GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Türöffner, der es ermöglicht, eine Anschlagtür
von beiden Seiten ohne die Benutzung der Hände zu öffnen.
HINTERGRUND DER ERFINDUNG
[0002] Viele Anschlagtüren verfügen über eine Schlossnuss mit Vierkantöffnung, die drehbar
in einem Einsteckschloss gelagert ist. Als wohl gängigster Türöffner im Stand der
Technik wird eine Türklinke über einen Vierkant mit der Vierkantöffnung gekoppelt.
Eine Drehbewegung der Türklinke wird auf die Schlossnuss und darüber dann auf einen
Hebel im Einsteckschloss übertragen, welcher die Schlossfalle zurückzieht, so dass
sich die Tür öffnen lässt. Eine Feder ist so im Einsteckschloss vorgesehen, dass sich
die Schlossfalle selbstständig in die Ausgangsposition zurückbewegt, wenn die Türklinke
nicht betätigt wird.
[0003] Aus Gesichtspunkten der Hygiene aber auch der Praktikabilität ist es ein Nachteil
von Türklinken, dass sie für eine optimale Betätigung mit der Hand angefasst werden
müssen. Zum Öffnen der Tür mit dem Unterarm ist eine Türklinke normalerweise nicht
vorgesehen. Auch wenn es Ausführungen geben mag, die für die Betätigung mit dem Unterarm
ergonomisch geformte Bauteile aufweisen, so muss trotzdem immer eine Abwärtsbewegung
der Türklinke und eine Drück- bzw. Zugbewegung zum Öffnen der Tür erfolgen.
[0004] Aus dem Stand der Technik sind aber auch Türöffner bekannt, die dieses Problem abmildern.
Die
WO 2012/152277 A1 etwa zeigt einen Türöffner mit einem Hebelarm zum Drücken bzw. Ziehen in eine Richtung
senkrecht zur Tür. Mit einer einzigen Bewegung kann also gleichzeitig die Schlossfalle
eingezogen und die Tür geöffnet werden. Allerdings ist die Kopplung des Hebelarms
und der Schlossnuss über ein Getriebe übersetzt, was wegen der Zahnräder eine geringe
Verschleissfestigkeit und wegen der direkten Bewegungsübersetzung keine gute Ergonomie
bietet.
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0005] Daher ist es eine Aufgabe der Erfindung, einen verbesserten Türöffner bereitzustellen,
insbesondere einen Türöffner mit einer gesteigerten Robustheit und einer verbesserten
Ergonomie.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
[0006] Die Erfindung betrifft einen Türöffner der folgendes aufweist: ein Gehäuse zum Anbringen
an eine Anschlagtür, einen Kolben, der in dem Gehäuse entlang einer Schlossachse verschiebbar
und drehbar um diese Schlossachse gelagert ist, ein Hebelelement, das an einer ersten
Stelle in dem Gehäuse drehbar um eine erste Achse und an einer zweiten Stelle relativ
zum Kolben drehbar um eine zweite Achse gelagert ist, wobei die erste und zweite Achse
parallel und zur Schlossachse nicht-parallel sind, einen Dorn, der zum Zusammenwirken
mit einer Vierkantöffnung einer Schlossnuss der Anschlagtür zumindest einen Abschnitt
mit Vierkantprofil aufweist, wobei der Kolben relativ zum Dorn drehfest und entlang
der Schlossachse verschiebbar auf einem Ende des Dorns gelagert ist, eine Kulissenführung,
die durch ein erstes Element am Gehäuse und ein zweites Element am Kolben gebildet
wird, wobei das erste oder zweite Element als Kulissenbahn und das respektive andere
Element als Kulissenstein ausgeführt ist, und wobei die Kulissenbahn einen Verlauf
hat, der jeweils zumindest abschnittsweise mit Bezug auf das Gehäuse bzw. den Kolben
Komponenten in Umfangsrichtung und mit Bezug auf die Schlossachse Komponenten in axialer
Richtung hat.
[0007] In einer Ausführungsform weist der Dorn zwei Dornkomponenten auf, die jeweils eine
Schulter haben und zum Formen des Dorns derart verbindbar sind, dass der Abschnitt
mit Vierkantprofil in der Vierkantöffnung der Schlossnuss angeordnet, die Schlossnuss
beidseitig von den Dornkomponenten eingeklemmt und der Dorn somit relativ zur Schlossnuss
drehfest an der Schlossnuss arretiert wird.
[0008] In einer Ausführungsform ist am Ende des Dorns ein Gleitelement vorgesehen zum derartigen
Zusammenwirken mit einer zum Gleitelement passgenauen Aussparung, die parallel oder
helikoidal zur Schlossachse am Kolben angeordnet ist, dass eine Drehbewegung des Kolbens
um die Schlossachse auf den Dorn übertragen wird und dass die Aussparung auf dem Gleitelement
gleitet.
[0009] In einer Ausführungsform weist die Aussparung mindestens eine Nut im Kolben auf,
wobei das Gleitelement einen gerundeten Körper aus Metall, Kunststoff oder Keramik
aufweist.
[0010] In einer Ausführungsform weist das Hebelelement an der ersten Stelle eine Welle auf,
die drehbar im Gehäuse wälzgelagert oder gleitgelagert ist, wobei die erste Achse
jeweils einen Abstand zur zweiten Achse und zur Schlossachse von zwischen 0.5 cm und
5 cm hat.
[0011] In einer Ausführungsform weist das Hebelelement an der zweiten Stelle ein Verbindungsstück
auf, das den Kolben mit dem Hebelelement verbindet, wobei das Gehäuse eine Auslassung
aufweist, durch welche das Verbindungsstück verläuft und das so dimensioniert ist,
dass das Verbindungsstück in der Auslassung senkrecht zur zweiten Achse bewegbar ist.
[0012] In einer Ausführungsform weist der Kolben eine Nut quer zur Schlossachse auf und
ist das Verbindungsstück in der Nut derart gleitgelagert, dass eine Drehung des Kolbens
relativ zum Verbindungsstück und um die Schlossachse ermöglicht wird, jedoch eine
relative Translation zwischen Kolben und Verbindungsstück parallel zur Schlossachse
blockiert wird.
[0013] In einer Ausführungsform hat die zweite Achse in jeder möglichen Stellung des Hebelelements
einen Abstand zur Schlossachse von maximal 2 cm, insbesondere von weniger als 1 cm.
[0014] In einer Ausführungsform weist das Hebelelement einen Betätigungsbereich auf, der
einen Abstand zum Abschnitt des Dorns mit dem Vierkantprofil, der mit der Vierkantöffnung
der Schlossnuss zusammenwirkt, von mindestens 5 cm aufweist, insbesondere von mindestens
7 cm.
[0015] In einer Ausführungsform ist das Hebelelement so gestaltet und gelagert, dass durch
Drücken oder Ziehen des Betätigungsbereichs zumindest teilweise parallel zur Schlossachse
das Hebelelement um die erste Stelle rotiert, der Kolben durch das Hebelelement an
der zweiten Stelle entlang der Schlossachse verschoben wird und der Dorn mittels der
Kulissenführung zwischen Gehäuse und Kolben in eine Rotation um die Schlossachse versetzt
wird.
[0016] In einer Ausführungsform hat die Kulissenbahn einen derart dimensionierten Bereich,
dass der Kulissenstein in einer Ausgangsposition in beide Richtungen entlang der Kulissenbahn
bewegbar ist.
[0017] In einer Ausführungsform ist der Dorn als durchgängiger Vierkantbolzen ausgeführt,
der so ausgebildet ist, dass er an der Vierkantöffnung der Schlossnuss arretierbar
ist, und wobei der Kolben ein Vierkantloch aufweist, anhand dessen der Kolben auf
dem Vierkantbolzen drehfest und entlang der Schlossachse verschiebbar gelagert ist.
[0018] In einer Ausführungsform weist der Türöffner einen Sperrmechanismus auf, der mindestens
ein Teil aus der folgenden Gruppe in seiner Bewegung blockiert: das Hebelelement,
den Kolben, den Kulissenstein, den Dorn.
[0019] In einer Ausführungsform weist der Türöffner einen mechanischen Schalter oder eine
elektronische Einheit mit Energiespeicher auf zur Aktivierung und Aufhebung des Sperrmechanismus.
[0020] Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zum Öffnen einer Tür mit einem Türöffner
gemäss der Beschreibung hierin, aufweisend:
Drücken oder Ziehen des Hebelelements zumindest teilweise parallel zur Schlossachse,
Verschieben des Kolbens parallel zur Schlossachse und relativ zum Gehäuse aufgrund
der durch das Drücken oder Ziehen bedingten Bewegung des Hebelelements an der zweiten
Stelle,
Rotieren des Kolbens aufgrund der Kulissenführung,
Mitrotieren des Dorns aufgrund der drehfesten Lagerung des Kolbens auf dem Ende des
Dorns,
Verschieben des Kolbens relativ zum Dorn aufgrund der verschiebbaren Lagerung des
Kolbens auf dem Ende des Dorns, und
Rotieren der Schlossnuss aufgrund des Zusammenwirkens des Abschnitts des Dorns mit
Vierkantprofil mit der Vierkantöffnung der Schlossnuss.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0021] Weitere Vorteile der vorliegenden Erfindung sind aus der detaillierten Beschreibung
und den Zeichnungen ersichtlich.
Figur 1 ist eine perspektivische Ansicht eines Türöffners gemäss einer Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung, angebracht an einer Anschlagtür;
Figur 2 zeigt den Türöffner aus Figur 1 im nicht betätigten Zustand von der Seite;
Figur 3 zeigt den Türöffner aus Figur 1 im betätigten Zustand von der Seite;
Figur 4 zeigt den Türöffner aus Figur 3 im betätigten Zustand von vorn;
Figur 5 zeigt den Türöffner aus Figur 3 im betätigten Zustand von hinten;
Figur 6 zeigt den Türöffner aus Figur 2 in einer Schnittansicht;
Figur 7 zeigt den Türöffner aus Figur 2 von unten;
Figur 8 zeigt den Türöffner aus Figur 3 in einer Schnittansicht;
Figur 9 zeigt den Türöffner aus Figur 3 von unten;
DETAILLIERTE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0022] Figur 1 zeigt eine Ausführungsform des erfindungsgemässen Türöffners 1 angebracht
an einer Anschlagtür 3. In dieser Ausführungsform sind einige Bestandteile doppelt
vorhanden, z.B. die Hebelelemente 5, damit die Anschlagtür 3 von beiden Seiten geöffnet
werden kann. Die Anschlagtür 3 hat eine Schlossfalle 20, die in dem Einsteckschloss
21 verschiebbar gelagert ist. In dem gezeigten Beispiel öffnet die Tür 3 nach vorn,
da sie einen Absatz zum Anliegen an der Türzarge hat. Der erfindungsgemässe Türöffner
kann aber auch bei Türen eingesetzt werden, die in beide Richtungen öffnen können.
[0023] Wie gezeigt können Kappen 22 zur Zierde vorgesehen sein und eine Bedruckung oder
Eingravierung mit "PUSH" und "PULL" aufweisen. In der gezeigten Ausführungsform kann
das Hebelelement entsprechend auch nur gedrückt bzw. auf der anderen Seite gezogen
werden. In einigen Ausführungsformen kann man die Hebelelemente 5 zum Einziehen der
Schlossfalle allerdings in beide Richtungen bewegen. So kann es etwa nützlich sein,
an dem Hebelelement zu ziehen, ob wohl die Tür aufgedrückt werden muss. Zum Beispiel
legt man dafür zum Kontern seinen Ellenbogen an der Tür an und langt mit dem Unterarm
oder Handgelenk hinter das Hebelelement, um es zu sich zu ziehen. Der Arm ist nun
zwischen Hebelelement und Türblatt verschränkt, die Schlossfalle wird zurückgehalten
und man kann die Tür kontrolliert bis zur gewünschten Position öffnen.
[0024] Figur 2 zeigt den Türöffner 1 aus Figur 1 im nicht betätigten Zustand von der Seite.
Zu sehen sind hier auch die Schlossfalle 20 des Einsteckschlosses 21, die Hebelelemente
5 des Türöffners 1, und die Zierkappen 22. Figur 3 zeigt die gleichen Teile, wobei
der Türöffner 1 hier über den Betätigungsbereich 18 des Hebels 5 betätigt ist wie
man an den um die erste Achse A
1 ausgelenkten Hebeln 5 sieht. Die Lagerung der Hebelelemente 5 an einer zweiten Stelle
ist hier verdeckt und wird in den Figuren 6 und 8 ersichtlich. Um die Tür 3 zu öffnen,
wurde hier in Figur 3 entweder der rechte Hebel zur Tür 3 gedrückt, oder der linke
Hebel wurde von der Tür 3 weggezogen. Beide Hebel 5 bewegen sich stets synchron, egal
welche Seite betätigt wurde. Im Verlauf des Umlegens des Hebels 5 wird jedenfalls
zunächst die Schlossfalle 20 in das Einsteckschloss 21 eingezogen. Sobald die Schlossfalle
20 den Weg freigibt, wird mit derselben Drück- bzw. Zugbewegung des Benutzers der
Türflügel 3 geöffnet.
[0025] Die Figuren 4 und 5 zeigen zur Veranschaulichung nochmals den betätigten Türöffner
von Figur 3 von beiden Seiten. Ein Hebelelemente 5 kann wie gezeigt von U-förmiger
Gestalt sein, wobei mindestens einer, insbesondere beide Schenkel des Hebels 5 an
der ersten Stelle S
1 gelagert sind, sodass der Hebel 5 schwenkbar um die erste Achse A
1 ist. In anderen Ausführungsformen mag der Hebel nur eine Stange aufweisen, sodass
er nur einseitig im Gehäuse gelagert ist.
[0026] Figur 6 zeigt eine Schnittansicht des Türöffners aus Figur 2. Hier sieht man, wie
die Zierblende 22 das technische Geschehen verdeckt. Das Gehäuse 2 ist hier fest mit
der Tür 3 verbunden, etwa durch eine Schraubverbindung. Diese Anbringung erfolgt so,
dass ein in dem Gehäuse 2 eingeschobener Kolben 4 parallel zur Schlossachse As verschiebbar
ist. Die Schlossachse As ist definierbar durch die Schlossnuss 7 der Tür, die ihrerseits
drehbar um die Schlossachse As ist. Der Kolben 4 ist ebenfalls innerhalb des Gehäuses
2 drehbar um diese Schlossachse As. In der gezeigten Ausführungsform ist der Kolben
zylindrisch und in einer zylindrischen Bohrung des Gehäuses gleitgelagert.
[0027] Nun kommt auch die Lagerung des Hebels 5 an der zweiten Stelle S
2 zum Vorschein, durch welche der Hebel 5 hier drehbar um die zweite Achse A
2 ist. Die zweite Achse A
2 ist im Kolben 4 an einer darin eingearbeiteten Nut 17 definiert, in welcher ein mit
dem Hebelelement 5 verbundenes Verbindungsstück 16 gleit- und/oder wälzgelagert ist.
Einerseits kann das Verbindungsstück 16 (und damit die zweite Achse A
2) relativ zu der Nut 17 des Kolbens 4 vertikal verschoben werden und andererseits
um die zweite Achse A
2 rotieren. Die Betätigung des Hebelelements 5 verschiebt also den Kolben entlang der
Schlossachse As. Die seitliche Öffnung 19 im Gehäuse verschafft dem Verbindungsstück
16 Zugang zum Kolben. Wenn die gezeigte Kappe 22 vorhanden ist, hat diese entsprechend
ebenfalls eine Aussparung, in der sich das Verbindungsstück 16 frei bewegen kann.
Um die sich dabei bildenden Lücken zu verschliessen kann ein teleskopartiger Vorhang
vorgesehen sein.
[0028] Die Drehlagerung des Hebels 5 an der ersten Stelle S
1 kann ebenfalls über solch ein Verbindungsstück oder einen Zapfen erfolgen, z.B. durch
ein Gleitlager oder ein Wälzlager. Dieses Lager ist hier an einer separaten Platte
zu sehen. Die Platte kann jedoch als dem Gehäuse zugehörig angesehen werden und in
anderen Ausführungsformen kann das Gehäuse selbstverständlich auch einteilig sein,
bzw. ist die Lagerung der ersten Stelle S
1 des Hebels 5 an dem Gehäuse vorgesehen.
[0029] Eine Kulissenführung, die durch den Kolben 4 und das Gehäuse 2 realisiert ist, sorgt
dafür, dass sich der Kolben 4 bei seiner durch die Betätigung des Hebels 5 bedingten
Verschiebung auch um die Schlossachse As dreht. Ein Dorn 6 ist verdrehfest mit dem
Kolben verbunden und wird deshalb bei Betätigung des Hebels 5 mitgedreht. Der Dorn
6 steht in Wirkverbindung mit der Schlossnuss 7 und dessen Drehung verursacht daher
ein Zurückziehen der Schlossfalle. Der Dorn 6 ist in der gezeigten Ausführungsform
mehrteilig aufgebaut. Die Dornkomponenten 12 und 13 haben jeweils eine Schulter und
sind von beiden Seiten der Schlussnuss 7 her zu verbinden. Hier hat die Komponente
12 einen Vierkantabschnitt 8, anhand dessen sie in die Schlossnuss 7 eingeschoben
wird. An der anderen Seite der Schlossnuss 7 wird nun die zweite Komponente 13 auf
die erste Komponente aufgeschoben, insbesondere auch fest mit ihr verbunden, z.B.
durch Klemmung oder ein Gewinde. Ein einteiliger Dorn, insbesondere ein als simpler
Vierkant ausgeführter Dorn, ist allerdings ebenfalls erfindungsgemäss einsetzbar.
[0030] Der Kolben 4 ist längs der Schlossachse As verschiebbar auf einem Ende 9 des Dorns
6 gelagert. Im gezeigten Beispiel weist der Kolben 6 einerseits eine Bohrung auf,
in welche der relevante Teil des Dorns 6 genau hineinpasst, und andererseits eine
(insbesondere beidseitige) Aussparung 15 bzw. Nut, in welcher passgenau ein Gleitelement
14 verfahren kann. Das Gleitelement 14 ist starr mit dem Dorn 6 verbunden und ragt
seitlich aus diesem heraus, sodass der Hebel vergrössert wird, mit welchem der Dorn
vom Kolben "mitgenommen" wird. Ein solcher "Mitnehmer" ist allerdings nicht unbedingt
nötig und in anderen Ausführungsformen ist etwa die Bohrung im Kolben eine Vierkantöffnung,
in welchen ein als Vierkant ausgebildeter Dorn einschiebbar ist. Damit kann dann das
Vierkantprofil für den Formschluss sorgen.
[0031] Nochmals zurückkommend auf die Kulissenführung widmen wir uns nun Figur 7. Hier ist
die Platte entfernt, sodass man die Kulissenbahn 10 und den Kulissenstein 11 von unten
sehr gut sehen kann. Es sind auch Ausführungsformen denkbar, bei welchen der Kulissenstein
sich am Gehäuse 2 und die Kulissenbahn sich am Kolben 4 befindet. In der gezeigten
Variante jedoch wird also der Kulissenstein 11 durch die Verschiebung des Kolbens
4 entlang der Schlossachse As in den Verlauf der Kulissenbahn 10 gezwungen und bedingt
somit die Rotation des Kolbens 4 um die Schlossachse As. Der Kulissenstein 11 ist
insbesondere als Gleitelement ausgeführt, um eine möglichst reibungsfreie Führung
zu gewährleisten. Wie auch das zuvor genannte Verbindungsstück 16 an der zweiten Achse
A
2 oder das Gleitelement 14 am Ende 9 des Dorns 6, so kann auch ein solches als Kulissenstein
11 ausgeführtes Gleitelement einen gerundeten Körper aus Metall (insbesondere gehärtet),
Kunststoff oder Keramik umfassen, um die Verschleissfestigkeit noch weiter zu verbessern.
Speziell kann es sich hierbei um Ringe, Tori oder Ellipsoide handeln. Die Rundung
kann eine kleinstmögliche Reibfläche erzielen.
[0032] Die Kulissenbahn 10 verläuft teils in Umfangsrichtung (mit Bezug zum zylindrischen
Gehäuse bzw. Kolben), teils in axialer Richtung (mit Bezug zur Schlossachse As). Es
kann sich also insbesondere um einen helikalen oder helikoidalen Verlauf handeln.
Allerdings kann die Kulissenbahn auch individuelle Kurvenverläufe annehmen, so z.B.
etwa die Ergonomie noch weiter zu steigern. Die Kulissenbahn kann von ihrer Ausgangsposition
(wie sie in Figur 7 gezeigt ist) ausgehend einen mehr in axialer Richtung und nicht
oder nur gering in Umfangsrichtung fortschreitenden Verlauf haben, der sich dann steigert.
Dies kann auch für den Bereich der Kulissenbahn gelten, in welchem die Schlossfalle
beinahe komplett eingezogen ist und der Türöffnung freien Lauf gibt. Hier kann die
Kulissenbahn also auch derart geformt sein, dass die Drehung des Dorns 6 abgemildert
wird, um das "Gefühl" bei der Türöffnung zu verbessern.
[0033] Zur besseren Illustration des Mechanismus sind noch die Figuren 8 und 9 angefügt,
die jeweils den Türöffner 1 in der Stellung von Figur 3 repräsentieren, d.h. in einer
Schnittansicht und einer Ansicht von unten (mit entfernter Platte). Wichtig zu erwähnen
ist, dass die in den Figuren gezeigten Ausführungsbeispiele stets nur für eine Bewegungsrichtung
der Hebel 5 vorgesehen sind (auf Papierebene von rechts nach links). Das bedeutet,
dass logischerweise der Hebel 5 dort nur gedrückt werden kann, wo auch die Tür zum
Öffnen aufgedrückt werden muss, und dort nur an ihm gezogen werden kann, wo auch an
der Tür gezogen werden muss.
[0034] Eine weitere Ausführungsform jedoch, die nicht gezeigt ist, ist so ausgebildet, dass
man zum Zurückziehen der Schlossfalle auf beiden Seiten der Tür an dem Hebel ziehen
und diesen drücken kann. Diese Ausführungsform bezieht sich auf den weiter oben erwähnten
Anwendungsfall, bei dem man am Hebel ziehen möchte und die Tür z.B. mit dem Ellenbogen
aufdrückt. Hierfür sollte zu beiden Seiten hin der Dorn genügend lang sein und er
darf wie es in Figur 6 z.B. der Fall ist, keinen Absatz 23 haben, der den Kolben abblockt.
[0035] In einer bevorzugten Ausführungsform sind alle Bestandteile des Türöffners jeweils
für die Vorderseite und die Rückseite einer Tür identisch, sodass ein und derselbe
Türöffner für beide Seiten einsetzbar ist.
[0036] In manchen Ausführungsformen, die nicht in den Figuren gezeigt sind, kann im oder
am Türöffner ein Sperrmechanismus vorgesehen sein, der (a) das Hebelelement 5, (b)
den Kolben, (c) den Kulissenstein 11 und/oder den Dorn 6 in seiner Bewegung blockiert.
Mit einer solchen Vorrichtung kann die Tür 3 versperrt werden, ohne dass ein Schlossriegel
des Einsteckschlosses 21 benutzt werden muss. Mit dem Sperrmechanismus wird im Endeffekt
die Schlossfalle 20 in ihrer Position arretiert. Als Beispiel könnte hierfür ein dem
Benutzer zugänglicher, seitlich am Gehäuse angebrachter (und durch eine evtl. vorhandene
Schale 22 mittels entsprechendem Loch darin hindurchragender) Schalter zum Kippen
oder Schieben vorgesehen sein. Der Schalter ist so ausgebildet, dass er im Inneren
die Bewegungsfreiheit des Kolbens blockiert. So kann etwa durch den Schalter ein Blockierelement
in eine entsprechende Nut im Kolben, z.B. die Öffnung 19, einrasten.
[0037] Anstelle eines solchen mechanischen Schalters kann aber auch eine elektronische Einheit
mit Energiespeicher (z.B. Akku, insbesondere mit Solarzelle) vorhanden sein, die dann
das Blockierelement im Inneren des Gehäuses 2 verstellt, um damit den Sperrmechanismus
zu aktivieren oder aufzuheben. Die elektronische Einheit kann dazu einen Verstellmotor
enthalten, der z.B. über ein Lesegerät für elektronische Schlüssel ("Badge") gesteuert
wird. Um Platz zu sparen kann das Lesegerät insbesondere in das Hebelelement 5 integriert
sein, oder am Gehäuse 2 oder Deckel 22 angebracht sein.
[0038] Die Erfindung wurde zwar anhand ihrer bevorzugten Ausführungsform(en) erläutert,
doch es können viele weitere Änderungen und Variationen vorgenommen werden, ohne über
den Umfang der vorliegenden Erfindung hinauszugehen. Daher ist es vorgesehen, dass
die beiliegenden Patentansprüche Änderungen und Variationen abdecken, die im tatsächlichen
Umfang der Erfindung enthalten sind.
1. Türöffner (1)
gekennzeichnet durch
ein Gehäuse (2) zum Anbringen an eine Anschlagtür (3),
einen Kolben (4), der in dem Gehäuse entlang einer Schlossachse (As) verschiebbar
und drehbar um diese Schlossachse gelagert ist,
ein Hebelelement (5), das an einer ersten Stelle (S
1) in dem Gehäuse drehbar um eine erste Achse (A
1) und an einer zweiten Stelle (S
2) relativ zum Kolben drehbar um eine zweite Achse (A
2) gelagert ist, wobei die erste und zweite Achse parallel und zur Schlossachse nicht-parallel
sind,
einen Dorn (6), der zum Zusammenwirken mit einer Vierkantöffnung einer Schlossnuss
(7) der Anschlagtür zumindest einen Abschnitt (8) mit Vierkantprofil aufweist, wobei
der Kolben relativ zum Dorn drehfest und entlang der Schlossachse verschiebbar auf
einem Ende (9) des Dorns gelagert ist,
eine Kulissenführung, die durch ein erstes Element am Gehäuse und ein zweites Element
am Kolben gebildet wird, wobei das erste oder zweite Element als Kulissenbahn (10)
und das respektive andere Element als Kulissenstein (11) ausgeführt ist, und wobei
die Kulissenbahn einen Verlauf hat, der jeweils zumindest abschnittsweise
mit Bezug auf das Gehäuse bzw. den Kolben Komponenten in Umfangsrichtung und
mit Bezug auf die Schlossachse Komponenten in axialer Richtung hat.
2. Türöffner gemäss Anspruch 1, wobei der Dorn (6) zwei Dornkomponenten (12,13) aufweist,
die jeweils eine Schulter haben und zum Formen des Dorns derart verbindbar sind, dass
der Abschnitt (8) mit Vierkantprofil in der Vierkantöffnung der Schlossnuss angeordnet,
die Schlossnuss (7) beidseitig von den Dornkomponenten eingeklemmt und der Dorn somit
relativ zur Schlossnuss drehfest an der Schlossnuss arretiert wird.
3. Türöffner gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei am Ende (9) des Dorns ein
Gleitelement (14) vorgesehen ist zum derartigen Zusammenwirken mit einer zum Gleitelement
passgenauen Aussparung (15), die parallel oder helikoidal zur Schlossachse (As) am
Kolben (4) angeordnet ist, dass eine Drehbewegung des Kolbens um die Schlossachse
auf den Dorn übertragen wird und dass die Aussparung auf dem Gleitelement gleitet.
4. Türöffner gemäss Anspruch 3, wobei die Aussparung (15) mindestens eine Nut im Kolben
aufweist, und wobei das Gleitelement (14) einen gerundeten Körper aus Metall, Kunststoff
oder Keramik aufweist.
5. Türöffner gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Hebelelement (5) an
der ersten Stelle (S1) eine Welle aufweist, die drehbar im Gehäuse wälzgelagert oder gleitgelagert ist,
wobei die erste Achse (A1) jeweils einen Abstand zur zweiten Achse (A2) und zur Schlossachse (As) von zwischen 0.5 cm und 5 cm hat.
6. Türöffner gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Hebelelement (5) an
der zweiten Stelle (S2) ein Verbindungsstück (16) aufweist, das den Kolben (4) mit dem Hebelelement verbindet,
wobei das Gehäuse eine Auslassung (19) aufweist, durch welche das Verbindungsstück
verläuft und das so dimensioniert ist, dass das Verbindungsstück in der Auslassung
senkrecht zur zweiten Achse (A2) bewegbar ist.
7. Türöffner gemäss Anspruch 6, wobei der Kolben (4) eine Nut (17) quer zur Schlossachse
(As) aufweist und das Verbindungsstück (16) in der Nut derart gleitgelagert ist, dass
eine Drehung des Kolbens relativ zum Verbindungsstück und um die Schlossachse ermöglicht
wird, jedoch eine relative Translation zwischen Kolben und Verbindungsstück parallel
zur Schlossachse blockiert wird.
8. Türöffner gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die zweite Achse (A2) in jeder möglichen Stellung des Hebelelements (5) einen Abstand zur Schlossachse
(As) von maximal 2 cm hat, insbesondere von weniger als 1 cm.
9. Türöffner gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei das Hebelelement (5) einen
Betätigungsbereich (18) aufweist, der einen Abstand zum Abschnitt (8) des Dorns mit
dem Vierkantprofil, der mit der Vierkantöffnung der Schlossnuss (7) zusammenwirkt,
von mindestens 5 cm aufweist, insbesondere von mindestens 7 cm.
10. Türöffner gemäss Anspruch 9, wobei das Hebelelement (5) so gestaltet und gelagert
ist, dass durch Drücken oder Ziehen des Betätigungsbereichs (18) zumindest teilweise
parallel zur Schlossachse (AS) das Hebelelement um die erste Stelle (S1) rotiert, der Kolben (4) durch das Hebelelement an der zweiten Stelle (S2) entlang der Schlossachse verschoben wird und der Dorn (6) mittels der Kulissenführung
zwischen Gehäuse (2) und Kolben in eine Rotation um die Schlossachse versetzt wird.
11. Türöffner gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei die Kulissenbahn (10) einen
derart dimensionierten Bereich hat, dass der Kulissenstein (11) in einer Ausgangsposition
in beide Richtungen entlang der Kulissenbahn bewegbar ist.
12. Türöffner gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, wobei der Dorn als durchgängiger
Vierkantbolzen ausgeführt ist, der so ausgebildet ist, dass er an der Vierkantöffnung
der Schlossnuss (7) arretierbar ist, und wobei der Kolben ein Vierkantloch aufweist,
anhand dessen der Kolben auf dem Vierkantbolzen drehfest und entlang der Schlossachse
verschiebbar gelagert ist.
13. Türöffner gemäss einem der vorangehenden Ansprüche, aufweisend einen Sperrmechanismus,
der mindestens ein Teil aus der folgenden Gruppe in seiner Bewegung blockiert:
das Hebelelement (5),
den Kolben (4),
den Kulissenstein (11),
den Dorn (6).
14. Türöffner gemäss Anspruch 13, aufweisend einen mechanischen Schalter oder eine elektronische
Einheit mit Energiespeicher zur Aktivierung und Aufhebung des Sperrmechanismus.
15. Verfahren zum Öffnen einer Tür mit einem Türöffner gemäss einem der vorangehenden
Ansprüche, aufweisend
Drücken oder Ziehen des Hebelelements (5) zumindest teilweise parallel zur Schlossachse
(AS),
Verschieben des Kolbens (4) parallel zur Schlossachse und relativ zum Gehäuse aufgrund
der durch das Drücken oder Ziehen bedingten Bewegung des Hebelelements an der zweiten
Stelle (S2),
Rotieren des Kolbens aufgrund der Kulissenführung,
Mitrotieren des Dorns (6) aufgrund der drehfesten Lagerung des Kolbens auf dem Ende
(9) des Dorns,
Verschieben des Kolbens relativ zum Dorn aufgrund der verschiebbaren Lagerung des
Kolbens auf dem Ende des Dorns, und
Rotieren der Schlossnuss (7) aufgrund des Zusammenwirkens des Abschnitts (8) des Dorns
mit Vierkantprofil mit der Vierkantöffnung der Schlossnuss.