[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betrieb einer Werkzeugmaschine,
wobei eine anwendungsoptimierte Gerätekennlinie von einem Nutzer der Werkzeugmaschine
ausgewählt und/oder gestaltet wird, wobei die anwendungsoptimierte Gerätekennlinie
innerhalb des qualifizierten Arbeitsbereichs für die Werkzeugmaschine definiert wird.
Durch die Auswahl oder Gestaltung der Gerätekennlinie kann die Performance der Werkzeugmaschine
erheblich verbessert werden, da durch die Festlegung der Gerätekennlinie mit der Werkzeugmaschine
in einem - beispielsweise für ein bestimmtes Werkzeug oder für einen bestimmten Anwendungsfall
- optimierten Bereich von Drehmoment und Drehzahl gearbeitet werden kann. In einem
zweiten Aspekt betrifft die Erfindung eine Werkzeugmaschine zur Durchführung des vorgeschlagenen
Betriebsverfahrens.
Hintergrund der Erfindung:
[0002] Im Stand der Technik sind Werkzeugmaschinen bekannt, mit denen Arbeiten - beispielsweise
auf einer Baustelle oder im Heimwerkerbereich - durchgeführt werden können. Werkzeugmaschinen
können Schneide- oder Trenngeräte, Winkel- oder Trennschleifer, Kernbohrgeräte, Bohrhämmer
oder Bohrmeißel sein, ohne darauf beschränkt zu sein. Die Werkzeugmaschinen umfassen
üblicherweise Werkzeuge, bei denen es sich um scheibenförmige, rotierende Werkzeuge
handeln kann, wie Trenn- oder Schleifscheiben, oder um schlagende oder meißelnde Werkzeuge.
[0003] Die Werkzeuge der Werkzeugmaschinen, die aus dem Stand der Technik bekannt sind,
werden zumeist über einen Elektromotor im Inneren der Werkzeugmaschine angetrieben.
Der Motor dreht sich, wobei die Drehung des Motors in eine Drehung des Werkzeugs oder
eine Schlag- oder Meißelbewegung des Werkzeugs umgesetzt wird. Zusätzlich können Werkzeugmaschinen
mit einem Getriebe ausgerüstet sein, so dass die Werkzeugmaschine in verschiedenen
Gängen betrieben werden kann. Viele der Werkzeugmaschinen können mit unterschiedlichen
Werkzeugen betrieben werden. Beispielsweise können an einem Schleifgerät unterschiedliche
Schleifscheiben befestigt werden, um unterschiedliche Aufgaben bzw. Anforderungen
zu erfüllen. Die Werkzeuge können sich beispielsweise im Feinheitsgrad, in der Größe,
dem Durchmesser oder vielen anderen Eigenschaften unterscheiden. Bisher ist es im
Stand der Technik so, dass die Werkzeugmaschinen zumeist mit einem Standard-Parametersatz
von Drehzahl und Drehmoment betrieben werden. Das bedeutet, dass die Werkzeugmaschine
stets gleich angetrieben wird, unabhängig davon, ob ein großes oder kleines, schweres
oder leichtes oder sich anders unterscheidendes Werkzeug an der Werkzeugmaschine angeordnet
vorliegt. Dieser Umstand kann für einzelne Werkzeuge oder Anwendungsfälle dazu führen,
dass die durchzuführende Arbeit nicht optimal ausgeführt werden kann, weil die Arbeitsparameter,
wie Drehzahl oder Drehmoment, nicht optimal auf das verwendete Werkzeug oder den entsprechenden
Anwendungsfall abstimmt sind. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um Werkzeugmaschinen
mit Getriebe handelt, die neben den unterschiedlichen Werkzeugen und Anwendungsfällen
auch noch in unterschiedlichen Gängen betrieben werden können.
[0004] Die Aufgabe, die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegt, besteht darin, die vorstehend
beschriebenen Nachteile des Standes der Technik zu überwinden und ein Verfahren zum
Betrieb einer Werkzeugmaschine anzugeben, bei dem Arbeitsparameter, wie Drehzahl und
Drehmoment, besser an unterschiedliche Werkzeuge oder Anwendungsfälle angepasst werden
können. Es soll ferner eine Werkzeugmaschine bereitgestellt werden, mit der das vorzuschlagende
Verfahren umgesetzt werden kann. Ein besonderes Anliegen der Erfindung besteht darin,
eine verbesserte Anpassung des Betriebsverhaltens der Werkzeugmaschine für den Anwendungsfall
bereitzustellen, dass beispielsweise eine kunststoffbeschichtete Oberfläche, wie zum
Beispiel eine Epoxidharz-Oberfläche, abgeschliffen werden soll. Aufgrund der besonderen
Eigenschaften solcher Oberflächen stellt die Bearbeitung von solchen kunststoffbeschichteten
Oberflächen eine besondere Herausforderung bei der Auslegung einer Werkzeugmaschine
dar.
[0005] Die Aufgabe wird gelöst durch den Gegenstand der unabhängigen Ansprüche. Vorteilhafte
Ausführungsformen zu dem Gegenstand der unabhängigen Ansprüche finden sich in den
abhängigen Ansprüchen.
Beschreibung der Erfindung:
[0006] Erfindungsgemäß ist ein Verfahren zum Betrieb einer Werkzeugmaschine vorgesehen.
Bei dem Verfahren wird eine anwendungsoptimierte Gerätekennlinie von einem Nutzer
der Werkzeugmaschine ausgewählt und/oder gestaltet, wobei die anwendungsoptimierte
Gerätekennlinie in einem qualifizierten Arbeitsbereich der Werkzeugmaschine liegt.
[0007] In einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird das vorgeschlagene Betriebsverfahren
durch folgende Verfahrensschritte gekennzeichnet:
- a) Gestaltung einer anwendungsoptimierten Gerätekennlinie für eine Werkzeugmaschine,
- b) Betrieb der Werkzeugmaschine mit der anwendungsoptimierten Gerätekennlinie,
wobei die anwendungsoptimierte Gerätekennlinie in einem qualifizierten Arbeitsbereich
der Werkzeugmaschine liegt.
[0008] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die Gerätekennlinie eine Relation zwischen
der Drehzahl n und dem Drehmoment M darstellt. Die Gerätekennlinie kann in einer Drehzahl-Drehmoment-Auftragung
dargestellt werden, wobei das Drehmoment M auf der x-Achse und die Drehzahl n auf
der y-Achse der entsprechenden Auftragung aufgetragen wird. Es ist im Sinne der Erfindung
bevorzugt, dass die Drehzahl n die Drehzahl des Motors und/oder die Drehzahl des Werkzeugs
der Werkzeugmaschine darstellt.
[0009] Die Drehzahl kann beispielsweise in der Einheit rounds per minute (rpm) angegeben
werden. Die Drehzahl entspricht vorzugsweise der Drehgeschwindigkeit des Motors bzw.
der Motorwelle der Werkzeugmaschine. Das Drehmoment M wird im Sinne der Erfindung
vorzugsweise in der Einheit Newtonmeter (Nm) angegeben.
[0010] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die anwendungsoptimierte Gerätekennlinie
basierend auf bekannten Standard-Kennlinien gestaltet wird. Vorzugsweise kann eine
Gerätekennlinie durch charakteristische Punkte festgelegt werden, die bei der Gestaltung
durch den Nutzer verändert werden können. Insbesondere können die Lage und die Koordinaten
der charakteristischen Punkte in einer Drehzahl-Drehmoment-Auftragung durch den Nutzer
verändert werden, was im Sinne der Erfindung als «Gestaltung einer anwender- bzw.
anwendungsoptimierten Gerätekennlinie» bezeichnet wird. Vorzugsweise stellt die anwender-
oder anwendungsoptimierte Gerätekennlinie eine Gerätekennlinie dar, die vom Nutzer
für eine bestimmte Applikation, einen bestimmten Anwendungsfall und/oder für ein bestimmtes
Werkzeug der Werkzeugmaschine optimiert wurde, wobei die Optimierung insbesondere
durch die Gestaltung der anwender- oder anwendungsoptimierten Gerätekennlinie erfolgt.
Diese Gestaltung kann insbesondere die (Neu-) Positionierung charakteristischer Punkte
umfassen, die eine Gerätekennline festlegen.
[0011] Die anwendungsoptimierte Gerätekennlinie liegt in einem qualifizierten Arbeitsbereich
der Werkzeugmaschine. Dabei handelt es sich vorzugsweise um denjenigen Bereich in
der Drehzahl-Drehmoment-Auftragung, in dem die Werkzeugmaschine betrieben werden kann,
ohne dass eine Überlastung erwartet werden muss oder ein Zulassungsverstoß vorliegt.
Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass dieser qualifizierte Arbeitsbereich
vom Geräte-Hersteller vorgegeben und im Gerät hinterlegt ist.
[0012] Durch die Auswahl bzw. Gestaltung der Gerätekennlinie durch den Nutzer kann vorteilhafterweise
ein verbesserter Betrieb der Werkzeugmaschine, sowie eine verbesserte Geräte-Performance
erreicht werden. Die Arbeitsparameter Drehzahl und Drehmoment, die die Arbeit der
Werkzeugmaschine bestimmen, können vom Nutzer individuell und abgestimmt auf ein spezielles
Werkzeug oder einen speziellen Anwendungsfall eingestellt werden, indem eine entsprechende
Gerätekennlinie ausgewählt wird. Durch die Auswahl einer für die geplante Anwendung
optimalen Gerätekennlinie kann die Werkzeugmaschine in einem für diesen Anwendungsfall
optimierten Arbeitsbereich arbeiten, was sich insbesondere in dem Zusammenhang zwischen
Drehzahl zu Drehmoment niederschlägt. Insbesondere ermöglicht der Betrieb der Werkzeugmaschine
gemäß einer anwenderoptimierten Gerätekennlinie eine verbesserte Geräte-Performance,
sowie eine verbesserte Anpassung der Arbeitsparameter Drehzahl und Drehmoment an eine
konkret durchzuführende Anwendung.
[0013] Der Betrieb der Werkzeugmaschine erfolgt durch die Auswahl bzw. Gestaltung der Gerätekennlinie
durch den Nutzer insbesondere in einem «qualifizierten Arbeitsbereich». Der Begriff
«qualifizierter Arbeitsbereich» wird im Sinne der Erfindung bevorzugt als derjenige
Bereich in einer Drehzahl-Drehmoment-Auftragung verstanden, in dem die auszuwählenden
Gerätekennlinien liegen können und in dem kein Risiko eines Gerätedefekts oder einer
Betriebsgefahr - beispielsweise durch eine zu hohe Schleifscheibengeschwindigkeit
- besteht. Der qualifizierte Arbeitsbereich kann beispielsweise einen Leerlauf, das
Arbeiten unter Last, beispielsweise bei steigendem Anpressdruck, das Arbeiten in einem
Bereich des Belastungsmaximums, sowie ein Arbeiten mit der Werkzeugmaschine unter
abnehmender Last oder abnehmenden Anpressdruck umfassen. Mit anderen Worten können
die Werkzeuge in diesen Arbeitsbereichen betrieben werden, wobei diese Arbeitsbereiche
vorzugsweise in den qualifizierten Arbeitsbereich fallen. Der qualifizierte Arbeitsbereich
stellt vorzugsweise für jede Kennlinie einen «erlaubten» Bereich in der Drehzahl-Drehmoment-Auftragung
dar, in dem mit der Werkzeugmaschine gearbeitet werden kann, ohne dass mit Beeinträchtigungen
oder Gefahren gerechnet werden muss. Vorteilhafterweise kann der Nutzer mit der Werkzeugmaschine
in dem qualifizierten Bereich besonders gefahrlos und effizient arbeiten.
[0014] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die Auswahl oder Gestaltung einer Gerätekennlinie
durch den Nutzer an der Werkzeugmaschine selbst erfolgt. Dazu kann die Werkzeugmaschine
über eine Benutzer-Schnittstelle verfügen, die beispielsweise als Eingabe-Bildschirm
oder Touchscreen ausgebildet ist. Mit Hilfe der Benutzer-Schnittstelle können beispielsweise
verschiedene mögliche, zur Auswahl stehende Gerätekennlinien für den Betrieb der Werkzeugmaschine
angezeigt werden. Der Nutzer kann eine ihm geeignet erscheinende Gerätekennline auswählen.
Er kann sich bei seiner Entscheidung beispielsweise davon leiten lassen, was für ein
Werkzeug an der Werkzeugmaschine angeordnet ist oder was für eine Applikation mit
der Werkzeugmaschine ausgeführt werden soll. Die zur Auswahl stehenden Gerätekennlinien
können beispielsweise in einer Liste dargestellt sein oder sie können als unterschiedliche
Kennlinien in einer Drehzahl-Drehmoment-Auftragung dargestellt sein. Beispielsweise
können die unterschiedlichen Kennlinien durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet
sein, so dass der Nutzer die Gerätekennlinien leichter voneinander unterscheiden kann.
Der Nutzer der Werkzeugmaschine kann die Auswahl der Gerätekennlinie beispielsweise
mit Hilfe von Tasten, Knöpfen, Schaltern oder direkt über Berührung eines berührungsempfindlichen
Eingabebildschirms vornehmen. Die Werkzeugmaschine kann zum Beispiel Tasten, Knöpfe
und/oder Schaltern als Eingabemittel umfassen, um eine Auswahl der Gerätekennlinien
für den Nutzer zu ermöglichen. Beispielsweise kann durch wiederholtes Betätigen eines
Schalters oder eines Knopfes verschiedene Kennlinien auf einem Bildschirm angezeigt
werden, wobei die Auswahl einer bestimmten Kennlinie beispielsweise durch ein langes
Drücken des Schalters oder Knopfes bestätigt werden kann.
[0015] Der Begriff «Auswahl einer Gerätekennlinie» kann im Sinne der Erfindung auch bedeuten,
dass ein Satz von Gerätekennlinien ausgewählt wird. Diese bevorzugte Ausgestaltung
der Erfindung ist insbesondere bevorzugt, wenn die Werkzeugmaschine in unterschiedlichen
Gängen betrieben werden kann. Der Satz von Gerätekennlinien kann beispielsweise einen
optimierten Betrieb der Werkzeugmaschine in diesen unterschiedlichen Gängen ermöglichen.
Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass für jeden Gang der Werkzeugmaschine
eine Gerätekennlinie hinterlegt werden kann. Die unterschiedlichen Gänge der Werkzeugmaschine
können beispielsweise durch ein mechanisches Getriebe oder elektronisch realisiert
werden.
[0016] Vorzugsweise können die Gerätekennlinien für den ersten, zweiten, dritten und jeden
weiteren Gang einen Satz von Gerätekennlinien bilden. Es ist im Sinne der Erfindung
bevorzugt, dass mindestens eine Gerätekennlinie durch einen Nutzer der Werkzeugmaschine
ausgewählt werden kann. Es kann insbesondere bevorzugt sein, dass mehr als eine Gerätekennlinie
oder ein Satz von Gerätekennlinien ausgewählt wird.
[0017] Vorzugsweise kann die Auswahl oder Gestaltung einer Gerätekennlinie an einem bevorzugt
separaten Eingabegerät vorgenommen werden. Dabei kann es sich beispielsweise um eine
mobile Kommunikationsvorrichtung, wie ein Smartphone oder ein Tablet-PC, handeln.
Beispielsweise können Eingaben oder eine Auswahl über einen Eingabebildschirm einer
mobilen Kommunikationsvorrichtung vorgenommen werden. Auf der mobilen Kommunikationsvorrichtung
kann dazu eine Software-Applikation betrieben werden ("App"), die beispielsweise einen
Eingabebildschirm zur Vornahme von Eingaben oder zur Durchführung einer Auswahl von
Gerätekennlinien bereitstellt. Der Nutzer kann sich auf dem Eingabegerät die verschiedenen
zur Auswahl stehenden Gerätekennlinien anzeigen lassen und durch Berührung des Bildschirms
oder Betätigung eines Schalters, eines Knopfes oder einer Taste eine gewünschte Gerätekennlinie
auswählen. Anschließend kann die vom Nutzer ausgewählte Gerätekennlinie von dem Eingabegerät
an die Werkzeugmaschine übermittelt werden, so dass die Werkzeugmaschine ihren Betrieb
anhand der ausgewählten Gerätekennlinie gestalten kann. Bei der Arbeit mit der Werkzeugmaschine
bewegt sich der Nutzer bevorzugt dynamisch auf der Gerätekennlinie, wobei der aktuelle
Arbeitspunkt durch eine Wertepaar n/M aus Drehzahl und Drehmoment auf der Gerätekennlinie
angegeben wird. Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass eine Gerätekennlinie
eine Menge an Wertepaaren n/M aus Drehzahl und Drehmoment umfasst. Mit anderen Worten
wird die Gerätekennlinie von einer Menge an Drehzahl-/Drehmoment-Wertepaaren gebildet,
wobei jedem Arbeitspunkt der Werkzeugmaschine ein konkreter Drehzahlwert n und ein
konkreter Drehmomentwert M zugeordnet werden kann.
[0018] Es kann im Sinne der Erfindung bevorzugt sein, dass das vorzugsweise separate Eingabegerät
über Erfassungsmittel verfügt. Dabei kann es sich beispielsweise um eine Scan-Vorrichtung,
wie einen Barcode- und/oder QR-Code-Scanner, handeln. Auf diese Weise kann ein Barcode
oder ein QR-Code, der vorzugsweise Informationen über eine für den Betrieb der Werkzeugmaschine
optimale Gerätekennlinie umfasst, mit dem Erfassungsmittel des Eingabegeräts eingescannt
werden. Die Informationen können beispielsweise in dem Eingabegerät ausgewertet oder
an die Werkzeugmaschine übermittelt werden. Dazu kann das Eingabegerät vorzugsweise
eine Kommunikationsschnittstelle umfassen, mit der Daten zumindest von dem Eingabegerät
an die Werkzeugmaschine übermittelt werden können. Die Datenübertragung kann vorzugsweise
drahtlos erfolgen und beispielsweise auf Bluetooth, WLAN, Nahfeld-Kommunikation oder
anderen geeigneten drahtlosen Kommunikationstechnologien beruhen. Vorzugsweise weist
die Werkzeugmaschine eine Steuervorrichtung auf, die vorzugsweise einen Prozessor
und/oder einen Speicher umfasst. Die Steuervorrichtung der Werkzeugmaschine ist vorzugsweise
dazu eingerichtet, die von dem Eingabegerät erhaltenen Daten auszuwerten und dadurch
Informationen für den Betrieb der Werkzeugmaschine abzuleiten bzw. zu ermitteln. Beispielsweise
kann der Barcode oder der QR-Code Informationen über ein verwendetes Werkzeug der
Werkzeugmaschine umfassen, so dass die Werkzeugmaschine ihren Betrieb entsprechend
der erhaltenen Informationen über das Werkzeug der Werkzeugmaschine optimal einstellen
kann, indem eine optimale Gerätekennlinie für den Betrieb der Werkzeugmaschine mit
dem Werkzeug ausgewählt wird. Der Barcode und/oder der QR-Code kann/können beispielsweise
auf einer Verpackung des Werkzeugs oder an dem Werkzeug selbst angeordnet vorliegen.
[0019] In dieser bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung wird zunächst ein Barcode oder
QR-Code eingescannt, wobei das Einscannen des Codes insbesondere durch das Erfassungsmittel
des Eingabegeräts erfolgen kann. Der Code umfasst vorzugsweise Informationen darüber,
wie ein optimaler Betrieb der Werkzeugmaschine ermöglicht werden kann. Er umfasst
insbesondere Informationen zu einer Gerätekennlinie, die einen bestmöglichen Betrieb
der Werkzeugmaschine mit einem bestimmten Werkzeug oder in einem bestimmten Applikationsfalls
ermöglicht.
[0020] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass in einem Ausführungsbeispiel der Erfindung
des vorgeschlagenen Verfahrens zunächst ein Bar- oder QR-Code eingescannt wird, wobei
der eingescannte Code beispielsweise Informationen über das zu verwendende Werkzeug
umfassen kann. Das Einscannen erfolgt vorzugsweise mit Hilfe eines Erfassungsmittels
eines Eingabegeräts. Die eingescannten Informationen werden dann an die Werkzeugmaschine
übertragen, wo sie derart ausgewertet werden, dass eine optimale Gerätekennlinie für
die Werkzeugmaschine eingestellt wird. Dadurch wird vorteilhafterweise ein optimierter
Betrieb der Werkzeugmaschine ermöglicht, indem eine bessere Anpassung der Arbeitsparameter
Drehzahl und Drehmoment an die zu erledigende Aufgabe und/oder das verwendete Werkzeug
vorgenommen werden kann. In dieser bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung umfasst
das Eingabegerät eine Scan-Vorrichtung als Erfassungsmittel, mit der ein Bar- und/oder
QR-Code eingelesen werden kann. Die Informationen können dann von dem Eingabegerät
an die Werkzeugmaschine übermittelt werden. Dazu besteht vorzugsweise eine vorzugsweise
drahtlos ausgebildete Kommunikationsverbindung zwischen der Werkzeugmaschine und dem
Eingabegerät. Das Eingabegerät kann beispielsweise eine mobile Kommunikationsvorrichtung,
wie ein Mobil-Telefon oder ein Smartphone, sein. Die zunächst eingescannten und anschließend
übermittelten Daten umfassen vorzugsweise Informationen zu einer optimalen Gerätekennlinie
für den Betrieb der Werkzeugmaschine. Die Werkzeugmaschine kann somit auf Grundlage
der erhaltenen Informationen diese optimale Gerätekennlinie einstellen und in einem
qualifizierten Arbeitsbereich arbeiten.
[0021] Der Begriff «qualifizierter Arbeitsbereich» wird im Sinne der Erfindung bevorzugt
als derjenige Bereich in einer Drehzahl-Drehmoment-Auftragung verstanden werden, in
dem erlaubte Gerätekennlinien liegen können und in dem kein Risiko eines Gerätedefekts
oder einer Betriebsgefahr besteht. Die einzelnen Unterbereiche des qualifizierten
Arbeitsbereichs werden von sog. Knickpunkten in der Gerätekennlinie definiert bzw.
voneinander getrennt. Diese Knickpunkte werden im Sinne der Erfindung als charakteristische
Punkte der Gerätekennlinie bezeichnet. Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass
ein charakteristischer Punkt von einem Drehmomentwert M und einem Drehzahlwert n gebildet
wird.
[0022] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass eine Gerätekennlinie eine Anzahl i
charakteristischer Punkte und eine Anzahl (i-1) Unterbereiche umfasst. Beispielsweise
kann eine Gerätekennlinie fünf charakteristische Punkte und vier Unterbereiche umfassen
(siehe Fig. 1). In dem in Fig. 1 dargestellten Beispiel der Erfindung wird die Gerätekennlinie
von fünf Punkten festgelegt bzw. definiert, wobei die fünf Knickpunkte die Gerätekennlinie
in vier Unterabschnitte unterteilen. Die Abschnitte bzw. charakteristischen Punkte
werden vorzugsweise in Abhängigkeit von der Drehzahl n, dem Drehmoment M und einer
eingestellten Regelungsart der Werkzeugmaschine festgelegt. Der Begriff «Regelungsmodus»
oder «Regelungsart» gibt dabei bevorzugt an, ob eine drehmoment-basierte Regelung
oder eine drehzahl-basierte Regelung vorliegt. Die Unterbereiche der Gerätekennlinie
sind in Fig. 1 mit römischen Zahlen bezeichnet.
[0023] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die Gerätekennlinie von charakteristischen
Punkten festgelegt wird, wobei die charakteristischen Punkte die Gerätekennlinie in
Unterabschnitte einteilen. Ein Grundgedanke der vorliegenden Erfindung besteht darin,
dass der Nutzer der Werkzeugmaschine Gerätekennlinien gestalten oder verändern kann,
indem er die Lage bzw. die Koordinaten der charakteristischen Punkte einer gewünschten
Gerätekennlinie verändert bzw. neu festlegt. Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt,
dass die Unterabschnitte der Gerätekennlinie unterschiedliche Phasen bei der Arbeit
mit der Werkzeugmaschine beschreiben. So kann beispielsweise ein erster Unterabschnitt
die Phase des Leerlaufs beschreiben, in der die Werkzeugmaschine bereits eingeschaltet
ist und das Werkzeug bewegt wird, allerdings noch nicht mit der Werkzeugmaschine gearbeitet
wird. In diesem ersten oder Leerlauf-Unterbereich der Gerätekennlinie kann die Drehzahl
n beispielsweise für unterschiedliche Drehmomente M im Wesentlichen konstant bleiben.
Dieser im Wesentlichen konstante Unterbereich der Gerätekennlinie wird in der Drehzahl-Drehmoment-Auftragung
insbesondere als Gerade mit der Steigung «null» dargestellt. Es ist im Sinne der Erfindung
bevorzugt, dass in diesem ersten Unterbereich der Gerätekennlinie der höchste Drehzahlwert
n_max erreicht wird. Mit anderen Worten wird die Werkzeugmaschine im ersten Unterbereich
der Gerätekennlinie vorzugsweise mit der höchsten Drehgeschwindigkeit n_max des Motors
der Werkzeugmaschine betrieben. Die Drehzahl n_max wird im Sinne der Erfindung bevorzugt
als Leerlaufdrehzahl bezeichnet.
[0024] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass der erste Unterbereich der Gerätekennlinie
von einem ersten und einem zweiten charakteristischen Punkt begrenzt wird. Der erste
charakteristische Punkt kann beispielsweise als Punkt A bezeichnet werden und stellt
vorzugsweise den Anfangspunkt des ersten Unterbereichs der Gerätekennlinie dar. Der
erste charakteristische Punkt steht vorzugsweise für das Einschalten der Werkzeugmaschine,
wobei die Werkzeugmaschine durch das Einschalten mit einer Bewegung des Werkzeugs
der Werkzeugmaschine beginnt. Der zweite charakteristische Punkt stellt vorzugsweise
den Endpunkt des ersten Unterbereichs der Gerätekennlinie dar; er kann beispielsweise
als Punkt B bezeichnet werden. Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass im zweiten
charakteristischen Punkte der Gerätekennlinie mit der Arbeit unter Last mit der Werkzeugmaschine
begonnen wird. Der zweite charakteristische Punkt B stellt somit vorzugsweise den
Einsatzpunkt der Werkzeugmaschine dar. Der erste und der zweite charakteristische
Punkt der Gerätekennlinie weisen vorzugsweise im Wesentlichen denselben Drehzahlwert
auf, nämlich vorzugsweise n_max, während das Drehmoment M_A des ersten charakteristischen
Punkts deutlich kleiner ist als das Drehmoment M_B des zweiten charakteristischen
Punkts: M_A < M_B. Mithin liegen der erste und der zweite charakteristische Punkt
der Gerätekennlinie auf der Gerade der Steigung «null», wobei diese Gerade vorzugsweise
auf Höhe des Drehzahlwerts n_max in der Drehzahl-Drehmoment-Auftragung liegt.
[0025] Ein zweiter Unterabschnitt kann beispielsweise das Arbeiten unter Last darstellen,
wobei in dem zweiten Unterabschnitt der Gerätekennlinie mit der Werkzeugmaschine gearbeitet
wird. Dabei steigt das Drehmoment M im Vergleich zu M_B weiter an, während die Motordrehzahl
n bzw. die Drehgeschwindigkeit des Motors absinkt. Der zweite Unterabschnitt der Gerätekennlinie
wird vorzugsweise von dem zweiten charakteristischen Punkt B als Anfangspunkt und
dem dritten charakteristischen Arbeitspunkt D als Endpunkt begrenzt. Der dritte charakteristische
Punkt stellt vorzugsweise das Belastungsmaximum der Werkzeugmaschine dar. Das bedeutet
im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass im dritten charakteristischen Punkt der Gerätekennlinie
das Drehmoment maximal ist, d.h. der Wert M_max erreicht wird. Die Drehgeschwindigkeit
n_D liegt vorzugsweise auf einem niedrigeren Niveau als n_max.
[0026] Wenn die Arbeit mit einer abnehmenden Last bzw. einem abnehmenden Anpressdruck ausgehend
von dem dritten charakteristischen Punkt fortgeführt wird, wird im Sinne der Erfindung
vorzugsweise von dem dritten Unterbereich der Gerätekennlinie gesprochen. Dieser wird
als Anfangspunkt von dem dritten charakteristischen Punkt D und als Endpunkt von dem
vierten charakteristischen Punkt E begrenzt. Der dritte und der vierte charakteristische
Punkt der Gerätekennlinie weisen vorzugsweise denselben Drehzahlwert auf, nämlich
vorzugsweise n_D, während das Drehmoment M_E des vierten charakteristischen Punkts
deutlich kleiner ist als das Drehmoment M_D = M_max des dritten charakteristischen
Punkts: M_E < M_D. Mithin liegen der dritte und der vierte charakteristische Punkt
der Gerätekennlinie auf einer weiteren Geraden der Drehzahl-Drehmoment-Auftragung,
die eine Steigung «null» aufweist, wobei diese Gerade bei einer konstanten Drehzahl
liegt, nämlich hier bevorzugt n_D. Die Drehzahl n_D wird im Sinne der Erfindung bevorzugt
als Knickdrehzahl bezeichnet.
[0027] Der vierte Unterbereich der Gerätekennlinie wird als Anfangspunkt von dem vierten
charakteristischen Punkt E und als Endpunkt von dem fünften charakteristischen Punkt
F begrenzt. In diesem vierten Unterbereich der Gerätekennlinie wird die Werkzeugmaschine
abgebremst und ggf. auch blockiert. Dadurch fallen sowohl das Drehmoment M, als auch
die Drehzahl n ab: M_F < M_E und n_F < n_E. Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt,
dass die Drehzahl n im fünften charakteristischen Punkt den Wert «null» annimmt, d.h.
das Werkzeug der Werkzeugmaschine dreht sich nicht mehr. Das Drehmoment M des fünften
charakteristischen Punktes kann dem Drehmoment M_A des ersten charakteristischen Punkts
entsprechen.
[0028] In einer weiteren bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung kann die Gerätekennlinie
ausgewählt bzw. gestaltet werden, indem eine Anzahl von charakteristischen Punkten
von dem Nutzer selbst festgelegt wird. Dies wird im Sinne der Erfindung bevorzugt
als «Gestaltung der Gerätekennlinie» bezeichnet. Somit kann die Auswahl einer Gerätekennlinie
deren Gestaltung umfassen. Mit anderen Worten besteht die Auswahl der Kennlinie in
dieser Ausgestaltung der Erfindung insbesondere darin, dass die charakteristischen
Punkte, die eine Gerätekennlinie ausmachen, vom Nutzer der Werkzeugmaschine festgelegt
werden können. Mit noch anderen Worten erfolgt die Auswahl der Gerätekennlinie in
dieser bevorzugten Ausführung des vorgeschlagenen Betriebsverfahren dadurch, dass
die Gerätekennlinie durch Festlegung ihrer charakteristischen Punkte vom Nutzer gestaltet
bzw. selbst eingestellt werden kann.
[0029] In einem bevorzugten Ausführungsbeispiel dieser Ausgestaltung der Erfindung wird
eine Gerätekennlinie durch den Nutzer selbst gestaltet, indem der Nutzer charakteristische
Punkte in einer Drehzahl-Drehmoment-Auftragung festlegt, die dann die Gerätekennlinie
bilden. Insbesondere kommt dabei ein qualifizierter Arbeitsbereich der Werkzeugmaschine
zum Einsatz, in dessen Grenzen der Nutzer die Kennlinie selbst gestalten kann. Mit
anderen Worten umfasst der qualifizierte Arbeitsbereich die erlaubten Wertepaare aus
Drehzahl n und Drehmoment M, die der Nutzer für die Festlegung der charakteristischen
Punkte zur Definition der Gerätekennlinie auswählen darf. Diese Auswahl bzw. Festlegung
der charakteristischen Punkte kann insbesondere an einem Eingabegerät, wie einer mobilen
Kommunikationsvorrichtung, erfolgen. Die eingegebenen Daten werden anschließend an
die Werkzeugmaschine übertragen. Die übertragenen Daten können in der Werkzeugmaschine
derart ausgewertet werden, dass eine optimale Gerätekennlinie für die Werkzeugmaschine
eingestellt wird. Dadurch wird vorteilhafterweise ein optimierter Betrieb der Werkzeugmaschine
ermöglicht, indem eine bessere Anpassung der Arbeitsparameter Drehzahl und Drehmoment
an die zu erledigende Aufgabe und/oder das verwendete Werkzeug ermöglicht wird.
[0030] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass der qualifizierte Arbeitsbereich einen
«erlaubten Bereich» in der Drehzahl-Drehmoment-Auftragung vorgibt, wobei der Nutzer
die charakteristischen Punkte in diesem erlaubten Bereich auswählen kann, um eine
anwender- bzw. anwendungsoptimierte Kennlinie festzulegen bzw. zu gestalten. Damit
ist vorzugsweise derjenige Arbeitsbereich der Werkzeugmaschine gemeint, in dem die
Kennlinienpunkte liegen können und in dem vorteilhafterweise keine Gefahr eines Gerätedefekts
oder eine sonstige Betriebsgefahr bei der Handhabung der Werkzeugmaschine besteht.
[0031] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass das vorgeschlagene Verfahren durch
folgende Verfahrensschritte gekennzeichnet wird:
- a) Festlegung von charakteristischen Punkten durch den Nutzer der Werkzeugmaschine,
wobei die charakteristischen Punkte in einem qualifizierten Arbeitsbereich der Werkzeugmaschine
liegen,
- b) Betrieb der Werkzeugmaschine gemäß der ausgewählten Gerätekennlinie.
[0032] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die Festlegung der charakteristischen
Punkte durch Eingabe der charakteristischen Punkte in die Werkzeugmaschine selbst
und/oder auf einem Eingabegerät erfolgt. Die entsprechenden Eingaben für die charakteristischen
Punkte können vorzugsweise analog zu den Eingaben der Gerätekennlinien vorgenommen
werden. Vorzugsweise entspricht die ausgewählte Gerätekennlinie der anwender- bzw.
anwendungsoptimierten Gerätekennlinie, wobei die Begriffe vorzugsweise synonym verwendet
werden.
[0033] Es ist im Sinne der Erfindung insbesondere bevorzugt, dass zur Festlegung der charakteristischen
Punkte durch den Nutzer die Drehmomentwerte und Drehzahlwerte vom Nutzer eingegeben
werden. Dabei definiert je ein Drehmomentwert und ein Drehzahlwert einen charakteristischen
Punkt. Das bedeutet im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass ein charakteristischer
Punkt von einem Wertepaar gebildet wird, wobei das Wertepaar einen Drehmoment- und
einen Drehzahlwert umfasst. Die Eingabe der charakteristischen Punkte bzw. der Drehmoment-
und einen Drehzahlwerte kann entweder an der Werkzeugmaschine selbst erfolgen. Dazu
kann die Werkzeugmaschine über eine Benutzer-Schnittstelle verfügen, die beispielsweise
als Eingabe-Bildschirm oder Touchscreen ausgebildet ist. Alternativ oder ergänzend
kann die Eingabe an einem separaten Eingabegerät vorgenommen werden. Dabei kann es
sich beispielsweise um eine mobile Kommunikationsvorrichtung, wie ein Smartphone oder
ein Tablet-PC handeln.
[0034] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die Gerätekennlinie einem Anwendungsfeld
der Werkzeugmaschine zugeordnet ist. Das bedeutet im Sinne der Erfindung bevorzugt,
dass für unterschiedliche Anwendungsbereiche einer Werkzeugmaschine unterschiedliche
Gerätekennlinien in der Werkzeugmaschine hinterlegt sein können. Diese können beispielsweise
in einer Speichervorrichtung und/oder in Lookup-Tabellen in der Werkzeugmaschine hinterlegt
sein.
[0035] Ein besonderer Anwendungsfall für eine Werkzeugmaschine stellt die Bearbeitung von
kunststoffbeschichteten Oberflächen, wie beispielsweise Epoxidharz-Oberflächen, dar.
Beispielsweise können Schleifgeräte mit einer rotierenden Schleifscheibe als Werkzeug
dafür verwendet werden, kunststoffbeschichtete Oberflächen abzuschleifen. Da beispielsweise
Epoxidharz erheblich andere Eigenschaften hat als Beton, hat es sich im Kontext der
vorliegenden Erfindung als vorteilhaft erwiesen, wenn für die Bearbeitung von kunststoffbeschichteten
Oberflächen, wie Epoxidharz, eine andere Gerätekennlinie verwendet bzw. eingestellt
wird als für die Bearbeitung von Beton-Oberflächen. Dadurch kann die Performance der
Werkzeugmaschine insbesondere in dem Anwendungsfall für die Bearbeitung von kunststoffbeschichteten
Oberflächen noch einmal deutlich verbessert werden.
[0036] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die Gerätekennlinie durch einen Spreizungswert
S charakterisiert werden kann. Die Spreizung S gibt vorzugsweise das Verhältnis von
Knickdrehzahl zu Leerlaufdrehzahl an, d.h. S = n_max / n_D. Eine typischen Gerätekennlinie
gemäß der vorgeschlagenen Erfindung weist vorzugsweise zwei im Wesentlichen horizontalen
Bereiche auf, die im Sinne der Erfindung als erster und dritter Unterbereich der Gerätekennlinie
bezeichnet werden. Dem ersten Unterbereich der Gerätekennlinie kann vorzugsweise die
Leerlaufdrehzahl n_max zugeordnet werden, während dem dritten Unterbereich die Knickdrehzahl
n_D zugeordnet werden kann. Die Erfinder haben erkannt, dass für die Bearbeitung von
Epoxidharz-Oberflächen eine Spreizung S in einem Bereich von 0,2 bis 0,6 zu besonders
guten Ergebnissen führt, bevorzugt in einem Bereich von 0,3 bis 0,5, besonders bevorzugt
in einem Bereich von 0,33 bis 0,4 und am meisten bevorzugt bei ca. 0,36.
[0037] Eine Spreizung S von 0,36 bedeutet im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die Knickdrehzahl
n_D einem Anteil von 36 % der Leerlaufdrehzahl n_max entspricht. Mit einer solchen
Spreizung S wendet sich die Erfindung deutlich vom Stand der Technik ab, in dem üblicherweise
Spreizungswerte S von 0,7 bis 0,8 bekannt sind. Es ist im Sinne der Erfindung insbesondere
bevorzugt, dass eine Auftragung der Leistung P der Werkzeugmaschine im Anwendungsfall
einer Bearbeitung von kunststoffbeschichteten Oberflächen, wie Epoxidharz, eine Hyperbel
in der Drehzahl-Drehmoment-Auftragung ergeben würde. Die Leistung P der Werkzeugmaschine
wird vorzugsweise als Produkt aus Drehmoment und Winkelgeschwindigkeit erhalten.
[0038] Dadurch steht dem Nutzer der Werkzeugmaschine zwar unter Umständen eine geringere
Leistung als bei der Verwendung konventioneller Arbeitsparameter-Kombinationen. Allerdings
haben Tests gezeigt, dass der Nutzer der Werkzeugmaschine auch ein ein deutlicheres
Feedback über die sinkende Drehzahl erhält. Dadurch kann insbesondere der Arbeitspunkt
vor dem Kipp-Punkt leichter gefunden werden. Darüber hinaus kann die Arbeit mit der
Werkzeugmaschine in dem Anwendungsfall der Bearbeitung von kunststoffbeschichteten
Oberflächen, wie Epoxidharz, für den Nutzer erheblich erleichtert werden.
[0039] Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass der Arbeitsbereich, insbesondere der
qualifizierte Arbeitsbereich, der Werkzeugmaschine von der Drehzahl n, dem Drehmoment
M und dem Regelungsmodus festgelegt wird. Der Begriff «Regelungsmodus» gibt dabei
bevorzugt an, ob eine drehmoment-basierte Regelung oder eine drehzahl-basierte Regelung
vorliegt. Der Nutzer der Werkzeugmaschine kann das Betriebsverhalten einstellen, indem
er den Verlauf einer Gerätekennlinie vorgibt bzw. eine Kennlinie in dem qualifizierten
Arbeitsbereich der Werkzeugmaschine einstellt oder auswählt. Der qualifizierte Arbeitsbereich
der Werkzeugmaschine entspricht vorzugsweise dem zulässigen Kennfeld, das beispielsweise
in Fig. 3 dargestellt wird. Die Kennlinien sind vorzugsweise innerhalb des qualifizierten
Arbeitsbereichs der Werkzeugmaschine bzw. innerhalb des zulässigen Kennfelds optimiert.
Als bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung wird eine Gerätekennlinie für die
Bearbeitung von Epoxidharz-Oberflächen vorgeschlagen, bei der eine im Vergleich zu
konventionellen Spreizungswerten geringe Spreizung vorliegt. Das bedeutet im Sinne
der Erfindung bevorzugt, dass die Leerlaufdrehzahl n_max und die Knickdrehzahl n_D
weiter auseinander liegen als bei herkömmlichen Kennlinien, wie sie aus dem Stand
der Technik bekannt sind. Durch die bevorzugt im Wesentlichen freie Programmierung
bzw. Festlegung der charakteristischen Punkte innerhalb der absoluten minimalen und
maximalen Grenzen der Drehzahl n und des Drehmoments M kann vorteilhafterweise jeder
Punkt im Kennfeld bzw. im qualifizierten Arbeitsbereich der Werkzeugmaschine erreicht
werden.
[0040] In einem zweiten Aspekt betrifft die Erfindung eine Werkzeugmaschine zur Durchführung
des vorgeschlagenen Betriebsverfahrens. Die für das Betriebsverfahren eingeführten
Begriffe, Definitionen und technischen Vorteile gelten vorzugsweise für die Werkzeugmaschine
analog. Die Werkzeugmaschine ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Gerätekennlinie
zum Betrieb der Werkzeugmaschine von einem Nutzer auswählbar ist, wobei durch die
Gerätekennlinie ein qualifizierter Arbeitsbereich für die Werkzeugmaschine vorgegeben
wird. Insbesondere kann die Gerätekennlinie durch charakteristische Punkte festgelegt
werden. Es ist im Sinne der Erfindung bevorzugt, dass die charakteristischen Punkte
von einem Nutzer der Werkzeugmaschine ausgewählt bzw. festgelegt werden, wobei durch
die charakteristischen Punkte ein qualifizierter Arbeitsbereich für die Werkzeugmaschine
vorgegeben wird.
[0041] Weitere Vorteile ergeben sich aus der folgenden Figurenbeschreibung. Die Figuren,
die Beschreibung und die Ansprüche enthalten zahlreiche Merkmale in Kombination. Der
Fachmann wird die Merkmale zweckmäßigerweise auch einzeln betrachten und zu sinnvollen
weiteren Kombinationen zusammenfassen.
[0042] In den Figuren sind gleiche und gleichartige Komponenten mit gleichen Bezugszeichen
beziffert. Es zeigen:
- Fig. 1
- Ansicht einer beispielhaften Gerätekennlinie mir ihren charakteristischen Punkten
und Unterbereichen
- Fig. 2
- Ansicht verschiedener beispielhafter Gerätekennlinien
- Fig. 3
- Ansicht des qualifizierten Arbeitsbereichs der Werkzeugmaschine
Ausführungsbeispiel und Figurenbeschreibung:
[0043] Figur 1 zeigt eine beispielhafte Gerätekennlinie 1 einer Werkzeugmaschine (nicht
dargestellt) mit ihren charakteristischen Punkten 3 und Unterbereichen 4. Die Unterbereiche
sind in Fig. 1 mit römischen Zahlen I., II., III. und IV. bezeichnet. Die charakteristischen
Punkte 3 tragen die Bezeichnungen A, B, D, E und F. Die charakteristischen Punkte
3 stellen die Knickpunkte in der Gerätekennlinie 1 dar, wobei die charakteristischen
Punkte 3 die Gerätekennlinie 1 in die einzelnen Unterbereiche 4 unterteilen. Im Unterbereich
I. läuft die Werkzeugmaschine vorzugsweise im Leerlauf, bevor mit der tatsächlichen
Arbeit mit der Werkzeugmaschine begonnen wird. In Unterbereich I. wird vorzugsweise
die höchste Drehzahl n_max erreicht, die im Sinne der Erfindung bevorzugt auch als
Leerlauf-Drehzahl bezeichnet wird. In den Unterbereichen I und II wird mit der Werkzeugmaschine
gearbeitet, und zwar mit zunehmenden Anpressdruck oder mit abnehmenden Anpressdruck.
Der zweite und der dritte Unterbereich werden durch den charakteristischen Punkt D
voneinander getrennt, wobei im charakteristischen Punkt D das Belastungsmaximum der
Werkzeugmaschine vorliegt. An Punkt D wird das höchste Drehmoment M_max erreicht,
wobei die Drehzahl n in Punkt D und im Unterbereich III die Knick-Drehzahl n_D einnimmt.
Überschreitet der Anwender den Punkt D, so sinkt das Abgabedrehmoment, um den Anwender
einen zu hohen Anpressdruck zu signalisieren.
[0044] Fig. 2 zeigt beispielhaft verschiedene Gerätekennlinien 1 mit ihren charakteristischen
Punkten 3 und Unterbereichen 4. Die Gerätekennlinie 1, die in farbiger Darstellung
rot ist und insbesondere im Unterbereich III. und IV. den niedrigsten Wert für die
Drehzahl n annimmt, ist die Gerätekennlinie 1, die für die Anwendung «Bearbeitung
von kunststoffbeschichteten Oberflächen (Epoxidharz)» optimiert wurde. Sie weist eine
Spreizung S von etwa 0,36 auf, so dass sich die Leerlaufdrehzahl des ersten Unterbereich
und die Knickdrehzahl des dritten Unterbereichs deutlich stärker unterscheiden als
bei konventionellen Gerätekennlinien 1.
[0045] Fig. 3 zeigt eine mögliche Ausgestaltung des qualifizierten Arbeitsbereichs 2. Dargestellt
ist in Fig. 3 - wie auch in den Fig. 1 und 2 - eine Drehzahl-Drehmoment-Auftragung,
wobei die Drehzahl n auf der y-Achse und das Drehmoment M auf der x-Achse aufgetragen
ist. Der qualifizierte Arbeitsbereich 2 der Werkzeugmaschine ist vorzugsweise dadurch
gekennzeichnet, dass in seinen Grenzen der Nutzer Gerätekennlinien 1 auswählen oder
durch die Festlegung von charakteristischen Punkten 3 selbst gestalten kann.
Bezugszeichenliste
[0046]
- 1 Gerätekennlinie
- 2 qualifizierter Arbeitsbereich der Werkzeugmaschine
- 3 charakteristischer Punkt
- 4 Unterbereich der Gerätekennlinie
1. Verfahren zum Betrieb einer Werkzeugmaschine, wobei eine anwendungsoptimierte Gerätekennlinie
(1) von einem Nutzer der Werkzeugmaschine ausgewählt wird, wobei die anwendungsoptimierte
Gerätekennlinie in einem qualifizierten Arbeitsbereich der Werkzeugmaschine liegt.
2. Verfahren nach Anspruch 1
umfassend die folgenden Verfahrensschritte:
a) Gestaltung einer anwendungsoptimierten Gerätekennlinie für eine Werkzeugmaschine,
b) Betrieb der Werkzeugmaschine mit der anwendungsoptimierten Gerätekennlinie, wobei
die anwendungsoptimierte Gerätekennlinie in einem qualifizierten Arbeitsbereich der
Werkzeugmaschine liegt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2
dadurch gekennzeichnet, dass
die Gerätekennlinie (1) an der Werkzeugmaschine selbst und/oder unter Verwendung eines
Eingabegeräts ausgewählt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche
dadurch gekennzeichnet, dass
die Gerätekennlinie (1) von charakteristischen Punkten (3) festgelegt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche
dadurch gekennzeichnet, dass
die Gerätekennlinie (1) i charakteristische Punkte (3) und (i-1) Unterabschnitte (4)
umfasst.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5
dadurch gekennzeichnet, dass
ein charakteristischer Punkt (3) von einem Drehmomentwert M und einem Drehzahlwert
n gebildet wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 bis 6
dadurch gekennzeichnet, dass
die Festlegung der charakteristischen Punkte (3) durch Eingabe der charakteristischen
Punkte (3) in die Werkzeugmaschine selbst und/oder auf einem Eingabegerät erfolgt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1-3
dadurch gekennzeichnet, dass
die Gerätekennlinie (1) einem Anwendungsfeld der Werkzeugmaschine zugeordnet ist.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche
dadurch gekennzeichnet, dass
die Gerätekennlinie (1) durch einen Spreizungswert S charakterisiert wird, wobei die
Spreizung S in einem Bereich von 0,2 bis 0,6 liegt, bevorzugt in einem Bereich von
0,3 bis 0,5, besonders bevorzugt in einem Bereich von 0,33 bis 0,4 und am meisten
bevorzugt bei circa 0,36.
10. Werkzeugmaschine zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Gerätekennlinie (1) zum Betrieb der Werkzeugmaschine von einem Nutzer auswählbar
ist, wobei durch die Gerätekennlinie (1) ein qualifizierter Arbeitsbereich (2) für
die Werkzeugmaschine vorgegeben wird.
11. Werkzeugmaschine nach Anspruch 10
dadurch gekennzeichnet, dass
die Gerätekennlinie (1) durch charakteristische Punkte (3) festlegbar ist.