, wird durch weiteres Ziehen am Möbelkorpus 3 in Richtung P1,
gegebenenfalls unterstützt durch die Eigendynamik des Möbelauszugs 3, der Eingreifabschnitt
20 relativ zum Koppelorgan 21 an der stehenden Mittelschiene 18 in Richtung P1 bewegt,
so dass der Eingreifabschnitt 20 die klemmenden Bereiche der Anlageabschnitte 22,
23 an der Engstelle 28 nach außen wegdrückt und so eine Lösekraft bereitgestellt wird,
die vom Eingreifabschnitt 20 entgegen der Vorspannkraft an den Anlageabschnitten 22,
23 in der Engstelle wirkt, die Anlageabschnitte 22, 23 quer zur Richtung P1 ausweichen
in Richtung P3 und P4, was zu einem Aufheben des Koppelzustands zwischen dem Eingreifabschnitt
20 und dem Koppelorgan 21 führt. Die beiden Schienen 17 und 18 sind voneinander entkoppelt
und die Auszugschiene 17 samt Möbelauszug 3 kann weiter in Richtung P1 relativ zur
Mittelschiene 18 ausgezogen werden bis in die maximal weite herausgezogene Stellung
gemäß Fig. 1.
[0083] Je nach Ausgestaltung der Anlageabschnitte 22, 23 ist die Vorspannkraft, mit welcher
die beiden Anlageabschnitte 22, 23 in Richtung des Eingreifabschnitts 20 vorgespannt
sind, vorgebbar.
[0084] Vorzugsweise ist der Eingreifabschnitt 20 einem separaten Bauteil 25 zugehörig mit
einem Stecker 26, an dem der Eingreifabschnitt 20 abstehend ausgestaltet ist. Der
Stecker 26 und eine Ausnehmung 27, die an der Auszugschiene 17 in einem in Längsrichtung
der Auszugschiene 17 vorzugsweise vorderen oberseitigen Schienenabschnitt vorhanden
ist, sind aufeinander passend abgestimmt ausgebildet, so dass das Bauteil 25 an der
Auszugschiene 17 vorzugsweise lösbar ansteckbar bzw. z. B. nachträglich anbringbar
ist.
[0085] Die Anlageabschnitte 22, 23 des Koppelorgans 21 sind federnd ausweichbar am Koppelorgan
21 vorhanden. Beide Anlageabschnitte 22, 23 sind jeweils vorzugsweise als schmaler
länglicher Materialbereich wie zum Beispiel als Federarm ausgestaltet. Jeder Materialbereich
ist endseitig an beiden Enden angebunden an einem Grundkörper 21a des Koppelorgans
21 und dazwischen frei vom Grundkörper 21a, vorzugsweise unterseitig frei bzw. getrennt
vom Grundkörper 21a bzw. vom restlichen Koppelorgan 21. Damit bildet jeder Anlageabschnitt
22, 23 jeweils eine Federbrücke, die rückstellend ausfedert in Richtung P3 bzw. P4
und wieder zurück. Das Koppelorgan 21 ist vorzugsweise ebenfalls als separates Bauteil
zum lösbaren Anstecken an der betreffenden Schiene bzw. einer dazu passenden Ausnehmung
einer Oberseite der Mittelschiene 18 ausgebildet.
[0086] In Richtung P1 wirken beim Annähern bzw. Einfahren des Eingreifabschnitts 20 in den
Bereich 24 bzw. die Engstelle 28 in Längsrichtung der Vorrichtung 15 bzw. der Mittelschiene
18, andere Federkräfte von den Anlageabschnitten 22, 23 auf den Eingreifabschnitt
20 und damit auch andere Klemmkräfte und damit auch Lösekräfte zum Lösen des geklemmten
Eingreifabschnitts 20 an den Anlageabschnitten 22, 23 als beim Einfahren des Eingreifabschnitts
20 in Richtung P2 zur Engstelle 28 hin.
[0087] Damit ist ein richtungsabhängiges Ausweich- und Kraftverhalten der Anlageabschnitte
22 und 23 gegeben. Das unterschiedliche Verhalten der Steueranordnung 19 beim Schließen
des Möbelauszugs zum Erreichen der Kraftspitze und damit zum Lösen des Koppelzustands
bedeutet, dass weniger Kraft in eine Richtung als in die andere Richtung zum Überwinden
des Koppelzustandes nötig ist. Hierzu weisen die Anlageabschnitte 22, 23 jeweils zwei
unterschiedlich gewinkelte bzw. dimensionierte Längsabschnitte auf. Die Längsabschnitte
umfassen einerseits einen von der Engstelle 28 in Richtung P1 längeren flacher angewinkelten
Längsabschnitt 29 und einen von der Engstelle 28 in Richtung P2 kürzeren steiler angewinkelten
Längsabschnitt 30.
[0088] Wird ausgehend von der teleskopisch zusammengeschobenen Vorrichtung 15 die zum Beispiel
in Fig. 3 nicht gezeigte Auszugschiene 17 in die Öffnungsrichtung P1 herausgezogen,
gelangt der an der Auszugschiene 17 vorhandene Eingreifabschnitt 20 an gegenüberliegenden
Bereichen 22a und 23a der Anlageabschnitte 22 und 23 in Kontakt, wobei diese nur so
weit nach außen ausfedern, dass der Eingreifabschnitt 20 in der Engstelle 28 zwischen
den Anlageabschnitten 22 und 23 geklemmt gehalten wird, wobei die Auszugschiene 18
über die Steueranordnung 19, also mittels dem geklemmt gehaltenen Eingreifabschnitt
20 die Mittelschiene 18 in Richtung P1 mitnimmt. Wenn die Mittelschiene 18 vollständig
bzw. maximal zur Korpusschiene 16 verschoben ist, durch z. B. ein Anstoßen an einem
Anschlag an der Korpusschiene 16, ist die Mittelschiene 18 positionsfest relativ zur
Korpusschiene 16. Bei einem weiteren Ausziehen der Auszugschiene 17, durch äußere
Krafteinwirkung eines Nutzers durch weiteres Ziehen an dem Möbelauszug in Richtung
P1, erhöht sich die Kraft, die vom Eingreifabschnitt 20 gegen die Federkräfte der
beiden Anlageabschnitte 22, 23 an der Engstelle 28 klemmend außenseitig auf gegenüberliegende
Seiten am Eingreifabschnitt 20 wirken. Wenn die Kraft vom Eingreifabschnitt 20 weiter
ansteigt und ein Maß gemäß einer Lösekraft erreicht, weichen die beiden Anlageabschnitte
22 und 23 gemeinsam bzw. gleichzeitig nach außen aus in Richtung P3 und P4 (s. Fig.
3).
[0089] Der Eingreifabschnitt 20 rutscht im Bereich 24 an der Engstelle 28 vorbei in Richtung
P1, so dass die Auszugschiene vollständig ausgezogen wird in Richtung P1. Der Möbelauszug
wird vollständig geöffnet bzw. am Korpus ausgefahren, bis z. B. was Fig. 1 zeigt,
der Möbelauszug bzw. die Schublade 3 ihre vollständig offene Endstellung am Möbel
1 erreicht. Die Auszugschiene 17 steht dabei zum Beispiel an einem Anschlag an der
Mittelschiene 18 an.
[0090] Beim Schließen des Möbelauszugs in Richtung P2 erreicht der Eingreifabschnitt 20
gegenüberliegende Bereiche 22b und 23b der Anlageabschnitte 22 und 23 und kommt mit
diesen in Kontakt. Dabei wirken im Vergleich zu den Bereichen 22a und 23a andere zum
Beispiel geringere Federkräfte auf den Eingreifabschnitt 20 aufgrund der Winkligkeit
bzw. Länge der Bereiche 22b und 23b, so dass der Eingreifabschnitt 20 zum Beispiel
leichter bzw. mit geringerer Kraft die beiden Anlageabschnitte 22 und 23 nach außen
in Richtung P3, P4 wegdrückt und durch die Engstelle 28 hindurchkommt, also nicht
oder nur kurzzeitig dort geklemmt gehalten wird. Die Auszugschiene 17 fährt also beim
Einfahren an der ausgefahren stehenbleibenden Mittelschiene 18 vorbei und erst nach
Erreichen eines an der Mittelschiene 18 vorhandenen bzw. wirkenden Einfahranschlags
für die Auszugschiene 17 wird die Mittelschiene 18 von der Auszugschiene 17 mitgenommen,
bis beide Schienen 17 und 18 gemeinsam zur Korpusschiene 16 verfahren und die komplett
eingefahrene Stellung am Möbel 1 erreichen.
Bezugszeichenliste
[0091]
- 1
- Möbel
- 2
- Möbelkorpus
- 3
- Schublade
- 4
- Seitenwand
- 4a
- Innenseite
- 5
- Seitenwand
- 6
- Schienen-Vollauszug
- 7
- Schienen-Vollauszug
- 8
- Schienen-Vollauszug
- 9
- Schienen-Vollauszug
- 10
- Schubladen-Seitenwand
- 11
- Schubladen-Seitenwand
- 12
- Frontelement
- 13
- Rückwand
- 14
- Schubladenboden
- 15
- Vorrichtung
- 16
- Korpusschiene
- 17
- Auszugschiene
- 18
- Mittelschiene
- 19
- Steueranordnung
- 20
- Eingreifabschnitt
- 21
- Koppelorgan
- 21a
- Grundkörper
- 22
- Anlageabschnitt
- 22a, 22b
- Bereich
- 23
- Anlageabschnitt
- 23a, 23b
- Bereich
- 24
- Bereich
- 25
- Bauteil
- 26
- Stecker
- 27
- Ausnehmung
- 28
- Engstelle
- 29
- Längsabschnitt
- 30
- Längsabschnitt
1. Vorrichtung (15) zur Führung eines Möbelauszugs (3) relativ zu einem Korpus (2), wobei
die Vorrichtung (15) drei Schienen aufweist, umfassend eine an dem Korpus befestigbare
Korpusschiene (16), eine an dem Möbelauszug (3) anbringbare Auszugschiene (17) und
eine zwischen der Korpusschiene (16) und der Auszugschiene (17) wirkende Mittelschiene
(18), wobei die Auszugschiene (17) und die Mittelschiene (18) relativ zueinander und
relativ zur Korpusschiene (16) in eine erste Schieberichtung und in eine zweite Schieberichtung
verschieblich sind, so dass die Vorrichtung (15) sich teleskopartig verlängert oder
verkürzt bei einer Schiebebewegung der Mittelschiene (18) und/oder der Auszugschiene
(17) in eine Schieberichtung relativ zur Korpusschiene (16), wobei eine Steueranordnung
(19) zur Vorgabe der Relativbewegung der Schienen (16-18) zueinander vorhanden ist,
dadurch gekennzeichnet, dass die Steueranordnung (19) zwischen zwei benachbarten Schienen (16-18) ausgebildet
ist, wobei die Steueranordnung (19) einen Eingreifabschnitt (20) an einer Schiene
und ein Koppelorgan (21) an der anderen Schiene derart aufweist, dass abhängig von
der Position der beiden Schienen zueinander ein gekoppelter Zustand des Eingreifabschnitts
(20) und des Koppelorgans (21) existiert und ein entkoppelter Zustand des Eingreifabschnitts
(20) und des Koppelorgans (21) existiert, in welchem der Eingreifabschnitt (20) vollständig
vom Koppelorgan (21) separiert ist, und wobei in einem gekoppelten Zustand von Eingreifabschnitt
(20) und Koppelorgan (21) der Eingreifabschnitt (20) und ein ausweichbar gelagerter
Anlageabschnitt (22, 23) des Koppelorgans (21) aneinandergedrückt sind, so dass eine
Schiene bei einer Verschiebebewegung in eine Schieberichtung die andere Schiene in
die Schieberichtung mitnimmt.
2. Vorrichtung nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Steueranordnung (19) zwischen der Korpusschiene (16) und der Mittelschiene (18)
ausgebildet ist, wobei die Steueranordnung (19) einen Eingreifabschnitt (20) an einer
Schiene und ein Koppelorgan (21) an der anderen Schiene derart aufweist, dass abhängig
von der Position der beiden Schienen zueinander ein gekoppelter Zustand des Eingreifabschnitts
(20) und des Koppelorgans (21) existiert und ein entkoppelter Zustand des Eingreifabschnitts
(20) und des Koppelorgans (21) existiert, in welchem der Eingreifabschnitt (20) vollständig
vom Koppelorgan (21) separiert ist, und wobei in einem gekoppelten Zustand von Eingreifabschnitt
(20) und Koppelorgan (21) der Eingreifabschnitt (20) und ein ausweichbar gelagerter
Anlageabschnitt (22, 23) des Koppelorgans (21) aneinandergedrückt sind, so dass die
Mittelschiene (18) positionsfest relativ zur Korpusschiene (16) ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass im mechanisch gekoppelten Zustand des Eingreifabschnitts (20) und des Koppelorgans
(21) der Anlageabschnitt (22, 23) des Koppelorgans (21) mit einer vorgegeben Vorspannkraft
vorgespannt ist in Richtung des Eingreifabschnitts (20), so dass bei Erreichen einer
Lösekraft, die vom Eingreifabschnitt (20) entgegen der Vorspannkraft am Anlageabschnitt
(22, 23) wirkt, der Anlageabschnitt (22, 23) ausweicht und zu einem Aufheben des Koppelzustands
zwischen dem Eingreifabschnitt (20) und dem Koppelorgan (21) führt, wobei die beiden
Schienen voneinander entkoppelt relativ zueinander verschiebbar sind.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Steueranordnung (19) zwischen der Mittelschiene (18) und der Auszugschiene (17)
ausgebildet ist.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Steueranordnung (19) zwischen der Korpusschiene (16) und der Mittelschiene (18)
ausgebildet ist.
6. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anlageabschnitt (22, 23) des Koppelorgans (21) federnd ausweichbar am Koppelorgan
(21) vorhanden ist.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anlageabschnitt (22, 23) des Koppelorgans (21) in einer Richtung quer zu einer
Längsrichtung der Schienen (16-18) federnd ausweichbar ist.
8. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Eingreifabschnitt (20) einem separaten Bauteil (25) zugehörig ist, welches mit
einer Schiene (16-18) durch eine Steckverbindung verbunden ist.
9. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Koppelorgan (21) einem separaten Bauteil zugehörig ist, welches mit einer Schiene
(16-18) durch eine Steckverbindung verbunden ist.
10. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine am Anlageabschnitt (22, 23) wirkende Ausweichkraft, die durch Anlage des Eingreifabschnitts
(20) am Anlageabschnitt (22, 23) aufbringabr ist, um den Anlageabschnitt (22, 23)
aus seiner Wartestellung in eine Klemmstellung zu bringen, seitenabhängig ist in Längsrichtung
der Vorrichtung (15) betrachtet, wobei abhängig davon, von welcher Seite der Eingreifabschnitt
(20) sich dem Anlageabschnitt (22, 23) annähert, eine unterschiedlich große Kraft
zum Erreichen der Klemmstellung des Anlageabschnitts (22, 23) notwendig ist.
11. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Koppelorgan (21) derart ausgestaltet ist, dass ein Maß der Vorspannkraft, welche
auf den Eingreifabschnitt (20) wirkt, wenn der Eingreifabschnitt (20) und das Koppelorgan
(21) mechanisch gekoppelt sind, in eine Verschieberichtung der Schienen (16-18), durch
welche die Vorrichtung (15) sich teleskopartig verlängert, größer ist als ein Maß
der Vorspannkraft, welche auf den Eingreifabschnitt (20) wirkt, wenn der Eingreifabschnitt
(20) und das Koppelorgan (21) gekoppelt sind, in eine Verschieberichtung der Schienen
(16-18), durch welche die Vorrichtung (15) sich teleskopartig verkürzt.
12. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Koppelorgan (21) derart ausgestaltet ist, dass ein Maß der Vorspannkraft, welche
auf den Eingreifabschnitt (20) wirkt, wenn der Eingreifabschnitt (20) und das Koppelorgan
(21) mechanisch gekoppelt sind, in eine Verschieberichtung der Schienen (16-18), durch
welche die Vorrichtung (15) sich teleskopartig verlängert, kleiner ist als ein Maß
der Vorspannkraft, welche auf den Eingreifabschnitt (20) wirkt, wenn der Eingreifabschnitt
(20) und das Koppelorgan (21) mechanisch gekoppelt sind, in eine Verschieberichtung
der Schienen (16-18), durch welche die Vorrichtung (15) sich teleskopartig verkürzt.
13. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Koppelorgan (21) zwei getrennte und voneinander beabstandete Anlageabschnitte
(22, 23) aufweist, die beide am Eingreifabschnitt (20) in Anlage kommen, wenn der
Eingreifabschnitt (20) und das Koppelorgan (21) mechanisch gekoppelt sind.
14. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Koppelorgan (21) einen Durchlassbereich (24) des Koppelorgans (21) aufweist,
der eine Wegabschnitt vorgibt, den der Eingreifabschnitt (20) bei einer Relativbewegung
des Eingreifabschnitts (20) und des Koppelorgans (21) zurücklegt.
15. Möbelauszug (3) mit einer Vorrichtung (15) nach einem der vorhergehenden Ansprüche.
16. Möbel (1) mit einem Korpus (2) und einem Möbelauszug (3) nach Anspruch 15.