[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Hebezeug, insbesondere einen Mobilkran oder
einen Seilbagger, mit einer Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen
eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs eines Auslegersystems sowie ein entsprechendes
Verfahren.
[0002] Mobile Krane oder auch Seilbagger werden regelmäßig mit Auslegersystemen eingesetzt,
bei welchen ein verstellbarer Nadelausleger auf einem Hauptausleger montiert ist.
Das Aufrichten und Ablegen eines solchen Auslegersystems ist relativ komplex, da der
Maschinenbediener mehrere Winden zum Antreiben der unterschiedlichen Ausleger gleichzeitig
steuern und zur korrekten Ansteuerung zusätzlich auf diverse Strangkräfte achten muss.
[0003] Aus dem Stand der Technik ist bekannt, wie man ein Auslegersystem aufrichtet. Dies
kann beispielsweise anhand der Figs. 1 bis 3 und den nachfolgenden Erläuterungen nachvollzogen
werden.
[0004] Wie in Fig. 1 dargestellt, liegt das Auslegersystem am Boden. Der Gesamtschwerpunkt
des Auslegersystems muss zunächst mit Bodenkontakt des Nadelauslegerkopfes in Richtung
Grundgerät gebracht werden, bevor das Auslegersystem vom Boden abgehoben werden kann.
[0005] Die Hauptauslegerverstellung wird in Richtung Heben angesteuert, wobei die Nadelauslegerverstellung
zunächst gleichzeitig in Richtung Senken angesteuert wird.
[0006] So wird das Auslegersystem in eine Klappmesserstellung (Fig. 2) gebracht, bei welcher
der Gesamtschwerpunkt des Auslegersystems auf einer so geringen Ausladung ist, dass
der verstellbare Nadelausleger vom Boden abgehoben werden kann. Dies geschieht bspw.
indem nur noch der Hauptausleger in Richtung Heben gesteuert wird, bis dieser seine
steilste Stellung für den Aufrichtvorgang erreicht hat. Danach wird der Nadelausleger
gegenüber dem Hauptausleger in Richtung Heben verschwenkt, bis das Auslegersystem
eine geometrische Stellung erreicht, für welche in der Regel eine Traglasttabelle
für den Kranbetrieb zur Verfügung steht (vgl. Fig. 3). Der in Fig. 3 dargestellte
Zustand des Hebezeugs entspricht einem aufgerichteten Auslegersystem.
[0007] Dabei ist es nach dem Stand der Technik meist so, dass das Auslegersystem bei einem
Aufrichten oder einem Ablegen in vordefinierte Winkelstellungen gebracht wird, wie
dies aus der
DE 10 2016 015 388 bekannt ist.
[0008] Das Ablegen des Auslegersystems funktioniert in gleicher Weise. Der Hauptausleger
wird in die steilste Stellung gefahren, wobei danach der Nadelausleger abgesenkt wird,
bis er entweder Bodenkontakt hat oder seinen minimalen Winkel gegenüber dem Hauptausleger
erreicht hat. Dann wird der Hauptausleger in Richtung Senken angesteuert. Wenn der
Nadelauslegerkopf Bodenkontakt hat, wird der Nadelausleger gleichzeitig in Richtung
Heben angesteuert, um die Haltestränge des Nadelauslegers straff zu halten und ein
Ablegen der Ausleger auf dem Boden zu erreichen.
[0009] Nachteilhaft an der aus dem Stand der Technik bekannten Umsetzung zum Aufrichten
oder Ablegen eines Auslegersystems ist, dass dieses in vordefinierte Stellungen gefahren
werden muss. So muss beispielsweise bei einem Aufrichten vor einem Verschwenken des
Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger in Heberichtung zunächst der Hauptausleger
in seine maximal angehobene Position verfahren werden. Auch für erfahrene Bediener
eines Hebezeugs ist es nicht möglich, von diesem Vorgehen abzuweichen, da aus Sicherheitsgründen
ein Abweichen untersagt ist.
[0010] Zudem ist es erforderlich, dass der Nadelausleger gleichzeitig zum Hauptausleger
verfahren werden muss, wobei die notwendige Ansteuergeschwindigkeit durch den Maschinenbediener
sehr schwer einzuschätzen ist. Sie ist abhängig von der Haltestrangvorspannung des
Nadelauslegers, welche nur von einer entfernt, seitlichen Draufsicht auf das Auslegersystem
korrekt gesehen wird, was einen Einweiser notwendig macht, der in Kommunikation mit
dem Bediener steht.
[0011] Weiter ist auch das parallele Betätigen der Steuerung zum Verschwenken des Hauptauslegers
und des Nadelauslegers sehr herausfordernd, sodass der Vorgang zum Montieren oder
Demontieren eines Hebezeugs anspruchsvoll und trotz der streng einzuhaltenden standardisierten
Arbeitsschritte fehleranfällig ist.
[0012] Es ist das Ziel der vorliegenden Erfindung die vorstehend aufgeführten Nachteile
zu überwinden oder zumindest abzumildern, was durch das Hebezeug nach dem Anspruch
1 oder das Verfahren nach dem Anspruch 11 gelingt. Vorteilhafte Ausgestaltungen der
vorliegenden Erfindung sind dabei in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0013] Erfindungsgemäß ist demnach ein Hebezeug vorgesehen, insbesondere ein Mobilkran oder
ein Seilbagger, das einen Oberwagen mit einer Windenanordnung, einen Hauptausleger,
der von dem Oberwagen abgeht, einen Nadelausleger, der von dem vom Oberwagen entfernten
Ende des Hauptauslegers abgeht, und eine Kippmomenterfassungseinheit zum Bestimmen
des auf das Hebezeug durch Stellung von Hauptausleger und Nadelausleger einwirkenden
Kippmoments umfasst. Das Hebezeug ist gekennzeichnet durch eine Vorrichtung zum Unterstützen
oder zum vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs eines
den Hauptausleger und den Nadelausleger umfassenden Auslegersystems, die dazu ausgelegt
ist, in Abhängigkeit des von der Kippmomenterfassungseinheit erfassten Kippmoments
Schritte zum Aufrichten und/oder Ablegen des Auslegersystems auszuführen.
[0014] Die Windenanordnung, die beispielsweise am Oberwagen angeordnet sein kann, dient
dazu, den Hauptausleger gegenüber dem Oberwagen und/oder den Nadelausleger gegenüber
dem Hauptausleger zu verschwenken.
[0015] Somit ist es also nicht mehr erforderlich, dass die einzelnen Bestandteile des Auslegersystems
in vorgegebene, fest definierte Positionen verfahren werden, bevor ein nachfolgender
Schritt zum Aufrichten /Ablegen ausgeführt werden kann. Beim Aufrichten des Auslegersystems
war es nach dem Stand der Technik bisher erforderlich, dass der Hauptausleger in eine
vorgegebene aufgerichtete Position verfahren werden muss und gleichzeitig der Nadelausleger
gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung bewegt wird, sodass der Verbindungsabschnitt
zwischen den beiden Auslegerbestandteilen nach oben verfahren worden ist (in die sogenannte
Klappmesser-Position). Erst nachdem der Hauptausleger in seiner maximal aufgerichteten
Position oder in einer fest vorgegebenen aufgerichteten Stellung ist, war es erlaubt,
dass der Nadelausleger gegenüber dem Hauptausleger in eine Heberichtung verfahren
wird.
[0016] Es ist ersichtlich, dass die vorliegende Erfindung gegenüber diesem starren Verfahren
vorteilhaft ist, da nun nicht mehr gewartet werden muss, bis beispielsweise der Hauptausleger
in seiner vorbestimmten aufgerichteten Position ist, so dass der Nadelausleger gegenüber
dem Hauptausleger bereits früher verschwenkt werden kann. Der genaue Zeitpunkt hängt
von den erfassten Werten der Kippmomenterfassungseinheit ab.
[0017] Nach der Erfindung wird nämlich nun auf das Kippmoment, das auf das Hebezeug einwirkt,
abgestellt und in Abhängigkeit davon entschieden, wann beispielsweise eine Bewegung
des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger bei einem Aufrichtvorgang durchgeführt
werden kann. Typischerweise ist dies bereits dann möglich, wenn der Hauptausleger
noch nicht seine maximal aufgerichtete Position erreicht hat, sodass es zu einem gleichzeitigen
Verschwenken von Hauptausleger gegenüber dem Oberwagen und Nadelausleger gegenüber
dem Hauptausleger kommt, da auf Grundlage des erfassten Kippmoments sichergestellt
ist, dass keine Gefahr zum Kippen des Hebezeugs besteht.
[0018] Analog verhält es sich bei einem Ablegen des Auslegersystems aus einem aufgerichteten
Zustand, wonach es nach dem Stand der Technik bisher erforderlich war, dass zu Beginn
eines Ablegevorgangs der Hauptausleger in seine maximal aufgerichtete Position überführt
werden muss und erst nach Erreichen dieser Position ein Verschwenken des Nadelauslegers
gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung durchgeführt werden kann.
[0019] Auch hier erlaubt die Erfindung bei entsprechender Berücksichtigung des Kippmoments
eine frühere Bewegung des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung,
sodass dieser bereits dann hin zum Hauptausleger bewegt werden kann, wenn der Hauptausleger
noch nicht seine maximal aufgerichtete Position bzw. eine (nach dem Stand der Technik
erforderliche) zum Durchführen des Ablegevorgangs einzunehmende Lage erreicht hat.
Dies beschleunigt das Aufrichten bzw. Ablegen des Auslegersystems an dem Hebezeug
und ermöglicht somit eine effizientere Nutzung und eine damit einhergehende verbesserte
Kosteneffizienz.
[0020] Ferner kann nach der vorliegenden Erfindung vorgesehen sein, dass die Vorrichtung
zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs
ferner dazu ausgelegt ist, nur in Abhängigkeit des von der Kippmomenterfassungseinheit
erfassten Kippmoments die Schritte zum Aufrichten und/oder Ablegen des Auslegersystems
auszuführen, so dass starre Auslegerpositionen bei der Abfolge von Schritten zum Aufrichten
und/oder Ablegen des Auslegersystems nicht erreicht werden müssen.
[0021] Nach einer Variante der Erfindung kann also beim Ausführen der Schritte unabhängig
von einem Erreichen bestimmter Winkelstellungen der Ausleger fortgefahren werden,
wobei hier vorzugsweise ausschließlich auf das Hebezeug einwirkende Kippmoment geachtet
wird und andere Parameter nicht berücksichtigt werden.
[0022] Nach einer weiteren optionalen Modifikation der vorliegenden Erfindung kann vorgesehen
sein, dass die Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen eines
Aufricht- und/oder Ablegevorgangs ferner dazu ausgelegt ist bzw. beim Ausführen der
Schritte zum Aufrichten und/oder Ablegen des Auslegersystems dazu ausgelegt ist:
- a) bei einem Aufrichtvorgang aus der abgelegten Bodenposition, den Nadelausleger bereits
dann in Heberichtung anzusteuern, wenn der Hauptausleger seine maximal aufgerichtete
Position noch nicht erreicht hat, und/oder
- b) bei einem Ablegevorgang aus der aufgerichteten Arbeitsposition, den Nadelausleger
bereits dann in Senkrichtung anzusteuern, wenn der Hauptausleger seine maximal aufgerichtete
Position noch nicht erreicht hat, wobei vorzugsweise
das Ansteuern des Nadelauslegers in Heberichtung bzw. in Senkrichtung auch dadurch
erfolgen kann, indem der Nadelausleger in Bezug auf den Hauptausleger fixiert gehalten
ist und die Bewegung des Nadelauslegers durch ein Heben bzw. ein Senken des Hauptauslegers
erfolgt.
[0023] Weiter kann nach der vorliegenden Erfindung vorgesehen sein, dass die Vorrichtung
zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs
ferner dazu ausgelegt ist:
- a) bei einem Aufrichtvorgang aus der abgelegten Bodenposition, gleichzeitig zu einem
Heben des Hauptauslegers den Nadelausleger gegenüber dem Hauptausleger in Heberichtung
zu verschwenken, vorzugsweise zum Abheben einer Nadelauslegerspitze vom Boden, und/oder
- b) bei einem Ablegevorgang aus der aufgerichteten Arbeitsposition, gleichzeitig zu
einem Heben des Hauptauslegers den Nadelausleger gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung
zu verschwenken, und/oder
- c) bei einem Ablegevorgang, gleichzeitig zu einem Senken des Hauptauslegers den Nadelausleger
gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung zu verschwenken.
[0024] Nach einer vorteilhaften Modifikation der vorliegenden Erfindung kann ferner vorgesehen
sein, dass die Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen eines
Aufricht- und/oder Ablegevorgangs ferner dazu ausgelegt ist, während eines Aufricht-
und/oder Ablegevorgangs, in einem Zustand, in dem der Nadelausleger Bodenkontakt hat,
ein Nadelauslegerwinde zum Senken und Heben des Nadelauslegers so anzusteuern, dass
der Haltestrang zum Nadelausleger einen vorbestimmten ersten Spannungswert überschreitet,
um ein korrektes Aufwickeln auf der Nadelauslegerwinde zu ermöglichen.
[0025] Bei einem Aufricht- und/oder Ablegevorgang aus dem Stand der Technik, war es bisher
üblich, dass der Bediener nicht nur die Winde zum Steuern des Hauptauslegers, sondern
gleichzeitig dazu auch die Winde zum Steuern des Nadelauslegers ansteuern muss, um
den Haltestrang des Nadelauslegers auf Spannung zu halten, damit ein fehlerfreies
Aufwickeln auf der zugehörigen Winde erfolgen kann. Gleichzeitig dabei muss aber aufgepasst
werden, dass die Spannung des Haltestranges zum Nadelausleger nicht zu hoch ist, da
es ansonsten zu einem Kippen des Hebezeugs kommen kann.
[0026] Da es nach der erfindungsgemäßen Vorrichtung nun möglich ist, die Haltestrangspannung
ohne einen manuellen Eingriff eines Bedieners aufrechtzuerhalten, kann auch die bisher
im Stand der Technik erforderliche Notwendigkeit entfallen, einen Einweiser vorzusehen,
der dem Bediener Informationen über die Haltestrangspannung zukommen lässt. Dies führt
zu weiteren Vereinfachung beim Aufrichten oder Ablegen des Auslegersystems eines Hebezeugs.
[0027] Ferner kann dabei vorgesehen sein, dass die Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen
Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs dazu ausgelegt ist, während eines
Aufricht- und/oder Ablegevorgangs, in einem Zustand, in dem der Nadelausleger Bodenkontakt
hat, eine Nadelauslegerwinde zum Senken und Heben des Nadelauslegers so anzusteuern,
dass der Haltestrang zum Nadelausleger einen vorbestimmten zweiten Spannungswert nicht
überschreitet, um ein Kippen des Hebezeugs zu verhindern.
[0028] Da jedoch sichergestellt ist, dass die Spannung des Haltestrang in einem vorbestimmten
Bereich liegt, kann verhindert werden, dass die Spannung des Haltestrang zu einem
Kippen des Hebezeugs führt. Vorteilhafterweise kann dabei vorgesehen sein, dass zum
Regeln der Haltestrangspannung ebenfalls auf die Kippmomenterfassungseinheit zurückgegriffen
wird, um in Erfahrung zu bringen, ob durch die angelegte Spannung des Haltestrangs
ein Kippen des Hebezeugs droht.
[0029] Demnach kann vorgesehen sein, dass der vorbestimmte erste Spannungswert kleiner ist
als der vorbestimmte zweite Spannungswert.
[0030] Nach einer weiteren optionalen Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung kann vorgesehen
sein, dass die Schritte zum Aufrichten des Auslegersystems aus einer am Boden abgelegten
Position ein Ansteuern des Hauptauslegers in Heberichtung und gleichzeitiges Ansteuern
des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung umfassen, so dass es
zu einem Anheben des Verbindungsbereichs von Hauptausleger und Nadelausleger kommt
(in die sog. Klappmesser-Position), wobei vorzugsweise dann, sobald das durch die
Kippmomenterfassungseinheit erfasste Kippmoment ausreichend niedrig ist, ein Ansteuern
des Nadelauslegers in Heberichtung (durch Fixieren gegenüber dem Hauptausleger oder
einem Wegschwenken von diesem) ausgeführt wird, vorzugsweise bereits dann, wenn der
Hauptausleger seine maximal aufgerichtete Position noch nicht erreicht hat.
[0031] Nach einer weiteren vorteilhaften Fortbildung der Erfindung kann vorgesehen sein,
dass die Schritte zum Ablegen des Auslegersystems aus einer aufgerichteten Position
ein Ansteuern des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung umfassen,
wobei, sofern das durch die Kippmomenterfassungseinheit erfasste Kippmoment einen
Schwellwert überschreitet, zunächst ein Ansteuern des Hauptauslegers in Heberichtung
erfolgt und, sobald das Ansteuern des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger in
Senkrichtung dazu führt, dass der Nadelausleger die Horizontale durchschritten hat,
ein Ansteuern des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung gleichzeitig
mit einem Ansteuern des Hauptauslegers in Senkrichtung erfolgt, sofern das durch die
Kippmomenterfassungseinheit erfasste Kippmoment einen Schwellwert nicht überschreitet,
wobei vorzugsweise das Ansteuern des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger in
Senkrichtung solange erfolgt, bis die Nadelauslegerspitze Bodenkontakt hat oder maximal
gegenüber dem Hauptausleger eingeschwenkt ist.
[0032] Dabei kann vorgesehen sein, dass nach einem Ansteuern des Nadelauslegers gegenüber
dem Hauptausleger in Senkrichtung solange bis die Nadelauslegerspitze Bodenkontakt
hat oder maximal gegenüber dem Hauptausleger eingeschwenkt ist, die Schritte zum Ablegen
des Auslegersystems aus einer aufgerichteten Position ferner ein Ansteuern des Hauptauslegers
in Senkrichtung und gleichzeitiges Ansteuern des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger
in Heberichtung umfassen, so dass es zu einem Absenken des Verbindungsbereichs von
Hauptausleger und Nadelausleger kommt, wobei vorzugsweise das Ansteuern des Hauptauslegers
in Senkrichtung und gleichzeitiges Ansteuern des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger
in Heberichtung solange erfolgt, bis der Hauptausleger Bodenkontakt hat
[0033] Nach einer weiteren optionalen Modifikation der vorliegenden Erfindung kann vorgesehen
sein, dass das Hebezeug ferner mit einer Nutzerschnittstelle zum Betätigen der Vorrichtung
zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs
versehen ist, wobei die Nutzerschnittstelle vorzugsweise einen Hebel aufweist, dessen
Auslenkung eine Geschwindigkeit der durchzuführenden Schritte beeinflusst, wobei vorzugsweise
eine Nichtauslenkung des Hebels zu einem Stoppen der auszuführenden Schritte führt.
[0034] Vorteilhaft hieran ist, dass der Maschinenbediener dazu in der Lage ist, nur mit
einem Bedienhebel das gesamte Auslegersystem in Richtung Aufrichten und/oder in Richtung
Ablegen des Auslegersystems steuern kann. Zusätzlich kann er durch die Auslenkung
des Hebels dabei die Bewegungsgeschwindigkeit des Auslegersystems vorgeben.
[0035] Alternativ dazu kann auch eine andere Ausgestaltung der Nutzerschnittstelle vorgesehen
sein, beispielsweise in Form eines Betätigungsknopf oder dergleichen, der nach einem
Aktivieren dafür sorgt, dass das Aufrichten oder das Ablegen des Auslegersystems vollautomatisch
abläuft. So kann es erforderlich sein, dass der Knopf während des Aufrichtens oder
des Ablegens gedrückt gehalten werden muss, sodass es durch Loslassen des Knopfs zu
einem Stillstand kommt und etwaige von dem Bediener erkannte Gefahrensituationen vermieden
werden können.
[0036] Weiter kann vorgesehen sein, dass die Haupt- und die Nadelauslegerverstellwinde aufgrund
dieser Vorgaben der Benutzerschnittstelle und/oder der Vorrichtung zum Unterstützen
oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs angesteuert
werden.
[0037] Vorteilhaft hieran ist, dass das Auslegersystem nicht in vordefinierte geometrische
Stellungen gebracht werden muss, da Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen
Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs Berechnungswerte der Kippmomenterfassungseinheit
heranzieht, und das Auslegersystem vom Boden abhebt, sobald dies seitens der Kippmomenterfassungseinheit
möglich ist.
[0038] Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Unterstützen oder vollautomatischen
Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs eines Hauptausleger und Nadelausleger
umfassenden Auslegersystems eines Hebezeugs, vorzugsweise eines Hebezeugs nach einer
der vorhergehenden diskutierten Varianten, wobei in dem Verfahren Schritte zum Aufrichten
und/oder Ablegen des Auslegersystems in Abhängigkeit eines von einer Kippmomenterfassungseinheit
des Hebezeugs erfassten Kippmoments ausgeführt werden.
[0039] Wie bereits oben im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Hebezeug erläutert, ist
es nicht mehr länger erforderlich, vordefinierte Winkelpositionen für einen oder beide
der Ausleger zu erreichen, um einen nachfolgenden Schritt beim Aufrichten und/oder
Ablegen des Auslegersystems durchführen zu können. Vielmehr wird nun auf das vorhandene
Kippmoment, das auf das Hebezeug einwirkt, geachtet, sodass es bereits vor einem Erreichen
der früher erforderlichen Winkelstellungen für einen oder beide der Ausleger zu einem
Durchführen des nachfolgenden Schritts kommen kann.
[0040] Das erfindungsgemäße Verfahren kann ferner dadurch modifiziert werden, dass bei einem
Aufrichten des Auslegersystems aus einer am Boden abgelegten Position der Hauptausleger
in Heberichtung und gleichzeitig der Nadelausleger gegenüber dem Hauptausleger in
Senkrichtung verfahren wird, so dass es zu einem Anheben eines Verbindungsbereichs
von Hauptausleger und Nadelausleger kommt, und sobald das durch die Kippmomenterfassungseinheit
erfasste Kippmoment ausreichend niedrig ist, der Nadelausleger in Heberichtung verfahren
wird, vorzugsweise bereits dann, wenn der Hauptausleger seine maximal aufgerichtete
Position noch nicht erreicht hat, wobei bevorzugterweise der Nadelausleger bereits
dann in Heberichtung verfahren wird, wenn der Hauptausleger seine maximal aufgerichtete
Position noch nicht erreicht hat.
[0041] Durch das gleichzeitige Verschwenken des Hauptauslegers und das Ändern der Winkelstellung
von Nadelausleger zu dem Hauptausleger kann beim Aufrichten und/oder Ablegen des Auslegersystems
Zeit eingespart werden, sodass die Rüstzeit des Hebezeugs, das mit dem vorliegenden
Verfahren aufgerichtet oder abgelegt wird, deutlich verringert ist.
[0042] Nach einer optionalen Modifikation des erfindungsgemäßen Verfahrens kann vorgesehen
sein, dass bei einem Ablegen des Auslegersystems aus einer aufgerichteten Position,
der Nadelausleger gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung verfahren wird, wobei,
sofern das durch die Kippmomenterfassungseinheit erfasste Kippmoment einen Schwellwert
überschreitet, zunächst der Hauptausleger in Heberichtung verfahren wird, und sobald
das Verfahren des Nadelauslegers gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung dazu
führt, dass der Nadelausleger die Horizontale durchschritten hat, der Nadelauslegers
gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung gleichzeitig mit dem Hauptausleger in
Senkrichtung verfahren wird, sofern das durch die Kippmomenterfassungseinheit erfasste
Kippmoment einen Schwellwert nicht überschreitet, wobei vorzugsweise der Nadelausleger
gegenüber dem Hauptausleger in Senkrichtung solange verfahren wird, bis die Nadelauslegerspitze
Bodenkontakt hat oder maximal gegenüber dem Hauptausleger eingeschwenkt ist.
[0043] Auch hierdurch kann die zum Ablegen und/oder Aufrichten erforderliche Zeit verringert
werden, sodass eine weitere Beschleunigung bei der Montage oder der Demontage des
Hebezeugs möglich ist.
[0044] Nach einer weiteren von der Erfindung umfassten Fortbildung des Verfahrens kann vorgesehen
sein, dass bei einem Ablegevorgang aus einer aufgerichteten Position, der Nadelausleger
bereits dann in Senkrichtung verfahren wird, wenn der Hauptausleger seine maximal
aufgerichtete Position noch nicht erreicht hat.
[0045] Darüber hinaus kann von der Erfindung vorgesehen sein, dass das Verfahren von Hauptausleger
und Nadelausleger beim Ausführen der Schritte zum Aufrichten und/oder Ablegen des
Auslegersystems nur in Abhängigkeit eines von einer Kippmomenterfassungseinheit des
Hebezeugs erfassten Kippmoments ausgeführt und auf keine starren zu erreichenden Winkelbereiche
von Haupausleger und/oder Nadelausleger abgestellt wird.
[0046] Dies führt dazu, dass beispielsweise bei einem Aufrichten und/oder einem Ablegen
der Nadelausleger viel früher gegenüber dem Hauptausleger bewegt werden kann, sodass
das Hebezeug durchgängig näher an einem Grenzbereich des zulässigen Kippmoments betrieben
wird, was einen verbessertes bzw. beschleunigtes Vorgehen beim Montieren oder Demontieren
ermöglicht.
[0047] Zusammenfassend ermöglicht die Erfindung die nachfolgend erläuterten Vorteile beim
Aufrichten und/oder Ablegen eines Auslegersystems eines Hebezeugs. Insgesamt wird
die Bedienung beim Aufrichten und Ablegen vereinfacht, wobei aber gleichzeitig durch
die aktive Überwachung beim Aufrichten mittels der Kippmomenterfassungseinheit das
Aufrichten und Ablegen sicher ist. Zudem entfällt das manuelle Einstellen der Haltestrangvorspannung
des Nadelauslegers, welche vom Maschinenbediener nur schwer eingeschätzt werden kann
und durch einen Einweiser überwacht werden muss. Auch kann beim Aufrichten das Auslegersystem
so früh wie möglich vom Boden angehoben werden und somit schneller aufgerichtet werden.
Darüber hinaus ist es nicht erforderlich, dass beim Ablegen und/oder Aufrichten das
Auslegersystem zeitintensiv in vorbestimmte Winkelstellungen (Zielpositionen) gebracht
werden muss, welche nach dem Stand der Technik typischerweise angefahren werden müssen.
[0048] Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden anhand der nachfolgenden
Figurenbeschreibung ersichtlich. Dabei zeigen:
- Fig. 1:
- eine seitliche Darstellung eines Hebezeugs mit einem abgelegten Auslegersystem,
- Fig. 2:
- eine seitliche Darstellung eines Hebezeugs, dessen Auslegersystem sich im Aufrichtvorgang
befindet, und
- Fig. 3:
- eine seitliche Darstellung eines Hebezeugs mit einem aufgerichteten Auslegersystem.
[0049] Fig. 1 zeigt ein Hebezeug 1, dessen Auslegersystem 3, 4 sich in einer abgelegten
Stellung befindet. Ausgehend von einem Oberwagen 2 eines Hebezeugs 1, beispielsweise
einem Mobilkran, erstreckt sich dabei der Hauptausleger 3. Dieser kann über einen
verstellbaren Aufrichtebock 9 gegenüber dem Oberwagen 2 nach oben und unten verschwenkt
werden. Dazu wird eine Winde entsprechend angesteuert, sodass der mit dem Aufrichtebock
9 über Haltestangen 7 verbundene Hauptausleger 3 mittels des verschwenkbaren Aufrichtebockes
9 gegenüber dem Oberwagen 2 zu einer liegenden Schwenkachse verschwenkbar ist.
[0050] An dem vom Oberwagen 2 beabstandeten Ende des Hauptauslegers 3 geht ein Nadelausleger
4 ab. Dieser ist dabei gelenkig an dem Hauptausleger 3 angeordnet und kann dabei um
eine Achse schwenken, die parallel zur Schwenkachse des Hauptauslegers 3 an dem Oberwagen
2 ist. Der Verbindungsbereich 8 von Hauptausleger 3 und Nadelausleger 4 befindet sich
dabei etwa in der Mitte des Auslegersystems, das den Hauptausleger 3 und den Nadelausleger
4 umfasst. An der Spitze 5 des Nadelauslegers 4 sind Haltestangen 6 angebunden, die
die Spitze des Spitzenauslegers mit einem aus zwei A-Böcken 10 bestehenden A-Bocksystem
verbinden. Über die beiden A-Böcke 10, die über ein Seilsystem zueinander verschwenkbar
sind, kann der Spitzenausleger 4 gegenüber dem Hauptausleger 3 verschwenkt werden.
[0051] Fig. 2 zeigt dabei einen Zustand eines während einer Montage bzw. einer Demontage
befindlichen Auslegersystems 3, 4, bei dem sich der Hauptausleger 3 in einem aufgerichteten
Zustand befindet. Aus dieser Position kann bspw. der Nadelausleger 4 durch eine entsprechende
Zugabe von Seil zwischen den A-Böcken 10 in eine Senkrichtung gegenüber dem Hauptausleger
3 verfahren werden. Die Spitze 5 des Nadelauslegers 4 kann dabei über eine Vorrichtung
entlang der Bodenoberfläche rollen, sodass es auf einfache Art und Weise -von einem
abgelegten Zustand- zu einem Erreichen der dargestellten Konfiguration in der Fig.
2 kommt. Der Fachmann nennt die in dieser Figur dargestellte Position auch Klappmesser-Position.
[0052] Fig. 3 zeigt nun das Hebezeug 1 in seiner aufgerichteten Position, wobei gegenüber
Fig. 2 der Nadelausleger 4 gegenüber dem Hauptausleger 3 in eine Heberichtung verschwenkt
worden ist. In dem in Fig. 3 dargestellten Zustand ist das Hebezeug 1 einsatzbereit.
[0053] Nachfolgend werden die mehreren Schritte zum Aufrichten eines mit einem Auslegersystem
versehenen Hebezeugs erläutert. So kann nach der Erfindung vorgesehen sein, dass ein
Maschinenbediener einen Ausleger-Bedienhebel einer Nutzerschnittstelle in eine erste
Richtung (bspw. Heben) betätigt.
[0054] Die Hauptauslegerverstellwinde wird durch die Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen
Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs in Richtung Heben angesteuert,
wobei die Geschwindigkeit hierzu abhängig von der Größe der Auslenkung des Ausleger-Bedienhebels
sein kann.
[0055] Das Nadeleinziehwerk wird auch von der Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen
Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs in Richtung Senken angesteuert,
wobei die Ansteuergeschwindigkeit von der Haltestrangkraft des Nadelauslegers abhängig
ist. Der Haltestrang muss einerseits genügend unter Spannung gehalten werden, damit
das Seil der Nadelauslegerverstellwinde korrekt aufwickelt, andererseits darf die
Spannung nicht zu hoch sein, da die Maschine ins Kippen kommen könnte.
[0056] Sobald es die von der Kippmomenteinheit gemeldeten Werte zulassen, also eine ausreichende
Sicherheit gegen Kippen gegeben ist, wird durch die Vorrichtung zum Unterstützen oder
vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs die Nadelauslegerverstellwinde
gestoppt, wodurch sich durch die weiterhin gegebene Ansteuerung der Hauptauslegerverstellwinde
in Richtung Heben der Haltestrang des Nadelauslegers solange anspannt, bis der Nadelauslegerkopf
vom Boden abgehoben wird.
[0057] Die Hauptauslegerverstellwinde wird weiterhin in Richtung Heben angesteuert, bis
sie ihre steilste Stellung für den Aufrichtvorgang erreicht. In Abhängigkeit des von
der Kippmomenterfassungseinheit erfassten Kippmoments des Hebezeugs wird die Nadelauslegerverstellwinde
auch schon parallel zur Hauptauslegerverstellwinde in Richtung Heben angesteuert,
bevor der Hauptausleger seine steilste Stellung erreicht hat, was einen erheblichen
Zeitvorteil mit sich bringt.
[0058] Der Ablegevorgang des Auslegersystems aus der aufgerichteten Position erfolgt wie
nachfolgend erläutert. Der Maschinenbediener kann nach der vorliegenden Erfindung
auf die Nutzerschnittstelle einwirken, beispielsweise einen Bedienhebel in eine zweite
Richtung (bspw. Richtung Senken) betätigen, die vorzugsweise zur ersten Richtung entgegengesetzt
ist.
[0059] Die Nadelauslegerverstellwinde wird durch die Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen
Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs in Richtung Senken angesteuert,
wobei die Geschwindigkeit hierzu abhängig von der Größe der Auslenkung des Ausleger-Bedienhebels
sein kann. Denkbar ist aber auch, dass die Geschwindigkeit selbstständig durch die
Vorrichtung gewählt wird.
[0060] Die Ansteuerung der Hauptauslegerverstellwinde erfolgt auch durch die Vorrichtung
zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs
und hängt von den von der Kippmomenterfassungseinheit erfassten Werten des Kippmoments
ab. Nähert man sich hierbei einem Grenzwert, der nicht überschritten werden darf und
vermutlich zu einem Kippen des Hebezeugs führt, wird die Hauptauslegerverstellwinde
zunächst in Richtung Heben angesteuert, um den Hauptausleger in eine steilere und
damit kippsichere Stellung zu bringen, bevor der Nadelausleger durch Senken der Nadelauslegerverstellwinde
durch die NullGrad Position (= Nadelausleger ist horizontal) gesteuert werden kann.
[0061] Sobald der Nadelausleger einen negativen Winkel besitzt und von der Kippmomenterfassungseinheit
erfassten Werte des Kippmoments es zulassen, wird zusätzlich zur Nadelauslegerverstellwinde
die Hauptauslegerverstellwinde in Richtung Senken angesteuert.
[0062] Die Nadelauslegerverstellwinde wird solange in Richtung Senken angesteuert, bis sie
entweder am Boden aufsitzt oder ihren geringsten Winkel relativ zum Hauptausleger
erreicht hat.
[0063] Sobald der Nadelauslegerkopf am Boden aufsitzt, wird durch die Vorrichtung zum Unterstützen
oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs die Hauptauslegerverstellwinde
weiterhin in Richtung Senken angesteuert und die Nadelauslegerverstellwinde in Richtung
Heben angesteuert, um den Haltestrang des Nadelauslegers unter Spannung zu halten
und das Seil der Nadelauslegerverstellwinde korrekt zu wickeln.
[0064] Wenn auch der Hauptauslegerkopf am Boden aufsetzt, kann der Maschinenbediener den
Ablegevorgang stoppen, indem er den Ausleger-Bedienhebel in die Nullstellung bringt.
Von der Erfindung ist auch umfasst, dass der Zustand eines Aufsetzens des Hauptauslegers
auf dem Boden automatisch erkannt wird, bspw. indem die Strangkraft des Hauptauslegers
nachlässt, was auf ein Ablegen des Hauptauslegers auf dem Boden deutet.
[0065] Es kann demnach auch vorgesehen sein, dass der Vorgang eines Aufrichtens oder eines
Ablegens des Auslegersystems vollautomatisch durchgeführt wird, wobei lediglich ein
Auslöser zum Anstoßen des Vorgangs durch einen Bediener betätigt werden muss. Darüber
hinaus kann vorgesehen sein, dass das vollautomatische Durchführen nur dann ausgeführt
wird, wenn der Bediener kontinuierlich währenddessen einen Knopf drückt oder einen
Hebel in die entsprechende Stellung hält, sodass bei einem Loslassen des Hebels oder
des Knopfs das automatische Verfahren des Auslegersystems unterbrochen wird, damit
der Bediener weiterhin auf etwaige sich ergebende Gefahrensituationen reagieren kann.
1. Hebezeug (1), insbesondere ein Mobilkran oder ein Seilbagger, umfassend:
einen Oberwagen (2),
einen Hauptausleger (3), der von dem Oberwagen (2) abgeht,
einen Nadelausleger (4), der von dem vom Oberwagen (2) entfernten Ende des Hauptauslegers
(3) abgeht,
einer Windenanordnung am Oberwagen und/oder am Hauptausleger, und
eine Kippmomenterfassungseinheit zum Bestimmen des auf das Hebezeug (1) durch Stellung
von Hauptausleger (3) und Nadelausleger (4) einwirkenden Kippmoments,
gekennzeichnet durch
eine Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht-
und/oder Ablegevorgangs eines den Hauptausleger (3) und den Nadelausleger (4) umfassenden
Auslegersystems (3, 4), die dazu ausgelegt ist, in Abhängigkeit des von der Kippmomenterfassungseinheit
erfassten Kippmoments die Schritte zum Aufrichten und/oder Ablegen des Auslegersystems
(3, 4) auszuführen.
2. Hebezeug (1) nach Anspruch 1, wobei die Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen
Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs ferner dazu ausgelegt ist, nur
in Abhängigkeit des von der Kippmomenterfassungseinheit erfassten Kippmoments die
Schritte zum Aufrichten und/oder Ablegen des Auslegersystems (3, 4) auszuführen, so
dass starre Auslegerpositionen bei der Abfolge von Schritten zum Aufrichten und/oder
Ablegen des Auslegersystems (3, 4) nicht erreicht werden müssen.
3. Hebezeug (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Vorrichtung zum Unterstützen
oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs ferner
dazu ausgelegt ist:
a) bei einem Aufrichtvorgang, den Nadelausleger (4) bereits dann in Heberichtung anzusteuern,
wenn der Hauptausleger (3) seine maximal aufgerichtete Position noch nicht erreicht
hat, und/oder
b) bei einem Ablegevorgang, den Nadelausleger (4) bereits dann in Senkrichtung anzusteuern,
wenn der Hauptausleger (3) seine maximal aufgerichtete Position noch nicht erreicht
hat, wobei vorzugsweise
das Ansteuern des Nadelauslegers (4) in Heberichtung bzw. in Senkrichtung auch dadurch
erfolgen kann, indem der Nadelausleger (4) in Bezug auf den Hauptausleger (3) fixiert
gehalten ist und die Bewegung des Nadelauslegers (4) durch ein Heben bzw. ein Senken
des Hauptauslegers (3) erfolgt.
4. Hebezeug (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Vorrichtung zum Unterstützen
oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs ferner
dazu ausgelegt ist:
a) bei einem Aufrichtvorgang, gleichzeitig zu einem Heben des Hauptauslegers (3) den
Nadelausleger (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Heberichtung zu verschwenken,
vorzugsweise zum Abheben einer Nadelauslegerspitze (5) vom Boden, und/oder
b) bei einem Ablegevorgang, gleichzeitig zu einem Heben des Hauptauslegers (3) den
Nadelausleger (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung zu verschwenken,
und/oder
c) bei einem Ablegevorgang, gleichzeitig zu einem Senken des Hauptauslegers (3) den
Nadelausleger (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung zu verschwenken.
5. Hebezeug (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Vorrichtung zum Unterstützen
oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs ferner
dazu ausgelegt ist, während eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs, in einem Zustand,
in dem der Nadelausleger (4) Bodenkontakt hat, ein Nadelauslegerwinde zum Senken und
Heben des Nadelauslegers (4) so anzusteuern, dass der Haltestrang (6) zum Nadelausleger
(4) einen vorbestimmten Spannungswert überschreitet, um ein korrektes Aufwickeln auf
der Nadelauslegerwinde zu ermöglichen.
6. Hebezeug (1) nach dem vorhergehenden Anspruch 5, wobei die Vorrichtung zum Unterstützen
oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs ferner
dazu ausgelegt ist, während eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs, in einem Zustand,
in dem der Nadelausleger (4) Bodenkontakt hat, ein Nadelauslegerwinde zum Senken und
Heben des Nadelauslegers (4) so anzusteuern, dass der Haltestrang (6) zum Nadelausleger
(4) einen vorbestimmten zweiten Spannungswert nicht überschreitet, um ein Kippen des
Hebezeugs (1) zu verhindern.
7. Hebezeug (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Schritte zum Aufrichten
des Auslegersystems (3, 4) aus einer am Boden abgelegten Position umfassen:
Ansteuern des Hauptauslegers (3) in Heberichtung und gleichzeitiges Ansteuern des
Nadelauslegers (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung, so dass es zu
einem Anheben des Verbindungsbereichs (8) von Hauptausleger (3) und Nadelausleger
(4) kommt,
sobald das durch die Kippmomenterfassungseinheit erfasste Kippmoment ausreichend niedrig
ist, Ansteuern des Nadelauslegers (4) in Heberichtung, vorzugsweise bereits dann,
wenn der Hauptausleger (3) seine maximal aufgerichtete Position noch nicht erreicht
hat.
8. Hebezeug (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Schritte zum Ablegen
des Auslegersystems (3, 4) aus einer aufgerichteten Position umfassen:
Ansteuern des Nadelauslegers (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung,
wobei, sofern das durch die Kippmomenterfassungseinheit erfasste Kippmoment einen
Schwellwert überschreitet, zunächst ein Ansteuern des Hauptauslegers (3) in Heberichtung
erfolgt,
sobald das Ansteuern des Nadelauslegers (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung
dazu führt, dass der Nadelausleger (4) die Horizontale durchschritten hat, Ansteuern
des Nadelauslegers (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung gleichzeitig
mit einem Ansteuern des Hauptauslegers (3) in Senkrichtung, sofern das durch die Kippmomenterfassungseinheit
erfasste Kippmoment einen Schwellwert nicht überschreitet, wobei vorzugsweise
das Ansteuern des Nadelauslegers (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung
solange erfolgt, bis die Nadelauslegerspitze (5) Bodenkontakt hat oder maximal gegenüber
dem Hauptausleger (3) eingeschwenkt ist.
9. Hebezeug (1) nach dem vorhergehenden Anspruch 8, wobei nach einem Ansteuern des Nadelauslegers
(4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung solange bis die Nadelauslegerspitze
(5) Bodenkontakt hat oder maximal gegenüber dem Hauptausleger (3) eingeschwenkt ist,
die Schritte zum Ablegen des Auslegersystems (3, 4) aus einer aufgerichteten Position
ferner umfassen:
Ansteuern des Hauptauslegers (3) in Senkrichtung und gleichzeitiges Ansteuern des
Nadelauslegers (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Heberichtung, so dass es zu
einem Absenken des Verbindungsbereichs von Hauptausleger (3) und Nadelausleger (4)
kommt, wobei vorzugsweise
das Ansteuern des Hauptauslegers (3) in Senkrichtung und gleichzeitiges Ansteuern
des Nadelauslegers (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Heberichtung solange erfolgt,
bis der Hauptausleger (3) Bodenkontakt hat
10. Hebezeug (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, ferner mit einer Nutzerschnittstelle
zum Betätigen der Vorrichtung zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen
eines Aufricht- und/oder Ablegevorgangs, wobei die Nutzerschnittstelle vorzugsweise
einen Hebel aufweist, dessen Auslenkung eine Geschwindigkeit der durchzuführenden
Schritte beeinflusst, wobei vorzugsweise eine Nichtauslenkung des Hebels zu einem
Stoppen der auszuführenden Schritte führt.
11. Verfahren zum Unterstützen oder vollautomatischen Durchführen eines Aufricht- und/oder
Ablegevorgangs eines Hauptausleger (3) und Nadelausleger (4) umfassenden Auslegersystems
(3, 4) eines Hebezeugs (1), vorzugsweise eines Hebezeugs (1) nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, wobei in dem Verfahren:
Schritte zum Aufrichten und/oder Ablegen des Auslegersystems (3, 4) in Abhängigkeit
eines von einer Kippmomenterfassungseinheit des Hebezeugs (1) erfassten Kippmoments
ausgeführt werden.
12. Verfahren nach Anspruch 11, wobei bei einem Aufrichten des Auslegersystems (3, 4)
aus einer am Boden abgelegten Position:
der Hauptausleger (3) in Heberichtung und gleichzeitig der Nadelausleger (4) gegenüber
dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung verfahren wird, so dass es zu einem Anheben
eines Verbindungsbereichs (8) von Hauptausleger (3) und Nadelausleger (4) kommt, und
sobald das durch die Kippmomenterfassungseinheit erfasste Kippmoment ausreichend niedrig
ist, der Nadelausleger (4) in Heberichtung verfahren wird, vorzugsweise bereits dann,
wenn der Hauptausleger (3) seine maximal aufgerichtete Position noch nicht erreicht
hat.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 11 oder 12, wobei bei einem Ablegen
des Auslegersystems (3, 4) aus einer aufgerichteten Position:
der Nadelausleger (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung verfahren wird,
wobei, sofern das durch die Kippmomenterfassungseinheit erfasste Kippmoment einen
Schwellwert überschreitet, zunächst der Hauptausleger (3) in Heberichtung verfahren
wird, und
sobald das Verfahren des Nadelauslegers (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung
dazu führt, dass der Nadelausleger (4) die Horizontale durchschritten hat, der Nadelauslegers
(4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung gleichzeitig mit dem Hauptausleger
(3) in Senkrichtung verfahren wird, sofern das durch die Kippmomenterfassungseinheit
erfasste Kippmoment einen Schwellwert nicht überschreitet, wobei vorzugsweise
der Nadelausleger (4) gegenüber dem Hauptausleger (3) in Senkrichtung solange verfahren
wird, bis die Nadelauslegerspitze (5) Bodenkontakt hat oder maximal gegenüber dem
Hauptausleger (3) eingeschwenkt ist.
14. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch 13, wobei bei einem Ablegevorgang aus einer
aufgerichteten Position, der Nadelausleger (4) bereits dann in Senkrichtung verfahren
wird, wenn der Hauptausleger (3) seine maximal aufgerichtete Position noch nicht erreicht
hat.
15. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 11 bis 14, wobei das Verfahren von
Hauptausleger (3) und Nadelausleger (4) beim Ausführen der Schritte zum Aufrichten
und/oder Ablegen des Auslegersystems (3, 4) nur in Abhängigkeit eines von einer Kippmomenterfassungseinheit
des Hebezeugs (1) erfassten Kippmoments ausgeführt werden und auf keine starren zu
erreichenden Winkelbereiche von Haupausleger oder Nadelausleger (4) abgestellt wird.