[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Versorgungsleitung eines Kaltwärmenetzes
in dem ein Fluidstrom geleitet wird.
[0002] Kaltwärmenetze, auch als Anergienetze bezeichnet, werden zunehmend zur Versorgung
von Wohngebieten, Gewerbegebieten und öffentlichen Gebäuden mit Energie bzw. Wärme
genutzt.
[0003] Durch eine intelligente und ganzheitliche Nutzung verschiedenster Wärmequellen stellt
diese Art der Wärme- und Kälteversorgung einen ausgesprochen effizienten und umweltfreundlichen
Beitrag zur wirtschaftlichen und ökologischen Versorgung von Gebäuden dar.
[0004] Kaltwärmenetze sind als Nahwärme- und Fernwärmenetze bekannt. Als technische Variante
eines Wärmeversorgungsnetzes, das mit niedrigen Übertragungstemperaturen in der Nähe
der Umgebungstemperatur arbeitet, können diese Wärme und Kälte bereitstellen. Bei
üblichen Übertragungstemperaturen im Bereich von ca. -10-35 °C arbeiten solche Systeme
mit Temperaturen deutlich unterhalb herkömmlicher Fern- oder Nahwärmesysteme, wodurch
verschiedene Verbraucher unabhängig voneinander gleichzeitig heizen und kühlen können.
Produzierte Kälte kann als Abwärme ins Wärmenetz zurückgespeist werden.
[0005] Warmwassererzeugung und Gebäudeheizung erfolgen meist nicht direkt über Wärmetauscher,
sondern meist über Sole/Wasser-Wärmepumpen, die ihre Wärmeenergie aus dem Wärmenetz
gewinnen. Die Kühlung kann entweder direkt über das Kaltwärmenetz oder ggf. indirekt
über die Wärmepumpen erfolgen. Die Sammelbezeichnung in der wissenschaftlichen Fachterminologie
für derartige Systeme lautet auch "5th generation district heating and cooling", also
"Fernwärme und -kälte der Fünften Generation".
[0006] Als Energielieferant für das Kaltwärmenetz kommen diverse Wärmequellen in Frage,
insbesondere erneuerbare Quellen wie das Gewässer, Solarthermie, Geothermie und Umgebungsluft
sowie gewerbliche und industrielle Abwärme, die einzeln oder in Kombination genutzt
werden können. Aufgrund des modularen Aufbaus können bei weiterem Ausbau des Netzes
weitere Wärmequellen erschlossen werden, sodass größere Kaltwärmenetze letztendlich
über unterschiedliche Quellen gespeist werden können.
[0007] Kaltwärmenetze erlauben eine Vielzahl von Netzkonfigurationen, die sich grob in offene
und geschlossene Systeme unterscheiden lassen. Bei offenen Systemen wird Wasser in
das Kaltwärmenetz eingespeist, durch die Versorgungsleitungen geleitet, wo es dann
die jeweiligen Verbraucher versorgt, und schließlich wieder in die Umwelt abgegeben.
Bei geschlossenen Systemen zirkuliert eine Überträgerflüssigkeit, meist Sole , in
einem Kreislauf.
[0008] Weiter lassen sich die Systeme nach der Anzahl der verwendeten Rohrleitungen unterscheiden.
Abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten sind Konfiguration mit einer bis vier Rohrleitungen
möglich:
Einrohrsysteme werden üblicherweise bei offenen Systemen verwendet, die beispielsweis
Oberflächen- oder Grundwasser als Wärmequelle nutzen und dieses nach Durchströmen
des Wärmenetzes wieder in die Umwelt abgeben.
[0009] In Zweirohrsystemen werden Versorgungsleitungen mit unterschiedlichen Temperaturen
betrieben. Im Heizbetrieb dient die wärmere der beiden als Wärmequelle für die Wärmepumpen
der Abnehmer, die kältere nimmt das durch die Wärmepumpe abgekühlte Übertragungsmedium
wieder auf. Im Kühlbetrieb dient die kältere als Quelle, die von der Wärmepumpe erzeugte
Wärme wird in die wärmere Leitung eingespeist.
[0010] Abhängig von der Temperatur erfolgt die Rückspeisung nach Nutzung in die wärmere
oder kältere Versorgungsleitung. Alternativ kann die dritte Leitung auch als Kälteleitung
zur direkten Kühlung via Wärmetauscher genutzt werden.
[0011] Die Leitungen unterscheiden sich durch ihr Tempearaturniveau. Je nach Temperaturniveau
werden die Leitungen zum Einspeisen/Entnehmen für Heiz- und Kühlzwecke eingesetzt.
[0012] Unter dem Begriff Versorgungsleitung werden im Sinne der Erfindung sämtliche Rohrleitungen
verstanden, die zur Nutzung der Energie notwendig sind. Bei offenen Systemen sind
dies beispielsweise eine Hauptversorgungsleitung, gegebenenfalls Stichleitungen, um
z.B. Straßenzüge oder Untersektoren zu versorgen, und Verbraucheranschlussleitungen.
Geschlossene Systeme weisen je nach Konfiguration eine oder mehrere als Ring ausgeführte
Hauptversorgungsleitungen auf, von der Stichleitungen oder Verbraucheranschlussleitungen
abgehen. Als Ring ausgeführte Hauptversorgungsleitungen werden auch als Ringleitungen
bezeichnet.
[0013] Grundsätzlich sind Kaltwärmenetze effizient und ihre Bedeutung im Bereich der Energieversorgung
nimmt stetig zu. Allerdings hat sich gezeigt, dass der energetische Wirkungsgrad der
Gesamtanlage noch steigerungsfähig ist.
[0014] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, Möglichkeiten zur Steigerung
der energetischen Effizienz eines Kaltwärmenetzes zu schaffen. Die Steigerung der
energetischen Effizienz soll dabei mit möglichst geringen zusätzlichen Kosten bewirkt
werden, die Wirtschaftlichkeit des Kaltwärmenetzes soll möglichst erhöht werden.
[0015] Die Aufgabe wird durch ein Strömungsleitelement einer Versorgungsleitung eines Kaltwärmenetzes
mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0016] Weiterhin die Aufgabe durch eine Versorgungsleitung und ein Kaltwärmenetz mit einem
erfindungsgemäßen Strömungsleitelement gelöst.
[0017] Ein wesentlicher Aspekt der Erfindung besteht darin, die Versorgungsleitung selbst
nicht nur zur Weiterleitung des Fluids, sondern auch energetisch zu nutzen. Die Energie-
bzw. Wärmeaufnahme durch die Versorgungsleitung selbst, insbesondere durch die Ringleitung,
kann erheblich zur Energieaufnahme des Systems beitragen. Es hat sich gezeigt, dass
je nach Konfiguration des Gesamtsystems über die Versorgungsleitung bzw. Ringleitung
bis zu ca. 20 % an zusätzlicher Energie gewonnen werden können. Dem Erdreich als Wärmereservoir
wird ein Wärmestrom oder eine Wärmeleistung, kurz Wärme, über die Versorgungsleitung
entnommen bzw. wird Wärme abgegeben, wenn das Erdreich zur Kühlung genutzt wird. Voraussetzung
hierfür ist, dass der Wärmeaustausch mit dem umgebenden Erdreich optimiert ist. Dies
wird durch das erfindungsgemäße Strömungsleitelement gelöst.
[0018] Insbesondere zu Spitzenlastzeiten können die Anergiequellen, wie z.B. Erdwärme, erheblich
entlastet werden, wenn die Versorgungsleitung durch Wärmeaustausch mit dem Erdreich
oder der Umgebungsluft zur Wärme-/Kälteversorgung beiträgt. Damit ergeben sich wesentlich
ökonomische Entlastungen bei der Quelldimensionierung.
[0019] Erfindungsgemäß weist das Strömungsleitelement mindestens eine Leitfläche auf, über
die der ansonsten im Wesentlichen laminar und sich kaum vermischende Fluidstrom zumindest
abschnittsweise aus seiner natürlichen Strömungsrichtung abgelenkt wird. In einer
ersten Ausführungsvariante wird in Bezug auf einen Querschnitt der Rohrleitung der
Fluidstrom beispielsweise aus der Rohrmitte nach außen in Richtung der Rohrinnenwand
geleitet, die an das wärmere oder kältere Erdreich angrenzt. Dadurch wird die Wärmeübertragung
zwischen dem Fluidstrom und dem Erdreich deutlich verbessert. Im späteren Strömungsverlauf
vermischen sich die wärmeren und kälteren Strömungspfade in der Rohrleitung wieder,
sodass sich Temperaturunterschiede ausgleichen können. Das Strömungsleitelement kann
beispielsweise rund, oval oder vorzugsweise eiförmig ausgeführt sein. Das Strömungsleitelement
kann im Prinzip jeden beliebigen Querschnitt aufweisen, beispielsweise kreisförmig,
oval, aber auch polygonal, dreieckig usw.. Wesentlich ist, dass der Querschnitt in
Strömungsrichtung zunimmt, das Strömungsleitelement also in Strömungsrichtung zumindest
abschnittsweise konisch ausgeführt ist.
[0020] Bei diesen Ausführungsvarianten ist die Leitfläche durch die gesamte Außenfläche
des Strömungsleitelements gebildet.
[0021] Es kann ein einziges zentrales Strömungsleitelement im Bereich der Rohrmitte angeordnet
sein, denkbar sind aber auch mehrere kleinere Strömungsleitelemente, die entweder
nebeneinander oder in Strömungsrichtung hintereinander bzw. versetzt zueinander angeordnet
sind. Denkbar ist auch ein einziges Strömungsleitelement, das nicht in der Rohrmitte,
sondern dezentral, also seitlich versetzt zu einer Zentralachse der Rohrleitung angeordnet
ist.
[0022] Im Bereich der Rohrmitte angeordneten Strömungsleitelemente können in einer besonders
bevorzugten Ausführungsvariante auch inhomogene als Leitflächen wirkende Außenflächen
aufweisen. Beispielsweise können die Strömungsleitelemente in ihrer Außenfläche Mulden
oder Erhöhungen aufweisen, die Einfluss auf die Umlenkung der Strömungspfade haben.
In einer besonders vorteilhaften Ausführungsvariante erstreckt sich entlang der Außenfläche
des Strömungsleitelements in Strömungsrichtung eine helixartige Struktur, die den
Fluidstrom in Rotation versetzt.
[0023] Grundsätzlich ist es erfindungsgemäß auch möglich, die Strömungsleitelemente derart
auszuführen, dass sie den Fluidstrom nicht von der Rohrmitte nach außen, sondern von
der Rohrinnenwand in Richtung Rohrmitte umleiten. Zu diesem Zweck sind die Strömungsleitelemente
nahe der Rohrinnenwand angeordnet.
[0024] Die erfindungsgemäßen Strömungsleitelemente weisen in einer besonders vorteilhaften
Ausführungsvariante als Leitfläche zumindest einen Verwirbelungskörper auf, der in
den Fluidstrom hineinragt. Die Form der Verwirbelungskörper kann dabei sehr unterschiedlich
sein, beispielsweise können sie ringförmig ausgeführt sein. In einer besonders einfachen
Ausführungsvariante ist die Leifläche durch eine Art Flügelkörper gebildet, der mit
seinem freien Ende vom Strömungsleitelement absteht, entweder im Wesentlichen in Richtung
der Rohrinnenwand oder in Richtung des Rohrinnern. Um die Strömungsgeschwindigkeit
nicht zu sehr zu reduzieren, können die Verwirbelungskörper vorzugsweise schräg zu
einer Orthogonalebene der Längsachse ausgerichtet sein. Durch die Schrägstellung wird
außerdem eine rotatorische Strömungskomponente bewirkt.
[0025] Das Strömungsleitelement kann den Fluidstrom zumindest bereichsweise in eine turbulente
Strömung versetzen, wodurch der Wärmeaustausch mit der Innenwand der Rohrleitung und
damit mit dem umgebenden Erdreich ebenfalls deutlich verbessert wird.
[0026] Erfindungsgemäß können die Strömungsleitelemente als Verwirbelungskörper bzw. Leitflächen
auch wenigstens zwei Teilringscheiben mit einem Außenrand, einem Innenrand und je
zwei freien Enden, die eine Teilringfläche begrenzen aufweisen. Der Innenrand grenzt
an die Innenwand des Versorgungsrohres an oder ist mit der Innenwand verbunden.
[0027] Je eines der freien Enden einer Teilringscheiben ist beabstandet zu einem der freien
Enden einer benachbarten Teilringscheibe angeordnet. Zusätzlich sind benachbarte Teilringscheiben
unterschiedlich schräg zur Orthogonalebene der Längsachse ausgerichtet. Im Wesentlichen
beabstandet bedeutet, dass sich zwischen je einem der freien Enden zweier benachbarter
Teilringscheiben eine Öffnung ausbildet, durch die ein Strömungspfad des Fluids entlang
der Längsachse der Versorgungsleitung führt.
[0028] Beispielsweise können die Teilringflächen als Halbringflächen so ausgestaltet sein,
dass jeweils die freien Enden einer Teilringscheibe einen Winkel von 180° miteinander
einschließen. Denkbar sind aber auch andere Varianten eines Kreissegmentabschnitts.
Beträgt der Winkel, der von den freien Enden einer Teilringscheibe eingeschlossen
wird, weniger als 180° so vergrößert sich der Anteil des Strömungspfades, der direkt
entlang der Innenwand führt.
[0029] Die schräg stehenden Teilringscheiben bewirken einen weiteren Strömungspfad mit einer
rotatorischen Komponente über die Teilringflächen und entlang der Innenwand der Versorgungsleitung.
In einer Draufsicht, in Strömungsrichtung auf den Vermischungskörper, fließt das Wärmeübertragungsfluid,
je nach Anordnung der Teilringscheiben im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn.
Bevorzugt sind die Teilringscheiben der verschiedenen Vermischungskörper jeweils so
angeordnet, dass sich die Richtung der rotatorischen Komponente der Strömung benachbarter
Vermischungskörper unterscheidet.
[0030] Ein vorteilhafter Effekt stellt sich bei den erfindungsgemäßen an der Rohrinnenwand
angeordneten Strömungsleitelementen im Übrigen auch dadurch ein, dass sich in der
Rohrmitte die Maximalgeschwindigkeit der laminaren Strömung einstellt. Dies bewirkt
eine relativ starke Verwirbelung des an der Innenwand strömendem Strömungsanteils,
der durch die Ablenkung an den erfindungsgemäßen Strömungsleitelementen quer in Richtung
des Rohrinnern geleitet wird.
[0031] Ob eine Strömung laminar strömt, hängt von der Geometrie des Strömungspfads, der
Viskosität des Wärmeübertragungsfluids und von der Strömungsgeschwindigkeit ab. Daraus
ergibt sich die sogenannte Reynolds-Zahl, die ein Maß dafür ist, zu welchem Grad Turbulenzen
in einer Strömung auftreten. Generell gilt, je höher die Strömungsgeschwindigkeit
ist, desto eher wird die kritische Reynolds-Zahl überschritten. Eine geringe Strömungsgeschwindigkeit
gewährleistet eine (annähernd) laminare Strömung. Zusätzlich hat das Wärmeübertragungsfluid
durch die geringe Strömungsgeschwindigkeit mehr Zeit die Wärme an der Einströmrohrinnenfläche
aufzunehmen. Eine laminare Strömung ist aber deswegen nachteilig, weil sich innerhalb
einer (annähernd) laminaren Strömung ungleich temperierte Schichten ausbilden und
somit der Wärmetransport des Fluids in seiner Gesamtheit an die Rohrwand nur unvollständig
ausgeprägt ist.
[0032] Es hat sich herausgestellt, dass gerade ein sich wiederholender Wechsel von fast
laminarer Strömung und umgeleiteter bzw. vermischter Strömung einen effektiven Wärmeaustausch
bewirkt. Dementsprechend sollte eine ausreichende Anzahl an in Strömungsrichtung des
Fluids beabstandeten Strömungsleitelementen in der Versorgungsleitung vorhanden sein.
Der Abstand zwischen den Strömungsleitelementen ist dabei vorzugsweise so gewählt,
dass sich das Wärmeübertragungsfluid, nachdem es ein Strömungsleitelement passiert
hat, wieder beruhigt und sich erneut nahezu laminare Strömung einstellt, bevor es
auf das nächste Strömungsleitelement trifft. Es ist aber zu beachten, dass diese Werte
lediglich als Größenordnung anzusehen sind und zur Ermittlung der idealen Abstände
die Strömungsgeschwindigkeit und insbesondere auch die Durchmesser der entsprechenden
Versorgungsleitungen zu berücksichtigen sind. Es kann in Einzelfällen durchaus zielführend
sein, deutlich weniger Strömungsleitelemente vorzusehen, so dass deren Abstand voneinander
also deutlich mehr als 2 m beträgt. Die Durchmesser von Versorgungsleitungen sind
sehr unterschiedlich, sie beginnen bei ca. DA25 bis DA110 (DN100) und sind nach oben
offen (DN300; DN400 oder sogar mehr).
[0033] An dieser Stelle sei angemerkt, dass es in der Praxis keine rein laminare, also wirbelfreie
Strömung gibt, weshalb im Folgenden von fast laminarer Strömung, oder im Wesentlichen
laminarer Strömung die Rede ist. Für den wesentlichen Aspekt der Erfindung ist es
auch nicht nötig, dass sich die Strömung zwischen den Strömungsleitelementen wieder
vollständig beruhigt, es genügt, dass sie sich beruhigt und wieder fast laminar wird.
Die Erfindung führt im Wesentlichen zu einer Strömung im laminaren Übergangsbereich
in den Versorgungsleitungen.
[0034] Erfindungsgemäß es sind drei unterschiedliche Varianten zur Anordnung von Strömungsleitelementen
in einer Versorgungsleitung vorgesehen.
[0035] In einer ersten Variante sind die Strömungsleitelemente einer Versorgungsleitung
integraler Bestandteil der Rohrleitungen. Dementsprechend weist eine Rohrleitung an
ihrer Innenwand einen oder mehrere an dieser befestigte oder an diese angeformte Strömungsleitelemente
auf. Die Strömungsleitelemente können also mit der Innenwand beispielsweise verklebt
oder verschweißt sein, alternativ können die Rohrleitung und die jeweiligen Strömungsleitelemente
auch einstückig ausgeführt, beispielsweise im Spritzgussverfahren gemeinsam hergestellt
sein. Bei der erfindungsgemäßen Variante mit in der Rohrmitte angeordneten Strömungsleitelementen
können diese beispielsweise über Haltearme mit der Rohrinnenwand verbunden sein. Die
Haltearme erstrecken sich dann im Wesentlichen quer zur Strömungsrichtung und sollten
aus diesem Grund ebenfalls strömungsoptimiert ausgeführt sein, beispielsweise konisch.
In der Ausführungsvariante kann auch ein einziger Haltearm je Strömungsleitelement
ausreichend sein.
[0036] Weiterhin kann erfindungsgemäß vorgesehen sein, dass die Strömungsleitelemente in
Verbinder integriert sind, mit denen einzelne Rohrleitungen der Versorgungsleitung
jeweils endseitig verbunden werden. Grundsätzlich sind Verbinder, beispielsweise Muffen
(Schweißmuffen), Flanschverbindung usw. aus dem Stand der Technik bekannt. Sie sind
ringförmig ausgeführt, sodass von jeder Seite jeweils ein Ende einer benachbarten
Rohrleitung einführbar ist und werden fest und fluiddicht mit den Rohrleitungen verbunden.
Schweißmuffen werden zu diesem Zweck mit den Rohrenden verschweißt, vorzugsweise vor
Ort. Ein erfindungsgemäßer Verbinder weist nun zumindest ein mit seiner Innenwand
verbundenes Strömungsleitelement auf. Somit können handelsübliche Rohrleitungen verwendet
werden, die Integration erfindungsgemäßer Strömungsleitelemente in die Versorgungsleitung
bzw. das Kaltwärmenetz erfolgt über die Verbinder.
[0037] In der dritten erfindungsgemäßen Ausführungsvariante sind die Strömungsleitelemente
als in die Versorgungsleitung einsetzbare Elemente ausgeführt. Solche Strömungsleitelemente
können nachträglich, vorzugsweise vor Ort in bereits gefertigte Rohrleitungen oder
Verbinder eingeführt und in diesen befestigt werden.
[0038] Die Befestigung kann dabei derart erfolgen, dass die Strömungsleitelemente nach der
Befestigung in der Rohrleitung unlösbar und dauerhaft in dieser befestigt bleiben.
Insbesondere bietet sich hierfür ein Verkleben oder Verschweißen der Strömungsleitelemente
in der Versorgungsleitung vor Ort an.
[0039] Alternativ kann eine lösbare Befestigung vorgesehen sein. Diese ermöglicht ein späteres
Lösen des Strömungsleitelements und gegebenenfalls eine Anpassung der Position. Als
Befestigungsmöglichkeit bietet sich beispielsweise eine reibschlüssige Verbindung
an, das Strömungsleitelement kann vorzugsweise in einer Versorgungsleitung oder auch
einem Verbinder verspannt werden. Hierfür bieten sich Spreizelemente an, die ein Verspannen
des Strömungsleitelements durch Aufspreizen der Spreizelemente in der Versorgungsleitung
bewirken.
[0040] Die letztgenannte Ausführungsvariante erlaubt es, die Strömungsleitelemente variabel
in der Versorgungsleitung anzuordnen, um deren Abstände zueinander auf die jeweiligen
Bedingungen und Aufgaben des Kaltwärmenetzes abstimmen zu können.
[0041] Die Erfindung wird anhand der nachfolgenden Figuren näher erläutert. Diese sind nur
beispielhaft zu verstehen und sollen die Erfindung nicht auf die gezeigten Ausführungsbeispiele
beschränken. Es zeigen:
- Figur 1:
- eine Prinzipskizze eines Kaltwärmenetzes,
- Figur 2:
- eine Versorgungsleitung mit einer ersten Variante eines Strömungsleitelements,
- Figur 3:
- eine Versorgungsleitung mit einer zweiten Ausführung eines Strömungsleitelements,
- Figur 4:
- einen Verbinder mit einem Strömungsleitelement,
- Figur 5:
- ein Strömungsleitelement mit Spreizvorrichtung gemäß einer dritten Ausführungsvariante
der Erfindung,
- Figur 6:
- ein Strömungsleitelement mit Teilringscheiben,
- Figur 7:
- eine Anordnung der Strömungsleitelemente aus Fig. 6 in einer Versorgungsleitung.
[0042] Figur 1 zeigt eine vereinfachte Darstellung eines Kaltwärmenetzes 20. Dargestellt
ist ein Zweirohrsystem mit Versorgungsleitungen 22. Die Versorgungsleitungen 22 beinhalten
Ringleitungen, einen Kältering 24 und einen Wärmering 26, sie können weiterhin, nicht
gezeigte andere Rohrleitungen, beispielsweise Abzweigungen, Verbindungsleitungen,
Stichleitungen oder ähnliches aufweisen.
[0043] Symbolisch dargestellt sind als Energiequellen eine Solarthermieanlage 28 und ein
oberflächennaher Flächenkollektor 30. Über beide Energiequellen kann Wärmeenergie
in den Wärmering 26 eingebracht werden, sie sind dementsprechend über Verbindungsleitungen
32 mit dem Wärmering 26 verbunden. Weiterhin weist der Flächenkollektor 30 eine Verbindungsleitung
32 zum Kältering 24 auf.
[0044] Als Abnehmer bzw. Nutzer des Kaltwärmenetztes 20 sind beispielhaft ein Mehrfamilienhaus
34, Einfamilienhäuser 36 und ein Industriegebäude 38 symbolisch dargestellt. Weiterhin
ist ein Kältespeicher 40 und ein Wärmespeicher 42 gezeigt, die der Bedarfspufferung
des Systems dienen. Die Abnehmer bzw. Nutzer sind ebenfalls über Verbindungsleitungen
32 an die Ringleitungen 24,26 angeschlossen. In den Figuren 2 bis 7 sind drei bevorzugte
Ausführungsvarianten für die Anordnung gezeigt.
[0045] Figur 2 zeigt eine erste Ausführungsvariante, bei der ein erfindungsgemäßes Strömungsleitelement
44 zentral im Innern im Bereich einer Zentralachse X-X angeordnet ist. Über Haltearme
43 ist das Strömungsleitelement 44 an einer Innenwand 48 einer Versorgungsleitung
22 angeordnet ist. Die Verbindung des Strömungsleitelements 44 mit der Versorgungsleitung
22 erfolgt bereits werksseitig, so dass die mit Strömungsleitelementen 44 ausgerüsteten
Versorgungsleitungen 22 vor Ort lediglich miteinander verbunden werden müssen. Die
Befestigung der Strömungsleitelemente 44 bzw. der Haltearme 43 an der Innenwand 48
kann dabei beispielsweise durch Schweißen oder Kleben erfolgen, insbesondere können
aber die Versorgungsleitungen 22 und die darin angeordneten Strömungsleitelemente
44 aber auch einstückig ausgeformt sein. Bei dieser Ausführungsvariante bildet eine
Außenfläche des Strömungsleitelements 44 eine Leitfläche 21. Das Strömungsleitelement
44 kann beispielsweise rund, oval oder vorzugsweise auch eiförmig ausgeführt sein
[0046] Figur 3 zeigt eine zweite Ausführungsvariante, bei der ein erfindungsgemäßes Strömungsleitelement
44 an einer Innenwand 48 einer Versorgungsleitung 22 angeordnet ist. Die Anordnung
des Strömungsleitelements 44 in der Versorgungsleitung 22 erfolgt bereits werksseitig,
so dass die mit den Strömungsleitelementen 44 ausgerüsteten Versorgungsleitungen 22
vor Ort lediglich miteinander verbunden werden müssen. Die Befestigung der Strömungsleitelemente
44 an der Innenwand 48 kann dabei beispielsweise durch Schweißen oder Kleben erfolgen,
insbesondere können aber die Verbindungsleitungen 22 und die darin angeordneten Strömungsleitelemente
44 aber auch einstückig ausgeformt sein.
[0047] Figur 4 zeigt eine Variante, bei der zumindest ein Strömungsleitelement 44 in einem
Verbinder 50 angeordnet ist. Verbinder 50 dienen dazu, zwei Versorgungsleitungen 22
miteinander zu verbinden. Die Versorgungsleitungen 22 werden dafür jeweils mit einem
freien Ende 52 von gegenüberliegenden Seiten in den ringförmigen Verbinder 50 eingeschoben
und mit diesem vorzugsweise verschweißt oder verklebt.
[0048] Die in den Verbindern 50 angeordneten Strömungsleitelemente 44 können auf die gleiche
Art und Weise mit den Verbindern 50 verbunden sein, wie dies auch bei der ersten Variante
der Anordnung der Strömungsleitelemente 44 an der Innenwand 48 einer Versorgungsleitung
22 der Fall ist. Somit können die Verbinder 50 mitsamt der Strömungsleitelemente 44
ebenfalls werkseitig vorproduziert werden, sodass sie vor Ort lediglich mit den Versorgungsleitungen
22 verbunden werden müssen.
[0049] In der dritten dargestellten Ausführungsvariante gemäß Fig. 5 sind die Strömungsleitelemente
44 als eigenständige Bauteile ausgeführt, die in eine bereits fertiggestellte Versorgungsleitung
22 oder auch Verbinder 50 nachträglich eingeführt werden können. Die Strömungsleitelemente
44 weisen dafür Vorrichtungen auf, über die sie reibschlüssig an der Innenwand 48
einer Versorgungsleitung 22 festsetzbar sind. Gezeigt ist beispielsweise eine Spreizvorrichtung
54, über die die Strömungsleitelemente 44 an der gewünschten Position in der Versorgungsleitung
22 durch Aufspreizen verspannbar sind. In einer besonders vorteilhaften Ausführungsvariante
werden die Strömungsleitelemente 44 in der Versorgungsleitung 22 nicht nur verspannt,
sondern werden darüber hinaus zusätzlich auch verklebt oder verschweißt.
[0050] Figur 6 zeigt Verwirbelungskörper 46, die als Teilringscheiben 56 ausgeführt sind
und Leitflächen 21 ausbilden. Die Verwirbelungskörper 46 sind mit ihren Außenrändern
58 an der Innenwand 48 der Versorgungsleitung 22 angeordnet, ihre Innenränder 60 weisen
ins Innere der Versorgungsleitung 22.
[0051] Vorzugsweise werden mindestens zwei Teilringscheiben 56 entlang einer Längsachse
X-X der Versorgungsleitung 22 benachbart zueinander angeordnet und weisen bezüglich
einer Orthogonalebene 64 Winkelwerte mit unterschiedlichen Vorzeichen auf. Dies ergibt
sich aus der stark vereinfachten Prinzipskizze (Fig. 7), die einen Abschnitt einer
Versorgungsleitung im Querschnitt zeigt. Eine solche Anordnung ähnelt einer Helix,
wenn die Winkelwerte in etwa gleiche Beträge aufweisen und die Teilringscheiben 56
einander im Wesentlichen diametral gegenüberliegend, aber entlang der Längsachse versetzt
zueinander angeordnet sind. Durch diese Geometrie wird die rotatorische Strömung gefördert.
Die wesentlichen sich ergebenden Strömungspfade sind durch entsprechende Pfeile angedeutet.
[0052] Zusätzlich können die Teilringscheiben eine oder mehrere Aussparungen 62 aufweisen,
durch die ein weiterer Teilstrom des Fluids erzeugt wird. Dieser spaltet sich von
der schräg-rotatorischen Strömung ab und strömt durch die Aussparungen, also in etwa
parallel zur Längsachse, hindurch. Die Form der Aussparungen ist dabei im Wesentlichen
frei wählbar. Es eignen sich jedoch runde, elliptische, nierenförmige oder ringsektorische
Aussparungen.
[0053] Die Erfindung ist nicht auf die gezeigten Ausführungsbeispiele beschränkt, sondern
umfasst auch weitere Varianten von Strömungsleitelementen 44, die erfindungsgemäß
in Versorgungsleitungen 22 angeordnet sind. Insbesondere können die verschiedenen
beschriebenen Varianten der an der Innenwand 48 angeordneten Strömungsleitelemente
44 und der im Bereich der Zentralachse X-X angeordneten Strömungsleitelemente miteinander
ausgetauscht bzw. miteinander kombiniert werden.
1. Strömungsleitelement (44) einer Versorgungsleitung (22) eines Kaltwärmenetzes (20)
in dem ein Fluidstrom geleitet wird, aufweisend mindestens eine Leitfläche (21), die
den Fluidstrom umleitet.
2. Strömungsleitelement (44) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass, die Leitfläche (21) durch eine Außenfläche des Strömungsleitelement (44) gebildet
ist, wobei der Querschnitt des Strömungsleitelements (44) zumindest abschnittsweise
in Strömungsrichtung des Fluidstroms zunimmt.
3. Strömungsleitelement (44) nach Anspruch 1 oder Anspruch 2, gekennzeichnet durch mindestens einen Verwirbelungskörper (46), der in den Fluidstrom hineinragt, als
Leitfläche (21) wirkt und eine turbulente Strömung des Fluidstroms erzeugt
4. Strömungsleitelement (44) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Verwirbelungskörper (46) als Flügelkörper ausgebildet ist, dessen Haupterstreckungsebene
schräg zur Strömungsrichtung des Fluidstroms ausgerichtet ist.
5. Strömungsleitelement (44) nach einem der Ansprüche 2 bis 4, gekennzeichnet durch mehrere Verwirbelungskörper (46), die in einer Orthogonalebene zu einer Längsachse
der Versorgungsleitung (22) angeordnet sind.
6. Strömungsleitelement (44) nach einem der Ansprüche 2 bis 4, gekennzeichnet durch mehrere Verwirbelungskörper (46), die in einer Ebene angeordnet sind, die in einem
Winkel zur Orthogonalebene ausgerichtet ist.
7. Strömungsleitelement (44) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass eine Innenwand (48) der Versorgungsleitung (22) das Strömungsleitelement (44) ausbildet.
8. Strömungsleitelement (44) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Strömungsleitelement (44) mit einer Innenwand der Versorgungsleitung (22) unlösbar
verbunden ist.
9. Strömungsleitelement (44) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Strömungsleitelement (44) in einen Verbinder (50) integriert ist, der zwei Versorgungsleitungen
(22) miteinander verbindet.
10. Strömungsleitelement (44) nach einem der Ansprüche 1 bis 9, gekennzeichnet durch eine Befestigungsvorrichtung zur lösbaren Befestigung in der Versorgungsleitung (22)
oder einem Verbinder (50).
11. Strömungsleitelement (44) nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Befestigungsvorrichtung durch eine Spreizvorrichtung (54) gebildet ist, über
die das Strömungsleitelement (44) ortsfest fixierbar ist.
12. Versorgungsleitung (22) eines Kaltwärmenetzes, aufweisend ein Strömungsleitelement
(44) nach einem der Ansprüche 1 bis 11.
13. Kaltwärmenetz (20), aufweisend ein Strömungsleitelement (44) nach einem der Ansprüche
1 bis 11.