[0001] Die Erfindung betrifft ein Formteil, bestehend aus einem flächigen Fasermaterial,
in das aus einer Ebene des Fasermaterials auskragende Konturelemente mittels eines
Kompressionsziehverfahrens eingeformt sind. Bei dem Kompressionsziehverfahren ist
das Fasermaterial während des Kompressionsziehens in einem mit einer Kraft beaufschlagten
Faltenhalter geklemmt und wird in einen Ziehspalt zwischen einer Ziehbüchse und einem
Stempel, deren Querschnitte der Querschnittsform des Konturelements entsprechen, eingezogen.
Das Spaltmaß des Ziehspalts ist dabei kleiner als die Stärke des Fasermaterials, sodass
es in dem Ziehspalt zur Kompression des Fasermaterials im Bereich der im Ziehspalt
gebildeten Wand der Konturelemente kommt. Das flächige Fasermaterial ist durch das
Kompressionsziehverfahren insbesondere dreidimensional umgeformt. Die Konturelemente
werden nachfolgend auch als Vertiefung oder Formvertiefung bezeichnet.
[0002] Die Erfindung betrifft weiterhin ein Polstermittel und eine Kernschicht eines Sandwichmaterials,
jeweils umfassend das Formteil. Die Erfindung betrifft zudem ein Verfahren zur Herstellung
eines Formteils, bestehend aus einem flächigen Fasermaterial, in das Konturelemente
mittels eines Kompressionsziehverfahrens dreidimensional eingeformt werden, gelöst.
Bei dem Kompressionsziehverfahren wird das Fasermaterial während des Kompressionsziehens
in einem mit einer Kraft beaufschlagten Faltenhalter geklemmt und in einen Ziehspalt
zwischen einer Ziehbüchse und einem Stempel, deren Querschnitte der Querschnittsform
des Konturelements entsprechen, eingezogen. Dabei ist das Maß des Ziehspalts kleiner
als die Stärke des Fasermaterials, sodass es in dem Ziehspalt zur Kompression des
Fasermaterials kommt.
[0003] Die Druckschrift
DE 10 2014 106 427 A1 beschreibt ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung dreidimensionaler Formteile
aus einer Bahn eines flächigen, plastisch verformbaren Faserwerkstoffs durch Tiefziehen
mit einem Stempel und einer zugehörigen Matrize. Dabei soll ein hohes Umformverhältnis
erreicht werden. Hierzu bleibt der runde, rechteckige, ovale oder unregelmäßige Zuschnitt
für das Formteil beim Tiefziehen mit der Bahn aus Faserwerkstoff über wenigstens einen
Steg verbunden und wird im Übrigen durch wenigstens einen Entlastungsschnitt aus der
Bahn gelöst, wobei ein Umformverhältnis als Verhältnis von Durchmesser und Tiefe größer
als 0,2 realisierbar ist. Durch den Entlastungsschnitt wird die Verformung erleichtert,
jedoch auch die Stabilität der Bahn vermindert, sodass diese Belastungen nicht mehr
ohne weiteres aufnehmen kann.
[0004] Auch aus der Druckschrift
WO 2016/155710 sind eine Vorrichtung und ein Verfahren zum dreidimensionalen Umformen eines flächigen
Fasermaterials unter Einsatz eines Kompressionsziehverfahrens bekannt, wobei eine
kontinuierliche Arbeitsweise vorgesehen ist. Dort wird aber der Zuschnitt aus dem
flächigen Fasermaterial bereits vor dem Einsatz des Kompressionsziehverfahrens herausgetrennt,
sodass keine Stabilisierung eines flächigen Fasermaterials erfolgen kann und dieses
nur als Abfallstreifen zurückbleibt.
[0005] Aus der Druckschrift
DE 18 63 549 U1 ist eine Faltschachtel in geklebter und flachlegbarer und in einem Abpackautomaten
aufrichtbarer Form, ausgebildet aus einem bedruckbaren Pappzuschnitt mit einer Polstereinlage,
bekannt. Die Polstereinlage besteht aus mindestens einer einfach oder doppelt ausgebildeten
Kaschierung in Form einzelner und/oder durchgehender, jedoch die Faltkanten nicht
senkrecht kreuzender Prägungen. Die einzelnen Prägungen sind waben- oder punktförmig
ausgebildet. Der bedruckbare Pappzuschnitt mit einer Polsterauflage besteht aus einer
einfach oder doppelt ausgebildeten Kaschierung in Form einzelner und/oder durchgehender,
jedoch zueinander versetzter Prägungen. Die Prägungen sind wechselseitig nach beiden
Seiten aus der Papierebene herausgeprägt. Allerdings weisen die Prägungen in der Regel
nur eine geringe Tiefe auf (häufig ca. 1 mm), sodass die Anwendung ebenso wie die
erzielbaren Effekte begrenzt sind.
[0006] Die Druckschrift
DE 197 58 126 A1 offenbart eine Faltschachtel mit einer Unterteilung zur Aufnahme rohrförmiger Elemente,
die zudem Lochungen aufweist. Diese werden durch die Unterteilung voneinander getrennt,
in aufrechter Position gehalten und können der Schachtel nach oben hin entnommen werden.
Kopf- und Bodenwandung der Faltschachtel bestehen jeweils aus mehreren übereinander
angeordneten Schichten von Verschlussklappen, wovon mindestens eine Schicht Verformungen
senkrecht zu ihrer Fläche und/oder mindestens eine aus einer Verschlussklappe gebildete
zweischichtige Schicht, wovon zumindest eine Schicht Verformungen senkrecht in ihrer
Fläche aufweist, enthält. Zumindest die jeweils äußere Schicht von Kopf- und Bodenwandung
ist mit der unterhalb dieser liegenden Schicht verbunden. Die Verformungen senkrecht
zu ihrer Fläche aufweisende Verschlussklappe entfaltet eine stoßdämpfende Wirkung.
Sind die Schichten von Kopf- bis Bodenwandung ganzflächig miteinander verklebt, weisen
Kopf- und/oder Bodenwandung hohe Festigkeiten auf, welche unter Druck über Rückverformung
der Verformungen aufweisenden Schichten verhältnismäßig viel Energie aufnehmen können.
Bei nur teilflächiger Verklebung der jeweils äußeren Schicht von Kopf- und/oder Bodenwandung
mit der jeweils hierunter liegenden Schicht hingegen sind mehrere Schichten von Kopf-
und/oder Bodenwandung der Faltkartonschachtel gegeneinander beweglich, sodass sich
eine verhältnismäßig hohe Federwirkung ergibt. Die Bildung der Verformungen senkrecht
zur Fläche der Schichten erfolgt mittels Druckverformung, vorzugsweise Prägung. Prägungen
weisen jedoch in der Regel nur eine geringe Tiefe auf, sodass auch in diesem Fall
die Anwendung sowie die erzielbaren Effekte begrenzt sind.
[0007] Weiterhin offenbart der Stand der Technik verschiedene Produkte aus Papier, die dem
Oberbegriff der vorliegenden Erfindung entsprechen. Bekannt ist Wellpappe als eine
verwandte Anwendung, die jedoch durch die Wellenbahn nur linienartig mit Decklagen
verbunden werden kann. Daher wird klebstofffreie Wellpappe kaum eingesetzt und das
Energieaufnahmevermögen, besonders orthogonal zum Bahnverlauf, ist begrenzt. Riffelbahnen
in Zickzackmuster können keine gezielte Umformenergie freisetzen und nur begrenzt
an das zu schützende Produkt in einer Verpackung angepasst werden. Sogenanntes Noppenpapier
wird durch einen Prägevorgang erzeugt und ermöglicht nur sehr geringe Formvertiefungen,
ohne das Papier zu zerstören. Alle vorstehend benannten Konzepte sind nicht für eine
gezielte Steuerung der Verformungsenergie über den Verformungsweg geeignet.
[0008] Es sind auch Sandwichverbunde mit einer Kernschicht aus Papier bekannt. Kernschichten
solcher Sandwichverbunde werden im Verpackungsbereich z. B. bei Wellpappe eingesetzt,
wobei als Endprodukt zweiseitig kaschierte Wellpappe, auch mit mehreren Kernschichten,
resultiert. Auch im Bereich des Innenausbaus, des Möbelbaus und des Messebaus werden
Papierwabenkerne als Kernschicht leichter Sandwichplatten eingesetzt. Der mehrschichtige
Aufbau und insbesondere die Herstellung von Wabenkernen als Kernschicht sind mit erhöhtem
Aufwand verbunden.
[0009] Produkte aus Kunststoffen, beispielsweise in Form von Polstermittel aus synthetischen
Kunststoffen, erreichen eine Posterwirkung durch ihre Elastizität, sind jedoch vor
dem Hintergrund des Kunststoffrecyclings für derartige Anwendung zunehmend unerwünscht.
[0010] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein auf einfache Weise aus einer
Bahn eines Faserwerkstoffs herzustellendes flächiges Halbzeug anzubieten, das durch
eine dreidimensionale Formung eine erhöhte Stabilität erhält.
[0011] Die Aufgabe wird gelöst durch ein Formteil, bestehend aus einem, insbesondere dreidimensional
umgeformten, flächigen Fasermaterial, in das aus einer Ebene des Fasermaterials auskragende
Konturelemente mittels eines Kompressionsziehverfahrens eingeformt sind. Bei dem Kompressionsziehverfahren
ist das Fasermaterial während des Kompressionsziehens in einem mit einer definierten
Kraft beaufschlagten Faltenhalter geklemmt und wird in einen Ziehspalt zwischen einer
Ziehbüchse und einem Stempel, die die Querschnittsform des Konturelements aufweisen
bzw. dieser entsprechen, eingezogen. Das Spaltmaß des Ziehspalts ist dabei kleiner
als die Stärke des Fasermaterials, sodass es in dem Ziehspalt zur Kompression des
Fasermaterials im Bereich der Wand des Formteils kommt. Dies stellt die Besonderheit
des Kompressionsziehens dar. Die Kompression des Fasermaterials im Bereich der Wand,
auf die die Bezeichnung des Verfahrens zurückgeht, führt zu einer erhöhten Festigkeit
der Wand und darüber hinaus zur kontrollierten Faltenbildung, bei der die Falten insbesondere
in die Wand eingepresst, zur weiteren Erhöhung der Festigkeit führen und zudem kaum
noch sichtbar sind. Nach der Erfindung weist das Formteil eine Vielzahl von Konturelementen
auf und diese bleiben mit dem umgebenden Fasermaterial zumindest teilweise verbunden.
[0012] Nach einer vorteilhaften Ausführungsform ist das Formteil bereits vor dem Kompressionsziehen
aus dem flächigen Fasermaterial mittels eines Entlastungsschnitts teilweise herausgetrennt,
d. h. es ist auch noch mit dem Fasermaterial teilweise verbunden. Dadurch werden beim
Kompressionsziehen die auf das Fasermaterial wirkenden Zugkräfte vermindert und auch
bei Fasermaterial geringerer Festigkeit die Ausbildung von Rissen vermieden. Der bevorzugte
Entlastungsschnitt folgt der Kontur des Konturelements. Besonders bevorzugt werden
mehrere kürzere Entlastungsschnitte in das Fasermaterial konzentrisch um die Kontur
herum eingebracht. Die Konturelemente sind beispielsweise in Form einer Halbkugel,
eines Zylinders, eines Kegels, einer Pyramide oder eines Kegelstumpfs ausgebildet.
[0013] Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn das von der Ebene des Fasermaterials abgewandte
Ende der Konturelemente eine Abplattung aufweist, sodass eine Fläche für die verbesserte
Verklebung mit einer flachen, ungeformten Bahn Fasermaterial entsteht. Anstelle der
Verklebung kann die Verbindung auch auf andere Weise klebstofffrei erfolgen.
[0014] Vorteile verspricht auch ein Formteil, bei dem ein Radius R1 an einem Übergang zwischen
der Ebene des Fasermaterials und dem Konturelement, ebenso ein Radius R2 zwischen
der Wand des Konturelements und dessen Abplattung, vorhanden sind und einen Stauchwiderstand
in der Weise beeinflussen, dass ein kleinerer Radius einen vergrößerten Stauchwiderstand
des Konturelements hervorruft. Dieser Effekt kann bei einem Polstermittel, das Stöße
abfängt, genutzt werden, um die Eigenschaften zielgerichtet anzupassen. Entsprechendes
gilt, wenn das Formteil als Kernschicht eines Sandwichmaterials eingesetzt wird. Dabei
ist die Steifigkeit des Formteils bzw. einer Kombination mehrerer Formteile und Decklagen
von Interesse.
[0015] Vorteilhaft ist außerdem ein Winkel von 90° an dem Übergang zwischen der Ebene des
Fasermaterials und dem Konturelement, alternativ oder ebenfalls ein Winkel von 90°
zwischen der Wand des Konturelements und dessen Boden. Damit wird eine Steifigkeit
in der Weise beeinflusst, dass der Winkel von 90° die größte Steifigkeit der Wand
des Konturelements hervorruft. Hierbei zeigt sich einer der Vorteile des Kompressionsziehens,
denn nur durch Kompressionsziehverfahren können kostengünstige Materialien wie einfache
Faserwerkstoffe, z. B. Karton, Papier oder Pappe, mit 90° Wandwinkel bei relativ hohem
Umformgrad erzeugt werden. Um auch Material in den Ziehspalt einziehen zu können,
das eine geringere Zugfestigkeit aufweist, sind in das Material eingebrachte Entlastungsschnitte
in der Umgebung des Konturelements notwendig.
[0016] Eine vorteilhafte Ausführungsform sieht eine Decklage vor und es erfolgt die Verbindung
des Formteils im Bereich des von der Ebene des Fasermaterials abgewandten Endes der
Konturelemente mit einer Decklage.
[0017] Ein weiterer Aspekt betrifft ein Polstermittel, umfassend ein Formteil, wie zuvor
beschrieben. Nach einer vorteilhaften Ausführungsform kann die Anordnung und die Kombination
der Konturelemente so erfolgen, dass eine gezielte Rückfederwirkung erreicht wird
und der elastische Energieanteil vergleichsweise hoch ist, um erneute Belastungen
aufzunehmen. Daneben erfolgt dies durch die Einstellung des Winkels zwischen der Ebene
des Fasermaterials und der Wand des Konturelements.
[0018] Entsprechendes gilt für den Radius zwischen dem Fasermaterial und der Wand des Konturelements
sowie, wenn vorhanden, den Radius zwischen der Wand des Konturelement und der Abplattung.
[0019] Eine Papierbahn mit Konturelementen löst die Polsteraufgabe durch Umleitung der auftretenden
Beanspruchungen in gezielte Spannungszustände in den Konturelementen. Die Konturelemente
(z. B. in Näpfchenform) sind derart gestaltet, dass die Übergangsradien von Bahn des
Fasermaterials in das Konturelement und von Wand zu Boden des Konturelements, die
Form der Wand, die Abstände der Radien zueinander sowie versteifende Sicken und Längsrillen
ein gezieltes, ertragbares Energieniveau je Element ergeben, was bei Verformung freigesetzt
wird.
[0020] Da zur Umformung das Kompressionsziehverfahren angewendet wird, ist eine besonders
flexible Einstellung der Festigkeit insbesondere der Wand der Konturelemente und mit
dieser einhergehend der Polsterwirkung möglich. Insbesondere bei Einsatz einer Faltenhaltersteuerung,
die die Kraftwirkung des Faltenhalters auf das flächige Fasermaterial steuert, ist
die Faltenbildung in der Wand steuerbar und damit werden mittelbar auch Festigkeit
bzw. Polsterwirkung einstellbar. Neben diesem Effekt ist als weiterer Vorteil des
Kompressionsziehen die Kompression der Falten in der Wand zu nennen, wodurch eine
optisch ansprechende Oberfläche der ansonsten faltigen Wand erzielt werden kann.
[0021] Das Kompressionsziehen ermöglicht den Einsatz der Erfindung als Polstermittel für
Produkte höherer Wertschöpfung. In diesem Zusammenhang besteht die Herausforderung
darin, durch Energieaufnahme in Form von Verformungsarbeit eine ähnliche Polsterwirkung
zu erzielen wie durch bekannte Polstermittel, die häufig aus synthetischen Polymeren
hergestellt werden (z. B. Blasenfolie oder Luftkissenbahnen). Die Steuerung dieses
Verhaltens und ggf. die Einstellung wiederholbarer Polsterwirkung ist die Anforderung
an das Polstermittel und ist zu kombinieren mit einem einfachen, aber dennoch flexiblen,
reproduzierbaren Verfahren zu seiner Herstellung im Kontext der Polstermittelverwendung.
[0022] Die Anordnung und Kombination der Elemente kann ebenfalls so erfolgen, dass eine
gezielte Rückfederwirkung erreicht wird und der elastische Energieanteil vergleichsweise
hoch ist, um erneute Belastungen aufzunehmen. Abhängig von der Verteilung der Formvertiefungen
erlaubt die Papierbahn eine dreidimensionale Verformung. Die Verteilung der Konturelemente
auf der Papierbahn sowie die kaskadierte Ausführung in mehreren Lagen übereinander
wird zusätzlich genutzt, um das Gesamtenergieaufnahmevermögen des Halbzeuges einzustellen.
Gleichzeitig kann eine teilweise Trennung des Konturelementes von der Bahn erforderlich
sein, um dessen Herstellung zu ermöglichen. Dies ist insbesondere bei "minderwertigem"
Material, das bei den beim Kompressionsziehen auftretenden Zugkräften zum Reißen neigt,
und bei einem hohem Ziehverhältnis, dem Verhältnis zwischen Zuschnittdurchmesser einerseits
und Stempel- bzw. Matrizendurchmesser andererseits als Maß der Formänderung, notwendig.
[0023] Die Verbindung mit einer Decklage oder einer vergleichbaren Bahn mit Konturelementen
verhindert die Bewegung der Konturelemente gegeneinander, sodass auch eine Versteifung
des erfindungsgemäßen Formteils erfolgt. Die Verbindung gleicht darüber hinaus den
Nachteil der Entlastungsschnitte aus. Die vergleichsweise großen Verbindungsflächen
ermöglichen neben dem Verkleben auch eine hinreichend feste Verbindung mittels klebstofffreier
Techniken (z. B. Ultraschall basiertem Verbinden).
[0024] Ein weiterer Aspekt betrifft eine Kernschicht eines Sandwichmaterials, umfassend
ein Formteil wie es zuvor beschrieben wurde. Eine besonders vorteilhafte Kernschicht
ist so beschaffen, dass auf beide Flachseiten des Formteils, des umgeformten Fasermaterials,
bahnförmige Deckschichten schubfest, z. B. verklebt, aufgebracht sind.
[0025] Die Erfindung sieht somit den Einsatz als Kernschicht in Sandwichverbunden vor. Durch
beidseitiges schubfestes Aufbringen von Deckschichten entsteht ein solcher Sandwichverbund.
Dieser kann entweder im Bereich der Verpackung eingesetzt werden (ähnlich einer beidseitig
kaschierten Wellpappbahn) oder in anderen Bereichen, wie z. B. im Messebau (ähnlich
den Leichtbauplatten mit Papierwabenkern), zum Einsatz kommen.
[0026] Die Kernschicht kann als einzelne Papierbahn mit multiplen Formvertiefungen, als
eine Ausführungsform des erfindungsgemäßen Formteils, ausgeführt sein oder aus einer
Kombination mehrerer solcher Bahnen bestehen. Zwischen den Papierbahnen mit multiplen
Formvertiefungen können auch weitere Schichten bahnförmigen Fasermaterials ohne Formvertiefungen
angeordnet sein. Zum gezielten Einstellen gewünschter Eigenschaften des Sandwich-Verbundwerkstoffs
können die Papierbahnen bzw. eines anderen Fasermaterials mit multiplen Formvertiefungen,
den Konturelementen, sowie alle weiteren Bahnen im Sandwichverbund in unterschiedlicher
Orientierung zueinander eingesetzt werden, z. B. in einem Winkel von 90°. Abhängig
von der Verteilung der Konturelemente in der Bahn des flächigen Fasermaterials können
bei Verwendung flexibler Decklagen dreidimensionale Sandwichelemente hergestellt werden.
[0027] Entscheidend für die Widerstandskurve, die sich bei orthogonaler Belastung ergibt,
ist die Lastein- und -weiterleitung, gesteuert durch die Anordnung der geometrischen
Elemente. Diese bestimmt die Beanspruchungsart und deren Mischung und führt entsprechend
zu unterschiedlichen Verformungsarten (z. B. Biegebruch mit Lagendelamination, Knickung,
Druck, Scherung). Eine gezielte Kombination dieser Verformungsfälle und Beanspruchungsarten
in einer Kavität z.B. durch Einbringung von Rillen oder Scharnieren führt zur Aufteilung
in Bereiche, die gezielt angeordnet werden können, um in Kombination eine auf die
Anwendung angepasste Energieaufnahme bzw. einen Widerstandsverlauf einzustellen. Die
Beeinflussung der Polsterwege erfolgt über die Bereichstiefen B
1, B
2 bis B
i.
[0028] Die Kombination unterschiedlich aufgebauter einzelner Konturelemente in Linienmustern
lässt bei flächiger Belastung eine noch feiner gegliederte Aufteilung mit mehreren
Bereichen zu. Die kann zudem durch eine Versetzung verschieden aufgeteilter Linienmuster
in einem Flächenmustern verfeinert werden.
[0029] Die Herstellung der Konturelemente in der Bahn des flächigen Fasermaterials wird
bei Überschreiten der Dehnfähigkeit des Fasermaterials durch eine Anordnung von Entlastungsschnitten
erreicht. Durch das Schnittmuster bilden sich zwischen den sich auseinanderziehenden
Schnittstellen bei der Umformung Stege, die das Formteil in der Bahn halten und zudem
durch ihre Biegung ein Nachführen des Materials in das Formwerkzeug erlauben.
[0030] Die Fläche, die für eine Verklebung mit Decklagen oder gleichartig geformten Formbahnen
genutzt werden kann, wird durch die Bodenfläche sowie die Restfläche der Bahn des
Fasermaterials, in der keine Umformung erfolgt, definiert.
[0031] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung wird auch durch ein Verfahren zur Herstellung
eines Formteils, bestehend aus einem flächigen Fasermaterial, in das Konturelemente
mittels eines Kompressionsziehverfahrens dreidimensional eingeformt werden, gelöst.
Bei dem Kompressionsziehverfahren wird das Fasermaterial während des Kompressionsziehens
in einem mit einer definierten, bevorzugt steuerbaren Kraft beaufschlagten Faltenhalter
geklemmt und in einen Ziehspalt zwischen einer Ziehbüchse und einem Stempel, deren
Querschnitte der Querschnittsform des Konturelements entsprechen, eingezogen. Dabei
ist das Spaltmaß des Ziehspalts kleiner als die Stärke des Fasermaterials, sodass
es in dem Ziehspalt zur Kompression des Fasermaterials im Bereich der Wand des Formteils
kommt.
[0032] Nach der Erfindung werden die Konturelemente in einer oder mehreren Wirkpaarungen
kontinuierlich in wenigstens einem Schritt geformt, wobei eine Modifikation der Kompressionsziehtechnik
durch Integration von Faltenhaltertechnik und Stempeltechnik in ein sich in Laufrichtung
des Fasermaterials zumindest für den jeweiligen Arbeitsschritt bewegendes Arbeitsorgan
vorgesehen ist. Insbesondere sind die Ziehbüchse und der Stempel zur Durchführung
des Kompressionsziehverfahrens in ein sich rotatorisch oder linear repetitiv bewegendes
Arbeitsorgan integriert. Das bedeutet, dass ein quasi endloses Fasermaterial zu dem
Formteil umgeformt werden kann.
[0033] Das Herstellungsverfahren ist somit dadurch gekennzeichnet, dass in einer oder mehreren
Wirkpaarungen ohne Unterbrechung die Konturelemente direkt geformt oder in mehreren
Schritten geformt werden. Dies bedingt deshalb eine Modifikation der Kompressionsziehtechnik
durch Integration von Faltenhaltertechnik und Stempeltechnik in dem sich bewegenden
Arbeitsorgan. Die Abzugsgeschwindigkeit soll dabei keinen wesentlichen Einfluss auf
das Umformergebnis haben um flexibel auch manuell abziehen zu können. Die Umformeinheit
ist vorzugsweise resilient gegen Einflüsse von außen (Zugriff, Materialqualität) gestaltet.
Sie verfügt nicht über komplex zu steuernde bzw. zu regelnden Linearachsen, sondern
besteht aus mit einander mechanisch oder pneumatisch verknüpften Bewegungen. Dies
führt zu einer besonders einfachen und robusten Lösung.
[0034] Vorteilhafterweise ist die Kraft, mit der der Faltenhalter beaufschlagt wird, einstellbar.
Durch Pressen des Materials im Ziehspalt und zusätzlich durch die einstellbare Kraftwirkung
des Niederhalters entfalten sich die vorteilhaften Effekte des Kompressionsziehens.
So kann die Festigkeit der Wand beeinflusst werden. Vor allem aber wird die Faltenbildung
in der Wand beeinflusst und gesteuert. Dies führt ebenfalls zu einer Beeinflussung
der Festigkeit und vor allem der Steifigkeit. Weiterhin wird ein optischer Effekt
erreicht, indem die Falten noch im Entstehen in die Wand gepresst werden und dann
nicht mehr oder kaum noch sichtbar sind.
[0035] Ergänzt wird das Verfahren zur Herstellung des plattenförmigen Sandwichverbundes.
Bei einem besonders vorteilhaften Verfahren zur Herstellung eines plattenförmigen
Sandwichverbunds werden Decklagen sowie ein oder mehrere Formteile kontinuierlich
zusammengeführt, beispielsweise separat mit Klebstoff beschichtet und dann geklebt
oder durch klebstofffreie Techniken, wie z. B. Ultraschall, gefügt. Anschließend werden
sie miteinander zu einem Sandwichverbund verpresst. Danach werden sie längs besäumt
und quer abgetrennt, damit aufgeteilt.
[0036] Das Verfahren kann kontinuierlich bzw. diskontinuierlich ausgeführt werden. Beim
kontinuierlichen Verfahren werden
- die einzelnen Bahnen (Decklagen sowie eine oder mehrere Kernschichten) kontinuierlich
zusammengeführt,
- a) separat mit Klebstoff beschichtet und dann gefügt oder
- b) durch klebstofffreien Techniken (z. B. Ultraschall) gefügt,
- anschließend miteinander zu einem Sandwichverbund verpresst,
- längs besäumt und ggf. aufgeteilt und quer die Sandwichplatte in der gewünschten Größe
abgetrennt.
[0037] Die vorliegende Erfindung ermöglicht die gezielte Einstellung von Verformungsenergie
und Rückfederung. Weiterhin erfolgt die Erhöhung der Verbindungsfläche zu anderen
Lagen, die mit dem erfindungsgemäßen Halbzeug verbunden werden sollen. Die Erfindung
ermöglicht es weiterhin, die Komplexität des Kompressionsziehverfahrens zum Einsatz
in einfachen Teilsystemen zu minimieren, was den manuellen Verpackungsprozess unterstützt.
Die auf Basis der vorliegenden Erfindung aus einer Papierbahn hergestellte Abstandsstruktur
erlaubt eine dreidimensionale Formbarkeit. Der erfindungsgemäße Kern erlaubt neuartige
Varianten von Sandwichverbundwerkstoffen.
[0038] Mit der Erfindung wird weiterhin erreicht, dass ein Klebstoffeinsatz durch größere,
klebstoffarm oder sogar klebstofffrei nutzbare Verbindungsflächen verhindert bzw.
reduziert werden kann. Sie führt zur Verringerung von Kunststoffeinsatz in der Polstermittelanwendung
und einem generell minimierten Materialeinsatz durch die Möglichkeit gezielter Spannungsleitung.
Die Erfindung bietet zudem die Möglichkeit der Herstellung dreidimensionaler, formstabiler
Packmittel und Sandwichelemente.
[0039] Anhand der Beschreibung von Ausführungsbeispielen und ihrer Darstellung in den zugehörigen
Zeichnungen wird die Erfindung nachfolgend näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1: schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen
Formteils von der Ober- und der Unterseite;
Fig. 2: schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines doppellagig
gefügten erfindungsgemäßen Formteils;
Fig. 3: schematisch eine perspektivische Ansicht einer weiteren Ausführungsform eines
doppellagig gefügten erfindungsgemäßen Formteils;
Fig. 4: schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen
Konturelements;
Fig. 5: schematisch eine perspektivische Seitenansicht einer Ausführungsform eines
erfindungsgemäßen Konturelements;
Fig. 6: schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen
Formteils mit Decklage;
Fig. 7: schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines doppellagig
gefügten erfindungsgemäßen Formteils mit Decklagen;
Fig. 8: eine schematische Darstellung einer Ausführungsform eines Herstellungsverfahrens
eines erfindungsgemäßen Formteils;
Fig. 9: eine schematische geschnittene Darstellung von Formvarianten einzelner Konturelemente
des erfindungsgemäßen Formteils;
Fig. 10: eine schematische geschnittene Darstellung von Formvarianten und Kombinationen
einzelner Konturelemente in einem erfindungsgemäßen Formteil und
Fig. 11: eine schematische Darstellung von Formvarianten einer Ausführungsform eines
Schnittmusters von Entlastungsschnitten in der Umgebung der Konturelemente des erfindungsgemäßen
Formteils.
[0040] Fig. 1 zeigt schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines
erfindungsgemäßen Formteils 1 von der Ober- und der Unterseite mit sichtbaren Konturelementen
2. Auf der Oberseite, links im Bild, sind die Konturelemente 2 erhaben, während sie
von der Unterseite her, rechts im Bild als Vertiefungen ausgebildet sind.
[0041] Fig. 2 zeigt schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines
doppellagig gefügten erfindungsgemäßen Formteils 1. Die beiden Lagen des Formteils
1 sind mit den hier abgeflachten Konturelementen 2 miteinander verbunden. Dies kann
Beispiel durch Kleben, aber auch durch klebstofffreie Techniken erfolgen.
[0042] Fig. 3 zeigt schematisch eine perspektivische Ansicht einer weiteren Ausführungsform
eines doppellagig gefügten erfindungsgemäßen Formteils 1, bei dem die beiden Bahnen
Fasermaterial 4 miteinander verbunden sind und nach oben und nach unten die Konturelemente
2 abragen.
[0043] Fig. 4 zeigt schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines
erfindungsgemäßen Konturelements 2 in vergrößerter Darstellung. Es wurde nach dem
Kompressionsziehverfahren aus dem Fasermaterial 4 ausgeformt. Der für das Kompressionsziehen
erforderliche Entlastungsschnitt 40 (vgl. Fig. 11), der ein Einformen in den Kompressionsspalt
ermöglicht, ist nicht erforderlich, das das hier eingesetzte Fasermaterial 4 die Zugspannung
beim Kompressionsziehen erträgt.
[0044] Fig. 5 zeigt schematisch eine perspektivische Seitenansicht einer Ausführungsform
eines erfindungsgemäßen Konturelements 2, wie auch in der vorher gehenden Fig. 4.
Im Unterschied dazu ist jedoch der Radius R1, der zwischen dem Fasermaterial 4 und
der Wand 8 des Konturelements 2 ausgebildet ist, erkennbar. Ebenso ist der Radius
R2, der die Wand 8 mit einer Abplattung 6 verbindet, sichtbar. Die Abplattung 6 dient,
wie schon zu Fig. 2 erläutert, insbesondere dazu, eine Fläche zu schaffen, mit der
die Verbindung des Konturelements 2 mit einem weiteren Konturelement 2 oder einer
Decklage 10 erleichtert oder gar erst ermöglicht wird.
[0045] Neben den Radien R1 und R2 hat auch der Schrägungswinkel α eine besondere Bedeutung
für die Steifigkeit des Formteils 1. Somit kann durch die Wahl des Schrägungswinkels
α, von Radius R1 und Radius R2 unter Berücksichtigung der Steifigkeit des Fasermaterials
4 die Energieaufnahme des Formteils 1, wenn es als ein Polstermittel 20 zum Einsatz
kommt, oder die Steifigkeit des Formteils 1, wenn es als Kernschicht 30 zum Einsatz
kommt, eingestellt werden.
[0046] Fig. 6 zeigt schematisch eine perspektivische Ansicht einer Ausführungsform eines
erfindungsgemäßen Formteils 1 mit Decklage 10. Die Decklage 10 wird über die Abplattung
in 6 des Konturelements 2 des Formteils 1 mit dem Formteil 1 verbunden.
[0047] Damit wird eine weitere Variante der Stabilisierung des Formteils 1, neben den in
den Figuren 2 und 3 dargestellten, beschrieben.
[0048] Fig. 7 zeigt schematisch eine perspektivische Ansicht einer weiteren Ausführungsform
eines doppellagig gefügten erfindungsgemäßen Formteils 1 mit Decklagen 10. Dabei wird,
entsprechend der Ausführung gemäß Fig. 2, ein Bauelement geschaffen, das die doppelte
Höhe eines Formteils 1 aufweist, zudem aber im Unterschied zu der Lösung gemäß Fig.
2 über eine geschlossene Oberfläche verfügt. Dies wird erreicht durch Aufbringen einer
Decklage 10, die die Hohlräume, die Öffnungen der Konturelemente 2, verschließt, die
aus dem Kompressionsziehen herrühren.
[0049] Auf diese Weise, im Sinne der Fig. 2 oder der Fig. 3 sowie der Figuren 6 oder 7,
kann ein Polstermittel 20, bei dem die Konturelemente 2 Energie aufnehmen und eine
Überlastung eines durch das Polstermittel 20 geschützten Packguts verhindern, oder
eine Kernschicht 30 eines Sandwichmaterials ausgebildet werden.
[0050] Fig. 8 zeigt eine schematische Darstellung einer Ausführungsform eines Herstellungsverfahrens
eines erfindungsgemäßen Formteils 1. Hierbei erfolgt das Kompressionsziehen über rotationsbewegliche
Werkzeuge 12, hier nur stilisiert dargestellt, die nach einem kontinuierlichen, rotativen,
walzenähnlichen Verfahren die Konturelemente 2 erzeugen.
[0051] Ebenso könnte, als eine Alternative zum dargestellten rotativen Verfahren, das Werkzeug
12 (zumindest eine Anordnung mehrerer Faltenhalter, Ziehbüchsen, Stempel und die zugehörigen
Antriebe) sich zumindest über die Dauer der Umformung mit dem Fasermaterial in dessen
Bahngeschwindigkeit mitbewegen, um nach erfolgtem Kompressionsziehvorgang zügig an
den Startpunkt der Werkzeugbewegung zurückgeführt und für einen erneuten Einsatz vorbereitet
zu werden.
[0052] Die Fig. 9 zeigt eine schematische geschnittene Darstellung von Formvarianten einzelner
Konturelemente 2 des erfindungsgemäßen Formteils1. Die Fig. 10 zeigt eine schematische
geschnittene Darstellung von Formvarianten und Kombinationen einzelner Konturelemente
2 mit unterschiedlichen Formen in einem erfindungsgemäßen Formteil 1 und die Fig.
11 zeigt eine schematische Darstellung von Formvarianten einer Ausführungsform eines
Schnittmusters von Entlastungsschnitten 40 in der Umgebung der Konturelemente 2 des
erfindungsgemäßen Formteils 1.
[0053] Die geometrische Ausführung der Bahn des flächigen Fasermaterials 4, z. B. eine Papierbahn,
mit Vertiefungen, den Konturelementen 2, orientiert sich an der primären Funktion
(Polsterwirkung oder Steifigkeit mit Klebeflächen). Die Energieaufnahme (Verformungsarbeit)
oder die Steifigkeit werden so wie auch das Ansprechverhalten der Verformung mittels
der Variation und Anordnung der nachfolgend aufgeführten Eigenschaften und geometrischen
Elementen und Ausprägungen eingestellt:
- Geometrische Grundflächenform (z. B. zylindrisch, elliptisch, quadratisch, trapezförmig
etc. mit Rundungsecken);
- Durchmesser bzw. Hauptabmaße;
- Schrägungswinkel der Wand α;
- Rundungsradien am Einlauf (R1) und am Boden (R2);
- Ziehtiefen h1, h2;
- Längsrillen 44 als Versteifungen längs zur Wand 8 mit Teilung t2, Breite b2, Stufenhöhe h4 und Prägetiefe s2;
- Scharnierrillen 46 als elastische und/oder plastische Scharniere quer oder radial
zur Wand 8 mit der Prägetiefe s1 und der Teilung t3;
- Scharnierstufen 48 ebenfalls als Scharniere mit überwiegend Delaminationsverformung
mit den Radien r3, r4, der Stufenhöhe h4 und der Stufenbreite b1;
- Einbringung von Bodenprägungen 45 bzw. Bodenverformungen in die Abplattung 6 mit der
Tiefe h3 und der Randfläche c.
[0054] Entscheidend für die Widerstandskurve, die sich bei orthogonaler Belastung ergibt,
ist die Lastein- und -weiterleitung, gesteuert durch die Anordnung der geometrischen
Elemente. Diese bestimmt die Beanspruchungsart und deren Mischung und führt entsprechend
zu unterschiedlichen Verformungsarten (z. B. Biegebruch mit Lagendelamination, Knickung,
Druck, Scherung). Eine gezielte Kombination dieser Verformungsfälle und Beanspruchungsarten
in einem Konturelement 2, z. B. durch Einbringung von Scharnierrillen 46 oder Scharnierstufen
48, führt zur Aufteilung in Bereiche B1, B2 ... Bn über die Tiefe h
1, h
2, die gezielt angeordnet werden können, um in Kombination eine auf die Anwendung angepasste
Energieaufnahme bzw. einen Widerstandsverlauf einzustellen. Die Beeinflussung der
Polsterwege des Polstermittels 20 erfolgt über die unterschiedlichen Ziehtiefen h
1, h
2 in den Bereichen B1, B2.
[0055] Die Kombination unterschiedlich aufgebauter Konturelemente 2 in Linienmustern, gebildet
durch Längsrillen 44, lässt bei flächiger Belastung eine noch feiner gegliederte Aufteilung
mit mehreren Bereichen B1, B2 zu. Dies kann zudem durch eine Versetzung verschieden
aufgeteilter Linienmuster in einem Flächenmustern verfeinert werden.
[0056] Die Herstellung der Konturelemente 2 in der Bahn des flächigen Fasermaterials 4 wird
beim Überschreiten von dessen Dehnbarkeit durch eine Anordnung von Entlastungsschnitten
40 erreicht. Durch das Schnittmuster der Entlastungsschnitte 40 bilden sich zwischen
den sich auseinanderziehenden Schnittstellen bei der Umformung Stege 42, die das Konturelement
2 in der Bahn des flächigen Fasermaterials 4 halten und durch ihre Biegung ein Nachführen
des Fasermaterials 4 in das Formwerkzeug, die Ziehbüchse mit dem Stempel, erlauben.
[0057] Die Fläche, die für eine Verklebung mit Decklagen oder gleichartig geformten Formteilen
1 genutzt werden kann, wird durch die Bodenfläche, die Abplattung 6, sowie die Bahnrestfläche
des Fasermaterials 4, in der keine Umformung erfolgt, definiert.
Bezugszeichenliste
[0058]
- 1
- Formteil
- 2
- Konturelement
- 4
- Fasermaterial
- 6
- Abplattung
- 8
- Wand
- 10
- Decklage
- 12
- Werkzeug, Arbeitsorgan
- 20
- Polstermittel
- 30
- Kernschicht
- 40
- Entlastungsschnitt
- 42
- Steg
- 44
- Längsrille
- 45
- Bodenprägung
- 46
- Scharnierrille
- 48
- Scharnierstufe
- α
- Schrägungswinkel
- B2,B2,Bn
- Bereiche
- b1
- Stufenbreite Scharnierstufen
- b2
- Breite Längsrillen
- h1, h2
- Ziehtiefe Bereiche B1, B2
- h3
- Tiefe Bodenprägung
- h4
- Stufenhöhe Längsrillen/Scharnierstufe
- s1
- Prägetiefe Scharnierrillen
- s2
- Prägetiefe Längsrillen
- r3, r4
- Radius Scharnierstufe
- R1
- Radius (Ebene)
- R2
- Radius (Abplattung)
- t2
- Teilung Längsrillen,
- t3
- Teilung Scharnierrillen
1. Formteil, bestehend aus einem flächigen Fasermaterial (4), in das aus einer Ebene
des Fasermaterials (4) auskragende Konturelemente (2) mittels eines Kompressionsziehverfahrens
eingeformt sind, wobei bei dem Kompressionsziehverfahren das Fasermaterial (4) während
des Kompressionsziehens in einem mit einer Kraft beaufschlagten Faltenhalter geklemmt
und in einen Ziehspalt zwischen einer Ziehbüchse und einem Stempel, deren Querschnitte
der Querschnittsform des Konturelements (2) entsprechen, eingezogen wird, wobei das
Maß des Ziehspalts kleiner ist als die Stärke des Fasermaterials (4), sodass es in
dem Ziehspalt zur Kompression des Fasermaterials (4) im Bereich der im Ziehspalt gebildeten
Wand (8) der Konturelemente (2) kommt, dadurch gekennzeichnet, dass das Formteil (1) eine Vielzahl von Konturelementen (2) aufweist und diese mit dem
umgebenden Fasermaterial (4) zumindest teilweise verbunden bleiben.
2. Formteil nach Anspruch 1, wobei dessen Zuschnittkontur aus dem flächigen Fasermaterial
(4) mittels eines Entlastungsschnitts teilweise herausgetrennt ist, sodass die Konturelemente
(2) teilweise mit dem flächigen Fasermaterial (4) verbunden bleiben.
3. Formteil nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Konturelemente (2) in Form einer Halbkugel,
eines Zylinders, eines Kegels, einer Pyramide oder eines Kegelstumpfs ausgebildet
sind.
4. Formteil nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei das von der Ebene des Fasermaterials
(4) abgewandte Ende der Konturelemente (2) eine Abplattung (6) aufweist.
5. Formteil nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei ein Radius (R1) an einem Übergang
zwischen der Ebene des Fasermaterials (4) und dem Konturelement (2) einen Stauchwiderstand
in der Weise beeinflusst, dass ein kleinerer Radius (R1) einen vergrößerten Stauchwiderstand
des Konturelements (2) hervorruft.
6. Formteil nach einem der vorherigen Ansprüche, wobei ein Schrägungswinkel (α) an dem
Übergang zwischen der Ebene des Fasermaterials (4) und dem Konturelement (2) eine
Steifigkeit in der Weise beeinflusst, dass der Schrägungswinkel (α) von 90° die größte
Steifigkeit der Wand (8) des Konturelements (2) hervorruft.
7. Formteil nach Anspruch 6, wobei eine Decklage (10) vorgesehen ist und die Verbindung
des Formteils (1) im Bereich des von der Ebene des Fasermaterials (4) abgewandten
Endes der Konturelemente (2) mit einer Decklage (10) erfolgt.
8. Formteil nach Anspruch 7, wobei die Verbindung mittels einer klebstofffreien Technik
erfolgt.
9. Polstermittel, umfassend das Formteil (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 8.
10. Polstermittel nach Anspruch 9, wobei die Anordnung und die Kombination der Konturelemente
(2) so erfolgen kann, dass eine gezielte Rückfederwirkung erreicht wird und der elastische
Energieanteil vergleichsweise hoch ist, um erneute Belastungen aufzunehmen.
11. Kernschicht eines Sandwichmaterials, umfassend das Formteil (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 8 und Deckschichten (10), wobei auf
beide Flachseiten des Formteils (2) die bahnförmigen Deckschichten (10) schubfest
aufgebracht sind.
12. Verfahren zur Herstellung eines Formteils, bestehend aus einem flächigen Fasermaterial
(4), in das Konturelemente (2) mittels eines Kompressionsziehverfahrens dreidimensional
eingeformt werden, wobei bei dem Kompressionsziehverfahren das Fasermaterial (4) während
des Kompressionsziehens in einem mit einer definierten Kraft beaufschlagten Faltenhalter
geklemmt und in einen Ziehspalt zwischen einer Ziehbüchse und einem Stempel, deren
Querschnitte der Querschnittsform der Konturelemente (2) entsprechen, eingezogen wird,
wobei das Spaltmaß des Ziehspalts kleiner ist als die Stärke des Fasermaterials (4),
sodass es in dem Ziehspalt zur Kompression des Fasermaterials (4) kommt, dadurch gekennzeichnet, dass die Konturelemente (2) in einer oder mehreren Wirkpaarungen kontinuierlich in wenigstens
einem Schritt geformt werden, wobei der Faltenhalter, die Ziehbüchse und der Stempel
zur Durchführung des Kompressionsziehverfahrens in ein sich rotatorisch oder linear
repetitiv bewegendes Arbeitsorgan (12) integriert sind.
13. Verfahren nach Anspruch 12, wobei die Kraft, mit der der Faltenhalter beaufschlagt
wird, einstellbar ist und damit die Festigkeit und die Ausbildung von Falten in der
Wand (8) beeinflusst werden kann.
14. Verfahren zur Herstellung eines plattenförmigen Sandwichverbunds, dadurch gekennzeichnet, dass Decklagen (10) sowie ein oder mehrere Formteile (2) nach einem der Ansprüche 1 bis
8 kontinuierlich zusammengeführt, mit Klebstoff beschichtet und dann geklebt oder
durch klebstofffreie Techniken gefügt und anschließend miteinander zu einem Sandwichverbund
verpresst, längs besäumt und quer abgetrennt werden.