[0001] Die Erfindung betrifft das Kaltwalzen eines Walzguts in einer Walzstraße mit mehreren
Walzgerüsten.
[0002] In einem Walzgerüst wird ein Walzgut, in der Regel ein metallisches Walzband, in
einem Walzspalt zwischen zwei Arbeitswalzen des Walzgerüstes gewalzt, um die Dicke
des Walzguts zu reduzieren. Oft werden in einer so genannten Walzstraße mehrere Walzgerüste
angeordnet, die von dem Walzgut nacheinander durchlaufen werden, um die Dicke des
Walzguts sukzessive zu reduzieren. Das Walzen des Walzguts in einem der Walzgerüste
wird als ein Walzstich bezeichnet. In einer Walzstraße mit mehreren Walzgerüsten werden
also mehrere Walzstiche nacheinander ausgeführt. Die Reduzierung der Dicke des Walzguts
bei einem Walzstich wird als Stichabnahme des Walzstichs bezeichnet. Beim Kaltwalzen
wird das Walzgut bei einer Walzguttemperatur unterhalb der Rekristallisationstemperatur
gewalzt.
[0003] Unter anderem für Anwendungen im technischen Gebiet der Elektromobilität gewinnen
Elektrobleche mit hohen Siliziumanteilen mehr und mehr an Bedeutung. Die hohe Sprödigkeit
dieser Elektrobleche kann zu zahlreichen Schwierigkeiten speziell bei der Kaltumformung
führen, beispielsweise zu häufigen Bandrissen und daher instabilen Produktionsbedingungen
beim Kaltwalzen. Durch Erhöhen der Walzguttemperatur des Walzguts kann dessen Sprödigkeit
herabgesetzt werden.
[0004] Andererseits darf die Walzguttemperatur beim Kaltwalzen prinzipbedingt die Rekristallisationstemperatur
des Walzguts nicht überschreiten. Außerdem sollte die Walzguttemperatur beim Kaltwalzen
in der Regel auch aus anderen Gründen limitiert werden. Beispielsweise wird beim Kaltwalzen
meist ein Schmiermittel auf die Arbeitswalzen der Walzgerüste und/oder auf das Walzgut
aufgebracht, um eine Reibung zwischen dem Walzgut und den Arbeitswalzen zu reduzieren.
Das Schmiermittel ist oder enthält ein Walzöl, das bei hohen Temperturen, beispielsweise
über 200°C, vercracken kann. Ferner können dem Kaltwalzen Bearbeitungsschritte zum
Bearbeiten des kaltgewalzten Walzguts, beispielsweise ein Beschichten des Walzguts,
nachgeordnet sein, für die eine zu hohe Walzguttemperatur nachteilig ist (im Fall
des Beschichtens des Walzguts beispielsweise zu einer verminderten Haftung der Beschichtung).
Des Weiteren kann eine hohe Walzguttemperatur zu einem erhöhten Verschleiß von Anlagenequipment,
beispielsweise von kunststoffbeschichteten Umlenkrollen für das Walzgut oder von Ablagesätteln
für das gewalzte Walzgut, oder zu einer thermischen Verformung der Arbeitswalzenkontur
in axialer Richtung, die eine Planheit des Walzguts beeinträchtigt, führen.
[0005] Die
JP H01 218710 A schlägt vor, ein in ein Kaltwalzgerüst einlaufendes Walzband auf eine Temperatur
zwischen 100°C - 500°C zu erwärmen, sowie die Arbeitswalzen des Walzgerüsts einlaufseitig
mit Schmiermittel und auslaufseitig mit Wasser als Kühlmittel zu beaufschlagen. Durch
die Erwärmung soll einerseits der Umformungswiderstand des Walzbandes verringert werden,
andererseits soll durch das Aufbringen von Kühlwasser eine Zerstörung des Schmierfilmes
auf den Arbeitswalzen aufgrund von Überhitzung sowie eine zu starke thermische Verformung
der Arbeitswalzen verhindert werden.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Walzstraße zum Kaltwalzen
eines Walzguts mit mehreren Walzgerüsten anzugeben, die hinsichtlich der Temperierung
des Walzguts während des Walzens und/oder nach dem Walzen verbessert sind.
[0007] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1 und eine Walzstraße mit den Merkmalen des Anspruchs 12 gelöst.
[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0009] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Kaltwalzen eines Walzguts in einer Walzstraße
mit mehreren Walzgerüsten, die von dem Walzgut nacheinander durchlaufen werden, wird
für wenigstens einen ausgewählten Walzstich, insbesondere für jeden Walzstich, eine
obere Grenztemperatur und/oder eine untere Grenztemperatur für eine Walzguttemperatur
des Walzguts vorgegeben und die Walzguttemperatur wird durch die folgenden Steuer-
oder Regelungsmaßnahmen derart gesteuert und/oder geregelt, dass die Walzguttemperatur
in jedem ausgewählten Walzstich die für den Walzstich vorgegebene obere Grenztemperatur
nicht überschreitet und/oder die für den Walzstich vorgegebene untere Grenztemperatur
nicht unterschreitet:
- Erwärmen des Walzguts vor dem ersten Walzstich auf eine Einlauftemperatur,
- Kühlen der Arbeitswalzen wenigstens eines Walzgerüsts durch Aufbringen eines Walzenkühlmittels
auf die Arbeitswalzen, wobei ein Walzenkühlmittelstrom und/oder ein Walzenkühlmitteldruck
des Walzenkühlmittels gesteuert oder geregelt wird,
- Kühlen des Walzguts zwischen wenigstens zwei aufeinander folgenden Walzstichen durch
Aufbringen eines Walzgutkühlmittels auf das Walzgut, wobei ein Walzgutkühlmittelstrom
und/oder ein Walzgutkühlmitteldruck des Walzgutkühlmittels gesteuert oder geregelt
wird,
- Aufbringen eines Schmiermittels auf die Arbeitswalzen oder/und auf das Walzgut bei
wenigstens einem Walzstich, wobei ein Schmiermittelstrom und/oder ein Schmiermitteldruck
des Schmiermittels gesteuert oder geregelt wird,
- Erstellen und Umsetzen einer Stichplanverteilung für die Stichabnahmen der einzelnen
Walzstiche, und
- Steuern oder Regeln einer Walzgeschwindigkeit, mit der das Walzgut die Walzstraße
durchläuft.
[0010] Die Erfindung sieht also vor, die Walzguttemperatur in wenigstens einem Walzstich
zu kontrollieren, so dass sie eine walzstichspezifische obere Grenztemperatur nicht
überschreitet und/oder eine walzstichspezifische untere Grenztemperatur nicht unterschreitet.
Dadurch können generell Betriebsstörungen wie Bandrisse reduziert werden und somit
kann der Durchsatz einer Walzstraße erhöht werden. Insbesondere werden die Produktionsbedingungen
für das Kaltwalzen kritischen Walzguts wie beispielsweise von Elektroblechen mit hohem
Siliziumanteil verbessert oder sogar erst geschaffen. Durch eine geeignete Vorgabe
der Grenztemperaturen kann ferner die Walzgutendtemperatur am Ausgang der Walzstraße
gezielt beeinflusst werden, wodurch eine flexible Weiterverarbeitbarkeit des kaltgewalzten
Walzguts erreicht werden kann. Ferner kann durch eine geeignete Vorgabe der Grenztemperaturen
eine am Eingang der Walzstraße erforderliche Einlauftemperatur des Walzguts minimiert
werden und dadurch Energie zum Erwärmen des Walzguts vor dem ersten Walzstich eingespart
werden. Ferner kann durch eine geeignete Vorgabe der Grenztemperaturen das Anlagenequipment
geschont werden, um dessen Verschleiß zu reduzieren.
[0011] Die genannten Steuer- oder Regelungsmaßnahmen eignen sich in besonderem Maße zur
Beeinflussung der Walzguttemperatur während des Kaltwalzens. So reduziert eine Erwärmung
des Walzguts vor dem ersten Walzstich die Sprödigkeit des Walzguts und damit die Gefahr
von Bandrissen des Walzguts.
[0012] Durch das Kühlen von Arbeitswalzen und/oder des Walzguts zwischen Walzstichen wird
einer Erwärmung der Arbeitswalzen und des Walzguts beim Kaltumformen des Walzguts
entgegengewirkt. Bei der Walzenkühlung mittels auf die Arbeitswalzen ausgegebenen
Walzenkühlmittels lässt sich die aus den Arbeitswalzen abgeführte Wärmemenge aus der
Modellierung des Wärmeüberganges (Bestimmung des Wärmeübergangskoeffizienten zwischen
einer Walzenoberfläche und dem Walzenkühlmittel) ermitteln und ist beispielsweise
aus
F. Hell: Grundlagen der Wärmeübertragung, VDI-Verlag 1982, ISBN-Nummer 978-3-18-400529-0,
Seiten 77-85 bekannt. Alternativ kann der Wärmeübergangskoeffizient auch empirisch als Funktion
des Walzenkühlmittelstromes und des Walzenkühlmitteldrucks ermittelt werden (sogenanntes
Tabellenmodell). Daraus lässt sich die Temperatur der Arbeitswalzen bestimmen, woraus
wiederum der Wärmefluss zwischen dem Walzgut und den Arbeitswalzen - also die vom
Walzgut an die Arbeitswalzen abgegebene Wärmemenge - im Walzspalt ermittelt und durch
entsprechende Steuerung bzw. Regelung des Walzenkühlmittelstromes und/oder des Walzenkühlmitteldrucks
reguliert werden kann, sodass die Walzguttemperatur im Walzspalt gezielt eingestellt
werden kann. Gleichermaßen lässt sich bei der Walzgutkühlung mittels auf das Walzgut
aufgebrachtem Walzgutkühlmittel die dabei aus dem Walzgut an das Walzgutkühlmittel
abgeführte Wärmemenge bei Kenntnis des Walzgutkühlmittelstromes und des Walzgutkühlmitteldrucks
durch eine Modellierung des Wärmeüberganges bestimmen, entweder durch eine oben beispielhaft
genannte modellbasierte oder durch eine empirische Bestimmung des Wärmeübergangskoeffizienten
zwischen dem Walzgutkühlmittel und der damit beaufschlagten Walzgutoberfläche in Abhängigkeit
von Walzgutkühlmittelstrom und Walzgutkühlmitteldruck. Daraus lassen sich wiederum
- durch entsprechende Steuerung bzw. Regelung des Walzgutühlmittelstromes und/oder
des Walzgutkühlmitteldrucks - der Wärmefluss aus dem Walzgut und in der Folge die
Temperatur des Walzguts in jenen Bereichen der Walzanlage gezielt einstellen, in denen
das Walzgut direkt mit Walzgutkühlmittel beaufschlagt wird.
[0013] Durch das Aufbringen eines Schmiermittels auf die Arbeitswalzen oder/und auf das
Walzgut bei wenigstens einem Walzstich wird die Reibung zwischen dem Walzgut und den
Arbeitswalzen verringert und damit einer Erwärmung des Walzguts und/oder der Arbeitswalzen
entgegengewirkt. Je mehr Schmiermittel aufgetragen wird, desto geringer ist die beim
Walzen entstehende Reibungsverlustleistung. Letztere errechnet sich grundsätzlich
aus einer aufgebrachten Walzkraft, einem Reibungskoeffizienten und einer Differenzgeschwindigkeit
zwischen dem Walzband und den Arbeitswalzen im Walzspalt des jeweiligen Walzgerüsts.
Die Walzkraft wird in der Regel von einer Anlagenautomation der Walzstraße zur Erzielung
der gewünschten Stichabnahme am betreffenden Gerüst vorgegeben und ist somit bekannt.
Alternativ kann die aktuelle Walzkraft, beispielsweise im Falle einer Dickenregelung,
auch laufend über Vorrichtungen, welche die Walzkraft am betreffenden Walzgerüst erzeugen
(beispielsweise Hydraulikzylinder), online gemessen werden. Zum Ermitteln der Differenzgeschwindigkeit
im Walzspalt ist beispielsweise Formel (3.13) in
H. Hoffmann: Handbuch Umformen, 2012, ISBN 978-3-446-42778-5 bekannt, in welche die Ein- bzw. Austrittsgeschwindigkeit des Walzguts am Walzgerüst
sowie die Walzspaltgeometrie, die von den Walzendurchmessern der Arbeitswalzen und
der Stichabnahme am entsprechenden Gerüst abhängt, Eingang findet. Für die Ermittlung
des Reibungskoeffizienten im Walzspalt kann beispielsweise auf Erfahrungswerte zurückgegriffen
werden. So bestimmen beispielsweise die bei einem speziellen Walzvorgang bekannten
Parameter Oberflächenqualität, Materialeigenschaften und Schmiermittelauftrag den
Reibungskoeffizienten. Alternativ ist auch eine Modellierung des Reibungskoeffizienten
aus
J.B.A.F. Smeulders: Lubrication in the Gold Rolling Process Described by a 3D Stribeck
Curve, AISTech 2013 Proceedings bekannt.
[0014] Durch eine Stichplanverteilung für die Stichabnahmen der einzelnen Walzstiche wird
die in der Walzstraße zu erzielende Dickenreduzierung des Walzguts auf die einzelnen
Walzgerüste aufgeteilt. Prinzipiell erfolgt in jedem Walzgerüst eine Walzguterwärmung
durch die plastische Umformung des Walzguts. Die dabei im Walzgut entstehende Umformungswärme
kann vom Fachmann in einfacher Weise aus der Stichabnahme am jeweiligen Walzgerüst
sowie aus Materialeigenschaften des Walzguts ermittelt werden. Durch eine geeignete
Wahl der Stichabnahmen, die sämtliche Gerüste der Walzstraße berücksichtigt, kann
beispielsweise erreicht werden, dass ein vorgegebener Temperaturbereich für die Walzguttemperatur
über die gesamte Walzstraße eingehalten wird.
[0015] Unter der Walzgeschwindigkeit wird eine Geschwindigkeit verstanden, mit der das Walzgut
die Walzgerüste der Walzstraße durchläuft. Die Walzgeschwindigkeit kann direkt die
oben genannte Reibungsverlustleistung an den einzelnen Walzgerüsten beeinflussen,
da von der Walzgeschwindigkeit unmittelbar auch die Differenzgeschwindigkeiten in
den einzelnen Walzgerüsten betroffen sind. Daher beeinflusst die Walzgeschwindigkeit
auch die Walzguttemperatur in den einzelnen Walzstichen.
[0016] Zur Beeinflussung der Walzguttemperatur beim Kaltwalzen in einer Walzstraße mit mehreren
Walzgerüsten, die von dem Walzgut nacheinander durchlaufen werden, stehen somit gemäß
dem erfindungsgemäßen Verfahren mehrere Steuer- oder Regelungsmaßnahmen zur Verfügung,
die den Walzprozess jeweils über eine entsprechende Stellgröße beeinflussen und die
es ermöglichen, die Walzguttemperatur während des gesamten Durchlaufs des Walzguts
durch die Walzstraße innerhalb eines bestimmten Temperaturbereiches, der durch eine
untere und eine obere Grenztemperatur vorgegeben ist, zu halten. Diese Stellgrößen
umfassen die Heizleistung einer Heizvorrichtung zum Einstellen einer Einlauftemperatur
des Walzbandes vor dem ersten Walzstich, die Kühlparameter zur Einstellung der Wärmemenge,
die durch den Kontakt des Walzguts mit den Arbeitswalzen sowie durch das auf das Walzgut
aufgebrachte Walzgutkühlmittel aus dem Walzgut abgeführt wird, die Schmierparameter
zum Einstellen der Reibungsverlustleistung im Walzspalt der jeweiligen Walzgerüste,
die Stichplanverteilung zum Einstellen der bei der Stichabnahme in den jeweiligen
Walzgerüsten entstehenden Umformungswärme, sowie die Walzgeschwindigkeit, die ebenfalls
die Reibungsverlustleistung bei der Stichabnahme in den einzelnen Walzgerüsten beeinflusst.
[0017] Bei den obengenannten Steuer- oder Regelungsmaßnahmen kann beispielsweise anhand
einer Simulation durch eine Recheneinheit vorab, d.h. vor der tatsächlichen Durchführung
des Walzvorganges selbst, eine Ermittlung der dabei resultierenden Walzguttemperaturen
erfolgen. Diese Recheneinheit kann identisch mit der Steuerung sein, die die Steuer-
oder Regelungsmaßnahmen an der Walzstraße beim realen Walzvorgang durchführt.
[0018] Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise ausgehend von voreingestellten Werten
für die einzelnen Stellgrößen zunächst der Temperaturverlauf des Walzguts - über einen
bestimmten Walzstich oder über die gesamte Walzstraße hinweg
- ermittelt wird: beispielsweise wird
- die aufgrund der am ersten Walzgerüst voreingestellten Kühlparameter aus dem Walzgut
and die Arbeitswalzen und an das Walzgutkühlmittel abgeführte Wärmemenge ermittelt,
- es wird weiterhin die aufgrund der am ersten Walzgerüst voreingestellten Schmierparameter
sowie der am ersten Walzgerüst voreingestellten Walzgeschwindigkeit die Reibungsverlustleistung
im Walzspalt des ersten Walzgerüsts ermittelt, und
- es wird die aufgrund der voreingestellten Stichplanverteilung am ersten Walzgerüst
entstehende Umformungswärme aus der Stichabnahme am ersten Walzgerüst und aus den
Materialeigenschaften des Walzguts ermittelt.
[0019] Auf Basis dieser ermittelten Wärmeflüsse kann - ausgehend von einer mittels einer
Heizvorrichtung voreingestellten oder anderweitig ermittelten Einlauftemperatur des
Walzguts beim Einlaufen in das erste Walzgerüst - die resultierende Walzguttemperatur
hinter dem ersten Walzgerüst nach Aufbringen des Walzgutkühlmittels ermittelt werden.
Die derart ermittelte Walzguttemperatur hinter dem ersten Walzgerüst kann als Ausgangspunkt
verwendet werden, um in gleicher Weise die Walzguttemperatur hinter dem zweiten Walzgerüst
auf Basis der am zweiten Walzgerüst voreingestellten Walzgeschwindigkeit, Stichabnahme
sowie Kühlungs- und Schmierparameter zu ermitteln. Diese sukzessive Ermittlung der
Walzguttemperatur kann bis zum Austreten des Walzguts aus dem letzten Walzgerüst der
Walzstraße fortgesetzt werden.
[0020] Wird eine Über- bzw. Unterschreitung der oberen bzw. unteren Grenztemperatur festgestellt,
dann kann eine der obengenannten Steuer- oder Regelungsmaßnahmen mit von den voreingestellten
Werten abweichenden Werten für die jeweilige Stellgröße angesetzt und die Walzguttemperatur
erneut rechnerisch ermittelt werden, um zu überprüfen, ob die vorgegebenen Grenztemperaturen
mit geänderten Parametern für die Steuer- oder Regelungsmaßnahmen eingehalten werden.
Nach jeder Änderung der angesetzten Stellgrößen kann die Überprüfung erneut durchgeführt
werden.
[0021] So kann beispielsweise bei einer festgestellten Überschreitung der Walzguttemperatur
an einem bestimmten Walzgerüst die aufgebrachte Schmierung und/oder die Kühlung an
diesem Gerüst erhöht werden, um die Reibungsverlustleistung zu verringern und/oder
die aus dem Walzgut abtransportierte Wärmemenge zu erhöhen.
[0022] Bei einem sogenannten 'globalen Optimierungsproblem` wird eine Lösung gesucht, bei
der mehrere Kriterien gleichzeitig unter Vorgabe einer Zielfunktion zu beachten sind,
wobei die Zielfunktion die einzelnen Kriterien individuell gewichtet und diese Kriterien
z.B. eine gewünschte Temperaturführung über die gesamte Walzstraße hinweg, einen optimierten
Stichplan in Bezug auf gewünschte Materialeigenschaften, eine möglichst hohe Durchsatzrate
durch die Walzstraße, das Einhalten einer bestimmten Walzkraftverteilung oder einen
möglichst geringen Einsatz von Kühl- und Schmiermittel umfassen können. Der Rechenaufwand
zum Auffinden einer Lösung eines globalen Optimierungsproblems steigt überproportional
mit der Anzahl der variierbaren Parameter.
[0023] Die unabhängige und nicht erfindungsgemässe Ausführung einer oder mehrerer der obengenannten
Steuer- oder Regelmaßnahmen liefert zwar nicht notwendigerweise die optimale Lösung
in Bezug auf ein derartiges globales Optimierungsproblem, dafür aber ist eine unabhängige
Implementierung der Ausführung einer oder mehrerer der obengenannten Steuer- oder
Regelmaßnahmen voneinander beispielsweise als Nachrüstlösung für bestehende Steuerungen
von Walzstraßen geeignet, da die Überprüfung, ob eine angesetzte Steuer- oder Regelmaßnahme
die Einhaltung der Grenztemperaturen gewährleistet, in jedem Fall nur proportional
zu den Walzgerüsten der Walzstraße ist, jedoch nicht von der Anzahl der variierbaren
Parameter selbst abhängt. Die in einem solchen Fall benötigte Rechenleistung kann
daher auch von einer Steuerung der Walzstraße selbst bereitgestellt werden kann. So
müssen beispielsweise bei der Änderung der Kühlparameter an einem bestimmten Walzgerüst
lediglich die Walzguttemperaturen im Bereich der dem betreffenden Walzgerüst nachgeordneten
Walzgerüst neu ermittelt werden. Aber auch bei einer zusätzlich angesetzten Änderung
des Stichplanes oder der Walzgeschwindigkeit, die sich jeweils auf die Gesamtheit
der Walzgerüste der Walstraße auswirken, ist die Anzahl der in der oben beschriebenen
Weise neu zu ermittelnden Wärmemengen zur Überprüfung auf Einhaltung der Grenztemperaturen
durch eben diese Gesamtzahl der Walzgerüste beschränkt.
[0024] Bei einer Ausgestaltung der Erfindung erfolgt eine modellbasierte Berechnung der
Einlauftemperatur des Walzguts, der Kühl- und Schmierungsparameter, der Stichplanverteilung
und der Walzgeschwindigkeit als Lösung eines globalen Optimierungsproblems unter Vorgabe
einer Zielfunktion. Unter einem globalen Optimierungsproblem Dabei kann es eine Vielzahl
von Lösungen geben, unter denen die geeignetste beispielsweise erst unter Berücksichtigung
weiterer Kriterien, beispielsweise durch zusätzliches Maximieren der Walzgeschwindigkeit
oder Einhalten einer bestimmten Walzkraftverteilung auf die Walzgerüste 3 bis 7, ebenfalls
modellbasiert bestimmt wird.
[0025] Bei einer Ausgestaltung der Erfindung wird für wenigstens einen Walzstich eine obere
Grenztemperatur im Bereich zwischen 140°C und 250°C und/oder eine untere Grenztemperatur
im Bereich zwischen 20°C und 140°C vorgegeben. Durch eine derartige obere Grenztemperatur
kann insbesondere das oben bereits genannten Vercracken von Walzöl vermieden werden,
das als Schmiermittel oder Bestandteil eines Schmiermittels verwendet wird. Die untere
Grenztemperatur ist materialabhängig und wird daher dem Walzgut angepasst.
[0026] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung werden eine gemeinsame obere Grenztemperatur
und/oder eine gemeinsame untere Grenztemperatur für alle Walzstiche vorgegeben. Dies
vereinfacht das erfindungsgemäße Verfahren gegenüber einer Ausführung mit walzstichabhängigen
Grenztemperaturen.
[0027] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird das Walzgut vor dem ersten Walzstich
mit einer Heizvorrichtung, insbesondere mit einer Induktionsheizung, auf eine Einlauftemperatur
erwärmt. Bei einer induktiven Erwärmung des Walzguts kann die Erwärmung des Walzguts
einfach aus einer Leistung der Induktionsheizung, dem Wirkungsgrad und der Einwirkdauer,
die sich aus der Walzgutgeschwindigkeit und der Baulänge der Heizung ergibt, sowie
Materialeigenschaften des Walzguts, insbesondere dessen spezifischer Wärmekapazität,
ermittelt werden.
[0028] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung werden die Arbeitswalzen wenigstens
eines Walzgerüsts durch nur auslaufseitiges Aufbringen eines Walzenkühlmittels auf
die Arbeitswalzen gekühlt. Unter der Auslaufseite eines Walzgerüsts wird diejenige
Seite des Walzgerüsts verstanden, auf der das Walzgut das Walzgerüst verlässt. Entsprechend
wird unter der Einlaufseite eines Walzgerüsts diejenige Seite des Walzgerüsts verstanden,
auf der das Walzgut in das Walzgerüst einläuft. Ein auslaufseitiges Aufbringen eines
Walzenkühlmittels auf die Arbeitswalzen ist effizienter als ein einlaufseitiges Aufbringen,
da aufgrund der Drehrichtung der Arbeitswalzen die durch den Walzvorgang erzeugte
Wärme sofort abgeführt wird, während für eine einlaufseitige Walzenkühlung die betreffende
Stelle der Arbeitswalze zuerst noch etwa eine halbe Umdrehung zurücklegen muss.
[0029] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird auf die Arbeitswalzen oder/und
auf das Walzgut bei wenigstens einem Walzstich ein Schmiermittel aufgebracht, indem
in einer Zerstäubungseinrichtung ein Gemisch aus dem Schmiermittel und einem Trägergas
erzeugt wird und das Gemisch mit Schmiermitteldüsen auf die Arbeitswalzen und/oder
auf das Walzgut gesprüht wird. Ein derartiges Aufbringen von Schmiermittel ist beispielsweise
aus
EP 2 651 577 B1 bekannt und hat beispielsweise gegenüber dem Aufbringen einer Schmieremulsion den
Vorteil, dass das Schmiermittel sehr gezielt und sparsam aufgetragen werden kann.
[0030] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird auf die Arbeitswalzen oder/und
auf das Walzgut bei wenigstens einem Walzstich nur einlaufseitig ein Schmiermittel
aufgebracht. Dies ist insbesondere bei Walzstichen vorteilhaft, bei denen Kühlmittel
nur auslaufseitig aufgebracht wird, weil dann kein Schmiermittel von dem Kühlmittel
abgewaschen wird und somit Schmiermittel eingespart wird.
[0031] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird für wenigstens einen Parameter
einer Steuer- oder Regelungsmaßnahme ein Parameterwert offline anhand eines Rechenmodells
wenigstens eines Teils der Walzstraße ermittelt und der Parameter wird bei dem Betrieb
der Walzstraße auf den Parameterwert eingestellt. Zu den Parametern, die von einem
Rechenmodell ermittelt werden können, zählen eine Einlauftemperatur des Walzguts,
Kühlparameter (z.B. Walzenkühlmittelströme, Walzenkühlmitteldrücke, Walzgutkühlmittelströme
und Walzgutkühlmitteldrücke), Schmierungsparameter (z.B. Schmiermittelströme und Schmiermitteldrücke),
eine Stichplanverteilung (d.h. die Stichabnahmen der einzelnen Walzstiche), sowie
eine Walzgeschwindigkeit.
[0032] Bei diesen Ausgestaltungen der Erfindung wird also wenigstens eine Teilmenge der
Parameter zur Steuerung oder Regelung der Walzguttemperatur vorab ermittelt (insbesondere
berechnet).
[0033] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung werden wenigstens zwei offline ermittelte
Parameterwerte als Lösung eines globalen Optimierungsproblems unter Vorgabe einer
Zielfunktion ermittelt wird. Dadurch wird - zusätzlich zur Einhaltung der oberen und
unteren Grenztemperatur - vorteilhaft die Berücksichtigung zumindest eines weiteren
Kriteriums beim Walzvorgang des Walzguts ermöglicht.
[0034] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung wird im Betrieb der Walzstraße wenigstens
ein Messwert der Walzguttemperatur erfasst, und wenigstens ein Parameter einer Steuer-
oder Regelungsmaßnahme wird online in Abhängigkeit von wenigstens einem Messwert eingestellt.
Bei dieser Ausgestaltung der Erfindung wird also wenigstens eine Teilmenge der Parameter
zur Steuerung oder Regelung der Walzguttemperatur in Abhängigkeit von einer gemessenen
Walzguttemperatur des Walzguts online eingestellt. Dies kann insbesondere die Kühlung
und Schmierung der Arbeitswalzen und/oder des Walzguts betreffen.
[0035] Eine erfindungsgemäße Walzstraße umfasst mehrere Walzgerüste zum Kaltwalzen eines
Walzguts und eine Steuerung, die eingerichtet ist, die oben genannten Steuer- oder
Regelungsmaßnahmen auszuführen. Die Walzstraße umfasst:
- eine von der Steuerung steuer- oder regelbare Heizvorrichtung, die eingerichtet ist,
das Walzgut vor dem ersten Walzstich zu erwärmen,
- ein von der Steuerung steuer- oder regelbares Kühlsystem, das eingerichtet ist, ein
Walzenkühlmittel auf die Arbeitswalzen wenigstens eines Walzgerüsts und/oder ein Walzgutkühlmittel
zwischen wenigstens zwei aufeinander folgenden Walzstichen auf das Walzgut auszugeben,
- ein von der Steuerung steuer- oder regelbares Schmierungssystem, das eingerichtet
ist, bei wenigstens einem Walzstich ein Schmiermittel auf die Arbeitswalzen oder/und
auf das Walzgut auszugeben, und bevorzugt
- wenigstens eine Messeinheit, die zum Erfassen einer Walzguttemperatur des Walzguts
an einer beliebigen Stelle der Walzstraße eingerichtet ist.
[0036] Die Vorteile einer derartigen Walzstraße entsprechen den oben genannten Vorteilen
des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0037] Die oben beschriebenen Eigenschaften, Merkmale und Vorteile dieser Erfindung sowie
die Art und Weise, wie diese erreicht werden, werden klarer und deutlicher verständlich
im Zusammenhang mit der folgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen, die im Zusammenhang
mit den Zeichnungen näher erläutert werden. Dabei zeigen
FIG 1 schematisch ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Walzstraße,
FIG 2 ein Ablaufdiagramm eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0038] Figur 1 (FIG 1) zeigt schematisch ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen
Walzstraße 1 mit fünf Walzgerüsten 3 bis 7 zum Kaltwalzen eines Walzguts 2. Jedes
Walzgerüst 3 bis 7 weist zwei übereinander angeordnete Arbeitswalzen 9, 10 auf, die
voneinander durch einen Walzspalt 11 beabstandet sind. Zum Walzen des Walzguts 3 werden
die Arbeitswalzen 9, 10 motorgetrieben in Rotation versetzt und das Walzgut 3 wird
durch die rotierenden Arbeitswalzen 9, 10 in einer Walzrichtung 13 durch die Walzspalte
11 gezogen.
[0039] Bei dem in Figur 1 gezeigten Ausführungsbeispiel einer Walzstraße 1 weist ferner
jedes Walzgerüst 3 bis 7 für jede Arbeitswalze 9, 10 zwei Stützwalzen 15 bis 18 auf,
die übereinander auf einer von dem Walzgut 2 abwandten Seite der jeweiligen Arbeitswalze
9, 10 angeordnet sind, wobei eine erste Stützwalze 15, 17 die zweite Stützwalze 16,
18 und die Arbeitswalze 9, 10 kontaktiert.
[0040] Von jedem Walzgerüst 3 bis 7 wird ein Walzstich ausgeführt, bei dem die Dicke des
Walzguts 2 um die so genannte Stichabnahme des Walzstichs reduziert wird. Eingangs
der Walzstraße 1 ist eine Heizvorrichtung 19 angeordnet, die eingerichtet ist, das
Walzgut 2 vor dem ersten Walzstich, der von einem ersten Walzgerüst 3 ausgeführt wird,
zu erwärmen. Die Heizvorrichtung 19 ist beispielsweise als eine Induktionsheizung
ausgebildet, mit der das Walzgut 3 induktiv erwärmbar ist.
[0041] Die Walzstraße 1 weist ferner ein Kühlsystem auf, das eingerichtet ist, ein Walzenkühlmittel
21 auf die Arbeitswalzen 9, 10 der Walzgerüste 4 bis 6, die den zweiten, dritten und
vierten Walzstich ausführen, und ein Walzgutkühlmittel 23 zwischen dem zweiten und
dem dritten Walzstich, dem dritten und dem vierten Walzstich und dem vierten und dem
fünften Walzstich auf das Walzgut 2 auszugeben. Das Kühlsystem umfasst für jedes der
Walzgerüste 4 bis 6 einen oberen Kühlbalken 25 und einen unteren Kühlbalken 27. Mit
dem oberen Kühlbalken 25 ist Walzenkühlmittel 21 auslaufseitig auf die obere Arbeitswalze
9 des jeweiligen Walzgerüsts 4 bis 6 und Walzgutkühlmittel 23 auf eine obere Walzgutoberfläche
des Walzguts 3 ausgebbar. Mit dem unteren Kühlbalken 27 ist Walzenkühlmittel 21 auslaufseitig
auf die untere Arbeitswalze 10 des jeweiligen Walzgerüsts 4 bis 6 und Walzgutkühlmittel
23 auf eine untere Walzgutoberfläche des Walzguts 3 ausgebbar. Jeder Kühlbalken 25,
27 umfasst beispielsweise mehrere Walzenkühlmitteldüsen, mit denen das Walzenkühlmittel
21 auf die jeweiligen Arbeitswalze 9, 10 ausgebbar ist, und/oder mehrere Walzgutkühlmitteldüsen,
mit denen das Walzgutkühlmittel 23 auf das Walzgut 2 ausgebbar ist.
[0042] Das Walzenkühlmittel 21 ist beispielsweise Wasser oder eine Kühlemulsion. Das Walzgutkühlmittel
23 ist ebenfalls beispielsweise Wasser oder eine Kühlemulsion und kann mit dem Walzenkühlmittel
21 überstimmen. Eine Kühlemulsion besteht aus einer Kühlflüssigkeit und einem Schmierstoff,
beispielsweise aus Wasser als Kühlflüssigkeit und Öl als Schmierstoff, sowie eventuell
aus Emulgatoren. Die Hauptkomponente der Kühlemulsion ist dabei die Kühlflüssigkeit,
während der Schmierstoffanteil der Kühlemulsion nur wenige Prozent, beispielsweise
zwei bis drei Prozent, beträgt. Beispielsweise entspricht die auf die beiden Arbeitswalzen
9, 10 eines Walzgerüsts 4 bis 6 aufgebrachte Menge an Walzenkühlmittel 21 (insgesamt,
das heißt auf beide Arbeitswalze 9, 10 zusammen) in Litern pro Minute ungefähr einer
Motorleistung des Walzgerüsts 4 bis 6 in kW, wobei die Motorleistung die Leistung
eines die Arbeitswalzen 9, 10 des Walzgerüsts 4 bis 6 antreibenden Motors ist.
[0043] Die Walzstraße 1 weist außerdem ein Schmierungssystem auf, das eingerichtet ist,
auf die Arbeitswalzen 9, 10 aller Walzgerüste 3 bis 7 einlaufseitig ein Schmiermittel
29 auszugeben. Das Schmierungssystem weist für jedes Walzgerüst 3 bis 7 einen oberen
Schmierbalken 31 und einen unteren Schmierbalken 33 auf. Mit dem oberen Schmierbalken
31 ist Schmiermittel 29 einlaufseitig auf die obere Arbeitswalze 9 des jeweiligen
Walzgerüsts 3 bis 7 ausgebbar. Mit dem unteren Schmierbalken 33 ist Schmiermittel
29 einlaufseitig auf die untere Arbeitswalze 10 des jeweiligen Walzgerüsts 3 bis 7
ausgebbar. Beispielsweise umfasst jeder Schmierbalken 31, 33 eine Zerstäubungseinrichtung,
in der ein Gemisch aus dem Schmiermittel 29 und einem Trägergas erzeugbar ist, und
mehrere Schmiermitteldüsen, mit denen das Gemisch auf die jeweilige Arbeitswalze 9,
10 sprühbar ist. Dabei ist das Schmiermittel 29 beispielsweise reines Walzöl und das
Trägergas ist beispielsweise Luft. Beispielsweise werden maximal zwei Liter Walzöl
pro Minute auf jede Arbeitswalze 9, 10 ausgegeben. Alternativ ist das Schmiermittel
29 eine Schmieremulsion, die aus einer Trägerflüssigkeit und Walzöl sowie eventuell
aus Emulgatoren besteht, und jeder Schmierbalken 31, 33 weist Schmiermitteldüsen auf,
mit denen die Schmieremulsion auf die jeweilige Arbeitswalze 9, 10 ausgebbar ist.
[0044] Unter den Walzgerüsten 3 bis 7 sind Auffangvorrichtungen 35 angeordnet, die eingerichtet
sind, von den Walzgerüsten 3 bis 7 abfließendes Walzenkühlmittel 21, Walzgutkühlmittel
23 und Schmiermittel 29 aufzufangen. Das von den Auffangvorrichtungen 35 aufgefangene
Gemisch aus Walzenkühlmittel 21, Walzgutkühlmittel 23 und Schmiermittel 29 wird vorzugsweise
in seine Bestandteile zerlegt, die anschließend wiederverwendet werden.
[0045] Die Walzstraße 1 weist des Weiteren mehrere Messeinheiten 37 auf, die jeweils zum
Erfassen einer Walzguttemperatur des Walzguts 2 eingerichtet sind. Eine Messeinheit
37 ist zwischen der Heizvorrichtung 19 und dem ersten Walzgerüst 3 angeordnet, weitere
Messeinheiten 37 sind jeweils zwischen zwei benachbarten Walzgerüsten 3 bis 7 angeordnet,
und eine Messeinheit 37 ist am Ende der Walzstraße 1 hinter dem Walzgerüst 7, das
den fünften Walzstich ausführt, angeordnet.
[0046] Die Walzstraße 1 weist überdies eine Steuerung 39 auf, mit der die Heizvorrichtung
19, das Kühlsystem, das heißt die von den Kühlbalken 25, 27 jeweils ausgegebenen Walzenkühlmittelströme,
Walzenkühlmitteldrücke, Walzgutkühlmittelströme und Walzgutkühlmitteldrücke, und das
Schmierungssystem, das heißt die von den Schmierbalken 31, 33 jeweils ausgegebenen
Schmiermittelströme und Schmiermitteldrücke, jeweils steuer- oder regelbar sind, um
die Walzguttemperatur des Walzguts 2 in jedem Walzstich zu steuern oder zu regeln.
Dazu wird für jeden Walzstich ein Temperaturfenster für die Walzguttemperatur zwischen
einer oberen Grenztemperatur und einer unteren Grenztemperatur vorgegeben, und die
Walzguttemperatur wird derart gesteuert und/oder geregelt, dass die Walzguttemperatur
in jedem Walzstich einen in dem für den Walzstich vorgegebenen Temperaturfenster liegenden
Temperaturwert annimmt. Neben der Steuerung oder Regelung der Heizvorrichtung 19,
des Kühlsystems und des Schmierungssystems wird eine Stichplanverteilung für die Stichabnahmen
der einzelnen Walzstiche erstellt und umgesetzt. Die Walzgerüste 3 bis 7, das heißt
die Spalthöhen der Walzspalte 11 der Walzgerüste 3 bis 7, werden gemäß der Stichplanverteilung
eingestellt. Ferner wird eine Walzgeschwindigkeit, mit der das Walzgut 2 die Walzstraße
1 durchläuft, gesteuert oder geregelt, um die Walzguttemperatur in den Walzstichen
zu beeinflussen. Die Walzgeschwindigkeit wird durch die Drehzahlen der Arbeitswalzen
9, 10 eingestellt.
[0047] Die Parameter der Temperatursteuerung und/oder -regelung sind eine mit der Heizvorrichtung
19 einzustellende Einlauftemperatur des Walzguts 2, die von den Kühlbalken 25, 27
jeweils ausgegebenen Walzenkühlmittelströme, Walzenkühlmitteldrücke, Walzgutkühlmittelströme
und Walzgutkühlmitteldrücke (Kühlparameter), die von den Schmierbalken 31, 33 jeweils
ausgegebenen Schmiermittelströme und Schmiermitteldrücke (Schmierungsparameter), die
Stichplanverteilung und die Walzgeschwindigkeit. Diese Parameter werden jeweils beispielsweise
offline anhand eines Rechenmodells wenigstens eines Teils der Walzstraße 1 ermittelt.
Beispielsweise erfolgt eine modellbasierte Berechnung der Einlauftemperatur des Walzguts
2, der Kühl- und Schmierungsparameter, der Stichplanverteilung und der Walzgeschwindigkeit
als Lösung eines globalen Optimierungsproblems unter Vorgabe einer Zielfunktion. Dabei
kann es eine Vielzahl von Lösungen geben, unter denen die geeignetste beispielsweise
erst unter Berücksichtigung weiterer Kriterien, beispielsweise durch zusätzliches
Maximieren der Walzgeschwindigkeit oder Einhalten einer bestimmten Walzkraftverteilung
auf die Walzgerüste 3 bis 7, ebenfalls modellbasiert bestimmt wird. Die so ermittelten
Parameter (offline-Parameter) werden jeweils manuell oder durch die Steuerung 39 eingestellt.
Alternativ können einige oder alle Parameter (online-Parameter) online in Abhängigkeit
von den Messwerten der Messeinheiten 37 derart geregelt werden, dass die Walzguttemperatur
in jedem Walzstich einen in dem für den Walzstich vorgegebenen Temperaturfenster liegenden
Temperaturwert annimmt. Beispielsweise werden die Stichplanverteilung, die Einlauftemperatur
des Walzguts 2 und die Walzgeschwindigkeit offline bestimmt, während die Kühl- und
Schmierungsparameter online in Abhängigkeit von den Messwerten der Messeinheiten 37
geregelt werden.
[0048] Figur 2 (FIG 2) zeigt ein Ablaufdiagramm 100 eines Ausführungsbeispiels des erfindungsgemäßen
Verfahrens zum Kaltwalzen eines Walzguts 2 in einer Walzstraße 1 mit Verfahrensschritten
101 bis 106.
[0049] In einem ersten Verfahrensschritt 101 wird für jeden Walzstich ein Temperaturfenster
für die Walzguttemperatur des Walzguts 2 in dem Walzstich vorgegeben.
[0050] In einem zweiten Verfahrensschritt 102 werden wie oben beschrieben die offline-Parameter
anhand eines Rechenmodells wenigstens eines Teils der Walzstraße 1 bestimmt, beispielsweise
die Stichplanverteilung, die Einlauftemperatur des Walzguts 2 und die Walzgeschwindigkeit.
[0051] In einem dritten Verfahrensschritt 103 wird das Kaltwalzen des Walzguts 2 in der
Walzstraße 1 mit den in dem zweiten Verfahrensschritt 102 bestimmten offline-Parametern
und vorgegebenen Anfangswerten der online-Parameter gestartet.
[0052] In einem vierten Verfahrensschritt 104 wird für jeden Walzstich eine Walzguttemperatur
des Walzguts 2 ermittelt. Beispielsweise wird dazu für einen Walzstich mit wenigstens
einer Messeinheit 37 die Walzguttemperatur erfasst oder die Walzguttemperatur in dem
Walzstich wird berechnet, beispielsweise wie oben beschrieben mit einer Berechnung
des Wärmeflusses zwischen dem Walzgut und den Arbeitswalzen im Walzspalt anhand einer
Modellierung des Wärmeübergangs und/oder mit einer Berechnung der Umformungswärme,
die bei einer Walzguterwärmung durch die plastische Umformung des Walzguts entsteht.
[0053] In einem fünften Verfahrensschritt 105 wird geprüft, ob die Walzguttemperatur in
jedem Walzstich einen in dem für den Walzstich vorgegebenen Temperaturfenster liegenden
Temperaturwert annimmt. Wenn die Prüfung ergibt, dass die Walzguttemperatur in jedem
Walzstich einen in dem für den Walzstich vorgegebenen Temperaturfenster liegenden
Temperaturwert annimmt, wird wieder der vierte Verfahrensschritt 104 ausgeführt. Andernfalls
wird ein sechster Verfahrensschritt 106 ausführt.
[0054] In dem sechsten Verfahrensschritt 106 wird der Wert wenigstens eines online-Parameters
geändert, um die Walzguttemperatur in jedem Walzstich, bei dem die Walzguttemperatur
außerhalb des für den Walzstich vorgegebenen Temperaturfensters liegt, in das vorgegebene
Temperaturfenster zu führen. Nach dem sechsten Verfahrensschritt 106 wird wieder der
vierte Verfahrensschritt 104 ausgeführt.
[0055] Obwohl die Erfindung im Detail durch bevorzugte Ausführungsbeispiele näher illustriert
und beschrieben wurde, so ist die Erfindung nicht durch die offenbarten Beispiele
eingeschränkt und andere Variationen können vom Fachmann hieraus abgeleitet werden,
ohne den durch die Ansprüche definierten Schutzumfang der Erfindung zu verlassen.
Bezugszeichenliste
[0056]
- 1
- Walzstraße
- 2
- Walzgut
- 3 bis 7
- Walzgerüst
- 9, 10
- Arbeitswalze
- 11
- Walzspalt
- 13
- Walzrichtung
- 15 bis 18
- Stützwalze
- 19
- Heizvorrichtung
- 21
- Walzenkühlmittel
- 23
- Walzgutkühlmittel
- 25, 27
- Kühlbalken
- 29
- Schmiermittel
- 31, 33
- Schmierbalken
- 35
- Auffangvorrichtung
- 37
- Messeinheit
- 39
- Steuerung
- 100
- Ablaufdiagramm
- 101 bis 106
- Verfahrensschritt
1. Verfahren zum Kaltwalzen eines Walzguts (2) in einer Walzstraße (1) mit mehreren Walzgerüsten
(3 bis 7), die von dem Walzgut (2) nacheinander durchlaufen werden, wobei
- für wenigstens einen Walzstich eine obere Grenztemperatur und/oder eine untere Grenztemperatur
für eine Walzguttemperatur des Walzguts (2) vorgegeben wird,
- und die Walzguttemperatur durch die folgenden Steuer- oder Regelungsmaßnahmen derart
gesteuert und/oder geregelt wird, dass die Walzguttemperatur in dem wenigstens einen
Walzstich die für den Walzstich vorgegebene obere Grenztemperatur nicht überschreitet
und/oder die für den Walzstich vorgegebene untere Grenztemperatur nicht unterschreitet:
- Erwärmen des Walzguts (2) vor dem ersten Walzstich mittels einer Heizvorrichtung
(19) auf eine Einlauftemperatur, wobei die Heizleistung der Heizvorrichtung (19) eingestellt
wird,
- Kühlen der Arbeitswalzen (9, 10) wenigstens eines Walzgerüsts (3 bis 7) durch Aufbringen
eines Walzenkühlmittels (21) auf die Arbeitswalzen (9, 10), wobei ein Walzenkühlmittelstrom
und/oder ein Walzenkühlmitteldruck des Walzenkühlmittels (21) gesteuert oder geregelt
wird, wobei die beim Kühlen der Arbeitswalzen (9, 10) aus den Arbeitswalzen (9, 10)
abgeführte Wärmemenge und die vom Walzgut (2) an die Arbeitswalzen (9, 10) abgegebene
Wärmemenge ermittelt wird,
- Kühlen des Walzguts (2) zwischen wenigstens zwei aufeinander folgenden Walzstichen
durch Aufbringen eines Walzgutkühlmittels (23) auf das Walzgut (2), wobei ein Walzgutkühlmittelstrom
und/oder ein Walzgutkühlmitteldruck des Walzgutkühlmittels (23) gesteuert oder geregelt
und die beim Kühlen des Walzguts (2) aus dem Walzgut (2) an das Walzgutkühlmittel
(23) abgeführte Wärmemenge ermittelt wird,
- Aufbringen eines Schmiermittels (29) auf die Arbeitswalzen (9, 10) oder/und auf
das Walzgut (2) bei wenigstens einem Walzstich, wobei ein Schmiermittelstrom und/oder
ein Schmiermitteldruck des Schmiermittels (29) gesteuert oder geregelt und eine Reibungsverlustleistung
im Walzspalt des jeweiligen Walzgerüsts (3 bis 7) ermittelt wird,
- Erstellen und Umsetzen einer Stichplanverteilung für die Stichabnahmen der einzelnen
Walzstiche, wobei die bei der plastischen Umformung des Walzguts (2) entstehende Umformungswärme
aus der Stichabnahme am jeweiligen Walzgerüst und aus den Materialeigenschaften des
Walzguts (2) ermittelt wird, und
- Steuern oder Regeln einer Walzgeschwindigkeit, mit der das Walzgut (2) die Walzstraße
(1) durchläuft, wobei die im jeweiligen Walzgerüst (3 bis 7) entstehende Reibungsverlustleistung
ermittelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei für wenigstens einen Walzstich eine obere Grenztemperatur
im Bereich zwischen 140°C und 250°C vorgegeben wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei für wenigstens einen Walzstich eine untere
Grenztemperatur im Bereich zwischen 20°C und 140°C vorgegeben wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei eine gemeinsame obere Grenztemperatur
für alle Walzstiche vorgegeben wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei eine gemeinsame untere Grenztemperatur
für alle Walzstiche vorgegeben wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Heizvorrichtung (19)
als Induktionsheizung ausgestaltet ist.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei auf die Arbeitswalzen (9,
10) oder/und auf das Walzgut (2) bei wenigstens einem Walzstich ein Schmiermittel
(29) aufgebracht wird, indem in einer Zerstäubungseinrichtung ein Gemisch aus dem
Schmiermittel (29) und einem Trägergas erzeugt wird und das Gemisch mit Schmiermitteldüsen
auf die Arbeitswalzen (9, 10) und/oder auf das Walzgut (2) gesprüht wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei für wenigstens einen Parameter
einer Steuer- oder Regelungsmaßnahme ein Parameterwert offline anhand eines Rechenmodells
wenigstens eines Teils der Walzstraße (1) ermittelt wird und der Parameter bei dem
Betrieb der Walzstraße (1) auf den Parameterwert eingestellt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, wobei wenigstens ein offline ermittelter Parameterwert
eine Einlauftemperatur des Walzguts (2) und/oder Kühlparameter und/oder ein Schmierungsparameter
und/oder eine Stichplanverteilung und/oder eine Walzgeschwindigkeit sind.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, wobei wenigstens zwei offline ermittelte Parameterwerte
als Lösung eines globalen Optimierungsproblems unter Vorgabe einer Zielfunktion ermittelt
wird.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei im Betrieb der Walzstraße
(1) wenigstens ein Messwert der Walzguttemperatur erfasst wird und wenigstens ein
Parameter einer Steuer- oder Regelungsmaßnahme online in Abhängigkeit von wenigstens
einem Messwert eingestellt wird.
12. Walzstraße (1) mit mehreren Walzgerüsten (3 bis 7) zum Kaltwalzen eines Walzguts (2)
und einer Steuerung (39), umfassend
- eine von der Steuerung (39) steuer- oder regelbare Heizvorrichtung (19), die eingerichtet
ist, das Walzgut (2) vor dem ersten Walzstich zu erwärmen,
- ein von der Steuerung (39) steuer- oder regelbares Kühlsystem, das eingerichtet
ist, ein Walzenkühlmittel (21) auf die Arbeitswalzen (9, 10) wenigstens eines Walzgerüsts
(3 bis 7) und/oder ein Walzgutkühlmittel (23) zwischen wenigstens zwei aufeinander
folgenden Walzstichen auf das Walzgut (2) auszugeben, und
- ein von der Steuerung (39) steuer- oder regelbares Schmierungssystem, das eingerichtet
ist, bei wenigstens einem Walzstich ein Schmiermittel (29) auf die Arbeitswalzen oder/und
auf das Walzgut (2) auszugeben,
- wobei die Steuerung (39) eingerichtet ist, die Steuer- oder Regelungsmaßnahmen des
Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche auszuführen.
13. Walzstraße (1) nach Anspruch 12 mit wenigstens einer Messeinheit (37), die zum Erfassen
einer Walzguttemperatur des Walzguts (2) an einer beliebigen Stelle der Walzstraße
(1) eingerichtet ist.
1. Method for the cold rolling of rolled stock (2) in a rolling train (1) having multiple
rolling stands (3 to 7) through which the rolled stock (2) passes in succession, wherein
- an upper limit temperature and/or a lower limit temperature for a temperature of
the rolled stock (2) is predetermined for at least one rolling pass,
- and the rolled-stock temperature is open-loop and/or closed-loop controlled by the
following open-loop or closed-loop control measures in such a way that the rolled-stock
temperature in the at least one rolling pass does not exceed the upper limit temperature
predetermined for the rolling pass and/or does not fall below the lower limit temperature
predetermined for the rolling pass:
- heating the rolled stock (2) to a run-in temperature by means of a heating device
(19) before the first rolling pass, wherein the heat output of the heating device
(19) is set,
- cooling the working rollers (9, 10) of at least one rolling stand (3 to 7) by applying
a roller coolant (21) to the working rollers (9, 10), wherein a flow of the roller
coolant (21) and/or a pressure of the roller coolant (21) is open-loop or closed-loop
controlled, wherein the amount of heat discharged from the working rollers (9, 10)
when the working rollers (9, 10) are being cooled and the amount of heat discharged
from the rolled stock (2) to the working rollers (9, 10) are ascertained,
- cooling the rolled stock (2) between at least two rolling passes which follow one
another by applying a rolled-stock coolant (23) to the rolled stock (2), wherein a
flow of the rolled-stock coolant (23) and/or a pressure of the rolled-stock coolant
(23) is open-loop or closed-loop controlled and the amount of heat discharged from
the rolled stock (2) to the rolled-stock coolant (23) when the rolled stock (2) is
being cooled is ascertained,
- applying a lubricant (29) to the working rollers (9, 10) or/and to the rolled stock
(2) in at least one rolling pass, wherein a flow of the lubricant (29) and/or a pressure
of the lubricant (29) is open-loop or closed-loop controlled and a frictional power
loss in the rolling gap of the respective rolling stand (3 to 7) is ascertained,
- compiling and implementing a pass sequence distribution for the pass reductions
of the individual rolling passes, wherein the resulting heat of forming when the rolled
stock (2) plastically deforms is ascertained from the pass reduction at the respective
rolling stand and from the material properties of the rolled stock (2), and
- open-loop or closed-loop controlling a rolling speed at which the rolled stock (2)
passes through the rolling train (1), wherein the resulting frictional power loss
in the respective rolling stand (3 to 7) is ascertained.
2. Method according to Claim 1, wherein an upper limit temperature in the range of between
140°C and 250°C is predetermined for at least one rolling pass.
3. Method according to Claim 1 or 2, wherein a lower limit temperature in the range of
between 20°C and 140°C is predetermined for at least one rolling pass.
4. Method according to one of the preceding claims, wherein a common upper limit temperature
is predetermined for all of the rolling passes.
5. Method according to one of the preceding claims, wherein a common lower limit temperature
is predetermined for all of the rolling passes.
6. Method according to one of the preceding claims, wherein the heating device (19) is
designed as an induction heater.
7. Method according to one of the preceding claims, wherein a lubricant (29) is applied
to the working rollers (9, 10) or/and to the rolled stock (2) in at least one rolling
pass by creating a mixture of the lubricant (29) and a carrier gas in an atomization
device and spraying the mixture onto the working rollers (9, 10) and/or onto the rolled
stock (2) by means of lubricant nozzles.
8. Method according to one of the preceding claims, wherein a parameter value is ascertained
offline for at least one parameter of an open-loop or closed-loop control measure
on the basis of a calculation model of at least part of the rolling train (1) and
the parameter is set to the parameter value during operation of the rolling train
(1).
9. Method according to Claim 8, wherein at least one parameter value ascertained offline
is a run-in temperature of the rolled stock (2) and/or a cooling parameter and/or
a lubrication parameter and/or a pass sequence distribution and/or a rolling speed.
10. Method according to Claim 8 or 9, wherein at least two parameter values ascertained
offline are ascertained as a solution to a global optimization problem with predetermination
of a target function.
11. Method according to one of the preceding claims, wherein at least one measured value
of the rolled-stock temperature is recorded during operation of the rolling train
(1), and at least one parameter of an open-loop or closed-loop control measure is
set online as a function of at least one measured value.
12. Rolling train (1) having multiple rolling stands (3 to 7) for the cold rolling of
rolled stock (2) and a controller (39), comprising
- a heating device (19) that can be open-loop or closed-loop controlled by the controller
(39) and is configured to heat the rolled stock (2) before the first rolling pass,
- a cooling system that can be open-loop or closed-loop controlled by the controller
(39) and is configured to dispense a roller coolant (21) onto the working rollers
(9, 10) of at least one rolling stand (3 to 7) and/or a rolled-stock coolant (23)
onto the rolled stock (2) between at least two rolling passes which follow one another,
and
- a lubrication system that can be open-loop or closed-loop controlled by the controller
(39) and is configured to dispense a lubricant (29) onto the working rollers or/and
onto the rolled stock (2) in at least one rolling pass,
- wherein the controller (39) is configured to carry out the open-loop or closed-loop
control measures of the method according to one of the preceding claims.
13. Rolling train (1) according to Claim 12 having at least one measuring unit (37) that
is configured to record a temperature of the rolled stock (2) at any desired point
on the rolling train (1).
1. Procédé de laminage à froid d'un produit laminé (2) dans un train de laminage (1)
comprenant plusieurs cages de laminoir (3 à 7) qui sont traversées de manière successive
par le produit laminé (2), dans lequel
- pour au moins une passe de laminage, une température limite supérieure et/ou une
température limite inférieure est/sont prédéfinie(s) pour une température de produit
laminé du produit laminé (2),
- et la température de produit laminé est commandée et/ou régulée grâce aux actions
de commande ou de régulation ci-dessous de telle manière que, pendant la au moins
une passe de laminage, la température de produit laminé ne dépasse pas la température
limite supérieure prédéfinie pour la passe de laminage et/ou ne descend pas en dessous
de la température limite inférieure prédéfinie pour la passe de laminage :
- chauffer le produit laminé (2) à une température d'entrée avant la première passe
de laminage au moyen d'un dispositif de chauffage (19), dans lequel la puissance de
chauffage du dispositif de chauffage (19) est ajustée,
- refroidir les cylindres de travail (9, 10) d'au moins une cage de laminoir (3 à
7) par application d'un agent de refroidissement de cylindre (21) sur les cylindres
de travail (9, 10), dans lequel un flux d'agent de refroidissement de cylindre et/ou
une pression d'agent de refroidissement de cylindre de l'agent de refroidissement
de cylindre (21) est/sont commandé(s) ou régulé(s), dans lequel la quantité de chaleur
dissipée à partir des cylindres de travail (9, 10) lors du refroidissement des cylindres
de travail (9, 10) et la quantité de chaleur transférée du produit laminé (2) vers
les cylindres de travail (9, 10) sont déterminées,
- refroidir le produit laminé (2) entre au moins deux passes de laminage consécutives
par application d'un agent de refroidissement de produit laminé (23) sur le produit
laminé (2), dans lequel un flux d'agent de refroidissement de produit laminé et/ou
une pression d'agent de refroidissement de produit laminé de l'agent de refroidissement
de produit laminé (23) est/sont commandé(s) ou régulé(s) et la quantité de chaleur
dissipée à partir du produit laminé (2) vers l'agent de refroidissement de produit
laminé (23) lors du refroidissement du produit laminé (2) est déterminée,
- appliquer un lubrifiant (29) sur les cylindres de travail (9, 10) et/ou sur le produit
laminé (2) lors d'au moins une passe de laminage, dans lequel un flux de lubrifiant
et/ou une pression de lubrifiant du lubrifiant (29) est/sont commandé(s) ou régulé(s)
et une puissance de perte par friction dans l'emprise de la cage de laminoir (3 à
7) respective est déterminée,
- établir et convertir une répartition des plans de passes pour les réductions aux
passes des différentes passes de laminage, dans lequel la chaleur de formage générée
lors du formage plastique du produit laminé (2) est déterminée à partir des réductions
aux passes au niveau de la cage de laminoir respective et à partir des propriétés
matérielles du produit laminé (2), et
- commander ou réguler une vitesse de laminage à laquelle le produit laminé (2) traverse
le train de laminage (1), dans lequel la puissance de perte par friction générée dans
la cage de laminage (3 à 7) respective est déterminée.
2. Procédé selon la revendication 1, dans lequel une température limite supérieure située
dans la plage comprise entre 140°C et 250°C est prédéfinie pour au moins une passe
de laminage.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, dans lequel une température limite inférieure
située dans la plage comprise entre 20°C et 140°C est prédéfinie pour au moins une
passe de laminage.
4. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, dans lequel une température
limite supérieure commune est prédéfinie pour toutes les passes de laminage.
5. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, dans lequel une température
limite inférieure commune est prédéfinie pour toutes les passes de laminage.
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, dans lequel le dispositif
de chauffage (19) est conçu pour être un chauffage par induction.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, dans lequel un lubrifiant
(29) est appliqué sur les cylindres de travail (9, 10) et/ou sur le produit laminé
(2) lors d'au moins une passe de laminage, grâce à la production d'un mélange de lubrifiant
(29) et d'un gaz porteur au sein d'un dispositif de pulvérisation et à la pulvérisation
du mélange sur les cylindres de travail (9, 10) et/ou sur le produit laminé (2) grâce
à des buses à lubrifiant.
8. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, dans lequel, pour au
moins un paramètre d'une action de commande ou de régulation, une valeur de paramètre
est déterminée hors ligne à l'aide d'un modèle de calcul d'au moins une partie du
train de laminage (1) et le paramètre est ajusté à la valeur de paramètre lors du
fonctionnement du train de laminage (1).
9. Procédé selon la revendication 8, dans lequel au moins une valeur de paramètre déterminée
hors ligne est une température d'entrée du produit laminé (2) et/ou un paramètre de
refroidissement et/ou un paramètre de lubrification et/ou une répartition de plans
de passe et/ou une vitesse de laminage.
10. Procédé selon la revendication 8 ou 9, dans lequel au moins deux valeurs de paramètres
déterminées hors ligne sont déterminées en tant que solution d'un problème d'optimisation
global avec spécification d'une fonction cible.
11. Procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes, dans lequel, pendant
le fonctionnement du train de laminage (1), au moins une valeur de mesure de la température
de produit laminé est enregistrée et au moins un paramètre d'une action de commande
ou de régulation est ajusté en ligne en fonction d'au moins une valeur de mesure.
12. Train de laminage (1) avec plusieurs cages de laminoir (3 à 7) permettant de laminer
à froid un produit laminé (2) et avec une commande (39), comprenant
- un dispositif de chauffage (19) pouvant être commandé ou régulé par la commande
(39) et conçu pour chauffer le produit laminé (2) avant la première passe de laminage,
- un système de refroidissement pouvant être commandé ou régulé par la commande (39)
et conçu pour fournir un agent de refroidissement de cylindre (21) sur les cylindres
de travail (9, 10) d'au moins une cage de laminoir (3 à 7) et/ou un agent de refroidissement
de produit laminé (23) sur le produit laminé (2) entre au moins deux passes de laminage
consécutives, et
- un système de lubrification pouvant être commandé ou régulé par la commande (39)
et conçu pour fournir un lubrifiant (29) sur les cylindres de travail et/ou sur le
produit laminé (2) lors d'au moins une passe de laminage,
- dans lequel la commande (39) est conçue pour mettre en œuvre les actions de commande
ou de régulation du procédé selon l'une quelconque des revendications précédentes.
13. Train de laminage (1) selon la revendication 12, comprenant au moins une unité de
mesure (37) conçue pour enregistrer une température de produit laminé du produit laminé
(2) au niveau d'un emplacement quelconque du train de laminage (1).